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Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete

Specieller Theil.

Reading edition

A. Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von Franzensbad aus.

Franzensbad.

Gasthöfe: Post in der Kaiserstrasse; Hôtel Hübner, Kaiserstrasse; Kaiser von Oesterreich, Ferdinandsstrasse; Britisch Hôtel, Parkstrasse; Brandenburger Thor, Karlsstrasse; Goldenes Kreuz, Hôtel Holzer, Stadt Leipzig, Kulmerstrasse; Müllers Hôtel, Salzquellstrasse; Gisela, Bahnhofstrasse. Preise: 1 fl. – 1 fl. 50 kr.; Licht und Service 40 kr.; Suppe 12 kr., Braten 40 bis 80 kr., Kaffee im Geschirr 24 kr., – gutes Bier und vortreffliche Weine zu mässigen Preisen.

Privatlogis sind in etwa 150 meist neu und elegant eingerichteten Wohnhäusern jederzeit zu bekommen; nur zur Hochsaison d. i. vom 20. Juni bis Ende Juli tritt wegen grossen Andranges Wohnungsmangel ein und empfiehlt es sich, sich die Wohnung im voraus zu bestellen. Für Salons zahlt man wöchentlich in der Hochsaison 20 bis 40 fl., doch kann man auch gut eingerichtete Zimmer mit prächtigen Betten um 5 bis 8 fl. bekommen. Das Bürgermeisteramt und die Brunnenärzte sind jederzeit zu Auskünften bereit. Die an den Häusern angebrachten Tafeln mit dem Worte »Logis« zeigen jedermann an, wo Wohnungen zu vermiethen sind; man kann daher zudringliche Wohnungsanbieter jederzeit zurückweisen.

Im Cursaal, nächst der Franzensquelle, sowie in den obgenannten Hôtels speist man vortrefflich entweder à la carte oder Table d'hôte – das Couvert 1 fl. 30 kr. Curgästen werden auch Speisen in die Wohnhäuser verabreicht.

Kaffee: Im Curpark (20 kr. ohne Gebäck), in allen Hôtels und Privathäusern.

Mehrere ausgezeichnete Conditoreien in der Kaiserstrasse. –

Kaffee in der nächsten Umgebung: Ludwigshöhe, Antonienhöhe, Miramonte, Stöckermühle, Schlada, Bahnhofrestauration u. s. w.

Lesecabinet im Franzensbader Curhause, von 8 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends geöffnet; es sind über 60 Zeitschriften in den Hauptsprachen und Curlisten aller bedeutenden Curorte vorhanden.

Post- und Telegrafenamt. (Neugasse.)

Gewöhnliche, Dampf-, russisch-, türkische Bäder.

Photographische Ansichten in den Buchhandlungen.

Musik und Theater:

Die rühmlichst bekannte Badecapelle unter Leitung des Capellmeisters Tomaschek spielt an jedem Morgen:

1) an der Salzquelle von 6–7 Uhr;

2) in der Franzensquelle von 7–8 Uhr, und

3) im Park von ½5 bis ½7 Uhr Nachmittag.

Im Theater wird nur im Sommer von einer reisenden Truppe gespielt.

Franzensbad ist einer der berühmtesten Badeorte in Oesterreich-Ungarn, liegt in einem Thalkessel 493m über dem Meere und wurde 1793 zum Badeorte erhoben und nach Kaiser Franz I., dem in den Parkanlagen eine Erzstatue errichtet worden, benannt. Der Ort wird im Norden vom Park, im Westen von Loimanns Anlagen, im Süden u. Osten von den neuen Anlagen umgeben. Touristen, welche binnen wenigen Stunden die interessantesten Puncte des Curortes kennen lernen wollen, ist ein Rundgang durch die Stadt zu empfehlen. Sie gehen vom Bahnhofe durch die Parkstrasse und Karlsstrasse in den Park zum Franzens-Monument und von da in die Kaiserstrasse, wo sie Dr. Loimanns bekanntes und elegant eingerichtetes Badehaus mit der Louisenquelle, dem kalten Sprudel, dem Moorlager und den herrlichen Anlagen besichtigen. Zu diesem grossartigen Badeetablissement legte im Jahre 1827 der Hausbesitzer und Burgverwalter Loimann, der Vater des gegenwärtigen Besitzers Med. Dr. Loimann, den Grund, indem er auf eigene Kosten ein allgemeines Badehaus erbaute. Die Louisenquelle wurde 1807 gefasst, 1808 zum Gebrauche eingerichtet und der damaligen dritten Gemahlin Sr. Majestät des Kaisers Franz, Maria Ludowika, zu Ehren die Louisenquelle genannt. Nur wenige Schritte davon bricht mit Heftigkeit der sogenannte kalte Sprudel hervor. Von da begeben sie sich zur Franzensquelle, sehen hier das Stadt-Egerer Badehaus, und dann weiter in einer herrlichen Allee zur Neu-, Salz- und Wiesenquelle und nehmen auf diesem Wege die grossartigen Badehäuser von Hofrath Dr. Cartellieri und von Singer wahr. Durch die Salzquelle, welche schon 1817 entdeckt war, erhielt Franzensbad seit 1819 einen ganz neuen Aufschwung. Seit dem J. 1837 ist die nahe liegende Wiesenquelle als heilkräftig erprobt und 1840 mit der Salzquelle unter ein gemeinschaftliches Dach gebracht worden.

Nun wird der Rückweg durch die herrliche Morgenzeile zur Kirche und zum Parke angetreten. Der aufmerksam beobachtende und in seinem Urtheile unparteiische Tourist wird finden, dass es Architect und Gärtner verstanden haben, Franzensbad und die nächste Umgebung zu einem eleganten Curorte zu erheben. Die 10 Mineralquellen, alkalisch-salinische Eisensäuerlinge mit bedeutendem Gehalt an Glaubersalz und freier Kohlensäure, denen eminente Heilwirkungen zugeschrieben werden, eine Kohlensäuregasquelle (schon seit 1545 bekannt, aber erst seit 1810 als Heilmittel gebührend anerkannt) und ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor, das auf Sand ruht, namentlich aber die vorzüglichen Anlagen mit reizenden Promenadenwegen, die grossstädtischen Strassen, Hôtels und Villen, die prächtigen Kirchen und Denkmäler, vor allen Dingen aber die höchst elegant und luxuriös ausgestatteten Wohnungs- und Vergnügungsräume, die mancherlei Einrichtungen für Unterhaltung, Genuss und allerlei kostspielige Vergnügungen und Liebhabereien, das Zusammenströmen der feinen Welt, die während des Aufenthaltes in der »europäischen Sommerresidenz« (den nordböhmischen Bädern) gewöhnlich die Nachcur hier geniesst, alle diese Umstände erheben Franzensbad zu einem Bad I. Ranges.

Sehenswürdigkeit: Ausser den im Rundgange angeführten: Die Rotunde bei der Franzensquelle mit der Inschrift: »1793 unter Franz I. gegründet zum Wohle der Menschheit«; die Colonade mit zahlreichen Kaufläden, das Monument der Sachsenstiftung unweit der Rotunde mit der Aufschrift:

Herrlicher Quell, Göttliche Gabe, Bleibe kräftig und hell, Stärke, labe Durch verminderten Körperschmerz Auch das ermattete kranke Herz, Bis die letzten Frommen Zum Urquell ewiger Genesung kommen.

Die katholische Kirche mit einigen werthvollen Gemälden, die im romanischen Styl erbaute protestantische Kirche, die Synagoge im orientalischen Styl und vor allem der Cursaal, das stattlichste öffentliche Gebäude, ein geschmackvoller, brillant ausgestatteter Renaissancebau. Unter den Privathäusern erweckt die Villa Imperial durch ihre freie herrliche Lage inmitten des herrlichsten Parks und nahe der Salzquellpromenade, sowie durch die Pracht der Ausschmückung von Aussen und im Innern die Aufmerksamkeit jedes Besuchers.

Spaziergänge:

Sehr beliebter Spaziergang zur Antonienhöhe in nordöstlicher Richtung (¾ St.), Weg gut, aber nicht schattig. Aufenthalt im Wald sehr angenehm – prächtiger Rundblick über das Egerland.

Nach Miramonte südlich auf der Strasse nach Eger, dann in einer viertel Stunde rechts in einen Promenadenweg abzweigend. Beliebte Restauration, wo man in einem Spiegel die ganze umliegende Landschaft erblickt.

Von Miramonte führt der Weg in westlicher Richtung zum *Kammerbühl, einem erloschenen Vulcan (¼ Stunde). Er gehört unstreitig zu den interessantesten geologischen Erscheinungen und ist vorzugsweise aus vulcanischen Tufen aufgebaut. Die Lagerung dieser Eruptionsproducte lässt sich in ausgezeichneter Weise in dem grossen Bruche hinter der Restauration zum »Kammerbühl« beobachten. In Folge der isolirten Lage bietet der Kammerbühl eine vorzügliche Rundsicht über das Egerland mit seinen zahlreichen Städten und Dörfern, Schlössern und Ruinen, Kirchen und Kapellen, die von den dunkelbewaldeten Bergen des westlichen Erzgebirges oder Kaiserwaldes und des Fichtelgebirges umsäumt werden.

*Siechenhaus. Dieser Spaziergang kann vom Kammerbühl fortgesetzt werden. Gut gepflegte Wege führen von demselben ab nach dem Dorfe Stein und zum Egerfluss, den man an einer romantischen Stelle des Thales mittelst eines Holzsteges überschreitet. (Der am Flussufer hinlaufende Fusspfad führt direct nach Eger.) Der ansteigende, schattige Weg leitet zur Chaussée von Eger nach Wunsiedel und zum Siechenhaus (¾ St.), dem beliebtesten Vergnügungsort der Franzensbader Curgäste und der Bewohner von Eger. Es besteht aus einer Oberförsterei, einem Armenhaus (Versorgungsanstalt) und einer guten Restauration. Schöner Garten inmitten eines herrlichen Waldes, angenehmer Aufenthalt, malerische Aussicht auf Eger und Umgebung.

Empfehlenswerth ist auch der Besuch der eine halbe Stunde weiter entfernten St. Annakirche (608m), ehemals Franziskanerkloster, theils wegen der Kirche selbst, die colossale Schnitzwerke eines unbekannten, altdeutschen Meisters enthält, und in welcher Friedrich Barbarossa 1149 mit Adelhaid von Vohburg getraut worden sein soll (nach andern in der Kapelle des Rathhauses), theils wegen der vorzüglichen Aussicht (namentlich vom Grünberg 656m) auf das Egerland, besonders auf die Gegend von Franzensbad, Maria-Kulm und in fast entgegengesetzter Richtung auf die wichtigsten Berggipfel des Fichtelgebirges.

Auf dem Weiterwege nach *Eger vermeiden wir die Landstrasse und benützen den schönen, nicht zu fehlenden *Promenadenweg durch schattigen Wald und durch das herrliche Egerthal.

Eger.

Gasthäuser: Zwei Erzherzoge am Stadtplatz, Erzherzog Stefan mit schönem Garten an der Eger, Kronprinz Rudolf (Göthe-Denkmal), Bahnhofstrasse. Wetzel oder Kaiser Wilhelm, beim Bahnhofe.

Restaurationen: Karg's Bastei, Krämlings Bastei, unweit der Burg, schönste Aussicht in's Egerthal, Adlers Restauration, Schustersprung im Egerthale, vorzügliche Fische, namentlich Karpfen.

Café: Pistorius am Ringplatz.

K. k. Post-, Telegrafen-, Hauptzollamt, Kreisgericht, Bezirkshauptmannschaft.

Eisenbahn nach Baiern, Sachsen, gegen Carlsbad und Marienbad.

Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen.

Volksfest: Vinzenzifest.

Dienstmanninstitut.

Eger ist die Hauptstadt des »gesegneten« Egerlandes, wie das Gebiet an der oberen Eger in Böhmen genannt wird, und war auch der Hauptort des ehemaligen Egerer Kreises. Die Stadt liegt 413m über der See, hat über 16.000 Einwohner und liegt zumeist auf dem rechten, etwas ansteigenden Ufer des gleichnamigen Flusses.

Die Lage an einem uralten Strassenzug und unmittelbar vor dem Eingange zum Norden Deutschlands erhob Eger schon in alter Zeit zu einem wichtigen Handelsplatz, namentlich aber zu einer militärisch wichtigen Position, zu einem Mittel- und Ausgangspunct kriegerischer Unternehmungen, in neuester Zeit aber zu einem Centralpunct von 5 Schienenwegen. Hauptbeschäftigung der Bewohner: Gerberei, Schuhmacherei, Bierbrauerei.

Die altehrwürdige Stadt Eger, die sich in jüngster Zeit in der Richtung nach dem Bahnhof und auf dem sogenannten Rahmberg, sowie durch Auflassung des Friedhofes und Verlegung desselben ausser der Stadt sehr erweitert und verschönert hat, bietet Sehenswürdigkeiten aus alter und neuerer Zeit.

1. Die *Burg – Kaiserburg – (Eintrittsgeld nach Belieben). Diese imposanten, am nordwestlichen Ende der Stadt emporragenden Ruinen auf felsigem Grunde bestehen ausser den Resten der Festungswerke aus mehreren beachtenswerthen Bauten, welche sind:

a) Die 4 Umfassungsmauern mit zum Theil eingestürzten Fensterwölbungen; das Gemäuer aus Thonschiefer, die Säulen aus fränkischem Marmor.

b) Der schwarze Thurm – 23m hoch – ist aus Lavastücken vom Kammerbühl erbaut und stammt aus dem 10. Jahrh. (nach andern aus der Römerzeit, daher »Heidenthurm«).

c) Die Doppelkapelle steht im Burghof und ist aus dunkelgrünem Schieferbruchstein erbaut. Sie besteht aus der unteren oder Erhardskapelle und der oberen oder Martinskapelle. Das Ganze stammt aus der Blüthezeit des Rundbogenstyls. Das Innere der ersteren liegt mehrere Fuss tiefer als der Burghof und wird von 4 Fenstern erleuchtet; das feste Gewölbe tragen 4 Granitsäulen. In der letzteren, zu der eine neue Treppe führt, wird das Gewölbe von vielen geschmackvollen Marmorsäulen getragen. Ein Gang verband die Kapelle mit dem Palast.

d) Der ehemalige Rittersaal ist noch an den vorhandenen Bogenfenstern zu erkennen. Dieser war Zeuge von der Schreckensscene am 25. Februar 1634; den Getreuen Wallensteins, Illo, Terzky, Kinsky und Neumann, wurde hier durch Verrath ein blutiges Ende bereitet.

Die Veranlassung dieses blutigen Auftrittes müssen wir als bekannt voraussetzen. (Siehe übrigens unter Stadthaus!) Die Vertrauten Wallensteins waren von dem durch die Kaiserlichen gewonnenen Commandanten Gordon zum Abendessen in die Citadelle geladen worden. Kurz nach ihrer Ankunft und nachdem die Bedienten entfernt und eingeschlossen waren, trat der Hauptmann Geraldin mit Dragonern in den Saal, welche auf die vier Gäste einhieben und sie niedermetzelten.

Auf dem gegenüberliegenden Egerufer stand die 1295 erbaute Wenzelsburg, die mit der Kaiserburg durch eine hölzerne Brücke verbunden war. Im Hofe der Burg befinden sich gegenwärtig schöne Anlagen; der Staat sorgt für Erhaltung dieser interessanten Ueberreste. Sehr schön ist der Ausblick auf das Egerthal, namentlich auch auf Siechenhaus und St. Anna.

Die ehedem sehr starken Festungswerke stammen jedenfalls aus dem 10. Jahrhundert, als die Grafen von Vohburg zu Markgrafen über die Umgegend bestellt wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa, der in Eger viele Hoflager abhielt, und 1149 Adelheid von Vohburg heiratete (Trauung in der Kapelle des Rathhauses, nach anderen in der Kirche auf St. Anna) legte die neue, schöne Kaiserburg an; am 2. Dezember 1805 wurde sie von den Franzosen bis auf die noch jetzt vorhandenen Ueberreste zerstört.

2. Das Stadthaus (hier löst man sich eine Eintrittskarte für 20 kr.) am Ring d. i. Marktplatz. Kein Tourist verlässt Eger, ohne dieses denkwürdige Haus besucht zu haben, in dem der mächtige Wallenstein am 25. Februar 1634 sein blutiges Ende fand.

Die vom Herzog von Friedland bewohnt gewesenen Räume befinden sich noch in ihrem ursprünglichen Zustande und enthalten ein Album mit interessanten Autographien, Wallensteins Bildnis und zwei auf seine Ermordung bezügliche Gemälde, zwei Schränke mit zahlreichen Gegenständen, die auf das blutige Ereignis Bezug haben, so die Hellebarde, mit der Wallenstein (hinten im Schlafzimmer) den Todesstoss empfing u. a.

Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges findet der mächtige und gefürchtete kaiserliche Generalissimus sein tragisches Ende. Buttler, der Obrist eines irischen Reiterregiments, hatte den Auftrag übernommen, den Herzog von Friedland lebendig zu fangen oder zu ermorden. Während des Blutbades auf der Burg hatte sich Wallenstein ermüdet zu Bette begeben. Abends 10 Uhr begaben sich die Verschworenen Leslie, Geraldin, Buttler und Deveroux mit 30 Dragonern von der Burg in die Stadt. Während Leslie die Hauptwache, Buttler die Hauptthür, Geraldin die Hinterthür des von Wallenstein bewohnten Palastes besetzten, stürmten Deveroux und mehrere Dragoner die Treppe hinauf, metzelten 2 Kammerdiener nieder, sprengten die Thür und fanden Wallenstein, am Fenster stehend. »Du bist der Schelm«, rief Deveroux, »der das kaiserliche Volk zum Feinde überführen und Sr. kaiserl. Majestät die Krone vom Haupte reissen will! Du musst sterben!« Wallenstein warf ihm einen ernsten, kalten Blick zu und sprach kein Wort. »Du musst sterben!«, rief Deveroux abermals, und mit diesen Worten stiess er dem Herzog die Hellebarde mit solcher Gewalt in die Brust, dass sie durch und durch ging. Lautlos stürzte der mächtige Friedländer zu Boden. – Albrecht von Waldstein oder Wallenstein war 1583 zu Hermanic in Böhmen geboren; er zählte somit kaum 52 Jahre. »Der Act der Gerechtigkeit, welcher Wallenstein im Grund verfallen war, bekam durch die Art der Vollziehung derselben die Form eines feigen Justizmordes.«

In den daran stossenden Räumen befindet sich das interessante und sehenswerthe »Egerländer Museum.«

3. Die Stadtkirche St. Niclas; sie zeigt romanische und gothische Bauform und enthält sehenswerthe Malereien und Sculpturarbeiten. (Sehenswerth ist auch die im J. 1872 im gothischen Styl erbaute evangelische Kirche.)

4. Ausserdem sind noch besuchenswerth: Das Rathhaus mit schönem Treppenhaus, die Turnhalle, das »Rudolphinum«, Centralschulgebäude, das »Schillerhaus« Nr. 17 am Marktplatz mit der Gedenktafel: »In diesem Hause wohnte im J. 1791 Friedrich von Schiller behufs seiner Studien zur Wallensteintrilogie«, das »Göthehaus« Nr. 38, die Franciskanerkirche, mit der ein Kloster verbunden ist! Die dreischiffige Kirche ist im reinsten gothischen Styl erbaut und macht einen herrlichen Eindruck. Am Ring fällt dem Touristen das Riedel'sche Haus, ein ehemaliges Patricierhaus, mit seinem schön durchbrochenen Giebel auf.

Die Gründung der Stadt Eger (Cheb) wird in das 10. Jahrhundert verlegt und den Grafen von Vohburg zugeschrieben, die damals von den deutschen Kaisern als Markgrafen über die Umgegend bestellt worden waren. Eger war Hauptort der Markgrafschaft Eger und Eigenthum der Markgrafen von Vohburg. Durch Heirath (1149) kam Eger an Friedrich Barbarossa, der es vor nun 700 Jahren, nämlich 1149, zur deutschen Reichsstadt erhob. Später war Eger lange Zeit der Zankapfel zwischen Böhmen und Bayern; nachdem es aber Kaiser Ludwig der Bayer 1315 an Böhmen verpfändet, blieb es bis heute bei Böhmen. Grosse Drangsale im Hussiten- und 30jährigen Kriege hatte die Stadt zu bestehen; die ganze Gegend glich zu wiederholten Malen einem einzigen grossen Kriegslager.

Anmerkung: Wer über längere Zeit verfügt, dem ist von Eger aus ein Ausflug (per Bahn 20 Minuten, zu Fuss 2 Stunden) nach dem baierischen Markt Waldsassen anzuempfehlen. (Wohlrabs Restauration.) Dieser Ort ist bekannt und berühmt durch seine 1133 gestiftete, 1803 säcularisirte, ehemals sehr reiche Cistercienserabtei. In dem Conventgebäude ein Mädchenpensionat der Cistercienserinnen. Die im 17. Jahrhundert erbaute Klosterkirche ist ein prächtiger Bau im italienischen Prunkstyl – überladen – und bewirkt einen grossartigen Totaleindruck.

Franzensbad-Seeberg. (1 Stunde.) Spaziergang über Unterlohma, von da westwärts nach Höflas und Schloss Seeberg, Eigenthum der Stadt Eger. Wilde Klippen und Buschwerk bilden die nächste Umgebung des Schlosses. Dazwischen bricht sich der in die Eger mündende Seebach Bahn und bildet ein wildromantisches Thal. Vom Schlosse aus lohnende Aussicht auf die Umgegend von Franzensbad. Nach genommener Erfrischung in der Seeberger Restauration wird der Rückweg angetreten.

Franzensbad-*Kapellenberg über Schönberg (mit der Bahn nach Voitersreuth und von da zu Fuss noch 1 Stunde.) Ueber dem sächsischen Dorfe Schönberg erhebt sich der waldreiche »Kapellenberg«, der 764m hoch ist. Er besteht aus Granit, wird zwar von zahlreichen Bergen unserer heimatlichen Landschaft an Höhe übertroffen; aber die Lage am Südfusse des Gebirgskammes, das unmittelbare Aufsteigen aus dem breiten Egerthal, der Mangel an ebenbürtigen Nachbarn erheben ihn nicht nur zu einem ansehnlichen Grenzpfeiler Sachsens und des deutschen Reiches gegen Böhmen, sondern auch zu dem vorzüglichsten Aussichtspunkt des Vogtlandes. – Es ist nicht nöthig, das Holzgerüste zu besteigen; die niedrigen Holzbestände hindern die Rundsicht keineswegs. Das malerische Landschaftsgemälde entzückt das Auge nicht blos durch die schönen Formen und durch die Ferne, bis wohin der Blick reicht, auch nicht blos durch den Vorzug, dass das Hauptpanorama dem Beschauer unmittelbar zu Füssen liegt, wodurch ein Verlieren des Blickes in verschwommene Fernen verhütet wird, sondern vor allen Dingen durch die zahlreichen Wasserspiegel, die als lichte Punkte oder Silberstreifen aus dem reichgesegneten Egerland hervortreten und das Ganze ausserordentlich beleben.

Der Blick haftet zunächst an dem freundlichen, fast genau in südlicher Richtung liegenden Dorfe Schönberg, dem südlichsten des Sachsenlandes, und an der schnurgeraden Strasse, die die Lage von Ober-Lohma, Franzensbad und Eger trifft. Wenig rechts davon erhebt sich der erloschene Vulcan Kammerbühl und in grösserer Ferne die jenseits der Stadt Eger aufsteigende Höhe mit der St. Anna-Kapelle. Nun folgt nach rechts eine grosse Zahl von grösseren und kleineren Ortschaften – Haslau, Liebenstein, Selb u. a. –, hinter denen sich das Massengebirge des Fichtelgebirges mit Kösseine, Schneeberg, Waldstein vor allem imposant darstellt; daran reihen sich der grosse Kornberg, der Döbraberg im Frankenwald und der Hainberg bei Asch. Weniger wechselvoll ist die Landschaft im Norden, wo ein weites Waldrevier die Höhen des Elstergebirges bedeckt. Wenig rechts davon, fast genau im Norden, erscheint nun das weitschauende Schöneck am Horizont, desgleichen der unverkennbare Kirchthurm von Landwüst, der hohe Stein mit seinen scharf-zackigen Thonschiefergebilden und fast in derselben Richtung der finstere Bergrücken des »Kiel.« Gegen Nordosten im Vordergrund liegen die Orte Steingrub, Klinghard, Frauenreuth, Neukirchen, und in den dahinter aufragenden Bergen wollen manche die Bergriesen des Erzgebirges, den Auersberg, Fichtel- und Keilberg erkennen. Aus der weithin vor unseren Blicken sich ausbreitenden Fruchtebene, die von 2 sehr naheliegenden Kegelbergen, dem Hirsch- und Scheibenberg, unterbrochen wird, treten hinter und zwischen den glitzernden Wasserspiegeln freundliche Städtchen und Dörfer hervor, wie Maria-Kulm mit der imposanten Wallfahrtskirche, Königsberg, Wildstein, Altenteich und wie sie alle heissen, zu denen die Berge des sogen. Kaiserwaldes – Steinbock, Glatze, Bärenbrand – einen vortheilhaften Hintergrund bilden. Mit dem nahen Voitersreuth schliesst das Rundgemälde, das jeder Besucher mit hoher Befriedigung betrachtet.

Nach genossener Aussicht ist die Rückkehr in die Voitersreuther Bahnhofrestauration zu empfehlen.

Franzensbad-Wildstein. Von Franzensbad aus in nördlicher Richtung über Lohma (1 Stunde); diese Partie lässt sich auch mit der vorangehenden verbinden, indem man von dem Orte Voitersreuth links nach Altentrich und dann in nordöstlicher Richtung weiter geht. Auf dem *Störlberge anmuthige Waldpartien, hübsche Aussicht, Kaffeehaus.

Touren.

Franzensbad-*Wies – über Eger auf der Strasse in südlicher Richtung. Der Ort liegt inmitten eines prächtigen Waldes, unmittelbar an der Grenze, hat eine freundliche Kirche, ein Nebenzollamt und eine Restauration zum »grünen Baum«. Der Aufenthalt in der würzigen Waldluft und den reizenden Baumgruppen sehr angenehm.

Franzensbad-Schloss Liebenstein. Weg dahin auf der Franzensbad-Hofer Strasse in westlicher Richtung (2½ St.) Das Schloss ist Eigenthum des Grafen von Zedwitz. Der Ausflug ist wegen der schönen Waldpartien sehr lohnend.

Franzensbad-*Elster (mit der sächsischen Staatsbahn über Voitersreuth 1 St. 11 Min.) (Gasthöfe: Wettiner Hof, Hôtel de Saxe, Hôtel Bauer, Reichsverweser, Daheim.) Besuchtester Kurort Sachsens, 496 M., hat gute Badeeinrichtungen und schöne Anlagen. Am Brunnenplatze befindet sich das königliche Badegebäude mit dem Maria-, Königs- und Alberts-Parke. Die Salz- und Johannissquelle befinden sich unter einem tempelartigen Überbau. Die Quellen gehören zu den alkalisch-salinischen Eisenwässern und sind ihrer Wirkung nach den Franzensbadern ähnlich.

Franzensbad-*Maria-Kulm (mit der Bahn-Station: Königsberg-Maria-Kulm der Buschtiehrader Eisenbahn).

Maria-Kulm.

Gasthäuser: Goldener Engel, schwarzer Adler, goldener Stern, goldener Adler, deutsche Eiche, rother Ochs.

Restaurationen.

K. k. Postamt.

Maria-Kulm liegt am linken Ufer der Eger, auf einem der südlichsten Ausläufer des Erzgebirges. Nur 3 Weges-Stunden von Eger entfernt, erhebt sich der Berg wie zu einer natürlichen Veste, welche schirmend über den grössten Theil des lieblichen Egerlandes hinwegschaut. Maria Kulm ist ein Marktflecken mit über hundert Häusern, welcher als Wallfahrtsort mit seiner imposanten, weithin sichtbaren Kirche alljährlich zur Sommerszeit von Tausenden von Andächtigen besucht wird. Aus allen Gegenden, aus Böhmen und aus Baiern, strömen Processionen herbei, und die weiten Räume der Kirche und der für das Gnadenbild Mariens eigens erbauten, an die Kirche anstossenden Kapelle vermögen oft, namentlich zur Pfingstzeit, die ungeheuren Massen kaum zu fassen. Die Kirche, von einem grossen Kreuzgange umgeben, ist ein Meisterwerk bizantinischer Baukunst. Zahlreiche Thürme, welche gigantisch zum Himmel streben, zieren den colossalen Bau und das harmonische Geläute[1] ihrer Glocken dringt volltönend, wehmüthig und selig erhebend zugleich fernhin und hinab in's herrliche Thal, das im reichen Segensgewande an den Fuss des Berges sich anschmiegt.

Mehrere Sagen gehen über den Ort. Abgesehen von der Sage (zu haben bei dem dortigen Messner Ferd. Ehmer) über das wunderthätige Gnadenbild Mariens erzählt man sich auch noch von Räubern, die in grauen Zeiten in der Umgebung gehaust. (Gleichfalls bei Ferd. Ehmer zu haben.) Die Sage von den »Räubern auf Maria Kulm« ist ja übrigens auch dramatisirt worden als »vaterländisches Ritterschauspiel«. Dasselbe, ehedem auch auf grösseren Bühnen aufgeführt, wird gegenwärtig nur noch von herumziehenden Schauspieltruppen in jener Gegend zur Belustigung der »Räuber-Epigonen« aufgeführt. Eine Scene aus diesem vaterländischen Ritterschauspiel ist auch aufgenommen in das Decorationsspiel »Tausend und eine Nacht«! Der »Kulmer Berg« war der Zufluchtsort dieser höllischen Brüder. Von der »grossen Glocke« mit den reinen Tönen erzählt man, dass sie, so wie sie ist, auf einer nahen Hutweide von – Schweinen ausgewühlt worden sei.

Herrlich ist die Aussicht, welche man vom Kulmer Berge und namentlich vom Thurme aus geniesst, der nach allen vier Weltgegenden den Ausblick ermöglicht. Auf der einen Seite erscheint dem nach Westen gewandten Blicke, über das schöne Egerthal hinweg, mit dem schwarzen Fichtelgebirge im Hintergrunde (von den Egerländern kurzweg »d'Stod« d. i. die Stadt genannt), die Stadt Eger, welche mit ihren finsteren, altersgrauen Thürmen den Mittelpunkt des Egerlandes bildet, während zur Rechten der schwarze Wall des Erzgebirges als Grenzdamm Böhmens gegen Sachsen hin nebelfarbig sich hinzieht, und zur Linken das reich bewaldete Tepler Gebirge und die hohen Rücken des Kaiser-Waldes romantisch sich abheben. Auf der anderen Seite reicht des Beschauers nach Osten gewandter Blick weithin durch das gleichfalls von Bergen umschlossene, sogenannte »Unterland«, das Falkenau zum Mittelpunkte hat. Und in dunkler Ferne erscheinen im Hintergrunde, den Abschluss des Gesichtskreises bildend, die hohen Kämme, aus deren Schoosse die weltberühmten Thermen Karls IV. hervorquellen. (An klaren Tagen kann man auch von dem als Ausflugsort Karlsbads bekannten »Aberge« die Thürme der Maria Kulmer Kirche noch genau unterscheiden.)

Am Südfusse des Berges führt zum grossen Theile dem linken Egerufer entlang die Buštěhrader Eisenbahn aus der Richtung von Karlsbad nach Eger. Von zwei Stationen aus kann man Maria Kulm erreichen, beide Stationen sind ungefähr ½ Stunde von der Höhe entfernt. Der für Fussgänger bequemere Weg führt von der Station Dassnitz aus den Berg hinauf, beschwerlicher hingegen ist der Aufstieg von der Station Königsberg-Maria Kulm. (Name der am rechten Egerufer, Maria Kulm gegenüberliegenden Stadt. Diese Station enthält auch eine grössere Restauration, die wir auf der ersteren Station ganz vermissen). Will man von letzterer Station mittelst Fahrgelegenheit den Berg erreichen, muss man einen kleinen Umweg auf der längs des Westfusses des Berges nach Katzengrün (Dorf mit einem prächtigen Schlosse, das in der Sage von den »Kulmer Räubern« vielfach genannt wird; auch befindet sich hier ein zum Schlosse gehöriges grösseres Bräuhaus) hinführenden Chaussee machen, von welchem Orte aus eine breit angelegte, überdiess von einer für Fussgänger bestimmten Allee begleitete Strasse nach Maria Kulm hinauf führt. Ausserdem führen noch auf der dem Erzgebirge zugewendeten Seite mehrere Strassen den Berg hinauf, unter welchen diejenige die bedeutendste ist, welche Maria Kulm mit Falkenau verbindet. Hier vereint sich alles, um dem Besucher des Ortes den Aufenthalt so angenehm als nur möglich zu machen. Und wer immer, auch nur einmal, selbst wenige Stunden auf des Kulmer Berges luftiger Höhe verlebt, der wird die verbrachten Stunden sicherlich nicht zu den verlorenen seines Lebens zählen, er wird immer wieder sich zurücksehnen oder wenigstens in froher Erinnerung und voll innerer Befriedigung denken der segensvollen, von alten Sagen geheimnisvoll umrauschten Stätte. (Entweder retour mit der Bahn nach Franzensbad oder Fortsetzung der Tour mit der Bahn oder zu Fuss (herrliche Wanderung auf der durch Waldungen führenden Kaiserstrasse) nach Falkenau – siehe dieses).

Franzensbad-Schönbach.

Schönbach nord-nordöstlich von Franzensbad gelegen.

Gasthof: Meyer's, Sander's Gasthof, Herrenhaus.

Postverbindung über Gossengrün mit Bahnstation Hartenberg und über Wildstein mit Bahnhof Voitersreuth.

Musikschule, die Vorzügliches leistet und auf die Hebung der Musikinstrumentenfabrikation von grösstem Einflusse ist.

Schönbach verdankt seine Entstehung dem Bergbau und wurde die erste Besiedelung des Sconenbaches, eines klaren Trinkwassers, mit Erbauung eines Wartthurmes ausgeführt. Dieser Wartthurm, gebaut (ein Lug in's Land) an der Grenze Böhmens, welcher durch Anbau der Kirche im J. 1188 zum Kirchthurm umgeschaffen wurde, zeigt noch heute im Innern den Charakter deutscher Wartburgen. Beachtenswerth ist das gute Altarblatt, den gekreuzigten Erlöser darstellend.

Die Stadt ist heute einer der gewerbthätigsten Orte des böhmischen Nordwestens, Haupterzeugungsplatz für Saitenmusikinstrumente, besonders Violinen. Dieser Industriezweig, welcher heute mehr als dreiviertel der Bevölkerung beschäftigt, gelangte die letzten 25 Jahre hier zu früher nie geahnter Entwicklung, und es dürfte diese Hausindustrie jeden Fremden lebhaft interessiren.

Schönbach ist im streng geografischen Sinne der Scheidepunkt zwischen dem Erz- und Fichtelgebirge; denn westlich sehen wir die als Elstergebirge benannten letzten Ausläufer des Fichtelgebirges, während im Osten das Erzgebirge aufzusteigen beginnt; es ist auch zugleich die Scheidegrenze des egerländer und des sächsischen Dialekts. Die Stadt zeigt noch vielfach ihren alterthümlichen Charakter und hatte früher Mauern, von denen heute jedoch wenige Spuren mehr aufzudecken sind. Als Merkwürdigkeit aus alter Zeit gelten die Mauerreste der gräflich Schlick'schen Schlossgebäude, heute nur noch im Hause NC. 140 vorhanden, während dieselben den Raum umfassten, wo jetzt die Häuser NC. 139, 140, 141 stehen; Nr. 139 soll die Münzstätte gewesen sein. Bei der Pfarrkirche ist ein in Stein gehauenes Schlick'sches Wappen eingemauert.

Ausflüge: Zum »*hohen Stein«. Derselbe hat eine Höhe von 767m über der See, liegt noch auf böhmischer Seite und gehört zu den wunderlichsten Felsbildungen nicht bloss des Vogtlandes, sondern des gesammten Erzgebirges. Während diese Thonschiefergebilde auf dem bewaldeten Höhenrücken von der Ferne den Ruinen einer mächtigen Burg oder Bergfeste gleichen, nehmen die einzelnen Theile in der Nähe bestimmte Gestalten an, und die Phantasie hat leichtes Spiel, diesen passende Namen zu geben: das Schiff, das Gesicht (eine höchst charakteristische Figur), der Schnabel, das Thor (zwei sehr nahe stehende Felsen, die das Ansehen zweier Thorpfeiler haben). Der höchste Punkt des Felsens ist durch eine Stange bezeichnet; nach dem alten Markstein zu urtheilen, der auf der einen Seite die Inschrift trägt: »Regn. Imp. Franc. Pr.«, auf der anderen: »Oper. Astr. Trigo. 1808« muss der hohe Stein Vermessungsstation gewesen sein.

Die Aussicht ist eine vortreffliche, nur wird sie durch den Umstand beeinträchtigt, dass der hohe Stein nicht unmittelbar zum Egerthale abfällt, wie diess beispielsweise bei dem Kapellenberg der Fall ist. Hinter den nahen böhmischen Dörfern Ursprung, Stein und Kirchberg erheben sich die steilen Höhen der böhmischen Terrasse und weiter nach Süden zu öffnet sich das gesegnete Egerland mit seinen zahlreichen Ortschaften, Kirchen und Kapellen. Gegen Südwesten und Westen schliessen die Berge des Fichtelgebirges den Horizont ab; vorzüglich präsentirt sich der Kapellenberg. Nach Nordwesten zu sehen wir einen grossen Theil des Vogtlandes, in geringer Entfernung Landwüst und Wernitzgrün, in nächster Nähe aber Cubabrunn mit Rittergut, tief unten Markneukirchen, Siebenbrunn und Adorf und zu unseren Füssen Erlbach.

An der Ostseite des Felsens, wo Steine gebrochen werden, ist eine »fliegende Restauration.«

Werfen wir vor unserem Abstieg nach Erlbach nochmals einen Blick auf die interessante Landschaft, die lebhaft an das Hochgebirge erinnert, namentlich auf die interessanten Felszacken und auf die in einsam stiller Höhe errichtete Gebetsstätte (Kapelle), so kann sich das empfängliche Gemüth eines tiefen Eindruckes nicht erwehren, und wir finden es begreiflich, dass die Phantasie des Volkes mächtig angeregt wurde und verschiedene Sagen der wunderlichsten Art bildete. Neben den Sagen von einer verwünschten und versunkenen Ritterburg, von Gespenster- und Spukgestalten sind es namentlich solche von unterirdischen Schätzen, mit denen das arme Volk sich über die Mühsale des Lebens hinwegträumt. Von Erlbach gehen wir nach Markneukirchen (1 St. siehe Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus), fahren dann mit der Bahn nach Adorf und zurück über Elster, Voitersreuth nach Franzensbad.

Nennenswerth ist eine zweite Tour in das romantische Leibitschthal, von Schönbach nach Leibitschgrund (1 St.), wo sich eine aufstrebende Spinnfabrik in schöner Waldgegend befindet. Weiter im Leibitschthale kommt Glashütte mit Hohlglaserzeugung und Leopoldshammer. Von dort rechts ab, die Strasse meidend, gelangen wir längs des Leibitschbaches in ein schönes Waldthal, dessen südlicher Punkt Nonnengrün ist. Die Waldthalschänken bieten frisches Bier. (Retour-Weg nach Schönbach.)

Franzensbad-Asch

(mit der Bahn).

Asch: Gasthöfe: zur Post, zum goldenen Adler; als Belustigungsort gilt das Schiesshaus.

Post-Telegrafenamt; k. k. Bezirkshauptmannschaft; Eisenbahnverbindung nach Franzensbad und über Oberkotzau: 1. nach Hof, Plauen; 2. nach Neuenmarkt, Bamberg; 3. Neuenmarkt, Baireuth.

Die Stadt liegt 637m über dem Meeresspiegel und hat über 10.000 Einwohner. Asch ist zu beiden Seiten des Aschbaches gebaut und Hauptort des 2·5 Quad.-Meil. oder 3·16 Quad.-Myriameter grossen Bezirkes mit 27.911 (1870 Volkszählung) meist protestantischen Einwohnern. Hauptbeschäftigung ist die Weberei. Im ganzen Bezirke mit dem Mittelpunkte Asch herrscht ein reges, industrielles Leben. Die protestantische und katholische Kirche sehenswerth.

»Alle urkundlichen Nachweise über Geschichte und frühere Zustände des Ortes Asch und Umgebung sind zufolge der Brände 1683 und 1814 verloren gegangen.«

Die bis in die neueste Zeit erhalten gewesene Sonderstellung des Bezirkes, der übrigens zu wiederholten Malen Bestandtheil des Vogtlandes war, datirt vom J. 1331, als nämlich der damalige Besitzer Albert von Neydberg sein Besitzthum dem Könige Johann von Böhmen zu Lehen antrug; der Lehensherr bestimmte, dass Asch für immer der Entrichtung von Steuern entbunden sein solle und somit auch durch kein Majestätsgebot zur Steuerzahlung verhalten werden könne.

Auffallend ist es jedenfalls, dass die Bewohner dieses nordwestlichen Theiles von Böhmen bei dem protestantischen Glauben belassen wurden. Mit der Einführung der Reformation in Sachsen fand nämlich diese auch im Gebiete von Asch Eingang. Wohl wurden die Bewohner bei Durchführung der Gegenreformation in Böhmen durch Ferdinand den II. bedrängt, aber zufolge des kräftigen Schutzes, den der Markgraf Albrecht von Brandenburg-Bayreuth, sowie auch der Kurfürst Johann Georg von Sachsen, der damals noch das jus circa sacra des Gebietes ausübte, weil die sächsischen Kurfürsten das Vogtland und die Rechte der Vögte desselben erworben hatten, dem Gebiete angedeihen liessen, wie auch ferner zufolge des zähen Widerstandes der Bevölkerung gegen das Aufdringen des Katholicismus wurde eine Gegenreformation des Gebietes unmöglich. Im J. 1771 wurden durch Cabinetsordre von der Kaiserin Maria Theresia die Rechte und Freiheiten des Gebietes bestätigt.

Franzensbad-*Königswart-Sangerberg-*Marienbad.

(Von Franzensbad mit der Bahn über Eger nach Königswart Stationen: Sandau-Königswart.)

Vom Bahnhofe aus statten wir dem in der Nähe gelegenen *Schlosse und Parke des Fürsten Metternich einen Besuch ab. Die Parkanlagen sind schön, die Museen des Schlosses reichhaltig. Im Parke erblicken wir auf der Strasse gegen Sandau einen schönen Obelisk mit einem ruhenden Löwen. Etwa 20 Minuten vom Schlosse befindet sich auf dem Mailberge gegen Altwasser zu die Wallfahrtskirche zum hl. Kreuz. Wir verweilen mit Vergnügen bei der interessanten Münz-, Waffen-, Gemälde-, Mineralien- und Geweih-Sammlung, Bibliothek. Wir finden hier historische Raritäten, wie einen Degen Ludwig's XVI., ein Waschbecken Napoleons I., einen Schreibtisch des berühmten österreichischen Staatskanzlers Metternich, einen Ring der Agnes Sorel, das Portrait des Herzogs von Reichsstadt, Locken Lamartine's und Duma's, ein Autograf des dritten Napoleon, eine von diesem selbst verfasste Uebersetzung der Verse Göthe's: »Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer, ach nimmermehr«, u. s. w. Es ist ein Genuss, die Sammlungen zu besichtigen. Die Fauna und Flora der nächsten Umgebung sind da ebenso vollzählig vertreten, wie die Münzen und Banknoten aus aller Herren Ländern. Das Prachtstück der Bibliothek ist ein in rothen Sammt gebundener, 1542 in Venedig auf Pergament gedruckter, reich mit Prachtfarbenbildern ausgestatteter, auf 16.000 Francs geschätzter »Rasender Roland.« Ein Curiosum von noch grösserem Werthe ist der erste Chronometer, für welchen Ludwig XVI. 24.000 Francs bezahlt hat.

Als Custos fungirte hier zuerst ein gewisser Huss. Diesen Namen führte eine weitverzweigte Scharfrichter-Familie in Eger und Brüx. Der Brüxer Huss liess seinen Sohn Carl studiren; doch die Söhne der Brüxer Bürger wollten nicht mit ihm auf einer Bank sitzen und wurden sogar von ihrem Lehrer unterstützt. Carl Huss konnte die ihm angethanen Unbilden nicht länger ertragen und sah sich genöthigt, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten. Er assistirte im J. 1776 zum ersten Male bei einer Hinrichtung und fungirte bei einer solchen zwei Jahre später in Teplitz, worauf er behufs weiterer Vervollkommnung nach Dresden ging und nach seiner Rückkehr sein Meisterstück in Eger ablegte. Er übernahm daselbst den Posten nach seinem Oheim, betrieb daneben die Quacksalberei und erwarb sich so viel Vertrauen, dass er oft nach Sachsen und Bayern gerufen wurde. Bis zum J. 1788, wo Kaiser Josef II. die Todesstrafe aufhob, und worauf Huss als Scharfrichter entbehrlich wurde, fing man an, ihn zu verfolgen. Man confiscirte einmal alles, was man bei ihm an Utensilien für die Quacksalberei vorfand, und verbot ihm die Praxis. Er half sich aus der Klemme, indem er die Kranken scheinbar unentgeltlich zu behandeln begann. Huss liess sich als Honorar alte Münzen verabreichen und brachte in einigen Jahren eine Sammlung zusammen, die einen Werth von mehr als zwölftausend Gulden hatte. Dann sammelte er alles, was ihm unter die Hände kam, stopfte Vögel aus und brandmarkte verurtheilte Uebelthäter auf der sogenannten Schandbühne, da er indessen vom Magistrat mit diesem Geschäfte betraut wurde. Jetzt kam er in den Ruf eines wohlhabenden Mannes und practicirte fort. Fremde traten bei ihm zur Besichtigung seiner reichhaltigen Sammlung ein, Gelehrte correspondirten mit ihm und besuchten ihn. Als sogar Göthe einst zu ihm gekommen, stieg sein Ansehen und verbreitete sich dessen Ruf immer mehr. Fürst Metternich leitete eine Unterhandlung durch den Egerer Magistratsrath Grüner wegen Verkaufes der Sammlung mit ihm ein, erwarb sie auch und liess sie im Schlosse Königswart aufstellen. Huss erhielt eine Leibrente von 300 fl. und wurde Custos derselben. Auf diese Weise wurde der Grund zu der reichhaltigen und werthvollen Sammlung im Königswarter Schlosse gelegt. Erwähnung verdient auch die *Schlosskapelle mit ihrem schönen Marmoraltar. Der hiezu verwendete Marmor entstammt der durch den Brand vernichteten Pauluskirche zu Rom und wurde vom Papste Gregor XVI. dem Fürsten Metternich geschenkt. Von da begeben wir uns zu dem etwa 20 Minuten nordöstlich gelegenen Städtchen Königswart am Fusse des Glatzberges.

Gasthöfe: »Kaiser von Oesterreich«, »schwarzer Bär«. Casino Fremden zugänglich.

Der junge, aufstrebende Curort

*Königswart

liegt auf der Südwestseite eines weitgestreckten, über 948m hohen, mit Nadel- und Laubholz leicht bewaldeten Gebirgszuges, des sogenannten Königswarter Gebirges, das sich halbmondförmig fünf Stunden lang von Südost gegen Norden und Nordwest ausdehnt.

Gasthöfe: »Hôtel Buberl«, »Hôtel Ott«. Während der Saison: Brunnen-Musik.

Post- und Telegrafen-Amt.

Eisenbahn.

Um den Curort ziehen sich, zum grossen Theile in schattige Waldpromenaden auslaufende Anlagen; sie sind durchaus mit Geschmack und Geschick arrangirt. Der Ort liegt in einer Höhe, in der Lungenschwindsucht zu den Seltenheiten gehört, ist also auch als klimatischer Curort zu empfehlen. Die 6 Quellen gehören mit Ausnahme der metallfreien Richards-Quelle zur Gruppe der eisenhaltigen Natronsäuerlinge, beziehungsweise zur Unterabtheilung der sog. Stahlquellen, unter welchen sie unmittelbar neben Schwalbach und Pyrmont zu setzen sind. Die Königswarter Quellen liegen 680m über dem Meeresspiegel der Nordsee, sie sind demnach die höchst gelegenen Stahlquellen nicht bloss in Böhmen, sondern auch in Deutschland, indem sie die von Steben in Oberfranken, welche bisher bei ihrer Höhe von 633m als die höchsten daselbst angesehen wurden, noch um ein Bedeutendes überragen.

Das Firmament ist in den Sommer- und Herbstmonaten gewöhnlich heiter, Gewitter kommen verhältnissmässig selten und Nebel nur im Spätherbste vor.

Stahl-, Moor-, Fichtennadel-, Douche- und Dampfbäder, Eigenthum des Fürsten Metternich. Curhaus, von dem aus man die herrlichste Fernsicht geniesst. Man sieht links den Arber und den Osser, rechts bis Eger. Der etwa 3 Stunden entfernte Dillenberg, äusserster Ausläufer des Böhmerwaldes, sei hier wegen seiner Granaten und Egerane erwähnt. Das Curhaus bildet den Ausgangspunct mehrerer, sehr schöner und gut erhaltener, mit Ruhebänken und Wegweisern versehener Spaziergänge, die nach den verschiedensten Richtungen hinführen und allenthalben die schönste Aussicht gewähren. Etwa eine viertel Stunde davon liegt die Ruine Würschengrün.

Königswart-*Sangerberg (1½ Stunde). In nordöstlicher Richtung von Königswart gelangen wir auf einer guten Strasse nach Bad Sangerberg, das, nur einige hundert Schritte von dem gleichnamigen, durch seinen Hopfenhandel bekannten Städtchen gelegen, sich als das jüngste aller nordwestböhmischen Bäder zu entwickeln beginnt. Dasselbe liegt auf dem Plateau des »Kaiserwaldes«, eines von Marienbad bis Schlaggenwald sich erstreckenden, reich bewaldeten Höhenzuges. Ausgiebige Eisensäuerlinge – salinische Moorlager. – Elegantes Curhaus mit hübschen Veranden. – Das Klima des Kurortes ist besonders in den Sommermonaten ein verwaltend mildes und angenehmes, da der Curort in einem von Nord und Ost durch sanft aufsteigende Berge vollkommen gegen rauhere Luftströmungen geschützten Thalkessel liegt. Wegen seiner Gebirgslage, seiner gesunden, reinen, von harziger Waldluft gewürzten Atmosphäre hat Sangerberg auch den Charakter eines klimatischen Gebirgscurortes.

Sangerberg liegt im Gerichtsbezirke Petschau, in der Bezirkshauptmannschaft Karlsbad, und ist Sitz eines Telegrafen- und Postamtes, welch letzteres täglich eine zweimalige Verbindung mit der zwei Stunden entfernten Eisenbahnstation Königswart unterhält.

Königswart-*Marienbad. Von Königswart gehen wir dem Thiergarten zu und erreichen vom Parkgitter an nach einem einstündigen Spaziergange auf der sich durch den Thiergarten hinziehenden Hauptstrasse den Curort Marienbad, »das Schmuckkästchen unter den böhmischen Badeorten.«

Marienbad liegt 605m über der Nordsee in einer von herrlichen Wäldern eingeschlossenen Thalmulde. Die Luft ist hier immer frisch, sauerstoffreich, würzig, daher der Gesundheitszustand im ganzen Orte immer ungemein günstig.

Gasthöfe: Hôtel Klinger. – Englischer Hof. – Neptun. – Stadt Hamburg. – Stadt Weimar. – Stadt Leipzig. – Stadt Warschau. – Hôtel Stern.

Ausser der Stadt: Pensionat »Casino«, herrliche Lage. Für israelitische Badegäste sind die Koscher-Restaurationen: Hôtel Newyork, Delphin, Erhart's Restauration, Blauer Schlüssel.

Restaurationen und Café's in der Stadt: Kursaal, Schloss Windsor, Tepler Haus, Stadt München, Café zur Waldschlucht.

Post- und Telegrafenamt – Eisenbahnstation 20 Minuten entfernt. –

Theater. Brunnenmusik (Morgens 6 Uhr und Abends 6 Uhr beim Kreuzbrunnen, Mittags 11½ Uhr bei der Waldquelle, Concerte und Tanzreunionen im Cursaal; Zeitungslesecabinet, offener Eintritt gegen Erlag von fl. 2.80 kr. für die Saison. – 2 Buchhandlungen mit Leihbibliotheken. – 2 Wochenblätter.

Quellen: Kreuzbrunnen und noch intensiver wirkend Ferdinandsbrunnen – beide sind reich an Natronsalzen (an schwefelsaurem Natron, Chlornatrium und doppelkohlensaurem Natron), dazu Eisengehalt als blutbildender Faktor. Ihnen zunächst steht die Waldquelle. Bei der Rudolphs- und der Wiesenquelle treten kohlensaurer Kalk und kohlensaure Magnesia in den Vordergrund; der Ambrosius- und Carolinenbrunnen zeichnen sich dagegen durch ihren Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul aus. Die Marienquelle ist ein Säuerling. Ausser diesen Quellen gibt es noch mehr als hundert in der Umgegend Marienbads.

Bäder, Gasbäder, Moorbäder. Die bedeutungsvollste Quelle ist der Kreuzbrunnen mit einer Kuppelrotunde und daran sich schliessenden Säulenhallen und mit dem Denkmal Dr. Nehr's, durch dessen eifrige und unablässige Bemühungen Anstalten zur Austrocknung der sumpfigen Gegend um diesen Brunnen und zum Schutze dieser Quelle vor wilden Wässern getroffen, 1807 ein zur Aufnahme von Curgästen eingerichtetes Haus und das Jahr darauf ein Badehaus gebaut und das ärztliche Publikum auf Marienbad aufmerksam gemacht wurde. Seitdem ist der Ort in Folge der starken Frequenz und durch die liberale Unterstützung, mit welcher das Stift Tepl für denselben eintrat, von Jahr zu Jahr vergrössert und verschönert worden. Vom Kreuzbrunnen gehen wir an reichhaltigen Läden vorüber und gelangen durch die Allee nach rechts zur Colonade des Karolinenbrunnens, wo auch die Röhrenleitung einmündet, welche das Mineralwasser des eine viertel Stunde weiter südlich am Abhange des Hamelikaberges gelegenen Ferdinandsbrunnens zur Stadt leitet. Der Weg zu dem bereits am Ausgange der Marienbader Thalmulde mit schönen Pavillons und Säulengängen sich erhebenden Ferdinandsbrunnens selbst zählt zu den anmuthigsten Partien. Wir können dahin entweder auf dem Pfade über die Höhen des Kreuzberges und des Hamelika am Göthesitze, an dem durch seine herrliche Aussicht bemerkenswerthen Kaffee-Panorama und am Schweizerhofe (Restauration) vorbei gelangen, oder wir wählen den bequemeren Weg längs der Thalsohle durch die Ferdinandsstrasse über das Bellevue (Restauration). Wenige Schritte von der Karolinenquelle entfernt erblicken wir den kleinen gothischen Tempel des Ambrosiusbrunnens, links davon das alte Badehaus (Mariaquell-, Moor- und Gasbäder) und rechts das imposante neue Badehaus (Stahlbäder aus dem Ambrosiusbrunnen und der Carolinenquelle, Bäder aus der Ferdinandsquelle). Die *Waldquelle, der beliebteste Sammelplatz der Curgäste um die Mittagsstunden, liegt nordwestlich vom Kreuzbrunnen in stiller, lauschiger Waldschlucht, am linken Ufer des Schneidbaches, und ist sowohl durch die Waldbrunnstrasse als auch auf dem noch kürzeren, unmittelbar vom Kreuzbrunnen durch die Alleestrasse und weiter durch eine herrliche Laubholzallee in wenigen Minuten zu erreichen. In der entgegengesetzten Richtung wird der Rayon der zur Zeit in Verwendung stehenden Quellen durch die in den Wiesgründen unweit der Ferdinandsquelle entspringenden Rudolfs- und Wiesenquelle abgeschlossen.

Dem Tepler Abte Reitenberger, der sich um die Versendung der Marienbader Wässer hochverdient gemacht, wurde in jüngster Zeit ein Denkmal gesetzt.

Sehenswürdigkeiten: Die Kirche, 8eckiger Bau, reich geschmücktes Innere, Totaleindruck sehr günstig. In der Promenade vor der Front des neuen Badehauses mit dem Conversationssaal das Heidlerdenkmal, ein Obelisk mit lateinischer Inschrift.

Spaziergänge:

1. Vom Ferdinandsbrunnen aus zur *Ferdinandsmühle (Café Kroha). Hier bietet sich dem Besucher ein herrliches Bild.

2. Zurück zum Ferdinandsbrunnen und von da auf dem Pfade durch die üppigen Wiesengelände, welche die Abhänge des Hamelika von jenen des Darnberges trennen, in gerader westlicher Richtung auf Schönau zu, um von da an der Restauration zur »Stadt Versailles«, am »deutschen Kaiser« und an den schönen Anlagen und Villen des Casinoparkes vorbei den Rückweg durch die Kaiserstrasse einzuschlagen.

3. *Höhendorfer Höhe (1 St.). Auf dem Pfade oberhalb des Panoramas in östlicher Richtung. Ein herrliches Panorama! Von der Café-Restauration auf der Höhe übersehen wir die reizende Umgebung Marienbads und lassen unsere Blicke bis zu den im blauen Nebel verschwimmenden höchsten Kuppen des Böhmerwaldes und des Erzgebirges schweifen. Rückkehr nach Marienbad entweder auf dem über die Waldschlucht thaleinwärts führenden Promenadenwege oder auf der Karlsbader Strasse.

4. Zur »König Otto's Höhe« im Südosten des Darnberges, welcher von dem Hamelika durch die Mühlgasse und die Wiesengründe des Schneidbaches getrennt und von zahlreichen Spaziergängen durchschnitten ist, gelegen. Von der »Königin Carola's Ruhe« am Nordostabhange des Darnberges haben wir einen schönen Ueberblick über Marienbad. Von da in einigen Minuten über den sogenannten Schneiderrang zum Försterhause am Fürst Metternich'schen Tiergarten (Restauration). Wir steigen nun auf dem an dem Försterhause nach Osten führenden Fusswege herab, um an die oberhalb Marienbads nur eine schmale Thalspalte füllenden Wiesgelände des Schneidbaches zu gelangen, an welchen, wenige Schritte abwärts, die Restauration »zur Waldmühle« ein trauliches Plätzchen zum Ruhen bietet.

Touren:

1. Marienbad-*Podhorn-*Tepl (2½ St.) Wir gelangen auf den östlich von Marienbad gelegenen Podhornberg (838m ü. d. M.) über die Hohendorfer Höhe (1½ St.) oder durch das Dorf Abaschin. Der Berg zeigt in seiner Kegelform und in seiner basaltischen, von lavaähnlichen Bildungen umlagerten Gesteinsmasse das Gepräge seines vulkanischen Ursprungs. Er ist in zwei Gipfel gespalten, deren einer die mächtig aufstrebende, spitz zulaufende Phonolitmasse trägt, während der andere terrassenförmig mit einem Haine besetzt ist. Im Schatten dieser Bäume gibt es tempelförmige Pavillons und Ruheplätze. Prachtvolle Aussicht über die Höhen des Böhmerwaldes, Erz- und Fichtelgebirges. Restauration im Sommer. Von hier über Ober-Gramling nach Stift Tepl, 20 Minuten von der gleichnamigen Stadt entfernt. Das weitläufige Kloster mit hübscher Kirche, grosser Orgel, sehenswerther Bibliothek, Brauerei und grossen Wirthschaftsgebäuden, ist eines der reichsten Klöster der Monarchie. Unter den daselbst aufbewahrten Raritäten finden der Becher, woraus Göthe stets den Kreuzbrunnen trank, die von ihm angelegte und zusammengestellte interessante Mineraliensammlung und die Originalbriefe Göthes an den trefflichen Uebersetzer der Iliade, Gymn.-Prof. Zauper, rege Beachtung. Neben dem Kloster ein Gasthof mit Veranda. Wagen zur Rückfahrt nach Marienbad.

2. Marienbad-Petschau. (4 St. zu Fuss.) Ueber Einsiedl (Kloster und Mädchenpensionat) durch ein herrliches Waldthal mit zahlreichen, höchst interessanten Felspartien auf der windungsreichen Kaiserstrasse zur Restauration Grünberg, mitten im Walde und an der Tepl reizend gelegen, und von da in einer halben Stunde nach Petschau.

Gasthöfe: Zur Krone, zur Post.

Post- und Telegrafenamt. Postverbindung mit Karlsbad, Marienbad, Pilsen, Elbogen.

Die Stadt liegt an der Tepl in einem herrlichen Thale; die Strassen von Marienbad, Karlsbad und Pilsen laufen hier zusammen. Auf einem mächtigen, gegen die Tepel zu steil abfallenden Felsen liegt reizend das Schloss des Herzogs Beaufort. Oberhalb desselben erhebt sich malerisch das alte Schloss, welches ursprünglich Slawko von Riesenberg gegründet, später aber Johann Pflug von Rabenstein, wie sein Wappen und eine Inschrift zeigt, überbaut und Kaspar Pflug noch bewohnt hat. Von den angeblich sonst bestandenen vier Stockwerken sind nur zwei vorhanden. Gegenwärtig ist es von den herzogl. Beaufort'schen Beamten bewohnt. Es enthält eine ziemlich erhaltene Kapelle mit prachtvollen Gemälden. Die Stadt wurde während der Hussitenkriege fast ganz verwüstet und durch Joh. Pflug von Rabenstein unterstützt und wieder emporgebracht. Am 2. Februar 1621 und 17. Juli 1760 legten grosse Feuersbrünste die Stadt in Asche. Der in Schönfeld, zwischen Petschau und Schlaggenwald gelegen, im J. 1802 gebürtige namhafte Violinist und fruchtbare Komponist Josef Labitzki bildete sich unter Karl Veit in Petschau im Klavier- und Violinspiel und in der Harmonielehre aus. Die Umgebung der Stadt ist höchst interessant. Südwestlich vom Orte Neudorf (1¼ St. von Petschau) sind Sauerbrunnen, von welchen der eine fast alle Eigenschaften des Marienbader Kreuzbrunnens hat. Bemerkenswerthe Berge sind der Koppenstein, der Galgenberg und der Huritzberg. Die Felsarten sind an den beiden Gehängen des Tepelthales und an den Bergen östlich bis Gängerhäusel, nördlich bis gegen Millersgrün und westlich bis Tiefenbach Granit. Bei diesen Orten wird der Granit von Gneis begrenzt, welcher sich über das weite Gebiet des Dominiums erstreckt. Im nördlichen Theile, von Gabhorn, Drosau und Tepeles anfangend, herrscht wieder Granit.

B. Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus.

Falkenau.

Gasthöfe: Anker, Stadt Prag, Stadt Karlsbad, Herrenhaus, Krone, 3 Staffeln, Hufeisen, Restauration am Schiesshause.

Aemter: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht.

Eisenbahn: Knotenpunkt gegen Eger, Karlsbad, Graslitz. Der Ort kann also von Eger oder Karlsbad aus leicht erreicht und zum Standorte für Touren in's Erzgebirge gewählt werden.

Wenn der Tourist mit der Bahn von Eger kommt und die Thalenge zwischen Königsberg und Dassnitz passirt hat, so eröffnet sich nach letzterer Station seinen Blicken allmählig eine anmuthige, kleine Ebene, umsäumt von Bergrücken in einer Höhe von nahezu 948m. Inmitten dieser Ebene, »das Falkenauer Land« genannt, liegt:

Falkenau – Stadt mit 6000 Einwohnern, an der Mündung des Zwodaubaches in die Eger gelegen und von der Karlsbad-Egerer Strasse durchschnitten; der Ort besteht aus der eigentlichen Stadt und einer Vorstadt. Das Schloss ist ein ansehnliches, schon vom Grafen Nikolaus Schlick im Jahre 1480 gegründetes, aber erst von seinen Nachfolgern vollendetes, ein regelmässiges Viereck bildendes Gebäude, mit einem geräumigen Hofe und einer Kapelle. An jeder der vier Ecken des Gebäudes erhebt sich ein Thurm. Bei dem Schlosse befindet sich ein schöner Park. Am 23. Juni 1874 wurde die Stadt durch eine verheerende Feuersbrunst heimgesucht, Welche von den vorhandenen 280 Häusern über die Hälfte in Asche legte. Heute steht die Stadt freundlicher als je da; breite, gepflasterte, mit Trottoir versehene Strassen und neue schöne Häuser entstanden an Stelle der alten, winkligen, engen Gässchen und der unansehnlichen Häuser mit den russgeschwärzten Schindeldächern. Alles wird überragt von dem neuen, schlanken Thurme. Am östlichen Ende der Stadt führt eine neue 132·3m lange Eisenbrücke auf das linke Ufer der Eger zum Bahnhofe und Vororte Schönwerth. Das Lobs- und Zwodauthal sind romantische Gebirgsthäler mit malerischen Fels- und Waldpartien und laden den Touristen zu lohnenden Streifzügen durch dieselben ein. Die dichtbevölkerte Umgebung Falkenau's mit den vielen Dörfern, Kohlenwerken, Glashütten, Spinnereien usw. bietet jedermann sehr viel Interessantes und Lehrreiches. Aus allem geht hervor, dass das Gebiet ein lebhafter Industriebezirk, und dass die Stadt mit ihrer Umgebung in entschiedenem Aufschwung begriffen ist. Der landschaftliche Reiz hat aber dadurch keine Einbusse erlitten, und es erscheint Falkenau als Centralpunkt eines bedeutenden Strassennetzes mit drei Bahnlinien nach westlicher, östlicher und nördlicher Richtung dem Touristen als ein vortrefflicher Ausgangspunkt für sehr viele lohnende Spaziergänge und Ausflüge. Eine besondere Zierde der Umgebung der Stadt ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel hinter der Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer Garten in der Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne. Diesen Hopfenbau besang der Naturdichter Anton Fürnstein, welcher ein Krüppel war und hier lebte, über Veranlassung unseres Dichterfürsten Wolfgang von Göthe. Als dieser im Jahre 1822 über Eibenstock und Falkenau nach Karlsbad fuhr, traf er mit Fürnstein zusammen und gab ihm den Stoff zur Bearbeitung. Göthe schreibt über diese Zusammenkunft: »Ich fand ihn in seinem Sesselwägelchen zusammengekrümmt, ein herzergreifender Anblick; denn gekauzt, wie er war, hätte man ihn mit einem mässigen Cubus bedecken können. Er begrüsste mich freundlich, deutete auf sein Elend und bezeugte guten Muth, indessen ich ihn kaum anzusehen wagte. Bei flüchtigem Blick musst' ich gar bald erkennen, wie auf diesem entstellten Körper sich ein Cerebralsystem ausgebildet hatte, womit eine regelmässige Gestalt gar wohl hätte zufrieden sein können.« Ueber die Naturdichter überhaupt sagt Göthe: »Unsere Naturpoeten sind gewöhnlich mehr mit rhythmischen als dichterischen Fähigkeiten geboren; man gesteht ihnen zu, dass sie die nächste Umgebung treulich auffassen, landesübliche Charaktere, Gewohnheiten und Sitten mit grosser Heiterkeit genau zu schildern verstehen, wobei sich denn ihre Produktion, wie alle poetischen Anfänge, gegen das Didaktische, Belehrende, Sittenverbessernde gar löblich hinneigt.« Von Fürnstein fügt er noch hinzu: »Alle seine Produktionen schmückt eine gewisse Anmuth, die das unternommene Ganze zu beleben weiss; da ist Gegenwart der offenen Natur, Behagen sich beschränkender Geselligkeit, Genuss und Hoffnung, und bei allem ein menschlicher, edler Ernst, dem eine reine Gottesverehrung gar wohl ansteht.« Das Gedicht »Der Hopfenbau« ist Fürnstein ganz gelungen. Göthe schreibt darüber: »Wie er die Aufgabe gelöst, wie er thätig beginnt und alles, was zu thun ist, eins nach dem andern einschärft, dabei ein sittliches Wort mit einschlingt und immer so fortfährt und diese Reben den Weinreben anzunähern versteht, bedarf keiner Auslegung; das Ganze liegt hellheiter und unter sonnigem, günstigem Himmel und wird von einem jeden an Ort und Stelle, besonders zu recht thätiger Arbeitszeit, gewiss mit dem grössten Interesse empfunden werden. Ich möchte diese Gedichte die aufsteigenden nennen; sie schweben noch am Boden, verlassen ihn nicht, gleiten aber sanft darüber hin.« Wenn man diese günstigen Urtheile Göthes und die Schwierigkeiten, unter welchen sich Fürnstein die Mittel zu seiner Fortbildung verschafft, in's Auge fasst, so muss man zu dem Urtheile kommen, dass er eine nicht unbedeutende Persönlichkeit und einer Erinnerung werth ist.

Spaziergänge:

Falkenau-*Hartenberg. Wir gehen von Falkenau auf der Heinrichsgrün-Graslitzer Strasse in das 20 Min. entfernte Dorf Zwodau. Von hier aus können wir verschiedene Wege nach Hartenberg einschlagen. Zunächst führt die Gossengrüner Bezirksstrasse dahin. Fünf Minuten hinter Zwodau liegt das zu diesem Orte gehörende Davidsthal mit den Kohlenwerken und der Glashütte des Barons David von Starck. In etwa 20 Minuten gelangen wir auf der Strasse, welche fortwährend sanft ansteigt, nach Josefsdorf, oberhalb welches Dorfes eine Seitenstrasse rechts zum Schlosse und Dorfe Hartenberg abbiegt.

Ein viel angenehmerer Weg ist der durch den Theinwald. Wir gehen von Zwodau in der Richtung gegen Lanz an dem Peter'schen Kohlenwerke vorüber zum Walde, durch welchen ein sanft ansteigender Weg führt. Hierauf schreiten wir über eine weite, zum Dorfe Thein gelegene Lichtung (einen sandigen Feldcomplex) in den Theinwald und gelangen, dem breiten Waldwege folgend, zu einer im Querthale gelegenen Mühle, von welcher aus links ein Fussweg durch dasselbe an die Zwodau führt, welche wir bei der Herrenmühle auf einem Stege übersetzen. In fünf Minuten gelangen wir in der Richtung nach Falkenau – also zurückgehend – auf den Bahnhof Hartenberg.

Ein dritter Weg führt an der Schmieger'schen Schafwollspinnerei in Zwodau vorüber über den Steinberg durch die kleinen, aber schön gelegenen Orte Sandhäuser und Wörth, wo die Zwodau überschritten wird, und schliesslich an der Bahnstrecke bis Hartenberg. Die Eisenbahn kann auch zu diesem Ausfluge benützt werden. Selbe überschreitet die Zwodau gleich hinter dem Falkenauer Stationsplatze, hat bei Zwodau die Station Zwodau-Davidsthal, tritt unweit des Stationsplatzes wieder an das linke Zwodauufer, bald hierauf an das rechte und fährt fast unmittelbar am Zwodauflusse in dem schönen Zwodauthale an dem Orte Wörth vorüber nach Hartenberg.

Vom Hartenberger Bahnhofe führt eine Strasse an dem unteren Gasthause »zum Schlossberge« in einem Seitenthale aufwärts. Am rechten Bergrücken kommen wir zur Götheruhe, wo der grosse Dichter seinen siebzigsten Geburtstag feierte; von dieser präsentirt sich das gräflich Auersperg'sche Schloss am schönsten. Die romantische Lage dieses auf einem Felskegel stehenden alten Schlosses mit einem zwar kleinen, aber reizenden Schlossgarten, die prächtigen, sorgfältig gepflegten Laub- und Nadelholzwaldungen, die herrliche, reine Gebirgsluft, der tiefe Friede in den Seitenthälern und die historischen Erinnerungen, die sich an diesen schönen Erdenwinkel knüpfen, machen Hartenberg zu dem beliebtesten und besuchtesten Ausflugsorte der Umgebung. An einer Birke ist die Aufschrift zu lesen: »Unter dieser Birke pflegte der grosse Dichter Joh. Wolfgang von Göthe während seines Aufenthaltes im Schlosse Hartenberg öfters zu ruhen.« Von da führt die Strasse nun am Bräuhause vorüber in einer scharfen Biegung auf den Schlossberg mit dem Dorfe Hartenberg und dem Schlosse, dessen Theile aus verschiedenen Zeiten zu stammen scheinen. Sehenswerth ist die Schlosskapelle, der kleine, terrassenförmig angelegte Garten und der unweit des Schlosses angelegte Gemüsegarten als schöner Aussichtspunkt.

Von Hartenberg aus führt ein Weg auf den Pichlberg, an dessen südwestlichem Abhange das Dorf gleichen Namens liegt. Hier haben wir eine schöne Fernsicht nach allen Seiten.

Falkenau-Lobsthal. Wir gehen von Falkenau entweder auf der am Schlosse vorüberführenden Lauterbacher Bezirksstrasse in südöstlicher Richtung oder auf dem Fusswege längs des Lobsbaches zum Dorfe Schäferei, von wo aus die Strasse durch das an beiden Seiten des Lobsbaches gelegene Dorf Wudingrün, an dessen Ende, aber bereits im engen, theilweise schöne Felsenpartien bergenden Thale, das romantisch gelegene Gasthaus »zum Eisenhammer« sich befindet.

Von Falkenau nach Königswerth, über Teschwitz, *das Schiesshaus und zurück (1¼ St.)

In nordöstlicher Richtung führt am linken Egerufer ein Weg an dem Vororte Schönwerth (mit Obst- und Gemüsebau) vorüber nach dem Orte Königswerth (mit Obstbau); von da setzen wir auf einem Kahne über die Eger in das gegenüberliegende Teschwitz (mit Obstanlagen), spazieren auf einem schönen Feldwege am Klingerwäldchen vorbei zum Schiesshause mit schönen Anlagen. Auf einem Felsen oberhalb des herrlich gelegenen Schiesshauses finden wir ein Gloriett. Prächtige Rundsicht!

Touren:

Falkenau-*Sangerberg. Diese südliche Tour empfiehlt sich zu Wagen durch das Lobsthal nach Lauterbach und von da nach dem neu aufstrebenden Curorte Sangerberg. (Für Fussgänger ½ Tag.)

Falkenau-Crudum. Am besten besteigen wir den sagenhaften Crudum 830m vom Lobsthale aus, indem wir die Strasse nach Lauterbach oberhalb der gräflich Nostitz'schen Brettsäge verlassen und links den Weg, der zum Dorfe Kohling hinaufführt, einschlagen. In diesem Dorfe führt uns jedes Kind zum Triangulirungspunkte (im Volksmunde »zur Lärmstange«). Der Ausblick ist um so überraschender, als der Weg fast bis zur Spitze durch Wald führt, und die Aussicht erst kurz vor dem Gipfel des Berges frei wird.

Falkenau-Schwanderberg (735m). Der Schwanderberg ist der Nachbar des Crudum; wir besteigen ihn auf der anderen Seite des Lobsthales über Wudingrün, Grün und Schwand.

Falkenau-*Kapellenberg rechts und *Rabenstein links von Steinbach. Eine noch schönere und umfassendere Aussicht, als die zwei Berge der voranstehenden Partien bieten, geniessen wir auf das Fichtelgebirge, das Egerland, das Vogtland, das in Terrassen aufsteigende Erzgebirge mit dem Sonnenwirbel und die Gebirge hinter Karlsbad von dem Kapellenberge rechts von Steinbach und in noch grossartigerer Weise vom Rabenstein links von Steinbach. Der Weg nach Steinbach führt von Falkenau über Reichenau und Prösau, wo es gerathen ist, sich den nächsten Weg auf den Kapellenberg zeigen zu lassen. In dem Dorfe Steinbach befindet sich ein Jagdschloss des Grafen Nostitz mit einer Sammlung von ausgestopften, von dem Grafen oder dessen Forstbediensteten geschossenen Thieren. Von hier aus können wir auch einen Abstecher in das noch 30 Minuten entfernte Kirchenbirg machen und daselbst das Schloss des Barons Henneberg mit Orangerie, Obstanlagen und Bräuerei besichtigen. Rückweg über Reichenau, wo sich grossartige Braunkohlenwerke und Tafelglashütten des Barons David von Starck, Radler's Kohlenwerke und eine Wachsfabrik des Dr. Pilz befinden.

Falkenau-Maria-Kulm in westlicher Richtung mit der Bahn über Dassnitz. Schöner Rückweg zu Fuss über das Dorf Haselbach, von wo aus wir einen hübschen Blick in's Eger- und Zwodauthal geniessen. Maria-Kulm (siehe Franzensbad-Maria-Kulm).

Falkenau-Mostau ist eine Fortsetzung der früheren Tour, wenn wir den Rückweg nicht zu Fuss zurücklegen und von Königsberg mit der Bahn nach Mostau-Nebanitz fahren. In Mostau empfiehlt sich die Besichtigung der Musterwirthschaft des Gutsbesitzers Ritter von Komers. Grosser, schöner Park. Rückweg mit der Bahn.

Falkenau-*Elbogen. Unterhalb Falkenau nahe dem Dorfe Königswerth verengt sich das Egerthal wieder, und Fussgänger lieben es, durch diese Thalenge nach Altsattel und Elbogen zu wandern.

Elbogen, königliche Stadt, nach der Volkszählung im Jahre 1869 mit 3257 Einwohnern.

Gasthäuser: Rother Hirsch, Weisses Ross, beide am Marktplatz; Scherbaums Gasthaus bei der Kettenbrücke.

Eisenbahn: Buschtiehrader, verbunden mit der Stadt und der Station Neusattel durch die Elbogner Localbahn.

Postverbindung: Schlaggenwald, Schönfeld (Eilfahrt) und von da nach Petschan (Botenfahrt).

Aemter: K. k. Bezirksgericht. – Revierbergamt.

Schulen: Oberrealschule, Volksschule.

Post- und Telegrafenamt.

Die Stadt liegt auf einem steil gegen die Eger abfallenden Felsen am linken Ufer des Flusses, welcher sie in Gestalt eines Elbogens, daher der Name, umfliesst. Sie besteht aus der inneren Stadt und den beiden Vorstädten Rabitsch und Littmitz. Hier befindet sich die zweitälteste Kettenbrücke in Deutschland und Oesterreich (die älteste ist die zu Freiburg). Der Grundstein zu derselben wurde am 18. Juli 1834 gelegt. Ihre Höhe über dem Wasserspiegel beträgt 12·7m. Das Mauerwerk dabei ist von Granit, die Eisenbestandtheile wurden auf den Eisenwerken der Herrschaft Rothenhaus erzeugt. Die Localbahn, welche durch das reizende Grünlasthal an den reichen Kohlenlagern des Vincenzi- und Helenenschachtes, an der Siemen'schen Glasfabrik, einer Ziegelei und einer chemisch-technischen Fabrik vorbeifährt, ist die erste in Oesterreich. Das Consortium, welches die Bozen-Meraner Bahn in Südtirol baute, führte diese Bahn, welche Elbogen dem grossen Weltverkehre wieder etwas näher gebracht, auf seine Rechnung aus, und der Ingenieur, der den Bau leitete, führt einen berühmten Namen. Er heisst Schwind und ist der Sohn des berühmten Malers, dem die »Schöne Melusine« und die »Sieben Raben« ihren Ursprung verdanken. Ingenieur Schwind hat sich in einer der Villen am Fusse der Stadt und in der Nähe der Eger angesiedelt.

Auf dem Rathhause wird eine merkwürdige Masse von Meteoreisen aufbewahrt, welche seit Jahrhunderten unter dem Namen des »verwünschten Burggrafen« bekannt gewesen ist. Der Volkssage nach soll nämlich im Mittelalter ein königlicher Burggraf zu Elbogen die Unterthanen mit grosser Härte behandelt haben, deshalb öfters von diesen verwünscht worden, und diese Verwünschung eines Tages in Erfüllung gegangen sein. Als nämlich der Burggraf die Frohnpflichtigen mit der Glocke zur Arbeit rufen wollte, sei er plötzlich durch einen vom Himmel herabfahrenden Blitz getödtet und in jene Metallmasse verwandelt worden. Der Aberglaube schrieb ehemals dieser Masse, die in einem Gewölbe des Schlosses lag, sogar Zauberkräfte zu, und man behauptete, dass sie zu gewissen Zeiten leichter, zu anderen wieder schwerer würde, dass sie, wenn sie in den 41·7m tiefen Schlossbrunnen geworfen würde, immer wieder zum Vorscheine komme u. dgl. m. Der k. k. General Johann von Werth liess, um sich davon zu überzeugen, im 30jährigen Kriege den Klumpen in den Schlossbrunnen werfen, aus welchem er jedoch später wieder herausgezogen und in's Schloss gebracht wurde. Im J. 1742 warfen die Franzosen die Masse abermals in den Schlossbrunnen und hier blieb sie bis 1776, wo sie wieder heraufgeholt und nunmehr auf dem Rathhause aufbewahrt wurde. Im J. 1811 kam der damalige Professor der Chemie am ständischen technischen Institute zu Prag, K. A. Neumann, nach Elbogen, liess sich ein Stückchen von der Masse zu chemischen Untersuchungen mittheilen und erkannte durch dieselbe, dass sie Meteoreisen sei, was auch bald darauf durch den Chemiker von Klaproth und den Physiker Dr. Chladni bestätigt wurde. Später wurde die Masse in zwei ungleich grosse Stücke zertheilt, von welchen das grössere, etwa 150 Pfund schwere, an das k. k. Naturalien-Cabinet in Wien abgeliefert wurde, das kleinere aber von 40 Pfd. sich noch auf dem Rathhause befindet.

Das Schloss, von seiner felsigen Lage ehemals Stein-Elbogen genannt, soll ursprünglich schon um das Jahr 870 von den mit den Herzogen von Bayern verwandt gewesenen Markgrafen von Vohburg gegründet worden sein, denen bis in's XII. Jahrhundert der ganze Egerische und Elbogner Bezirk gehörte.

Berchthold, Markgraf von Vohburg, starb in der 1. Hälfte des XII. Jahrhunderts ohne männliche Erben, und das Elbogner Gebiet fiel nunmehr an den Kaiser Friedrich I., welcher sich 1149 mit Adelheid, einer Tochter des Verstorbenen, vermählt hatte. Als er aber 1153 sich von dieser seiner Gemahlin durch die Kirchenversammlung zu Kostnitz hatte scheiden lassen, nahmen die Verwandten derselben, die Herzoge von Bayern, die hinterlassene Herrschaft Berchtholds in Anspruch, und es gelang ihnen auch, zum Besitz derselben, namentlich von Elbogen und Eger zu gelangen.

Unter Rudolph von Habsburg wurde es an die böhmische Krone verpfändet. König Wenzel I. verlieh 1246 die von ihm neuerbaute Pfarrkirche zu Elbogen sammt allen Einkünften dem neuen Orden der Kreuzherrn mit dem rothen Sterne. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Elbogen ein Eigenthum der Könige von Böhmen. König Johann von Luxemburg erhielt die Kunde, dass ihm seine Gemahlin Elisabeth die Krone zu entreissen trachte, und zog wuthentbrannt gegen das feste Schloss Elbogen, den Aufenthalt der Königin, und liess es ohne weiters stürmen. Obgleich sich herausgestellt, dass diese Anklage alles Grundes entbehrte und nichts als eine schändliche Verleumdung war, wurde sie doch von ihren Kindern gewaltsam getrennt und musste ihren Aufenthalt in Melnik nehmen. Johanns Nachfolger, Karl IV., zeigte sich der Stadt Elbogen stets sehr gewogen. Er erneuerte derselben im J. 1352 alle unter seines Vaters Regierung verbrannten Urkunden und verlieh ihr die Steuerfreiheit unter der Bedingung, dass ihm bei seiner Anwesenheit in Elbogen jährlich einmal 5 Pfund schwäbische Heller in einem hölzernen Becher überreicht werden müssen. Becher und Münzen sind heute noch im Rathhause aufbewahrt.

Während der Hussitenkriege scheint Elbogen belagert, aber nicht eingenommen worden zu sein.

Nach verschiedenen Streitigkeiten gelangte das unter Kaiser Sigmund verpfändete Elbogen im J. 1547 wieder an die Krone Böhmens, und der damalige Kaiser Ferdinand I. verlieh der Stadt die Erlaubniss, einen Jahrmarkt zu halten.

In dem dreissigjährigen und dem österreichischen Erbfolge-Kriege hatte Elbogen viele Drangsale zu bestehen.

Im Jahre 1725 legte eine verheerende Feuersbrunst die ganze Stadt bis auf einige Häuser in Asche.

Auch die Kirche brannte nieder. Ihr Neubau erfolgte 1728. Das prachtvolle Altarblatt, Ermordung des hl. Wenzel, ist vom berühmten Maler Brandl gemalt.

Die St. Johanneskirche bestand schon im 14. Jahrhunderte, wurde aber baufällig und 1854–1857 neu erbaut. Der angrenzende Friedhof wurde aufgelassen und 1877 ein neuer auf dem Goldberge angelegt. Die St. Annakapelle wurde 1742 in Folge eines Gelübdes gebaut. Der französische General Armentiers belagerte in diesem Jahre die Stadt. Die geängstigten Bewohner veranstalteten am 26. Juli eine Procession und gelobten zugleich nach Rettung aus dieser Bedrängniss der hl. Anna zu Ehren eine Kapelle zu bauen, was auch geschehen ist. Es kam zur Capitulation; aber die Stadt wurde in keiner Weise geschädigt.

Wo derzeit die St. Wolfgangskapelle steht, war vor alten Zeiten eine Kirche, die von den Hussiten und Schweden zerstört wurde. Die Muttergotteskapelle stammt aus neuerer Zeit.

Mitten am Ringplatze steht die schöne Dreifaltigkeitsstatue, 1719 vom Stadtrathe errichtet.

Elbogen besitzt zwei schöne und geräumige Schulgebäude für eine Oberrealschule, im J. 1840, und für eine Volksschule, im J. 1867 erbaut.

Sehenswürdigkeiten: Das alte Schloss, bestehend aus dem Wartthurm, dem Schlossgebäude und dem Markgrafenhaus. Als es im J. 1792 in ein Kriminal-Strafhaus umgewandelt wurde, fielen die hohen Thürme, Spitzdächer und der grösste Theil des Mantelgebäudes des Wartthurmes diesem Umbaue zum Opfer.

Das Rathhaus, 1685 erbaut. In demselben werden, wie aus dem Voranstehenden hervorgeht, aufbewahrt:

a) Der steinerne Burggraf, ein Meteorstein.

b) Ein hölzerner, verzierter Becher und einige Münzen aus dem Jahre 1352.

Die Porzellanfabrik, im J. 1815 von Rudolph und Eugen Haidinger gegründet.

Die Spaziergänge um die Stadt an beiden Egerufern sind reizend. Auf die bepflanzten und bewaldeten Höhen führen gut angelegte Wege. Durch das Geyersbachthal zum neuen Schiesshause, in das felsige Zech- und das oberwähnte Grünlasthal sind Spaziergänge wegen der sich hier darbietenden Mannigfaltigkeit besonders zu empfehlen. Wenn man auf der von Karlsbad steil abfallenden Strasse kommt und plötzlich Elbogen vor sich sieht, glaubt man zu träumen. Das ist die reine Romantik, die einem ganz unerwartet entgegentritt. Ganz Böhmen hat kein schöneres Städtebild aufzuweisen. Der Fluss, die Kettenbrücke, die in fabelhafter Höhe über ihn gespannt ist, die alte, schwarze Burg dahinter, die Stadt, welche in Gestalt eines regelrechten Halbbogens sich zu Füssen dieser Burg ausbreitet, mit ihren Gärten und Villen bis dicht an die das ganze Bild in Ellenbogenform umspannende Eger vordringt, während sich die waldbedeckten Berge jenseits der Strasse, welche die Stadt parallel mit dem Flusse einrahmt, malerisch abheben – das alles gibt ein Bild, wie es nicht schöner gedacht werden kann. Darum wird der Spaziergang gegen Horn allen denen, welche nicht von Karlsbad nach Elbogen kommen, sich aber den herrlichen Anblick der Stadt von da aus nicht versagen wollen, besonders empfohlen. Sehr lohnend ist auch der Weg zum Hansheiling am linken Egerufer oder über den Ziegenruck.

Empfehlenswerthe Aussichtspunkte sind:

a) Der Mühlacker;

b) der spitzige Stein;

c) der Robitschberg und

d) die Terrasse im Gasthause zum »weissen Ross«, von welcher die, Elbogen südwestlich, südlich und südöstlich im engen Gürtel umschliessenden Berge ein prachtvolles Panorama geben.

Falkenau-Gossengrün (auf der Strasse in nordwestlicher Richtung gegen Schönbach in 2 Stunden). Der Ort Gossengrün zählt etwa 2000 Einwohner, welche sich von der Landwirthschaft und der Spitzenklöppelei ernähren.

Gasthaus: Philipp Locke's Gasthaus.

Postverbindung: Gossengrün-Hartenberg; Gossengrün-Schönbach.

Ausflug von Gossengrün nach Leopoldshammer im Leibitschthale (siehe Schönbach-Leibitschthal).

Falkenau-Bleistadt (mit der Bahn – Entfernung etwas über 1 Meile).

Gasthäuser: Zum städtischen Rathhaus. – Wilh. Gerstners Restauration.

Eisenbahnverbindung mit Falkenau und Graslitz.

Bleistadt ist eine alte Bergstadt und zählt 1400 Einwohner. Die Stadt führt den Namen von dem hier früher betriebenen, nunmehr aufgelassenen Blei-Bergbau. Gegenwärtig fristen die Bewohner ihr karges Dasein mit Spitzenklöppeln. Auf den zahlreichen Halden findet der kundige Wanderer bleihaltige Gesteine und sogar Stücke reinen Erzes.

Sehenswürdigkeiten: Nachstehende Privilegien: von den Kaisern Rudolph II. 1524, Ferdinand 1558, Mathias 1613, Ferdinand III. 1652 und Joseph II. 1785. Auch ist in der im Jahre 1524 vom Kaiser Rudolph II. gegründeten Kirche Sct. Michael ein Wappen in Farben an dem rechts vom Hochaltare befindlichen Fenster von den Geheim-Brüdern Paulus, Christof und Friedrich, Bürgern des Rathes der Reichsstadt Nürnberg, zum Andenken »ai 1603« zu sehen.

Aussicht: Von dem Bergrücken bei Liebenau, Obergrünles und Neuhäuser aus lässt sich grosse Umschau halten über das Erzgebirge bis gegen Platten, dann gegen Karlsbad, die interessante Burgruine Engelhaus, Lauterbach bei Einsiedel und über das Egerland.

Falkenau-*Heinrichsgrün – Gebirgsstadt, 2250 Einwohner.

Gasthäuser: Wilder Mann, grüner Heinrich.

Post- und Telegrafenamt – Domainen- und Forstverwaltung des Grafen Erwein Nostitz.

Von Falkenau aus erreichen wir Heinrichsgrün auf der Aerarialstrasse, welche durch die Dörfer Lanz, Waldl und Unter-Neugrün sanft ansteigt und von Neu-Grün an, auf beiden Seiten von den schönsten Wäldern begrenzt, bis zur Stadt führt. Diese liegt auf einer kleinen Gebirgsebene an einer Thalschlucht, welche sich in langen Zügen in's Zwodauthal erstreckt und das Lochthal genannt wird. Hier blühte in früherer Zeit der Bergbau. Der Tourist möge uns nun auf unserem Gange begleiten. Wir statten zuerst der im Spitzbogenstyl erbauten Kirche St. Martin einen Besuch ab; dann besichtigen wir die im J. 1877 auf Veranlassung des hochverdienten Erzgebirgsfreundes Herrn Ritter von Dotzauer von dem Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhmischen Erz- und Riesengebirgsbewohner in Prag errichtete Spitzenschule, in welcher Idrianer Spitzen kunstgerecht erzeugt werden. Nun gehen wir durch die Schlossgasse zu dem nördlich von der Stadt gelegenen gräflich Erwein von Nostitz'schen Schlosse. In diesem befinden sich zwei alte Bilder, welche Scenen aus dem Graslitzer Bergbau darstellen. Auch finden wir hier ein Bild, genannt die grosse Dame, von der die Sage erzählt, dass sie in einem der Eckthürme des Schlosses lebendig eingemauert wurde. Sämmtliche gräfliche Zimmer sind mit prachtvollen Hirschgeweihen ausgeschmückt. Nach einer kurzen Wanderung durch den Park, der das Schloss umgibt, kommen wir in eine schöne Allee, welche uns zum gräflichen Thiergarten führt.

Kurz vor dem Thiergarten biegt eine Bezirksstrasse nach rechts ab, zieht sich durch theilweise schöne Waldungen in auf- und absteigender Linie ausserhalb desselben hin und führt bei dem an der Ausgangseite des Gartens gelegenen Teiche, von welchem sich ein weiter unten bezeichneter Weg nach Schindelwaldel und Rothau abzweigt, vorbei. Am Eingange in den Thiergarten (mit Erlaubniss der Forstinspection passirbar) stehen zwei Forsthäuser, und von diesen aus ziehen sich schöne, wohlerhaltene Wege durch alle Theile des weiten Gartens. Hier nehmen wir die herrlichsten und mannigfaltigsten Partien wahr. Dichte Fichtenwaldungen wechseln mit den saftigsten Wiesen ab, auf denen Heerden von Hochwild weiden. In der Mitte des Thiergartens steht malerisch das Jagdschloss, der Sommeraufenthalt der gräflichen Familie. Von den Fenstern des Hauptgemaches geniesst man die Aussicht auf eine reizende Scenerie des Gartens. Nicht uninteressant ist auch die Eremitage, von welcher sich eine schöne Aussicht in das Rothauthal eröffnet. Vom Jagdschlosse aus führt eine Strasse nach dem nördlichen Ausgange des Thiergartens und schliesst sich da an die oberwähnte Bezirksstrasse nach Schindelwaldel und Rothau an. Die grossen Eisenwerke daselbst sind sehenswerth. Das erste Werk, zu dem wir gelangen, ist die Zinnerei. Im Thale, kurze Strecke weiter abwärts, steht der Hochofen mit der Eisengiesserei und unweit davon die Dreherei. Nach etwa einer Stunde kommen wir zur Neuhütte. Von da aus gelangen wir nach kurzem Gange auf die Kaiserstrasse, die von Heinrichsgrün nach Graslitz führt. Beiderseits von hohen Bergen eingeschlossen führt uns die bequeme Strasse in das Annathal, wo der Rothaubach in die aus Sachsen kommende Zwodau mündet. Am rechten Ufer der Zwodau liegt der Bahnhof, nach welchem von Heinrichsgrün aus zweimal täglich die Post verkehrt. Auf unserer Retour-Wanderung aus dem Annathal nach Heinrichsgrün erblicken wir links einen Basaltkegel, den Kernberg, von dem aus man den grössten Theil der gemachten Wanderung übersehen kann. Erwähnenwerth ist noch das Dorf Altengrün, südlich von Heinrichsgrün gelegen, von welchem aus sich dem Auge eine prachtvolle Aussicht in's Egerland darbietet.

4. Falkenau-*Graslitz (mit der Bahn oder zu Fuss über Bleistadt, von da über Horn und Heinrichsgrün nach Graslitz).

Graslitz, eine freie Bergstadt, in welcher bereits im J. 1370 der Bergbau auf Kupfer rege geworden. Im J. 1437 hat Caspar Schlick die Herrschaft übernommen. Im J. 1527 ging solche an Hieronymus Grafen Schlick durch Kauf über. Im J. 1570 gelangte diese Stadt mit ihren bereits bestehenden und durch eine Schlick'sche Bergordnung geregelten Bergbauen in den Besitz der gräflich Schönburg'schen Familie. August Graf Schönburg erliess eine neue Bergordnung 1601, welche grösstentheils der Joachimsthaler nachgebildet ist. Schon damals waren 2000 Bergleute, 100 Steiger, beim Baue beschäftigt und eine aus zahlreichen Bergbeamten bestehende Berghauptmannschaft aufgestellt. Von der damaligen Grossartigkeit der Bergbaue geben die vielen Stollen und Halden den besten Beweis. Der Abbau und die Schmelzung der Schliche zu Schwarzkupfer geschah durch Gedingarbeit und wurden 3 bis 5% Kupfer aus dem Centner Erz herausgebracht.

Graslitz ist jetzt eine bedeutende Industriestadt, zählt nach der letzten Volkszählung vom J. 1870 6549 Einwohner. Die verschiedenen Industriezweige sind: Musikinstrumenten-, Spitzenerzeugung, Stickerei, Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenerzeugung, Bleicherei, Färberei, Druckerei. Hervorragende Fabriken: Maschinen-Stickerei, Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenfabrik, bedeutende Fabrication für Musikblas- und theilweise Streich-Instrumente, Kindermusikinstrumenten, Perlmutterknopf-Erzeugung und Fabrication von Mundharmonikas.

Aemter: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht, k. k. Haupt-Zollamt, k. k. Post- und Telegrafenamt; Eisenbahn-Endstation der Buschtiehrader Bahn.

Gasthäuser: Kaiser von Oesterreich, Herrenhaus. Restaurationen: Räumermühle mit schönem Echo; Kaisergarten und zwei an der Bahnhofstrasse.

Sehenswürdigkeiten: Die Pfarrkirche, in der Kanzel und Taufbecken künstlerischen Werth haben. Das Altarbild »Abendmahl Jesu« ist von Brandl. Das Schulgebäude der Volks- und Bürgerschule mit dem interessanten *Museum, Musikschule, welche sich eines bedeutenden Rufes erfreut und zur Hebung der Musikinstrumentenfabrication wesentlich beiträgt. Armenhaus, Spital, Friedhof.

Spaziergänge:

Nach dem Hausberg, lohnend wegen der schönen Aussicht. Dort ist die Richardshöhe mit einer Gedenktafel, so benannt nach Herrn Ritter von Dotzauer, Handelskammerpräsidenten in Prag, einem geborenen Graslitzer, der sich um seine Vaterstadt und das ganze Erzgebirge so verdient gemacht, dass sein Name in den Blättern der Geschichte dieses Gebirges für ewige Zeiten mit goldenen Lettern eingegraben bleiben wird. Gleich darüber befindet sich auf der Sängerhöhe ein Obelisk und unweit davon ein Gloriett, von dem aus wir einen herrlichen Ausblick über die Umgebung geniessen.

Auf dem Hausberg stand einst ein Raubritterschloss, das im J. 1412 von Tuchknappen und Metzgern aus Eger zerstört wurde. Ueberreste eines Brunnens sind die letzten Spuren dieses Schlosses.

Auf dem Glasberge, welcher dem Hausberge gegenüber liegt, befinden sich im »Holzhau« zwei auf einander liegende Granitblöcke, die Quarkquetsche genannt, welche sich der Sage nach bei einem heftigen Sturme bewegt haben. Nicht weit vom »Holzhau« befinden sich die Katzenfelsen, zwei aus Granitsteinen aufgethürmte Hügel, und weiter in gerader Linie kommen wir in die Nähe der Stadt und zum »Gesteinlicht«, einem spitzigen Felsen, wo sich uns ein herrlicher Blick über die Stadt und das Zwodauthal eröffnet.

Die Partie von Graslitz auf den *Muckenbühl (¾ St.) 944m hoch, ist zu empfehlen; man erreicht seine 470m über dem Zwodauthale liegende, mit grossen Granitblöcken übersäete Kuppe ohne alle Anstrengung, da seinerzeit der Herr Graf Nostitz von Heinrichsgrün Stufen einhauen liess. Dieser interessante Berg gewährt eine hübsche Aussicht, die nach Osten bis zum Sonnenwirbel, nach Südost über das nahe Schönlind und Kohling hinweg nach Karlsbad reicht und darüber hinaus noch den Phonolithberg Engelhaus mit der grossartigen, weit sichtbaren Burgruine und das Giesshübler Schloss erkennen lässt.

Südwestlich von Graslitz (1 St.) liegt Schönau mit der Wallfahrtskirche zum hl. Jakob dem Grösseren. Ein im J. 1688 gedrucktes und hier aufbewahrtes Gebetbuch gibt einen dunklen Aufschluss über diesen Gnadenort. Interessant sind die um die Kirche gepflanzten, sehr alten Linden.

Touren:

Graslitz-*Klingenthal, unmittelbar an der Grenze, wird durch das Zwodauthal in ¾ St. erreicht.

Klingenthal 576m Seehöhe, hat 2700 Einwohner.

Gasthöfe: Brauner Hirsch, zum alten Schloss, zur Post, zum heiteren Blick, vulgo das Lämpl, mit Aussicht, die Hacke (originelles und stark besuchtes Local mit vorzüglichem böhmischen Bier und Wein in unmittelbarer Nähe des sächsischen Zollamts – gehört zu Markhausen in Böhmen).

Klingenthal liegt am Zusammentreffen des Zwodau- und Brunndöbrathales und unmittelbar an der böhmischen Grenze, ist in seinen Haupttheilen stadtähnlich gebaut und macht mit seiner romantischen Umgebung einen sehr vortheilhaften Eindruck auf den Besucher. Es ist hochinteressant durch seine eigenartige Industrie: Es fertigt jährlich Millionen von Mundharmonikas, Accordions, Concertinos etc. und versendet sie in die entferntesten Länder. Hauptfirmen: Dörfel, Steinfelser, C. G. Herold und E. Leiterd in Brunndöbra.

Obwohl Klingenthal zweifellos ein Ort jüngeren Ursprungs ist, so lässt sich doch die Zeit seiner Entstehung nicht nachweisen. Ursprünglich war ein Eisenhammer hier, wegen der Lage in dem von steilen und dunkel bewaldeten Bergen umgebenen Thalkessel »Höllenhammer« genannt, wie überhaupt die ganze Thalsenke in früheren Zeiten mit dem Namen »Hölle« bezeichnet wurde. Der Ort Klingenthal soll durch böhmische Exulanten, die nach der Schlacht am Weissen Berge (1620) ihr Vaterland verlassen mussten, entstanden und sowohl seinen Namen als auch sein rasches Aufblühen einem Einwohner Namens Klinger zu verdanken haben. Wahrscheinlich begründeten die Exulanten auch die heimische Industrie.

Von Klingenthal lässt sich bequem der Aschberg besuchen. Der nächste Weg ist die Auerbacher Strasse bis zur Postwartehalle in Brunndöbra. Bei jeder neuen Biegung müssen wir den hochromantischen Charakter der ganzen Landschaft bewundern. Hier zweigt nach rechts der sog. Staffelweg ab nach dem Schloss Obersachsenberg im Dorfe gleichen Namens. Die Häuser dieses Ortes liegen zerstreut auf sonniger Höhe, sind klein und unscheinbar, aber bewohnt von einer arbeitsamen und genügsamen Bevölkerung. Nicht selten sieht man an den kleinen Fenstern der niedrigen Stübchen – wie überhaupt im östlichen Vogtland – den Vogelbauer mit dem Hänfling oder Stieglitz oder mit dem unvermeidlichen Grünitz (Kreuzschnabel), der nach dem Glauben der Mütter die »Krämpfe der Kinder anzieht.« Von Obersachsenberg ab ist der Weg nicht mehr zu fehlen; das Ziel ist bereits sichtbar. Der Aschberg, 925m, liegt hart an der Grenze auf böhmischer Seite und ist Station der königl. sächsischen Triangulirung. Das Steingerölle lässt uns die geologischen Bestandtheile des Berges, den Granit erkennen. Die Aussicht ist eine sehr umfassende und vorzügliche, nur sind die Hauptobjekte mit Ausnahme des tief eingeschnittenen Zwodauthales mehr in die Ferne gerückt. Unter den bewaldeten Höhen im Nordwesten ragt der langgezogene Rücken des Kiel (861m) bei Friedrichsgrün hervor; in der im Norden ausgebreiteten Waldregion tritt der obere Theil von Schönheida deutlich heraus. Im Osten zeigen sich bewaldete Berge, im Süden viele hochgelegene böhmische Orte, im Südwesten die vordere Gruppe des Fichtelgebirges und ganz nahe das bereits erwähnte Zwodauthal.

Von Klingenthal nach Markneukirchen (mit der Bahn und dann retour).

Markneukirchen, Stadt, 504m Seehöhe, 4600 Einwohner.

Gasthöfe: Zum Rathskeller, zur goldenen Krone, Restauration von Paulus mit Gartenanlagen, Schützenhaus, Bahnhofrestauration.

Eisenbahnverbindung: gegen Klingenthal, Adorf, Elster, Eger und nördlich gegen Leipzig.

Markneukirchen ist die südlichste Stadt Sachsens und liegt zu beiden Seiten des Schwarzbaches. Die Stadt ist Mittelpunkt der Vogtländischen Blas- und Streichinstrumenten- und Darm-Saiten-Fabrication. Die Firmen: Michael Schuster jun., Paulus & Schuster u. a. haben überseeische Handelsverbindungen und ihre Waaren beherrschen trotz der französischen und italienischen Concurrenz den Weltmarkt. Musikschule – Badeanstalt. Die Stadt hat nach dem Brande von 1840 ein ganz anderes schöneres Gepräge erhalten. Der Ursprung derselben ist in völliges Dunkel gehüllt. Der Ort, der erst aus 17, nach anderen nur aus 3 Häusern bestanden haben soll, scheint ursprünglich nicht zum dobenauischen Gebiet gehört zu haben, sondern es muss erst im 12. Jahrh. an die Vögte gekommen sein. Ursprünglich soll es Nieweekirchen geheissen haben, woraus dann Neukirchen und zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten Mark- d. h. Grenz-Neukirchen entstanden sei. Eine andere Vermuthung leitet den Namen von »Markt« ab.

Markneukirchen kommt zuerst 1357 als ein an die Markgrafen abgetretenes Städtlein Neuenkirchen vor. Im Jahre 1360 erhalten die Kaufleute des Ortes durch den Landgrafen Balthasar dieselben Rechte, wie die zu Adorf und Oelsnitz, der Ort muss also schon von einiger Bedeutung gewesen sein.

Das Bässe- und Geigenmachen soll 1580 durch böhmische Exulanten – namentlich aus Schönbach und Graslitz – nach Markneukirchen gebracht worden sein.

Graslitz-Schneckenstein-Schwaderbach und über Brunndöbra, Sachsenberg, Klingenthal und Markhausen retour. Wer eine mineralogische Merkwürdigkeit nicht unberührt lassen will, muss von Graslitz aus den Schneckenstein besuchen. Derselbe gehört Sachsen an und liegt 2½ St. nördlich von Graslitz. Der Fussgänger mag seinen Weg über Eibenberg nehmen, wo er die Bergwand mit riesigen Halden, den Zeugen eines ehemals schwunghaften Baues auf Kupfererze, bedeckt sieht und kann hinter Schwaderbach nebenbei den »Aschberg« (siehe Klingenthal-Aschberg) besteigen. Von Schwaderbach über Ober-Sachsenberg müsste er nach Steindöbra hinab, auf der nach Nord ziehenden Strasse weiter, dann links ab in die Wälder, wo er ohne Compass und Führer den versteckten Schneckenstein gewiss nicht findet. Derselbe ist ein Topasfels; in vielen Lehrbüchern der Mineralogie wird seiner gedacht, und man soll etwas Aehnliches erst im Ural wiederfinden. Früher hat die sächsische Regierung hier Topasse suchen lassen, jetzt kann sich jeder nach Belieben ein Andenken aus dem Gestein herausklopfen und mitnehmen. Auf dem Rückwege würde der Wanderer die sächsischen industriereichen Ortschaften Brunndöbra, Sachsenberg und Klingenthal, auf böhmischer Seite Markhausen berühren. Wer eine Fahrgelegenheit benützen will, kann den grössten Theil des Weges auf guter Strasse zurücklegen.

Graslitz-Forsthaus Nancy-Sauersack-*Kranichsee-Hirschenstand – retour über Schönlind nach Graslitz.

Im Hochsommer bei trockener Zeit ist es eine eigenthümliche Lust, die Moorgründe des höheren Gebirges zu besuchen und zwischen Knieholz (Sumpfkiefer) über schwankenden Boden zu wandern.

Den Botaniker interessiren da die dem Torfmoore eigenthümlichen Pflanzen. Von Graslitz führt eine gute Strasse das Thal des Silberbaches aufwärts in einem hübschen Waldthalkessel zu der in anmuthender Waldeinsamkeit gelegenen Försterei »Nancy« und von da nach Sauersack. Von hier aus wäre ein kundiger Führer mitzunehmen und der Kranichsee zu besuchen. Es ist kein echter See, sondern eine grosse Hochmoorfläche, in deren Torf- und Moosboden das Knieholz wuchert. Solche Moore sind grosse Wasserbehältnisse, da ihr schwammiger Boden begierig die Feuchtigkeit einsaugt und nur langsam wieder von sich gibt. Nach Delitsch enthält ein Moor, wie der Kranichsee, vollständig mit Wasser gesättigt, so viel Wasser, dass es ein ganzes Jahr lang in jeder Secunde 10 Centner Wasser liefern könnte, ehe es seinen Wasservorrath erschöpfte. Drei Bäche entfliessen ihm.

In die Knieholzregion können wir auch leicht von Sauersack aus auf der nach Hirschenstand führenden guten Strasse kommen.

Hirschenstand, Dorf, 1200 Einwohner, welche sich mit Spitzenklöppeln und der Buntstickerei beschäftigen.

Ausflug: Sehr empfehlenswerth ist die Besteigung des 1½ St. entfernten, in Sachsen bei Wildenthal gelegenen Auersberges, 1021m, des zweithöchsten Berges in Sachsen, der eine majestätische Lage hat und eine herrliche Aussicht in's Vogtland, in die Muldengegend, in das sächsische Niederland und das Erzgebirge bietet.

Gegen Frühbuss (1 St. südwestlich von Hirschenstand) können wir die Torfgewinnung beobachten und, wie Prof. Laube sagt, die Verwandlung der lebenden Pflanzen bis zur Bildung des reinen braunglänzenden Specktorfes Schritt für Schritt verfolgen.

Frühbuss, Stadt, 1400 Einwohner, welche Bobbinet-Stickerei und Spitzenklöppelei treiben.

Gasthäuser: Städtisches Gasthaus, Franz Baumgartls und Leander Baumgartls Gasthaus.

Aussichtspunct: Hartenberg (20 Minuten entfernt), bietet eine herrliche Aussicht im Osten gegen den Sonnenwirbel, nach Südost bis Engelhaus über Falkenau und Karlsbad, nach Südwest über das Egerland bis Franzensbad, nach Nordwest bis Bayern und Sachsen, und nach Nord erblickt das Auge noch Auersberg in Sachsen.

Wer zu Wagen kommt, wird von Frühbuss aus über Schönlind und Rothau nach Graslitz zurückkehren; wer sich aber für Basaltberge interessirt, wird in Unter-Rothau halten und den Flössberg und Illmesberg besuchen, wo der Basalt in schönen Säulen ansteht, beim ersteren Berge auch in sphäroidischer Absonderung gefunden wird.

C. Besuch des böhmischen Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von Karlsbad aus.

Karlsbad.

Gasthöfe. Karlsbad besitzt zahlreiche, comfortabel eingerichtete Hôtels: Hôtel »goldenes Schild« mit den dazu gehörigen Gebäuden: »Erzherzog Stephan«, »zwei deutsche Monarchen« und »Gartenhaus«; »Hôtel Anger«, nahe dem Theater, Hôtel »zum österreichischen Hof« (Neue Wiese); »Hôtel Hannover« (Markt); »Hôtel drei Fasanen« und »Hôtel Erzherzog Karl« (Kirchengasse); »Hôtel Hopfenstock«, »Hôtel Loib« und »Rheinischer Hof« (Geweidiggasse); Gasthof »zum goldenen Schwan« (Kreuzgasse); »Hôtel Paradies«, »Hôtel Morgenstern« (Kaiserstrasse); Wiesingers »Hôtel National« (Gartenzeile); »Hôtel Donau« (Parkstrasse); »Hôtel baierischer Hof« (Egerstrasse); »Hôtel Lyon« (Bahnhofstrasse).

Restaurationen u. Speisehäuser. »Curhaus« (Quai), »Salle de Saxe« (Alte Wiese), »Restauration Pupp« (Pupp'scher Park), »Sanssouci« (am Kiesweg), »Blauer Stern« (Prager Gasse), »Römer«, »Stadt Leipzig« und »Rother Ochs« (Geweidiggasse), »am Rhein« (Andreasgasse), »Bellona« (Schlossplatz), »Schützenhaus«, »Friedrich-Wilhelmsthal« (hinter der alten Wiese), »Königshof« (Wiesenberg), »Liederhalle« (Schulgasse), »Elisium« (Panoramastrasse).

Caféhäuser (die beliebtesten): »Café Elefant« (auf der Alten Wiese), »Pupp's Café-Salon«, »Zur Stadt Hamburg« (Kreuzgasse), im »Panorama«.

Postamt am Markte. Telegraphenamt mit Nachtdienst (im Postgebäude).

Haupt-Zollamt (Egerstrasse).

Photographische Ansichten von Karlsbad und Umgebung in den Buchhandlungen von Hans Feller (Mitte der alten Wiese zur »Eiche«, und Mühlbadgasse zu »3 gold. Sterne«).

Zeitungslese-Salon im Curhause.

Directe Eisenbahn-Verbindungen mit dem ganzen Continente.

Karlsbad ist Station der Buschtiehrader Eisenbahn (Böhmische Nordwestbahn). Nach einer Reihe grösserer Städte verkehren ab Karlsbad directe Wagen.

Lohnfuhrwerke. Omnibusse: Vom Bahnhof in die Stadt 40 kr., Handgepäck frei. Droschken (Einspänner): Vom Bahnhof in die Stadt 1 fl. 20 kr., (50 Kilo Gepäck frei). Vor 6 Uhr Morgens u. nach 9 Uhr Abends sind die Taxen etwas höher. Für Lohnfuhrwerke besteht eine besondere behördlich genehmigte Taxordnung. Dieselbe ist abgedruckt im »Karlsbad im Portemonnaie.« Pr. 20 kr.

Omnibusfahrten (täglich) nach Pirkenhammer, Aich, Dallwitz u. »Giesshübler Sauerbrunn«.

PostverbindungnachPetschautäglich1mal

"Buchau"1"

"Bärringen"1"

"Neudek"2"

Privatwohnungen. Diese sind durchwegs mit Comfort eingerichtet. In Folge des in den letzten Jahren so grossartigen und noch fortschreitenden Ausbaues der Stadt herrscht in keiner Saison Wohnungsmangel.

Aemter. Bezirkshauptmannschaft (Neue Wiese, Nro. 578, II. Stock). Bezirksgericht (Neue Wiese, Nro. 578, I. Stock), Steuer- und Grundbuchs-Amt, Bürgermeisteramt (Stadthaus, Mühlbadgasse Nro. 20). Polizeiamt (Stadthaus, II. Stock, Nro. 4), Militär-Badehaus-Commando (Militär-Badehaus am Quai), Notariat (Mühlbadgasse z. »Samson«).

Beschreibung und Geschichte der Stadt. Die weltberühmte Curstadt Karlsbad, oder Kaiser-Karlsbad (Karlovy Vary, Thermae Carolinae), in älteren Urkunden auch Warmbad, liegt unter 50° 13´ 22´´ nördl. Breite, 30° 33´ 5´´ östl. Länge (östl. v. Ferro), 374·13 Meter über der Meeresfläche zu beiden Seiten des engen Tepelthales malerisch zwischen dem Hammerberge, dem Hirschenstein und dem Bernardsfelsen am linken, dem Tappen- (oder Laurenz-), Buchen- und Galgenberge, am rechten Ufer der Tepel, die sich unweit nördlich von der Stadt in die Eger ergiesst. Die Stadt erstreckt sich in fast ununterbrochener Häuserreihe von der Franz-Josef-(Eger-)Brücke bis zur protestantischen Kirche, einer Wegstrecke von etwa 1 Stunde. Die meisten Häuser sind 2, auch 4 Stockwerke hoch und fast durchwegs mit Hausschildern versehen. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die Häuser der Hauptstrasse lehnen, so steil, dass die Giebel die Felsen berühren. Hie und da wurde der Granitfels hinweggesprengt, um Platz für die Häuser zu gewinnen. Ausserhalb der Hauptstrasse sind die Wohnungen einzeln oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen umgeben; sie scheinen an den Wänden der Berge zu hängen. – Die schönsten Stadttheile sind: Die alte Wiese mit dem daranstossenden Goetheplatze und das Puppsche Etablissement, die Marienbader Strasse mit der damit zusammenhängenden neuen Wiese und dem Dr. Becherplatze, ferner der Marktplatz, der Schlossberg, die Parkstrasse und die Gartenzeile. – Alle Hauptstrassen haben sehr gute Trottoirs und ein grosser Theil der Stadt ist gepflastert. Von welcher Seite man auch die alte stolze Thermenstadt, von Natur und Kunst reichlich geschmückt, betrachten mag, immer gewährt sie mit ihren waldesgrünen Bergkuppen einen zaubervollen, köstlichen Anblick. – Karlsbad zählt bei 12.000 Einwohner mit 900 Häusern, Curfrequenz über 25.000 Personen im Jahre, wobei Passanten und Touristen nicht mitgerechnet sind. Da die Stadt ihren Weltruf den Mineralquellen zu verdanken hat, so wollen wir unsere Aufmerksamkeit in erster Reihe diesen segenspendenden Heilquellen zuwenden, die sowohl innerlich als auch äusserlich (als Bäder) angewendet werden. Karlsbad ist der Hauptrepräsentant der alkalisch-salinischen Mineralquellen. Das schwefelsaure Natron, kohlensaure Natron, Chlornatron und die hohe Temperatur sind die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung dieser Thermen. Die in Gebrauch stehenden Quellen differiren in der Temperatur von 73·3° C. bis 21·5° C. Es gibt daher heisse, warme und kühle Quellen. Ihr Wasser ist klar und farblos, ohne charakteristischen Geruch, von schwach salzigem Geschmack und wird sofort ohne Widerwillen oder Ekel getrunken. Die Bäder werden mit oder ohne Zusatz in den städtischen, mit allem Comfort eingerichteten Badehäusern verabreicht; daselbst finden sich auch Dampfbäder, kalte und warme Douchen (Mineraldouchen), Süsswasserbäder, ferner Moorbäder (der eisenreiche Franzensbader Moor aus dem eigenen Lager der Stadt), Eisenbäder aus der Karlsbader Eisenquelle, kohlensaure Wasser- und Gasbäder von dem sogenannten Sauerbrunn. Ziegenmolken werden an den Quellen verabreicht. – Die Mineralwässer sowie die Quellenproducte (Sprudelsalz, Sprudelpastillen und Sprudelseife) können bei allen Mineralwasser-Depôts des In- und Auslandes, in Karlsbad durch die Karlsbader Mineralwasser-Versendung »Löbel Schottländer« bezogen werden. Nach den Lehren der bedeutendsten Kliniker und den Erfahrungen der Karlsbader Aerzte sind folgende Krankheiten als Heilobjecte für Karlsbad anzusehen. Krankheiten des Magens: Chronischer Magenkatarrh, Kardialgie (Magenschmerz), Magengeschwür, Dyspepsie, Magenerweiterung; des Darmes: Chronischer Katarrh, chronische Diarrhöe, habituelle Stuhlverstopfung, Duodenalgeschwür, Hämorrhoiden; der Milz: Chronische Hyperämie, Milztumoren (nach Wechselfieber u. s. w., wie sie bei Bewohnern von Sumpfgegenden und der heissen Zone auftreten); der Leber: Hyperämie derselben, Fettleber, die heilbaren Formen des Icterus (Gelbsucht), Hypertrophie, beginnende Speckleber, Gallensteine; der Nieren und Harnorgane: Chronischer Katarrh derselben, Nieren- und Harnsand, Nieren- und Blasensteine (sehr gerühmt als Nachcur nach Blasenstein-Operationen), Albuminurie (wenn sie nicht die Folge von Krankheiten ist, welche den Gebrauch von Karlsbad contraindiciren); der Prostata: chronische Hyperämie in Folge venöser Stauungen im Unterleibe, Hypertrophie der Prostata, chronischer Katarrh der Gebärmutter, chronischer Uterusinfarct; Gicht: Skrophulose, Asthma, wenn es nicht durch organische Veränderungen in der Lunge oder im Herzen bedingt ist; Fettleibigkeit, Unterleibsplethora; Diabetes mellitus (Zuckerharnruhr). Alle jene Krankheiten, welche als Folge von Blutstockungen im Unterleibe auftreten (wenn diese nicht in Aftergebilden, Veränderungen des Gefäss-Apparates u. s. w. begründet sind), eignen sich in hervorragender Weise als Heilobjecte für Karlsbads Thermen, welche die Darmthätigkeit anregen und die Defäcation befördern. Diese Thermen wirken schmerz- und krampfstillend, sie vermehren die Alkalescenz des Blutes und sind daher säuretilgend; sie regen die Secretionen an (besonders die Gallensecretion und Harnausscheidung), sie üben Einfluss auf die Absorption der Fettgebilde.

Karlsbad hat 17 warme Mineralquellen, welche die Ausflüsse einer einzigen grossen Wassermasse sind und auf dem von der Stadt bedeckten Raume entspringen. 1. Der Sprudel, am rechten Ufer der Tepel, mitten in der Stadt, dem Marktplatze gegenüber, ist von allen Quellen die älteste, berühmteste, wirksamste und ergiebigste und zeichnet sich durch seine hohe Temperatur (58·2° R.) aus. »Er steigt in kurzen brausenden Stössen schäumend durch eine zwei Klafter lange und 5 Zoll breite hölzerne Röhre, welche unmittelbar in die Sprudelschale senkrecht eingelegt ist, aus dem in der Tiefe befindlichen grossen Reservoir von Thermalwasser einige Schuh hoch empor und fällt in ein weites Becken herab, von wo aus sein Wasser durch den unteren Sprudelraum theils in die Sprudelsalz-Erzeugungs-Anstalt, theils in die Badehäuser, theils in Rinnen in die Tepl abfliesst. Das abfliessende Sprudelwasser ist noch so heiss, dass Eier in demselben gesotten werden können. 1879 wurde eine neue, prachtvolle, in Eisen construirte Colonnade und Quellenhalle nach Plänen der Wiener Architekten Fellner und Hellmer vom Fürst Salm'schen Eisenwerke in Blansko mit einem Kostenaufwande von 240.000 fl. erbaut. Diese Colonnade repräsentirt einen in seiner Art einzig dastehenden Prachtbau, bei welchem sowohl geniale Construction, wie Anwendung bedeutender architektonischer Decoration bei Eisenbauten auf das Sprechendste zur Geltung kamen.« Diesem Gebäude schliesst sich das Sprudelbadehaus mit 26 Badelogen an. 2. Die Hygieensquelle (58·2° R.), in der Nähe des Sprudels. Im Pavillon dieser Quelle steht die Hygea-Statue, ein Werk des berühmten Bildhauers Fernkorn. 3. Der Sprudelsäuerling (25° R.) in der Nische der Sprudelhalle; die folgenden Quellen befinden sich am linken Teplufer, u. zw. 4. die Kaiser Karls IV. Quelle (34·7° R.); 5. der Marktbrunn, beide am Marktplatze; der Reihe nach stromabwärts folgen: 6. der Mühlbrunn, am Ende der Mühlbadgasse, wurde neu überbaut und mit der im J. 1876 (nach dem Plane von Prof. Zitek aus Prag) vollendeten griechischen Säulenhalle, der sog. neuen Mühlbrunnencolonnade verbunden. Dieselbe ist ein monumentaler Prachtbau, aus Stein gehauen, und kostete 680.000 fl. 7. Der Neubrunn (49·3° R.), 8. Der Bernardsbrunn, 9. die Elisabethquelle (35·5° R.), 10. die Felsenquelle, am Fusse des Bernhardsfelsens (47·6° R.), 11. der Curhausbrunn (52·2° R.), vor dem Curhaus, 12. die Dr. Hochbergerquelle (32·50° R.) im Militärbadehause, 13. der Kaiserbrunn (39·3° R.) im Militärbadehause, 14. die Spitalquelle (28° R.) hinter dem Fremdenspital, 15. der Theresienbrunn (48·3° R.) oberhalb der Colonnade, hat seinen Namen von der grossen Kaiserin Maria Theresia; rechts davon das Körner-Denkmal; 16. der Schlossbrunn (44·6° R.) am Schlossberg, 17. die Quelle zur russischen Krone (28° R.) am Schlossplatz, ist nicht kunstgemäss gefasst.

Sind auch die Heilquellen die Haupteinnahmsquellen der Bewohner Karlsbads, so betreiben letztere auch Industrie, die wegen ihrer Eigenthümlichkeit »Karlsbader Industrie« genannt wird. Zu dieser gehört die Erzeugung mannigfacher Gegenstände aus Stahl in Verbindung mit Sprudelstein, so namentlich: Federmesser, Vorstecknadeln, Portmonnais, Cigarrentaschen, Briefbeschwerer u. s. w.; doch werden die Sprudelsteine auch zu selbstständigen Gegenständen verarbeitet. Weitere Industriezweige sind: die Nadlerei, die Dosenerzeugung aus Papiermaché, die Zinngiesserei, die Galanterietischlerei und neuestens die Fabrication von Blumenbouquets.

Sehenswürdigkeiten. Kirchen und Andachtsstätten: Die St. Magdalenenkirche oder Dechanteikirche (auf dem Kirchenplatz) wurde von dem böhmischen Baumeister Dienzenhofer in den Jahren 1732–1736 auf Kosten des Kreuzherren-Ordens und mittelst einer Schenkung Kaiser Karls VI. von 1000 Ducaten an Stelle der schon seit 1485 bestandenen alten Kirche erbaut. Sie besitzt zwei schöne Altarbilder (Maria Magdalena und Christus am Kreuz) und eine Orgel mit 28 Registern. – Die Kirche zum hl. Andreas (in der Andreasgasse) mit einem werthvollen, dem berühmten Leonardo da Vinci zugeschriebenen Altarbild, darstellend den hl. Andreas. Auf dem bei dieser Kirche befindlichen Gottesacker stehen mehrere denkwürdige Grabsteine, von denen wir das Grabmal des um Karlsbad hochverdienten Dr. David Becher (geb. zu Karlsbad 1705, gest. 1792) und das des Musikers und Componisten Wolfgang Amadeus Mozart (gest. am 30. Juli 1844), des zweiten Sohnes unseres unsterblichen Mozart, hervorheben. – Die Marienkapelle (hinter der alten Wiese am Waldessaum), errichtet 1700 vom Grafen Sternberg. – Die protestantische Kirche und das griechische Bethaus (in der Marienbader Strasse). Die anglikanische Kirche (am Ende der Schlossbergstrasse). Die neue Synagoge (in der Parkstrasse) in schönem maurisch-romanischen Style gebaut. Der Bau derselben begann 1876 und wurde 1878 nach dem vom Baurathe Wolf aus Stuttgart gefertigten Plane vollendet.

Oeffentliche Gebäude: Stadthaus, bis vor kurzem Mühlbadgebäude genannt (in der Mühlbadgasse). Das älteste städtische Gebäude ist wohl der hoch über den Häusern des Marktplatzes emporragende Stadtthurm, welcher um 1608 auf den Trümmern des alten, durch Kaiser Karl IV. erbauten Jagdschlosses errichtet worden ist. Das Bezirksamtsgebäude, das Post- und Telegraphenamt, das Hauptzollamtsgebäude (wurden schon an anderen Stellen erwähnt). Das Theater (an der neuen Wiese). Die Volksschule (in der Schulgasse). Die zweite Volksschule (an der Egerstrasse). Die Bürgerschule (am Schillerplatze). Die Sprudelcolonnade und die Mühlbrunnencolonnade (wurden bereits an anderer Stelle erwähnt). Die Marktbrunnhalle. Die Trinkhalle am Schlossbrunnen. Das grossartige Curhaus mit 75 Badelogen, 8 Moor-, 3 Voll-, 2 russischen Dampf- und 2 Douchebädern. Das 1880 dem Curhause gegenüber erbaute Neubad. Das Militär-Badehaus (am Quai) mit sehenswerther Kapelle und sehenswerthem Speisesaale. Erstere enthält sehr schöne Freskomalereien von dem bekannten Historienmaler Kandler und ein Crucifix mit zwei betenden Engeln aus carrarischem Marmor von dem Bildhauer Wenzel Lewy in Rom; im Speisesaal ziehen das Bildniss Sr. k. k. apostol. Majestät Franz Josef I., ferner ein grosses Oelgemälde von Kandler, die Entdeckung Karlsbads vorstellend, dann schöne, auf Oesterreichs Heer sich beziehende Fresken unsere Aufmerksamkeit auf sich. Das Fremden-Hospital (am Quai).

»Die früheste Geschichte der Stadt Karlsbad liegt grossentheils im Dunkel. Aelter als alle Geschichte überhaupt sind die heissen Quellen selbst. Sie haben vor undenklichen Zeiten durch den Kalksinter, den sie noch jetzt fortwährend absetzen, den Grund und Boden, die sog. Sprudelschale, gebaut, auf welcher nachmals die Stadt gegründet worden ist, und über welche zum Theil die Tepel hinfliesst. Ehe dieses steinerne Gewölbe entstand, vermischte sich das heisse Wasser der Quellen mit den Fluthen der Tepel und theilte dieser, sowie der Eger, in die sie ausfliesst, einen hohen Wärmegrad mit.«

Der uralten Sage nach wurde der Sprudel durch Kaiser Karl IV. auf einer Hirschjagd entdeckt. Die Sage berichtet, dass der Kaiser mit seinem Gefolge einst in den damals dicht bewaldeten Bergen gejagt und einen Hirschen verfolgt habe. Dieser sei von dem später durch den Namen »Hirschensprung oder Hirschenstein« verewigten Felsen in das Thal hinabgesprungen, wohin ihm einer der Jagdhunde folgte, der sich im heissen Quellwasser die Füsse verbrannt, durch sein Geheul die Jäger herbeigelockt und dadurch die Entdeckung des Sprudels veranlasst haben soll. Der Kaiser selbst soll dann das Wasser auf Anordnung seines Leibarztes P. Bayer gegen ein Uebel an seinem Fusse gebraucht und 1364 eine Stadt am Fusse des Berges und ein Schloss am Abhange des Hirschensteines erbaut und dadurch die Entstehung des Ortes Karlsbad herbeigeführt haben. Jedoch sprechen ausser allgemeinen Gründen und Beweisen auch urkundliche und historisch beglaubigte Zeugnisse dafür, dass der Curort im XIII. Jahrhundert schon bestand und wahrscheinlich zu Ende des XII. oder zum Beginn des XIII. Jahrhunderts durch eine Colonie der Bewohner aus der nächsten Umgebung gegründet worden ist. Schon im IX. Jahrhundert war die Umgegend bewohnt, und hatten namentlich die Markgrafen von Vohburg das benachbarte Stein-Elbogen gegründet. Da der Dampf der Quellen, besonders bei kalter Witterung, weithin sichtbar ist, so mussten diese schon damals bekannt gewesen sein. Auf einer zu Anfang des XIII. Jahrhunderts von dem Geschichtsforscher Gelasius Dobner entworfenen Landkarte von Böhmen findet sich genau an der Stelle des heutigen Karlsbad der Ort Wary vor, welche czechische Benennung so viel wie »Warmbad« bedeutet, unter welchem Namen Karlsbad noch im Mittelalter vielfach selbst urkundlich genannt wird.

Den schlagendsten Beweis aber, dass Karlsbad mindestens ein Jahrhundert vor Kaiser Karl IV. in seinen ersten Anfängen schon existiert haben muss, liefert König Johann's Privilegium oder vielmehr Breve testatum vom Jahre 1325, mittelst welchem König Johann, der Vater Karl's IV., Warmbad (Karlsbad) mit dem nahen Dorfe Thiergarten belehnt. Kaiser Karl IV. ist sonach weder der Entdecker noch der Begründer, sondern der Mäcenas von Karlsbad, der daselbst wiederholt sich aufhielt. Er erhob mittelst Privileg vom 14. August 1370 aus Nürnberg Warmbad zur Stadt, verlieh ihr den Namen Karlsbad und dieselben Freiheiten und Rechte wie den Bürgern von Elbogen. Karlsbad nahm durch Karl IV., seinen grössten Wohlthäter, einen höheren Aufschwung als Kurort. 1401 verlieh König Wenzel IV. der Stadt noch das Asylrecht. Im Jahre 1434 wurde durch Kaiser Sigmund die Herrschaft Elbogen nebst dem dazu gehörigen Karlsbad an den Grafen Caspar Schlick und von den Erben des Letzteren das Schloss »Warry« an den Ritter Polacky verpfändet; doch mussten in Folge ausgebrochener Streitigkeiten die Schlicke dem Ritter Polacky sein Pfandrecht auf das Schloss »Warry« wieder ablösen. Als sich Graf Hieronymus Schlick die verpfändeten Güter 1547 an Kaiser Ferdinand I. zurückzugeben genöthigt sah, kam auch Karlsbad wieder an die Krone Böhmens zurück. Später wurde die Stadt wieder verpfändet.

Das erste schriftliche Zeugnis über die grosse Heilkraft dieser Thermen liefert der Dichter Bohuslav von Lobkowitz in seiner schönen lateinischen Ode: In thermas Caroli IV., die er vor dem Jahre 1510 verfasste. Bis zum Jahre 1520 hat man die Karlsbader Quellen nur zu Bädern benützt. Um diese Zeit führte man auf Anrathen des Dr. Payer, der i. J. 1522 die erste medicinische Abhandlung über Karlsbad erscheinen liess, auch die Trink-Kuren ein. Die erste richtige physikalisch-chemische Untersuchung der Karlsbader Mineral-Quellen wurde durch den berühmten Dr. David Becher i. J. 1766 angestellt. Obgleich die Stadt von mancherlei Unglücksfällen betroffen wurde – wir nennen blos die grosse Überschwemmung i. J. 1582 und die schreckliche Feuersbrunst am 13. August 1604, wodurch die Stadt bis auf drei Häuser zerstört wurde – so steigerte sich ihr Wohlstand derartig, dass sie benachbarte Herrschaften kaufen konnte. Im Jahre 1554 wurden die Bewohner von Karlsbad lutherisch und blieben es, bis der letzte Pastor Johann Rebhun am 24. August 1628 mit allen Einwohnern, welche nicht zur katholischen Lehre zurückkehren wollten, die Stadt verlassen musste. Der unheilvolle dreissigjährige Krieg verschonte auch Karlsbad nicht, das viel durch Einquartierungen, Brandschatzungen u. dgl. zu leiden hatte. Erwähnenswerth ist, dass Kaiser Josef I. i. J. 1707 Karlsbad zu einer königlichen freien Stadt erhob, und dass Kaiser Karl VI. bei seinem Aufenthalte in der Stadt 1732 der Bürgerschaft 15.000 fl. Quartiergeld und 1000 Ducaten zum Baue einer neuen Kirche schenkte. Trotz aller Drangsale, die Karlsbad seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts theils durch Ueberschwemmungen (1735, 1784, 1806, 1821, 1867, 1870, 1872 und 1876), theils durch Kriegsereignisse (1741 und 1742, 1757 und 1762, 1809 und 1813, 1866), theils durch Sprudelausbrüche (1713, 1727, 1824, 1832, 1834, 1835, 1838, 1845, 1855, 1856 und 1878), theils durch Brände (1759) betroffen, blühte die Stadt durch immer grössere Frequenz, sowie durch treffliche Einrichtungen und Entdeckungen zu einem weltberühmten Heilbade empor. Karlsbad war noch im Jahre 1650 ein kleines Landstädtchen mit Holzhäusern und Riegelwandgebäuden; erst seit dem Jahre 1827 zeigte sich das Streben, die Stadt zu verschönern. Wahrhaft Grossartiges geschah in dieser Beziehung in den letzten Jahren; denn Karlsbad ist jetzt eine Stadt von Palästen. Es ist, wie Dr. Eduard Hlawaček, der überaus verdienstvolle Schriftsteller über Karlsbad, ganz zutreffend bemerkt, gegenwärtig sowohl in Betreff seiner Trink- und Badeanstalten, als auch der Wohngebäude, öffentlichen Promenaden und Belustigungslocale unstreitig einer der grössten und comfortabelsten Trink- und Badeorte, und sein Ruf als Heilort ist nicht bloss ein europäischer, sondern ein fast über die bekannte Erde verbreiteter. Karlsbad wird daher oft die Königin der Curorte genannt, eine Benennung, die es nicht bloss wegen der Ausdehnung der Stadt, der grossen Frequenz, besonders auch wegen der Schönheit und Mannigfaltigkeit der Umgebungen, vor allem aber wegen der unbestrittenen grossen Heilkraft seiner Quellen und des imposanten Naturschauspieles seines heissen Sprudels wohl mit Recht verdient! – Es ist das »Nobelbad« par excellence; als solches zählte es von jeher unter seinen Curgästen nicht nur gekrönte Häupter, sondern auch Minister und Feldherren, Dichter, Künstler und Gelehrte oder sonst wie hervorragende Persönlichkeiten. Wir nennen nur: Czar Peter den Grossen, Kaiser Karl VI., Kaiser Josef II., Kaiserin Maria Ludovika, Kaiser Franz I. von Oesterreich mit seiner Tochter, Königin Maria Louise von Frankreich, König Friedrich Wilhelm III., König Wilhelm von Preussen, jetzigen Kaiser von Deutschland, das Kaiserpaar von Brasilien; Bohuslaw von Lobkowitz, Ferdinand, Erzherzog von Oesterreich mit seiner Gemahlin, der »schönen Welserin«; Albrecht von Waldstein, Prinz Eugen, Laudon, Fürst Karl Schwarzenberg und Fürst Blücher; Gellert, Herder, Goethe, Schiller, Theodor Körner; Beethoven, den Violinvirtuosen Polledro; Fürst Metternich. – (Aus neuer und neuester Zeit) Laube, Geibel, Auerbach, Ad. Stifter, K. E. Ebert, Fr. Halm, Erzbischof Pyrker, David Strauss; Fürst Bismarck und Moltke. Mit Recht sagt der Schriftsteller Anton August Naaff: »In und um Karlsbad ist fast jedes Fleckchen Erde historisch, und selten hat die politische, die Cultur- und Personalgeschichte an einem anderen Orte so viele und grosse Merkzeichen ihres Waltens eingeschrieben, wie bei Karlsbad. Auf Schritt und Tritt stossen wir auf die Spuren eines grossen Namens der berühmtesten Männer ihrer Zeit.«

Notes in this chapter

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