Specieller Theil. (continued 3)
Reading edition
Den höchsten Punkt des Keilberges krönt ein 21 Fuss hohes, einfaches, aber sehr fest und praktisch gebautes Aussichtsobject, das der Erzgebirgsverein in Joachimsthal im Jahre 1880 errichtet hat. Haben wir die zweite Terrasse dieses Objectes bestiegen, so eröffnet sich uns eine umfassende, wahrhaft grossartige, überwältigende Rundsicht, die uns unwillkürlich an die vortrefflichen Worte Karl Egon von Eberts, des hochgefeierten Altmeisters der deutsch-böhmischen Dichter, erinnert:
»Ihr Berge, stolze Berge, du schwarze Wäldernacht, Ihr golderfüllten Ströme, ihr Au'n in grüner Pracht, Ihr sanft gewölbten Hügel im blumigen Gewand, Euch nenn' ich freudig rufend, mein schönes Vaterland!«
In nächster Nähe streben dicht an einander gereiht, wie Mastbäume die schlank gewachsenen Fichten und Tannen des prächtigen Schwarzwaldes (die ausgedehnten, herrlichen Waldungen, am Südabhange des Keilberges führen diesen Namen) empor, an den sich weithin nach den verschiedenen Richtungen die gewaltige Waldregion, ein förmliches Forstmeer, der mannigfaltigen Höhenzüge mit ihren Kuppen anreiht; denn der Blick schweift bei heiterem Himmel über das ganze (besonders das böhmische) Erzgebirge vom Böhmerwalde und Fichtelgebirge bis an das Riesengebirge, eine wundervolle Aussicht, wie sie in solchem Masse kein zweiter Punkt im ganzen Erzgebirge bietet. In südöstlicher Richtung sehen wir die Städte: Saaz, Kaaden, Klösterle und viele grössere und kleinere Ortschaften (mit einem guten Fernglase sieht man bei heiterem Himmel sogar den historischen weissen Berg bei Prag); östlich gewahren wir zunächst Kupferberg mit dem kegelförmigen Kupferhügel (letzterer ist gegen unseren Standpunkt verschwindend klein) und in weiterer Entfernung links Dörnsdorf, Reischdorf, die Kirchthurmspitze von Pressnitz. Ganz im Hintergrunde erblicken wir die Kuppen des herrlichen böhmischen Mittelgebirges mit dem Milleschauer. Gegen Norden verdecken die beiden Fichtelberge die Aussicht nach Sachsen, doch ist diese nach Nordost lohnend. (Schmiedeberg, Jöhstadt, Weipert, Annaberg); der Bahnhof von Weipert, die Kirche von Annaberg und die imposante Volksschule in Schmiedeberg sind mit freiem Auge sichtbar. Gegen Süden bemerken wir das Duppauer Gebirge mit der Ruine Engelhaus, den Bahnhof von Karlsbad, ferner Schlackenwerth und das liebliche, reizvolle Egerthal, im Südwesten im Hintergrunde den Dillenberg bei Eger, den Kaiserwald, im Westen das Fichtelgebirge mit dem Hainberge bei Asch. Bei dieser Darlegung wurde nur das Wichtigste hervorgehoben, denn alle einzelnen Punkte dieses farbenprächtigen Panoramas zu schildern, lässt der Raum des Buches nicht zu, zudem wir in anderer Beziehung des Keilberges gedenken mussten. Erhaben und schön ist auf diesem Berge die Beobachtung des Sonnenaufganges. (Der Botaniker findet Moose und Vorboten subalpiner und selbst alpiner Pflanzen).
Um unsere beabsichtigte Tour zu vollenden, kehren wir wieder bis zum bekannten Wegweiser zurück, wo wir die nach Weipert führende Strasse weiter verfolgen; dieselbe zieht sich anfangs einige hundert Schritte auf der Ebene dahin, senkt sich dann allmählig, und wir sehen plötzlich bei einer Biegung ein malerisches Bild. Wie hingegossen liegt das sächsische Städtchen Oberwiesenthal vor uns, das bloss durch die Pöhl von Böhmisch-Wiesenthal getrennt ist. Man wird nicht satt, dieses Bild zu betrachten, immer wieder zieht es das Auge des Touristen auf sich. Wir steigen indess tiefer und gelangen zu den Hofberghäusern mit dem anständigen Gasthof »Hofberg« (Hier biegt, rechts die Strasse nach Kupferberg, links nach Böhmisch-Wiesenthal ab). Nachdem wir durch eine kleine Erfrischung uns erquickt haben, schreiten wir auf der Strasse bei kaum wahrnehmbarer Senkung zur rechten Seite des grossen Dorfes Stolzenhahn hin und erreichen nach einer ½stündigen Wanderung durch eine zu beiden Seiten der Strasse liegende liebliche Waldung Böhmisch-Hammer, wo sich rechts die Strasse nach Schmiedeberg abzweigt. (Gleich oberhalb des Dörfchens ist ein ansehnlicher Viaduct der Buschtěhrader Zweigbahn Komotau-Weipert bemerkenswerth.) An der Strasse selbst liegt der ansehnliche Gasthof »zum Schlössl.« Immer näher zieht sich dieselbe an der Landesgrenze auf der Ebene dahin und wir erblicken bald auf böhmischem, bald auf sächsischem Boden ein Gehöfte, eine Mahl- oder Papiermühle, ein Gasthaus u. dgl., was uns eine annehmbare Abwechslung gewährt. Wir merken kaum, dass wir uns schon Weipert-Neugeschrei, der Vorstadt Weiperts, nähern. Hier liegen die Häuser einzeln gebaut, zu beiden Seiten der Strasse. Von Gottesgab, noch besser von Försterhäuser (siehe oben), können wir, in Försterhäuser unweit des Forsthauses abbiegend, eine prächtige Seitentour ausführen. Wir gehen auf einer guten, durch herrliche Wälder führenden Strasse oder auf einem Fusswege am Goldenhöher Forsthause vorüber in das idyllisch gelegene Dorf *Goldenhöhe, dann nach der sogenannten böhmischen Mühle und von da weiter nach Sachsen. Dieser, zwei Stunden bis zur Grenze in Anspruch nehmende Weg ist herrlich. Die schönen, wohlgepflegten Waldbestände erwecken die Bewunderung jedes Touristen. Es ist eine ächte Gebirgswanderung. Bei der genannten Mühle öffnet sich das Thal, vom reissenden Pöhlbach durchbraust; wir überschreiten die Grenze, durchwandern das industriereiche, an beiden Abhängen des erweiterten Thales romantisch gelegene Dorf Rittersgrün und kommen in ¾ Stunden in *Globenstein an, wo die höchstinteressanten Felsgebilde unsere Aufmerksamkeit erwecken. Fortsetzung der Tour über Crandorf oder Raschau nach *Schwarzenberg. Herrliche Partie!
D. Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus.
Komotau.
Gasthöfe: Scherbers Hôtel (Nr. 98 in der Frohngasse).
Hôtel Reiter (Nr. 14, 15, Ringplatz).
Städtisches Schiesshaus inmitten des neuen, sehenswerthen Stadtparkes (nördlich der Stadt) gelegen, sehr beliebter, besonders im Sommer reich besuchter Ausflugsort der Stadtbewohner.
Hôtel Adler Nr. 16 am Marktplatze, Eck der Steingasse.
Gasthof zum grünen Baum in der Bahnhofstrasse.
Städtischer Lagerkeller (Nr. 1 Weinberggasse), schön gelegen, mit einem grossen Garten und herrlichen Blick auf die Stadt und das Gebirge.
Güttler's Restauration (Schäfergasse Nr. 7) schöner Garten mit Gartenhaus und gedeckter Kegelbahn.
Restauration am Bahnhofe.
Weiter sind noch erwähnenswerth: Gasthof zum Bahnhof in der Bahnhofstrasse, »Gasthaus zum Schiefer« in der Prager-Strasse, »Austria« in der Weinberggasse (Lokal des Lesekasinos), Städtische Restauration (genannt »Criminelle«), »Binders Weinhandlung« in der Herrengasse.
Aemter: 1. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft; 2. das k. k. Bezirksgericht; 3. das k. k. Revier-Bergamt; 4. das k. k. Steueramt; 5. das k. k. Grenz-Inspektorat mit der k. k. Finanz-Wachkontrolsbezirksleitung und dem k. k. Hauptzollamte; 6. das k. k. Postamt am Schulplatz; 7. das k. k. Telegraphenamt in der k. k. Bezirkshauptmannschaft; 8. das k. k. Aichamt; 9. das k. k. Gendarmeriepostenkommando; 10. die Komotau-Sebastiansberger Bezirksvertretung; 11. das Bürgermeisteramt.
Lehranstalten: 1. das Communal-Obergymnasium; 2. die k. k. Lehrerbildungsanstalt; 3. die mechanisch-technische Lehrwerkstätte des k. k. Handelsministeriums; 4. die Bürgerschule und 5. die Privatvolksschule der Schwestern vom hl. Kreuz mit Pensionat.
Verkehrsanstalten. 1. die k. k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn; 2. die ausschl. priv. Buštěhrader Eisenbahn; 3. die k. k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn; 4. die Pilsner-Priesner Eisenbahn.
Zwei Lesezimmer a) das der Gesellschaft »Casino« b) das der Ressource. Eingeführte Fremde haben Zutritt. Die Buchhandlung von A. Stumpf am Marktplatz ertheilt allen Touristen über den Gebirgsverein, Führer in's Gebirge u. s. w. Auskünfte; 2. Buchhandlung von Mändl.
Sehenswürdigkeiten. 1. Die Stadtkirche. Der gothische Hauptbau stammt aus dem Jahre 1542; in früheren Jahren, etwa 400 Jahre zuvor, stand an diesem Orte eine kleine Kirche; der jetzige Hauptaltar wurde 1723 erbaut; sehenswerthe, kunstvolle Bilder am Kreuzaltare sind die der hl. Bonaventura und des hl. Franz von Assisi. In der Taufkapelle dieser Kirche erweckt besonders Interesse das merkwürdige, künstlerisch-werthlose Žižka-Bild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten darstellt. 2. Die *St. Ignaziuskirche oder Jesuitenkirche genannt an der Südseite des Marktplatzes, die grösste und schönste Kirche Komotaus und im italienischen Baustyl des 17. Jahrh. erbaut; die Kirche und die jetzt als Kaserne dienenden Nebengebäude bildeten einst das Jesuitencollegium, das 1773 aufgehoben wurde. Den Hochaltar dieser Kirche schmückt in seinem oberen Theile ein Kunstgemälde, darstellend Gott-Vater im Kreise seiner Engelschaaren. Lanfranco, ein Schüler der florentinischen Schule, malte es. Das Hauptbild des Hochaltars, gemalt vom Meister Kandler in Prag, stellt den hl. Ignatius vor; unter dem Presbyterium ist die Jesuitengruft. Die zweite Seitenkapelle rechts birgt die irdischen Ueberreste des 1681 verstorbenen Johann Grafen von Hrzan, k. k. Statthalters von Böhmen. Auf dem Seitenaltare des hl. Viktor befinden sich die Reliquien dieses Heiligen, mit welchen und zu deren Verehrung die Jesuiten ehemals jährlich eine Procession durch die ganze Stadt hielten. 3. Das Schloss, jetzt städt. Rathhaus, auf der Westseite des Marktplatzes, einst der Wohnsitz von Komotaus Oberherrn, dürfte in seinem noch bestehenden Bau 1520 errichtet worden sein. Gegenwärtig befindet sich darin das Bürgermeisteramt, die Sparkasse, das städtische Forstamt, ein Turnsaal u. s. w. 4. Die Katharinenkirche, dem Schlosse angebaut, darum auch Schlosskirche genannt, ist das älteste Baudenkmal Komotaus. Schon 1383 wird bei derselben unter anderen einer Frühmessstiftung Erwähnung gethan. Unter Kaiser Josef II. wurde die Kirche Eigenthum der Stadt; jetzt dienen ihre Räumlichkeiten verschiedenen privaten Zwecken. Die Bauart spricht für das 14. Jahrhundert. 5. Die Spittelkirche oder Kirche vom hl. Geist in der Gerstnergasse; sehenswerth ist ein kunstvolles Bild, darstellend den hl. Josef. 6. Gleich darunter steht die in den fünfziger Jahren erbaute protestantische Kirche. Die Juden-Synagoge, erbaut 1876, befindet sich in der Weinberggasse. 7. Das Gymnasium, ein schöner Bau mit einem Thurme (ehem. Sternwarte der Jesuiten), am linken Ufer des Assigbaches gelegen, angrenzend an die Jesuitenkirche. 8. Das Pädagogium, südlich ausserhalb der Stadt gelegen, früher das städtische Spital; die technische Lehrwerkstätte im unteren Ende der langen Gasse; die Eröffnung der Anstalt fällt in das Jahr 1874 und ist in ihrer Art die einzige in ganz Oesterreich und Deutschland. 9. Die Bürgerschule für Knaben und Mädchen unweit der Stadtkirche gelegen mit 19 Classen. 10. Die umfangreichen Gebäude der Schwestern vom hl. Kreuz mit einer 7classigen Privatvolksschule mit Oeffentlichkeitsrecht in der unteren langen Gasse. 11. Der nach englischem Muster angelegte Stadtpark, nördlich der Stadt, gehört zu den beliebtesten Spaziergängen der Komotauer.
Kurze Beschreibung der Stadt. Die königliche (1605) Stadt Komotau zählt über 700 Häuser mit einer Bevölkerung von 10100. Sie liegt am Fusse des Erzgebirges, zu beiden Seiten des Assigbaches, inmitten von Obst- und Gemüsegärten. Die Stadt hat 5 Jahrmärkte und wöchentlich 3 Märkte, betreibt lebhaft Obst- Getreide- und Gemüsehandel; merkwürdig ist das Gedeihen der edlen Kastanien in der Nähe von Komotau. Von Komotau führen mehrere Strassen auswärts: Die Leipziger oder Kaiserstrasse durch die Bahnhofstrasse in nordwestlicher Richtung nach Sachsen; die Prager Strasse durch die lange Gasse in südlicher Richtung über Postelberg, Laun nach Prag. Eine andere Strasse führt durch die Weinberggasse nach Görkau; die Kaadner Strasse durch die Bahnhofstrasse, beim Gasthause zum grünen Baum von der Leipziger Strasse abzweigend, führt beim Bahnhofe vorüber in westlicher Richtung nach Kaaden. Auch führt eine Bezirksstrasse in südlicher Richtung nach Eidlitz, eine in nördlicher Richtung übers Gebirge nach Platten, Kallich gegen die sächsische Grenze.
Geschichtliches. 1252 tritt der Name Comotov in den Urkunden auf; jedenfalls war da Komotau ein Dorf, das sich um eine Veste gruppirte; dieselbe stand an dem Orte, wo jetzt das Rathhaus und das Bräuhaus steht; im selben Jahre wird der deutsche Ritterorden als Herr des Marktes Komotau genannt. Von 1353 an erscheint Komotau als Stadt. Diese litt 1418 durch eine Feuersbrunst grossen Schaden. Ein Schreckenstag für Komotau war der 14. März 1421, an welchem die Stadt durch die Hussiten erstürmt wurde; die gesammte katholische Bevölkerung wurde grässlich hingemordet; nur 30 Einwohner wurden verschont, um ihre todten Mitbürger zu begraben. Kaiser Sigismund belohnte später die Lobkowitze mit Komotau. Bereits im Jahre 1456 wird Johann Czalta von Steinsberg als Herr von Komotau genannt. Durch Erbrecht ging die Stadt in den Besitz der Herren von Weitmühl über, wurde im Jahre 1560 an Erzherzog Ferdinand, Gemahl der Philippine Welser, und von diesem im Jahre 1571 an die Familie der Lobkowitze von Hassenstein verkauft. Zur Zeit der Reformation fand die neue Lehre hier Eingang. Georg Popel von Lobkowitz berief aber die Jesuiten zur Vertreibung des Protestantismus, der auch schliesslich wieder unterging. Derselbe Herr von Komotau trug sich auch mit dem Plane um, in Komotau eine Universität zu errichten; er fiel aber beim Kaiser in Ungnade und endete als Gefangener 1606 durch das Henkerbeil sein Leben in Elbogen. Die Güter Georgs von Lobkowitz gingen nun an den Staat über; dieser verkaufte ein Dritttheil dieser Güter an die Komotauer Bürgerschaft, welche dadurch von aller Oberherrschaft frei wurde. Der dreissigjährige Krieg machte sich in seinen traurigen Folgen auch in Komotau und Umgebung bemerkbar; am ärgsten hausten die Truppen des schwedischen Generals Pfühl in Komotau. Es wird erzählt, dass viele angesehene Komotauer Bürger der Tortour (Schwedentränkel) unterworfen wurden, um Geld von ihnen zu erpressen. Es sollen 160 Wagenladungen geraubter Gegenstände von den Schweden fortgeführt worden sein. Schon 1651 hatte sich der Wohlstand Komotaus so weit gehoben, dass es seinen Grundbesitz vergrössern konnte. Unter den höchsten gekrönten Häuptern, die Komotau im Laufe der Jahre mit einem Besuche beehrten, seien genannt: 1703 der König Karl von Spanien; derselbe übernachtete im Rathhause; 1771 der unvergessliche Josef II.; 1813 begaben sich die drei verbündeten Monarchen über Komotau nach Leipzig, um die Völkerschlacht zu schlagen. In demselben Jahre wurde in Komotau ein Haupt-Lazareth errichtet. In neuerer Zeit hat sich Komotau dadurch, dass es Knotenpunkt von vier Eisenbahnlinien wurde, sehr gehoben. Der vielen Schulanstalten wegen wird Komotau »Schulstadt« Westböhmens genannt. Komotau ist der Geburtsort von bemerkenswerthen Gelehrten und zwar: von Mathäus Goldhahn, einem berühmten Philologen, bekannt unter dem latinisirten Namen Aurogallus, gestorben 1543; von dem Historiker Franz Pubitschka, geboren 1722 und gestorben 1809; von Franz Josef Ritter von Gerstner, geboren 1754 und gestorben 1832 als k. k. Gubernialrath, Wasserbaudirector und Director der technischen Lehranstalt zu Prag, von ganz Europa als einer der ersten Mathematiker anerkannt.
Spaziergänge:
1. Von Komotau auf die *Alaunhütte, auch Schweizerhütte genannt. Wir gehen vom Ringplatze durch die Weinberggasse. Am Ende dieser Gasse erhebt sich eine kleine Anhöhe, »Weinberg« genannt. Links der Strasse zieht sich ein schmaler Fusssteig zum Endziele unseres Spazierganges. Eine Tafel mit der Aufschrift: »Weg zur Alaunhütte« macht den Touristen auf den Weg aufmerksam. In etwa ¼ Stunde sind wir am Ziele. Die Alaunhütte, eine Restauration in romantischer Lage, ist einer der beliebtesten Ausflugsorte für Komotau und Umgebung. Nächst der Alaunhütte befindet sich der Alaunsee. Wer des Ruderns kundig ist, miethet sich einen Kahn und befährt den See. Zur Winterszeit bietet der Alaunsee mit seiner schönen Eisbahn einen mächtigen Anziehungspunkt für Schlittschuhläufer. Ehemals war hier, wo sich jetzt der Alaunsee ausbreitet, ein grosses Alaunbergwerk. Die rothe alaunhältige Erde, welche rings um die Alaunhütte massenhaft zu sehen ist, erinnert an den einstigen Bestand des Bergwerkes. In der Nähe der Alaunhütte gedeihet die edle Kastanie in einer seltenen Grösse und Schönheit der Frucht. Die mächtigen Stämme und Kronen dieses Baumes gewähren einen herrlichen Anblick. Neben den Gastlocalitäten der »Hütte« ist auch eine Badeanstalt mit warmen Bädern. Den Sonntag nach Anton im Juni jedes Jahres begeht die Hüttenrestauration im Blätterschmucke mächtiger Eichen im schönsten Frühlingskleide der Natur ihr Fest mit Concert und Tanz.
2. Nach dem Komotauer *Stadtpark und dem städtischen Schiesshause. Wir gehen vom Marktplatze durch die Schiesshausgasse und kommen in ca. 10 Minuten bei der Komotauer Dampfmühle vorüber in den Park, der nach englischer Art angelegt ist. Naturfreunden bereiten hier die schönen Baumgruppirungen und Blumenpflanzungen einen wahren Genuss. Im Parke befindet sich das im Jahre 1833 erbaute städtische Schiesshaus und in dessen Nähe das aus Holz errichtete Sommertheater.
3. Von Komotau auf den *Hutberg. Durch die Schiesshausgasse gehend, gelangen wir, von den Parkanlagen links ab, in einen Fahrweg, der uns durch schöne Obstgärten in ca. ¾ Stunden auf den Hutberg führt. Die Aussicht von demselben ist bezaubernd schön. Am Fusse des Hutberges liegt in romantischer Lage das Dörfchen Pirken.
4. Von Komotau nach dem *»Ruland«. Die Plattner Strasse führt uns direct auf eine Anhöhe, wo mitten von Obstgärten, Feldern und Wiesen das schöne Wohn- und Wirthschaftsgebäude, genannt »Ruland«, malerisch gelegen ist. Eine schöne Aussicht über Komotau und in's Gebirge lohnt die Mühe des Touristen, welcher von den freundlichen Bewohnern des Gehöftes »Ruland« mit Milch, Obst u. s. w. bewirthet wird. Die Anhöhe »Ruland« wird häufig auch Galgenberg genannt, weil hier ehemals Verbrecher gerichtet wurden.
5. Von Komotau nach Eidlitz. Wir wenden uns durch die Gerstnergasse in die Prager Vorstadt und kommen bald auf die Komotau-Eidlitzer Bezirksstrasse. Der Weg ist ungemein angenehm. In ¾ Stunden sind wir in Eidlitz. Sehenswerth ist das Schloss und eine Zuckerfabrik.
6. Von Komotau nach *Görkau (1 Stunde). a) Auf der Strasse. Von Komotau durch die Weinberggasse führt die Strasse über den Weinberg durch schöne Obstgärten und Felder nach dem Kirchdorfe Udwitz mit seinen Kohlenbrüchen. Von hier kommen wir in ½ Stunde nach Görkau. (Siehe Görkau.) b) Auf dem Fusssteige. Von Komotau gehen wir durch die Weinberggasse nach der Alaunhütte. Von hier führt ein Fusssteig nach den sogenannten Kohlenhäuseln. Wir gelangen auf demselben zur »Tempis-Kapelle«, welche ein Schlosskaplan von Rothenhaus, Hans von Tempis, vor vielen Jahren wegen seiner glücklichen Rettung aus Räubershänden an dieser Stelle erbauen liess. Der Fusssteig führt uns jetzt direct in ca. ¼ Stunde nach Görkau.
7. Von Komotau nach dem Gebirgsdorfe *Platten. Auf der Plattner Strasse, ziemlich steil ansteigend, kommen wir in ca. 1½ Stunde nach Platten mit seiner zu Ende des 14. Jahrhundertes bereits bestehenden Kirche und seinem Schlosse, das als Jagdschloss des Besitzers von Rothenhaus einst bessere Zeiten gesehen hat. Unweit Platten ist der viel besuchte Wallfahrtsort Quinau. Die Aussicht beim Schulhause in's Böhmerland ist prachtvoll! (Siehe Bereisung von Görkau aus.)
Touren.
1. Von Komotau bis zur *Grundmühle, nach Domina, Troschig und Tschernowitz. Von Komotau gehen wir an dem Assigbache hinauf nach Oberdorf. Oberhalb der Oberdorfer Hammermühle beginnt das überaus freundliche Assigbachthal mit üppigen Wiesen und bewaldeten Thalgehängen. Wir wandern hier ohne alle Anstrengung und erreichen in 1 Stunde die erste Grundmühle, auch »Kleinmühle« genannt. Hier können wir einen kleinen Imbiss nehmen und uns an einem Trunke Bier oder Milch erquicken. Von hier nehmen wir den Weg rechts an der Thalwand hinauf gegen Domina. Der Weg ist ziemlich gut. Der Ort lässt sich von der Grundmühle aus in 1 Stunde bequem erreichen. Doch ist es nicht nöthig, bis in das genannte Dorf zu gehen; wir verlassen deshalb denselben, wenden uns rechts dem Dörnthaler Weg zu. Nördlich von Dörnthal sehen wir schon den Troschiger- oder Klingerberg ansteigen, das vorläufige Ziel unserer Reise. In 1½ Stunde ist die erste Höhe erreicht. Die Aussicht ist hier lohnend; am westlichen Gehänge schlängelt sich die Strasse über Sebastiansberg zur Landesgrenze, dort unten östlich bricht die Bahnlinie aus Felsen hervor. Oestlich und südlich haben wir die Gegenden von Brüx und Saaz und östlich verfolgen wir den Erzgebirgszug bis Eisenberg und noch weiter, und westlich hebt sich Terrasse um Terrasse im schönen Wechsel von Wald und Flur zum Horizonte. Wir steigen den westlichen Abhang hinunter, treffen hier das an der Komotau-Sebastiansberger Strasse liegende Gasthaus »g. Hübel.« In 5 Minuten haben wir auch das südlich gelegene Dörfchen Troschig erreicht. Auf einem kleinen Plateau gebaut, ist es das kleinste unter den 4 Strassendörfern: Schönlind, Domina, Krima und Neudorf. Die Bevölkerung treibt Oekonomie und besorgte früher den Vorspann über die Berge. Weiter südlich wandernd, treffen wir einen schönen Wald; es ist dies das Troschiger Revier, der Komotauer Stadtgemeinde gehörig, die hier einen Förster angestellt hat. Der links des Weges sich erhebende »Tennich« ist der höchste Berg dieser Kette. Er ist prächtig bewaldet und daher als Aussichtspunct weniger zu empfehlen. Wir empfehlen daher den Weg, der von Troschig dem südlich laufenden Gebirgszuge folgt, behalten rechts das Höllenthal und sehen nach einer Stunde gemüthlichen Wanderns, die Buschtěhrader Bahn überschreitend, den kl. Purberg. Weit in's Land vorgeschoben und sich langsam erhebend, ist dies ein mächtiger Stock von Steinmassen, gleichsam ein Knoten, mit dem der Gebirgszug abhebt. Bald haben wir denselben ohne Anstrengung bestiegen. Die Aussicht nach 3 Seiten ist herrlich: Die Gegend von Komotau, theilweise auch die Stadt, speciell der Bahnhof, die Dörfer Tschernowitz, Sporitz, Körbitz, Malkau, Sosau, Grün und das Städtchen Kralupp liegen zu unseren Füssen. Dort westlich, wo die Eger in die Ebene bricht, liegt Kaaden, von Bergen umstellt, östlich sind die Brüxer Berge. Ringsum siehst du Strassenzüge, Eisenbahnen, Felder, Fluren, Teiche und Obstgärten. Der Berg selbst bildet oben ein Plateau, das so wie sein Abhang mit Eichen- und Birkengestrüpp bewachsen ist. Auch erfrischendes Wasser befindet sich oben. Von allen Seiten fallen seine Granitmassen steil ab mit oft wunderlichen Klüften, worin heute noch der immer seltener werdende Dachs zu Hause ist. Von unten gesehen gleicht der Berg einer Ruine, so täuschend thürmen sich hier die Steinmassen. Die Gemeinde Tschernowitz, welcher der Berg mit den Abhängen gehört, nimmt von ihm das Material zu gewöhnlichen Steinmetzarbeiten. Die siebenziger Jahre haben den Berg in Fesseln gelegt, weil seit jener Zeit die Buschtěhrader Gebirgsbahn ihren Weg rings um denselben genommen. Merkwürdig ist der Fall, dass hier Sporitzer Felder 6mal von der Bahn durchschnitten werden. Der Purberg hat seine Geschichte, und das deutsche Volk ringsum bis weit in's Land kennt ihn und umwebt denselben mit dem Gewande der Sage. So erzählt man, dass alte Jungfrauen berufen seien, den Berg abzutragen. Es sollen ferner schlechte Zeiten hereinbrechen, wenn der Berg mit Eisen belegt sein wird. Auf der östlich angrenzenden Tschernowitzer Haide soll einst der Schlussact eines grossen Völkerkampfes stattfinden, worauf erst wieder bessere Zeiten zu erwarten seien u. s. w. Den östlichen Abhang hinab führt ein Fahrweg und dieser bringt uns bald nach dem nahen Tschernowitz. Schon der kurze Weg dahin zeigt Halden, Steinbrüche, gearbeitete und rohe Steine, den Gewerbefleiss der Ortsbevölkerung deutend. Strauss, Dietz und Bertl sind bekannte Steinmetzer und die Güte des hier gefundenen Materials macht ihre Arbeit gesucht. Der Ort selbst mit 54 Häusern und 440 Einwohnern hat vorzügliches Trinkwasser und viel Obstbau. Gasthäuser sind da. Die Strasse führt in ¾ Stunden nach Komotau zurück.
2. *Von Komotau über Domina nach Glieden, *Wisset, Schweiger, Hohentann, *Hassenstein, *Platzer Grund, Zollhaus, Neudorf und retour. Dies ist eine starke Tour und erheischt ein zeitliches Verlassen der Lagerstätte. Unser Weg führt vorerst auf der Kaiserstrasse nach Oberdorf. Hier sehen wir im Vorbeigehen das grosse Bräuhaus von Philipp. Die alterthümliche unvollendete Kirche stammt von dem unglücklichen Labketz, der unter dem Henkerbeile verblutete. Hier haben wir zwei Wege vor uns. Den ersten, die Strasse, vermeiden wir, denn sie führt steil über das Gebirge. Der grosse Kaiser Josef liess sie anlegen und das Volk erzählt sich, dass, als er später die Gegend bereiste, die steile Anlage sah und den Bauleiter zur strengen Rechenschaft zog. Wir wenden uns dem Landwege zu, an dem Oberdorfer Friedhofe vorbei. Bald haben wir die Vorberge erreicht. Diese tragen Obstgärten. In kurzer Zeit haben wir das kleine, mit Erlengebüsch besäumte Hatschkabächlein erreicht, das die Sporitzer Wiesen bewässert und auf den Troschiger und Schönlindner Wiesen entspringt. Dem steigen wir nach und kommen in die sogenannte »Ranz.« Später theilt sich der Weg, der rechts führt nach Schönlind, der links durch das Troschiger Revier nach dem Dörfchen Troschig. Von hier wenden wir uns nach Glieden. Dazu stehen uns zwei Wege offen. Der eine führt über Nokowitz und ist ein Fahrweg, geht anfangs nördlich der Strasse zu, wendet sich alsdann westlich und in ½ Stunde haben wir Nokowitz erreicht, das an der linken Lehne des Höllenthales ½ Stunde südlich von Krima liegt. Der Ort hat nur Getreidebau und Holzhandel, 23 Häuser und 152 Einwohner. Der zweite Weg ist ein Fusssteig und führt von Troschig westlich auf der linken Lehne des Höllenthales hinunter durch einen Eichenbusch. Unten angekommen, finden wir die schönsten Wiesen und ein kleines Bächlein, den Höllenbach, der auf der Krimaer und Wisseter Heide sich sammelt und mit dem Thale einem südöstlichen Laufe folgt, sich später westlich wendet, eingeschlossen und beengt von dichtbewaldeten Thallehnen. Bei Malkau tritt er in die Ebene und bildet mit dem Grüner und Plassdorfer Bächlein den sogenannten Saubach. Der Weg durch's Höllenthal ist oft beschwerlich. Bei einer Einschichte, links vorbei, gelangen wir an der Berglehne hinauf nach Glieden. Die Ortschaft hat 16 Häuser mit 117 Einwohnern, die Oekonomie treiben. Die Lage des Oertchens ist überaus freundlich. Vom Nordsturme durch den Gliednerberg geschützt, ist das Klima schon so mild, dass hier Obst gedeiht. Die nach allen Richtungen hin sehr beschwerliche Communication ist freilich den Einheimischen nicht auffällig. Südlich von Glieden, ½ St., finden wir den *Höllenstein, der eine Wand des Höllenthals bildet. Pittoresk geformt, mit einer schönen Aussicht auf demselben und schauerlicher Tiefe zu den Füssen, ist es für den Touristen lohnend, ihn zu besuchen. Wir gehen von Glieden auf einem Fusssteige nach Wisset. Der Ort hat 29 Häuser mit 232 Einwohnern. Wisset liegt auf der ersten Terrasse des hier aufsteigenden Gebirges, der Wisseter Platte. Die Lage der Ortschaft ist freundlich, die Communication per Wagen überaus beschwerlich. Der nördlich und nordöstlich sich hinziehende Höhenzug hat den Namen »Ziegenrück.« Er ist theilweise urbar, doch reift hier das Getreide 2 bis 3 Wochen später. Wisset selbst hat zwei Wirthshäuser. Jedem Touristen gewährt die Aussicht vom »Obern Berg« aus in's Saazer Land einen grossen Genuss. Wir verfolgen jetzt den Weg nach Hohentann, der westwärts durch die Wisseter Flur führt. Kurz vor dem Walde (ein Kreuz in der Nähe) theilt sich der Weg. Der rechts führt uns zur »Schweiger-Höhe«, der links abbiegende an der südlichen Schweigerlehne durch dichten Nadelwald nach *Hohentann. Wir verfolgen den erstgenannten und haben in ca. ½ Stunde den Höhepunkt »*Schweiger« erreicht. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zu seinem Scheitel urbar, fällt er südlich, westlich und östlich gäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht bereitend. Das Biela- und Egergebiet, die Höhen des Duppauer Gebirges und fast der ganze Erzgebirgszug repräsentiren sich in ihrer Schönheit. Dort die alte Ruine Hassenstein, die Stadt Sonnenberg zu unseren Füssen, nördlich Sebastiansberg und die vielen Ortschaften bis gegen Eisenberg. Der Name Schweiger soll daher kommen, dass der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteine als Einsiedler seine Zelle hatte und schweigend seine Lebtage zubrachte. Südöstlich, den ersten besten Weg abwärts, kommen wir nach Hohentann. Dieses Dorf hat 29 Häuser und 180 Einwohner, die Oekonomie und Holzhandel treiben. Im Winter halten sich Weib und Kinder an die Spitzenklöppelei. Dort bei der kleinen Ortskapelle vorbei führt der Weg westwärts. Nicht weit vom Dorfe theilt er sich. Wir verfolgen den Weg links, lassen die Hohentanner Hügel zwischen Hohentann und Platz ebenfalls links, kommen zu einem Holzkreuze (am Kreuzwege), finden auf einer Wiesentrift den Fusssteig zum Platzer Forsthause und können hier den Fahrweg verfolgen zur Ruine Hassenstein. Der Tourist wendet sich auf dem Rückwege beim Forsthause nordwestlich, behält den mit Kiefern bewachsenen Lerchenberg seitwärts des Forsthauses rechts, die »Kalkofenhöhe« links und sieht bald in das tiefe »Grundthal«. Hier wendet er sich dem Wistritzbach, der dieses Waldthal durchfliesst, entgegen. Dort, wo der Weg die Thalsohle erreicht, liegt rechts das Grundwirthshaus. Hier ist jederzeit frisches Bier und ein Imbiss zu haben. Wir erreichen jetzt das schattige – oft wildromantische Grundmühlthal oder Wistritzbachthal, das sich aufwärts immer mehr verengt und später zur Schlucht wird, kaum einen Fuhrweg lassend. Das Wasser des Baches ist hier spiegelhell; es würde bei normaler Körpertemperatur ein wohlthuendes Bad geben. Jetzt müssen wir darauf verzichten. Von dem Forellenreichthume früherer Zeit ist jetzt bei dem herrschenden Raubsystem wenig zu merken. Nach 1½stündiger Wanderung erweitert sich oben genanntes Thal, wir sehen die Holzmühle an der Komotau-Pressnitzer Strasse, gehen rechts die Strasse hinauf über's Zollhaus zum Bahnhofgebäude Krima-Neudorf. Hier pflegen wir unsere Glieder, stärken uns mit Speise und Trank und erwarten in Geduld den um 9 Uhr Abends nach Komotau abgehenden Zug, der uns um 10 Uhr nach Komotau bringt.
3. *Von Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün, Plassdorf, *Platz, *Hassenstein und Brunnersdorf. (Bahnstation.) Wir verfolgen die Bahnhofstrasse, lassen den Bahnhof links, treffen hier die sogenannte Kaadner Kapelle (ehemals Wallfahrtsort mit Kreuzweg) und gehen auf der Kaadner Strasse bis unweit Tschernowitz. Hier biegen wir bei einer kleinen Restauration rechts in einen Fusssteig ab, gehen durch die Tschernowitzer Steinbrüche am Fusse des südlichen Abhanges des Purberges. Unser Fussweg führt uns in ca. ½ Stunde nach dem Dörfchen Malkau mit 22 Häusern und 143 Einwohnern. Die Bewohner von Malkau sind durchgehends Oekonomen und verwenden einen regen Fleiss auf die Obstbaumzucht. Das Dörfchen Malkau hatte sich im Anfang der 70er Jahre der Naturforscher Dr. Martius zu seinem Domicil erwählt. In jener Zeit hat es wohl mehr Fremde gesehen, als gegenwärtig. Doch wir verfolgen nach dieser Abschweifung unseren Wegweiser. Dort, wo am nördlichen Ende des Dörfchens die »Höllenmühle« steht, führt der Weg nach dem ¼ Stunde entfernten Nachbardorfe Grün. (27 Häuser mit 168 Einwohnern.) Zwischen Grün und Malkau befindet sich eine kahle Anhöhe der »Lerchenberg«. Der bequeme Aufstieg ist der Fernsicht halber lohnend. Der Fusssteig nach Grün ist, um Irrungen zu vermeiden, wohl zu beachten. Wir betreten bei der kleinen Ortskapelle das freundliche Dörfchen. Grün ist unter den »Birndörfern« (von den nahen Gebirgsbewohnern der reichen Obstkultur halber so genannt) das grösste. In Grün befinden sich 2 Einkehrhäuser. Am Fusse des aufsteigenden Gebirges führt uns der Fusssteig westwärts in ½ Stunde nach Plassdorf (25 Häuser, 134 Einw.), welches an der Südlehne des Schweigers wie angeklebt ist. Die Bewohner von Plassdorf sind grosse Freunde des Obstbaues, vorzüglich aber verwenden sie auf die Cultur der Kirschen grosse Mühe. Das einzige Wirthshaus schliesst das Dorf südlich ab. Weiter südlich erhebt sich eine Anhöhe, genannt »Kralupper Berg«, mit Eichen und Birken besetzt. Von Plassdorf führt uns der Weg ½ Stunde durch eine Thalschlucht aufwärts an den Südabhang des Salberges dem Städtchen Platz (mit 400 Einw.) zu. Dieses Städtchen verdankt seine Entstehung den Burgherren des nahen Hassenstein. Die Einwohner beschäftigen sich theilweise mit Oekonomie, theilweise sind es Handwerker, vornehmlich Maurer. Die Spitzenklöppelei wird von dem weiblichen Theil der Bevölkerung ziemlich stark betrieben. Zwei Gasthäuser bieten dem Touristen die nöthige Unterkunft und Erfrischung. Zur Zeit des Zunftwesens war Platz das »Mekka« der Handwerker von den nahen Dörfern, selbst vom Flachlande; hier wurde der Lehrling zum Gesellen, der Gesell zum Meister befördert. Das Städtchen Platz bietet vom Kirchenplatze aus eine prächtige Fernsicht in die Saazer Gegend. Die meiste Anziehungskraft für die Touristen aber hat die ca. 10 Minuten westlich von Platz gelegene Ruine Hassenstein, welche noch heute in ihren Trümmern auf ihre vormalige Grossartigkeit schliessen lässt. Die Stätte selbst ist, wie die Nachgrabungen zu Anfang der dreissiger Jahre vermuthen lassen, schon in heidnischer Vorzeit bewohnt gewesen und zu gottesdienstlichen Zwecken oder als Begräbniss- auch Opfer-Platz benutzt worden. Man hat nämlich mehrmals Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste gefunden. Wann und von wem die Burg Hassenstein erbaut wurde, ist unbekannt. Zu Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen die Brüder Friedrich und Theodor von Schönburg als Herren von Hassenstein, das damals ein Kronlehen war. Im Jahre 1418 war der damalige Besitzer in eine Verschwörung gegen König Wenzel IV. verwickelt, und der Monarch übertrug die Bestrafung dem Oberst-Landschreiber Niklas von Lobkowitz, welcher das Schloss Hassenstein eroberte und dasselbe als Eigenthum erhielt. Diese Schenkung wurde ihm 1421 von Sigmund und seinem Sohne Niklas von Lobkowitz 1457 vom König Ladislaw auf immerwährende Zeiten bestätigt. In Bohuslav Lobkowitz von Hassenstein feiert das Haus seinen glänzendsten Namen, die klassisch-humanistische Bildung des 16. Jahrhunderts eine ihrer ersten Grössen. Unter ihm glich die Burg Hassenstein einem kleinen Musenhof. Er war durch Gelehrsamkeit, Dichtergenie und Erhabenheit des Charakters ausgezeichnet. Zwei andere Lobkowitze auf Hassenstein, die Herren Sebastian und Bohuslav Felix, erwarben sich grosse Verdienste um den erzgebirgischen Bergbau damaliger Zeit. Gegen das Ende des 16. Jahrh. kam Popel von Lobkowitz in den Besitz von Hassenstein. Der letzte Lobkowitz auf Hassenstein war Christof. Im Jahre 1606 ging die Burg Hassenstein in den Besitz des Herrn Leonhard von Stampach über. Unter demselben, der seine lutherische Gesinnung mit 2 Dritttheilen seines Vermögens büssen musste, ging Hassenstein seinem Verfalle entgegen. Herr Jaroslav Bořita von Martinitz erwarb die halbverfallene Burg sodann für ein Billiges. Später bekam die Ruine mit dem dazu gehörigen Grundbesitz die Nebenlinie Martinitz-Hagensdorf. Durch die erbliche Nachfolge dieser Linie kam Hassenstein in den Besitz der Grafen Wolkenstein-Trostburg. 1880 verkaufte Engelhardt von Wolkenstein sein Erbe und mit ihm Hassenstein an den Grossindustriellen Preidl.
Nur noch Einiges über den jetzigen Zustand der Burgruine im Allgemeinen. Der Schlossberg mit der alten Ruine Hassenstein fällt nach 3 Seiten, besonders gegen den Brunnersdorfer Bach zu, steil ab. Die Wallgräben sind grösstentheils verfallen, die 4 Burghöfe kaum mehr erkennbar. Stolz aber schaut noch in's Thal der mächtige Wartthurm mit seinen massiven Mauern. Viele Gewölbe sind noch ziemlich gut erhalten und Alterthumsfreunde, wie Dr. Martius, meldeten öfters von interessanten Funden. Dass auch Schatzgräber, mit geweihter Kreide und Schildwachbüchlein ausgerüstet, hier ihre Rechnung zu finden vermeinten, darüber kann man in Platz und Umgebung manche tragi-komische Geschichte erfahren.
Wir steigen den steilen und fast ungangbaren Fusssteig durch Hochwald hinab und kommen an den Brunnersdorfer Bach. Hier finden wir am Ufer dieses Baches einen Eisenhammer und weiter unten am Ausgange des Thales den Anfang des lang gestreckten, zu beiden Seiten des Baches liegenden Dorfes Brunnersdorf, das hier in seinem oberen Theile den Namen »Rossstall« führt. (165 Häuser, 1295 Einwohner.) Die Bewohner von Brunnersdorf treiben Oekonomie und haben grossen Obstbau. Zu den Sehenswürdigkeiten zähle ich im unteren Theile das Schloss und die Zuckerfabrik an der Kaadner Strasse. Das Gasthaus im oberen Theile des Dorfes (Rossstall) und Fischers Gasthaus am Schulplatz sind Touristen zu empfehlen. Der Tourist, der wieder zurück nach Komotau oder weiter westwärts nach Kaaden will, kann dies einerseits durch die Bahn, andererseits durch Kaadner Omnibusse bewerkstelligen.
4. Von *Komotau nach Deutsch-Kralupp-»*Keller«, Neudörfel, durch das *Grundbachthal über Zieberle nach Sonnenberg. Wir beeilen uns zum 1. Karlsbader Zug und lösen eine Fahrkarte bis Deutsch-Kralupp. Das Städtchen liegt 10 Minuten von der Station. Die Kirche, welche schon im J. 1360 als Pfarrkirche vorhanden war, besteht in ihrer jetzigen Gestalt erst seit 1796, wo sie nach dem Brande neu gebaut worden ist. Sie hat ein gutes Hochaltarblatt von Kindermann in Wien, den hl. Jakob darstellend. Auch enthält sie die Familiengruft der Grafen von Martinitz. Die Stadt wird durch den Saubach, welcher im Höllthale entspringt und durch die Dörfer Malkau, Sosau und Hagensdorf fliesst, in zwei ungleiche, durch eine steinerne Brücke verbundene Theile gesondert, von welchen der am südlichen Ufer liegende, kleinere, wo die Kirche steht, die Kunewitz heisst. Wir wenden uns nördlich von der Station Deutsch-Kralupp dem ¼ Stunde entfernten Dörfchen Hagensdorf zu. Die Einwohner treiben Oekonomie und Obstbau. Sehenswerth ist das im Rococostyl erbaute herrschaftliche Schloss Hagensdorf mit einer ansehnlichen Baum- und Blumengärtnerei. Dieses Schloss war in den Robotzeiten in der Hagensdorfer Umgebung bis in's nahe Gebirge hinauf nichts weniger als beliebt, denn hier hauste der gestrenge Herr Amtmann mit seinem Beamtenstabe. Durch den Schlosshof führt ein ganz angenehmer Weg durch eine Baum-Allee nach der nahe gelegenen Restauration »Am Keller«. Hier bieten sich im Sommer unter schönen Linden und mächtigen Eichen bei einem frischen Trunke vorzüglichen Brunnersdorfer Biers stille und angenehme Ruheplätzchen. Für Kralupp und die weitere Umgebung ist der »Keller« der besuchteste Ausflugsort und er wäre es sicherlich in noch ausgedehnterem Masse, wenn der Besitzer für eine comfortablere Einrichtung der Restauration, sowie für bessere Instandhaltung und Erweiterung der Anlagen Sorge trüge. An der Stelle des Kellerwirthshauses soll in alter Zeit ein Kloster gestanden sein; wenigstens wird die dortige Feldflur noch heute von den älteren Bewohnern das »wüste Kloster« genannt, und von den alten Kellerruinen, auf denen das Wirthshaus erbaut wurde, erhielt dasselbe den Namen. Gegen Kralupp zu finden wir mehrere grosse Fischteiche, der Gutsherrschaft gehörig. – Wir wenden uns nun westwärts dem Dörfchen Neudörfel am Abhange des Kralupper Berges zu. Auf unserem Wege dahin rechts und links treffen wir kleine Teiche, sie sind die Ueberbleibsel eines vormals sich hier ausbreitenden grossen Sees, der im J. 1829 das letztemal gefischt, im nächstfolgenden Jahre entwässert wurde und an den noch jetzt das sogenannte »Seehäusel« (gegenwärtig ein herrschaftliches Hegerhaus) erinnert. In den Robotzeiten hatten die Einwohner von Platz und Neudörfel die Fischerei als Robotarbeit zu besorgen. Dafür bekam der Mann per Tag einen Fisch. Neudörfel bietet für den Touristen ausser seinen Kirschenpflanzungen nichts Sehenswerthes, dagegen wird es sich für denjenigen empfehlen, der es nicht scheut, den nördlich gelegenen Saustein zu besteigen. An schönen Tagen lohnt ein Einblick in die Saazer und Kaadner Gegend vollkommen die Mühe der Besteigung. Von hier steigen wir in westlicher Richtung das Berggelände hinab in das Thal des Brunnersdorfer Baches. Wir gehen durch dieses, sich immer wildromantischer gestaltende Thal den Brunnersdorfer Bach aufwärts, haben rechts die Schnabelmühl-Lehne, links den Gigerich-Berg und sehen, wie die Trümmer der Burg Hassenstein melancholisch in's Thal schauen. Unser Weg durch das Thal, genannt Brunnersdorfer Grund, wendet sich am Fusse des Schlossberges plötzlich westlich. Die Brunnersdorfer Gutsverwaltung hält hier eine Holzschwemme in Stand. In neuerer Zeit wurde auch die Communication durch Anlegung eines strassenähnlichen Weges bedeutend verbessert. Mächtige Felswände heben sich zu beiden Seiten des Thales. Das Gehänge von der Burg Hassenstein herab führt den Namen Kalkofenlehne und soll früher ein Thiergarten gewesen sein, von dessen Umfangsmauern noch Ueberreste zu sehen sind. Die linke Berglehne (rechtes Bachufer), die sogenannte Gigerich-Lehne, zeigt pittoreske Felsengruppen, würdige Seitenstücke zu den in fast gleicher Höhe gegenüberliegenden Burgtrümmern von Hassenstein. Von nun an verengt sich das Thal zusehends, statt durch Laubholz schlängelt sich der Thalweg knapp am linken Bachufer durch finstere Fichten, so recht an Tiek'sche »Waldeinsamkeit« erinnernd. Am rechten Bachufer erhebt sich der Hutberg, und die durch ein kleines Querthal davon getrennte Hundskoppe. Hier, wo sich das Thal nördlich wendet, liegt so recht einsam die »Hasenmühle«, eine Einschicht, von dem weiter westwärts gelegenen Gebirgsdorfe Wohlau. Der freundliche Müller bietet dem müden Wanderer Brod, Bier und Milch zur Labe.
Werfen wir einen Blick auf unsere bisherige Wanderung im Thale des Brunnersdorfer Baches (unrichtig Brandbach, welchen Namen nur das durch Sonnenberg geleitete Bächlein führt) zurück, so finden wir, dass dieses Thal an Naturschönheiten mit den schönsten Gebirgspartien Oesterreichs wetteifert. Man glaubt sich in ein herrliches Hochgebirgsthal versetzt. Es ist zu wundern, dass Touristen, wenigstens der nahen Städte, dies nicht schon längst gefunden und touristisch ausgebeutet haben. Nach der Ansicht eines unserer besten Geologen wäre dieses Thal in alten Zeiten die einzige Communication aus dem Saazer Lande über das Gebirge »in's Reich« gewesen. Dies wird auch die ersten Dynastien auf Hassenstein zur Gründung dieser Burg in herrschender Stellung dieses Verbindungsweges bewogen haben. Vielleicht genügt eine Hindeutung auf das Gesagte, um die Jetztzeit zur Anlage einer Strasse in diesem Thale zu bewegen. – Von der Hasenmühle aus wandern wir am rechten Bachufer über das Gelände nach Zieberle. Der Fusssteig durch ein Gewirr von Wald- und Feldwegen, ¼ Stunde lang, dürfte für das erstemal einen Führer nothwendig machen, wozu der »Hasenmüller« gerne jemanden zur Verfügung stellt. Das Oertchen Zieberle hat 11 Häuser mit 81 Einwohnern. Es liegt am Abhange der »Zieberle Kappe«, von welcher man eine lohnende Aussicht hat. Nördlich von Zieberle, in 15 Minuten erreichbar, liegt auf dem Sonnenberge die königliche Bergstadt Sonnenberg. Gneis und Urthonschiefer bilden seine Unterlage. Die Stadt mit 2600 Einwohnern zählt 212 Häuser. Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit Spitzenklöppelei; Jung und Alt sind Alliirte des Klöppelsackes. Ausserdem wird hier Handweberei betrieben. Das Centralcomité zur Hebung der Erwerbsthätigkeit im Erz- und Riesengebirge besitzt hier eine Sammtfabrik im eigenen Gebäude und überdies ist die Anfertigung von Schuh- und Handschuhwaaren nicht unbedeutend. Dass die edle Musikkunst sich hier einer besonderen Pflege erfreut, bezeugen ungefähr 200 Sonnenberger, welche »mit Musik« alljährlich und in fast alle Länder Europas bis nach Asien reisen und Tüchtiges leisten. Der Hausierhandel mit Manufactur- und Galanteriewaaren hat in Sonnenberg viele Vertreter.
Die Stadt zeichnet sich vor vielen anderen Landstädten durch ihre regelmässige Anlage und Bauart aus. Von dem ein Viereck bildenden Ringe laufen die Gassen in schnurgerader Richtung aus, so dass man hier nach allen vier Seiten in's Freie hinausblicken kann.
Gast- und Einkehrhäuser sind: Gasthaus zur »Sonne« am Ringplatze, an der Strasse gelegen; Franz Reichmann's Gasthaus bei der Kirche; Leopold Hütters Einkehrhaus in der Kirchengasse; Gasthaus zum Kronprinzen Rudolf an der Pressnitzer Strasse am Ringplatze u. s. w. Lohnfuhren und Fiakergeschäfte übernimmt Herrmann Stocklöw und Josef Puschack.
K. k. Postamt.
Sehenswerth ist die im J. 1857 vollendete Pfarrkirche. Das Kirchenschiff hat eine Länge von 35m und eine Breite von 20m. Das Presbyterium ist 10m lang und eben so breit. Im Schiffe stehen 36 in 6 Abtheilungen aufgestellte Betstühle, fünf Altäre mit sehenswerthen Altarbildern von Lhota (St. Wenzel Hauptaltar), Weidlich (St. Josef und Maria Heimsuchung), Josef Hellich (St. Michael und Maria Empfängniss). Die Kirche besitzt auch kostbare Kirchenornate und Paramente; die achtzehnstimmige, mit 2 Koppeln ausgestattete Orgel, Predigers Meisterwerk, wurde von Prediger aus Lichtenberg bei Hohenstadt um den Preis von 4230 fl. gebaut. Die Glocken, von denen die grösste 29 Ctr., die zweite 14 Ctr. und die dritte 7 Ctr. wiegt, goss der Prager Hofglockengiesser Karl Bellmann. Sehenswerth ist auch die hübsche Johannisstatue am Ringplatze und das von dem gelehrten Pfarrer Schwarz in Sonnenberg im J. 1750 angelegte Kirchengedenkbuch, welches interessante und wichtige Aufzeichnungen enthält. Die weit in's Land schauende Kirche und die sehr hübsche Lage des Städtchens führt jährlich viele hunderte von Touristen hieher um – wie die Sachsen sagen – »das schöne Böhmen« zu sehen. Ganz in der Nähe des Städtchens finden sich recht schöne Aussichtspunkte, wie der Galgenberg, die Zieberle Kappe bei Zieberle, der Hutberg, der Hassberg u. s. w. Der zur Sonnenberger Bahnstation täglich viermal verkehrende Postwagen führt den Touristen wieder zurück in seine Heimath.
5. *Von Komotau durch das *Assigbachthal nach Sebastiansberg. Wir gehen von Komotau über Oberdorf den Assigbach aufwärts. Nach ungefähr einer einstündigen Wanderung durch ein schönes *Wiesenthal, dessen Gehänge mit Nadel- und Laubholz bewaldet, kommen wir zur ersten Grundmühle, genannt auch »Kleinmühle.« Erfrischungen hält der betreffende Müller stets bereit. Von hier führt ein Weg rechts nach Petsch und links nach Domina. Im Thale weiter aufwärts treffen wir die zweite Grundmühle, nach ihrem Besitzer (Zein) »Zeinmühle« genannt. Diese Mühle ist so ziemlich die ansehnlichste der »Grundmühlen«. Von hier kann man rechts, das kleine Querthal verfolgend, das ca. ½ Stunde entfernte Dorf Dörnthal mit 17 Häusern und 107 Einwohnern erreichen. Sehenswerth ist hier der das Querthal überbrückende Bahndamm. Rechts von der Zeinmühle führt eine sogenannte Halbstrasse nach Petsch, einem freundlich gelegenen Oertchen, zum Pfarrdorfe Platten gehörig. Von der »Zeinmühle« nicht weit thalaufwärts entfernt, liegt die Dörnthal- oder Dreiwassermühle. Hier vereinigt sich mit dem Assigbache der mit dem Märzdorfer Bache bereits vereinigte Tschoschelmühlbach und der Rothenhäuser Flössbach. Wir verfolgen durch das mittlere Thal, Assigbachthal, unsere Tour weiter. Der bereits isolirt liegende, mit schönen Buchenstämmen bewachsene Berg ist der Ahrenberg, das Kleinod unter den Komotauer Wäldern. Circa ½ Stunde von der Dreiwässermühle in einer Thalenge befindet sich das sogenannte »böse Loch«, eine wildromantische Thalschlucht. Weiter den Lauf des Assigbaches aufwärts verfolgend, kommen wir zu den Felsen: Ringelstein und Otterstein. Links aufsteigend erreichen wir nach ziemlich anstrengendem Marsche die Bergstadt Sebastiansberg mit 2200 Einwohnern und ungefähr 200 Häusern. Die Partie ist sehr interessant und lohnt die Anstrengung in hohem Grade. Sebastiansberg soll seinen Namen von seinem Gründer Sebastian von Weitmühl erhalten haben. Man betrieb hier früher Bergbau auf Kupfer und Silber. Kaiser Rudolf II. erhob den Ort zu einer freien Bergstadt. Jetzt ist von dem früheren Bergbau keine Spur mehr. Die Bewohner beschäftigen sich mit Gänse- und Schweinehandel und Spitzenklöppelei.
Gasthäuser: »Strubels Gasthof« am Ring, »Heineich's Gasthaus« in der Schmiedgasse, »Lang's Gasthof« am Ring, Gasthof »zum schwarzen Adler« am Ring.
Die königliche Bergstadt Sebastiansberg hat ein k. k. Bezirksgericht, Notariatsamt, ein k. k. Postamt, ein Lese-, Gesang-, land- und forstwirthschaftliches Casino. Eingeführte Gäste haben Zutritt. Sehenswerth ist die im J. 1877 erbaute Stadtkirche und das im J. 1879 errichtete Kriegerdenkmal am Marktplätze.
Ein schöner Spaziergang in nordwestlicher Richtung auf der Kaiserstrasse ist der nach *Reitzenhain (Eisenbahnstation) dem beliebtesten Ausflugsorte der Sebastiansberger. Der Weg führt durch ausgedehnte, herrliche Waldungen. Der Ort selbst liegt inmitten derselben und bietet im Sommer einen sehr angenehmen Aufenthalt. Gesunde finden hier nach angestrengter Arbeit Erholung und Kränkliche Kräftigung. Hier athmet es sich leicht und wohl. Ueberall, wohin man blickt, ist das dem Auge wohlthuende Grün, von allen Seiten kommt uns der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und Blumen, von harztriefenden Fichten und Tannen entgegen, was zur Erfrischung des Blutes nicht wenig beiträgt; darum mehrt sich die Zahl der Fremden, welche in dem Gasthause »zum Malzhaus« eine ausgezeichnete Verpflegung und Unterkunft finden, in auffallender Weise. Böhmisch-Reitzenhain ist ein beliebter und gesuchter klimatischer Curort. Die Umgebung des Ortes ist herrlich, die Waldpartie nach *Marienberg in Sachsen, (2 Stunden), nach *Ulmbach, *Kienhaide und *Natschung-Kallich auf guten Wegen sind von seltener Schönheit.
6. Von Sebastiansberg nach Komotau zurück. Der müde Tourist kann dies erstens mit der Bahn thun und zwar von der Station Krima-Neudorf aus, wohin er mittelst Postwagen in ca. ½ Stunde gelangt. Sollte er aber in Sebastiansberg übernachtet haben, so ist ihm mehr zur Fusspartie nach Komotau zu rathen; man rechnet auf diese Fusstour 3 Stunden. Immer auf der Strasse abwärts schreitend, berühren wir in ca. 20 Min. Neudorf. In weiteren 20 Min. führt die Strasse beim Bahnhofe Krima-Neudorf, dem grössten zwischen Komotau und Weipert, vorüber. Hier zweigt auch die Bahnlinie »Krima-Reitzenhain« ab. Gleich unterhalb des Bahnhofes treffen wir, wo sich von der Kaiserstrasse eine Bezirksstrasse über Sonnenberg nach Pressnitz abzweigt, das Gasthaus zur »Spitz«. Wir lassen es rechts und gelangen nach abermals einer viertelstündigen Wanderung in das alte Pfarrdorf »Krima«, welches 460 Einwohner in 63 Häusern zählt und zu welchem 9 Ortschaften eingepfarrt sind. Zur Zeit, als noch der Waarentransport per Achse besorgt wurde, herrschte hier reges Leben. Die zwei grossen Gasthäuser mit geeigneten Stallungen und grossen Hofräumlichkeiten sahen wohl damals bessere Tage. Dem Touristen können sie aber auch jetzt noch empfohlen werden, und zwar Bernhard Pilz's Gasthaus, beim Eintritte in's Dorf gelegen, bietet vorzügliche Speisen und Getränke und bequemes Nachtquartier. Dasselbe kann man auch vom zweiten Gasthause in Krima, an der Strasse gelegen, sagen. Krima hat ein k. k. Postamt und mehrere Vereine. Die Erwerbsquelle der Einwohner ist Oekonomie. In ca. ¼ Stunde in südwestlicher Richtung führt uns die Strasse am Gasthofe zum »Hübel« und am Fusse des links sich erhebenden Klingerberges vorüber; von hier an bekommt die Strasse ein immer grösseres terrassenförmiges Gefälle, führt durch die Dörfer Domina und Schönlind und endigt nach einem sehr starken Abfalle unterhalb Schönlind, von hier aus *prächtige Ausblicke in's Land gewährend – durch Oberdorf nach Komotau.
7. Von Komotau nach *Kaaden. Die Tour wird mit der Buschtěhrader Eisenbahn in 28 Minuten zurückgelegt und bietet der Blick auf das Erzgebirge während der Fahrt sehr viel Angenehmes. Absteigestation ist Kaaden-Brunnersdorf, wo Omnibusse der Reisenden harren und dieselben in einer halben Stunde in die Stadt befördern.
Kaaden.
Die Stadt zählt 5052 Einwohner und liegt an der Eger.
Gasthöfe: »Zur Sonne« am Marktplatz; »zum grünen Baum«; »zum goldenen Hirschen«.
Aemter: K. k. Bezirkshauptmannschaft; k. k. Bezirksgericht; k. k. Post- und Telegraphenamt.
Verkehrsanstalten: Buschtěhrader Eisenbahn westwärts gegen Karlsbad-Eger und ostwärts gegen Komotau und von da einerseits nach Aussig-Bodenbach, andererseits nach Prag.
Schulanstalten: Ober-Gymnasium, Ackerbauschule, Bürgerschule.
Sehenswürdigkeiten: Die Dreifaltigkeitssäule auf dem Ring; dieselbe wurde im J. 1761 errichtet. Das Rathhaus; es bestand schon zu Anfang des 15. Jahrh. und ist nach dem Brande 1811 neu wieder hergestellt worden. An der Vorderseite des Gebäudes sieht man die Wappen des Hauses Oesterreich, der Königreiche Ungarn und Böhmen und der Stadt Kaaden. Das Kloster der Elisabethinerinnen in der unteren Vorstadt am Einflusse des Brunnersdorfer Baches in die Eger, gestiftet im J. 1748. Die Kirche zu Mariä-Verkündigung nebst der darin befindlichen Kapelle zu den heil. 14 Nothhelfern und einem Franziskanerkloster ausserhalb der Stadt, ¼ St. nordwestlich am linken Ufer der Eger. Die Kapelle bestand als Wallfahrtsort schon im 14. und 15. Jahrh. und 1473 stiftete auf Anregung des Herrn Niklas von Lobkowitz die Stadtgemeinde das Kloster, dessen, sowie der Kirche vollständiger Ausbau aber erst 1662 zu Stande kam.
Geschichtliches. Der Name der Stadt rührt von einer Burg her, welche der böhmische Feldherr Kadan angeblich auf dem Felsen, wo jetzt die Kaserne steht, schon im J. 821 errichtete und nach sich benannte. Unter seinem Schutze entstanden allmählig Ansiedelungen und eine Stadt, welche im J. 1128 durch Herzog Sobieslaw mit Mauern umgeben wurde. Sonach zählt der Ort zu den ältesten Städten des Egerthales. König Přemysl Ottokar II. erhob sie zu einer königlichen Stadt. Kaiser Karl IV. verlieh ihr verschiedene Privilegien. Im J. 1421 wurde sie von den Taboriten überfallen und furchtbar verheert. Weil die Stadt im Schmalkaldischen Kriege 1547 an der Widersetzlichkeit gegen Ferdinand mit theilgenommen, wurden ihr alle Privilegien und Freiheiten bestätigt, welche ihr früher verliehen worden. Während des 30jährigen Krieges wurde Kaaden zweimal von den Schweden und zwar 1642 unter General Torstensohn und 1648 unter General Königsmark eingenommen. Grosses Unglück traf sie am 1. October 1811, an welchem Tage sie von einem furchtbaren Brande heimgesucht wurde. Das Rathhaus, die Dechantei, die Schulgebäude und 243 Häuser sammt Nebengebäuden wurden von dem entfesselten Elemente eingeäschert.
Die Umgebung der Stadt ist reizend und besuchenswerth. Die Abhänge des Egerthales sind von Warta aus bis Klösterle, ja selbst bis Kaaden grösstentheils felsig, und oft fallen die Felsmassen bis in das Flussbett steil ab und erfreuen den Touristen durch ihre mannigfaltige Gestaltung und dadurch bedingten häufigen, sehr angenehmen Wechsel der Landschaftsbilder.
Touren:
Wir können uns hier nur auf die in's Erzgebirge beschränken und weisen auf eine grosse, interessante Tour in's Duppauer Gebirge bloss hin. Es ist: Kaaden-Radonitz-Duppau-Rodisfurt mit dem Abstecher zum Giesshübler Sauerbrunn und von da über Welchau in die Bahnstation Wickwitz-Welchau und retour mit der Buschtiehrader Bahn nach Kaaden über Hauenstein-Warta-Klösterle (sehr interessante Fahrt). Von Kaaden südlich nach Fünfhunden, von da südwestlich nach Radonitz und in derselben Richtung nach Duppau. Die Oberfläche bei Radonitz und Duppau ist gebirgig. An der südwestlichen Seite erstreckt sich ein Bergrücken, aus welchem sich die Bergspitze Burgstadel 925m erhebt, welche einst eine Burgruine unbekannten Ursprunges trug und von welcher nur noch ein zugeschütteter Brunnen übrig ist. Von der Spitze des Berges sieht man deutlich nicht nur das ganze Erzgebirge, sondern auch bei reinem Horizonte den Milleschauer Berg und andere Kuppen des böhmischen Mittelgebirges, den Georgsberg bei Raudnitz, den Bösig zwischen Weisswasser und Hirschberg, den Frauenberg und mehrere Punkte des Fichtelgebirges. Vor mehreren Jahren stand hier eine hölzerne Pyramide, welche leider in Trümmer ging und gegenwärtig durch eine Stange mit zwei Tafeln ersetzt ist. Etwas niedriger ist der *Oedschlossberg 917m, südwestlich von Duppau, an dessen westlichem Abhange sich in der Basaltmasse mehrere natürliche Löcher von der Grösse eines menschlichen Kopfes befinden, welche vom Volke die Zwerglöcher genannt werden, weil der Sage nach in uralter Zeit Zwerge darin gewohnt haben sollen.
Die Stadt Duppau hat ein Schloss, welches schon im J. 1119 von Doupowetz errichtet worden sein soll, im J. 1500 von Anna Maria Margaretha Daupowetz erneuert und im J. 1723 vom Grafen Gottfried von Lützow überbaut wurde. Die Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt wurde von demselben Grafen im J. 1745 vollständig renovirt. Die Elisabeth-Kirche wurde nebst dem dazu gehörigen Klostergebäude für die Jesuiten gegründet und denselben im J. 1770 übergeben. Nach Aufhebung dieses Ordens im J. 1773 erhielten die Piaristen das Collegium sammt dem Gymnasium, welches gegenwärtig geschlossen ist. Die Kirche gehört durch ihre Grösse, geschmackvolle Bauart und innere Ausschmückung unter die bemerkenswerthesten Landkirchen Böhmens.
Von Duppau in westlicher Richtung nach Rodisfort (Rodisfurt), rechts an der Eger, über welche eine Brücke führt, und an der Landstrasse nach Schlackenwerth, und dann ½ Stunde südlich zum Sauerbrunn.
Giesshübler Sauerbrunn (siehe Bereisung von Karlsbad aus). Von da in nördlicher Richtung nach Welchau am rechten Ufer der Eger in einem von mehreren Bergen eingeschlossenen herrlichen Thale. Eigenthümer des Gutes Welchau ist gegenwärtig Herr Hofrath Dr. von Löschner, welcher in diesem schönen Thale seinen Ruhesitz nach vieljähriger ausgezeichneter Wirksamkeit als Professor und Arzt aufgeschlagen und sehr viel für die Verschönerung der Gegend gethan hat. Die auf einem Hügel ausserhalb des Dorfes liegende Kirche hatte schon 1384 einen eigenen Pfarrer. Im Pfarrhause befindet sich das Bildnis des Pfarrers Anton Hasch zu Lioch (? in dioecesi Liochensi), welcher 125 Jahre alt geworden und 100 Jahre sein Amt als Pfarrer verwaltet hat. Das Schloss ist im 16. Jahrh. vom Grafen Schlick gebaut, und, nachdem es 1621 am 21. April mit dem ganzen Orte abgebrannt war, vom Freiherrn von Hessler wieder hergestellt und später wieder erneuert worden. Von der Station »Wickwitz-Welchau« wieder retour nach Kaaden.
2. Kaaden-*Leskau-*Schönburg. In westlicher Richtung gehen wir von Kaaden aus über Roschwitz zu dem nordwestlich von dem Dorfe Leskau sich erhebenden Leskauer Schlossberg mit der malerischen Ruine der Burg Egerberg, auch Egerwerk und Egerburg genannt, über deren Erbauer und früheren Besitzer nichts bekannt ist. Von da wandern wir in westlicher Richtung gegen Kettwa fort, wo sich eine Ueberfuhr befindet, und setzen auf das jenseitige Egerufer über, um in nördlicher Richtung dem, aus dem Egerthale steil aufsteigenden Berge Schönburg zuzueilen. Auf dem Gipfel des mit Wald bedeckten Berges sind die ansehnlichen Ruinen des Schlosses Alt-Schönburg. Wir geniessen von hier aus eine herrliche Aussicht in die Saazer Ebene und das ferne Mittelgebirge. Die Burg soll von den Eigenthümern ihrer Baufälligkeit wegen (sie ist von Basaltblöcken erbaut) verlassen worden sein; sie erbauten am Fusse des Berges ein neues Schloss und benannten sich auch nach diesem, Herren auf Neuschönburg; von diesem sind sehr wenige Spuren noch vorhanden. Retour nach Kaaden.
3. Kaaden-Klösterle-Kupferberg- (*Sphinx und *Kupferhügel) Schmiedeberg-Weipert-Pressnitz. (Herrliche Partie für drei Tage.) Wir treten unseren Weg an und kommen in westlicher Richtung nach dem 1¾ St. entfernten Klösterle. Wir haben eine Gebirgslandschaft vor uns, welche durch das Thal der Eger in zwei Theile getrennt ist. An der linken Seite ist es die steile Abdachung des Erzgebirges, welche das Thalgehänge bildet, an der rechten Seite das Duppauer-Gebirge, hier das Liesengebirge genannt, welches sich hier aus dem Thale erhebt. Das Thal selbst ist fast durchaus enge, die Abhänge am Fusse fast überall felsig; sie lassen nur stellenweise eine schmale Thalsohle übrig und häufig steigen sie fast unmittelbar bald an der rechten, bald an der linken, bald auch an beiden Seiten in schroffen Felswänden aus dem Flusse auf. Ueber diesen Felsgehängen dachen sich die Gebirgsabhänge bald mit grösserer, bald mit geringerer Steilheit ab.
Klösterle, Stadt, auf einer geneigten Anhöhe am linken Ufer der Eger.
Gasthäuser: Rathhaus am Markte, Restauration zum Bräuhaus, herrliche Aussicht.
Eisenbahnverbindung einerseits gegen Eger, andererseits gegen Komotau-Prag-Aussig-Bodenbach.
Post- und Telegrafenamt.
Sehenswürdigkeiten: Die Dreifaltigkeitskirche, ein schönes, geräumiges Gebäude in neu-italienischem Styl im J. 1670 vom Grafen Michel Oswald von Thun erbaut. Das schöne, herrschaftliche Schloss, auf einem Felsen am Ufer der Eger, welche hier durch einen weiten Busen das Ansehen eines beträchtlichen Stromes zeigt. Der Schlossgarten zeigt herrliche Baumgruppen. (Von Klösterle aus kann man auch Leskau und Schönburg besuchen, siehe Kaaden.)
Jetzt treten wir eine echte Gebirgspartie an. Wir kommen der höchsten Masse des Erzgebirges immer näher. Von Klösterle gehen wir in westlicher und nordwestlicher Richtung nach dem ¾ St. entfernten, an einem Berge gelegenen Haadorf und erreichen in einer halben Stunde Steingrün, ein Dorf an der Hauptstrasse, grösstentheils aber zerstreut an den Abhängen eines inneren Thales, in welchem ein kleiner Bach nach Pürstein fliesst, gelegen. Von hier aus erreichen wir, nördlich wandernd, wieder in einer halben Stunde *Kupferberg. Diese Partie lässt sich noch über Wenkau, ein Dorf am südlichen Gebirgsabhange in einem Thale zwischen Waldungen, zurücklegen. Beide Partien zeichnen sich durch grossartigen Gebirgscharakter aus. Ausdauernden Touristen empfehlen wir die Fusstour von Klösterle aus durch das wiederholt berührte, herrliche Egerthal auf der Kaiserstrasse nach Pürstein über Aubach nach Wotsch, von da nach Warta und endlich nordwestlich abbiegend, nach Hauenstein (siehe Bereisung von Johannisthal aus). – Retour nach Pürstein (zu Fuss und per Bahn), das am Zusammenflusse von drei Bächen, im Ausgange eines engen Thales, am Fusse des Erzgebirges in malerischer Gebirgsgegend gelegen ist. Wir gehen nun nördlich und kommen zu dem Schlossberge mit einigen Ueberresten der Burg Pürstenstein, auch Finkelstein, und setzen unseren Weg steil aufwärts nach Kleinthal, dann nach Steingrün fort und erreichen endlich Kupferberg. Dieser Aufstieg wird den Touristen wegen der reichen Abwechslung der wildromantischen Gegend besonders empfohlen. Zuvor statten wir der, an der Strasse gelegenen herrlichen Felspartie einen Besuch ab und erfreuen uns über den prachtvollen Einblick in das Egerthal. Der berühmte Landschaftsmaler Slowikowski, der gegenwärtig mit der Aufnahme von Bildern im Erzgebirge beschäftigt ist, entdeckte hier im J. 1880 eine schöne Sphinx und entwarf eine correcte Zeichnung davon, deren Abdruck sammt dem von ihm verfassten Gedichte nächstens in der Erzgebirgszeitung erscheinen wird.
Kupferberg, eine Bergstadt, auf dem Rücken des Erzgebirges 834m über dem Meere gelegen. Die Kirche wurde in den Jahren 1803 bis 1814 neuerbaut und die alte, ganz baufällige abgetragen; sie hat einen Thurm mit einem harmonischen Geläute von 5 Glocken, welche noch von der alten Kirche herrühren. Das Städtchen ist regelmässig angelegt, die Häuser fassen einen grossen, quadratischen Platz ein.
Gasthäuser: Rathhaus, Deutsches Haus, Post.
Eisenbahnstation (20 Minuten von der Stadt, Verbindung mit Komotau-Weipert).
Postamt.
Der an der Nordseite der Stadt sich erhebende *Kupferhügel (in 12 Min. ohne Anstrengung zu erreichen) ist vom Bergbau ganz unterwühlt, eine Menge Halden an seinem Abhange und in seiner Umgebung sind die Reste der seit vielen Jahren erloschenen unterirdischen Thätigkeit. Auf dem Gipfel steht eine Kapelle, welche von Einheimischen und Fremden häufig der Andacht und auch der herrlichen Aussicht wegen besucht wird. Diese ist eine der merkwürdigsten und schönsten in Böhmen; gegen Nordwest, Nord und Nordost ist sie zwar durch die höheren bewaldeten Rücken und Kuppen des Gebirges beschränkt, aber in anderen Richtungen erstreckt sie sich in unbegrenzte Ferne, besonders gegen Süd und Südosten. Wir sehen bis in die Gegend von Prag, wo dann die Hochebene des mittleren Böhmen den Horizont bildet, und dann weit in die Gegend von Elbogen und Pilsen. Unterhalb der Kapelle befindet sich das bekannte »Gasthaus am Kupferhügel.« (Erscheinungen siehe Klima.)
Von Kupferberg aus gehen wir (auf dem Plateau wird doch niemand die Bahn benützen wollen) in der herrlichen Waldluft auf der Strasse in westlicher Richtung nach Oberhals (¾ St.), einem zerstreut am südlichen schroffen Rande des Gebirgsrückens in ebener Gegend liegenden Dorfe, biegen hinter demselben rechts ab und kommen in dem langgestreckten Orte Schmiedeberg an. Das Dorf hat eine Eisenbahnstation der Buschtiehrader Eisenbahn von Komotau nach Weipert her und ist Absteigestation für die herrlichen Aussichtspunkte: Keilberg, Fichtelberg, Spitzberg bei Gottesgab, Halsberg bei Pressnitz, Kupferhügel und Bärenstein bei Weipert (siehe oben Bereis. des Erzgebirges von Joachimsthal und Kaaden aus!). Hervorragende Gebäude sind die Kirche und das Schulhaus.
Gasthöfe: Schneeberg, Ross.
Von Schmiedeberg gelangen wir in je 1¼ St. in nordöstlicher Richtung nach Pressnitz, in südöstlicher nach Kupferberg, in nordwestlicher nach Weipert und in südwestlicher nach Böhmisch-Wiesenthal (siehe Bereisung von Joachimsthal aus!). Nach Pressnitz führt von Schmiedeberg die Pressnitz-Schmiedeberger Bezirksstrasse. Der Weg ist sehr angenehm.
Pressnitz, Bergstadt, mit 3000 Einwohnern, auf der nördlichen sanften Abdachung.
Gasthäuser: »Herrenhaus«, »Rössel«.
Aemter: K. k. Bezirksgericht, Post- und Telegrafenamt.
Eisenbahnstation der Buschtiehrader Bahn einerseits gegen Weipert, andererseits gegen Komotau.
Geschichtliches: Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem Silberbergbau. Hier ist bereits zur Zeit der Regierung des Königs Georg von Poděbrad Silber gegraben und dem Herrn Niklas von Lobkowitz auf Hassenstein eine unbeschränkte Bergfreiheit zum Abbau aller Metalle drei Meilen rings um sein Stammschloss Hassenstein verliehen worden. Diese wurde vom Könige Wladislaw den Gliedern dieses Adelsstammes im J. 1473, 1490, 1500 und 1514 fortwährend weiter zugestanden. Unter König Mathias wurde, um den Bergbau zu heben, ein Vertrag geschlossen, der aber leider kein Heil mehr brachte, weil gleich darnach der 30jährige Krieg ausbrach. Er wurde zwar auch von allen späteren Monarchen gleich den anderen Privilegien bestätigt, ohne aber den erwarteten Erfolg zu haben.
Seit dem grossen Brande am 1. August 1811 sind die Pressnitzer mehr in der Welt bekannt geworden. Seitdem gehen junge Mädchen, mit der Harfe die entferntesten Gegenden besuchend, zum Theile von den Vätern, welche die Geige oder Flöte spielen, begleitet, einem oft nicht unbeträchtlichen Erwerbe nach, mit dem sie zur Unterstützung ihrer Eltern und Geschwister zeitweilig nach Hause kehren. Von Pressnitz aus gelangen wir auf einer guten Strasse durch das weitläufige Dorf Reischdorf über den Reischberg 457m nach Sonnenberg (1¾ St. – siehe Bereisung von Komotau aus).
E. Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus.
Görkau.
Görkau, eine Stadt mit mehr als 4000 Einwohnern, 15 Minuten südlich vom Fusse des Erzgebirges gelegen, von der Biela und dem Aubach durchflossen. Die Umgebung der Stadt bilden zahlreiche geschlossene Obstgärten, worin Birnen, Aepfel, Nüsse, Kirschen und Zwetschken gezogen werden. Die Stadt hat schöne Waldungen (über 2000 Joch), welche hoch im Gebirge zwischen den Waldungen der Herrschaft Rothenhaus, den fürstlich Lobkowitz'schen von Eisenberg-Neudorf und den Katharinaberger liegen. In jüngster Zeit hat die Stadtgemeinde auch die schöne Graf Wolkenstein'sche Waldherrschaft Göttersdorf angekauft.
Gasthöfe: Hôtel »Schorsch« – Garten, eigene Gelegenheit zur Bahn und zu anderweitigen Fahrten, zu Gebirgstouren;
»Weisses Ross« – Garten und Gelegenheit mit der Post zur Bahn; beide in der Kaiserstrasse gelegen;
»Zum rothen Hirschen« und »Zum Stern« am Ring gelegen; dann »Zum Nussbaum« ausserhalb der Bahnhofstrasse; grosse Gartenrestaurants: »Am Büschel« mit grossem Saale und Veranda – nebenan die Schiessstätte; »Zur Hütte« mit Billard; »Zum goldenen Kreuz« und »Am Rothenhäuser Keller«; ferner ein Mineralbad mit Restauration. Führer zu Gebirgstouren und Auskünfte in den 2 erstgenannten Gasthäusern.
Eisenbahn-Stationen: »Udwitz-Görkau« der Aussig-Teplitzer Bahn; »Görkau« der Dux-Bodenbacher Bahn; diese 10 Minuten, jene 25 Minuten vom der Stadt entfernt; zu jedem Zuge Gelegenheiten nach Udwitz.
In die Stadt führende Strassen:
a) von Teplitz über Dux, Brüx, Seestadtl;
b) von Teplitz über Ossegg, Oberleutensdorf, Obergeorgenthal, Eisenberg;
c) von Karlsbad über Schlackenwerth, Klösterle, Kaaden, Kralupp, Komotau;
d) von Saaz über Eidlitz oder Komotau;
e) von Postelberg über Komotau oder Eidlitz;
f) von der sächsischen Grenze über Kallich, Göttersdorf, Rothenhaus;
g) von der sächsischen Grenze über Grünthal, Brandau, Gabrielahütte, Göttersdorf, Rothenhaus;
h) von der sächsischen Grenze über Katharinaberg, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus;
i) von der sächsischen Grenze über Kallich, Bernau, Gersdorf, Platten, Pirken.
Gebäude und Institute: 2 katholische Kirchen mit Dechantei, 1 protestantische Kirche mit Pfarrei, 1 jüdischer Tempel, 1 fünfklassige Volksschule für Knaben und Mädchen mit 10 Lehrsälen, 1 Kindergarten, 1 städtisches Krankenhaus, 1 städtische Sparkasse, 1 Bürgerversorgungshaus, 1 Apotheke. – (3 Doktoren der Medizin, 2 Thierärzte.)
Aemter und Behörden: ein k. k. Notariat, ein Stadthaus mit den Gemeindeämtern, ein k. k. Bezirksgericht, ein k. k. Steuer- und Grundbuchsamt, ein k. k. Post- u. Telegraphenamt, ein Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
Industrielle Etablissements in der Stadt und deren nächster Nähe: 7 Baumwollspinnereien und Zwirnfabriken, 1 Papierfabrik, 4 Dampfmühlen, 9 Getreide- und Brettmühlen mit Wasserbetrieb, 2 Bierbrauereien, 2 Eisenhämmer, 1 Metallfabrik mit Dampf, 1 Holzdreherei mit Wasserkraft, 3 Färbereien, 1 photographisches Atelier, 1 Wechselstube, viele solide Handlungen.
Eine grosse Merkwürdigkeit Görkaus ist ein in weichen Sandstein gehauener Keller, der sich weit unter der Stadt hinzieht und ursprünglich 150 Abtheilungen hatte, wovon jetzt noch ca. 100 erhalten sind, da eine Anzahl durch Bauten kassiert worden ist und mehrere verfielen. Diese Kellerabtheilungen gehören zu den brauberechtigten Bürgerhäusern, wurden zur Zeit, als noch die Reihenbrauerei ausgeübt wurde, als Gährkeller benützt und danken diesem Umstande ihre Entstehung.
Geschichtliches. Die Dekanalkirche war schon 1384 als Pfarrkirche vorhanden. Ueber ihr Schicksal fehlt es an Nachrichten. Sie enthält das Grabmal des am 5. Jänner 1578 verstorbenen Besitzers von Rothenhaus, Christof von Karlowitz. Auf dem Rathhause bewahrt man mehrere Privilegien von den Monarchen Ladislaus, Ferdinand III., Maximilian II. und Rudolf II., welch letzterer der Stadt ein Wappen im Jahre 1588 verlieh, bestehend aus einem in zwei Hälften quer getheilten Schild. Die untere Hälfte zeigt eine Stadtmauer mit halboffenem Thore und Fallgatter, die obere drei rothe Herzen im goldenen Felde. Ueber dem Schilde ist ein Stechhelm und ein silberner Flügel mit drei Kleeblättern.
Kleine Spaziergänge.
1. Zum »*Buschel«, Restauration mit Saal und Veranda; der Anstieg auf der mit Obstbäumen bepflanzten Strasse ist kaum merkbar; ¼ Stunde. 2. Zum Weingarten in nordwestlicher Richtung, 25 Minuten; sanfter Anstieg zwischen Obstbaumpflanzungen; Gasthaus des Anton Proksch. 3. Die innerhalb 1 Stunde und ohne grosse Mühe zu erreichenden Berge: Ziegenberg bei Görkau, Breitenstein, Galgenberg, Wachhübel, Spitzberg bei Hannersdorf, Georgshöhe, Hänselberg, Katzenhübel, *Hutberg bei Pirken. Diese Berge bieten insgesammt eine schöne Aussicht auf die mit Städten und Dörfern übersäete Fläche von Komotau bis in die Gegend von Bilin mit den als südöstliche Begrenzung aufsteigenden Kegeln des Mittelgebirges. 4. *Das gräflich Bouquoi'sche Schloss Rothenhaus, 25 Minuten, auf einer mit Kastanienbäumen bepflanzten Strasse in nördlicher Richtung erreichbar. Rothenhaus liegt am Vorgebirge mit gegen Süden und Westen gewendeter offener Front; das grossartige Schloss steht mitten im Parke, umgeben von prächtigen Gartenanlagen, Glashäusern mit den seltensten einheimischen und exotischen Gewächsen. Es gehört unter die schönsten Gebäude dieser Art in ganz Böhmen und gewährt bei seiner hohen und freien Lage eine reizende Aussicht auf das innere Land und das Mittelgebirge. Im oberen eingefriedeten Parke Hirsch- und Rehstand, im unteren Parke ein Pferdegestüt edler Racen; auch Fluss-, Teich- und Forellenfischerei. Der Park ist dem Publikum an Sonn- und Feiertagen, sonst aber nach erbetener Erlaubniss, zugänglich.
Lohnende Ausflüge von grösserer Entfernung: 1. Ueber Pirken, Schergau nach dem Pfarrorte *Platten, auf guter Strasse in zwei Stunden, mit einem überraschend schönen Ueberblicke der Komotauer und Saazer Gegend, des Mittelgebirges bis weit in das Innere unseres Heimathslandes, der Gebirgsbahnen nach Weipert und Reizenhain. Von Platten 15 Minuten entfernt der Wallfahrtsort Quinau mit schöner Wallfahrtskirche. Von Platten führt eine Strasse über Rodenau, Gersdorf nach Bernau und zum Gaisberg, auf welchem die Biela entspringt – nicht weit davon der Beerhübel 889m über der Ostsee; auf der Strasse weiter zu dem Pfarrorte Kallich mit einem Post- und Grenz-Zollamte, einem Eisenguss- und Walzwerke und gutem Gasthofe. Bei Kallich finden wir Lager von Urkalkstein, während die Felsarten in diesem Reisebezirke im Erzgebirge fast durchgängig Gneisabänderungen sind. Bei Rudelsdorf und Kleinhan finden sich Granitkuppen und bei Brandau einige Basaltkuppen. Hier wird Anthracitkohle gewonnen. Am Fusse des Erzgebirges kommen hie und da die sandigen und thonigen Gesteine der Braunkohlenformation zum Vorscheine. Von Görkau bis dahin 3 Stunden. Das ist eine echte Gebirgspartie theilweise durch schöne ausgedehnte Wälder.
2. Nach der Ruine *Neustein, fortwährend auf schattiger Strasse durch das herrliche Teltschthal, der Biela entgegen, an Fabriken, Mühlen, Eisenhämmern und einer Holzdreherei vorüber, bis zum Fusse des Berges, auf dessen Gipfel die von Bäumen umsäumte Ruine; 1½ Stunde; einige Minuten davon eine Rothenhäuser Försterei.
3. Durch das Teltschthal, Uhrissen, Gersdorf nach *Bernau, immer an der Biela, bis Uhrissen gute Strasse, dann Feldweg; 2 Stunden; von der Schule in Gersdorf eine wundervolle Aussicht in das Innere Böhmens.
4. Durch das schattige Tiefenthal nach Hannersdorf, stark steigender Weg; 1 Stunde.
5. *Durch den Ort Rothenhaus, Göttersdorf mit Pfarrei und guten Restaurationen, Forst, Ochsenstall nach Kallich, fortwährend Strasse durch Hochwald, 3 Stunden, prächtige Waldpartie; schöne Rückblicke, namentlich bei Göttersdorf in das Innere Böhmens.
6. Ueber Göttersdorf, Neuhaus mit dem Görkauer Forstamt, nach Ladung mit einer Eisenberger Försterei, 2½ St., von letzterer eine lohnende Fernsicht; unweit der Berg Hübladung 796m; bis Neuhaus Strasse, dann Waldweg.
7. *Ueber Göttersdorf, Kallich, Gabrielahütte durch ein zwei Stunden langes, bewässertes, tiefgrünes Thal mit dichtgereihten Hammer- und Blechwalzwerken, Mühlen und anderen Industrien nach *Brandau und *Grünthal, immer Strasse, 5½ St.; hier die nahen Berge: Töltschberg, Katzenrücken und Zechenberg. Diese Partie gehört zu den schönsten im Erzgebirge und kann sich in Bezug auf Grossartigkeit und Pracht, sowie Mannigfaltigkeit der Scenerie mit den herrlichsten Alpenlandschaften messen. Der schönste Theil derselben ist von Kallich auf guter Strasse durch ausgedehnte Buchen- und Nadelwälder über Gabrielahütten durch das Teltschthal (zu unterscheiden von dem bei Görkau) nach Brandau und Grünthal. Der Ort Gabrielahütten wurde im Jahre 1778, gleichzeitig mit dem Eisenwerke, vom Grafen Heinrich von Rothenhan errichtet und seiner Tochter, der edlen Gabriela Maria, verehelichten Gräfin von Bouquoi, Sternkreuzordensdame und Dame du Palais, welche die Herrschaft nach dem im Jahre 1809 erfolgten Tode ihres Vaters als Erbschaft erhalten hat, zu Ehren benannt. Der Ort hat eine Schule und eine im schweizer Styl erbaute Restauration. Das Thal wird von dem Teltschbach, der sich in den schäumenden Natschungbach ergiesst, durchbraust. Das Thal ist einsam und voll würziger, erfrischender Waldluft. Es verengt sich oft, die hohen Thalwände werden wiederholt von schroffen Felswänden unterbrochen, und die vielfachen Windungen verändern von Strecke zu Strecke das Bild und bewirken eine reiche Scenerie der Landschaft. Nach 3½stündiger Wanderung kommen wir in eine von herrlichen Waldungen umrahmte Landschaft, in deren Mitte sich das Dorf Brandau befindet und treffen nach einer halben Stunde in *Grünthal ein, unserer Endstation, einem reizend, unmittelbar an der Grenze gelegenen Orte mit grossartigem Hôtel. Fortsetzung der Tour längs der Flöha nach Olbernhau in Sachsen.
8. Ueber Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan mit Pfarre nach Katharinaberg, immer Strasse, 4 St.
9. Ueber Rothenhaus beim Gestüte vorbei nach der Aubachmühle, ferner auf stark steigendem Wege über Stolzenhan nach Ladung, 2½ St.
10. Durch den unteren Rothenhäuser Park und über Türmaul zum Silberstollen, durch ein schönes saftig grünes Thal, 1 Stunde lang, immer fahrbar; das Silberwerk ist gegenwärtig ausser Betrieb.
11. Auf der Strasse zum Forsthause in Hohenofen, dann im Walde auf den *Tannichberg 847m hoch, mit prachtvoller Rundschau, zum Forsthause »Rothe Grube«, 3¼ St.; von hier in 15 Minuten auf den *Bernstein mit einem von Oesterreich und Sachsen gemeinschaftlich erbauten Aussichtsthurme, 917m hoch, unstreitig einer der schönsten Fernsichtspunkte im ganzen Erzgebirge. Man übersieht von demselben einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, von Böhmen gegen die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz und das Erz- und vorliegende Mittelgebirge.
12. Zum Forsthause Hohenofen, auf der Waldstrasse zum *Theresiensitz mit einem Tempel und schöner Fernsicht, auf den *Seeberg mit einem Felsenlabyrinthe und dem Johannisfeuerberg; beide durch eine tiefe Schlucht von einander getrennt, mit der gleichen Höhe von 631m, bieten sie eine ausgedehnte Fernsicht bis Prag, auf das Mittelgebirge und in's Land; 3 St. Vom Theresiensitz in ¾ St. zum Forsthause »Rothe Grube« und in abermals ¾ St. zum Hegerhaus im Flachsgrund. Hier ist ein Local, dessen sämmtliche Möbel kunstvoll aus Hirschgeweihen zusammengesetzt sind, sehenswerth.
13. Durch den unteren Rothenhäuser Park, Türmaul, Forsthaus Hohenofen, durch den Thiergarten nach *Eisenberg, 1½ St., schattige Strasse. Schloss Eisenberg, dem Fürsten Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz gehörig, ist ein im jüngsten Renaissancestyl erbauter herrlicher Edelsitz, historisch berühmt als einstiger Aufenthalt des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen, auf einem Bergvorsprunge im Süden des Erzgebirges, mit einem wundervollen Panorama. Gegen Nordosten die Abhänge des Erzgebirges, gegen Osten und Südosten das böhmische Mittelgebirge, Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene, pittoresk gestaltete Bořen bei Bilin mächtig überragt. Gegen Süden breitet sich die Saazer Ebene, »der Garten Böhmens«, aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Nach Südwesten ist der Horizont durch das Karlsbader und Duppauer Gebirge abgegrenzt. Die Park- und Garten-Anlagen, sowie die Glashäuser des Schlosses sind grossartig. In einer prunklosen, zur Andacht stimmenden Waldkapelle befindet sich ein Kreuz von grosser Dimension am Altare, das in einem Stücke aus einem Eichbaume geschnitten ist, bei dessen Fällung ein Graf Lobkowitz vor 156 Jahren den Tod fand. Er hatte die Warnung der Holzschläger, sich zu entfernen, nicht beachtet, der Baum fiel auf ihn und erschlug ihn. In der Schlosskapelle ferner ist ein Dorn unter Glas und Rahmen aufbewahrt, welchen die Kreuzritter aus Palästina mitgebracht und welcher aus der Dornenkrone des Heilandes entnommen ist. Diese Reliquie wird jedes Jahr vor Ostern eine Woche in der Kirche zu Neundorf und einen Tag in Seestadtl zur Verehrung ausgesetzt und zieht viele Wallfahrer an. Die Herren von Lobkowitz legen dem »heiligen Dorn« einen hohen Werth bei und soll einmal ein fürstliches Familienglied bei der Erbtheilung denselben einer Herrschaft vorgezogen haben.
14. Mit der Eisenbahn nach Eisenberg, dann auf der Gebirgsstrasse nach Nikelsdorf, Böhmisch-Einsiedel, Deutsch-Einsiedel und Bad *Einsiedel, einem reizend gelegenen, von sächsischer Seite mit Vorliebe besuchten Luft-Curort mit Naturbädern; 4 St.
15. Mit der Eisenbahn nach Obergeorgenthal, über Marienthal (mit einer Baumwollspinnerei) auf der Gebirgsstrasse nach Nikelsdorf und Einsiedel; 3½ St. (Siehe Oberleutensdorf.)
16. Mit der Eisenbahn nach Johnsdorf; daselbst an der Strasse das *Hôtel Weber, das durch sein luxuriöses Ameublement und seine kunst- und geschmackvollen Malereien an den Wänden und Decken die Beschauer zur Bewunderung hinreisst. Von da erreicht man durch Obstgärten in 15 Minuten den Ort *Hammer mit schöner Fernsicht und vielbesuchter Restauration »*Zur deutschen Bruderhalle«; weiter auf stark steigender Gebirgsstrasse nach Kreuzweg, in der Nähe der Kampelberg, und nach Einsiedel, unweit der Göhrenberg. (S. Oberleutensdorf.)
Die Stadt *Katharinaberg erreichen wir von Görkau über Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan und den Grund auf guten Wegen durch ausgedehnte, herrliche Wälder – eine echte Gebirgspartie, oder wir fahren mit der Dux-Bodenbacher Bahn nach Obergeorgenthal und gehen von da über Marienthal und Nikelsdorf nach Katharinaberg, ebenfalls eine herrliche Gebirgspartie. Katharinaberg, eine Bergstadt mit über 2200 Einwohnern, liegt, von Görkau ca. 4 St. entfernt, auf einem schmalen, mässig hohen, aber steil abfallenden Bergrücken. Dazu gehört das Pachendörfel, eine südöstlich gelegene Gruppe von Häusern, und der Grund, eine in dem vom Zobelbach durchflossenen Thale gelegene doppelte Häuserreihe.
Gasthöfe: »Kaiser von Oesterreich«; »Kronprinz Rudolf«; beide am Marktplatz gelegen; »Zur Herrenschänke«, hart an der Grenze im »Grund« gelegen.
In die Stadt führende Strassen:
1. Von Brüx über Nieder- und Obergeorgenthal, Marienthal, Nikelsdorf.
2. Von Oberleutensdorf über Johnsdorf, Obergeorgenthal, Marienthal, Nikelsdorf.
3. Von Görkau über Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan.
4. Von Kallich über Gabrielahütten, Brandau.
5. Von Olbernhau über Grünthal, Brandau.
Gebäude und Institute: Eine katholische Kirche mit Pfarre, eine vierklassige Volksschule, eine Apotheke – (2 Medizin-Doktoren).
Aemter und Behörden: Stadthaus mit dem Gemeindeamt, ein k. k. Bezirksgericht mit Dependenzen, ein Postamt, ein Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
Industrielle Etablissements: Wirkwaaren-Industrie, Holzdrehereien mit Wasserbetrieb, Brettmühlen, Spielwaarenerzeugung, eine städtische Brauerei.
Die Entstehung der Stadt fällt wahrscheinlich mit dem Ursprunge des Bergbaues zusammen. Geschichtliches ist nichts davon bekannt, als die Begnadigungen, welche der Ort seit dem 16. Jahrhundert, wo er bereits zu Rothenhaus gehörte, erhalten hat. Im Jahre 1528 erhielt die Stadt von Ferdinand I. das Wappen und die Befugniss, mit grünem Wachs zu siegeln. Seit dem dreissigjährigen Kriege kam der Silberbergbau immer mehr in Verfall. In diesem Kriege wurde die Stadt von den Schweden und Sachsen durch Brand und Plünderung hart mitgenommen. Es gingen damals alle Urkunden und andere schriftliche Nachrichten über den früheren Bergbau aus der Zeit vor 1528 zu Grunde. Auch im siebenjährigen Kriege litt die Stadt durch Brandschatzung und Plünderung und verlor namentlich die Bergkassa der bürgerlichen Gewerkschaft.
Kleiner Spaziergang. Zum Gasthaus »zum grünen Baum«, ¼ St., Fahrweg dahin; zwischen Gebirgs-Neudorf und Katharinaberg gelegen.
Ausflüge von grösserer Dauer.
1. Im herrlichen Flöhathale der sächsischen Grenze entlang nach *Brandau und *Grünthal; gute, zum Theil durch Hochwald führende Strasse, 1¼ Stunden. In dem hart an der sächsischen Grenze, am Zusammenflusse der drei Grenzgewässer Natschung, Schweinitz und Flöha gelegenen Orte Grünthal, das wegen seiner guten Küche und feiner Weine und Biere von Touristen vielfach besuchte Griessl'sche Gasthaus; in dem nur durch den Natschungbach getrennten sächsischen Grünthal sind Schwefelbäder und ein in seiner Art grossartig angelegtes »Kupfer-Hammerwerk«, welches die verschiedenartigsten Erzeugnisse aus Kupfer fast in alle Welttheile versendet. (Siehe Seite 150.)
2. Ueber Brandau auf schöner Strasse nach *Gabrielahütten in dem prächtigen, 2 Stunden langen, den Thälern der Schweiz vergleichbaren Teltschthal, wo der Natschungbach zahlreiche Hammer- und Blechwalzwerke, Holzdrehereien, Brettmühlen und andere Industriewerke in Betrieb setzt. 2½ St. – (siehe von Görkau aus.) Das der Herrschaft Rothenhaus gehörige Gasthaus »zur böhmischen Schweiz« mit Garten bietet den Touristen willkommene Gelegenheit zur Erfrischung; unweit Gabrielahütten auf sächsischer Seite der an der Südseite steil abfallende Habichts- oder Stösserfelsen mit herrlicher Aussicht. – (Siehe oben Seite 150.)
3. Im Flöhathale der sächsischen Grenze entlang über Ober- und Niederlochmühle durch ein herrliches Thal auf schöner Strasse nach Seifen und von da nach Bad *Einsiedel (sächsisch), das nicht allein durch seine Schwefelbäder, sondern auch durch seine romantische Lage den hier weilenden Curgästen Erquickung und Heilung gewährt. Restauration mit Garten und herrlichen Spaziergängen. 2½ Stunden. (Siehe Görkau Seite 152.)
4. Ueber Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach Bad Einsiedel. Bis »zum grünen Baum« Fahrweg, dann schöne, von Waldungen beschattete Strasse; 2 Stunden. In 25 Minuten von da nach Einsiedel (böhmisch) schöne Strasse.
5. Ueber Gebirgs-Neudorf, oder auf sächsischer Seite über Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach Einsiedel (der Haselstein mit schöner Fernsicht bis in die Aussiger, Schlaner und Komotauer Gegend, und der Käsherdberg), Göhren (der Farbenhügel, der Göhrenberg, der Krummschuss), Zettel (der Falkenberg und der Nitschenberg) durch *Rauschengrund nach *Oberleutensdorf. In Rauschengrund zwei Fabriken der Herren Marbach und Riecken, Baumwollgarn- und Kattunerzeugung; Brettsägen und Mühlen. Grösstentheils Waldweg, 4 Stunden. Prächtige Gebirgspartie!
6. Ueber Gebirgs-Neudorf. Einsiedel, Kreuzweg (der Flösselberg, der Hellwikstein, der Kampfberg und der Pflasterberg) durch den herrlichen *Hammergrund nach *Johnsdorf; von Einsiedel bis Johnsdorf schöne Strasse; 2½ St.
7. Ueber Nikelsdorf (Wachhübel mit schöner Fernsicht) durch ein herrliches Thal nach Marienthal mit einer Baumwollspinnfabrik (der Weinberg mit einem prächtigen Ueberblick der ganzen Kesselgegend gegen Osten, Süden und Westen) und Obergeorgenthal (Dux-Bodenbacher Bahnstation); schöne grossentheils schattige Strasse, 2½ Stunden.
8. Ueber Kleinhan, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus nach Görkau; immer schöne Strasse, 4 Stunden. Vor Göttersdorf öffnet sich der Ausblick auf die Komotauer und Brüxer Gegend.
Bergbesteigungen. 1. *Steinl mit herrlicher Aussicht bis zum Sonnenwirbel bei Gottesgab und in das Flöha- oder Fleythal bis nach Augustusburg in Sachsen; an der Herrnschänke vorbei, ein Waldweg, 1 Stunde, oder besser über Kleinhan, 1½ St.
2. *Hübladung bei Kleinhan, schöne Strasse, 1 St.; herrliche Aussicht in das Flöhathal, in die Gegend von Saida und bis nach Augustusburg.
3. Bärenstein oder Bernstein, entweder direct auf einem Waldwege dahin, ¾ Stund.; oder aber besser zum Forsthaus »Rothe Grube« und von da der Aufstieg, 1½ St. Prachtvolle Aussicht auf einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, gegen die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz, das Erz- und vorliegende Mittelgebirge. (Siehe von Görkau aus!)
F. Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über Oberleutensdorf.
*Dux.
(Von Eger-Karlsbad und von Aussig mit der Bahn leicht zu erreichen.)
Gasthöfe. Hôtel »zur Krone«, »Herrschaftlicher Gasthof«, Gasthof »zum weissen Ross«, »Zum Tobisch«.
Post- und Telegrafenamt.
Bahnhof der Aussig-Teplitzer und der Dux-Bodenbacher Bahn.
Dux, Stadt 213m (4000 E.) mit mehrfachen gewerblichen Anlagen: Zuckerfabrik, Glasfabrik, Syderolithwaarenfabrik, Kohlenwerke u. s. w.
Sehenswürdigkeiten: Neben der Kirche (kostbares Tabernakel und Altarbild) das Schloss, dem Grafen Waldstein, Nachkommen eines Nebenzweiges der Familie des berühmten Friedländers, gehörig; es enthält 4 Säle, 60 Zimmer und besitzt einen berühmten Garten. Im Schlosse ist besonders sehenswerth: 1. Der grosse Familiensaal mit Bildnissen aus der Familie Waldstein und dem höchst imposanten Deckengemälde von Reiner, welches die Scene darstellt, wie Heinrich Waldstein 1254 dem Könige Ottokar seine 24 Söhne nebst 24 Knappen, sämmtlich zu Ross, vorführt. 2. Die Bildergallerie, in 8 Zimmern, wo sich auch das Portrait des Herzogs von Friedland von van Deyk befindet. 3. Der Waffensaal, der unter den verschiedensten Armaturen auch Waffenstücke des grossen Friedländers aufzuweisen hat. 4. Das Porzellan-Cabinet mit seinen japanesischen und chinesischen Vasen, Pyramiden und Figuren. 5. Das Kunst- und Antiken-Cabinet mit Antiquitäten aus Herkulanum und Pompeji, Fayence-Malereien, Mosaiktafeln, Bronce-Gruppen, Modellen u. s. w. 6. Die Bibliothek mit ca. 12.000 Bänden, darunter viele alte Manuscripte, Prachtwerke, Kupferstichsammlungen u. s. w. 7. Das Naturaliencabinet enthält eine reiche Sammlung von Mineralien, Seegewächsen, Conchilien, Fischen und Vögeln.
Im Schloss-Vorhofe ein Wasserbehälter aus Geschützen verfertigt, die der Friedländer erobert hatte.
Geschichtliches. Stadt und Herrschaft gehörte zu Anfang des 16. Jahrhunderts Joh. Kapiřz von Sulewitz, welcher sie 1530 an Dippold v. Lobkowitz verkaufte. Bei dieser Familie verblieb sie bis 1618. Bald darauf aber gelangte sie durch Kauf an den Grafen von Waldstein; Johann Friedrich Graf von Waldstein, Erzbischof zu Prag, erhob 1680 Dux und Oberleutensdorf zu einem Fideicommiss und vererbte sie 1694 an Johann Grafen von Waldstein-Wartenberg, nachmaligen Landesmarschall von Böhmen.
Spaziergänge.
Zur Riesenquelle, auch Grünze genannt, 20 Minuten an der Strasse nach Teplitz mit Fremdenzimmern, Gartenanlagen; enthält zugleich Gesundheitsbäder durch die in der Nähe befindliche Quelle.
Nach Ossegg ¾ Stunden. Der Weg führt unterhalb der Kirche an der Schlossgartenmauer, dann längs des Baches sehr angenehm.
*Ossegg, 1100 E., Marktflecken am Fusse des Erzgebirges.
Gasthöfe: Hôtel »zum Kaiser von Oesterreich« mit Garten-Restauration; Gasthof »zur Weilburg«.
Bahnhof der Dux-Bodenbacher und der Dux-Prager Bahn.
Ossegg kommt als Sommeraufenthaltsort immer mehr in Aufnahme.
Sehenswürdigkeiten: Die *Stiftskirche des Cistercienserstiftes.
Die Errichtung dieses Stiftes reicht in das Jahr 1196 zurück, in welchem Slavko von Riesenberg (od. eigentlich Riesenburg), der damalige Besitzer der hiesigen Gegend, die schon im Jahre 1193 durch Johann Milgost aus Waldsassen in Baiern nach dessen Besitzung Maschau bei Kaaden berufenen Geistlichen des Cistercienser-Ordens, welche daselbst durch häufige Ueberfälle von Räubern sehr beunruhigt und zur Verlegung ihres Sitzes gezwungen wurden, bei sich aufnahm, ihnen die bereits früher hier bestandene Marienkirche abtrat und die neue Niederlassung durch mehrere Dörfer und andere Geschenke so reich dotirte, dass sie dadurch für den Verlust ihrer früheren Besitzungen zu Maschau, welche ihnen Milgost, aus Verdruss darüber, dass sie ohne sein Vorwissen ihren Sitz verändert hatten, wieder entzog, schadlos gehalten wurden. König Přemysl Ottokar I. bestätigte 1203 die neue Stiftung, nahm sie in seinen königl. Schutz und beschenkte sie mit neuen Gütern und Vorrechten. Aber schon 1249 überfiel Přemysl Ottokar, Markgraf von Mähren, das Kloster, welches sich auf die Seite seines Vaters Wenzel I. von Böhmen geschlagen hatte, jagte sämmtliche Geistliche weg und gab das Kloster den Soldaten preis. Zwar entschädigte er, nachdem er selbst König von Böhmen geworden, dasselbe in reichem Masse für die erlittenen Verluste, aber nach seinem Tode (1278) wurde es neuerdings durch die Truppen Rudolfs von Habsburg zerstört und ausgeplündert. Kaum wieder hergestellt, gerieth es 1341 neuerdings in Brand, bis es 1421 von den Pragern und 1429 von den Taboriten dergestalt zerstört und verwüstet wurde, dass es lange Zeit ganz verödet blieb. Erst vom Jahre 1626 an begann es wieder aufzuleben; es wurden jetzt Kloster und Kirche in ihrer gegenwärtigen Pracht erbaut.
Spaziergänge:
*Zur Salesiushöhe ¼ St.; auf der Strasse nach Langewiese, von der Säule links in den Wald 10 Min. Schönes Panorama über das Bielathal. Ihre Entstehung verdankt sie der Verehrung der Stiftsbrüder zu ihrem Prälaten Salesius Krügner. Von der Salesiushöhe zurück bis zur Strasse; jenseits derselben Fussweg 5 Min. zum Kroatenloch; alter Bergwerksstollen. Fussweg fortsetzen nach Riesenberg.
Ausflüge:
1. *Riesenburg ½ Stunde, dem Domainenbesitzer von Dux gehörig, eine der ältesten Burgen Böhmens, im 9. Jahrhunderte von dem böhmischen Ritter Slawko erbaut, gerieth ebenfalls durch die Husiten in Trümmer. Vom Wartthurme aus herrliche Aussicht.
2. Nach Klostergrab 1 St., Bergstadt, 1500 Einw.
Gasthof: »Zum Rathhaus«.
Endstation der Prag-Duxer Bahn; nord-nordöstlich von Ossegg gelegen.
Der Silberbergbau war einst in grösster Blüthe; denn schon im Jahre 1082 standen 600 Bergleute in Arbeit, die in einem Vierteljahre 13 Ctr. (728 Kgr.) geschmolzenes Silber producirten. Diese Bergleute sind durch ihre Ansiedelungen in der Nähe der Gruben als die Gründer des Ortes zu betrachten.
Klostergrab ist nebst Braunau der geschichtlich merkwürdige Ort, wo die ersten Funken der Religionsunruhen hervorbrachen, indem die daselbst befindliche protestantische Kirche 1616 auf Befehl des Kaisers Mathias zerstört wurde.
Merkwürdigkeiten:
Das Schützencorps besitzt einen aus Klostergraber Silber gearbeiteten Schmuck für den jeweiligen Schützenkönig.
Spaziergänge:
Oberhalb Klostergrab der *Königshügel; bietet eine herrliche Fernsicht über das Teplitzer Thal und die ganze Umgegend. Im Sommer auch Restauration.
3. Von Ossegg über die Riesenburg nach Langewiese (1 St), schöne Aussicht, und nach der Porphyrkuppe des *Wieselstein's (1 St.) 944m hoch. Von hier übersieht man das Bielathal, das Mittelgebirge, die Gegend bei Saaz und Kaaden.
Weiter nach dem gräfl. Waldstein'schen Jagdschlosse Lichtenwald; bietet nichts Bemerkenswerthes, wurde im Jahre 1760 erbaut. Dann nach Georgshöhe, einem einsam gelegenen Forsthause, und dem Höllengrund in das schöne Rauschengrunder Thal nach Oberleutensdorf (siehe Katharinaberg).
4. Von Ossegg über Ladung nach Oberleutensdorf 1¼ St. Zuerst auf der Strasse gegen Langewiese – schöner Rückblick –; wo die Strasse eine scharfe Biegung nach rechts macht, auf den Fussweg links in den Wald. Beim Heraustreten aus demselben prachtvolles Bild. Durch Ladung bei der Brettsäge rechts Fahrweg – nicht zu fehlen.
Oberleutensdorf.
Gasthöfe: »Drei Linden«, »Weisses Ross«, »Rathhaus«, »Kaiser von Oesterreich«.
Post- und Telegraphenamt.
Bahnhof der Dux-Bodenbacher, Prag-Duxer und 1 Stunde entfernt: Aussig-Teplitzer Bahn.
Oberleutensdorf, Stadt, 3300 E., 320m; Mittelpunkt der Spielwaarenindustrie, hat ferner eine Filztuch-, Garn- und Möbelfabrik, ein dem Grafen Waldstein gehöriges Schloss, ein stark eisenhaltiges Bad.
Geschichtliches. Oberleutensdorf war vor dem Jahre 1715 ein unbedeutendes Dörfchen und wurde in diesem Jahre von Karl VI. zu einem »Stadtl« erhoben; der Ort wuchs, besonders seit der 1715 in's Leben getretenen Tuchfabrication durch die aus Nah und Fern herbeiströmenden Arbeiter. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges schuf die eingeführte Strumpfwirkerei, noch mehr aber die seit 1822 für Oberleutensdorf so wichtige Erzeugung von Spielwaaren einen neuen Erwerbszweig. (Siehe: Geschichtliches über Dux.)
Sehenswürdigkeiten: 1. Das vom Grafen Johann Josef von Waldstein im J. 1732 erbaute Schloss mit dem neu angelegten schönen Park;
2. die Pfarrkirche mit einem schönen Altarblatt von Skreta;
3. auf dem Friedhofe die gräfliche Todtenkapelle mit der Todtengruft, worin der am 23. Mai 1823 verstorbene Franz Adam Graf von Waldstein-Wartenberg begraben liegt. Die Kapelle enthält ein meisterhaftes Denkmal des Verstorbenen;
4. das prächtige Bürgerschulgebäude, in herrlicher Lage auf einer kleinen Anhöhe.
Spaziergänge:
1. Zum *Schiesshaus; prächtige Lage am Saume des Waldes mit schöner Aussicht auf das ganze Mittelgebirge.
2. Nach *Rauschengrund ½ St. Vor dem Eingange in das Thal links von der Strasse neue, schön gelegene Restauration; weiter die Villa des Fabriksbesitzers Hrn. Riecken, dann die Baumwollspinnerei desselben. Einkehrhaus des Prokop Loos (siehe Katharinaberg).
3. Nach Sandel ½ St. durch den Wald sanft ansteigend mit schöner Aussicht; Gasthaus.
4. Nach *Hammer-Johnsdorf ¾ St., schön zwischen Obstgärten gelegen, als Sommeraufenthaltsort ziemlich besucht, reine, gesunde Waldluft, gegen Ost- und Nordstürme ganz geschützt. Weber's Hôtel zunächst der Haltestation der Dux-Bodenbacher Bahn, elegante Einrichtung, aufmerksame Bedienung. – Mildner's Gasthaus »zur deutschen Bruderhalle« mit einer prachtvollen Aussicht. Oberhalb der Bruderhalle am Saume des Waldes das im eleganten Schweizerstyl neuerbaute Curhaus des Med. Dr. Tschuschner mit entzückender Aussicht über das böhmische Erz- und Mittelgebirge. Griessel's Gasthaus. Hammergrundthal (siehe Bereisung von Katharinaberg).
5. Nach dem Gebirgsdorfe Schönbach ¾ St.; Gasthaus Fritsch, einfach, aber gut.
Ausflüge:
1. Nach dem Wieselstein über Schönbach 3 St., nur mit Führer (im Gasthause zu drei Linden beigestellt); von hier entweder über Langewiese, Riesenberg nach Ossegg (Siehe dieses), oder nach Lichtenwald in's Rauschengrunder Thal.
2. Nach Oberdorf ½ St., Göhren 1 St., böhm. Einsiedl ¾ St., Bad Einsiedl (sächsisch) 20 Min. (Siehe Seite 154).
3. Nach Eisenberg mit der Dux-Bodenbacher Bahn ½ St., prächtiges Schloss, grossartige Gartenanlagen.
4. Nach Obergeorgenthal, Nickelsdorf, von da auf den Bernstein – einem der höchsten und schönsten Aussichtspunkte der hiesigen Gegend –; von dort über Ladung nach Katharinaberg. (2, 3, 4 siehe Bereisung von Katharinaberg aus.)
G. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Brüx-Bilin aus.
Stadt und Schloss Brüx.
Gasthöfe: »Hotel Ross«, »Zum Löwen«, »Zum schwarzen Adler«, »Zum Hirschen«, alle am 1. Platz; »Zum blauen Stern« am 3. oder Gymnasium-Platz, Siegl's Gasthof am Bahnhof.
Restaurationen: »Zum Suk«, »Bielarestauration«, »Schiesshaus«, »Saras«.
Caféhaus Bahnhofstrasse.
Post- u. Telegrafenamt Wassergasse in der Nähe des 1. oder Marktplatzes.
Postfahrten nach Hawran, Nieder- und Ober-Georgenthal.
Eisenbahnen: Aussig-Teplitzer gegen Komotau-Karlsbad-Eger und Teplitz-Aussig-Bodenbach; Prag-Duxer gegen Ossegg-Klostergrab, gegen Obernitz-Prag, Obernitz-Sauerbrunn, Bilin; Pilsen-Priesener gegen Pilsen-Eisenstein.
Omnibusse (3) zu jedem Zuge; Droschken, Zweispänner nach allen Richtungen.
Zeitungslese-Cabinet im Casino. Einführung von Gästen durch Mitglieder gestattet.
Photographische Ansichten von Brüx und Umgebung in den Buchhandlungen von Hanns Eichler und Sommer, beide am Marktplatz.
Aemter: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Kreisgericht, beide am Marktplatz; k. k. Bezirksgericht an der Biela; Bürgermeisteramt im Gemeindehause, Fleischbankgasse.
Bank- und Wechselgeschäft, Wassergasse.
Zwei Dienstmänner-Institute (roth und grün).
Unter den Städten des gesegneten nördlichen Böhmen ist wahrlich nicht die geringste die kön. Stadt Brüx; ihr Name hat einen guten Klang durch ihr Alter, ihre ruhmvolle Vergangenheit, und die Gegenwart kennt sie als eine wohlhabende, freundliche Stadt, deren Handel und Verkehr stetig zunimmt.
Die Chronisten setzen sie unter die ältesten Städte Böhmens. Die ersten Erbauer von Brüx sind unbekannt, und ihr (der Stadt) Ursprung ist sehr alt. Sie bediente sich des deutschen Rechtes und von den Aussprüchen ihrer Gerichte ging der weitere Zug an den Magdeburger Schöppenstuhl. Im J. 1004 geschieht ihrer das erstemal Erwähnung, da sie sich im Kriege Kaiser Heinrich II. gegen Boleslav III. freiwillig an jenen ergab. – Als im Jahre 1040 Helikard, Herzog von Sachsen, in Böhmen einfiel und bei Gnevin (so hiess damals Brüx) das Lager aufschlug, liess ihm Herzog Břetislav bedeuten, wofern er binnen 3 Tagen das Land nicht verlasse, werde er ihm den Kopf vor die Füsse legen. Eingeschüchtert durch diese Drohung verliess Helikard Böhmen, und Břetislav begann noch in demselben Jahre auf dem Berge, an dessen Fusse Brüx liegt, zur Sicherung der Grenze die feste Landeswarta zu bauen. Ihre Schicksale sind bis zu ihrer Zerstörung innig verbunden mit denen der Stadt. Im Jahre 1045 erhielt sie ob der vielen Brücken, die über die zahlreichen Gewässer führten, den Namen, den sie bislang führt: Brüx, Most, Pontum oder Pons. – Um 1200 gehörte Brüx dem Oberkämmerer Grabisa, der den 10. Theil von dessen Wochenmarkt-Einkommen und den Weinzehent dem Stift Ossegg schenkte. Hier sei gleich bemerkt, dass der Weinbau hierorts ein bedeutender gewesen sein muss. Gojata, des obgenannten Grabisa Sohn, vermachte Brüx testamentarisch der Kirche von Zderas in Prag, doch so, dass seine Gemahlin bei ihren Lebzeiten den Nutzgenuss haben sollte. Gojata starb 1238 und bald vielleicht auch seine Gattin, denn König Wenzel I., der grosse Vorliebe für Brüx hatte, zog die Stadt an sich und versprach, die Zderaser Kanoniker anderweitig und entsprechend zu entschädigen. Diese Entschädigung scheint jedoch nicht gleich erfolgt zu sein, da auch sein Sohn und Nachfolger Přemysl Ottokar II. auf Andringen des päpstlichen Stuhles solche neuerdings zu leisten gelobte. – Im Kriege Wenzel's I. mit seinem Sohne ward letzterer, da er Stadt und Schloss Brüx belagerte, von Boreš, dem obersten königlichen Marschall und Brüxer Schlosshauptmann des Nachts überfallen, geschlagen, (1. November 1248) und war in Folge dessen gezwungen, mit dem Vater sich auszusöhnen.
Das erste grosse Privileg, das des Meilenrechtes, erhielt die Stadt unter'm 26. März 1273 von Přemysl Ottokar. In dieser Privilegienurkunde wird Brüx auch das erstemal Stadt »civitas nostra« genannt. – Im Jahre 1282 hatte Otto, Markgraf von Brandenburg, für die Vormundschaft über König Wenzel II. ausser 15.000 Mark Silber noch Stadt und Schloss Brüx, Aussig und etliche Dörfer verpfändet erhalten; aber schon das Jahr darauf ward er durch den Reichstag zu Freiburg verhalten, die genannten Orte wieder herauszugeben. (23. August.) Wenzel II. schenkte Brüx sogleich einem seiner Getreuen Johann von Michelsberg, der es noch im selben Monate (28. August) seinem Könige wieder abtrat. Seit diesem Tage ist Brüx ununterbrochen königliche Stadt geblieben, wenn es auch in der Folgezeit öfter, besonders an Meissen, verpfändet war. Alle folgenden Könige statteten sie, stets in Ansehung »des getreuen Nutzens und der unverdrossenen Dienste« entweder mit neuen Privilegien aus, oder bestätigten ihre alten Freiheiten und Rechte.
Die ruhmvollste Periode ihrer Geschichte aber ist die der Hussitenkriege. Die umliegenden Städte hatten sich den Taboriten entweder ergeben und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, wie Saaz und Laun, oder sie waren, wie Komotau und Bilin, gefallen. Um ihre Stadt nun vor ähnlichen Geschicken zu bewahren, war bereits im Frühjahre 1421 an König Sigmund eine Gesandtschaft abgegangen, die das Gelöbniss unverbrüchlicher Treue erneuern, aber auch um Hilfe für die bedrohte Stadt bitten sollte.
Sigmund, ausser Stande, ihrer Bitte willfahren zu können, empfiehlt sie an den Markgrafen Friedrich von Meissen. Dieser hatte die Besatzung der Stadt und des Schlosses verstärkt, und so erwarteten denn die Brüxer muthig und vertrauensvoll den Feind, der auch am 24. Juli 1421 vor Brüx erschien, und nach wiederholter vergeblicher Aufforderung zur Uebergabe am folgenden Tage die Belagerung der Stadt und des Schlosses begann. Tapfer wehrten sich die Belagerten, der fortlebenden Tradition zufolge, besonders angefeuert von ihren Frauen und Jungfrauen. Aber Tag um Tag schwindet und bald auch die Hoffnung auf Entsatz. Der 5. August bricht an, das Fest Mariaschnee. Die Bürger strömen zur Kirche, vertrauensvoll die Mutter Gottes um Hilfe anflehend. Ein festlicher Gottesdienst wird gefeiert, die ehernen Zungen, die seit Beginn der Belagerung geschwiegen, hallen hinaus über die Stadt in's feindliche Lager, wo man der Thörichten spottet; beseelt von neuem Muthe, gerüstet mit frischer Kraft, eilen die Bedrängten dann an die Mauern, mannhaft abzuwehren der Feinde Horden. Da siehe! vom Erzgebirge herab leuchten schon die weissen Rüstungen der Entsatztruppen. Otto Pflug ist's, des Markgrafen Friedrich getreuer Vasall an der Spitze des Meissnischen Heeres, verstärkt durch Zuzug der böhmischen Herren Sigmund von Wartenberg, Hlavač von Duba und Niklas von Lobkowitz. Die Schlacht beginnt. Total war die Niederlage der Hussiten. 3000 Feinde bedeckten das Schlachtfeld, das Lager mit seinen geraubten Schätzen ward eine Beute des Siegers. Die Freude über diesen glänzenden Sieg bewog die Brüxer Bürger, die im frommen Glauben der Hilfe Mariens ihre Rettung zuschrieben, zu dem Gelöbnisse, alljährlich mit grösster Feierlichkeit das Fest Mariaschnee zu begehen, und die Nachkommen sind beflissen, getreulich zu halten, was die Väter gelobt. Das Mariaschnee-Fest mit seiner prunkvollen, grossartigen Feierlichkeit gibt ihnen Gelegenheit, den biederen, frommen Sinn zu erneuern, das patriotische Gefühl zu stärken.
Von jetzt an kamen auf langehin für die Brüxer trübe Tage. Einigemale noch waren sie bedroht von den Kelchnern, mehrere furchtbare Feuersbrünste, Orkane, andere Elementarereignisse, und endlich die Pest (1582 und 1680) verwüsteten die arme Stadt. Dazu kam noch, dass die Stadt von Georg von Poděbrad nach einem verheerenden Brande (1455) eingenommen und besetzt ward, während die Burg sächsische Besatzung hatte, und die fortwährenden Friedensbrüche immer nur der Stadt Schaden brachten. – 1595 kauften die Brüxer von Rudolf II. die Burg sammt den zugehörenden Gütern um 81.060 fl. rhein., und übernahmen damit die Verpflichtung, die Besatzung des Schlosses zu erhalten. Allein die Ehre, Burgherren zu sein, kam den Bürgern theuer zu stehen. Die Burg zog stets jeden Feind an, und die Stadt hatte mit zu leiden unter den Belagerungen. Dreimal ward die Burg von den Schweden belagert, und zwar 1639, 1645 und 1646. Das letztemal mussten die Brüxer wegen Wassernoth, wegen der geringen Zahl der Vertheidiger, 200 Bürger gegenüber einem Heere von 30.000 Schweden unter General Wrangel, und wegen des schlechten Zustandes der Befestigungswerke das Schloss nach dreitägiger Belagerung am 16. Jänner übergeben. Solch' schwere Wunden hatte der dreissigjährige Krieg der Stadt geschlagen, dass sie, als die schwedische Besatzung zu Ende des Krieges 1648 abzog, keinen einzigen ansässigen Bürger mehr hatte. So ward es erklärlich, dass Ferdinand III., den inständigen Bitten der Bewohner nachgebend, 1651 die Demolirung der Burg bewilligte. Wenige in der letzten Zeit blossgelegte Mauerreste sind noch die Ueberbleibsel dieser Landesgrenzveste.
Nunmehr genoss die Stadt, abgerechnet einige Ueberfälle seitens der Sachsen und Preussen, die wenig Nachtheil brachten, ziemliche Ruhe; ihr Wohlstand hob sich, besonders da sie zu Beginn des 18. Jahrhundertes viele Güter durch günstige Käufe von den umliegenden Adeligen an sich brachte. So ist sie heute unter den reichsten Städten Böhmens in erste Reihe mit zu setzen.
Im Jahre 1813 beherbergte Brüx, das eine Zeit der Mittelpunkt des Lagers war, die drei alliirten Monarchen. Wenige Jahre darauf sollte Brüx fast ganz untergehen. Am 21. April 1820 verzehrte eine Feuersbrunst alle öffentlichen Gebäude bis auf die Stadtkirche und das Stadthaus. Der Schaden belief sich nach damaligen Werthverhältnissen auf 700.000 fl. W. W. Der abgebrannten Stadt ward durch ein staatliches Anlehen und die Unterstützung der Umwohner Hilfe. Die Folge der vielen Brände und besonders dieses ist, dass die Stadt, regelmässig gebaut, ein freundliches Aussehen hat, und mit wenigen Ausnahmen keine alten Gebäude besitzt.
Zu diesen gehören Rathhaus und Stadtkirche, beide noch bemerkenswerth auch durch ihre Bauart. Das Jahr der Entstehung des ersteren Gebäudes ist nicht bekannt; es gehört überdies in seiner heutigen Gestalt mehreren Perioden an. Der Thurm ist jedenfalls ein Baudenkmal des 14. Jahrhundertes, und nicht viel jünger ist der an selben anstossende Vorbau, während das übrige Gebäude das Gepräge des 16. Jahrhundertes trägt. Es war jedenfalls früher zweistöckig, und ist nach dem Brande von 1515, der auch das Rathhaus schwer schädigte, unausgebaut geblieben. Die Stylrichtung ist die nachgothische. Die Vorderfront wird durch mächtige Wölbungen und vorstehende Pfeiler, 7 an der Zahl, getragen. Der mittlere trägt den kaiserl. Adler, je zwei zu beiden Seiten tragen vier, die Elemente symbolisirende Statuen, die beiden äussersten aber Wappenträger mit dem böhmischen Löwen und dem Stadtwappen. Die Felder zwischen den Fenstern, wie auch die Brustwände unter den Fenstern sind bemalt mit allegorischen Figuren, das Gesimse mit Schlachtendarstellungen. Dem projectirten Bau eines Kreisgerichtsgebäudes wird das Rathhaus zum Opfer fallen. Höchstens der Thurm dürfte erhalten bleiben.
Der Bau der Dekanalkirche wurde 1517, nachdem im Jahre 1515 die alte Pfarrkirche mit einem grossen Theile der Stadt in Flammen aufgegangen war, begonnen, und war in wenigen Jahren vollendet. Feierlich eingeweiht wurde sie aber erst am 22. Mai 1594 durch den Prager Erzbischof Zbyněk von Duba und Lipa, nachdem sie bereits durch den Brand von 1578 grossen Schaden im Innern und auch am äusseren Bau erlitten. Der Erbauer der Kirche ist Beneš von Laun, Hofbaumeister des Königs Wladislav. Die Brüxer Stadtkirche ist sein letztes und Meister-Werk. Der Baustyl ist die spätere, sogenannte Wladislav'sche Gothik, wie sie bereits in den romanischen Styl überzugehen beginnt. Die innere Länge beträgt 73, die Breite 37 und die Höhe 24m. Sie bildet ein langes Viereck, nur das Presbyterium endet in ein Sechseck. Das Aeussere ist mächtig und imposant durch seine ungeheure Breite, zu der die zwei Anbauten, die auf beiden Seiten eine Art Kreuzschiff oder Kreuzkuppel bilden, und im Innern oben Gallerien, unten Kapellen fassen, viel beitragen. Eine Beeinträchtigung erleidet der imposante Bau nur durch das unverhältnissmässige, niedere Kirchendach. Das 1578 abgebrannte, kupfergedeckte Dach hatte sicher diesen Mangel nicht. Das Innere der Kirche weist ein Gewölbe mit drei gothischen Kuppeln auf, eine Eigenthümlichkeit des Meisters Beneš. Die Gürtel und Rippen derselben laufen aus schwachen, schlanken Säulen, 16 an der Zahl, aus, und haben eine künstlerische Verwebung. Merkwürdig sind auch die Stützen der Kirche, welche kuppelähnliche Räume bilden, in denen Kapellräume sich befinden. – Der Hochaltar, im Style der Renaissance, also durchaus der Bauart des Hauses nicht entsprechend, wurde erst 1773 aufgestellt. Der Altartisch sammt dem auf ihm ruhenden Säulenbau ist von natürlichem Marmor, die freistehende Rückwand eine Imitation. Rings an den Brüstungen der Gallerie befinden sich in Stein gehauene biblische Darstellungen, im Geiste des 13. Jahrhundertes gehalten. Gleich hier müssen wir der einfachen und der Doppelwendeltreppe erwähnen, die zu den Emporien führend, und ohne alle Stütze gebaut, von jedem Sachverständigen als Meisterwerke der Baukunst gerühmt werden.
Von Gemälden nennen wir vor allem die in einer Seitenkapelle nahe dem Hochaltar befindlichen, auf Holz gemalten Bilder der hl. Katharina und Barbara. Es sind dies zwei Flügel eines leider verloren gegangenen Bilderschreines, die unbeachtet im Depositorium der Kirche lagen, bis Gubernialrath Janko auf sie aufmerksam machte. Kandler verfertigte 1837 die erste Zeichnung. Sct. Barbara ist von geringerer Schönheit, aber eigenthümlich in der Auffassung und grossartiger im Faltenwurf, der an die schönsten Gewandmotive Dürers erinnert; Sct. Katharina zeigt die altdeutsche Auffassung jungfräulicher Schönheit, wie sie der Kölner Schule eigen ist und in Holbein's hl. Frauen den eigentlichen Typus gefunden. Beide Flügel sind Werke deutscher Kunst aus dem 16. Jahrhunderte. – Ausserdem sind noch in den Seitenkapellen eine ziemliche Anzahl von Ueberresten solcher Bilderschreine angebracht, die nicht ohne Werth sind. Von Altarbildern sind als Meisterwerke bekannt: Der hl. Josef, Anbetung der drei Weisen, Tod des hl. Franziskus. Von Schnitzwerk bewundern wir die beiden Altäre der Kreuzigung und der Auferstehung; erstere besonders entzückt bei eingehender Betrachtung durch Plastik und Figurenreichthum. In diesen beiden Kapellen erregen noch unsere Aufmerksamkeit die kunstvoll geschnitzten, alterthümlichen Bänke. – Der Thurm soll nach Meinung aller Sachverständigen älter als die Kirche sein. Von seiner Gallerie aus geniesst man eine schöne Aussicht weit hinaus über die Stadt und ihr Weichbild in's Erzgebirge.