Im Heidekraut
Reading edition
I
Auf der Klippe
Hoch oben lieg ich, im Heidekraut, hoch über den dunklen Wäldern, hoch auf sonnenglühendem Geklipp. Ich denke, ich treibe auf einem endendlosen Meer, Das Spiel seiner Wogen ist das helle Himmelsblau, das unaufhörliche Rauschen und Wühlen des freien Bergwindes in den hohen Kronen, Vogelgezwitscher und wehende Düfte, Summen, Schrillen und Knistern der Käfer, die hundert Geräusche der windbewegten Zweige, blitzende Strahlen und ruhende, gleitende Lichter, wellende Farben und das Blinkern und Donnern der Wildwasser – und meine Gedanken, meine dummen Gedanken ... Mit Strömen von Wärme und Licht rauscht die Welt Lieder durch meine Pulse, dunkle, grausige, süße Lieder der Einheit. Über die blauen Täler hin, in die weite, sonnige Welt hinein schwatzt dich meine Sehnsucht, du liebes, unergründbares Rätsel; neckt sich mit kindlichen Torenworten die uranfängliche Kraft, ihr eigenes Rätsel und ihres eigenen Rätsels Sinn ...
II
Heidekraut steck ich an meinen Hut und wandre. Was ist mein Ziel? Der Ruf eines Vogels glockenhell aus einem tiefen, fernen Grund ...