Front matter (continued 3)
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"Du wirst", hub das Orakel an, "Durch deines Weibes Gunst den Zepter künftig führen, Und Völker, die dich dienen sahn, Dereinst durch einen Wink regieren."
Gestärkt durch dieses Götterwort, Eilt, der als Pilgrim kam, als Prinz in Hoffnung fort; Mißt, ohne Land, im Geist schon seines Reiches Größen; Und läßt schon, ohne Volk, sein Heer das Schwert entblößen.
Allein so froh er war: so war ers nicht genug; Er weiß noch nicht, was er doch wissen wollte, Die Zeit, in der sein Fuß den Thron besteigen sollte; Die Ungewißheit wars, die ihn noch niederschlug. "Und", sprach er, "wenn ich auch nun bald den Thron bestiegen, Wie lange währt alsdann mein königlich Vergnügen?" Der kühne Zweifel treibt ihn an. Zum delphischen Apoll sich noch einmal zu nahn.
"O Tor", versetzt Apoll, "euch Sterblichen zum Glücke, Verbarg der Götter Schluß die Zukunft eurem Blicke. So wisse denn: In kurzer Zeit Schmückt dich des Purpurs Herrlichkeit; Doch raubt die Hand, die dir den Thron gegeben, Dir mit dem Throne bald das Leben."
Er tat darauf im Kriege sich hervor, Und stieg, aus einem niedern Stande, Zur höchsten Würd im Vaterlande, Durch seine Tapferkeit empor. Das ihm so günstige Geschicke Erfüllte des Orakels Sinn; Und Semnon ward, bei immer größerm Glücke, Der Liebling seiner Königin. Sie schenkt ihm Herz und Thron; doch ein verborgnes Schrecken Läßt ihn das Glück der Hoheit wenig schmecken. Sein reizendes Gemahl, das er halb liebt, halb scheut, Erfüllt ihn halb mit Frost, und halb mit Zärtlichkeit. Itzt wünscht er tausendmal, sein Schicksal nicht zu kennen, Um so für sie, wie sie für ihn, zu brennen. Sie merkt des Königs spröden Sinn, Sie zieht ihn in Verdacht mit einer Buhlerin, Sie gibt ihm heimlich Gift; er stirbt vor ihren Füßen.
Sagt, Menschen, ists kein Glück, sein Schicksal nicht zu wissen?
Till
Der Narr, dem oft weit minder Witz gefehlt, Als vielen, die ihn gern belachen, Und der vielleicht, um andre klug zu machen, Das Amt des Albernen gewählt (Wer kennt nicht Tills berühmten Namen?); Till Eulenspiegel zog einmal Mit andern über Berg und Tal. Sooft als sie zu einem Berge kamen, Ging Till an seinem Wanderstab Den Berg ganz sacht und ganz betrübt hinab; Allein wenn sie berganwärts stiegen, War Eulenspiegel voll Vergnügen. "Warum", fing einer an, "gehst du bergan so froh? Bergunter so betrübt?"—"Ich bin", sprach Till, "nun so. Wenn ich den Berg hinuntergehe: So denk ich Narr schon an die Höhe, Die folgen wird, und da vergeht mir denn der Scherz; Allein wenn ich berganwärts gehe: So denk ich an das Tal, das folgt, und faß ein Herz."
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Willst du dich in dem Glück nicht ausgelassen freun, Im Unglück nicht unmäßig kränken: So lern so klug wie Eulenspiegel sein, Im Unglück gern ans Glück, im Glück ans Unglück denken.
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Fabeln und Erzählungen, von Christian Fürchtegott Gellert.