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Durchs wilde Kurdistan

Viertes Kapitel. Aus der Festung. (continued 3)

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»Gefahr gehabt, Sir?« fragte er.

»Ich stak bereits in demselben Loche, aus welchem ich Amad el Ghandur geholt habe.«

»Ah! Prächtiges Abenteuer! Gefangener gewesen! Wie lange Zeit?«

»Zwei Minuten.«

»Selbst wieder freigemacht?«

»Selbst! Soll ich Euch die Geschichte erzählen?«

»Versteht sich! Well! Yes! Schönes Land hier, sehr schön! Alle Tage besseres Abenteuer!«

Ich erzählte ihm in englischer Sprache und fügte dann bei: »In einer Stunde sind wir fort.«

Des Engländers Gesicht nahm ganz die Stellung eines außerordentlich erschrockenen Fragezeichens an.

»Nach Gumri,« fügte ich hinzu.

»Oh, war schön hier, sehr schön! Interessant!«

»Noch gestern hieltet Ihr es nicht für schön, Master Lindsay!«

»War Aerger! Hatte nichts zu thun! Ist aber trotzdem schön gewesen, sehr schön! Romantisch! Yes! Wie ist es in Gumri?«

»Noch viel romantischer.«

»Well! So gehen wir hin!«

Er erhob sich sofort, um nach seinem Pferde zu sehen, und nun hatte ich Zeit, auch den beiden andern meine letzten Erlebnisse mitzuteilen. Keiner war über unsere Abreise so erfreut wie Mohammed Emin, dessen Herzenswunsch es war, mit seinem Sohne baldigst zusammen zu kommen. Auch er erhob sich eiligst, um sich zur Abreise fertig zu machen. Nun begab ich mich in meine Stube zurück, um einen Brief an Ali Bey zu schreiben. Ich meldete ihm in gedrängten Worten alles und sagte ihm Dank für die beiden Schreiben, die mir so große Dienste geleistet hatten. Diese Schreiben übergab ich nebst dem Briefe Selek, welcher dann Amadijah sogleich verließ. Er schloß sich dem Transport nicht an, sondern zog als Dschesidi vor, ganz allein zu reisen.

Da hallten die eiligen Schritte zweier Personen auf der Treppe. Selim Agha trat mit Mersinah ein.

»Effendi, ist es wirklich dein Ernst, daß du Amadijah verlassen willst?« fragte er mich.

»Du hast es ja bei dem Mutesselim gehört.«

»Sie satteln schon!« schluchzte die >Myrte<, welche sich die Thränen aus den Augen wischen wollte, mit der Hand aber leider nur bis an die ebenso betrübte Nase kam.

»Wohin gehet ihr?«

»Das braucht der Mutesselim nicht zu erfahren, Selim Agha. Wir reiten nach Gumri.«

»Dahin kommt ihr heute nicht.«

»So bleiben wir unterwegs über Nacht.«

»Herr,« bat Mersinah, »bleibe wenigstens diese Nacht noch hier bei uns. Ich will euch meinen besten Pillau bereiten.«

»Es ist beschlossen: wir reiten.«

»Du fürchtest dich doch nicht vor dem Mutesselim?«

»Er selbst weiß am besten, daß ich ihn nicht fürchte!«

»Und ich auch, Herr,« fiel der Agha ein; »hast du ihm doch zweitausend Piaster abgezwungen!«

Die >Myrte< machte große Augen.

»Maschallah, welch eine Summe!«

»Und zwar in Gold!« fügte Selim hinzu.

»Wem gehört dieses viele Geld?«

»Dem Emir natürlich! Emir, hättest du doch auch für mich ein Wort gesprochen!«

»Hast du das nicht gethan, Effendi?« erkundigte sich Mersinah. »Du hattest es uns doch versprochen!«

»Ich habe ja auch Wort gehalten.«

»Wirklich? Emir, wann hast du mit dem Mutesselim darüber geredet?«

»Als Selim Agha dabei war.«

»Herr, ich habe nichts gehört!« beteuerte dieser.

»Maschallah, so bist du plötzlich taub geworden! Der Mutesselim bot mir ja fünfhundert Piaster anstatt der fünftausend, welche ich verlangte!«

»Das war ja für dich, Effendi!«

»Selim Agha, du hast gesagt: Du liebst mich und seist mein Freund, und dennoch glaubst du, daß ich mein Wort so schlecht halte? Ich mußte ja so thun, als ob es für mich wäre!«

»So thun — — —?«

Er starrte mich wie versteinert an.

»So thun?« rief Mersinah. Aber ihr kam das Verständnis schneller. »Warum mußtest du so thun? Rede weiter, Emir!«

»Das habe ich ja dem Agha bereits erklärt — — —«

»Effendi,« rief sie, »erkläre diesem Agha der Arnauten nichts mehr, denn er wird es nie verstehen! Sage es lieber mir!«

»Wenn ich für den Agha Geld gefordert hätte, so wäre der Mutesselim sein Feind geworden — —«

»Das ist richtig, Effendi,« fiel sie eilig ein. »Ja, es wäre noch schlimmeres geschehen, denn nach deiner Abreise hätten wir das Geld wieder hergeben müssen.«

»So dachte ich auch, und daher that ich, als ob ich das Geld für mich verlangte.«

»Und es war wohl nicht für dich? Oh, sage es schnell!«

Die edle >Myrte< zitterte an ihrem ganzen Gebein vor Begierde.

»Für den Agha,« antwortete ich ihr.

»Maschallah! Ist dies wahr?«

»Natürlich!«

»Und er soll wirklich außer diesen fünfzig Piastern noch Geld erhalten?«

»Sehr viel.«

»Wie viel?«

»Alles.«

»Allah illa Allah! Wann, wann?«

»Jetzt gleich.«

»Hamdulillah, Preis und Dank sei Allah! Er macht uns reich durch dich! Aber nun mußt du es uns auch geben!«

»Hier ist es. Komm her, Selim Agha!«

Ich zählte ihm die volle Summe in die Hand. Er wollte die Hand schnell schließen, that es aber doch zu spät, denn die >Myrte< hatte ihm mit einem sehr geschickten Griff sämtliche Hundertpiasterstücke weggestrichen.

»Mersinah!« donnerte er.

»Selim Agha!« blitzte sie.

»Es ist ja mein!« grollte er.

»Es bleibt auch dein!« beteuerte sie.

»Ich kann es selbst aufheben!« murmelte er.

»Bei mir ist es sicherer!« redete sie ihm zu.

»Gieb mir nur etwas davon!« bat er.

»Laß es mir nur!« schmeichelte sie.

»So gieb mir wenigstens die gestrigen fünfzig Piaster!«

»Du sollst sie haben, Selim Agha!«

»Alle?«

»Alle; aber dreiundzwanzig sind bereits davon weg.«

»Alle! Und dreiundzwanzig sind bereits fort! Wo sind sie?«

»Fort! Für Mehl und Wasser für die Gefangenen.«

»Für Wasser? Das kostet doch nichts!«

»Für die Gefangenen ist nichts umsonst; das merke dir, Selim Agha! Aber, Emir, nun hast du ja nichts!«

Jetzt nun, da sie das Geld in den Händen hatte, wurde sie auch rücksichtsvoll gegen mich.

»Ich mag es nicht; ja, ich darf es nicht nehmen.«

»Du darfst nicht? Warum?«

»Mein Glaube verbietet es mir.«

»Dein Glaube? Allah illa Allah! Der Glaube verbietet doch nicht, Geld zu nehmen!«

»O doch! Dieses Geld gehörte weder dem Makredsch, denn er hat es jedenfalls nicht auf rechtliche Weise erworben, noch dem Mutesselim oder dem Agha. Aber es wäre auf alle Fälle verschwunden und nicht in die Hände der rechtmäßigen Besitzer zurückgelangt. Nur aus diesem Grunde habe ich den Mutesselim gezwungen, einen Teil davon wieder herauszugeben. Wenn es denn einmal in falsche Hände kommen soll, so ist es besser, ihr habt einen Teil davon, als daß der Mutesselim alles behielt.«

»Effendi, das ist ein sehr guter Glaube!« beteuerte Mersinah. »Du bist ein treuer Anhänger des Propheten. Allah segne dich dafür!«

»Höre, Mersinah! Wenn ich ein Anhänger des Propheten wäre, so hättet ihr nichts erhalten, sondern ich hätte alles in meine eigene Tasche gethan. Ich bin kein Moslem.«

»Kein Moslem!« rief sie erstaunt. »Was denn?«

»Ein Christ.«

»Maschallah! Bist du ein Nessorah[91]?«

»Nein. Mein Glaube ist ein anderer als derjenige der Nessorah.«

»So glaubst du wohl auch an die heilige Omm Allah Marryam?«[92]

»Ja.«

»O, Emir, die Christen, welche an diese glauben, sind alle gute Leute!«

»Woher weißt du das?«

»Das sehe ich an dir, und das weiß ich auch von der alten Marah Durimeh.«

»Ah! Kennst du diese?«

»Sie ist in ganz Amadijah bekannt. Sie kommt sehr selten, aber wenn sie kommt, so teilt sie Freude aus an alle Leute, die ihr begegnen. Auch sie glaubt an Omm Allah Marryam und ist ein Segen für viele. Aber da fällt mir ja ein, daß ich zu ihr muß!«

»Sie ist nicht mehr da.«

»Ja, sie ist wieder abgereist; aber dennoch muß ich hin.«

»Warum?«

»Ich muß sagen, daß du abreisest.«

»Wer hat dies bestellt?«

»Der Vater des Mädchens, welches du gesund gemacht hast.«

»Bleibe hier!«

»Ich muß!«

»Mersinah, du bleibst! Ich befehle es dir!«

Mein Rufen half nichts; sie war bereits die Treppe hinab, und als ich an das Fenster trat, sah ich sie über den Platz eilen.

»Laß sie, Effendi!« sagte Selim Agha. »Sie hat es versprochen. Oh, warum hast du mir dies viele Geld in ihrer Gegenwart gegeben! Nun bekomme ich keinen Para davon!«

»Verwendet sie es für sich?«

»Nein; aber sie ist geizig, Effendi. Was sie nicht für uns und für die Gefangenen braucht, das versteckt sie, daß ich es nicht finden kann. Sie ist sehr stolz darauf, daß ich einmal viel Geld haben werde, wenn sie stirbt. Aber das ist nicht gut, da ich jetzt darunter leiden muß. Ich rauche den schlechtesten Tabak, und wenn ich einmal zum Juden gehe, so darf ich von seinen Medizinen nur die billigsten trinken. Und die, die sind nicht gut!«

Betrübt ging der wackere Agha der Arnauten von dannen, und ich folgte ihm hinab in den Hof, wo die Pferde gesattelt wurden. Dann machte ich mit dem Engländer noch einen Gang in die Stadt, um einige Einkäufe zu besorgen. Als wir zurückkehrten, waren bereits alle vor dem Eingange des Hauses versammelt. Bei ihnen stand ein Mann, in dem ich schon von weitem den Vater meiner Patientin erkannte.

»Herr, ich höre, daß du abreisest,« begann er, mir einige Schritte entgegentretend. »Darum bin ich gekommen, um Abschied von dir zu nehmen. Meine Tochter wird bald ganz gesund sein. Sie, mein Weib und ich, wir werden zu Allah beten, daß er dich beschütze. Und damit du auch an uns denken mögest, habe ich ein kleines Jadikar[93] mitgebracht, welches anzunehmen ich dich innigst bitte!«

»Wenn es ein Ufak-Defek[94] ist, werde ich es nehmen, sonst aber nicht.«

»Es ist so klein und arm, daß ich mich scheue, es dir selbst zu geben. Erlaube, daß ich es deinem Diener einhändige! Welcher ist es?«

»Dort bei dem Rappen steht er.«

Er nahm unter seinem weiten Oberkleide ein ledernes, mit Perlen gesticktes Futteral hervor und reichte es Halef hin. Dann sah ich, daß er außer diesem Gegenstande dem Diener noch etwas gab. Ich dankte ihm, und wir schieden.

Jetzt kam das Schlimmste: der Abschied von Selim Agha und besonders von der >Myrte<. Der Agha ging von Pferd zu Pferd und nestelte an Riemen und Schnallen herum, welche ganz in Ordnung waren. Dabei rollte er die Augen so fürchterlich, wie ich es selbst bei ihm noch niemals gesehen hatte. Die Spitzen seines Schnurrbartes gingen auf und nieder wie Wagebalken, und hier und da fuhr er sich mit der Hand nach dem Halse, als ob es ihn dort würge. Endlich reichte er Halef die Hand zum Abschied. Er fing von unten an.

»Lebe wohl, Hadschi Halef Omar! Allah sei bei dir immerdar!«

Er hörte gar nicht auf das, was ihm der kleine Hadschi antwortete, sondern sprang zu dem Pferde Mohammeds, um eine Fliege tot zu schlagen, welche am Halse des Rosses saß. Dann fuhr er mit einem energischen Rucke herum und hielt dem Haddedihn die Hand entgegen:

»Allah sei mit dir und allen den Deinen! Kehre wieder bei uns ein, wenn dich dein Weg nach Amadijah führt!«

Da bemerkte er plötzlich, daß der Sattelgurt des Engländers um den zwanzigsten Teil eines Zolles zu weit nach hinten lag. Er eilte dort hin, kroch unter das Pferd und schob und zerrte, als habe er eine schwere Last zu bewältigen. Endlich war er fertig und streckte nun dem Reiter die Rechte hin:

»Sihdi, dein Weg sei — — —«

»Well!« unterbrach ihn der Master. »Hier!«

Ein Trinkgeld fiel in die Hand des Agha, und es war, wie ich Lindsay kannte, gewiß sehr reichlich. Diese Güte machte den gerührten Anführer der Arnauten noch verwirrter. Er begann also von neuem:

»Sihdi, dein Weg sei wie der Weg — — —«

»Well!« nickte Lindsay, und eine zweite Auflage des Bakschisch gelangte zur Ausgabe. Der Geber hielt die zum Abschiede hingestreckte Hand für eine Forderung.

»Sihdi,« begann der Agha mit erhöhter Stimme, »dein Weg sei wie der Weg der Gerechten, und — —«

»Well!« ertönte es zum drittenmal.

Aber der Agha zog nun seine Hand plötzlich zurück und nahm die Gelegenheit, daß ich eben zu Pferde steigen wollte, wahr, um mir den Steigbügel zu halten. Jetzt zog es über sein Gesicht, wie Sonnenblick und Wolkenschatten über ein wogendes Feld, dann öffnete er den Mund, aber da stürzte ihm plötzlich die so lange zurückgehaltene Flut aus den Augen. Das Wort, welches er sagen wollte, wurde zu einem unverständlichen Laute. Er reichte mir die Hand; ich nahm und drückte sie, selbst tief gerührt, und dann zog er sich sehr eilig in den Flur zurück.

Das hatte Mersinah abgewartet. Sie trat hervor, wie die Sonne aus der Morgenröte. Sie wollte eben bei Halef beginnen, da drängte ich mein Pferd heran und sagte:

»Halef, reite mit den andern einstweilen in das Thal hinab. Ich muß noch einmal zum Mutesselim und werde schnell nachkommen.« Dann wandte ich mich zu Mersinah: »Hier, nimm meine Hand! Ich danke dir für alles. Lebe wohl, stirb nie und denke an mich, so oft du die liebliche Speise deiner Gefangenen kochst!«

»Lebe wohl, Emir! Du bist der großmütigste —«

Mehr hörte ich nicht. Ich ritt schnell, gefolgt von meinem Hunde, nach dem Palaste des Kommandanten, ließ das Pferd vor dem Thore stehen und trat ein. Der Hund folgte mir; ich wollte das so. Im Vorzimmer waren einige Personen, die ich bereits dort gesehen hatte. Sie fuhren erschrocken empor, als sie den Hund erblickten. Das hatte noch niemand gewagt.

»Wo ist der Mutesselim?« fragte ich.

»Im Selamlük,« antwortete einer.

»Ist er allein?«

»Der Aufseher des Palastes ist bei ihm.«

Ich ließ mich gar nicht anmelden, sondern trat ein. Der Hund war an meiner Seite. Der Aufseher des Palastes machte eine Gebärde des Entsetzens, und der Mutesselim erhob sich augenblicklich.

»Effendi, was thust du?« rief er.

»Ich komme, um Abschied von dir zu nehmen.«

»Mit einem Hunde!«

»Er ist besser als mancher Mensch. Du sagtest mir, daß ich nicht wiederkommen solle, und ich komme mit dem Hunde. Das ist die Antwort eines Emir aus Germanistan. Sallam!«

Ich verließ ihn ebenso schnell als ich gekommen war und ging hinab. Unten aber, da ich mich nun im Freien befand, nahm ich mir Zeit; aber es kam niemand, um mich zur Rede zu stellen. Ich stieg auf und ritt davon. Die Gefährten waren eben erst zum Thore hinaus, als ich sie einholte; denn Mersinahs Abschiedsworte an sie hatten einige Zeit in Anspruch genommen.

»Was noch gemacht beim Mutesselim?« fragte Lindsay.

Ich erzählte es ihm.

»Ausgezeichnet! Hm! Köstlicher Einfall! Würde gut bezahlen, wenn Ihr ein anderer wäret! Yes!«

Er brummte und lachte noch lange vor sich hin.

Wir mußten bald absteigen, um die Pferde den steilen Weg hinabzuführen. Desto schneller aber ging es unten weiter, bis wir die Stelle erreichten, an welcher wir früher links abgeschwenkt hatten. Hier mußte Halef zurückbleiben und sich verstecken, um uns zu benachrichtigen, wenn wir beobachtet würden. Wir erreichten die kleine Lichtung, bei welcher wir die Pferde anbanden, und drangen dann zu Fuße in das Dickicht ein.

»Hier!« meinte der Engländer, als wir bei den Eichen anlangten. »Prachtvolle Villa da oben! Well! Raucht Tabak!«

Wirklich sah man ein kleines Tabakswölkchen nach dem andern oben aus der >Villa Amad< hervorkräuseln. Der Araber lag in der Tiefe des Loches und bemerkte unsere Gegenwart nicht eher, als bis er durch einen lauten Ruf aufmerksam gemacht wurde. Jetzt steckte er den Kopf hervor und erkannte uns. Die frische, kräftige Waldluft und die nahrhaften Speisen hatten ihn wenigstens insoweit gekräftigt, daß er ohne weitere Beihilfe herabkommen konnte. Ich erhielt dabei auch meinen Lasso wieder, welchen er gestern oben behalten hatte.

Wir verweilten keinen Augenblick, kehrten zurück und bestiegen die Pferde, da es uns allen darauf ankam, noch heute eine gute Strecke Wegs zwischen uns und Amadijah zu legen. Halef meldete, daß sich nichts Verdächtiges gezeigt habe, und so bogen wir rechts in den Weg ein, welcher zu den Sommerwohnungen der Bewohner von Amadijah führte.

Wir ritten in einem Thale empor, dessen Sohle ein breiter Bergbach bewässerte. Die Seiten waren mit schönem Laubwald besetzt. Weiter oben teilte sich der Bach in sehr viele Arme; das Thal wurde breiter und bot den nötigen Raum für eine Menge von Zelten und Hütten, die in malerischer Unordnung im Thale und an den Abhängen desselben standen. Dies waren die Jilaks oder Sommerwohnungen.

Diese Stelle war außerordentlich gut gewählt. Grüne Wald- und Fruchtbäume beschatteten die Zelte und Hütten, und dichtes Rankengewächs bildete einen reichen Teppich an den Abhängen hinauf. Dieser gesunde Ort bot einen grellen, aber lieblichen Gegensatz zu der von giftigen Lüften erfüllten Festung Amadijah.

Während die anderen im schnellen Tempo weiter ritten, um Späherblicken baldigst zu entgehen, stieg ich mit dem Engländer vor der Wohnung eines Geldwechslers ab, da Lindsay sich einen Vorrat von landläufigen Münzen einwechseln wollte.

Die Spitze der Höhe erreichten wir nach einer halben Stunde, obgleich die Strecke zwei englische Meilen beträgt, und nun sahen wir das Thal von Berwari vor uns liegen, wo wir vor jeder Verfolgung von seiten der Türken in Sicherheit waren.

In der Ferne blauten die Tijariberge, von denen uns besonders der Kegel von Aschiehtah in die Augen fiel. Seine Spitze glänzte weiß, denn er war mit Schnee bedeckt, während wir vor noch ganz kurzer Zeit auf den Weidegründen der Haddedihn den reichen Blumenstaub mit den Beinen unserer Pferde aufgewühlt hatten.

Rechts davon stieg hinter den wasserreichen Thälern des Zab das Bergland von Tkhoma empor, und weiter nach Süden sahen wir die Höhen des Tura-Ghara, des Dschebel Haïr und des Zibar-Landes. Von Tijari und Tkhoma hatte die alte Marah Durimeh gesprochen. Ich mußte unwillkürlich an ihr Geheimnis denken, an den >Geist der Höhle<, der dort zwischen jenen Bergen hauste. Ob wir ihm wohl begegnen würden?!

Notes in this chapter

Explore with AITake your curiosity a little further.

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