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Die ungleichen Schalen

Hockenjos

Reading edition

Personen:

Karinkel, Bürgermeister

Bienemann, Redakteur

Mettenschleicher, Bildhauer

Hockenjos

Hannewickel, Stadtrat

Abendrot, Amtsschreiber

Binder, Kommissär

Ein Amtsdiener, ein Kellnerbursche

Spielt in einer kleinen süddeutschen Stadt.

Kanzlei des Bürgermeisters. Rechts und links Türen. Hinten zwei Fenster mit Aussicht auf einen von altertümlichen Häusern umgebenen Platz, in dessen Mitte das noch umhüllte Denkmal steht.

Abendrot

(schlägt mit einem Aktenheft Fliegen tot)

Hin muscht werde! Pardon gibt’s net ... hätt’scht es vorher überlegt, mei Schätzle ... hin muscht werde, sag’ ich ...

Karinkel

(ein untersetzter, glattrasierter, eiliger Mann, kommt; er ist im Frack)

Was treiben Sie denn da, Abendrot?

Abendrot

Die Fliege schlag’ i tot, Herr Bürgermeischter.

Karinkel

Die Fliegen schlagen Sie tot? Sind Sie verrückt, Mensch? Wo wir bis an den Hals in Arbeit stecken!

Abendrot

Ich hab’ ja bei der Denkmalsenthüllung nix zu tun, Herr Bürgermeischter.

Karinkel

Scheren Sie sich an die Arbeit. Und wenn Sie nichts zu tun haben, dann tun Sie wenigstens so, als ob Sie was zu tun hätten. Das fordert die Würde des Amtes. Der Professor Mettenschleicher muß jeden Moment kommen, – was soll er sich denken, wenn Sie Allotria treiben.

Abendrot

Isch scho guet, Herr Bürgermeischter ...

Karinkel

Keine Widerrede! Diese Biederkeit, diese ewige Treuherzigkeit! wie sie mir auf die Nerven geht! Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, und der Mensch schlägt Fliegen tot. (Es klopft.) Herein!

Mettenschleicher

(tritt ein; ein großer, würdevoll aussehender, schwarzbärtiger, seriöser Mann, ebenfalls im Frack)

Guten Morgen.

Karinkel

Guten Morgen, lieber Professor. Wie geht’s? wie steht’s? Gut geschlafen? gut geträumt? Hat unser bescheidenes Hotel Ihren Ansprüchen genügt? Oder haben Sie irgend welche Rekriminationen? Ich lege großen Wert darauf, daß es Ihnen bei uns gefällt.

Mettenschleicher

Danke, ich bin zufrieden. In so einem Städtchen wird mir immer behaglich zumut.

Karinkel

Na, na, Professor ... Städtchen ...

Mettenschleicher

Nun ja, es ist doch eine sehr kleine Stadt ...

Karinkel

Eine sehr kleine Stadt? – Eine kleine Stadt, das eher. Aber es ist gut, daß Sie sich wohl fühlen. Man hat nicht oft die Freude, einen so berühmten Meister bewirten zu dürfen. Noch dazu bei so feierlichem Anlaß ...

Mettenschleicher

(steif)

Zu viel Ehre.

Karinkel

Sagen Sie mal, verehrter Professor, um unser gestriges Gespräch fortzusetzen ... (Zögert, da er sich der Gegenwart Abendrots erinnert.) Gehen Sie hinüber in den Schwan, Abendrot, und bestellen Sie mir ein Gabelfrühstück. Fragen Sie, – aber fragen Sie Herrn Gumpelmaier selber – was man haben kann. Etwas Warmes natürlich. Am liebsten etwas vom Kalb.

Abendrot

Oder vielleicht Schweinsrippche?

Karinkel

(tiefsinnig)

Schweinsrippchen ... nicht übel. Schweinsrippchen oder Kalbsherz. Auch saure Nieren wäre eine Idee. Beraten Sie sich nur mit Herrn Gumpelmaier, der kennt meinen Geschmack. Der Kellner soll laufen, damit die Sache unterwegs nicht kalt wird. Dann gehn Sie in die Redaktion des Tagesboten und fragen Sie Herrn Bienemann, ob er meine Rede schon fertig hat. Er soll sich sputen, um zwölf Uhr kommt der Prinz, da muß alles auf dem qui vive sein.

Abendrot

Isch guet, Herr Bürgermeischter. (Ab.)

Karinkel

(seufzend)

Du lieber Gott, bis man so der schwerfälligen Welt Beine macht, Professor –! (Knipst, eilig zur Tür, ruft.) Hallo! – Abendrot! – Abgebratene Kartoffel soll er mitschicken! Wie? Sie Esel! Der Schwanenwirt natürlich. (Kehrt zurück, abermals seufzend.) Ein Mann, der nur für sich selber verantwortlich ist, ist ein glücklicher Mann.

Mettenschleicher

Wir dienen alle dem öffentlichen Wohl, Verehrtester. Jeder auf seine Weise.

Karinkel

Aber nicht auf jeden sind beständig die Augen des Publikums gerichtet, teurer Freund. So wie auf Sie und auf mich. Wenn ich noch einmal auf die Welt käme, – wissen Sie, wonach es mich gelüsten würde? (Ausdrucksvoll.) Es würde mich darnach gelüsten, das Leben eines einsamen, unverheirateten Privatgelehrten zu führen. Was brauchte ich da Belobungen? Anerkennung von unten oder von oben? – Da hätte man sein Genügen in sich selber, da hätte man keinen Orden nötig. In meiner Position freilich muß ich dergleichen haben, um meinen Mitbürgern den Beweis zu liefern, daß ich ihres Vertrauens würdig bin.

Mettenschleicher

Zweifellos. Sie sind ja auf dem besten Weg –

Karinkel

(erregt)

Es besteht also Aussicht –?

Mettenschleicher

Gewiß. Man muß es nur delikat behandeln ...

Karinkel

Wissen Sie, was ich mir überlegt habe, Professor? Ich könnte ja, falls man mir den Michaelsorden verweigert, auch mit dem Friedrichsorden vorlieb nehmen.

Mettenschleicher

(vornehm belustigt von solcher Unwissenheit)

Der Friedrichsorden steht keineswegs niedriger im Rang als der Michaelsorden, mein lieber Bürgermeister. Der eine wie der andere wird nur dann verliehen, wenn sich der Betreffende in hervorragender Weise verdient gemacht hat.

Karinkel

(in wachsender Erregung)

Seit zwanzig Jahren mache ich mich verdient, Professor. Ich tue ja überhaupt nichts anderes. Ich habe eine elektrische Beleuchtung, eine Wasserleitung, ein Findelhaus, einen Veteranenverein geschaffen; ich habe die Fortschritte der Sozialdemokratie nach Kräften aufgehalten, ich habe niemals und nach keiner Seite hin Anstoß erregt, weder bei der Geistlichkeit, noch bei der Regierung, – aber man kann sich doch nicht ausbieten! – Man hat doch seinen Stolz! Man wirkt in der Stille – und hofft, daß es bemerkt wird.

Mettenschleicher

Alterieren Sie sich nicht, lieber Freund.

Karinkel

Ich würde mich nicht beklagen, wenn es mir an loyaler Gesinnung gefehlt hätte. Denn ich begreife, daß die höchsten Kulturtaten nicht ins Gewicht fallen, wenn die loyale Gesinnung mangelt –

Mettenschleicher

Freilich. Die loyale Gesinnung, die wird vorausgesetzt. Wohin kämen wir denn sonst!

Karinkel

Das sagt sich leicht –: vorausgesetzt. Aber bis man sie erwirbt, bis man sie sozusagen einkeltert, damit sie süß und schmackhaft bleibt in all den Jahren, das ist nicht so einfach. Und nun habe ich noch dieses Denkmal gebaut –

Mettenschleicher

Eben. Das war dringend nötig. Es gibt kaum mehr eine deutsche Stadt, die nicht ihre marmorne Attraktion hätte, wenn ich mich so ausdrücken darf. Man ist höhern Orts sehr geneigt, solche Bestrebungen, soweit sie sich auf die Kunst beziehen, zu unterstützen. Sie sänftigen die Sitten, sie lenken die Instinkte des Volkes nach ungefährlichen Regionen.

Karinkel

Ehrlich gesagt, es ist ein Sorgenkind, dieses Denkmal –

Mettenschleicher

Warum denn? Lassen Sie sich nur nicht irre machen ...

Karinkel

Sie haben mich ja so weit gebracht, Professor ... Ihrer Energie haben wir es ja zu danken, daß ...

Mettenschleicher

Nun ja, ich fand es dringend geboten, daß auch Sie in diesem stillen Winkel Ihr Scherflein beitragen zur Vermehrung der nationalen Ideale.

Karinkel

Das klingt sehr hübsch –

Mettenschleicher

Erlauben Sie, das sind tiefste Lebensüberzeugungen!

Karinkel

Allerdings –

Mettenschleicher

Heraus mit der Farbe! Weshalb sind Sie so kleinlaut, heute, an Ihrem großen Tag?

Karinkel

Es wird von gegnerischer Seite behauptet, – haben Sie nicht den Ochsenfurter Anzeiger gelesen? Da steht es drin –

Mettenschleicher

Ich lese solche Käsblätter nicht. Was steht drin?

Karinkel

Daß wir dem Hockenjos das Denkmal nur aus Wichtigtuerei errichtet haben ...

Mettenschleicher

Das ist der Neid.

Karinkel

Und daß es eine Blamage sei.

Mettenschleicher

Die Wühler muß man wühlen lassen.

Karinkel

Und daß der Hockenjos gar nicht in Neuguinea gewesen ist und daß er gar nicht bei der Expedition des Doktor Rittersteig war und daß er infolgedessen auch nicht von den wilden Papuanern erschlagen worden ist. Im Gegenteil, so behaupten diese Schurken, er sei in einer australischen Matrosenkneipe bei einem Raufhandel umgekommen.

Mettenschleicher

Leeres Geschwätz.

Karinkel

Na ja, ein Säufer war ja der Kerl. Der Wahrheit die Ehre.

Mettenschleicher

Es ist vollkommen gleichgültig, was der Hockenjos war. Die Hauptsache bleibt, daß er tot ist. – Was sagt denn Bienemann zu diesen Sudeleien? Er hat doch damals die Nachricht von dem Ende des Hockenjos zuerst gebracht ...

Karinkel

Ach, mit dem Bienemann weiß man nie, wie man dran ist. Ich fürchte, er glaubt gar nicht an das Genie von dem Hockenjos.

Mettenschleicher

Es ist das Kennzeichen eines guten Journalisten, daß er in einem solchen Fall eine Sache umso überzeugender vertritt.

Karinkel

Und ich selbst habe auch meine Zweifel ...

Mettenschleicher

Glauben Sie denn, lieber Freund, daß der Ruhm anders fabriziert wird als auf diese Art? Neun Zehntel unserer Berühmtheiten verdanken ihren Glanz dem Notizenmangel einer Zeitung oder dem Hang nach Redensarten, der in den Leuten von der Feder steckt. Es ist nicht meines Amtes, das wirkliche Verdienst vom erlogenen zu trennen. Ich denke, es liegt eine viel höhere Sendung darin, die häßliche Realität in einen angenehmen Schein zu verwandeln. Je verworfener, unwürdiger und unfähiger dieser Hockenjos in Wirklichkeit war, desto mehr Grund für uns, der Welt ein so trauriges Faktum vorzuenthalten und sein Bild zu veredeln. Wenn man einem Menschen wie Hockenjos ein Denkmal setzt, geschieht es nur, um seine wirkliche Gestalt zu verschleiern. Dadurch eben bereichert man den Bestand an nationalen Idealen.

Karinkel

Na ja, seine Gestalt mögen Sie am Ende verschleiern, aber die Bilder, die der Kerl gemalt hat, die können Sie nicht verschleiern. Wir haben ja eine Ausstellung veranstaltet, und was ich da von den hiesigen Damen zu hören bekommen habe, – wahrhaftig, der ganze Appetit auf die Kunst ist mir vergangen. Schamlose nackte Weiber hat er gemalt. Die können Sie doch nicht verschleiern.

Mettenschleicher

Wenn ein Künstler tot ist, verlieren seine Arbeiten den moralischen Charakter, wenn ich mich so ausdrücken darf. Schamlos waren die Weiber eigentlich nicht, nur nackt waren sie. Aber wer wird schließlich darnach fragen, was für Bilder der Hockenjos gemalt hat, wenn er vor seinem Denkmal steht? Keine Katze wird darnach krähen.

Karinkel

Kein Hahn, meinen Sie ...

Mettenschleicher

Kein Hahn, natürlich. Sie können sich in diesem Punkt getrost meiner Erfahrung überlassen, lieber Bürgermeister. Der Umstand, daß Hockenjos tot ist, verschafft ihm einen unbeschränkten Kredit an guter Meinung. Ich kannte eine ganze Reihe von Idioten, die bloß dem Zufall, daß sie gestorben waren, Bewunderer und Anhänger zu verdanken hatten. Dem Publikum sind nämlich die Künstler so ungeheuer gleichgültig, daß man ihm, wenn einer stirbt, weismachen kann, was man will.

Karinkel

Ich verstehe nicht viel von der Kunst, aber das eine muß man doch von ihr fordern: daß sie den Menschen bessert und erhebt.

Mettenschleicher

Das ist richtig, hat aber mit unserer Angelegenheit momentan nichts zu schaffen. Sie müssen stark sein, lieber Freund. Sie dürfen sich in Ihrer Überzeugung nicht erschüttern lassen.

Karinkel

In welcher Überzeugung meinen Sie?

Mettenschleicher

In Ihrer Überzeugung. Ein Mann hat doch nur eine.

Karinkel

(etwas stupid)

So. – Im allgemeinen bin ich ja stark. Aber einen Menschen muß man doch haben, dem man sein Herz eröffnen kann. (Es klopft.) Herein!

Bienemann

(kommt; schmaler gelbgesichtiger Mann von etwa dreißig Jahren. Tartarenbart, Zwicker. Er hat das Phlegma intelligenter Leute, die viele überflüssige und langweilige Dinge reden müssen. Hinter diesem Phlegma verbergen sich Neugier, Bosheit, Resignation und Menschenverachtung).

Karinkel

Guten Morgen, Bienemann! Sind Sie schon fertig?

Bienemann

Guten Tag, meine Herren. – Ja, ich wollte noch einige Punkte mit Ihnen besprechen ...

Karinkel

Darf ich die Herren miteinander bekannt machen, Redakteur Bienemann, Professor Mettenschleicher von der königlichen Akademie der bildenden Künste.

Bienemann

Freut mich, freut mich.

Mettenschleicher

Ich bin Ihnen für den schmeichelhaften Artikel im Tagesboten sehr zu Danke verpflichtet, Herr Doktor.

Bienemann

Noch nicht, Herr Professor, noch nicht.

Mettenschleicher

(verdutzt)

Was –? was, – noch nicht?

Karinkel

(ebenso)

Ja ... was – noch nicht?

Bienemann

Noch nicht Doktor, meine ich. Die Honoris causa ist noch nicht gegeben. Bienemann, ganz schmucklos Bienemann.

Karinkel und Mettenschleicher

(sehen einander an).

Karinkel

(mit dem Daumen über die Schulter weisend)

Stolz? wie? Demokrat! Ganz schmucklos Bienemann! (Lacht.) Ausgezeichnet!

Mettenschleicher

(geniert)

Na, na! (Klopft Karinkel mit fürstlicher Leutseligkeit auf die Schulter.)

(Klapperlärm. Ein Kellner kommt mit einer Platte, auf der das Frühstück in zwei Tellern dampft. Ein Amtsdiener eilt geschäftig voraus und säubert den Tisch. Beide entfernen sich wieder. Karinkel setzt sich mit strahlendem Gesicht, bindet die Serviette um den Hals und vergißt alle Sorgen.)

Bienemann

Mein Artikel hat Ihnen also gefallen, Herr Professor?

Karinkel

(kauend; taktlos)

Na, hören Sie, Bienemann, wenn mir so viele Elogen gemacht würden, wäre ich auch nicht unzufrieden. Es war famos. Und sehr aktuell.

Bienemann

Das schon; einige giftgeschwollene Schlangen können sich nämlich nicht darüber beruhigen, daß das Denkmal so rasch fertiggestellt worden ist. Vor sechs Wochen hatten wir die Todesnachricht in der Zeitung, und heute thront bereits der Marmor da draußen. Es ist ja wirklich die reine Hexerei.

Karinkel

(kauend)

Was geht die Leute das an? – Diese geschmorten Stückchen da sind köstlich. Wollen Sie nicht zugreifen, Professor? Nein? Schade.

Bienemann

(tut verlegen)

Freilich, das sag ich auch. Aber ein Mensch wie ich besteht aus lauter Ohren. Und so hör ich denn unter anderm das blödsinnige Gerücht, daß das Denkmal schon vorher fertig gewesen ist.

Karinkel

Wieso? Vor dem Tod des Hockenjos? Mit solchen Dummheiten sollten Sie uns nicht kommen, Bienemann. Ich verstehe ja nichts von der Bildhauerei, aber unser verehrter Meister hier konnte doch nicht die Unsterblichkeit des Hockenjos voraussehen.

Bienemann

Das sag ich auch; es sei denn, man macht Denkmäler auf Lager. Was meinen Sie, Herr Professor?

Mettenschleicher

(windet sich)

Ich will nicht hinterm Berg halten ... es hat mit dieser Sache eine eigene Bewandtnis. Ich hatte doch, wie Ihnen vielleicht erinnerlich ist, den Auftrag, ein Monument für den verstorbenen Sanitätsrat Ulfinger zu schaffen –

Bienemann

(roh)

Der die Schweinereien gemacht hat ...

Mettenschleicher

Schweinereien ist eine etwas starke Bezeichnung. Er war ein bedeutender Gelehrter, lebte aber leider Gottes über seine Verhältnisse, und ein halbes Jahr nach seinem Tod kamen die gefälschten Wechsel zum Vorschein. Es geschah alles, um den Skandal zu vermeiden, schließlich drang die Geschichte doch an die Öffentlichkeit, und das Denkmal konnte nicht aufgestellt werden. Meine ganze Arbeit war umsonst, der Marmor lag da –

Bienemann

Außerordentlich interessant!

Mettenschleicher

Und da traf ich gerade unsern Freund Karinkel, der den noch unbestimmten Plan hegte, etwas zur Verschönerung des hiesigen Stadtbildes zu tun.

Bienemann

Aha! und weil der Hockenjos eben das Zeitliche gesegnet hatte –

Mettenschleicher

Ja, so kamen wir überein –

Karinkel

(dankbar)

Sie waren es, teurer Meister, der mir die Idee gab!

Bienemann

Wirklich, eine Fügung des Himmels, dieses Zusammentreffen der Umstände! Da hat also der gute Hockenjos quasi ein von Herrschaften abgelegtes Denkmal bekommen.

Karinkel

(zornig)

Witzeln Sie nicht, Bienemann.

Bienemann

Aber Sie mußten doch Ihrem marmornen Sanitätsrat einen andern Kopf aufsetzen –?

Mettenschleicher

War merkwürdigerweise überflüssig. Die beiden Leute hatten eine gewisse Ähnlichkeit. Beide groß, ziemlich fett, langbärtig ... Außerdem, ein Denkmal ist doch ein Symbol.

Bienemann

Toll! einfach toll! Man lernt nie aus.

Mettenschleicher

Ich rechne selbstverständlich auf Ihre Diskretion. Außer Ihnen beiden weiß nur noch mein erlauchter Freund, der Prinz Albert, davon, ohne dessen Rat und Zustimmung ich etwas Derartiges überhaupt nicht unternehmen würde.

Bienemann

Das ist derselbe, der heute zur Enthüllung kommt?

Mettenschleicher

Derselbe. Er liebt die schönen Künste. Sie können sicher sein, daß er auch auf Sie ein Auge haben wird.

Bienemann

(verbeugt sich)

Oh! Danke sehr. – Müssen Sie nicht auf den Bahnhof, Herr Bürgermeister?

Mettenschleicher

Seine königliche Hoheit trifft ja erst um zwölf Uhr ein.

Karinkel

Ja, aber um viertelzwölf kommt der Regierungspräsident. Weiß der Stadtrat Hannewickel, daß er sich mit den Ehrenjungfrauen aufzustellen hat?

Bienemann

Die Ehrenjungfrauen und der Veteranenverein sind schon in vollem Wichs.

Mettenschleicher

Noch einen Vorschlag, meine Herren. Wie wäre es, wenn man heute noch ein Extrablatt drucken ließe, durch dessen Inhalt das Volk einige Aufklärung über die künstlerischen Verdienste des Malers Hockenjos erhielte?

Karinkel

Nicht schlecht ...

Mettenschleicher

Es ist in dieser Beziehung vieles versäumt worden –

Karinkel

Und man könnte die Verleumder damit zum Schweigen bringen. Nicht schlecht. Was meinen Sie, Bienemann?

Bienemann

Ein ziemlich teurer Spaß. Es fragt sich, ob die Interessen, die dabei im Spiele sind, eine solche Ausgabe fordern.

Karinkel

Es sind ideale Interessen, mein Lieber. Dafür ist nichts zu teuer.

Bienemann

Ideale Interessen? Entschuldigen Sie, meine Herren, aber an ideale Interessen glaub ich nicht. Sie auch nicht. Das Publikum auch nicht. Das ist eben das Heikle mit den idealen Interessen, daß niemand daran glaubt, weil zu viele ihren Vorteil daraus ziehen.

Karinkel

Pfui, Bienemann! Beständig gießen Sie Ihr nüchternes Öl in die Wogen unserer Begeisterung.

Bienemann

Das ist mein Beruf.

Mettenschleicher

Ein trauriger Beruf.

Bienemann

Sie dürften damit den Nagel auf meinen Kopf getroffen haben, Herr Bürgermeister. Wer mit Papier gefüttert wird, dem wachsen keine Blumen auf der Zunge.

Karinkel

Wenn Ihnen an meinem ferneren Vertrauen gelegen ist, so unterstützen Sie uns jetzt mit allen Ihren Kräften, Bienemann.

Bienemann

Ich soll also gewissermaßen die öffentliche Meinung beruhigen ...

Mettenschleicher

Ja ... wenn Sie es so betrachten ... obwohl, – öffentliche Meinung gibt es nicht.

Karinkel

(bürstet seine Kleider)

Die öffentliche Meinung sind wir.

Mettenschleicher

Öffentliche Meinung ist die Konspiration der Dummköpfe.

Bienemann

Die Herren sind entschlossen, wie ich sehe. Allen Respekt. Nun, was an mir liegt, soll geschehen. Die Druckerpresse hat schon ganz andere Dinge gerechtfertigt als Denkmäler. Die Ingredienzen, aus denen man den Brei der Zeitungsunsterblichkeit kocht, sind billig zu haben. Die Hauptsache ist der Superlativ. Das ist das Universalrezept. Der Superlativ ist für den Leser, was neunzigprozentiger Fusel für einen Gewohnheitstrinker ist. Leider nützen sich die Superlative jetzt so stark ab, daß eine neue Steigerung, ein Über-Superlativ eine wahre Wohltat für die Menschheit wäre.

Karinkel

Das ist mir zu hoch, davon versteh ich nichts.

Bienemann

Na, schön. Ich will Ihnen einen Hockenjos hinstellen, der sich gewaschen hat. Ich werde Ihnen mit einer Verklärung aufwarten, daß der Mann in seinem Grab noch Lust zu einer Himmelfahrt bekommt. Ich tue einfach, als ob Tizian ein Zimmermaler und Feuerbach der kleine Moritz gegen ihn wäre.

Mettenschleicher

Ich hoffe, daß diese Übertreibungen nur Ausflüsse einer momentanen Laune sind.

Bienemann

Nein, Herr Professor. Sie kennen den Abonnenten nicht. Wenn man dem Abonnenten einen neuen Mann glaubhaft machen will, muß man erst einen alten in Stücke reißen. Der Abonnent ist grausam, er will Blut sehen.

Karinkel

Ich denke, wir überlassen Bienemann da am besten seinem Genius.

Bienemann

Keinesfalls werde ich etwas davon wissen, daß der arme Hockenjos in unserer Mitte beinahe verhungert ist. Daß er mit Hohn abgefertigt wurde, als er sich vor vier Jahren um das Staatsstipendium bewarb. Apropos, waren Sie es nicht selbst, Herr Professor, der diese Sache damals hintertrieb –?

Mettenschleicher

(ärgerlich)

Mein Gott ja, ... ich kann nicht leugnen ... der Mann war mir persönlich unsympathisch.

Karinkel

(ebenso)

Wozu kramen Sie denn die alten Sachen aus?

Bienemann

Ich werde auch davon schweigen, daß das Publikum vor seinen Bildern Lachkrämpfe bekam und der Magistrat ihm das Atelier auf der Schanze kündigen ließ, aus Gründen, die der Anstand zu erwähnen verbietet.

Karinkel

(wie oben)

Das war wegen der Modelle. Aber die Kunst, lieber Bienemann, wie soll ich sagen, die Kunst braucht eben keine Moral.

Mettenschleicher

Na! na! Da muß ich bitten –

Karinkel

Das heißt, ich meine: die Moral braucht keine Kunst.

Bienemann

Um seine Auswanderung plausibel zu machen, werde ich sagen, daß ihn malerische Probleme in die Tropen zogen.

Karinkel

Sehr gut.

Bienemann

Und während er das Gefieder der Paradiesvögel studierte, um bisher unerhörte Farbenmischungen für seine Palette zu gewinnen, haben ihn die Eingeborenen erschlagen und verspeist.

Karinkel

(der sich die Zähne stochert, erschrocken)

Verspeist –?

Bienemann

Höchstwahrscheinlich.

Karinkel

Wissen Sie was? Setzen Sie sich gleich hier an meinen Schreibtisch und fangen Sie an. (Das Telephon klingelt, er eilt hin.) Hier Karinkel! Ja? Ja. Bitte. – In der Redaktion will man Sie sprechen, Bienemann. (Während Bienemann zum Apparat geht.) Für uns ist es jetzt Zeit, lieber Professor.

Mettenschleicher

Also gehen wir.

Bienemann

(am Telephon)

Hier Bienemann. (Pause.)

Karinkel

(setzt sich den Zylinder auf)

Ich bin neugierig, ob der Präsident eine Rede halten wird.

Mettenschleicher

Er kann Seiner königlichen Hoheit nicht vorgreifen.

Bienemann

(am Telephon)

Unsinn! – Wie? Gesehen worden? Wo? In Aßmannshausen? Da lebt ja die Frau jetzt? So. Einen Liebhaber. So. Natürlich. Durchgeprügelt? Nein! Nicht möglich! Da hat man Ihnen einen Bären aufgebunden. Einen Bä–ren! Das wäre ja unerhört.

Karinkel

Was ist denn los?

Bienemann

(am Telephon)

Ich gebe nichts auf solche Gerüchte. Schicken Sie einen verläßlichen Menschen hin. Schluß! (Läutet ab.) Recht heiter. Der Hockenjos soll in Aßmannshausen gesehen worden sein.

Karinkel

(wie erstarrt)

Um Gottes willen, Mensch, was reden Sie da!

Mettenschleicher

Das fehlte nur noch!

Bienemann

Er soll seine Gattin mit einem Viehhändler erwischt und den Galan windelweich geschlagen haben.

Karinkel

Aber lieber Bienemann, – das ist ja um den Verstand zu verlieren ...

Bienemann

Ich halte das Ganze für einen blinden Alarm.

Karinkel

Sie nehmen mir einen Stein vom Herzen.

Bienemann

Man will uns ins Bockshorn jagen.

Mettenschleicher

Eine Frivolität sondergleichen.

Bienemann

Kümmern wir uns nicht darum.

Karinkel

Wenn aber doch was Wahres dran ist ...

Bienemann

Bah! meine Informationen waren immer verläßlich. Wenn der Tagesbote jemand als tot meldet, dann ist er tot.

Karinkel

Es ist höchste Zeit. Wir müssen zur Bahn. Machen Sie sich nur gleich an die Arbeit, Bienemann. Lassen Sie uns nicht im Stich.

Bienemann

Auf Wiedersehen, meine Herren.

Karinkel und Mettenschleicher

(ab).

Bienemann

(setzt sich vor den Schreibtisch, zündet eine Zigarre an; behaglich)

Was der Sybarit für einen weichen Lehnsessel hat! Wenn ich nicht Bienemann wäre, möchte ich Karinkel sein. (Legt das Papier zurecht.) Los also! Her mit euch, ihr bebänderten Adjektiva und geschniegelten Substantiva! ihr großmäulichen Interjektionen und schmetternden Exklamationen! ihr Metaphern, Hyperbeln und Epitheta! Ich rühr euch zusammen wie Mandeln und Rosinen in einem Kuchenteig, von dem die ganze Welt Verdauungsbeschwerden kriegt.

Abendrot

(tritt mit verstörtem Gesichtsausdruck unter die Türe; winkt)

Herr Bienemann! – Herr Bienemann!

Bienemann

Was gibt’s? Ich habe keine Zeit.

Abendrot

(flüsternd)

’s isch was Schreckliches passiert, Herr Bienemann ...

Karinkel

(kommt im Sturmschritt zurück, den Zylinder schief auf dem Kopf)

Bienemann, wir sind verloren!

Mettenschleicher

(seine Würde mühsam bewahrend, ist Karinkel gefolgt)

Eine Katastrophe!

Karinkel

(mehr heulend als redend)

Der Abendrot hat ihn zuerst gesehen. In der Bahnhofsstraße hat er ihn gesehen. Mitten unter den Leuten.

Bienemann

Und hat ihn jemand erkannt?

Abendrot

Noi, noi ...

Bienemann

War er allein?

Abendrot

Ganz alleine.

Mettenschleicher

Was für Maßregeln gedenken Sie zu treffen?

Karinkel

Er muß auf der Stelle fort.

Bienemann

Ist bis jetzt etwas unternommen worden?

Karinkel

Kommissär Binder ist mit zwei Wachleuten ausgerückt. Hoffentlich gelingt es, den Kerl festzuhalten.

Mettenschleicher

Es ist eine entsetzliche Blamage.

Karinkel

Ich lasse ihn einsperren.

Bienemann

Überlegen wir die Sache gut, meine Herren, sonst kann’s uns an den Kragen gehn.

Karinkel

(wild)

Lassen Sie mich in Frieden mit Ihrem Kragen, Sie, Sie ... Unerschütterlicher!

Mettenschleicher

Es gibt nicht viel zu überlegen, hier heißt es handeln.

Bienemann

Also handeln wir.

Karinkel

Tun Sie mir nur den Gefallen, lieber Professor, und empfangen Sie den Präsidenten. Der Zug muß ja jeden Moment eintreffen. Irgend ein Würdenträger muß ihn doch begrüßen. (Das Telephon klingelt.) Großer Gott, was ist denn das schon wieder? (Bienemann eilt zum Telephon.)

Mettenschleicher

Gut ich gehe. (Ab. Ein Polizist tritt unter die offene Tür.)

Bienemann

(am Telephon)

Ja? – Ja! Eine Stunde früher? Danke. Schluß. (Läutet ab.) Der Hoftrain mit dem Prinzen trifft also um eine Stunde früher ein.

Karinkel

(der mit dem Polizisten gesprochen hat)

Also der Kommissär Binder hat den Hockenjos verhaftet und ihn gleich in einen Wagen setzen lassen. Er ist jetzt in der Wachtstube.

Bienemann

Dort kann er nicht bleiben.

Karinkel

Wie sagten Sie? Der Hofzug kommt um eine Stunde früher? Dann ist ja kein Augenblick mehr zu verlieren. Es ist elf Uhr. Mir ist ganz wirblig im Kopf. Wenn ich nur wüßte, wer an alledem schuld ist! (Ausbrechend.) Sie sind schuld, Bienemann! Sie haben seinerzeit die schwindelhafte Todesnachricht in die Zeitung gebracht.

Bienemann

Ich weise Ihre Anschuldigungen zurück. Meine Pflicht ist zu schweigen und zu schreiben, aber nicht den Sündenbock zu machen.

Karinkel

Sie sind ein ganz gefährliches Subjekt.

Bienemann

(verdrossen)

Ich bin kein Subjekt, ich bin ein Prinzip.

Karinkel

Großer Gott, warum hast du mir das angetan! Bienemann, liebster Herzensbienemann, laufen Sie schleunigst auf die Wache. Sehen Sie zu, daß keine Dummheit begangen wird. Keine Menschenseele darf dem Hockenjos nahe kommen. Niemand darf mit ihm sprechen. Nehmen Sie noch ein paar Polizeileute zu Hilfe. Nötigenfalls lassen Sie ihn binden –

Bienemann

In Ketten legen –

Karinkel

Was Sie wollen ... (Man vernimmt Glockenläuten.) Um Himmels willen, mir scheint, der Hofzug fährt schon ein. Ich komme zu spät. (Ab.)

Bienemann

Es ist am besten, wir lassen den Delinquenten hierher transportieren. Hier ist er am sichersten.

Abendrot

Da hawe Se recht, Herr Bienemann.

Bienemann

Rennen Sie hin und sagen Sie es dem Binder.

Abendrot

(zur Tür, lauscht, kehrt um)

Er bringt ihn schon von selber, der Kommissar ...

Bienemann

Na, der Mann denkt wenigstens. Denkende Menschen ersparen einem immer Laufereien. (Hockenjos und Kommissar Binder kommen.)

Binder

So, Meister Hockenjos. Jetzt habe ich Ihren Wunsch, Sie aufs Bürgermeisteramt zu führen, erfüllt, nun müssen Sie sich aber auch ganz ruhig verhalten.

Hockenjos

(großer, breitschultriger Mann. Haar und Bart sind stark ergraut. Er spricht schwer, aber nachdrücklich, in tiefem, meist humoristisch sordiniertem Baß; trägt vernachlässigte Kleider, einen breitrandigen Filzhut)

Der Teufel soll Sie holen, Mann! Können Sie auf eine anständige Art erklären, weshalb Sie mich wie einen Sträfling behandeln, he?

Abendrot

P–scht! p–scht!

Binder

Sie müssen sich den behördlichen Anordnungen fügen.

Hockenjos

Ich füge mich, weil es mir paßt. So steht die Sache. In die Suppe werd’ ich euch schon spucken, darauf könnt ihr euch verlassen. Aber anders als ihr denkt. Wo ist denn der Oberkoch? Ah, Herr Bienemann! Freut mich, Sie zu sehen, Herr Redakteur. Sind Sie jetzt avanciert, weil Sie in der Bürgermeisterkanzlei sitzen?

Bienemann

(schmunzelnd, süßlich)

Sprechen wir nicht von mir, Meister Hockenjos. Die interessante Person sind Sie. Wie kommen Sie denn her? von wo? Sie erscheinen ja wie ... wie ...

Hockenjos

Wie das Gespenst am Hochzeitstag, jawohl. Aber ich fühle mich gar nicht gespensterhaft. Zunächst will ich mich mal – unaufgefordert, Sie verzeihen schon – hier niederlassen. So. Hier sitze ich, ich kann nicht anders.

Bienemann

Bitte sehr. Ruhen Sie sich nur aus. (Zu Abendrot, leise.) Suchen Sie den Bürgermeister auf und sagen Sie ihm, daß ich ihn hier in Gewahrsam halte. Aber Vorsicht! – (Zu Binder.) Sie brauchen nicht hier zu bleiben. Es genügt, wenn Sie im Korridor einen Polizeidiener als Wache aufstellen. Es soll niemand hereingelassen werden. (Während Binder und Abendrot abgehen.) Wie ich aus Ihrem Verhalten schließen darf, ist Ihnen also die ganze Komplikation schon bekannt, Meister?

Hockenjos

Komplikation nennen Sie diese Schurkerei? Auch recht.

Bienemann

Nun, man meint es gut mit Ihnen. Man sorgt für Ihren Nachruhm.

Hockenjos

Hanswurste seid ihr.

Bienemann

Unterschreib ich unbesehen.

Hockenjos

Aber mit meinem Leichnam werdet ihr nicht so kurzen Prozeß haben wie mit meinem lebendigen Korpus.

Bienemann

Ich fürchte. Ich fürchte. Sie waren also in Aßmannshausen bei Ihrer Frau?

Hockenjos

Reden Sie meinetwegen von meinem Nachruhm, Herr, obwohl das ein Gemüse ist, das keinem mehr schmeckt, wenn man’s ihm auftischt, aber von meinem Weib reden Sie nicht. Die Fäuste tun mir noch weh, und das ist alles, was ich an Erinnerung behalten will. Ich sage Ihnen, ein Vieh ist der Mensch. Allerwegen treibt’s ihn zum Stall zurück. Und wenn draußen die beste Weide ist, er denkt bloß an den Stall. Das schönste Futter läßt er liegen, das ihm der Herrgott spendet, und rennt zur Krippe, wo der Bauer spart und mit der Peitsche knallt.

Bienemann

(echt)

Ja, zum Henker, warum sind Sie denn nicht dort geblieben in den wilden Gegenden, wenn es Ihnen schon nicht gefallen hat, das Zeitliche zu segnen? Es wäre besser für Sie und für uns. Jetzt haben wir bloß die Scherereien.

Hockenjos

Glauben Sie, ich hätte den Ehrgeiz, Ihnen Scherereien zu ersparen? Im Gegenteil. Sie werden Ihre blauen Wunder erleben.

Bienemann

(resigniert)

Na, wohl bekomm’s.

Hockenjos

Wie flink ihr seid, einen Toten leben zu lassen, während ihr dem lebendigen Menschen die Haut abzieht!

Bienemann

Mein Gott, die Zivilisation bringt eben manchen Übelstand mit sich. Sind Sie denn nun eigentlich dort unten gewesen bei den wilden Völkern?

Hockenjos

Und ob, mein lieber Herr, und ob! War dabei, wie sechzig wackere Burschen aufgerieben worden sind von den braunen Satansbrüdern, und wäre nicht ein malaiisches Mädchen gewesen, das mich auf Gebirgswegen zur Küste führte, dann könnt ich heute eure Kirchweih dahier nicht stören.

Bienemann

Sie betrachten unsere Angelegenheit etwas zu vergnügt, scheint mir. Da haben Sie wohl große Strapazen erlitten? Aussehen tun Sie ja wie der leibhafte Odysseus.

Hockenjos

Was wollen Strapazen schließlich bedeuten? Ist eine Herrlichkeit, wenn einem die Sonne immerfort bis in den Magen leuchtet. Dort ist der Mann ein Mann. Von Polizei nirgends die Spur. Und Blumen! und Vögel! und Bäume! Da weiß man erst, was Gott der Herr erschaffen, und warum er am siebenten Tag ausgeschnauft hat. Hier guckt einer dem andern auf die Finger, und schockweis fressen sie aus demselben Tiegel. Und ein Eifer, und ein Fleiß, und eine Wichtigkeit, aber ist’s denn irgend jemandem Ernst? Tinte schwatzen sie.

Bienemann

Ganz meine Meinung.

Hockenjos

Sie sind auch so ein Kalfakter.

Bienemann

Verurteilen Sie mich nicht. Ich diene dem Gemeinwohl.

Hockenjos

Gemeinwohl ... ein richtiges Tintenwort.

Bienemann

Durchaus nicht.

Hockenjos

Möchten Sie mir nicht erklären, was Sie unter Gemeinwohl verstehen?

Bienemann

(trocken)

Gemeinwohl ist das, was viele tun müssen, um einen einzelnen zu fördern.

Hockenjos

Der Tausend! Mensch, Sie sind ja ein Zyniker!

Bienemann

Gott sei Dank, das bin ich. Diese Eigenschaft hab ich mir im Umgang mit Leuten erworben, die sich dadurch von mir unterscheiden, daß sie den Begriff Gemeinwohl anders definieren. (Stimmenlärm von der Straße.)

Hockenjos

Jetzt geht’s los da drunten.

Bienemann

Ja. Ich bin nur neugierig, was wir mit Ihnen da oben anfangen werden.

Hockenjos

Ich auch.

Bienemann

Sie haben also keine bestimmte Vorstellung über Ihre zukünftige Rolle bei dieser immerhin ungewöhnlichen Verwicklung?

Hockenjos

Ich? Nein. Ich habe nur nicht die Absicht, mir meinen Platz in der Welt so ohne weiters wegstibitzen zu lassen. Wenn’s auch nur ein ganz lumpiger Platz war, so ein Fünfzigpfennigplatz, auf dem Olymp ...

Bienemann

Das kann ich Ihnen nachfühlen. Als deklarierter Toter lebt sich’s nicht sehr bequem.

Hockenjos

Und noch dazu auf solche Manier deklariert ... (Erregt sich.) Wenn ihr wenigstens das Denkmal von einem anständigen Kerl hättet machen lassen. Aber von diesem Zuckerbäcker, dem Mettenschleicher! diesem Pfründner, der von der Kunst ungefähr so viel versteht wie ich vom Koloratursingen, diesem Eunuchen, der mit seiner Nase immer an den unanständigsten Gegenden prinzlicher Personen schnuppert, – daß ihr mich von dem habt verewigen lassen, das wurmt mich.

Bienemann

Wir haben halt Pech mit Ihnen. Jetzt ist es zu spät.

Hockenjos

Mir wird schon übel, wenn ich das Zeugs da unter den Hüllen sehe. Wahrscheinlich so ein Marzipan-Engel, was?

Bienemann

Natürlich, was glauben Sie denn! Wir werden uns doch die Muse nicht entgehen lassen, die den Künstler auf die Stirne küßt!

Hockenjos

Und mit zwei Flügeln, was?

Bienemann

Zwei Flügel. Ganz richtig. Wie sich’s gehört.

Hockenjos

O, du Schuft!

Bienemann

Achtung, jetzt hör ich den Bürgermeister kommen.

Karinkel

(stürzt in höchster Eile herein)

Das ist er also! (Starrt Hockenjos an.)

Hockenjos

(ironisch)

So echauffiert, Herr Bürgermeister?

Karinkel

Sie spotten wohl? Mir ist gar nicht spötterisch zumut.

Hockenjos

(brüsk)

Was steht dem Herrn zu Diensten?

Karinkel

(wischt den Schweiß von der Stirn)

Es wird Ihnen doch bekannt sein, daß wir eben im Begriff sind, die Enthüllung Ihres Denkmals zu feiern.

Hockenjos

Jawohl. Ist mir zu Ohren gekommen. Das ist auch der Grund, weshalb ich da bin.

Karinkel

(einschmeichelnd)

Sie werden doch einsehn, lieber Meister, daß Sie unmöglich in der Stadt bleiben können.

Hockenjos

Sehe ich ohne weiters ein.

Karinkel

(hocherfreut)

Das lob ich mir. Sie sind ein prächtiger Mensch.

Hockenjos

Gewiß. Man muß bei mir nur den Herzpunkt treffen.

Karinkel

Es wäre ja auch ein Mord, lieber Freund, ein moralischer Mord.

Hockenjos

Ei wieso denn?

Karinkel

Sehr einfach. Jeder, der über diesen Platz an diesem Denkmal vorübergehen wird, eifert Ihnen nach, schaut zu Ihnen hinauf, bringt ebenfalls Großes hervor und nützt so wieder seinen Mitbürgern und der Stadt.

Hockenjos

Das leuchtet mir beinahe ein.

Bienemann

Es ist so klar wie zweimalzwei.

Karinkel

(immer eifriger)

Sie sind heute ... wie alt sind Sie?

Hockenjos

Vierundfünfzig.

Karinkel

Vierundfünfzig. Wie alt wird der Mensch? Siebzig. Sagen wir fünfundsiebzig.

Hockenjos

Gut. Sagen wir fünfundsiebzig.

Karinkel

Wegen dieser erbärmlichen zwanzig Jahre wollen Sie Ihre Unsterblichkeit aufs Spiel setzen?

Hockenjos

Hm ... Finden Sie nicht, daß ein Sperling in der Hand besser ist –

Karinkel

Nein, nein, nein, vom idealen Standpunkt nein.

Bienemann

Durchaus nicht.

Hockenjos

Was habe ich also nach Ihrer Ansicht zu tun?

Karinkel

Sie müssen fort.

Hockenjos

Es haben mich aber doch einige Leute gesehen ...

Karinkel

Das macht nichts; wir geben Sie für Ihren Doppelgänger aus. Wir bringen in der Zeitung eine kleine scherzhafte Notiz. Nicht wahr, Bienemann? Wir nennen ihn Mister Koch aus Pennsylvanien. Hahaha!

Bienemann

Das geht, das geht. »Ein heiteres Spiel des Zufalls fügte es« – und so weiter.

Karinkel

Sie müssen Deutschland verlassen.

Hockenjos

Mit Vergnügen.

Karinkel

Sie müssen Europa den Rücken kehren.

Hockenjos

Mehr kann ich aber unmmöglich für Sie tun.

Karinkel

(glücklich)

Sie sind ein Engel von einem Mann. Mit Ihnen kann man ja ausgezeichnet reden. Da sieht man erst, wie schlecht man im Leben einander kennen lernt.

Hockenjos

Langsam, langsam, bester Herr –

Karinkel

Sie fahren also nach Amerika. Sie benutzen den Schnellzug, der um drei Uhr hier hält. Die Reisekosten –

Hockenjos

Langsam. Jetzt komme ich.

Karinkel

Die Reisekosten zahlen wir selbstverständlich –

Hockenjos

So billig denken Sie mich loszuwerden?

Karinkel

Na ja, man kann noch ein Übriges tun ...

Bienemann

(aus dem Hinterhalt hetzend)

Ein kleines Douceur ...

Hockenjos

Ihre Propositionen haben Sie gemacht. Jetzt will ich die meinen machen.

Karinkel

(ängstlich)

So ... Sprechen Sie nur frei von der Leber weg.

Hockenjos

Wie viel hat Sie der Marmorhaufen da draußen gekostet?

Karinkel

Viel Geld; schändlich viel!

Hockenjos

Na ... dreißigtausend –?

Karinkel

Mehr!

Hockenjos

Also. Ich verlange nur so viel.

Karinkel

(wie mit der Nadel gestochen)

Was? Sie sind toll!

Hockenjos

Kommt denn das gegen die Unsterblichkeit in Betracht, verehrter Bürgermeister?

Karinkel

Mensch, es handelt sich ja um Ihre Unsterblichkeit!

Hockenjos

Mit der Sie ein Geschäft machen wollen. So viel wie Sie für mein Denkmal ausgegeben haben, lieber Herr, habe ich mein ganzes Leben lang mit meiner Hände Arbeit nicht verdient. Ich verkaufe Ihnen meinen Leichnam für weniger Geld als Sie für seine Glorifikation ausgegeben haben. Ist das nicht kulant? Sie haben ja eine Ausstellung meiner Bilder veranstaltet. Sie haben ja allen möglichen blumeranten Quatsch darüber schreiben lassen. Die Bilder gehören Ihnen. Bezahlen Sie sie mir, so daß ich endlich einmal leben kann, denn hierzulande hab ich bis jetzt kein Leben geführt.

Karinkel

(jammernd)

Aber, Mann! was kümmern mich Ihre Bilder!

Hockenjos

Endlich ein Wort aus dem Herzen. Also kurz und bündig, Herr: ist Ihnen meine Willfährigkeit so viel wert oder nicht? Den Hanswurst spiel ich nimmer länger.

Karinkel

(verzweifelt)

Wo soll ich so eine Menge Geld hernehmen? Bienemann helfen Sie mir doch! Überreden Sie ihn doch –

Hockenjos

(greift nach seinem Hut)

Genug geredet. Ich werde jetzt eine kleine Unterhaltung mit meinem – Doppelgänger führen.

Karinkel

Halt! halt! Ich will ja ... genügt eine Sicherstellung des Kapitals?

Hockenjos

Die genügt. (Sehr ernst.) Wenn ich nur was Sicheres habe. Was Sicheres brauch ich jetzt. Brot! Und Frieden.

Karinkel

(das Folgende sehr rasch)

Man muß eine Anleihe aufnehmen.

Bienemann

Gibt es keine geheimen Fonds?

Karinkel

Wenn wir nur ein paar reiche Juden hätten ... (Beißt sich in die Finger.)

Bienemann

Zu überlegen ist keine Zeit.

Karinkel

Ich habe eine Idee. Ich beantrage im Gemeinderat den Bau eines Hockenjos-Museums, und das Geld verwend’ ich einstweilen, um den Mann zu befriedigen.

Bienemann

Vortrefflich. Rechnen Sie auf mich.

Hockenjos

(am Fenster, mit Blick gegen das Denkmal)

Da faseln sie von Kunst. Von Kunst faseln sie, die Hunde. Ruhm! Ha. Mich verlangt nach keinem Ruhm. Selbst wenn’s ernst damit wäre. Alle Vorbehalte gehn dabei flöten. Ich will meine Vorbehalte haben. Will nicht von jedem Narren angesturt werden. Da ist man ja wie das Tor von einem Pfandhaus. Ich pfeif auf die Kunst. Sie ist viel zu groß für den schwachen Schädel. Kannst du den Großen groß sein? Die wandeln im Elysium, während du im Dreck kutschierst. Nützlich muß man sein. Und kaltblütig. Adieu, Städtchen! Dieses Amerika ist ja bloß ein paar Stunden weit von hier. Am Samstag, eh ich sterbe, komm ich mal übern Sonntag herüber.

Karinkel

(hat die Tür geöffnet, Abendrot hereingewinkt und mit ihm lebhaft geflüstert. Abendrot nickt mehrmals und geht wieder hinaus, Karinkel zu Hockenjos)

Vom Fenster weg, um aller Heiligen willen!

Hockenjos

(gemächlich)

Aber lieber Herr, wer denkt denn da drunten an mich!

Karinkel

Also, es wird alles geordnet. Nur noch eine Bedingung habe ich zu stellen.

Hockenjos

Die wäre –?

Karinkel

Sie müssen sich den Bart abrasieren lassen.

Hockenjos

Wenn es sein muß – (Abendrot kommt mit einer Seifenschüssel, Pinsel und Rasiermesser.)

Karinkel

Es muß sein. Ich habe schon mit Abendrot gesprochen. Er versteht sich auf die Hantierung. Wir dürfen keinen Fremden mehr ins Vertrauen ziehn.

Kommissär Binder

(kommt)

Herr Bürgermeister, es ist die höchste Zeit. Der Herr Professor Mettenschleicher führt soeben Seine königliche Hoheit zum Festplatz.

Karinkel

Ich komme.

Bienemann

(am Fenster)

Das Volk ist schon versammelt.

Karinkel

Geben Sie mir das Konzept meiner Rede, Bienemann.

Bienemann

Jaso, die Festrede. Hier. (Reicht ihm das Manuskript.)

Karinkel

Wie seh ich aus?

Bienemann

Tadellos.

Karinkel

Ist es wahr, Binder? Keine Flecken?

Binder

Da am Knie ist ein Spritzer ... (Bückt sich, reibt.)

Bienemann

Von der Bratensauce.

Karinkel

Schnell, schnell. Kommen Sie, Binder. Und Sie Bienemann, bleiben hier und passen gut auf. (Ab mit Binder.)

Abendrot

Wolle Se gefälligst Platz nehme, Herr?

Hockenjos

(setzt sich; zu Bienemann)

Sie sind also der Verfasser der Festrede?

Bienemann

Jawohl. Ich bin des Bürgermeisters Tintenfaß. Er verschwendet geradezu meinen Geist. Eines Tages werde ich wegen Gehirnschwund der Armenkasse zur Last fallen. Vielleicht bekomm ich dann auch einen Denkstein. Die Inschrift wird lauten: Dem treuen Hohlkopf Bienemann sein väterlicher Blutegel Karinkel.

Hockenjos

Der Mann ist sehr strebsam.

Bienemann

Strebsam, ja; das ist er. Für mich ist er vorbildlich. Geradezu ein Gattungsbegriff. Er war ein einfacher Schneider.

Hockenjos

(bereits mit abgeschnittenem Bart)

Davon hat er was beibehalten.

Bienemann

Die ganze Stadt könnte man Karinkelei nennen. Der Schneider siegt auf der ganzen Linie.

Hockenjos

Sie sind bitter.

Bienemann

Bitter und (mit Blick auf Abendrot) unvorsichtig. (Musiktusch von draußen.) Aha, der Prinz!

Hockenjos

Na, Abendrot, was denken denn Sie bei dem Rummel?

Abendrot

(einseifend)

Ich hab mer nie Gedanke gemacht über meine vorgesetzte Behörde.

Stadtrat Hannewickel

(tritt ein; ein schlottriger, schwerhöriger Greis)

Entschuldige die Herre, ich möcht mir die Festlichkeit von owe ansehe. (Stutzt.) No, no, was isch denn das?

Bienemann

(ihm ins Ohr schreiend)

Ein berühmter Zeitungsberichterstatter aus Amerika, Herr Stadtrat. Hat Eile, will dem Prinzen vorgestellt werden. Muß sich hier rasieren lassen. Mister Koch – Herr Stadtrat Hannewickel.

Hannewickel

Merkwürdig, merkwürdig ...

Hockenjos

How do you do, Sir?

Bienemann

(ihm ins Ohr)

Er erkundigt sich nach Ihrem Befinden.

Hannewickel

Dank schön. Dank schön. (Geht ans Fenster, öffnet es.)

Stimme Karinkels

Zum ersten Mal tritt die hohe Aufgabe an uns heran, dem Namen eines Mitbürgers zu huldigen, eines Mannes, der in unserem engsten Kreis gestrebt und geschaffen hat, eines großen, gottbegnadeten Künstlers.

Abendrot

Sie müsse den Kopf e bissele rechts halte ...

Stimme Karinkels

Wir sehen noch im Geist seine herrliche Gestalt durch unsere Gassen schreiten, wir können sein feuriges Auge nicht vergessen, wir spüren noch mit Ehrfurcht den Hauch seiner Gegenwart, die uns erhoben und über den Alltag entrückt hat ...

Hockenjos

Daß dich der Satan beiße ...

Abendrot

Nu müsse Se ’n Kopf e bissele links halte ...

Hannewickel

(zu Bienemann)

Wie heischt jetz der Künschtler, dem Se’s Denkmal g’setzt hawe?

Bienemann

(schreit ihm ins Ohr)

Hockenjos!

Hannewickel

Richtig. Ich hab halt gar koi Gedächtnis mehr. Drei Sachen kann i mir überhaupt nimmer merke. Erschtens Zahlen. Zweitens Namen. Drittens ... Herrjeses, ’s dritte haw’ i vergessen.

Karinkels Stimme

Der Ruhm seines lichtstrahlenden Pinsels wird durch die Zeiten schimmern und unsern Söhnen ein Vorbild sein – – – –

(Der Vorhang fällt.)

Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf Grundlage der Erstausgabe erstellt. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

S. 021: sind die Geschehnisse wie Träume .. → ...

S. 021: Erzähle, Fedor Alexandrowitsch .. mir → ...

S. 050: die um Iwan wissen .. → ...

S. 062: Gleich darauf → (Gleich darauf)

S. 076: Die schönste die vornehmste → schönste, die vornehmste

S. 098: Händen anf dem Rücken → auf

S. 099: konnt’ es doch nicht durft’ es doch nicht kommen → nicht, durft’

S. 173: geht nruhig auf und ab. → unruhig

S. 174: Pünklichkeit → Pünktlichkeit

S. 193: Herrlicheit → Herrlichkeit

S. 277: Begriff Geweinwohl → Gemeinwohl

Transcriber’s Note: This ebook has been prepared from scans of a first edition copy. The table below lists all corrections applied to the original text.

p. 021: sind die Geschehnisse wie Träume .. → ...

p. 021: Erzähle, Fedor Alexandrowitsch .. mir → ...

p. 050: die um Iwan wissen .. → ...

p. 062: Gleich darauf → (Gleich darauf)

p. 076: Die schönste die vornehmste → schönste, die vornehmste

p. 098: Händen anf dem Rücken → auf

p. 099: konnt’ es doch nicht durft’ es doch nicht kommen → nicht, durft’

p. 173: geht nruhig auf und ab. → unruhig

p. 174: Pünklichkeit → Pünktlichkeit

p. 193: Herrlicheit → Herrlichkeit

p. 277: Begriff Geweinwohl → Gemeinwohl

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