Note 36 — FÜNFTER THEIL ZWEITES BUCH DER PAARE
Karl Eugen Neumann translation
sotāpatti, die Hörerschaft, nicht von √sru, sondern von √śru, daher sotāpanno und ohitasoto: Der gehört hat und Der offene Ohren hat. — Vergl. MN vol. I. p. 169, 172, 445, 480, 512. SN vol. II. p. 68–70, vol. IV. p. 138, No. 152 (aññatra anussavā), AN vol. I. p. 198 No. 6, vol. II. p. 116 f. und ib. 185 sotānugato, DN vol. I. p. 230 f., Mahāparin. p. 39. Ein sotāpanno ist schon der sāvako: nämlich der sutavā ariyasāvako ariyānaṃ dassāvī; im SN vgl. II. p. 43 noch deutlicher genannt dhammasotaṃ samāpanno.
Bei dem hohen Werthe des gesprochenen Wortes, der selbst vor der kleinsten Rede durch die Versicherung Evam me sutam bekräftigt wird, könnte das Buddhavacanam wohl auch als Sutapiṭakam gelten. Vom sutantiko zum suttantiko = śrutvāntikas wäre der Schritt jedenfalls näher als zum sottantiko = sautrāntikas, zumal für unseren Kanon nicht leicht etwas unzutreffender sein kann als der Begriff des sūtram, und nichts zutreffender als der des sutam. Es spielt keine Rolle, wenn gelegentlich einmal, wie Vinayapiṭ. vol. III. p. 8 f. (cf. Dhp. vv. 44, 45), von der Lehrmethode als von dem die Blumen zusammenhaltenden Baste, suttam, gesprochen wird, was nicht mehr und nicht weniger als ein Gleichniss wie hundert andere sein will. Ein dunkles Gefühl der Sache, sprachlich bedingt und rückgedeutet, lässt sich bei Asoko und Späteren mehr vermuthen als nachweisen: cf. Epigraphia Indica vol. II. p. 105 No. 79, p. 106 No. 80, p. 400 No. 59. — Die Sprache aber war die Magadhās, und zwar die gewählte Rede, nicht der schwankende Kanzleipatois der Edikte. Und dass dieses unser Pāli wirklich von Magadhā bis nach Zeilon herab rein überliefert wurde, dafür gewährt uns die Stelle Cullavaggo p. 139 starken Anhalt. Zwei Jünger, früher brāhmanische Gelehrte, wird da erzählt, wollen das Buddhavacanam in gebundenes Saṃskṛt übertragen. »Denn es giebt jetzt viele Jünger, aus den verschiedensten Kasten und Ständen: die verderben das Meisterwort in seiner Sprache« — trüben seine Reinheit, meinen sie; in vedischem Saṃskṛt bliebe es Unberufenen unzugänglich. Der Meister aber weist den Vorschlag ab und sagt: Anujānāmi bhikkhave sakāya niruttiyā buddhavacanam pariyāpuṇitum, ‚Das Meisterwort, ihr Mönche, soll in seiner Sprache gelernt werden.‘ Das ist die richtige Uebersetzung, und nicht wie OLDENBERG meint, jeder solle in seinem eigenen Dialekt die Lehre lernen (Vinayapiṭ. vol. I. p. XLVIII, Sacred Books East vol. XX. p. 151, Buddha 2 p. 192). Wäre dies gemeint, dann müsste die Klage der brāhmanischen Jünger lauten: te sakāya sakāya niruttiyā buddhavacanaṃ dūsenti oder te puthu sakāya n0 oder te sakāhi niruttīhi0 oder te nānāniruttīhi0 oder ähnlich. Der klare Wortlaut aber ist te sakāya n0, und der ist frei von jeder Zweideutigkeit, kann sich lediglich auf buddhavacanam beziehn, wie es übrigens die Tradition, grammatisch freilich ungenügend, stets gethan hat.
Durch das gehörte, verstandene Wort wurde also der Kanon, bis zur Fixierung, mündlich bewahrt. Der schon längst vorher in Indien gepflegten Schrift haben sich weder der Meister noch die eigentlichen Jünger bedient, wie dies eben in der Art ihres Ordens begründet war. Mag dieser immerhin brahmacariyaṃ saṉkhalikhitam (MN I, 179, 267, DN I, 63, passim) genannt worden sein: der Ausdruck ist älter als der Buddhismus und von den Brāhmanen überkommen, vergl. Vorrede p. XX. — Zur Erklärung des letzteren Begriffes sei hier noch erwähnt, dass saṉkhalikhitam, Punkt für Punkt, wörtlich heißt: der Reihe nach geschrieben; cf. MN I, 105 ff. saṉkhā pi, erst nach einer Reihe (von Tagen, Gegensatz: yāvajīvam 106, 108), auch 109 I. 3 v. u. ff., und P. W. 1 s. v. śaṉkha No. 5 (mahāśaṉkha No. 3), das, prākṛtisch wie es ist, eher zu saṉkhya als zu κογχη etc. gehört. Zwar liefert nun die Tradition auch hier, wie oft, eine richtige interpretatio finalis, aber das etymologische Verständniss ist ihr, schon seit dem 12. Buche des Mahābhāratam, total abhanden gekommen: die Geschichte von den altehrwürdigen Gesetzgebern Saṉkhas und Likhitas verdient, trotz der je unter einem der beiden soi-disants Namen zusammengestellten, hier und da recht alterthümlichen längeren, bez. kurzen Vaiṣṇavasaṃhitā, gewiss nur ebenso viel Glauben wie die vom Reliquienschäffler Doṇo, Mahāparin. p. 69. Jene uralten, wahrscheinlich praehistorischen Symboloiden aber, das cakram, die caityās, der svastikas, padmas, śeṣas, śaṉkhas (vergl. bes. BÜHLER, Ep. Ind. vol. II., p. 323, I. 8–12), kommen hier, als dem Geist und der Form durchaus widersprechend, nicht in Betracht. Mysteriolemmata und Mahāmudrās haben im Theravādo keinen Platz gefunden.