Erster Teil.
Reading edition
Wasseranwendungen.

Abhärtungsmittel.
Motto: Des Leibes dauernd Wohlsein ist Nur dadurch zu erreichen, Daß man zwei Mittel nicht vergißt: Abhärten und Abweichen.
1.
Bei Mitteln, die verordnet werden, Um unsern Körper abzuhärten, Muß namentlich das Barfußgeh’n In allererster Reihe steh’n. Mir ist, als ob uns im Instinkte Natur oft mit dem Zaunspfahl winkte; Bedenkt nur, wie die Kinder streben, Sich diesem Labsal hinzugeben! Bedauernswerter Städterfuß, Der stets gefesselt wandeln muß, Geschnürt in Schuh’, gepackt in Strümpfe, Damit man nicht die Nase rümpfe. Doch, ein Verständiger hilft sich immer, Und wär’s auch nur auf seinem Zimmer, Der Brite, das weiß jeder Quastl, Sagt treffend: »Mei haus is mei kastl!« Das heißt auf deutsch, wenn einer fragt: Zu Haus thu’ ich, was mir behagt. Wohlauf drum, barfuß ungeniert Im Schlafgemach herumspaziert! Sowohl des Morgens in der Fruh, Als abends, eh’ du gehst zur Ruh’, Benütze dieses Mittel fleißig, Von zehn Minuten bis zu dreißig. Es wird nicht eher besser werden, Bis ihr beginnt, euch abzuhärten!
Anmerkung.
Hier möcht’ ich gerne bei den Müttern Ein altes Vorurteil erschüttern. Wie sündigt man mit Wärmeflaschen, Und sucht das Kind recht warm zu waschen — Wie hüllen sie die Kinderlein Gleichsam in wollene Öfen ein, Wie glauben sie, dem Wurm zu nützen, Wenn sie vor frischer Luft ihn schützen! Ja, man verhüllt ihm Mund und Hals, Und oft das Näslein ebenfalls. Bedenkt, daß die erschlaffte Zeit, Verzärtelt wird durch Weichlichkeit! Es wird nicht eher besser werden, Bis ihr beginnt, euch abzuhärten.
2.
Sehr wirksam ist und macht viel Spaß, Das Barfußgeh’n im nassen Gras. Das nützet Kranken und Gesunden Und währt 1–3 Viertelstunden. Alsdann mußt du von Sand und Steinchen Und Halmen deine Füße reinigen, Doch darfst du sie nicht trocken reiben — Die Füße müssen näßlich bleiben, Doch dann natürlich — zur Vermeidung Von Schnupfen — trockene Fußbekleidung! Und geh’ an steinbelegten Orten, Bis deine Füße warm geworden!
3.
Fehlt’s wem an Gras, so sei gefaßt er, Und such’ dafür ein steinern’ Pflaster, In Küch’ und Hausgang oder wo — Das thut die Dienste ebenso. Darüber wandle unverdrossen, Nachdem kalt Wasser vorgegossen. Bei solchem Aufguß nicht vergeß’ ich, Oft beizumischen etwas Essig. Zum Schluß befolg’ noch alles das, Wie nach dem Geh’n im nassen Gras.
4.
Sehr wirksam ist und thut nicht weh’ Das Barfußgeh’n in frischem Schnee. Man hat dies Narretei benannt — Allein so spricht der Unverstand. Brennt’s dich auch an die Zehenglieder — Nur herzhaft! Das vergeht schon wieder! Die 17jährige Helene Beklagt sich über Schmerz der Zähne. »Tritt 5 Minuten frischen Schnee, Dann thut dir wohl kein Zahn mehr weh’!« Das Mägdlein folgte augenblicklich, Und sieh’, der Schnee hat nicht betrogen; Nach 10 Minuten sprach sie glücklich: »Das Zahnweh ist wie weggeflogen!« Thut einer frösteln oder frieren, Der darf’s natürlich nicht probieren; Nur bei normal gewärmtem Leib Versuch’ er diesen Zeitvertreib. Zum Schluß befolg’ er alles das, Wie nach dem Geh’n im nassen Gras.
5.
Gar sehr ist Geh’n bis an die Waden Im kalten Wasser anzuraten. Wer sich mit solcher Kur beschäftigt, a) Der wird bald allgemein gekräftigt, b) Es nützt den Nieren und der Blase, c) Und wirkt befördernd auf die Gase; d) Und ist der Kopf recht eingenommen, So wird ihm dieses Mittel frommen. Sind 5–6 Minuten um, Zieh’ warm dich an und geh’ herum.
6.
(Arm- und Fußbad.)
Sobald wir die Extremitäten Minutenlang ins Wasser thäten, Verspürten wir an Arm und Fuß Viel Besserung und Hochgenuß. Derartige Übung wirkt viel Gutes, Durch Umlaufsteigerung des Blutes.
7.
Als letztes Mittel, welches stählt, Sei noch der Knieguß aufgezählt. Er ist es, den ich hier begrüße Als den besondern Freund der Füße. Er macht das träge Blut recht munter, Und lockt’s ins kalte Bein hinunter.

Wasseranwendungen.
Die Wasserkur als Heilungsmittel Zerfällt in sieben Hauptkapitel.
A. Aufschläger.
Aufschläger werden angewandt Sehr gut mit grober Sackleinwand. Das große Leintuch mehrfach falte, Damit es eine Form erhalte, Die von dem Hals die ganze Strecke Bis an den Unterleib bedecke; Auch seitwärts links und rechts desgleichen, Soll’s noch ein Stück hinunterreichen. Hat man die rechte Form gefunden, Wird’s in kalt’ Wasser ausgewunden; Der Kranke, der im Bette leidet, Bekommt es über sich gebreitet; Dann schließe rasch mit dicker Decke Ganz luftdicht ab die ganze Strecke, Und wieder über diese endlich Das Federbett noch selbstverständlich. Aus Vorsicht leg’ ich ebenfalls Ein Tuch gewöhnlich um den Hals, Dann kann es nie der Luft gelingen, Von oben her noch einzudringen. Man muß dabei recht achtsam sein, Sonst tritt gar leicht Erkältung ein. Man liege also eingewunden Im Bette bis ¾ Stunden; Ist eine Stunde höchstens um, Zieht man sich an und geht herum. Vermag dies einer nicht zu thun, So kann er auch im Bett noch ruh’n. Dies Mittel, also angewandt, Wird Oberaufschläger kurz benannt: Es wird aus Unterleib und Magen Versessene Gase rasch verjagen. Der Unteraufschläger wird genommen Um auch dem Rücken beizukommen, Denn Rückenschmerz ist kein Genuß, Am wenigsten der Hexenschuß Vor Feuchtigkeit das Bett zu schützen, Wird eine Unterlage nützen; Auf diese wird das Tuch gebreitet, Das man wie oben zubereitet. Der Kranke legt sich obendrauf Und paßt auf seine Uhr schön auf. Das Weitere, sowie Vorsicht endlich, Ist grad wie oben selbstverständlich. Auflage auf den Unterleib. Es liegt ein Patient im Bett, Der gern was gegen Krämpfe hätt’! Auch ist ihm so ein Druck des Magens Ein Grund beständigen Mißbehagens. Der Arme eine Auflag braucht, Die gegen seine Schmerzen taugt. Ein Linnentuch zusammenlegend, In Wasser ausgewunden, Bedeck’ er seine Magengegend, Und was noch weiter unten. Auch Essig, oder sonst ein Sud, Von Zinnkraut, Haberstroh, thut gut.
Anmerkung.
Sehr häufig pflegt man mich zu fragen: »Was hältst du von den Eisauflagen? Und ist nicht auch gewissermaßen Empfehlenswert das Aderlassen?« Drauf sag’ ich ein- für allemal: Die Eisauflagen sind brutal. Bedenke: Drin ist’s glühend heiß, Und außen drauf ein Berg von Eis, Und mitten zwischen Eis und Glut Der zarte Stoff von Fleisch und Blut In Leidensqual ganz eingekeilt — Wird so ein krankes Glied geheilt? Ist’s gut — statt Hilfe mild zu bringen — Gewaltsam die Natur zu zwingen? Zwar wirkt es scheinbar oft ersprießlich — Sehr schlimm sind doch die Folgen schließlich. Es kann in allen Körperteilen Das Wasser jede Hitze heilen. Damit ist aber nicht gesagt, Wenn dich im Kopf die Hitze plagt, Du müßtest nur auf deine Glatzen Beständig kalte Aufschläg’ batzen — Die Hitze läßt sich so nicht heilen, Versuch’, das Blut erst zu verteilen, Greif’ erst ’mal bei den Füßen an Und rück’ allmählich weiter dann! Als and’res Mittel in der Regel Empfiehlt man Aderlaß und Egel. Auch dieses Mittel ist nicht gut: Der Mensch hat nie zu viel an Blut. Natur hat ihm fürs ganze Leben Ein Quantum Blutsaft mitgegeben, Das als Essenz, als Grundstock gilt, Aus dem die Blutbereitung quillt, Weshalb du jeden Blutverlust, Als Lebenskürzung, meiden mußt. Blutbildung, die man künstlich schafft, Hat keine wahre Lebenskraft. Der Enkel Schwächlichkeit und Blässe Verdammt des Ahnherrn Aderlässe. Hat je, wenn ’s Öl versiegt, ein Docht Noch länger fortzuglüh’n vermocht? Selbst wenn dich Schlaganfall bedroht, Folgt gern dem Aderlaß der Tod.

B. Bäder.
1.
Des Fußbad’s doppelte Gestalt Ist einmal warm und einmal kalt. a) Man steht in kalten Wasserfluten, So etwa 1–3 Minuten, Und zwar ist dringend anzuraten: Teils an, teils über deine Waden! Dies Mittel dient in kranken Zeiten, Das Blut vom Kopf hinabzuleiten. Derweil es dem Gesunden Kraft Und Munterkeit und Schlaf verschafft. b) Ein warmes Fußbad ist nur gut Für Leute, welche arm an Blut, Nervöse, oder Frau’nspersonen; Es wirket bei Congestionen, Und wenn das Blut im Umlauf stockt, Wird’s in das Bein hinabgelockt. Hiezu bereit’ ein Wasser dir, Bis 26 Reaumür, Holzasche drein zwei Handvoll thu’, Und eine Hand voll Salz dazu. Dies wende 12 Minuten an, Auch 15, wer es leisten kann. Heublumenfußbad ist zu raten Bei Fußschweiß oder Quetschungsschaden, Kurz, wenn am Fuß sich eine Art Von Säftefäulnis offenbart; Nichts wirkt bei Fußverknorpelung so, Als warmes Bad von Haberstroh; Auch Podagra und Eiterwunde Braucht solches Bad ’ne halbe Stunde. NB. Ein warmes Sitzbad ist von Blei, Wenn keine Mischung sonst dabei. Dies Fußbad gab dem Goethe wohl Die schönen Worte ein: »Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll, Netzt’ ihm das nackte Bein.«
2.
Ein Vollbad ist oft zu brutal, Ein Fußbad wirkt nicht allemal, Drum ist ein Halbbad gar nicht selten, Und hat als Mittelding zu gelten. Und fragst du, welcher Art es sei, So merk’ dir hiemit dreierlei: Man steht zuerst bis zu den Knie’n, Auch höher, in dem Wasser drin; Und zweitens kniet man, und zuletzt Hat man sich gar hineingesetzt, So daß der Wasserstand vielleicht, Bis an die Nabelgegend reicht. Die ersten werd’ ich immer wählen, Um schwächliche Natur zu stählen, Das dritte aber unter diesen Sei hier besonders hochgepriesen: Es nützet Kranken und Gesunden, Sehr viel im Unterleibe unten. Ihr Armen, denen Hämorrhoiden Und sonstiges Übel ist beschieden, Was oft den Menschen zwickt und drückt, Und manchmal gar den Geist verrückt — Benützet dieses Mittel fleißig! Es währet der Secunden 30 — Vermeidet, mehr als 3 Minuten Euch solches Halbbad zuzumuten! Und ein’s hätt’ ich vergessen bald: Ein Halbbad sei beständig kalt.
3.
Ein Sitzbad, das ich sehr belobige, Hat gleiche Dauer wie das obige, Indes man sich bei diesem Bad Nur soweit zu entblößen hat, Daß man zur Heilung seiner Übel Gut sitzt in einem flachen Kübel. Wer nachts, wenn er im Bett erwacht, Sich an ein solches Sitzbad macht, Und rasch dann ungetrocknet wieder Ins Bett sich legt zum Schlafen nieder, Der findet eine süße Ruh’, Und fühlt sich munter in der Fruh.
Wer je dies Kneippkapitel las, Wer je die leidensbangen Nächte Zur Linderung im Kübel saß, Der kennt des Wassers Segensmächte. Es macht nicht nur den Körper rein, Es läßt den Kranken fröhlich werden; Dann wird er bald gesünder sein, Und fühlt sich wieder wohl auf Erden. Ein warmes Sitzbad ist geboten Bei schlimmen Hämorrhoidenknoten, Bei Mastdarmfistel und so weiter; Doch stets bedarf’s dabei der Kräuter. Das Zinnkrautsitzbad thu’ probieren, Plagt Krampf und Rheuma Blas’ und Nieren; Auch gegen Stein- und Harnbeschwerden Kann’s vorteilhaft verwendet werden. Hat einer Gicht und Haberstroh, Verwend’ er letzteres ebenso. Heublumenbad verordnet Kneipp Bei Stauungen im Unterleib.
4.
Das Vollbad fordert viel Gewässer Und ist, je kürzer, desto besser. Man muß dabei sich möglichst sputen, Es währt ½ bis 3 Minuten. Das Vollbad muß genommen werden, Um unsern Körper abzuhärten. Mich kann ein armer Teufel dauern, Der gar nicht abgehärtet ist. Und bei den kleinsten Regenschauern Das Wolltuch und den Schirm vermißt, Dem jedes Lüftchen, welches weht, Gleich Lunge, Hals und Kopf verdreht. Der Baum steht dort auf freiem Felde, Er trotzt dem Wetter und dem Wind, Dieweil ihm Hitze, Sturm und Kälte Nur etwas längst Gewohntes sind. Das Vollbad nimm — du glaubst es kaum, Bald gleichst du jenem starken Baum! Der Schwächling, der beim Stubenhocken Sich über jeden Zug beklagt, Dem seine besten Säfte stocken, Der nie sich vor die Thüre wagt, Spürt bald durch Waschung oder Baden Vom Wetter nicht den kleinsten Schaden.
Wer schwitzet, mag getrost sich baden; Dem Frierenden bereitet’s Schaden. Das Vollbad wirket wahre Wunder Am Leibe Kranker und Gesunder. Selbst Fieber bis zu 40 Grad Wich solchem kalt benützten Bad. Ein warmes Vollbad soll allein Gesunden nicht gestattet sein, Es öffnet alle Poren weit, Dann dringet Luft ein, ihm zum Leid. Warmbäder meide d’rum, wenn solchen Nicht kalte Waschungen noch folgen, Da sich die Poren wieder schließen, Wenn wir kalt Wasser drüber gießen. Man darf im Warmbad — soll es nützen — Kaum eine halbe Stunde sitzen, Dann sei man klug und steig alsbald Rasch in ein and’res, welches kalt. Dies dauert höchstens 1 Minute Und kommt dem Körper sehr zu gute.

Lyrisches Intermezzo.
Es hat in Deutschland mancher Zu dichten schon begonnen, Nachdem er erst vergeblich Auf etwas sich besonnen. Des Weltenschmerzes Thränen In dunkle Lieder träufeln, Das bleibt als letzter Ausweg Den meisten armen Teufeln. Die Schmerzen all’ zu schildern, Wird Lied auf Lied gefeilt — Warum besang noch keiner, Wie man die Schmerzen heilt? Habt ihr noch nie erwogen, Warum wohl dem Parnaß Ein Wasserquell entsprudelt? Sagt, was bedeutet das? Ich hab es längst erwogen, Drum kam ich auf die Spur; Der höchste Stoff der Dichtung Sei: Lob der Wasserkur!

Durch Wasser wird der Leib gestählt Und die Gesundheit besser; Gilt dieses Urteil ebenfalls Vom Mineralgewässer? Das Mineralbad bringt dem Leib So wenig einen Nutzen, Als wolltest du ein Silberzeug Mit grobem Sande putzen. Gar mancher reist in’s Luxusbad Der lieben Besserung wegen Und läßt die Börse und den Leib Sich unbarmherzig fegen. Das Mittel ist brutal und streng, Und schadet oft unsäglich. Drum bleib’ im Lande, nähre dich, Und bade dich tagtäglich!
5.
Badet jemand in der Eil’ Einzeln einen Körperteil, Etwa Auge oder Hand, Wird es Teilbad zubenannt. Namentlich empfiehlt es sich: Wasch’ die Kopfhaut säuberlich!

C. Dämpfe.
Wenn einer heißes Wasser gießt In ein Gefäß, das er verschließt Mit einem Deckel, daß nicht leicht Zu früh der Wasserdampf entweicht, Und dann, nachdem er diese Gelte Vor sich auf einen Stuhl hinstellte, Bis an den Nabel sich entkleidet, ’Ne wollene Decke überbreitet, Die ihn vom Kopfe bis zum Fuß Grad wie ein Zelt umschließen muß Und auch den Kübel mit umhüllt, — Dann hat er alles gut erfüllt, Entfernt den Deckel, faßt die Enden Des Kübels fest mit beiden Händen, Und beugt dann ohne Zeitverlust Dem Dampf entgegen Hals und Brust, Darf selbst in Auge, Mund und Nasen Den Dampf womöglich strömen lassen. Er trotze so des Dampfes Gluten Bis 20 oder mehr Minuten. Sobald der Kopfdampf so beschlossen, Wird rasch der Leib kalt abgegossen. Es hat für Ausschlag, Ohrenfließen Und Kopfgeschwulst sich gut erwiesen. Der Leibstuhldampf, der Fußdampf auch Sind je nach Notdurft im Gebrauch.

D. Gießungen.
Es gibt auch Kranke, die mit Güssen, Sich meistenteils kurieren müssen.
1. Knieeguß.
Bis übers Knie entblöß’ die Füße Und stell’ sie in die Wanne, Dann sorge, daß man sie begieße Mit einer Blechgießkanne.
2. Oberguß.
Wer zu den Obergüssen schreitet, Sei bis aufs Beinkleid ausgekleidet, Ein weiter Kübel wird ihm nützen, Darein soll er die Hände stützen, Damit das Wasser, das man gießt, Vom Rücken in den Kübel fließt. Man merke, daß der Oberguß, Stets nach dem Kopfdampf kommen muß. etc. etc. etc.

E. Waschungen.
Man wäscht sich täglich das Gesicht, Warum den ganzen Körper nicht? Des Morgens ist nach solchem Bade Sehr nützlich eine Promenade. Ganz unnütz ist — drum laß es bleiben — Den Körper erst noch abzureiben.

F. Wickelungen.
Bei Halsentzündung, Schlingbeschwerden Kann Wickelung verwendet werden. Ein weiches Tuch, kalt ausgerungen, Wird mehrmals um den Hals geschlungen, Ein zweites Handtuch, das man nimmt, Ist trocken, und dazu bestimmt, Das erste gänzlich zu umschließen; Und endlich lass’ dich’s nicht verdrießen, Und wickle alles obendrein Mit einer woll’nen Binde ein. Zu diesem Mittel muß man schreiten, Um Blut und Hitze abzuleiten. Doch wenn am Gliede, das entzündet, Der Wickel sich zu lang befindet, So wirkt er Schlimmes anstatt Gutes Durch Häufung des erhitzten Blutes. Für Brust und Rücken allemal Dient mir der sogenannte »Shawl.« Dem Fuß dient ein Paar nasse Socken, Darüber ein Paar welches trocken. Den Unterwickel nennet Kneipp Den Wickel für den Unterleib. Sobald von Heilungsdrang erfüllt, Der Mensch in nasses Tuch sich hüllt Vom Herzen bis zum Knie hinunter Und d’rinn verharrt ein Stündlein munter, So hat er, luftdicht zugedeckt, Den kurzen Wickel selbst entdeckt. Hat einer Krampf und ist vergrämt, So schlüpf’ er in ein nasses Hemd. Wenn ich den ganzen Leib behandel’ Mit Wicklung, ist’s der spanische Mantel. Es kommt gar manchem spanisch vor, Doch wohl dem, der ihn auserkor! Verstehst du’s nicht, so rat’ ich nur: Studiere selbst Kneipp’s Wasserkur.

G. Trinken des Wassers.
Kommt ein Bissen uns’rer Nahrung In den Magen zur Verwahrung, Machen sich die Magensäfte Alsobald an ihr Geschäfte Und durchdringen diesen Brei, Daß er leicht verdaulich sei. Aber trinkt man unterdessen Unvernünftig in das Essen, Wird verdünnt der Magensaft Und verliert an Wirkungskraft. D’rum ermahnet Meister Kneipp: Trinke nicht zum Zeitvertreib, Trinke nicht hinein ins Essen, Trinke nicht als wie besessen, Trinke nicht Getränk der Prasser, Trinke, wenn dich dürstet, Wasser!

Zugabe zum Essen.
Fern im schönen Land der Hindus In dem Stromgebiet des Indus, An dem Strand des gelben Ganges Gibt’s der Himmelswunder manches — Schädelgroße Edelsteine Kollern einem um die Beine, Massenhaftes Gold und Perlen Find’st du bei den ärmsten Kerlen — Nur kein Rindfleisch ißt man freilich, Denn das wäre unverzeihlich; Aber dafür kocht man Reis, Den man sehr zu schätzen weiß. Kurz und gut, ich sag’s summarisch: Dorten lebt man vegetarisch. Zwar ein Münchener comme il faut Würde dorten niemals froh; Denn falls er sich dort erdreistete Und sich einmal Kalbfleisch leistete, Wie im kalbfleischfrohen München, Würden ihn die Hindus lynchen; Und falls er sich wollt’ entwöhnen Und des Fleisches ganz entraten, Würd’ er sich zu Tode sehnen Nach den guten Nierenbraten, Nach den mächtigen Kälberhaxen, Wie sie nur in München wachsen. Und nun möchten manche wissen, Wie sie sich verhalten müssen, Ob nicht Würste, Fleisch und Braten Uns’rem lieben Körper schaden, Oder ob man Obst und Kohl Unablässig essen soll? Laß die Kämpfer beider Seiten, Gegenseitig weiter streiten, Hör’ getrost den beiden zu, Iß Gemüs’ — und Fleisch dazu!
Schluß des ersten Teiles.

Zwischenakt.
Die Hausapotheke.
Uns ist in alten Schriften Erzählet wunderviel Von Gift und Gegengiften, Karbol und Salicyl; Von Jodtinktur, Chinin, Gelöstem Zink und Blei Und sonstigen Mixturen Weiß man zu rühmen mancherlei. Was wohl der Wasserdoktor Für Kräutlein rühmen kann? Was braucht zur Apotheke Ein heilbeflissener Wassermann? Dazu gebraucht man Salbei Und Arnika und Attich, Wachholderbeeren, Wollkraut, Johanniskraut und Lattich, Auch Anis, Wermut, Eibisch, Hollunder, Gartenraute, Alaun und Rosmarin Nebst echtem Sauerkraute. Spitzwegerich, Kamille, Wegwarte, Aloë, Auch Bockshornklee und Kleie Und Baldrian und Lindenthee. Und fragst du, welches Leiden Ein jedes Kräutlein heilt, So wird dir deutlich Auskunft Im Buch der »Wasserkur« erteilt.

