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Die Kneippkur

Die Kneippkur.

Reading edition

Eine Wasserdichtung

für gesunde und Kranke

von

Aloysius Binder.

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München.

Buchholz & Werner.

1890.

Kgl. Hof- und Universitäts-Buchdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn in München.

Zueignung.

Dein Zustand, lieber Xaverius, Erfüllt mich mit tiefer Bekümmernus! Du klagst in deiner letzten Epistel Über Gliederreißen und stetes Gehüstel, Der Kopf sei heiß, die Füße wie Eis, Du fändest weder Schlaf noch Schweiß, Dich quäle im Lauf des ganzen Jahres Das lästige Wesen des Kartarrhes, Auch Speisen, die du sonst vertragen, Bereiten einen Druck im Magen; Bei allgemeiner Leibabmagerung Befremde des Hängebauchs Fettablagerung; Die Nieren, sowie Blas’ und Darm, Sei’n launenhaft, daß Gott erbarm; Bald seist du da, bald dort entzündlich, Seist gegen Witterungswechsel empfindlich. Auch mit den Nerven will’s nicht klappen, Du fürchtest, gar noch überzuschnappen: Dein Hirn lieg’ wie in einer Klammer, Und dein Gemüt in Katzenjammer. Die Homöo- und Allopathen Wissen dir nimmer zu helfen und raten, Verschränken die Arme wie Fastenbretzel Und sprechen: Wir steh’n vor einem Rätsel. Und zitterig schreibst du zum Beschluß: »Leb’ wohl! Dein sterbender Xaverius.«

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Mein armer Xaverius!

Du gehörst auch zu jenen, Die zum Zeitvertreibe sich totkrank wähnen. Auf dein Geehrtes vom letzten dieses Schick’ ich dir folgendes. Nimm’s und lies es! Die Wissenschaft, der Ärzte Kunst War alles, wie du schreibst, umsunst — Doch fasse Mut, Freund! Sei kein Thor! Als Rettung nimm die Kneippkur vor! Zwar keine Kur der Schwelger und Prasser — Ich mein’ eine Kur mit lauterem Wasser! Ist’s schon so weit mit dir gekommen, Daß du vom Pfarrer Kneipp nichts vernommen? Als Jüngling an des Grabes Rand, Hat seine Kur er angewandt. Und wahrlich — sie half wunderbar! Er zählt nun an die 70 Jahr. Die Kur, die ihn vermocht zu heilen, Sucht er begeistert mitzuteilen. O hättest du sein Büchlein nur, Betitelt: »Meine Wasserkur!« Es wird dir helfen, wird dir raten, Es wird dich lehren, kalt zu baden. Wer selbst in Not und Elend saß, Dem macht’s beim Nächsten keinen Spaß. Doch da es auch den Dichtern eigen, Der Menschheit neue Ziele zu zeigen, So fühlt’ ich die Begeisterung glimmen, Mein Saitenspiel für Kneipp zu stimmen. Mit Zuversicht und Hochgenuß Setzt’ ich mich auf den Pegasus, Und fädelte Thesen der Wasserkur Zu einer poetischen Perlenschnur. Befolg’ drum dieses Lehrgedicht, Dann wirst du wieder ganz hergericht’t! Ich selbst erwarte keinen Lohn: Den trägt man in sich selber schon. Vielleicht erwähnt mich mit meinem Gedichte Dereinst noch die Literaturgeschichte Als den einzigen Dichter, der offen gesteht, Daß er ein ehrlicher Wasserpoet. Besing’ ich ja doch in gereimter Dichtung Das Wasser und seine Heilverrichtung! Und sollen denn die blos Dichter heißen, Die beim Wasserglase den Rebensaft preisen? Besang nicht schon Pindar, der Vielbewunderte, Vor Christus das Wasser im fünften Jahrhunderte? Bewundert man ihn — warum nicht minder Auch deinen emsigen Alois Binder?

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Einleitung.

Da ihr noch die schöne Welt regiertet, Edle, mythologische Gestalten, Da die Jugend noch nicht überbürdet, Noch nicht nervenleidend ihre Alten — Da man keine Modezeitung sah — Wie ganz anders, anders war es da! Ach, was sind wir doch für ein Jahrhundert! Wie so mancher Weise sprach das aus, Der sich über unsre Zeit verwundert, Dieses große Massenkrankenhaus! Zahllos sind die Leiden allzusammen — Doch wo ist der Grund, aus dem sie stammen? Zwiefach ist der Grund, den ich erkannte: Erstens ist des Blut’s Umlauf gestört, Zweitens ist in seinem Stoffbestande Schlechter Saft, der nicht hineingehört. Umlaufstörung — Zudrang fremder Stoffe — Wißt ihr, wie ich dem zu steuern hoffe? Krankheitsstoff im Blute muß ich lösen, Und das Aufgelöste dann entfernen, Und nachdem das Blut befreit vom Bösen, Muß es wieder rechten Umlauf lernen; Endlich muß ich mich damit beschäftigen, Schwachen Leib zu stählen und zu kräftigen. Alles dieses trefflich zu besorgen, Ist das Wasser ganz allein im Stand. Darum wartet nicht erst noch bis morgen — Heute schon das Wasser angewandt! Auf, ihr schwachen Enkel starker Ahnen, Kräftigt euch und wandelt meine Bahnen!

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Inhaltsverzeichnis.

In welcher Form das Wasser heile, Das heißet, wie man es verständig Anwendet in- und außenwändig, Das findest du im ersten Teile: Im zweiten Teil sind aufgezählt Die Hauptgebreste dieser Welt; Dort findest du der Übel jedes, Leicht an der Hand des Alphabetes.

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