PSALMEN DAVIDS
Reading edition
DER ERSTE PSALM
Der nicht wandelt mit den Gottlosen gebenedeit, der nicht die Sünde geht und bei den Spöttern nicht ruht lobsingt des Herren Worte Tag und Tag. Ist ein Baum an den eilenden Bächen ruhig reift klar, nie braunen die Blätter ihm, dem alles gerät und sich versammelt doch die Gottlosen zerstreuen. Im Wind sind Spreu werden nicht geduldet im Gerechten und versinken ihre Wege vor Jehova.
DER SECHZEHNTE PSALM
Hüte mich, Herr, denn ich bin eingezogen in Dich. Ich bin gut Deinen Heiligen und Herrlichen — fahlen unnennbare Läufer hinter erlogenem Gott. Du aber, Herr, wirst mein Erbe, der immer sitzt an meiner Rechten, und meine Ehre ist fröhlich, in den Nächten gehe ich auf, sicher liegt mein Fleisch. Du wirst Deinen Heiligen nicht verwesen lassen — ist ewig der liebliche Atem um Dich.
DER EINHUNDERTUNDZWEITE PSALM
Nicht länger verberge Dein Antlitz, Herr, Stunden meiner Angst — jetzt neige Dich mir und rasch antworte gleich, rufe ich Dich auf. Gehen meine Tage vorüber wie der Rausch und es verbrennen mir die Knochen im innern Herd. Geschlagen wurde mein Herz und es verdorrt wie das Gras und ausgebrannt ist mir Gedächtnis und ich vergaß mein Brot. Aber ich heule mich aus und auseinander und es erdrückt mein Fleisch schon die Knochen. Ich bin ein Pelikan in der Einöde und die Nachteule in den Ruinen und ich wache verlassen — ein Sperling allein auf dem Dach. Meine Feinde schmähen mich und höhnen meinen Namen, denn ich aß die Asche wie das Brot und Weinen kam in meinen Trank vor Deiner Ungnade und Wut, aufhobst Du mich und schleudertest mich weit — meine Stunden sind wie der Schatten wenn er verweht —, und ich trockne ein. Aber Du herrschest, Ewiger, unabänderlich dauerst Du die Zeitalter, Du stehest auf in Mitleid, denn es ist Zeit über Zion, denn der Augenblick ist gekommen, denn wir lieben diese Steine und haben Schmerz für den Staub. Dann werden die Völker fürchten den Namen des Ewigen und alle Könige der Erde den Glanz. Herr, wiedergebaut steht Zion und strahlt Deinen Glanz — Betteln die Verlassenen laut und Du verjagst sie nicht — melden es kommenden Geschlechtern Dich zu loben, Deine Erscheinung auf den Erhöhnissen der Heiligkeit — herabfielen Deine Augen von den Himmeln und du hörst das Zittern der Schuldigen und machst los die vor dem Tod sich neigten. Sammeln sich alle Völker und die Königreiche Dir zu dienen. Er schlug ab meine Kraft unterwegs, er kürzte meine Tage. Herr! Nehme mich nicht heraus aus der Mitte meiner Tage. Deine Jahre gehen immerdar durch die Zeitalter. Du hast die Erde geschmolzen wurden die Himmel von Deinen Händen gemacht. Sie zerfallen — Du überwährst, sie altern wie ein Kleid — Du wirfst sie fort und wechselst sie wie ein Kleid. Immer bist Du, Gott, Dir gleich und Dein Jahr ist ohne Aufhör.
DER SIEBENUNDSECHZIGSTE PSALM
Möchte Gott Mitleid mit uns haben und uns benedein. Ließe sein Angesicht herab er auf uns scheinen. Gekannt wird Deine Stimme auf Erden und Dein Gruß bei allen Nationen. Alle Völker werden Dich preisen Lob singen alle Völker führest sie zur Erde, Herr.
DER FÜNFUNDVIERZIGSTE PSALM
Dichter Herz lobsingt einem König — schönster Du der Menschen holdselige Lippen, umgürte leicht das Schwert und ziehe gerechten Weges. Wendet Deine Hand Stütze und Erhaltung den Armen. Versende die Pfeile, fallen Völker in die Knie und es fällt der Feinde König. Unverrückbar in die Tage steht der Herr Dein Stuhl und es steilt der Szepter, unter Freudenöl wandelt des Königs Kopf und Myrrhen sind Deine Gewänder trittst Du aus den chryselephantinen Palästen.
DER DREIUNDDREISSIGSTE PSALM
Gerechte erfreut Euch des Herrn lobredet! Feiert ihn mit der Harfe singt ihn auf den zehn Saiten der Lyra — singt ein neues Lied, daß Eure Stimmen zittern und die Instrumente. Aufrecht ist das Wort des Herrn und seine Werke sind treu, sein Wort schuf die Himmel, die Heere des Himmels schuf der Atem aus seinem Munde mit einem Mal. Er sammelt die Meerwasser auf einen Haufen und er spricht, so ist es geschehn und er zerstreut die Entschlüsse der Nationen und wendet das Schicksal der Völker, doch die Schicksale seines Herzens dauern durch die Zeitalter. Herabblickt vom Himmel er auf alle Kinder der Menschen, keines Königs Macht errettet vor dem Herrn, und kein Pferd kann fliehn vor dem Herrn: liegt sein Auge auf die ihn fürchten und auf die ihn erwarten, daß er befreie die Seele vom Tod und stütze in der Hungersnot.
DER NEUNUNDDREISSIGSTE PSALM
Ich überwache meine Stimmen daß ich nicht Sünde begehe mit der Zunge, Herr. Ein Zaun bindet den Mund mir, solang der Böse vor mir schwebt und zu verführen versucht. Ich stumme in der Stille ein, Enthaltung des Wortes übe ich bis zum Verschweigen des Guten — doch mein Schmerz schwillt immer lauter an hitzt mein Herz in mir, und das Klagelied umschlingt mich leidenschaftlich: Herr, zeige mir mein Ende und das Ausmaß meiner Tage. Du schufst meine Dauer vier Finger breit — und ich bin nichts vor Dir — ach jeder Mensch, aufrecht und stehend ist nichts als Vergeblichkeit alles ist Eitelkeit. Ach der Mensch lustwandelt sicher doch ein farbloser Schatten ach und vergeblich und eitel jede Bewegung und Sammeln von Gütern — doch wer wird sie besitzen? Befreie mich, Herr, ich schweige, laut geschlossen bleibt der Mund, weil Du ihn mir schlossest, doch wende ab die Züchtigung, ich vergehe vor dem Schlag Deiner Hand. Fassest Du den Menschen an den Sünden zerfällt wie von Motten zerfressen selbst Schönheit an ihm — alles ist Eitelkeit und vergeblich. Höre mich, Herr, sei vor meinen Tränen nicht taub, ich bin nur ein Fremder vor Dir ein Vorübergeher wie meine Väter o lasse mich los, daß ich meine Kräfte versammele bevor ich gehe und nicht mehr bin.
DER EINHUNDERTUNDNEUNUNDDREISSIGSTE PSALM
Mein Lot, Herr, warfst Du und erkanntest mich. Alles weißt Du jetzt, wann ich sitze und wann ich mich erhebe, und von der Ferne enthüllst meinen Gedanken, der Du siehst wann ich gehe, und wie ich mich hinlege — alle Wege in mir vollenden Dich. Ach Herr, noch ist das Wort auf meiner Zunge, und der Gedanke endet in Deinem Gedächtnis schon. Du hast mich geschlossen vorne und hinten, und Deine Hand liegt mir oben und unten — o welche Weisheit mir so unerreichbar mir — wohin ginge ich, und wäre nicht in Deinem Geist, wohin flöhe ich und wäre nicht vor Deinem Angesicht? Steige ich in den Himmel und Du bist da, liege ich im Bett der Hölle Du bist da, trügen die Flügel der Tagesdämmerung mich an das Ende des Meeres: wieder, Herr, wieder Deine Hand unterstünde mich und Deine Rechte beschützte mich. Wollten mich die Nebel überhüllen — aber die Nacht um mich leuchtet an, hell scheinen und sanft die Nebel Dir und aufleuchtet in Strahlen die Nacht, in den blendenden Finsternissen. In der Nacht des Schoßes schufen Deine Hände mein Bildwerk und die Nieren. Ich lobe herrlich Dich, der ich gemacht wurde auf eine wunderbare Weise. Sind Deine Werke alle erfremdend wunderbar, und im Geheimnis meine Knochen: schufst Du wie die Gewebe gearbeitet sind unbeschreiblich in den Orten unter der Erde. Deine Augen sehen mich, da noch im Teig der Lebenden ich unterging, und meine Tage hast Du eingetragen in das Buch und in die Reihe geordnet, da sie nicht einmal begonnen. O wie teuer, Herr, sind mir Deine Gedanken, o wie groß, Herr, ihre Anzahl! Lasse Du sterben den Bösen — gehet ihr Männer des Blutes von mir — ihr schwöret falsch seinen Namen, schändet ihn nicht Missetat? o ihr Bösen, wachet auf aus den brüllenden Höhlen der Verruchnis: ihr verbrechet an Euch.
DER EINHUNDERTVIERUNDVIERZIGSTE PSALM
Herrlich der Vater stehet ein Fels, führet die Hände im Kampf und in den Schlachten unsere Finger! O Wohltat Du, o meine hohe Zuflucht, Befreier, Schild meiner Rückkehr, was ist der Mensch, daß ihn siehst und um ihn sorgst, und der Sohn des Menschen daß Du in den Augen ihn hältst? Und er gleichet dem Windhauch, sind seine Tage wie der Schatten, der vorübergeht. O Herr! senke Deine Himmel nieder und steige herab, rühre die Berge an daß sie flammen! mache blitzen und zerstöre sie, schütte Deine Pfeile über sie und sie fliehen. Erhebe, ach, Deine Hand auf, und befreie mich und ziehe aus den großen Wassern mich heraus, und aus der Hand des fremden Sohnes, dessen Mund laut wagt die Lüge und dessen Rechte betrügt. O Herr, ich singe Dir ein neues Lied, ich lobpreise Dich auf den zehn Saiten der Leier — Dich, ach, der Befreiung gibt den Königen — der errettet David, Deinen Diener, vor dem tödlichen Schwert. Laß unsere Söhne wie die wachsenden Pflanzen sein in ihrer Jugend, und zierlich geschnitten Gärten in den Palästen unsere Töchter. Fülle unsere Gewölbe, und lasse die Lämmchen vertausendfachen sich auf den Feldern, und die Ochsen überlade mit ihrem Fett, und gebe, Herr keinen Lärm und Angriff, und keine Abbrüche in den wohnlichen Straßen.
DER EINHUNDERTSIEBENUNDVIERZIGSTE PSALM
Lobet den Herrn, psalmet den Herrn, es ist gut, es ist süß, es ist verseligend. Er schuf Jerusalem und eint die Zerstörten, und heilt die zersplitterten Herzen, und überspannt die klaffenden Plagen. Er zählt die Zahl der Sterne, allen ruft er einen Namen aus. Unser Herr ist groß und von Macht, und kein Ende hat seine Klugheit: die stützt die Elenden und niedertritt die Bösen unter die Erde. Besingt die Wohltaten psalmet seinen Namen. Er füllt mit Unwetter die Himmel, und bereitet für die Erde den Regen, und läßt auf den Bergen ausschlagen die Körner und nährt die Tiere und die schreienden Kleinen des Raben. Nicht vollendet ist der Herr im Pferde, und in den leichten Männern des Wettlaufs, aber ihn erfreuen die ihn fürchten und die warten: — seine Güten kommen. O Jerusalem, lobe den Herrn, der kräftigt Deiner Tore Stangen, und segnet die Kinder in Dir, und hält den Frieden in Dir, und die Weizenmärkte macht er sättigend. Aussendet er die Befehle zu Erden, und es laufen über sie eilig seine Worte, sinket wie Leinen sein Schnee und Raureif streut er wie Asche aus. Und er schleudert in Stücken das Eis — wer hält vor der Kälte des Herrn? Aber er kennt sein Wort und alles schmilzt bläst sein Hauch — und die Wasser gehen davon.
DER EINHUNDERTFÜNFZIGSTE PSALM
Lobet! Lobet für die Heiligkeit! und diese Ausweitung der Macht! Lobet für die hohen Tatsächlichkeiten des Herrn ihn ohne Aufhör, im Ruf der Drommete in den Winden der Leier und Harfen und mit den Pauken des Tanzes und den Streichern und flötend: lobet! lobet! lobet! und mit den tiefen, strömenden Zymbeln und den Zymbeln, die widerhallen unaufhörlich widerhallen hallen HALLELUJA!
Anmerkungen zur Transkription
Im Original g e s p e r r t hervorgehobener Text wurde in einem anderen Schriftstil markiert.
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
... und gingst, eine himmliche Wolke mit unbeflecktem Fuß. ... ... und gingst, eine himmlische Wolke mit unbeflecktem Fuß. ...
... Doch die Manege der Galerien wartet ... ... Doch die Manege der Galerien wartet, ...