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Der Zauberberg. Erster Band

Fünftes Kapitel (continued 5)

Reading edition

„Ich?“ antwortete die bloßarmige Kranke auf das „Du“ ... „Ja, vielleicht“. Und allenfalls war in ihrem Lächeln und ihrer Stimme etwas von der Erregung, die auftritt, wenn nach langem, stummem Verhältnis die erste Anrede fällt, – einer listigen Erregung, die alles Vorangegangene in den Augenblick heimlich einbezieht. „Du bist sehr ehrgeizig ... Du bist ... sehr ... eifrig“, fuhr sie in ihrer exotischen Aussprache mit fremdem r und fremdem, zu offenem e zu spotten fort, wobei ihre leicht verschleierte, angenehm heisere Stimme das Wort „ehrgeizig“ auch noch auf der zweiten Silbe betonte, so daß es völlig fremdsprachig klang, – und kramte in ihrem Ledertäschchen, blickte suchend hinein und zog unter einem Taschentuch, das sie zuerst zutage gefördert, ein kleines silbernes Crayon hervor, dünn und zerbrechlich, ein Galanteriesächelchen, zu ernsthafter Tätigkeit kaum zu gebrauchen. Der Bleistift von damals, der erste, war handlich-rechtschaffener gewesen.

„Voilà“, sagte sie und hielt ihm das Stiftchen vor die Augen, indem sie es zwischen Daumen und Zeigefinger an der Spitze hielt und leicht hin und her schlenkerte.

Da sie es ihm zugleich gab und vorenthielt, nahm er es, ohne es zu empfangen, das heißt: hielt die Hand in der Höhe des Stiftes, dicht daran, die Finger zum Greifen bereit, aber nicht vollends zugreifend, und blickte aus seinen bleifarbenen Augenhöhlen abwechselnd auf den Gegenstand und in Clawdias tatarisches Gesicht. Seine blutlosen Lippen standen offen, und sie blieben so, er benutzte sie nicht zum Sprechen, als er sagte:

„Siehst du wohl, ich wußte doch, daß du einen haben würdest.“

„Prenez garde, il est un peu fragile“, sagte sie. „C’est à visser, tu sais.“

Und indem ihre Köpfe sich darüber neigten, zeigte sie ihm die landläufige Mechanik des Stiftes, aus dem ein nadeldünnes, wahrscheinlich hartes, nichts abgebendes Graphitstänglein fiel, wenn man die Schraube öffnete.

Sie standen nahe gegeneinander geneigt. Da er im Gesellschaftsanzug war, trug er heute abend einen steifen Kragen und konnte das Kinn darauf stützen.

„Klein, aber dein“, sagte er, Stirn an Stirn mit ihr, auf den Stift hinunter mit unbewegten Lippen und folglich unter Auslassung des Labiallautes.

„Oh, auch witzig bist du“, antwortete sie mit kurzem Lachen, indem sie sich aufrichtete und ihm das Crayon nun überließ. (Übrigens mochte Gott wissen, womit er witzig war, da er ja offensichtlich keinen Tropfen Blut im Kopfe hatte.) „Also geh, spute dich, zeichne, zeichne gut, zeichne dich aus!“ Witzig auch ihrerseits schien sie ihn fortzutreiben.

„Nein, du hast noch nicht gezeichnet. Du mußt zeichnen“, sagte er unter Auslassung des m von „mußt“ und trat auf ziehende Art einen Schritt zurück.

„Ich?“ wiederholte sie wieder mit einem Erstaunen, das etwas anderem mehr als seiner Forderung zu gelten schien. In einer gewissen Verwirrung lächelnd blieb sie noch stehen, folgte aber dann seiner magnetisierenden Rückwärtsbewegung ein paar Schritte gegen den Bowlentisch.

Es zeigte sich jedoch, daß die Unterhaltung dort nicht mehr vorhielt, in den letzten Zügen lag. Jemand zeichnete noch, hatte aber keine Zuschauer mehr. Die Karten waren mit Unsinn bedeckt, jedermann hatte seine Ohnmacht erprobt, der Tisch stand fast verlassen, zumal eine Gegenströmung eingesetzt hatte. Da man gewahr geworden, daß die Ärzte fort waren, lautete plötzlich die Parole auf Tanz. Schon wurde der Tisch beiseite geschleppt. Man postierte Späher an die Türen des Schreib- und des Klavierzimmers, mit der Anweisung, durch ein Zeichen den Ball zum Stehen zu bringen, falls etwa „der Alte“, Krokowski oder die Oberin sich wieder zeigen sollten. Ein slawischer Jüngling griff mit Ausdruck in die Tastatur des kleinen Nußbaumpianinos. Die ersten Paare drehten sich im Inneren eines unregelmäßigen Kreises von Sesseln und Stühlen, auf denen Zuschauer saßen.

Hans Castorp verabschiedete sich von dem eben fortschwebenden Tisch mit der Handbewegung: „Fahr hin!“ Mit dem Kinn deutete er dann auf freie Sitzgelegenheiten, die er im kleinen Salon gewahrte, und auf die geschützte Zimmerecke rechts neben der Portiere. Er sagte nichts, vielleicht, weil ihm die Musik zu laut war. Er zog einen Stuhl – es war ein sogenannter Triumphstuhl, mit Holzrahmen und einer Plüschbespannung – für Frau Chauchat an den Ort, den er vorher pantomimisch bezeichnet hatte, und eignete sich selbst einen knisternden, krachenden Korbstuhl mit gerollten Armlehnen an, auf den er sich zu ihr setzte, gegen sie vorgebeugt, die Arme auf den Lehnen, ihr Crayon in den Händen, die Füße weit unter dem Stuhl. Sie ihrerseits lag allzu tief in dem Plüschgehänge, ihre Knie waren emporgehoben, doch schlug sie trotzdem das eine über das andere und ließ ihren Fuß in der Höhe wippen, dessen Knöchel über dem Rande des schwarzen Lackschuhs von der ebenfalls schwarzen Seide des Strumpfes überspannt war. Vor ihnen saßen andere Leute, standen auf, um zu tanzen und machten solchen Platz, die müde waren. Es war ein Kommen und Gehen.

„Du hast ein neues Kleid“, sagte er, um sie betrachten zu dürfen, und hörte sie antworten:

„Neu? Du bist bewandert in meiner Toilette?“

„Habe ich nicht recht?“

„Doch. Ich habe es mir kürzlich hier machen lassen, bei Lukaček im Dorf. Er arbeitet viel für Damen hier oben. Es gefällt dir?“

„Sehr gut“, sagte er, indem er sie mit dem Blick noch einmal umfaßte und ihn dann niederschlug. „Willst du tanzen?“ fügte er hinzu.

„Würdest du wollen?“ fragte sie mit erhobenen Brauen lächelnd dagegen, und er antwortete:

„Ich täte es schon, wenn du Lust hättest.“

„Das ist weniger brav, als ich dachte, daß du seist“, sagte sie, und da er wegwerfend auflachte, fügte sie hinzu: „Dein Vetter ist schon gegangen.“

„Ja, er ist mein Vetter“, bestätigte er unnötigerweise. „Ich sah auch vorhin, daß er fort ist. Er wird sich gelegt haben.“

„C’est un jeune homme très étroit, très honnête, très allemand.“

„Étroit? Honnête?“ wiederholte er. „Ich verstehe Französisch besser, als ich es spreche. Du willst sagen, daß er pedantisch ist. Hältst du uns Deutsche für pedantisch – nous autres allemands?“

„Nous causons de votre cousin. Mais c’est vrai, ihr seid ein wenig bourgeois. Vous aimez l’ordre mieux que la liberté, toute l’Europe le sait.“

„Aimer ... aimer ... Qu’est-ce que c’est! Ça manque de définition, ce mot-là. Der Eine hat’s, der Andere liebt’s, comme nous disons proverbialement“, behauptete Hans Castorp. „Ich habe in letzter Zeit,“ fuhr er fort, „manchmal über die Freiheit nachgedacht. Das heißt, ich hörte das Wort so oft, und so dachte ich darüber nach. Je te le dirai en français, was ich mir dachte. Ce que toute l’Europe nomme la liberté, est peut-être une chose assez pédante et assez bourgeoise en comparaison de notre besoin d’ordre – c’est ça!“

„Tiens! C’est amusant. C’est ton cousin à qui tu penses en disant des choses étranges comme ça?“

„Nein, c’est vraiment une bonne âme, eine einfache, unbedrohte Natur, tu sais. Mais il n’est pas bourgeois, il est militaire.“

„Unbedroht?“ wiederholte sie mühsam ... „Tu veux dire: une nature tout à fait ferme, sûre d’elle-même? Mais il est sérieusement malade, ton pauvre cousin.“

„Wer hat das gesagt?“

„Man weiß hier voneinander.“

„Hat Hofrat Behrens dir das gesagt?“

„Peut-être en me faisant voir ses tableaux.“

„C’est-à-dire: en faisant ton portrait!“

„Pourquoi pas. Tu l’as trouvé réussi, mon portrait?“

„Mais oui, extrêmement. Behrens a très exactement rendu ta peau, oh vraiment très fidèlement. J’aimerais beaucoup être portraitiste, moi aussi, pour avoir l’occasion d’étudier ta peau comme lui.“

„Parlez allemand, s’il vous plaît!“

„Oh, ich spreche Deutsch, auch auf Französisch. C’est une sorte d’étude artistique et médicale – en un mot: il s’agit des lettres humaines, tu comprends. Wie ist es nun, willst du nicht tanzen?“

„Aber nein, das ist kindisch. En cachette des médecins. Aussitôt que Behrens reviendra, tout le monde va se précipiter sur les chaises. Ce sera fort ridicule.“

„Hast du so großen Respekt vor ihm?“

„Vor wem?“ sagte sie, das Fragewort kurz und fremdartig sprechend.

„Vor Behrens.“

„Mais va donc avec ton Behrens! Es ist auch viel zu eng zum Tanzen. Et puis sur le tapis ... Wollen wir zusehen, dem Tanze.“

„Ja, das wollen wir“, pflichtete er bei und schaute neben ihr hin, mit seinem bleichen Gesicht, mit den blauen, sinnig blickenden Augen seines Großvaters, in das Gehüpf der maskierten Patienten hier im Salon und drüben im Schreibzimmer. Da hüpfte die Stumme Schwester mit dem Blauen Heinrich, und Frau Salomon, die als Ballherr, in Frack und weiße Weste, gekleidet war, mit hochgewölbter Hemdbrust, gemaltem Schnurrbart und Monokel, drehte sich auf kleinen Lack-Stöckelschuhen, die unnatürlicherweise aus ihren schwarzen Herrenhosen hervorkamen, mit dem Pierrot, dessen Lippen blutrot in seinem geweißten Antlitz leuchteten, und dessen Augen denen eines Albino-Kaninchens glichen. Der Grieche im Mäntelchen schwang das Ebenmaß seiner lila Trikotbeine um den dekolletierten und dunkel glitzernden Rasmussen; der Staatsanwalt im Kimono, die Generalkonsulin Wurmbrand und der junge Gänser tanzten sogar selbdritt, indem sie sich mit den Armen umschlungen hielten; und was die Stöhr betraf, so tanzte sie mit ihrem Besen, den sie ans Herz drückte und dessen Borsten sie liebkoste, als wären sie eines Menschen aufrecht stehendes Haupthaar gewesen.

„Das wollen wir“, wiederholte Hans Castorp mechanisch. Sie sprachen leise, unter den Tönen des Klaviers. „Wir wollen hier sitzen und zusehen wie im Traum. Das ist für mich wie ein Traum, mußt du wissen, daß wir so sitzen, – comme un rêve singulièrement profond, car il faut dormir très profondément pour rêver comme cela ... Je veux dire: C’est un rêve bien connu, rêvé de tout temps, long, éternel, oui, être assis près de toi comme à présent, voilà l’éternité.“

„Poète!“ sagte sie. „Bourgeois, humaniste et poète, – voilà l’allemand au complet, comme il faut!“

„Je crains, que nous ne soyons pas du tout et nullement comme il faut“, antwortete er. „Sous aucun égard. Nous sommes peut-être des Sorgenkinder des Lebens, tout simplement.“

„Joli mot. Dis-moi donc ... Il n’aurait pas été fort difficile de rêver ce rêve-là plus tôt. C’est un peu tard, que monsieur se résout d’adresser la parole à son humble servante.“

„Pourquoi des paroles?“ sagte er. „Pourquoi parler? Parler, discourir, c’est une chose bien républicaine, je le concède. Mais je doute, que ce soit poétique au même degré. Un de nos pensionnaires, qui est un peu devenu mon ami, M. Settembrini ...“

„Il vient de te lancer quelques paroles.“

„Eh bien, c’est un grand parleur sans doute, il aime même beaucoup à réciter de beaux vers, – mais est-ce un poète, cet homme-là?“

„Je regrette sincèrement de n’avoir jamais eu le plaisir de faire la connaissance de ce chevalier.“

„Je le crois bien.“

„Ah! Tu le crois.“

„Comment? C’était une phrase tout-à-fait indifférente, ce que j’ai dit là. Moi, tu le remarques bien, je ne parle guère le français. Pourtant, avec toi je préfère cette langue à la mienne, car pour moi, parler français, c’est parler sans parler, en quelque manière, – sans responsabilité, ou comme nous parlons en rêve. Tu comprends?“

„A peu près.“

„Ça suffit ... Parler“, fuhr Hans Castorp fort, „– pauvre affaire! Dans l’éternité, on ne parle point. Dans l’éternité, tu sais, on fait comme en dessinant un petit cochon: on penche la tête en arrière et on ferme les yeux.“

„Pas mal, ça! Tu es chez toi dans l’éternité, sans aucun doute, tu la connais à fond. Il faut avouer, que tu es un petit rêveur assez curieux.“

„Et puis“, sagte Hans Castorp, „si je t’avais parlé plus tôt, il m’aurait fallu te dire »vous«!“

„Eh bien, est-ce que tu as l’intention de me tutoyer pour toujours?“

„Mais oui. Je t’ai tutoyée de tout temps et je te tutoierai éternellement.“

„C’est un peu fort, par exemple. En tout cas tu n’auras pas trop longtemps l’occasion de me dire »tu«. Je vais partir.“

Das Wort brauchte einige Zeit, bis es ihm ins Bewußtsein drang. Dann fuhr er auf, wirr um sich blickend, wie ein aus dem Schlaf Gestörter. Ihr Gespräch war ziemlich langsam vonstatten gegangen, da Hans Castorp das Französische schwerfällig und wie in zögerndem Sinnen sprach. Das Klavier, das kurze Zeit geschwiegen hatte, tönte wieder, nunmehr unter den Händen des Mannheimers, der den Slawenjüngling abgelöst und Noten aufgelegt hatte. Fräulein Engelhart saß bei ihm und blätterte um. Der Ball hatte sich gelichtet. Eine größere Anzahl der Pensionäre schien horizontale Lage eingenommen zu haben. Vor ihnen saß niemand mehr. Im Lesezimmer spielte man Karten.

„Was tust du?“ fragte Hans Castorp entgeistert ...

„Ich reise ab“, wiederholte sie, scheinbar verwundert lächelnd über sein Erstarren.

„Nicht möglich“, sagte er. „Das ist nur Scherz.“

„Durchaus nicht. Es ist mein vollkommener Ernst. Ich reise.“

„Wann?“

„Aber morgen. Après dîner.“

In ihm ereignete sich ein umfangreicher Zusammensturz. Er sagte:

„Wohin?“

„Sehr weit fort.“

„Nach Daghestan?“

„Tu n’es pas mal instruit. Peut-être, pour le moment ...“

„Bist du denn geheilt?“

„Quant à ça ... non. Aber Behrens meint, es sei vorläufig hier nicht mehr viel für mich zu erreichen. C’est pourquoi je vais risquer un petit changement d’air.“

„Du kommst also wieder!“

„Das fragt sich. Es fragt sich vor allem, wann. Quant à moi, tu sais, j’aime la liberté avant tout et notamment celle de choisir mon domicile. Tu ne comprends guère ce que c’est: être obsédé d’indépendance. C’est de ma race, peut-être.“

„Et ton mari au Daghestan te l’accorde, – ta liberté?“

„C’est la maladie qui me la rend. Me voilà à cet endroit pour la troisième fois. J’ai passé un an ici, cette fois. Possible que je revienne. Mais alors tu seras bien loin depuis longtemps.“

„Glaubst du, Clawdia?“

„Mon prénom aussi! Vraiment tu les prends bien au sérieux les coutumes du carnaval!“

„Weißt du denn, wie krank ich bin?“

„Oui – non – comme on sait ces choses ici. Tu as une petite tache humide là dedans et un peu de fièvre, n’est-ce pas?“

„Trente-sept et huit ou neuf l’après-midi“, sagte Hans Castorp. „Und du?“

„Oh, mon cas, tu sais, c’est un peu plus compliqué ... pas tout-à-fait simple.“

„Il y a quelque chose dans cette branche de lettres humaines dite la médecine,“ sagte Hans Castorp, „qu’on appelle bouchement tuberculeux des vases de lymphe.“

„Ah! Tu as mouchardé, mon cher, on le voit bien.“

„Et toi ... Verzeih mir! Laß mich dich jetzt etwas fragen, dich dringlich und auf Deutsch etwas fragen! Als ich damals von Tische zur Untersuchung ging, vor sechs Monaten ... Du blicktest dich um nach mir, erinnerst du dich?“

„Quelle question? Il y a six mois!“

„Wußtest du, wohin ich ging?“

„Certes, c’était tout-à-fait par hasard ...“

„Du wußtest es von Behrens?“

„Toujours ce Behrens!“

„Oh, il a représenté ta peau d’une façon tellement exacte ... D’ailleurs, c’est un veuf aux joues ardentes et qui possède un service à café très remarquable ... Je crois bien qu’il connaît ton corps non seulement comme médecin, mais aussi comme adepte d’une autre discipline de lettres humaines.“

„Tu as décidément raison de dire, que tu parles en rêve, mon ami.“

„Soit ... Laisse-moi rêver de nouveau après m’avoir réveillé si cruellement par cette cloche d’alarme de ton départ. Sept mois sous tes yeux ... Et à présent, où en réalité j’ai fait ta connaissance, tu me parles de départ!“

„Je te répète, que nous aurions pu causer plus tôt.“

„Du hättest es gewünscht?“

„Moi? Tu ne m’échapperas pas, mon petit. Il s’agit de tes intérêts, à toi. Est-ce que tu étais trop timide pour t’approcher d’une femme à qui tu parles en rêve maintenant, ou est-ce qu’il y avait quelqu’un qui t’en a empêché?“

„Je te l’ai dit. Je ne voulais pas te dire »vous«.“

„Farceur. Réponds donc, – ce monsieur beau parleur, cet italien-là qui a quitté la soirée, – qu’est-ce qu’il t’a lancé tantôt?“

„Je n’en ai entendu absolument rien. Je me soucie très peu de ce monsieur, quand mes yeux te voient. Mais tu oublies ... il n’aurait pas été si facile du tout de faire ta connaissance dans le monde. Il y avait encore mon cousin avec qui j’étais lié et qui incline très peu à s’amuser ici: Il ne pense à rien qu’à son retour dans les plaines, pour se faire soldat.“

„Pauvre diable. Il est, en effet, plus malade qu’il ne sait. Ton ami italien du reste ne va pas trop bien non plus.“

„Il le dit lui-même. Mais mon cousin ... Est-ce vrai? Tu m’effraies.“

„Fort possible qu’il va mourir, s’il essaye d’être soldat dans les plaines.“

„Qu’il va mourir. La mort. Terrible mot, n’est-ce pas? Mais c’est étrange, il ne m’impressionne pas tellement aujourd’hui, ce mot. C’était une façon de parler bien conventionnelle, lorsque je disais »Tu m’effraies«. L’idée de la mort ne m’effraie pas. Elle me laisse tranquille. Je n’ai pas pitié – ni de mon bon Joachim ni de moi-même, en entendant qu’il va peut-être mourir. Si c’est vrai, son état ressemble beaucoup au mien et je ne le trouve pas particulièrement imposant. Il est moribond, et moi, je suis amoureux, eh bien! – Tu as parlé à mon cousin à l’atelier de photographie intime, dans l’antichambre, tu te souviens.“

„Je me souviens un peu.“

„Donc ce jour-là Behrens a fait ton portrait transparent!“

„Mais oui.“

„Mon dieu. Et l’as-tu sur toi?“

„Non, je l’ai dans ma chambre.“

„Ah, dans ta chambre. Quant au mien, je l’ai toujours dans mon portefeuille. Veux-tu que je te le fasse voir?“

„Mille remerciements. Ma curiosité n’est pas invincible. Ce sera un aspect très innocent.“

„Moi, j’ai vu ton portrait extérieur. J’aimerais beaucoup mieux voir ton portrait intérieur qui est enfermé dans ta chambre ... Laisse-moi demander autre chose! Parfois un monsieur russe qui loge en ville vient te voir. Qui est-ce? Dans quel but vient-il, cet homme?“

„Tu es joliment fort en espionnage, je l’avoue. Eh bien, je réponds. Oui, c’est un compatriote souffrant, un ami. J’ai fait sa connaissance à une autre station balnéaire, il y a quelques années déjà. Nos relations? Les voilà: nous prenons notre thé ensemble, nous fumons deux ou trois papiros, et nous bavardons, nous philosophons, nous parlons de l’homme, de Dieu, de la vie, de la morale, de mille choses. Voilà mon compte rendu. Es-tu satisfait?“

„De la morale aussi! Et qu’est-ce que vous avez trouvé en fait de morale, par exemple?“

„La morale? Cela t’intéresse? Eh bien, il nous semble, qu’il faudrait chercher la morale non dans la vertu, c’est-à-dire dans la raison, la discipline, les bonnes mœurs, l’honnêteté, – mais plutôt dans le contraire, je veux dire: dans le péché, en s’abandonnant au danger, à ce qui est nuisible, à ce qui nous consume. Il nous semble qu’il est plus moral de se perdre et même de se laisser dépérir que de se conserver. Les grands moralistes n’étaient point des vertueux, mais des aventuriers dans le mal, des vicieux, des grands pécheurs qui nous enseignent à nous incliner chrétiennement devant la misère. Tout ça doit te déplaire beaucoup, n’est-ce pas?“

Er schwieg. Er saß noch immer wie anfangs, die verschlungenen Füße tief unter seinem knisternden Stuhl, vorgeneigt gegen die Liegende im Papierdreispitz, ihr Crayon zwischen den Fingern, und blickte aus Hans Lorenz Castorps blauen Augen von unten in das Zimmer, das leer geworden war. Zerstoben die Gästeschaft. Das Klavier, in der schräg gegenüberliegenden Ecke, tönte nur noch leise und abgebrochen, gespielt mit einer Hand von dem mannheimischen Kranken, an dessen Seite die Lehrerin saß und in einem Notenbuch blätterte, das sie auf den Knien hielt. Als das Gespräch zwischen Hans Castorp und Clawdia Chauchat verstummte, hörte der Pianist vollends zu spielen auf und legte auch die Hand, mit der er die Tasten leicht gerührt hatte, in den Schoß, während Fräulein Engelhart fortfuhr, in ihre Noten zu blicken. Die vier von der Fastnachtsgeselligkeit übriggebliebenen Personen saßen unbeweglich. Die Stille dauerte mehrere Minuten. Langsam neigten sich unter ihrem Druck die Köpfe des Paares am Pianino tiefer und tiefer, der des Mannheimers gegen die Klaviatur hinab, der Fräulein Engelharts auf das Notenheft. Endlich, beide gleichzeitig, wie nach geheimer Verständigung, standen sie vorsichtig auf, und leise, auf den Zehen, indem sie es künstlich vermieden, sich nach der anderen noch belebten Zimmerecke umzusehen, die Köpfe eingezogen und die Arme steif am Leibe, verschwanden der Mannheimer und die Lehrerin miteinander durch das Schreib- und Lesezimmer. „Tout le monde se retire“, sagte Frau Chauchat. „C’étaient les derniers; il se fait tard. Eh bien, la fête de carnaval est finie.“ Und sie hob die Arme, um mit beiden Händen die Papiermütze von ihrem rötlichen Haar zu nehmen, dessen Zopf als Kranz um den Kopf geschlungen war. „Vous connaissez les conséquences, monsieur.“

Aber Hans Castorp verneinte mit geschlossenen Augen, ohne im übrigen seine Stellung zu verändern. Er antwortete:

„Jamais, Clawdia. Jamais je te dirai »vous«, jamais de la vie ni de la mort, wenn man so sagen kann, – man sollte es können. Cette forme de s’adresser à une personne, qui est celle de l’Occident cultivé et de la civilisation humanitaire, me semble fort bourgeoise et pédante. Pourquoi, au fond, de la forme? La forme, c’est la pédanterie elle-même! Tout ce que vous avez fixé à l’égard de la morale, toi et ton compatriote souffrant, – tu veux sérieusement que ça me surprenne? Pour quel sot me prends-tu? Dis donc, qu’est-ce que tu penses de moi?“

„C’est un sujet qui ne donne pas beaucoup à penser. Tu es un petit bonhomme convenable, de bonne famille, d’une tenue appétissante, disciple docile de ses précepteurs et qui retournera bientôt dans les plaines, pour oublier complètement qu’il a jamais parlé en rêve ici et pour aider à rendre son pays grand et puissant par son travail honnête sur le chantier. Voilà ta photographie intime, faite sans appareil. Tu la trouves exacte, j’espère?“

„Il y manque quelques détails que Behrens y a trouvés.“

„Ah, les médecins en trouvent toujours, ils s’y connaissent ...“

„Tu parles comme M. Settembrini. Et ma fièvre? D’où vient-elle?“

„Allons donc, c’est un incident sans conséquence qui passera vite.“

„Non, Clawdia, tu sais bien que ce que tu dis là n’est pas vrai et tu le dis sans conviction, j’en suis sûr. La fièvre de mon corps et le battement de mon cœur harassé et le frissonnement de mes membres, c’est le contraire d’un incident, car ce n’est rien d’autre –“ und sein bleiches Gesicht mit den zuckenden Lippen beugte sich tiefer zu dem ihren – „rien d’autre que mon amour pour toi, oui, cet amour qui m’a saisi à l’instant, où mes yeux t’ont vue, ou, plutôt, que j’ai reconnu, quand je t’ai reconnue toi, – et c’était lui, évidemment, qui m’a mené à cet endroit ...“

„Quelle folie!“

„Oh, l’amour n’est rien, s’il n’est pas de la folie, une chose insensée, défendue et une aventure dans le mal. Autrement c’est une banalité agréable, bonne pour en faire de petites chansons paisibles dans les plaines. Mais quant à ce que je t’ai reconnue et que j’ai reconnu mon amour pour toi, – oui, c’est vrai, je t’ai déjà connue, anciennement, toi et tes yeux merveilleusement obliques et ta bouche et ta voix, avec laquelle tu parles, – une fois déjà, lorsque j’étais collégien, je t’ai demandé ton crayon, pour faire enfin ta connaissance mondaine, parce que je t’aimais irraisonnablement, et c’est de là, sans doute, c’est de mon ancien amour pour toi, que ces marques me restent que Behrens a trouvées dans mon corps, et qui indiquent que jadis aussi j’étais malade ...“

Seine Zähne schlugen aufeinander. Er hatte den einen Fuß unter seinem knisternden Stuhl hervorgezogen, während er phantasierte, und indem er ihn vorschob, diesen Fuß, berührte er mit dem anderen Knie schon den Boden, so daß er denn also neben ihr kniete, gebeugten Kopfes und am ganzen Körper zitternd. „Je t’aime,“ lallte er, „je t’ai aimée de tout temps, car tu es le Toi de ma vie, mon rêve, mon sort, mon envie, mon éternel désir ...“

„Allons, allons!“ sagte sie. „Si tes précepteurs te voyaient ...“

Aber er schüttelte verzweifelt den Kopf, das Gesicht über den Teppich, und antwortete:

„Je m’en ficherais, je me fiche de tous ces Carducci et de la République éloquente et du progrès humain dans le temps, car je t’aime!“

Sie streichelte ihm leicht mit der Hand das kurzgeschorene Haar am Hinterkopf.

„Petit bourgeois!“ sagte sie. „Joli bourgeois à la petite tache humide. Est-ce vrai que tu m’aimes tant?“

Und begeistert von ihrer Berührung, nun auf beiden Knien, den Kopf im Nacken und mit geschlossenen Augen fuhr er zu sprechen fort:

„Oh, l’amour, tu sais ... Le corps, l’amour, la mort, ces trois ne font qu’un. Car le corps, c’est la maladie et la volupté, et c’est lui qui fait la mort, oui, ils sont charnels tous deux, l’amour et la mort, et voilà leur terreur et leur grande magie! Mais la mort, tu comprends, c’est d’une part une chose mal famée, impudente qui fait rougir de honte; et d’autre part c’est une puissance très solennelle et très majestueuse, – beaucoup plus haute que la vie riante gagnant de la monnaie et farcissant sa panse, – beaucoup plus vénérable que le progrès qui bavarde par les temps, – parce qu’elle est l’histoire et la noblesse et la piété et l’éternel et le sacré qui nous fait tirer le chapeau et marcher sur la pointe des pieds ... Or, de même, le corps, lui aussi, et l’amour du corps, sont une affaire indécente et fâcheuse, et le corps rougit et pâlit à sa surface par frayeur et honte de lui-même. Mais aussi il est une grande gloire adorable, image miraculeuse de la vie organique, sainte merveille de la forme et de la beauté, et l’amour pour lui, pour le corps humain, c’est de même un intérêt extrêmement humanitaire et une puissance plus éducative que toute la pédagogie du monde! ... Oh, enchantante beauté organique qui ne se compose ni de teinture à l’huile ni de pierre, mais de matière vivante et corruptible, pleine du secret fébrile de la vie et de la pourriture! Regarde la symétrie merveilleuse de l’édifice humain, les épaules et les hanches et les mamelons fleurissants de part et d’autre sur la poitrine, et les côtes arrangées par paires, et le nombril au milieu dans la mollesse du ventre, et le sexe obscur entre les cuisses! Regarde les omoplates se remuer sous la peau soyeuse du dos, et l’échine qui descend vers la luxuriance double et fraîche des fesses, et les grandes branches des vases et des nerfs qui passent du tronc aux rameaux par les aisselles, et comme la structure des bras correspond à celle des jambes. Oh, les douces régions de la jointure intérieure du coude et du jarret avec leur abondance de délicatesses organiques sous leurs coussins de chair! Quelle fête immense de les caresser ces endroits délicieux du corps humain! Fête à mourir sans plainte après! Oui, mon dieu, laisse-moi sentir l’odeur de la peau de ta rotule, sous laquelle l’ingénieuse capsule articulaire sécrète son huile glissante! Laisse-moi toucher dévotement de ma bouche l’Arteria femoralis qui bat au front de ta cuisse et qui se divise plus bas en les deux artères du tibia! Laisse-moi ressentir l’exhalation de tes pores et tâter ton duvet, image humaine d’eau et d’albumine, destinée pour l’anatomie du tombeau, et laisse-moi périr, mes lèvres aux tiennes!“

Er öffnete die Augen nicht, nachdem er gesprochen; er blieb, wie er war, den Kopf im Nacken, die Hände mit dem Silberstiftchen von sich gestreckt, auf seinen Knien bebend und schwankend. Sie sagte:

„Tu es en effet un galant qui sait solliciter d’une manière profonde, à l’allemande.“

Und sie setzte ihm die Papiermütze auf.

„Adieu, mon prince Carnaval! Vous aurez une mauvaise ligne de fièvre ce soir, je vous le prédis.“

Damit glitt sie vom Stuhl, glitt über den Teppich zur Tür, in deren Rahmen sie zögerte, halb rückwärts gewandt, einen ihrer nackten Arme erhoben, die Hand an der Türangel. Über die Schulter sagte sie leise:

„N’oubliez pas de me rendre mon crayon.“

Und trat hinaus.

Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Schreibweise häufig vorkommender Namen wurde vereinheitlicht. Weitere Änderungen, teilweise unter Zuhilfenahme späterer Auflagen, sind hier aufgeführt (vorher/nachher):

... verschiedene Gemütsbewegungen hin und her geworfen, bis ... ... verschiedenen Gemütsbewegungen hin und her geworfen, bis ...

... die Wangen streifenden Halskragen des Großvaters ausfüllte. ... ... die Wangen streifenden Halskragens des Großvaters ausfüllte. ...

... gegeben und selbstverständlich betrachten und vor dem Einfall, ... ... gegeben und selbstverständlich betrachten und von dem Einfall, ...

... Vetter macht. In ihrem Fall kann man gar nichts Schlaueres ... ... Vetter macht. In Ihrem Fall kann man gar nichts Schlaueres ...

... auf Platz Davos, etwa in Drittelhöhe des Ganges, und gewährte ... ... auf Platz Davos, etwa in Drittelhöhe des Hanges, und gewährte ...

... „Wie heißt es doch in der Oper ihres Meisters? ‚Der Vogelfänger ... ... „Wie heißt es doch in der Oper Ihres Meisters? ‚Der Vogelfänger ...

... den Revolver von ihrer Schläfe weg, es ist nicht anzusehen! ... ... den Revolver von Ihrer Schläfe weg, es ist nicht anzusehen! ...

... Ihnen nicht zuträglich zu sein scheint, da sie sich körperlich und, ... ... Ihnen nicht zuträglich zu sein scheint, da Sie sich körperlich und, ...

... Vorhaben erwachte, seinen Vetter Joachim morgen von diesem ... ... Vorhaben erwachte, seinem Vetter Joachim morgen von diesem ...

... als Sie sich den Anschein geben, da sie offenbar Geist besitzen. ... ... als Sie sich den Anschein geben, da Sie offenbar Geist besitzen. ...

... So entspricht es ihrem Alter, welches männlicher Entschlossenheit ... ... So entspricht es Ihrem Alter, welches männlicher Entschlossenheit ...

... die Griffe übte, die man ihm lehrte. Nur einige ... ... die Griffe übte, die man ihn lehrte. Nur einige ...

... Ingenieur. Sie sind in ihrem Elemente, das freut mich. ... ... Ingenieur. Sie sind in Ihrem Elemente, das freut mich. ...

... und dann schräg hin und ziemlich steil den rechtsseitigen Gang ... ... und dann schräg hin und ziemlich steil den rechtsseitigen Hang ...

... Humanität überhaupt, alte Menschenwürde, Menschenachtung ... ... Humanität überhaupt, alle Menschenwürde, Menschenachtung ...

... wie sie sich anspielen.“ Und wie vorhin begann er sein Klopfen. ... ... wie Sie sich anspielen.“ Und wie vorhin begann er sein Klopfen. ...

... Wir wollen hoffen, daß sie bei Ihrem Mann im Osten wieder ... ... Wir wollen hoffen, daß sie bei ihrem Mann im Osten wieder ...

... Palmzweige auf dem Vorderdeckel. Dieser nun, so bemerkte ... ... Palmzweigen auf dem Vorderdeckel. Dieser nun, so bemerkte ...

... Wunsch in ihm gezeitigt hätten, des Rausches ledig zu werden. ... ... Wunsch in ihm gezeitigt hätte, des Rausches ledig zu werden. ...

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