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Der tolle Koffer

Inhalt

Reading edition

Seite

Leitgedicht von Frank Wedekind 7

Signale der Abfahrt 9

Imbisse des Coupés 25

Flohbisse des Hotels 41

Musterkoffer der Tollheit 57

Bosheit der Bürokröten 89

Dividenden der Schlauheit 113

Bilanzen der Liebe 129

Bankerott der Dummheit 145

Spezial_hr
Spezial_hr

Der tolle Koffer

Bei Tafel saßen in bunter Reih' Damen und Herren; auch saß dabei Ein junger Mann von blassem Gesicht, In Haltung und Ausdruck ernst und schlicht, Durchaus bescheiden, zwar etwas gefräßig, Aber schweigsam verhältnismäßig. Und wie der Bach in der Sonne Blinken Glitt das Gespräch zwischen Scherzen und Trinken. Man sprach über dieses, man sprach über jenes, Man sprach über Nützliches, über Schönes, Und kam über Unfälle und Verbrechen Glücklich auf Reisekoffer zu sprechen. Nun waren, wie das so geht hienieden, Urteil und Ansichten sehr verschieden; Die Damen lobten die großen, schweren, Bequem zu packen und rasch zu leeren, Ohne daß dabei die Toilette Jemals Schaden genommen hätte. Den Herren hingegen wollte es scheinen, Angenehmer wären die kleinen, Die leichten zusammengeklappten Dinger; Man könne sie heben mit einem Finger. Unser Jüngling in guter Ruh' Kaut seinen Bissen und schweigt dazu. Und wie im Schilfe der schaukelnde Nachen Glitt das Gespräch zwischen Scherzen und Lachen Von Reisekoffern auf ferne Gefilde Im schönen Italien und Kunstgebilde Und auf das Glück und das Glücklicherscheinen, Sowie auf die Liebe im allgemeinen. Unser Jüngling kaute wacker fort, Hört von dem allen kein Sterbenswort, Seine Gedanken, begreiflicherweise Dämmern so weiter im alten Gleise. Und wie er sich abmüht mit düstrer Stirn, Löst sich ein Etwas in seinem Hirn, Und klettert herab, und erreicht seine Zung', Und wird nun allmählich zur Aeußerung. Und er tut den Mund auf, er winkt mit der Hand, Die Damen im Kreise die lauschen gespannt, Die Herren verstummen von Reminiszenzen Aus schwülen Garderoben mit welkenden Kränzen; Alles starrt in nervösem Grimme, Und er sagt mit flötend melodischer Stimme, Und dabei leuchtet sein Antlitz hell: „Ich habe einen von Seehundsfell.“

Signature
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Signale der Abfahrt
Signale der Abfahrt

Aengstliche Frage

Zehn Uhr vormittag. Der Zug nach Nürnberg geht um zehn Uhr eins.

Frau Schneider, die sich verspätet hat, stürzt an die Kasse.

„Herr Kassier, haben Sie noch ein Billett zweiter Klasse nach Ingolstadt?“

Rosette
Rosette

Per „Zuschlag“billett

Ein Schnorrer wird im Coupé ohne Billett angetroffen und auf der nächsten Station rausgeworfen, nachdem man ihn tüchtig verprügelt hat. Es gelingt ihm aber, bei der Abfahrt wieder in ein anderes Coupé zu schlüpfen, doch wird er wieder vom Schaffner erwischt und nachdem man ihm sein Fell tüchtig gegerbt hat, an die Luft gesetzt. Jedoch abermals glückt es ihm, aufzuspringen und bis zur nächsten Station mitzufahren. Hier nimmt ihn aber der Bahnhofsinspektor in Empfang, und während er wieder tüchtig verhauen wird, fragt ihn der Inspektor: „Ja, Mensch, was soll denn das eigentlich heißen?! Wohin wollen Sie denn eigentlich fahren?“

„Herr Inspektorleben,“ antwortet er, „wenn's mei Körperche aushält, bis Krakau“!

Rosette
Rosette

Der poetische Zugführer

Der Führer eines Güterzuges rapportierte in seinem Fahrbericht:

„Eingeladen in den Wagen acht 2070 Kilo schwere Eisenfracht.“

Zugverspätung meldet er:

„Versäumt ab München vor dem Sperrsignal Wegen hoher Tonnen- und Achsenzahl.“

Ein schadhaftes Packwagendach besingt er:

„Voll Flecken sind Papier und der Fahrbericht, Weil das Wagendach nicht wasserdicht.“

Eine Fahrkontrolle meldet er mit folgenden Worten:

„Es fuhr im Zuge zur Kontrolle mit: Ein Direktionsassessor namens Schmitt.“

Von einem Leichentransport sagt er:

„Es fährt der Zug zum Aschenreiche Von Reichenhall nach Gotha eine Leiche.“

Beschädigung eines Coupés meldet er in dem Vierzeiler:

„Offiziere von Talent und Wissen, Glieder dieser Welt Nobleß — Zerschnitten zweier Rücken Kissen, Verübten Roheit mit Exzeß!“

Die Dichtkunst sollte dem Zugführer nicht gut bekommen. Die Direktion München verbot ihm, in Fahrberichten poetische Ergüsse zu liefern, und nahm ihn vorläufig in 1 Mark Ordnungsstrafe. — Armer Poet!

Rosette
Rosette

Die Sekundärbahn

Ein biederer Landmann, dem man es ansieht, daß er sich einen heftigen Schnupfen zugezogen hat, will mit der Kleinbahn fahren. Jedoch der Schaffner, ein umsichtiger Beamter, verweigert ihm die Mitfahrt:

„Dös därf i nit dulde, daß Sie mit Ihra Schnuppen sich 'nei'setze!“

Natürlich will der Bauer auch den Grund wissen, weswegen er mit seinem Schnupfen nicht mitfahren darf.

„'s isch halt wegen der Sicherheit,“ erklärt wichtig der Beamte — „neulich hat jemand so stark geniest, daß' Zügle entgleischt is!“

Rosette
Rosette

Schlagfertig

Als der Zug gerade abfahren wollte, kommt in hellem Schweiße ein Bäuerlein angelaufen, springt schnell in ein Abteil und läßt sich völlig erschöpft auf eine Bank nieder, mit den Worten: „So, nu lat den Zug to'n Düwel fahren!“ Fortwährend fluchend wischt er sich die zahlreichen Schweißtropfen von der Stirn. Ein ihm gegenüber sitzender geistlicher Herr hat die Worte mit Mißfallen angehört. „Mein Lieber,“ redet er das Bäuerlein salbungsvoll an, „wenn wir zum Teufel fahren, so führt uns der Weg aber zur Hölle.“ — „Dat is mir ganz egal,“ erwidert der Angeredete, „ick hewwe jo'n Retourbillett!“

Rosette
Rosette

Falsche Adresse

Auf dem Bahnhof steht ein Zug zur Abfahrt bereit. Auf einmal stürzt ein Herr auf den Perron, läuft den ganzen Zug entlang und ruft immer: „Lehmann! Lehmann!“

Herr Cohn macht das Fenster auf und will sehen, was los ist. Wie er den Kopf raussteckt, haut ihm der Fremde eine kräftige Ohrfeige runter.

Herr Cohn schnappt Luft und ruft den Schaffner: „Herr Schaffnerleben, hier hat einer Lehmann gerufen, ich mache das Fenster auf und da gibt mir der Kerl eine Ohrfeige!“

„Ja,“ fragt der Schaffner, „heißen Sie denn Lehmann?“

„Keine Ahnung, Cohn!“

„Na, dann geht Sie die Sache ja auch garnix an!“

Rosette
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Empfindlich

Wir lösten zwei Perronkarten und wollten auf den Bahnsteig hinaus — Herr v. Kossow und ich. Am Schranken verlangte der Portier die Karten.

Da wurde Herr v. Kossow aber wild.

„Jestatten Sie, Kammerherr v. Kossow, Leutnant der Reserve. Vermuten Sie versuchten Betrug?“

Roda Roda

Rosette
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Bahnhofs-Metaphysik

„Was ist schwerer, der Körper oder der Geist?“

„Der Körper natürlich!“

„Falsch, der Geist. Denn der Körper wird im Coupé befördert, aber den Geist muß man ‚aufgeben’!“

Rosette
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Beim Abschied

Von einem Bankier verabschieden sich auf dem Bahnhof Verwandte und Bekannte. Kurz vor Abfahrt des Zuges reicht ihm seine Schwägerin noch eine Tafel Schokolade mit den Worten: „Damit du nicht verhungerst!“ — Darauf sagt sein Vetter, ihm ein Fläschchen mit Kognak übergebend: „Hier, damit du nicht verdurstest!“ — Seine vierjährige Nichte, die aufmerksam zugehört hat, soll ihm nun noch ein Veilchensträußchen reichen. Sie tut dies auch, ans Coupéfenster emporgehoben, mit den Worten: „Hier lieber Onkel, damit du nicht verduftest!“

Rosette
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Treffend

„Schaffner, ich möchte ein Coupé haben, in dem nicht geraucht und nicht gesprochen wird, und in dem die Passagiere nicht immer raus- und reinlaufen!“ — „Na dann bleibt nur's Hundecoupé!“

Rosette
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Knigge auf dem Kutscherbock

Fahrgast (am Ende der Tour): „Hier, Kutscher, haben Sie drei Mark.“ — Kutscher: „Wat, drei Mark jeben Sie mir vor die lange Tour? Sie denken woll, ick habe den Schimmel jestohlen, Sie oller Nassauer, Sie!“ — Fahrgast: „Wenn Sie so mit mir reden, sollen Sie auch nur die Taxe bekommen; die macht zwei Mark fünfzig, geben Sie mir sofort fünfzig Pfennig retour!“ — Kutscher: „Na, die fufzig Pfennje Trinkgeld könnten Se mer doch wenigstens lassen, — wo ick mir schon davor bedankt habe!“

Rosette
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Verwechselt

Professor Hühnersteiß will seine Gattin, die einige Zeit bei ihren Verwandten zu Besuch war, von der Bahn abholen. Um ihr eine Freude zu bereiten, kauft er auf dem Wege zum Bahnhof eine Torte, die er in einem runden Karton verpackt unter den Arm nimmt. Auf dem Bahnhof muß er jedoch erst noch einem menschlichen Bedürfnis nachkommen und suchte die betreffende dunkle Oertlichkeit auf. Plötzlich hörte er den Zug einlaufen, nimmt im Dunkeln sein rundes Präsent, eilt hastig auf den Bahnsteig und überreicht seiner erstaunten Gattin — den Klosettdeckel.

Rosette
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Die Abonnementskarte

Horace Vernet, der berühmte französische Schlachtenmaler wohnte in Versailles, mußte von dort aus sich jeden Tag nach Paris begeben und hatte deshalb ein Abonnement für die Strecke genommen. Da er nach einigen Wochen sich zu der Annahme berechtigt glaubte, daß die Eisenbahnbeamten ihn kennen mußten, wollte er sich's ersparen, ihnen täglich seine Abonnementskarte zu zeigen. Aber der am Eingang des Bahnsteiges in Versailles aufgestellte Beamte, ein grämlicher alter Unteroffizier, bestand unweigerlich darauf, daß die Karte stets vorgezeigt wurde. Auf alle Vorhaltungen des Künstlers erwiderte er barsch: „Das Reglement schreibt das vor!“ Schließlich wurde Vernet die Sache zu bunt und er fand folgenden Ausweg: Er ließ sich seine Abonnementskarte am oberen Hinterteile des Beinkleides festnähen und jedesmal, wenn der alte Beamte sie zu sehen verlangte, hob er die Schöße seines Rockes empor und rief mit einer bezeichnenden Geste laut aus: „Da ist sie!“

Rosette
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Aus Oesterreich

Eisenbahnbilleteur: „Belieben's a Billetten?“ — Fremder: „Freilich und zwar ein bißchen schnell, von Bodenbach bis Wien, zweiter Klasse!“ — Billeteur: „Belieben's mit der Kassen durchgebrannt zu sein?“

Rosette
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Abgeführt

Erster Reisender (neugierig): „Nun, Herr Kollege, wir haben uns nun schon so oft getroffen, in welchem Artikel, mit Erlaubnis, machen Sie denn eigentlich?“

Zweiter Reisender (spöttisch lächelnd): „Ich spreche darüber zwar nicht gerne, doch sollen Sie es wissen! — Ich, ich mache für die Firma Bohrer & Co. in Knopflöchern!“

Rosette
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Mißverstanden

Ein Amerikaner sieht auf einem Bahnhof den Stationsvorsteher vor dem Thermometer stehen. Er tritt an ihn heran und fragt gemütlich: „Na, wieviel Fahrenheit?“ — Aergerlich dreht sich der Beamte um und erwidert: „Zählen Sie sie doch!“

Rosette
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Ein höflicher Beamter

Schaffner: „Also Miß — schnell einsteigen, 's keine Sekunde Zeit mehr übrig.“ — Miß: „Ach — meiner Schwester muß ich noch einen Abschiedskuß geben!“ — Schaffner (eilig): „Nur hinein — hinein! — das will ich schon selbst besorgen!“

Rosette
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Mißglückte Operation

In der Ecke des Bahnwirtshauses hockt der Gamsbart-Toni und stöhnt vor Zahnweh, daß die Fenster klirren. Alle möglichen Mittel hatte er schon vergeblich probiert, aber selbst des Baders Künste waren an der tiefsitzenden Wurzel gescheitert.

Kommt der Dalsten-Nazi herein, ein pfiffiger Kopf, der meint: „Ich wüßt dir schon ein Mittel — aber Kurasch braucht's. Ich hab' da in den „Fliegenden Blättern“ gelesen, wie einmal einer seinen Zahn hinten am Zug an den Puffer an'bunden hat — der Zug is in's Fahren 'kommen und im Nu war der Zahn heraus!“

Der Toni stutzte einen Augenblick. Da fing der Schmerz von neuem zu bohren an. Er sprang auf — just pfiff die Lokomotive draußen zum Abfahren — ein Strick war im Nu um den kranken Zahn gewunden und in der nächsten Minute hatte er ihn fest an den Puffer des letzten Wagens geknüpft.

Ein Schnauben, ein Brausen ... Anfangs lief Toni ein Stückchen mit; da rollten die Räder schneller, der Atem ging ihm aus — plötzlich ein Krach und Schlag: Toni lag auf der Erde und neben ihm der — Puffer.

Rosette
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Gut gegeben

Eisenbahnbeamter (zum Passagier in der ersten Klasse mit einem Billett zweiter Klasse): „Sie haben ja nur ein Billett zweiter Klasse, Sie müssen die Differenz nachzahlen.“ — Passagier: „Die zweite Klasse war aber doch besetzt.“ — Beamter: „Ja, aber es war doch eine Menge Platz in der dritten Klasse.“ — Passagier: „Sehr richtig. Zahlen Sie mir die Differenz heraus, dann steige ich um.“

Rosette
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Der Affenkasten

Tritt da am Droschkenstand beim Kurhaus ein eleganter Herr auf ein Gefährt zu, das durch seine Neuheit angenehm in die Augen fiel: „Aeh, Kutscher, machen Sie mal den Affenkasten auf!“ Der Kutscher kommt dienstfertig der Aufforderung nach, öffnet den Wagenschlag und bemerkt in verbindlichem Tone: „Bitte, wollen der Herr Affe einsteigen!“

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Der überflüssige Koffer

„Kaufen Sie sich den Koffer da.“ — „Was brauch ich ä Koffer?“ — „Nu, für Ihre Kleider.“ — „Für meine Kleider? Nu, soll ich nackt herumlaufen?“

Rosette
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Ein Sophist

Schaffner: „Hier dürfen Sie nicht bleiben, mein Herr, dies Coupé ist für Nichtraucher!“

Reisender: „Ich bin doch Nichtraucher.“

Schaffner: „Sie rauchen doch aber!“

Reisender: „Ja, aber nur ganz ausnahmsweise!“

Rosette
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Auch ein Trost

Herr (zum Kellner, am Bahnhof): „Jetzt habe ich, da ich solange aufs Essen warten mußte, den Zug versäumt!“ — Kellner: „Nun können Sie es wenigstens in Ruhe essen!“

Rosette
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Der galante Schaffner

Dame: „Kommt denn der andere Zug noch nicht bald, damit ich weiter fahren kann?“ — Schaffner (der Sekundärbahn): „Das ist sehr unbestimmt, verehrtes Fräulein. So nette regelmäßige Züge, wie Sie sie besitzen, haben wir bei unserer Sekundärbahn natürlich nicht!“

Rosette
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Verdächtig

Herr (im Eisenbahnzuge): „Wie ist dies Unglück geschehen?“

Schaffner: „Jemand hat die Notleine gezogen und den Zug zum Halten gebracht, und da ist der Schnellzug in uns hineingefahren. Es wird fünf Stunden dauern, bis die Strecke soweit geräumt ist, daß wir weiterfahren können.“

Herr: „Fünf Stunden! Himmel! Ich wollte mich heute verheiraten!“

Schaffner (ein verheirateter Mann, streng): „Hören Sie mal, sind Sie etwa derjenige, der den Zug zum Halten gebracht hat?“

Rosette
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Eine gemütliche Koffer-Reklamation

Eine fränkische Güterexpedition hat, nach der „Amberger Volksztg.“, dieser Tage folgenden Brief erhalten: „Liwe Giteräxbetütion! Warum schickst Du mir so lange meinen Kufer nicht. Ich habe Dir doch nikz gedan, das Du mir meinen Kufer nicht schickst. Sei so gud und schick mir doch meinen Kufer. Es grüßt Dich bestens Dein M. Sch.“

Rosette
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Gute Auskunft

Fremder: „Hält der Zug hier so lange, daß man ein Schnitzel verzehren kann?“ — Geschäftsreisender: „O, gewiß!“ — Fremder: „Sie kennen wohl den Fahrplan genau?“ — Geschäftsreisender: „Nee — aber die Schnitzel!“

Rosette
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Gefühlvoll

Auf dem Bahnhof in M. ist ein Assistent beschäftigt, der stets die Wagentüren eigenhändig zuschlägt. — Mein Freund Meier, mit dem zusammen ich neulich dort durchfuhr, schien das zu wissen, denn wie der Assistent an unsere Tür kommt, hat Meier den Riemen der Fensterscheibe zwischen die Türspalte geklemmt. Der Assistent ergreift die Klinke, holt aus und schlägt die Tür zu, wobei er „Vorsicht“ ruft. Aber: bumm ... fftt prallt die Tür zurück. Da steckt er seinen Kopf in den Wagen und schreit wütend: „Die Finger weg!“

Rosette
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Vorsorglich

„Fatal! Wenn ich jetzt meine Reisetasche bei mir hätte, da könnte ich gleich abfahren!“

„Hatten Sie denn vor, zu verreisen?“

„Natürlich, aber ich dachte, den Zug versäumst du doch, da läßt du die schwere Reisetasche lieber einstweilen zu Hause!“

Rosette
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Das Huhn[1]

In der Bahnhofshalle, Nicht für es gebaut, Läuft ein Huhn hin und her ... Wo, wo ist der Stationsvorsteh'r? — Wird dem Huhn Man nichts tun? Hoffen wir es — Sagen wir es laut: Daß ihm unsere Sympathie gehört, Selbst an dieser Stätte, wo es — „stört“.

Rosette
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Mißverständnis

Vor Abfahrt eines Zuges kommt Nathanael Tapetenmuster auf den Bahnhof gestürzt und fragt den Stationsvorsteher, wo er einem tiefgefühlten Bedürfnis entsprechen kann, und nachdem dieser ihm den Weg gesagt hat, zieht er sich zu geheimer Sitzung zurück. Der Zug ist nunmehr zur Abfahrt fertig und der Stationsvorsteher gibt das Zeichen zur Abfahrt, indem er mit Stentorstimme: „Fertig!“ ruft.

Da tönt Nathanaels Stimme aus dem bekannten Oertchen: „Nein — noch nicht!“

Rosette
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Imbisse des Coupés
Imbisse des Coupés

Der Rauch

Durchlaucht sitzen im Eisenbahncoupé und versuchen nach Möglichkeit die Reize der Landschaft zu genießen, durch welche der Zug dahinsaust. Aber gerade auf der schönen Aussichtsseite verhüllt der dichte Rauch der Lokomotive das Gebirgsbild. Ungeduldig wendet sich Durchlaucht zu seinem Begleiter: „Kindermann, lassen Sie dem Maschinenführer sagen, er möge — äh — möge den Rauch auf die andere Seite auslassen! Hier verdeckt er ja die schönste Gegend!“ Kindermann erhebt sich verlegen und will die Sache mit der Windrichtung begründen; aber Durchlaucht wehrt entschieden ab. Kindermann geht in den Durchgang hinaus und bespricht die Sache scheinbar mit dem Schaffner — natürlich ohne Erfolg. Durchlaucht wartet in übelster Laune auf die Rückkehr seines Begleiters. Kindermann versichert, es werde das Möglichste geschehen. Aber nach wie vor verdeckt der Rauch die Landschaft auf der linken Seite. Durchlaucht wird immer erregter. Da beschreibt die Bahn eine Kurve — der Wind treibt den Rauch auf die andere Seite. Und Durchlaucht spricht mißmutig: „Na also — warum geht es jetzt? Daß die Leute so schwerfällig sein können!“

Rosette
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Abgeführt

Eine Dame ruft voll verhaltenem Aerger, weil in ihrem Coupé geraucht wird:

„Schaffner, darf hier geraucht werden?“

„Ja, stecken Sie sich nur eine an!“

Rosette
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Gemiedlich

Rentier Bliemchendopp aus Dresden sitzt im Coupé, als ein Reisender einsteigt und über ihm ins Gepäcknetz seinen ziemlich gewichtigen Koffer stellt. Als der Zug eine Kurve macht, fällt der Koffer auf Bliemchendopps Kopf. Der Reisende entschuldigt sich vielmals und stellt den Koffer wieder hinauf. Ein zweites und drittes Mal fällt der Koffer auf Bliemchendopp herab und jedesmal überbietet sich der Reisende an höflichen Entschuldigungen. Als jedoch der Koffer das vierte Mal auf Bliemchendopp herunterpurzelt und der Reisende wieder seine Entschuldigungsphrasen loslassen will, sagt Bliemchendopp mit einer abwehrenden Handbewegung: „Jetzt brauchen Sie sich nich mehr zu endschuldchen, jetzt bin ich Se nämlich schon dran gewöhnd!“

Rosette
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Sein Geschäft

A: (zu seinem Coupé-Genossen während seiner Geschäftsreise): „Und wie geht denn in Ihrer Branche das Geschäft — auch so miserabel, wie in der meinigen?“ B: „O vorzüglich! Das Rohmaterial oberfaul, im Kundenkreise nichts als Jammer, gewaltsame Eingriffe jeden Tag zu Dutzenden ...“ — A: „Und das nennen Sie vorzüglich?“ — B: „Gewiß — Sie müssen nämlich wissen, ich bin — Zahnarzt!“

Rosette
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Wenn man dick ist

Herr (der soeben in einen Wagen der Berliner Ringbahn eingestiegen ist, zu einer sehr dicken Dame): „Warum weinen Sie denn, meine Gnädige?“

Dame: „Ach, lieber Herr, sehen Sie, durch diese Station bin ich nun schon dreimal gefahren — ich soll hier aussteigen, und ich kann nicht!“

Herr: „Warum denn nicht?“

Dame: „Ja, sehen Sie, ich bin etwas korpulent und muß deshalb rückwärts aussteigen. Wenn nun der Zug hält, mach' ich die Tür auf und setze den einen Fuß auf das Trittbrett. Jedesmal kommt dann der Schaffner, denkt, ich will einsteigen, gibt mir einen kleinen Schubs und schlägt mit den Worten: „Madamken, wenn Sie noch mitwollen, dann müssen Sie sich beeilen!“ — die Waggontür zu!“

Rosette
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Der Oberlehrer

Ein Oberlehrer wird in der Eisenbahn mit den Worten „Sie, geben Sie mal Streichhölzer“ um Feuer gebeten. Er erwidert: „Erstens habe ich keine Streichhölzer, zweitens würde ich Ihnen, selbst wenn ich solche hätte, keine geben, a) weil Sie mich in unhöflicher Weise darum angegangen haben, b) weil wir im Nichtrauchercoupé fahren.“

Rosette
Rosette

Der Gentleman mit dem Zylinderhut[2]

Hanns Heinz Ewers erzählt:

„Auf einer Fahrt durch Estremadura (Spanien) befand sich in meinem Coupé eine englische Dame, welche sich genierte, die primitiven aus zwei durchlöcherten Brettern bestehenden W. C. der spanischen Bahnstationen zu benutzen und deshalb seelische wie körperliche Qualen litt.

Da war es, daß ich ein seltenes, ein aufopferndes Bild von Edelmut und Herzensgüte erlebte.

Ein im Coupé sitzender Handlungsreisender erhob sich und nahm aus der Schachtel seinen neuen, wundervollen Zylinderhut. Er reichte ihn der Dame hin und sagte würdevoll:

„Madam! Dies ist ein Zylinderhut. Man kann ihn auch zu anderen Zwecken benutzen. — Ich und die beiden Herren möchten jetzt schrecklich gern hier aus dem Fenster hinaus die Gegend betrachten. — Wenn in der Zwischenzeit der Zylinderhut aus dem anderen Fenster hinausgeworfen würde, würde ich mir das zur hohen Ehre anrechnen!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte er den Zylinderhut neben die Dame, faßte uns am Arm und drängte uns zum Fenster hin. Wir unterhielten uns laut über die schöne Gegend, die aus Sand, verbranntem Gras und Telegraphenstangen bestand. Als wir sie genug bewundert zu haben glaubten, drehten wir uns wieder um. Der Zylinderhut war verschwunden, die Engländerin saß ruhig mit glücklichem Gesicht in ihrer Ecke. Sie warf dem Handlungsreisenden einen dankbaren Blick zu.

„Sie sind ein Gentleman!“ sagte sie einfach.

„Ja!“ sagte ich ergriffen und drückte ihm die Hand, „man sollte Ihnen ein Denkmal setzen!“

„O bitte!“ sagte der Herr vornehm. Und rasch brachte er ein anderes Gesprächsthema auf, erzählte höchst ergötzliche Geschichten von Leutnants und Schwiegermüttern.

„Welch ein Mensch!“ dachte ich.

Alles nimmt ein Ende. Und so gelang es schließlich auch unserer braven sechzigjährigen Lokomotive „Esmeralda“ uns nach Sevilla hineinzuschleppen. Sie schnarchte fürchterlich und war schrecklich müde — das arme Tierchen!

Wir stiegen aus, der Handlungsreisende reichte liebenswürdig der englischen Dame ihre Gepäckstücke und ich sah, wie er die Adresse auf ihrem Koffer las.

„Miß Maud Clifton, Park Road, Sheffield!“ murmelte er. — „Sheffield? — Das ist gut, da ist ja die Firma Winter Brothers!“

Er half der Dame beim Aussteigen. Dann kritzelte er ein paar Worte auf eine Karte und wandte sich an mich:

„Lieber Landsmann,“ sagte er, „ich muß unserer Reisegefährtin mit dem Gepäck behilflich sein. Wollen Sie mir wohl dies Telegramm hier aufgeben?“

Ich war froh, dem hochherzigen Mann einen kleinen Dienst erweisen zu können und sprang schnell zum Telegraphenbureau. Die Depesche lautete:

Winter Brothers, Sheffield!

„Hat Miß Maud Clifton, Sheffield, Park Road, eigenes Vermögen? Und wieviel? Drahtantwort. Lehmann in Firma Obermeier, Berlin, zur Zeit Sevilla, Hotel Cadiz.“

Nachdem ich das Telegramm aufgegeben hatte, suchte ich mein Handgepäck zusammen und lief zum Hotelwagen, der bis zum letzten Platz besetzt war.

„Sie müssen in ein anderes Hotel!“ rief mir Herr Lehmann aus dem Fenster zu, „in diesem ist alles besetzt.“ —

„Die Depesche ist besorgt, sie hat acht Pesetas vierzig gekostet!“ sagte ich.

„Schon gut,“ meinte Herr Lehmann. „Wenn nur die Antwort befriedigend ist!“ Er beugte sich hinaus und sagte vertraulich: — „Hübsch ist sie ja, die Miß, wenn sie nun auch noch Geld hat, können wir bald Verlobung feiern!“

„O!“ beteuerte ich. „Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Glück! — Sie edler Mensch, Sie! Sie Gentleman! — Ihr neuer Zylinderhut!“

„Reden Sie doch nicht!“ sagte Herr Lehmann, „meinen Sie denn ich würde auf ein so schwaches Risiko hin meinen eigenen Zylinderhut hergeben?! — Nicht mal die Telegrammkosten!“

Der Kutscher knallte. Der Hotelwagen knatterte über das Pflaster hin.

Eine schreckliche Ahnung stieg in mir auf. — Ich öffnete meine schöne lederne Hutschachtel — — sie war leer!

O dieser Gentleman — — dieser scheußliche Gentleman!

Wenn er aber Hochzeit macht — — ich werde ihm telegraphisch meine Rechnung schicken! —“

Rosette
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Ein frecher Trick

Mayer und Kohn fahren zusammen mit der Bahn. Kohn hat keine Fahrkarte. Wie sie zur Endstation kommen, sagt Kohn zu Mayer: „Borg' mir e Moment deine Fahrkarte.“ Mayer gibt Kohn seine Karte. Kohn schreibt rückwärts seinen Namen darauf und gibt die Karte wieder dem Mayer zurück. Beide steigen aus. Mayer gibt beim Ausgang seine Karte ab und hinter ihm kommt Kohn. „Bitte, die Fahrkarte,“ sagt der Beamte. „Hab' ich Ihnen ja gerade gegeben.“ „Das ist nicht wahr,“ sagt der Beamte. „Wieso nicht wahr?“ sagt Kohn, „sehen Sie, bitte, nach, ich hab' mein' Nam' auf die Karten d'raufgeschrieben, ich heiße Kohn.“ Der Beamte schaut nach, findet richtig die Karte und sagt zu Kohn: „Gut, Sie können gehen.“ Kohn: „Wie haißt, Sie können geh'n, das Beschwerdebuch will ich haben!“

Rosette
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Abfuhr

Veitel Troddeles sitzt im Coupé neben einem Offizier und raucht eine hundsgemeine Stinkadores. Der Offizier murmelt indigniert etwas von „schreckliche Jesellschaft“ und bietet ihm seufzend eine von seinen teuren Zigarren an.

Veitel Troddeles akzeptiert diese dankend, steckt sie aber nicht an, sondern ein, und schmaucht seinen Stänker weiter. Der Offizier ruft wütend:

„Aber Mann Gottes, nun rauchen Se doch um Gottes willen die andere Zigarre!“

„Ach nein,“ sagt Veiteles, „die rauch' ich mal, wenn ich bin in ä feinere Gesellschaft!“

Rosette
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Schlechter Trost

Ein Brautpaar fährt mit der Eisenbahn und erhält auf seine Bitte vom Kondukteur in dem wenig besetzten Zug ein separates Coupé eingeräumt. Während der Fahrt erlaubt sich das Paar allerlei Zärtlichkeiten, als plötzlich ein Mann unter der Bank hervorkriecht. Erschreckt ruft der Bräutigam: „Was tun Sie hier — haben Sie uns beobachtet?“ — „Oh nein, seien Sie unbesorgt, ich habe nichts gesehen; ich bin ein ‚blinder Passagier’.“

Rosette
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Beste Lösung

Zwei Damen sitzen im Eisenbahncoupé, die eine macht das Waggonfenster auf, da sagt die andere: Das Fenster muß zubleiben, ich bin leidend, wenn ich einen Zug bekomme, kann ich momentan tot sein. Die andere sagt wieder: Ich halt's nicht aus beim geschlossenen Fenster, ich muß Luft haben, sonst trifft mich der Schlag. Es entsteht ein großer Streit, der Kondukteur kommt und sagt folgendes: „Also machen wir zuerst das Fenster auf, dann sterben Sie, dann machen wir's zu, dann trifft Ihnen der Schlag — dann haben wir Ruhe!“

Rosette
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Ein Idiot

A: „Mir ist so schlecht, ich kann es gar nicht beschreiben.“

B: „Ja, von was denn?“

A: „Wissen Sie, ich bin von Pest nach Wien gefahren und immer im Coupé verkehrt gesessen.“

B: „Wieso verkehrt?“

A: „Na, gegen den Zug.“

B: „Da hätte ich doch mein vis-à-vis ersucht, es soll mit mir den Platz wechseln!“

A: „Ja, das hätte ich ja auch getan. Aber es ist niemand vis-à-vis gesessen.“

Rosette
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Aller Anfang ist schwer

Ort der Handlung: Ein Eisenbahnzug „drüben“. In einer Ecke am Fenster ein junger, eben eingewanderter Fremdling — in der anderen gleichfalls am Fenster ein alter würdiger Yankee pur sang. Dieser, eifrig mit Tabakkauen beschäftigt, spuckt von Zeit zu Zeit mit großer Vehemenz und noch größerer Zielsicherheit nicht etwa aus seinem Fenster, sondern zum jenseitigen hinaus, dicht an des „foreigner“ Nase vorbei. Der Neuling, mit des Landes Sitten nicht vertraut, beschließt, dem Mitinsassen eine Lektion zu erteilen, und indem er sich den Anschein gibt, als beabsichtige er durch das neben dem Amerikaner befindliche Fenster zu spucken, trifft er den würdigen Herrn mitten ins Gesicht. Der jedoch schüttelt milde tadelnd sein Haupt und sagt gelassen: „Sie sind noch ein Anfänger, mein Herr!“

Rosette
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Kaltblütig

Ein Eisenbahnzusammenstoß hat einige Waggons zertrümmert. Dabei sind dem Diener eines Lord beide Beine abgequetscht worden. Als man das dem Lord, der selbst unbeschädigt geblieben ist, mitteilt, sagt er:

„Well, bringen Sie mir das Bein, wo sind drin meine Kofferschlüssel!“

Rosette
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Die Tomatensauce

In einem Coupé machten sich bei dem von einem opulenten Diner heimkehrenden Herrn Großkotz aus Klein-Pankow die Folgen der zu starken Nahrungsaufnahme in explosiver Weise bemerkbar und das Ungewitter entladet sich unglücklicherweise gerade auf den Anzug eines ihm vis-à-vis sitzenden Herrn, der ebenfalls angesäuselt, eingeschlafen ist. Der Attentäter will sich durch einen Trick aus der Affäre ziehen, weckt den Herrn und sagt: „Na, guter Mann, ist Euch jetzt wieder besser?“

Der Herr sieht sich verdutzt um und sagt endlich: „Dunnerkeil, ich — habe — aber — doch seit Monaten keine Tomaten mehr gegessen!“

Rosette
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Auf einen groben Klotz

Szene: Ueberfüllter Wagen der Ringbahn in Bremen. Eine Dame steigt ein und muß stehen; ein Arbeiter erhebt sich und nun entspinnt sich folgendes Gespräch:

Arbeiter: „Madame, nehmen S' minen Platz, ick kann ehder stahn.“

Dame (hochmütig): „Danke, ich setze mich auf keinen warmen Platz.“

Arbeiter: „Denn kann'k dett nicht helpen, Madamm, een Isbüdel kann'k mer nich in de Boxen hangen.“

Rosette
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Vorschläge, den Raubanfällen auf der Eisenbahn abzuhelfen

Wenn einer eine Reise tut, so kann er — totgeschlagen werden. Leider Gottes ist das eine Binsenwahrheit für deutsche Verhältnisse geworden.

Da ist es denn überaus erfreulich, zu erfahren, daß die Bahnverwaltung auf alle möglichen Mittel sinnt, um den Prozentsatz der Morde in den D- und Schnellzügen auf das normale Maß zu reduzieren.

Der Vorschlag, alle Reisenden vor Antritt der Fahrt der Untersuchung durch das Bertillonsche Meß-System zu unterwerfen, um berüchtigte Raubmörder von vornherein zu fassen, hat manches Mißliche, da er eine unerhörte Belästigung des Publikums darstellt.

Auch die Versuche, den einzelnen Zügen Berliner Kriminal-Schutzleute mitzugeben, sind total mißglückt, da die braven Beamten von dem Raubgesindel in der frechsten Weise bestohlen und ausgeplündert wurden.

Aussichtsvoller wäre schon der Plan die so hochintelligenten Polizeihunde der Eisenbahnbehörde zur Verfügung zu stellen. Aengstliche Reisende, die größere Geldsummen mit sich führen, könnten dann eine „Fahrkarte mit Hund“ lösen, müßten aber, da die Bahnverwaltung diese Vierfüßler, selbst wenn sie als „königliche Staatsbeamte“ fungieren, nur in gesonderten Abteilen transportieren läßt, im — Polizeihunde-Coupé, Platz nehmen, ein Umstand, der der Durchführung genannter Idee einige Hindernisse bereitet. Immerhin dürfte selbst der besonders furchtsam veranlagte Reisende einzig und allein im Polizeihunde-Coupé ein unbedingtes Gefühl der Sicherheit auf den deutschen Staatsbahnen erhalten.

Gegen das Verbot, unter keinen Umständen nur zwei Passagiere in einem Abteil fahren zu lassen, protestieren wieder energisch die Hochzeitsreisenden, die sich sogar scharf gegen die Beleuchtung der Tunnelpassagen ausgesprochen haben. —

Ernsthafter ist schon die Idee zu betrachten, die Passagiere vor Antritt der Fahrt sorgfältig nach dem Zweck ihrer Reise zu befragen. Hier wäre für intelligente Bahnbeamte ein weites Gebiet der Tätigkeit.

Wenn z. B. ein gewisser Klamotten-Ede erklärt, er wolle nach Norderney, um zur Stärkung seiner Gesundheit einige Dutzend Fußbäder zu nehmen, so wäre dies durchaus auffällig, und weitere Recherchen würden vielleicht die Unrichtigkeit seiner Angaben bestätigen.

Auch die Aussage der berüchtigten „Troddel-Bertha“, sie fahre nach Bernau, um Untersuchungen über die Säuglingssterblichkeit in Kellerwohnungen anzuregen, könnte allzu berechtigten Zweifeln begegnen.

Ebensogut wäre Mißtrauen am Platze, wenn ein Berliner Geldschrankknacker den Nachtzug Berlin-Köln angeblich dazu benutzt, um der Frühmesse im Dom beizuwohnen oder vielleicht Kölnisches Wasser für seine „Braut“ zu kaufen!

Hier nun muß die Bahnschutz-Kontrolle einsetzen. Sobald sich daher ein derartig verdächtiges Individuum einem Passagier gegenübersetzt, wird dieser sofort davon verständigt. Dann wird die Hosenschnalle des Gefährdeten durch eine Zuckerschnur mit der Notleine verbunden, die rechte Hand des Verdächtigen anderseits mit der Bremsvorrichtung, so daß jedes Zerren daran den Zug auf der Stelle zum Stehen bringt.

Da weiterhin „Raubmörder“ gewöhnlich das Opfer während der Lektüre überfallen, so werden dem Gefährdeten durch den Zugführer sämtliche eventuell in seinem Besitz befindlichen Zeitungen und Broschüren abgenommen.

Bevor ein Tunnel passiert wird, tritt der diensttuende Schaffner in das Coupee hinein und versorgt den gefährdeten Passagier mit Beschwerdebuch, schwedischen Streichhölzern und einer kurzen gedruckten Anweisung zum Jiu-Jitsu.

Diese Vorbereitungen werden den Raubmörder derartig beunruhigen, daß er sich meistens auf der nächsten Station in unauffälliger Weise — drückt!

Sehr zu empfehlen ist ängstlichen Passagieren auch der von der Bahnbehörde gelieferte künstliche Oberkopf, in dem sich ein elektrisches Läutewerk befindet. Es erregt erfahrungsgemäß regelmäßig bei dem „Opfer“ große Heiterkeit, wenn der „Verdächtige“ mit seinem Hammer wie verrückt darauf losschlägt und das gesamte Schaffnerpersonal alarmiert, während der Passagier — in aller Ruhe seine Zeitung liest!

Max Brinkmann.

Rosette
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Im Speisewagen

„Ich hab' vier Passionen, wissen Sie: Pferde, Hunde, Damen und Weiber.“

„Und in was reisen Sie?“

„In Barchent.“

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Flohbisse des Hotels
Flohbisse des Hotels

Zimmerkellner (zum Passagier): „Also hier ist Ihr Zimmer!“

Passagier: „Ist das Zimmer auch rein?“

Zimmerkellner: „Selbstredend!“

Passagier: „Sind im Bett Flöhe?“

Zimmerkellner: „Wo sollen sie denn sein?“

Rosette
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Der gute Ruf

Auf dem Weg nach Rügen kamen wir in Berlin an, dort gedachten wir, eine Nacht zu bleiben.

Ich wollte unser Gepäck beheben, da zeigte es sich, daß meine Frau den Aufgabeschein verloren hatte. Wir hielten uns nicht weiter auf und fuhren ohne Gepäck ins Hotel.

„Nee,“ sagte der Portier, „Paare ohne Jepäck dürfen wa nich uffnehmen.“

Ich schlug Lärm und verlangte nach dem Wirt.

Er kam, ließ sich den Fall vortragen und zuckte die Achseln.

„Ick muß den juten Ruf von meenem Etablissemang wahren“ sprach er. „So spät am Abend könn wa keen Zimmer jeben — an Paare, die wo nich wenichstens ennen Hutkarton mithaben.“

Roda Roda.

Rosette
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Reiseerlebnis

Rentier Striese aus Leipzig kommt von einer Reise zurück und erzählt an seinem Stammtisch:

„Wissen Se, da is mer in Götschenbrode ä närrsches Ding bassiert. Also, wie ich nachts eene Weile im Hodelbette liege, beißt mich uff eemal e Floh. Nu, ich schnell Licht gemacht und das Luderchen gefangen. Aber das arme Dierchen zu deeden hatt 'ch doch nich ibersch Herz bring genn un so sperrt 'ch den Floh in meine Daschenuhr untersch Uhrglas. — Was soll 'eh Ihnen sagen, als 'ch am nächsten Morchen nachsehe, hat sich das freche Vieh uff'n Sekundenzeiger gesetzt un läßt sich Karussel fahren!“

Rosette
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Leben, und leben lassen

Zwei Geschäftsreisende haben eine kleine Bierreise gemacht und kommen bezecht in ihr Hotel zurück. Im Dusel öffnen sie statt der Tür zu ihrem Schlafzimmer die Tür zum Nebenzimmer, wo eine Dame logiert. Erschreckt springt diese aus dem Bett und ruft, da sie die beiden für Raubmörder hält: „Ach Gott, lassen Sie mich doch leben!“ — „Karle,“ sagt darauf der eine, „warum sollen wir sie nicht leben lassen?“ — Beide: Sie lebe hoch! Sie lebe hoch! Dreimal hoch!

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In einem Hotel, wo ein Reisender wohnt, steigt neben sein Zimmer ein junges Ehepaar, welches sich auf der Hochzeitsreise befindet, ab. Der Reisende wird fortwährend aus seinem Schlafe gestört, weil die junge Frau immer zu ihrem Manne sagt: „Ach, Felix, du bist so süß. Dich soll man vergolden!“ Endlich wird dem Reisenden die Sache zu dumm, er klopft heftig an die Tür, das Ehepaar erschrickt und fragt: „Wer ist's?“ Drauf sagt der Reisende: „Der Vergolder, damit amal a Ruh' is!“

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Ein „Messeresser“

... bildet oft das stille Vergnügen seiner Tischnachbarn. Von einem solchen Original, und zwar einem solchen aus Wildwest, wird folgende Leistung erzählt. Seine Geschäfte führten ihn wieder einmal unter die Menschen, und er stieg in einem Gasthofe ab. Als er zum Essen ging, sprach er tapfer zu, aber er aß sein ganzes Mahl mit dem Messer und merkte erst zum Schluß der Tafel, daß er keine Gabel hatte. So sagte er denn zu seinem Geschäftsfreunde: „Denken Sie sich, der Kellner hat mir gar keine Gabel gegeben.“ „Das schadet ja auch nichts,“ erwiderte der Freund, „Sie brauchen sie ja doch nicht.“ „Die brauch' ich nicht?“ kam es von den Lippen des Mannes aus Wildwest. „Womit soll ich denn sonst zum Teufel den Kopf kratzen?“

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Wenn's geht

Ein Engländer hat in einem kleinen Ort in der Nähe des Rheins ein paar Tage gewohnt und läßt sich bei seiner Abreise die Rechnung bringen. Hier findet er alles der Ordnung gemäß. Als letzter Posten war aufgeführt: „Wenn's geht ... 3,50 M.“ Erstaunt fragte er den Gasthalter: „Uas ist das: „Wenn's geht“?“ „No,“ sagt der Gasthalter, „wenn's net geht, do streiche mer's widder dorch!“

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Merkwürdig

Der Pikkolo eines Hotels will der Köchin einen Schabernack spielen und streut ihr vorm Schlafengehen Juckpulver ins Bett.

„Komisch,“ sagt er am nächsten Morgen zu seinem Kollegen, dem er von seinem Streich erzählte, „komisch, die Köchin kratzt sich ja gar nicht und das Merkwürdigste, guck bloß mal den Oberkellner, der kratzt sich ja fortwährend!“

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Im Hotel

„Bedaure, wir sind vollständig besetzt! ... Wir haben nur mehr ein Zimmer mit zwei Betten frei!“

„Das genügt uns ja aber auch!“

„Pardon! ... Ich dachte, die Herrschaften seien verheiratet!“

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Auf Reisen

„Wirklich, Schatz — wir steigen im Hotel Greif ab? Das ist gescheit. In dem Hotel hab ich mich auch voriges Jahr einmal verlobt.“

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Ein sehr nervöser Hotelgast wendet sich an den Portier des Hotels mit der Bitte, dieser möge doch die Bewohner der angrenzenden Zimmer um möglichste Ruhe beim Schlafengehen ersuchen, da ihn das geringste Geräusch foltere. — Einer seiner Zimmernachbarn kommt nachts nach Hause, denkt nicht an den nervösen Herrn, und während er sich auskleidet, wirft er geräuschvoll seinen einen Stiefel in die Ecke. Da fällt ihm das Ersuchen des Portiers ein, und er beendet das Auskleiden möglichst geräuschlos. Nach drei Stunden weckt ihn sein nervöser Nachbar aus dem Schlaf: „Ja, um Gottes willen, Mensch, wann werden Sie endlich den anderen Stiefel in die Ecke werfen, ich warte schon drei Stunden darauf?“

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Diensteifrig

Ein Kellner steht, rückwärts sich kratzend, bei einem Gast, der soeben eine Auswahl unter den Speisen trifft; der Gast beobachtet den Kellner und fragt ihn: „Haben Sie Hämorrhoiden?“ „Werde gleich in der Küche nachfragen!“ antwortet derselbe und eilt geschäftig weg.

Rosette
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Die geheime Zeichensprache der Geschäftsreisenden

Auch die Geschäftsreisenden — dieses Faktum dürfte manchem noch unbekannt sein! — haben eine Art der geheimen Verständigung durch Zeichen, die, ähnlich der Zeichensprache der „Stromer von der Landstraße“, den einzelnen quartiersuchenden Individuen eine klare und präzise Auskunft über die Güte und charakteristische Besonderheit des gekennzeichneten Hotels gibt. Die Hieroglyphen werden meistens unterhalb der Nachtklingel des Gasthauses mit Bleistift auf den Mauerkalk gekratzt.

Hier folgen die wesentlichen Bestandteile der Sprache:

Zeichen_01
Zeichen_01

Kleiner Strich in Hufeisenform : Es wird Fleisch, das hinreichend verdächtig erscheint, von der Peitsche eines Droschkenkutschers mürbe geschlagen zu sein, zu Beefsteaks und Klopsen verarbeitet.

Zeichen_02
Zeichen_02

Großer Strich in derselben Form, mit Apfel in der Mitte: Der Wirt ist ein absolutes Pferd.

Zeichen_03
Zeichen_03

Ein lateinisches K, über dem die bekannte Zeichnung des nützlichsten Haustieres prangt: Der Kaffee ist unter der Sau!

Zeichen_04
Zeichen_04

Der dreifach geschriebene Buchstabe W: Achtung! Wanzen!

Zeichen_05
Zeichen_05

Ein kleines v vor der gleichen Buchstabenreihe: Achtung, viel Wanzen!

Zeichen_06
Zeichen_06

Eine Wiege und ein Hundeschwanz: Die Betten sind hundsmiserabel!

Zeichen_07
Zeichen_07

Ein bekanntes und sehr zweckmäßiges Inventarstück des Schlafzimmers: Bitte nie Bouillon bestellen! Eventuell vor dem Genuß durch ein Sieb filtrieren! —

Zeichen_08
Zeichen_08

Ein Stiefelknecht mit Ohren: Vorsicht! Der Hausdiener und die Zimmermädchen lauschen an den Türen!

Zeichen_09
Zeichen_09

Nichts zu machen! Weibliche Bedienung gegen Liebenswürdigkeit sehr unempfänglich!

Zeichen_10
Zeichen_10

Ein Besen: Weibliche Bedienung reagiert auf Zärtlichkeiten sehr unangenehm!

Zeichen_11
Zeichen_11

Rasierpinsel zum Einseifen: Aufpassen beim Begleichen der Zeche! Zahlkellner ist ein gewitztes Luder! Doppelte Buchführung!

Max Brinkmann.

Rosette
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Vorschlag

Das Stubenmädchen eines bekannten Leipziger Hotels, das wegen seiner guten Verpflegung von Reisenden viel besucht wird, kommt zum Rechtsanwalt, um eine Alimentenklage anhängig zu machen. Auf die Frage, gegen wen die Klage gerichtet werden soll, tiefes Schweigen und schließlich das Bekenntnis, daß sie ihre Gunst mehreren zugewendet habe und den Vater nicht angeben könne. Darauf aufmerksam gemacht, daß unter diesen Umständen die Klage unmöglich sei, erfolgt die schüchterne Frage, „Herr Notar, könnte man sie denn nicht gegen den ‚Verband reisender Kaufleute’ richten?“

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Verständigung

An den Türen des Speisesaals eines Alpenhotels prangt: „On parle français.“ „English spoken.“ „Si parla italiano.“

Mendel Auerhahn der Jüngere, sehr gebildet, aber noch nicht ganz fertig, tritt ein, nimmt Platz und ruft, den Kellner: „Give me a menu card!“

Der Kellner bleibt lächelnd stehen.

„Donnez-moi la carte de menu!“

Der Kellner bleibt lächelnd stehen.

„Prego di darmi la carta di menu!“

Der Kellner sagt leise: „Wissen Se was. Ich werd' Ihnen bringen Gansbiegel mit Ritscherl.“

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Unerhörte Neugierde

Ein Reisender kam in ein Hotel und wollte seinen Namen in das Fremdenbuch eintragen, als er einen Floh in dem Buch herumkriechen sah. Die Feder wegwerfen, sein Gepäck nehmen und fortgehen, war bei ihm das Werk eines Augenblicks, wobei er ausrief: „Ich habe in bezug auf Ungeziefer schon einiges mitgemacht, daß aber dieses Vieh schon gleich im Fremdenbuch nachsieht, in welchem Zimmer man untergebracht ist, das ist mir zu stark!“

Rosette
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Reiselatein

Zwei Reisende, beide in feuerfesten Geldschränken machend, sitzen abends zusammen im Hotel. Nach kurzer Zeit entbrennt natürlich ein lebhafter Disput über die Prävalenz der vertretenen Firmen.

„Ich sage Ihnen,“ renommierte der Eine, „wir haben neulich in einen unserer Schränke einen lebendigen Hahn gesetzt, ihn dann 24 Stunden ununterbrochen der stärksten Glühhitze ausgesetzt, nachher wieder abgekühlt und geöffnet. Wir sehen nach dem Hahn und denken Sie — das Tier lebte noch!“

„Das ist noch gar nichts. Wir haben genau denselben Versuch gemacht, aber als wir den Schrank öffneten, da war der Hahn — erfroren!“

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Fatale Vergeßlichkeit

Erster Hotelkellner: „Nein, was bei uns für vergeßliche Leute verkehren. Hat da neulich eine junge Dame ihre ganzen Schmucksachen liegen lassen!“

Zweiter Hotelkellner: „Das ist noch gar nichts! Bei uns steigt da neulich ein Hochzeitspärchen ab und nimmt ein Zimmer. Am nächsten Morgen muß die junge Frau mal aus dem Zimmer. Aber als sie wieder zurück will, hat sie die Zimmernummer vergessen. Sie stürzt auf mich zu und fragt mich, welches Zimmer sie habe. „Ganz einfach,“ sage ich, „da sagen Sie mir nur Ihren werten Namen, ich gehe runter und sehe im Fremdenbuch nach, welche Nummer Sie haben!“ Was soll ich dir sagen, den Namen von ihrem Manne hatte sie sogar vergessen. Nee, so was von Vergeßlichkeit!“ —

Rosette
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Aus der Cholerazeit

Hotelier: „Mein Herr, ich muß Sie im Interesse meines Hotels und beziehungsweise meiner sonstigen Gäste dringend ersuchen, sich untersuchen zu lassen, denn Sie waren in dieser Nacht achtmal am Abort!“

Handlungsreisender: „Ganz richtig! Aber beruhigen Sie sich nur, mein Lieber! Es war eben siebenmal besetzt!“

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Ueberlistet

Ein Hotelgast, welcher sich nicht den ganzen Tag mit seinem Schirm abschleppen will, läßt denselben im Lesezimmer stehen, nachdem er folgende Karte daran befestigt: „Dieser Schirm gehört dem Champion-Preisboxer Knuffer. Bin in zehn Minuten zurück.“ — Als er abends zurückkommt, ist der Schirm fort, an seiner Stelle aber findet Knuffer folgende Karte: „Diese Karte gehört dem Champion-Schnelläufer Eilemann. Kann nicht sagen, ob ich je zurückkomme.“

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Hotelordnung im amerikanischen Osten

Im „Oklahoma-Hotel“ ist folgende Hausordnung im Fremdenzimmer vorgeschrieben: „Gentlemen, welche mit ihren Stiefeln zu Bette gehen, bezahlen einen Extrazuschlag. — Drei Schläge an der Tür bedeuten, daß ein Mord im Hause geschehen ist und daß Sie aufstehen müssen. — Das Abschießen einer Pistole ist kein genügendes Alarmzeichen. — Es ist verboten, die Tapeten abzureißen, um damit die Pfeife anzuzünden. — Die Ratten werden Sie nicht fressen, wenn sie Ihnen auch einmal übers Gesicht fahren. — Im Falle es durch die Decke zu stark hineinregnen sollte, finden Sie unter Ihrem Bett einen Regenschirm.“

Rosette
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Die Berufskrankheit

In Venedig lernten wir ein nettes Ehepaar aus Deutschland kennen — aber die Frau war vom Reisen keineswegs entzückt. Sie wollte bald wieder heimkehren.

„Es is so peinlich,“ sagte sie, „mit meinem Mann. Er war doch ehemals maitre d'hôtel — un wenn nu jemand an't Jlas kloppt, springt er unwillkürlich uff un rennt hin.“

Rosette
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Hoteladel

„O, bei uns steigt lauter hocharistokratisches Publikum ab. Das dort ist der Graf Plein — hier Baron Königshaus, und der Alte in der Ecke, das ist der Herr von Nr. 59.“

Roda Roda

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In Metz war's, in einem ausschließlich von Geschäftsreisenden frequentierten Hotel, wo einer dieser ruhelosen Jünger Merkurs an der Tafelrunde die Zusammensetzung seines Artikels — Wichse — erklärte. Nachdem er die einzelnen Substanzen, als Elfenbeinschwarz, Schwefelsäure, Oel usw., aufgezählt hat, fragt ein Berliner: „Nu sagen Sie mal, Kolleje, was jibt denn da nu'n Jlanz?“ — „De Berschte!“ platzt ein Herr raus.

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In einem ehrbaren Gasthof des bayerischen Hochlandes findet sich in den Fremdenzimmern folgender Anschlag:

„In den Preis des Zimmers ist das Zimmermädchen nicht mit einbegriffen!“

Rosette
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Am Gardasee

Ich stellte ärgerlich meinen Wirt zur Rede: „Ich muß seit Monaten zehn Lire Pension zahlen und mein Nachbar, der Berliner, der heute gekommen ist, zahlt für das gleiche Zimmer, die gleiche Küche nur sieben.“

Der Wirt zuckte die Achseln.

„Was wollen Sie,“ sagte er, „— e fortunato. Er hat Glück.“

Roda Roda

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Frau Goldstein (im Hotel): „Sie Portier, wo steckt denn wieder der Liftgoy?!“

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In Galizien in einem kleinen Orte, wo kein Hotel existiert, steigt ein Reisender in einem Gasthofe ab. Um 12 Uhr mittags weckt ihn der Wirt und sagt: „Steh'n Sie auf, es ist Zeit zum Essen.“ Der Reisende sagt: „Ich dank' schön. Ich hab' kan Appetit.“ Der Wirt erwidert: „Ich brauch aber doch das Bettlaken zum Tischdecken.“

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Was alles im Hotel liegen bleibt!

Herr Klepper war um 5 Uhr des Morgens aufgewacht, schnell zog er sich an und eilte nach dem Bahnhofe. Als das Zimmer aufgeräumt wurde, fand man seine drei falschen Zähne mit mächtiger Goldplatte. — Die Sängerin Jolanda war um 10 Uhr des Morgens abgereist, was hatte sie liegen lassen? Ein Strumpfband mit silbernem Schloß, Wappen A. von M. — Der Geschäftsreisende Schirmer war um 7½ Uhr morgens aufgestanden, unbekannt wohin gereist, was fand man in seinem Bette? Eine kleine goldene Uhr. — Herr Eberlein reiste in der Frühe ab, was fand man in seinem Bette? Ein kostbares Juchten-Zigarrenetui mit geheimem Verschluß. — Ein Brillantenhändler aus Brüssel hatte im Schlafzimmer eine Zahnbürste liegen lassen. Er holte sie nach einigen Tagen ab, da fand man auch noch einige Perlen dabei liegen, worauf er sagte, „die gehören nicht mir.“ — Mit einem großen Paket war ein Ehepaar angekommen. Sie zahlten im Voraus und gingen morgens in aller Frühe. Was ließen sie liegen? Ihr Paket. Es wurde geöffnet, und was fand man darin? Vier große Zigarrenkästen ohne Zigarren, aber mit Eierschalen. — Frau Professor hatte einige Tage im Hotel gewohnt, sie reist ab, da vergißt sie ihren Photographenapparat, den sie täglich spazieren führt, mitzunehmen. Ein Telegramm trifft ein; da fällt der Apparat auf den Boden und mit ihm Seife, Waschlappen, Puder, Schminke usw. Es war nur ein Renommierapparat gewesen; recht praktisch für die Frau Professor.

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Musterkoffer der Tollheit
Musterkoffer der Tollheit

Mißverständnis

Ein Herr kommt in einen Handschuhladen.

Verkäuferin: „Womit kann ich Ihnen dienen?“

Herr: „Ach, weißt du, du kannst mir ein Paar Glacéhandschuhe geben!“

Verkäuferin (erstaunt): „Was wünschen Sie?“

Herr: „Na, ich hab's dir ja schon gesagt, du möchtest mir ein Paar Glacéhandschuhe geben!“

Die Verkäuferin geht kopfschüttelnd und empört zum Chef und sagt: „Herr Klosettdeckel, da ist vorne im Laden ein wildfremder Mann, der mich in unverschämtester Weise duzt.“

Der Chef geht nach vorn in den Laden.

Chef: „Sie wünschen, mein Herr?“

Herr: „Ja, ich habe es doch schon deinem Fräulein gesagt, du möchtest mir ein Paar Glacéhandschuh geben!“

Chef (wütend): „Herr, was soll das heißen? Erst duzen Sie meine Verkäuferin und jetzt machen Sie mit mir dieselben Tollheiten?!“

Herr (ruhig): „Tollheiten? Wieso? Da draußen in dem Schaufenster steht doch ein Schild:

Glacéhandschuhe à Paar 3 Mark Duzend billiger!

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Korrekt

Diener: „Da ist der Weinhändler mit der Rechnung für den Champagner; soll ich ihn hinausschmeißen?“

Herr: „Nein, noch nicht; ich muß doch erst sehen, ob die Rechnung auch stimmt.“

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Nix zu machen!

Ein Hausierer kommt zu einem reichen Juden und bietet ihm Hosenträger an. „Nee, ich kaufe nix!“

„Nu, wenn ich Ihnen sag', es is e prima Qualität!“

„Nee, nee! Ich kaufe nix!“

„Nu, wenn Se nix kaufen, sind Se das größte Kameel, Rindvieh un Heupferd, das jemals gelebt hat!“

„Se kennen mir schmeicheln wie Se wollen, aber ich kaufe nix!“

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Sicheres Kennzeichen

Prinzipal: „Nun, haben Sie den Schuldner Müller gefunden?“ — Kommis: „Leider nicht. In dem Hause wohnten eine Menge Müller, von denen keiner unser Gläubiger sein wollte. Der letzte hat mich sogar hinausgeworfen.“ — Prinzipal: „Zu dem gehen Sie noch einmal hin — der ist's.“

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Gerechtfertigter Wunsch

Beim Minister des Innern hat ein Herr Audienz, der wegen Namensveränderung petitioniert.

„Wie heißen Sie?“

„Mein Name ist: Zietz.“

„Ja, das ist doch ein ganz schöner Name; weshalb wollen Sie ihn denn ändern?“

„Ich hab' doch ein Geschäft! Und sowie ich angerufen werde und sage: Hier Zietz! ruft der andere immer: Machen Sie die Tür zu!“

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Die beiden Stotterer

Zwei Geschäftsreisende, die beide stottern, gehen zusammen spazieren.

Plötzlich sagt der eine: „Sieh—m—m—mal, da si—si—sitzt ein V—V—V— — schon fortgeflogen!“

Nach einer Weile der andere: „V—V—Vorsicht, d—d—da liegt — sch—sch— schon reingetreten!“

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Uebertrumpft

In einer Gesellschaft unterhält man sich mit drolligen Erzählungen von Kleinbahn-Erlebnissen.

„Das ist alles noch gar nichts,“ prahlte u. a. der Schnellphotograph Müller, „ich sprang mal während der Fahrt aus dem Zuge, rannte ein Stück voraus und photographierte den heranbrausenden Zug von vorn!“

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Das Kaufhaus der Zukunft

Nur noch kurze Zeit und im fashionablen Westen Berlins wird wiederum ein neues elegantes Riesen-Warenhaus eröffnet und mit Wertheim, Tietz und Jandorf um die Palme der Konkurrenzlosigkeit ringen. Von dem bisher ungeahnten Komfort desselben werden jetzt bereits Wunderdinge erzählt. Wir sind in der Lage, einige Details aus dem Betriebe des neuen Kaufhauses veröffentlichen zu können.

Jeder Besucher wird beim Eintritt vom Portier nach seinen Wünschen gefragt, hierauf in eine passende Kapsel gepackt und a la Rohrpost an den betreffenden Verkaufsstand „gepustet“, wodurch das ermüdende Herumlaufen vermieden wird. Nachdem man hierauf pneumatisch bezahlt und gewechselt bekommen hat, wird man ebenfalls per Luftdruck wieder an den Ausgang zurückbefördert und umsonst per Auto nach Hause gefahren.

Geradezu hervorragend sind die Gratis-Zugaben, die jeder Käufer im neuen Kaufhaus erhält. Wer für 1.— Mk. einkauft, erhält einen Bon im Werte von 80 Pfg. und einen eleganten Klosettpinsel oder Zahnbürste gratis; bei Einkäufen zum Preise von 1.— bis 5.— Mk. bekommt man nach Wahl einen Kinderwagen, ein Leistenbruchband oder ein Paar Schneeschuhe zu; bei 5.— bis 10.— Mk. betragenden Einkäufen kann man zwischen einer Freifahrt mit dem Zeppelinschen Luftschiff, einem Diner im „Rheingold“ (Wein a discretion) oder einem Gummibusen wählen. Kauft man für 20.— Mk., so erhält man ein Dutzend farbige Photographien in Lebensgröße mit Rahmen, einen Logenplatz zu den Kammerspielen oder ein Autogramm Wedekinds gratis, bei 100.— Mk.-Einkäufen wird man gratis in Marmor ausgehauen oder erhält ein kleines Motorboot oder ein Pianola gratis. Wer aber gar für 1000 Mk. kauft, bekommt eine Villa am Wannsee mit vollständiger Einrichtung, oder einen echten „Böcklin“, oder ein Rundreisebillett um die Erde, oder den Schwarzen Adlerorden gratis zu.

Besonders zeitgemäß sind die Erfrischungsräume ausgeführt. Während der Sommermonate sind dieselben unter Wasser gesetzt, um als „Ostende des Westens“ vielen Familien die teuren Reisekosten zu ersparen. Jeder Käufer einer Badehose erhält ein Gratisbad, jeder Käufer eines Badeanzugs darf sich im „Familienbad“ tummeln, in welchem namentlich die „five o'clocks im Wasser“ von den Berliner W.-Damen stark frequentiert sein werden.

In den Erfrischungsräumen finden ferner Familien-Konzerte hervorragender Kunstgrößen wie Richard Strauß, Mahler, Nikisch usw. mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Vielen Zuspruch wird jedenfalls auch die „Henkel-Trocken-Fontäne“ und das „Kaufhaus-Kabarett“ finden. Im Winter wird der wunderbare Palmengarten als „Riviera des Westens“ große Anziehungskraft ausüben. Jedem Schlittschuhläufer steht der „Kaufhaus-Eis-Palast“ zur Gratisbenutzung zur Verfügung.

Wie es schon jetzt üblich ist, den Käufern von Noten dieselben gleich vorzuspielen, so wird man im Neuen Kaufhaus in der Abteilung Theaterbilletts, Texte usw. auf einer Drehbühne die gewünschten Stücke von bedeutenden Schauspielern gleich zur Probe vorgemimt erhalten.

Jeder Käufer, der mit dem gekauften Gegenstand nicht zufrieden ist, erhält denselben nicht bloß gegen ein konvenierendes Objekt bereitwilligst eingetauscht, sondern außerdem noch sein Geld zurück und „bedagt“ hierauf vergnügt nach Hause.

Mehr kann man nicht verlangen!

F. Schl.

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O weh!

In einer Gesellschaft bei Bankier Tulpenstiel werden Rätsel aufgegeben, plötzlich schreit da die kleine Tochter des Hauses: „Bitte, darf ich auch ein Rätsel aufgeben?“ „Ja, gerne, gerne,“ sagt ihre Mama, „wenn du ein schönes weißt!“ Da sagt die Kleine: „Welcher Unterschied ist zwischen dem Herrn Veilchenfeld hier und einer Katze?“ Niemand weiß es und man sagt zur Kleinen, sie möge die Auflösung sagen; da entgegnet die Kleine: „Die Katze hat einen Schweif und der Herr Veilchenfeld hat keinen.“ Ganz verlegen sagt die Mutter rasch, ohne zu überdenken, was sie spricht: „Entschuldigen Herr Veilchenfeld, meine Tochter meint nämlich — hinten.“

Rosette
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Ein Diplomat

Der wegen seiner Eleganz bekannte Herr Kommerzienrat Aaron steht nachdenklich vor der Börse; da tritt ein kleiner, schäbiger Börsenjobber an ihn mit der Frage heran: „Na, lieber Freund, wie geben Sie Russen?“ — Entrüstet wendet sich der Kommerzienrat um und spricht würdevoll: „Erstens bin ich für Sie der Herr Kommerzienrat Aaron; zweitens bin ich nicht Ihr lieber Freund und drittens — per wann wollen Sie se haben?“

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Bank-Usancen im fernen Westen

Seit dem jüngsten verwegenen Bankraube in Cody haben die meisten Banken im Staate Wyoming (U. S. A.) folgendes Regulativ an ihren Türen angeschlagen: „Wir zeigen an, daß wir Mitglieder der amerikanischen Scharfschützenvereinigung sind. Kunden, die glauben, daß der Kassierer sich geirrt hat, werden ersucht, nicht vor einer etwaigen Klarstellung zu schießen. Fremde dürfen die Bank nur mit hochgehaltenen Händen betreten, andernfalls setzen sie sich dem Feuer unseres Schützenstabes aus. Depositen von Leuten, die auf unserem Grund und Boden getötet werden, bleiben Eigentum der Bank. Die Bank ist für verlorene Revolver und Messer nicht verantwortlich. Kunden, die sich üben wollen, werden ersucht, nach den Federn in den Händen der Buchhalter zu schießen und den Kassierer unbelästigt zu lassen. Leute, die schnell bedient werden wollen, mögen freundlichst beachten, daß das Ausschießen der Lampen die Arbeit unserer Beamten mehr verzögert als beschleunigt. Die Leichenbestatter werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Bank nicht für die Beerdigungskosten von Personen aufkommt, die von unseren Stabsbeamten im Geschäftsbetriebe getötet werden.“

Rosette
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Im Tuchladen

Tuchhändler (zum Kommis): „Ist der neue Stoff, der gar nicht einlaufen soll, noch nicht eingelaufen?“

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Kohns Gruß an die Sonne

Erdballerlaichtende ewige Lampe, wenn dich ich betrachte, Szieht mer ä Wonnegefiehl faktisch derekt durch den Leib, Funkelst doch so berückend wie Gold, un noch eins imponiert mer -- Sonne, akkrat as de Börs', gehste mal runter mal rauf! Darum begrießt dich als strahlendes Urbild von Hausse und Baisse Namens der „Spekulaßjon“ ganz untertänigst R. Kohn.

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Levys Sang an den Mond

Hat doch mei Chef, der Herr Kohn, die Sonne besungen ... e Kunststick! Werd' ich besingen den Mond, -- auch e poet'sches Objekt! -- Also -- wenn abens ich auf'm Balkong sitz' un raufseh ßum Himmel, Schleicht mer -- identisch mit Kohn -- auch e Gefiel dorch's Gemieth. Sag' ich mer so: der Mond -- er pumpt von der Sonne sei Licht doch ... Goldiges -- nu' und was werft runter er nachts auf die Erd? -- Silbernes! -- haißt e Geschäft! was? faktisch e faines Geschäft! -- Jeder Agrarier muß finden darin e Simbol --: Sein Ideal --: 's Kappetal mechte ich borgen in Gold un de Szinsen Szahlen in weißem Metall! ... -- Bimetallistekalkiel! 20 Reichsmark in Gold = 6 Taler 20, -- e Taler Aber hat inneren Wert ßirka 'ne Mark nur im Kursch -- Haste gesehen! ... un ich? -- was lern' ich vom Nachtlicht da oben? Nun, als e denkender Mensch komm ich ßu dem Resultat: Mond, 's existiert ßwischen uns 'ne frappante Ideengemeinschaft, Namentlich kommerßiell schätz ich als Vorbild dich hoch! -- Darum verneigt sich vor dir in hochachtungsvollster ergebener Tiefster Subordenaßion Levy, im Hause R. Kohn.

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Unerwartete Wirkung

War da ein biederer Kleiderhändler, der einmal in einem Fabrikskontor vorsprach. Unter den Inschriften und Emblemen, die die Wände schmückten, fesselte besonders seine Aufmerksamkeit:

„Was du heute kannst besorgen, Das verschiebe nicht auf morgen!“

Ein prächtiges Motto! dachte er. Das ist wirklich ein Ansporn für jedermann, der einen Entschluß lange in sich herumträgt, sich aber zur Ausführung nicht entschließen kann und sie von Tag zu Tag verschiebt! Und so ging er denn hin und brachte den Wahlspruch überall in seinem Geschäfte an. Die Wirkung war eine prompte, aber unerwartete. Am nächsten Tage war der Kassierer mit der Kassa und der Buchhalter mit der Frau des Prinzipals durchgegangen, und der Laufbursche hatte die Portokasse erbrochen und war mit einem Revolver und einem Schatz von hundertdreißig Nick-Carter-Heften durchgebrannt.

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Abschreckungsmittel

Chef (der einen herkulischen Hausknecht engagiert hat): „Haben Sie keine Photographie von sich?“

Hausknecht: „O ja; zu welchem Zweck?“

Chef: „Wir könnten sie gleich im Hausgang anheften für die Herren Handlungsreisenden!“

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Die interessante Geschichte

A: „Sag mal, hast du denn schon davon gehört?“

B: „Wovon denn?“

A: „Nu, von die Jeschichte mit den — mit den — na, da draußen, da neben die — Jees! wie heeßen denn die Leute?“

B: „Meenst du vielleicht die neue Bierkneipe?“

A: „I nee doch! Ich meene die Jeschichte mit den — na, der Name schwebt mir uf de Lippe. Die da draußen vorjejangen is, da bei — da draußen bei — Jott, du mußt ja den Ort kennen!“

B: „Ach Jees, det is die Jeschichte mit den — ja, die kenn ick — mit den — na mit den — Jees, wie heeßt er doch? Die meenste?“

A: „Richtig, die meen ick. Also du kennst se schon?“

B: „Ja, die kenn ick; die hat mir ja der — der — na, wie heeßt er denn, erzählt. Der — da draußen — du weeßt ja!“

A: „Ja, ick weeß schon, det is die Jeschichte! Von den hab ick se ooch.“

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Mißverstanden

Lotteriekollekteur: „Hier ist das gewünschte Los. — Nun machen Sie aber endlich einmal, daß Sie herauskommen.“ — Kunde: „Na, solche Flegelei ist mir denn doch noch nicht vorgekommen.“

Rosette
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Kollegial

Agent A: „Ich war gestern so furchtbar aufgeregt, daß ich Sie einen Schwindler nannte. Sie nehmen es mir doch nicht übel?“ — Agent B: „Nicht im geringsten, Herr Meyer, wir sind doch Kollegen!“

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Was einem Geschäftsreisenden passieren kann

Ich besuchte seit Jahren einen treuen Kunden in Sachsen, bei dem sich wie von selbst das „Gewohnheitsrecht“ herausgebildet hatte, daß er mit mir jedesmal, bevor wir ans Geschäft gingen, in einem benachbarten guten Weinrestaurant „eine“ gute Flasche trank, und er war nicht nur ein Freund von „Weinrot“, sondern auch von Rotwein, besonders wenn es auf Geschäftsunkosten ging. Am andern Tage bekam ich dann regelmäßig meinen guten Auftrag. So ging das Tour für Tour; auch neulich holte ich ihn abends, gleich nach meiner Ankunft an dem betreffenden Platze, zu unserem obligaten gemütlichen Schoppen ab. Diesmal wählte er eine ganz besonders schwere und teure Marke; ich machte aber gern mit, denn was tut man nicht alles für seinen Chef und seine Kundschaft. Auch quantitativ ging er diesmal über das bisher übliche Maß hinaus; ich hielt still, denn er schien mir auch bezüglich seiner Order diesmal besonders „große Rosinen im Sack“ zu haben ... Der Morgen graute schon, als ich ihm beim Abschied ein „Wohl bekomm's!“ zurief und ihn zum Schluß möglichst beiläufig fragte: „Na, lieber Freund, wann kann ich Ihnen morgen früh meinen Koffer schicken?“ „Hären se, mei Kutester“, erwiderte er, „diesmal gann ich Ihnen awer nischt bestellen, ich bin Se nemlich pleite!“

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In einem Modewarengeschäft

Kundin: „Und ist das auch wirklich der neueste Stoff?“ — Verkäufer: „Gewiß, Madame, erst gestern hereingekommen!“ — Kundin: „Ja, das sagen Sie so. Können Sie mir dafür garantieren?“ — Verkäufer: „Gewiß, gnädige Frau, gewiß! So neu ist der Stoff, daß wir noch nicht einmal Zeit gehabt haben, seinen Preis herabzusetzen!“

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Eine wäss'rige Geschichte

Wenn die kleinen Schollen schmollen, Daß die lieben Muscheln tuscheln, Weil die fetten Schleien speien, Wenn im Teich Karauschen lauschen Und die Kieler Sprotten spotten Wie die glatten Pricken blicken, Oder mit den Hechten rechten, Ob die Elleritzen schwitzen Und wohin die Zandern wandern. Wenn wir von den Stören hören, Wie die armen Barben darben Und wir uns Makrelen wählen, Oder einen Rochen kochen. Wenn die Bachforellen schnellen Und die alten Kröten flöten, Oder bunte Unken tunken, Wo die fetten Schnecken stecken — Werden sich die Flundern wundern!

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Vor Weihnachten

„Ich bitte um eine Bluse.“

Verkäuferin: „Jawohl, mein Herr, wäre Ihnen dieser Schnitt recht?“

„Janz ejal!“

Verkäuferin: „Welche Farbe dürfte es dann sein?“

„Auch ejal, auch ejal.“

Verkäuferin: „Aber um die Größennummer darf ich doch bitten?“

„Is ejal, is alles ejal, umgetauscht wird se doch!“

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Stoßseufzer

„Da hab' ich mir nun für teures Geld Normalbeinkleider gekauft, aber — normal schauen meine Beine immer noch nicht aus!“

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Geburtsanzeige[3]

„Trotz geschäftlicher Ueberbürdung sind wir in der glücklichen Lage, die Geburt des dritten kräftigen Hamburger Jungen anzuzeigen. Motto: „Wir haben keine Zeit, müde zu sein.“

Hamburg, d. 17. Dez. 1907.

Carl Voß und Frau.“

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Seine Auslegung

Zigeunerin (dem jungen Kassier Meier aus den Linien der Hand wahrsagend): „Hier, junger Herr, sehe ich eine Linie, die für Ihr Leben große Bedeutung gewinnen wird.“ — „Weiß ich, das ist die Hamburg-Amerika-Linie!“

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Vom Telegraphen-Kobold

Eine Depesche von dem Ableben des Vaters hatte folgende Fassung: „Vater sauft (anstatt sanft) verschieden.“

Die Telegrammadresse an eine Kammersängerin lautet: „An die Jammersängerin N. N.“

Von einem Verliebten aus der Ferne: „Liebes Rind (Kind), könnt' ich bei dir sein!“

Ein Kondolenztelegramm: „Auch wir sind schwer besoffen (statt betroffen).“

Eine Rückmeldung, betreffend die Unbestellbarkeit eines Telegramms wegen mehrerer gleicher Namen lautete: „Kohn ohne Bezeichnung des Vornamens unbestellbar, da mehrere gleichnasige.“ (Gleichnamige.)

Ein Kaufmann in Kr. ersuchte drahtlich einen ländlichen Verwandten um sofortige Absendung von „Grasbutter“. Das Telegramm ging durch Fernsprechverbindung weiter und der Verwandte erhielt eine Depesche mit der Weisung, „sofort Großmutter absenden.“ Letztere langte, in der Meinung, es sei etwas Außergewöhnliches passiert, alsbald sehr aufgeregt mit vielen Koffern und Schachteln in Kr. an.

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Aus dem Geschäftsbrief eines Materialwaren-Händlers

„Die mir gesandten Heringe gefallen mir nicht. Sie sind faul. Sie stinken ja vor Faulheit. Das Faß Tran, welches ich für Sie im Auge hatte, geht Ihnen jetzt auch vor der Nase vorüber.“

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Geschickt ausgewichen

Der lange Baron v. Schnabelwitz und der kleine Produktenhändler Veitel gehen die Straße laut sprechend und heftig gestikulierend auf und nieder. Kaum entfernt sich der lange Baron, so drängen sich die Konkurrenten an Veitel mit der Frage: „Was hat der Baron von dir gewollt?“

Veitel: „Was er gewollt hat? Weiß ich? Ich soll da unten verstehen, was der da oben spricht!“

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Im Wäschegeschäft

Einer Dame sind bei Bestellung eines größeren Wäschepostens ein halbes Dutzend Beinkleider zuviel geliefert und berechnet worden. Sie trägt dieselben zurück und ersucht um Richtigstellung der Rechnung. Darauf der Prinzipal:

„Ja, bitte, das ist ein Irrtum gewesen! Entschuldigen Sie vielmals!“ Und zum Buchhalter sagt er: „Ziehen Sie mal der Dame die Beinkleider ab!“

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Wetterbericht im Börsenstil

Seit einigen Tagen tritt das Gerücht auf, dass die bekannte Weltfirma Sommer u. Co. in Liquidation getreten sei. Zahlreiche Gläubigergruppen haben bereits vor Wochen Protestversammlungen veranstaltet, um gegen die besonders in den letzten Monaten zutage getretenen Mißstände Stellung zu nehmen. Ihre eingegangenen Verpflichtungen hat die Firma im letzten Geschäftsjahr zum Teil gar nicht, zum Teil nur sehr mangelhaft erfüllt. Es steht zu befürchten, daß der Zusammenbruch der Weltfirma den Konkurs zahlreicher anderer Firmen zur Folge haben wird ... Zu den am meisten geschädigten „Geschäftsfreunden“ gehören vor allem zahlreiche Gastwirte und Biergartenbesitzer. Sonnenschein war stets sehr knapp am Lager und wurde trotz reger Nachfrage gar nicht oder nur in sehr kleinen Quanten geliefert. Auch den Landleuten gegenüber hat die Firma die Lieferungsverträge nicht innegehalten. Es wurde in den letzten Monaten überhaupt nur noch mit „Wechseln“ gearbeitet, die natürlich immer unbeliebter wurden. Bei dem Konkursverwalter Aug. September laufen täglich zahlreiche Forderungen auch aus den Kreisen der Gewerbetreibenden und der sog. kleinen Leute ein; besonders aber in Sportkreisen und unter der Lebewelt der Badeorte hört man mannigfache Klagen über das unlautere Geschäftsgebaren der früher so angesehenen Firma. Als letzter Termin zur Anmeldung von Forderungen war der 23. d. Mts. festgesetzt. Mit diesem Tage übernahm, wie jetzt bekannt wird, die bekannte und gut fundierte Firma Herbst u. Co. den Betrieb mit sämtlichen Warenvorräten. Hoffentlich gelingt es dieser, das verloren gegangene Vertrauen unter der Bevölkerung wieder zu gewinnen.

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Nach dem Leben

Ein neuengagierter Reisender wird von seiner Firma auf die Tour geschickt, kommt aber ohne Aufträge zurück.

Der Chef der Firma ist sehr ungehalten und läßt den Reisenden in sein Privatkontor bitten.

„Ja, wie ist es bloß möglich, daß Sie nix verkaufen?“ fährt er ihn an, „gewiß machen Sie die Sache nicht energisch genug. Wir wollen gleich mal eine Probe machen. Also denken Sie, ich bin der Kunde, dem Sie Offerte machen sollen, und fangen Sie mal an!“

Der Reisende geht hinaus, klopft an, tritt mit einer Verbeugung ein: „Ich komme von der Firma Troddelkopp & Co. und wollte mir gestatten, Ihnen Offerte in Lebertranpillen zu machen.“

„Bedaure,“ sagt der Chef, „brauche nix!“

„Dann entschuldigen Sie bitte, vielleicht ein andermal! Empfehle mich gehorsamst!“ Der Reisende geht hinaus.

„Falsch,“ schreit der Chef, „sehen Sie, ich hab's ja gesagt, daß Sie nicht können energisch genug auftreten! Nun wollen wir mal die Sache umgekehrt machen. Setzen Sie sich mal her und spielen Sie den Kunden und ich werde den Reisenden machen!“

Gesagt, getan. Der Reisende setzt sich hin und der Chef geht hinaus, klopft an und tritt ein:

„Verzeihung, wenn ich störe, ich wollte mir gestatten, Ihnen von der bekannten Firma Troddelkopp & Co. die berühmten Lebertranpastillen zu offerieren!“

„Was,“ brüllt der Reisende los, „von diesem Schwindler wollen Sie mich beschummeln helfen! Raus!!!“

Packt den Chef beim Kragen und befördert ihn unter einem kräftigen Fußtritt aus dem Lokal.

„Sehen Sie,“ sagt er dann, als der Chef, seine Kehrseite reibend, wieder ins Bureau kommt, „den Reisenden haben Sie ganz nett gespielt, aber den Kunden habe ich energischer und lebensgetreuer gemacht!“

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Telegramm

„Viehhändler U. Magdeburg. Morgen alle Schweine auf dem Bahnhof. Sie erwarte ich auch. Ich komme erst morgen, da Personenzug keine Ochsen mitnimmt. Schlechtes Marktgeschäft. Rindvieh im Preise gestiegen. Sehen Sie sich vor. Wenn Sie Ochsen brauchen, denken Sie an mich.“

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Merkwürdige Kalkulation

Chef: „Die Firma Schulze & Co. hat Konkurs angesagt. Das Conto derselben ist bei mir mit tausend Mark belastet.“ — Reisender: „Da bin ich aber in der Tat sehr froh, daß ich den letzten Posten zu Schundpreisen verkauft habe.“ — Chef: „Wieso?“ — Reisender: „Sonst wäre ja Ihr Verlust viel größer.“

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Mahnung und Antwort

Siegfried Jacob & Co. Breslau.

Breslau, d. 5. 12. 09.

Herrn Aaron Ponimsohn

in Krotoschin.

Bei Durchsicht unserer Bücher finden wir Ihr Konto noch immer mit M. 300.— belastet.

Wenn Sie nicht innerhalb 5 Tagen bezahlen, verklagen wir Sie.

Ergebenst Siegfried Jacob & Co.

Antwort.

Krotoschin, d. 8. 12. 09.

Herrn

Siegfried Jacob & Co.

Breslau.

Anbei übersende ich Ihnen die 300 M.

Wie können Se mer solch grobben Brief schreiben! Wo ich kaufe schon seit 30 Jahren von Ihnen de mieseste Schundware, asser kaufe ich nich for einen Pfennig mehr von Ihnen; ich verbitte mir soiche Briefliches.

Ergebenst Aaron Ponimsohn. Bitte wenden!

Rückseite der Antwort.

Eso hätt ich geschrieben, hätt ich gehabt Geld zu Bezahlen.

Aperçü: Schicken Se mir noch von de leinenen Ticher 3 Dtzd.

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Energisch

Ein Schneider schickt seinen Reisenden zum Studenten Borgerl, um demselben mal energisch auf die Hinterbeine zu treten. Nach 'ner halben Stunde kommt der Reisende zurück.

„Nun, Herr Meyer,“ fragt der Schneider, „haben Sie es dem Manne gesagt!?“

„Ob ich es ihm gesagt hab' und wie hab' ich es ihm gesagt, und wenn er dagewesen wär', hätt' ich es ihm noch viel mehr gesagt!“

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Im Sargmagazin[4]

„Was für einen Sarg wünschen gnädige Frau? Einen metallenen oder einen eisernen?“

„Welche sind besser?“

„Beide Sorten sind gut. Die metallenen Särge sind dauerhafter, aber die eisernen gesünder!“

„Gut, also einen eisernen! Was kostet dieser?“

„Sechzig Mark.“

„Was so teuer, können Sie ihn mir nicht billiger abgeben?“

„Nein, billiger kann ich ihn nicht lassen, aber ich will Ihnen noch einen kleinen zugeben!“

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Industrie

Wie anders war es doch in alter Zeit!

Mit tiefer Wehmut gedenke ich noch heute eines traulichen Familienbildes. Es war am Vorabend der Hinrichtung unsres seligen Urgroßvaters. Großpapachen, damals noch ein rüstiger Herr, saß, ein gesticktes Hauskäpplein auf dem Haupte, über der „Morgenpost“, Großmamachen las einen Roman von der Luise Mühlbach, Onkel Kaspar rauchte seine schwarz-rot-goldne Pfeife und Mutterchen — sie hatte sich kurz vorher verlobt — häkelte eine Weste für ihren Bräutigam. — In der friedlichen Runde aber kreiste die Lichtputzschere, und alle wetteiferten im Schneuzen der anheimelnd flackernden Kerze.

Seitdem sind viele Jahre vergangen.

Die technischen Fortschritte auf allen Gebieten sind bis in die innerste Häuslichkeit gedrungen, man brennt heute nur mehr Gas oder Elektrizität.

Wir hatten in unsre alte Wohnung Gas einziehen lassen, aber Großmama wurde nie den Gedanken los, daß es nach Ziegenbock stinke. Dann ist es auch im Schlafzimmer sehr unangenehm. Elektrizität wieder, das kostet eine Menge Geld, wenn man noch nicht darauf eingerichtet ist, und man hört auch so viel von Kurzschlüssen.

Da las Großpapachen in der „Morgenpost“ von der Spektral-Multiplex-Biform-Lampe, und auch im Krakauer Kalender war sie rühmend erwähnt — als etwas wirklich Gediegenes.

Zufällig sah ich bei Beer & Cie. im Schaufenster eine Multiplex-Biform brennen und fand das Licht ruhig und sehr hell.

Am nächsten Abend nahm ich meine Käte mit. Wir sahen uns beide das Ding an. Sie konnte auch nicht viel dagegen sagen und war nur mißtrauisch, weil die Lampe patentiert war. Aber es ist doch einfach töricht, eine Lampe, nur weil sie patentiert ist, für schlecht zu halten.

Wir besprachen die Sache zu Hause. Großpapachen, der sehr modern denkt, war dafür, daß ich zu Beer & Cie. fragen gehen sollte: erstens, wieviel Petroleum die Lampe brauche, zweitens, wieviel sie koste und drittens wegen einer schriftlichen Garantie auf ein Jahr.

Bei Beer & Cie. traf ich einen Kommis, einen sehr geläufigen jungen Mann. Er fragte mich, ob ich einen Spektral-Multiplex-Biform-Löscher haben wolle — oder eine Spektral-Multiplex-Biform-Lampe.

Ich sagte: eine Lampe.

Da begann der junge Mann:

„In höflicher Beantwortung Ihrer sehr geschätzten Anfrage gestatten wir uns, Ihnen unsere hochprima Spektral-Multiplex-Biform-Lampen in zwei Größen zu offerieren: die eine für Wohnzimmer, die andere für Lokalitäten.“

Ich verlangte natürlich eine Lampe von der ersten Art. Er brachte sie und zündete sie an.

„Unsre von allen Höfen und den höchsten Fürstlichkeiten durch lobende Anerkennungen ausgezeichnete Spektral-Multiplex-Biform-Lampe hat ihren Namen daher, daß die Flamme, wie Sie sehen, in Form eines griechischen Bi brennt. Man kann sie auf acht Kerzenstärken einstellen — wie jetzt — für Gesellschaften bis zu fünf Personen; oder — so — auf neun Kerzen — für elf Personen, darunter auch Kinder oder — durch diesen Hebeldruck — auf dreizehneinhalb Kerzen — für Hochzeiten und andere größere Räumlichkeiten. Die Tabelle dazu geben wir kostenlos bei. — Die Lampe wird mit Spektralöl gefüllt, und führen wir selbes gleichfalls. Das Spektralöl ist von uns erfunden und wird eigens für unsere werten Kunden erzeugt. Es kostet um fünf Kronen per Tonne mehr, als das beste im Handel befindliche Petroleum, hat aber auch einen um 21,5 Proz. höhern Feingehalt an ölig-chemischen Bestandteilen. Die Multiplex-Biform verbraucht davon in einer englischen Stunde je nach der Kerzenstärke für dreizehn bis neunzehn Hundertel Heller, wodurch sich zwar der Liter Spektralöl in der Anschaffung ein für allemal etwas höher stellt, jedoch im Gebrauche wesentliche Ersparnisse im Gefolge hat. Hierfür garantieren wir, und legen wir die Tabelle hiezu gleichfalls kostenlos bei. — Die Lampe selbst berechnen wir Ihnen äußerst mit 23 K 70 h netto ab hier, und haften wir schriftlich bis zur Ueberstellung ins Haus. — Ein Reserve-Spektral kostet eine Krone, ein Reserve-Multiplex sieben Kronen und ein Dutzend Reserve-Biformen nur sechzig Heller.“

Also kaufte ich eine Lampe samt allen notwendigen Nebenbestandteilen.

„Wünschen auch einen Spektral-Multiplex-Biform-Ohrenschützer? — Nein? — Aber einen Spektral-Multiplex-Biform-Löscher empfehle ich Ihnen unbedingt.“

„Nein, nein — ich danke,“ sprach ich und ging.

Am dritten Abend, als wir wieder daheimsaßen, Großpapa mit seiner „Morgenpost“ und Onkel Kaspar mit seiner Pfeife, da sprach meine Käte:

„Sieh nur, die Lampe geht aus.“

Ich rüttelte sie ein wenig — sie war gefüllt. Ich holte die Tabelle, stellte die Lampe auf sechs Personen und ein Kind ein — sie flackerte. Ich schraubte ein neues Spektral ein — sie zuckte meterhoch und summte.

„Vielleicht ist das Multiplex zu stark erhitzt,“ sagte Onkel Kaspar — und ich tat ein andres Multiplex an die Biform. — Als alles nichts nützte, zog ich auch die Biform heraus und ersetzte sie. Aus der Lampe hörte man es zornig brausen, und die Flamme züngelte wie eine Schlange aus dem Zylinder.

„Am besten wäre, die Lampe auszulöschen.“

„Ja — ja, löschen wir sie aus,“ riefen nun alle.

Ich wollte die Schraube anziehen — sie war unberührbar heiß. Da blies ich in den Zylinder. Die Flamme fuhr heraus und fauchte mich an. Onkel Kaspar begann mitzupusten, dann Käte und alle Kinder, die Gouvernante und endlich sogar Großväterchen. Wir bliesen zuerst ungeregelt und dann auf Kommando. Der Gouvernante flog der Puder vom Gesicht und ein Zopf aus der Frisur — die Lampe brannte.

Da sah man, wie der Multiplex anfing, von oben her langsam in Rotglut überzugehen. Immer tiefer und tiefer, jetzt mußte die Röte den Lampenkörper erreichen.

Und da — erfolgte ein unbeschreiblicher Krach.

Ich habe jene berühmte Kesselexplosion des Donaudampfers „Radetzky“ im Hafen von Preßburg mitgemacht, wo der zweite Maschinist hoch in die Luft flog und die Kunde von dem erschütternden Ereignis als erster nach Bruck an der Leitha brachte. Aber ich muß sagen, ich habe zwischen den beiden Explosionen keinen Unterschied bemerkt. Onkel Kaspar wieder, der damals in Preßburg sein Gehör verloren, fand den Knall der Multiplex-Biform um ein Nuance lauter.

Unsere Fenster waren auf die Gasse geflogen und die der gegenüberliegenden Häuserreihe eingedrückt worden. Eine bedeutende Rauchwolke — in der „Morgenpost“ stand später fünfzehn Stockwerke hoch — wallte himmelan. Es brannte der Schreibtisch, das linke Ende von Großpapachens Bett und die marmorne Säule unter einer Gips-Bronzebüste von Dante.

Wir alle saßen noch betäubt — unfähig, uns zu rühren.

Da hörte ichs unten rasseln und blasen: die Feuerwehr.

Und eine Baßstimme vor der Tür: „Ists ein Spektral-Multiplex-Biform-Brand — oder ein andrer?“

„Ein Biform —.“

„Na, dann heißts nicht viel.“

Herein trat ein Feuerwehrmann mit einem niedlichen polierten Apparat und richtete einen dünnen Strahl auf die Brandstellen. — Im Nu war alles gelöscht.

Dem Feuerwehrmann auf dem Fuße aber folgte der Kommis von Beer & Cie. und sprach:

„Sie haben hier soeben den ausgezeichneten amerikanischen Spektral-Multiplex-Biform-Löscher in Tätigkeit gesehen, und dürfte derselbe Ihr geschätztes Wohlgefallen gefunden haben. Wir erzeugen solchen in zwei Größen: Nr. 1 für eine bis drei Spektral-Multiplex-Biform-Lampen — Nr. 2 in größerer Ausführung für vier und mehr Lampen.“

„Um Himmelswillen,“ rief ich, „sind denn euere Lampen geradezu aufs Explodieren eingerichtet?“

Der junge Mann lächelte. „Der Hauptartikel unsres mit dreiundsiebzig Filialen in sämtlichen Ländern vertretenen Welthauses sind unsere großartigen Spektral-Multiplex-Biform-Löscher. — Nur um unseren ausgezeichneten Löschern eine weitere Verbreitung zu sichern, erzeugen wir unsere Spektral-Multiplex-Biform-Lampen, und geben wir selbe an Interessenten zum halben Selbstkostenpreise ab.“

Roda Roda.

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Ein Praktiker

Mayer hat einen Schlafrock ganz karriert, und in jedem Quadrat ist eine Nummer darin. „Zu was hast du e nummerierten Schlafrock?“ frägt ihn sein Freund. — „Das ist ganz einfach,“ sagt Mayer, „wenn es mich zum Beispiel am Buckel beißt, sag' ich zu mein' Weib: Sarah, kratz mir auf Nr. 27.“

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Mitleidig

Mendl Zeisig, ein Hausierer, sucht schon Jahre hindurch einen Baron heim und wird jedesmal von dessen Diener die Treppe hinuntergeworfen. Hausierer und Diener werden alt dabei. Als der Erstere nach langer Pause wieder einmal den Baron inkommodiert, ist der Diener schon so gealtert, daß er den Beharrlichen nur mit großer Mühe die Treppe hinunterwerfen kann.

Unten angekommen, sagt der Beförderte im Tone des tiefsten Bedauerns: „Er werd nebbich schon sehr schwach, der Herr Johannleben!“

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Um jeden Preis

Reisender: „Ich vertrete die Firma Qualm & Comp. in Rauchhausen und erlaube mir, Ihnen unsere vorzüglichen Fabrikate in allen Preislagen zu empfehlen! Sie finden in meiner reichhaltigen Kollektion —“

Herr (unterbrechend): „Bitte, bemühen Sie sich nicht weiter, es ist zwecklos, denn ich bin Nichtraucher!“

Reisender: „Aha, Nichtraucher?! — Sehen Sie gefälligst, mein Herr, da habe ich eine Sorte Pfälzer Decker mit Kartoffelkraut-Einlage, Preis pro Mille 8 Mark, die ist absolut nicht zum rauchen!“

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Feste Preise

Aaron Mandelbaum will sich bei Siegfried Josephsohn einen Anzug kaufen. Er hat sich schon etwas Passendes ausgesucht und fragt, was der Anzug kosten soll.

„Nu,“ sagt Josephsohn, „bei mir sind Se in e reellem Geschäfte, wo nix wird gehandelt, ich habe nor feste Preise un will for den Anzug nich hundert, nich neunzig un nich achtzig Mark, Se kriegen ihn for siebzig Mark und keinen Pfennig billiger!“

„Gut,“ sagte Mandelbaum, „ich will Ihnen was sagen, Herr Josephsohn, ich will zahlen for den Anzug nich zehn, nich zwanzig und nich dreißig Mark; ich will Ihnen geben dafür vierzig Mark und keinen Pfennig mehr!“

„'S is gemacht!“ sagte Josephsohn, „Siegfried, pack' ein for Herrn Mandelbaum den Anzug!“

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Kunstbegeisterung

Herr Löwengrub hält in seinem Hause viel auf Bildung. Bei einer großen Gesellschaft erwartet er ungeduldig, daß einer seiner Gäste einen Toast hält. Gegen Ende der Tafel erhebt sich endlich Kommerzienrat Baruch, um einige Zeilen zu verlesen, die er „sich aufgesetzt“ hat. Löwengrub klemmt sich seinen Zwicker auf die Nase und flüstert seiner Nachbarin glückstrahlend zu:

„Endlich e' bissche Literatur!“

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Der Dichter

Isidor Rapunzeles ist verlobt und der Geburtstag seiner Braut steht bevor. Um einen guten Eindruck zu machen, beschließt er, ihr ein Gedicht zu verehren; aber leider ist er besser auf dem Kontorbock als auf dem Pegasus zuhause. Er geht also zu einem Gelegenheitsdichter und bestellt ein Geburtstagsgedicht. Schließlich fragt er: „Herr Dichterleben, was wird kosten das Gedicht?“ — „Zwanzig Mark!“ — „Gott der Gerechte, is das teuer! — Na, weil's is for de Rebekka — hier sind zwanzig Mark! Aber hören Se, Herr Dichterleben, machen Se's recht schön, 's is das erste Mal, daß ich dichte!“

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Der Kaufmannssohn

Der Lehrer hat in der Religionsstunde erzählt, wie Moses auf dem Berge Sinai gewesen und nachdem er dort die zehn Gesetztafeln erhalten, aus Zorn über den „Tanz der Juden um das goldene Kalb“ die Tafeln mit den zehn Geboten zerschmetterte.

„Wie kam es nun,“ fragt er den Sohn des Großkaufmanns Meyerstein, „daß die zehn Gebote trotzdem auf uns überkommen sind?“

Der kleine Meyerstein steht auf und erwidert:

„Nu, der liebe Gott wird doch e Kopierbuch gehabt haben!“

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Unterschied

In einem Konfektionsgeschäfte werden zwei Angestellte dabei erwischt, wie sie mehrere Sommerpaletots entwendet haben, und zwar findet man bei einem zwölf und bei dem andern fünf Stück vor.

Der Chef nimmt von einer Anzeige Abstand, wirft aber die unehrlichen Angestellten sofort hinaus. Er läßt sie vorher in sein Privatkontor kommen und zahlt ihnen ihr Gehalt unter Abzug des Preises für die gestohlenen Paletots aus.

„Herr Silberberg,“ sagt der eine Angestellte, „Sie ziehen mir da ab für die fünf gestohlenen Paletots 50 Mark, also 10 Mark fürs Stück. Dem Knobelsdorf haben Sie für die zwölf gleichen Paletots 90 Mark, also nur 7,50 Mark pro Stück abgezogen?“

„Ja,“ sagt der Prinzipal, „Sie haben ja auch bloß fünf Stück genommen, der Knobelsdorf aber gleich einen ganzen Posten, da kriegt er se billiger!“

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Scherzfrage

Welche ist die beste Bank der Welt?

Die Mitteldeutsche Kredit-Bank, denn wenn man der die Mittel und den Kredit nimmt, bleibt immer noch die „Deutsche Bank“ übrig.

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Bosheit der Bürokröten
Bosheit der Bürokröten

Einer unter Tausenden

„Dem jungen Kommis dort hinten am letzten Pult können Sie sein Gehalt aufbessern um 20 Mk.“ bemerkte der Chef zu seinem Prokuristen. „Er ist einer unter Tausenden. Diesen Morgen, als ich durch das Bureau ging, war er der einzige, der arbeitete, alle anderen standen an den Fenstern, um das Militär vorüberziehen zu sehen und der Musik zuzuhören.“ Das Herz des jungen Kommis hüpfte vor Freude am nächsten Ersten, als er sich so unerwartet aufgebessert sah, und der Prokurist erzählte ihm den Vorfall, dem er sein Glück zu verdanken hatte. „So,“ fragte der Kommis, „das Militär zog vorbei?“ — „Ja, haben Sie denn nicht das Musizieren gehört?“ — „Ja,“ meinte der Kommis, „ich mußte aber grade meiner Braut eine eilige Rohrpostkarte schreiben.“

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Sehr nobel

Chef (in einer Ansprache an sein Personal): „Die große Freude an dem selten schönen Ereignis des hundertjährigen Bestehens meiner Firma veranlaßt mich denn auch, sämtliche Herren, welche seit der Gründung in meinem Hause tätig sind, mit einer Gehaltsaufbesserung zu bedenken!“

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Geschäftsstil

„In Ihrem Allerwertesten vom 12. 3. erwähnen Sie einen dunklen Punkt, den ich mir vorbehalte, bei meinem Dortsein eindringlichst mündlich zu berühren.“

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Nervös

Veilchenfeld (nervös am Telephon): „Gehen Sie doch etwas weiter vom Apparat zurück, Herr Hirschleben, Se spucken mir ja fortwährend in's Gesicht!“

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Um zwei Uhr nachts klingelt beim Eier-Engroshändler Wassergeruch das Telephon äußerst stürmisch.

Wassergeruch fährt aus dem Schlafe auf und läuft besorgt zum Fernsprecher.

„Wer ist dort?“ fragt er.

„Hier Natan Zucker! Sie haben einen Wechsel von mir, der morgen fällig ist, Herr Rosenstein.“

„Gut, gut,“ schreit der Angerufene, „und was wollen Sie denn eigentlich?“

„Ich will Ihnen nur sagen, Herr Rosenstein, daß ich nicht in der Lage bin, den Wechsel einzulösen ...“

„Mensch,“ unterbricht ihn Rosenstein wütend, „und wegen dem wecken Sie mich auf, mitten in der Nacht. Was fällt Ihnen denn ein, Zucker?“

„Gott,“ sagt Zucker, „ich hab' nicht können schlafen wegen dem Wechsel, und da hab' ich mir gedacht: sag's ihm jetzt, da wird er nicht können schlafen!“

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Erkannt

Der Verlagsgehilfe Bummerl benutzt häufig den Vorwand, „etwas Wichtiges in der Druckerei“ erledigen zu müssen, um einige private Abstecher in ein nahes Weißbierlokal zu unternehmen, und legte vor seinem Weggehen, jedesmal einen Zettel:

Bin in der Druckerei

Bummerl

auf sein Pult. Als er einst wieder von einer solchen Exkursion zurückkehrte, findet er den Zettel so korrigiert vor:

Bin in der Drückerei sehr gross!

Bummerl

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Stimmungswechsel

Schuldner: „Ich möchte gern meine Schuld bei Ihnen bezahlen —“ — Gläubiger: „Ach bitte, das hat gar keine Eile!“ — Schuldner: „Aber ich kann leider noch nicht!“ — Gläubiger: „Ja, was bilden Sie sich denn eigentlich ein? Meinen Sie, ich werde noch länger warten?“

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Der Lehrling

Wer ist der Jüngling, klein und glattgeschoren, Der stets als Letzter morgens im Bureau, Mit langen, zupfenswerten, roten Ohren Und überhohem Kragen comme il faut, Den man von früh bis abends hört rumoren, Doch schafft er nichts, der Bengel tut nur so, — Das ist der Lehrling, oft und streng bekrittelt, Den man auch „Stift“ und „Moritzche“ betitelt. Die Presse des Kopierens wird auf Erden Von seinem muskelstarken Arm geschnürt, Doch müssen meistens abgeschrieben werden Die Briefe, die der junge Mann kopiert, Auch das Kopierbuch macht ihm viel Beschwerden Es wird im Jahre einmal registriert, Denn seiner Seele Schwarz ist kaum geringer Als die enorme Schwärze seiner Finger. Zehn Streiche sinnt er aus in der Minute, Ob Chef, ob Kommis ist ihm ganz egal. Und gibt ihm einer eine auf die Schnute, So haut er wieder mit dem Lineal. Des Nachts hingegen, da poussiert der Gute, Nicht leicht zu „kräftig“ ist ihm ein Lokal, Und trinkt er abends Lagerbier in Masse, So stimmt am Morgen nicht die Portokasse. So treibt er es zwei Jahre unverdrossen Und mit der Frechheit wächst sein rotes Ohr, Die Kaufmannsweisheit bleibt ihm zwar verschlossen, Doch menschlich-ethisch steigt er hoch empor. Und wenn die schöne Lehrlingszeit verflossen, Ruft ihn der Chef in das Privatkontor Und spricht mit väterlichem Ton allhier: „Nun bist du Kommis — aber nicht bei mir!“

Karlchen.

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Der dramatisch veranlagte Kommis

Prinzipal: „Herr Troddlich, Sie kommen immer zu spät, das kann nicht so fortgeh'n!“

Kommis: „Spät kommt er, doch er kommt!“

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Guter Rat

Ein junger Kaufmann beklagt sich einem älteren gegenüber, daß er sich langweile.

„Weißte was,“ erwidert der, „stell' nur 'n paar Vierteljahr-Akzepte aus, da sollste sehn, wie schnell die Zeit vergeht.“

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Der Sykophant

Kommis (der ein Engagement sucht): „Verzeihen Sie gütigst, wenn ich störe. Sie suchen einen Kommis und nun wollte ich mir die ergebene Anfrage erlauben, ob Sie vielleicht für meine Wenigkeit Verwendung hätten.“

Kaufmann: „Nein, Sie sind mir viel zu höflich. Ich muß einen Menschen haben, der rücksichtslos und grob auftreten kann.“

Kommis: „Na, dann steigen Sie mir den Buckel hinauf, Sie alter Esel!“

Kaufmann: „Jetzt will er sich bei mir einschmeicheln!“

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Muster von Deutlichkeit

„Hiermit teile Ihnen mit, daß der nasse Tabak, den Sie mir ein wenig naß geschickt haben, ein wenig zu naß ist; ein wenig naß durfte er wohl sein, aber allzu naß, ist zu naß.“

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Der Urlaub

Der Bureaudiener Säbelbein möchte gern acht Tage Urlaub haben. Er geht also zu seinem Chef hinein und bittet darum.

„Ah, das geht nicht!“ sagt der Chef. „Sie müssen um den Urlaub schriftlich einkommen!“

„Ich kann sulchene Gesuch nicht machen!“ meint Säbelbein.

Der Chef, ein sehr freundlicher Herr sagt: „Also, so setzen S' Ihnen daher, ich werd' Ihnen das Gesuch diktieren!“

Und er diktiert's dem Säbelbein. Eine halbe Stunde lang. „So,“ sagt er dann. „Jetzt schreiben Sie 's sauber ab, picken S' einen Stempel d'rauf und bringen Sie 's mir dann herein!“

Säbelbein tut, wie befohlen. Der Chef nimmt das Gesuch, liest aufmerksam das selbstdiktierte Urlaubsgesuch durch und sagt dann: „Das ist alles recht schön, lieber Säbelbein, aber ich kann Ihnen den Urlaub nicht geben ... es ist zu viel zu tun im Geschäfte!“

Ein Berliner Kaufmann, der in Konkurs geraten war, hat seine Gläubiger mit 25 Prozent abgefunden; während der kritischen Zeit hatte er sich nicht blicken lassen, und es hieß, er sei infolge des Geschäftszusammenbruchs schwerkrank. Das war es auch gewesen, was seine Gläubiger bewogen, mit ihm einen so billigen Vergleich zu schließen.

Bald nach Aufhebung des Konkurses ist der Mann wieder obenauf.

Eines Tages begegnet ihm ein früherer Gläubiger.

„Nu, Herr Schnupftuch,“ fragt er etwas ironisch, „wie geht's nach der Krankheit?“

„Wie soll's gehn? Sie sehn doch ...“

„Ja, ja,“ meint der andere, „Sie sehen wirklich schon um 75 Prozent besser aus ...“

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Fein pariert

Zwei Handlungs-Reisende kamen in der Geschäftsunterhaltung etwas in Eifer, ja Erregung, so daß sich der Reisende Neidig zur Bemerkung verstieg: „Bei all Ihren Bestrebungen und Geschäftsmanipulationen erkennt man allenthalben nur das Trachten nach Verdienst, das heißt Geld, während ich und beziehungsweise mein Haus mehr nach Ehre trachten!“ — „Ganz richtig,“ erwiderte gelassen der Reisende Schneidiger: „Es trachtet eben jeder nach dem, das ihm fehlt!“

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Schlagfertig

Wirt (erregt): „Armer Herr! Sie haben wohl keine Ahnung davon, daß ich von Weinreisenden heute schon so geplagt wurde, daß ich bereits zwei hinausgeworfen habe!“

Weinreisender: „Doch! Doch! Gerade daraus schließe ich ja, daß Sie Ihre werten Aufträge für mich bestimmt haben!“

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Schadenfreude

Der Reisende von Schmonzes & Co. ist von seiner Frau mit Drillingen beschenkt worden. Deshalb muß sich der Chef entschließen, selbst auf die Tour zu gehen. Bei den ersten beiden Kunden Verwunderung, daß der Chef selbst reist und Bedauern des Reisenden, der ja schon so eine Menge Kinder hat. Er kommt zum dritten Kunden. „Nanu, Sie reisen jetzt?“ — „Ja, was soll ich machen, bei meinem Reisenden sind Drillinge angekommen.“ — „Was Sie sagen! Drillinge? Das ist ja großartig! Das geschieht dem Kerl recht!“ — „Na, hören Sie mal. Sie sind der erste, dem der Mensch nicht leid tut. Warum freut Sie denn das so ungemein?“ — „Ja, wissen Sie,“ grinst der Kunde, „das gönne ich dem Kerl! Jetzt sieht er doch mal, wie das ist, wenn man ein Stück bestellt, und dreie kommen an!!“ —

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Verwarnung

Elkan Stinker war 20 Jahre bei Löwenthal als Lagerist tätig. Da läßt ihn der Prinzipal eines Tages zu sich ins Kontor rufen und hält ihm folgende Ansprache:

„Stinker, Se sind jetzt gerade 20 Jahre bei mir ins Geschäft. Wie Se mich haben belogen un betrogen in diese Zeit, läßt sich gar nicht in Worten ausdrücken. Mein Sohn haben Se zu Unterschlagungen verleitet, mit meiner Frau haben Se e Verhältnis gehabt und jetzt hat sich meine Tochter Ihretwegen ins Wasser gestürzt. Ich sage Ihnen nur soviel, Stinker: Sobald mer noch das geringste vorkommt, fliegen Se raus! Merken Se sich das.“ —

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Auffällig

In einem Fabrikgeschäft ist es zur Regel geworden, daß niemals die Kasse stimmt. Bei jeder Revision zeigt sich eine Differenz von 30-50 Mark und man hat sich im Laufe der Zeit vollständig an dies Manko gewöhnt, so daß es gar nicht mehr auffällt. Eines Abends macht der Herr Chef wieder Kasse; nachdem er fertig ist, schüttelt er bedenklich mit dem Kopf und ruft den Prokuristen. Dann zählen sie beide nochmals und das Ergebnis ist wiederholtes Kopfschütteln. Jetzt wird auch dem Buchhalter gewinkt und das Trio zählt zum dritten Male. Endlich ruft der Prinzipal klassisch aus: „Die Kasse stimmt! Das kann nicht stimmen!“

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Entsetzliche Drohung

Chef: „Herr Müller, Sie kommen um zwei Minuten zu spät ins Bureau —“

Buchhalter: „Aber Herr Prinzipal, ich —“

Chef: „Keine Entschuldigung! Ich möchte wissen, was Sie sagen würden, wenn ich Ihnen am Monatsende zwei Pfennig von Ihrem Salär abzöge!“

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Auf Deutsch

In der Handelsschule fragt ein Lehrer einen Schüler beim Buchhaltungs-Unterrichte: „Also was haben wir jetzt vorgetragen?“

Schüler: „Den Saldo!“

Lehrer: „Gut; sagen Sie mir nun aber auch auf Deutsch, was Sie unter Saldo verstehen!“

Schüler: „Saldo ist die Differenz zwischen Debet und Kredit!“

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Boshaft

A: „Sehen Sie mal, der Partiewarenhändler Greulich fährt ja jetzt auch Automobil. Da muß er doch in seinem Geschäft einen ziemlich bedeutenden Umsatz machen?“

B: „Gewiß, ich hörte, er betrüge Tausende.“

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„Das Maschinen-Fräulein“

Der Chef war wieder mal, wie gewöhnlich, bei schlechter Laune. Und war er das, so ließ er sie stets an den Untergebenen aus, denn das geschieht immer. Und da das „Maschinen-Fräulein“ am meisten mit ihm zu tun hatte, so hatte sie auch am meisten darunter zu leiden.

„Es ist zum Verrücktwerden!“ rief er. „Wie oft habe ich gesagt, man soll mir auf meinem Schreibtisch nichts anrühren?!“

„Es ist auch nichts angerührt worden.“

„So? Und wer hat denn die Marken hier hingelegt? Wer sonst wieder als Sie!“

Sie sagte kein Wort, sondern fing an, auf ihrer Maschine zu klappern.

„Tun Sie die Marken weg!“ schrie er sie an.

„Wo soll ich sie hintun?“ fragte sie und stand auf.

„Irgend wohin, wohin Sie wollen. Nur mir aus den Augen, wo ich sie gar nicht mehr sehen kann.“

Und das Maschinen-Fräulein nickte, nahm die Briefmarken, befeuchtete sie ruhig, klebte sie dem Chef auf seine Glatze und sagte: „Ich bitte um meine Entlassung!“

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Wenig Geld, wenig Musik

Chef: „Sie, Herr Meyer, viel Gehalt haben Ihre Briefe nicht.“ — Meyer (anzüglich): „Ich ja auch nicht!“

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Vielsagend

In einer mitteldeutschen Stadt befindet sich ein Bankgeschäft mit zwei Zugängen, einen von der Straße und einen zweiten von der Promenade durch den Garten. Dieser Zugang war nicht offiziell. Ein Schild an der Tür besagte vielmehr: „Kein Durchgang.“ Als das Schild nicht beachtet wurde, ließ die Bank ein zweites, größeres anbringen mit folgender Inschrift:

Das Durchgehen ist nur den Mitgliedern der Direktion gestattet!

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Vorwurf

Der Agent Treppengeländer verhandelt mit den Gläubigern des Nathan Magensaft, um einen Vergleich zustande zu bringen.

Dem Hauptgläubiger, einem reichen Bankier, bietet er zwanzig Prozent, die auch sofort akzeptiert werden. Als er Magensaft von diesem Resultat Mitteilung macht, entspinnt sich folgendes Gespräch:

Magensaft: „Sie haben selbst zwanzig angeboten?“

Treppengeländer (stolz): „Gewiß! Weniger werd' ich doch nicht bieten!“

Magensaft: „Wissen Sie, Herr Treppengeländer, for mei Geld brauchen Sie keinen Kavalier zu spielen!“

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Aufgeklärt

Ein Geschäftsreisender, der auf einer Tour wenig Erfolg hatte, schiebt in seinem Schreiben an seine Firma alle Schuld auf das schlechte Wetter, über dessen Launen er in allen Einzelheiten berichtet. Prompt erhält er von der Firma die Antwort: „Wetternachrichten erhalten wir von der meteorologischen Zentralanstalt, wir bitten Sie, uns lieber Aufträge zu senden.“

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Unverwüstlich

Ein Reisender kommt in das Bureau einer größeren Maschinenfabrik. Auf die Frage: „Sie wünschen?“ erwidert er: „Mein Name ist Fix, Vertreter von nur ersten Häusern. Ich reise in Glühstrümpfen, Kabelschuhen, Dampfhemden, Bleimänteln, Dampfzylindern und Gummischuhen ...“ — Direktor: „Sagen Sie mal, ist Ihnen da das Reisen nicht manchmal etwas beschwerlich?“

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Zwecklos

Chef (zum Kommis, der schriftstellert): „Ich habe gehört, daß Sie während der Geschäftszeit Trauerspiele schreiben!“ — Kommis: „Ich muß Geld verdienen ... geben Sie mir mehr Gehalt!“ — Chef: „Das kennt man ... und nachher schreiben Sie Lustspiele!“

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Schöner Trost

A: „Warum fluchst und wetterst du denn nur so?“ — B: „Ach, denke dir bloß, ich habe den verfl...... Prozeß in der ersten Instanz gewonnen, in der zweiten Instanz gewonnen und heut in der dritten Instanz verlier' ich glatt.“ — A: „Na, so sei doch nicht so mißgünstig, du hast nun zweimal gewonnen — laß den andern auch mal gewinnen.“

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Am Neujahrstage erschien bei Rothschild ein Bettler, um ihm zum Jahreswechsel zu gratulieren. Da er etwas laut sprach, sagte Rothschild zu ihm: „Sprechen Sie, bitte, etwas leiser — man schreit doch nicht so, wenn man ein Anliegen hat!“ Der Bettler erwiderte gekränkt: „Wollen Sie mich etwa schnorren lehren? Uebernehmen Sie doch mein Geschäft und übergeben Sie mir das Ihre!“

Das Arbeiten

Chef (zum Kontoristen): „Kohn, sagen Sie mir, ist Ihnen einmal etwas passiert beim Arbeiten?“

Kontorist: „O nein! Aber wie kommt der Herr Chef zu dieser Frage?“

Chef: „Weil Sie so 'ne Angst vor dem Arbeiten haben!“

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Mißverstanden

Ein Amerikaner war in einen Prozeß mit einem seiner Nachbarn verwickelt. Vor dem Schlußtermin war er genötigt, eine Geschäftsreise zu unternehmen, und bat seinen Rechtsanwalt, ihm von dem Resultat telegraphisch Nachricht zu geben. Er erhielt folgende Depesche: „Gerechte Sache gesiegt.“ Unverzüglich ging die Drahtantwort zurück: „Sofort Berufung einlegen.“

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Der Chef tritt ins Kontor und sieht seinen Buchhalter, eine Zigarette rauchend, beim Schreibpult stehen. Erzürnt ruft er:

„Was ist das? E' neue Einführung? Seit wann raucht man bei der Arbeit?“

Buchhalter: „Wer sagt Ihnen, daß ich arbeite?“

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„Valuta ...“

Am 1. Januar erhielt ein Kaufmann, der sich durch etwas langes „Pumpen“ auszeichnet, von einem seiner Lieferanten folgende Neujahrskarte:

Herzliche Glückwünsche zum neuen Jahre.

Valuta Juni!

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Mit mathematischer Genauigkeit

Prinzipal (zum Kommis): „Aber, Herr Müller, Sie kommen doch auch regelmäßig eine ganze halbe Viertel-Stunde zu spät!“

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In der Erregung

Herren Schill, Göbel & Müller,

Hamburg.

„Sie sind also nicht gesonnen, mir den gekürzten Skonto zu bewilligen? Ich weiß wohl, daß die Regulierung diesmal etwas länger angestanden hat, als üblich, wenn Sie aber einem so alten Kunden den Skonto durchaus nicht mehr gewähren wollen, dann sage ich Ihnen: „schämen Sie sich, Herr Schill, schämen Sie sich, Herr Göbel, schämen Sie sich, Herr Müller! Schämen Sie sich, Herr Schill, Göbel & Müller!“

Achtungsvoll

Bruno Ruhig.

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Der Bureaukrat

„Ordnen Sie diese Briefe bitte alphabetisch und werfen Sie sie dann in den Papierkorb.“

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Die Wahrheit

Der Produktenhändler Klosettdeckel hat einen Gehilfen, den jugendlichen Fritze Micheles, der dem Lager in altem Eisen, Lumpen, Metallabfällen und Knochen zu seiner Zufriedenheit vorsteht. Eines Tages entdeckt er jedoch zu seiner Empörung, daß Fritze Micheles ihn schnöde bemogelt, indem er Knochenposten an den Isidor Veigeles auf eigene Rechnung abgibt. Klosettdeckel wirft darauf entrüstet den ungetreuen Lageristen hinaus. Fritze Micheles, sehr zerknirscht und nur froh, daß sein Prinzipal von einer Anzeige des Diebstahls absieht, bittet ihn schließlich noch um ein Abgangszeugnis. — „Was soll ich schraiben for 'n Zeigniß for so 'n Lumpen, soll ich auch noch lügen, nachdem de mich hast betrogen un' bestohlen?“ — „Se sollen bei de Wahrheit bleiben, Herr Klosettdeckel,“ antwortete der zerknirschte Fritze, „schreiben Se bloß: ‚Ehrlich bis auf de Knochen!’“

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Schlechtes Geschäft

Buchhalter: „Ich möchte mir erlauben, wieder um eine kleine Zulage zu bitten; meine Familie hat sich neuerlich vermehrt.“ — Chef: „Schon wieder? Ja, aber lieber Freund, Sie können doch nicht verlangen, daß ich Ihnen jedes Kind, das Sie in die Welt setzen, förmlich abkaufe!“

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Aus einem Geschäftsbrief

„.... Ihren Brief, über den ich mich sehr geärgert, habe ich augenblicklich vor mir. Bald werde ich ihn hinter mir haben ...!“

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A: „Was, Sie haben jetzt einen Posten als Prokurist in einer Pulverfabrik?“ — B: „Ja!“ — A: „Hm, da haben Sie ja gute Aussicht, noch einmal in die Höhe zu kommen!“

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Verdoppelter Schmerz

Der knauserige, aber sehr wohlhabende Kaufmann einer Provinzialstadt begibt sich mit dem Verkauf seiner Handlung in den Ruhestand, vor seinem beabsichtigten Wegzuge veranstaltet er ein kleines Fest, zu dem die mehrjährigen, treuen Kunden eingeladen werden. Seinem knauserigen Wesen getreu ist der Wein in einer als etwas Säuerling verrufenen Marke gewählt worden. Als der Festgeber seinen Nachbar, der als Satiriker bekannt war und sich auch kein Blatt vor den Mund nahm, fragte: „Nun, wie finden Sie den Wein?“ antwortete ihm dieser kühl und trocken: „Mir macht er den Abschied doppelt sauer!“

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Eine Unverschämtheit

Zum Chef kommt der Buchhalter:

„Herr Chef, ich bitte um Vorschuß.“

Chef: „Ich hab' jetzt keine Zeit, kommen Se morgen!“

Am nächsten Tage wiederholt der Buchhalter seine Bitte.

Chef: „Was ä Unverschämtheit! Gestern erst haben Se Vorschuß verlangt, heute kommen Se schon wieder?“

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Sonderbares Hindernis

Reisender: „Ich erlaube mir, Ihnen als Bewerber um den in Ihrem Hause vakanten Reiseposten meine persönliche Aufwartung zu machen!“

Chef: „Bedauere sehr! Sie sehen viel zu wohlgenährt aus! Wissen Sie, mein Herr, heutzutage muß ein Reisender durch sein Aeußeres quasi Mitleid erwecken, wenn er Geschäfte machen will!“

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Großartig

Kommis: „Der Lehrling Fritz ist nirgends zu finden.“

Chef: „Na, lassen Sie nur, bei der Inventur werden wir ihn schon finden.“

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Die englische Bureauzeit

Ich bin auf England nicht sehr gut zu sprechen, Doch sprech ich's trotzdem unumwunden aus, Daß manche Dinge in die Augen stechen Dem Deutschen, drin uns England weit voraus. So ist zum Beispiel — jeder Mensch hat Schwächen — Ein englisch Beefsteak ein solenner Schmaus; Die schönste, beste aber ihrer Sitten Ist die Bureauzeit in dem Land der Briten. Um 8 Uhr morgens, den Kaffee im Magen, Begibt sich pünktlich ins Bureau der Mann Und pflegt der — Arbeit, wollen wir mal sagen, Bis 11. Es folgt die Frühstückspause dann. Hurrah! Soeben hat es 3 geschlagen! Er klappt die Bücher zu, so schnell er kann, Und eilt zum Weibchen oder heim zur Mutter Und labt sich dort am wohlverdienten Futter. Dann ist er frei! Dann kann er unternehmen, Was ihm behagt! Dann ist er Herr, statt Knecht. Er kann spazieren geh'n und zu sich nehmen Den Sauerstoff, der im Bureau so schlecht; Kann lesen, schreiben, schwelgen in Problemen, Wenn er nicht lieber mit Kollegen zecht. Er kann das Schläfchen halten, das bewußte, Das früher im Bureau er pflegen mußte. Er ist ein Mensch, und nicht mehr wie am Morgen Laut seinem Vorgesetzten ein Kameel. Frei ist er, frei und ledig aller Sorgen, Kein Tadelwort erschreckt ihn, kein Befehl. Der Arbeit kommt's zu gut am nächsten Morgen, Wenn er, statt mürrisch, heiter und fidel; Ach: schön ist Arbeit unter kluger Lenkung, Das heißt — mit weiser, nötiger Beschränkung!

Karlchen.

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Ausrede

Buchhalter: „Als Sie mich vor drei Monaten engagierten, sprachen Sie von einer Lebensstellung, und heute machen Sie Pleite!“ — Prinzipal: „Kann ich dafür, daß Sie so lange leben?“

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Etwas umständlich

Bureauvorsteher (zum Schreiber): „Da haben Sie in Ihrem Skriptum einen i-Punkt vergessen. Geändert darf in dem Dokument nichts werden. Jetzt haben Sie das Vergnügen, die ganze Geschichte noch mal abzuschreiben.“

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Ein tüchtiger junger Mann

Prinzipal (zum neu engagierten Kontoristen): „Sie kommen meinem Diktat nicht nach — weshalb stenographieren Sie nicht? Sie sagten doch beim Eintritt, daß Sie Stenograph sind?“ — „Bin ich auch, aber dann geht's noch langsamer.“

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Schnell geholfen

Chef: „Worüber grübeln Sie denn?“ — Kommis: „Ich will eine Steuerreklamation einreichen und weiß nicht recht, womit ich sie begründen soll!“ — Chef (nachdenklich): „Wissen Sie, Meyer, ich werd' Ihnen etwas vom Gehalt abziehen!“

Notes in this chapter

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