DER ZWEITE AUFZUG
Reading edition
Salon bei Christian Maske.
ERSTER AUFTRITT
GRAF:
Er muß nach Worten des Dieners sofort zurück sein.
MARIANNE:
Wir kamen zehn Minuten vor der festgesetzten Zeit. — Da ist der Corot.
GRAF:
Der den Vorwand für unseren Besuch gibt.
MARIANNE:
Ein schönes Bild. Glück, mit solchen Dingen leben zu dürfen.
GRAF:
Es kann dir werden.
MARIANNE:
Als seine Frau? Ist es dein Ernst, Vater?
GRAF:
Ernst, Marianne. Beschäftigt uns beide nicht seit Wochen der Gedanke, ohne daß wir ihn erörtern? Des Mannes Auftreten ward letzthin so dringend ...
MARIANNE:
Liebt er mich?
GRAF:
Wollen wir nicht anders fragen? Nähmst du ihn auch, besäße er seine Reichtümer nicht, die uns aus einer Reihe schwieriger Umstände retten?
MARIANNE:
Auf diese Frage kann ich nicht antworten. Als du ihn die ersten Male brachtest, wußte ich kaum, wer er war; nichts von seiner Situation. Mein Gefühl entschied frei. Ich empfinde, wie jedes Ding, auf das er seinen Willen wirft, sich mit dem Glück, aus dem heraus man sich einer Naturkraft beugt, schließlich hingeben muß.
GRAF:
Tiens!
MARIANNE:
Ja, Väterchen, hier liegt Entscheidung für Marianne.
GRAF:
Ich hatte vorausgesetzt, du würdest Widerstände in dir zu besiegen haben.
MARIANNE:
Sie sind noch sämtlich unbesiegt. Wir kamen uns nicht nahe, unser Gespräch verließ die Konvention niemals, doch fühlte ich, trat er zu mir, und meine Person richtete sich angegriffen hoch, wie er, just er, mich völlig niederwerfen konnte.
GRAF:
Mich juckt's mit ihm.
MARIANNE:
Warum? Ist dir ein Zug von ihm bekannt, der nicht korrekt war?
GRAF:
Nein.
MARIANNE:
Lebt er nach unseren Gesetzen?
GRAF:
Durchaus. Doch gerade dagegen sträubt sich letzten Endes mein Sinn. Ich beobachte ihn seit zwei Jahren, und was mich anfangs rührte, entsetzt mich jetzt beinahe. Folgt wirklich dieser Bürgerliche seiner Natur, lebt er unser Leben, wodurch unterscheiden wir uns von ihm? Du weißt, ich halte Adel für ein Produkt der Züchtung im Hinblick auf Werte, die ihr Wesen in der Zeit haben, also nicht in einer Generation zu erringen sind. Wie der Herzog von Devonshire, von einem Heraufkömmling um die Pracht der Rasenflächen in seinen Gärten beneidet, und wegen der Pflege um Rat gefragt, zur Antwort gab, man müsse, um solche zu erhalten, nichts tun, als den Rasen früh morgens ein paar Jahrhunderte lang tüchtig bürsten. Voilà. Ich habe in meinem Leben Sonderliches zustande zu bringen nie versucht, war nur ein Adliger mit dem Bewußtsein angeborener Besonderheiten. Offenbart dieser Mann, es bedarf keiner Vorfahren, um gewisse unschätzbare Güter zu besitzen, bin ich in meiner Bedeutung vor mir selbst geleugnet.
MARIANNE:
Kann von einem außerordentlichen Verstand die Summe des uns Eigentümlichen nicht erfaßt, mit Eindringlichkeit der Arbeit an sich selbst langsame Veredelung durch Generationen nicht eingeholt werden?
GRAF:
Besitz, welcher Art er auch sei, wird ersessen. Fehlt ihm dieses Merkmal, ist er erborgt, und es kommt der Augenblick, wo ungünstige Beleuchtung, irgendein Mißgeschick, die Vorspiegelung aufdeckt. Den Moment erwarte ich bei diesem Manne.
MARIANNE:
Mithin stehst auch du in sein Leben verstrickt.
GRAF:
Doch nicht, um mich von ihm besiegen zu lassen, sondern um an ihm die klaffende Wunde zu entdecken, die ihn hinwirft. Ja, selbst um sie ihm bei Gelegenheit beizubringen.
MARIANNE:
So könnte es das Schicksal fügen, ich stünde gegen dich.
GRAF:
Das verhüte Gott!
MARIANNE:
Verhüte du's. Von diesem Manne empfange ich die erste volle Empfindung meines Lebens. Noch schwärmt sie ungeklärt, und mit Glück ist Abwehr gemischt. Ein seliges Geheimnis, das sich natürlich entdecken, doch nicht führen lassen will.
GRAF:
Entlarvt er sich aber vor unseren Augen selbst?
MARIANNE:
Er wird uns im Gegenteil immer undurchdringlicher und überraschender kommen. Die wenigen Zeichen, die ich von seiner Person habe, geben mir Gewißheit, er ist außerordentlich und steht über unserer Voraussicht.
GRAF:
Marianne!
MARIANNE:
So glaube, so fühle ich, Vater. Aber was auch kommen mag, du hast mich eine herrliche Jugend leben lassen. Fünfundzwanzig glückliche Jahre habe ich durch deine Güte gehabt.
GRAF:
Ich war zu nachgiebig.
MARIANNE:
Und wirst es ferner sein.
GRAF:
Nur bis an die Grenze des Möglichen.
MARIANNE eindringlich:
Liebe steckt die Grenzen weit.
ZWEITER AUFTRITT
CHRISTIAN im Reitanzug tritt schnell auf:
Gnädigste Komtesse. Graf. Wenigstens kann ich zu meiner Entschuldigung sagen, der Kolonialminister hielt mich auf, wollte meinen Rat.
GRAF:
Er ist des Lobes voll von Ihnen, will Sie nächstens unserer allergnädigsten Majestät präsentieren.
CHRISTIAN:
Zur Entscheidung seiner Frage hätte es Genies bedurft, das ich nicht besitze. Die ungeheuere Verantwortung bricht in Dingen, die das Wohl des Staates angehen, die Kraft jeder Meinung, die ihr Bewußtsein nicht in Gott hat.
GRAF:
Magnifique! Was ritten Sie heute?
CHRISTIAN:
Einen Chamantsproß aus der Miß Gorse. — Gefällt Ihnen das Bild, Komtesse?
MARIANNE:
Ich habe in solchen Dingen nicht Urteil genug. Doch ergreift es mich.
CHRISTIAN:
Es ist kein Meisterwerk Corots; Valeurs und Tonalität aber eigenartig.
GRAF:
Können Sie so etwas bestimmen?
CHRISTIAN:
In meinem Leben sah ich zwei- bis dreihundert Bilder des Malers.
GRAF:
Wo nehmen Sie die Zeit her?
CHRISTIAN:
Ich nehme sie kaum. Nicht viel mehr als ein Blitz kam von der ersten Leinwand zu mir. Doch zündete sie, und ich war für den Rest lebendig.
Zu Marianne:
So geht es mit allen Dingen.
GRAF:
Wir müssen fort.
Zu Marianne:
Für ein halb zwölf hast du dich zu Friesens angesagt.
CHRISTIAN zum Grafen:
Begleiten Sie die Komtesse oder darf ich Sie um ein paar Minuten bitten?
GRAF zu Marianne:
Brauchst du mich?
MARIANNE:
Bleib.
CHRISTIAN zu Marianne:
Ich bringe Sie zum Wagen.
Marianne und Christian exeunt.
DRITTER AUFTRITT
Graf nimmt von einem Tisch ein Buch:
Gothaer Almanach. Gräfliches Taschenbuch. Er hat sich unterrichtet.
Er blättert und liest:
Palen. Westfälischer Uradel, der mit Rütger Palen 1220 urkundlich zuerst erscheint. Augustus Aloysius mit Elisabeth Gräfin von Fürstenbusch, gestorben auf Ernegg sechzehnten Juli 1901. Meine gute Lisbeth. Kinder: Friedrich Mathias, unseres Geschlechtes letzter Sproß, und Marianne Josefa, die nun einen Herrn Maske heiratet.
VIERTER AUFTRITT
CHRISTIAN tritt auf:
Die Komtesse hofft vorbeifahrend Sie gegen zwölf Uhr hier abholen zu können.
Graf Augustus von Palen, ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter Marianne.
GRAF:
Da Sie den Antrag so bündig stellen, haben Sie ihn nach jeder Richtung hin reiflich erwogen.
CHRISTIAN:
So reiflich, Graf, wie Sie mit Ihrer Tochter die Antwort.
GRAF:
Nicht doch. Ich kenne die Entscheidung der Komtesse nicht unbedingt.
CHRISTIAN:
Wie lautet sie bedingt? Verzeihung, erst Ihre eigene Meinung.
GRAF:
Ich selbst bin gegen die Verbindung. Doch wird meine Ansicht nur gehört und bleibt ohne entscheidenden Einfluß. Haben Sie mit meiner Zustimmung gerechnet?
CHRISTIAN:
Ich fühlte Ihre starken Widerstände.
GRAF:
Sie bewundernd, mußte ich mich doch fortgesetzt stärker zu Ihnen distanzieren. Die Komtesse dagegen scheint, der Wahrheit die Ehre, einigermaßen von Ihnen emballiert.
CHRISTIAN:
Soll ich meine äußeren Umstände näher auseinandersetzen?
GRAF:
Ich kenne Ihre Laufbahn aus eigener Anschauung, alle überraschenden Erfolge finanzieller und gesellschaftlicher Art. Von Ihrer großen Zukunft bin ich felsenfest überzeugt.
CHRISTIAN:
Gab mein Charakter Grund zu Bedenken?
GRAF:
Er gab keine Angriffsfläche.
CHRISTIAN:
Darf ich fragen?
GRAF:
Ganz offen: Standesvorurteile.
CHRISTIAN:
Danke. Das muß sein. Eben diese innerliche Abgeschlossenheit ist eine Eigenschaft Ihrer Kreise, die ich verehre. Nur gegen meine Person gerichtet, hätte es mich stärker berührt.
GRAF:
Aber Sie können nicht Verehrer eines Prinzips und zugleich Angreifer desselben sein.
CHRISTIAN:
Ich liebe Ihre Tochter.
GRAF:
Sie heirateten sie auch, wäre sie nicht Gräfin Palen?
CHRISTIAN:
Das weiß ich nicht; sie ist als Reiz unteilbar.
GRAF:
Mit der Voraussetzung, die Komtesse nähme Ihren Antrag an.
CHRISTIAN macht eine unwillkürliche Bewegung, die seine Erschütterung verrät.
GRAF:
Bis eben meinte ich, Sie zu kennen. Jetzt, da die Möglichkeit auftaucht, Sie uns näher attachiert zu finden, sehe ich, wie fremd Sie noch blieben.
CHRISTIAN:
Man hat unsereinem gegenüber nicht die Mittel, sich aus einem Buch über den Stall, aus dem er kommt, zu belehren. Tappt gegen eine dunkle Sache.
GRAF:
Wirklich läßt, mit geringen Ausnahmen, der bürgerliche Name seinen Träger anonym. Unaufgezeichnet ist er ungemerkt und in seinen Handlungen unbeaufsichtigt. Wir, die in dieses Buch verzeichnet sind, handeln unter den Augen unserer Sippen das Leben ab, und der Verzicht auf die Wollüste eines freien Lebens in namenloser Masse gibt uns ein Recht, unsere Verdienste bemerkt und belohnt zu sehen.
CHRISTIAN:
Ohne Frage. Doch müßte dem Mann, der den nicht zu beugenden Willen hat, die Konsequenzen solcher Anschauungen zu tragen, der Eintritt in die Gemeinschaft frei sein.
GRAF:
Unbeugsamkeit beweist erst die Zeit an Geschlechtern.
CHRISTIAN:
Die Disposition ist auch aus bürgerlichen Vorfahren zu erkennen.
GRAF:
Ihre Eltern, Voreltern?
CHRISTIAN:
Beamte. Durch das Bewußtsein, dem Staat zu dienen, vorbereitet. Kleine Beamte nur — mein Vater ...
GRAF:
Die schlichte Abstammung offenbart persönliches Verdienst um so bedeutender, wie uns der allerhöchste Herr erst kürzlich wieder belehrte. Der Fall unseres Postministers, der aus ähnlichem Milieu wie Sie stammt, ist der einleuchtendste.
CHRISTIAN laut lachend:
Überhaupt beginnt das ärmlich, aber reinlich gekleidete Elternpaar allenthalben aufzukommen.
GRAF:
In der Tat. Wir kennen nun uns're Ansichten. Die Entscheidung hängt von uns nicht ab — warten wir. Ich muß aber noch hinzufügen: meine Tochter bringt keine Mitgift in die Ehe. Sie wurden reich, wir verloren bis auf Reste unser Vermögen und schränken uns ein, meinem Sohn den Zuschuß zu gewähren, den das Regiment verlangt.
CHRISTIAN verneigt sich:
Darüber ist kein Wort zu verlieren.
DER DIENER tritt auf:
Der Wagen der Komtesse.
GRAF exit:
Ich übermittele Ihnen die Entscheidung.
FÜNFTER AUFTRITT
CHRISTIAN:
Jetzt hätte ich es sagen können: Sie leben in Zürich. Vorbereitet und durch das Geständnis seiner Mittellosigkeit in Verlegenheit, hätte er es geschluckt, und sie waren offiziell präsentiert. Nun heißt es, die neue Gelegenheit abpassen; aber ich fühle, sie ist völlig in meiner Gewalt.
Warum dann warten? Hierher müssen sie. Sofort! Und ist der Augenblick gekommen — persönlich sie vorstellen. Mediam in figuram jedermann. Wollen doch sehen!
Wie die Alten sich freuen werden!
Er schreibt und liest:
Kommt mit dem nächsten Zug. Erwartet euch hier freudigste Überraschung.
Er läutet:
Von dem Wagen, mit dem ich sie am Bahnhof hole, bis zum eigenen Bad an ihren Zimmern muß ihnen alles ein großes Staunen sein.
DIENER tritt auf.
CHRISTIAN:
Das Telegramm sofort abtragen.
DIENER exit.
CHRISTIAN:
Mutter soll auch ihre Schlummerrolle ins Bett haben. Wenn sie vorm Einschlafen überdenkt, was sie und ich von meiner Zukunft geträumt, und wie es noch viel besser gekommen ist, muß sie ein erfülltes Leben spüren. Sie werden sich schnell anpassen. Die schlimmsten Unarten sind bald abgewöhnt, und Schneider und Putzmacherin tun das letzte.
SECHSTER AUFTRITT
Sybil tritt auf.
CHRISTIAN:
Kind, ich bin froh. Weißt du, wer kommt?
SYBIL:
Die Eltern.
CHRISTIAN:
Wer sagt dir das?
SYBIL:
Notwendigkeit. Zwei Jahre, seit ihrem Abschied, zappelst du an dem Haken deiner Sehnsucht. Ich wußte, an wen du beim Einschlafen dachtest. Warum, wenn du von großen Gewinsten sprachst, dein Auge hochzuckte. Durch die räumliche Trennung hast du dich auf deine Art völlig in die beiden alten Menschen verrannt. Schließlich brachtest du nichts mehr vor, ohne gleichnishaft einen von ihnen zu erwähnen.
CHRISTIAN:
Ich entbehrte sie schwer.
SYBIL:
Am Ende hattest du dir die Überzeugung beigebracht.
CHRISTIAN:
Mutter und ich waren stets eine Seele. Sie kannte sich gar nicht außer mir. Wie ein kleiner König stand ich zu ihr. Meine große Zukunft bejahte sie im voraus. Wir brauchten uns in dem Gedanken nur anzusehen und lachten. Vater war wie die Begleitung im Kontrabaß dazu.
SYBIL:
Hast du nicht dasselbe Vertrauen unbedingt bei mir gefunden?
CHRISTIAN:
Doch wolltest du Dank. Hier aber war ein Mensch stets unbedankt, stets durch mich glücklich.
SYBIL:
Dafür hat sich dein Vater während dieser Zeit schamlos gegen dich betragen. In der Überzeugung, dich durch sein Erscheinen schrecken zu können, hat er ein über das andere Mal von dir die Summen erpreßt, die er brauchte.
CHRISTIAN:
Insgesamt nicht viel mehr als ein paar Tausender.
SYBIL:
Hätte er eine Vorstellung von deiner geänderten Lebensführung, er wäre anders ins Zeug gegangen. Er würde sich, sähe er die Wirklichkeit, gütlich tun.
CHRISTIAN:
Er soll's. Nichts anderes wünsche ich. Das ist das Dämonische an diesen Geschlechtern, deren Wurzeln noch auf dem Erdboden laufen, die Gesamtheit fühlt nicht einheitlich, atmet und bewegt sich nicht mit einem Ruck von einem Zentrum aus. Es praßt der eine, wo der andre darbt. Ist aber der Gedanke lebendig, von einem Stamm entsprossen, mit ihm durch feinste Adern noch verbunden, ist unser Wohl von seiner Gesundheit abhängig, so freut uns jedes Glück, das ihn in irgendeinem Ast trifft.
SYBIL:
Der Gedanke ist schrecklich altertümlich, nicht aus unserer Zeit heraus.
CHRISTIAN:
Darfst du das behaupten, Mädchen? Weißt du mehr von den Erschütterungen der Epoche als ich? Weil du dich an Phrasen der Sozialdemokratie berauschst, die dir mit dem Recht, das noch der Jämmerlichste hat, die Ohren vollbläst.
SYBIL:
Ich sehe Wirklichkeit. Millionen, die den Hunger zu stillen über den, der den Weg zum Brot sperrt, müssen.
CHRISTIAN:
Kämpfe ums Dasein. Die habe ich auch durchgemacht und dabei ganz anders als Myriaden den Boden in mir aufgerissen; von Trieben geschnellt, flog ich durch den Brei der Bequemen, weil ich wußte, jenseits fängt erst das Leben an. Du sahst ja, wie ich ankam, die Fetzen mir vom Leibe riß und das flatternde Band am Halse zu einer festen Krawatte knüpfte. Mich allmählich zur Form erzog, der der höhere Mensch im Zusammenleben bedarf.
SYBIL:
Nie ruht der Kampf. Auf jeder nächsten Stufe, auf der höchsten, steht der Stärkere, der Todfeind, den du besiegst, oder er vernichtet dich.
CHRISTIAN:
Das ist proletarisch gedacht. Generationen hast du noch zu laufen, bis dir die Wahrheit schwant.
SYBIL:
Und dabei war ich es, die ihn lehrte ...
CHRISTIAN:
Den Fisch nicht mit dem Messer zu fressen, daß ich nicht in den Zähnen stocherte! Über all den äußeren Kram bist du nicht hinweggekommen. Dein Anzug ist der Anzug der Frau von Welt. Aber in welcher inneren Notwendigkeit bist du ihr inzwischen angenähert?
SYBIL:
Das war nicht mein Ziel.
CHRISTIAN:
Ressentiment.
SYBIL:
Und du, weil du dich zu dem Entschluß verstiegst, deine Eltern zurückzuholen ...
CHRISTIAN:
Die ich liebe.
SYBIL:
Da es in der Welt plötzlich Beispiele schlichter Erzeuger gibt.
CHRISTIAN:
Vergöttere!
SYBIL lacht:
Weil es schick wird. Nie würde ein liebender Sohn dulden ...
CHRISTIAN:
Kein Wort mehr!
SYBIL:
Daß deine neuen Kreise sich an der famosen Strohkapotte deiner Mutter, an deines Vaters Schmierstiefeln berauschen. Deine erste Tat, die sie vor Entwürdigung und dich vor Demütigung schützte, war zarteste Rücksicht für sie und klug dazu, wie dein Erfolg lehrt.
CHRISTIAN:
Ich erwarb Geld und muß nicht mehr vor den Nöten des Lebens flüchten. Endlich darf ich verweilen und die irdischen Güter betrachten. Der erste Luxus, den der reiche Mann treibt, ist seine Familie.
SYBIL:
Dein Vater, deine Mutter sind nicht Luxusgegenstände. Liebst du sie wirklich, treibe den Kult im Kämmerlein. Doch opfere sie nicht der Eitelkeit, daß bei dir alles sein muß, wie der gute Ton es vorschreibt. Du willst die Gräfin heiraten. Tu's. Aber gib ihr mit deinen Eltern kein Gleichnis, aus dem sie dich beurteilen kann. Bleib ihr fremd und geheimnisvoll. Du hast so viel, was keiner außer dir besitzt, du mußt nicht auch noch Eltern haben.
CHRISTIAN:
Närrisch bin ich mit dem Gedanken. Meine gesamte Ziffernmacht, allen Einfluß strenge ich bis zum äußersten an, meinem Vater Geltung zu verschaffen. Keine Widerworte! Ich will! Das sind Dinge, für die in dir jede Voraussetzung fehlt, da von deiner Geburt an alles Zufall in dir war.
SYBIL:
Du möchtest eine Kluft zwischen uns aufreißen.
CHRISTIAN:
Sie ist seit langem da. Im Handeln und Denken. Wir sind Fremde. Geh!
SYBIL:
Wirklich so fremd, Junge? Du warst doch der, der Zwanzigmarkstücke von mir nahm?
CHRISTIAN:
Du träumst. Ich bin der, der dich bezahlte, und der dich in diesem Augenblick ablohnt. Spare alle Worte.
SYBIL:
Ein einziges — mein Leben dafür —, das dich kennzeichnete und ausdrückte, wie niedrig ich dich empfinde.
CHRISTIAN:
Finde es zu Haus. Entstellst du mich mit Verdächtigungen wie den eben geäußerten vor dir selbst, zerstörst du dir das Andenken deiner großen Leidenschaft. Doch bleibt das deine Sache. Wagst du sie vor anderen, drohen dir unnachsichtlich die Gerichte.
Sybil steht ihm gegenüber, starrt ihn an und stürzt hinaus.
SIEBENTER AUFTRITT
CHRISTIAN:
Endlich. Diese Brücke abgebrochen zu Ufern, die man nicht mehr sah. Versuche eines Embryos des Menschtums, dich mit Redensarten deiner Natur und notwendigen Schlüssen abspenstig zu machen.
Er hat ein Florett zur Hand genommen und macht Fechtübungen:
Aber da dir die Kulöre deines Temperaments genau bekannt sind, werde nicht blaß vor dir selbst, mach ein Bild, eine saftige Figur aus dir und denk nicht an die Unterschrift, die die Zuschauer geben.
Da es wiederholt geläutet, geht er öffnen:
Wer ist das?
Nach einem Augenblick hört man draußen seinen Aufschrei:
Mutter!
ACHTER AUFTRITT
Treten auf Theobald Maske in Trauer und Christian.
THEOBALD nach einer Pause, während der Christian, gegen die Tür gelehnt, schluchzend steht:
Am Schicksal ist nicht zu deuten. Jetzt soll man der Sache ins Auge sehn. Wäre es nicht wie der Blitz gekommen, hätte ich dich vorbereitet. Aber sie war immer für das Überraschende und hat es noch mit dem Tode so gehalten.
CHRISTIAN:
Wir müssen sie überführen und hier mit gebührendem Pomp ...
THEOBALD:
Auch das ist seit gestern vorbei.
CHRISTIAN:
Nicht einmal dazu riefest du mich!
THEOBALD:
Warum sollte ich dir Umstände machen? Und noch dazu wußte ich nicht, ob's dir hier in den Kram paßte. Beerdigung ist immerhin eine offizielle Angelegenheit. Die Sekunde, in der ihr während der ganzen windschnellen Katastrophe schwante, um was es sich für sie handele, hauchte sie auch: Daß nur Christian nichts davon erfährt. Also ganz in ihrem Sinn. Friert dich?
Christian exit.
THEOBALD:
Es hat doch starken Eindruck auf ihn gemacht. Sieh mal an.
CHRISTIAN kommt zurück, einen schwarzen Anzug über dem Arm. Er kleidet sich während des folgenden, teilweise hinter einem Wandschirm, um:
Du darfst jetzt ruhig berichten.
THEOBALD:
Das ist gleich getan. Sie saß auf ihrer Bank, trank Kaffee, wie sie das so machte, immer das Stück Zucker auf der Zunge. Sie hätte Hitze, sagt sie, und sank hin.
CHRISTIAN schluchzt beherrscht:
Keine Krankheit vorher, kein Leid?
THEOBALD:
Nichts.
CHRISTIAN:
Wie lebte sie letzter Tage? War sie froh?
THEOBALD:
Man hatte immer den gleichen Eindruck: es ist eben Luise.
CHRISTIAN:
Wie standest du zu ihr nach jenem Malheur?
THEOBALD:
Ich habe das nie übertrieben; ihr blieb alles, mit Seltenheit und Regelmäßigkeit geführt, verborgen.
CHRISTIAN:
Du hast damals nicht mit jenem Weibe gebrochen?
THEOBALD:
Sie war mir zu phantastisch dazu. Ich schob es besser auf die lange Bank. So blieb es, nicht aufgebauscht, ganz unwichtig und lief ins Gleichmaß der Dinge. Durch mich hatte deine Mutter letzthin angenehme ruhige Tage.
CHRISTIAN:
Ich werde mit dem Architekten, einem Bildhauer wegen des würdigen Grabmals gleich mich ins Vernehmen setzen. Niemandem kann ich anvertrauen, wie ich an ihr gehangen. Vielleicht findet der Künstler den Ausdruck dafür.
THEOBALD:
Vielleicht.
Pause, während der Christian noch Zeichen seines Schmerzes gibt und sein Trauerkleid vollendet.
CHRISTIAN:
Welch trostlose Verkettung der Umstände. Heute hättest du bei dir zu Haus das Telegramm gefunden, das euch zu den glücklichsten Eröffnungen herrief.
THEOBALD:
Du hast uns telegraphiert?
CHRISTIAN:
Ich erwartete euch mit Ungeduld.
THEOBALD:
Was ist hier Wichtiges vorgefallen?
CHRISTIAN:
Kamst du einige Stunden später, du hättest deinen Sohn verlobt gefunden.
THEOBALD:
Schau! Ist das Mädchen hübsch?
CHRISTIAN:
Es ist — Gräfin.
THEOBALD:
Christian! Wo hast du den Mut her?
CHRISTIAN:
Gehört Mut dazu?
THEOBALD:
Jeder aus seiner Haut; denke ich aber, du steckst ein wenig in meiner — da hast du ja einen tollen Satz gemacht.
CHRISTIAN:
Über uns fort, Vater.
THEOBALD:
Es ist unheimlich. Und jene?
CHRISTIAN:
Das ist alles, was du mir dazu sagst?
THEOBALD:
Aus meiner Natur ist es wie ein Knalleffekt!
CHRISTIAN:
In einer ganz natürlichen Entwicklung eine logische Folge.
THEOBALD:
Ein subalterner Beamter ich, deine Mutter Schneiderstochter — es hat etwas von einer Gewalttat an sich. Und der Vater Graf, die ganze Verwandtschaft — Junge, du bist verrückt!
CHRISTIAN:
Was heißt der Unsinn?
THEOBALD:
Das ist doch toller als alle Komödien der Welt. Da machst du einen ja lächerlich. Kennst du denn gar keine Rücksichten mehr? Einen Grafen habe ich überhaupt noch nicht bei Leibe gesehen. Kann man denn nicht zu dir kommen, ohne daß du das Unterste zu oberst kehrst? Ich sage doch! Ein Subalterner in Pension.
CHRISTIAN:
Das ist Larifari.
THEOBALD:
Ein Unglück ist es! Wie wagst du eigentlich, mir das anzutun? Mit Fingern müssen die Leute auf mich zeigen.
CHRISTIAN betreten:
Aber ...
THEOBALD:
Die Seyfferts! Schon deine Mutter war eine überspannte Person. Ich werde närrisch. Habe ich mich doch nicht so, als du damals die Sperenzien mit uns machtest, über den Tod meiner Frau habe ich mich nicht so aufgeregt.
CHRISTIAN:
Aber Vater ...
THEOBALD immer erregter:
Die Maus mit der Giraffe willst du verkuppeln, Seiltänzerstücke machen, ins Anomalische steigst du ja! Deine Mutter stirbt mir mit sechzig Jahren, ich bin sie gewöhnt, mir war's ein Schlag, aber schließlich flüchtet man in die Natur der Sache. Maskes aber, hier dieser gewisse, allenthalben genau bekannte Theobald und eine ganze Grafenfamilie! Es ist um den Verstand zu verlieren.
Christian hat in Resignation das Florett genommen.
THEOBALD ganz außer sich:
Willst du mich morden? Besser bleibe ich ein normaler Beamter hier auf dem Platz, als daß ich der allgemeinen Belustigung zum Opfer falle. Hast du denn aus der Jugend keine Erinnerung mehr? An unsere Stübchen und den Kanarienvogel; nicht wie wir über den Graben schlurften, und du an unserer Seite den Herrn Kanzleirat ehrfürchtig grüßen mußtest? Was aber kann ein Kanzleirat gegen einen Grafen.
CHRISTIAN ängstlich:
Hör mir doch zu ...
THEOBALD:
Und wer sind wir erst auf der Stufenleiter? Daß ich nicht närrisch werde!
CHRISTIAN:
Mir ist deine furchtbare Aufregung unverständlich.
THEOBALD:
Und die Folgen? Ist dir von unmittelbaren, verhängnisvollen Folgen nichts eingefallen, die jedes Kind sieht? Als du uns beide alte Leute in die Fremde schicktest, schäumte ich vor Wut; allmählich aber sah ich mit Luisens Hilfe eine zwar grausame Vernunft darin, den höheren Sinn des Handels für dich, wenn auch nicht für mich. Und da du es sonst an nichts fehlen, den anderen Teil leben ließest, kam ich zur Ruhe.
Er springt auf:
Und jetzt wagst du solchen ...
CHRISTIAN:
Ich unterbreche dich. Sogar ehe an diese Heirat zu denken war, überwältigte mich ein Begehren, das vom Augenblick unserer Trennung an in mir immer stärker geworden ist. Von nun an dachte ich mit euch, da es anders beschlossen ist, mit dir sehr innig gemeinschaftlich zu leben. Ich wollte dich bitten, deinen Wohnsitz überhaupt hierher zu verlegen.
THEOBALD fällt in einen Stuhl:
Das ist klassisch!
CHRISTIAN:
Du ...
THEOBALD:
Nicht dein Ernst?
CHRISTIAN:
Völlig. Ich konnte diesen Grad der Abneigung deinerseits nicht voraussehen.
THEOBALD:
Dein Ernst?!
CHRISTIAN:
Ich begreife nicht.
THEOBALD auf ihn zu:
Wie?
CHRISTIAN weicht unwillkürlich zurück:
Begreife nicht ...
THEOBALD:
Immer noch nicht?
CHRISTIAN:
Das heißt, verstehe wohl, was du meinst. Halte aber dein Bedenken für übertrieben ... teilweise.
THEOBALD:
Übertrieben?
CHRISTIAN:
Andererseits ...
THEOBALD:
Übertrieben?!
CHRISTIAN eingeschüchtert:
Natürlich andererseits — wenn wirklich — natürlich. Mein Gott, müßte man eben auf seinen Lieblingswunsch verzichten — schweren Herzens. Auf deiner Teilnahme an der Hochzeit bestehe ich aber unter allen Umständen.
THEOBALD:
Darauf noch die Antwort: Entweder du machst diesen Vorschlag unbefangen nur so hin, dann bemerke ich: deinen Vater als Clown bei diesem Witz mitwirken sehn zu wollen, ist Unsittlichkeit. Mit einer Gräfin am Arm in meiner Aufmachung durch die Kirche Spießruten zu laufen, später als Mann aus dem Volk lächerlich bei Tisch zu sitzen ...
CHRISTIAN:
Vater!
THEOBALD:
Danke. Oder du willst an mir niedrige Rache dafür nehmen, daß ich dich in deiner Jugend meine väterliche Gewalt fühlen ließ, indem du jetzt vor aller Welt mein Selbstgefühl demütigst; vielleicht aber soll diese Einladung gar ein Pflaster für Mutters Tod sein. Nein, Christian, um Gottes willen nicht! Tu für mich, was du bisher getan, und ich bin zufrieden, und willst du mehr, so überlege noch einmal gründlich, was du vorhast. In jedem Falle aber mußt du mich als eine bestimmte Größe in deinem Lebensplan einstellen: einer, der mit solchen Sachen nichts zu tun hat, dich aber unter keinen Umständen, nicht im geringsten molestiert. Darum bin ich vorhin die Hintertreppe heraufgekommen.
Und nun will ich mir nur noch etwas Garderobe kaufen.
CHRISTIAN:
Mein Schneider, meine Lieferanten selbstverständlich ...
THEOBALD:
Die sind auf unsereinen nicht eingerichtet. Ich habe andere Quellen. Und abends reise ich heim.
Er nimmt Hut und Stock.
CHRISTIAN ängstlich:
Ein paar Tage solltest du wenigstens bleiben.
THEOBALD:
Ich sollte nicht! Laß doch den Firlefanz. Warum sprichst du überhaupt nicht in dem alten vernünftigen Ton mit mir? Ungesehen verschwinde ich auf dem Wege, auf dem ich kam, brauchst mich nicht zu bringen. In der nächsten besten Kneipe esse ich etwas. Und kommst du mal vorbei, ihr Grab zu sehen, soll's mich freuen. Bist, von diesem Unsinn abgesehen, sonst ein guter Kerl; läßt einen leben.
NEUNTER AUFTRITT
DIENER tritt auf:
Graf Palen!
GRAF folgt sofort:
Marianne wollte zuerst, einem schönen Drange folgend, es Ihnen selbst sagen — sie war sehr glücklich — innig beglückt —
Theobald hat den Versuch gemacht, zu verschwinden.
GRAF:
Bitte mich vorzustellen.
CHRISTIAN in höchster Verwirrung:
Mein Vater ... bitte.
GRAF:
Tiens. Ah das —! Nein das — aber sehr angenehm. Graf Palen. Sehr erfreut!
Reicht Theobald beide Hände:
Und dachte ich immer — wie kam ich nur darauf? Sah unseren Freund als Waise —
Er lacht:
Wahrhaftig! Doch um so angenehmer. Charmant.
CHRISTIAN:
Mein Vater, von Zürich kommend, wo er lebt, kündigt mir den Tod meiner Mutter an. So gewinne ich Marianne im rechten Augenblick.
Er sinkt dem Grafen an die Brust.
GRAF:
Meine aufrichtige Teilnahme.
Zu Theobald:
Auch Ihnen, verehrter Herr.
THEOBALD verbeugt sich:
Danke, Herr Graf.
GRAF:
Ich kann nichts Besseres raten: eilen Sie zu Ihrer Braut. Inzwischen bleiben die alten Herren beisammen.
Zu Theobald:
Haben Sie gefrühstückt? Nein? Also auf! Die Frau, eine Braut ersetze ich nicht, doch was ein anständiges Essen vermag ...
CHRISTIAN:
Mein Vater wollte gleich zurück.
GRAF:
Aber das muten wir ihm nicht zu.
THEOBALD:
Frühstücken sollte man in jedem Fall.
GRAF:
Das ist jetzt mein Ehrenamt. Mit Kondolieren und Glückwünschen verbringen wir die kürzeste Zeit. Ihr Sohn hat Sie lange genug unter Verschluß gehalten; bei einer Flasche Rotspon beschnuppert man sich.
THEOBALD:
Beschnuppert — ist gut.
GRAF:
Sagt man nicht so?
THEOBALD lacht:
Ich würde beschnuppert sagen, Herr Graf.
CHRISTIAN bei Theobald, zischt:
Graf!
Zum Grafen:
Mein Vater will unbedingt mit dem Mittagszug heim.
GRAF energisch:
Aber lassen Sie doch endlich! Der alte Herr muß vor allem ausgiebig frühstücken. Und alles andere findet sich später. Kommen Sie!
Graf und Theobald exeunt.
ZEHNTER AUFTRITT
CHRISTIAN:
Was war das plötzlich für ein Ton von ihm? Habe ich einen Fehler gemacht?
Am Fenster:
Er läßt ihn vor sich in den Wagen steigen? Welch umständliche Höflichkeit. — Ich habe einen Fehler gemacht! Meine Hilflosigkeit, meine Verlegenheit um ihn hat er bemerkt. Bin ich rot, blaß?
Er läuft zum Spiegel:
Ich zittre ja wie Espenlaub!
Er springt auf einen Stuhl am Fenster:
Er offeriert ihm eine Zigarre. Beide lachen über's ganze Gesicht. Worüber? Über mich? Herrgott, einen furchtbaren Fehler habe ich gemacht! Wollte ich nicht auftrumpfen, habe ich vor fünf Minuten hier nicht geschworen, mich mit ihm brüsten, rühmen zu wollen? Hatte ich doch den einzig richtigen Instinkt.
Und nun wird er es Marianne, wird es der ganzen Familie klatschen, ich wollte meinen Vater verleugnen. Kann er nicht behaupten, ich hätte ihn ehemals totgesagt? Das leugne ich ihm aber brüsk ins Gesicht ab.
Gegenmaßregeln! Schnell! Was?
Er läutet. Diener tritt auf.
Setzen Sie die Fremdenzimmer in Bereitschaft. Mein Vater kam an. Dem alten Herrn soignierteste Bedienung.
Diener exit.
CHRISTIAN ihm bis zur Tür nach:
Halt! Wartet man nicht besser ab, was kommt? Vielleicht bekäme man ihn doch noch ohne allzu großes Aufsehen fort. Nein, nein und endlich nein! Wie ich es heute morgen in mir wußte, wie es sich schon bewiesen hat: mit größter Geste muß ich ihn als etwas Außergewöhnliches darbieten.
Sofort in Szene setzen! Von weither vorbereiten! Und es soll die ganze Familie umfassen.
Wenn es nicht schon eine Katastrophe ist.
Er läuft im Zimmer umher:
Was werden sie am Weintisch tun?
Was wird er aus dem Alten herausholen? Wenn er, wenn der andere besoffen ist?
Warum bin ich denn nicht mit von der Partie?!
Außer sich:
Um Gottes willen! Ja um Gottes willen!
Er heult auf:
Statt meinem schlichten Kindesinstinkt zu folgen. Ich könnte mich ohrfeigen!!