II. Bild.
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Ein Festsaal. Im Hintergrund eine weite Flucht von Zimmern, die von vorn gesehen leicht ansteigt. Festliche Beleuchtung. Buffet links hinten, im vorderen Saal. Rechts Klavier und Pulte. Gewundene Stiegen laufen rechts und links zwischen dem ersten und zweiten Saal nach oben.
Erste Szene.
Hochzeitsgesellschaft.
Eine Anzahl von Paaren tanzt Walzer.
Ältere Damen und Herren sitzen an den Seitenwänden.
Zwei Diener hinter dem Buffet damit beschäftigt, Gästen Wein einzuschenken und Backwerk vorzuteilen.
Klavierspieler, Violinspieler und Klarinettist besorgen die Tanzmusik.
Pierrettens Vater und Pierrettens Mutter (kleine behagliche Leute) stehen am Buffet und bekomplimentieren die Gäste.
Arlechino (der Bräutigam Pierrettens, groß, hager, nicht mehr jung, Altwiener Kostüm, vollkommen schwarz, große weiße Blume im Knopfloch.) düster und erregt, steht mit verschränkten Armen rechts vorne und schaut dem Tanze zu.
Der Walzer endet.
Die Paare promenieren.
Vater und Mutter treten in die Mitte des Saales.
Junge Herren sprechen mit der Mutter.
Junge Damen mit dem Vater.
Gigolo der Tanzarrangeur, sehr jung, mit übertriebener Eleganz gekleidet, eilt geschäftig im Saale hin und her, bald beim Buffet, bald bei den Musikern, bald bei einzelnen Tänzerinnen und Tänzern.
Einige Paare zum Buffet.
Der Vater, gut aufgelegt, geleitet zwei junge Damen zum Buffet.
Zwei junge Mädchen treten zu Arlechino und sprechen lächelnd mit ihm.
Arlechinos Antlitz bleibt düster.
Einige Gäste stoßen mit Vater und Mutter an.
Der Vater kommt auf Arlechino zu, mit zwei gefüllten Gläsern, reicht ihm das eine.
Der Vater stößt mit Arlechino an, umarmt ihn dann.
Die Umstehenden spenden Beifall (nicht Händeklatschen).
Gigolo schlägt in die Hände, animiert die Herren, ihre Damen zu engagieren, geschäftig im Saale hin und her.
Die Paare stellen sich zu einer Quadrille bereit.
Gigolo zu Arlechino.
Sie müssen auch mittanzen, Herr Arlechino, engagieren Sie doch Ihre Braut.
Arlechino nickt ernst, sieht sich im Saale um.
Die Quadrille beginnt.
Gigolo sieht, daß Arlechino noch allein ist, gebietet der Musik Einhalt.
Arlechino zu Gigolo.
Sie sehen ja, Fräulein Pierrette ist noch nicht da. Jedenfalls verweilt sie auf ihrem Zimmer oben. Lassen Sie die Quadrille nur weiter gehen.
Gigolo.
Keineswegs, das geht nicht.
Er eilt zur Mutter.
Herr Arlechino ist ohne Dame, Fräulein Pierrette ist nicht da.
Mutter erstaunt, sieht sich im Saal um.
Pierrette ist nicht da? Ach ja, ich weiß schon, sie ist auf ihrem Zimmer, kleidet sich an, macht sich für die Reise bereit.
Vater ist herzugetreten.
So geh doch hinauf und hole sie.
Mutter rasch ab, rechts.
Gigolo gibt den Musikern ein Zeichen.
Die Musiker intonieren ein Menuett.
Die zur Quadrille gestellten Paare tanzen das Menuett.
Arlechino geht indeß rückwärts in der Flucht der Säle bis weit nach hinten, auf und ab.
Die Mutter kommt zurück, rasch zum Vater. Zieht ihn nach vorne.
Pierrette ist nicht oben.
Vater.
Du bist verrückt.
Mutter.
Ich versichere dich, sie ist nicht oben.
Vater.
Wie ist denn das möglich?
Arlechino steht plötzlich bei den beiden.
Wo ist Pierrette?
Mutter verlegen.
Sie wird gleich kommen.
Arlechino dringender.
Wo ist Pierrette?
Mutter verwirrt.
Ich weiß es nicht.
Arlechino faßt die Mutter am Arm.
Der Vater will ihm das verwehren.
Arlechino stampft auf den Boden.
Wo ist Pierrette?
Die Paare haben bemerkt, daß etwas vorgeht.
Die Tanzmusik hört auf zu spielen.
Ein Paar neben der Gruppe Arlechino, Vater, Mutter, merkt worum es sich handelt, teilt es dem nächsten Paare mit.
Ein Paar teilt es dem andern mit.
Die Aufregung ist groß, alle gruppieren sich um Arlechino, Vater und Mutter, die jetzt in der Mitte des Saales stehen.
Arlechino droht.
Ich werde fürchterliche Rache nehmen. Ich werde das Haus anzünden. Ich werde alle umbringen.
Gigolo tritt hinzu.
Gewiß ist das Haus noch nicht ordentlich durchsucht.
Zu den Mädchen.
Suchen Sie doch alle, suchen Sie doch überall.
Die jungen Mädchen entfernen sich nach den verschiedenen Seiten, einige über die Stiegen, laufen hin und her.
Die jungen Herren stehen in Gruppen beisammen.
Arlechino vorn, geht mit großen Schritten auf und ab.
Vater und Mutter, rechts, ziemlich hinten, machen einander Vorwürfe.
Die jungen Mädchen kommen nach und nach zurück.
Wir haben Pierrette nicht gefunden.
Arlechino wird rasend vor Wut. Zum Buffet, zerschlägt einige Gläser und Flaschen. Vollführt drohende Gebärden gegen Vater und Mutter. Geht zum Klavier, zertrümmert die Tasten, reißt den Musikern Violine und Klarinette aus der Hand, zerschmettert sie und wirft sie zu Boden. Dann eilt er durch die Zimmerflucht nach hinten.
Zweite Szene.
Wie Arlechino ganz rückwärts ist, tritt ihm Pierrette entgegen.
Arlechino faßt Pierrette bei der Hand, zieht sie nach vorne und bleibt in der Mitte stehen.
Die andern erstaunen.
Einige suchen näher zu treten.
Arlechino weist sie fort.
Vater und Mutter suchen näher zu treten.
Arlechino weist sie fort.
Arlechino und Pierrette mitten im Saal.
Die andern in gemessener Entfernung.
Arlechino zu Pierrette.
Wo bist du gewesen?
Pierrette.
In meinem Zimmer oben.
Arlechino.
Das ist nicht wahr.
Pierrette.
Ich bin spazieren gegangen, draußen im Garten.
Arlechino.
Du bist gesucht worden, du warst nicht im Hause und nicht im Garten.
Pierrette.
Ich kann nichts andres antworten. Komm, ich will tanzen.
Arlechino.
Nein, zuerst mußt du mir antworten.
Pierrette.
Ich will tanzen.
Arlechino.
Zuerst antworte!
Vater, Mutter, Gigolo, junge Mädchen, treten näher, versuchen Arlechino zu begütigen.
Arlechino hört nicht auf sie.
Gigolo gibt den Musikern ein Zeichen.
Die Musiker verweisen verzweifelt auf ihre ruinierten Instrumente.
Gigolo.
Das macht nichts, spielt nur, es wird schon gehen.
Die Musiker beginnen zu spielen. Schnellpolka.
Die Instrumente klingen schauerlich.
Gigolo tritt in die Mitte des Saales.
Tanzen, tanzen.
Pierrette auf Arlechino zu, mit verzweifelt bacchantischer Geste. Schmiegt sich näher an ihn heran.
Arlechino betrachtet sie lang, umfaßt sie, tanzt mit ihr.
Alles scheint wieder geordnet.
Plötzlich sieht man von hinten, nur für Pierrette sichtbar, sehr langsam den toten Pierrot kommen.
Pierrette hält im Tanzen inne, weist entsetzt auf den näher schreitenden Pierrot.
Die andern wissen nicht, was Pierrette ist.
Pierrot schreitet mitten durch den Saal, bleibt vor Pierrette stehen und zerfließt in nichts.
Pierrette weist die Erscheinung als Traumbild von sich, erholt sich.
Die andern beginnen wieder zu tanzen.
Pierrette geht mit Arlechino zum Buffet. Verlangt vom Diener etwas zu trinken.
Plötzlich steht statt des Dieners der tote Pierrot hinter dem Buffet. Schenkt der Pierrette ein Glas Wein ein.
Pierrette taumelt zurück, rast wie eine Verfolgte zum Klavier hin.
Arlechino ihr nach.
Der tote Pierrot verschwindet.
Arlechino.
Was hast du? Was ist dir?
Pierrette.
Nichts, nichts. Es geht schon wieder vorüber.
Sie schauert und will sich verhüllen.
Arlechino plötzlich merkend.
Elende ...
Die Tanzmusik hört auf.
Arlechino.
Wo ist dein Schleier Pierrette?
Pierrette greift sich an Haupt und Schultern.
Arlechino.
Wo ist dein Schleier?
Pierrette.
Ich weiß nicht.
Arlechino.
Während du fort warst, ist dir dieser Schleier verloren gegangen. Wo ist der Schleier? Wo warst du?
Pierrette.
Laß mich doch.
Arlechino.
Du mußt dir deinen Schleier zurückholen.
Pierrette.
Ich weiß nicht wo er ist.
In diesem Augenblick erscheint der tote Pierrot mit dem Schleier in der Hand im Hintergrunde und kommt nur wenig nach vorn. Bleibt am Ende des Saales stehen.
Pierrette eilt dem toten Pierrot entgegen.
Arlechino ihr nach, faßt sie bei der Hand.
Der tote Pierrot mit dem Schleier entfernt sich wieder.
Pierrette sucht den Schleier zu erhaschen.
Arlechino hält sie ununterbrochen bei der Hand.
Pierrot mit dem Schleier entschwindet.
Pierrette dem Scheinbilde nach.
Arlechino immer mit ihr.
Einige junge Herren wollen nach.
Arlechino wendet sich um und verbietet, daß man ihnen folge.
Vorhang.
Die Musik leitet ohne Pause über zum dritten Bild.
