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Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63

5. Kapitel. Ein Kampf ohne gleichen.

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„Meine Vermutungen haben sich bestätigt,“ rief der Professor, der schon seit längerer Zeit diese seltsame Welt beobachtete. „Der Mond, dem wir uns jetzt nähern, befindet sich in einem Zustand der Erstarrung. Das ist eine Wildnis, eine Stein- und Sandwüste, dort ist jedes Leben wohl schon seit Jahrtausenden erloschen.“

Van Halen täuschte sich nicht, denn dieser kleinste der Monde bot in der Tat einen trostlosen Anblick. Man sah Sandwüsten, riesige Gebirgszüge, aber alles starr und tot, keine Spur von Vegetation, kein Ueberrest von Wasser.

Allerdings war dieser Mond ausnehmend klein und es konnte sehr leicht möglich sein, daß man auf den anderen Trabanten Lebensbedingungen entdeckte.

Mors und seine Begleiter aber hatten keine Zeit, darauf zu achten oder die übrigen Monde zu betrachten. Ihre Blicke wurden jetzt von ganz anderen Dingen in Anspruch genommen.

„Da sind sie,“ rief Halen, dessen geübte Augen alles zu sehen schienen. „Dort, dort in der Nähe der ungeheuren Berge. Das sind die von uns Verfolgten. Man kann sie mit bloßen Augen erblicken.“

Die Inder drängten sich heran und blickten durch die große Glasscheibe am Vorderteil des Weltenfahrzeuges.

Man sah geradezu ungeheuerliche Berge, die sich auf der Nordhälfte des Saturnmondes erhoben. Gebirge von einer solchen Größe, daß die höchsten Berggipfel der Erde wie Zwerge erscheinen mußten.

Dort zwischen einem riesigen Gebirgssattel schwebten, dem Auge deutlich erkennbar, zwei graue Kolosse, die sich langsam bewegten, die Fahrzeuge der Amerikaner, welche ebenfalls auf diesem Mond einen Landungsplatz gesucht hatten.

Höchstwahrscheinlich waren die beiden Fahrzeuge auf dem Saturnmond gelandet und erst beim Erblicken von Mors’ Fahrzeug wieder emporgestiegen.

Anfangs bewegten sie sich langsam, dann immer schneller und schneller. Man sah, wie ihre Magneten wirkten, wie sie mit rasender Geschwindigkeit die Räume durchfuhren.

Einen Augenblick blieben sie noch bei einander, offenbar, um noch Signale zu wechseln.

Deutlich sah man vom „Meteor“ aus blinkende Lichtstreifen in verschiedenen Farben, bald blau, bald rot, bald grün.

Hierauf trennten sich die beiden Kolosse.

Der eine fuhr rechts, der andere links und nun beschrieben sie ein paar ungeheure Halbkreise.

Kapitän Mors blickte finster auf die beiden Gegner.

„Sie haben uns bemerkt,“ sprach er nach kurzem Besinnen, „und denken gar nicht daran, uns aus dem Wege zu gehen. Sie rüsten sich zum Angriff und wollen uns von zwei Seiten angreifen, von rechts und von links, um uns alsdann mit ihren spitzen Stahlspornen zu rammen. Sie wollen das Manöver des vernichteten Weltenfahrzeuges wiederholen. Vorwärts, es gilt!“

Mors und Terror eilten nach dem Lenkraum, und dort begann der Luftpirat zu manövrieren.

Seltsamerweise lenkte er den „Meteor“ nach den riesigen Gebirgen, wo schon die Amerikaner einen Landungsplatz gefunden hatten.

Terror wunderte sich hierüber, denn er meinte, es sei besser im leeren Raum zu bleiben. Indessen überließ er alles seinem Kapitän, dem er blindes Vertrauen schenkte.

Die Feinde hatten dies nicht erwartet.

Ihre Fahrzeuge schossen bereits in großem Bogen in das Endlose hinaus, während der „Meteor“ schnell wie der Blitz dem Monde zustrebte.

Wenige Minuten später waren die funkelnden Bergspitzen in der Nähe des gigantischen Fahrzeuges. Der „Meteor“ fuhr bis zu dem Bergsattel und erwartete dort die Angreifer.

Die feindlichen Fahrzeuge trafen auf ihrer Fahrt durch den Raum wieder zusammen, schwenkten und wechselten wieder farbige Lichtsignale.

Dann trennten sie sich von neuem und kamen jetzt ihrerseits mit fürchterlicher Geschwindigkeit auf die Berggipfel zugesaust.

Die Inder standen bereits an den Zerstörungsmaschinen und warteten auf die Befehle ihres Gebieters.

Diesmal hatte man die Waffen, welche großen Gewehren ähnlich sahen, einfach beiseite gelassen, denn man wußte, daß sie keine Wirkungen auf die Gegner ausübten.

Dafür standen die glänzenden Rohre hinter den kleinen, schießschartenähnlichen Oeffnungen.

Es war ein merkwürdiger Kampf, denn es galt ja, gewissermaßen im luftleeren Raum zu fechten.

Mors aber hatte auch hier seine Vorsorge getroffen, sein Weltenfahrzeug war auf einen Kampf im luftleeren Raume vorbereitet.

Die Schießscharten waren durch eiserne Klappen verschlossen, die sich nur im Augenblick des abgefeuerten Schusses öffneten.

Hierauf schlugen sie blitzschnell wieder zu, sodaß nur sehr wenig von dem Luftvorrat verloren ging. Der Mechanismus selbst wurde durch Elektrizität in Bewegung gesetzt und funktionierte vorzüglich.

Daß dieser Mond keine Luft besaß, sah man, denn hier war keine Spur einer Hülle vorhanden, hier leuchtete alles in reinstem für die Augen geradezu schmerzlichen Weiß und alle Schatten waren so pechschwarz wie die ägyptische Finsternis. Dieser kleine Mond war eine Welt des Todes.

Jetzt fragte sich nur, ob die Amerikaner ähnliche Vorrichtungen besaßen, ob auch sie im luftleeren Raum zu feuern vermochten. Aber das mußte sich ja binnen kurzem entscheiden.

Jetzt kam das Ungetüm heran, offenbar in der Absicht, den Rammsporn anzuwenden.

Mors beobachtete den Gegner sorgfältig, bis er bemerkte, daß der Feind in Schußnähe war. Nun drückte er auf den Knopf, der das elektrische Signal zum Beginn des Schießens gab.

Unmittelbar darauf hörte man im Weltenfahrzeug ein eigentümliches Geräusch. Ein Krachen und Dröhnen ließ sich aber nicht vernehmen. Kein Wunder, hier fehlte ja die Luft, hier fehlte das Element, welches den Schall hervorbrachte.

Die Inder machten ihre Sache gut und Mors gewahrte deutlich, wie die Geschosse aus den Zerstörungsmaschinen den grauen Rumpf des feindlichen Weltenfahrzeuges trafen.

Mit ungeheurer Wucht schlugen sie dort auf, sodaß das feindliche Weltenfahrzeug hin- und hergeschüttelt wurde.

Das zweite Weltenfahrzeug war noch nicht sichtbar. Mors aber blickte öfters danach aus, es konnte ja möglich sein, daß ihm dieser Feind in den Rücken fiel und den Riesenmagneten und den Lenkapparat zu zerstören suchte.

Deshalb mußte man zunächst mit dem einen Gegner fertig werden. Mors wiederholte das Signal, durch welches er seine Mannschaft zum schnellsten Schießen aufforderte.

Drüben auf dem feindlichen Fahrzeug war man offenbar über den hartnäckigen Angriff erstaunt.

Wenn die Geschosse des Weltenfahrzeuges auf den grauen Rumpf des amerikanischen Weltenschiffes aufschlugen, wurde es immer wieder seitwärts geworfen. Schließlich schien man darüber sehr erbittert zu sein. Der Koloß flog immer wieder empor, um seinerseits zum Angriff übergehen zu können.

Mors aber lenkte sein eigenes Fahrzeug mit geradezu bewunderungswürdiger Geschicklichkeit, sodaß seine Inder immer ihre Maschinen benutzen konnten. Der „Meteor“ wendete und drehte sich, als wäre er ein lebendes Wesen, welches den Feind abwehrte, während sein Riesenkörper immer wieder unter dem Rückstoß der abgefeuerten Geschütze erzitterte.

Drüben blieb man auch nicht müßig, auch dort kamen Geschosse herübergeflogen.

Mors bemerkte aber sofort, daß der Feind keine solche Vorrichtung besaß, wie er sie selbst erdacht. Dies Fahrzeug verlor beim Schießen Luft, die aus den Schießscharten hervorströmte.

Das sah eigentümlich, ja geradezu gespenstig aus. Die Luft verwandelte sich sofort in weiße Dampfgestalten, welche die wunderlichsten Formen annahmen. Sie drehten und wendeten sich eine zeitlang hin und her, bis sie spurlos ins Nichts verschwanden.

Wieder wurde das feindliche Fahrzeug durch den Anprall einiger Geschosse zurückgeworfen.

Es war hohe Zeit gewesen, da der Gegner eben zu rammen versuchte. Er war dem „Meteor“ schon ganz nahe, man sah seinen spitzen, stählernen Sporn in grellster Beleuchtung funkeln.

Die Inder hatten schon geglaubt, daß sich dieser spitze Stahlsporn, den das Weltenfahrzeug nicht besaß, in den Rumpf des „Meteor“ bohren würde. Sie strengten alle ihre Kräfte an, sie feuerten so rasch sie nur vermochten.

Acht, zehn Geschosse schlugen fast zu gleicher Zeit auf den Metallrumpf des Feindes, der im rasenden Anlauf dahergeschossen kam.

Der furchtbare Anprall warf den Gegner seitwärts, und da er noch mit gewaltiger Schnelligkeit dahinbrauste, stieß er plötzlich gegen einen weit hervorragenden Felsen.

Es war die Rettung für den „Meteor“, denn beim zweiten Angriff wäre der Koloß sicherlich angebohrt worden.

Wieder hörte man nichts, denn die Luft verhinderte ja, daß das Dröhnen des Anpralls Geräusch verursachte.

Mors sah aber deutlich, daß der Gegner schweren Schaden genommen, daß durch die Vehemenz des Anpralls die eine Wand des Metallrumpfes aufgerissen sein mußte.

Ein furchtbarer Anblick bot sich jetzt dar, großartig und schrecklich zugleich. Das beschädigte Weltenfahrzeug rutschte langsam an den Felsen hinunter.

Sein Magnet mußte in Unordnung gekommen sein, eine der Lenkstangen schleifte.

Unten war ein Plateau, auf welchem der Koloß liegen blieb. Schwerfällig wälzte er sich auf die Seite.

Nun sah man erst die Beschädigung, die sich der Gigant selbst zugefügt. Die rechte Seite der Metallwand war zerstört, dort klaffte eine furchtbare Bresche.

Riesige weiße Dampfwolken stiegen empor, es war die Luft, welche sich einen Ausweg suchte.

Sicherlich führte man auch dort Behälter mit flüssiger Luft mit sich, aber diese waren wohl größtenteils zerstört. Die Luft verflüchtigte sich im Endlosen, das Lebenselement entwich, und nun kamen die Insassen des halbzertrümmerten Kolosses zum Vorschein.

Mors nahm sein Glas und sah hinüber.

Er gewahrte drei Männer, die offenbar der weißen Rasse angehörten, die sich wie toll gebärdeten.

Jedenfalls fühlten sie die ungeheure Kälte, die auf diesem Monde herrschte, da der Mangel an Luft der Kälte des Weltenraums kein Hindernis entgegensetzte.

Mors sah, daß diese Männer etwas trugen, es glich einer großen Kapsel, die vom Rücken herabhing, vielleicht war es ein Kautschuksack mit Sauerstoff. Diese Unholde schienen sich gegen das Verderben zu wehren.

Sie taumelten und wankten, dann rannten sie wieder nach dem halbzerstörten Weltenfahrzeug zurück, als ob sie dort Schutz suchen wollten.

Auch andere Gestalten tauchten dort empor, aber das waren Neger. Mors sah die riesigen Gestalten der Schwarzen, die jetzt offenbar mit dem Tode rangen. Er sah, wie sie auf den Metallrumpf des vernichteten Weltenfahrzeugs kletterten, mit den Armen wild umherfuchtelten und dann leblos auf die glitzernden Steinblöcke rollten.

Dort begann der Kampf mit dem Tod, dem in kurzer Zeit alles Lebende in dem feindlichen Fahrzeug zum Opfer fallen mußte.

Noch blickte er auf das grausige Bild, da schrillte die elektrische Glocke.

Mors fuhr herum und sah sofort eine neue Gefahr. Das dritte und letzte amerikanische Fahrzeug war soeben in Sicht gekommen und mit fürchterlicher Geschwindigkeit auf den „Meteor“ losgeschossen.

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