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Der Löwe von Flandern

XVI.

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XVI.

Jan Breydel hatte sich mit seinen siebenhundert Genossen unweit Damm, etwa eine Meile von Brügge gelagert. Dreitausend Gesellen anderer Zünfte hatten sich seinem Befehl unterstellt. So befand er sich an der Spitze eines Heeres, das zwar gering an Zahl, aber machtvoll war durch seinen Mut und seine Unerschrockenheit: denn die Herzen dieser Männer lechzten nach Freiheit und Rache. In dem Gehölz, das der Obmann zum Lagerplatz gewählt hatte, war eine Viertelstunde weit alles mit Zelten bedeckt. Am Morgen des 18. Mai, kurz bevor Châtillon in Brügge einrückte, rauchten vor den regelmäßigen Linien dieses Lagers unzählige Feuer; doch man sah nur wenig Volk bei den Zelten. Frauen und Kinder waren genug da, aber nur selten zeigte sich ein Mann, und auch dann war es nur eine Schildwache. Etwas abseits von dem Lager, hinter den Bäumen, die ihre Zweige über die Zelte breiteten, befand sich ein offener, unbewachsener Platz. Dort hörte man das summende Geräusch vieler Stimmen, das nur zuweilen von starken Schlägen übertönt wurde. Der Amboß ertönte von den Schmiedehämmern klingend wider, und die größten Bäume sanken krachend unter den Beilen der Fleischer dahin. Lange Stangen wurden gerundet, geglättet und mit einer Eisenspitze versehen. Schon lagen große Haufen solcher Goedendags am Boden. Andere Gesellen flochten Weidenzweige zu Schilden und gaben sie der Reihe nach der Gerberzunft, die sie mit einer Ochsenhaut überzogen. Auch die Zimmerleute verfertigten allerlei schweres Kriegswerkzeug zum Sturm auf Städte, zumal Ballisten und andere Wurfmaschinen.

Jan Breydel lief von der einen Seite zur anderen und trieb seine Genossen durch ermutigende Worte an; zuweilen nahm er selbst ein Beil aus den Händen seiner Fleischer und brachte dann zu ihrem Staunen mit bewunderungswürdiger Kraft einen Baum in ganz kurzer Zeit zu Falle.

Auf der linken Seite dieses offenen Platzes stand ein prächtiges Zelt von himmelblauem Stoff mit silbernen Borten. Daran hing ein Schild, auf dem der schwarze Löwe in goldenem Felde gestickt war: das zeigte, daß hier eine Person von gräflichem Blute untergebracht war. Es war Machteld, die sich unter den Schutz der Zünfte gestellt hatte und bei ihnen wohnte. Zwei Frauen aus dem durchlauchtigsten Hause van Renesse waren aus Seeland gekommen, um als Ehrendamen und Freundinnen bei ihr zu sein. Nichts fehlte ihr; die kostbarsten Möbel, die prächtigste Kleidung hatte ihr der edle Herzog von Seeland zugeschickt. Zwei große Scharen Fleischer mit blinkendem Beile standen zu beiden Seiten des Zeltes und dienten der jungen Gräfin als Leibwache.

Der Obmann der Weber ging vor dem Eingang auf und ab – in tiefem Sinnen; – – er starrte zu Boden. Die Leibwachen betrachteten ihn still, und voller Ehrerbietung wagten sie nicht zu sprechen. Er war mit dem Entwurf eines allgemeinen Lagerplatzes beschäftigt. Damit es ihnen nicht am Nötigsten fehlte, hatte er das ganze Heer in drei Gruppen geteilt. Die Fleischer und Gesellen verschiedener Zünfte ließ er unter Breydels Befehl zu Damm ein Lager beziehen. Hauptmann Lindens stand mit zweitausend Webern bei Sluis, und De Coninck selbst blieb mit zweitausend anderen zu Aardenburg. Aber diese erzwungene Trennung der verschiedenen Heeresteile mißfiel ihm; er hätte lieber vor der Rückkunft des Herrn Gwijde alle Abteilungen zusammengezogen. Deshalb war er nach Damm gekommen und hatte schon mit Jan Breydel darüber verhandelt. Jetzt wartete er auf die Erlaubnis, die Tochter seines Herrn zu sehen und zu begrüßen. Während er noch diesen Entwurf überdachte, wurde der Vorhang des Zeltes beiseite gezogen, und Machteld schritt langsam über den Teppich, der vor dem Eingang lag. Sie war bleich und matt, ihre schwachen Glieder trugen sie nur mit Mühe; sie schwankte schon bei den wenigen Schritten, die sie tat, und ruhte schwer auf dem Arme der jungen Adelheid van Renesse, die sie begleitete. Ihre Kleidung war kostbar, aber prunklos; sie hatte jeden Schmuck verschmäht und trug als einziges Kleinod die goldene Brustplatte mit dem schwarzen Löwen von Flandern.

De Coninck hatte sein Haupt entblößt und stand ehrerbietig vor ihr. Machteld lächelte ergreifend. Auf ihren Zügen mischte sich bitterer Schmerz mit ruhiger Zufriedenheit, denn sie war erfreut, den Obmann zu sehen. Mit schwacher Stimme sprach sie:

„Seid gegrüßt, Meister De Coninck, unser Freund! Ihr seht, ich fühle mich nicht wohl, das Atmen fällt mir recht schwer; aber ich mag nicht immer in meinem Zelte bleiben. Die Trauer überwältigt mich in dieser engen Behausung. Ich will die treuen Untertanen meines Vaters arbeiten sehen, wenn mich meine Füße so weit tragen können. Ihr werdet mich begleiten; ich bitte Euch, Meister, beantwortet meine Fragen; das wird meinem kranken Geiste Erleichterung schaffen. Die Wachen sollen uns nicht folgen. Die reine Morgenluft tut mir so wohl.“

De Coninck folgte seiner Landesherrin und begann, mit ihr über mancherlei zu plaudern; mit seinem gewohnten Scharfsinn und seiner Beredsamkeit wußte er ihr viel Trost zu schaffen und verscheuchte so vorübergehend all ihre trüben Gedanken. Als die Jungfrau inmitten der Zunftleute stand, ward sie mit Jauchzen und Glückwünschen begrüßt. Alsbald ertönte allenthalben der Ruf: „Heil der edeln Tochter des Löwen!“ Er lief langhin hallend durch das Gehölz, und Machteld empfand innige Freude über dies Zeichen feuriger Liebe. Sie trat zu dem Obmann der Fleischer und sagte freundlich:

„Meister Breydel, ich habe Euch von weitem gesehen, Ihr arbeitet mit mehr Eifer als der geringste Eurer Gesellen. Es scheint, die Arbeit gefällt Euch!“

„Meine Gebieterin,“ antwortete Breydel, „wir machen Goedendags, die das Vaterland und den Löwen, unseren Herrn, befreien sollen. Ich habe gewaltige Freude an dieser Arbeit, denn es kommt mir vor, als wenn auf der Spitze eines jeden Goedendags, den wir herstellen, bereits ein Franzose steckt. Verwundert Euch nicht, durchlauchtige Gräfin, wenn ich so zornig in diese Bäume haue; mir ist dabei, als hiebe ich auf den Feind ein, und dieser Rachetraum läßt meine Hand nicht matt werden.“

Machteld bewunderte den jungen Mann, dessen Blicke all sein Heldenfeuer verrieten, dessen Gesicht, wie das einer griechischen Gottheit, den Ausdruck der zartesten und wildesten Leidenschaften vereinte. Mit Wohlgefallen betrachtete sie diese Augen, darin männlicher Stolz unter den langen Wimpern hervorstrahlte, die sanften Züge, die als der Spiegel einer edeln Seele in hingebender Aufopferung und Vaterlandsliebe erglänzten. Mit wohlwollendem Lächeln meinte sie:

„Meister Breydel, Eure Gesellschaft wäre mir sehr angenehm: wollet uns bitte folgen.“

Jan Breydel warf das Beil weg, strich die blonden Locken zurück, setzte seine Mütze anmutiger auf den Kopf und folgte der Jungfrau voll Stolz. Machteld sagte leise zu De Coninck:

„Wenn mein Vater tausend so treuer, unerschrockener Untertanen in seinem Dienste hätte, so würden die Franzosen nicht lange in Flandern bleiben.“

„Vlaemen wie Breydel gibt es nur einen,“ antwortete De Coninck. „Die Natur vereint selten einen so feurigen Geist mit einem so kräftigen Körper, und das ist eine weise Fügung Gottes; denn sonst würden die Menschen in ihrem Kraftgefühl zu stolz werden, gleich den Riesen des Altertums, die den Himmel erstürmen wollten …“

Er wollte in seiner Rede fortfahren, aber eine Wache mit Schild und Schwert kam atemlos zu ihnen gelaufen und meldete Breydel:

„Meister, meine Genossen von der Lagerwache haben mich geschickt, um Euch zu benachrichtigen, daß man vor dem Tor unserer Stadt Brügge eine dichte Staubwolke von dem Wege emporsteigen sieht und ein brausendes Tosen wie von einem Heere vernehmbar ist. Der Zug verläßt die Stadt und kommt auf unseren Lagerplatz zu.“

„Zu den Waffen! Zu den Waffen!“ rief Breydel so kraftvoll, daß es alle hörten. „Jeder in seine Abteilung; rasch!“

Die Arbeiter griffen voller Ungestüm zu den Waffen und liefen wild durcheinander, aber nur einen Augenblick. Schnell hatten sich die Züge geordnet, und bald standen die Gesellen bewegungslos in dichtgeschlossenen Reihen da. Breydel schickte fünfhundert erlesene Leute zu Machtelds Zelt; die Jungfrau war eilends dorthin zurückgekehrt. Ein Wagen und einige leichte Pferde wurden vor das Zelt gebracht und alles zur Flucht vorbereitet. Dann ging Breydel mit seinen Leuten rasch aus dem Gehölz und stellte sie in Schlachtordnung auf, um den Feind zu empfangen.

Bald bemerkten sie, daß sie sich getäuscht hatten, denn der Zug, der den Staub aufwirbelte, kam ohne jede Ordnung heran. Massen von Frauen und Kindern liefen durcheinander. Die Frauen weinten und wehklagten alle um eine Bahre, die von Männern herbeigetragen wurde. Die Ursache, weshalb die Zunftleute zu den Waffen gegriffen hatten, bestand also nicht mehr. Dennoch blieben sie in ihren Gliedern, stützten sich auf ihre Waffen und warteten neugierig, was das bedeute.

Endlich nahte der Zug dem Heere. Während sich viele Frauen und Kinder herzudrängten, um ihre Männer oder ihre Väter zu umarmen, enthüllte sich inmitten der Scharen ein schreckliches Bild. Vier Männer trugen die Bahre nahe vor Breydel hin und legten die Leichen zweier Frauen auf den Boden: deren Kleider waren ganz mit Blut befleckt; ihre Züge konnte man nicht erkennen, da ein schwarzer Schleier ihre Häupter bedeckte. Als die Leichen von der Bahre gehoben und auf den Boden gelegt wurden, erfüllten die Frauen die Luft mit ihren Klagen. Nur ein herzzerreißendes Wehe! Wehe! konnte man verstehen. Endlich rief eine Stimme:

„Die Franzosen haben sie grausam ermordet!“

Dieser Ruf weckte Wut und Rachedurst unter den Zunftleuten, die bis dahin bestürzt gewartet hatten; aber ihr Vorsteher Breydel wandte sich ihnen zu und rief:

„Der erste, der sein Glied verläßt, wird streng bestraft!“

Er war von quälender Unruhe gepeinigt, als ob ein Vorgefühl seines Unglücks sein Herz ergriffen hätte. Ungestüm lief er zu den am Boden liegenden Leichen und zog das Tuch von ihrem Angesicht. Aber o Gott! Welch furchtbarer Anblick für ihn. Kein Seufzer entrang sich seiner Brust, kein Glied bewegte er: er stand, als wäre er vom Schlage getroffen. Er war totenblaß, und seine Haare sträubten sich. Er starrte nur regungslos auf die Augen der Leichen; seine Lippen bebten; es war, als sei seine letzte Stunde gekommen. In dieser Stellung blieb er wenige Augenblicke; dann atmete er tief auf. Verzweifelt sprang er vorwärts zu seinen Leuten, reckte zugleich beide Arme und schrie schmerzvoll:

„O welch entsetzliches Unglück! Meine alte Mutter!… Meine arme Schwester!“

Mit diesen Worten warf er sich in De Conincks Arme und lag, aller Kraft beraubt, an der Brust seines Freundes. Mit schrecklichen Blicken stierte er rings umher, also daß seine Gefährten vor Angst und Mitleid zitterten. In seiner düsteren Verzweiflung nahm er sein Beil an seinen Mund und biß wie ein Rasender mit solcher Kraft in den Stiel, daß er ein Stück davon zwischen den Zähnen behielt; aber man nahm ihm rasch die gefährliche Waffe fort. De Coninck gebot den Gesellen, in Ordnung zur Arbeit zurückzukehren, bis ein Befehl sie zu den Waffen rufen werde. Sie hätten lieber schleunige Rache genommen, aber sie wagten keinen Widerspruch, denn ihnen war bekannt, daß De Coninck von dem jungen Gwijde zum Oberbefehlshaber ernannt worden war; so kehrten sie murrend ins Gehölz zurück und setzten ihre Arbeit widerwillig fort.

Als die beiden Obmänner in Breydels Zelt gekommen waren, setzte sich dieser matt und niedergeschlagen an einen Tisch und ließ das Haupt auf die Brust sinken. Er sagte nichts; ein bitteres Lächeln glitt über seine Züge, als spottete er des eigenen Unglücks.

„Mein unglücklicher Freund,“ sprach De Coninck, „beruhigt Euch um Gottes willen.“

„Beruhigt Euch, beruhigt Euch!“ wiederholte Breydel, „bin ich nicht ruhig? Habt Ihr mich je so ruhig gesehen?“

„Lieber Freund,“ fuhr De Coninck fort, „wie bitter sind doch die Qualen Eurer Seele; ich sehe den Tod auf Eurem Gesicht. Trösten kann ich Euch nicht; – Euer Unglück ist zu groß, für solche Wunden weiß ich keinen Balsam.“

„Ich wohl,“ antwortete Breydel, „der Balsam, der mich heilen kann, ist mir bekannt, aber mir fehlt die Macht. O meine arme Mutter! Sie haben ihre Hände in dein Blut getaucht, weil dein Sohn ein Vlaeme ist – und dieser Sohn, ach, dieser Sohn kann dich nicht rächen!“

Sein Gesichtsausdruck änderte sich bei diesem Ausruf; er knirschte mit den Zähnen und packte die Füße des Tisches, als ob er ihn zerbrechen wollte; trotzdem wurde er bald wieder ruhig, und tiefste Trauer beschattete sein Gesicht.

„Nun, Meister, seid ein Mann, überwindet Eure Verzweiflung. Seid mutig bei dem bitteren Leid, das Euch heute trifft; das Blut Eurer Mutter soll gerächt werden.“

Ein grauenhaftes Lächeln trat wieder auf Breydels Lippen, und er entgegnete:

„Gerächt werden? Wie leicht gelobt Ihr etwas, das Ihr nicht halten könnt! Wer kann mich rächen? Ihr nicht. Glaubt Ihr, daß ein Strom französisches Blut hinreicht, um meiner Mutter Leben wieder zu erkaufen? Ruft das Blut eines Tyrannen seine Schlachtopfer wieder ins Leben zurück? O nein, sie sind tot, für immer, für ewig, mein Freund! Ich werde still und ohne Klagen leiden; nichts kann mich trösten; wir sind zu schwach, unsere Feinde zu mächtig.“

De Coninck antwortete nicht auf Breydels Worte und schien über etwas Wichtiges zu sinnen. Zuweilen glitt ein Schatten über sein Gesicht, als ob er sich Gewalt antäte, die innere Wut zu verbergen. Breydel betrachtete ihn neugierig in der Meinung, daß etwas Außergewöhnliches in der Brust seines versonnenen Freundes vorging. Der leidenschaftliche Ausdruck verschwand von De Conincks Gesicht, er stand langsam auf und sprach:

„Unsere Feinde sind zu mächtig, sagt Ihr; morgen werdet Ihr das nicht mehr sagen. Sie haben sich des Verrats und der Bosheit bedient und sich nicht gescheut, unschuldiges Blut zu vergießen, als ob kein Racheengel mehr am Throne des Herrn wäre. Sie wissen nicht, daß ihrer aller Leben in meiner Hand steht, und daß ich sie zermalmen kann, als wenn mir Allmacht von Gott verliehen wäre. Sie suchen ihren Vorteil in Treubruch und schändlicher Niedertracht. Wohlan, ihr eigenes Schwert soll sie vernichten; das sage ich Euch!“

De Coninck erschien in diesem Augenblick wie ein Prophet, der dem lasterhaften Jerusalem den Fluch des Herrn kündet; es war etwas so Furchtbares im Tone seiner Stimme, daß Breydel voll ehrfürchtiger Andacht seinen Worten lauschte.

„Wartet ein wenig,“ fuhr De Coninck fort, „ich werde einen der Neuankömmlinge holen, damit wir erfahren, wie dieses alles sich zugetragen hat. Laßt Euch durch seine Erzählung nicht hinreißen; ich gelobe Euch eine Rache, wie Ihr sie selbst nicht vollkommener wünschen könntet. Denn nun ist es doch so weit gekommen, daß Geduld eine Schmach wäre.“

Kurz nachdem er das Zelt verlassen hatte, kam er mit einem Zunftgesellen zurück und ließ ihn die Vorfälle, die sich an diesem Tage in Brügge ereignet hatten, mit allen Einzelheiten erzählen. Sie erfuhren von ihm, wie groß Châtillons neues Heer war, den Tod der gehängten Bürger und die schreckliche Plünderung der Stadt. Breydel hörte die Erzählung kaltblütig mit an; denn alle diese Schandtaten waren ihm nicht so schmerzlich wie die Ermordung derjenigen, der er das Leben verdankte. De Coninck dagegen wurde immer zorniger, je mehr er dies schreckliche Schauspiel vor seinem Geist sich entrollen sah. Vaterland und Befreiung waren die beiden Gefühle, welche ihn zu solcher Leidenschaft entflammten. Nun sah er wohl, daß es Zeit war, daß man unverzüglich losschlagen mußte; denn solch grausame Rechtspflege konnte die Vlaemen erschrecken und entmutigen. Er entließ den Gesellen und stützte schweigend den Kopf in die Hand, während Breydel ungeduldig erwartete, was er sagen würde.

Plötzlich schritt De Coninck auf Breydel zu und rief:

„Freund, schleift Euer Beil, verscheucht die Trauer aus Eurem Herzen, wir werden die Ketten des Vaterlands zersprengen.“

„Was wollt Ihr damit sagen?“ fragte Breydel.

„Hört: Der Landmann wartet, bis daß die Morgenkühle alle Raupen in ein Nest getrieben hat; dann schneidet er es vom Baume, legt es hin und zertritt das Ungeziefer auf einmal. Versteht Ihr das?“

„Vollendet Eure Verkündigung,“ rief Breydel; „treuester Freund, ein Lichtstrahl verscheucht meine düstere Verzweiflung! Vollendet, sprecht aus!“

„Also: auch die Franzosen haben sich in unserer Vaterstadt wie Ungeziefer eingenistet. Sie sollen gleichfalls zermalmt werden, als fiele ein Berg über sie. Freuet Euch, Meister Jan, sie sind verurteilt. Der Tod Eurer Mutter soll mit Wucher gerächt werden, und das Vaterland wird aus diesem Blute frei emportauchen!“

Breydels Auge schweifte ungestüm im Zelte umher. Er suchte sein Beil, bis ihm einfiel, daß man es ihm abgenommen hatte. Gerührt ergriff er De Conincks Hand.

„Mein Freund!“ rief er, „Ihr habt mich vielmals gerettet, aber alsdann gabt Ihr mir nur das Leben; jetzt erhalte ich durch Euch Freude und Glück zurück. Sagt mir nur schnell, wie wir diese Rache ins Werk setzen sollen, damit ich meiner Sache sicher bin.“

„Einen Augenblick Geduld, Ihr sollt es gleich hören; ich muß diesen Plan vor allen Obmännern darlegen; ich werde sie gleich rufen lassen.“

Er ging hastig aus dem Zelt, rief eine Schildwache und sandte sie nach dem Gehölz, um alle Anführer zu sich zu entbieten. Bald darauf standen sie, ihrer dreißig, in einem Kreise vor dem Zelte. De Coninck sagte zu ihnen:

„Genossen! Die feierliche Stunde ist gekommen. Die Freiheit müssen wir erringen oder den Tod. Lange genug trugen wir das Mal der Schande auf der Stirn. Es ist Zeit, daß wir unseren Feinden Rechenschaft über das Blut unserer Brüder abfordern; und wenn wir für das Vaterland sterben müssen, so denkt daran, Genossen, daß die Ketten der Sklaverei am Rande des Grabes abfallen, und daß wir frei und sonder Schmach bei unseren Vätern schlafen werden. Aber nein, wir werden siegen, das weiß ich. Der schwarze Löwe von Flandern kann nicht untergehen; und sehet, ob wir das Recht nicht auf unserer Seite haben? Die Franzosen haben unser Land geplündert, unseren Grafen und die Edeln, die Blüte der echten Vlaemen eingekerkert. Philippa haben sie vergiftet, unsere Stadt Brügge verwüstet und die redlichsten unserer Brüder an den Galgen gehängt. Die blutigen Leichen der Mutter und der Schwester unseres unglücklichen Freundes Breydel ruhen in unserer Mitte. Diese Leichen und alle, die durch die Hand der fremden Tyrannen gestorben sind, schreien in eurem Herzen nach Rache! Wohl, so bergt in eurem Herzen wie in einem Grabe, was ich euch sagen werde. Die Franzosen sind heute durch ihr teuflisches Treiben ermattet, sie werden fest schlafen; aber dieser Schlaf soll für die meisten bis zum jüngsten Gericht dauern! Sagt euren Gesellen nichts; aber führt sie morgen zwei Stunden vor Sonnenaufgang bis hinter Saint-Kruis in den Elsterbusch[29]. Ich gehe stehenden Fußes nach Aardenburg, um meine Mannen vorzubereiten und den Hauptmann Linden zu benachrichtigen; denn ich muß noch heute in Brügge sein. Das wundert euch: doch ihr werdet mir zugeben: ein Franzose ist in Brügge, den wir nicht töten dürfen, sein Blut würde über unsere Häupter kommen.“

„Herr von Montenay?“ antworteten viele Stimmen.

„Dieser Ritter,“ fuhr De Coninck fort, „hat uns stets gütig behandelt; er hat gezeigt, daß ihm das Unglück unseres Vaterlandes nahe geht. Er hat sich gar manches Mal den grausamen Verfolgungen des verfluchten Jan van Gistel widersetzt und Gnade für die Verurteilten erhalten. Mit diesem edeln Blute dürfen wir unsere Waffen nicht färben; um dies zu verhüten, gehe ich heute nach Brügge, mag auch noch so große Gefahr damit verbunden sein.“

„Aber,“ fiel ihm einer der Obmänner in die Rede, „wie sollen wir morgen in die Stadt kommen, da die Tore doch bis Sonnenaufgang verschlossen sind?“

„Die Tore werden uns geöffnet werden,“ antwortete De Coninck, „ich werde nicht aus der Stadt zurückkehren, bevor unsere Rache unfehlbar sicher ist. Ich habe euch genug gesagt, morgen auf dem Versammlungsplatz werde ich euch nähere Befehle geben; haltet eure Leute bereit. Ich nehme unsere junge Gräfin von hier mit fort; sie soll dieses blutige Schauspiel nicht sehen.“

Breydel hatte während dieser Worte nicht die geringsten Zeichen der Zustimmung gegeben, aber sein Gesicht erstrahlte in ungemeiner Freude. Sobald die Obmänner fort waren, warf er sich an De Conincks Brust und sprach, während Tränen über seine Wangen rollten:

„Ihr habt mich aus meiner Verzweiflung gerissen, teurer Freund! Nun kann ich ruhig über den Leichen meiner Mutter und Schwester weinen und sie mit Andacht zur Erde bestatten. – Und dann, wenn sich das Grab über ihnen geschlossen hat …! O, was bleibt mir dann noch in der Welt, das ich lieben könnte?“

„Euer Vaterland und sein Aufblühen!“ bekam er zur Antwort.

„Ja ja, Vaterland, Freiheit – und Rache! Denn jetzt, hört Ihr, mein Freund, jetzt würde ich vor Grimm weinen, wenn die Franzosen unser Land verließen. Dann würde ja mein Beil keine Opfer mehr finden, ich würde ihre Leichen nicht mehr zertreten können, wie die Hufe ihrer Rosse unsere Brüder zerstampft haben. Die Freiheit ohne Kampf ginge mir wider die Seele; jetzt, wo sie das Herz, unter dem ich das Leben empfing, durchbohrt haben, kann mich nur der Anblick strömenden Blutes zufriedenstellen. Macht rasch und geht mit Gott, damit sich alles zum Guten wende; denn ich dürste nach der versprochenen Rache.“

De Coninck nahm von Breydel Abschied: „Haltet alles geheim und seid vorsichtig, mein Freund.“

Ehe er das Lager verließ, bereitete er alles zur Abreise der edeln Machteld vor; nachdem er noch kurz mit ihr gesprochen hatte, bestieg er einen Traber und verschwand in der Richtung nach Aardenburg.

Unterdes waren die Leichen der Mutter und Schwester Breydels von den Frauen gewaschen und umgekleidet worden. Sie hatten erst ein Zelt inwendig schwarz ausgeschlagen und in der Mitte die beiden Leichen auf ein Feldbett niedergelegt. Sie lagen in düsterem Totenkleid, nur das Antlitz konnte man sehen. Rund um die feierliche Lagerstätte brannten acht gelbe Wachskerzen; ein Kreuz mit einem silbernen Weihwasserkessel und einigen Palmzweigen stand am Kopfende, während weinende Frauen dabei saßen und beteten.

Unmittelbar nach De Conincks Abreise ging Breydel nach dem Gehölz und befahl, die Arbeit aufzugeben; er sandte die Zunftleute nach den Zelten zur Ruhe und kündigte ihnen an, daß sie am anderen Morgen vor Tagesanbruch aufbrechen müßten. Nachdem er noch einige Maßregeln getroffen, um die Frauen und Kinder im Lager unterzubringen, begab er sich nach dem Zelt, in dem die Leiche seiner Mutter lag. Dort schickte er die Frauen weg und schloß die Tür ab.

Vergeblich kamen mehrere Anführer zu dem Zelt, um den Obmann zu sprechen, Anweisungen oder Befehle zu holen; sie bekamen auf ihr Klopfen keine Antwort. Anfangs glaubten sie ihren Meister in Trauer versunken; aber als sie vier Stunden vor der Tür gewartet hatten, ohne das geringste Geräusch zu vernehmen, wurden sie von Furcht gepackt. Sie wagten nicht, ihre Gedanken zu äußern. War Breydel tot? Hatte das Beil oder der Schmerz seinen Lebensfaden zerschnitten?

Plötzlich öffnete sich die Tür, und Breydel erschien, anscheinend ohne ihre Gegenwart zu bemerken. Niemand sprach, denn seine Züge ließen das Herz erstarren, die Sprache stocken. Er war bleich, seine Blicke irrten wild umher, und viele bemerkten, daß zwei Finger seiner rechten Hand mit Blut befleckt waren. Keiner wagte, ihm zu nahen; der Tod strahlte aus seinen Augen, und wen er ansah, dem drang jeder Blick wie ein Pfeil in die Seele. Das Blut an seinen Fingern machte sie noch mehr zittern; eine schreckliche Ahnung ließ sie erraten, woher es stammte. Gewiß hatte er in die Wunde seiner Mutter gegriffen und aus dieser furchtbaren Berührung diese Raserei geschöpft, die seine Kraft mehren, seinen Rachedurst erhöhen mußte! So wandelte er sprachlos durch das Gehölz, bis der Abend das Lager mit Finsternis bedeckte und ihn den Augen seiner Genossen entzog.

Als De Coninck nach Aardenburg gekommen war, unterstellte er seine zweitausend Weber dem Befehl eines der ersten Anführer und sandte einen Boten mit Befehlen an den Hauptmann Lindens. Nachdem er die Vereinigung der drei Heeresabteilungen zu Saint-Kruis vorbereitet hatte, schwang er sich wieder aufs Pferd und ritt stracks nach Brügge. Dort ließ er seinen Traber in einer Herberge stehen und ging zu Fuß in die Stadt. Nichts trat ihm in den Weg; denn es war bereits spät am Abend, die Tore waren offen und keine Soldaten als die Schildwachen auf dem Wall zu sehen. Furchtbare Stille herrschte in den Straßen, durch die er gehen mußte. Alsbald machte er vor einem kleinen Hause an der Donatuskirche halt. Er wollte anklopfen, aber er ward inne, daß die Wohnung keine Tür mehr hatte und der Eingang mit einem langen Tuchstreifen verhängt war. Dies Haus und seine Räume mochten ihm wohlbekannt sein; denn er hob das Tuch und schritt rasch in den Laden geradeswegs zu einem kleinen Hinterstübchen, das durch das unbestimmte Licht einer Lampe erleuchtet war. Zwischen dem zertrümmerten Hausrat, der am Boden umherlag, saß eine Frau weinend an einem Tische. Sie hielt zwei kleine Kinder fest an ihre Brust gedrückt und küßte sie unter Schluchzen, als wäre sie glücklich, wenigstens diesen Reichtum behalten zu haben. Weiter hinten in einem Winkel, der von der Lampe nur halb erleuchtet wurde, saß ein Mann: er hatte das Haupt in die Hände gestützt und schien zu schlafen.

Beim unerwarteten Erscheinen De Conincks erschrak die Frau heftig. Sie drückte ihre Kinder fester an sich, und ein lauter Schrei kündete ihre Angst. Der Mann griff hastig nach seinem Dolch; als er aber seinen Obmann erkannte, stand er auf und sprach:

„O Meister, welch schmerzliche Last habt Ihr mir auferlegt, da Ihr mir gebotet, in der Stadt zu bleiben; die Gnade Gottes allein hat uns von dem unvermeidlichen Tode gerettet. Unsere Häuser sind geplündert, unsere Brüder gehängt und ermordet, und Gott weiß, was morgen noch geschehen wird. O gestattet mir, zu Euch nach Aardenburg zu gehen: ich bitte Euch flehentlich.“

De Coninck antwortete nicht auf diese Bitte; er winkte den Zunftgesellen in einen Winkel, der am dunkelsten war, und sagte dann mit leiser Stimme:

„Gerhard, als ich die Stadt verließ, habe ich Euch mit dreißig anderen Gesellen zurückgelassen, um die Anschläge der Franzosen zu entdecken. Ich wählte gerade Euch hierzu, weil ich Euren Mut und Eure Vaterlandsliebe kenne. Der Tod Eurer Genossen hat Euch wohl Angst gemacht: ist dem so, dann möget Ihr noch heute nach Aardenburg abreisen.“

„Meister,“ antwortete Gerhard, „Eure Worte machen mich bekümmert. Ich fürchte den Tod durchaus nicht; aber mein Weib und meine armen Kinder bleiben hier allem Unheil ausgesetzt. Furcht und Schrecken machen sie krank. Sie weinen und beten den ganzen Tag, und die Nacht gibt ihnen die Kräfte nicht wieder. Könntet Ihr sie sehen, wie bleich sie sind! Sollte mich der Anblick all dieser Leiden, all dieser Angst unberührt lassen? Ich bin doch ihr Vater und Beschützer. Und heischen sie nicht von mir allein den Trost, den ich ihnen doch nicht geben kann? O Meister, glaubt mir, ein Vater leidet mehr, als seine Frau und Kinder leiden können. Und doch bin ich bereit, für das Vaterland alles zu vergessen, selbst die Meinen: wenn ich Euch mit irgend etwas dienlich sein kann, dürft Ihr auf mich rechnen. Sprecht also, ich spüre, daß Ihr mir eine wichtige Anordnung zu geben habt.“

De Coninck ergriff des braven Gerhard Hand und drückte sie gerührt. „Noch eine Seele wie die Breydels,“ dachte er.

„Gerhard,“ rief er aus, „Ihr seid ein würdiger Gesell; ich danke Euch für Eure Treue und Euren Mut. Hört also, denn ich habe wenig Zeit. Ihr müßt rasch zu Euren Genossen gehen und sie benachrichtigen. Heut Nacht sollt Ihr heimlich mit ihnen in die Pfeffergasse schleichen. Ihr allein werdet dann auf den Wall zwischen dem Damm- und dem Kruistor steigen. Legt Euch platt auf die Erde und schauet nach der Gegend von Saint-Kruis aus. Seht Ihr ein Feuer im Felde leuchten, so werft Euch mit Euren Genossen auf die Wache und öffnet das Tor; es sollen siebentausend Vlaemen davorstehen.“

„Das Tor wird zur bestimmten Zeit offen sein, seid deshalb, bitte, ohne Sorge,“ antwortete Gerhard kaltblütig.

„Ist das sicher?“

„Ganz sicher.“

„Dann guten Abend, werter Freund. Gott behüte Euch!“

„Und sei auch mit Euch, Meister!“

De Coninck ließ den Zunftgesellen zu seiner Frau zurückkehren und entfernte sich aus dem Hause. So gelangte er zu einer prächtigen Wohnung bei der alten Halle. Er klopfte an, und die Tür wurde geöffnet.

„Was wollt Ihr, Vlaeme?“ fragte der Diener.

„Ich wünsche Herrn von Montenay zu sprechen.“

„Ja, habt Ihr aber auch keine Waffen? Man kann Euch nicht trauen.“

„Was kümmert das Euch!“ meinte der Obmann; „geht und sagt Eurem Herrn, daß De Coninck ihn sprechen will.“

„Herr du mein Gott! Ihr heißt De Coninck; dann kommt Ihr sicherlich in böser Absicht!“ Damit lief der Diener eiligst nach oben und kam nach einigen Augenblicken zurück.

„Ihr möchtet hinaufkommen,“ sagte er; „wollet mir, bitte, folgen.“

Er führte De Coninck die Treppe hinauf bis zum Eingang eines Gemachs. Montenay saß an einem kleinen Tisch, auf dem sein Helm, sein Degen und seine eisernen Handschuhe lagen. Er sah den Obmann verwundert an; der beugte sich vor dem Stadtvogt und sprach:

„Herr von Montenay, im Vertrauen auf Eure Rechtlichkeit kam ich hierher. Ich bin fest überzeugt, daß ich diese Kühnheit nicht zu bereuen habe.“

„Gewiß,“ antwortete Montenay, „Ihr sollt zurückkehren, wie Ihr gekommen seid.“

„Euer Edelmut ist unter uns sprichwörtlich geworden,“ fuhr De Coninck fort, „ich kam auch nur deshalb zu Euer Edeln, um Euch zu zeigen, daß wir einen geradherzigen Feind hochachten. Châtillon hat heute unsere Stadt der Wut seiner Söldner preisgegeben, acht unserer unschuldigen Brüder hängen lassen. Gebet selbst zu, Herr von Montenay, daß es unsere Pflicht ist, ihren Tod zu rächen; denn was konnte der Landvogt ihnen anderes vorwerfen, als daß sie sich seinen tyrannischen Befehlen nicht fügen wollten?“

„Der Untergebene muß seinem Herrn gehorchen; mag auch die Strafe noch so streng sein, es steht ihm nicht zu, die Handlungen seiner Vorgesetzten zu verurteilen.“

„Ihr habt recht, Herr von Montenay, so spricht man in Frankreich, und da Euer Edeln von Rechts wegen Untertan Philipps des Schönen sind, so ziemt es Euch, seine Befehle auszuführen. Wir aber sind freie Vlaemen und können die schmählichen Ketten nicht länger tragen; da nun der Landvogt in seinen Grausamkeiten so weit gegangen ist, so kann ich Euch die Versicherung geben, daß in Bälde das Blut in Strömen fließen wird. Wäre uns das Schicksal feind, behieltet ihr Franzosen den Sieg, dann blieben euch nur wenig Sklaven, denn wir wollen sterben. Aber wie dem auch sei, und deshalb kam ich her: kein Haar Eures Hauptes soll Euch von uns gekrümmt werden. Das Haus, in dem Ihr Euch befindet, soll uns heilig sein; kein Vlaeme soll den Fuß über die Schwelle Eurer Wohnung setzen. Empfangt darauf mein Wort.“

„Ich danke den Vlaemen für ihre Liebe zu mir; aber ich lehne den Schutz, den Ihr mir anbietet, ab und werde nie davon Gebrauch machen. Fiele wirklich etwas der Art vor, so würde ich mich unter des Landvogts Banner und nicht in meiner Wohnung befinden, und falls ich sterbe, soll es mit dem Schwert in der Faust geschehen. Aber ich glaube nicht, daß es so weit kommen wird, denn die Unruhen werden wohl gedämpft werden. Euch, Obmann, rate ich als Freund, das Land schleunigst zu verlassen.“

„Nein, mein Herr, ich verlasse dieses Land nicht, die Gebeine meiner Väter ruhen in dieser Erde. Bitte, bedenkt, daß nichts unmöglich ist, daß auch französisches Blut durch uns vergossen werden kann; dann gedenket meiner Worte. Das ist alles, was ich Eurer Edeln zu sagen hatte. Ich wünsche Euch Lebewohl, Gott nehme Euch unter seinen Schutz.“

Montenay überdachte die Worte des Obmannes genau und ward zu seinem großen Schmerz inne, daß sie ein furchtbares Geheimnis bargen. Er beschloß deshalb, am nächsten Tage Châtillon zur Wachsamkeit zu mahnen und selbst einiges zur Sicherheit der Stadt anzuordnen. Aber er ahnte nicht, daß seine Befürchtung so bald eintreten würde, legte sich zu Bett und schlief ruhig ein.

Notes in this chapter

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