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Der Damen-Reitsport

II. Abschnitt. Das Damenreitpferd.

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1. Äußere Kenntnis des Pferdes.

Wenn eine Dame reiten lernen will, so ist es unbedingt nötig, daß sie sich mit dem Tiere, dem sie sich anvertraut, auch etwas näher bekannt macht. Das Pferd ist zwar keine Maschine, nichts weniger als das, aber auch jeder Maschinenführer muß die Technik seiner Maschine kennen, welche er führen soll, sonst gibts ein Unglück. Hier liegt die Sache ähnlich. Auch technisch soll und muß die Dame ihr Pferd kennen, selbst wenn es nur ein Leihpferd ist. Ist sie aber in der glücklichen Lage, ein oder zwei Pferde zu besitzen, so muß sie sich durch den Umgang mit derselben, auch wenn sie nicht zu Pferde steigt, – also z. B. durch öftere Besuche im Stall unter Darreichung von Leckerbissen und hauptsächlich Sprechen mit dem Tiere – das Vertrauen derselben zu erwerben suchen. Wir werden noch darauf zurückkommen, jetzt uns aber kurz mit den technischen Benennungen der einzelnen Teile des Pferdekörpers bekannt machen.

Die Hauptteile des Pferdekörpers (Fig. 6) sind: der Kopf (I), der Hals (II), der Rumpf (III) und die Extremitäten (IV).

In bezug auf die Reiterei teilt man das Pferd in 3 Teile ein, und zwar in

A) die Vorhand: Kopf, Hals, Schultern, Brust und Vorderbeine –,

B) die Mittelhand: Rücken, Lendenpartie, Flanken und Bauch –,

C) die Hinter- oder Nachhand: Kruppe mit Schweif und die Hinterbeine.

Illustration from Der Damen-Reitsport

Fig. 6. Zur Kenntnis des Pferdekörpers.

Zur Vorhand dienen folgende Benennungen:

1. Die Ohren.

2. Die Stirn mit dem Schopf.

3. Das Gesicht.

4. Die Augen.

5. Die Nase.

6. Die Nüstern.

7. Die Lippen und das Maul.

8. Das Kinn.

9. Die Kinnkettengrube.

10. Der Kehlgang.

11. Die Ganaschen.

12. Die Ohrenspeicheldrüse od. Feifel.

13. Das Genick.

14. Die Seiten des Halses.

15. Die Kehle.

16. Die Schulter.

17. Der Kamm mit der Mähne.

18. Der Widerrist.

19. Die Brust.

20. Der Vorarm.

21. Der Ellenbogen.

22. Das Vorderknie.

23. Die Röhre od. der Unterarm.

24. Das Kötengelenk.

25. Der Fessel.

26. Die Krone.

27. Der Huf.

Zur Mittelhand gehören:

28. Der Rücken.

29. Die Lende od. Nierenpartie.

30. Die Flanken oder Weichen.

31. Der Bauch.

Zur Hinterhand:

32. Das Kreuz oder die Kruppe.

33. Die Hüften.

34. Die Hinterbacke oder Keule, bezw. der Oberschenkel.

35. Die Schwanzwurzel.

36. Der Schweif.

37. Das Sitzbein.

38. Der Unterschenkel oder die Hose.

39. Das Sprunggelenk.

40. Die Hacke.

41. Das Schienbein.

42. Die Köthe.

43. Der Fessel.

44. Die Krone.

45. Der Huf.

46. Die Kniescheibe.

47. Die Ballen.

Der Organismus des Pferdes ist zusammengesetzt aus dem Knochengerüst, dem Träger des ganzen Körpers, welches durch die Bänder zusammengehalten wird, aus dem Muskelapparat mit den Sehnen und Flechsen, den inneren Organen, den Blutgefäßen und dem Nervensystem.

Die großen Beugesehnen, deren Tadellosigkeit für die Brauchbarkeit des Pferdes Erfordernis ist, liegen an der hinteren Seite der Röhren bezw. Schienbeine.

2. Charakteristik des Pferdes.

Es ist ganz zweifellos, daß das Pferd für den Dienst des Menschen sowohl als Reit- wie als Zugtier ganz besonders geeignet ist, weil nicht nur die Körperbeschaffenheit und die Gestalt desselben, sondern auch seine Charaktereigentümlichkeiten, seine Gutmütigkeit und Gelehrigkeit, seine Geduld und Genügsamkeit und ganz besonders sein schweigendes Erdulden jedes Schmerzes, jeder rohen Behandlung es dafür als besonders prädestiniert erscheinen lassen.

Zunächst ist in bezug auf die Charakteristik des Pferdes die außerordentliche Gutmütigkeit desselben hervorzuheben, welche selbst bei oft irrationeller und naturwidriger Behandlung, die ihm teils aus Unkenntnis, teils aus Indolenz, hin und wieder auch aus Böswilligkeit zu teil wird, seinen Weitergebrauch gestattet, bis Alter oder körperliche Gebrechen es dem Abdecker überliefern. Von Natur böse Pferde bilden die Ausnahme, und die durch schlechte Behandlung bös gemachten Pferde – was sich in Beißen und Schlagen äußert – sind in der Minderzahl, fast nur vereinzelt vorhanden; von dem Gebrauch durch eine Dame sind solche Pferde von vornherein auszuschließen. Das Pferd ist dagegen sehr empfänglich für gute, liebevolle Behandlung, sowohl im Stall, wie unter dem Sattel, es weiß sehr wohl Güte und Übelwollen zu unterscheiden, auch sein Benehmen seinem Besitzer bezw. Pfleger gegenüber danach einzurichten, weshalb Herr und Stallpfleger hierauf wohl zu achten haben.

Ist das Pferd zwar im wesentlichen ein Gewohnheitsgeschöpf von frommer, vertrauender Gemütsart, so ist es doch auch ungewöhnlich nervös, furchtsam, zeitweise reizbar und geneigt, einem Ding, das es erschreckt, heftig zu widerstreben, ja, durch nervöse Furcht manchmal von einem panischen Schrecken befallen, vollständig unlenkbar. Dabei versteht es geschickt die Unwissenheit oder Furcht derer, die es beaufsichtigten, zu benutzen. Es ist etwas langsam von Begriff, aber es ist »selten zu alt, um neue Streiche zu lernen«, und sein Gedächtnis ist so treu, daß es nie vergißt, was es einmal gründlich erfaßt hat.

Als Regel, die nur wenige Ausnahmen zuläßt, mag ferner gelten, daß es glaubt, ganz richtig zu tun; wenn es irrt, so geschieht es entweder aus Unkenntnis, Schmerz oder Schreck, seltener aus Eigensinn oder Bosheit. Dies scheint allgemein nicht bekannt zu sein oder wenigstens nicht beobachtet zu werden, denn von allen Tieren ist das Pferd das am wenigsten verstandene, das am strengsten beurteilte und am ungerechtesten behandelte; für das geringste Versehen, und sogar für solche, die es selbst gar nicht verschuldet hat, wird es gar oft grausam gezüchtigt. Ein gutartiges Pferd ist gelehrig bei der Dressur, zeigt Ausdauer im Dienst, selbst unter erschwerenden Umständen, ja bis zur Erschöpfung, und Geduld und Vertrauen im Umgange mit den Menschen. Es kann jedoch nicht geleugnet werden, daß das Pferd infolge von Schreck oder Furcht leicht den Kopf verliert, durchgeht und dann allerdings lebensgefährlich wird. Man darf deshalb aber das Tier nicht gleich als geistig niedrig gestellt verurteilen, denn seine stete Bevormundung in tausendjähriger Sklaverei werden diesen intellektuellen Teil seines Selbst nicht vollständig zum Ausdruck gelangen lassen. Der bösartige Charakter zeigt Widersetzlichkeit gegen die Anforderungen der Dressur oder des Dienstes, Eigensinn und Stätischsein, Bosheit, Scheu und Schüchternheit. Die Allüren eines solchen Pferdes, welche in Stehenbleiben, Zurücktreten, Bocken, Ausschlagen, Steigen, dem Suchen nach einem Gegenstand, vor welchem es scheuen könnte, bestehen, lassen das leicht erkennen; der Blick hat etwas Unruhiges; das Ohrenspiel ist auffallend, die Stellung zeigt etwas Gezwungenes, Verhaltenes (Lauriges).

Pflege und Stallhaltung, und besonders auch das Putzen haben auf das Wesen des Pferdes einen ganz besonderen Einfluß. Edle, feine Pferde, wie es die Damenreitpferde im allgemeinen sind, dürfen bei ihrer feinen Haut nicht wie Kaltblüter gestriegelt und gebürstet werden. Manche Pferde werden ganz rasend und nervös, schon wenn man sich ihnen mit dem Putzzeug nähert. Solche Pferde darf man ja nicht vielleicht durch Festlegen zwingen, sich dieser Prozedur zu unterwerfen, die für sie eine Qual bedeutet und auf ihren Charakter und ihr ganzes Wesen von sehr ungünstigem Einfluß ist. Sie werden im Sommer – wenn nötig – gewaschen, sonst aber nur mit einem Putzhandschuh von Pferdehaar abgerieben. Ferner möchte ich an dieser Stelle noch einfügen, daß man nicht gut daran tut, Pferde einen oder mehrere Tage im Stall ruhen zu lassen. Es wirkt das auf ihre Gesundheit ungünstig ein, auch auf ihre Dressur. Außerdem sind sie, wenn sie dann wieder herauskommen, stallmutig, was sich bis zur Ungezogenheit steigern kann. Beides ist für die Reiterei nicht günstig. Es wird sich daher empfehlen, wenn die Dame im Reiten pausiert, das Pferd auf andere Weise, sei es an der Hand, sei es unter einem geschickten Reiter – bewegen zu lassen.

Das Temperament, welches wahrscheinlich seinen Sitz in der besonderen Nerventätigkeit des Pferdes hat, ist bei dem einzelnen Individium ebenso verschieden wie beim Menschen, wenn wir auch die Temperamente der Pferde nicht direkt in sanguinische, phlegmatische, cholerische und melancholische einteilen wollen. Jedenfalls zeigen sich bei verschiedenen Hauptrassen auch besondere Temperamenteigentümlichkeiten, ohne ihnen gerade einen direkten Stempel aufzudrücken, und dies zeigt sich hauptsächlich verschieden bei den edlen und den unedlen oder gemeinen Schlägen. Im allgemeinen kann man lebhaftes und träges Temperament, das erstere wieder in feurig und reizbar unterscheiden. Edle Pferde pflegen mit dem ersteren, gemeine mit dem letzteren ausgestattet zu sein. Eine gewisse Schüchternheit ist allen Pferden eigen, doch habe ich gefunden, daß edle Pferde, auch wenn sie in ihrer Jugend zu Furchtsamkeit neigten, diese bei vernünftiger Dressur viel eher überwanden, als weniger edle Pferde. Letztere pflegen ruhiger im Wesen und in der Bewegung zu sein, aber auch hartnäckiger in ihren Fehlern. Das Geschlecht selbst zeigt auch einige Unterschiede im Temperament. Ist der Hengst lebhafter, so ist die Stute reizbarer, und besonders im Frühjahr glauben wir manchmal ein ganz anderes Pferd unter uns zu haben, als dasjenige ist, dessen Eigenschaften bezw. Eigentümlichkeiten wir kennen und vielleicht lieben gelernt haben.

Faule Pferde zu reiten, ist eine Qual, sie ermüden die Reiterin außerordentlich, ebenso aber sind auch zu lebhafte oder heftige Pferde unbequem, besonders wenn sie nicht Schritt gehen, sondern trippeln. Am bequemsten sind meist die Wallache, deshalb mag man beim Ankauf, wenn andere Gesichtspunkte nicht mitsprechen, auch darauf achten.

3. Anforderungen an das Damenreitpferd.

In allerdings sehr skizzenhafter Weise – tiefer darauf einzugehen, gestattet der Raum des Werkes leider nicht – hat die Reiterin jetzt das Pferd kennen gelernt.

Welche Hauptgesichtspunkte für die Wahl eines für die Dame geeigneten Pferdes maßgebend sind, soll in dem folgenden ausgeführt werden.

Die beiden Grundgedanken bei der Auswahl eines Pferdes sind die, daß eine Dame, die reiten will, gute Nerven und gutgerittene Pferde haben muß.

Allerdings gab es stets und gibt es noch heute unter den Damen Reiterinnen, welche diffizile Pferde, die selbst einem tüchtigen Reiter Schwierigkeiten boten, mit wunderbar geschickter, leichter Hand zu lenken und im Gehorsam zu erhalten verstanden.

Ebenso gab es und gibt es noch heute Damen, welche mit der Sicherheit und Kaltblütigkeit eines erfahrenen Jagdreiters und mit diesen wetteifernd, den Hunden zu folgen vermochten, wie z. B. die Kaiserin Elisabeth von Österreich. Andere gute Reiterinnen ziehen eine Promenade im Tiergarten oder über freies Feld vor, ohne sich am Jagdsport zu beteiligen, der doch für Damen immer gefährlicher bleibt, als für Herren, denn ein Sturz im Jagdfelde ist nicht ausgeschlossen, und bei einem solchen vermag sich der Herr ungleich leichter vom Pferde zu trennen, als die vielleicht an den Hörnern hängenbleibende Dame.

Für alle diese Damen gilt als Grundsatz, nur Pferde zu reiten, welche absolut sicher auf den Beinen sind. Scheue, schreckhafte und heftige Tiere eignen sich, wie bereits am Schluß des vorigen Kapitels erwähnt, für Damen nicht, weil unerwartete Seitensprünge diese leicht aus dem Sitz bringen. Wert zu legen ist auf ruhige, lange, gleichmäßige und nicht harte Tritte im Trabe, auf einen wiegenden, weichen Galopp; auch der Schritt soll lang und gleichmäßig sein, denn ein zackelndes Tier ermüdet die Reiterin außerordentlich. Hals und Kopf müssen normal gestellt erscheinen und in allen Gangarten muß das Damenpferd gut und leicht am Zügel stehen.

Will die Reiterin sich auch im Gelände bewegen, so ist die Art des Springens genau zu prüfen. Es gibt Pferde, welche im Hochspringen, wie der Hirsch, nur die Beine anziehen und so über das Hindernis fliegen, daß man den Sprung kaum fühlt, wie sie auch Gräben nehmen, als ob sie nur einen etwas verlängerten Galoppsprung machten. Anders als aus dem Galopp sollten Damen überhaupt nicht springen. Die so springenden Pferde sind die geeignetsten, stürmisch und vehement springende Tiere schon weniger; doch beruhigen sich heftige Pferde unter einer entschlossen reitenden Dame nicht selten, weil sie leicht geführt und nicht festgehalten werden. Ganz ungeeignet aber sind Tiere, welche vor dem Sprunge stutzen, um sich dann aus dem Stehen über das Hindernis zu schleudern. Geschieht dies unerwartet, so ist das Resultat wohl, daß die Reiterin hoch im Bogen über des Pferdes Kopf und zugleich über das Hindernis fortfliegt, was, mit Grazie ausgeführt, unter Umständen sehr hübsch und dezent aussieht, aber nicht sehr beliebt ist. Erwünscht bleibt es eben, wenn Roß und Reiterin nicht getrennt, sondern innig vereint das Hindernis nehmen und danach unentwegt weiter galoppieren.

Nun gibt es noch eine recht erhebliche Anzahl von Reiterinnen, die durchaus nicht Reiterinnen sind, denen auch das Reiten und das Pferd Nebensache sind, und die nur hoch zu Roß auf der Promenade erscheinen möchten. Sie fühlen sich meist etwas unbehaglich auf dem Pferderücken (darf ich bitten, das erste Kapitel dieses Buches zu vergleichen?), und jede unerwartete Bewegung droht sie aus dem mühsam errungenen Gleichgewicht zu bringen. Diese Damen fürchten eigentlich das wilde Tier, dem sie sich anvertrauten, aber lächelnd und mit weiblicher Energie trotzen sie allen Gefahren des Reitsports. Nur sie selbst müssen sich gut zu Pferde ausnehmen und ihr Zelter muß natürlich auch nicht schlecht aussehen. Dazu darf ihn nichts aus seinem Phlegma bringen: keine ungeschickte Zügelhilfe, kein unabsichtlicher Schlag mit der Peitsche. Ruhig trabt er im Takte, den seine Besitzerin oft nicht zu finden vermag, oder geht seinen kadenzierten Galopp mit der Gleichmäßigkeit eines Uhrwerkes. Hat das Tierchen auch seine Studien nicht bei einem Jongleur gemacht, so muß es doch gut zu balancieren verstehen, damit, wenn die Insassin seines Sattels – die Bezeichnung als Reiterin scheint mir nicht zutreffend – in Gefahr gerät, das Gleichgewicht zu verlieren, das Rößlein ihr zu Hilfe komme. Das tun denn diese gutmütigen Tiere tatsächlich, weil die aus dem Gleichgewicht geratene Last – wie süß diese auch sei – ihnen unbequem wird; ist doch ohnehin unter einer nicht firmen Reiterin beim Damensattel die Gewichtsverteilung nicht die gleichmäßigste und bequemste.

Für diese letztbeschriebene Art der Damenreiterei ist also das Pferd zu empfehlen, welches man im Reiterjargon eine »alte Kuh« zu nennen pflegt. Ganz unbezahlbar wären diese leidtragenden Damenpferde, könnte man ihnen Rücken verleihen, die unempfänglich für jeden Satteldruck wären. So aber büßen sie einen Ausflug in den Grunewald gar häufig mit bösen Druckschäden, denn nicht alle Damen, die sich von kräftigen Männerarmen aufs Roß heben lassen, sind zart und schlank, und nicht immer sind der Sitz der Reiterin, die Lage des Sattels oder dieser selbst einwandsfrei. Wie selten aber wird daran gedacht, während der Frühstückspause die Gurten zu lösen, den Sattel zu lüften und zurecht zu legen! Während die kühnen Amazonen sich in fröhlicher Gesellschaft vergnügen, haben sie keinen Gedanken für das geduldige Tier, das sie dahin getragen und das nun angebunden dasteht, vom Sattel und von Insekten gepeinigt, gegen die es wehrlos ist, weil man ihm den Schweif abschlug. Beklagenswertes Damenpferd!

Wie erfreulich ist es dagegen, eine jugendlich schlanke und biegsame Gestalt sicher und voll Selbstvertrauen als Dame im Sattel sitzen und ihr Pferd wirklich reiten und mit leichter Hand lenken zu sehen. Diese Dame hat keine Veranlassung, an sich und den Eindruck zu denken, den sie auf das ihr begegnende Publikum macht. Sie weiß, daß sie korrekt sitzt, denn sie fühlt sich wohl auf ihrem Pferde, mit dem sie wie verwachsen ist. Sie hat auch Liebe zu ihrem Pferde, dem sie die erfrischende Bewegung in freier Luft, auch wohl manchen munteren Galopp querfeldein zu verdanken hat, der das Blut in Wallung bringt und die Nerven stählt. Eine solche wirkliche Reiterin wird auch die Winterzeit in der Bahn anwenden, sich selbst und ihr Pferd in der Reiterei zu vervollkommnen oder zu befestigen. Für diese in ihrer Reitkunst fortschreitende Dame wird bald ein ruhiges, tadellos gerittenes Damenpferd nicht das genügende Interesse bieten. Sie verlangt nach einem temperamentvollen, noch nicht ganz durchgerittenen Pferde, um es selbst zu arbeiten. Sie kauft es am liebsten im Herbst, um es bis zum Frühjahr für seinen Beruf zu schulen. Dennoch wird der Berater einer so passionierten und sicheren Reiterin sein besonderes Augenmerk darauf zu richten haben, daß das zu erstehende Pferd sich im allgemeinen als Damenpferd eignet.

Wie schon erwähnt, steht obenan die absolute Sicherheit des Ganges. Manche Pferde sind unsicher aus Ungeschick, obwohl sie gesunde, nicht struppierte Beine haben. Das Pferd soll temperamentvoll, aber es darf nicht nervös aufgeregt oder schreckhaft sein. Es darf kräftige Bewegungen haben, aber sie müssen gleichmäßig und elastisch sein, nicht kurz und übereilt, oder hart und stoßend. Das Gebäude des Pferdes muß möglichst normal, der Hals darf nicht zu tief angesetzt, die Verbindung zwischen Hals und Kopf muß ohne besondere Schwierigkeiten für eine richtige Stellung sein. Die Hinterhand muß kräftig aber biegsam sein, kurz, das ganze Pferd darf der Vollendung seiner Dressur voraussichtlich keine, in seinem Gebäude begründete und deshalb schwer zu überwindende Hindernisse bieten. Sonst würden der Reiterin statt der erhofften Freude an seiner erfolgreichen Dressur nur Enttäuschungen bevorstehen.

Sonach bedarf die Auswahl eines Damenpferdes, auch für eine gute Reiterin, doch immer noch größerer Vorsicht und Sorgfalt als der Ankauf eines anderen Reitpferdes, zumal auch auf ein gefälliges edles Äußere hier ganz besonderer Wert zu legen ist.

Sind hiermit einige der beachtenswertesten Anforderungen für das Damenpferd skizziert, so ist doch notwendig, noch etwas intimer auf einige Punkte aufmerksam zu machen, welche mit dem Sitz der Dame und der Sattellage zusammenhängen.

Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß das Damenpferd infolge des Seitsitzes der Dame bezw. der mehr oder weniger praktischen Form des Sattels leicht gedrückt werden könne, und daß diese Satteldrücke, besonders am Widerrist, das Pferd nicht nur zeitweise unbrauchbar machen, sondern demselben unter Umständen auch geradezu gefährlich werden können. Es muß also alles geschehen, um dergleichen Satteldrücke zu vermeiden, und in bezug darauf seien einige Gesichtspunkte angeführt, welche bei der Wahl des Damenpferdes ebenfalls Beachtung zu finden haben.

Wenn schon die beste Reiterin es nicht wagen darf, jedes beliebige Pferd zu reiten, weil zu verschiedene Umstände dabei mitsprechen, die bei der Herrenreiterei nicht so schwer ins Gewicht fallen, so wird bei der angehenden Reiterin die Auswahl des Pferdes immer schwieriger. Obgleich der Damensattel einen sehr festen Sitz gestattet, so wird sich doch selbst die beste Reiterin immer ein wenig nach vorn beugen und verfügt daher nicht über die gleiche Bewegungsfähigkeit wie der Reiter.

Ein Pferd mit kurzem Hals und schlechter Sattellage – d. h. wenn der Sattel zu sehr nach vorn liegt oder rutscht – ist für eine Dame ungeeignet. Ein Damenpferd muß schräge, lang abfallende Schultern, also eine gute Vorhand haben, und sich gut bezäumen. Ein Mann kann einen Sterngucker reiten, eine Dame kommt fast ausnahmslos früher oder später damit zu Schaden. Da die Damen sehr hoch im Sattel sitzen, können sie die Arme nicht in rechten Winkel gegen den Widerrist bringen wie die Herren. Pferde mit sehr hohem, magerem Widerrist werden unfehlbar vom Sattel durchgedrückt. Manche Pferde drücken sich im Damensattel durch, soviel Mühe man sich auch geben mag, während sie im Herrensattel ohne jede Verletzung gehen. Ein überbautes Pferd, bei welchem also die Kruppe höher liegt als der Widerrist, taugt ebenfalls nicht für die Dame, weil der Sattel nach vorn rutscht – eine Eigenschaft, die an und für sich sehr schwer abgestellt werden kann, da das Gewicht der Reiterin mehr oder weniger – je nach der Reitkunst der Dame – mehr nach jener Seite hin neigt, an welcher sich die Beine befinden. Wie gesagt, ein Gegenmittel dagegen gibt es nicht, denn der Herr hält – korrekten Sitz vorausgesetzt – den Sattel durch den Kniedruck einigermaßen im Gleichgewicht. Man kann sich auch davon überzeugen, daß ein lose gegurteter Damensattel sogar bis zum Bauche herumrutscht, während ein Herrensattel immer nur etwas seitwärts gleitet. Bei einem Damensattel liegt der Baum nicht so dicht auf dem Rücken wie beim Herrensattel. Dazu steht der Sattelknopf beim Damensattel höher, und wenn die Dame mit dem rechten Knie über dem Horn sitzt, befindet sie sich eben viel höher über dem Rücken des Pferdes wie beim Herrensattel. Es ist daher nötig, daß das Damenpferd einen breiten Rücken hat, denn auf einem flach gerippten Pferde wird der Sattel hin- und herrutschen. Der Rücken des Damenpferdes muß aber auch lang sein, weil es der Hörner wegen wünschenswert ist, den Baum recht lang zu haben. Ein kurzer Sattel wird der Reiterin zur Qual, und ein langer Baum erfordert einen langen Pferderücken. Näheres über den Sattel siehe in dem betreffenden Kapitel.

Wenn man alle diese Gesichtspunkte bei der Wahl eines Damenpferdes berücksichtigen will, so wird man die Erfahrung machen, daß das geeignete Pferd nicht in jedem Stalle zu finden ist, und daß der Auftrag, ein Damenpferd zu besorgen, zwar sehr ehrenvoll, aber recht verantwortungsreich sein dürfte.

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