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C. F. Gellerts Sämmtliche Schriften

Geistliche Oden und Lieder.

Reading edition

Vorrede.

Wenn die Sprache der Poesie vorzüglich geschickt ist, die Einbildungskraft zu beleben, den Verstand auf eine angenehme Weise zu beschäfftigen, und dem Gedächtnisse die Arbeit zu erleichtern; wenn sie geschickt ist, das Herz in Bewegung zu setzen, und die Empfindungen der Freude, der Liebe, der Bewunderung, des Mitleidens, des Schmerzes zu erwecken, oder zu unterhalten: so ist es unstreitig eine grosse Pflicht der Dichter, diese Kraft der Poesie vornehmlich den Wahrheiten und Empfindungen der Religion zu widmen. Da überdieses der Gesang eine grosse Gewalt über unsre Herzen hat, und von gewissen Empfindungen ein eben so natürlicher Ausdruck ist, als es die Mienen und Geberden des Gesichts sind: so sollte man der Religion besonders diejenige Art der Poesie heiligen, die gesungen werden kann. Ich habe in den nachstehenden Oden und Liedern diese Pflicht zu erfüllen gesucht. Habe ich sie mit dem gehörigen Fleisse, und zugleich mit Glücke, ausgeübt; sind diese Gesänge oder doch nur einige derselben, geschickt, die Erbauung der Leser zu befördern, den Geschmack an der Religion zu vermehren und Herzen in fromme Empfindungen zu setzen: so soll mich der glückliche Erfolg meines Unternehmens mehr erfreuen, als wenn ich mir den Ruhm des größten Heldendichters, des beredtesten Weltweisen aller Nationen, ersiegt hätte. Scaliger sagt von einer gewissen Ode des Horaz, das er lieber der Verfasser derselben, als König in Arragonien seyn möchte. Ich weis alte Kirchengesänge, die ich mit ihren Melodien lieber verfertiget haben möchte, als alle Oden des Pindars und Horaz. Man wird es mir nicht zutrauen, daß ich die Meisterstücke des menschlichen Witzes verachte; aber wenn es selbst die heidnischen Dichter für eine Pflicht, oder für eine Ehre gehalten, die Poesie ihrer verderbten Religion zu widmen: sollten sichs christliche Dichter zu keiner Pflicht, zu keiner Ehre machen, für eine göttliche Religion zu dichten?

Vielleicht trägt die Geringschätzung, mit der die Welt auf ein geistliches Lied herabsieht, nicht wenig zur Verabsäumung dieser Pflicht bey. Aber sollen wir nur alsdann arbeiten, wenn der Ruhm und Beyfall der Welt sich zu unsrer Belohnung darbeut? Ist die Erfüllung seiner Pflicht nicht Ruhm genug, wenn auch alle Zungen der Menschen schwiegen? Ist der Beyfall seines Gewissens nicht Ehre genug, wenn uns auch die ganze Welt für einen fanatischen Geist ansähe? Sollte die grosse Absicht, Weisheit und Tugend unter den Menschen auszubreiten, und die Ehre des Stifters unsrer Religion zu verherrlichen, kein Ruhm seyn, da nach demselben auch die Geister des Himmels, die so weit über uns erhaben sind, ringen? Ist der Vorwurf eines kleinen und einfältigen Geistes, eines Abergläubischen, oder Milzsüchtigen, den uns die Spötter machen können, ist er, aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, nicht der erhabenste Lobspruch für uns? Wer nicht groß genug ist, sich über diese falsche Schande hinwegzusetzen, der ist des Glückes werth, nur den Beyfall der Thoren und Leichtsinnigen zu haben.

Zu der Verachtung der geistlichen Gesänge überhaupt tragen unstreitig die vielen schlechten Lieder dieser Gattung nicht wenig bey. Viele wackere und fromme Männer haben es gewagt, geistliche Lieder zu dichten, und ihren Eifer für die Geschicklichkeit zur Poesie angesehen. Aber wie die Frömmigkeit demjenigen, dem es an Kenntnissen der Staatskunst fehlet, nicht die Geschicklichkeit erteilen wird, in öffentlichen Geschäfften glücklich zu arbeiten: so wird auch ein frommer Mann, bloß darum, weil er fromm ist, noch nicht mit Glücke in der Poesie arbeiten, wenn er mit ihren Regeln nicht bekannt und mit keinem poetischen Genie begabt ist. Man kann ein sehr gutes Herz, auch Verstand und Wissenschaft, und doch einen übeln Geschmack besitzen. Man kann sich unnatürlich, unrichtig, abentheuerlich ausdrücken, wenn man von den heiligen Wahrheiten in der Sprache der Poesie reden will; und man kann es doch sehr gut meynen. Man kann wenn man, die Fesseln der Dichtkunst zu tragen, und die Menge ihrer Schwierigkeiten zu überwinden, nicht gewohnt ist, gezwungne, elende und frostige Lieder zur Andacht verfertigen, und doch ausserdem ein guter, ja gar ein grosser Redner seyn. Um desto mehr sollten diejenigen, die von der Natur die Gabe der Poesie empfangen haben, dieses Geschenke der Religion heiligen, da es nicht bloß auf unser gutes Herz, nicht bloß auf den Verstand und die Gelehrsamkeit, ja selbst nicht auf die Beredsamkeit allein ankömmt, wenn wir Gesänge der Religion verfertigen wollen.

Noch eine Ursache, warum wir vielleicht in unsern Tagen mehr für die geistliche Poesie arbeiten sollten, ist diese, daß sich der Geschmack der Dichtkunst und Beredsamkeit in unserm Jahrhunderte sehr geändert hat. Vieles ist in der Sprache unsrer Väter, in ihrer Art zu denken, erlaubt, gebräuchlich und unanstößig gewesen, das es in unsern Tagen nicht mehr ist. Alle lebende Sprachen haben das Schicksal, daß sie sich ändern, wenn gleich nicht stets verbessern; daß Wörter veralten und ihren Werth verlieren, neue aufkommen und einen Werth erhalten, wenn er auch nur willkührlich seyn sollte. Endlich, wenn die Sitten feiner werden, so bekommen wir an einer nachläßigen, ungewählten und platten Schreibart einen Ekel. Dieser Ekel erstreckt sich auch auf die Schreibart in den Werken der Religion; und wir fangen an, oft die Uebungen der Andacht geringe zu schätzen, oder zu verachten, weil die Mittel, sie zu erwecken oder zu unterhalten, dem allgemeinen Geschmacke nicht mehr gemäß sind. Ich will diesen Ekel nicht ganz billigen; aber ich billige es auch nicht, daß man nicht eifriger ist, ihm vorzuwehren. Haben wir nicht eine Menge guter alter Predigten, und warum druckt man so viel neue mit Rechte? Der Geschmack in der Beredsamkeit hat sich geändert und gebessert; und viele können die rauhe und unbearbeitete Sprache und den sorglosen Ausdruck unsrer Väter nicht mehr dulden. Aus eben diesem Grunde wird man auch in der geistlichen Poesie, wenigstens wegen des gesittetern Theils unsrer Nation, neue Versuche wagen müssen; ob es gleich gewiß bleibt, daß wir viel schöne Lieder haben, die in hundert Jahren noch eben so verständlich und geistreich seyn werden, als sie vor hundert oder zweyhundert Jahren waren. Wer diese verdrängt, um nur neuere dafür unterzuschieben, der ist gegen unsre Väter undankbar, und gegen die Erbauung, welche sie schaffen, unempfindlich. Viele alte Lieder sind auch nur stellenweise verwerflich; und wäre zu wünschen, daß die Verbesserung derselben weniger Schwierigkeiten ausgesetzet seyn möchte. Ich glaube nicht, um nur ein Beyspiel anzuführen, daß unsre Väter durch die Stelle des Abendliedes:

Oeffne deiner Güte Fenster, Sende deine Wach herab, Daß die schwarzen Nachtgespenster &c.

sind beleidiget worden; aber ich glaube, daß sie in unsern Tagen beleidiget. Das Platte in der geistlichen Poesie ist weder die Schuld unsrer Sprache, noch der Andacht. Luther hat in seinen herrlichen Liedern die Sprache meistens glücklich gewählt, so entfernt er auch von unsern Tagen gewesen ist. Es ist auch nicht die Härte der alten Sprache, welche Leser von Geschmacke beleidiget, sondern das gezwungne, frostige, abentheuerliche Harte; nicht die Versetzung der Wörter, sondern die unnöthige und armselige Verwerfung. Man lese folgende Stelle:

Es ist ja, Herr, dein Geschenk und Gab, Mein Leib, Seel und alls, was ich hab In diesem armen Leben; Damit ichs brauch zum Lobe dein, Zum Nutz und Dienst des Nächsten mein, Wollst mir deine Gnade geben!

Sie hat viel Hartes nach unsrer itzigen Mundart und uns ungewöhnliche Verssetzungen; und dennoch, wer kann sie ohne Bewegung, ohne daß er fühlt, wie seine Seele von Dank und Demuth durchdrungen wird, singen oder lesen? Sie ist mehr werth, als ganze Bände neuer Lieder, die kein andres Verdienst haben, als daß sie rein sind. Und warum ist diese Stelle, ungeachtet ihrer Härte, so schön? Weil der Ausdruck stark und kräftig, weil der Innhalt des Gedankens groß, und doch der Gedanke nicht ausgedehnt ist; weil die Kürze und der Nachdruck das Harte entschuldigen; weil die Versetzungen der Deutlichkeit nicht schaden, sondern mehr die Aufmerksamkeit befördern.

Aus den guten geistlichen Gesängen, die wir haben, und überhaupt aus der Natur derjenigen Gattung von Gedichten, die dem Gesange gewidmet sind, ist es leicht, sich die Regeln von dieser Art der geistlichen Poesie zu entwerfen. Es muß eine allgemeine Deutlichkeit darinne herrschen, die den Verstand nährt, ohne ihm Ekel zu erwecken; eine Deutlichkeit, die nicht von dem Matten und Leeren, sondern von dem Richtigen entsteht. Es muß eine gewisse Stärke des Ausdrucks in den geistlichen Gesängen herrschen, die nicht so wohl die Pracht und der Schmuck der Poesie, als die Sprache der Empfindung, und die gewöhnliche Sprache des denkenden Verstandes ist. Nicht das Bilderreiche, nicht das Hohe und Prächtige der Figuren ist das, was sich gut singen und leicht in Empfindung verwandeln läßt. Die Einbildungskraft wird oft so sehr davon erfüllt, daß das Herz nichts empfängt. Es muß in geistlichen Liedern zwar die übliche gewählte Sprache der Welt herrschen; aber noch mehr, wo es möglich ist, die Sprache der Schrift; diese unnachahmliche Sprache, voll göttlicher Hoheit und entzückender Einfalt. Oft ist der Ausdruck der Lutherischen Uebersetzung selbst der kräftigste; oft giebt das Alterthum desselben der Stelle des Liedes eine feyerliche und ehrwürdige Gestalt; oft werden die Wahrheiten, Lehren, Verheissungen, Drohungen der Religion dadurch am gewissesten in das Gedächtniß zurück gerufen, oder die Vorstellung davon am lebhaftesten in unserm Verstande erneuert. Ja, oft können auch selbst die Stellen und Ausdrücke der Schrift durch den Zusammenhang, in den sie der Liederdichter bringt, eine Art von Commentario erhalten, der für die Menge vielleicht sehr nöthig ist.

Es giebt eine doppelte Gattung der geistlichen Oden; zu der einen gehören die Lehroden, zu der andern die Oden für das Herz. Wir benennen sie so, nachdem mehr Unterricht, oder mehr Empfindung darinne herrschet. Es wird also auch eine doppelte Schreibart dieser Oden geben. In den Lehroden wird Deutlichkeit und Kürze vornehmlich herrschen müssen; in der andern Gattung die Sprache des Herzens, die lebhafte, gedrungne, feurige und doch stets verständliche Sprache. Das der Verstand in den Liedern unterrichtet und genährt werde, ist eine sehr nothwendige Pflicht, wenn man die unrichtigen Begriffe, die sich die Menge von der Religion macht, den Mangel der Kenntniß in den Wahrheiten derselben, und die täglichen Zerstreuungen bedenkt, unter denen unsre Einsicht in der Religion, oft Sätze, oft Bestimmungen und Beweise, oft wenigstens den Eindruck und die lebhafte Vorstellung davon verliert.

Die Lieder für das Herz, denen der Gesang vorzüglich eigen ist, müssen so beschaffen seyn, daß sie uns alles, was erhaben und rührend in der Religion ist, fühlen lassen; das Heilige des Glaubens, das Göttliche der Liebe, das Heldenmüthige der Selbstverleugnung, das Grosse der Demuth, das Liebenswürdige der Dankbarkeit, das Edle des Gehorsams gegen Gott und unsern Erlöser, das Glück, eine unsterbliche, zur Tugend und zum ewigen Leben erschaffne und erlöste Seele zu haben; daß sie uns die Schändlichkeit des Lasters, das Thierische der Lüste und Sinnlichkeit, das Niederträchtige des Geizes, das Kleine der Eitelkeit, das Schreckliche der Wollust, mit einem Worte, die Reizungen der Tugend und die Häßlichkeit des Lasters empfinden lassen; der Tugend, wie sie von Gott geliebt, befohlen, zu unserm Glücke befohlen wird; des Lasters, wie es vor Gott ein Aufruhr, für uns Schande, zeitliches Elend, ewige Pein ist.

Da die geistlichen Gesänge nicht wie die andern Arten der Poesie das Vergnügen zu ihrer Hauptabsicht haben: so soll man für den Wohlklang weniger besorgt seyn, als für das Nachdrückliche und Kräftige. Das Ohr leide bey einer kleinen Härte, bey einem abgerißnen e, bey einem nicht ganz reinen Reime; wenn nur das Herz dabey gewinnt. Ein kleiner Fehler, ohne den eine größre Schönheit nicht wohl erreicht werden kann, hört auf an demselbigen Orte ein Fehler zu seyn. Dadurch will ich aber weder meinen Freyheiten eine Schutzrede halten, noch junge Dichter in der Nachläßigkeit des Wohlklanges und Versbaues bestärken. Genug, daß ich die Pflichten der Ausbesserung bey diesen Gesängen eben so wenig vergessen habe, als bey meinen übrigen Gedichten. Dieß Zeugniß, wenn ich mirs nicht selbst geben darf, können mir doch meine Freunde geben. Kommen in diesen Liedern hin und wieder ähnliche Ausdrücke und einerley biblische Stellen vor: so rechtfertiget entweder der Innhalt diese Freyheit, oder der Gedanke, daß Ein Lied für sich ein Ganzes ist, das man in einer Sammlung, als von den andern abgesondert, betrachten muß. Bey den meisten dieser Lieder habe ich auf Kirchenmelodien zurückgesehen, von denen ich zu Ende des Werkes ein Verzeichniß angehangen; und wie die Declamation des Redners seiner Rede das Leben giebt, so giebt oft die Melodie erst dem Liede seine ganze Kraft. Vieles wird durch den Gesang eindringender und sanfter, als es im Lesen war; und viele Lieder müssen aus diesem Gesichtspunkte am meisten betrachtet werden. Sind endlich die gegenwärtigen nicht alle im eigentlichen Verstande zum Singen geschickt: so wird es doch genug Belohnung für mich seyn, wenn sie sich mit Erbauung lesen lassen.

Leipzig, im Monat März, 1757.

Bitten.

Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken gehen; Du krönst uns mit Barmherzigkeit, Und eilst, uns beyzustehen. Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort, Vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort; Denn ich will vor dir beten! Ich bitte nicht um Ueberfluß Und Schätze dieser Erden. Laß mir, so viel ich haben muß, Nach deiner Gnade werden. Gieb mir nur Weisheit und Verstand, Dich, Gott, und den, den du gesandt, Und mich selbst zu erkennen. Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm, So sehr sie Menschen rühren; Des guten Namens Eigenthum Laß mich nur nicht verlieren. Mein wahrer Ruhm sey meine Pflicht, Der Ruhm vor deinem Angesicht, Und frommer Freunde Liebe. So bitt ich dich, Herr Zebaoth, Auch nicht um langes Leben. Im Glücke Demuth, Muth in Noth, Das wollest du mir geben. In deiner Hand steht meine Zeit; Laß du mich nur Barmherzigkeit Vor dir im Tode finden.

Danklied.

Du bists, dem Ruhm und Ehre gebühret; Und Ruhm und Ehre bring ich dir. Du, Herr, hast stets mein Schicksal regieret, Und deine Hand war über mir. Wenn Noth zu meiner Hütte sich nahte: So hörte Gott, der Herr, mein Flehn, Und ließ, nach seinem gnädigen Rathe, Mich nicht in meiner Noth vergehn. Ich sank in Schmerz und Krankheit danieder, Und rief: O Herr, errette mich! Da half mir Gott, der Mächtige, wieder, Und mein Gebein erfreute sich. Wenn mich der Haß des Feindes betrübte: Klagt ich Gott kindlich meinen Schmerz. Er half, daß ich nicht Rache verübte, Und stärkte durch Geduld mein Herz. Wenn ich, verirrt vom richtigen Pfade, Mit Sünde mich umfangen sah: Rief ich zu ihm, dem Vater der Gnade; Und seine Gnade war mir nah. Um Trost war meiner Seele so bange; Denn Gott verbarg sein Angesicht. Ich rief zu ihm: Ach Herr, wie so lange? Und Gott verließ den Schwachen nicht. Er half, und wird mich ferner erlösen. Er hilft; der Herr ist fromm und gut. Er hilft aus der Versuchung zum Bösen, Und giebt mir zu der Tugend Muth. Dir dank ich für die Prüfung der Leiden, Die du mir liebreich zugeschickt. Dir dank ich für die häufigern Freuden, Womit mich deine Hand beglückt. Dir dank ich für die Güter der Erden, Für die Geschenke deiner Treu. Dir dank ich; denn du hiessest sie werden, Und deine Güt ist täglich neu. Dir dank ich für das Wunder der Güte; Selbst deinen Sohn gabst du für mich. Von ganzer Seel und ganzem Gemüthe, Von allen Kräften preis ich dich. Erhebt ihn ewig, göttliche Werke! Die Erd ist voll der Huld des Herrn. Sein, sein ist Ruhm und Weisheit und Stärke; Er hilft und er errettet gern. Er hilft. Des Abends währet die Klage, Des Morgens die Zufriedenheit. Nach einer Prüfung weniger Tage Erhebt er uns zur Seligkeit. Vergiß nicht deines Gottes, o Seele! Vergiß nicht, was er dir gethan. Verehr und halte seine Befehle, Und bet ihn durch Gehorsam an!

Das Gebet.

Dein Heil, o Christ, nicht zu verscherzen, Sey wach und nüchtern zum Gebet! Ein Flehn aus reinem guten Herzen Hat Gott, dein Vater, nie verschmäht. Erschein vor seinem Angesichte Mit Dank, mit Demuth, oft und gern, Und prüfe dich in seinem Lichte, Und klage deine Noth dem Herrn. Welch Glück, so hoch geehrt zu werden, Und im Gebet vor Gott zu stehn! Der Herr des Himmels und der Erden, Bedarf der eines Menschen Flehn? Sagt Gott nicht: Bittet, daß ihr nehmet? Ist des Gebetes Frucht nicht dein? Wer sich der Pflicht zu beten schämet, Der schämt sich, Gottes Freund zu seyn. Sein Glück von seinem Gott begehren, Ist dieß denn eine schwere Pflicht? Und seine Wünsche Gott erklären, Erhebt dieß unsre Seele nicht? Sich in der Furcht des Höchsten stärken, In dem Vertraun, daß Gott uns liebt, Im Fleiß zu allen guten Werken, Ist diese Pflicht für dich betrübt? Bet oft in Einfalt deiner Seelen; Gott sieht aufs Herz, Gott ist ein Geist. Wie können dir die Worte fehlen, Wofern dein Herz dich beten heißt? Nicht Töne sinds, die Gott gefallen, Nicht Worte, die die Kunst gebeut. Gott ist kein Mensch. Ein gläubig Lallen, Das ist vor ihm Beredsamkeit. Wer das, was uns zum Frieden dienet, Im Glauben sucht, der ehret Gott. Wer das zu bitten sich erkühnet, Was er nicht wünscht, entehret Gott. Wer täglich Gott die Treue schwöret, Und dann vergißt, was er beschwur; Und klagt, daß Gott ihn nicht erhöret, Der spottet seines Schöpfers nur. Bet oft zu Gott, und schmeck in Freuden, Wie freundlich er, dein Vater, ist. Bet oft zu Gott, und fühl in Leiden, Wie göttlich er das Leid versüßt. Bet oft, wenn dich Versuchung quälet; Gott hörts, Gott ists, der Hülfe schafft. Bet oft, wenn innrer Trost dir fehlet; Er giebt den Müden Stärk und Kraft. Bet oft, und heiter im Gemüthe Schau dich an seinen Wundern satt. Schau auf den Ernst, schau auf die Güte, Mit der er dich geleitet hat. Hier irrtest du in deiner Jugend, Im Alter dort. Er trug Geduld, Rief er dich durch Glück und Kreuz zur Tugend; Erkenn und fühle seine Huld. Bet oft, und schau mit selgen Blicken hin in des Ewigen Gezelt, Und schmeck im gläubigen Entzücken Die Kräfte der zukünftgen Welt. Ein Glück von Millionen Jahren, Welch Glück! Doch ists von jenem Glück, Das dem der Herr wird offenbaren, Der ihm hier dient, kein Augenblick. Bet oft; durchschau mit heilgem Muthe Die herzliche Barmherzigkeit Deß, der mit seinem theuren Blute Die Welt, der Sünder Welt befreyt. Nie wirst du dieses Werk ergründen; Nein, es ist eines Gottes That. Erfreu dich ihrer, rein von Sünden, Und ehr im Glauben Gottes Rath. Bet oft; entdeck am stillen Orte Gott ohne Zagen deinen Schmerz. Er schließt vom Herzen auf die Worte, Nicht von den Worten auf das Herz. Nicht dein gebognes Knie, nicht Thränen, Nicht Worte, Seufzer, Psalm und Ton, Nicht dein Gelübd rührt Gott; dein Sehnen, Dein Glaub an ihn und seinen Sohn. Bet oft; Gott wohnt an jeder Stäte, In keiner minder oder mehr. Denk nicht: Wenn ich mit vielen bete: So find ich eh bey Gott Gehör. Gott ist kein Mensch. Ist dein Begehren Gerecht und gut: so hört ers gern. Ists nicht gerecht: so gelten Zähren Der ganzen Welt nichts vor dem Herrn. Doch säume nicht, in den Gemeinen Auch öffentlich Gott anzuflehn, Und seinen Namen mit den Seinen, Mit deinen Brüdern, zu erhöhn; Dein Herz voll Andacht zu entdecken, Wie es dein Mitchrist dir entdeckt, Und ihn zur Innbrunst zu erwecken, Wie er zur Innbrunst dich erweckt. Bist du ein Herr, dem Andre dienen: So sey ihr Beyspiel, sey es stets, Und feyre täglich gern mit ihnen Die selge Stunde des Gebets. Nie schäme dich des Heils der Seelen, Die Gottes Hand dir anvertraut. Kein Knecht des Hauses müsse fehlen; Er ist ein Christ, und werd erbaut! Bet oft zu Gott für deine Brüder, Für alle Menschen, als ihr Freund; Denn wir sind Eines Leibes Glieder; Ein Glied davon ist auch dein Feind. Bet oft; so wirst du Glauben halten, Dich prüfen, und das Böse scheun, An Lieb und Eifer nicht erkalten, Und gern zum Guten weise seyn.

Die Ehre Gottes aus der Natur.

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, Ihr Schall pflanzt seinen Namen fort. Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere; Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort! Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne? Wer führt die Sonn aus ihrem Zelt? Sie kömmt und leuchtet und lacht uns von ferne, Und läuft den Weg, gleich als ein Held. Vernimms, und siehe die Wunder der Werke, Die die Natur dir aufgestellt! Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt? Kannst du der Wesen unzählbare Heere, Den kleinsten Staub fühllos beschaun? Durch wen ist alles? O gieb ihm die Ehre! Mir, ruft der Herr, sollst du vertraun. Mein ist die Kraft, mein ist Himmel und Erde; An meinen Werken kennst du mich. Ich bins, und werde seyn, der ich seyn werde, Dein Gott und Vater ewiglich. Ich bin dein Schöpfer, bin Weisheit und Güte, Ein Gott der Ordnung und dein Heil; Ich bins! Mich liebe von ganzem Gemüthe, Und nimm an meiner Gnade Theil.

Prüfung am Abend.

Der Tag ist wieder hin, und diesen Theil des Lebens, Wie hab ich ihn verbracht? Verstrich er mir vergebens, Hab ich mit allem Ernst dem Guten nachgestrebt? Hab ich vielleicht nur mir, nicht meiner Pflicht gelebt? Wars in der Furcht des Herrn, das ich ihn angefangen? Mit Dank und mit Gebet, mit eifrigem Verlangen, Als ein Geschöpf von Gott der Tugend mich zu weihn, Und züchtig, und gerecht, und Gottes Freund zu seyn? Hab ich in dem Beruf, den Gott mir angewiesen, Durch Eifer und durch Fleiß ihn, diesen Gott, gepriesen; Mir und der Welt genützt, und jeden Dienst gethan, Weil ihn der Herr gebot, nicht weil mich Menschen sahn? Wie hab ich diesen Tag mein eigen Herz regieret? Hat mich im Stillen oft ein Blick auf Gott gerühret? Erfreut ich mich des Herrn, der unser Flehn bemerkt? Und hab ich im Vertraun auf ihn mein Herz gestärkt? Dacht ich bey dem Genuß der Güter dieser Erden An den Allmächtigen, durch den sie sind und werden? Verehrt ich ihn im Staub? Empfand ich seine Huld? Trug ich das Glück mit Dank, den Unfall mit Geduld? Und wie genoß mein Herz des Umgangs süsse Stunden? Fühlt ich der Freundschaft Glück, sprach ich, was ich empfunden? War auch mein Ernst noch sanft, mein Schmerz noch unschuldsvoll? Und hab ich nichts geredt, das ich bereuen soll? Hab ich die Meinigen durch Sorgfalt mir verpflichtet, Sie durch mein Beyspiel still zum Guten unterrichtet? War zu des Mitleids Pflicht mein Herz nicht zu bequem? Ein Glück, das Andre traf, war dieß mir angenehm? War mir der Fehltritt leid, so bald ich ihn begangen? Bestritt ich auch in mir ein unerlaubt Verlangen? Und wenn in dieser Nacht Gott über mich gebeut, Bin ich, vor ihm zu stehn, auch willig und bereit? Gott, der du alles weißt, was könnt ich dir verhelen? Ich fühle täglich noch die Schwachheit meiner Seelen. Vergieb durch Christi Blut mir die verletzte Pflicht; Vergieb, und gehe du nicht mit mir ins Gericht. Ja, du verzeihest dem, den seine Sünden kränken; Du liebst Barmherzigkeit, und wirst auch mir sie schenken. Auch diese Nacht bist du der Wächter über mir; Leb ich, so leb ich dir, sterb ich, so sterb ich dir!

Gelassenheit.

Was ists, das ich mich quäle? Harr Seiner, meine Seele, Harr und sey unverzagt! Du weist nicht, was dir nützet; Gott weis es, und Gott schützet, Er schützet den, der nach ihm fragt. Er zählte meine Tage, Mein Glück und meine Plage, Eh ich die Welt noch sah. Eh ich mich selbst noch kannte, Eh ich ihn Vater nannte, War er mir schon mit Hülfe nah. Die kleinste meiner Sorgen Ist dem Gott nicht verborgen, Der alles sieht und hält; Und was er mir beschieden, Das dient zu meinem Frieden, Wärs auch die größte Last der Welt. Ich lebe nicht auf Erden, Um glücklich hier zu werden; Die Lust der Welt vergeht. Ich lebe hier, im Segen Den Grund zum Glück zu legen, Das ewig, wie mein Geist, besteht. Was dieses Glück vermehret, Sey mir von dir gewähret! Gott, du gewährst es gern. Was dieses Glück verletzet, Wenns alle Welt auch schätzet, Sey, Herr, mein Gott, mir ewig fern! Sind auch der Krankheit Plagen, Der Mangel schwer zu tragen, Noch schwerer Haß und Spott: So harr ich, und bin stille Zu Gott; denn nicht mein Wille, Dein Wille nur, gescheh, o Gott! Du bist der Müden Stärke, Und aller deiner Werke Erbarmst du ewig dich. Was kann mir widerfahren; Wenn Gott mich will bewahren; Und er, mein Gott, bewahret mich.

Die Wachsamkeit.

Nicht, daß ichs schon ergriffen hätte; Die beste Tugend bleibt noch schwach; Doch, daß ich meine Seele rette, Jag ich dem Kleinod eifrig nach. Denn Tugend ohne Wachsamkeit Verliert sich bald in Sicherheit. So lang ich hier im Leibe walle, Bin ich ein Kind, das strauchelnd geht. Der sehe zu, daß er nicht falle, Der, wenn sein Nächster fällt, noch steht. Auch die bekämpfte böse Lust Stirbt niemals ganz in unsrer Brust. Nicht jede Besserung ist Tugend; Oft ist sie nur das Werk der Zeit. Die wilde Hitze roher Jugend Wird mit den Jahren Sittsamkeit; Und was Natur und Zeit gethan, Sieht unser Stolz für Tugend an. Oft ist die Aendrung deiner Seelen Ein Tausch der Triebe der Natur. Du fühlst, wie Stolz und Ruhmsucht quälen, Und dämpfst sie; doch du wechselst nur; Dein Herz fühlt einen andern Reiz, Dein Stolz wird Wollust, oder Geiz. Oft ist es Kunst und Eigenliebe, Was Andern strenge Tugend scheint. Der Trieb des Neids, der Schmähsucht Triebe Erweckten dir so manchen Feind; Du wirst behutsam, schränkst dich ein, Fliehst nicht die Schmähsucht, nur den Schein. Du denkst, weil Dinge dich nicht rühren, Durch die der Andern Tugend fällt: So werde nichts dein Herz verführen; Doch jedes Herz hat seine Welt. Den, welchen Stand und Gold nicht rührt, Hat oft ein Blick, ein Wort verführt, Oft schläft der Trieb in deinem Herzen. Du scheinst von Rachsucht dir befreyt; Itzt sollst du eine Schmach verschmerzen, Und sieh, dein Herz wallt auf und dräut, Und schilt so lieblos und so hart, Als es zuerst gescholten ward. Oft denkt, wenn wir der Stille pflegen, Das Herz im Stillen tugendhaft. Kaum lachet uns die Welt entgegen: So regt sich unsre Leidenschaft. Wir werden im Geräusche schwach, Und geben endlich strafbar nach. Du opferst Gott die leichtern Triebe Durch einen strengen Lebenslauf; Doch opferst du, wills seine Liebe, Ihm auch die liebste Neigung auf? Dieß ist das Auge, dieß der Fuß, Die sich der Christ entreissen muß. Du fliehst, geneigt zu Ruh und Stille, Die Welt, und liebst die Einsamkeit; Doch bist du, forderts Gottes Wille, Auch dieser zu entfliehn bereit? Dein Herz haßt Habsucht, Neid und Zank? Fliehts Unmuth auch und Müßiggang? Du bist gerecht; denn auch bescheiden? Liebst Mäßigkeit; denn auch Geduld? Du dienest gern, wenn Andre leiden; Vergiebst du Feinden auch die Schuld? Von allen Lastern sollst du rein, Zu aller Tugend willig seyn. Sey nicht vermessen! Wach und streite; Denk nicht, daß du schon gnug gethan. Dein Herz hat seine schwache Seite, Die greift der Feind der Wohlfahrt an. Die Sicherheit droht dir den Fall; Drum wache stets, wach überall!

Wider den Uebermuth.

Was ist mein Stand, mein Glück, und jede gute Gabe? Ein unverdientes Gut. Bewahre mich, o Gott, von dem ich alles habe, Vor Stolz und Uebermuth. Wenn ich vielleicht der Welt mehr, als mein Nächster, nütze; Wer gab mir Kraft dazu? Und wenn ich mehr Verstand, als er besitzt, besitze; Wer gab mir ihn, als du? Wenn mir ein grösser Glück, als ihn erfreut, begegnet; Bin ich ein beßrer Knecht? Giebt deine Gütigkeit, die mich vor Andern segnet, Mir wohl zum Stolz ein Recht? Wenn ich, geehrt und groß, in Würden mich erblicke; Gott, wer erhöhte mich? Ist nicht mein Nächster oft, bey seinem kleinern Glücke, Viel würdiger, als ich? Wie könnt ich mich, o Gott! des Guten überheben, Und meines schwachen Lichts? Was ich besitz, ist dein. Du sprichst! so bin ich Leben; Du sprichst! so bin ich Nichts. Von dir kömmt das Gedeyn, und jede gute Gabe Von dir, du höchstes Gut! Bewahre mich, o Gott, von dem ich alles habe! Vor Stolz und Uebermuth.

Beständige Erinnerung des Todes.

Was sorgst du ängstlich für dein Leben? Es Gott gelassen übergeben, Ist wahre Ruh und deine Pflicht. Du sollst es lieben, weislich nützen, Es dankbar, als ein Glück, besitzen, Verlieren, als verlörst dus nicht. Der Tod soll dich nicht traurig schrecken; Doch dich zur Weisheit zu erwecken, Soll er dir stets vor Augen seyn. Er soll den Wunsch zu leben mindern, Doch dich in deiner Pflicht nicht hindern, Vielmehr dir Kraft dazu verleihn. Ermattest du in deinen Pflichten: So laß den Tod dich unterrichten, Wie wenig deiner Tage sind. Sprich: Sollt ich Gutes wohl verschieben? Nein, meine Zeit, es auszuüben, Ist kurz, und sie verfliegt geschwind. Denk an den Tod, wenn böse Triebe, Wenn Lust der Welt und ihre Liebe Dich reizen; und ersticke sie. Sprich: Kann ich nicht noch heute sterben? Und könnt ich auch die Welt erwerben, Begieng ich doch solch Uebel nie. Denk an den Tod, wenn Ruhm und Ehren, Wenn deine Schätze sich vermehren, Daß du sie nicht zu heftig liebst. Denk an die Eitelkeit der Erden, Daß, wenn sie dir entrissen werden, Du dann dich nicht zu sehr betrübst. Denk an den Tod, bey frohen Tagen. Kann deine Lust sein Bild vertragen: So ist sie gut und unschuldsvoll. Sprich, dein Vergnügen zu versüssen: Welch Glück werd ich erst dort geniessen, Wo ich unendlich leben soll! Denk an den Tod, wenn deinem Leben Das fehlt, wornach die Reichen streben; Sprich: Bin ich hier, um reich zu seyn? Heil mir, wenn ich in Christo sterbe, Dann ist ein unbeflecktes Erbe, Dann ist der Himmel Reichthum mein. Denk an den Tod, wenn Leiden kommen; Sprich: alle Trübsal eines Frommen Ist zeitlich, und im Glauben leicht. Ich leide; doch von allem Bösen Wird mich der Tod bald, bald erlösen; Er ists, der mir die Krone reicht. Denk an den Tod, wenn freche Rotten Des Glaubens und der Tugend spotten, Und Laster stolz ihr Haupt erhöhn. Sprich bey dir selbst: Gott trägt die Frechen; Doch endlich kömmt er, sich zu rächen, Und plötzlich werden sie vergehn. Denk an den Tod zur Zeit der Schrecken, Wenn Pfeile Gottes in dir stecken; Du rufst, und er antwortet nicht. Sprich: Sollte Gott mich ewig hassen? Er wird mich sterbend nicht verlassen; Dann zeigt er mir sein Angesicht. So suche dir in allen Fällen Den Tod oft, lebhaft, vorzustellen; So wirst du ihn nicht zitternd scheun; So wird er dir ein Trost in Klagen, Ein weiser Freund in guten Tagen, Ein Schild in der Versuchung seyn.

Osterlied.

Erinnre dich, mein Geist, erfreut Des hohen Tags der Herrlichkeit; Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist! Fühl alle Dankbarkeit für ihn, Als ob er heute dir erschien, Als spräch er: Friede sey mit dir! So freue dich, mein Geist, in mir! Schau über dich, und bet ihn an. Er mißt den Sternen ihre Bahn; Er lebt und herrscht mit Gott vereint, Und ist dein König und dein Freund. Macht, Ruhm und Hoheit immerdar Dem, der da ist, und der da war! Sein Name sey gebenedeyt, Von nun an bis in Ewigkeit; O Glaube, der das Herz erhöht! Was ist der Erde Majestät, Wenn sie mein Geist mit der vergleicht, Die ich durch Gottes Sohn erreicht? Vor seinem Thron, in seinem Reich, Unsterblich, heilig, Engeln gleich, Und ewig, ewig selig seyn; Herr, welche Herrlichkeit ist mein! Mein Herz erliegt froh unter ihr; Lieb und Verwundrung kämpft in mir, Und voll von Ehrfurcht, Dank und Pflicht Fall ich, Gott, auf mein Angesicht. Du, der du in den Himmeln thronst, Ich soll da wohnen, wo du wohnst? Und du erfüllst einst mein Vertraun, In meinem Fleische dich zu schaun? Ich soll, wenn du, des Lebens Fürst, In Wolken göttlich kommen wirst, Erweckt aus meinem Grabe gehn, Und rein zu deiner Rechten stehn? Mit Engeln und mit Seraphim, Mit Thronen und mit Cherubim, Mit allen Frommen aller Zeit Soll ich mich freun in Ewigkeit? Zu welchem Glück, zu welchem Ruhm Erhebt uns nicht das Christenthum! Mit dir gekreuzigt, Gottes Sohn, Sind wir auch auferstanden schon. Nie komm es mir aus meinem Sinn, Was ich, mein Heil, dir schuldig bin; Damit ich mich, in Liebe treu, Zu deinem Bilde stets erneu. Er ists, der alles in uns schafft, Sein ist das Reich, sein ist die Kraft. Halt im Gedächtniß Jesum Christ, Der von dem Tod erstanden ist.

Der Kampf der Tugend.

Oft klagt dein Herz, wie schwer es sey, Den Weg des Herrn zu wandeln, Und täglich seinem Worte treu, Zu denken und zu handeln. Wahr ists, die Tugend kostet Müh, Sie ist der Sieg der Lüste; Doch richte selbst, was wäre sie, Wenn sie nicht kämpfen müßte? Die, die sich ihrer Laster freun, Trifft die kein Schmerz hienieden? Sie sind die Sklaven eigner Pein, Und haben keinen Frieden. Der Fromme, der die Lüste dämpft, Hat oft auch seine Leiden; Allein der Schmerz, mit dem er kämpft, Verwandelt sich in Freuden. Des Lasters Bahn ist Anfangs zwar Ein breiter Weg durch Auen; Allein sein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen. Der Tugend Pfad ist Anfangs steil, Läßt nichts als Mühe blicken; Doch weiter fort führt er zum Heil, Und endlich zum Entzücken. Nimm an, Gott hätt es uns vergönnt, Nach unsers Fleisches Willen, Wenn Wollust, Neid und Zorn entbrennt, Die Lüste frey zu stillen; Nimm an, Gott ließ den Undank zu; Den Frevel, dich zu kränken; Den Menschenhaß; was würdest du Von diesem Gotte denken? Gott will, wir sollen glücklich seyn, Drum gab er uns Gesetze. Sie sind es, die das Herz erfreun, Sie sind des Lebens Schätze. Er redt in uns durch den Verstand, Und spricht durch das Gewissen, Was wir, Geschöpfe seiner Hand, Fliehn, oder wählen müssen. Ihn fürchten, das ist Weisheit nur; Und Freyheit ists, sie wählen. Ein Thier folgt Fesseln der Natur, Ein Mensch dem Licht der Seelen. Was ist des Geistes Eigenthum? Was sein Beruf auf Erden? Die Tugend! Was ihr Lohn, ihr Ruhm? Gott ewig ähnlich werden! Lern nur Geschmack am Wort des Herrn Und seiner Gnade finden, Und übe dich getreu und gern, Dein Herz zu überwinden. Wer Kräfte hat, wird durch Gebrauch Von Gott noch mehr bekommen; Wer aber nicht hat, dem wird auch Das, was er hat, genommen. Du streitest nicht durch eigne Kraft, Drum muß es dir gelingen. Gott ist es, welcher beides schafft, Das Wollen und Vollbringen. Wenn gab ein Vater einen Stein Dem Sohn, der Brodt begehrte? Bet oft; Gott müßte Gott nicht seyn, Wenn er dich nicht erhörte. Dich stärket auf der Tugend Pfad Das Beyspiel selger Geister: Ihn zeigte dir, und ihn betrat Dein Gott und Herr und Meister. Dich müsse nie des Frechen Spott Auf diesem Pfade hindern; Der wahre Ruhm ist Ruhm bey Gott, Und nicht bey Menschenkindern. Sey stark, sey männlich allezeit, Tritt oft an deine Bahre; Vergleiche mit der Ewigkeit Den Kampf so kurzer Jahre. Das Kleinod, das dein Glaube hält, Wird neuen Muth dir geben; Und Kräfte der zukünftgen Welt, Die werden ihn beleben. Und endlich, Christ, sey unverzagt, Wenn dirs nicht immer glücket; Wenn dich, so viel dein Herz auch wagt, Stets neue Schwachheit drücket. Gott sieht nicht auf die That allein, Er sieht auf deinen Willen. Ein göttliches Verdienst ist dein! Dieß muß dein Herze stillen.

Die Güte Gottes.

Wie groß ist des Allmächtgen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt? Der mit verhärtetem Gemüthe Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sey ewig meine größte Pflicht. Der Herr hat mein noch nie vergessen; Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht. Wer hat mich wunderbar bereitet? Der Gott, der meiner nicht bedarf. Wer hat mit Langmuth mich geleitet? Er, dessen Rath ich oft verwarf. Wer stärkt den Frieden im Gewissen? Wer giebt dem Geiste neue Kraft? Wer läßt mich so viel Glück geniessen? Ist nicht sein Arm der alles schafft? Schau, o mein Geist! in jenes Leben, Zu welchem du erschaffen bist; Wo du, mit Herrlichkeit umgeben, Gott ewig sehn wirst, wie er ist. Du hast ein Recht zu diesen Freuden; Durch Gottes Güte sind sie dein. Sieh, darum mußte Christus leiden, Damit du könntest selig seyn. Und diesen Gott sollt ich nicht ehren? Und seine Güte nicht verstehn? Er sollte rufen; ich nicht hören? Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn? Sein Will ist mir ins Herz geschrieben; Sein Wort bestärkt ihn ewiglich. Gott soll ich über alles lieben, Und meinen Nächsten gleich als mich. Dieß ist mein Dank, dieß ist sein Wille. Ich soll vollkommen seyn, wie er. So lang ich dieß Gebot erfülle, Stell ich sein Bildniß in mir her. Lebt seine Lieb in meiner Seele: So treibt sie mich zu jeder Pflicht. Und ob ich schon aus Schwachheit fehle, Herrscht doch in mir die Sünde nicht. O Gott! laß deine Güt und Liebe Mir immerdar vor Augen seyn! Sie stärk in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weihn. Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen; Sie leite mich zur Zeit des Glücks; Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks.

Das natürliche Verderben des Menschen.

Wer bin ich von Natur, wenn ich mein Innres prüfe? O wie viel Greul läßt mich mein Herze sehn! Es ist verderbt; darum verbirgt mirs seine Tiefe, Und weigert sich, die Prüfung auszustehn. Der Weisheit erster Schritt ist, seine Thorheit kennen; Und diesen Schritt, wie oft verwehrt mirs ihn! Voll Eigenlieb und Stolz will sichs nicht strafbar nennen, Der Reu entgehn, doch nicht den Fehler fliehn. Wahr ists, ich find in mir noch redendes Gewissen, In der Vernunft noch Kenntniß meiner Pflicht. Ich kann mein Auge nie der Tugend ganz verschliessen, Und oft scheint mir ein Stral von ihrem Licht. Doch schwaches Licht, das mir den Reiz der Tugend zeiget, Und vom Verstand nicht bis zum Herzen dringt! Vergebens lehret er, das Herz bleibt ungebeuget, Hat sein Gesetz, und folgt ihm unbedingt. Ein Richter in mir selbst stört oft des Herzens Ruhe; Er klagt mich an. Ich steh erschrocken still, Und billige nicht mehr das Böse, das ich thue, Und thue nicht das Gute, das ich will. Verstellung, die ich doch an meinem Nächsten hasse, Erlaub ich mir, und halt es für Gewinn, Wenn ich im falschen Licht mich Andern sehen lasse, Und scheinen kann, was ich mir selbst nicht bin. Ich weis, daß der Besitz der Güter dieser Erden Der Seele nie das wahre Glück verleiht; Doch bleiben sie mein Wunsch; und um beglückt zu werden, Erring ich mir die Last der Eitelkeit. Ich weis, wie groß es sey, aus Ueberlegung handeln, Und handle doch aus sinnlichem Gefühl. Durch falschen Schein getäuscht, eil ich, ihm nachzuwandeln, Und Leidenschaft und Irrthum steckt mein Ziel. Ein gegenwärtig Gut versäum ich zu geniessen, Flieh, was mich sucht, und suche, was mich flieht. Im Glücke bin ich stolz, verzagt in Kümmernissen, Und ohne Ruh um Ruhe stets bemüht. Mein Nächster hat ein Recht auf viele meiner Pflichten; Doch wird dieß Recht so oft von mir entweiht. Versagt er mir die Pflicht; so eil ich, hin zu richten; Und sein Versehn ist Ungerechtigkeit. Nicht Liebe gegen Gott heißt mich dem Nächsten dienen, Mehr Eigenlieb und niedrer Eigennutz. Aus ihnen fließt Betrug, Verstellung; und in ihnen Findt Neid und Haß, und Stolz und Härte Schutz. Gott ehren ist mein Ruf. Wenn ich den Ruf betrachte, Was find ich da für Mängel meiner Pflicht! Die Wunder der Natur, die Gott zu Lehrern machte, Stehn vor mir da, und diese hör ich nicht. Und heißt ihr Anblick mich auf seine Weisheit schliessen, Auf Güt und Macht: so schließt nur mein Verstand. Das Herz bleibt ungerührt, betäubt bleibt das Gewissen, Und Gott, mein Herr und Vater, unbekannt. Er schenkt mir so viel Guts. Gebrauch ich seine Güte Zu meinem Glück; und geb ich ihr Gehör? Nein, durch den Mißbrauch selbst verschließ ich mein Gemüthe Der Dankbarkeit und Liebe desto mehr. Oft sagt mir mein Verstand, daß des Allmächtgen Gnade Das größte Gut, der Trost des Lebens ist, Und welche Schulden ich auf mein Gewissen lade, Wenn sie mein Herz für Menschengunst vergißt! Und doch, o Gott! wie oft geb ich dieß Glück der Seelen, Dir werth zu seyn, für kindischen Gewinn, Für einen Ruhm der Welt, für Lüste, die mich quälen, Für Eitelkeit, und für ein Nichts dahin! Gott ist der Herr der Welt; auf seine Hülfe bauen, Ist meine Pflicht. Doch wenn gehorch ich ihr? Bald bebt mein Herz vor Furcht, und bald ist das Vertrauen, Das mich beseelt, nur ein Vertraun zu mir. Dieß ist des Menschen Herz. Wer hat dieß Herz verheeret? So kam es nicht, o Gott! aus deiner Hand. Der Mensch durch eigne Schuld hat seine Würd entehret; Und beides fiel, sein Herz und sein Verstand. Doch so verderbt wir sind, so schwach, uns selbst zu heilen; So steuert Gott doch der Verdorbenheit, Läßt durch sein heilig Wort uns neue Kraft ertheilen, Licht der Vernunft, dem Herzen Reinigkeit. Und du willst dieser Kraft, o Mensch! dich widersetzen? Sie beut sich an, du aber wehrest ihr? Und willst des größten Glücks dich selber unwerth schätzen? Erkenne Gott, noch steht dem Heil bey dir!

Der Weg des Frommen.

Wer Gottes Wege geht, nur der hat grossen Frieden, Er widersteht der bösen Lust; Er kämpft, und ist des Lohns, den Gott dem Kampf beschieden, Ist seiner Tugend sich bewußt. Er merkt auf seinen Gang, geht ihn mit heilgem Muthe, Wächst an Erkänntniß und an Kraft, Wird aus der Schwachheit stark, und liebt und schmeckt das Gute, Das Gott in seiner Seele schafft. Ihn hat er allezeit vor Augen und im Herzen, Prüft täglich sich vor seinem Thron, Bereut der Fehler Zahl, und tilgt der Sünden Schmerzen Durch Jesum Christum, seinen Sohn. Getreu in seinem Stand, genießt er Gottes Gaben, Wehrt seiner Seele Geiz und Neid, Und ist, wenn Andre gleich viel Weins und Kornes haben, In Gott bey wenigem erfreut. Schenkt seine Hand ihm viel: so wird er vielen nützen, Und, wie sein Gott, gutthätig seyn; Des Freundes Glück erhöhn, verlaßne Tugend schützen, Und selbst den Feind in Noth erfreun. Ihm ist es leichte Last, die Pflichten auszuüben, Die er dem Nächsten schuldig ist; Die Liebe gegen Gott heißt ihn die Menschen lieben; Und durch die Liebe siegt der Christ. Er kränket nie dein Glück, schützt deinen Ruhm, dein Leben; Denn er ehrt Gottes Bild in dir. Er trägt dich mit Geduld, ist willig zum Vergeben; Denn Gott, denkt er, vergiebt auch mir. Sein Beyspiel sucht dein Herz im Guten zu bestärken, Er nimmt an deiner Tugend Theil; Denn alle sind von Gott gezeugt zu guten Werken, Und haben Einen Herrn, Ein Heil. Dieß Heil der Ewigkeit, das hier der Fromme schmecket, Erhöht sein Glück, stillt seinen Schmerz, Giebt ihm Geduld und Muth. Kein Tod, der ihn erschrecket! Im Tode noch freut sich sein Herz.

Paßionslied.

Erforsche mich, erfahr mein Herz, Und sieh, Herr, wie ichs meyne. Ich denk an deines Leidens Schmerz, An deine Lieb, und weine. Dein Kreuz sey mir gebenedeyt! Welch Wunder der Barmherzigkeit Hast du der Welt erwiesen! Wenn hab ich dieß genug bedacht, Und dich aus aller meiner Macht Genug dafür gepriesen? Rath, Kraft, und Friedefürst und Held! In Fleisch und Blut gekleidet, Wirst du das Opfer für die Welt, Und deine Seele leidet. Dein Freund, der dich verräth, ist nah. Des Zornes Gottes Stund ist da, Und Schrecken strömen über. Du zagst, und fühlst der Höllen Weh: »Ists möglich, Vater, o so geh Der Kelch vor mir vorüber!« Dein Schweiß wird Blut; du ringst und zagst, Und fällst zur Erden nieder; Du, Sohn des Höchsten, kämpfst, und wagst Die erste Bitte wieder. Du fühlst, von Gott gestärkt im Streit, Die Schrecken einer Ewigkeit, Und Strafen sonder Ende. Auf dich nimmst du der Menschen Schuld, Und giebst mit göttlicher Geduld Dich in der Sünder Hände. Du trägst der Missethäter Lohn, Und hattest nie gesündigt; Du, der Gerechte, Gottes Sohn! So wars vorher verkündigt. Der Frechen Schaar begehrt dein Blut, Du duldest, göttlich groß, die Wut, Um Seelen zu erretten. Dein Mörder, Jesus, war auch ich; Denn Gott warf aller Sünd auf dich, Damit wir Friede hätten. Erniedrigt bis zur Knechtsgestalt, Und doch der Größt im Herzen, Erträgst du Spott, Schmach und Gewalt, Voll Krankheit und voll Schmerzen. Wir sahn dich, der Verheissung Ziel; Doch da war nichts, das uns gefiel, Und nicht Gestalt noch Schöne. Vor dir, Herr, unsre Zuversicht, Verbarg man selbst das Angesicht; Dich schmähn des Bundes Söhne. Ein Opfer nach dem ewgen Rath, Belegt mit unsern Plagen, Um deines Volkes Missethat Gemartert und zerschlagen, Gehst du den Weg zum Kreuzesstamm, In Unschuld stumm, gleich als ein Lamm, Das man zur Schlachtbank führet. Freywillig, als der Helden Held, Trägst du, aus Liebe für die Welt, Den Tod, der uns gebühret. »Sie haben meine Hände mir, Die Füsse mir durchgraben, Und grosse Farren sinds, die hier Mich, Gott! umringet haben. Ich heul, und meine Hülf ist fern. Sie spotten mein: Er klags dem Herrn, Ob dieser ihn befreyte! Du legst mich in des Todes Staub. Ich bin kein Mensch, ein Wurm; ein Raub Der Wut, ein Spott der Leute. »Ich ruf und du antwortest nie, Und mich verlassen alle. In meinem Durste reichen sie Mir Eßig dar und Galle. Wie Wachs zerschmelzt in mir mein Herz. Sie sehn mit Freuden meinen Schmerz, Die Arbeit meiner Seelen. Warum verläßt du deinen Knecht? Mein Gott! mein Gott! ich leid und möcht All mein Gebeine zählen.« Du neigst dein Haupt. Es ist vollbracht. Du stirbst! die Erd erschüttert. Die Arbeit hab ich dir gemacht. Herr, meine Seele zittert. Was ist der Mensch, den du befreyt? O wär ich doch ganz Dankbarkeit! Herr, laß mich Gnade finden. Und deine Liebe dringe mich, Daß ich dich wieder lieb, und dich Nie kreuzige mit Sünden! Welch Warten einer ewgen Pein Für die, die dich verachten; Die, solcher Gnade werth zu seyn, Nach keinem Glauben trachten! Für die, die dein Verdienst gestehn, Und dich durch ihre Laster schmähn, Als einen Sünderdiener! Wer dich nicht liebt, kömmt ins Gericht. Wer nicht dein Wort hält, liebt dich nicht; Ihm bist du kein Versühner. Du hasts gesagt. Du wirst die Kraft Zur Heiligung mir schenken. Dein Blut ists, das mir Trost verschafft, Wenn mich die Sünden kränken. Laß mich im Eifer des Gebets, Laß mich in Lieb und Demuth stets Vor dir erfunden werden. Dein Heil sey mir der Schirm in Noth, Mein Stab im Glück, mein Schild im Tod, Mein letzter Trost auf Erden!

Der thätige Glaube.

Wer Gottes Wort nicht hält, und spricht: Ich kenne Gott! der trüget; In solchem ist die Wahrheit nicht, Die durch den Glauben sieget. Wer aber sein Wort gläubt und hält, Der ist von Gott, nicht von der Welt. Der Glaube, den sein Wort erzeugt, Muß auch die Liebe zeugen. Je höher dein Erkenntniß steigt, Je mehr wird diese steigen. Der Glaub erleuchtet nicht allein; Er stärkt das Herz und macht es rein. Durch Jesum rein von Missethat, Sind wir nun Gottes Kinder. Wer solche Hoffnung zu ihm hat, Der flieht den Rath der Sünder; Folgt Christi Beyspiel, als ein Christ, Und reinigt sich, wie Er rein ist. Alsdann bin ich Gott angenehm, Wenn ich Gehorsam übe. Wer die Gebote hält, in dem Ist wahrlich Gottes Liebe. Ein täglich thätig Christenthum, Das ist des Glaubens Frucht und Ruhm. Der bleibt in Gott, und Gott in ihm, Wer in der Liebe bleibet. Die Lieb ists, die die Cherubim, Gott zu gehorchen, treibet. Gott ist die Lieb; an seinem Heil Hat ohne Liebe niemand Theil.

Warnung vor der Wollust.

Der Wollust Reiz zu widerstreben, Dieß, Jugend, liebst du Glück und Leben, Laß täglich deine Weisheit seyn. Entflieh der schmeichelnden Begierde; Sie raubet dir des Herzens Zierde, Und ihre Freuden werden Pein. Laß, ihr die Nahrung zu verwehren, Nie Speis und Trank dein Herz beschweren, Und sey ein Freund der Nüchternheit. Versage dir, dich zu besiegen, Auch öfters ein erlaubt Vergnügen, Und steure deiner Sinnlichkeit. Laß nicht dein Auge dir gebieten; Und sey, die Wollust zu verhüten, Stets schamhaft gegen deinen Leib. Entflieh des Witzlings freyen Scherzen, Und such im Umgang edler Herzen Dir Beyspiel, Witz, und Zeitvertreib. Der Mensch, zu Fleiß und Arbeit träge, Fällt auf des Müßigganges Wege Leicht in das Netz des Bösewichts. Der Unschuld Schutzwehr sind Geschäffte. Entzieh der Wollust ihre Kräfte Im Schweisse deines Angesichts. Erwacht ihr Trieb, dich zu bekämpfen; So wach auch du, ihn früh zu dämpfen, Eh er die Freyheit dir verwehrt. Ihn bald in der Geburt ersticken, Ist leicht; schwer ists, ihn unterdrücken, Wenn ihn dein Herz zuvor genährt. Oft kleiden sich des Lasters Triebe In die Gestalt erlaubter Liebe, Und du erblickst nicht die Gefahr. Ein langer Umgang macht dich freyer; Und oft wird ein verbotnes Feuer Aus dem, was Anfangs Freundschaft war. Dein fühlend Herz wird sichs verzeihen; Es wird des Lasters Ausbruch scheuen, Indem es seinen Trieb ernährt. Du wirst dich stark und sicher glauben, Und kleine Fehler dir erlauben, Bis deine Tugend sich entehrt. Doch nein, du sollst sie nicht entehren, Du sollst dir stets die That verwehren; Ist drum dein Herz schon tugendhaft? Ists Sünde nur, die That vollbringen? Sollst du nicht auch den Trieb bezwingen? Nicht auch den Wunsch der Leidenschaft? Begierden sind es, die uns schänden; Und ohne daß wir sie vollenden, Verletzen wir schon unsre Pflicht. Wenn du vor ihnen nicht erröthest, Nicht durch den Geist die Lüste tödtest; So rühme dich der Keuschheit nicht! Erfülle dich, scheinst du zu wanken, Oft mit dem mächtigen Gedanken: Die Unschuld ist der Seele Glück. Einmal verscherzt und aufgegeben, Verläßt sie mich im ganzen Leben, Und keine Reu bringt sie zurück. Denk oft bey dir: Der Wollust Bande Sind nicht nur dem Gewissen Schande, Sie sind auch vor der Welt ein Spott, Und könnt ich auch in Finsternissen Den Greul der Wollust ihr verschliessen: So sieht und findet mich doch Gott. Die Wollust kürzt des Lebens Tage, Und Seuchen werden ihre Plage, Da Keuschheit Heil und Leben erbt. Ich will mir dieß ihr Glück erwerben. Den wird Gott wiederum verderben, Wer seinen Tempel hier verderbt. Wie blühte nicht des Jünglings Jugend! Doch er vergaß den Weg der Tugend; Und seine Kräfte sind verzehrt. Verwesung schändet sein Gesichte, Und predigt schrecklich die Geschichte Der Lüste, die den Leib verheert. So rächt die Wollust an den Frechen Früh oder später die Verbrechen, Und züchtigt dich mit harter Hand. Ihr Gift wird dein Gewissen quälen; Sie raubet dir das Licht der Seelen, Und lohnet dir mit Unverstand. Sie raubt dem Herzen Muth und Stärke, Raubt ihm den Eifer edler Werke, Den Adel, welchen Gott ihm gab; Und unter deiner Lüste Bürde Sinkst du von eines Menschen Würde Zur Niedrigkeit des Thiers herab. Drum fliehe vor der Wollust Pfade, Und wach und rufe Gott um Gnade, Um Weisheit in Versuchung an. Erzittre vor dem ersten Schritte; Mit ihm sind schon die andern Tritte Zu einem nahen Fall gethan.

Morgengesang.

Mein erst Gefühl sey Preis und Dank; Erheb ihn, meine Seele! Der Herr hört deinen Lobgesang; Lobsing ihm, meine Seele! Mich selbst zu schützen, ohne Macht, Lag ich und schlief im Frieden. Wer schafft die Sicherheit der Nacht, Und Ruhe für die Müden? Wer wacht, wenn ich von mir nichts weis, Mein Leben zu bewahren; Wer stärkt mein Blut in seinem Fleiß, Und schützt mich vor Gefahren? Wer lehrt das Auge seine Pflicht, Sich sicher zu bedecken? Wer ruft dem Tag und seinem Licht, Die Seele zu erwecken? Du bist es, Herr und Gott der Welt, Und dein ist unser Leben. Du bist es, der es uns erhält, Und mirs itzt neu gegeben. Gelobet seyst du, Gott der Macht, Gelobt sey deine Treue! Daß ich nach einer sanften Nacht Mich dieses Tags erfreue. Laß deinen Segen auf mir ruhn, Mich deine Wege wallen; Und lehre du mich selber thun Nach deinem Wohlgefallen. Nimm meines Lebens gnädig wahr; Auf dich hofft meine Seele. Sey mir ein Retter in Gefahr, Ein Vater, wenn ich fehle. Gieb mir ein Herz voll Zuversicht, Erfüllt mit Lieb und Ruhe, Ein weises Herz, das seine Pflicht Erkenn und willig thue. Daß ich, als ein getreuer Knecht, Nach deinem Reiche strebe, Gottselig, züchtig und gerecht Durch deine Gnade lebe. Daß ich, dem Nächsten beyzustehn, Nie Fleiß und Arbeit scheue, Mich gern an Andrer Wohlergehn Und ihrer Tugend freue. Daß ich das Glück der Lebenszeit In deiner Furcht geniesse, Und meinen Lauf mit Freudigkeit Wenn du gebeutst, beschliesse.

Von der Quelle der guten Werke.

Wenn zur Vollführung deiner Pflicht Dich Gottes Liebe nicht beseelet: So rühme dich der Tugend nicht, Und wisse, daß dir alles fehlet. Wenn Vortheil, Wollust, Eigensinn Und Stolz dir nur das Gute rathen: So thue noch so gute Thaten; Du hast vor Gott den Lohn dahin. Sey durch die Gaben der Natur Das Wunder und das Glück der Erden! Beglückest du die Menschen nur, Um vor der Welt geehrt zu werden; Erfüllt die Liebe nicht dein Herz: So bist du bey den größten Gaben, Bey dem Verstand, den Engel haben, Vor Gott doch nur ein tönend Erz. Bau Häuser auf, und brich dein Brodt, Das Volck der Armen zu verpflegen; Entreiß die Wittwen ihrer Noth, Und sey der Waisen Schutz und Segen! Gieb alle deine Habe hin! Noch hast du nichts vor Gott gegeben. Wenn Lieb und Pflicht dich nicht beleben: So ist dir alles kein Gewinn. Thu Thaten, die der Heldenmuth Noch jemals hat verrichten können; Vergieß fürs Vaterland dein Blut, Laß deinen Leib für Andre brennen! Beseelet dich nicht Lieb und Pflicht; Bist du die Absicht deiner Thaten: So schütz und rette ganze Staaten; Gott achtet deiner Werke nicht. Läg ihm an unsern Werken nur: So könnt er uns, sie zu vollbringen, Sehr leicht durch Fessel der Natur, Durch Kräfte seiner Allmacht zwingen. Vor ihm, der alles schafft und giebt, Gilt Weisheit nichts, nichts Macht und Stärke. Er will, die Absicht deiner Werke, Ein Herz, das ihn verehrt und liebt. Ein Herz, von Eigenliebe fern, Fern von des Stolzes eitlem Triebe, Geheiligt durch die Furcht des Herrn, Erneut durch Glauben zu der Liebe; Dieß ists, was Gott von uns verlangt. Und wenn wir nicht dieß Herz besitzen: So wird ein Leben uns nichts nützen, Das mit den größten Thaten prangt. Drum täusche dich nicht durch den Schein, Nicht durch der Tugend blossen Namen. Sieh nicht auf deine Werk allein; Sieh auf den Quell, aus dem sie kamen. Prüf dich vor Gottes Angesicht, Ob seine Liebe dich beseelet. Ein Herz, dem nicht der Glaube fehlet, Dem fehlet auch die Liebe nicht. Wohnt Liebe gegen Gott in dir: So wird sie dich zum Guten stärken. Du wirst die Gegenwart von ihr An Liebe zu dem Nächsten merken. Die Liebe, die dich schmücken soll, Ist gütig; ohne List und Tücke; Beneidet nicht des Nächsten Glücke; Sie bläht sich nicht; ist langmuthsvoll. Sie deckt des Nächsten Fehler zu, Und freut sich niemals seines Falles. Sie suchet nicht bloß ihre Ruh; Sie hofft und gläubt und duldet alles. Sie ists, die dir den Muth verleiht, Des Höchsten Wort gern zu erfüllen, Macht seinen Sinn zu deinem Willen, Und folgt dir in die Ewigkeit.

Preis des Schöpfers.

Wenn ich, o Schöpfer! deine Macht, Die Weisheit deiner Wege, Die Liebe, die für alle wacht, Anbetend überlege: So weis ich, von Bewundrung voll Nicht, wie ich dich erheben soll, Mein Gott, mein Herr und Vater! Mein Auge sieht, wohin es blickt, Die Wunder deiner Werke. Der Himmel, prächtig ausgeschmückt, Preist dich, du Gott der Stärke! Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne? Wer mißt dem Winde seinen Lauf? Wer heißt die Himmel regnen? Wer schließt den Schooß der Erden auf, Mit Vorrath uns zu segnen? O Gott der Macht und Herrlichkeit! Gott, deine Güte reicht so weit, So weit die Wolken reichen! Dich predigt Sonnenschein und Sturm, Dich preist der Sand am Meere. Bringt, ruft auch der geringste Wurm, Bringt meinem Schöpfer Ehre! Mich, ruft der Baum in seiner Pracht, Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht; Bringt unserm Schöpfer Ehre! Der Mensch, ein Leib, den deine Hand So wunderbar bereitet; Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand, Dich zu erkennen, leitet; Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis, Ist sich ein täglicher Beweis Von deiner Güt und Grösse. Erheb ihn ewig, o mein Geist! Erhebe seinen Namen! Gott, unser Vater, sey gepreist, Und alle Welt sag Amen! Und alle Welt fürcht ihren Herrn, Und hoff auf ihn, und dien ihm gern! Wer wollte Gott nicht dienen?

Trost der Erlösung.

Gedanke, der uns Leben giebt, Welch Herz vermag dich auszudenken! »Also hat Gott die Welt geliebt, Uns seinen Sohn zu schenken!« Hoch über die Vernunft erhöht, Umringt mit heilgen Finsternissen, Füllst du mein Herz mit Majestät, Und stillest mein Gewissen. Ich kann der Sonne Wunder nicht, Noch ihren Lauf und Bau ergründen; Und doch kann ich der Sonne Licht Und ihre Wärm empfinden. So kann mein Geist den hohen Rath Des Opfers Jesu nicht ergründen; Allein das Göttliche der That, Das kann mein Herz empfinden. Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ Am Kreuz nicht meine Schuld getragen, Nicht Gott und mein Erlöser ist: So werd ich angstvoll zagen. Ist Christi Wort nicht Gottes Sinn: So werd ich ewig irren müssen, Und wer Gott ist, und was ich bin, Und werden soll, nicht wissen. Nein, diesen Trost der Christenheit Soll mir kein frecher Spötter rauben; Ich fühle seine Göttlichkeit, Und halte fest am Glauben. Des Sohnes Gottes Eigenthum, Durch ihn des ewgen Lebens Erbe, Dieß bin ich; und das ist mein Ruhm, Auf den ich leb und sterbe. Er giebt mir seinen Geist, das Pfand, Daran wir seine Liebe merken, Und bildet uns durch seine Hand Zu allen guten Werken. So lang ich seinen Willen gern Mit einem reinen Herzen thue; So fühl ich eine Kraft des Herrn, Und schmecke Fried und Ruhe. Und wenn mich meine Sünde kränkt, Und ich zu seinem Kreuze trete: So weis ich, daß er mein gedenkt, Und thut, warum ich bete. Ich weis, daß mein Erlöser lebt, Daß ich, erwecket aus der Erde, Wenn er sich zum Gericht erhebt, Im Fleisch ihn schauen werde. Kann unsre Lieb im Glauben hier Für den, der uns geliebt, erkalten? Dieß ist die Lieb, o Gott! zu dir, Dein Wort von Herzen halten. Erfüll mein Herz mit Dankbarkeit, So oft ich deinen Namen nenne, Und hilf, daß ich dich allezeit Treu vor der Welt bekenne. Soll ich dereinst noch würdig seyn, Um deinetwillen Schmach zu leiden: So laß mich keine Schmach und Pein Von deiner Liebe scheiden! Und soll ich, Gott, nicht für und für Des Glaubens Freudigkeit empfinden: So wirk er doch sein Werk in mir, Und reinge mich von Sünden. Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt: (So laß mich noch im Tode denken!) Wie sollt uns der, der ihn geschenkt, Mit ihm nicht alles schenken!

Lied am Geburtstage.

Dir dank ich heute für mein Leben; Am Tage, da du mirs gegeben, Dank ich dir, Gott, dafür. Durch freye Gnad allein bewogen, Hast du mich aus dem Nichts gezogen; Durch deine Güte bin ich hier. Du hast mich wunderbar bereitet, An deiner Rechten mich geleitet, Bis diesen Augenblick. Du gabst mir tausend frohe Tage, Verwandeltest selbst meine Klage Und meine Leiden in mein Glück. Ich bin der Treue zu geringe, Mit der du, Herrscher aller Dinge, Stets über mich gewacht. O Gott! damit ich glücklich werde, Hast du an mich, mich Staub und Erde, Von Ewigkeit her schon gedacht! Du sahst und hörtest schon mein Sehnen, Und zähltest alle meine Thränen, Eh ich bereitet war; Und wogst, eh ich zu seyn begonnte, Eh ich zu dir noch rufen konnte, Mir mein bescheiden Theil schon dar. Du ließt mich Gnade vor dir finden; Und sahst doch alle meine Sünden Vorher von Ewigkeit. O welche Liebe! welch Erbarmen! Der Herr der Welt sorgt für mich Armen, Und ist ein Vater, der verzeiht. Für alle Wunder deiner Treue, Für alles, dessen ich mich freue, Lobsinget dir mein Geist. Er selber ist dein größt Geschenke; Dein ists, daß ich durch ihn dich denke, Und dein, daß er dich heute preist. Daß du mein Leben mir gefristet, Mit Stärk und Kraft mich ausgerüstet, Dieß, Vater, dank ich dir; Daß du mich wunderbar geführet, Mit deinem Geiste mich regieret, Dieß alles, Vater, dank ich dir. Soll ich, o Gott! noch länger leben; So wirst du, was mir gut ist, geben; Du giebsts, ich hoff auf dich. Dir, Gott, befehl ich Leib und Seele. Der Herr, Herr, dem ich sie befehle, Der segne und behüte mich!

Vom Worte Gottes.

Gott ist mein Hort! Und auf sein Wort Soll meine Seele trauen. Ich wandle hier, Mein Gott, vor dir Im Glauben, nicht im Schauen. Dein Wort ist wahr; Laß immerdar Mich seine Kräfte schmecken. Laß keinen Spott, O Herr mein Gott, Mich von dem Glauben schrecken! Wo hätt ich Licht, Wofern mich nicht Dein Wort die Wahrheit lehrte? Gott, ohne sie Verstünd ich nie, Wie ich dich würdig ehrte. Dein Wort erklärt Der Seele Werth, Unsterblichkeit und Leben. Zur Ewigkeit Ist diese Zeit Von dir mir übergeben. Dein ewger Rath, Die Missethat Der Sünder zu versühnen; Den kennt ich nicht, Wär mir dieß Licht Nicht durch dein Wort erschienen. Nun darf mein Herz In Reu und Schmerz Der Sünden nicht verzagen; Nein du verzeihst, Lehrst meinen Geist Ein gläubig Abba sagen. Mich zu erneun, Mich dir zu weihn, Ist meines Heils Geschäffte. Durch meine Müh Vermag ichs nie; Dein Wort giebt mir die Kräfte. Herr, unser Hort, Laß uns dieß Wort! Denn du hasts uns gegeben. Es sey mein Theil, Es sey mir Heil, Und Kraft zum ewgen Leben!

Weihnachtslied.

Dieß ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist! Die Völker haben dein geharrt, Bis daß die Zeit erfüllet ward; Da sandte Gott von seinem Thron Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn. Wenn ich dieß Wunder fassen will: So steht mein Geist vor Ehrfurcht still; Er betet an, und er ermißt, Daß Gottes Lieb unendlich ist. Damit der Sünder Gnad erhält, Erniedrigst du dich, Herr der Welt, Nimmst selbst an unsrer Menschheit Theil, Erscheinst im Fleisch, und wirst uns Heil. Dein König, Zion, kömmt zu dir. »Ich komm, im Buche steht von mir; Gott, deinen Willen thu ich gern.« Gelobt sey, der da kömmt im Herrn! Herr, der du Mensch gebohren wirst, Immanuel und Friedefürst, Auf den die Väter hoffend sahn, Dich, Gott Meßias, bet ich an. Du, unser Heil und höchstes Gut, Vereinest dich mit Fleisch und Blut, Wirst unser Freund und Bruder hier, Und Gottes Kinder werden wir. Gedanke voller Majestät! Du bist es, der das Herz erhöht. Gedanke voller Seligkeit! Du bist es, der das Herz erfreut. Durch Eines Sünde fiel die Welt. Ein Mittler ists, der sie erhält. Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt, Der in des Vaters Schoosse sitzt? Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt, Den Tag der heiligsten Geburt; Und Erde, die ihn heute sieht, Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied! Dieß ist der Tag, den Gott gemacht; Sein werd in aller Welt gedacht! Ihn preise, was durch Jesum Christ Im Himmel und auf Erden ist!

Geduld.

Ein Herz, o Gott! in Leid und Kreuz geduldig, Das bin ich dir und meinem Heile schuldig. Laß mich die Pflicht, die wir so oft vergessen, Täglich ermessen. Bin ich nicht Staub, wie alle meine Väter? Bin ich vor dir, Herr, nicht ein Uebertreter? Thu ich zu viel, wenn ich die schweren Tage Standhaft ertrage? Wie oft, o Gott! wenn wir das Böse dulden, Erdulden wir nur unsrer Thorheit Schulden, Und nennen Lohn, den wir verdient bekommen, Trübsal der Frommen! Ist Dürftigkeit, in der die Trägen klagen, Sind Haß und Pein, die Stolz und Wollust tragen, Des Schwelgers Schmerz, des Neids vermißte Freuden, Christliches Leiden? Ist deren Quaal, die deinen Rath verachtet, Nach Gottesfurcht und Glauben nie getrachtet, Und die sich itzt in finstrer Schwermuth quälen, Prüfung der Seelen? Doch selbst, o Gott! in Strafen unsrer Sünden Läßt du den Weg zu unserm Heil uns finden, Wenn wir sie uns, die Missethat zu hassen, Züchtigen lassen. Jag ich nur nach dem Frieden im Gewissen: Wird alles mir zum Besten dienen müssen. Du, Herr, regierst, und ewig wirkt dein Wille Gutes die Fülle. Ich bin ein Gast und Pilger auf der Erden, Nicht hier, erst dort, dort soll ich glücklich werden; Und gegen euch, was sind, ihr ewgen Freuden, Dieser Zeit Leiden? Wenn ich nur nicht mein Elend selbst verschulde; Wenn ich als Mensch, als Christ, hier leid und dulde: So kann ich mich der Hülfe der Erlösten Sicher getrösten. Ich bin ein Mensch, und Leiden müssen kränken; Doch in der Noth an seinen Schöpfer denken, Und ihm vertraun, dieß stärket unsre Herzen, Mitten in Schmerzen. Schau über dich! Wer trägt der Himmel Heere? Merk auf! Wer spricht: Bis hieher! zu dem Meere? Ist er nicht auch dein Helfer und Berather, Ewig dein Vater? Willst du so viel, als der Allweise, wissen? Itzt weißt du nicht, warum du leiden müssen; Allein du wirst, was seine Wege waren, Nachmals erfahren. Er züchtigt uns, damit wir zu ihm nahen, Die Heiligung des Geistes zu empfahen, Und mit dem Trost der Hülfe, die wir merken, Andre zu stärken. Das Kreuz des Herrn wirkt Weisheit und Erfahrung; Erfahrung giebt dem Glauben Muth und Nahrung. Ein starkes Herz steht in der Noth noch feste. Hoffe das Beste!

Gottes Macht und Vorsehung.

Gott ist mein Lied! Er ist der Gott der Stärke; Hehr ist sein Nam, und groß sind seine Werke, Und alle Himmel sein Gebiet. Er will und sprichts; So sind und leben Welten. Und er gebeut; so fallen durch sein Schelten Die Himmel wieder in ihr Nichts. Licht ist sein Kleid, Und seine Wahl das Beste; Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste Ist Wahrheit und Gerechtigkeit. Unendlich reich, Ein Meer von Seligkeiten, Ohn Anfang Gott, und Gott in ewgen Zeiten! Herr aller Welt, wer ist dir gleich? Was ist und war, In Himmel, Erd und Meere, Das kennet Gott, und seiner Werke Heere Sind ewig vor ihm offenbar. Er ist um mich, Schafft, daß ich sicher ruhe; Er schafft, was ich vor oder nachmals thue, Und er erforschet mich und dich. Er ist dir nah, Du sitzest oder gehest; Ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest: So ist er allenthalben da. Er kennt mein Flehn Und allen Rath der Seele. Er weis, wie oft ich Gutes thu und fehle, Und eilt, mir gnädig beyzustehn. Er wog mir dar, Was er mir geben wollte, Schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte, Da ich noch unbereitet war. Nichts, nichts ist mein, Das Gott nicht angehöre. Herr, immerdar soll deines Namens Ehre, Dein Lob in meinem Munde seyn! Wer kann die Pracht Von deinen Wundern fassen? Ein jeder Staub, den du hast werden lassen, Verkündigt seines Schöpfers Macht. Der kleinste Halm Ist deiner Weisheit Spiegel, Du, Luft und Meer, ihr Auen, Thal und Hügel, Ihr seyd sein Loblied und sein Psalm! Du tränkst das Land, Führst uns auf grüne Weiden; Und Nacht und Tag, und Korn und Wein und Freuden Empfangen wir aus deiner Hand. Kein Sperling fällt, Herr, ohne deinen Willen; Sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen, Daß deine Hand mein Leben hält? Ist Gott mein Schutz, Will Gott mein Retter werden: So frag ich nichts nach Himmel und nach Erden, Und biete selbst der Hölle Trutz.

Die Liebe des Nächsten.

So jemand spricht: Ich liebe Gott! Und haßt doch seine Brüder, Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott, Und reißt sie ganz darnieder. Gott ist die Lieb, und will, daß ich Den Nächsten liebe, gleich als mich. Wer dieser Erden Güter hat, Und sieht die Brüder leiden, Und macht den Hungrigen nicht satt, Läßt Nackende nicht kleiden; Der ist ein Feind der ersten Pflicht, Und hat die Liebe Gottes nicht. Wer seines Nächsten Ehre schmäht, Und gern sie schmähen höret, Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht, Und nichts zum Besten kehret; Nicht dem Verläumder widerspricht; Der liebt auch seinen Bruder nicht. Wer zwar mit Rath, mit Trost und Schutz Den Nächsten unterstützet, Doch nur aus Stolz, aus Eigennutz, Aus Weichlichkeit ihm nützet; Nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht; Der liebt auch seinen Nächsten nicht. Wer harret, bis, ihn anzuflehn, Ein Dürftger erst erscheinet, Nicht eilt, dem Frommen beyzustehn, Der im Verborgnen weinet; Nicht gütig forscht, obs ihm gebricht; Der liebt auch seinen Nächsten nicht. Wer Andre, wenn er sie beschirmt, Mit Härt und Vorwurf quälet, Und ohne Nachsicht straft und stürmt, So bald sein Nächster fehlet; Wie bleibt bey seinem Ungestüm Die Liebe Gottes wohl in ihm? Wer für der Armen Heil und Zucht Mit Rath und That nicht wachet, Dem Uebel nicht zu wehren sucht, Das oft sie dürftig machet; Nur sorglos ihnen Gaben giebt; Der hat sie wenig noch geliebt. Wahr ist es, du vermagst es nicht, Stets durch die That zu lieben. Doch bist du nur geneigt, die Pflicht Getreulich auszuüben, Und wünschest dir die Kraft dazu, Und sorgst dafür: so liebest du. Ermattet dieser Trieb in dir: So such ihn zu beleben. Sprich oft: Gott ist die Lieb, und mir Hat er sein Bild gegeben. Denk oft: Gott, was ich bin, ist dein; Sollt ich, gleich dir, nicht gütig seyn? Wir haben Einen Gott und Herrn, Sind Eines Leibes Glieder; Drum diene deinem Nächsten gern; Denn wir sind alle Brüder. Gott schuf die Welt nicht bloß für mich; Mein Nächster ist sein Kind, wie ich. Ein Heil ist unser aller Gut. Ich sollte Brüder hassen, Die Gott durch seines Sohnes Blut So hoch erkaufen lassen? Daß Gott mich schuf, und mich versühnt, Hab ich dieß mehr, als sie, verdient? Du schenkst mir täglich so viel Schuld, Du Herr von meinen Tagen! Ich aber sollte nicht Geduld Mit meinen Brüdern tragen? Dem nicht verzeihn, dem du vergiebst, Und den nicht lieben, den du liebst? Was ich den Frommen hier gethan, Dem Kleinsten auch von diesen, Das sieht Er, mein Erlöser, an, Als hätt ichs ihm erwiesen. Und ich, ich sollt ein Mensch noch seyn, Und Gott in Brüdern nicht erfreun? Ein unbarmherziges Gericht Wird über den ergehen, Der nicht barmherzig ist, der nicht Die rettet, die ihn flehen. Drum gieb mir, Gott! durch deinen Geist Ein Herz, das dich durch Liebe preist.

Abendlied.

Für alle Güte sey gepreist, Gott Vater, Sohn und heilger Geist! Ihr bin ich zu geringe. Vernimm den Dank, Den Lobgesang, Den ich dir kindlich singe. Du nahmst dich meiner herzlich an, Hast Grosses heut an mir gethan, Mir mein Gebet gewähret; Hast väterlich Mein Haus und mich Beschützet und genähret. Herr, was ich bin, ist dein Geschenk; Der Geist, mit dem ich dein gedenk, Ein ruhiges Gemüthe; Was ich vermag Bis diesen Tag, Ist alles deine Güte. Sey auch, nach deiner Lieb und Macht, Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht; Vergieb mir meine Sünden. Und kömmt mein Tod, Herr Zebaoth, So laß mich Gnade finden.

Auf die Himmelfahrt des Erlösers.

Jauchzt, ihr Erlösten, dem Herrn; Er hat sein Werk vollendet; Deß müsse sich der Erdkreis freun! Er fährt verkläret hinauf zu dem, der ihn gesendet, Und nimmt die Himmel wieder ein. Der Herr, nachdem er das Heil und unvergänglich Leben Auf Erden an das Licht gebracht, Den Weg zu Gott uns gelehrt, sich selbst für uns gegeben, Fährt auf zur Rechten seiner Macht. Sein, sein ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden, Und uns hat er das Heil verdient. Wer sein Wort gläubet und hält, soll nicht verloren werden; Er hat die Welt mit Gott versühnt. Hoch über alle Vernunft besiegt er ihr Verderben, Und seine Lieb ermüdet nie. Ein unvergängliches Glück den Menschen zu erwerben, So heiligt er sich selbst für sie. Jauchzt, ihr Gerechten, dem Herrn, und preiset seinen Namen! Ihm danken, das ist unsre Pflicht. Wir sind glückselig in ihm. Sein Wort ist Ja und Amen; Und Gott ist unsre Zuversicht. Preist, ihr Erlösten, den Herrn, und rühmet all, ihr Frommen! Er fährt gen Himmel, als ein Held, In Wolken fährt er hinauf; so wird er wiederkommen, Ein Herr und Richter aller Welt. Dieß ist des Gläubigen Trost, verklärt ihn einst zu schauen, Und seiner Liebe sich zu freun. Dieß ist des Gläubigen Pflicht, ihm ewig zu vertrauen, Und sich durch Tugend ihm zu weihn. Wer des Erlösers sich schämt, deß wird auch er sich schämen; Den wieder ehren, der ihn ehrt. Laß uns das Leben von dir und Gnad um Gnade nehmen, Herr, dessen Herrschaft ewig währt! Ich bin ein irrendes Schaf, du weisest mich zu rechte, Und leitest mich nach deinem Rath; Machst mich vom Knechte der Welt zu einem deiner Knechte, Und tilgest meine Missethat. Was ist die Hoheit der Welt? Sie rührt den Christen wenig. Du kleidest ihn mit Ruhm und Pracht. Was ist die Hoheit der Welt? Zum Priester und zum König Bin ich durch dich vor Gott gemacht. Dank sey dem Heiland der Welt! Er hat sein Werk vollführet. Frohlock ihm, Volk der Christenheit! Er sitzt zur Rechten des Herrn. Er lebet und regieret Von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Am Communiontage.

Ich komme, Herr, und suche dich, Mühselig und beladen. Gott, mein Erbarmer, würdge mich Des Wunders deiner Gnaden. Ich liege hier vor deinem Thron, Sohn Gottes und des Menschen Sohn, Mich deiner zu getrösten. Ich fühle meiner Sünden Müh; Ich suche Ruh, und finde sie Im Glauben der Erlösten. Dich bet ich zuversichtlich an, Du bist das Heil der Sünder. Du hast die Handschrift abgethan, Und wir sind Gottes Kinder. Ich denk an deines Leidens Macht, Und an dein Wort: Es ist vollbracht! Du hast mein Heil verdienet. Du hast für mich dich dargestellt. Gott war in dir, und hat die Welt In dir mit sich versühnet. So freue dich, mein Herz, in mir! Er tilget deine Sünden, Und läßt an seiner Tafel hier Dich Gnad um Gnade finden. Du rufst, und er erhört dich schon, Spricht liebreich: Sey getrost, mein Sohn! Die Schuld ist dir vergeben. Du bist in meinen Tod getauft, Und du wirst dem, der dich erkauft, Von ganzem Herzen leben. Dein ist das Glück der Seligkeit; Bewahr es hier im Glauben, Und laß durch keine Sicherheit Dir deine Krone rauben. Sieh, ich vereine mich mit dir; Ich bin der Weinstock, bleib an mir: So wirst du Früchte bringen. Ich helfe dir, ich stärke dich; Und durch die Liebe gegen mich Wird dir der Sieg gelingen. Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot; Ich will es treu erfüllen, Und bitte dich, durch deinen Tod, Um Kraft zu meinem Willen. Laß mich von nun an würdig seyn, Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn, Und deinen Tod zu preisen. Laß mich den Ernst der Heiligung Durch eine wahre Besserung Mir und der Welt beweisen!

Zufriedenheit mit seinem Zustande.

Du klagst, und fühlest die Beschwerden Des Stands, in dem du dürftig lebst; Du strebest glücklicher zu werden, Und siehst, daß du vergebens strebst. Ja, klage! Gott erlaubt die Zähren; Doch denk im Klagen auch zurück. Ist denn das Glück, das wir begehren, Für uns auch stets ein wahres Glück? Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter Dem Menschen die Zufriedenheit. Die wahre Ruhe der Gemüther Ist Tugend und Genügsamkeit. Geniesse, was dir Gott beschieden, Entbehre gern, was du nicht hast. Ein jeder Stand hat seinen Frieden, Ein jeder Stand auch seine Last. Gott ist der Herr, und seinen Segen Vertheilt er stets mit weiser Hand; Nicht so, wie wirs zu wünschen pflegen, Doch so, wie ers uns heilsam fand. Willst du zu denken dich erkühnen, Daß seine Liebe dich vergißt? Er giebt uns mehr, als wir verdienen, Und niemals, was uns schädlich ist. Verzehre nicht des Lebens Kräfte In träger Unzufriedenheit; Besorge deines Stands Geschäffte, Und nütze deine Lebenszeit. Bey Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben, Ein ewig Glück in Hoffnung sehn, Dieß ist der Weg zu Ruh und Leben. Herr, lehre diesen Weg mich gehn!

Vom Tode.

Meine Lebenszeit verstreicht, Stündlich eil ich zu dem Grabe, Und was ists, das ich vielleicht, Das ich noch zu leben habe? Denk, o Mensch! an deinen Tod. Säume nicht; denn Eins ist noth. Lebe, wie du, wenn du stirbst, Wünschen wirst, gelebt zu haben. Güter, die du hier erwirbst, Würden, die dir Menschen gaben; Nichts wird dich im Tod erfreun; Diese Güter sind nicht dein. Nur ein Herz, das Gutes liebt, Nur ein ruhiges Gewissen, Das vor Gott dir Zeugniß giebt, Wird dir deinen Tod versüssen; Dieses Herz, von Gott erneut, Ist des Todes Freudigkeit. Wenn in deiner letzten Noth Freunde hülflos um dich beben: Dann wird über Welt und Tod Dich dieß reine Herz erheben; Dann erschreckt dich kein Gericht; Gott ist deine Zuversicht. Daß du dieses Herz erwirbst, Fürchte Gott, und bet und wache. Sorge nicht, wie früh du stirbst; Deine Zeit ist Gottes Sache. Lern nicht nur den Tod nicht scheun, Lern auch seiner dich erfreun. Ueberwind ihn durch Vertraun, Sprich: Ich weis, an wen ich gläube, Und ich weis, ich werd ihn schaun Einst in diesem meinem Leibe. Er, der rief: Es ist vollbracht! Nahm dem Tode seine Macht. Tritt im Geist zum Grab oft hin, Siehe dein Gebein versenken; Sprich: Herr, daß ich Erde bin, Lehre du mich selbst bedenken; Lehre du michs jeden Tag, Daß ich weiser werden mag!

Wider den Aufschub der Bekehrung.

Willst du die Busse noch, die Gott gebeut, verschieben: So schändest du sein Wort, und mußt dich selbst nicht lieben, Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück? Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick? Allein wie schwer ists nicht, sein eigen Herz bekämpfen, Begierden widerstehn, und seine Lüste dämpfen? Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh Ist dieß der einzge Weg. Und dem entsagest du? Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen? Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen. Was weigerst du dich noch? Ist Gott denn ein Tyrann, Der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann? Sprich selbst: gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene, Und, seiner werth zu seyn, im Glauben mich erkühne? Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr, gebeut, Wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit? Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen? Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen. Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu seyn? Weil sie dich glücklich macht, befiehlt sie Gott allein. Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen. Soll er durch Allmacht dich, ihm zu gehorchen, zwingen? Er gab dir die Vernunft; und du verleugnest sie? Er sendet dir sein Wort; und du gehorchst ihm nie? Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab es ihm verheissen, Mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureissen; Itzt ist dieß Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit, Die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit? Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen, Je stärker wird der Hang, die That zu wiederholen. Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu seyn: Um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun! Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken? Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken? Ist ein Geschrey zu Gott, ein Wunsch nach Besserung, Und Angst der Missethat, die wahre Heiligung? Ists gnug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten, Wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrösten; Ist das Bekenntniß gnug, daß uns die Sünde reut: So ist kein leichter Werk? als deine Seligkeit. Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen; Ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen; Ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst: So zittre vor dir selbst, wenn du dieß Werk verschiebst. Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäffte? Nein, Mensch! Und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte? Erschreckt dich nicht sein Wort? Giebt in verkehrten Sinn Den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin? Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben, Und, sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben? Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht: So ist es nicht von Gott. Gott widerspricht sich nicht. Noch heute, weil du lebst, und seine Stimme hörest, Noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest. Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein Dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereun. Entschliesse dich beherzt, dich selber zu besiegen; Der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen. Was zagst du? Geht er gleich im Anfang langsam fort; Sey wacker! Gott ist nah, und stärkt dich durch sein Wort. Ruf ihn in Demuth an; er tilget deine Sünden. Und läßt dich sein Gesetz erst ihren Fluch empfinden: So widerstreb ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit Wirkt eine Reu in dir, die niemals dich gereut. So süß ein Laster ist, so giebts doch keinen Frieden. Der Tugend nur allein hat Gott dieß Glück beschieden. Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Theil; Ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil. Die Busse führt dich nicht in eine Welt voll Leiden; Gott kennt und liebt dein Glück; sie führt zu deinen Freuden; Macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht, Giebt Weisheit und Verstand, und Muth zu deiner Pflicht. Sprich selbst: Ist dieß kein Glück, mit ruhigem Gewissen Die Güter dieser Welt, des Lebens Glück geniessen, Und mäßig und gerecht in dem Genusse seyn, Und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freun?

Bußlied.

An dir allein, an dir hab ich gesündigt, Und übel oft vor dir gethan. Du siehst die Schuld, die mir den Fluch verkündigt; Sieh, Gott, auch meinen Jammer an. Dir ist mein Flehn, mein Seufzen nicht verborgen, Und meine Thränen sind vor dir. Ach Gott, mein Gott, wie lange soll ich sorgen? Wie lang entfernst du dich von mir? Herr, handle nicht mit mir nach meinen Sünden, Vergilt mir nicht nach meiner Schuld. Ich suche dich; laß mich dein Antlitz finden, Du Gott der Langmuth und Geduld. Früh wollst du mich mit deiner Gnade füllen, Gott, Vater der Barmherzigkeit. Erfreue mich um deines Namens willen; Du bist ein Gott, der gern erfreut. Laß deinen Weg mich wieder freudig wallen, Und lehre mich dein heilig Recht, Mich täglich thun nach deinem Wohlgefallen; Du bist mein Gott, ich bin dein Knecht. Herr, eile du, mein Schutz, mir beyzustehen, Und leite mich auf ebner Bahn. Er hört mein Schreyn, der Herr erhört mein Flehen, Und nimmt sich meiner Seelen an.

Die Liebe der Feinde.

Nie will ich dem zu schaden suchen, Der mir zu schaden sucht. Nie will ich meinem Feinde fluchen, Wenn er aus Haß mir flucht. Mit Güte will ich ihm begegnen, Nicht drohen, wenn er droht. Wenn er mich schilt, will ich ihn segnen; Dieß ist des Herrn Gebot. Er, der von keiner Sünde wußte, Vergalt die Schmach mit Huld, Und litt, so viel er leiden mußte, Mit Sanftmuth und Geduld. Will ich, sein Jünger, wiederschelten, Da er nicht wiederschalt? Mit Liebe nicht den Haß vergelten, Wie er den Haß vergalt? Wahr ists, Verläumdung dulden müssen, Ist eine schwere Pflicht. Doch selig, wenn ein gut Gewissen Zu unsrer Ehre spricht! Dieß will ich desto mehr bewahren; So bessert mich mein Feind, Und lehrt mich, weiser nur verfahren, Indem ers böse meynt. Ich will mich vor den Fehlern hüten, Die er von mir ersann; Und auch die Fehler mir verbieten, Die er nicht wissen kann. So will ich mich durch Sanftmuth rächen, An ihm das Gute sehn, Und dieses Gute von ihm sprechen; Wie könnt er länger schmähn! In seinem Haß ihn zu ermüden, Will ich ihm gern verzeihn, Und als ein Christ bereit zum Frieden, Bereit zu Diensten seyn. Und wird er, mich zu untertreten, Durch Güte mehr erhitzt: Will ich im Stillen für ihn beten, Und Gott vertraun; Gott schützt.

Demuth.

Herr! lehre mich, wenn ich der Tugend diene, Daß nicht mein Herz des Stolzes sich erkühne, Und nicht auf sie vermessen sey. Herr! lehre mich, wie oft ich fehle, merken. Was ist der Mensch bey seinen besten Werken? Wenn sind sie von Gebrechen frey? Wie oft fehlt mir zum Guten selbst der Wille! Wie oft, wenn ich auch dein Gebot erfülle, Erfüll ichs minder, als ich soll! Sind Lieb und Furcht stets die Bewegungsgründe Der guten That, der unterlaßnen Sünde? Und ist mein Herz des Eifers voll? Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, Gedenke nicht der unvollkommnen Tugend Der reifern Jahre meiner Zeit. Wenn ich noch oft aus Stolz nach Tugend strebe, Aus Menschenfurcht mich Lastern nicht ergebe; Was ist denn meine Frömmigkeit? Wenn ich den Geiz aus Furcht der Schande fliehe, Aus Weichlichkeit mich wohlzuthun bemühe, Und mäßig bin, gesund zu seyn; Wenn ich die Rach aus Eigennutze hasse, Der Ehrsucht Pfad aus Trägheit nur verlasse; Was ist an dieser Tugend mein? Und Gott, wie oft sind unsre besten Triebe Nicht Frömmigkeit, nicht Früchte deiner Liebe, Nur Früchte der Natur und Zeit! Wenn fühlen wir der Tugend ganze Würde? Wenn ist dein Joch uns eine leichte Bürde, Und dein Gebot Zufriedenheit? Doch, Herr, mein Gott! wenn auch zu deiner Ehre Mein Herze rein, rein meine Tugend wäre; Weß ist denn dieses Eigenthum? Wer ließ mich früh zur Tugend unterrichten, Mein Glück mich sehn in meines Lebens Pflichten, Und im Gehorsam meinen Ruhm? Wer gab mir Muth, Herr, dein Gebot zu lieben? Wer gab mir Kraft, es freudig auszuüben, Und in Versuchung Schild und Sieg? Weß ist der Quell, der mich mit Weisheit tränkte? Und weß der Freund, der mich zum Guten lenkte? Und mir den Fehler nicht verschwieg? Du triebst mich an, daß ich das Gute wählte, Und riefst mich oft, wenn ich des Wegs verfehlte, Durch Stimmen deines Geists zurück; Zogst mich durch Kreuz, durch Wohlthat auch, von Sünden, Ließt, wenn ich rief, mich wieder Gnade finden, Und gabst zu meiner Beßrung Glück. Was ist der Mensch, daß du, Gott, sein gedenkest, Gerechtigkeit in deinem Sohn ihm schenkest, Und zur Belohnung selbst ein Recht? Und wenn ich nun, durch deines Geistes Gabe, Des Glaubens Kraft, und alle Werke habe, Wer bin ich? Ein unnützer Knecht.

Weihnachtslied.

Auf, schicke dich, Recht feyerlich Des Heilands Fest mit Danken zu begehen! Lieb ist der Dank, Der Lobgesang, Durch den wir ihn, den Gott der Lieb, erhöhen. Sprich dankbar froh: Also, also Hat Gott die Welt in seinem Sohn geliebet! O, wer bin ich, Herr, daß du mich So herrlich hoch in deinem Sohn geliebet? Er, unser Freund, Mit uns vereint, Zur Zeit, da wir noch seine Feinde waren; Er wird uns gleich, Um Gottes Reich Und seine Lieb im Fleisch zu offenbaren. An ihm nimm Theil, Er ist das Heil; Thu täglich Buß und gläub an seinen Namen. Der ehrt ihn nicht, Wer Herr, Herr, spricht, Und doch nicht sucht sein Beyspiel nachzuahmen. Aus Dank will ich In Brüdern dich, Dich, Gottessohn, bekleiden, speisen, tränken; Der Frommen Herz In ihrem Schmerz Mit Trost erfreun, und dein dabey gedenken. Rath, Kraft und Held, Durch den die Welt Und alles ist, im Himmel und auf Erden! Die Christenheit Preist dich erfreut, Und aller Knie soll dir gebeuget werden. Erhebt den Herrn! Er hilft uns gern, Und wer ihn sucht, den wird sein Name trösten. Alleluja! Alleluja! Freut euch des Herrn, und jauchzt ihm, ihr Erlösten!

Das Glück eines guten Gewissens.

Besitz ich nur Ein ruhiges Gewissen: So ist für mich, wenn Andre zagen müssen, Nichts schreckliches in der Natur. Dieß sey mein Theil! Dieß soll mir Niemand rauben. Ein reines Herz von ungefärbtem Glauben, Der Friede Gottes nur ist Heil. Welch ein Gewinn, Wenn meine Sünde schweiget; Wenn Gottes Geist in meinem Geiste zeuget, Daß ich sein Kind und Erbe bin! Und diese Ruh, Den Trost in unserm Leben, Sollt ich für Lust, für Lust der Sinne geben? Dieß lasse Gottes Geist nicht zu! In jene Pein, Mich selber zu verklagen, Der Sünde Fluch mit mir umher zu tragen; In diese stürz ich mich hinein? Laß auch die Pflicht, Dich selber zu besiegen, Die schwerste seyn! Sie ists; doch welch Vergnügen Wird sie nach der Vollbringung nicht! Welch Glück! zu sich Mit Wahrheit sagen können: Ich fühlt in mir des Bösen Lust entbrennen; Doch, Dank sey Gott! ich schützte mich. Und welch Gericht! Selbst zu sich sagen müssen: Ich konnte mir den Weg zum Fall verschliessen; Und doch verschloß ich mir ihn nicht. Was kann im Glück Den Werth des Glücks erhöhen? Ein ruhig Herz versüßt im Wohlergehen, Dir jeden frohen Augenblick. Was kann im Schmerz Den Schmerz der Leiden stillen; Im schwersten Kreuz mit Freuden dich erfüllen? Ein in dem Herrn zufriednes Herz. Was giebt dir Muth Die Güter zu verachten, Wornach mit Angst die niedern Seelen trachten? Ein ruhig Herz, dieß größre Gut. Was ist der Spott, Den ein Gerechter leidet? Sein wahrer Ruhm! Denn wer das Böse meidet, Daß Gute thut, hat Ruhm bey Gott. Im Herzen rein, Hinauf gen Himmel schauen, Und sagen: Gott! du Gott, bist mein Vertrauen! Welch Glück, o Mensch, kann grösser seyn? Sieh, alles weicht, Bald wirst du sterben müssen. Was wird alsdenn dir deinen Tod versüssen? Ein gut Gewissen macht ihn leicht. Heil dir, o Christ! Der diese Ruh empfindet, Und der sein Glück auf das Bewußtseyn gründet, Daß nichts verdammlichs an ihm ist! Laß Erd und Welt, So kann der Fromme sprechen, Laß unter mir den Bau der Erde brechen! Gott ist es, dessen Hand mich hält.

Versicherung der Gnade Gottes.

So hoff ich denn mit festem Muth Auf Gottes Gnad und Christi Blut; Ich hoff ein ewig Leben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, Hat mir das Recht zur Seligkeit In seinem Sohn gegeben. Herr, welch ein unaussprechlich Heil, An dir, an deiner Gnade Theil, Theil an dem Himmel haben; Im Herzen durch den Glauben rein, Dich lieben und versichert seyn Von deines Geistes Gaben! Dein Wort, das Wort der Seligkeit, Wirkt göttliche Zufriedenheit, Wenn wir es treu bewahren. Es spricht uns Trost im Elend zu, Versüsset uns des Lebens Ruh, Und stärkt uns in Gefahren. Erhalte mir, o Herr, mein Hort: Den Glauben an dein göttlich Wort, Um deines Namens willen; Laß ihn mein Licht auf Erden seyn, Ihn täglich mehr mein Herz erneun, Und mich mit Trost erfüllen!

Ermunterung die Schrift zu lesen.

Soll dein verderbtes Herz zur Heiligung genesen, Christ, so versäume nicht, das Wort des Herrn zu lesen; Bedenke, daß dieß Wort das Heil der ganzen Welt, Den Rath der Seligkeit, den Geist aus Gott enthält. Merk auf, als ob dir Gott, dein Gott, gerufen hätte; Merk auf, als ob er selbst zu dir vom Himmel redte! So lies; mit Ehrfurcht lies, mit Lust und mit Vertraun, Und mit dem frommen Ernst, in Gott dich zu erbaun. Sprich fromm: O Gott! vor dem ich meine Hände falte, Gieb, daß ich dein Gebot für dein Wort ewig halte; Und laß mich deinen Rath empfindungsvoll verstehn, Die Wunder am Gesetz, am Wort vom Kreuze sehn! Er, aller Wahrheit Gott, kann dich nicht irren lassen. Lies, Christ, sein heilig Buch, lies oft; du wirst es fassen, So viel dein Heil verlangt. Gott ists, der Weisheit giebt, Wenn man sie redlich sucht und aus Gewissen liebt. Lies, frey von Leidenschaft und ledig von Geschäfften, Und sammle deinen Geist mit allen seinen Kräften. Der beste Theil des Tags, des Morgens Heiterkeit, Und dann der Tag des Herrn, der sey der Schrift geweiht. Rührt dich ein starker Spruch: so ruf ihn, dir zum Glücke, Des Tags oft in dein Herz, im Stillen oft, zurücke; Empfinde seinen Geist, und stärke dich durch ihn Zum wahren Edelmuth, das Gute zu vollziehn. Um tugendhaft zu seyn, dazu sind wir auf Erden. Thu, was die Schrift gebeut; dann wirst du inne werden, Die Lehre sey von Gott, die dir verkündigt ist, Und dann das Wort verstehn, dem du gehorsam bist. Spricht sie geheimnißvoll: so laß dich dieß nicht schrecken. Ein endlicher Verstand kann Gott nie ganz entdecken; Gott bleibt unendlich hoch. Wenn er sich dir erklärt: So glaube, was er spricht, nicht was dein Witz begehrt. Sich seines schwachen Lichts bey Gottes Licht nicht schämen, Ist Ruhm; und die Vernunft alsdann gefangen nehmen, Wenn Gott sich offenbart, ist der Geschöpfe Pflicht; Und weise Demuth ists, das glauben, was Gott spricht. Drum laß dich, frommer Christ, durch keine Zweifel kränken. Hier bist du Kind; doch dort wird Gott mehr Licht dir schenken. Dort wächst mit deinem Glück dein Licht in Ewigkeit; Dort ist die Zeit des Schauns, und hier des Glaubens Zeit. Verehre stets die Schrift; und siehst du Dunkelheiten: So laß dich deinen Freund, der mehr als du sieht, leiten. Ein forschender Verstand, der sich der Schrift geweiht, Ein angefochtnes Herz, hebt manche Dunkelheit. Halt fest an Gottes Wort; es ist dein Glück auf Erden, Und wird, so wahr Gott ist, dein Glück im Himmel werden. Verachte christlich groß des Bibelfeindes Spott; Die Lehre, die er schmäht, bleibt doch das Wort aus Gott.

Abendlied.

Herr, der du mir das Leben Bis diesen Tag gegeben, Dich bet ich kindlich an! Ich bin viel zu geringe Der Treue, die ich singe, Und die du heut an mir gethan. Mit dankendem Gemüthe Freu ich mich deiner Güte; Ich freue mich in dir. Du giebst mir Kraft und Stärke, Gedeyn zu meinem Werke, Und schaffst ein reines Herz in mir. Gott, welche Ruh der Seelen, Nach deines Worts Befehlen Einher im Leben gehn; Auf deine Güte hoffen, Im Geist den Himmel offen, Und dort den Preis des Glaubens sehn! Ich weis, an wen ich glaube, Und nahe mich im Staube Zu dir, o Gott, mein Heil! Ich bin der Schuld entladen, Ich bin bey dir in Gnaden, Und in dem Himmel ist mein Theil. Bedeckt mit deinem Segen, Eil ich der Ruh entgegen; Dein Name sey gepreist! Mein Leben und mein Ende Ist dein, in deine Hände Befehl ich, Vater, meinen Geist.

Paßionslied.

Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, Mich in das Meer der Liebe zu versenken, Die dich bewog, von aller Schuld des Bösen Uns zu erlösen! Vereint mit Gott, ein Mensch gleich uns auf Erden, Und bis zum Tod am Kreuz gehorsam werden; An unsrer Statt gemartert und zerschlagen, Die Sünde tragen; Welch wundervoll hochheiliges Geschäffte! Sinn ich ihm nach: so zagen meine Kräfte, Mein Herz erbebt; ich seh und ich empfinde Den Fluch der Sünde. Gott ist gerecht, ein Rächer alles Bösen. Gott ist die Lieb, und läßt die Welt erlösen. Dieß kann mein Geist, mit Schrecken und Entzücken, Am Kreuz erblicken. Es schlägt den Stolz und mein Verdienst danieder, Es stürzt mich tief, und es erhebt mich wieder; Lehrt mich mein Glück, macht mich aus Gottes Feinde Zu Gottes Freunde. O Herr! mein Heil, an dessen Blut ich glaube, Ich liege hier vor dir gebückt im Staube, Verliere mich mit dankendem Gemüthe In deine Güte. Sie übersteigt die menschlichen Gedanken; Allein sollt ich darum im Glauben wanken? Ich bin ein Mensch; darf der sich unterwinden, Gott zu ergründen? Das Größt in Gott ist Gnad und Lieb erweisen: Uns kömmt es zu, sie demuthsvoll zu preisen, Zu sehn, wie hoch, wenn Gott uns Gnad erzeiget, Die Gnade steiget. Laß deinen Geist mich stets, mein Heiland, lehren, Dein göttlich Kreuz im Glauben zu verehren; Daß ich, getreu in dem Beruf der Liebe, Mich christlich übe. Das Gute thun, das Böse fliehn und meiden, Herr, diese Pflicht lehrt mich dein heilig Leiden. Kann ich zugleich das Böse mir erlauben, Und an dich glauben? Da du dich selbst für mich dahin gegeben, Wie könnt ich noch nach meinem Willen leben? Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, Zu deiner Ehre? Ich sollte nicht, wenn Leiden dieser Erden, Wenn Kreuz mich trifft, gelaßnes Herzens werden; Da du so viel für uns, die wirs verschuldet, Liebreich erduldet? Für welche du dein Leben selbst gelassen, Wie könnt ich sie, sie meine Brüder hassen? Und nicht, wie du, wenn sie mich untertreten, Für sie noch beten? Ich will nicht Haß mit gleichem Haß vergelten, Wenn man mich schilt, nicht rächend wiederschelten. Du, Heiliger, du, Herr und Haupt der Glieder, Schaltst auch nicht wieder. Ein reines Herz, gleich deinem edlen Herzen, Dieß ist der Dank für deines Kreuzes Schmerzen. Und Gott giebt uns die Kraft in deinem Namen, Dich nachzuahmen. Unendlich Glück! Du littest uns zu gute. Ich bin versöhnt mit deinem theuren Blute. Du hast mein Heil, da du für mich gestorben, Am Kreuz erworben. So bin ich denn schon selig hier im Glauben? So wird mir nichts, nichts meine Krone rauben? So werd ich dort, von Herrlichkeit umgeben, Einst ewig leben? Ja, wenn ich stets der Tugend Pfad betrete, Im Glauben kämpf, im Glauben wach und bete: So ist mein Heil schon so gewiß erstrebet, Als Jesus lebet. Lockt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize: So schrecke mich dein Wort, das Wort vom Kreuze. Und werd ich matt im Laufe guter Werke: So sey mirs Stärke. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden Ein Aergerniß und eine Thorheit werden: So seys doch mir, Trotz alles frechen Spottes, Die Weisheit Gottes. Gott, eile nicht, sie rächend zu zerschmettern; Erbarme dich, wenn einer von den Spöttern Sich spät bekehrt, und den, den er geschmähet, Um Gnade flehet. Wenn endlich, Herr, mich meine Sünden kränken: So laß dein Kreuz mir wieder Ruhe schenken; Dein Kreuz, dieß sey, wenn ich den Tod einst leide, Mir Fried und Freude!

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