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Reading edition
Ich kann nicht weiter gehn ohne dir über eine Idee zu schreiben die mir sehr am Herzen liegt. Du weißt wie wichtig in vielem Betracht diese Reise dem Herzog gewesen ist, und wie gewiß eine neue Epoche seines und unsers Lebens sich davon anfängt. Wenn wir nach Hause kommen, so lebt er wieder in seinen Gärten und Gebüschen fort, dorthin an einen schönen Plaz möcht ich ihm ein Monument dieser glücklich vollbrachten Reise sezen, das ihm in guten Augenblicken eine fröhliche Erinnerung wäre. Es sind auch Nebenabsichten dabey. Ueberall spielt man iezt mit Monumenten und Urnen, deren leere Hälse und Bäuche ihm immer fatal gewesen sind. In den kleinen Anlagen die er gemacht hat, steht noch gar nichts dergleichen, dieses wär’ das erste und wahrhafftig wahre, denn wir haben unterwegs mancherley Anlaß gehabt, dem guten Glück einen Stein der Dankbarkeit zu wiedmen, und das ex voto ist keine blose Phrase. Wir haben bey uns einen Bildhauer, einen Mann von leichtem Begriff und schneller Hand, der sich täglich durch das Studium der Natur und der Antike bessert, dem es aber an Imagination fehlt, und der wenn man ihm so was überläßt, wie andere seines gleichen in den neuen, leeren Decorations Gusto verfällt. Zu diesem Monument habe ich in meinem Kopf allerley Gedanken und Bilder herum getrieben, und mir etwas, was ich durch die Künstler die um mich sind, könnte zusammen posseln lassen herbey gesucht, doch seh’ ich zum Voraus, es wird eine Plakerei geben, und am Ende doch was Schwaches und Halbes herauskommen. Immer, seitdem mich der Gedanke beschäfftigt, habe ich gewünscht: du möchtest Füeßly bereden können, daß er aus seinem ungeheuren Reichthum etwas zu diesem guten Werke herüber gäbe! das ist der einzige Weeg, wenn alsdann unser Bildhauer nicht ganz von Gott verlassen ist, daß wir etwas auserordentliches und wills Gott vollkommenes kriegen können.
Mein erster Gedanke war so: Ich wollte dem Monument eine viereckigte Form geben, etwas höher als breit, wie man in den alten Ueberbleibseln dergleichen Steine mit einem eingekerbten Dach findet. Von drey Seiten sollte iede eine einzelne bedeutende Figur, und die vierte eine Innschrifft haben.
Zuförderst sollte das gute heilsame Glück stehen, durch das die Schlachten gewonnen und die Schiffe regiert werden, günstigen Wind im Naken, die launische Freundinn und Belohnerin kecker Unternehmungen mit Steuerruder und Kranz; im Felde zur Rechten hatte ich mir den Genius, den Antreiber, Wegmacher, Wegweiser, Fakelträger muthigen Schrittes gedacht. In dem Felde zur Linken sollte Terminus, der ruhige Grenzbeschreiber, der bedächtige, mäsige Rathgeber stillstehend mit dem Schlangenstabe einen Gränzstein bezeichnen — Jener lebend rührig vordringend, dieser ruhend sanft, in sich gekehrt, zwey Söhne einer Mutter — der ältere iener, der iüngere dieser. Das hinterste Feld hatte die Innschrifft:
FORTUNAE DUCI REDUCI NATISQUE GENIO ET TERMINO EX VOTO.
Du siehst was ich für Ideen dadurch zusammenbinden wollte. Es sind keine Geheimnisse noch tiefe Räthsel, aber sowohl auf dieser Reise als im ganzen Leben sind wir diesen Gottheiten sehr zu Schuldnern geworden. Das erstemal daß wir nach einer langen, nicht immer fröhlichen Zeit aus dem Loche in die freye Welt kommen, zusammen den ersten bedeutenden Schritt wagen, gleich mit dem schönsten Hauche des Glücks fortgetrieben zu werden, in der späten Jahrszeit, alles mit günstiger Sonne und Gestirnen. Den ganzen Weg den wir machen begleitet von einem guten Geiste, der überall die Fackel vorträgt, hierhin ladet, dorthin treibt, daß wenn ich zurücksehe wir, zu so manchem das unsere Reise ganz macht, nicht durch unsere Wege und Wollen geleitet worden sind, und dann am Ende, daß wir auch durch den schönen Glückssohn bedeutet wurden, wo wir aufhören sollten, wo wir einen Gränzbogen beschreiben, und wieder zurückkehren sollten, das wieder einen unglaublichen Einfluß auf unsere Zurückgelassenen hat, und haben wird. Das alles zusammen giebt mir eine Empfindung die ich nicht schöner zu ehren weis, als womit alle Zeiten durch die Menschen Gott verehrt haben.
Im Beywesen und Verzierungen dacht’ ich manches anzubringen was eine Schweizerreise, deren bester Theil zu Fuß gemacht worden, bezeichnete. Wanderstab mit Eisen beschlagen, und mit Gemshorn zum Knopf. Gott weiß was weiter.
Meine Gedanken wollt ich einigen Künstlern mittheilen, sie hinüber, herüber mit ihnen durchtreiben, und sehen ob ihnen einer vielleicht einen bessern Körper gebe. Seitdem ich aber bey dir Fueßlis lezte Sachen gesehen habe, kann ich dich nicht loslassen, du mußt versuchen ob du ihn bewegen kannst eine Zeichnung dazu zu machen. Den Gedanken und Entzweck weißt du, den sag ihm ganz rein und einfach, und da es ihm fatal seyn muß, wenn ihm iemand was vorerfinden oder angeben will, so geb ich gern meine Form des Ganzen, meine einzelnen Figuren, und die Innschrifft dazu auf, wenn er sich des Dings annehmen will. Er wird gewiß die Idee stärker, gröser, treffender und neuer ausdrücken. Du müßtest ihn bitten, er mag nun bey meinem Vorschlag bleiben oder nicht, daß er eine bestimmte Zeichnung von der Form des Ganzen mit den Masen gäbe; auch so von den einzelnen Figuren, und sie auf eine Weise zeichnete daß sich leicht ein Basrelief darnach arbeiten liese. Vielleicht sind ihm, der alles mit Geist und Feuer durcheinander arbeitet, die einzeln stehenden Figuren widrig, er bringe sie zusammen auf eins wenn er will, allenfalls nehme er statt des Vierecks eine runde Form, doch das würde freilig wieder bey der Ausführung in Stein mehrere Hindernisse geben. Noch muß ich dir dabey sagen, daß wir einen auserordentlich schönen lichtgrauen sanften Stein, der an den Marmor gränzt und keiner Witterung weicht, zu dieser Arbeit haben. Du müßtest Fueßlien bitten, daß er selbst die Größe vom ganzen Monument nach seinen Gedanken angäbe, daß man allenfalls, um es etwas aus dem Auge zu rüken, auf einen Rasen gegen ein Felsstück sezen könnte. Genug er denke sich das wie ers wolle so wird es gut sein, und wir haben so viel und mancherley Stücke Steine vorräthig, daß wir zum Zusammensezen des Ganzen nicht verlegen sein werden. Sieh, ob du etwas über ihn vermagst, und ob du der frölichen Zeiten, die wir wieder gelebt haben, immer gegenwärtiges Siegel dadurch auf unsere Wohnung drucken kannst. Wenigstens hat er gewiß in seinem Leben manchen Strich gemacht, der nicht so erkannt und ihm so gedankt worden ist, als wie das so ich durch dich hoffe.
Welchen Preis er auch auf diese Arbeit sezen möge, ist völlig einerley. Nun ist aber noch ein Hauptpunkt, nemlich die Geschwindigkeit. Ich wünsche es diesen Winter fertig zu bringen, und auf das Frühjahr zum ersten Willkomm mit den Blüthen und Blättern aufzustellen. Versuche also, ich bitte dich, deine Wunderkräfte, um mir zu verschaffen was nicht ein eitler Wunsch ist. Schaff daß er es macht, und schnell macht, und kröne mir auch dieß Jahr und sein Glück mit diesem lezten Zeichen.
Nov. 1779.
Anm. d. H.