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Briefe an Ludwig Tieck (3/4)

Schlegel, August Wilhelm.

Reading edition

Geboren zu Hannover 8. September 1767, gestorben zu Bonn am 12. Mai 1845.

Gedichte (1800) — Ion, Tragödie (1803) — Vorlesungen über dramatische Kunst und Litteratur, 3 Bde. (1809–11) — Poetische Werke, 2 Bde. (1811–15) — Indische Bibliothek, 2 Bde. (1820–26) — Kritische Schriften &c. &c.

All’ diese Büchertitel, mögen sich auch an einige derselben unsere jugendlich-begeisterten Erinnerungen knüpfen, sind doch keinesweges genügend die umfassenden Verdienste des Mannes einigermaßen zu bezeichnen. Wohin wir blicken, ist er von Jugend auf Vorgänger, Führer, Lehrmeister gewesen auf dem Wege zur Erkenntniß des Großen und Schönen in der Poesie aller Völker. Er ist’s gewesen, der mit genialem Fleiße Calderons geheimnißvolle Tiefen deutschem Verständniß näher gerückt; Er hat uns zuerst durch große kühne That dargethan, daß Shakspeare auch uns gehört; die siebzehn Dramen, die Schlegel (und wann? und ohne Vorbild; ohne jegliche Beihilfe!) verdeutschte, sind so recht unser Eigenthum geworden.

Leider kam eine Zeit, wo man sich die Miene gab, vergessen zu wollen, was wir ihm verdanken. Es ist ihm schändliches Unrecht widerfahren. Aber es läßt sich nicht leugnen: das größte Unrecht hat er sich selbst gethan durch thöricht-kindische Eitelkeit, die er leider unbefangen zur Schau trug. Wer ihn nach diesem äußerlichen Scheine beurtheilte, hatte freilich leichtes Spiel, um ihn lächerlich zu finden, wohl gar lächerlich zu machen. Wer jedoch Pietät genug besaß, in’s Innere zu dringen und den Kern des Mannes zu durchforschen, der verkannte gewiß nicht, daß er sich treu geblieben trotz mancher scheinbarer Geckereien.

Das sollen nun auch diese Briefe darthun, die ein halbes Jahrhundert umfassen, und aus deren letzten noch uns derselbe August Wilhelm entgegentritt, den wir um seiner humoristisch-derben redlichen Aufrichtigkeit willen, schon in den ersteren lieben lernten.

Gewöhnlich wollen auch Diejenigen, die ihn im Ganzen zu würdigen wissen, den Kritiker, den Sprachkünstler, den Uebersetzer allein gelten lassen, während sie den Dichter kaum anerkennen.

Erstens vergessen sie, daß um so zu übersetzen, wie Er’s den größten Dichtern gethan, der Uebersetzer selbst ein großer Dichter sein muß. Zweitens aber scheinen sie (Schlegels polemischer Poesieen, welche unerreichbare Meisterstücke bleiben, nicht zu gedenken), Dichtungen unter den seinigen vergessen zu haben, deren Tiefe und Gedankenreichthum der höchstmöglichen Formvollendung ganz entspricht. Unser Bürger wußte schon, weshalb er „dem jungen Aar, dessen Flug die Wolken überwinden“ würde, prophetisch zurief:

„Dich zum Dienst des Sonnengott’s zu krönen, Hielt ich nicht den eignen Kranz zu werth, — Doch Dir ist ein besserer bescheert!“

I.

(Ohne Datum, ohne Auf- und Unterschrift.)[16]

Freylich kann jeder über mich denken, sagen und schreiben was er will; so lange ich es nicht erfahre und keine nachtheilige Wirkungen davon auf mich zurückfallen, gehts mich nichts an. Wenn aber jemand ein ungünstiges Urtheil über mich gefällt und mitgetheilt hat, wovon ich Wirkungen erfahre, so sehe ich nicht, daß es ein Eingriff in seine Rechte wäre, ihn darüber zu fragen, da er ja immer die Freyheit hat, mir eine Antwort zu verweigern, wenn er die Frage für ungebührlich hält. Selbst die Absicht, mit welcher ein solches Urtheil mitgetheilt seyn möchte, würde den Fall nicht verändern, wie mich däucht — wenn jemand mein Zutrauen mit freundschaftlicher Theilnahme aufnimmt, so bin ich ihm vielen Dank dafür schuldig, aber die Verbindlichkeit, die er mir dadurch auflegt, giebt ihm kein Recht zu richterlichem Ansehen über mich. — Ich habe mich in der Vermuthung, die zu meiner Frage Veranlassung gab, geirrt, und bitte in dieser Rücksicht um Verzeihung. — Was den Ton, die Manier, den Ausdruck betrifft, womit ich etwas sage, so bin ich eben nicht gewohnt, mich darüber zur Rechenschaft ziehn zu lassen. Es thut mir leid, wenn Sie damit unzufrieden sind, aber ich habe keine Antwort darauf. — Wenn ein Mann von Ehre sich von mir beleidigt hält, und ich kein Unrecht von meiner Seite anerkenne, so muß ich ihn den Weg zur Ausgleichung selbst wählen lassen. —

II.

Jena, den 11ten Dec. (Ohne Jahreszahl.)

Es ist schön, daß unsre Briefe einander auf halbem Wege entgegen gekommen sind. Die Correspondenz ist also nun förmlich eingerichtet, bis zur persönlichen Bekanntschaft, auf die ich mich lebhaft freue.

Haben Sie Dank für die übersandten Volksmährchen, sie haben mir eine sehr angenehme Lectüre gewährt, es verdrießt mich nun noch mehr, daß sie ein Andrer, wie mir däucht, nicht mit sonderlicher Einsicht, beurtheilt hat, und ich sinne darauf, wie diese Versäumniß wieder gut zu machen wäre. Ihr Don Quixote soll mir gewiß nicht entgehen; ich bin überzeugt, daß es Ihnen damit sehr gelingen wird, da Sie die darstellende Prosa so in Ihrer Gewalt haben. Der Don Quixote ist vielleicht unter allen Romanen vor W. Meister derjenige, der am meisten von dem epischen Numerus hat, worüber ich in der Beurtheilung von Hermann und Dorothea einiges gesagt. Die vielen spanischen Participien werden Ihnen einige Noth machen; ich denke, sie müssen in den meisten Fällen in direkte Sätze aufgelöst werden, so daß ungefähr eine so leichte Wortfolge und Structur, wie im W. M., bei gleicher Fülle, heraus käme.

Ihr Prolog unter den Volksmährchen ist ein allerliebster Einfall, und voll von allerliebsten Einfällen. In dem blonden Ekbert fand ich ganz die Erzählungsweise Göthes in seinem Mährchen, im W. M. u. s. w. Sie haben sich diesen reizenden Ueberfluß bei gleicher Klarheit und Mäßigung auf eine Art angeeignet, die nicht bloß ein tiefes und glückliches Studium, sondern ursprüngliche Verwandtschaft der Geister verräth. So auch mit den Liedern. Man hätte mich mit einigen davon täuschen können, sie wären von Göthe. Seltner glaubte ich darin einen von den zerstreuten Zauberklängen in Shaksp.’s Liedern zu hören. Ueberhaupt würde man, wie mir däucht, Ihre innige Vertrautheit mit diesem Dichter weniger vermuthen. Vielleicht kommt es nur daher, weil Sie noch nichts in Sh.s Form dramatisirt haben. Ein romantisch komisches Schauspiel, der ernsthafte Theil in fünffüßigen Jamben, auch wohl mit untermischten Reimen, nur der komische Dialog in Prosa, das müßte Ihnen herrlich gelingen. Ich glaube, Sie müssen bei Ihren nächsten Dichtungen hauptsächlich darauf achten, Ihre Kraft zu einer recht entschiedenen Wirkung zu konzentriren, und vielleicht ist selbst die äußere Schwierigkeit hierzu ein Mittel.

Den Lovell lese ich mit großem Interesse, doch scheint mir von ihm bis zu einigen der Volksmährchen noch ein großer Schritt zu sein.

Im Berneck und der schönen Magelone finde ich noch einige Erinnerungen an die frühere Manier. Jener hat mich überhaupt am wenigsten befriedigt. In der Magelone wurde mir die Schwierigkeit sichtbar, schwärmerische Regungen der Liebe in einem alten Kostüm ohne moderne Einmischungen darzustellen. Doch sind die Lieder allerliebst, und auch einige Stellen der Erzählung, z. B. den Traum S. 185, 186 könnte Göthe eben so geschrieben haben. Sie verzeihen, theuerster Freund, daß ich Ihnen mein Urtheil so unbefangen sage, als ob wir schon Jahre lang mit einander umgegangen wären. Lassen Sie mich doch auch einmal Ihre Meinung über meine Gedichte im Almanach erfahren, wenn es Ihnen nicht mühselig ist, und Sie es in der Kürze können.

Auf Ihre Briefe über Shakespeare bin ich sehr begierig. Wie sind Sie mit meinem Aufsatze über Romeo zufrieden gewesen? Ich hoffe, Sie werden in Ihrer Schrift unter anderm beweisen, Sh. sei kein Engländer gewesen. Wie kam er nur unter die frostigen, stupiden Seelen auf dieser brutalen Insel? Freilich müssen sie damals noch mehr menschliches Gefühl und Dichtersinn gehabt haben, als jetzt. Ihre beiden Conjecturen im Sturm leuchten mir sehr ein, doch weiß ich nicht, ob ich sie in die Uebersetzung aufnehmen darf — es würde eine Note fordern, und ich mache keine Noten. — Die Englischen Kritiker verstehen sich gar nicht auf Sh. — ich will Ihnen ein Beispiel einer schlechten Conjectur von Malone geben, der doch sonst für den besten gilt, und auch, wo es bloß auf das diplomatische Vergleichen und Auftreiben veralteter Redensarten ankommt, wirklich ist. Die Stelle ist in What you will, in meiner Uebersetzung S. 197.

She took the ring of me: I’ll none of it. Hier will Malone nach me ein Fragezeichen setzen: Sie sollte den Ring von mir genommen haben? Der dumme Mensch kann nämlich nicht begreifen, daß Viola Gegenwart des Geistes genug hat, um in Olivias Erfindung hinein zu gehen, und sie nicht gegen den Malvolio Lügen zu strafen. — So ist im Romeo eine Stelle, über die sich Johnson den Kopf zerbricht, obgleich nichts leichter zu verstehen ist. Es wäre rühmlich für unsre Nation, wenn wir einmal eine kritische Ausgabe des Engl. Sh.’s bekämen, welche den in England erschienenen vorzuziehen wäre. Nicht selten wünschte ich Sie über einzelne Stellen Sh-s befragen zu können, ob Sie sie eben so wie ich verstehen?

Leben Sie recht wohl.

Ihr ergebenster

A. W. Schlegel.

III.

Jena, den 30. Nov. 98.

Liebster Tieck!

Sie haben mich durch Ihren freundschaftlichen Brief und durch Ihr Urtheil über meine letzten Gedichte sehr erfreut. Das letzte kann ich Ihnen in Ansehung des Sternbalds noch nicht erwiedern, — ich las den 2ten Band nicht gründlich genug, und muß ihn im Zusammenhang mit dem ersten noch ruhiger erwägen, ein Genuß, den ich jetzt eben bei ein Paar ziemlich freien Tagen vor mir habe. Schicken Sie mir nur den 2ten Theil für Göthe, ich werde ihn bestens besorgen, und Ihnen auch, wenn Sie es wollen, Goethe’s Urtheil mittheilen. Wegen des Shaksp. kann ich nicht unterlassen, Sie ohne Aufhören und ohne alle Gnade zu tribuliren, bis Sie die Recension geliefert haben — mir liegt erstaunlich viel daran. Da Sie die Sache so sehr in Ihrer Gewalt haben, so kann die Verlegenheit bei dem kritischen Geschäft bloß von dem Mangel an Uebung herrühren, und Sie werden es selbst noch in der Folge sehr bequem finden, wenn Sie sich in diese hinein geschrieben haben, und nun nach Belieben mit den Autoren umspringen können. Am Ende rechne ich es Ihnen noch gar als eine Gefälligkeit von mir an, daß ich Ihnen Gelegenheit zu einer Recensirübung gebe? Also die Recension, mein lieber Tieck! Den Maulthierszaum! meinen Maulthierszaum! An Ihrem Zerbino wird jetzt hier gedruckt; ich mache mein Unrecht gegen ihn wieder gut, daß ich ihn in Berlin nicht einmal konnte vorlesen hören, und habe, da die Setzer und Frommann selbst mit Ihrer Hand nicht zum Besten fortkommen können, die letzte Correctur übernommen. Zwei Bogen habe ich schon gehabt, es geht rasch mit dem Druck, und man erwartet wieder Manuscript von Ihnen. Ich habe mich an diesem Anfange schon sehr ergötzt. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen schon einmal den Vorschlag that, einen Spaß-Almanach, aber nur ein einziges Mal, herauszugeben? Wenn Sie Lust dazu haben, wollen wir uns näher verabreden — wir beiden müßten die Hauptsache dabei thun — mein Bruder lieferte uns eine Anzahl witziger Fragmente, — Bernhardi einen Aufsatz — übrigens müßten wir uns an keine Form ausschließend binden — Prosa, Verse, Räsonnement, Erzählung, Parodie, kleine Dramen in Hans Sachsischer Manier, Epigramme in Distichen u. s. w. — Mir sind eigentlich schon von einem Buchhändler Vorschläge geschehen, bei dem ich wieder anfragen könnte.

Sollte er nicht wollen, so schlügen wir es etwa Unger vor, der ja mancherlei Kalender herausgiebt.

Falk’s Taschenbuch vom nächsten Jahr ist noch nicht da — ich glaube doch nicht, daß es sich lange mehr halten kann.

Von wem sind denn die Schattenspiele, die in B. herauskommen?

Was macht Ihr Don Quixote? Vergessen Sie ihn ja nicht.

Meine Frau läßt sich für den alten Phantasus schönstens bedanken, der ihr unendlich viel Vergnügen gemacht hat, — überhaupt für die vielen reizenden Liederchen.

Grüßen Sie Ihre liebe Frau von mir und Bernhardi.

Ganz Ihr

A. W. Schlegel.

IV.

Jena, d. 16. Aug. 99.

Es hat uns gefreut, ein Zeichen des Lebens von Dir selbst zu erhalten; von Deiner Ankunft in Giebichenstein hatte uns Hardenberg schon benachrichtigt.

Ich will Dir nur gestehen, daß ich über Dein Schweigen schon ein wenig ergrimmt gewesen, und daß Du etwas sehr schönes dadurch versäumt hast. Nämlich gleich nach Deiner Abreise verfiel ich auf’s Dichten, und habe eine Anzahl Sonette und eine Canzonetten zu Stande gebracht. Dies wollte ich Dir zuerst schicken, um sie dann an Friedrich zu übermachen; nun habe ich die Abschrift in meinem Zorn an diesen gesandt, und Du bekommst sie nicht eher zu sehn, als bis Du mir die in Fischartschen Ausdrücken angekündigte Rezension schickst, d. h. auf Skt. Nimmerstag.

Gut, daß nur endlich der erste Band der Dichtungen fertig ist, und Zerbino seine Reise nach dem schlechten Geschmack, ich meine: unter das Publikum, bald antreten kann. Es ist eben gut, daß er zugleich mit dem neuesten Athenäum kommt, das ich nun endlich auch habe, und in der That sehr ergötzlich finde. Wie Friedrich meldet, hat der lit. Reichsanzeiger in B. große Sensation gemacht, und von den beleidigten Parteien sich schon viel Zetermordio dagegen erhoben.

Caroline hat eine solche Angst vor den Folgen, daß sie noch nicht gewagt hat, hinein zu gucken, und überall wo sie es nur von ferne liegen sieht, die Hände über den Kopf zusammen schlägt. Man muß sehen, ob man vermittelst dieses Motivs noch am Ende durchdringt und die Fortsetzung des Athenäums möglich macht. Frölich hat sich die Sache auch nicht zweimal sagen lassen, und gleich die Fortsetzung der anstößigen Rubriken gemeldet. Es wäre artig, wenn am Ende unsre schönen ernsthaften Sachen auf Unkosten der Teufeleien leben müßten. Da ich diesmal fast alles gemacht habe, so kann ich für’s erste auf meinen Lorbeern ruhn, und Alles von Euch erwarten.

Bernhardi hat sich zu Verschiednem angeboten, und Du wirst Dich hoffentlich auch nicht lumpen lassen, wenn Du bedenkst, daß Teufeleien die zärtlichste Art sind, mir Liebe zu beweisen, ja noch zärtlicher, als durch Rezensionen. Thu aber bald dazu — ich wünschte sehr, daß das nächste Stück noch auf Michaelis erschiene, und wenn Du etwas ausheckst, so schick’ es mir zuvörderst zu.

Ich wäre etwa in der Stimmung, noch mancherlei zu dichten, wenn ich nicht an den verwünschten Richard den II. müßte, in den ich gar nicht hinein kommen kann, weil ich durch die vielen Zerstreuungen ganz verwildert bin. Die Sonette gehören, unter uns, zu dem besten, was ich noch je gemacht habe. Ich bin nun sehr begierig auf Deine Genoveva. Bleibe ja bei dem Entschlusse, erst wenn sie fertig, den Druck anfangen zu lassen.

Goethe ist immer noch in W. —

Meine Verwandten, die hinüber gereist sind, haben ihn in sehr guter Laune getroffen und gesprochen. Was er zum Athenäum sagt, weiß ich noch nicht, — ich habe es ihm erst heute geschickt.

Lebe wohl — viele herzliche Grüße von allen an Dich und Deine liebe Frau.

Höre, ich werde mir ein Sonett von Dir zum Geschenk ausbitten. Ich habe in dem alten auf die Cleopatra die Terzinen zurecht gerückt, das auf die Leda aus meinem eignen Italiänischen übersetzt, und möchte nun noch einen Pendant auf die Io von Correggio dazu haben, die Du wohl aus dem englischen Kupferstiche kennen wirst.

Du mußt dies aber ein wenig strenge arbeiten, damit man es wirklich für mein Werk halten kann. — Vielleicht schicke ich von diesen beiden eine Abschrift noch mit — es sind die beiden einzigen, die ich Friedrich noch nicht mitgeschickt!

Lebe nochmals wohl.

Dein

A. W. S.

Wenn Du eine Gelegenheit weißt, Schellings Schrift früher nach B. an Friedrich ohne Kosten zu befördern, als Du selbst hingehst, so thu es doch. Er verlangt sehr danach.

V.

Bamberg, d. 14. Sept. 1800.

Habe Dank für Deinen innigen freundschaftlichen Brief, der mir wohlthätige Thränen entlockt hat. Freilich bin ich jetzt leichter zu rühren, als je: es ist, als hätte ich alle meine Thränen hierauf gespart, und manchmal habe ich ein Gefühl gehabt, als sollte ich ganz in Thränen aufgelöst werden. Wenn die geliebten Wesen in unsern Gesinnungen leben, wie Du sagst, so hätte Auguste nie mehr gelebt, als jetzt; ich wußte zwar, daß ich sie sehr liebte, aber ihr Tod hat alle noch verborgene Liebe ans Licht gerufen. Um das schmerzlich süße Andenken zu nähren, ist noch ein Bild von ihr vorhanden, zwar vor beinah zwei Jahren gemalt, aber doch ähnlich. Vor Kurzem haben wir für’s erste eine Zeichnung darnach bekommen; mit einem leisen Heiligenschein umgeben, steht sie auf meinem Zimmer, und wird stündlich von mir betrachtet und angebetet.

Caroline dankt herzlich für Eure Theilnahme. Sie hatte vor ein paar Wochen eine Unpäßlichkeit, die ihre Kräfte gleich wieder völlig erschöpfte, jetzt ist es besser, doch wird sie schwerlich ihre volle Gesundheit wieder bekommen. Wie ist es möglich bei diesem Gram, der sie oft halbe Nächte wach und weinend erhält.

Du hast mich sehr dadurch verbunden, daß Du gleich an Deinen Bruder geschrieben. Zwar muß ich beinah die Hoffnung aufgeben, daß er nach Deutschland kommen und die Arbeit des Monuments über sich nehmen wird. Denn nicht lange, nachdem ich den Brief an Dich abgeschickt, erhielt ich über Jena einen von ihm, als Antwort auf den, vorigen Winter, bei Dir eingelegten, worin er äußert, daß er auf den Winter schon nach Italien zu gehen hofft. Indessen, wer weiß, ob er sich nicht bei der ungewissen Aussicht auf den Frieden und den unruhigen Zeiten, noch entschließt, seinen Plan zu verändern, und Gesellschaft mit Humboldts macht, um den Winter mit Dir und andern Freunden in B. zuzubringen? Es wäre herrlich.

Auf jeden Fall kann es nicht schaden, daß Du ihm geschrieben, denn es ist sein Auftrag an mich, Dich zu mahnen. Wenn er nun auch den Vorschlag wegen des Sarkophags nicht eingehen kann, so hat er doch bei Gelegenheit einige Nachricht von Deinem Thun und Treiben bekommen. Ich selbst habe ihm noch nicht antworten können, weil er mir seine Addresse nicht meldet, die Du nicht vergessen wirst, Deinem nächsten Briefe beizufügen.

Auf den Fall, daß Dein Bruder nicht zurück kommt, habe ich bei Schadow vorläufig anfragen lassen. Will oder kann dieser nicht, oder ist zu übertrieben in seinem Preise, so werde ich Goethe erst zu Rathe ziehn, an wen ich mich am beßten wenden könnte. Vielleicht an Dannecker in Stuttgart? Freilich wäre ich gern gegenwärtig bei dem Entwurfe. — Ob es mir erlaubt wird, das Denkmal in den Brunnenspatziergang an die schöne Stelle, die ich ausgewählt, zu setzen, darüber habe ich bei den unruhigen Kriegszeiten noch keine Entscheidung erhalten können. Die Sache liegt mir sehr am Herzen, und die Kosten werden wir nicht dabei sparen — eine beträchtliche Summe ist schon dafür bestimmt. Nun von unsern literarischen Beschäftigungen und Planen. Cotta schreibt mir: ich möchte wegen des poetischen Taschenbuchs das Grundhonorar selbst bestimmen, er wollte darnach die Anzahl des hierzu erforderlichen Absatzes reguliren; welches mir ganz billig scheint. Ich werde nun 60 Lsd. vorschlagen, so kommt doch, wenn wir 12 Bogen 12º à 24 pag. (also 288–300 S.) rechnen, auf den Bogen 5 Lsd. — Freilich werden wir alle Beiträge honoriren müssen, da wir schwerlich andre aufnehmen, als von Friedrich, Hardenberg und Schelling. Alle drei haben mir die besten Besprechungen gemacht. Spare von nun an doch alle Deine Gedichte, die nicht in größere Compositionen gehören, dafür auf. Es hat mich schon geängstigt, als ich hörte, daß Du an Friedrich 20 Sonette für das poetische Journal geschickt. Gesehen habe ich dieses noch nicht, wie wohl mir schon vor einiger Zeit geschrieben ward, es sei fertig gedruckt. Ich erwarte es posttäglich mit der größten Begierde.

Ich für mein Theil bestimme alles, was ich von jetzt an dichte, für das Taschenbuch, und habe mancherlei Ideen und Plane. — Ueber den Gegenstand meiner Trauer ist erst ein Lied und ein Sonett entstanden, ich habe nicht Ruhe und Muße gehabt, es wird aber eine ganze Reihe werden. Auch andre ernsthafte Sachen habe ich vor, vielleicht vom Legendenwesen.

Ich weiß nicht, ob ich Dir schon geschrieben, daß ich nach Deiner Abreise von Jena eine Burleske, oder vielmehr eine Composition und Sammlung von Burlesken angefangen, auf Kotzebue’s Siberische Verhaftung und Reise. Ich habe es seitdem hingelegt, weil ich natürlich keine Stimmung dazu hatte.

Das Ding muß grade herauskommen, wenn er nach Deutschland zurückkehrt. Nun heißt es in der neuesten Allgem. Zeitung, er sei immer noch gefangen in Schlüsselburg.

Sollte sich also seine Freilassung so lange verzögern, so könnte ich mich wohl entschließen, die Sachen, versteht sich, unter der besondern Rubrik: „Ehrenpforte und Triumphbogen für den Theaterpräsidenten von Kotzebue bei seiner Rückkehr in das Vaterland der Plattheit,“ in das Taschenbuch zu geben, welches dadurch unstreitig großen éclat machen würde. Fertig sind 6 Sonette, einige Epigramme in Distichen, ein componibles Lied und eine Romanze. Nun sollten noch Sonette und Epigramme, eine epistolarische Reisebeschreibung in Terzinen, und ein ganz kleines Dramolet hinzukommen. — Es muß, versteht sich, vorher nichts davon verlauten.

Schelling giebt uns gewiß manches, für’s Erste die letzten Worte des Pfarrers &c. und dann vermuthlich einige Lieder. Er würde wohl mehr dichten, wenn er jetzt nicht viel Zeit durch Kränklichheit verlöre. Er hat letzthin einen Gesang aus Dante’s Paradies ganz durch in Terzinen übersetzt, den er erst noch durchbessern, und Dir dann für das Journal anbieten wollte. Ich könnte allenfalls eine Anmerkung über den Dante und die Weise ihn zu übersetzen, dazu geben. —

So viel vom Taschenbuch. Mit dem andern Project, dem kritischen Institut, ist es auch in Richtigkeit. — Cotta nimmt es in Verlag, und zahlt 3 Lsd. für den Bogen. Mit Anfang 1801 soll es erscheinen. Es wäre schon eine vorläufige Ankündigung gedruckt worden, wenn wir nicht noch mit Fichte in allerlei Unterhandlungen wären, und auf seinen Entschluß warteten, ob er die Redaction gemeinschaftlich mit mir übernehmen will.

Dir den ganzen Verlauf zu erzählen, wäre zu weitläuftig, Du kannst Dich in Berlin gleich von Schleiermacher davon unterrichten lassen. Der Letzte wird Dir auch den schriftlichen Entwurf der Jahrbücher mittheilen. Ich hoffte, er sollte Dich noch in Berlin treffen, da Du aber nicht mehr da warst, so hielt ich es nicht für nöthig, ihn Dir besonders zu schicken, da ich schon mündlich alles mit Dir durchgesprochen hatte. Denke nun ja mit rechtem Eifer und bald auf Beiträge. Erwarte dabei nicht meine Vorschläge, sondern besinne Dich selbst auf die im Guten oder Ueblen merkwürdigen Erscheinungen, besonders im dramatischen und Romanenfache, die Du übernehmen möchtest, und gieb sie mir an. In der Form, weißt Du, bist Du durchaus nicht gebunden. Ich trage jetzt Schillern die Selbstanzeige seines Wallenstein an, läßt er sich nicht darauf ein, so gebe ich ihn in Deine Hände. Ich werde es Dir baldigst melden, und wünsche sehr, es noch für den ersten Band zu bekommen.

In der Sammlung von Schillers Gedichten sind auch wieder schöne Fehlgriffe, — doch man muß ihm nicht alles auf einmal vorrücken.

Eine Anzeige Deiner romantischen Dichtungen von Dir selbst würde mir und auch gewiß Frommann sehr erwünscht sein. Du klagst mit Recht über die verwünschte Nothwendigkeit, für Geld arbeiten zu müssen. Indessen werden doch die Zeiten allmälig wieder besser, und wenn sich die Jahrbücher und das Taschenbuch im Gange erhalten, wie ich zu Gott hoffe, und wozu wir das unsrige thun wollen, so ist Dir da sowohl für kleinere Gedichte, als kritische Arbeiten ein besseres Honorar gesichert, als Du bisher bekamst. Mit den größern Werken ist mein Rath, sie lieber länger zurück zu halten, als unter ihrem Preis wegzugeben. — Mit den Novellen soll es, wie ich hoffe, auch noch gehen, wenigstens denke ich den Soltau so zugerichtet zu haben, daß er noch vor Ende des Don Quixote völlig den Hals brechen muß. Ich bin hier, besonders in der letzten Zeit recht fleißig gewesen. Heinrich V. ist mir sehr sauer geworden, auch habe ich, so sehr ich das Stück liebe, mit Abneigung daran gearbeitet. Endlich habe ich diesen Stein vom Herzen und Heinrich VI. entschädigt mich durch die Leichtigkeit und Schnelle, womit er von Statten geht. In sechs Tagen sind 2 Acte fertig geworden, und ich denke noch das Ganze von hieraus zu expediren. Alsdann begleite ich Carolinen nach Braunschweig, gehe auch nach Hannover auf einige Tage und so nach Jena zurück. Hier werde ich nun die Arbeiten für die Jahrbücher sogleich vornehmen, und dann vermuthlich in der letzten Hälfte des Winters nach Berlin kommen, wo wir recht viel zusammen leben wollen. Ich sehne mich recht nach unsern Gesprächen und Vorlesungen. Du wirst mich vielleicht in manchen Stücken verändert finden, — es muß natürlich den Sinn mehr von der äußern Welt abziehen, wenn man vor allem mit einem abgeschiedenen Wesen lebt. — Die Flecke auf der ersten Seite sind Spuren von Thränen, — ich erwähne es nicht als eine Seltenheit, — denn diese Libationen auf das Grab des geliebten Mädchens werden sich immer erneuern, diesen Tod werde ich nie aufhören, zu beweinen. Auf die erste Nachricht habe ich geglaubt, wahnsinnig zu werden, — dieser wüthende und empörte Schmerz stellte sich auch bei dem Besuche in (unlesbar) wieder ein. In der mildesten und heitersten Stimmung liegt mir doch die Wehmuth beständig nahe. Lebe recht wohl, mein geliebter Freund, ich grüße Deine Amalie aufs herzlichste und küsse die allerliebste kleine Dorothea. Wenn Du mir von Hamburg aus noch antwortest, so addressire nach Braunschweig beim Professor Wiedemann, sonst nach Jena. Nochmals Adieu.

Dein

A. W. S.

Denke Dir, vor einigen Tagen lasen wir ganz zufällig in einer französischen Zeitung, daß der gute Eschen, auf einer Alpenreise, in eine Eisspalte gestürzt und kläglich umgekommen ist. Es hat mich recht gejammert. Er hat mir noch seinen Horaz geschickt mit einem Briefe, den ich erst bekam, wie er schon todt war.

VI.

Braunschweig, d. 23. Nov. 1800.

Verzeih, liebster Freund, daß ich Dir so lange nicht geschrieben habe, Reisen, Zerstreuungen und Beschäftigungen haben mich abgehalten. Nun hoffe ich bald Dich wieder zu sehn und eine Zeitlang mit Dir zu lieben. Also nur das Nothwendige von Geschäften.

Du weißt, daß Cotta im Ganzen auf unsre Forderungen eingegangen ist, nur mit der Einschränkung, daß ein Theil von den 100 Lsd. als Grundhonorar festgesetzt, und das übrige erst, wenn der Erfolg der Erwartung entspräche, nachgezahlt werden sollte. Er schlug mir vor, die Summe des Grundhonorars zu bestimmen, dann wolle er die Zahl von Exemplaren bestimmen, nach deren Absatz er das übrige nachzahlen könne. Ich nannte nun, mit Voraussetzung Deiner Genehmigung, 60 Lsd. als das Grundhonorar; Cotta ist es zufrieden, und verspricht nach Absatz von 1000 Ex. das übrige nachzuzahlen. Dieses scheint mir billig, er muß von einem solchen Taschenbuch wohl 1500 absetzen, wenn er beträchtlichen Vortheil haben soll. Von Schillers Almanach, den er freylich auch wohl noch stärker bezahlt, sind immer 21–2200 Ex. gedruckt und, ich glaube, auch ziemlich vollständig abgesetzt worden.

Ich betrachte nun also die Sache als völlig in Richtigkeit gebracht. Mit dem Honorar, denke ich, machen wir nun folgende Einrichtung. Das Taschenbuch muß etwa 300 S. also 13–14 Duodezbogen à 24 Seiten enthalten. Wir honorirten also etwa unsre und der Freunde Beyträge mit 4 Lsd. per Bogen. Die 40 Lsd. die nachgezahlt werden, wenn es gelingt, theilen wir nachher unter uns. Hat das Taschenbuch gleich einen guten Erfolg, so entschließt er sich nachher wohl, die gesammten 100 Lsd. künftig sogleich zu zahlen, und dann können wir die Beyträge vielleicht noch etwas höher honoriren. Denn auf unhonorirte Beyträge müssen wir schlechthin nicht speculiren, um nicht in das gewöhnliche Musenalmanachswesen zu verfallen. Es muß schlechthin nichts aufgenommen werden, was von einem zweydeutigen halben Talent zeugt, und wir müssen uns die Grobheit nicht verdrießen lassen, wenn man uns so etwas aufdrängen wollte. Wir beyden, dann Hardenberg, Friedrich und Schelling (der sich aber vermuthlich nicht wird nennen wollen) können das Büchlein schon hinreichend anfüllen. Ritter hat sich auch mit poetischem Studium abgegeben, und ich habe Friedrich ermahnt, ihn väterlich anzuleiten: aber da wird wohl für’s erste noch nichts zu Stande kommen.

Was das beste ist, so schreibt mir Cotta, Goethen und Schillern würde er gern bey Arbeiten für das Taschenbuch ihre eignen Bedingungen zugestehn. Du weißt vielleicht, daß dießmal kein Schillerscher Musenalmanach erscheint; sollte er nun auch in Zukunft unterbleiben, wie ich vermuthe, (da Schiller sich wahrscheinlich ganz dem Theater widmen will), so werden uns die beyden, was sie an kleinen Sachen hervorbringen, gewiß nicht verweigern und so kann unser Taschenbuch leicht der Musenalmanach par excellence werden. Ich schreibe nächstens an Goethe darüber.

Zum einzigen Kupfer dabey wünschte ich für dießmal Goethe’s Porträt. Ich werde mich bemühen, nach Burys Bilde, das jetzt in Hannover steht, eine Zeichnung zu bekommen.

Nun ist also nur übrig, daß wir eifrig für das Taschenbuch sammeln. Noch habe ich zwar nicht vieles ausgeführt, aber eine Menge Gedanken zu Gedichten. Deine Sonette im Journal sind göttlich, ich habe sie oft mit großer Erquickung meines innersten Gemüths gelesen, und finde immer neue Tiefen darin. Fast hat es mir Leid gethan, daß sie nicht für das Taschenbuch aufgehoben worden. Indessen, Du lobst die andern Theilnehmer darin, und das würde denn freylich für eine Unschicklichkeit gelten. Ich baue auch auf Deine Fruchtbarkeit. Nur bitte ich Dich inständigst, jetzt von Deinen einzelnen Poesien ja nichts zu verzetteln, sondern alles beysammen zu halten und aufzusparen.

Friedrich wird uns mit Lyrischen Stücken in Spanischen und Italienischen Formen versorgen, (ich habe schon eine göttliche kleine Canzone von ihm) Hardenb. mit einheimischem Liedergesange; von Dir wünschte ich ganz besonders auch einige Romanzen. Versteht sich die freyen Lieder, Fantasieen, oder die mehr geordneten Lieder, Sonette und was es ist, wird auch willkommen seyn. — Ich werde wohl der einzige seyn, der Gedichte in antiken Formen unter die modernen mischt: den Plan zu einer zweyten lehrenden Elegie über die Gestirne hatte ich, wie Du weißt, lange. Jetzt gehe ich mit einer Idylle in deutschem lokalen Kostüm um. — Meine lyrischen Sachen werden meist alle zu einem Todtenopfer bestimmt seyn. —

Von Schelling (der von Deinen Sonetten ebenfalls sehr bezaubert ist) haben wir den Pfarrer[17], an dem er noch einiges verändert hat. Er schreibt mir: „Das poet. Taschenbuch wird nun ohne Zweifel bald ganz entschieden seyn. Wie froh wäre ich, mich mit würdigen Beyträgen anschließen zu können. Allein ich befinde mich hier jetzt in einer solchen prosaischen Lage, daß ich schwerlich so bald etwas neues zu Stande bringe. — Ein Lied jedoch kann ich Ihnen anbieten.“ — Bis zum Sommer wird ohne Zweifel noch manches hinzukommen.

Von Hardenberg habe ich noch das Lied an Dich über Jakob Böhme; sonst habe ich lange nichts von ihm vernommen.

Das sind so ungefähr die Aussichten. Laß mich vorläufig Bibliothekar und Registrator des Taschenbuchs seyn. Nach Neujahr hoffe ich nach Berlin zu kommen, und da wird unser Beysammenseyn noch manches hervorlocken.

Alsdann wollen wir auch überlegen, ob es besser ist, ganz friedlich mit reiner Poesie anzufangen, oder gemeinschaftlich eine große Teufeley auszubrüten. Die Abgeschmacktheit und Niederträchtigkeit ist groß, wie Du aus Falk’s Taschenbuch und den Rez. davon und von Deinem Zerbin in der A. L. Z. ersehen haben wirst. Die Frage ist nur, ob der Kampf grade an dieser Stelle fortgeführt werden soll, oder ob wir lieber ganz in unsrer Welt daheim bleiben sollen.

Ich habe auf meine eigne Hand einmal einen Streich ausgeführt, nämlich mit der Kotzebueschen Posse, die jetzt gedruckt wird und die Du nächstens erhalten wirst. Ich bin sehr begierig, wie sie Dir gefallen mag. Für das Taschenbuch wäre der Spaß viel zu weitläuftig gewesen, denn es werden an die sechs Bogen; auch dürfte es nicht veralten, da K. nun schon eine Weile her wieder im Glück ist.

Noch eins; Cotta überläßt es uns, den Druck des Taschenbuchs selbst zu wählen. Lateinische Lettern wirst Du nicht wollen; es bleibt also nur die Wahl zwischen gewöhnlichen Deutschen und Ungerschen. Ich bin für die letzten. Wie hübsch nehmen sich Goethe’s neuste Gedichte aus!

Dein 4ter B. D. Q. ist ja nun auch wohl fertig. Soltau’s Angriff auf mich in der A. L. Z. wirst Du wohl gelesen haben. Ob er mit der Beschuldigung gegen Dich, den alano betreffend, Recht hat, weiß ich nicht, da ich das Original nicht in Händen habe.

Das Verdrießliche ist, daß er uns mit den Novellen wirklich zuvorgekommen. Die ersten Bogen habe ich in Händen, sie werden hier bey Vieweg gedruckt, und sind vielleicht um ein weniges besser, wie sein D. Q. Er ist doch, wie es scheint, ein wenig in sich gegangen. — Es wird für uns schwer halten einen Verleger zu finden, und wir werden unsern Plan mit dem ganzen Cerv. vielleicht erst in Jahren ausführen können.

Mich verlangt sehr, von dem Fortgang Deiner eignen Arbeiten, Sternbald und Gartenwochen etwas zu hören.

Ich habe mich herzlich gefreut über den Preis, den Dein Bruder gewonnen, und es thut mir nun doppelt leid, daß er nicht nach Deutschland kommt, um das Monument ausführen zu können. Melde mir seine Addresse, ich wollte gern einen schon vor langer Zeit von ihm empfangenen Brief beantworten.

(Ohne Schluß.)

VII.

Braunschweig, den 1. Dec. 1800.

Liebster Freund!

Cotta wünscht, wie Du wissen wirst, ein Titelkupfer zu dem poet. Taschenbuch. Ich habe ihm dazu Goethe’s Bildniß vorgeschlagen, in der Hoffnung, nach Bury’s großem Oelgemälde eine Zeichnung des Kopfes erhalten zu können. Das Gemälde hatte Bury von Berlin nach Hannover geschickt, es war eben dort angekommen, als ich abreiste. In der Vermuthung, daß er nun schon nachgekommen wäre, schrieb ich an einen Freund in Hannover, die Sache zu betreiben, der mir aber meldet, B. sei bis jetzt nicht angekommen und müsse ohne Zweifel noch in Berlin sein. Ich wollte ihm erst schreiben, aber Du wirst es mündlich besser ausrichten können, da Du ihn schon persönlich kennst. Zuvörderst müßtest Du anfragen, ob er es überhaupt zugeben will, daß der Kopf aus seinem Bilde Goethe’s in Kupfer gestochen werde; dann, ob er eine Zeichnung davon, im Format der Schillerschen Almanache etwa selbst übernehmen will und kann, und wann er sie liefern würde? Es versteht sich, daß sie Cotta gehörig bezahlen muß, dieser wünscht sie aber bald einem Kupferstecher übergeben zu können. Du könntest B. auch fragen, welchem er sie am liebsten anvertrauen würde? versteht sich, unter denen, die man zu einer so schnell zu fertigenden Arbeit haben kann. Endlich, wenn es noch zu lange währt, ehe B. nach Hannover kommt, oder er die Zeichnung überhaupt nicht übernehmen will, ob er zugiebt, daß Huck den Auftrag dazu bekäme?

Beweise Dich zum erstenmal als Redacteur des Taschenbuches, liebster Freund, indem Du diesen Auftrag schleunigst besorgst, und mir sogleich Nachricht von dem Erfolge ertheilst. Ich habe auf jeden Fall noch eine Profilzeichnung von Goethe in Petto, welche uns dienen könnte, allein dieses majestätische en face im Styl der alten Tragödie würde unsern Eingang doch glorreicher machen.

Gehab Dich wohl und schreibe recht bald. Grüße an die Deinigen.

A. W. S.

Melde die Addresse Deines Bruders.

VIII.

B., d. 23. Apr. 1801.

Liebster Freund, ich danke Dir sehr für die Nachricht von meiner Schwester Gesundheit, und bitte Dich, ihr und den Ihrigen meine herzlichste Freude und Glückwünsche auszudrücken. Daß Du nicht nach Jena gehst, ist sehr traurig. Alle werden sehr in ihrer Erwartung getäuscht sein, Carol. die jetzt wieder dort ist, Schelling und Friedrich. Schelling schreibt, er hoffe viel mit Dir zu verkehren, und habe Dir manches mitzutheilen, worüber er Deine Meinung zu hören wünsche. Noch übler ist es, daß Deine Gesundheit der Grund Deines aufgegebenen Planes ist. Ich beschwöre Dich, pflege sie ja recht. Ich glaube, laue Bäder würden Dir vor allem wohl thun, in Dresden ist dazu sehr reinliche und wohlfeile Anstalt.

Der Streit wegen des Logirens fällt jetzt von selbst weg; indessen, wenn Du im Herbste hinkommst, dann werde ich ja vermuthlich dort sein, und dann wäre es doch wohl natürlicher, daß Du bei mir wohntest. Indessen will ich es Deinem Gefühl überlassen, man kann niemand mit Gewalt einladen.

Höre, das Parteinehmen ist gar nicht meine Sache, — ich bin für den allgemeinen Frieden, und suche ihn auf alle Weise zu bewerkstelligen. Schwerlich möchtest Du aber die rechte Partei ergreifen, wenn Du die von Fr. gegen C. nimmst. Glaube mir, er hat sich in diese Sache auf eine auch mir zu nahe tretende Art indiscret eingemischt, und das zwar aus bloßer Empfindlichkeit, da er leider von diesen Kleinlichkeiten nicht frei ist. Was von der V. zu sagen ist, weißt Du selbst so gut wie ich. Wenn ich nach Jena komme, muß von derlei Parteiwesen nicht weiter die Rede sein, oder ich würde dann selbst gegen Fr. Partei nehmen.

Nun von Geschäften wegen des Almanach. Ueber den Druck rede ausführlich mit Cotta; ich habe schriftlich bei ihm angefragt, wo und wann ich die 60 Lsd’or Grundhonorar in Empfang nehmen könnte, um die Beiträge der Freunde baldmöglichst zu honoriren; denn ich habe vorausgesetzt, daß Du mir mit dem Archivariat auch dieses Geschäft übertragen, da Du nicht für dergleichen Besorgungen bist. Es versteht sich, daß wir den Betrag für die Beiträge, die nicht honorirt werden, unter uns theilen, so wie auch die 40 Lsd’or, wenn wir sie nachgezahlt erhalten.

Von Deiner großen Romanze habe ich eigenhändig eine saubre Abschrift gemacht, und das Original an Bernhardi gegeben, um es für Dich abschreiben zu lassen oder Dir zu schicken. Die paar Lesearten habe ich nach Deiner Vorschrift verändert. Nur mit dem Wuste wußte ich nicht, wie Du es haben wolltest. Die Zeilen heißen so: „Alles Glück der ganzen Erde lag umher versteckt im Wuste.“

Von Fr. habe ich eine Abschrift von Hard. Gedicht an Dich und eine Anzahl meist kleiner Sachen von ihm selbst erhalten, die zum Theil neu sind, außer denen uns schon vorher bestimmten. Fichte hat mir ein kleines Gedicht gezeigt, das er uns geben will, und giebt vielleicht noch mehreres andre, doch vermuthlich ohne seinen Namen. — Röschlaub hat an Schelling einige Distichen auf Reinhold geschickt, wovon er erlaubt, mit seinem Namen Gebrauch zu machen, welches schon der Merkwürdigkeit wegen etwas werth ist. Ich soll sie bald erhalten. Schelling hat sich für seine Sachen die Chiffer Venturus (?) gewählt, hat für jetzt noch nichts weiter zu geben. Ich habe ein Sonett auf Buri’s Bild der Tolstoi gemacht, und eine Romanze im Sinne. Sobald Du von Leipzig zurück bist, will ich eine große Sendung an Dich von allem hinzugekommenen besorgen. Ich bringe das Archiv in die schönste Ordnung.

Schick nun auch in des Teufels Namen die geistlichen Lieder von Hard. und den Camaldulenser. Ferner bitte ich Dich, an Carl Hardenb. über seine Gedichte zu schreiben, die Du in Händen haben mußt.

Das Bamb. Gesangbuch wird sich wohl bei Bernh. finden. Ich habe von Dir 1) Shakesp. Fol., 2) Shakesp. Johns. einen Band, 3) die Sprachlehre von Bernh., die aus Versehn hiergeblieben, 4) den Tobias von Meyer. — In Jena ist noch Dein Weckherlin. Wenn Du von Leipzig zurückkommst, so nimm Dich nur gleich recht zusammen, und mach fertig, was Du geben willst, damit der Druck zeitig anfangen kann. Lebe recht wohl, und grüße Deine liebe Frau. Schreibe auch bald wieder

Deinem

A. W. v. Schl.

Meinen Handel mit Unger wirst Du schon wissen, oder kannst ihn von Cotta oder Sander genau erfahren.

IX.

Berlin, d. 7. Mai 1801.

Liebster Freund!

Was zwischen mir und Unger wegen des Shakespeare vorgefallen ist, wirst Du zur Genüge durch andre Buchhändler wissen. Sander that mir hier Vorschläge, und wollte sich auf der Messe nur erst genauer nach dem Absatz erkundigen. Er schreibt mir jetzt: das Resultat sei so ausgefallen, daß ein reicher Mann recht gut dabei bestehen könne, für ihn sei aber bei seinem mittelmäßigen Vermögen die Unternehmung zu groß. Sag ihm, er würde mir einen wahren Freundschaftsdienst erzeigt haben, wenn er mir die eingeholten Erkundigungen genau mitgetheilt hätte. Laß Dir alles von ihm sagen und zeichne es auf, damit Du Data hast, die Du den übrigen Buchhändlern vorlegen kannst. Sprich alsdann mit Cotta, dem ich schon eher geschrieben hatte, als Sander mit mir sprach. Frag ihn, ob er meinen Brief richtig erhalten; noch habe ich keine Antwort von ihm. Hat er keine Lust, so sprich weiter mit andern Buchhändlern, dem Lübecker Bohn, Nicolovius, Wilmanns &c. was ordentliche Leute sind, auf die man Vertrauen haben kann. Frölich hat mir schon halb und halb Anträge gethan, ich glaube aber nicht an sein promptes Bezahlen.

Der Vertrag müßte auf die sämmtlichen 13 Bände (die es nach dem 8ten [mit den Spurions plays] noch werden, und die in 5–6 Jahren fertig sein können) sogleich eingegangen werden. Eine Auflage, wie sie Unger zuletzt gemacht, nämlich 200 Velin 1300 Schreibpapier; ein paar hundert ganz schlechte gegen den Nachdruck gehen noch in den Kauf. Will einer für den Band 60 Lsd’or oder à Bogen 3 Lsd’or geben, so kannst Du es beinahe richtig machen; denn mehr bekomme ich wohl schwerlich; will Einer eben so viel geben, wie U. bisher, so laß es in Suspenso, und melde es mir gleich. Will einer aber weniger bieten, so laß Dich gar nicht ein.

Ich kann aus mancherlei Gründen nicht jetzt noch auf die Messe reisen, und werde Deine Freundschaft an dem Eifer erkennen, womit Du diese Sache betreibst, die ich gerne baldigst wieder im Gang hätte. Kann ich mit keinem Buchhändler einig werden, so werde ich es selbst übernehmen und den Lesern auf Pränumeration anbieten: und wollen mich die werthen Landsleute nicht gehörig unterstützen, so lasse ich es liegen, und sie können mich — — —!

Ich verlasse mich darauf, daß Du mit Cotta wegen des Almanachs alles recht gründlich absprichst. Ein Druck wie der des letzten Vossischen Almanachs: etwa bei Sommer, wäre sehr gut. Es kommt hauptsächlich darauf an, daß Sonette und dergleichen nicht mit gebrochenen Zeilen gedruckt werden müssen, sollte auch allenfalls kleinere Schrift dazu genommen werden. Dein Bruder hat eine Zeichnung zur Vignette vorgenommen; das wird zu spät sein, sie noch zu stechen. Ich bin sehr für den Namen Musenalmanach. Wann muß der Druck anfangen? —

Meine neue Romanze und Sonett an Buri bekommst Du von Jena aus. Sachen von Friedrich schicke ich Dir nach Dresden, sobald Du zurück bist, und erwarte demnächst neue von Dir.

Schreib doch an Karl Hardenberg. Adieu, Adieu!

A. W. v. Schl.

Die Gedichte in Ofterdingen habe ich genau durchgelesen und gefunden, daß sich zwei: Bergmannsleben und Lob des Weines, als für sich am verständlichsten, am besten ausheben lassen.

X.

Berlin, d. 28. Mai 1801.

Es ist ganz und gar nicht fein von Dir, Freund Tieck, daß Du mir nicht schreibst. Meinen Brief mit den Aufträgen hast Du gewiß noch in Leipzig erhalten, und wenn Du in Ansehung derselben nichts hast thun können, so hättest Du mir wenigstens dies melden sollen, damit ich weitere Schritte thun konnte. Diese Unterlassung würde in der That so aussehn, als ob Du Dich um das Schicksal meines Shakspeare wenig kümmertest, wenn ich Dich nicht besser kennte. Ich will Dich indessen von allem Schreiben hierüber für jetzt lossprechen, — ich bin auf einem andern Wege so gut von der Lage der Sachen unterrichtet, wie ich es durch einen Brief von Dir nur immer sein könnte. Ferner verweist mich Cotta wegen der Verabredungen über den Druck des Almanachs an Dich. Wahrhaftig an den rechten! Worauf, zum Henker, wartest Du denn noch, mir dergleichen Nachrichten zu ertheilen? Was ist noch für Zeit zu versäumen? Wenn der Almanach zeitig auf Michaelis erscheinen soll, so muß der Druck doch gewiß mit dem Julius seinen Anfang nehmen. Da ich so manche Mühe bei der Herausgabe freiwillig übernommen habe, sollte Dir es doch nicht zu beschwerlich dünken, ein paar Zeilen zu schreiben.

Endlich habe ich Dich schon vor der Reise nach Leipzig gebeten, mir die geistlichen Lieder von Hardenberg, und den Camaldulenser von Schütze zu schicken. Es ist nothwendig, daß ich das Vorräthige beisammen habe, um zu übersehen und zu ordnen. In des Teufels Namen, schick, oder Du wirst mich sehr böse machen. — Caroline wird Dir eine neue Romance und ein Sonett von mir geschickt haben. Ich bin in diesen Tagen mit Henry VI. P. 3 fertig geworden, und mache nun noch verschiednes für den Almanach. Von Dir erwarte ich recht sehr bald etwas neues. Vor allen Dingen den Moses, den Du ja an der Spitze zu sehen wünschtest. Soll er da wirklich hinkommen, so mußt Du Hand an’s Werk legen; gewartet kann auf ihn nicht werden.

Von Fr. ist unterdeß noch nichts weiter eingelaufen, als wovon ich neulich schrieb. Ueber die Sachen, die er überhaupt zu geben gedenkt, wirst Du ihn selbst gesprochen haben. Mnioch hat ein vortreffliches Gedicht (Hellenik und Romantik) für den Almanach eingeschickt. — Von Deiner Schwester habe ich ein Gedicht in Stanzen bekommen, das ich nun abschreibe, um einige Kleinigkeiten zu ändern. Die Epigramme von Röschlaub auf Reinhold habe ich; es fragt sich, ob ihretwegen von der Maxime, nichts Litterarisches aufzunehmen, abgewichen werden soll? Gries hat sich erkundigt, ob wir Beiträge annähmen. Fr. hat es aber höflich abgelehnt.

Vermehren soll mit seinem Almanach in einiger Noth sein. Er hat Beckern in Dr. eine Parthie eigner Fabricate gegen andre auszutauschen angeboten. Dem Becker mußt Du um des Himmelswillen nichts für sein Taschenbuch geben. Er wird Dich vermuthlich sehr darum angehen.

Ich habe bei den Gedichten, die ich Dir zusenden muß, noch die Mühe des Abschreibens, da sie sonst verloren gehen könnten. Indessen sollen sie sogleich erfolgen, wenn ich die Sachen von Hardenberg und Schütze habe. Schickst Du diese aber nicht mit umgehender Post, so werde ich Dich von neuem mahnen, und zwar, da Du einmal weißt, was ich will, durch ein bloßes Couvert ohne Brief darin, welches ich posttäglich so lange wiederholen werde, bis ich sie habe.

Lebe übrigens recht wohl, und grüß Deine liebe Frau.

A. W. S.

Noch eins: sind Dir die beiden Lieder aus dem Heinrich von Ofterdingen: Lob des Weines und Bergmannsleben erinnerlich, und billigst Du die Wahl?

Noch eins: Schreib an K. von Hardenberg über seine eingesandten Gedichte, oder schicke sie mir zurück, damit ich es thun kann. Besser wäre es aber, Du thätest es, da ich mich auf Jakob Böhme noch gar nicht verstehe.

Und thue auch das bald, bald, bald!

Deine Schwester hat uns mit ihrem Befinden manchmal recht in Sorge gesetzt. Wenn sie nur erst ihre Wochen überstanden hat, denke ich, soll es besser gehen.

XI.

B., d. 13. Jun. 1801.

Liebster Freund!

Da Du auf meinen Brief sogleich mit dem nächsten Posttage geantwortet, und die nöthigen Sachen geschickt, so hat er seinen Zweck erreicht, und ich bin mit allem übrigen gern zufrieden. Denn ich denke, wie jener alte Feldherr: Schimpf, aber schreib nur.

Hier sind nun alle die vorräthigen Gedichte, die Du noch nicht kennst. Ob die kleinen Gedichte von meinem Bruder, des Anstoßes wegen gänzlich auszuschließen sind, oder bloß Nr. 6 und weil er es in diesem Falle verlangt hat, auch das sentimentale Nr. 5, will ich Dir anheim geben. Nöthig scheint es mir nicht — denn solche Sachen, wie in den übrigen, kommen doch in Schützens Tänzern, und in andern Stücken auch vor, es läßt sich fast nicht vermeiden, und die Leser sind das auch schon gewohnt.

Fichte hat mir das kleine Gedicht, das er mir einmal vorgelesen und für den Almanach bestimmt, noch nicht in Abschrift gegeben, deswegen steht es nicht in der Liste. Sobald ich es bekomme, schicke ich es.

Hier erfolgen auch Röschlaubs Epigramme. Der Einfall in dem 3ten Distichon ist sehr gut, aber der Spaß mit der Allgemeinen und gemeinen L. Z. schon etwas abgenutzt, und überdies wegen des Strickstrumpfs eine Note erforderlich, wenn man nicht ein eigenes Epigramm darüber hinzufügen wollte. Mir däucht also, man machte wegen dieser Epigramme keine Ausnahme von der Maxime, nichts Literarisches aufzunehmen.

Von Mnioch’s Gedicht schicke ich Dir die Original Abschrift. In der, die ich habe nehmen lassen, ist das: Fragmentarische Andeutungen und alles Unterstreichen und doppelt Unterstreichen weggeblieben. Auf einige Fehler der Hexameter habe ich ihn aufmerksam gemacht, wenn er aber keine Correctur schickt, so ist es wohl am besten, man läßt sie so.

Wie es unheilig sein soll, ein paar Lieder aus dem Ofterdingen aufzunehmen, sehe ich nicht ein. Was davon vorhanden, ist ja überhaupt nur ein Fragment, diese Lieder sind vollendete Gedichte, die für sich ganz verständlich sind. Du wirst sehn, daß ich darnach gewählt habe. Der Druck des Buchs ist noch Schwierigkeiten unterworfen, warum soll man also nicht im Voraus eine Menge Leser dafür interessiren?

Deine neuen Gedichte haben mich sehr gefreut; die Sonette sind göttlich, in der Einsamkeit ist mir besonders die Anspielung auf die Niobe merkwürdig gewesen. Erlaube mir ein paar Kleinigkeiten zu bemerken. Du gebrauchst zweimal neigen intransitiv ohne sich; ich weiß nicht, ob das geht. Warum nicht in der ersten Zeile der 6ten St.: Mit ihnen seh’ ich, die sich abwärts neigen. In der 7ten scheint mir das Wird sichtbarlich nicht grammatisch richtig und deswegen dunkel. Die Endsylbe macht es zum Adverbium, wozu nun noch ein Adjectiv erwartet wird.

In dem Zornigen vergaß ich letzthin zu bemerken, daß Du die Assonanz doch gar zu lax genommen, indem Du eu und ei wechseln läßt.

Ueber den Fortunat und Deine voriges Mal geschickten Gedichte wollen wir uns nicht weiter entzweien. Du wünschest die Freunde kennen zu lernen, denen jener so sehr gefallen hat. Gut, es sind Schelling, Schütze, Bernhardi, Genelli, meine Frau und Deine Schwester. Auch Friedrich hat ihn eigentlich gar nicht getadelt, und die Angemessenheit der Form anerkannt.

Bei Gelegenheit des Zornigen und der Sanftmuth haben wir einige Gedichte aus dem Lovel wieder gelesen, die ganz zu derselben Gattung gehören, und uns alle entzückt haben.

Ich habe nichts gegen die Einrückung des Sonetts von Bernhardi; — ich habe ihn nur sehr ermahnt, noch etwas anderes zu machen, und nicht mit einem Gänsebraten allein zuerst als Dichter aufzutreten. Ich denke auch, daß er uns noch etwas recht gutes geben wird.

K. Hardenberg’s Chiffre ist mir jetzt in der That nicht erinnerlich.

Was Du mir bei der Anordnung anbefiehlst, werde ich beobachten. Ich glaube, man muß, außer da, wo eine oder mehrere Reihen von Stücken zusammen gehören und ein Ganzes machen, die möglichste Abwechselung suchen. Ich werde also auch die Romanzen trennen. Von Friedrich habe ich die übrigen Sachen, die er uns versprochen, immer noch nicht erhalten, ungeachtet meines dringenden Mahnens.

Deine Sonette an Hardenberg können allerdings sehr gut auf die Canzone an ihn folgen, der ich aber noch ein Sonett nachzuschicken denke, so wie überhaupt die Gedichte, die ich unter dem Namen Todtenopfer zusammen fasse, noch mit einigen vermehrt werden sollen. Die Lieder aus dem Ofterdingen schick mir sogleich wieder, mit den übrigen ist es nicht nöthig, bis ich sie etwa fordre, weil ich Abschriften habe nehmen lassen.

Du sagst, Du habest mir das mit Cotta über den Druck des Almanachs Verabredete sogleich geschrieben — dieser Brief muß aber verloren gegangen sein, oder Du irrst Dich; denn jetzt erfahre ich das erste Wort. Ich schreibe nun gleich heute an Frommann, und schicke auch den Anfang des Manuscriptes nach Jena. Wenn Cotta mit Fr. schon gesprochen, so wird dieser auch wissen, wie stark Cotta die Auflage überhaupt, und wie viel auf Velin gedruckt haben will &c. worüber ich bei eigenmächtiger Abrede mit einem Drucker sehr verlegen sein würde. Auf alle Fälle ist Fr. mit Cotta liirt, daß er, falls er selbst seine Druckerei zu stark besetzt haben sollte, für ihn bei einem andern Drucker Anstalten treffen kann. Lateinische Lettern werden nun wohl das beste sein, da Fr. keine recht eleganten kleinern haben möchte. In einigen Wochen werde ich in Jena zurück sein, und die Correctur selbst besorgen können, bis dahin kann sie ohne Bedenken Frommanns Leuten anbefohlen werden, da die Abschriften meistens deutlich sind.

Werde nicht böse, daß ich den Ofterdingen noch nicht mitschicke. Da ihn der Zufall meiner Bewahrung anvertraut hat, so halte ich es für meine Pflicht, ihn auf das sorgfältigste in Acht zu nehmen; denn ich weiß ja nicht einmal, ob der Brouillon, wovon diese Copie genommen, noch vollständig vorhanden ist, und bei so bewandten Sachen halte ich es für zu gefährlich, das Manuscript in der Welt herum reisen zu lassen.

Wozu kannst Du ihn nur so nöthig brauchen? Ueberdies denke ich mich der Erscheinung im Druck mit Eifer anzunehmen; durch meine Vermittelung ist die erste Uebereinkunft mit Unger geschlossen, und ich weiß, daß es Hardenberg besonders darauf ankam, das Buch ganz in der Gestalt des W. M. gedruckt zu sehen. Ich werde bei U. noch einmal anfragen, und dann es mit andern Buchhändlern versuchen, wobei ich solch Format und Druck zur ausdrücklichen Bedingung machen werde. Findet sich auf Michaelis keiner, so müßte man es etwa bei Sander in Commission geben, und die Freunde müßten die Kosten des Drucks durch eine Subscription unter sich zusammen bringen. Ist der Ofterdingen erst gedruckt, so können alsdann die übrigen bisher gedruckten oder ungedruckten Aufsätze und Gedichte von Hardenberg in einem zweiten Bändchen als Anhang folgen.

Du siehst, zu jener Besorgung des Drucks muß ich das Manuscript in Händen haben, und Du müßtest mir also erst Dein Ehrenwort geben, daß ich es auf die erste Mahnung wieder haben solle.

Immer bleibt es also bedenklich, es so herumreisen zu lassen.

Lebe recht wohl. Bernhardi’s grüßen und schreiben nächstens.

A. W. Schlegel.

Ich höre, daß Göthe und Schiller einen Preis für das beste Intriguenstück ausgesetzt haben. Oeffentlich bekannt gemacht ist es vermutlich noch nicht. Hast Du nicht Lust, diesen Preis zu gewinnen? Es wäre hauptsächlich nur, um einmal etwas mit éclat aufs Theater zu bringen. Das Elend mit den Nachahmern wird nun erst noch recht angehn. In Kochens Archiv, das in der A. Z. angekündigt wird, ist nichts als Religion und Sonette. Mit dem Memnon ist es auch eine schlechte Freude. Ich hoffe, daß Du diesen Winter vollkommen gesund bist, und nichts von der verwünschten Gicht verspürst. Ich bin es vermittelst einer guten Diät, wozu ich starkes Bier, Wein und Liqueur rechne, was ich Dir auch bestens anrathe. — Caroline kränkelt immer fort, jeder kleine Zufall bringt ihre ganze Schwäche zum Vorschein. Sie grüßt mit mir Dich und Deine liebe Frau von Herzen. Dorotheechen küße in meinem Namen.

An Bernhardi viel Empfehlungen. Ich bin auf seine Sprachlehre sehr begierig. Lebe recht wohl.

Dein

A. W. Schlegel.

Du wirst schon durch Schleiermacher wissen, daß die Jahrbücher für’s erste noch nicht zur Ausführung kommen, und auch die Ursachen, die sich jetzt in den Weg stellen. Es dauert mich nur um der guten Sache willen, nicht für meine Person, denn ich habe alle Hände voll von lieberen Arbeiten als den kritischen. Das bleiben doch immer nur Arbeiten, man muß Werke ausführen.

Melde mir Deine Addresse genau!

XIIa.

(Ohne Datum.)

Liebster Freund, ich höre, daß Du etwas gegen Merkel und Falk schreiben willst — es sollte mir leid thun, denn die Lumpenhunde sind es doch wahrhaftig nicht werth. Sie haben in der (unlesbar) seitwärts etwas bekommen, und mit dem kleinen Merkel will ich mir noch einen kleinen Spaß machen, er muß allmälig ganz aus Berlin herausgelacht werden. Nur um Gotteswillen vertheidige Dich nicht etwa im Ernst. Du wirst doch um eines so erbärmlichen Ausfalles willen, der jeden nur leidlich verständigen Leser mit Ekel erfüllt, nicht von der imposanten Manier abgehen, immerfort anzugreifen, seine eignen Sachen aber Preis zu geben, insofern etwas gegen sie auszurichten ist? Allenfalls kann man das Vertheidigen guten Freunden überlassen. Bernhardi hat über die Merkelschen Briefe, dünkt mich, schon genug gesagt.

Melde mir Dein Urtheil über diese Possen, auch gieb mir Nachrichten von dem, was Du arbeitest und Deinem sonstigen Lebenswandel. Wirst Du oder Bernhardi nicht um den Preis des Intriguenstücks werben? Denke fleißig an das Taschenbuch. Ich habe schon verschiedenes dafür gedichtet, auch an Göthe wegen seiner und der Schillerschen Beiträge geschrieben. Ich will Archivar sein, und was fertig ist, werde ich mich bemühen, allmälig zusammen zu bringen.

Schreibe baldigst, so trifft es mich noch hier, sonst bin ich, schon fort nach Jena, bald bin ich bei Euch. Herzliche Grüße an Deine liebe Frau und Dorotheen. Melde die Addresse Deines Bruders. Adieu!

A. W. S.

Es ist schwer zu bestimmen, ob dieses und das nächstfolgende Blatt hierher gehören? Wir ordneten sie nach der wiederholten Anfrage, wegen des Preis-Intriguenstückes.

XIIb.

(Ohne Datum.)

Wie geht es denn mit dem poetischen Journal; ich habe nur noch nichts, was mir gut genug dazu scheint, sonst hätte ich es Dir längst geschickt. Fröhlich ist doch ein rechter Esel, daß er Bernhardi noch nicht angefangen hat zu drucken, am Ende werden sich beide noch darüber zanken müssen. Richter ist hier, bis dato hat er sich aber nicht in mich verliebt, ja was noch schlimmer ist, er hat mich noch nicht einmal besucht. Sein beständiger Umgang und theuerster Freund ist ein blonder fader Hr. v. Ahlfeldt, auf den Du Dich auch vielleicht besinnst und seine Geliebte Madam Bernhard, geborne Gad, die über Iffland in den Denkwürdigkeiten nichts Denkwürdiges schrieb, und die sich billig mit dem Theater-(unlesbar) verheirathen sollte. Nächst diesen Personen liebt er Bernhardi, der ihn einigemal besucht und Deinen Brief abgeholt hat, am meisten. Ich habe ihn bei der Vegelin gesehn, aber nicht drei Worte mit ihm gesprochen, denn er trieb ein beständiges auf und ablaufen in dem Garten, und die Damen waren so bemüht um ihn, daß ich, da ich jetzt nicht so behende auf den Füßen bin, gar keinen Antheil an der Unterhaltung nehmen konnte.

Die Herz hatte neulich eine ganze Gesellschaft auf diesen großen Mann gebeten, ich wollte ihn doch gern sprechen hören und war auch von der Parthie, aber denke Dir die Kränkung, die die Herz erdulden mußte: er geht mit der Bernhard vor ihrem Fenster vorüber, ohne zu ihr herauf zu kommen und sein Versprechen zu erfüllen.

Die Herz aber verlor beinah die Fassung, mir war es verdrießlich, den vergeblichen Weg gemacht zu haben, aber ich gab mich bald zufrieden; Du weißt, daß ich mir aus solchem kennen lernen überhaupt nicht viel mache. — —

Ein Gedicht von der Veit habe ich gesehen bei Gelegenheit eines Puterbratens, wo Du und die übrigen Personen spaßhafterweise darin angebracht seid. Findest Du es denn auch witzig?

XIII.

Berlin, d. 10. Jul. 1801.

Es ist in der That sehr befremdlich, daß Du mir alle die Umstände, die mich hätten bestimmen können, Dir den Ofterdingen ohne Aufschub zu schicken, jetzt erst hinterdrein als so viel Vorwürfe mit heftigen Wendungen an den Kopf wirfst, statt sie mir gleich anfangs ruhig und auf die gehörige Weise zu melden. Mit drei Zeilen hättest Du mir eine weitläuftige Auseinandersetzung und Dir den Aerger (weil Du doch schreibst, daß Du Dich geärgert hast) erspart. Noch in Deinen letzten Briefen gestehst Du ein, daß Du Dich nicht zu Geschäften passest: wie kann ich errathen, daß Du Dich plötzlich dem Geschäft dieser Herausgabe unterzogen hast?

Du schreibst wiederholt: „Du kannst ja nicht wissen“ &c. &c. Freilich konnte ich nicht wissen, und deswegen brauchte ich mich auch ganz und gar nicht darnach zu richten. Das Manuscript war zufällig in Deine Hände gekommen, Unger hatte es Dir gegeben, um es Deinen Freunden vorzulesen; wäre ich gerade in Berlin gewesen, so hätte er es eben so gut mir abliefern können. Wir sind Beide Hardenbergs Freunde, er hat mit uns beiden mündliche Mittheilungen über seinen Roman gehabt. Mich hat er unter andern über den Krieg zu Wartburg zu Rathe gezogen, und hat durch mich die Behandlung desselben in den Minnesängern kennen gelernt. Ich habe in seinem Namen den Vertrag mit dem Verleger zu seiner Zufriedenheit zu Stande gebracht. Die allgemeinen Ansprüche auf die Herausgabe wären also wenigstens gleich; dem Bruder des Verstorbenen steht allerdings das Recht zu, eine nähere Vollmacht zu ertheilen, allein, wenn ich ihr Folge leisten sollte, so mußte ich davon wissen. Weit entfernt, daß Du Ursache hättest, böse zu sein, daß ich Deinem königlichen car tel est notre plaisir nicht gehorcht, hast Du gegen mich erst durch das Verschweigen Deines Vorhabens mit einer Sache, die mich eben so nahe interessirt wie Dich, dann durch Dein imperativisches Benehmen, alles aus den Augen gesetzt, ich will nicht sagen, was Freunde einander schuldig sind, sondern was die gewöhnliche Anständigkeit mit sich bringt, was man so procedés nennt.

Ich muß hinzufügen, daß ich mich auch jetzt der Strenge nach nicht verpflichtet halte, Dir das Manuscript zu schicken. Ich dürfte nur an Karl Hardenberg schreiben, ich wolle es ihm und nur ihm überantworten. Glaube auch nicht etwa, daß Dein heftiges Trotzen mich in Schrecken setzte: es kommt mir bloß lächerlich vor. Du versicherst, ich habe versprochen, Dir das Manuscript auf die erste Forderung wieder abzuliefern, und ich muß es Dir wohl auf Dein Wort glauben; ich kann Dir aber eben so redlich versichern, daß ich mich dessen nicht erinnerte und noch jetzt nicht erinnere. Aber es empört mich innerlich, daß über den heiligen Nachlaß eines von mir innigst geliebten und betrauerten Freundes ein gemeines Gezänk entstehen soll, wie Du es zu erheben anfängst: darum will ich der Sache so kurz wie möglich ein Ende machen.

Da Ihr mir von allem in Leipzig verhandelten keine Nachricht gegeben habt, so überlasse ich es nun Dir auch, bei Unger anzufragen: ob er auf den Verlag des Buches, der ihm vermöge des Vertrages zukommt, noch Ansprüche macht? was ich sonst leicht durch ein Billet hätte thun können. Du wirst einsehen, daß die rechtliche Form den jetzigen Herausgeber hierzu verpflichtet, wenn er auch fast gewiß voraus weiß, daß Unger den Verlag nicht mehr will.

Ich verstehe nicht, was Du damit sagen willst: „Daß es gerade wie der W. Meister gedruckt werden soll, scheint mir jetzt ganz unwesentlich, da das Buch jetzt eine andre Absicht hat!“ Welche andre Absicht hat denn das Buch jetzt, als die der Verfasser selbst damit hatte? Gehört das auch zu den mir unbekannten Leipziger Verhandlungen? Ich, der ich den Vertrag für Hardenberg geschlossen, kann Dir sagen, daß er auf diese Bedingung sehr viel Nachdruck legte, daß es seine erste Bedingung war, daß er deswegen Unger am liebsten zum Verleger wollte. Es schien ihm nicht eine bloße Aeußerlichkeit zu sein, sondern auf den Eindruck des Werks Einfluß zu haben, indem er grade diese Art von geräumiger Sauberkeit in Format und Druck mit dem Geiste seiner Darstellung übereinstimmend fand. Auch wollte er, daß das Buch sich auf diese Art an den W. Meister, den Sternbald, den Klosterbruder und die Fantasieen anschließen sollte. — Ein allgemeines Gefühl hat es von je her den Menschen zum Gesetz gemacht, den Willen und die Anordnungen der Verstorbenen über das, was ihnen zusteht, auch in Kleinigkeiten pünktlich zu befolgen. Wenn du dieses für Aberglauben hältst, so wünsche ich Dir zu dieser aufgeklärten Gesinnung Glück. Allerdings hat die entgegengesetzte Maxime auch einen guten Grund für sich, nämlich den, daß die Todten nicht wieder kommen.

Hardenbergs Vorschrift über diesen Grund habe ich Dir nun dargelegt, und gebe sie nebst allem Uebrigen Deiner Verantwortlichkeit anheim. Wenn man auf keinen sonstigen Forderungen von Honorar besteht, (und warum sollte man das?) so wird diese Bedingung nicht so schwer zu erlangen sein: die Ungerschen Lettern sind ja schon in einer Menge Offizinen vorhanden, der Verleger kann es auch bei Unger drucken lassen.

Mit der Aeußerung: „wenn ich nun glaubte, daß es Dir bei der Herausgabe dieses Buchs um Ehre oder Vortheil zu thun sei, so würdest Du Dich nur von neuem ärgern,“ trittst Du Dir selbst sehr zu nahe, und mich wundert, daß Dir dabei das bekannte Sprichwort vom voreiligen Entschuldigen nicht eingefallen ist. Wenn mir überhaupt ein solcher Gedanke so nahe läge, so müßte ihn freilich das Verschweigen Deines Vorhabens, die jetzige gewaltsame Art, das Manuscript zu fordern und besonders diese Aeußerung veranlassen.

Es ist aber auch wohl meine Art, Dir Vortheil oder Ehre zu mißgönnen? Wofern die Herausgabe nur sonst gehörig und Hardenbergs Anordnungen gemäß besorgt wird, so soll es mir lieb sein, wenn sie Dir noch so viel Vortheil einträgt; wenn Du aber eigenmächtig und auf die entgegengesetzte Art damit verfährst, so wird sie Dir wenigstens bei den Freunden des Verstorbenen keine Ehre eintragen.

Warum sollte es denn so gar ungeziemlich sein, im Fall sich kein Verleger fände, die Kosten des Druckes vorzuschießen? Gesetzt auch, ein unvollendeter Roman, in diesem für so Wenige noch faßlichen Geiste geschrieben, hätte jetzt kein so zahlreiches Publicum zu erwarten, daß ein Verleger seine Rechnung dabei fände, sind wir darum berechtigt anzunehmen, daß es außer unserm Zirkel gar keine Menschen gebe, für die Hardenberg sich freuen könnte, geschrieben zu haben? Sind wir berechtigt, dies Bruchstück eines göttlichen Werkes der Folgezeit vorzuenthalten, und dadurch den Verstorbenen um den ihm gebührenden Zoll der Liebe und Verehrung von verwandten Geistern zu bringen? Nach Deiner transcendent-idealistischen Ansicht soll für die Freunde nicht einmal etwas daran gelegen sein, wenn das Manuscript verloren ginge, „weil H.’s Umgang in ihnen Wurzel geschlagen haben muß.“ Siehst Du nicht, daß Du mir hierdurch Waffen gegen Dich selbst in die Hände giebst? Ich hätte ganz treffend in Deinem Sinne antworten können: Du brauchst den Ofterdingen als Studium zum J. Böhme? Studire Deinen Eindruck davon. Du willst ihn herausgeben? Gieb die Vorstellung von diesem Eindruck heraus, und ergötze damit Deine Leser. Vielleicht wird die Poesie überhaupt so sublimirt, daß man nicht mehr Gedichte, sondern bloße Einbildungen von Gedichten liefern wird! Uns Realisten aber, die wir uns nicht so behelfen können, laß einstweilen das Manuscript.

Ich komme auf den Almanach. Nachdem Du zwei Monate lang auf die heilloseste Art von der Welt sogar das kleine Geschäft versäumt hast, mir über den Druck Nachweisung zu geben, scheinst Du darüber empfindlich, daß ich mich der Sache mit Eifer annehme. Wir haben die gemeinschaftliche Herausgabe in der Hoffnung unternommen, daß wir uns auch bei abweichenden Meinungen als Freunde und vernünftige Menschen würden verständigen können, denn freilich ist auf den Fall nichts ausgemacht, daß der eine absolut Nein, der andre absolut Ja sagt. Eine seltsame Verstimmung oder wenigstens Veränderung gegen mich, die seit Deiner Abreise in Dir vorgegangen ist, scheint diese Hoffnung beinah zu vereiteln, und Du hast mir schon so vielen Verdruß gemacht, daß ich zehntausendmal wünsche, ich hätte es nicht auf diese Art unternommen. Du krittelst über alles ohne irgend etwas zu fördern, und aus Empfindlichkeit darüber, daß ich, wie Du behauptest, Dir keine Stimme lasse, (da ich Dir doch alles und jedes vorlege) ob Du gleich auch einen Herausgeber vorstellen sollest (der Himmel weiß, daß es nicht meine Schuld ist, wenn Du es nicht wirklich bist), setzest Du mit Fleiß Abweichungen voraus, wo gar keine sind. —

Ueber die Epigramme von Röschlaub habe ich eben so gedacht wie Du: ich schickte sie Dir bloß der Vollständigkeit wegen, und weil Du sie fordertest. Das Gedicht von Mnioch findest Du viel geringer, als den Vermählungshymnus, ich viel vortrefflicher; das ist ja aber für unsern Zweck gleichgültig. Wir sind doch beide der Meinung, daß es eingerückt werden soll. Dein Urtheil über das Gedicht Deiner Schwester muß ich ebenfalls als eine Billigung des Einrückens ansehen. Ueber die kleinen Gedichte von Friedrich habe ich Dir bloß einige unmaßgebliche Vorstellungen gemacht; sie mögen immerhin ganz wegbleiben, ich habe nichts dagegen. Die beiden Lieder aus dem Ofterdingen habe ich so gewählt, weil ich fand, daß diese am besten außer dem Zusammenhange für sich bestehen und ganz gefühlt werden können. Ich befürchte, daß das arme Weinlied meine Wahl entgelten muß, denn mir scheint es zu dem zartesten, gefälligsten, kühnsten und fröhlichsten zu gehören, was Hardenberg je gedichtet hat, und ich glaube, daß ich nicht allein dieser Meinung bin. Besonders ist das von der Gährung des Weines, was den größten Theil des Gedichtes einnimmt, recht charakteristisch, und grade von der Art, wie es nur allein Hardenberg machen konnte. Indessen, wenn Du einmal dagegen bist, so suche nur ein andres aus, und schicke es mir baldigst. Oder ich lasse es mir auch gefallen, daß die Lieder aus dem Ofterdingen ganz wegbleiben; melde mir nur Deine Entscheidung baldigst. Ich will sie so lange zurückbehalten. Nur erwäge noch dies: daß es uns gar sehr an fröhlichen, geselligen Liedern fehlt, die uns weit mehr Leser gewinnen, als die mystischen, und daß es eine gute Gelegenheit wäre, in der Inhaltsanzeige auf die Erscheinung des Ofterdingen aufmerksam zu machen.

Friedrich hat geschickt: 1) Die Abendröthe, 2) Romanze vom Licht, 3) Hymnen. Wenn ich mich nicht sehr irre, so kennst Du schon alles, außer die 3te unter den Hymnen, das Sonett auf die Isis. Ich habe indessen Nr. 2 und 3 abschreiben lassen, und schicke es Dir mit. Die Abendröthe ist lang, ich glaubte nicht, daß es wegen der Veränderungen, die Fr. etwa darin vorgenommen, nöthig wäre, Dir eine Abschrift vorzulegen.

Ferner wird uns beiliegendes Gedicht in Stanzen angeboten. Wenn es Dir gefällt, so könnte es neben dem Schwank vom neuen Jahrhundert am Ende zu stehen kommen. — —

Wenn Du gründliche und wichtige Studien machst, mein Freund, so ist es mir sehr erfreulich, nur ist Deine Art, sie mir in dem Postscript vorzurechnen, eben nicht geeignet, mich davon zu überzeugen. Ich hatte Dich dazu angemahnt, weil ich nach der Beobachtung Deiner hiesigen Lebensart, nach Deinem eignen Bericht von verlornen Wochen in Dr.... glauben mußte, daß Du Dich darin vernachlässigtest! Wenn ich mich irrte, so hattest Du am wenigsten Ursache, es übel zu nehmen, Du durftest es mir nur schreiben, so war die Beschämung auf meiner Seite. Soll man sich immerfort Complimente machen, sollen sich Freunde über ihr Thun und Treiben nicht gegenseitig ihre Meinung offen sagen dürfen, so ist die Freundschaft überhaupt nur ein unbedeutender Name. Ich bin weit entfernt, mir über meine Freunde eine Vormundschaft oder Aufsicht anmaßen zu wollen; allein eben so wenig will ich mich von ihnen tyrannisiren und mir unwürdig begegnen lassen.

Ich bin ein freier Mensch, der am Ende keiner Freunde bedarf; ich bin es mehr, als mancher Andre, weil ich meine eigne Thätigkeit mehr beherrsche. Dir habe ich meine Freundschaft zuerst entgegen gebracht, ich bin mir bewußt, mit dem uneigennützigsten Wohlwollen, mit reinem Wohlgefallen an Deinem Geist und Deinen Talenten, auch da, wo ich Deine Ueberlegenheit am meisten anerkennen mußte, und mir nicht schmeichelte, Dich je zu erreichen.

Meinem Ehrgeiz konnte Deine Unthätigkeit willkommen sein; wenn ich mit Eifer dagegen gesprochen habe, so ist es doch wahrlich nicht meinetwegen geschehn. Und nun muß ich eine solche Erwiderung von Dir erfahren! —

Ich beschwöre Dich, setze diesen Ton und dieses Benehmen nicht fort; ich könnte nichts weiter darauf thun, als schweigen, und beklagen, daß ich mich in Dir geirrt. Laß es dahin nicht kommen. Dieser Mißklang gehört nicht in Dein Wesen, er gehört sich nicht zwischen uns. Mit freundschaftlichen Gesinnungen unveränderlich der Deinige.

A. W. Schlegel.

Die erste Nachricht von der glücklichen Niederkunft Deiner Schwester wirst Du durch Deine Verwandten erfahren haben. Sie ist auch heute recht wohl, und hofft Dir nächstens schreiben zu können. Bernhardi wird Deine Aufträge ausrichten und schreibt mit nächster Post. Viele Grüße an Deine Frau.

Den Traum schicke sogleich wieder mit zurück.

XIV.

B., d. 8. Aug. 1801.

Liebster Tieck!

Du erhältst hier das kleine Gedicht von Fichte in Abschrift.

Ferner hat Mnioch mir eine per Johann Ballhorn verbesserte Abschrift seiner Hellenik und Romantik zugeschickt. Zugleich entdeckten wir, daß er sie in eine Sammlung, betitelt: Analekten über Kunst und Religion, wofür Schütze einen Verleger suchen soll, mit aufgenommen hat. (Auch die Dir zugeschickten Reimspiele stehen darin.)

Da dies nun keine Manier ist, so hat ihm Schütze in meinem Namen geschrieben, wenn wir das Stück in den Almanach nehmen sollten, so müßten wir sicher sein, daß es wenigstens in einem Jahre noch nicht anderswo abgedruckt erschiene. Ferner wären wir in jedem Fall für die erste Edition.

Die Verbesserung per Johann Ballhorn besteht in zwei ungeheuer langen zugesetzten Partien: „Bilder des Lebens;“ in schlecht erzählten und eigentlich abgeschmackten Geschichten. Ich hätte Dir die neue Abschrift zugeschickt: allein es finden sich darin in den ursprünglichen Partieen veränderte Lesearten, die in den Text wohl allerdings aufzunehmen sind, und ich hatte keine Zeit und fand es zu weitläuftig, alles kopiren zu lassen.

Ich habe Dir eine Menge Sachen, den Almanach betreffend, anheim gestellt, da Du aber gar keine Antwort von Dir hören läßt, so werde ich so frei sein, Deine Genehmigung meiner Vorschläge zu fingiren, da nun keine Zeitversäumniß mehr gilt.

Du hast wichtige Gedichte über die Religionen versprochen, und ich weiß nicht, was sonst noch alles, und lieferst nun gar nichts. Schreibe und schicke, aber nach Jena, da ich in diesem Augenblicke dahin abgehe. Leb wohl, viele Grüße.

Dein

A. W. Schlegel.

Schreib und schick baldigst, sonst hilft es nichts, der Druck ist in vollem Gange.

XV.

Jena, d. 17. Sept. 1801.

Liebster Freund!

Es ist mir sehr angenehm, daß Du einmal wieder ein Zeichen des Lebens giebst. Dein Bruder ist vor beinahe 14 Tagen in Weimar angekommen. Am Dienstage vor acht Tagen fuhr er mit Catel (der in Weimar am Schlosse Arbeit hat, und bei dem er wohnt) nach Jena herüber, ich war aber gerade denselben Tag nach W. geritten, um ihn aufzusuchen, und verfehlte ihn also dort. Das schlechte Wetter hielt mich ab, den Abend noch wieder zurück zu reiten, ich brachte also den Tag bei Goethe zu, und kam am andern Morgen nach Jena zurück. Glücklicher Weise hatte mich Dein Bruder abgewartet, und blieb nun ein paar Tage bei uns. Ich habe ihn gleich sehr lieb gewonnen, wir sind wie alte Bekannte.

Dein eingeschloßnes Blatt an ihn habe ich gleich mit der ersten Post nach W. geschickt, er wird es nun aber doch noch nicht erhalten haben, denn ich erhielt gleich Morgens darauf ein Billet von ihm hier aus dem Wirthshause, er sei mit Catel wieder hier durchgekommen, aber ohne sich aufzuhalten; sie gingen nach Schwarzburg, und würden den 18ten oder 19ten wieder hier eintreffen. Da werde ich ihm alsdann den Inhalt Deines Blattes mündlich sagen. Er verläßt W. noch nicht sogleich, weil er Goethes Büste machen wird, wozu dieser ihm 8 Tage sitzen muß; doch er wird Dir das nächstens genauer schreiben.

Hier sind wiederum Aushängebogen vom Almanach. Es wird rasch fortgedruckt, in 14 Tagen ist alles fertig. Du versprichst noch Beiträge: sie müßten sehr bald ankommen, um noch mit hinein geordnet zu werden. Deine Schwester meldet mir von einem Gedichte für den Almanach, das sie an Dich geschickt; ich hoffe, Du wirst es nicht aufgehalten haben, es würde noch sehr willkommen sein.

Liebster Freund, die Correcturen kosten mir sehr viel Zeit und Mühe; ich bin dafür bekannt, ein genauer Abschreiber und Corrector zu sein, wenn Du aber Deine Gedichte ganz fehlerfrei gedruckt haben willst, mußt Du für bessere Handschriften sorgen. Ich hätte Dich die Romanze nur sollen abschreiben lassen, sagst Du; als wenn ich Dir nicht täglich darum angelegen hätte, so lange Du in Berlin warst, ich predigte aber tauben Ohren. Nachher reistest Du weg und vergaßest sie; man fand das Manuscript unter weggeworfenen Papieren, so daß es überhaupt nur durch einen Zufall gerettet ist. Ich fand es mißlich, Dir es zu überschicken, ohne vorher eine Abschrift zu nehmen; es konnte verloren gehen, und wer war im Stande zu weissagen, wann Du einmal die Abschrift schicken würdest? Ich nahm also die Mühe über mich, ich bin doch sonst ziemlich geübt, Deine Hand zu lesen, diesmal überstieg ihre Schlechtigkeit aber allen Begriff, und wenn bei der Enträthselung dieser seltsamen Chiffern nicht mehr Versehen vorgefallen sind, so ist es immer ein Glück.

Das eine, was Du anders wünschest, ist eine völlig veränderte Leseart, die Du erst jetzt bestimmt angiebst; was Du mir darüber nach Berlin schriebst, war so, daß ich nichts daraus zu nehmen wußte. Daß die ausgelassene Strophe wirklich im Manuscripte steht, davon kann ich mich kaum überzeugen.

Was die andern Fehler betrifft, so habe ich die Aushängebogen nicht hier, um nachzusehen: ich habe sie Goethe’n gelassen. Die eine Stelle habe ich so konstruirt: „Wir sind Sünder, daß (damit) wir in den Tod die Lilienblume lieben.“

Wie Du die Lilienblume construiren willst, wenn Du leben schreibst, kann ich mir aus dem Gedächtnisse gar nicht vorstellen.

Kurz, Du wirst künftig wohl mehr Sorge anwenden müssen. Es ist keine Billigkeit darin, daß Du selbst Deine Produkte so straußenähnlich verwahrlosest und dann willst, daß dies andre nachholen sollen.

Durch die Art, wie Du unsre bisherigen Mißverständnisse erwähnst, ist natürlich alles beseitigt. Es ist aber doch besser, wenn man Ursachen der Unzufriedenheit zu haben glaubt, daß man sie an den Tag legt, so ist nachher alles weggeräumt. Ich habe immer noch über Deinen Laconismus zu klagen.

Wie es nun eigentlich mit der Herausgabe von Hardenbergs Nachlaß steht, darüber schreibst Du nicht eine Sylbe. So habe ich es auch erst von Friedrich erfahren müssen, daß eine große Anzahl von geistlichen Liedern von ihm vorhanden ist. In der That, dies sieht nicht freundschaftlich aus. — Da in dem Inhaltsverzeichnisse bei dem Namen Novalis etwas von seinem Tode erwähnt werden muß, so gebe ich Dir anheim, dies aufzusetzen, und dabei die zu erwartende Herausgabe des Nachlasses anzukündigen. Du müßtest es aber unverzüglich mit der ersten Post schicken, sonst ist es zu spät.

Schütze hat mir keine Vollmacht gegeben, seinen Namen auszudrucken, sondern die Abkürzung verlangt. Viele Grüße an Deine Frau.

Dein

A. W. S.

XVI.

Jena, d. 10. Oct. 1801.

Aus dem beigelegten Billet von Frommann wirst Du sehen, daß es mit ihm nichts ist. Da mir die Hauptsache war, ob er es nähme oder nicht, so weiß ich in der That seine Gründe nicht recht mehr. Ich glaube aber, es war, daß er schon etwas andres zu ähnliches von Dir auf Ostern verlege. Ich bin auf Vieweg gefallen, weil dieser völlige Censurfreiheit hat; wie er sonst ist, weißt Du. Frommann nannte Cotta, der mir aber eben schreibt, er sei schon überhäuft.

Mit andern hiesigen Buchhändlern ist schwerlich etwas zu machen. Für den Moment konnte ich also nichts weiter thun, da ich vermuthlich erst nach gänzlichem Ende der Messe nach Leipzig komme. Ich habe daher geglaubt, Deinen Absichten gemäß zu handeln, wenn ich Frommann das Manuscript mit nach Leipzig anvertraute, damit es dort ist, wenn Du etwa sogleich während der Messe Aufträge giebst. Kannst Du dergleichen nicht durch Frommann selbst besorgen lassen, oder durch Mahlmann?

Mit vielem Ergötzen habe ich den Anti-Faust von neuem gelesen. Friedrich hat nach diesem Anfange große Erwartungen vom Folgenden, und meint, es werde etwas gänzlich Verschiednes vom Zerbino werden, und die Aehnlichkeit läge bloß in Aeußerlichkeiten. Die classischen Grobheiten im Aristophanes haben ihm besonders gefallen. Ich bin im ganzen mit ihm einig. Die einzelnen Einfälle, das göttliche Böttiger Lied u. s. w. das versteht sich von selbst.

So sehr ich indessen Deine Darstellungen des prosaischen Zeitgeistes in mancherlei komödischen Allegorien bewundere, könnte ich doch wohl wünschen, Dich mit der Komödie im Felde des nackten und baaren Lebens erscheinen zu sehen. Hast Du noch keine Anmuthungen dieser Art gehabt?

Daß man sich mit solchen Gesellen wie Böttiger und Falk einlassen muß, ist ein nothwendiges Uebel, oder auch nicht, denn sie werden durch ihre Erbärmlichkeit wieder klassisch und symbolisch.

Lebe recht wohl, ich bin die Zeit her fleißig gewesen, und werde hoffentlich bald mit der letzthin erwähnten Arbeit fertig sein. Fr. ebenfalls: er hat einen höchst wunderbaren zweiten Akt eines Schauspiels, welches nicht mehre haben soll, beendigt.

Den Tristan und die letzten Bogen vom Almanach wirst Du hoffentlich richtig erhalten haben. Das Geld von Cotta habe ich noch nicht, sonst hätte ich natürlich sogleich Deinen Antheil übersandt.

Leb nochmals wohl.

Dein

A. W. S.

XVII.

Jena, d. 2. Nov. 1801.

Endlich ist das Geld von Cotta gekommen, und ich versäume keine Post, um Dir Deinen Antheil zu schicken. Ich lege die Berechnung bey. Das aus Nürnberg geschickte Geld war nur bis Coburg frankirt und hat mir noch 1 Thl. 12 Gr. Unkosten gemacht. Die Hälfte hievon abgezogen von Deinen 101 Thlr. bleiben: 100 Thl. 6 Gr. Ich habe das Geld in Laubthalern erhalten, an welchen Du dort beträchtlich verlieren würdest, das vortheilhafteste für Dich war, sie hier in Lsdr. umzusetzen, welches ich denn auch gethan habe. Allein wenn man Lsd’or braucht, so bekömmt man sie nicht so niedrig, als wenn man sie ausgiebt. Ich habe 5 Thl. 16 Gr. 6 Pf. in hiesigem Gelde für das Stück bezahlen müssen, also 6 Pf. mehr, als Cotta sie uns verrechnet. Darauf gehen die 6 Gr. und noch einige Groschen mehr, die ich Dir nicht in Anschlag bringe, und so erhältst Du Netto: 20 Lsd’or.

Der Himmel gebe nun, daß über Tausend Exemplare abgesetzt werden, so hat jeder von uns noch 20 Lsd. zu erwarten.

Da ich morgen nach Berlin reise, so will ich, um Dir möglichst das Postgeld zu sparen, das Packet erst in Leipzig auf die Post geben.

Du erhältst zugleich Bücher mit. In Friedrichs und meinem Namen, die Charakteristiken, von mir Fichte’s Nicolai, der schon lange auf eine Gelegenheit wartete, und 3 Exempl. des Almanachs auf Schreibpapier. Ein viertes habe ich an den Conducteur Heine adressirt für den Ungenannten, von dem das Sonett herrührt. Sey so gut und schicke es hin.

Die Velin-Exemplare sind immer noch nicht fertig, und es wird wohl noch 14 Tage damit dauern. Ich werde Auftrag zurücklassen, Dir 2 davon zu schicken. So viel bleiben jedem von uns, nach Abzug derer an die Hauptmitarbeiter und an Goethe und Schiller, denen wir doch gemeinschaftlich geben. Wenn Du eins von denen auf Schreibpapier übrig hast meiner Schwester zu geben, so wirst Du ihr gewiß eine Freude damit machen. Deinem Bruder habe ich in Deinem Namen ein Exemplar gegeben.

Das Mspt. vom Antifaust nehme ich mit nach Berlin, um Deine Schwester und Bernhardi damit zu ergötzen. Da ich nicht auf die Messe gekommen bin, so habe ich nichts thun können, um es gut an einen Verleger zu bringen. Du könntest es immerhin mit Cotta noch versuchen. Er läßt sich Dir empfehlen und klagt, daß Du gar nichts von Dir hören ließest. Von Vieweg schrieb ich schon einmal, wie ich glaube. Thu recht mit Eifer dazu, damit es auf Ostern noch das Licht der Welt erblickt. Schick auch die Abschrift der folgenden Akte wo möglich nach Berlin.

Meine Sendung mit dem Tristan hast Du gewiß richtig erhalten. Wenn der Druck von Hardenbergs Nachlaß in Berlin anfängt (wovon ich durch Friedrich jetzt das erste Wort erfahre) so erbiete ich mich zur Correctur, und Du kannst dieß an Unger bei Uebersendung des Mspts. schreiben. Meine (weggerissen, wahrscheinlich: Begegnung) mit ihm steht dabey gar nicht im Wege, ich habe seitdem schon viel in seiner Druckerey corrigirt.

Den 8ten Band des Shakspeare erhältst Du von Berlin aus, er ist fertig, aber ich habe ihn nicht hieher bekommen.

Schreib doch von dem Fortschritt Deiner sonstigen Arbeiten, ich erwarte mit Sehnsucht wieder etwas von Dir. Was ich nunmehr fertig gemacht, verspare ich auf unser nächstes Wiedersehen, welches uns ja hoffentlich bald erfreuen wird. Ich denke den Winter auch sehr fleißig zu seyn.

Dein Bruder ist seit beynah einer Woche wieder bey mir, er benutzt die Zeit hier allerley zu arbeiten, während in Weimar die Form zu seinem Goethe verfertigt wird.

Lebe recht wohl und gesund. Ich grüße aufs herzlichste Deine liebe Frau, und meine Schwester und ihren Mann. Schreibe bald nach Berlin und addressire bey Bernhardi, Du wirst auch nächstens wieder von mir hören.

XVIII.

Berlin, d. 1. März 1802.

Diese Zeilen hat Deine Schwester Dir selbst schreiben wollen, wiewohl ich sie sehr bat, das traurige Geschäft dieser Nachricht Deinem Bruder oder mir zu überlassen. Der Kleine ist am Zahnen gestorben, das Uebel nahm sehr plötzlich überhand, die Zähne wollten alle auf einmal durchbrechen.

Es war ein schönes, munteres, starkes Kind mit herrlichen großen Augen, wir hatten ihn alle sehr lieb, und sind voller Jammer über seinen Tod.

Ich hoffe, Du sollst Dich über die Gesundheit Deiner Schwester nicht zu beunruhigen haben, wiewohl sie jetzt sehr angegriffen ist. Nächstens erhältst Du wieder Nachricht. Bernhardi ist sehr erschüttert und Dein Bruder äußerst betrübt. Lebe recht wohl, grüße Deine liebe Frau, ich kann heute unmöglich mehr schreiben.

Dein

A. W. Schlegel.

XIX.

Berlin, d. 20. Sept. 1802.

Liebster Freund!

Ich habe mich sehr gefreut, einmal Nachricht von Dir zu erhalten, auch über die Sendung vom Manuscript. Den wiedergefundenen Aufsatz von Hardenberg haben wir alle mit großem Entzücken gelesen, es ist ein herrliches und vielleicht sein eigenthümlichstes Werk.

Versäume nun nur nicht, das übrige zu rechter Zeit zu schicken, damit der Druck nachher nicht wieder still stehen muß. Die Correctur werde ich mit allem Fleiß besorgen.

Ich dachte es gleich, daß es mit dem Span. Theater bei Nicolovius nichts wäre: er liebt die kleinen Honorare, außer wo er einmal den Glauben hat, wie bei Voß. Mahlmann ist vollends ein knauseriger Patron. — Ich habe daher hier mit Reimer gesprochen, dieser hat es auch angenommen, eine Auflage von 1000 Ex., für den Bogen im Format meines Shaksp. d. h. à 27 Zeilen die Seite, gleich nach dem Druck 2½ Lsd. und nach Absatz der Auflage noch ½ Lsd. Letzthin sagte er mir aber, er habe sich verrechnet, und komme bei solchem Format und Honorar bei dem Preise, den er für den Band setzen könne, nicht heraus. Er schlug deswegen vor, kleineres Format zu nehmen, etwa 23 statt 27 Zeilen, und dann das Honorar nach diesem Verhältniß zu berechnen, wobei der Uebersetzer dann nichts verlieren würde. Auf diese Art ließen sich aber wohl nur 2 Stücke in einen Band bringen; kleines Format ist übrigens ganz schicklich, da die meisten Verse so kurz sind. Bis der Erfolg gesichert ist, hat er sich freilich nur auf eine Probe eingelassen: auf 1 Th. von 3 oder 2 Bänden, jeden zu 2 Stücken.

Der Titel Spanisches Theater hat ihm für das große Lesepublikum vortheilhafter geschienen. Da es mir aber gar zu disperat vorkommt, die Stücke von Calderon mit denen der übrigen zu vermischen, gerade als wenn man in meinem Englischen Theater Shakespeare mit Ben Jonson und Fletscher u. s. w. zusammenstellen wollte, so wird die Einrichtung getroffen, noch einen 2ten Titel voran zu schicken. Schauspiele von Don Pedro Calderon de la Barca. 1 Th., so daß diese besonders gesammelt werden können, und wir die Schauspiele von andern: Cervantes, Lope, Moreto &c. immer in eigne Bände zusammenbringen.

Die Andacht zum Kreuze habe ich seit kurzem fertig und von Ulyß und Circe, El mayor encanto amor den Anfang übersetzt. Jetzt gehe ich wieder mit Eifer an dies letzte, und hoffe Dir bald beides zusammen mittheilen zu können.

Es wäre der Mannichfaltigkeit wegen schön, wenn Du Lust hättest, zuerst Las blancas manos no ofenden vorzunehmen, damit wir auch ein eigentliches Intriguenstück mit modernen Sitten haben.

Was die Assonanz betrifft, so hat mich ihre Behandlung in dem bisher übersetzten noch mehr überzeugt, daß vollkommener Gleichlaut in den Vocalen erforderlich ist, daß sie nur durch völlige Gleichartigkeit in einer bedeutenden Masse wirken kann.

Ich halte daher e und ö (e und ä sind völlig gleich, und eins muß häufig die Stelle des andern vertreten; leben und wählen macht vollkommene Assonanz mit Seele u. s. w.) ferner i und ü auch ei und eu auseinander. Ich habe lange Stücke mit bloßem i—e und bloßem ei—e gemacht, oben eins mit ü—e, welches sich sehr gut ausnimmt, und einen ganz anderen Charakter hat, wie das i. Wir gewinnen dadurch auch mehr Mannichfaltigkeit, da wir zum zweiten Vokal immer nur e haben und die Spanier mit o, a, e variiren. Calderon bringt nicht leicht in demselben Stück ganz dieselbe Assonanz wieder. Mein Grundsatz ist, wenn er eine einsylbige hat, sie ebenfalls einsylbig und in demselben Vocal zu nehmen; bei den zweisylbigen so viel möglich das analogste heraus zu fühlen. Seine häufigsten Assonanzen sind e—o, e—a, e—e. Wollen wir uns bei diesen immer nach dem accentuirten Vocal richten, so bekommen wir ganz übermäßig viel e, welches zwar bequem, aber nicht schön ist. Ich habe in der Devocion de la Cruz einmal e—e durch i—e gegeben, in dem 2ten S. e—o durch ü—e, welches sich vortrefflich macht.

i—o denke ich, kann man in der Regel am besten durch ei—e, vielleicht auch durch eu—e (wo denn auch äu mit hingehört) geben. a—e habe ich einmal durch au—e gegeben, welches aber eine von den schwierigsten Assonanzen.

Daß ich sie immer eben so lange behalte wie C. versteht sich.

Wie ich es überhaupt mit dem Uebersetzen des Calderon nehme, wirst Du am besten sehn, wenn ich Dir die beiden Stücke schicke; wo Du Dir dann wohl die Mühe nicht verdrießen läßt, sie im Einzelnen mit dem Original zu vergleichen, und mir Dein Urtheil zu sagen. Ich habe diesen Sommer noch viel Calderon gelesen und studirt, doch ist noch viel zurück, und es kann nicht leicht genug geschehn.

Mit den Amazonen bin ich noch nicht weiter. Wir haben letzthin einmal einige Glossen gemacht, und da haben wir folgende Verse von Dir:

Liebe denkt in süßen Tönen, Denn Gedanken stehn zu fern, Nur in Tönen mag sie gern Alles, was sie will, verschönen.

die in den Fantasieen stehen, und die Friedrich schon einmal als schicklich dazu ausgefunden hatte, glossirt. Deine Schwester und ich, jeder 2 mal, Schütze hat auch eine Glosse darauf gemacht. Es wird mir lieb sein, wenn Du mir den Tristan zurückschickst. Die beiden katholischen Gesangbücher bringst Du mir wohl mit, wenn Du herkommst. Das Lied der Nibelungen kann ich vielleicht hier auf der Bibliothek haben, dann magst Du es immer noch behalten. Ich will doch Reimer wieder treiben, daß er Dir noch die Müllerschen Sachen zu schaffen sucht. — Auf den Winter möchte ich von Dir wohl zum Gebrauch bei meinen Vorlesungen wieder einiges haben: Deinen Ben Jonson, die Six old plays und den Dodsley. Wenn du von Dresden weggehst, so nimmst Du sie vielleicht mit nach Ziebingen, und bringst sie mir von da mit, oder schickst sie. Die Spurious plays von Shakspeare werde ich auch Noth haben, hier zu kriegen.

Was Du über den Tristan schreibst, ist mir sehr interessant, aber über meinen Plan muß ich mich nicht recht deutlich gemacht haben, denn wie Du es meinst, das würde ich allerdings für höchst fehlerhaft halten.

Man muß, däucht mir, diese Geschichte als eine Mythologie betrachten, wo man wohl modificiren, erweitern, flüchtige Winke glänzend benutzen, aber nicht rein heraus erfinden darf. Das ist schon in den ältesten Bearbeitungen des Tristan, daß er an den Hof des Artus kommt. Diese Indication hat schon der Verfasser des Nouveau Tristan (freilich eines ziemlich schlechten Buchs); Du wirst es in Dresden finden, es ist klein Folio, aus dem 16ten Jahrhundert; Tressan hat nichts anders gekannt, als gerade dieses, und es auf seine Weise zu benutzen gesucht. Ich glaube, schon in der Minnesänger-Behandlung wird die Bekanntschaft mit Lancelot ausdrücklich erwähnt. Hier wollte ich nun einen Theil von der Geschichte des letzten, wie sie in dem großen in Dresden befindlichen Ritterbuche befindlich, erzählen lassen, überhaupt eine Aussicht auf die Herrlichkeit von Artus Hof öffnen, wo das Graal dann, als ein noch unaufgelöstes Abentheuer prachtvoll im Hintergrunde stehen sollte. Lancelot sowohl als Tristan reiten nicht nach dem Graal, sie wissen wohl, daß sie sich entsetzlich prostituiren würden, wenn sie es thäten, weil ein jungfräulicher Ritter dazu erfordert wird.

Aber das ist gerade ihre Wehmuth und ihre Reue, daß sie, sonst in allem die ersten, hier ausgeschlossen sind. Weiter steht nichts in der Ankündigung in meinem 1 sten Gesange, und sollte diese dennoch an dem Misverständnisse Schuld sein, so kann sie nachher verändert werden, wenn ich mit dem Gedichte fertig bin. Darüber kann ich nicht mit Dir einig sein, daß das religiöse im alten Tristan spöttisch zu nehmen sei: es scheint mir rechter Ernst, daß Gott der schuldigen Isolde bei der Feuerprobe durchhilft. Dieses Gemisch von Sündlichkeit und Unschuld, von Leichtfertigkeit und Frömmigkeit scheint mir eben der eigenste Geist des Gedichts und Tristan besonders wird als ein wahrer Heiliger und Märtyrer der Treue aufgestellt.

Ueber das Alter des Romans möchte es schwer sein, etwas auszumitteln, ohne in der französischen National-Bibliothek alle die alten Manuscripte vor sich zu haben und zu vergleichen. Lies doch auch die Bearbeitung im Buch der Liebe.

Viele Grüße an Deine liebe Frau. Deine Schwester mußt Du entschuldigen, das Schreiben fällt ihr jetzt gar zu schwer, sonst ist ihr Befinden leidlich. — Bernhardi ist mit seiner Grammatik fertig.

Dein

A. W. S.

XX.

B., d. 24. Dec. 1802.

Liebster Freund.

Eben sehe ich, daß die Post nach Frankfurt heute Vormittag abgeht, und kann also nur wenige Zeilen schreiben, um sie nicht zu versäumen.

Das Manuscript vom Ion nimm mit nach Dresden, wenn Du nämlich bald dahin gehst und händige es meiner Schwester ein. Bleibst Du noch lange in Ziebingen, so schicke es nach gemachtem Gebrauch mit der Post an sie.

Empfiehl mich bey dieser Gelegenheit dem Grafen von Finkenstein, und entschuldige mich, daß ich mein Versprechen, ihm den Ion mitzutheilen, nicht eher halten können.

Die Andacht zum Kreuze hätte ich Dir früher geschickt, wenn ich sie nicht erst eben wieder zurück erhalten. Es findet sich wohl Gelegenheit, sie mir mit den beyden Bänden der Müllerschen Altdeutschen Sachen nach Berlin zurückzubesorgen. Ich wollte diese Abschrift bey dem bald anzufangenden Druck gebrauchen.

Reimer hat für Dich aus einer Auction das Lied der Nibelungen, den Tristan und einige andre Stücke der Müllerschen Sammlung erstanden, Du wirst also mein Exemplar entbehren können. Es fehlt hauptsächlich nur der Parcival.

Einen Ariost für Dich habe ich nun hier, mag Dir aber kein Porto dafür verursachen, Du erhältst ihn mit Gelegenheit.

Schütze hat mir gesagt, der Graf v. Finkenstein habe einiges aus dem Petrarca übersetzt. Kannst Du mir die Privatmittheilung davon verschaffen, so wäre es mir sehr angenehm. Ich habe letzthin auch eine Anzahl Sonette und ein paar Canzonen übersetzt, und werde noch mehrere hinzufügen, daher interessirt es mich, da Schütze sie als sehr gelungen beschreibt. Meine lasse ich eben abschreiben und schicke sie Dir mit nächster Post, sowie die Glossen.

Deine Schwester befindet sich jetzt wieder ziemlich gut und die Bäder und stärkende Mittel werden ihr bald auch ihre Kräfte wiedergeben. Die Kinder sind frisch und gesund. Dein Bruder in Weimar arbeitet viel und ist wohl.

Lebe recht wohl, grüße Deine liebe Frau und theile bald etwas mit

Deinem

A. W. S.

XXI.

Berlin, d. 15. Febr. 1803.

Liebster Freund!

Vor ein paar Posttagen bekam ich einliegenden Brief von Frommann. Um sein Verlangen zu erfüllen, ist es das beste, denke ich, Dir den Brief selbst zu schicken. Was die Airs betrifft, so muß man es mit Frommann so genau nicht nehmen, sonst spricht aber die Sache für sich selbst. Zu seinen Buchhändler-Argumenten möchte ich nun eine Menge poetische hinzufügen, Du wirst Dir das alles aber schon selbst sagen. Es wäre wirklich jetzt an der Zeit, daß Du einmal wieder ein großes Kunstwerk aufstelltest, und je länger Du es aufschiebst, je schwerer wird Dir die Vollendung werden. Wenn Du einen Theil des Manuscripts um die Mitte März, und das übrige Ende März hinschickst, so kann es gewiß noch auf die Messe fertig werden. Welchen Triumph alle Deine Freunde haben würden, brauche ich nicht erst zu sagen.

Ich habe immer gehofft, Du würdest mir mein Manuscript von der Andacht zum Kreuz mit einer Gelegenheit zukommen lassen. Mein Brouillon wird in der Druckerei gebraucht, zum Vorlesen im Collegium muß ich jenes nothwendig haben, ich bitte Dich also, es mir nicht länger vorzuenthalten. Mit meinem Exemplar der Nibelungen und dem Moreto hat es weniger Eil, diese können auf eine Gelegenheit warten, und ich hoffe, Du bringst sie mir noch selbst mit. Den Ion wirst Du wohl schon an meine Schwester geschickt haben, sonst thu’ es doch unverzüglich.

Ich habe immer noch Deine Velin-Exemplare vom 2ten Band Novalis in Verwahrung. Reimer hat mir nachher ein eignes Velin-Exemplar vom 2ten Band für mich geschenkt, welches ich allerdings durch mein fleißiges Corrigiren redlich verdient habe. Indessen fehlt mir der 1te, wenn Du davon noch ein Exemplar übrig hättest, könnten wir Deiner Schwester damit ein Geschenk machen. Hast Du das aber durchaus nicht, und ergänzt Dir dieser 2te Band ein Exemplar, so bin ich bereit, einen Tausch einzugehn. —

Mein Bruder hat mir umständlich geschrieben. Er ist entzückt über Deine musikalischen Gedichte und ladet Dich dringend zur Theilnahme an der Europa ein, wovon wir bald das 1ste Stück erhalten sollen. Besonders die Fortsetzung Deiner Briefe über Shakspeare wünscht er sich außerordentlich.

Ich möchte Dir gern vieles aus seinem Briefe mittheilen, habe aber heute unmöglich Zeit. Nur so viel, daß er sehr fleißig ist, schon Persisch gelernt hat, und Indisch bald anfangen wird.

Ich habe unterdessen mancherlei Proben mit Uebersetzungen aus den Griechen gemacht, die Dir interessant sein würden.

Gegen ehemals spüre ich große Fortschritte in dieser Kunst, die ich ebensowohl wie die Nachbildung der Romantischen Dichter bis auf den höchsten Punkt zu cultiviren gesonnen bin.

Deine Schwester läßt Dich auf’s zärtlichste grüßen. Diese ganze Zeit her hat sie gewünscht, Dir recht umständlich zu antworten, allein theils ist sie nicht allein gewesen, theils hat sie sich so befunden, daß ihr das Schreiben sehr beschwerlich fällt. Sie rechnet gewiß darauf, Dich, wie Schütze[18] uns gesagt, im März noch hier zu sehen, und ladet Dich auf’s herzlichste dazu ein. Wegen ihrer Gesundheit darfst Du nicht in Sorgen sein, ich hoffe, es ist auf dem guten Wege damit, sie gebraucht die Mittel anhaltend, und besonders erwarte ich viel Frucht vom Baden, welches sie theils wegen der Kälte, theils wegen eintretender Zufälle noch wenig hat thun können. Die Kinder sind sehr gesund.

Das dramatische Mährchen (noch hat es weiter keinen Namen) habe ich jetzt endlich in’s Reine geschrieben, Dir eine Abschrift zu besorgen war nicht möglich. Komme nur her, so wollen wir es zusammen lesen. — Deine Schwester hat ein neues angefangen und es auch schon ziemlich weit geführt, bis sie durch ihr Befinden abgehalten wurde, fortzufahren.

Lebe recht wohl, es ist mir unmöglich, mehr zu schreiben, ich stecke tief in Arbeiten. Der Himmel weiß, wie ich noch alles bestreiten werde, was ich vorhabe.

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