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Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte

II. Mittlere Geschichte

Reading edition

A. Vom Beginn der Völkerwanderung bis zum Vertrage von Verdun. 375–843.

§ 1. Völkerwanderung.

In den Kulturkreis des Altertums dringen die Germanen mit frischer Volkskraft ein, zunächst vieles zerstörend. Bald aber gründen sie neue Staaten, in welche die antike Kultur aufgenommen wird. Der Schauplatz der Geschichte erweitert sich über ganz Europa; es scheiden sich romanische und germanische Staaten; im Osten treten die Slaven hinzu.

Sitze germanischer Volksstämme um 375 nach Chr.

Ostgoten im südlichen Rußland, Westgoten in Dacien (östl. Ungarn, Rumänien), Vandalen in Pannonien (südwestl. Ungarn), Sueben in Mähren, Böhmen und Bayern, Burgunder am Neckar und Main, Alamannen am Oberrhein, ripuarische Franken zu beiden Seiten des Niederrheins (bei Köln), salische Franken in Belgien und an den Rheinmündungen, Sachsen von der Elbe bis fast an den Rhein, Thüringer in Mitteldeutschland, Langobarden an der untern Elbe, Friesen an der Nordseeküste.

Religion und Staatswesen der Germanen:

Verehrung der Götter auf Bergen oder in heiligen Hainen; keine Tempel und Götterbilder. Wodan der Himmelsgott, Donar der Donnergott, Ziu der Kriegsgott. Glaube an ein Fortleben der Helden nach dem Tode in Walhalla.

Keine Städte; die Volksstämme teilen sich nach der Lage der vereinzelten Wohnstätten in Gaue. Unvollkommener Ackerbau, meist den Hörigen (Unfreien) überlassen. Jagd und Krieg die Hauptbeschäftigung der Freien.

Die Versammlung der Freien entscheidet über Krieg und Frieden und schwere Rechtsfälle; sie wählt Gauvorsteher (Richter) und für den Kriegsfall Herzöge, meist aus den Edlen, die aber keinen geschlossenen Stand mit besonderen Vorrechten bilden. Kampflustige Freie schließen sich als Gefolge, zur Treue verpflichtet, an hervorragende Edle an.

Größere Kriege führen zur Ausbildung des Königtums, welches während der Völkerwanderung bei den meisten germanischen Völkern durchdringt. Grenzkriege mit den Römern am Rhein und an der Donau; germanische Heerscharen oft in römischem Solde. Die Goten, welche um 180 von der Weichsel nach der unteren Donau vordringen, sind bis 270 gefährliche Feinde des römischen Reiches; dann meist friedliches Verhältnis. Eine Schar christlicher (arianischer) Westgoten unter dem Bischof Ulfila wird 348 in Mösien angesiedelt; Ulfilas Bibelübersetzung das erste Schriftwerk in gotischer Sprache; er stirbt 381 in Konstantinopel.

375.

Anfang der Völkerwanderung.

Die Hunnen, ein mongolisches, nomadisches Reitervolk, unterwerfen, nachdem sie etwa 372 die Wolga überschritten und die nichtgermanischen Alanen besiegt haben, das Ostgotenreich (am Dnjepr, König Ermanarich aus dem Geschlechte der Amăler) und stürzen sich dann auf die Westgoten. Der heidnische Teil der Westgoten unter Athanarich zieht sich nach Siebenbürgen und in die Karpathen zurück, der christliche unter Fritigern und Alaviv erhält von Kaiser Valens Sitze in Mösien und Thrakien zugesichert. Streitigkeiten mit den römischen Beamten nach dem Übergang über die Donau führen zum Kampf, die Goten dringen verwüstend vor.

378.

Schlacht bei Adrianopel. Valens besiegt und getötet.

Sein Nachfolger Theodosius schließt Frieden mit den Westgoten, welche gegen Sold und Wohnsitze in Mösien und Thrakien als foederati die Grenze des römischen Reiches schützen sollen. Das Reich der Hunnen breitet sich in den Ländern nördlich der Donau aus.

395.

Alarich, König der Westgoten, verwüstet, da nach Theodosius’ Tode Arcadius den Sold nicht zahlt, Makedonien, Illyrien und Griechenland und dringt bis in die Peloponnes vor. Stilicho, Feldherr des weströmischen Reiches, kommt dem oströmischen zu Hilfe, schließt die Westgoten am Gebirge Pholoë in Arkadien ein, läßt sie aber entkommen. Alarich zieht nach Illyrien, wird vom Kaiser Arcadius zum Dux von Illyricum orientale ernannt. Das Vordringen der germanischen Völker richtet sich nun gegen das weströmische Reich.

401.

Alarichs erster Einfall in Italien, Stilicho tritt ihm entgegen. Schlacht bei Pollentia (402); Alarich kehrt nach Illyrien zurück.

405.

Germanische Heerhaufen, namentlich Ostgoten unter Radagais, fallen in Italien ein, werden aber von Stilicho mit Hilfe der rheinischen Legionen bei Fäsulä besiegt und durch Kampf und Hunger aufgerieben. Die Rheingrenze seitdem verloren.

406.

Heerhaufen von Vandalen, Sueben und Alanen ziehen aus den Donauländern unter hartem Kampf mit den Franken über den Rhein und brechen dann 409 in Spanien ein. Die Vandalen besetzen den südlichen Teil (Andalusien = Vandalicia), die Alanen den Südwesten (Lusitanien), die Sueben den Nordwesten (Gallaecia).

Um dieselbe Zeit breiten sich die salischen Franken im nördlichen Gallien aus; die Burgunder setzen sich am mittleren Rhein fest, Worms ihre Hauptstadt.

408.

Stilicho gestürzt und auf Befehl des Kaisers Honorius ermordet. Alarichs zweiter Einfall in Italien, er belagert Rom, zieht aber gegen Lösegeld ab. Da der kaiserliche Hof zu Ravenna sich weigert, den Goten Landbesitz in Noricum zu gewähren, rückt Alarich zum zweiten Male vor Rom (409) und erzwingt vom Senate die Ernennung des Stadtpräfekten Attălus zum Gegenkaiser. Alarich belagert Honorius vergeblich in Ravenna, entzweit sich mit Attalus, setzt ihn ab und rückt zum dritten Male vor Rom.

410.

Einnahme und Plünderung Roms durch Alarich. Er zieht darauf nach Unteritalien, um nach Sicilien und von da nach Afrika überzusetzen, stirbt aber unterwegs (im Busento bei Cosenza begraben).

410–415.

Athaulf, Alarichs Schwager, führt die Westgoten nach Gallien, vermutlich infolge eines Übereinkommens mit dem Kaiser Honorius zur Bekämpfung der dort eingedrungenen Germanen. Er vermählt sich in Narbo 414 mit Placidia, Schwester des Honorius, wird aber bald darauf von dem kaiserlichen Feldherrn Constantius angegriffen, zieht nach Spanien, erobert Barcelona, wird dort ermordet. Sein Bruder

415–419.

Wallia schließt wiederum Vertrag mit Honorius, sendet Placidia zurück und kämpft für die Römer gegen Vandalen, Alanen und Sueben. Ihm wird das südliche Gallien unter römischer Hoheit abgetreten.

415–711.

Westgotenreich in Südgallien und Spanien, bald von Rom unabhängig. Hauptstadt Tolosa (Toulouse), später Toledo.

429.

König Genserich führt die Vandalen aus Spanien nach Afrika hinüber, herbeigerufen von dem abtrünnigen römischen Statthalter Bonifatius, der nachher vergeblich die Eingedrungenen bekämpft. Augustinus, Bischof von Hippo Regius, † 430 während der Belagerung dieser Stadt durch die Vandalen. Karthago, die Hauptstadt der römischen Provinz, wird erst 439 von ihnen erobert.

429–534.

Vandalenreich in Afrika.

Die Vandalen (Arianer) gründen eine Seemacht und beginnen die Küsten und Inseln des Mittelmeeres zu plündern. Ihre früheren Wohnsitze in Spanien werden von den Westgoten in Besitz genommen.

443.

Die Burgunder, unter ihrem König Gundahar, von dem römischen Feldherrn Aëtius mit Hilfe hunnischer Söldner besiegt, erhalten Wohnsitze an der oberen Rhone und Saône. Die Alamannen breiten sich (an Stelle der Burgunder) über die frühere römische Provinz Germania superior (Elsaß) und die Schweizer Ebene aus.

449.

Britannien besetzt von Sachsen, Angeln und Jüten, die von den Briten gegen die räuberischen Stämme der nördlichen Gebirge (Picten und Scoten) zu Hilfe gerufen werden. Sie setzen (nach der Sage unter den Führern Hengist und Horsa) nach Britannien über und gründen dort 7 Staaten: Kent, Sussex, Wessex, Essex, Ostangeln, Mercia, Northumbria. Die christlichen Briten werden teils nach der Westseite der Insel (Wales, Sagen von König Artus) gedrängt, teils siedeln sie nach der Küstenlandschaft Aremorica (Bretagne) in Gallien über.

451.

Attila (Etzel), König der Hunnen, bricht verheerend in Gallien ein; in seinem Gefolge auch die Heerscharen der ihm unterworfenen germanischen Völker, Ostgoten, (Attila gotisch = Väterchen) Gepiden, Heruler, Rugier u. a. Er belagert vergeblich Orléans (Civitas Aureliani).

451.

Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (nach Catalaunum, d. i. Châlons-sur-Marne, das Schlachtfeld selbst näher bei Troyes). Attila von dem römischen Heer unter Aëtius und den Westgoten (mit Hilfstruppen der Burgunder, Franken u. a.) in gewaltigem Kampfe besiegt, geht über den Rhein zurück.

452.

Attila zieht nach Italien, zerstört Aquileia, dessen Bewohner in die Lagunen flüchten (Entstehung der Stadt Venedig). Er verwüstet die Po-Ebene, bedroht Rom, kehrt aber um auf Bitten einer Gesandtschaft, an deren Spitze der römische Papst Leo I. steht.

453.

Attila stirbt in Pannonien; nach seinem Tode Zerfall des Hunnenreiches. Die bisher den Hunnen unterworfenen germanischen Völker werden frei; die Gepiden begründen ein Reich in Dacien, die Ostgoten in Pannonien.

Vordringen slavischer Völker in die von den Germanen verlassenen Gebiete bis zur Elbe.

455.

Rom nach Ermordung Valentinians III. 14 Tage lang von den Vandalen geplündert, welche Eudoxia, die Witwe Valentinians, herbeigerufen haben soll. Die Vandalen beherrschen die Nordküste Afrikas bis Kyrēne und die Inseln des westlichen Mittelmeeres.

476.

Odovakar, Anführer von Herŭlern und anderen Germanen in römischem Solde, wird nach Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Herrscher in Italien (vgl. S. 138).

Gründung des Frankenreiches in Gallien.

486.

Der Merowinger Chlodwig (Chlodovech), König der salischen Franken (481–511), besiegt bei Soissons den römischen Statthalter Syagrius und vernichtet dadurch den letzten Rest des weströmischen Reiches.

496.

Chlodwig besiegt die Alamannen im Elsaß (nicht bei Zülpich, wo früher ein Kampf zwischen Alamannen und ripuarischen Franken stattgefunden hatte). Chlodwig gelobt in der Schlacht, Christ zu werden, nimmt mit seinem Volke die katholische Lehre an, wird in Reims vom Bischof Remigius getauft.

500.

Chlodwig besiegt die Burgunder bei Dijon, doch behauptet König Gundobad seine Herrschaft. Durch List und Gewalt macht Chlodwig sich zum Alleinherrscher aller Franken, s. unten und S. 145 ff.

493–553.

Ostgotenreich in Italien.

Theoderich der Große, christlicher König der Ostgoten, führt nach Übereinkunft mit dem oströmischen Kaiser Zeno, der ihm den Rang eines Patricius (S. 138) und Konsuls verlieh, sein Volk aus Pannonien nach Italien, siegt über Odovakar am Isonzo 489, belagert ihn in Ravenna, läßt ihn 493 nach Einnahme der festen Stadt hinrichten. Er sorgt in Italien für Erhaltung der römischen Kultur und friedliches Zusammenleben von Römern und Goten. Seine Regierung für Italien eine Zeit des Glückes und Wohlstandes. Sein Minister Cassiodorius schreibt die Geschichte der Goten und verkündet Gesetze in lateinischer Sprache. Doch bleibt der Zwiespalt zwischen beiden Nationen, da die Goten Arianer sind. Boëthius und Symmachus 525 hingerichtet wegen geheimer Verbindungen mit dem oströmischen Kaiser.

Theoderich schließt Frieden mit den Vandalen, welche ihre Raubzüge gegen Italien aufgeben, nimmt die Alamannen und Westgoten gegen die wachsende Macht des Frankenreiches in Schutz, waltet als Friedenshort und Völkerhirt unter seinen germanischen (arianischen) Stammverwandten.

507.

Chlodwig besiegt die Westgoten bei Voullon oder Voullé (unweit Poitiers) und besetzt ihr Land bis zur Garonne: in Arles behaupten sie sich mit Hilfe der Ostgoten. Theoderich vereinigt die Provence mit seinem Reiche und übernimmt die vormundschaftliche Regierung für seinen Enkel Amalarich, den Sohn des bei Voullon gefallenen Westgotenkönigs Alarich II.

526.

Theoderich † zu Ravenna; sein Grabmal dort erhalten. In den deutschen Heldenliedern erscheint er als Dietrich von Bern (Verona).

Das Westgotenreich behauptet sich in Spanien (Hauptstadt Toledo) bis 711. Gegen das Vandalenreich und das Ostgotenreich erhebt sich die wieder erstarkte Macht des oströmischen Kaisertums.

534.

Belisar, Feldherr des oströmischen Kaisers Justinian (S. 147), zerstört das Vandalenreich in Afrika.

Verfall des Vandalenreichs seit Genserichs Tode (477). Den letzten König Gelimer nimmt Belisar gefangen.

535–553.

Vernichtungskrieg Justinians gegen das Ostgotenreich.

Veranlassung: Amalaswintha, Tochter Theoderichs d. Gr., 526–534 Regentin für ihren unmündigen Sohn Athalarich, wird nach dessen Tode ermordet von Theodahad, den sie zum Mitregenten angenommen hat. Kaiser Justinian tritt als ihr Rächer auf.

535–540.

Belisar erobert zuerst Sicilien, dann Neapel, bekämpft Vitigis, den die Ostgoten an Stelle Theodahads zum König erwählt haben, erobert Rom und führt Vitigis als Gefangenen nach Konstantinopel. Während er dann im Osten des Reichs die Perser bekämpft, erobern die Ostgoten unter König Totila den größten Teil Italiens wieder.

544–549.

Belisar, aufs neue nach Italien gesandt, kämpft mit wechselndem Erfolge gegen Totila. Nach Belisars zweiter Abberufung wird Rom von Totila wieder erobert.

552.

Narses, Belisars Nachfolger, siegt mit germanischen Hilfstruppen über Totila bei Tagīnä (in Umbrien, nicht weit von Sentinum); Totila fällt. Teja, der letzte Ostgotenkönig, fällt im Verzweiflungskampfe am Mons lactarius (in der Nähe des Vesuv); die Reste seines Heeres erhalten freien Abzug.

553.

Scharen von Franken und Alamannen, welche über die Alpen in Italien eindringen, werden von Narses zurückgeschlagen, die letzten am Volturnus vernichtet. Italien wird Provinz des oströmischen Reiches (Exarchat). Narses erster Exarch, sein Sitz in Ravenna.

568–774.

Langobardenreich in Italien.

Alboin, König der seit etwa 500 in Pannonien ansässigen Langobarden, zerstört mit Hilfe der Avaren, eines den Hunnen verwandten, asiatischen Volkes, welches bis zur Donau vorgedrungen ist, das Reich der Gepiden (566) und führt bald darauf (568) sein Volk nach Italien, vielleicht von Narses, der am byzantinischen Hof in Ungnade gefallen war, herbeigerufen. Pavīa (Ticīnum), erst nach dreijähriger Belagerung erobert, wird Hauptstadt seines Reiches. Unter seinen Nachfolgern werden langobardische Herzogtümer in Friaul, Spoleto, Benevent gegründet. Unter oströmischer Herrschaft bleiben nur Venedig, Ravenna, Neapel, und Kalabrien.

Die Bischöfe von Rom wissen ihrem Gebiete, dem Patrimonium Petri, die Unabhängigkeit zu sichern (später Berufung auf eine Schenkung Konstantins in den um die Mitte des 9. Jahrh. entstandenen, gefälschten pseudo-isidorischen Dekretalen).

589.

Authari (Sohn Klephs), der 3. König des Langobardenreiches, vermählt mit Theodelinde, Tochter des Bayernherzogs Garibald, durch deren Einfluß der Übertritt der Langobarden vom Arianismus zur katholischen Lehre bewirkt wird. Gleichzeitig vollzieht sich dieselbe Umwandlung im spanischen Westgotenreich, welches 585 durch Unterwerfung des Suebenreiches erweitert ist.

590–604.

Gregor I. (der Große), Bischof von Rom, befestigt das Ansehen des Papsttums. (Pápa, d. h. Vater, früher der Name jedes christlichen Bischofs, bald dem Nachfolger Petri ausschließlich beigelegt.) — Sendung von Glaubensboten zu den Angelsachsen nach England (597), der Abt Augustinus begründet das Erzbistum Canterbury. — Ausbreitung der Klöster; Mönchsregel des h. Benedikt von Nursia, der 529 das Mutterkloster des Benediktiner-Ordens auf dem Monte Cassino in Kampanien gründete. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches ist die römische Kirche von größter Bedeutung für die Erhaltung und Fortbildung der aus dem Altertum überlieferten Kultur.

§ 2. Frankenreich unter den Merowingern.

(Vgl. S. 143.)

511.

Nach Chlodwigs Tode erste Teilung (doch nicht völlige Gebietstrennung) des Frankenreiches. Seine vier Söhne herrschen gemeinsam, aber mit gesondertem Hofhalt zu Metz, Orléans, Paris, Soissons.

531–532.

Das Reich der Thüringer wird von Theoderich, dem ältesten der Brüder, durch den Sieg bei Scheidungen, das der Burgunder von den jüngeren Söhnen Chlodwigs: Chlodomer, Childebert, Chlotar, erobert.

Der nördliche Teil Thüringens (bis zur Unstrut) fällt an die Sachsen als Bundesgenossen der Franken in dem Kriege; in das Maingebiet, welches ebenfalls zum alten Thüringerreich gehörte, ziehen fränkische Ansiedler ein (Ostfranken).

Nach dem Untergang des ostgotischen Reiches Erwerbung der Provence (536); auch die Bayern (entstanden aus Vereinigung der Markomannen und Quaden (S. 131) mit anderen Volks-Stämmen) schließen sich dem Frankenreiche an; sie behalten aber ihr heimisches Herzogsgeschlecht, die Agilolfinger.

558–561.

Das Frankenreich wieder vereinigt unter Chlotar I., Chlodwigs jüngstem Sohn, der seine Brüder überlebt. Nach seinem Tode zweite Teilung, zuerst in vier, dann in drei Reichsteile: Austrasien, Neustrien, Burgund. Es folgt eine Zeit der Zerrüttung; Brunhild, eine westgotische Königstochter, veranlaßt ihren Gemahl Sigibert von Austrasien zum Kriege gegen seinen Bruder Chilperich von Neustrien, der ihre Schwester verstoßen und sich mit Fredegunde vermählt hat. Chilperich ermordet 584, darauf Kampf der Adelsparteien.

613–628.

Zweite Wiedervereinigung des ganzen Frankenreiches durch Chlotar II. von Neustrien, Sohn der Fredegunde. Brunhild gefangen, gemartert und zu Tode geschleift.

Verfassung des Frankenreiches: Das Land ist in Gaue (pagi) eingeteilt, deren Vorsteher die vom König ernannten Grafen (comites) sind; die Gaue zerfallen in Hundertschaften (centenae). Jede Hundertschaft hat ihre Gerichtsstätte, Malberg genannt, wo unter Leitung ihres Vorstehers (centenarius) oder des Grafen die Freien zum Gerichtstag (Ding) erscheinen. Das Volksrecht aufgezeichnet als lex Salica (schon unter Chlodwig) und lex Ripuaria; das Deutsche war Volkssprache, aber nicht Schriftsprache. Altgermanisches Gerichtsverfahren: Eideshelfer, Zweikampf, Gottesurteile durch siedendes Wasser oder glühendes Eisen. Totschlag kann durch Wergeld gesühnt werden. Oberstes Gericht das Hofgericht des Königs.

Stände des Volkes: Freie, Halbfreie oder Hörige (liti) und Unfreie (Leibeigene). Die Mitglieder des königlichen Gefolges (antrustiones) haben das dreifache Wergeld der Freien. Freie, die sich in den Schutz eines Mächtigeren oder des Königs begeben, sind dessen Vasallen. Sie empfangen von ihm Grundbesitz zum Nießbrauch; daraus entwickelt sich in der karolingischen Zeit das Lehnswesen (beneficium oder feudum, das Lehngut, im Gegensatz zum Eigengut, allodium).

Die aus römischer Zeit vorhandenen Städte behalten eine gewisse Bedeutung als Bischofsitze; die Einwohner sind aber meistens Halbfreie oder Unfreie. Die zahlreichen Kirchengüter erhalten allmählich Befreiung von der Gerichtsbarkeit der Grafen (Immunität); ein von dem Bischof oder Abt erwählter Schutzherr (advocatus, Vogt) übt dann die Gerichtsbarkeit.

Zum Kriegsdienst sind alle Freien verpflichtet (Heerbann); die Vasallen ziehen unter Führung ihres Beschützers (senior) zu Felde, die übrigen unter Führung des Grafen. In Reichsteilen, die früher selbständig waren (Aquitanien, Bretagne, Bayern, Thüringen), hat der Herzog (dux) den Oberbefehl über den Heerbann mehrerer Grafschaften. Bei der jährlichen Heeresmusterung (Märzfeld, später Maifeld) versammelt der König die Großen zu Beratungen (placita) und verkündet mit ihrer Zustimmung Gesetze.

Die wichtigsten Hofämter sind: Seneschall, Marschall (comes stabuli), Kämmerer, Mundschenk, Kanzler, Pfalzgraf (comes palatii oder palatinus). Der Majordomus, ursprünglich Vorsteher der königlichen Hofhaltung, gewinnt allmählich die größte Macht als Stellvertreter des bald hier, bald dort residierenden Königs.

Unter Chlotar II. hat jeder der drei großen Reichsteile einen eigenen Majordomus; unter seinem Sohne Dagobert kommt Pippin (der Ältere) zu besonderem Ansehen in Austrasien. Dessen Enkel Pippin (der Mittlere) macht sich durch den

687.

Sieg bei Testri (unweit St. Quentin) über den Majordomus von Neustrien zum Majordomus des ganzen Frankenreiches.

Sein Sohn Karl Martel gilt, obgleich er noch nicht den Königstitel annahm, als Begründer der Dynastie, welche das entartete Haus der Merowinger verdrängte.

§ 3. Das oströmische Reich.

Nach Attilas Tode (S. 142) Aufhören der Bedrängnis durch die Hunnen. Das wieder erstarkende Reich bewahrt unter despotischen, aber oft von ihrer Umgebung abhängigen Herrschern noch Jahrhunderte lang die griechische Kultur.

527–565

Justinian I. läßt durch seinen Minister Tribonianus aus den Gesetzen früherer Kaiser und den Schriften früherer Rechtsgelehrter ein umfassendes Gesetzbuch, Corpus iuris civilis, zusammenstellen. Teile desselben: 1. Institutiones, 2. Pandectae oder Digesta, 3. Codex Justinianeus, 4. Novellae später hinzugefügt.

532.

Nika-Aufstand in Konstantinopel, veranlaßt durch die Parteien der Rennbahn, die sich mit dem Schlachtruf Nika gegen die Regierung erheben, aber bald unter sich uneinig werden. Die Blauen, von Belisars Truppen unterstützt, siegen über die Grünen. Ein großer Teil der Stadt durch Brand zerstört, dann schöner wiederhergestellt. Großartige Prachtbauten, z.B. 25 neue Kirchen, darunter die Sophienkirche.

Kriege gegen die Germanen (s.S. 144); Afrika und Italien für die oströmische Herrschaft wiedergewonnen. Im Osten Bedrängnis durch die Perser, welche in Syrien eindringen. Blüte des Sassanidenreiches (S. 133) unter König Kosru I., die altpersische Masdareligion (S. 17) herrscht dort in neuer Kraft. Die Donaugrenze wird mit Mühe geschützt gegen Einfälle der Bulgaren und slavischen Stämme; zu deren Bekämpfung wird das mongolische Volk der Avaren gewonnen, welches seine Wohnsitze in den Steppen an der Donau und Theiß nimmt, wo früher die Hunnen hausten.

Unter den folgenden Kaisern Verfall des Reiches. Italien geht größtenteils verloren (S. 145); Bulgaren und Serben siedeln sich südlich der Donau an, doch unter Oberhoheit des Reiches.

627.

Heraklios II. besiegt die Perser bei den Ruinen von Ninive, verliert aber bald darauf Syrien und Ägypten durch das erobernde Vordringen der Araber. Der übrige Bestand des Reiches ist gesichert.

668–675.

Unter Kaiser Konstantin IV. Abwehr der wiederholten Angriffe der Araber auf Konstantinopel (das griechische Feuer).

726.

Leo III. verbietet nach abermaliger Abwehr der Araber den Bilderdienst. Dadurch werden langdauernde kirchliche Streitigkeiten veranlaßt; die Parteien der Bilderdiener und Bilderstürmer bekämpfen einander, bis die Kaiserin Irene 787 den Bilderdienst wiederherstellt. Nach ihrem Tode erneuter Streit: Leo V., siegreich gegen die Bulgaren, verbietet 815 den Bilderdienst, wird 820 von Verschwörern ermordet; endlich entscheidet 842 die Kaiserin Theodora zu Gunsten des Bilderdienstes.

§ 4. Mohammed und das Kalifat.

Die Arăber, lange Zeit durch die Natur ihres Landes vom Völkerverkehr ferngehalten, erheben sich unter der Einwirkung einer neuen Religion aus der Stammverfassung zur Gründung einer Reichsmacht. Diese tritt in Kampf gegen das christliche Europa.

Mohammed, geb. 571 zu Mekka, aus dem Stamme Kureïsch, lernt auf Handelsreisen nach Syrien die jüdische und die christliche Religion kennen, zieht sich öfters in die Einsamkeit zurück, tritt dann unter seinem Stamme als Prophet auf. Hauptsatz seiner Lehre, des Islâm: Es ist nur ein Gott (Allah), und Mohammed sein Prophet. Die Gläubigen (Moslemin) sind zu Gebeten, Fasten, Almosen, Wallfahrten verpflichtet; Gerechtigkeit die Haupttugend. Vielweiberei gestattet. Glaube an Vorherbestimmung (Fatalismus), sinnliche Vorstellungen vom Fortleben im Paradiese.

622.

Mohammeds Flucht (Hedschra) von Mekka nach Medina Anfang einer neuen Zeitrechnung bei den Völkern, die den Islam annehmen.

630.

Mohammeds Rückkehr; er reinigt die Káaba, das alte Heiligtum in Mekka, von Götzenbildern. Bald ganz Arabien ihm untertan. Er stirbt 632, sein Grab in Medīna. Seine Nachfolger die Kalifen:

632–634.

Abu Bekr, Schwiegervater des Propheten. Entstehung des 114 Suren umfassenden Koran, der später ergänzt wird durch Aufzeichnung mündlich überlieferter Aussprüche des Propheten (die Sunna). Spaltung der Gläubigen in Sunniten, welche diese anerkennen, und Schiiten, welche sie verwerfen und Ali, den Schwiegersohn Mohammeds, als dessen einzig rechtmäßigen Nachfolger betrachten. (Die Perser z. B. sind Schiiten, die Türken Sunniten.)

634–644.

Omar, Begründer der arabischen Herrschaft im Orient: 1. Zerstörung des Neupersischen Reiches der Sassaniden; der Feldherr Saad zieht 636 als Sieger in Ktesiphon ein.

2. Dem oströmischen Reiche entreißt Omar Syrien und Palästina (Damaskus 635, Jerusalem 637); sein Feldherr Amru erobert Ägypten (Alexandria 641). Gründung der Städte Kairo und Basra (am Schatt el Arab). Die erobernden Araber nehmen vieles von der persischen und griechischen Kultur an, machen aber ihre Religion und Sprache zur herrschenden.

Innere Kriege unter den beiden folgenden Kalifen; Othman wird 656 in einem Aufstande zu Medina ermordet, Ali, Mohammeds Schwiegersohn, 661 durch Verschwörer.

661–750.

Die Omaijaden.

Muawija, Urenkel des Omaija, eines Verwandten Mohammeds, gründet eine sunnitische Dynastie, verlegt die Residenz von Medina nach Damaskus. Seine Feldherrn belagern Konstantinopel vergeblich; in Kleinasien beginnen langdauernde Kämpfe, da das byzantinische Reich starken Widerstand leistet. Nordafrika wird von den Arabern gewonnen; 697 zerstören sie Karthago.

711.

Der Feldherr Tarik setzt nach Spanien über, herbeigerufen von Graf Julian, dem Statthalter von Ceuta, gegen den Westgotenkönig Roderich. Er landet bei dem nach ihm benannten Berge Dschebel al-Tarik (Gibraltar) und vernichtet durch die siebentägige Schlacht am Guadalete und Saladofluß bei Xeres de la Frontera das Westgotenreich. Nur ein kleines christliches Königreich Asturien behauptet sich im Norden der Halbinsel.

717.

Konstantinopel wiederum vergeblich belagert; dagegen wird das Indusland, Baktrien, Sogdiana dem Islam unterworfen. Im Innern häufige Kämpfe mit den Anhängern Alis; Entfaltung der Künste und Wissenschaften, namentlich unter Welid I. (705–715), welcher die prachtvolle Moschee zu Damaskus baut.

750.

Merwan II. wird in der blutigen Schlacht am Zab (Nebenfluß des Tigris) besiegt von Abul Abbas, der das Geschlecht der Omaijaden ausrottet; nur Abdurrahman entkommt nach Spanien und gründet dort ein selbständiges Kalifat in Cordova. Hier wie in Granada (Alhambra) großartige Baudenkmäler aus jener Zeit erhalten.

750–1258.

Die Abbassiden.

Neue Residenz Bagdad; glänzende Regierung Harun al Raschids 786–809, von den Dichtern gepriesen. Blüte des Handels, der Architektur und der Wissenschaften (Philosophie, Mathematik, Geographie, Naturforschung, Medizin) unter seinem Sohne Mamun 813–833. Bagdad, Damaskus, Mekka, Kairo Mittelpunkte der arabischen Kultur. Die Nachfolger haben mit Aufständen zu kämpfen.

§ 5. Frankenreich unter den Karolingern.

Karl Martel (der Hammer, Majordomus 714–741) unterwirft die unbotmäßigen Großen des Reiches, bekämpft die Friesen und Sachsen, sichert das Frankenreich gegen die vordringenden Araber durch die siebentägige

732.

Schlacht zwischen Tours und Poitiers.

Er regiert seit 737 ohne König, seine beiden Söhne Karlmann und Pippin setzen 743 wieder einen König (Childerich III.) ein. Karlmann tritt 747 von der Regierung zurück.

751–768.

Pippin, König der Franken,

nachdem Childerich III. unter Zustimmung des Papstes Zacharias durch die zu Soissons versammelten fränkischen Großen abgesetzt und in ein Kloster geschickt ist. Pippin wird auf den Schild erhoben, dann von den Bischöfen gesalbt. 753 Kriegszug gegen die Sachsen.

754.

Papst Stephan II., der als Schutzflehender erscheint, wiederholt zu St. Denys (bei Paris) die Salbung an Pippin und seinen Söhnen. Pippin zieht darauf nach Italien und drängt den Langobardenkönig Aistulf zurück, welcher Rom seinem Reiche einverleiben will. Pippin bestätigt den Papst in dem Besitz des Ducats von Rom (Kirchenstaat, S. 145) und erweitert ihn durch Schenkung des Exarchats Ravenna und der Pentapolis (Gebiet von Ancona und Rimini). Er beansprucht für sich und erhält vom Papst den Titel Patricius von Rom (S. 138, 143).

719–754.

Bonifatius, der Apostel der Deutschen.

Im inneren Deutschland hatten in der Merowingerzeit irische und fränkische Missionare, gestützt auf die aus römischer Zeit her bestehenden Bistümer in Basel, Konstanz, Straßburg, Augsburg, Mainz, Trier, Köln, an mehreren Orten Kirchen und Klöster gegründet: Columba und Gallus um 610 bei den Alamannen am Bodensee (Kloster St. Gallen), Pirmin (Kloster Reichenau), Emmeram in Regensburg, Kilian in Würzburg, Rupert in Salzburg u. a.

Bonifatius (sein ursprünglicher Name Winfried), ein Angelsachse aus Wessex, erhält 719 in Rom von Papst Gregor II. den Auftrag, in den noch heidnischen Gegenden Deutschlands das Christentum zu verkündigen. Er predigt zuerst in Gemeinschaft mit seinem Landsmann Wilibrord, dem Bischof von Utrecht, in Friesland, wendet sich dann nach Ostfranken, Thüringen, Hessen, Bayern. Bei Geismar in Hessen fällt er die Wodanseiche. Seit 722 Bischof, 732 Erzbischof ohne bestimmten Bischofsitz, bringt er alle neu gegründeten Bistümer (Salzburg, Regensburg, Freising, Passau, Würzburg, Eichstätt, Erfurt, letzteres bald zu Mainz gezogen) und Klöster (Fritzlar, Fulda, Ohrdruf) in strenge Abhängigkeit vom römischen Stuhle. Auch im westlichen Teile des Frankenreichs ordnet er die verfallenen kirchlichen Einrichtungen wieder. Er wird 748 Erzbischof von Mainz, 755 bei einer letzten Missionsreise von den heidnischen Friesen bei Dokkum erschlagen; begraben in Fulda.

768–814.

Karl der Große,

anfangs gemeinschaftlich mit seinem Bruder Karlmann regierend, nach dessen Tode 771 Alleinherrscher. Karlmanns Söhne fliehen zu Desiderius, dem König der Langobarden, dessen Tochter Desiderata Karl geheiratet, dann verstoßen hatte. Zur Sicherung der Reichsgrenze beginnt Karl die langwierigen Sachsenkriege; durch die Unterwerfung der noch heidnischen Sachsen (geteilt in Westfalen, Engern, Ostfalen, Nordalbinger) wird die Einigung der deutschen Volksstämme im Frankenreiche vollendet.

772.

Erster Sachsenkrieg. Maifeld zu Worms, von da aus Zug gegen die Engern. Eroberung der Eresburg (Stadtberge an der Diemel), Zerstörung der Irminsul, eines heiligen Denkmals.

773–774.

Zug nach Italien; Zerstörung des Langobardenreiches.

Da Papst Hadrian I. sich weigert, Karlmanns Söhne zu Königen der Franken zu krönen, besetzt Desiderius die Pentapolis und bedroht Rom. Karl als Patricius von Rom kommt dem Papst zu Hilfe. Einnahme von Pavīa nach langwieriger Belagerung; Desiderius in ein Kloster gebracht. Karl krönt sich mit der eisernen Krone der Langobarden und wird König von Italien (Langobardenreich, also Nord- und Mittel-Italien; Süd-Italien bleibt teils im Besitz der Byzantiner, teils selbständig unter dem Herzog von Benevent). Karl bestätigt dem Papst die Schenkung seines Vaters.

775–777.

Fortsetzung des Sachsenkrieges: 775 Zug von Düren aus nach Westfalen, Eroberung der Sigiburg (Hohensyburg am Einfluß der Lenne in die Ruhr). 776 von Worms aus Wiederherstellung der von den Sachsen zerstörten Eresburg und Zug bis zur Lippe, 777 Maifeld in Paderborn.

778.

Zug nach Spanien, veranlaßt durch ein Hilfsgesuch des Emirs von Saragossa gegen den Kalifen von Cordŏva. Pamplona erobert, Saragossa belagert. Beim Rückzuge überfallen die Basken im Tal Roncesvalles die Nachhut des Heeres. Tod des in der Sage gefeierten Helden Roland. Infolgedessen die spanischen Eroberungen verloren.

Inzwischen neue Erhebung der Sachsen unter Widukind. Karl siegt 779 bei Bocholt an der Aa (nördlich von Wesel), zieht 780 von der Eresburg aus nach Lippspringe und von da bis zur Elbe. Die Sachsen unterwerfen sich, Einführung des Christentums.

781.

Zug nach Italien, Zusammenkunft mit dem Papste in Rom.

782.

Abermals Aufstand der Sachsen unter Widukind. Sie vernichten ein fränkisches Heer, welches mit ihnen zusammen die wendischen Sorben bekämpfen soll, am Berge Süntel. Deshalb Strafgericht zu Verden an der Aller, 4500 Sachsen getötet. 783 infolge dieser Bluttat neuer, furchtbarer Aufstand. Karl siegt erst bei Detmold, dann an der Hase, dringt bis zur Elbe verwüstend vor. 785 unterwirft sich Widukind und wird Christ.

Einführung der fränkischen Grafschaftsverfassung in Sachsen. Anfänge des städtischen Lebens knüpfen sich an die nach und nach gegründeten Bischofsitze: Bremen, Münster, Paderborn, später Osnabrück, Verden, Minden; unter Ludwig dem Frommen Hildesheim und Halberstadt.

787.

Zug nach Italien; Herzog Arichis von Benevent unterwirft sich.

788.

Aufhebung des Herzogtums Bayern nach zweimaliger Auflehnung des Herzogs Tassilo; dieser wird in ein Kloster geschickt.

789.

Krieg gegen die Slaven (Wenden); Karl zieht von Köln aus durch Sachsen, überschreitet die Elbe, besiegt den Stamm der Wilzen, dringt bis zur Peene vor.

791.

Krieg gegen die Avaren (S. 148), welche Tassilo unterstützt hatten; Zug von Regensburg aus bis zur Raab.

794.

Karl und sein gleichnamiger ältester Sohn unterdrücken einen neuen Aufstand der Sachsen, mit zwei getrennten Heeren eindringend. Fernere Züge 795–799, viele Sachsen hinweggeführt und in fränkischem Gebiet angesiedelt.

795.

Karls Sohn Ludwig bekämpft die Mauren, gründet bis 811 die spanische Mark (Barcelona 801 erobert).

796.

Karls Sohn Pippin erstürmt den Königsring (Hauptlager) der Avaren zwischen Donau und Theiß. Das Land zwischen Enns und Raab wird als Avarische Mark mit deutschen Ansiedlern besetzt, Salzburg 798 zum Erzbistum erhoben, ebenso um dieselbe Zeit Köln.

800. 25. Dezbr.

Karl erneuert das weströmische Kaisertum.

Papst Leo III., von Verwandten seines Vorgängers Hadrian bei einem Aufstande mißhandelt und verjagt, sucht Schutz bei Karl im Lager zu Paderborn (799). Karl läßt ihn mit bewaffnetem Geleit nach Rom zurückführen, begibt sich zunächst nach Aachen, dann nach der Nordseeküste, um eine Flotte und befestigte Küstenplätze einzurichten zur Abwehr der seeräuberischen Normannen, zieht dann nach Italien und wird am Weihnachtsfest 800 in der Peterskirche zu Rom vom Papste als römischer Kaiser gekrönt. Gesandte des Kalifen Harun al Raschid begrüßen ihn 801 in Ivrea, Gesandte des oströmischen Reiches 802 in Aachen.

804.

Letzter Feldzug gegen die Sachsen; Karl zieht von Aachen aus nach Lippspringe, hält dort das Maifeld ab, dringt dann bis zur unteren Elbe (bei Harburg) vor.

806.

Karl der Jüngere besiegt den slavischen Stamm der Sorben (zwischen Elbe und Saale); Grenzfesten werden bei Magdeburg und Halle angelegt. Sorbische Mark gegründet.

808.

Karl der Jüngere bekämpft jenseits der Elbe die Dänen; ihr König Götrik befestigt das Danewerk (westlich von Schleswig) zum Schutz seiner Grenze, wird 810, als der Kaiser selbst gegen ihn zieht, von seinen Untertanen ermordet. 811 Friede mit seinem Nachfolger Hemming an der Eider. Bei diesen Expeditionen werden Hamburg und Itzehoe und nördlich von der Eider die Dänische Mark angelegt.

811.

Maifeld zu Aachen; dann besichtigt der Kaiser die in Boulogne zur Abwehr der Normannen gerüstete Flotte.

813.

Nach dem Tode der beiden älteren Söhne Karl und Pippin krönt Karl zu Aachen seinen jüngsten Sohn Ludwig als Nachfolger. Er stirbt daselbst, 72 Jahre alt, am 28. Januar 814. Sein Grab in dem von ihm dort erbauten Münster.

Grenzen des Frankenreiches: Ebro — Raab, Eider — Garigliano. Grenzmarken: die spanische und bretonische (S. 142) im Westen, die avarische und sorbische im Osten, die sächsische und dänische im Norden. Während seiner ganzen Regierung sorgt Karl d. Gr. für Gesetzgebung und Verwaltung. Aufzeichnung der noch ungeschriebenen Volksrechte (lex Saxonum); die in den verschiedenen Reichsteilen geltenden älteren Volksrechte der Franken, Westgoten, Burgunder, Alamannen, Bayern, Langobarden werden ergänzt durch die Capitularia, die bei den Versammlungen der geistlichen und weltlichen Großen (Placita, Conventus generales) verkündet werden. Aufsicht über die von den Bischöfen, Gaugrafen und Markgrafen (marchiones) geführte Verwaltung durch die Königsboten (missi regis, missi dominici); die Herzogswürde ist abgeschafft. Bei wachsender Ausbildung des Lehnswesens ruht doch die Hauptkraft des Heeres noch auf dem Heerbann der Freien; die ärmeren Freien werden geschützt gegen die Versuche der Großen, sie gewaltsam zu abhängigen Lehnsträgern zu machen.

Zur Förderung der Bildung im Frankenreiche werden ausländische Geistliche berufen, besonders der Angelsachse Alcuin, Abt von Tours. Hofschule zur Ausbildung tüchtiger Beamten; zahlreiche Klosterschulen (Fulda, St. Gallen). Paul, Warnefrieds Sohn (Paulus Diacŏnus) Geschichtschreiber der Langobarden; der Franke Einhard, Verfasser der Vita Carŏli imperatoris. Karl d. Gr. selbst bemüht sich um die Grammatik der deutschen Sprache, gibt den Monaten und den Winden deutsche Namen, läßt die alten Heldenlieder sammeln. Sorge für den Landbau (Capitulare de villis). Anlage eines Kanals von der Donau zum Main, 793 in Regensburg angeordnet, aber nicht vollendet. Residenzen des Herrschers die Pfalzen (palatia) zu Aachen, Ingelheim, Worms, Nimwegen, Heristal, Diedenhofen, Attigny u. a.

814–840.

Ludwig der Fromme. Die Reichsverwaltung wird zunächst in der von Karl d. Gr. begründeten Weise weitergeführt, doch wird der Einfluß der Geistlichen überwiegend. Ludwig läßt sich 816 in Reims nochmals vom Papste Stephan IV. krönen; sein ältester Sohn Lothar, schon 817 zum Mitregenten ernannt, übernimmt die Verwaltung Italiens und wird 823 in Rom zum Kaiser gekrönt.

826.

Taufe des Dänenkönigs Harald zu Mainz; der Mönch Ansgar von Corvey predigt das Christentum in Dänemark, dann auch in Schweden.

830.

Empörung der drei älteren Söhne, Lothar, Pippin und Ludwig, als der Kaiser die früher beschlossene Reichsteilung abändert zu Gunsten des jüngsten Sohnes Karl (aus zweiter Ehe mit Judith, die aus dem alamannischen Geschlecht der Welfen stammte). Eine Reichsversammlung zu Nimwegen setzt den Kaiser wieder in volle Macht ein.

831.

Gründung des Erzbistums Hamburg; Ansgar erster Erzbischof.

833.

Zweite Empörung der Söhne. Der Kaiser, auf dem Lügenfelde bei Colmar im Elsaß von seinem Heere verlassen, wird gefangen und von Lothar zu öffentlicher Kirchenbuße in Soissons genötigt, bald aber von Ludwig und Pippin befreit und wieder auf den Thron gesetzt.

838.

Pippin †, Ludwig erhebt sich gegen den Vater, der jetzt an Lothar eine Stütze findet.

840.

Ludwig der Fromme † auf einer Rheininsel bei Ingelheim; der Zwist der Söhne dauert fort.

841.

Schlacht bei Fontenay (unweit Auxerre an der Yonne); Ludwig und Karl siegen über Lothar.

Sie befestigen ihr Bündnis 842 durch die Eide zu Straßburg, in welchen die Scheidung der deutschen und französischen Sprache im Frankenreiche deutlich hervortritt.

843.

Vertrag zu Verdun, Teilung des Reiches.

Kaiser Lothar erhält Italien und Mittelfranken, begrenzt östlich vom Rhein, westlich von Rhone, Saône, Maas und Schelde, mit den Hauptstädten Rom und Aachen;

Ludwig der Deutsche erhält Ostfranken, das rechtsrheinische Land, dazu auf dem linken Rheinufer die Gaue von Mainz, Worms, Speier (propter vini copiam).

Karl der Kahle erhält Westfranken (Neustrien, Aquitanien, Burgund).

In Ludwigs Reich überwiegt die germanische, in Karls Reich die romanische Bevölkerung. So entwickeln sich fortan Deutschland und Frankreich als nationale Staaten. Die Ostfranken nennen ihre Sprache im Gegensatz zu der römischen Sprache der gelehrten Geistlichkeit die deutsche, d. h. die volkstümliche; allmählich werden die deutschredenden Stämme als Deutsche vereinigt.

B. Vom Vertrage zu Verdun bis zum Beginn der Kreuzzüge. 843–1096.

§ 1. Italien und Deutschland.

843–875.

Karolinger[30] in Italien.

Lothar regiert bis 855, nach ihm sein ältester Sohn Ludwig II. als Kaiser bis 875; er herrscht über Italien; von den beiden jüngeren Söhnen erhält Lothar II. das Gebiet von der Nordsee bis zur Rhone und Saône (Lothari regnum, Lothringen), Karl den südlichen Teil. Die nordafrikanischen Araber (Sarazenen), seit 827 im Besitze Siciliens, beunruhigen durch Seezüge die Küsten Italiens. Rom gesichert durch die aurelianische Mauer (S. 134); Papst Leo IV. läßt auch den Stadtteil auf dem rechten Tiberufer (Peterskirche und Vatikan) ummauern.

Papst Nikolaus I. (858–867), gestützt auf die pseudo-isidorischen Dekretalen (S. 145) (Bischof Isidor von Sevilla, um 600, hatte zuerst päpstliche Entscheidungen gesammelt), bringt die päpstliche Macht gegenüber den Bischöfen und den karolingischen Herrschern zu hohem Ansehen, kann aber die durch dogmatische Streitigkeiten veranlaßte Loslösung der griechisch-katholischen Kirche von der Oberhoheit Roms nicht verhindern. Der Patriarch Photius in Konstantinopel tritt 863 dem päpstlichen Bann entgegen; völlige Trennung der beiden Kirchen erst 1054.

Die Slavenapostel Methodius und Cyrillus, 863 aus Thessalonich nach Mähren berufen, erkennen Roms Oberhoheit an; von Mähren aus verbreitet sich das Christentum um 900 nach Böhmen und Polen.

875.

Karl der Kahle von Frankreich gewinnt in Rom die Kaiserkrone, † 877 (Karl II.).

843–911.

Karolinger in Deutschland.

843–876.

Ludwig der Deutsche führt Grenzkriege gegen die Slaven (Abodriten in Mecklenburg, Sorben, Czechen), setzt in Mähren den Herzog Rastislav ein.

845.

Hamburg zerstört von den Normannen, die schon mehrmals die friesische Küste heimgesucht hatten; das Erzbistum wird nach Bremen verlegt. Die ferneren Raubzüge der Normannen richten sich gegen das westfränkische Reich.

870.

Vertrag zu Mersen (an der Maas) mit Karl dem Kahlen; nach dem Tode der beiden jüngeren Söhne Lothars I. wird deren Erbe zwischen Deutschland und Frankreich geteilt. Der germanische Teil (Friesland, Lothringen, Elsaß) kommt an Deutschland, der romanische (Flandern, Brabant, Verdun, Burgund, Provence) an Frankreich.

874.

Swatopluk, Fürst von Mähren, zur Huldigung genötigt.

876–887.

Karl der Dicke regiert zuerst gemeinsam mit seinen älteren Brüdern Karlmann und Ludwig. Letzterer weist durch den Sieg bei Andernach am Rhein 876 Karls des Kahlen Ansprüche auf Lothringen zurück. Karl zieht 879 und 881 nach Italien, erlangt 881 in Rom die Kaiserkrone (Karl III.) wird 884 auch in Westfranken zum König gewählt. So vereinigt er noch einmal Karls des Großen Monarchie mit Ausnahme von Niederburgund (Rhônegebiet), wo 879 Boso von Vienne, Schwiegersohn Kaiser Ludwigs II., zum König erwählt war (Hauptstadt Arles, daher der Name Arelatisches Reich). Aber er verliert bald sein Ansehen, weil er den Paris belagernden Normannen ein Lösegeld von 7000 Pfund Silber bewilligt und Burgund verpfändet; er wird von den zu Tribur (südöstlich von Mainz auf dem rechten Rheinufer) versammelten Fürsten des ostfränkischen Reiches abgesetzt und stirbt bald darauf. Hochburgund (Westschweiz und Franche-Comté) wird 888 ein selbständiges Reich unter dem Welfen Rudolf.

887–899.

Arnulf von Kärnten, Sohn Karlmanns, schlägt die Normannen bei Löwen an der Dyle 891 und kämpft im Bunde mit dem finnischen Reitervolke der Magyaren (Ungarn), das vom Ural her in die früheren Wohnsitze der Avaren eingedrungen ist, gegen Swatopluk von Mähren, dessen slavisches Reich nach seinem Tode (894) zerfällt. Arnulf zieht zweimal nach Italien, wird 896 in Rom zum Kaiser gekrönt, stirbt aber, ehe er sein Reich befestigen kann. Ihm folgt sein sechsjähriger Sohn

899–911.

Ludwig das Kind unter Leitung des Erzbischofs Hatto von Mainz. Furchtbare Verheerung Deutschlands durch die Raubzüge der Magyaren; wiederholt durchziehen sie Bayern (907 Herzog Luitpold, Stammvater der Wittelsbacher samt seinem Heer vernichtet), Thüringen und Sachsen. Zugleich innere Fehden: Graf Adalbert von Babenberg kämpft gegen die in Franken und Hessen begüterten Konradiner; er wird besiegt und vor seiner Burg hingerichtet.

In verschiedenen Reichsteilen erhebt sich wieder das durch Karl den Großen beseitigte Stammesherzogtum; es bilden sich die Stammherzogtümer Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben, Lothringen. Nach Ludwigs Tode lehnt der greise Otto der Erlauchte, Herzog von Sachsen, die Königskrone ab und lenkt die Wahl der Großen auf den mit den Karolingern nahe verwandten Konradiner

911–918.

Konrad I. von Franken. Einfälle der Dänen, Slaven und Magyaren. Konrad kämpft vergeblich um die Anerkennung der Königsgewalt, namentlich gegen Heinrich, Ottos des Erlauchten Sohn, seit 912 Herzog von Sachsen. Lothringen wendet sich dem westfränkischen Reiche zu, Elsaß bleibt mit Schwaben verbunden.

In Italien, welches von Raubzügen der Magyaren und der Araber heimgesucht wird, hat nach Arnulfs Tode Berengar von Friaul ein Königtum begründet, er erlangt 915 auch die Kaiserwürde. Gegen ihn tritt 922 Rudolf II. von Hochburgund auf, gegen diesen Hugo von Niederburgund. Rudolf II. schließt 933 Vertrag mit Hugo, der zum König von Italien gekrönt, auf Niederburgund verzichtet; vereinigtes Reich Burgund (Hauptstadt Arles) 933–1033. Dagegen gewinnt das italische Königtum keinen festen Bestand; Hugo wird 945 von Berengar von Ivrea vertrieben; Hugos Sohn Lothar, mit Rudolfs II. Tochter Adelheid (deren zweiter Gemahl Otto der Große) vermählt, sucht nach dem Tode seines Schwiegervaters vergebens dessen Reich wiederzugewinnen, † 950. Das Papsttum ist in dieser Zeit in tiefem Verfall, abhängig von streitenden römischen Adelsparteien.

919–1024. Sächsische Könige und Kaiser.

Heinrich I. †936. ________________|_______________________________________ Thankmar Otto I. †973 Heinrich, Brun, †938. | Herzog v. Bayern †955. Erzb. v. _____________|_________ ________|___________ Köln. Lindolf Otto II. †983. Heinrich d. Zänker, †957 | Herzog v. Bayern †995. __|__ __|__ Otto III. Heinrich II. †1024. †1002.

Auf Wunsch des sterbenden Konrad und auf Betreiben Eberhards, seines Bruders, wird zu Fritzlar an der Eder von den Franken und Sachsen erwählt

919–936.

Heinrich I., der Begründer des Deutschen Reiches.

Er nötigt durch Kriegszüge die Herzöge Burkhard von Schwaben und Arnulf von Bayern zur Anerkennung seiner Oberhoheit, schließt 924 mit den Magyaren (Ungarn) einen 9jährigen Waffenstillstand, welcher gegen Tribut Sachsen und Thüringen sicher stellt, bringt 925 durch einen Kriegszug über den Rhein Lothringen wieder zum Reiche; Herzog Giselbert wird sein Schwiegersohn.

In Sachsen sorgt er für Befestigung älterer Ortschaften (Merseburg, Goslar) und Anlage neuer Burgen (Quedlinburg); die Sachsen gewöhnen sich allmählich an städtisches Leben und an Reiterdienst im Kriege.

928.

Glückliche Kämpfe gegen die Wenden; Brennabor, Stadt der Heveller, im Winter erobert; im Lande der Daleminzier die Feste Meißen gegründet.

929.

Zug nach Prag, Herzog Wenzel von Böhmen zur Huldigung genötigt. Währenddessen Aufstand der nördlichen Wenden; sie werden von den sächsischen Grafen Bernhard und Thietmar bei Lenzen (unweit Dömitz an der Elbe) geschlagen.

932.

Unterwerfung der Wenden in der Lausitz.

933.

Sieg Heinrichs über die Ungarn an der Unstrut (bei Riade); Sachsen fortan vor ihnen gesichert.

934.

Zug gegen die Dänen unter König Gorm; Wiederherstellung der Grenzmark zwischen Eider und Schlei, später Mark Schleswig genannt.

936.

Heinrich † zu Memleben an der Unstrut, begraben in dem von ihm gegründeten Münster zu Quedlinburg. Ihm folgt sein mit der angelsächsischen Königstochter Editha vermählter Sohn

936–973.

Otto I., der Grosse. Krönung in Aachen durch den Erzbischof von Mainz; die Herzöge verwalten dabei die Hofämter: Giselbert von Lothringen Kämmerer, Eberhard von Franken Truchseß, Hermann von Schwaben Mundschenk, Arnulf von Bayern Marschall. Otto, erst 24 Jahre alt, sucht die Selbständigkeit der Herzöge zu beschränken.

937.

Einfall der Ungarn in Franken; von Otto zurückgeschlagen ziehen sie nach Westen, verheeren große Strecken von Frankreich und Burgund, dringen auch in Italien ein.

938.

Aufstand des zu einer Strafe verurteilten Frankenherzogs Eberhard in Gemeinschaft mit Ottos Halbbruder Thankmar, der in der Eresburg getötet wird. Eberhard unterwirft sich und erhält Verzeihung; Otto schlägt einen Einfall der Ungarn in Sachsen zurück und zieht dann nach Bayern gegen die Söhne des Herzogs Arnulf († 937), die ihm Huldigung verweigern; er setzt Arnulfs Bruder Berthold als Herzog, einen der Söhne als Pfalzgrafen in Bayern ein zur Ausübung der höchsten Gerichtsbarkeit und Aufsicht über die königlichen Besitzungen und Einkünfte im Lande.

939.

Abermaliger Aufstand Eberhards in Gemeinschaft mit Ottos jüngerem Bruder Heinrich und dessen Schwager Herzog Giselbert von Lothringen. Eberhard fällt im Kampfe bei Andernach, Giselbert ertrinkt auf der Flucht im Rhein; Heinrich entkommt nach Frankreich, kehrt aber bald zurück und erhält Verzeihung.

940.

König Ludwig IV. von Frankreich, mit Giselberts Witwe vermählt, versucht Lothringen an sich zu reißen. Otto dringt mit Heeresmacht in Frankreich ein bis zur Seine, sichert Lothringen dem deutschen Reiche. Er gibt dieses Herzogtum 944 an Konrad den Roten (Ahnherrn des fränkisch-salischen Königshauses), der sein Schwiegersohn wird. Zum Herzog von Bayern ernennt er nach Bertholds Tode 947 seinen Bruder Heinrich, zum Herzog von Schwaben 950 seinen Sohn Liudolf; Franken und Sachsen behält er selbst.

Hermann Billung, Markgraf gegen die nördlichen Wenden und Dänen, erhält später die Herzogsgewalt in Sachsen. Die Mark an der mittleren Elbe verwaltet Markgraf Gero, unter dessen Schutze im Wendenlande die Bistümer Havelberg und Brandenburg gegründet werden.

946.

Zweiter Zug Ottos nach Frankreich bis Rouen, diesmal zur Unterstützung König Ludwigs IV., besonders gegen Hugo, den Herzog von Francien (beide seine Schwäger).

Die bedeutende Machtstellung, welche Otto errungen hat, legt es dem tatkräftigen Herrscher nahe, nun auch in die zerrütteten Verhältnisse Italiens einzugreifen.

951.

Erster Zug nach Italien (über den Brennerpaß) gegen Berengar von Ivrea (S. 158). Otto befreit und heiratet (in zweiter Ehe) die burgundische Königstochter Adelheid (s. S. 158). Er empfängt in Pavia die Huldigung der italischen Großen, Berengar unterwirft sich ihm als Vasall.

953.

Liudolf von Schwaben und sein Schwager Konrad von Lothringen empören sich gegen den König und verbinden

954.

sich mit den Ungarn, die durch Bayern und Franken bis nach Lothringen streifen. Sie werden nach hartem Kampfe besiegt und verlieren ihre Herzogtümer, sind fortan dem Könige getreu.

955. 10. Aug.

Sieg Ottos über die Ungarn auf dem Lechfelde bei Augsburg. Konrad, für den König kämpfend, fällt in der Schlacht. Die bayrische Ostmark (aus der später das Herzogtum Österreich hervorgeht) wird wiederhergestellt. Das Herzogtum Bayern geht nach dem Tode Heinrichs 955 auf dessen Sohn über (Heinrich der Zänker), in Schwaben regiert Heinrichs Schwiegersohn Burkhard; Lothringen verwaltet Ottos jüngster Bruder, Erzbischof Brun von Köln. Ottos Sohn Wilhelm ist Erzbischof von Mainz. So suchte Otto das Reich zu festigen, indem er die Herzogtümer seinen Verwandten gab. Zur Beaufsichtigung und Beschränkung der herzoglichen Gewalt setzte er überall Pfalzgrafen ein, die das Königsgut verwalteten.

Okt.

Zug Ottos gegen die Wenden, Sieg an der Recknitz (in Mecklenburg) im Verein mit Markgraf Gero.

957.

Liudolf zieht im Auftrage des Vaters nach Italien gegen Berengar, besiegt ihn, stirbt aber vor der Rückkehr.

961–965.

Zweiter Zug Ottos nach Italien, da Papst Johann XII. um Hilfe gegen Berengar bittet.

962. 2. Febr.

Kaiserkrönung Ottos I. in Rom. Während Kaiser Otto in der Lombardei gegen Berengar kämpft, versucht Papst Johann XII. sich der kaiserlichen Schutzherrschaft zu entziehen. Otto kehrt mit Heeresmacht nach Rom zurück (Nov. 963); der Papst entflieht und wird abgesetzt. Otto zieht wieder nach Oberitalien; Berengar unterwirft sich und wird als Gefangener nach Bayern gesandt, stirbt 966 in Bamberg. Inzwischen wird der von Otto eingesetzte Papst Leo VIII. aus Rom vertrieben; Otto zieht zum dritten Mal dorthin und sendet den Gegenpapst Benedikt V. als Gefangenen nach Hamburg.

965.

Rückkehr des Kaisers nach Deutschland. Fürstentag in Ingelheim; dann in Köln Zusammenkunft mit seiner Schwester Gerberga, der Königin von Frankreich, und ihrem Sohne, König Lothar. Er begibt sich nach Sachsen und teilt nach dem Tode Geros dessen Gebiet in sechs Marken, die später in drei zusammengezogen werden: Nordmark (Altmark) an der mittleren Elbe, Ostmark (Lausitz) weiter südlich die Mark Meißen. Der Tod des Erzbischofs Brun veranlaßt den Kaiser 966 zu einem abermaligen Zuge nach Köln; er ordnet die Verhältnisse in Lothringen und hält dann einen Reichstag zu Worms.

966–972.

Dritter Zug nach Italien (über Chur und den Septimerpaß). Ottos Sohn, Otto II. (geb. 955), schon 961 als deutscher König gekrönt, empfängt in Rom die Kaiserkrone. Die Huldigung der Herzöge von Capua und Benevent (s. S. 152) gibt Anlaß zu Feldzügen nach Apulien gegen die oströmische Herrschaft. 968 Synode zu Ravenna; dort wird die Gründung des Erzbistums Magdeburg und der Bistümer Merseburg, Zeitz, Meißen beschlossen. Der Kaiser residiert längere Zeit in Pavia, schickt nach abermaligen Kämpfen in Apulien Gesandte nach Konstantinopel; 972 wird in Rom die Vermählung seines Sohnes Otto mit der oströmischen Prinzessin Theophano gefeiert. Apulien und Calabrien, Neapel und Salerno bleiben unter oströmischer, Capua und Benevent unter deutscher Herrschaft.

972.

Rückkehr nach Deutschland; Synode in Ingelheim, Fürstentag in Frankfurt. Im März 973 ist der Kaiser in Magdeburg, dann in Quedlinburg und Merseburg; er stirbt am 7. Mai 973 in Memleben, wird im Dom zu Magdeburg neben seiner ersten Gemahlin Editha bestattet.

Verfassung des deutschen Reiches: Wahlkönigtum; die Königsmacht beruht auf bedeutenden Reichsgütern in allen Teilen des Reiches, besonders in Franken und Sachsen, zu deren Verwaltung der König Pfalzgrafen ernennt. Keine feste Residenz; der König ordnet überall die wichtigen Angelegenheiten persönlich. Oberste Beamte sind die Herzöge, dem Könige ebenso zur Lehnstreue verpflichtet wie die ihnen untergeordneten Grafen und kleineren Vasallen. Da diese jedoch starke partikularistische Gelüste zeigen, so sucht der Kaiser die Reichseinheit später auf die Kirche zu gründen. Er stützt sich auf die nur von ihm ernannten Erzbischöfe und Bischöfe, welche bedeutende Reichslehen empfangen und nun einen neuen geistlichen Beamtenstand bilden, dessen Lehen nicht erblich sind. Diese vom Könige eingesetzten geistlichen Fürsten erweisen sich als bessere Stützen des Reiches, als die nach Erblichkeit der Lehen strebenden weltlichen Fürsten. Die Zahl der unabhängigen Freien ist vermindert; der Heerbann tritt allmählich zurück gegen das Lehnsaufgebot. Die Städte sind noch unbedeutend. Das Kaisertum gibt den deutschen Königen als obersten Herrschern über das römische Reich deutscher Nation Anspruch auf Oberhoheit über die benachbarten Länder und Schutzherrschaft über die Kirche.

973–983.

Otto II. erhält die von seinem Vater begründete Kaisermacht aufrecht. 974 Zug gegen Dänemark bis zum Danewerk, 976 Absetzung des aufständischen Herzogs Heinrich des Zänkers von Bayern. Bayern wird verkleinert durch Abtrennung des Herzogtums Kärnten mit der Mark Verona, sowie durch Errichtung einer Mark im Nordgau, nördlich von Regensburg. Die früher schon errichtete Mark Österreich erhält der Babenberger (s.S. 157) Luitpold. Herzog Boleslav von Böhmen huldigt 978 zu Magdeburg.

978.

König Lothar von Frankreich überfällt den Kaiser in Aachen, versucht Lothringen zu erobern, verzichtet aber darauf, nachdem Otto mit Heeresmacht bis Paris vorgedrungen ist.

980–983

Krieg in Italien. Der Kaiser dringt von Rom aus nach Unter-Italien vor, siegt 982 über die Griechen und Sarazenen am Kap Colonne, südlich von Cotrone (Kroton), muß aber nach einer vernichtenden Niederlage bei Squillace an der Küste von Calabrien umkehren. Reichstag zu Verona. Ottos dreijähriger Sohn zum König gewählt.

983.

Aufstand der Dänen und Wenden; Hamburg und die Bistümer Havelberg, Brandenburg, Zeitz zerstört. Otto II. stirbt in Rom 28 Jahre alt, wird in der Peterskirche begraben.

983–1002.

Otto III., beim Tode des Vaters 3 Jahre alt. Heinrichs des Zänkers Anspruch auf die Vormundschaft, ja sogar auf die Krone, wird zurückgewiesen, doch erhält er Bayern zurück. Ottos Mutter, die Griechin Theophano, herrscht in Deutschland, seine Großmutter Adelheid in Italien. Wachsende Selbständigkeit der Großen des Reiches, doch wird der Reichsfriede erhalten. Nach Theophanos Tode (991) führen Adelheid und der Erzbischof Willigis von Mainz die Regierung, bis der junge Fürst 995 sie selbst übernimmt.

996.

Otto III. wird in Rom durch den von ihm eingesetzten deutschen Papst Gregor V. gekrönt, befreundet sich mit Adalbert von Prag und Erzbischof Gerbert von Reims, der bald nach Deutschland kommt und in Magdeburg Ottos Lehrer wird.

997.

Adalbert von den heidnischen Preußen erschlagen.

998–999.

Ottos zweiter Zug nach Rom, Gerbert als Papst eingesetzt (Silvester II.); Ottos Plan, als Kaiser in Rom seinen Wohnsitz zu nehmen und von hier aus die Christenheit als einen theokratischen Universalstaat zu beherrschen.

1000.

Ottos III. Wallfahrt zum Grabe des heiligen Adalbert in Gnesen, wo er in Gemeinschaft mit Herzog Boleslav von Polen ein Erzbistum errichtet: dann nach Aachen zum Grabe Karls d. Gr. Von da reist er nach Rom.

1001.

Papst Silvester II. verleiht dem Ungarnfürsten Stephan dem Heiligen, der sein Volk zum Christentum bekehrt, die Königskrone (Stephanskrone). Otto III., durch Aufstand aus Rom vertrieben, begibt sich mit dem Papste nach Ravenna, versucht vergebens Rom wiederzuerobern.

1002.

Otto † in Paterno (am Fuße des Sorakte), in Aachen bestattet. Silvester kehrt nach Rom zurück.

1002–1024.

Heinrich II. (der Heilige), Herzog von Bayern, Sohn Heinrichs des Zänkers und der Schwester König Rudolfs III. von Burgund, zu Mainz zum König erwählt und gekrönt, im Gegensatz zu Otto III. eine nüchterne, praktische Herrschernatur. Er stellt das erschütterte Ansehen der Kaisergewalt wieder her und behauptet das deutsch-italische Reich.

1004.

Erster Zug nach Italien gegen Arduin von Ivrea. Heinrich unterwirft Ober-Italien und wird in Pavia zum König von Italien gekrönt.

1004–1018.

Kriege gegen Boleslav Chrobry (der Kühne) von Polen, der Böhmen aufgeben muß, aber die Lausitz behält. Die Wenden im Havellande bleiben unabhängig.

1007.

Gründung des Bistums Bamberg. Förderung der von dem französischen Kloster Cluny ausgehenden, auf strengste mönchische Zucht und eine Erneuerung und Vertiefung des religiösen Lebens gerichteten Reform des Mönchtums. Die Bischöfe dienen, wie unter Otto I., der geordneten Reichsverwaltung.

1014.

Zweiter Zug nach Italien, Heinrich in Rom zum Kaiser gekrönt. Arduin gibt den Widerstand auf († 1015).

1016–1018.

Kämpfe und Verhandlungen Heinrichs, um sein Erbrecht auf Burgund zur Anerkennung zu bringen.

1022.

Dritter Zug nach Italien. Heinrich unterwirft Benevent, Capua, Salerno, wird beim Kampfe gegen die Griechen in Apulien von den nach einem Zuge nach Jerusalem dort unlängst eingewanderten Normannen unterstützt.

1023.

Fürstentag zu Aachen, dann Zusammenkunft mit König Robert von Frankreich zu Ivois am Chiers (Nebenfluß der Maas, südöstlich von Sedan).

1024.

Tod des Kaisers in der Pfalz zu Grona (bei Göttingen). Sein Grab im Dom zu Bamberg.

1024–1125 Fränkische oder salische Kaiser.

Otto der Grosse †973 | Konrad der Rote †955. Luitgard. |______________________________| | Konrad II. †1039. Gem. Gisela. | Heinrich III. †1056. Gem. Agnes von Poitou. | Heinrich IV. †1106. _______________________|___________________________ Konrad Heinrich V. †1125. Agnes, Gem. †1101. Friedrich von Büren, Herzog von Schwaben.

Königswahl durch die Fürsten aller Stämme auf der Rheinebene zwischen Mainz und Worms (bei Kamba). Die Wahl richtet sich auf die beiden Konrade, Brudersöhne, Urenkel Konrads des Roten (S. 159); nach kurzem Schwanken wird der ältere erwählt.

1024–1039.

Konrad II. unternimmt nach der Krönung zu Mainz einen Umritt durch das Reich (Aachen, Nimwegen, Dortmund, Hildesheim, Goslar, Magdeburg, Augsburg, Konstanz, Basel, Straßburg, Worms), hält dann einen Fürstentag in Tribur.

1026.

Zug nach Italien, Krönung zum lombardischen König, Kaiserkrönung zu Rom 1027 in Gegenwart Knuds des Großen, Königs von England und Dänemark, und Rudolfs III. von Burgund. In Apulien huldigen ihm die Fürsten von Benevent, Capua, Salerno. Rückkehr über Ravenna und Verona. Unterdessen Fürstenerhebung in Deutschland. In Ulm unterwirft sich ihm sein Stiefsohn Ernst, Herzog von Schwaben, welcher Ansprüche auf Burgund erhoben hatte, weil seine Mutter Gisela eine Nichte des kinderlosen Königs Rudolf III. war. Er kommt in Haft nach der Burg Giebichenstein bei Halle, wird nach einiger Zeit begnadigt, dann aber geächtet, weil er sich weigert, seinen Freund Werner von Kiburg zu bekämpfen; beide fallen 1030 in einem Gefecht im Schwarzwald.

1030.

Einfall der Polen unter Herzog Miesco; sie verwüsten das Land zwischen Elbe und Saale, werden von dem Grafen Dietrich von Wettin vertrieben. Der Kaiser unternimmt zunächst einen Zug nach Ungarn, um die bayrischen Marken gegen Einfalle zu sichern, zieht dann 1031 nach Polen. Miesco muß die Lausitz zurückgeben, huldigt dem Kaiser 1033 zu Merseburg.

1033

Burgund mit dem deutschen Reiche vereinigt. Konrad gewinnt das arelatische Königreich (S. 158) nach dem Tode Rudolfs III. durch drei Feldzüge gegen den Grafen Odo von Champagne, Neffen Rudolfs III, nach Abschluß eines Bündnisses mit König Heinrich I. von Frankreich. In Zürich und Genf huldigen ihm die burgundischen Großen.

1035

Konrad verlobt zu Bamberg seinen Sohn Heinrich, Herzog von Bayern (später auch von Schwaben) mit der Tochter Knuds von Dänemark und überläßt diesem die Mark Schleswig; die Eider wieder Reichsgrenze.

1037–1038.

Zweiter Zug nach Italien. Die Erblichkeit der kleineren Lehen wird für Italien durch Gesetz festgestellt. Der Normanne Rainulf wird mit der Grafschaft Aversa in Campanien belehnt.

1039.

Konrad † in Utrecht, begraben in dem von ihm gegründeten Dom zu Speier. Er war einer der bedeutendsten Herrscher des Mittelalters, reich an Erfolgen. Gegen die großen Vasallen suchte er ein Gegengewicht in den Inhabern der kleinen Lehen, für deren Erblichkeit er eintrat. Von den neu ernannten Kirchenfürsten verlangte er eine Abgabe. Ihm folgt sein schon als Knabe in Aachen zum König gekrönter Sohn

1039–1056.

Heinrich III. Hohe Machtstellung des Kaisertums. König Heinrich ist beim Beginn seiner Regierung Herzog von Bayern, Schwaben und Franken, setzt aber später in Bayern und Schwaben wieder andere Herzöge ein. In Sachsen ist die Kaiserpfalz zu Goslar oft sein Wohnsitz.

1041.

Unterwerfung des Herzogs Bretislav von Böhmen.

1042.

Zug nach Burgund, Herstellung des Landfriedens daselbst im Anschluß an die in Frankreich verkündete Treuga Dei (s. S. 169).

1042–1044.

In Ungarn wird König Peter, von Heinrich durch drei Feldzüge wieder eingesetzt, ein Vasall des Reiches. Vergrößerung der bayrischen Ostmark bis zur Leitha. Die Lehnshoheit über Ungarn wird nicht lange behauptet.

1046.

Zug nach Italien. Heinrich läßt durch die Synode zu Sutri drei gleichzeitige, der Simonie (Verkauf geistlicher Ämter) schuldige Päpste absetzen, ernennt einen Deutschen (Clemens II.), der ihn zum Kaiser krönt, und weiterhin noch drei deutsche Päpste, belehnt Drogo, Sohn des Normannen Tankred von Hauteville, mit Apulien.

1048.

Oberlothringen wird nach Absetzung des Herzogs Gottfried an den elsässischen Grafen Gerhard, Stammvater des lothringischen Herzogshauses, gegeben.

1055.

Zweiter Zug nach Italien; die Markgräfin Beatrix von Tuscien, mit welcher sich Gottfried vermählt hat, um in Italien neue Macht zu gewinnen, muß dem Kaiser nach Deutschland folgen. Unterdrückung einer Fürstenverschwörung; Gottfried unterwirft sich dem Kaiser.

1056.

Sieg der Wenden über ein sächsisches Heer bei Pritzlava an der Havelmündung. Heinrich, erst 39 Jahre alt, auf der Burg Bodfeld im Harz. Ihm folgt sein 6jähriger, bereits 1054 zu Aachen gekrönter Sohn.

1056–1106.

Heinrich IV. Seine Mutter Agnes von Poitou, Reichsverweserin, gibt Schwaben an ihren Schwiegersohn Rudolf von Rheinfelden, Kärnten an Berthold von Zähringen, Bayern an den sächsischen Grafen Otto von Nordheim. Die Macht der Fürsten erhebt sich bald gegen das Kaisertum.

1062.

Entführung des jungen Königs von Kaiserswert nach Köln durch Erzbischof Anno von Köln, der die Erziehung des Königs übernimmt, aber bald seinen Einfluß mit Erzbischof Adalbert von Bremen teilen muß. König Heinrich, 1065 mündig erklärt, entfernt auf Verlangen der Fürsten Adalbert aus seiner Umgebung, richtet alsbald seinen Unwillen gegen die sächsischen Großen.

1070.

Otto von Nordheim, eines Mordanschlags auf den König angeklagt, verliert das Herzogtum Bayern; es kommt an seinen Schwiegersohn Welf, den Sohn des Markgrafen Azzo von Este und der letzten Welfin, der nach dem Aussterben des Mannsstammes eine neue Linie des Welfenhauses (S. 154) begründet. Magnus, Sohn des Sachsenherzogs Ordulf, wird als Bundesgenosse Ottos in Haft gehalten.

1073.

Aufstand der Sachsen gegen die von Heinrich in ihrem Lande angelegten Burgen; Flucht Heinrichs von der Harzburg, demütigender Friede zu Gerstungen, Zerstörung der Harzburg. Heinrich findet Hilfe bei den Bürgern von Worms und mehreren Fürsten, besiegt die Sachsen an der Unstrut 1075. Bald aber gerät er in Streit mit

1073–1085.

Papst Gregor VII. (Hildebrand), aus einer Bauernfamilie in Toskana stammend, aufgewachsen in Rom unter dem Einfluß der von dem französischen Kloster Cluny (westlich der Saône, unweit Mâcon) ausgehenden streng kirchlichen Richtung. Er hatte als Archidiakonus und Kanzler unter fünf Päpsten die weltlichen Geschäfte des römischen Stuhles geleitet. Unter seinem Einfluß erließ 1059 Nikolaus II. das Dekret über die Papstwahl durch die Kardinäle.

Gregors Ziel ist die von allen Cluniazensern angestrebte Erhebung der Kirche über die Staaten, des Papsttums über das Kaisertum. Er gebietet strenge Durchführung des Cölibats (Ehelosigkeit) der Geistlichen, verbietet die von Heinrich ebenso wie von Konrad II. geübte Simonie (Geldzahlung für den Empfang eines geistlichen Amtes. Apostelgesch. 8, 18) und die Laieninvestitur (kein Bischof oder Abt soll die Belehnung mit Ring und Stab aus Laienhand empfangen).

1076.

Heinrich läßt den Papst durch eine Synode deutscher Bischöfe in Worms für abgesetzt erklären; darauf spricht Gregor gegen ihn den Bann aus. Ein Fürstentag zu Tribur erklärt den König für abgesetzt, wenn er nicht binnen Jahresfrist sich vom Banne löse.

1077. Januar.

Heinrich büßt vor dem Papst in Canossa, einem Schlosse bei Reggio nell’ Emilia, der Markgräfin Mathilde von Tuscien, Tochter der Beatrix, gehörig (S. 165). Der Papst löst ihn vom Banne unter der Bedingung, daß er in seinem Streit mit den Fürsten die Entscheidung des Papstes anerkenne. Heinrich bleibt in Oberitalien, verhindert die Reise des Papstes nach Deutschland. Die Fürsten wählen Rudolf von Schwaben zum deutschen König.

1077–1080.

Krieg in Deutschland zwischen Heinrich IV. und seinem Schwager Rudolf, letzterer wird in der Schlacht an der Elster 1080 tödlich verwundet; sein Herzogtum Schwaben hat Friedrich von Hohenstaufen, Heinrichs Schwiegersohn, bereits 1079 erhalten.

1081.

Heinrich, zum zweiten Mal gebannt, zieht nach Italien, erobert Rom 1084, wird durch den von ihm erhobenen Gegenpapst Clemens III. zum Kaiser gekrönt. Gregor in der Engelsburg belagert, durch die ihm treu ergebenen Normannen unter Robert Guiscard befreit, stirbt 1085 in Salerno. Seine letzten Worte »Dilexi iustitiam et odi iniquitatem, propterea morior in exilio«.

Deutschland durch Bürgerkrieg zerrüttet. Kaiser Heinrich erobert 1084 Augsburg, zieht dann nach Metz, läßt 1085 durch eine Synode zu Mainz den Gottesfrieden für das ganze Reich verkünden. In Sachsen bekämpft er den Gegenkönig Hermann von Salm, welcher 1088 abdankt; die Sachsen unterwerfen sich nach Anerkennung ihrer alten Rechte.

1090–1097.

Heinrich kämpft in Italien gegen die Markgräfin Mathilde und Papst Urban II. Abfall seines Sohnes Konrad († 1101). In Deutschland ist Herzog Welf von Bayern Führer der päpstlichen Partei. Der Kaiser verweilt fast machtlos in Italien, während Urban II. als Gebieter der ganzen Christenheit auftritt und das große Unternehmen des ersten Kreuzzuges (S. 173) ins Werk setzt. Nach Aussöhnung mit Herzog Welf kehrt der Kaiser nach Deutschland zurück, stellt den Landfrieden zum Schutze der Bürger und Bauern wieder her und besetzt die Bistümer nach seinem Ermessen. Aber die Bischöfe fast immer auf der Seite seiner Gegner.

1104.

Empörung seines zweiten Sohnes Heinrich, der ihn in der Burg Böckelheim (an der Nahe) gefangen setzt und zur Verlesung eines Sündenbekenntnisses und Abdankung zwingt (Fürstentag zu Ingelheim). Der Kaiser entflieht nach Lüttich, wo er 1106 stirbt, während das deutsche Bürgertum für ihn zum Kriege rüstet; die Leiche erst 1111 vom Bann gelöst und im Dom zu Speier beigesetzt.

1106–1125.

Heinrich V., durch die päpstliche Partei zum Thron gelangt, aber entschlossen, sein Herrscherrecht zu behaupten. Nachdem er die Grenzländer des Reiches im Westen und Osten (Lothringen und Böhmen) durch Feldzüge gesichert hat, zieht er nach Rom, nimmt den Papst Paschālis II. gefangen, erzwingt die Kaiserkrönung und das Recht der Investitur (1111). Sobald aber der Kaiser Italien verlassen hat, erklärt ein zu Rom im Lateran versammeltes Konzil den Vertrag für erzwungen und nichtig; ein zweites Konzil zu Vienne spricht den Bann über Heinrich aus.

Neuer Aufstand der Sachsen unter ihrem Herzog Lothar von Supplinburg, der die Billunger (S. 159) beerbt hatte; die Erzbischöfe von Mainz und Köln u. a. Fürsten schließen sich an. Sieg der Sachsen am Welfesholze bei Mansfeld 1115. Friedrich und Konrad von Staufen verteidigen die Sache des Kaisers, während dieser zum zweiten Mal nach Italien zieht, dort die der Kirche vererbten Mathildischen Güter in Besitz nimmt und einen Gegenpapst aufstellt (1118). Der Investiturstreit wird nach langen Verhandlungen mit dem Papste Calixtus II. beendigt durch das

1122.

Wormser Konkordat: Kirchliche Wahl der Bischöfe und Äbte für Deutschland in Gegenwart des Kaisers oder seiner Abgesandten, kaiserliche Belehnung vor der Weihe, aber nicht mit Ring und Stab, sondern mit dem Scepter; für Italien und Burgund die gleiche Belehnung erst nach erfolgter Wahl und Weihe. Die geistlichen Fürsten bleiben Lehnsträger des Reiches; sie erscheinen auch fernerhin vielfach als treue Stützen der kaiserlichen Macht.

Die Verbindung Deutschlands mit Italien, trotz der vielfachen Kämpfe segensreich für beide Länder, aber in Italien mehr und mehr als Fremdherrschaft empfunden, dauert fort. Handel und Gewerbe entfalten sich in den aufblühenden Städten, z. B. Worms, Köln, Augsburg u. a. m. (S. 190). Kunst und Wissenschaft, von der Kirche gefördert, tragen in Deutschland noch römisches Gepräge, entwickeln sich aber selbständig. Romanischer Baustil: Dome zu Mainz und Speier, Kaiserpfalz zu Goslar. Der kunstsinnige Bischof Bernward von Hildesheim († 1022). Dichtung und Geschichtschreibung in lateinischer Sprache: das Waltharilied, Roswitha von Gandersheim, Widukind von Corvey, Lambert von Hersfeld u. a. Die Volkssprache wird erst allmählich zur Schriftsprache.

§ 2. Frankreich.

843–987.

Karolinger in Frankreich.

Karl der Kahle behauptet sich mit Mühe gegen die aufständischen Großen, erlangt 875 in Italien den Kaisertitel, † 877. Sein Enkel Ludwig III. besiegt 881 die Normannen bei Saulcourt (Ludwigslied in deutscher Sprache). Karl der Dicke machtlos gegen sie; nach seiner Absetzung (S. 157) wird Graf Odo von Paris, der sich bei der Verteidigung von Paris gegen die Normannen tapfer gezeigt hat, zum König erwählt, † 898. Eine Gegenpartei erwählt 893 Karl den Einfältigen, Bruder Ludwigs III., der nach Odos Tode allgemein anerkannt wird. Durch ihn erhalten normannische Scharen, die bereit sind, das Christentum anzunehmen, 912 feste Wohnsitze in dem oft von ihnen heimgesuchten Küstenlande. Rolf, getauft Robert, erster Herzog der Normandie, herrscht als Vasall des französischen Königs auch über die Bretagne.

Häufige Empörungen gegen das schwache Königtum; Karls Sohn Ludwig IV. (d’Outre-mer genannt, weil er nach England geflüchtet war) wird von Herzog Hugo von Francien, dem Neffen Odos, bedrängt, von Otto I. von Deutschland unterstützt (S. 159). Letzte Karolinger: Lothar († 986). Ludwig V. (Fainéant) † 987.

987–1328.

Capetinger.

Hugo Capet, Sohn Hugos von Francien, von den Großen erwählt, dann in Reims gekrönt, bringt das Königtum wieder zu Ansehen. Er hat den Vasallen gegenüber noch keine bedeutende Macht, hält aber die Lehnshoheit fest. Seine Nachfolger Robert, Heinrich I., Philipp I., († 1108) wissen die Erblichkeit des Königtums zu wahren. Heinrich I. gibt das Herzogtum Burgund (Hauptstadt Dijon, zu unterscheiden von dem mit Deutschland vereinigten Königreich Burgund, S. 164) seinem jüngeren Bruder Robert als Lehen. Zur Sicherung des Landfriedens verkündet der Klerus (zuerst 1040 in Aquitanien) die Treuga Dei, den Gottesfrieden, einen von der Kirche gebotenen Stillstand aller Fehden während der kirchlichen Festzeiten und der zweiten Hälfte jeder Woche (von Mittwoch Abend bis Montag früh).

§ 3. England und der Norden.

827–1066.

England unter sächsischen Königen.

827.

Egbert von Wessex vereinigt die sieben Reiche (S. 142) als erster König von England. Einfälle und Ansiedlungen der heidnischen Normannen (Dänen). Sein Enkel

871–901.

Alfred der Große bekämpft glücklich die Dänen und stellt die alte Grafschaftsverfassung wieder her; das Grafschaftsgericht unter Leitung des vom König ernannten Ealdorman, dessen Stellvertreter der shirgerefa (sherif). Blüte des Reiches noch unter seinem Sohne und seinem Enkel, dann Verfall und neue Bedrängnis durch die Dänen.

1002.

Ermordung der Dänen auf englischem Boden an einem Tage (dänische Vesper), auf Befehl König Ethelreds II. Infolge davon neue Rachezüge der Dänen nach England und endlich

1016–1042.

dänische Herrschaft über England unter Knud dem Grossen (S. 164), der als Sieger Milde übt und in Dänemark das Christentum zum Siege bringt († 1035), und unter seinen Söhnen Harald I. und Hardiknud.

1042–1066.

Das Regiment der angelsächsischen Könige wiederhergestellt. Eduard der Bekenner, Sohn Ethelreds, aus der Normandie zurückgekehrt, begünstigt die Normannen an seinem Hofe, die aber von seinem Schwiegervater Godwin vertrieben werden. Sein Feldherr Siward besiegt Macbeth, der sich in Schottland nach der Ermordung des Königs Duncan des Thrones bemächtigt hat (1054). Duncans Sohn Malcolm nimmt Schottland von Eduard zu Lehen. Nach Eduards Tode wird Harald II., Godwins Sohn, zum König ausgerufen, verliert aber Thron und Leben in der

1066.

Schlacht bei Hastings (spr. Hēstings) gegen Wilhelm den Eroberer, Herzog von der Normandie, der sich in Westminster zum König von England krönen läßt. König Malcolm von Schottland schließt mit ihm Vertrag.

Dänemark, Norwegen, Schweden bestehen seit Anfang des 11. Jahrhunderts als christliche Königreiche (Olaf der Heilige in Norwegen † 1030) nebeneinander, noch oft von wildem Streit erfüllt. Am meisten kommt Dänemark empor unter dem Neffen Knuds d. Gr. Svend Estridson († 1076) und dessen Söhnen.

Fernere Staatengründungen der Normannen:

1. Schwedische Waräger fahren über die Ostsee; ihr Fürst Rurik gründet 862 durch Vereinigung slavischer Stämme das russische Reich (Hauptstadt Nowgorod, dann Kiew). Rußland entwickelt sich unter den Ruriks (862–1598) als slavischer Staat im Anschluß an das oströmische Reich. Großfürst Wladimir der Große, vermählt mit der Tochter eines oströmischen Kaisers, führt 988 das Christentum nach griechischer Lehre ein.

2. Norwegische Wikinger kommen um 860 nach Island, 983 nach Grönland (Erich der Rote), um 1000 nach der Küste Nordamerikas (Vinland). Diese Niederlassungen von den Eskimos zerstört. Bestand hat dagegen der Freistaat auf der Insel Island. Hier werden um 1100, als das Christentum bereits eingeführt ist, die nordischen Götter- und Heldensagen in der poetischen oder Lieder-Edda aufgezeichnet (ergänzt durch die jüngere prosaische Edda von dem Isländer Snorri Sturluson um 1230). Island wird 1262 mit Norwegen vereinigt.

3. Der Normannenstaat in Unteritalien, um 1020 von christlichen Normannen aus der Normandie gegründet (vgl. S. 163), nimmt italienische und arabische Kultur an. Bald treten sie in enge Beziehungen zum Papst. Von Robert Guiskard (S. 167) wird das ganze unteritalische Festland, von seinem Bruder Roger Sicilien den Sarazenen entrissen. Herzog Roger wird 1130 vom Papste in Palermo als König von Neapel und Sicilien gekrönt.

§ 4. Die Pyrenäische Halbinsel.

955–1031.

Kalifat von Cordŏva, gegründet von dem Omaijaden Abdurrahman (s. S. 150). Glänzendste Zeit im 10. Jahrh. (Abdurrahman III, Hakem II., der Feldherr Almansur). Das volkreiche Cordŏva Sitz der Wissenschaften und Künste.

1031.

Auflösung des Kalifats von Cordŏva in eine Menge kleiner Herrschaften. Die Morabethen aus Mauretanien zu Hilfe gerufen, stellen sich mit Erfolg dem Andrängen der Christen entgegen (1086 Schlacht bei Salaka unweit Badajoz) und reißen dann die Herrschaft des mohammedanischen Spaniens an sich.

Christliche Reiche: Asturien, seit Alfons III. († 910) bis zum Duero reichend, nach der neuen Residenz auch Königreich Leon genannt, mit dem Grenzgebiet Kastilien, das seinen Namen von den gegen die Araber errichteten Kastellen hat. Navarra, ursprünglich fränkische Grafschaft, seit 905 Königreich, erweitert durch Eroberung der Landschaft Aragon am oberen Ebro. Barcelona, ebenfalls fränkische Grafschaft (S. 152), seit etwa 900 unabhängig unter einer erblichen Dynastie.

1035.

Sancho III., der Große, König von Navarra, auch über Kastilien herrschend, teilt sein Reich unter seine Söhne. Der zweite, welcher Kastilien erhält, gewinnt bald auch Leon hinzu; der dritte erhält Aragon als Königreich. Daher fortan die drei Königreiche Navarra, Kastilien, Aragon, daneben die Markgrafschaft Barcelona (Katalonien).

König Alfons VI. von Kastilien, Enkel Sanchos d. Gr., erobert 1085 Toledo; der kastilische Ritter Rodrigo Diaz, von den Arabern Cid, d. h. Herr, genannt, erobert 1094 Valencia, doch fällt es nach seinem Tode wieder in die Hände der Araber.

§ 5. Der Osten.

867–1057.

Das oströmische Reich unter der makedonischen Dynastie.

Basilius I. (867–886), durch Ermordung seines Vorgängers Michael III. auf den Thron gelangt, regiert kraftvoll, wehrt die Araber in Kleinasien und zur See ab, mildert den Steuerdruck, verbessert die Rechtspflege. Seine beiden Nachfolger Leo VI. und Konstantin VII. Porphyrogennetos Beschützer der Wissenschaften. Nikëphoros II. (963–969) kämpft glücklich gegen Araber und Bulgaren; Basilius II. (976–1025) unterwirft die Bulgaren in blutigen Kämpfen.

1043.

Die Serben, ein im 7. Jahrhundert eingewandertes slavisches Volk, machen sich unabhängig von Ostrom; Königreich Serbien bis 1458.

1057–1204.

Haus der Komnenen.

Alexius I. (1081–1118) tritt dem von der Donau her vordringenden türkischen Stamme der Petschenegen erfolgreich entgegen. Den Seldschuken (s. u.) kann Kleinasien nicht wieder entrissen werden.

Das Kalifat von Bagdad gerät seit 861 durch Emporkommen von Teilfürsten in Verfall. Die Abbassiden werden von den Anführern ihrer türkischen Leibwache abhängig.

935.

Die aus Persien stammenden Bujiden reißen die Würde des Emir al Omra (Fürst der Fürsten) an sich; der Kalif bleibt nur noch geistliches Oberhaupt

969.

Ägypten sondert sich ab als eigenes Kalifat unter den Fatimiden (Schiiten, vergl. S. 149). Kairo glänzende Hauptstadt, Syrien bald hinzuerobert.

998–1030.

Sultan Mahmud, Herrscher des Gasnavidenreichs, gewinnt die früher von den Samaniden (unter Oberhoheit der Kalifen) beherrschten Gebiete um Buchara und Samarkand, dringt erobernd nach Indien vor. An seinem Hofe zu Gasna (in Afghanistan) der persische Dichter Firdusi und der arabische Philosoph Ibn Sina (Avicenna), Erklärer des Aristoteles.

1058.

Togrulbeg, Sultan der seldschukischen, aus der Bucharei stammenden Türken, befreit den Kalifen von der Übermacht der Bujiden. Er vererbt die Würde des Emir al Omra auf seinen Neffen Alp Arslan und dessen Sohn Malekschah; dieser stellt die Einheit des Kalifenreiches wieder her, entreißt den Fatimiden Syrien, den Gasnaviden Buchara und Samarkand, residiert zu Ispahan.

1092.

Nach Malekschahs Tode Teilung der Seldschukenherrschaft; besondere Sultanate in Iran, Karman (östliches Persien), Aleppo, Damaskus, Iconium. Trotzdem wird der Bestand des Kalifats durch die nun folgenden Angriffe der Christen nicht wesentlich erschüttert.

Bagdad bleibt glänzender Herrschersitz bis zum Eindringen der Mongolen (S. 195).

C. Das Zeitalter der Kreuzzüge. (1096–1270).

§ 1. Die Kreuzzüge.

Veranlassung: Die Wallfahrten der Christen nach dem heiligen Grabe (die Kirche über demselben erbaut von Helĕna, der Mutter Konstantins d. Gr.) werden gestört, seitdem die Fatimiden, und mehr noch seitdem die Seldschuken über Palästina herrschen. Mißhandlungen der Pilger, Hilferufe des bedrängten byzantinischen Reiches; das neu erstarkte Papsttum schenkt ihnen Gehör und ruft mit Benutzung der asketisch angeregten und zugleich kriegerischen Stimmung im Abendlande eine großartige Völkerbewegung hervor.

1095.

Papst Urban II. ruft auf den Kirchenversammlungen zu Piacenza und zu Clermont in der Auvergne die Gläubigen zum Kreuzzug auf; allgemeine Begeisterung. (Gott will es!). Der Eremit Peter von Amiens predigt in Frankreich mit großem Erfolge das Kreuz. Die von ihm und dem Ritter Walter Senzaveir (Habenichts) geführten Scharen gelangen unter großen Verlusten nach Kleinasien und werden dort im Kampfe aufgerieben, andere gehen schon in Ungarn und Bulgarien zugrunde.

1096–1099.

Erster Kreuzzug. Königreich Jerusalem. Anführende Fürsten: Gottfried von Bouillon, Herzog von Nieder-Lothringen; seine Brüder Balduin und Eustachius; Robert, Herzog der Normandie, Sohn Wilhelms des Eroberers; Robert von Flandern; Stephan von Blois; Raimund, Graf von Toulouse; Hugo von Vermandois, Bruder Philipps I., Königs von Frankreich; Boëmund von Tarent, Sohn Robert Guiscards; sein Neffe Tankred. Sie führen über 200000 Krieger, meist Franzosen und Normannen, nach dem Orient. Der Bischof Adhemar von Puy, der in Clermont zuerst sich das Kreuz anheftete, nimmt als päpstlicher Legat am Zuge Teil († 1098).

Die Fürsten ziehen auf verschiedenen Wegen (Gottfried von Bouillon die Donau abwärts, Raimund von Toulouse durch Oberitalien und Dalmatien, die Nordfranzosen und Normannen von Apulien aus zur See) nach Konstantinopel; sie leisten mit Ausnahme Raimunds dem Kaiser Alexius Komnenus den Lehnseid für die zu erobernden Länder und werden auf griechischen Schiffen übergesetzt.

1097.

Nicäa, von den Kreuzfahrern belagert, ergibt sich dem griechischen Kaiser. Sieg der Kreuzfahrer bei Doryläum über den Sultan von Iconium. Balduin trennt sich vom Hauptheere, zieht über den Euphrat und erwirbt sich die Herrschaft in Edessa.

1097–1098. Okt. Juni.

Das Hauptheer belagert lange vergeblich Antiochīa am Orontes, endlich verrät ein armenischer Renegat die Stadt an Boemund von Tarent.

1098.

Kerboga, Emir von Mosul, rückt mit einem ungeheuren Heere heran und belagert in Antiochīa die durch Krankheit und Mangel erschöpften Kreuzfahrer. Siegreicher Ausfall der Christen (die heilige Lanze!), das Heer der Seldschuken wird in die Flucht geschlagen und zerstreut. Lange Rast und Streitigkeiten der Kreuzfahrer in Antiochīa.

1099.

Zug an der Küste entlang nach Jerusalem. Am 7. Juni erblicken die Kreuzfahrer (nur noch 21500 kampffähige Krieger) die heilige Stadt, welche im J. 1098 den Seldschuken durch die Fatimiden wieder entrissen worden war. Nach fünfwöchiger Belagerung.

15. Juli.

Erstürmung Jerusalems. Furchtbares Blutbad, Wallfahrt nach der Kirche des heiligen Grabes.

Das christliche Königreich Jerusalem wird als Lehnsstaat nach französischem Vorbild eingerichtet; kleinere Lehnsstaaten: das Fürstentum Antiochīa, die Grafschaften Edessa und Tripolis. Sammlung der Gesetze in den Assises du royaume de Jérusalem. Zwei Patriarchen, in Jerusalem und in Antiochīa.

Gottfried von Bouillon, Beschützer des heiligen Grabes. Er besiegt den Sultan von Ägypten bei Askalon 1099; † 1100. Sein Bruder Balduin I. nimmt den Königstitel an. Akkon, Tripolis, Beirut, Sidon mit Hilfe der Pisaner und Genuesen erobert, etwas später Tyrus mit Hilfe der Venetianer.

Auf Balduin I. († 1118) folgen Balduin II. († 1131), Fulco von Anjou († 1143), unter dem das Königreich Jerusalem die größte Ausdehnung gewinnt, Balduin III. († 1162), Amalrich († 1173), Balduin IV. († 1184), Balduin V. (unmündig, † 1186), Guido von Lusignan († 1195) s. S. 175.

1147–1149.

Zweiter Kreuzzug. Ohne Erfolg. Veranlassung: Eroberung Edessas durch Imadeddin Zenki, Emir von Mosul (1144), und nochmals durch dessen Sohn Nureddin (1146). Abt Bernhard von Clairvaux predigt das Kreuz.

Konrad III. von Deutschland und Ludwig VII. von Frankreich brechen, jener von Regensburg, dieser etwas später von Metz aus, nach Palästina auf. Sie ziehen nacheinander durch Ungarn nach Kleinasien. Das deutsche Heer dringt bis Doryläum vor, erleidet aber durch Mangel und Kämpfe mit dem Sultan von Iconium schwere Verluste. Die nach Nicäa Entkommenen kehren zum Teil heim; mit den übrigen schließt sich Konrad dem Zuge des französischen Heeres an der Küste entlang an, kehrt aber zur Herstellung seiner Gesundheit nochmals nach Konstantinopel zurück. Ludwig fährt mit dem französischen Adel zu Schiffe nach Antiochīa. Das übrige Heer setzt den Weg zu Lande fort, wobei es durch Hunger und feindliche Angriffe vollends aufgerieben wird. Konrad kommt 1148 zur See nach dem Heiligen Lande und macht zusammen mit den Franzosen einen vergeblichen Angriff auf Damaskus.

1189–1192.

Dritter Kreuzzug. Eroberung von Akkon.

Veranlassung: Saladin, Sohn des Kurden Ejub, Gründer der Dynastie der Ejubiden in Ägypten, erobert Nureddins Reich, schlägt die Christen in der blutigen Schlacht bei Hittin (Tiberias) am See Genezareth, erobert Jerusalem 1187. Die christlichen Einwohner großmütig behandelt, König Guido von Lusignan und viele Ritter geraten in Gefangenschaft.

Kaiser Friedrich I., der als Jüngling am zweiten Kreuzzug teilgenommen hatte, tritt als Greis im Frühjahr 1189 den Zug von Regensburg aus an, zieht durch Ungarn, erzwingt den Durchzug durch das griechische Kaiserreich, bleibt den Winter in Adrianopel, setzt 1190 nach Kleinasien über, erobert Iconium und zieht nach Cilicien; dort ertrinkt er (10. Juni) im Kalykadnus (Saleph). Sein Sohn, Herzog Friedrich von Schwaben, führt einen Teil der Pilger (viele kehren um) über Tarsus, Antiochīa und Tyrus nach Akkon. Er stirbt 1191 während der Belagerung dieser Stadt, welche der frei gewordene König Guido leitet.

Richard Löwenherz, König von England, und Philipp II. Augustus, König von Frankreich, fahren zur See, Richard von Marseille, Philipp von Genua aus nach dem Heiligen Lande (1190); Beteiligung von Genua, Pisa und Venedig. Nach längerem Aufenthalt in Sicilien kommen die beiden Könige vor Akkon an, welches Lusignan schon fast zwei Jahre belagerte. Die Stadt wird nun schnell zur Übergabe gezwungen (Juli 1191).

Philipp, mit Richard entzweit, kehrt nach Frankreich zurück. Heldentaten und Grausamkeiten Richards, der zweimal vor Jerusalem umkehren muß. Waffenstillstand mit Saladin (1192): der Küstenstrich von Joppe bis Akkon wird an die Christen abgetreten, der Besuch der heiligen Orte gestattet. Cypern wird von Richard, der es 1191 erobert hatte, an Guido von Lusignan zu Lehen gegeben, der seine Würde als »König von Jerusalem« an Heinrich von Champagne überläßt.

Richard leidet auf der Rückkehr Schiffbruch bei Aquileja, wird trotz seiner Verkleidung bei Wien erkannt, von Herzog Leopold VI. von Österreich, den er vor Akkon tödlich beleidigt hatte, festgenommen und an Kaiser Heinrich VI. ausgeliefert. Dieser hält ihn in der Feste Trifels (westlich von Landau in der Pfalz) gefangen und gibt ihn erst nach 13 Monaten gegen ein Lösegeld von 100000 Mark Silbers und Lehnshuldigung frei.

1202–1204.

Vierter Kreuzzug.

Lateinisches Kaisertum 1204–1261.

Auf Anregung des Papstes Innocenz III. (1198–1216) (Kreuzpredigt des Fulco von Neuilly) unternehmen mächtige französische Barone zusammen mit dem Grafen Balduin von Flandern und dem Markgrafen Bonifacius von Montferrat einen Kreuzzug, der ursprünglich gegen Ägypten gerichtet war. Die Kreuzfahrer übernehmen für die Venetianer (Doge Heinrich Dandolo), zum Teil als Preis der Überfahrt, die Eroberung von Zara in Dalmatien.

Auf Bitten des byzantinischen Prinzen Alexius für seinen Vater, den entthronten Kaiser Isaak Angelus, fahren die Kreuzfahrer auf der venetianischen Flotte nach Konstantinopel, nehmen die Stadt ein und setzen Alexius und seinen Vater auf den Thron (1203). Aber die Erfüllung der eingegangenen Bedingungen (Vereinigung der griechischen Kirche mit der römischen, Zahlung bedeutender Geldsummen) scheitert an dem Widerstande der Bevölkerung. Streitigkeiten, bei denen die Stadt in Brand gerät. Zweite Einnahme der Stadt; Plünderung, wobei viele Werke der alten Kunst zugrunde gehen (1204).

Errichtung des Lateinischen Kaisertums (Balduin Kaiser). Viele Küstenstriche und Inseln kommen an die Venetianer; Korfu, Zante, Kandia, ein großer Teil von Morea (Peloponnes). Gewaltiges Aufblühen des venetianischen Handels. Der Markgraf von Montferrat wird König von Thessalonich, französische Herzöge in Athen, Theben, Achaja; Villehardouin, der Geschichtschreiber des Kreuzzuges, Marschall des Reiches.

Ein griechisches Kaisertum behauptet sich in Nicäa, ein zweites in Trapezunt am Schwarzen Meere. Von Nicäa aus macht Michael Paläolŏgus 1261, von Genua unterstützt, dem Lateinischen Kaisertum ein Ende. Er erkennt 1274 die Suprematie des Papstes an. Aber der griechische Klerus und das Volk gegen die Ansprüche der Päpste. Schon 1280 wurde diese Union wieder gelöst (S. 218).

1212.

Kinderkreuzzug. Tausende von Knaben und Mädchen aus Frankreich und Deutschland ziehen nach Marseille und Genua; viele kommen unterwegs um, manche werden zur Rückkehr genötigt, andere in Alexandria als Sklaven verkauft.

1217.

Kreuzzug des Königs Andreas II. von Ungarn; er versucht von Akkon aus vorzudringen, doch ohne Erfolg.

Neue Pilgerscharen, die sich in Akkon sammeln, unternehmen einen Angriff auf Ägypten, erobern Damiette 1219, müssen es aber 1221 wieder räumen.

1228–1229.

Fünfter Kreuzzug. Jerusalem auf kurze Zeit wiedergewonnen.

Friedrich II., römischer Kaiser, wegen verzögerter Erfüllung seines Versprechens, einen Kreuzzug zu unternehmen, im päpstlichen Banne, fährt zur See nach Akkon, erhält von dem ägyptischen Sultan Elkâmil durch Vertrag Jerusalem (wo er sich krönt[31]) und Nazareth, sowie die Landstriche von da bis zur Küste, nebst Sidon.

1244.

Jerusalem durch die Chowaresmier (S. 195) im Dienste des Sultans von Ägypten erobert und den Christen auf immer verloren.

1248–1254.

Sechster Kreuzzug. Ohne Erfolg.

Ludwig IX., der Heilige, König von Frankreich, fährt zur See nach Cypern und verweilt dort den Winter. Um die Sarazenenherrschaft in ihrem Hauptsitze Ägypten zu vernichten, fährt er im Frühjahr 1249 nach Damiette und nimmt die Stadt ein. Auf dem Zuge nach Kairo wird Ludwig geschlagen, von Damiette abgeschnitten und mit dem ganzen französischen Heere gefangen (April 1250). Die Ausführung des Friedensvertrages, wonach der König gegen Räumung von Damiette und bedeutendes Lösegeld frei kommen soll, gefährdet vorübergehend der Sturz der Ejubiden (S. 175) durch die Mamelucken. Ludwig fährt nach Palästina, befestigt während eines fast vierjährigen Aufenthalts Akkon und andere Küstenstädte, kehrt 1254 nach Frankreich zurück.

1268.

Antiochīa von dem Sultan Bibars von Ägypten erobert.

1270.

Siebenter Kreuzzug. Ohne Erfolg.

Ludwig IX. fährt zur See nach Tunis, wo ihn und einen großen Teil des Heeres Krankheit hinwegrafft.

1291.

Akkon wird von den Mamelucken erstürmt, die letzten Besitzungen in Palästina (Tyrus, Beirut, Sidon) werden von den Christen geräumt.

Folgen der Kreuzzüge: 1. Erhöhtes Ansehen der Kirche und des Papsttums. 2. Ausbildung des Rittertums, welches sowohl für den Staat wie für das gesellschaftliche Leben hohe Bedeutung erlangt. 3. Aufschwung des Seehandels und Entwickelung der Städte, zunächst in Italien (Venedig und Genua). 4. Fortschreiten der geistigen Bildung durch die im Orient gewonnenen neuen Anschauungen und Kenntnisse (besonders der Philosophie des Aristoteles, Geographie und Naturkunde).

Stützen der kirchlichen Macht, zugleich Förderer des Ackerbaues, der Künste und Wissenschaften sind die neugebildeten Mönchsorden: Cistercienser 1098 (Citeaux unweit Dijon), Prämonstratenser 1120 (Prémontré bei Laon), die Bettelorden der Dominikaner 1216, Franziskaner 1223 (Franz von Assisi in Umbrien) und Augustiner 1244. Ausbildung der Scholastik (Philosophie im Dienste der Kirche) durch die beiden Dominikaner Albertus Magnus (Albert von Bollstädt in Schwaben, lehrte in Paris und Köln, † 1280) und Thomas von Aquino (lehrte in Paris, Köln, Rom, Neapel, † 1274).

Die kräftigsten Vorkämpfer der christlichen Staaten im Orient waren

Die geistlichen Ritterorden.

1. Tempelherren oder Templer (so genannt nach ihrem nahe der Stelle des salomonischen Tempels gelegenen Ordenshause in Jerusalem), hervorgegangen aus einem 1118 geschlossenen Bunde 8 französischer Ritter (Hugo de Payens). Zu den drei Mönchsgelübden (Armut, Keuschheit, Gehorsam) wird die Verpflichtung zum Kampfe gegen die Ungläubigen hinzugefügt. Weißer Mantel, rotes Kreuz. Der Orden wird 1291 nach Cypern verlegt, 1312 auf dem Konzil zu Vienne durch Papst Clemens V. aufgehoben.

2. Johanniter, entstanden aus der Brüderschaft des Hospitals des heiligen Johannes in Jerusalem, welches Kaufleute aus Amalfi um 1048 gestiftet hatten. Die Brüderschaft wird erweitert nach dem ersten Kreuzzuge, dann nach dem Vorbild der Templer zum Ritterorden umgestaltet (Raimund Dupuis). Schwarzer Mantel, weißes Kreuz. Der Orden wird verlegt nach Cypern 1291, nach Rhodus 1310, nach Malta 1526, wo er bis 1798 seinen Sitz hat (daher Malteser genannt).

3. Deutscher Orden, aus einer bei der Belagerung von Akkon 1190 gestifteten Brüderschaft für Krankenpflege[32] zum ritterlichen Orden umgewandelt 1198. Weißer Mantel, schwarzes Kreuz. Ordenssitz in Akkon. Unter dem Hochmeister Hermann von Salza wird 1226 der Orden von dem polnischen Herzog Konrad von Masovien zur Bekämpfung der heidnischen Preussen eingeladen, von Kaiser Friedrich II. dazu bevollmächtigt und im Besitz des Landes Kulm sowie der künftigen Eroberungen bestätigt. Hermann Balk, erster Landmeister in Preußen, welches durch blutige Kämpfe 1230–1283 unterworfen wird. Im Jahre 1291 wird der Sitz des Hochmeisters nach Venedig, 1309 nach Marienburg, 1457 nach Königsberg verlegt. 1525 wird das Ordensland weltliches Herzogtum. Die katholisch bleibenden Ritter behaupten sich im Besitz der deutschen Güter; Sitz ihres Hochmeisters zu Mergentheim in Franken. Der Orden wird 1809 aufgehoben.

In allen drei Orden: Ritter, Priester, dienende Brüder.

§ 2. Deutschland und Italien.

1125–1137.

Lothar von Sachsen, gewählt auf Betreiben der Erzbischöfe von Mainz und Köln, (er läßt seine Wahl vom Papst bestätigen) im Gegensatz zu den Neffen Heinrichs V., Friedrich und Konrad von Staufen. Er bekämpft sie mit Hilfe seines Schwiegersohnes Heinrichs des Stolzen, Herzogs von Bayern, aus dem Welfenhause (S. 166). Konrad läßt sich in Italien zum König krönen, wird aber bald von seinen Anhängern verlassen; Friedrich verteidigt sein Herzogtum Schwaben; beide unterwerfen sich erst 1135.

1130.

Lothar entscheidet bei einer zwiespältigen Papstwahl für Innocenz II., zieht dann 1131 nach Dänemark und benutzt einen Thronstreit daselbst, um den König Magnus zum Vasallen des Reiches zu machen; dann 1132 Zug nach Italien.

1133.

Lothar, in Rom von Innocenz II. zum Kaiser gekrönt, nimmt die Allodien der Markgräfin Mathilde von Tuscien († 1115) vom Papste zu Lehen, kehrt nach Deutschland zurück, ohne den Gegenpapst Anaklet, der sich auf die Normannen stützt (S. 171), aus Rom vertrieben zu haben.

1136–1137.

Zweiter Zug nach Italien. Lothar vertreibt den Normannenfürsten Roger II. auf kurze Zeit vom italischen Festlande, stirbt auf dem Rückwege in Bayern, nachdem er Heinrich dem Stolzen die Mathildischen Güter und das Herzogtum Sachsen übertragen hat.

Unter Lothars Regierung erfolgreicher Wiederbeginn der deutschen Kolonisation im Norden und Osten des Reiches. Drei Fürstenhäuser, welche dafür viel geleistet haben, verdanken ihm ihre Einsetzung: die Schauenburger in Holstein, die Wettiner in Meissen, die Askanier in Brandenburg (Albrecht der Bär 1134, Markgraf der Nordmark, (Altmark)). Bei den wendischen Pommern predigt Bischof Otto von Bamberg 1124 und 1127 das Christentum.

1138–1254.

Haus der Hohenstaufen (Staufer), nach der Burg Staufen in Schwaben benannt.

1188–1152.

Konrad III., von der dem sächsischen Hause feindlichen Partei ohne Beteiligung der Sachsen und Bayern gewählt.

Kampf der Welfen gegen die Staufer (letztere auch Waiblinger genannt nach der Burg Waiblingen in Schwaben). In Italien heißen die Parteinamen Guelfen und Ghibellinen.

König Konrad spricht über Heinrich den Stolzen die Acht aus und verleiht das Herzogtum Sachsen an Albrecht den Bären, Bayern an Leopold IV., Markgrafen von Österreich. Während des Kampfes stirbt Heinrich der Stolze 1139. Die sächsischen Großen halten zu seinem 10jährigen Sohne Heinrich; in Bayern und Schwaben kämpft sein Bruder Welf VI. für seinen Neffen.

1140.

Schlacht bei Weinsberg (unweit Heilbronn), Sieg Konrads über Welf VI., die Stadt muß sich ergeben. (Die treuen Weiber von Weinsberg).

Nach dem Tode Leopolds von Österreich kommt Bayern an seinen Bruder Heinrich Jasomirgott,[33] welcher Gertrud, Heinrichs des Stolzen Witwe, heiratet (1142). Des letzteren Sohn Heinrich der Löwe erhält Sachsen zurück. Albrecht der Bär entsagt seinen Ansprüchen auf das Herzogtum Sachsen, erhält seine anhaltischen Besitzungen zurück, regiert in der Nordmark und (seit Pribislavs Tode 1150) im Havellande als Markgraf von Brandenburg (S. »Anhang«).

1147.

Während Konrad III. den zweiten Kreuzzug nach Palästina unternimmt, herrscht in Italien große Verwirrung. Der Mönch Arnold von Brescia im Kampf mit dem Papst. In Rom eine Republik gegründet, der Papst vertrieben. In Norddeutschland Wendenkreuzzug: Heinrich der Löwe gegen den Obotritenfürsten Niklot, dessen Söhne später das Christentum annehmen; Albrecht der Bär und Konrad von Wettin gegen den Pommernfürsten Ratibor, der 1149 sich zum Christentum bekennt. Seitdem deutsche Einwanderung in Mecklenburg und Pommern, welche deutsche Reichsländer werden.

Konrad III. empfiehlt zum Nachfolger seinen Neffen Friedrich von Schwaben, der von den Fürsten einstimmig in Frankfurt gewählt, dann in Aachen gekrönt wird. Im Gegensatz zu Lothar und Konrad III. zeigt er dem Papst seine Wahl nur an.

1152–1190.

Friedrich I., Barbarossa, durch Tapferkeit und Gerechtigkeit hervorragend. Reichstag zu Merseburg 1152, Entscheidung des dänischen Thronstreits: Svend wird König von Dänemark als Vasall des Reiches.

Welfen.

Welf IV., Hz. v. Bayern, †1101. | Heinrich d. Schwarze, Hz. v. Bayern, †1126. Gem. Wulfhild, T. des Magnus Billung. _________|__________________ | | | Heinrich der Stolze, Welf VI. Judith, Gem. v. Friedrich Hz. Hz. v. Bayern u. †1191. v. Schwaben, Sachsen, †1139. †1147. Gem. Gertrud, T. Lothars v. Sachsen. | Heinrich der Löwe Herzog v. Sachsen u. Bayern, †1195. ____|__________________ | | Otto IV., Wilhelm †1218. | 1. Gem. Beatrix | 2. Maria Otto das Kind, v. Brabant erster Hz. v. Braunschweig-Lüneburg.

Hohenstaufen (Staufer).

Friedrich, Herzog von Schwaben, †1105. Gem. Agnes, Tochter Kaiser Heinrichs IV. _____________|_________________ | | Friedrich Hz. Konrad III., v. Schwaben, †1147. †1152. | Friedrich I., Barbarossa †1190. ___|__________________________________________ | | | Heinrich VI., Friedrich Philipp †1197. Hz. v. Schwaben von Schwaben Gem. Konstanze. †1191. †1208. | ________|___________ Friedrich II., Beatrix, Beatrix, †1250. Gem. Otto IV. Gem. Ferdinand III. | von Kastilien. ________________________________________________________ |____ | | | | | | Heinrich, Konrad IV., Margarete, †1270, Enzio, Manfred, Alfons X. †1242. †1254. Gem. Albrecht †1272. †1266. von | von Thüringen. | Kastilien. | __|__________ | Konradin Friedrich. Diezmann. Constantia, †1268. Gem. Peter III. von Aragon.

Friedrichs Hauptbestreben ist, das Ansehen des Kaisertums wiederherzustellen. Daher Streit mit den zu mächtigen Republiken gewordenen lombardischen Städten. Sechs Züge nach Italien, bei welchen das deutsche Rittertum seine Kraft entfaltet.

1154–1155.

Erster Zug. Friedrich zerstört einige kleine Orte, die sich ihm widersetzen, und wird in Rom von Hadrian IV. zum Kaiser gekrönt. Tapferer Kampf Heinrichs des Löwen gegen die aufständischen Römer. Arnold von Brescia (Schüler des Scholastikers Abälard), der gegen die weltliche Herrschaft der Geistlichen und den Güterbesitz der Kirche aufgetreten war, wird verurteilt und verbrannt.

Auf dem Rückwege von Rom erstürmt Otto von Wittelsbach den Engpaß im Etschtale bei Verona.

1156.

Heinrich der Löwe erhält auch Bayern zurück. Österreich bleibt im Besitze der Babenberger (S. 162) als ein auch in weiblicher Linie erbliches Herzogtum.

Gegenüber der welfischen Machtstellung in Sachsen und Bayern stützt die kaiserliche Macht sich auf die Stammgüter in Schwaben und auf die von den Saliern ererbten Güter in Franken, außerdem auf bedeutende Reichsgüter in anderen Landschaften, besonders in der Rheingegend. Das »goldene Mainz« Mittelpunkt des Handels und Verkehrs. Die Verwaltung dieser Güter werden Ministerialen übertragen, d. h. den Gehülfen (ministri) der Ritter und freien Herren, die ursprünglich unfrei gewesen waren, dann aber infolge ihrer gehobenen Stellung sich mehr und mehr von ihren hörigen Standesgenossen abhoben und schließlich den freien Rittern gleich geachtet wurden. Kaiserliche Pfalzen zu Hagenau (im Elsaß), Trifels und Kaiserslautern (in der Rheinpfalz), Ingelheim, Gelnhausen, Aachen, Dortmund, Goslar, Tilleda (am Kyffhäuser), Nürnberg u. a. Die Pfalzgrafschaft am Rhein überträgt Friedrich 1156 seinem Halbbruder Konrad, der die Burg Heidelberg gründet.

1156

vermählt Friedrich sich mit Beatrix, der Erbin von Hochburgund.

1157.

Zug Friedrichs über die Oder nach Polen. Herzog Boleslav IV. unterwirft sich, räumt um 1163 seinen Neffen besondere Fürstentümer in Schlesien ein; seitdem deutsche Einwanderung in dieses Land.

Sept.

Reichstag zu Würzburg; es erscheinen Gesandtschaften aus dem byzantinischen Reich, aus England, Dänemark, Ungarn, Italien, Burgund. Auf dem Reichstage zu Besançon (Okt.) huldigen die burgundischen Großen. Der Kanzler des Kaisers, Graf Rainald von Dassel, tritt gegen den Kardinal Roland von Siena auf, welcher auf Grund eines päpstlichen Schreibens die Kaiserkrone für ein päpstliches Lehen (beneficium) erklärt.

1158.

Fürstentag zu Regensburg; Herzog Wladislav von Böhmen erhält von Friedrich die Königskrone.

1158–1162.

Zweiter Zug nach Italien. Die lombardischen Städte, auch Mailand, unterwerfen sich. Reichstag auf den Ronkalischen Feldern (bei Piacenza), die kaiserlichen Hoheitsrechte über die Städte in Oberitalien auf Grund des römischen Rechts festgestellt. Die Mailänder empören sich von neuem. Streit des Kaisers mit dem Papste über die kaiserlichen Rechte in Rom. Krieg gegen Mailand, das sich nach längerer Belagerung ergeben muß. Auf Befehl des Kaisers wird

1162.

Mailand zerstört durch die Einwohner der Nachbarstädte.

1159–1177.

Kirchenspaltung. Papst Alexander III. (Roland von Siena) von der Mehrzahl der Kardinale gewählt, Viktor IV. von der kaiserlich gesinnten Minderheit. Friedrich entscheidet auf dem Konzil zu Pavia (Rainald, Erzbischof von Köln) für Viktor. Alexander III., im Bunde mit den lombardischen Städten, spricht über den Kaiser den Bann aus, sieht sich aber genötigt, nach Frankreich zu entweichen.

1163.

Dritter Zug. Der Kaiser ohne Heer. Er bestätigt die Anordnungen seines Kanzlers Rainald. Bald neue Unruhen in Italien, Alexander III. kehrt nach Rom zurück.

1166–1168.

Vierter Zug. Paschalis III., Viktors Nachfolger, wird von Friedrich nach Rom geführt; Alexander entflieht nach Benevent, findet Schutz im Normannenreich (S. 171). Unterdessen stellen die Lombarden Mailand wieder her, erbauen Alessandria (dem Papste zu Ehren benannt) und besetzen die Alpenpässe. Der Kaiser, dessen Heer durch eine in Rom ausgebrochene Seuche fast aufgerieben war, entkommt nur mit Mühe nach Deutschland.

Fehde zwischen Heinrich dem Löwen, der seine Herzogsgewalt über Mecklenburg und Pommern ausgedehnt hat, und den ihm feindlichen Fürsten (den Erzbischöfen von Magdeburg und Bremen, Albrecht dem Bären, Otto von Meißen, Ludwig dem Eisernen von Thüringen u. a.). Der Kaiser schlichtet den Streit zu Gunsten Heinrichs des Löwen, bringt aber durch Vertrag mit dem kinderlosen Welf VI. die welfischen Stammgüter in Schwaben (Altorf und Ravensburg) an sich, um seine Hausmacht zu vermehren. Heinrich der Löwe unternimmt eine Wallfahrt nach Jerusalem (1172).

1174–1178.

Fünfter Zug Friedrichs nach Italien. Er belagert vergeblich das feste Alessandria. Heinrich der Löwe verweigert auf den Anruf des Kaisers die Heeresfolge (Zusammenkunft in Partenkirchen oder Chiavenna). Der Kaiser greift die Lombarden an, wird aber in der

1176.

Schlacht bei Legnano besiegt. Unterhandlungen und Waffenstillstand mit Alexander III. und den lombardischen Städten.

1177.

Aussöhnung zwischen Kaiser und Papst in Venedig. Alexander III. wird durch Erzbischof Christian von Mainz im Auftrage des Kaisers nach Rom zurückgeführt. Friedrich ordnet die Verhältnisse Italiens, empfängt 1178 in Arles die burgundische Krone, kehrt dann nach Deutschland zurück, um seinen Vetter Heinrich den Löwen zu demütigen.

1180.

Heinrich der Löwe geächtet und seiner Lehen verlustig erklärt, nachdem er auf viermalige Vorladung nicht erschienen ist. Friedrich zieht mit Heeresmacht gegen ihn, dringt 1181 durch Sachsen bis Lübeck vor und nimmt diese Stadt ein, darauf unterwirft sich Heinrich der Löwe zu Erfurt. Er behält seinen Allodialbesitz von mütterlicher Seite, Braunschweig und Lüneburg, muß aber auf drei Jahre in die Verbannung gehen, begibt sich nach England zu seinem Schwiegervater König Heinrich II.

Teilung des Herzogtums Sachsen. Westfalen kommt größtenteils an das Erzbistum Köln; die Grafen von Holstein, Schwerin, Oldenburg, Teklenburg u. a. werden reichsunmittelbar; ebenso die Stadt Lübeck, während Hamburg den Grafen von Holstein, Bremen seinem Erzbischof noch Untertan bleibt.[34]

Das östliche Sachsen (Wittenberg und Lauenburg) mit der Herzogswürde erhält Bernhard von Askanien, Sohn Albrechts des Bären; Bayern (ohne Steiermark, welches selbständiges Herzogtum wird, bald aber an Österreich kommt) erhält Otto von Wittelsbach († 1183).

1183.

Friede mit den lombardischen Städten zu Konstanz. Die meisten beanspruchten Rechte (namentlich freie Wahl der Stadtobrigkeit, Consules) werden ihnen gegen Anerkennung der Oberhoheit des deutschen Reiches zugestanden.

1184.

Glänzendes Reichsfest in der Rheinebene bei Mainz; der Kaiser erteilt seinen beiden ältesten Söhnen den Ritterschlag. Einheit und Macht des deutschen Reiches überall anerkannt.

1184–1186.

Sechster (friedlicher) Zug nach Italien. Der Kaiser vermählt in Mailand seinen schon längst zum deutschen König gewählten 21jährigen Sohn Heinrich mit Konstanze, der Erbin des Normannenreiches in Unteritalien.

1189–1190.

Friedrichs Kreuzzug und Tod (s. S. 175). Sein Sohn Heinrich Reichsverweser. Heinrich der Löwe, der bei des Kaisers Aufbruch abermals auf 3 Jahre das Reich hatte verlassen müssen, kehrt eigenmächtig aus England zurück. Da im Nov. 1189 König Wilhelm II. von Sicilien gestorben ist, so beeilt sich König Heinrich, mit Heinrich dem Löwen einen Vertrag zu schließen. Mittlerweile kommt die Nachricht von Kaiser Friedrichs Tode nach Deutschland.

1190–1197.

Heinrich VI., ein staatskluger, hochgebildeter Fürst, aber streng und rücksichtslos.

1191.

Erster Zug nach Italien. Heinrich empfängt die Kaiserkrone in Rom und zieht nach Neapel, um das Erbe seiner Gemahlin Konstanze dem Normannen Tankred von Lecce zu entreißen. Vergebliche Belagerung von Neapel. Krankheiten in seinem Heere zwingen den Kaiser zur Rückkehr nach Deutschland. Dort

1192–1194.

neuer Krieg mit Heinrich dem Löwen, der den Vertrag nicht gehalten hat. Den Krieg beendet ein Vergleich, welcher erleichtert wird durch die Freigebung von Heinrichs des Löwen Schwager, Richard Löwenherz von England (s. S. 176). Heinrich der Löwe stirbt 1195 zu Braunschweig.

1194.

Zweiter Zug nach Italien; das Königreich beider Sicilien unterworfen, Krönung zu Palermo. Kaiserliche Herrschaft über ganz Italien, deutsche Statthalter in Tuscien, Ancona, Spoleto.

1196.

Reichstag zu Würzburg. Der Plan Heinrichs, Deutschland (vereinigt mit dem Königreich beider Sicilien) zum Erbreich zu machen, wogegen ebenso alle Lehen, auch in weiblicher Linie, erblich werden sollen, scheitert an dem Widerstande der geistlichen und weltlichen Fürsten.

1197.

Dritter Zug Heinrichs nach Italien. Er unterdrückt eine Verschwörung mit grausamer Härte. Inmitten großartiger Pläne (Eroberung des oströmischen Reiches, Gründung einer Weltherrschaft, Kreuzzug) stirbt er, erst 32 Jahre alt, plötzlich in Messina. Sein Sohn Friedrich, noch nicht 3 Jahre alt, schon vor seiner Taufe von den deutschen Fürsten zum Nachfolger seines Vaters ernannt.

In Deutschland Doppelwahl;

1198–1208.

Philipp von Schwaben (jüngster Sohn Friedrich Barbarossas).

1198–1215.

Otto IV. von Braunschweig (Sohn Heinrichs des Löwen).

1198–1215.

Thronkrieg zwischen Staufern und Welfen.[35]

Otto IV. von Papst Innocenz III. anerkannt, von seinem durch den Papst gebannten Gegenkönig Philipp besiegt und fast auf Braunschweig beschränkt.

1208.

Philipp wird zu Bamberg ermordet von dem bayrischen Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach (Privatrache). Darauf wird Otto IV., der sich mit Philipps junger Tochter verlobt, allgemein anerkannt und von Papst Innocenz III. in Rom 1209 zum Kaiser gekrönt, nachdem er dem päpstlichen Stuhle die Mathildischen Güter (S. 179) überlassen und andere Zugeständnisse gemacht hat. Bald aber gerät er in Streit mit dem Papste, welcher im Verein mit der staufischen Partei in Deutschland gegen ihn 1212 als König aufstellt seinen Mündel Friedrich, Sohn Heinrichs VI. Friedrich verspricht, Sicilien, das die Kurie als ein päpstliches Lehen ansah, nie mit dem Reich zu vereinigen.

1214.

Otto IV., als Bundesgenosse Englands von Philipp II. Augustus von Frankreich bei Bouvines (unweit Lille) besiegt (S. 193), zieht sich in seine Erblande zurück († 1218 auf der Harzburg).

Hohes Ansehen des Papsttums unter Innocenz III. (1198 bis 1216), der als Statthalter Christi auf Erden auch zwischen Frankreich und England (S. 193), in Aragon und Portugal, Ungarn und den skandinavischen Reichen als Schiedsrichter auftritt. Herstellung des Kirchenstaats, Krieg gegen die Ketzer in Südfrankreich (S. 191), Einsetzung der Inquisition auf dem Laterankonzil zu Rom 1215.

Blüte der ritterlichen Dichtkunst in Deutschland: Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue; Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide am Hofe des Landgrafen Hermann von Thüringen († 1217) auf der Wartburg. Schriftliche Aufzeichnung des Nibelungenliedes.

1212(15)–1250.

Friedrich II., zugleich König beider Sicilien, der geistig bedeutendste Fürst des Mittelalters, leidenschaftlich, mehr Italiener als Deutscher (in Sicilien geboren, von seiner italienischen Mutter erzogen), entschiedener Gegner der geistlichen Herrschaft.

Er wird von einem Teile der Fürsten 1212 in Frankfurt zum König gewählt, verleiht 1214 die Pfalzgrafschaft am Rhein (S. 182) dem Herzog Ludwig I. von Bayern, dem Sohne Ottos von Wittelsbach, und bestätigt dem König Waldemar II. von Dänemark den Besitz der Länder jenseits der Elbe und Elde (Holstein und Mecklenburg), welche dieser während des deutschen Thronstreits an sich gerissen hatte.

1215.

Friedrich II. allgemein anerkannt und zu Aachen gekrönt. Er gelobt einen Kreuzzug und verläßt Deutschland 1220, nachdem er die Wahl seines jungen Sohnes Heinrich zum römischen König erreicht hat.

1220.

Kaiserkrönung Friedrichs II. in Rom nach erneutem Versprechen eines Kreuzzugs; darauf ordnet er die Verhältnisse des sicilischen Reiches. In Deutschland Erzbischof Engelbert von Köln Reichsverweser († 1225), dann König Heinrich.

1223.

Waldemar II. von Dänemark wird von dem Grafen Heinrich von Schwerin gefangen genommen und nach Deutschland geführt. Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens, vermittelt im Auftrage des Kaisers seine Freilassung, die erst 1225 gegen hohes Lösegeld und Verzicht auf die deutschen Gebiete erfolgt.

Notes in this chapter

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