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Auszug aus der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte

I. Alte Geschichte. (continued 3)

Reading edition

121.

Gallia Narbonensis römische Provinz (Massilia civitas foederata).

123.

Gaius Sempronius Gracchus erneuert als Volkstribun das Ackergesetz seines Bruders und knüpft daran eine Reihe von Gesetzen, welche die Herrschaft der Optimaten zu stürzen bestimmt sind. Er gewinnt die Menge der ärmeren Bürger für sich, indem er die persönliche Freiheit sichert (lex Sempronia de civibus Romanis: ne de capite civium Romanorum iniussu populi iudicaretur), den Kriegsdienst erleichtert (lex militaris) und Getreideverkauf von Staats wegen an die Bürger zu billigem Preise anordnet (lex frumentaria). Für 122 wird er auf Grund eines Gesetzes, welches bei Mangel an Bewerbern um das Tribunat dem Volke freie Wahl gestattet, wieder zum Tribunen gewählt.

Durch die lex iudiciaria überträgt C. Gracchus die Besetzung der Geschworenengerichte (quaestiones perpetuae, S. 98) vom Senatorenstand (ordo senatorius) auf den Ritterstand (ordo equester). Dieser umfaßte die reicheren Bürger, welche als Besitzer eines Vermögens von mindestens 400 000 sestertii (70 000 Mark) zum Kriegsdienst zu Pferde eingeschätzt waren; die Senatoren aber waren seit 129 gesetzlich verpflichtet, mit ihrem Eintritt in den Senat aus den Rittercenturien auszuscheiden. Die einflußreichen Mitglieder der Geldaristokratie (publicani und negotiatores, S. 99) saßen also fortan auch über Senatoren zu Gericht.

Auch die Besetzung der Statthalterschaften in den Provinzen wird (durch die lex de provinciis) der freien Verfügung des Senats entzogen; die Provinz Asia wird durch die Anordnung, daß die Verpachtung der Abgaben in Rom durch die Censoren geschehen soll, der Habsucht der publicani aus dem Ritterstande ausgeliefert. Um die Ackerverteilung zu fördern, wird Aussendung von Kolonien durch Volksbeschluß angeordnet (lex de coloniis deducendis). Während Gracchus von Rom abwesend ist, um die Gründung der Kolonie Iunonia an der Stelle des zerstörten Karthago zu leiten, tritt der Tribun M. Livius Drusus mit Gegenvorschlägen, besonders die Gründung von Kolonien in Italien betreffend, auf und wird vom Senat unterstützt

Der Antrag des Gracchus, den Latinern volles Bürgerrecht, den übrigen Italikern latinisches Recht zu bewilligen (lex de civitate sociis danda), kommt bei dem vereinigten Widerstande der Optimaten und eines großen Teiles der Bürgerschaft nicht zur Annahme. Gracchus wird für das Jahr 121 nicht wieder zum Tribunen erwählt.

121.

Bürgerkampf in der Stadt, veranlaßt durch einen von einem Anhänger des Gracchus verübten Mord. Die Volkspartei besetzt den Aventin, der Senat erteilt dem Konsul L. Opimius durch das Senatus consultum ultimum (S. 99) Vollmacht zu Gewaltmaßregeln. Der Aventin wird von Bewaffneten erstürmt, C. Gracchus und M. Fulvius werden auf der Flucht erschlagen. Gegen 3000 Anhänger des Gracchus werden bei der folgenden Untersuchung verhaftet und getötet.

Herstellung der Senatsherrschaft; die Kolonien (außer Narbo) kommen nicht zur Ausführung. Das verteilte Gemeindeland wird 111 durch Volksbeschluß in zinsfreies Eigentum umgewandelt, kann also von reicheren Bürgern wieder angekauft werden.

§ 7. Marius und Sulla.

Die Behauptung des zu ansehnlicher Ausdehnung gelangten römischen Reiches macht immer wieder Kriege notwendig, deren Führung durch die inneren Parteikämpfe beeinflußt wird.

111–105.

Jugurthinischer Krieg. Jugurtha, Enkel Massinissas, hatte seine Vettern und Miterben Adherbal und Hiempsal aus dem Besitz Numidiens vertrieben und getötet. Der Krieg gegen ihn wird anfangs von bestochenen Anführern nachlässig geführt; ein Sieg des Caecilius Metellus (Numidicus) am Flusse Muthul ist nicht entscheidend. C. Marius, Unterfeldherr des Q. Caecilius Metellus, aus niederem Stande, Sohn eines Bauern aus der Gegend von Arpinum, 107 zum Konsul erwählt, nötigt Jugurtha, zum Könige Bocchus von Mauretanien zu fliehen. Von diesem erlangt der optimatische Quästor L. Cornelius Sulla durch geschickte Unterhandlungen die Auslieferung des Feindes. Jugurtha wird in Rom im Triumph aufgeführt, dann im Gefängnis (Tullianum) getötet. Numidien wird zwischen Bocchus und Jugurthas Halbbruder Gauda, dem letzten noch lebenden Enkel Massinissas, geteilt.

113–101.

Krieg gegen die Cimbern und Teutonen.

Der germanische Stamm der Cimbern, von Norden her aus der Chersonesus Cimbrica (Schleswig und Jütland) auswandernd, dringt in die Alpengegenden ein, schlägt 113 bei Noreja (in Kärnten) den Konsul Cn. Papirius Carbo, wendet sich darauf nach Westen dem Rhein zu, überschreitet diesen Strom und schlägt 109 in Gallien den Konsul M. Junius Silanus. Große Niederlage zweier römischer Heere 105 bei Arausio (Orange) an der Rhone. Schrecken in Rom; die Volkspartei setzt für 104 die Erwählung des Marius zum Konsul durch; er wird auch in den folgenden Jahren wiedergewählt und rüstet sich, während die Cimbern nach Spanien ziehen, in der Provinz Gallia Narbonensis zur Abwehr.

Die Cimbern, nach Gallien zurückgekehrt, vereinigen sich mit dem gleichfalls germanischen Volke der Teutonen und mit helvetischen (keltischen) Stämmen, namentlich den Tigurinern. Einbruch in Italien beschlossen; die Cimbern und Tiguriner ziehen nach Kärnten, um von Norden her die Alpen zu überschreiten; die Teutonen mit den Ambronen, der Kernschar der Cimbern, ziehen durch die römische Provinz an Marius’ Lager vorüber, um die Pässe der Westalpen zu erreichen.

102.

Schlacht bei Aquae Sextiae (Aix in der Provence, s. S. 101); Marius vernichtet in gewaltigem Kampfe die Teutonen und Ambronen. Dann zieht er über die Alpen dem optimatischen Konsul Q. Lutatius Catulus zu Hilfe, der vor den Cimbern in die Gegend am oberen Po zurückgewichen war.

101.

Schlacht bei Vercellae (nördlich am oberen Po), Sieg der beiden Konsuln; das Hauptverdienst gebührt Marius.

Man erwartet von ihm, daß er die Herrschaft der Optimaten stürze. Im Jahre 100 zum sechsten Male Konsul, tritt er in Verbindung mit den Führern der Volkspartei, dem Prätor C. Servilius Glaucia und dem Volkstribunen L. Saturninus, entzweit sich aber bald mit ihnen und unterdrückt schließlich, der Aufforderung des Senats Folge leistend, die von ihnen erregten Unruhen mit Waffengewalt, geht dann auf einige Zeit nach der Provinz Asia.

91.

Zur Versöhnung der Parteien beantragt der Volkstribun M. Livius Drusus: 1. Rückgabe der Geschworenengerichte (S. 102) an den Senat, der aber durch 300 Mitglieder des Ritterstandes vermehrt werden soll; 2. Ackerverteilung und ein neues Getreidegesetz. Heftige Erörterungen darüber im Senat. Als er dann den Italikern die Erteilung des Bürgerrechts in Aussicht stellt, gilt er wie C. Gracchus als Aufrührer und wird durch Meuchelmord beseitigt. Die Italiker aber erheben sich nun zum Kriege gegen Rom.

91–88.

Marsischer oder Bundesgenossenkrieg.

Corfinium im Gebirgslande, östlich vom Fucinus-See, wird zur Hauptstadt des neuen Staates bestimmt; dort soll ein Senat von 500 Mitgliedern aus allen italischen Stämmen tagen; zwei Konsuln treten an die Spitze. Aber die Latiner, Etrusker und Umbrer halten zu Rom; es kommt nicht zu großen Entscheidungskämpfen, da der Antrag des Konsuls L. Julius Caesar, den treu gebliebenen Bundesgenossen das Bürgerrecht zu verleihen, bald dahin erweitert wird, daß es allen Abgefallenen, die sich binnen 60 Tagen melden, gewährt werden soll (lex Plautia Papiria, von zwei Volkstribunen des Jahres 89 vorgeschlagen). Damit wird die Bevölkerung Italiens zur Teilnahme an der Weltherrschaft Roms zugelassen. Die nach Annahme dieser Anträge noch Widerstrebenden werden von Sulla und anderen Feldherrn nach und nach besiegt. Ein auswärtiger Feind erhebt sich, und durch neuen inneren Hader kommt der römische Staat in die größte Gefahr.

88–84.

Erster Mithradatischer Krieg.

Gleichzeitig Bürgerkrieg zwischen Optimaten und Volkspartei.

Mithradates VI., König von Pontus (S. 66), hatte seine Herrschaft bis nach Kolchis und dem Kimmerischen Bosporus (Krim) ausgedehnt, den König von Bithynien vertrieben und war dann in der römischen Provinz Asia als Befreier aufgetreten. Auf seinen in Ephesus erlassenen Befehl werden alle in der Provinz sich aufhaltenden Italiker ermordet.

In Rom beantragt der Volkstribun P. Sulpicius Verteilung der Neubürger in alle 35 Tribus und Übertragung des Oberbefehls gegen Mithradates an Marius. Sulla, als Konsul des Jahres 88 entschlossen, sich den Oberbefehl nicht entreißen zu lassen, führt seine 6 Legionen von Nola aus gegen Rom und erstürmt die Stadt. Sulpicius auf der Flucht getötet, Marius entkommt über Minturnae nach Afrika. Sulla stellt die alte, um 241 abgeschaffte Stimmordnung der Servianischen Verfassung für die Centuriatkomitien wieder her und bestimmt, daß fortan in der Bürgerschaft über keinen Antrag ohne Vorbeschluß des Senats abgestimmt werden darf.

87.

Nachdem Sulla zur Kriegführung gegen Mithradates abgereist ist, beruft der aus der Volkspartei erwählte Konsul L. Cornelius Cinna den flüchtigen Marius zurück und beginnt mit ihm eine revolutionäre Schreckensherrschaft in Rom. Viele Optimaten werden getötet, ihr Vermögen eingezogen. Marius, zum siebenten Male Konsul 86, stirbt zu Anfang des Jahres; Cinna führt seine Willkürherrschaft weiter, wird 84 in Ancona getötet, als er die Flotte gegen Sulla führen will.

Mithradates’ Feldherr Archelaos hat inzwischen einen großen Teil Griechenlands zum Abfall von der römischen Herrschaft gebracht. Sulla schlägt ihn in Böotien, nimmt 86 nach längerer Belagerung Athen ein, schlägt Mithradates’ Truppen nochmals bei Chaironeia und 85 bei Orchomenos, geht dann nach Asien hinüber.

84.

Friede mit Mithradates zu Dardănos in Troas; er muß die besetzten Gebiete (die Provinz Asia, die Königreiche Bithynien und Paphlagonien) räumen, alle Kriegsschiffe ausliefern und 3000 Talente zahlen. Darauf wendet sich Sulla gegen das Heer der Volkspartei, welches 86 nach Asien gekommen war, aber nichts ausgerichtet hatte; die Soldaten fallen ihm zu, der Anführer C. Flavius Fimbria tötet sich selbst.

83.

Sulla landet mit etwa 40000 Mann in Brundisium, sichert den Bundesgenossen das volle Bürgerrecht zu, schlägt in mehreren Treffen, unterstützt von dem jungen Cn. Pompeius, der ihm ein Heer von Freiwilligen zuführt, die Heere der Volkspartei.

82.

Sulla nimmt Rom ohne Widerstand ein, schlägt die Samniten, welche noch immer das Bürgerrecht verschmähen, in einer Schlacht am Kollinischen Tor, verhängt über aufständische Städte ein Strafgericht. In Rom verfügt er als Dictator blutige Verfolgung der Marianischen Partei; es werden Proskriptionslisten aufgestellt; die Zahl der Geächteten steigt auf 4700. Ihre Güter werden eingezogen und die Sklaven freigelassen, ihre Kinder von allen Ämtern ausgeschlossen. Nach Beendigung des Bürgerkrieges folgen Landanweisungen an die Veteranen des Heeres; in die besiegten italischen Städte (Faesulae, Praeneste, Pompeii u. a.) werden ganze Kolonien geschickt. Seine Unterfeldherrn besiegen die Marianer in Spanien, Sicilien und Afrika. Pompeius, aus Afrika 81 zurückkehrend, zieht im Triumph in Rom ein und wird von Sulla mit dem Beinamen Magnus begrüßt.

Gesetzgebung Sullas (leges Corneliae) zur Befestigung der Optimatenherrschaft: 1. Der an Zahl sehr zusammengeschmolzene Senat wird durch 300 von den Tributkomitien erwählte Mitglieder ergänzt; für die Zukunft wird der Eintritt in den Senat gesetzlich an die Bekleidung der Quästur geknüpft. Die Zahl der jährlich von den Tributkomitien zu erwählenden Quästoren wird auf 20 erhöht. Das Amt der Censur mit seiner Befugnis, alle fünf Jahre die Senatsliste neu aufzustellen, hört tatsächlich auf. Die von C. Gracchus dem Ritterstande übertragenen Geschwornengerichte werden dem Senat zurückgegeben.

2. Die Komitien behalten das Recht, Gesetze zu bestätigen und Beamte zu wählen; den Priesterkollegien (S. 81) wird das Recht der Selbstergänzung zurückgegeben. Die im J. 88 versuchte Wiederherstellung der Servianischen Stimmordnung wird aufgegeben.

3. Das Recht der Volkstribunen, Gesetzvorschlage an die Komitien zu bringen, wird an die Genehmigung des Senats geknüpft; Mißbrauch ihres Einspruchsrechts wird mit schweren Geldbußen bedroht; wer das Tribunat bekleidet, ist zur Übernahme anderer Ämter unfähig.

4. Die Zahl der stehenden Gerichtshöfe (quaestiones perpetuae, S. 98) wird vermehrt, daran schließt sich die Vermehrung der Prätoren auf 8 und eine umfassende Kriminalgesetzgebung.

81.

Sulla läßt Konsuln wählen, führt aber selbst als Dictator die Regierung weiter. Für das Jahr 80 läßt er sich selbst und seinen Waffengenossen Q. Metellus (Sohn des Numidicus, S. 103) zu Konsuln erwählen, und bahnt so den Übergang zur verfassungsmäßigen Ordnung an.

79.

Sulla legt freiwillig die Dictatur nieder und tritt ins Privatleben zurück († 78).

§ 8. Pompeius und Cäsar.

Die Sullanische Staatsordnung gewinnt keinen festen Bestand, da der Senat auf die Dauer nicht imstande ist, den Ehrgeiz einzelner Machthaber zu zügeln.

Pompeius bekämpft 77–72 in Spanien den Marianer Q. Sertorius, der sich dort eine unabhängige Herrschaft gegründet hat, schließlich aber durch Verschworene ermordet wird. Bei der Rückkehr 71 vernichtet er flüchtige Scharen aufständischer Sklaven, die unter Führung des Thrakers Spartăcus seit 73 Italien stark beunruhigt hatten, aber von M. Licinius Crassus bereits besiegt worden waren (2. Sklavenkrieg, s. S. 100).

70.

Umsturz der Sullanischen Verfassung. Die Konsuln Pompeius und Crassus stellen die von Sulla beschränkte tribunicische Gewalt wieder her. Auf Antrag des Prätors L. Aurelius Cotta werden die Gerichte fortan zu gleichen Teilen aus Senatoren, Rittern und Männern des Bürgerstandes gebildet. Auch werden wieder Censoren erwählt; bei Aufstellung der Senatsliste werden 64 von Sulla ernannte Senatoren ausgestoßen. Der Volksgunst verdankt Pompeius zweimalige Übertragung des Oberbefehls in den damals entstandenen Kriegen.

78–67.

Krieg gegen die Seeräuber. Seit Zerstörung Karthagos war die römische Kriegsflotte vernachlässigt. Erpressungen der Statthalter in Asien trugen dazu bei, daß das Unwesen des Seeraubes den Handelsverkehr auf dem ganzen Mittelmeer gefährdete. Die italischen Küstenstädte von ihnen gebrandschatzt, eine römische Flotte vor Ostia geschlagen. Kreta und Cilicien Hauptsitze der Seeräuber. Nachdem im J. 103 ein Teil Ciliciens zur Provinz gemacht war, besetzt der Prokonsul P. Servilius Vatia 78–75 auch die westlich angrenzenden Landschaften Pamphylien, Pisidien, Isaurien und zerstört viele Seeräuberstädte, Kreta wird nach längeren Kämpfen 67 zur Provinz gemacht (bald mit Cyrenaica vereinigt). Da indes das Piratenunwesen noch fortdauert, so erhält

67.

Pompeius auf Antrag des Volkstribunen A. Gabinius (lex Gabinia) auf drei Jahre den unumschränkten Oberbefehl über das ganze Mittelmeer und über alle Küsten desselben bis 10 Meilen (75 km) landeinwärts; alle Staatskassen, alle Hilfsmittel der Provinzen und der Schutzstaaten werden ihm zur unbedingten Verfügung gestellt. Pompeius säubert mit 120000 Mann und 500 Schiffen in drei Monaten (durch 2 kurze Feldzüge) erst das westliche, dann das östliche Mittelmeer, nimmt viele Seeräuber gefangen und siedelt sie meist landeinwärts an (Pompeiopolis, bisher Soloi, in Cilicien).

74–64.

Dritter Mithradatischer Krieg.

Gegen den König von Pontus hatte der Proprätor L. Licinius Murena 83–81 einen zweiten Krieg geführt, um ihn zu völliger Ausführung des Friedens zu Dardanos zu zwingen. Nach Sullas Tode erhebt sich Mithradates von neuem, verbündet mit seinem Schwiegersohn Tigranes von Armenien, der dem Reiche Syrien (S. 65) ein Ende macht. Mithradates besetzt Bithynien, das König Nikomedes den Römern vermacht hatte (S. 66), wird aber von dem Prokonsul L. Licinius Lucullus 72 bei Kabira geschlagen und aus seinem Reiche vertrieben. Lucullus siegt 69 auch über Tigranes bei Tigranokerta und besetzt die Landschaft Kommagēne am oberen Euphrat, wird aber 68 bei dem Zuge durch die armenischen Berge gegen die Hauptstadt Artaxăta durch Meuterei seiner Soldaten zur Umkehr genötigt. Alle Erfolge gehen verloren; Mithradates kehrt in sein Reich zurück. Lucullus vom Senat zurückgerufen.

66.

Pompeius erhält den Oberbefehl in Asien auf Antrag des Tribunen C. Manilius (Ciceros Rede de imperio Cn. Pompei oder pro lege Manilia). Er schließt ein Bündnis mit den Parthern, besiegt Mithradates in einer nächtlichen Schlacht am Flusse Lykos, verfolgt ihn bis zum Phasis und wendet sich dann nach Armenien. Bei Artaxata unterwirft sich Tigranes; er bleibt König von Armenien, muß aber auf alle Eroberungen verzichten und 6000 Talente Kriegskosten zahlen.

65.

Pompeius kämpft mit den kriegerischen Bergvölkern im Kaukasus, gibt aber die weitere Verfolgung des nach der Taurischen Chersones (Krim) geflüchteten Mithradates auf und zieht nach Pontus, von da nach Syrien.

64–63.

Einrichtung des asiatischen Römerstaates durch Pompeius.

Neue Provinzen: 1. Pontus, bestehend aus Bithynien, der Küste von Paphlagonien und dem westlichen Teil des früheren Reiches des Mithradates. 2. Syria, zunächst nur das Küstenland, vom Meerbusen von Issus bis Damaskus, später bedeutend erweitert. Neugeordnet wird die schon bestehende Provinz Cilicia (mit Pamphylien und Isaurien, S. 107). Die asiatischen Provinzen sind vielfach durchbrochen und umgeben von unabhängigen Stadtgebieten, sowie von fürstlichen und priesterlichen (Pessinūs, Komana) Herrschaften unter römischer Oberhoheit. Von den Vasallenkönigen sind die bedeutendsten der König von Kappadokien und der König Deiotărus von Galatien (S. 66). In Palästina setzt Pompeius nach Einnahme Jerusalems und des Tempels den von seinem Bruder Aristobulos vertriebenen Makkabäer Hyrkanos als Hohenpriester und dem römischen Volke tributpflichtigen Herrscher ein.

63.

Auf die Nachricht, daß Mithradates sich in Pantikapaion infolge des Aufstandes seines Sohnes Pharnăces den Tod gegeben, zieht Pompeius wieder nach Pontus; er bestätigt den Pharnăces im Besitz des bosporanischen Reiches.

61.

Pompeius, nach Italien zurückgekehrt, entläßt in Brundisium sein Heer und kommt als Privatmann nach Rom. Einige Monate später zweitägiger prachtvoller Triumph.

66–63.

Catilinarische Verschwörung.

Bund der Volkspartei mit den Anhängern des verschuldeten Patriziers L. Sergius Catilina, welche durch gewaltsamen Umsturz des Staates und Schuldentilgung (tabulae novae) Besitz und Macht zu erlangen hoffen.

Die erste Verschwörung im J. 66, nach welcher die Konsuln des J. 65 ermordet, darauf Crassus (S. 107) zum Dictator, C. Julius Cäsar[26] zum magister equitum erhoben werden sollen, kommt wegen Unschlüssigkeit einiger Teilnehmer und sonstiger Hindernisse nicht zur Ausführung. Für das Jahr 63 soll die Erwählung des Catilina und des C. Antonius zu Konsuln durchgesetzt werden, aber nur der letztere wird gewählt; sein Amtsgenosse wird der als Redner und Anwalt beliebte, bisher keiner Partei vollständig angehörige M. Tullius Cicero.[27] Dieser sichert dem verschuldeten Antonius durch eigene Verzichtleistung im voraus die einträgliche Statthalterschaft Makedonien zu und macht ihn dadurch den Verschworenen abwendig.

Cicero verhindert während seines Konsulates mehrere Anträge der Volkspartei, namentlich ein weitgehendes Ackergesetz, überwacht die Anschläge der Verschwörung und vereitelt den Versuch Catilinas, bei der Konsulwahl für 62 die Mitbewerber und ihn selbst, den die Wahl leitenden Konsul, zu ermorden. Der Senat, von der Bildung eines aufständischen Heeres unter G. Manlius in Etrurien unterrichtet, erteilt den Konsuln Vollmacht zur Rettung des Staates (S. 99). Catilinas Plan, Cicero in seinem Hause ermorden zu lassen, wird ebenfalls verraten und mißlingt. Cicero enthüllt die Verschwörung in der Senatssitzung am 8. Nov. 63 (erste Catilinarische Rede); Catilina verläßt darauf die Stadt und geht zu dem Heere nach Etrurien. Seine Mitverschworenen, der Prätor Lentulus, Cethegus, Gabinius u. a., lassen sich mit den Gesandten der Allobreger (in der provincia Narbonensis) in Verhandlungen ein; diese werden bei der Abreise von Rom angehalten; auf Grund der bei ihnen gefundenen schriftlichen Beweise wird am 5. Dez. im Senat über die Verschworenen Gericht gehalten. Der Senat beschließt trotz Cäsars Gegenrede, durch Cicero (vierte Catilinarische Rede) und M. Porcius Cato (Urenkel des M. Porcius Cato Censorius) bestimmt, die fünf Verhafteten hinrichten zu lassen; das Urteil wird am Abend des 5. Dez. im Tullinanum vollzogen. Cicero vom Volke als pater patriae begrüßt.

Mit der Kriegführung gegen das Catilinarische Heer wird der Konsul C. Antonius beauftragt. Dessen Legat M. Petreius schlägt den Catilina bei Pistoria (62). Catilina und 3000 seiner Anhänger fallen.

61.

Cäsar gewinnt seinen ersten Kriegsruhm als Proprätor in der Provinz Hispania ulterior, verzichtet aber nach seiner Rückkehr (60) auf den Triumph, um als Bewerber um das Konsulat auftreten zu können.

Die Weigerung des Senats, die von Pompeius beantragte Ackerverteilung an seine Veteranen zu bewilligen und seine in Asien getroffenen Anordnungen zu bestätigen, führt einen vollständigen Bruch zwischen Pompeius und den Optimaten herbei. Die drei mächtigsten Männer Roms verbinden sich zu gegenseitiger Unterstützung:

60.

Das erste Triumvirat, Pompeius, Cäsar und Crassus.

59.

Cäsar Konsul, bringt die von Pompeius gewünschten Anträge an die Komitien: sie werden trotz des Widerstandes, den der andere Konsul M. Calpurnius Bibulus leistet, vom Volke angenommen. Die Freundschaft zwischen Cäsar und Pompeius wird durch Vermählung des lezteren mit Cäsars Tochter Julia befestigt.

Auf Antrag des Tribunen P. Vatinius erhält Cäsar durch Volksbeschluß die Statthalterschaft von Gallia cisalpina und Illyricum auf 5 Jahre; auf Pompeius’ Antrag fügt der bestürzte Senat noch Gallia Narbonensis (S. 101) hinzu. Die Ausführung des Ackergesetzes wird einer Kommission übertragen, an deren Spitze Pompeius und Crassus stehen. Ehe Cäsar in seine Provinzen abgeht, wird

58.

Catos und Ciceros Entfernung aus Rom auf Cäsars Betreiben durchgesetzt von dem durch Adoption aus einem Patrizier zum Plebejer gemachten Volkstribunen P. Clodius, Nachkommen des App. Claudius Caecus. Cato wird durch Volksbeschluß beauftragt, die den Römern durch Testament des Königs von Ägypten zugewiesene Insel Cypern zu übernehmen. Cicero wird geächtet, weil er römische Bürger ohne gerichtliches Urteil habe hinrichten lassen; er geht nach Thessalonike in Makedonien.

58–51.

Eroberung Galliens durch Cäsar.

Gallien bewohnt von keltischen Stämmen, die sich zu Gauverbänden vereinigt haben (im N. die Belger, im S. die Aquitaner, in der Mitte die Äduer, Arverner, Sequaner mit ihren Genossen). Zur Ausgleichung der Streitigkeiten jährliche Landtage im Gebiet der Carnuten unter Leitung der Priester (Druiden). Die Arverner und Sequaner aber haben im Streit mit den Äduern germanische Stämme, Sueben unter dem König Ariovist, herbeigerufen und ihnen Land abtreten müssen. Cäsar schützt, indem er zunächst für die Sicherheit der römischen Provinz sorgt, die Gallier in ihren Wohnsitzen.

58.

Cäsar siegt über die in Gallien einbrechenden Helvetier bei Bibracte (unweit Autun), dann über den Germanenfürsten Ariovist nordöstlich von Vesontio (Besançon), in der Gegend von Mülhausen im Elsaß.

57.

Unterwerfung der meisten belgischen Volksstämme nach einem schwer errungenen Siege über die Nervier am Flusse Sabis (Sambre). Im Süden vergeblicher Versuch, durch Besetzung von Octodurus (Martigny in Wallis) den Alpenübergang über den Paß des Großen St. Bernhard zu sichern.

56.

Unterwerfung der Seestaaten, namentlich der Venĕter, in Arĕmorĭca (Bretagne und Normandie) durch schwere Kämpfe Cäsars zu Lande und zur See. Im Süden unterwirft der Legat P. Crassus, Sohn des Triumvirs, die Aquitaner.

55.

Cäsar treibt die germanischen Stämme der Usipĕter und Tenktĕrer über den Rhein zurück. Übergang über den Strom auf einer Pfahlbrücke (in der Gegend von Neuwied). Rückkehr nach 18tägigem Verweilen auf dem rechten Ufer.

Erste Überfahrt nach Britannien mit 2 Legionen, Landung nordöstlich von Dover, doch baldige Rückkehr. Cäsars Legaten unterwerfen die nördlichsten gallischen Küstenvölker, die Morĭner und Menapier.

54.

Zweite Überfahrt nach Britannien mit 5 Legionen. Der Äduer Dumnorix, der die Mitfahrt verweigert, wird getötet. Cäsar landet, dringt in das Innere vor, überschreitet die Themse, kämpft glücklich gegen die britischen Kelten unter Cassivellaunus. Unterdessen Angriff auf sein Schiffslager; er kehrt zurück, nachdem Cassivellaunus sich unterworfen und Geiseln gestellt hat.

Im Winter Aufstand mehrerer gallischer Völkerschaften, veranlaßt von dem Trevĕrer Indutiomārus. Die Eburonen unter Ambiorix vernichten 15 römische Kohorten (unter Sabinus und Cotta) bei Aduatŭca und bestürmen mit den Nerviern das Winterlager des Legaten Q. Tullius Cicero (Bruder des Redners), der tapfer standhält und von Cäsar befreit wird. Indutiomārus fällt bei einem Angriff auf das Winterlager des T. Labienus.

53.

Labienus unterwirft die Trevĕrer, Cäsar überschreitet zum zweiten Male den Rhein, um die Sueben abzuwehren. Nach der Rückkehr Strafgericht über die Eburonen.

52.

Allgemeiner Aufstand der Gallier unter dem Arverner Vercingetŏrix. Cäsar erobert Cenăbum (Orléans) und Avarĭcum (Bourges), entsendet den Legaten T. Labienus zur Besetzung von Lutetia Parisiorum (Paris), belagert aber vergeblich Gergovia (in der Nähe von Clermont in der Auvergne). Aufstand der bisher ihm treu ergebenen Äduer. Cäsar vereinigt sich wieder mit Labienus, schließt Vercingetorix in Alesia (Alise Sainte-Reine nordwestlich von Dijon) ein. Harter Kampf gegen ein großes, aus allen Teilen Galliens zusammengebrachtes Entsatzheer, welches zurückgeschlagen wird. Vercingetorix muß sich ergeben (6 Jahre später in Rom hingerichtet). Bestrafung der Aufständischen.

51.

Vollendung der Unterwerfung des transalpinischen Galliens, welches Cäsar mit 10 über das ganze Land verteilten Legionen im Gehorsam erhält.

Ergebnisse und weltgeschichtliche Bedeutung der achtjährigen Kämpfe Cäsars: 1. Das römische Reich wird durch die Unterwerfung des großen Keltenlandes erweitert und gegen Angriffe der nordischen Völker gesichert. 2. Die Ausbreitung des römischen Handels (Massilia) und der griechisch-römischen Kultur über West- und Mitteleuropa wird durch Erschließung Galliens, Britanniens und Germaniens wesentlich gefördert. 3. Cäsar gewinnt ein ihm ergebenes, kriegsgeübtes Heer, um die notwendig gewordene Umgestaltung der römischen Republik in eine Monarchie durchzuführen.

Während diese großartigen Erfolge Cäsars den alten Kriegsruhm des Pompeius in Schatten stellen, bemüht sich dieser vergebens, in Rom die von P. Clodius erregten Unruhen der Volkspartei zu unterdrücken. Doch wird im J. 57 die Zurückberufung Ciceros durchgesetzt, und die beiden Tribunen T. Annius Milo und P. Sestius treten mit bewaffneten Anhängern den Scharen des in Cäsars Diensten stehenden Clodius entgegen.

56.

Erneuerung des Triumvirats zu Lucca (in Etrurien). Cäsar, Pompeius und Crassus vereinigen sich dort mit ihren Anhängern (über 200 Senatoren). Infolge der getroffenen Verabredungen werden für das J. 55 mit Anwendung von Gewalt als Konsuln durchgesetzt Pompeius und Crassus. Durch Volksbeschluß erhält dann auf 5 Jahre Pompeius die Statthalterschaft beider Spanien, Crassus die von Syrien, während Cäsars Oberbefehl in Gallien auf weitere 5 Jahre verlängert wird. Die Optimaten müssen sich diesen Beschlüssen fügen.

53.

Crassus unternimmt einen Kriegszug gegen die Parther (S. 65), wird aber bei Carrhae in Mesopotamien von ihnen geschlagen und bald darauf bei einer Verhandlung getötet. Sein Heer nahezu aufgerieben, römische Feldzeichen von den Parthern erbeutet (S. 123).

Pompeius bleibt in Rom, erbaut dort das erste steinerne Theater, veranstaltet glänzende Spiele, läßt seine spanischen Provinzen durch Legaten verwalten.

52.

Clodius getötet bei einem Zusammenstoß mit der Bande des Milo auf der Via Appia. Aufstand in Rom bei der Leichenfeier für Clodius, die Curia Hostilia in Brand gesteckt. Pompeius, zum alleinigen Konsul erwählt (consul sine collega), stellt die Ruhe wieder her. Auf Grund der von ihm beantragten Gesetze de ambitu und de vi wird Milo trotz Ciceros Verteidigungsrede verurteilt und geht in die Verbannung. Cicero als Prokonsul Statthalter von Cilicien (51–50) und damit wieder aus Rom entfernt.

Pompeius, seit dem Tode der Julia (54) dem Cäsar entfremdet, heiratet die Tochter des Optimaten Q. Metellus Scipio, der für die letzten 5 Monate des Jahres 52 sein Mitkonsul wird. Er läßt sich die Statthalterschaft in Spanien auf 5 Jahre erneuern.

Verhandlungen im Senat (51–50) über die durch widersprechende Bestimmungen unlösbar verwickelte Frage, ob Cäsar seine Statthalterschaft am 1. März 49 oder erst Ende 49 niederzulegen habe. Cäsars Gegner bestehen, um ihn zu stürzen, auf dem früheren Termin, wollen auch einen Volksbeschluß, der ihm gestattete, sich abwesend um das Konsulat (für das Jahr 48) zu bewerben, nicht anerkennen. Cäsar fügt sich dem Verlangen, daß er zwei Legionen (darunter eine früher von Pompeius entliehene) zum Partherkrieg abgebe, läßt aber durch den ihm gleich Clodius ergebenen Volkstribunen C. Scribonius Curio die Forderung stellen, daß er und Pompeius gleichzeitig am 1. März 49 den Oberbefehl niederlegen sollen.

vor Chr 49–46.

Bürgerkrieg zwischen Cäsar und den Optimaten.

49. (1. Jan.)

Der Senat erklärt nach Abweisung wiederholter Vermittelungsvorschläge Cäsar für einen Reichsfeind (hostis), wenn er nicht innerhalb einer bestimmten kurzen Frist seine Provinzen an die ernannten Nachfolger übergebe und sein Heer entlasse. Ein zweiter Senatsbeschluß (7. Jan.) gibt den Konsuln und Prokonsuln Vollmacht zu außerordentlichen Maßregeln (S. 99). Die Cäsar ergebenen Volkstribunen fliehen zu ihm nach Ravenna.

Cäsar geht mit einer Legion über den Bach Rubico, die Grenzscheide zwischen seiner Provinz und Italien, und beginnt damit den Bürgerkrieg.

Große Bestürzung in Rom. Pompeius, dessen Rüstungen erst begonnen haben, entweicht mit den Konsuln und einem Teile des Senats (darunter Cicero) nach Capua, dann nach Brundisium (Staatskasse in Rom zurückgelassen). Cäsar zieht durch Umbrien und Picenum, zwingt, durch 2 nachgekommene und 3 neugebildete Legionen verstärkt, den L. Domitius in Corfinium zur Übergabe und rückt vor Brundisium. Pompeius entkommt mit der Flotte nach Dyrrhachium. Cäsar ordnet den Bau neuer Schiffe an und wendet sich zunächst nach Rom; dort beschwichtigt er die Besorgnis vor Wiederkehr der Greuel des ersten Bürgerkrieges. Großmütiges Verfahren gegen seine Feinde.

49.

Cäsar geht auf dem Landwege nach Spanien zur Bekämpfung der Legaten des Pompeius: ein Teil seines Heeres belagert Massilia. Die Legaten L. Afranius und M. Petreius werden bei Ilerda, nördlich vom Ebro, zur Übergabe gezwungen, ihr Heer wird aufgelöst.

M. Terentius Varro, der in Hispania ulterior den Oberbefehl führt, zieht sich nach Gades zurück und ergibt sich ohne Kampf, da die meisten Städte der Provinz sich für Cäsar erklären. Als dieser nach Italien zurückmarschiert, unterwirft sich ihm die ausgehungerte und mit Erstürmung bedrohte Stadt Massilia. Während dieser Zeit hat sein Legat C. Scribonius Curio Sicilien unterworfen. Derselbe setzt nach Afrika über, siegt erst bei Utĭca, wird aber von Iuba, König von Numidien, der sich für Pompeius erklärt hatte, am Bagradasfluß geschlagen und fällt.

Cäsar wird (abwesend) in Rom von dem Prätor M. Aemilius Lepidus zum Dictator ernannt, legt aber die Dictatur nach 11 Tagen nieder, nachdem er für das Jahr

48.

zum Konsul erwählt ist (zusammen mit P. Servilius Isauricus), während der nach dem Osten geflüchtete Teil des Senats (in Thessalonike) dem Pompeius und allen Beamten des letzten Jahres die Amtsgewalt verlängert.

Landung Cäsars an der Küste von Epirus; er rückt nach Illyrien vor und nimmt die Städte Oricum und Apollonia ein. Sein Legat M. Antonius kann erst nach einigen Monaten mit dem anderen Teil des Heeres folgen, da die pompejanische Flotte das Meer beherrscht. Cäsar schließt das Heer des Pompeius bei Dyrrhachium ein, aber seine Verschanzungen werden durchbrochen. Cäsar, geschlagen und zum Rückzug gezwungen, geht nach Thessalien, wohin ihm Pompeius folgt. Cato und Cicero bleiben in Dyrrhachium zurück. In der thessalischen Ebene kommt es zur

48. (9. Aug.)

Schlacht bei Pharsālus.

Cäsar schlägt mit etwa 22000 Mann das mehr als doppelt so starke Heer des Pompeius und zersprengt es vollständig. 20000 Pompejaner strecken die Waffen, Pompeius flieht nach der Küste, geht zu Schiff über Lesbos nach Ägypten. Dort wird er bei der Landung auf Befehl des Ministers des jungen Königs Ptolemäus XII. ermordet. Cäsar landet mit 4000 Mann in Alexandria.

In Rom wird dem Sieger Cäsar die Dictatur auf unbestimmte Zeit (wie früher Sulla, S. 106), das Konsulat auf 5 Jahre, die tribunicische Gewalt auf Lebenszeit übertragen. Er nimmt das Konsulat erst wieder für das Jahr 46 an und sendet den M. Antonius als seinen Stellvertreter (magister equitum) nach Rom.

48–47.

Alexandrinischer Krieg.

Aufstand der Einwohner von Alexandrīa, unterstützt durch das seit Zurückführung des Königs Ptolemäus Aulētes (55) dort befindliche römische Besatzungsheer. Cäsar, in der Königsburg belagert, gerät in die größte Gefahr, aus der ihn nur seine Verwegenheit rettet. Er läßt die ägyptische Flotte in Brand stecken, wobei ein Teil der Stadt in Feuer aufgeht, auch die berühmte alexandrinische Bibliothek (s. S. 65). Er verläßt die Stadt, nachdem er sich den Besitz der den Hafen beherrschenden Leuchtturminsel Pharos gesichert hat, und schlägt mit Hilfe eines aus Asien herbeigekommenen Entsatzheeres das ägyptische Heer am Nil. Der junge König Ptolemäus ertrinkt auf der Flucht. Die Regierung wird, unter römischer Oberhoheit, seiner Schwester Kleopatra und ihrem jüngsten Bruder übergeben, in Alexandrīa bleibt eine römische Besatzung. Cäsar geht nach Kleinasien und beendet in einem fünftägigen Feldzug (veni, vidi, vici) den

47.

Krieg gegen Pharnăces,

Sohn des Mithradates (s. S. 109), welcher Pontus, Klein-Armenien und Kappadokien besetzt hatte. Cäsar besiegt ihn bei Zela und zwingt ihn zur Rückkehr in sein bosporanisches Reich, wo er bald umkommt. Ordnung der asiatischen Verhältnisse. Deiotărus (S. 109), der bei Pharsalus gegen Cäsar gefochten hatte, verliert den größten Teil seiner Herrschaft.

Rückkehr Cäsars nach Rom. Cicero, von ihm begnadigt und ehrenvoll behandelt, zieht sich auf sein Tusculanum zurück, bleibt aber sein Gegner. Nach Beschwichtigung eines Aufstandes der in Campanien stehenden Legionen unternimmt Cäsar den

46.

Krieg in Afrika

gegen die Pompejaner (Cn. und Sextus Pompeius, Q. Metellus Scipio, Cato, Labienus, Petreius, König Iuba). Er landet bei Hadrumētum, gerät in Gefahr, da der größte Teil der Truppen infolge eines Sturmes erst später eintrifft, führt dann den Krieg mit Vorsicht gegen die an Zahl überlegenen Feinde, siegt endlich in der blutigen Schlacht bei Thapsus. Cato tötet sich in Utĭca, um den Untergang der Republik nicht zu überleben, daher »Uticensis« genannt. Labienus und Sextus Pompeius entkommen nach Spanien. — Ein Teil Numidiens wird von Cäsar mit der Provinz Afrika vereinigt, der andere an König Bocchus von Ost-Mauretanien gegeben.

Rückkehr Cäsars nach Rom, wo er vier Triumphe feiert (Gallien, Ägypten, Pharnăces, Afrika). Bewirtung des Volkes an 22000 Tischen, prächtige Festspiele, Geld- und Getreidespenden. Cäsars Dictatur wird zunächst auf 10 Jahre, später auf Lebenszeit (dictator perpetuus) verlängert. Er beginnt die Neuordnung des zerrütteten Staatswesens: Census der Bürgerschaft; Beschränkung der Zahl derer, welche regelmäßig Getreidespenden empfangen, auf 150000; Bestimmungen über die Verfassung der Bürgerstädte (lex Iulia municipalis); Herstellung des Senats; Ackerverteilung an die Veteranen. Verbesserung des Kalenders mit Hilfe des alexandrinischen Astronomen Sosigĕnes. Das Jahr 46 wird durch Einschaltung um 67 Tage verlängert; an Stelle des bisher üblichen Mondjahres mit Schaltmonaten tritt das Sonnenjahr von 365¼ Tagen (alle 4 Jahre ein Schaltjahr).

Nochmals erheben sich in Spanien die Söhne des Pompeius und Cäsars früherer Legat Labienus; Cäsar siegt nach hartnäckigem Widerstande in der

45.

Schlacht bei Munda (in der südlichen Provinz, zwischen Cordŭba und Gades), setzt dann in Rom als Dictator und Imperator (letzterer Titel früher nur zeitweise von siegreichen Feldherren bis zum Tage des Triumphes geführt) sein großartiges Reformwerk fort. Die alten Formen der republikanischen Verfassung behält er bei, in der Tat aber waltet Cäsar als Alleinherrscher. Als Pontifex maximus hat er die Oberaufsicht über das Religionswesen, als Inhaber der tribunicia potestas das Vorschlagsrecht bei der Gesetzgebung und das Ansehen eines unverletzlichen Vertreters und Beschützers des Volkes. Den Komitien bleibt die Bestätigung der Gesetze als ein nur formelles Recht; ihr Wahlrecht wird durch das Vorschlagsrecht des Dictators sehr beschränkt. Der Senat, auf 900 Mitglieder vermehrt, wird wieder, wie zur Königszeit, zu einem nur beratenden Reichsrat. Die oberste Gerichtsgewalt steht, ebenfalls wie in der Königszeit, dem Alleinherrscher zu (Prozesse des Ligarius und Deiotărus, bei welchen Cicero als Anwalt auftritt).

Großartige Bauten in Rom (Basilica Iulia an der Südseite des Forums; die Nordseite wird erweitert durch das Forum Iulium mit dem Tempel der Venus Genetrix). Gründung einer öffentlichen Bibliothek. Neue Provinzialordnung zum Schutz der Provinzen gegen die Willkür der Statthalter; Gründung von Kolonien in den Provinzen, Karthago und Korinth hergestellt. Luxusgesetze, Kriminalgesetzgebung.

Durch weitgehende Ehrenbeschlüsse (Bildsäulen von ihm in allen Tempeln, seine Statue neben denen der sieben Könige, Münzen mit seinem Bildnis (S. 74, Anm.), Feier seines Geburtstages am 12. des Monats Quinctilis, der nun Iulius genannt wurde, alle fünf Jahre Spiele ihm zu Ehren u. a.) wird Cäsars Alleinherrschaft beim Volke unbeliebt. Das von M. Antonius am Lupercalienfeste (15 Februar 44) ihm öffentlich angebotene Königsdiadem weist er zurück. Während der Vorbereitungen zu einem Rachekrieg gegen die Parther (S. 113), welcher die Ostgrenze des Reichs sichern soll, bildet sich unter den Senatoren eine Verschwörung (C. Cassius Longinus, M. Iunius Brutus, C. Trebonius, Decimus Brutus, L. Tillius Cimber, P. Servilius Casca u. a.).

44. (15. März.)

Ermordung Cäsars in der Senats-Sitzung,

die an jenem Tage zufällig in der an das Theater des Pompeius anstoßenden Curia Pompeia gehalten wurde. Cäsar fällt, von 23 Stichen durchbohrt, an der Bildsäule des Pompeius nieder.

§ 9. Untergang der Republik.

Für kurze Zeit übernimmt der Senat wieder die Staatsleitung. Er verfügt zugleich die Aufrechterhaltung der Gesetze Cäsars und Straflosigkeit (Amnestie) für dessen Mörder. Allein das Volk der Hauptstadt, aufgeregt durch die Leichenrede des Consuls M. Antonius, verübt Gewalttaten gegen die Verschworenen. Die Häupter der Verschwörung verlassen Rom, um in die ihnen (noch von Cäsar selbst) angewiesenen Provinzen zu gehen: M. Brutus nach Makedonien, Cassius nach Syrien, Decimus Brutus nach Gallia cisalpina.

In Rom maßt sich M. Antonius (Konsul mit P. Cornelius Dolabella) im Besitz der testamentarischen Bestimmungen Cäsars, unter dem Vorwande, den letzten Willen des Dictators auszuführen, eine unumschränkte Gewalt an, ändert die Verteilung der Provinzen, läßt sich namentlich die Provinz Gallia cisalpina durch Volksbeschluß zuerteilen. Dagegen tritt der 19jähr. C. Octavius (geb. 63), der Großneffe und Adoptivsohn Cäsars, daher fortan C. Julius Cäsar Octavianus genannt, in Verbindung mit dem Senat. Bei den Soldaten beliebt, sammelt er zahlreiche Veteranen Cäsars um sich und bestimmt 2 Legionen des Antonius, sich unter seinen Befehl zu stellen. Durch die einander entgegengesetzten Bestrebungen der Machthaber wird das römische Reich in neue Bürgerkriege gestürzt.

44–43.

Gegen Antonius, der den Decimus Brutus in Mutĭna belagert und ihm seine Provinz entreißen will, werden auf Betreiben Ciceros (die Philippischen Reden) die beiden Konsuln Hirtius und Pansa ausgesandt, mit ihnen der junge Octavian als Proprätor (Mutinensischer Krieg). Beide Konsuln fallen; Dec. Brutus verfolgt den besiegten Antonius nach Gallia transalpina. Octavian aber führt das ganze Heer nach Rom, erzwingt vom Senat seine Erwählung zum Konsul, Widerruf der Amnestie für die Verschworenen und ihre Verurteilung. Hierauf zieht er zum Schein gegen Antonius, mit dem er schon geheime Unterhandlungen angeknüpft hatte. Auf einer Zusammenkunft bei Bononia wird das

43. (Nov.)

zweite Triumvirat

geschlossen zwischen Antonius, Octavian und M. Ämilius Lepidus (Statthalter in Gallia Narbonensis). Die drei Machthaber (tresviri reipublicae constituendae) lassen ihre angemaßte Gewalt von den Komitien auf 5 Jahre bestätigen und beginnen ihre Herrschaft mit grausamen Proskriptionen: 130 Senatoren und 2000 Männer vom Ritterstande werden geächtet und größtenteils getötet (u. a. Cicero und sein Bruder Quintus, S. 112), ihr Vermögen eingezogen. Darauf

43–42.

Krieg gegen die republikanische Partei.

Antonius und Octavianus ziehen gegen M. Brutus und C. Cassius, welche in Makedonien und Syrien eine bedeutende Kriegsmacht gesammelt hatten. In der (ersten)

42.

Schlacht bei Philippi

in Thrakien besiegt Antonius, welcher den rechten Flügel befehligt, den linken Flügel des republikanischen Heeres unter Cassius, während Octavian vor den Truppen des Brutus zurückweichen muß. Auf die falsche Nachricht von einer Niederlage des Brutus läßt sich Cassius durch einen Sklaven töten. Brutus, 20 Tage später in einer zweiten Schlacht von Antonius geschlagen, tötet sich selbst.

Antonius brandschatzt die Provinzen Asien und Syrien und folgt dann der Königin Kleopatra (S. 116), die er nach Tarsus vorgefordert hatte, nach Ägypten. Währenddessen nimmt Octavian in Italien die den Veteranen versprochenen Ackerverteilungen vor; L. Antonius, Bruder des Triumvir, der ihm dabei entgegentritt, wird in Perusia belagert und muß sich ergeben. M. Antonius landet mit einem Heere bei Brundisium; es kommt in Brundisium zu einem Vergleich, nach welchem die Verwaltung des Reiches so geteilt wird, daß

40.

Octavian den Westen, Antonius den Osten (Grenzlinie geht durch Illyrien), Lepidus Afrika erhält. Sextus Pompeius, der sich von Sicilien aus eine Seeherrschaft über die italischen Inseln gegründet hatte (sein Bruder Cn. bei Munda †), wird (36) von M. Vipsanius Agrippa, dem Unterfeldherrn Octavians, bei Mylae besiegt. Lepidus, der nun auf Sicilien Anspruch erhebt, verliert nach einem kurzen Feldzuge auch Afrika an Octavian, ihm bleibt nur die Würde eines Pontifex maximus.

Octavian sorgt für friedliche Verwaltung Italiens, bekämpft aber auch, um Norditalien zu sichern, die Dalmatier und Pannonier, erobert 35 die Stadt Siscia an der Save.

Antonius, mit Octavians Schwester Octavia vermählt, unternimmt 38 und 37 wenig erfolgreiche Züge gegen die Parther, schwelgt dann in Ägypten am Hofe der Kleopatra, zieht 34 gegen Armenien und führt den König Artavasdes als Gefangenen in Alexandria im Triumph auf, verschenkt endlich römische Provinzen an seine Kinder mit der Kleopatra und schickt der Octavia den Scheidebrief. Octavian läßt in Rom durch Volksbeschluß dem Antonius den Oberbefehl entziehen und an Kleopatra den Krieg erklären.

31–30.

Krieg zwischen Octavian und Antonius.

Während Antonius und Kleopatra lange in Ephĕsos, Samos, Athen und Patrae (in Achaja) verweilen, vollendet Octavian seine Rüstungen und setzt das Landheer nach Epirus über; seine 250 Schiffe starke, von Agrippa geführte Flotte besiegt die an Zahl der Schiffe überlegene Flotte des Antonius und der Kleopatra in der

31. (2. Sept.)

Seeschlacht bei Actium.

Kleopatra flieht mit ihren Schiffen, ehe die Schlacht entschieden ist; Antonius folgt ihr. Sein Landheer ergibt sich nach 7 Tagen dem Octavian ohne Kampf.

30.

Octavian geht nach Asien, wo er sein 4. Konsulat antritt, kehrt zur Beschwichtigung einer Meuterei der Veteranen auf kurze Zeit nach Italien zurück, begabt sich dann wieder zu seinem Heere und führt es durch Syrien nach Ägypten. Antonius, von seinen Truppen verlassen, tötet sich auf die falsche Nachricht vom Tode der Kleopatra. Diese tötet sich bald darauf durch Gift, als sie sieht, daß Octavian sie nur schont, um sie in Rom im Triumph aufzuführen. Octavian macht Ägypten zur römischen Provinz, ordnet dann die Verhältnisse in Vorderasien und kehrt 29 im Monat Sextilis (nachher ihm zu Ehren Augustus genannt) nach Rom zurück. Dreitägiger Triumph, der Janustempel geschlossen (vgl. S. 72).

Alleinherrschaft Octavians, in der von Cäsar begründeten Weise, jedoch so, daß die Dictatur ersetzt wird durch das von ihm anfangs ständig bekleidete Konsulat, dann durch das allgemeine prokonsularische Imperium. Das römische Reich, nach Beendigung der Bürgerkriege im Frieden aufblühend, schützt noch mehrere Jahrhunderte lang unter der Herrschaft der Kaiser die Kulturvölker des Altertums gegen die Angriffe der Barbaren.

§ 10. Kunst und Literatur bei den Römern.

Die Anfänge nationaler Baukunst und Dichtung bei Etruskern und Latinern entwickeln sich erst durch die Bekanntschaft mit griechischer Kultur zu höherer Blüte. Griechischer Baustil erscheint in den Tempeln und Säulenhallen, mit welchen Rom sich schmückte, als es zur Großstadt heranwuchs. Griechische Statuen wurden nach Eroberung griechischer Städte (Tarent 272, Syrakus 212, Korinth 146) zahlreich nach Rom gebracht; seit 146 arbeiteten viele griechische Künstler in Rom. Drei griechische Philosophen (Karneades, Diogenes, Kritolaos) 156 als athenische Gesandte in Rom.

Anfänge der römischen Literatur: Gottesdienstliche Lieder der Salii (S. 73) und Fratres arvales, religiöse und geschichtliche Aufzeichnungen der Priester (libri pontificum, fasti consulares und triumphales), Erklärungen der Zwölf-Tafelgesetze (S. 78 f). Volkstümliche Bühnendarstellungen werden zuerst 364 erwähnt als Bestandteil der Festspiele (ludi scaenici). Griechische Tragödien und Komödien in lateinischer Bearbeitung brachte Livius Andronīcus, ein Grieche aus Tarent, seit 240 in Rom zur Aufführung, nach ihm Cn. Naevius aus Campanien, der auch nationale Stoffe dramatisch darstellte (fabulae praetextae) und den ersten Punischen Krieg in einem Epos (in saturnischen Versen) besang; ferner Q. Ennius aus Rudiä in Calabrien († 169), der ebenfalls in einem Epos in Hexametern (Annales) die Geschichte Roms bis auf seine Zeit darstellte, befreundet mit Scipio Africanus maior. Erhalten sind die Bearbeitungen griechischer Komödien von T. Maccius Plautus († 184) und P. Terentius († 159).

Die ältesten römischen Geschichtschreiber (Annalisten) schrieben griechisch. Als erster Schriftsteller in lateinischer Prosa ist M. Porcius Cato († 149, Origines, de re rustica, Reden) zu nennen. Besonders gepflegt wurde die Rechtsgelehrsamkeit (Sex. Aelius Catus, Konsul 198, Q. Mucius Scaevola augur, Konsul 117, Lehrer Ciceros) und die Beredsamkeit (C. Gracchus † 121, L. Licinius Crassus † 91, M. Antonius † 87, Q. Hortensius † 50). Die nationalen Altertümer erforschte M. Terentius Varro (116–27, de lingua Latina, antiquitates rerum humanarum et divinarum). Als Geschichtschreiber ragen hervor C. Iulius Cäsar († 44) und C. Sallustius Crispus († 34). Den Reichtum und die Schönheit der lateinischen Sprache entfaltet besonders M. Tullius Cicero († 43) als Redner und philosophischer Schriftsteller (Tusculanae disputationes, de officiis u. a.). Als Dichter sind in Ciceros Zeit zu nennen T. Lucretius Carus († 55), Verfasser eines philosophischen Lehrgedichts de rerum natura, und der Lyriker C. Valerius Catullus († 54).

§ 11. Kaiserzeit bis zum Untergang des weströmischen Reiches.

>(Von 31 vor Chr. bis 476 nach Chr.)

vor nach Chr. 31–68.

Das Julisch-claudische Herrscherhaus.

31–14.

Cäsar Octavianus Augustus.

Der Beiname Augustus (der Erlauchte, Erhabene), den ihm (27 vor Chr.) der Senat erteilte, ist auf seine Nachfolger übergegangen und ebenso wie Princeps, Cäsar, Imperator, zum Titel der römischen Herrscher geworden.[28]

Augustus beschränkt den Senat auf 600 Mitglieder und knüpft die Senatorwürde an einen hohen Census (1 Million Sest. = etwa 180000 M.). Das Konsulat bleibt bestehen, wird anfangs von Augustus ständig, später von ihm und seinen Nachfolgern noch bisweilen bekleidet, gilt aber nur als Ehrenamt und wird in seiner Dauer verkürzt, zuletzt in der Regel auf 2 Monate. Auch die andern republikanischen Ämter bleiben, doch mit beschränktem Geschäftskreis; die Censur wird von den Kaisern übernommen, wie sie schon Cäsar unter dem Titel Praefectus morum ausgeübt hatte. Dem Senat bleibt ein gewisser Anteil an der Herrschergewalt.

Die kaiserliche Herrschaft beruht auf dem Heerbefehl, der tribunicischen Gewalt und der obersten Gerichtsgewalt. Seit dem Tode des Lepidus (13) war Augustus auch Pontifex maximus. Einflußreiche kaiserliche Beamte sind der Praefectus urbi (Polizeipräsident) und die beiden Praefecti praetorio (Befehlshaber der aus 9 Kohorten bestehenden kaiserlichen Garde). Einteilung Roms in 14, Italiens in 11 regiones. Einrichtung einer Reichspost (cursus publicus) für die von Staats wegen reisenden Beamten. Schutz der Provinzen gegen die Übergriffe der Beamten. Fürsorge für die Armen. Ansiedelung unbemittelter Bürger in Kolonien.

27.

Neue Einteilung der Provinzen in senatorische, d. h. völlig beruhigte, welche ohne Kriegsheer von Prokonsuln und Proprätoren verwaltet werden können und vom Senat verliehen werden (Africa, Asia, Achaja, Illyricum, Macedonia, Sicilia, Creta und Cyrenaica, Bithynia, Sardinia, Hispania Baetica), und in kaiserliche, die Augustus durch Legaten an der Spitze von Legionen verwalten läßt und daher selber verteilt: (Hispania Tarraconensis, Lusitania, die vier gallischen: Narbonensis, Lugdunensis, Aquitania und Belgica mit Germania superior et inferior, Syria, Cilicta, Cyprus, Aegyptus). In dieser Teilung ist später mehreres geändert worden. Alle nach 27 vor Chr. begründeten Provinzen fielen dem Kaiser zu. Zwei Staatskassen, das vom Senat verwaltete aerarium (Einnahmen aus den senatorischen Provinzen) und fiscus (Einnahmen aus den kaiserlichen Gütern und Provinzen). Das Heer auf 25 Legionen (etwa 250000 Mann) gebracht. Dazu eine starke Flotte in Misenum und Ravenna.

Blütezeit der römischen Literatur. C. Cilnius Maecenas († 8 vor Chr.), Freund des Augustus, Gönner und Beschützer der Dichter: P. Vergilius Maro (70–19 vor Chr.). Q. Horatius Flaccus (65–8 vor Chr.). Die Elegiker Albius Tibullus, S. Propertius und P. Ovidius Naso (9 nach Chr. nach Tomi am Pontus Euxīnus (Constanza i. d. Dobrudscha) verbannt, † 17). Der Geschichtschreiber T. Livius (59 vor Chr. bis 17 nach Chr.) gibt dem römischen Volke eine ausführliche Gesamtdarstellung seiner Geschichte. Der Architekt Vitruvius, die Juristen M. Antistius Labeo und C. Ateius Capito.

Familie des Augustus. C. Julius Cäsar Octavianus Augustus, geb. 63 v. Chr., †14 n. Chr. Gemahlinnen: 1. Claudia. 2. Scribonia. 3. Livia, Mutter des | Tiberius u. Drusus, | Söhne v. Tiberius | Claudius Nero. Iulia, †14 n. Chr. Gem.: 1. Marcellus, 2. M. Vipsanius Agrippa. 3. Tiberius. Sohn d. Octavia. †12 v. Chr. †23 v. Chr. | | ----------------------------------------------------------------------- Gaius Cäsar. Lucius Cäsar. Agrippina. Julia. Agrippa Postumus. †4 n. Chr. †2 n. Chr. †33 n. Chr. †28 n. Chr. †14 n. Chr.

In der ersten Hälfte der Regierung des Augustus ist sein Schwiegersohn Agrippa seine Hauptstütze. Census in allen Provinzen, Vermessung des Reiches durch Agrippa, Bauten in Rom: Forum Augusti, Thermae Agrippae mit dem Pantheon, Tempel des Apollo, des Mars und der Venus. Wiederherstellung der verfallenen Heiligtümer und Wiederbelebung der alten Religiosität. Agrippas Söhne Gaius Cäsar und Lucius Cäsar werden 17 vor Chr. von Augustus adoptiert. Ihre Mutter Iulia heiratet in dritter Ehe den Stiefsohn des Augustus, Tiberius, wird aber schließlich wegen ihrer Sittenlosigkeit verbannt. Nach dem Tode seiner beiden ältesten Enkel adoptiert Augustus den Tiberius und bezeichnet ihn als Nachfolger.

27–25.

Augustus ordnet persönlich die Verhältnisse der gallischen und spanischen Provinzen. Unterwerfung der Cantabrer und Asturer. Lugdunum (Lyon) Hauptstadt in Gallien, Tarraco und Corduba Hauptstädte in Spanien.

22–19.

Augustus ordnet persönlich die Verhältnisse des römischen Asiens. Der Partherkönig Phraates gibt auf die Nachricht von seiner Ankunft in Syrien die bei der Niederlage des Crassus (S. 113) erbeuteten römischen Feldzeichen zurück. Durch Tiberius wird Tigrānes in sein Reich Armenien wieder eingesetzt.

Nach Rom zurückgekehrt erläßt Augustus Gesetze zur Bekämpfung des Luxus und der Ehelosigkeit (lex Iulia sumptuaria, lex Iulia de maritandis ordinibus).

15.

Tiberius und Drusus, die Stiefsöhne des Kaisers, unterwerfen die Alpenvölker und das Gebiet zwischen den Alpen und der Donau; Einrichtung der Provinzen Raetia (Hauptort Augusta Vindelicorum, jetzt Augsburg) und Noricum (Kärnten und Steiermark). Schon einige Jahre früher war von Makedonien aus das untere Donaugebiet Mösien unterworfen worden.

12–9.

Tiberius unterwirft Pannonien (das südwestliche Ungarn). Damit ist die Donaugrenze des Reiches festgestellt; sie wird ebenso wie die Rheingrenze durch Standlager der Legionen, aus denen später Städte geworden sind, beschützt. Standlager am Rhein: Moguntiacum (Mainz), Civitas Ubiorum (später Colonia Agrippinensis, Köln), Castra vetera (Xanten), Standlager an der Donau: Regina castra (Regensburg), Batava castra (Passau), später auch Vindobona (Wien) und Juvavum (Salzburg).

12–9.

Drusus unternimmt vom Rhein aus vier Feldzüge in das innere Germanien, das erstemal zur See, vom lacus Flevo (Zuyder-See) in die Emsmündung hinein, dann zu Lande die Lippe aufwärts (Castell Aliso bei Haltern), dann von Mainz aus gegen die Chatten, zuletzt von Mainz bis zur Elbe. Er stirbt auf dem Rückmarsch infolge eines Sturzes mit dem Pferde.

8–7.

Tiberius, sein Nachfolger im Oberbefehl, bringt einen Teil der germanischen Völkerschaften auf dem rechten Rheinufer zur Anerkennung der römischen Oberhoheit. Er zieht sich dann (6) nach Rhodus zurück und kommt erst 7 Jahre später nach Verbannung seiner Gemahlin Julia wieder nach Rom.

Christus geboren vier oder sechs Jahre vor dem Beginn unserer Zeitrechnung.[29]

Das Christentum, langsam sich ausbreitend im römischen Reiche, entfaltet nach dem Untergange desselben seine weltbezwingende Macht.

nach Chr. 4–5.

Tiberius, in den letzten Jahren der Regierung des Augustus schon beinahe Mitregent, durchzieht von neuem das nördliche Germanien, besiegt die Langobarden an der unteren Elbe. Römische Statthalter verwalten das Gebiet zwischen Rhein und Elbe. Der unter Tiberius’ Anführung schon begonnene Angriff auf das suebische Reich des Marbod (in Böhmen) wird unterbrochen (6–9) durch einen gefährlichen Aufstand der illyrischen und pannonischen Völkerschaften.

9.

Drei römische Legionen unter P. Quinctilius Varus werden im Teutoburger Walde von dem Cheruskerfürsten Arminius vernichtet. Germanien bis zum Rhein befreit, Tiberius aber sichert die Rheingrenze.

14.

Augustus stirbt in Nola im 76. Lebensjahre. Eine von ihm selbst verfaßte Übersicht seiner Taten (Res gestae divi Augusti) ist in einer Tempelinschrift zu Ancyra (Angora) in Galatien erhalten (monumentum Ancyranum).

14–37.

Tiberius (vollständig: Tiberius Claudius Nero), des Augustus Stief- und Adoptivsohn, geb. 42, tüchtiger Herrscher, jedoch hart und argwöhnisch. Das Recht der Beamtenwahlen und die Bestätigung der Gesetze wird von den Komitien auf den Senat übertragen. Die an republikanischen Erinnerungen festhaltende Aristokratie wird in strenger Abhängigkeit gehalten, besonders durch Anklagen de maiestate (die auch schon zur Zeit der Republik vorkamen) bei der kleinsten Beleidigung des Fürsten; Belohnung der Angeber (delatores). Gute Verwaltung in den Provinzen.

14–16.

Drei Feldzüge des Neffen des Tiberius, Drusus Cäsar Germanicus, (von Köln aus) über den Rhein gegen die Germanen, der zweite und dritte mit einer Flottenfahrt in die Emsmündung verbunden. Beim zweiten wird die Stätte der Niederlage des Varus berührt; beim dritten Sieg der Römer auf dem Campus Idisiaviso jenseits der Weser über Arminius, aber keine Unterwerfung des Landes. Die Flotte bei der Rückkehr durch Sturm zerstreut.

17.

Germanicus, von Tiberius abgerufen und nach dem Orient gesandt, setzt in Armenien einen König ein, macht Kappadokien zur römischen Provinz, gerät in Syrien mit dem Statthalter L. Calpurnius Piso in Streit. Sein Tod im 34. Lebensjahr (19 in Antiochia an Gift?) in Rom sehr beklagt.

In Deutschland Krieg zwischen Armin und Marbod, letzterer aus seinem Reiche vertrieben, findet bei den Römern Aufnahme († zu Ravenna). Armin wird von seinen eigenen Verwandten, die ihn des Strebens nach der Königsherrschaft beschuldigen, 37 Jahre alt, getötet (21).

23.

L. Aelius Seianus, Befehlshaber der Prätorianer (S. 122), erhebt sich zum übermächtigen Günstling des alternden Kaisers, der 27 seinen Aufenthalt dauernd auf der Insel Capreae (Capri) nimmt. Sejan vergiftet Drusus, den einzigen Sohn des Kaisers, und bewirkt die Verbannung der Agrippina, Witwe des Germanicus.

31.

Sturz Sejans; nach ihm werden viele Senatoren als Teilnehmer an seiner Verschwörung hingerichtet. Macro, nunmehr Praefectus praetorio, bleibt von der Willkür des mißtrauischen Kaisers abhängig.

37–68.

Das Claudische Herrscherhaus, durch Adoption mit dem Julischen verbunden:

Tiberius Claudius Nero. Nero Claudius Drusus. †37 n. Chr. †9 v. Chr. | _____________|_________ | | | Drusus †23 Drusus Germanicus. Tib. Claudius Nero. n. Chr. †19 n. Chr. †54. Gem. Agrippina. | ___________|________ | | | Octavia, Britanniens. Agrippina d. j., Caligula. | †41. | L. Domitius (Nero) †68.

37–41.

Caligula (Gaius Cäsar Germanicus),

der jüngste Sohn des Germanicus, von den Soldaten als Knabe Caligula (Stiefelchen) benannt, zeigt sich bald als grausamer (oderint, dum metuant!), jeder Schranke spottender Despot. Schwelgerei, Selbstvergötterung, unnütze Feldzüge nach der Rheingrenze und der gallischen Küste. Nach seiner Ermordung durch die Prätorianer wird von diesen zum Imperator ausgerufen sein Oheim

41–54.

Claudius (Tiberius Claudius Nero Germanicus),

jüngerer Bruder des Germanicus, ein wohlmeinender, aber schwacher Fürst, beherrscht von Günstlingen und von seinen Gemahlinnen: 1. der sittenlosen Messalina und, nachdem er diese (48) hat töten lassen, 2. der herrschsüchtigen Agrippina, Tochter des Germanicus.

43.

Beginn der Eroberung Britanniens unter dem Oberbefehl des A. Plautius (dessen Legat T. Flavius Vespasianus); der südliche Teil wird römische Provinz.

Unter Claudius’ Regierung werden außerdem folgende Provinzen eingerichtet: in Afrika Mauretania, im Orient Lycia und Thracia. Iudaea, von 40 vor Chr. bis 6 nach Chr. und dann wieder 41–44 nach Chr. abhängiges Königreich, wird wieder zur Provinz Syrien gezogen.

Agrippina überredet den Claudius, den L. Domitius, ihren Sohn aus früherer Ehe, zu adoptieren (bei der Adoption erhält er den Namen Nero) und zum Thronfolger zu ernennen an Stelle seines eigenen Sohnes Britannicus (von der Messalina), dessen Schwester Octavia zur Gemahlin Neros bestimmt wird. Als Neros Adoption den Kaiser gereut, vergiftet ihn Agrippina.

54–68.

Nero (Nero Claudius Cäsar Drusus Germanicus),

von den Prätorianern zum Imperator ausgerufen, in den ersten Jahren geleitet von dem Praefectus praetorio Afranius Burrus und seinem Lehrer L. Annaeus Seneca.

Er vergiftet (55) seinen Stiefbruder Britannicus, mit dessen Erhebung zum Imperator ihm Agrippina gedroht hatte, läßt (59) seine Mutter Agrippina selbst töten, verstößt seine Gemahlin Octavia, die er später ebenfalls töten läßt, und heiratet Poppaea Sabina, die Gemahlin Othos. Ausschweifungen und Grausamkeiten; er tritt öffentlich im Wettkampf als Wagenlenker, Schauspieler und Sänger auf. Kriechende Unterwürfigkeit des Senats,

61.

Aufstand in Britannien, von Suetonius Paulinus unterdrückt.

58–63.

Krieg gegen die Parther und Armenier. Nach Einnahme und Zerstörung von Artaxăta bringt Domitius Corbŭlo in Armenien den König Tiridates zur Anerkennung der römischen Oberhoheit.

64.

Eine sechstägige und bald darauf eine nochmalige dreitägige Feuersbrunst (nach unbegründetem Gerücht auf Neros Befehl angelegt) zerstört einen großen Teil der Stadt Rom. Nero beschuldigt die Juden und die Christengemeinde Roms der Brandstiftung und verhängt grausame Strafen über sie (erste Christenverfolgung). Großartige Neubauten in Rom, breitere Straßen. Der Kaiserpalast wird vom Palatin bis über den Esquilin ausgedehnt (domus aurea).

65.

Verschwörung des C. Calpurnius Piso entdeckt, viele Hinrichtungen; Seneca genötigt, sich selbst zu töten.

68.

Aufstand in Gallien (C. Julius Vindex) und im diesseitigen Spanien, dessen Statthalter, der 73jährige Sulpicius Galba, zum Imperator ausgerufen wird. Nero, erst kürzlich von einer großen Kunstreise nach Griechenland zurückgekehrt, flieht und tötet sich auf dem Landgute eines seiner Freigelassenen in der Nähe von Rom.

Das Reich wird nach dieser verderblichen Regierung abermals durch Bürgerkriege zerrüttet:

68–69. Juni–Jan.

Galba (Servius Sulpicius Galba),

der sich bald durch unzeitige Strenge und Sparsamkeit verhaßt macht. Die Prätorianer ermorden ihn und erheben an seiner Stelle

69. Jan.–Apr.

Otho (Marcus Salvius Otho),

einen ehemaligen Günstling Neros. Schon vorher war von den Legionen am Rhein zum Imperator ausgerufen

69. Apr.–Dez.

Vitellius (Aulus Vitellius),

der, nachdem seine Legaten den Otho bei Bedriacum (östlich von Cremona) besiegt haben und dieser sich selbst getötet hat, in Rom einrückt und die Stadt zum Schauplatze seiner Prasserei und Verschwendung macht. Er wird bei einem Straßenkampf in Rom umgebracht.

69–96.

Die drei Flavier:

69–79.

Vespasianus (Titus Flavius Vespasianus),

besonders auf Betreiben des Statthalters von Syrien, Licinius Mucianus, zum Imperator ausgerufen, während er in Palästina seit 66 gegen die aufständischen Juden Krieg führt. Er übergibt seinem Sohne Titus den Oberbefehl und kommt nach längerem Aufenthalt in Alexandrīa nach Rom, wo inzwischen Vitellius durch das siegreiche Eindringen der Donauarmee (Antonius Primus) beseitigt ist. — Wiederherstellung der Mannszucht im Heere, der Ordnung in den Finanzen. Der Kaiser gibt das Beispiel strengerer und einfacher Sitte, sorgt für öffentlichen Unterricht von Staats wegen (Grammatik und Rhetorik).

69–71.

Aufstand der Batāver unter Claudius Civīlis,

einem ihrer Häuptlinge aus fürstlichem Geschlecht. Die Aufständischen geben anfangs vor, nicht gegen das römische Reich, sondern gegen Vitellius und für Vespasianus zu kämpfen. Dadurch gelingt es ihnen, einen Teil der römischen Soldaten für sich zu gewinnen. Civilis schlägt die Römer wiederholt und dringt, durch beutelustige rechtsrheinische Germanen unterstützt, weit in Gallien vor. Ein großer Teil der gallischen Völkerschaften fällt ihm zu; es tritt der Plan hervor, ein unabhängiges gallisches Reich zu gründen. Nachdem aber die Herrschaft Vespasians in Rom befestigt ist, macht Petilius Cerialis, begünstigt durch die unter den verbündeten Völkern ausgebrochenen Zwistigkeiten, dem Aufstand ein Ende und unterwirft ganz Gallien wieder der römischen Herrschaft.

70. (Septbr.)

Titus erobert und zerstört Jerusalem nach langer, hartnäckiger Verteidigung. Schreckliches Strafgericht über die zum Osterfest dort zusammengekommenen Juden. Triumphbogen in Rom errichtet im Anschluß an andere Bauten Vespasians (Templum Pacis; Amphitheatrum Flavium, auch Colosseum genannt).

78.

Gn. Iulius Agricola, Schwiegervater des Geschichtschreibers Tacitus, wird Statthalter in Britannien. Dem Vespasian folgt sein Sohn

79–81.

Titus (Titus Flavius Vespasianus),

der die ihm entgegengebrachten Befürchtungen durch milde und sorgsame Regierung glänzend widerlegt (»amor et deliciae generis humani«).

79.

Ausbruch des Vesuvs. Herculanĕum durch Lava, Pompeii durch Asche und Schlamm verschüttet (Ausgrabungen seit 1719 und 1748). Tod des älteren Plinius, Anführers der römischen Flotte in Misenum. — Dem Titus folgt sein ihm unähnlicher Bruder

81–96.

Domitianus (Titus Flavius Domitianus),

der mit der Zeit immer mehr zum habsüchtigen und grausamen Despoten wird.

84.

Feldzug gegen die Chatten. Im Anschluß daran wird der großartige Grenzwall (limes) zwischen dem mittleren Rhein und der oberen Donau (von Rheinbrohl bis Kehlheim) begonnen. Eins der dazu gehörenden Kastelle ist in der Saalburg wieder erstanden. Das dahinter liegende Land als Zehntland (agri decumates) mit der Provinz Germania superior (Hauptstadt Moguntiacum, Mainz) verbunden.

81–84.

Glückliche Feldzüge des Agricola in Britannien, die römische Herrschaft bis nach Schottland hinein ausgedehnt.

86–90.

Erfolgloser Krieg gegen die Dacier; Domitian soll vom Könige Decebălus den Frieden erkauft haben.

96.

Domitian durch eine Palastverschwörung ermordet.

96–192.

Nerva und seine Adoptivfamilie:

96–98.

Nerva (Marcus Cocceius Nerva),

ein 64 jähriger Senator, durch die Mörder Domitians und den Senat auf den Thron erhoben, stellt die Majestätsprozesse ab, ruft die Verbannten zurück, vermindert die Abgaben, legt den Grund zur Einrichtung der Alimentatio, d. h. Staatsunterstützung zur Erziehung der Kinder, in Italien. Er adoptiert und ernennt zu seinem Mitregenten und Nachfolger

98–117.

Trajan (Marcus Ulpius Traianus),

Statthalter der Provinz Germania superior, geboren 53 in der römischeu Kolonie Italica in Spanien, den ersten Nicht-Italiker auf dem Throne der Cäsaren. Trefflicher Regent und Feldherr. Großartige Bauten in Rom (Forum Traiani); Straßen und Häfen in den Provinzen, der Hauptteil des germanischen Grenzwalls gebaut.

101–107.

Unterwerfung des Landes Dacien (Rumänien und Siebenbürgen). Die römischen Legionen dringen aus Mösien und Pannonien (Kolonie Sirmium an der Save) über die Donau vor, erstürmen Sarmizegethusa, die Hauptstadt des Decebălus; eine steinerne Brücke wird (unterhalb Orsova) über die Donau gebaut. Decebalus unterwirft sich (102), doch wird 105 neuer Krieg nötig; 107 wird das Land römische Provinz. Ansiedlung zahlreicher Kolonisten, von denen die heutigen Rumänen abstammen. Darstellung des Krieges auf den Reliefs der Trajanssäule in Rom.

105.

Einrichtung der römischen Provinz Arabia durch den Statthalter von Syrien, A. Cornelius Palma, (das Land östlich und südlich von Damaskus und Judäa, bis zum Roten Meere; Hauptstadt Petra).

114–116.

Krieg Trajans gegen die Parther.

Der Neffe des Partherkönigs Chosroës wird aus Armenien vertrieben. Armenia, Mesopotamia, Assyria römische Provinzen. Trajan erobert Seleucia und Ktesiphon am Tigris, fährt zu Schiff den Tigris hinunter bis zum Persischen Meerbusen, setzt bei den Parthern einen Vasallenkönig ein, stirbt auf der Rückkehr in Cilicien.

117–138.

Hadrian (Publius Aelius Hadrianus),

von seinem Verwandten Trajan adoptiert. Friedliebend, auf sorgsame Verwaltung des Reiches bedacht, gelehrt und kunstliebend. Er gibt die neuen Provinzen Armenia, Mesopotamia und Assyria wieder auf, so daß der Euphrat die östliche Grenze des Reiches bildet, stellt in Mösien und Dacien die Ruhe wieder her, regiert in Rom in gutem Einverständnis mit dem Senat.

Rundreisen durch die Provinzen des Reiches (121–126, 129–134), um überall die Wohlfahrt zu fördern; sein Günstling und Begleiter Antinous; längerer Aufenthalt in Athen, wo er einen neuen Stadtteil anlegt und den Zeustempel (S. 36) vollendet. In Rom erbaut er den Doppeltempel der Venus und Roma; sein großes Grabmal Mausoleum Hadriani, jetzt die Engelsburg. Seine Villa bei Tibur (Tivŏli) mit prächtigen Gartenanlagen. In Britannien Grenzwall gegen die Picten und Scoten (von Newcastle bis zum Solwaybusen).

Sammlung der Edikte früherer Prätoren (Edictum perpetuum) durch den Rechtsgelehrten Salvius Iulianus; daran knüpft sich die weitere Ausbildung der Rechtsgelehrsamkeit, welche für den inneren Bestand des großen Reiches von der höchsten Bedeutung war.

132–135.

Aufstand der Juden wegen Anlegung der Kolonie Aelia Capitolina an der Stelle des zerstörten Jerusalem. Ihr Anführer Bar-Kochba. Verzweifelter Kampf; Niederlage und Zerstreuung der Juden. Eine christliche Gemeinde sammelt sich bald wieder an der heiligen Stätte; der Name Jerusalem wird später wieder hergestellt.

138–161.

Antoninus Pius (Titus Aurelius Antoninus Pius),

von Hadrian adoptiert. Friedliche, segensreiche Regierung, jedoch die Grenzen des Reiches kräftig gegen die Angriffe der Barbaren geschützt. Zweiter Grenzwall in Britannien (vom Forth zum Clyde). Gemäß der von Hadrian festgesetzten Erbfolgeordnung folgt ihm sein Neffe

161–180.

Marcus Aurelius Antoninus, weiser und tätiger Regent, hochgebildet (Schüler des Redners Cornelius Fronto), stoischer Philosoph, bis 169 gemeinschaftlich mit seinem Adoptivbruder, dem ausschweifenden Lucius Verus.

162–165.

Krieg gegen die Parther, unter Oberleitung des L. Verus, der sich aber bald in Antiochia dem Wohlleben hingibt, während seine Legaten den Krieg glücklich führen. Ein Teil Mesopotamiens wird wieder römische Provinz (S. 130).

166–180.

Krieg mit den Markomannen und Quaden (in Böhmen).

Marcus Aurelius kämpft mit wechselndem Glück gegen die immer von neuem andringenden Barbaren. Während eines kurzen Friedens mit ihnen Besiegung des aufständischen Avidius Cassius in Syrien, 175. Triumph in Rom 176; der Senat errichtet dem Kaiser eine Reiterstatue, die noch heute das Kapitol schmückt. Ehe es dem Kaiser gelingt, die Grenze des Reiches an der Donau völlig zu sichern, stirbt er in Vindobŏna (Wien). Ihm folgt sein entarteter Sohn

180–192.

Commodus,

der mit den Germanen Frieden schließt und sich in Rom, die Regierung meist den Praefectis praetorio (S. 122) überlassend, Ausschweifungen und seinem immer mehr hervortretenden Hange zu Grausamkeiten hingibt. Er wird endlich von seiner Umgebung ermordet.

Silbernes Zeitalter der römischen Literatur.

Philosophische Schriften und Briefe des Stoikers L. Annaeus Seneca († 65); sein Neffe M. Annaeus Lucanus verfaßt ein Epos Pharsalia. Epigramme des Martialis, Satiren des Persius und Iuvenalis. M. Fabius Quintilianus Lehrer der Rhetorik, Verfasser der Institutio oratoria. Ein Werk umfassender Gelehrsamkeit ist die Naturalis historia des C. Plinius Secundus († 79). Briefsammlung seines Neffen, des jüngeren Plinius, welcher mit dem Geschichtschreiber Cornelius Tacitus († 117), dem hervorragendsten Schriftsteller dieser Zeit, befreundet war; Tacitus’ Germania 98, Plinius Statthalter in Bithynien 111. — Kaiserbiographien des C. Suetonius.

Nachblüte der griechischen Literatur.

Unter Augustus der Geograph Strabo aus Amaseia in Pontus, der Altertumsforscher Dionysios von Halikarnaß, beide in Rom. Unter Trajan und Hadrian der Philosoph und Geschichtschreiber Plutarchos von Chaironeia, der Perieget Pausanias. Um 150 der Geograph Ptolemaios zu Alexandrīa, um 180 der Satiriker Lukianos von Samosata, um 220 der Geschichtschreiber Cassius Dio.

Ausbreitung des Christentums.

Wirksamkeit der Apostel im ersten Jahrhundert. Paulus predigt in Antiochia (42), in Athen und Korinth (53), in Ephesos (55), wird 61 nach Rom geführt, erleidet dort gleichwie Petrus den Märtyrertod. Verfolgungen im zweiten und dritten Jahrhundert können die zahlreichen christlichen Gemeinden nicht ausrotten; das Beispiel der Märtyrer (Ignatius Bischof von Antiochia 115, Polykarpos Bischof von Smyrna 167 und viele andere) wirkt erhebend. Christliche Schriftsteller: Clemens, Bischof von Rom (um 90), Clemens in Alexandria (200), Tertullianus in Karthago (200), Origenes in Alexandria (230), Cyprianus in Karthago (230), Lactantius in Nicomedia (300), Eusebios, Bischof von Cäsarea (330), Augustinus, Bischof von Hippo Regius (354–430), s. S. 141.

193–284.

Zeit der Soldatenkaiser.

Der Mangel einer festen Erbfolge stürzt das römische Reich oftmals in Verwirrung; dennoch behauptet es sich noch lange gegen die andringenden Barbaren. Nach den kurzen Regierungen der von den Prätorianern erhobenen Kaiser Pertinax und Didius Iulianus folgt der von den illyrischen Legionen zum Kaiser ausgerufene Statthalter von Pannonien

193–211.

Septimius Severus,

welcher vom Senat anerkannt wird und sich gegen die anderen Prätendenten (Pescennius Niger im Orient, Clodius Albinus in Britannien und Gallien) behauptet. Umwandlung der bisher aus Italikern bestehenden Prätorianer in eine aus allen Provinzlegionen sich ergänzende Truppe. Verbesserung der Rechtspflege (die Juristen Papinianus, Ulpianus, Paulus). Erfolgreicher Krieg gegen die Parther, ihre Hauptstadt Ktesiphon 197 zerstört; die Provinz Mesopotamien wiederhergestellt. (Hauptstädte Edessa und Nisibis). Zug nach Britannien 208; der Grenzwall Hadrians wiederhergestellt. Septimius stirbt in Eburācum (York). Sein Sohn

211–217.

Caracalla (M. Aurelius Antoninus)

ermordet seinen Bruder und Mitregenten Geta mit Tausenden seiner Anhänger, darunter Papinianus. Durch die Constitutio Antoniniana 212 Erteilung des römischen Bürgerrechts an alle freien Provinzialen. Aber auch von der Grausamkeit und Habsucht des Kaisers werden die Provinzen in weitem Umfange betroffen (das Blutbad in Alexandrīa 215).

Caracalla bekämpft 213 die Alamannen jenseits des Grenzwalls, 214 die Goten an der unteren Donau, greift 216 die Parther an, wird in Mesopotamien auf Anstiften des Praefectus praetorio Macrinus ermordet. Dieser, vom Heere zum Nachfolger erwählt, erkauft von den Parthern den Frieden. Die Soldaten rufen zum Imperator aus den 14jährigen Varius Avitus Bassianus, genannt

218–222.

Elagabălus, Sonnenpriester zu Emĕsa in Syrien, der für einen Sohn Caracallas ausgegeben wird. Macrinus, bei Antiochia besiegt, wird in Kleinasien verhaftet und hingerichtet. Elagabalus überläßt sich in Rom den schändlichsten Ausschweifungen; die Regierung führt seine Großmutter Julia Maesa, Schwester der Mutter Caracallas. Er wird von den Prätorianern ermordet; ihm folgt sein Vetter

222–235.

Alexander Severus,

von den besten Absichten beseelt, aber schwankend und nicht energisch, geleitet von seiner Mutter Julia Mamaea, Tochter der Julia Maesa, und von den Rechtsgelehrten Domitius Ulpianus und Julius Paulus. Seine Maßregeln zur Herstellung der Mannszucht im Heere veranlassen Empörungen; bei einer derselben wird Ulpianus, der Befehlshaber der Prätorianer, ermordet.

226.

Infolge der Auflösung des Partherreiches unter den Arsakiden (S. 65) und Stiftung des Neupersischen Reichs (Dynastie der Sassaniden) erwächst dem römischen Reiche ein neuer gefährlicher Feind im Orient, doch wird im Kriege (231–33) die Reichsgrenze vorerst noch behauptet, Nach Ermordung des Alexander Severus am Rhein erheben die Soldaten auf den Thron ihren Feldherrn

235–238.

Maximinus Thrax,

einen Thraker von außerordentlicher Größe und Stärke. Siegreicher Zug über den Rhein, dann nach der untern Donau. Unterdessen wird in Afrika zum Imperator ausgerufen der 80jährige Senator Gordianus I., der seinen Sohn Gordianus II. zum Mitregenten ernennt, bald aber sich selbst tötet, nachdem der Sohn in Afrika kämpfend gefallen. Maximinus, vom Senat für abgesetzt erklärt, wird bei der Belagerung von Aquileia von den Soldaten getötet. — Die Prätorianer erheben Gordians I. Enkel, Gordianus III., auf den Thron. Dieser wird nach glücklicher Beendigung eines Krieges gegen die Neuperser 244 ermordet auf Veranlassung des Praefectus praetorio Philippus Arabs, eines Mannes von semitischer Abkunft, welcher 248 das tausendjährige Bestehen des römischen Reiches feiert, 249 von den mösischen Legionen unter ihrem Feldherrn Decius besiegt und getötet wird. Unter diesem Kaiser

250.

Allgemeine Christenverfolgung, nachdem man längere Zeit die Christen hatte gewähren lassen. Decius schlägt die Goten, welche Thrakien plündern, verliert aber Sieg und Leben, als er sie nach der Donau hin verfolgt (251). Die Legionen erwählen den Feldherrn Gallus, unter dessen ebenfalls kurzer Regierung die Pest in mehreren Provinzen des Reiches wütet. Er wird 253 ermordet von dem gegen die Goten siegreichen Aemilianus, dieser nach kaum 4 Monaten von

253–260.

Valerianus,

der seinen Sohn Gallienus zum Mitregenten annimmt. Beide kämpfen gegen die fortwährend erneuten Einfälle germanischer Heerhaufen, namentlich der Franken in Gallien und Spanien, der Alamannen in Ober-Italien (bei Mailand besiegt), der Goten in die Balkan-Halbinsel und Kleinasien. Unglücklicher Feldzug des Valerianus gegen die Perser; er wird bei Edessa geschlagen, gefangen und (als 70jähriger Greis) bis zu seinem Tode von dem König Sapores als Sklave umhergeschleppt. Gegen ihn und seinen Sohn

260–268.

Gallienus

tritt eine große Anzahl von Gegenkaisern auf, während die Barbaren ihre Einfälle in das römische Gebiet fortsetzen. Längere Zeit behaupten sich Postumus in Gallien und Odaenathus (aus Palmȳra) in Syrien. Letzterer wird von Gallienus als Mitregent für den Orient anerkannt; nach seiner Ermordung (267) herrscht seine Gemahlin Zenobia in Palmȳra. Gallienus wird vor Mediolanum, wo er den Prätendenten Aureŏlus belagert, von Verschwörern ermordet. Diese erheben auf den Thron

268–270.

Claudius II.,

einen erfahrenen Feldherrn, der nach Hinrichtung des Aureolus die Alamannen am Gardasee, die Goten bei Naissus in Mösien (an der Morawa) besiegt. Ihm folgt

270–275.

Aurelianus, der Hersteller des Reiches (Restitutor orbis). Er schließt mit den Goten Frieden, indem er die Provinz Dacien aufgibt. Die Donau von jetzt ab Reichsgrenze; der größte Teil der römischen Kolonisten wird nach Mösien zurückversetzt. Aurelian vertreibt die abermals in Italien eingedrungenen Alamannen und Markomannen und beginnt zum Schutze Roms vor den Barbaren den Bau einer neuen Stadtmauer, welche die erweiterte Kaiserstadt umfaßt. Er unterwirft Syrien, belagert und zerstört Palmyra (273), nimmt Zenobia gefangen und erobert Ägypten wieder. Nachdem er so den Orient unterworfen, wendet er sich gegen Tetricus in Gallien, der, bei Châlons besiegt, sich ergibt. Nach kurzem Aufenthalt in Rom reist er wieder in die östlichen Provinzen, wird aber unweit Byzanz von Verschwörern ermordet. Auf Ansuchen des Heeres ernennt der Senat in Rom zum Augustus den 75jährigen Senator

275–276.

Tacitus,

der die Alanen und Goten, welche in Kleinasien eingefallen waren, schlägt, aber bald von den Soldaten ermordet wird.

276–282.

Probus

schlägt am Rhein die Franken und Alamannen, an der Donau die Burgunder, Vandalen und Goten zurück, stellt den Grenzwall (limes) zwischen Rhein und Donau wieder her, fördert den Weinbau in Gallien, am Rhein und an der Mosel, sichert auch Syrien und Mesopotamien gegen die Perser. Starke Ansiedelung von Barbaren in den Grenzgebieten des Reiches. Als er in Pannonien die Soldaten zu Kanal- und Wegebauten nötigt, wird er bei Sirmium von ihnen erschlagen,

282–284.

Carus

besiegt an der unteren Donau die Sarmaten und dringt, während der germanische Grenzwall mit den agri decumates an die Alamannen verloren geht, erfolgreich gegen die Perser vor, stirbt aber bald nach der Einnahme von Ktesiphon (vom Blitze erschlagen?). Das heimkehrende Heer wählt in Chalkēdon zum Kaiser den Feldherrn

284–305.

Diocletianus,

welcher dem römischen Reiche eine neue Verfassung gibt auf Grund der unbeschränkten Monarchie. Der Senat verliert allen Einfluß auf die Regierung, Rom nicht mehr Wohnsitz des Kaisers. Strenges Hofceremoniell nach orientalischer Art. Der Kaiser trägt das Diadem, läßt sich mit Dominus anreden. Neuordnung der Verwaltung, die Provinzen verkleinert und an Zahl vermehrt (101 Provinzen, in 12 Diöcesen geordnet; auch Italien in Provinzen geteilt). Steigender Abgabendruck. Zum Mitregenten (mit dem Titel Augustus) ernennt Diocletian, indem er sich außer der allgemeinen Oberleitung die Regierung des Ostens vorbehält (Residenz Nicomedia in Bithynien), seinen Waffengefährten Maximianus (Residenz Mediolanum, Mailand).

293.

Diocletian ernennt zwei Cäsaren: 1. Constantius Chlorus, der seine Gemahlin Helĕna, eine Christin, verstoßen und die Stieftochter Maximians heiraten muß; er erhält die Verwaltung von Gallien, Britannien und Spanien (Residenzen Augusta Treverorum (Trier) und Eburācum (York)), während Maximianus die Verwaltung von Italien und Afrika behält; 2. Galerius, welcher Diocletians Schwiegersohn wird und die Verwaltung von Illyricum (mit Makedonien und Griechenland, Residenz Sirmium a. d. Save) übernimmt.

Die vier Regenten sorgen im Einverständnis miteinander für die Verwaltung und den Grenzschutz, Diocletian selbst namentlich in Ägypten, Galerius am Euphrat gegen die Perser. Der Tigris als Grenzfluß festgesetzt. Edictum de pretiis 301 zur Abstellung des Wuchers. Glänzende Bauten in Trier.

303.

Allgemeine Christenverfolgung, durch Constantius in seinen Provinzen gemildert.

305.

Diocletian († 313 in Salona in Dalmatien) und Maximian danken ab, Constantius und Galerius werden Augusti; letzterer setzt die Christenverfolgung fort. Die beiden nach seinem Vorschlag von Diocletian ernannten Cäsaren kommen nicht zu Ansehen; in den westlichen Provinzen übernimmt 306 Constantinus, Sohn des Constantius und der Helena, nach dem Tode des Vaters die Regierung, in Rom erheben die Prätorianer Maxentius, den Sohn Maximians.

312.

Nach Galerius’ Tode Krieg zwischen Maxentius und Konstantin; dieser dringt in Italien ein und siegt bei Turin und bei Saxa rubra unweit Rom (hoc signo vince!); Maxentius ertrinkt auf der Flucht im Tiber. Konstantin erkennt Licinius an, welchen Galerius zum Mitregenten des Ostens ernannt hatte, und erläßt 313 in Mailand ein Edikt zum Schutze der Christen. Nach einiger Zeit entsteht Krieg zwischen den beiden Herrschern; Licinius, 323 in zwei Schlachten, bei Adrianopel und bei Chalkēdon, besiegt, ergibt sich und wird 325 hingerichtet.

328–337.

Konstantin der Große Alleinherrscher.

Das Christentum wird vom Staate anerkannt und dem Heidentum gegenüber begünstigt.

325.

Erste allgemeine Kirchenversammlung (ökumenisches Konzil), unter Vorsitz des Kaisers zu Nicaea in Bithynien. Der Arianismus, d. h. die Lehre des Arius, ehemaligen Presbyters in Alexandria, von der Gott dem Vater nur ähnlichen Natur Christi wird verworfen; die Lehre des Athanasius (späteren Bischofs von Alexandria) von der Gott dem Vater gleichen Natur Christi wird durch das Symbŏlum Nicaenum zum Dogma der Kirche erhoben.

330.

Konstantin erwählt Byzantium unter dem Namen Constantinopolis zur Hauptstadt. Die Reichsverwaltung wird auf den von Diocletian geschaffenen Grundlagen abschließend geordnet; Einteilung in 4 Präfekturen (Oriens, Illyricum, Italia, Galliae), mit 14 Diöcesen und 117 Provinzen. Strenge Rangordnung der Beamten, 7 Minister bekleiden die obersten Hofämter, Staatsrat (consistorium principis), Trennung der Zivil- und Militärgewalt. Neue Abgabenordnung. Abschaffung der Prätorianer. Verminderung der Truppenzahl der Legionen, dafür Erhöhung der Anzahl der Legionen auf 175. Den Oberbefehl führen 2 Kronfeldherren (magistri militum), 5 magistri der Reiterei und des Fußvolkes, unter ihnen stehen die Comites und Duces (Grafen und Herzoge).

Konstantin empfängt kurz vor seinem Tode die Taufe und teilt die Verwaltung des Reiches unter seine drei Söhne als Augusti und zwei Neffen als Cäsaren. Nachdem er in Nikomedia gestorben ist, werden die beiden Cäsaren getötet. Die drei Augusti geraten bald in Streit: Constantinus II. wird 340 bei Aquileia erschlagen, als er gegen Constans, der in Italien herrscht, zu Felde zieht. Constantius II. schützt den Osten gegen die Perser, vereinigt nach Constans’ Tode 350 das ganze Reich. Sein Vetter Julianus besiegt als Statthalter Galliens 357 die Alamannen bei Argentoratum (Straßburg) und bekämpft erfolgreich die Franken; die Soldaten rufen ihn 361 zum Kaiser aus. Constantius stirbt auf dem Zuge gegen ihn.

361–363.

Iulianus, genannt Apostăta, weil er als Anhänger der heidnischen Philosophie (Schule der Cyniker) das Christentum verläßt und eine Wiederherstellung des heidnischen Götterdienstes in gereinigter Form versucht. Er muß bald einen Krieg gegen die Perser beginnen, besiegt sie bei Ktesiphon, stirbt aber auf dem Rückzuge an einer Wunde. Die Soldaten erheben zum Kaiser den Christen Iovianus, der mit den Persern Frieden schließt, aber schon 364 stirbt.

364–375.

Valentinianus, in Nicaea erwählt, ebenfalls Christ, teilt abermals das Reich, ernennt seinen Bruder Valens, einen Arianer, zum Mitregenten für den Osten; beide um gute Verwaltung des Reiches bemüht. Herabsetzung der Steuern. Edikt gegen die Schenkungen an den Klerus und die Kirche. Religiöse Duldung auch gegen die Heiden geübt. Die Regierung des Westens übernimmt 375 Valentinians Sohn Gratianus, schon vorher Mitregent.

375.

Beginn der Völkerwanderung (s. S. 140). Nachdem Valens bei Adrianopel (378) gegen die Westgoten gefallen ist, erhebt Gratianus den Spanier

379–395.

Theodosius zum Mitregenten und übergibt ihm die Verwaltung des Ostens. Theodosius schreitet mit wachsender Entschiedenheit gegen das Heidentum ein. Gratian fällt 383 im Kampfe gegen den in Britannien von den Soldaten erhobenen Maximus; Theodosius erkennt diesen als Herrscher des Westens an, doch soll Italien dem Bruder Gratians, Valentinian II., verbleiben. Als Maximus dennoch in Italien eindringt, wird er 388 von den Truppen des Theodosius in Aquileia getötet. Gute Reichsverwaltung, glänzende Bauten in Konstantinopel. 381 Konzil zu Konstantinopel. Die athanasianische Lehre als allein berechtigt anerkannt.

390.

Aufstand in Thessalonike, von Theodosius grausam bestraft; 7000 Menschen im Cirkus getötet. Deshalb schließt der Bischof Ambrosius von Mailand den Kaiser von der christlichen Kommunion aus, bis er (8 Monate später) öffentlich Buße getan hat.

392.

Allgemeines Verbot der heidnischen Opfer, die sich auf dem Lande länger halten als in den Städten; die Heiden werden in dieser Zeit pagani genannt. Letzte Feier der Spiele zu Olympia (s. S. 30).

394.

Theodosius siegt bei Aquileia über den Franken Arbogast, der Valentinian II. gestürzt und getötet und einen Schattenkaiser ernannt hat. Das römische Reich nochmals vereinigt.

395.

Bleibende Reichsteilung nach Theodosius’ Tode. Sein älterer Sohn

Arcadius erhält das oströmische Reich (395–1453), auch byzantinisches oder griechisches Kaisertum genannt; Hauptstadt: Byzanz oder Konstantinopel.

Honorius, der jüngere Sohn, erhält das weströmische Reich (395–476); Hauptstadt Rom, seit 402 Ravenna kaiserliche Residenz. Die Grenze bildet etwa die Verlängerung der Linie Budapest-Draumündung.

Beide Reiche werden durch das Eindringen germanischer Völker gefährdet; der größte Ansturm wendet sich gegen das weströmische.

395–423.

Honorius, anfangs unter Vormundschaft des Vandalen Stilicho, unfähig, das Reich zu schützen.

425–455.

Valentinian III., lange unter Vormundschaft seiner Mutter Placidia, sieht sich auf den unsicheren Besitz Italiens beschränkt. Auf ihn folgen in schnellem Wechsel ohnmächtige Kaiser, die teils von dem Sueben Ricimer († 472), dem Anführer der germanischen Soldtruppen, teils vom oströmischen Kaiser ernannt werden. Zuletzt wird

476.

Romulus Augustus, der Sohn eines Feldherrn Orestes aus Pannonien, von den Truppen seines Vaters auf den Thron erhoben, jedoch von Odovakar, dem Anführer der germanischen Truppen, abgesetzt. Odovakar beherrscht Italien, dem Namen nach unter Oberhoheit des oströmischen Kaisers Zeno, der ihm den Titel eines Patricius verleiht und die Verwaltung der Diöcese Italien überträgt.

Notes in this chapter

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