← Table of contents
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879)

ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Reading edition

Neue Folge. Sechsundzwanzigster Jahrgang.

Adler aus dem Wappen des Germanischen Museums
Adler aus dem Wappen des Germanischen Museums

ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1879.

Nº 3.

März.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Emaillierte Gläser im germanischen Museum.

Illustration from Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge

Fig. 1.

Illustration from Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge

Fig. 2.

Mehr als alle urkundlichen Quellen gibt uns der Mönch Theophilus Einblick in die Glasfabrikation des Mittelalters, wenn er auch über die geographische Verbreitung, insbesondere in Deutschland, nichts berichtet. Ob er selbst, den man für einen Goldschmied ansieht, der am Schlusse des 11. und Beginn des 12. Jahrhunderts im Benediktinerkloster Helmershausen lebte[115], diese Kunst selbst geübt, oder nur durch Anschauen und Hören gelernt habe, geht aus seinen Worten nicht hervor; auch nicht, daß er sie in Deutschland üben gesehen, da er ja manche in Deutschland sicher nicht geübte Glastechnik, so die Fertigung der Mosaikwürfel durch die Griechen, beschreibt, auch von gläsernen Gefäßen spricht, welche die Griechen mit Gold und Silber verzieren. Die zweite, im 14. Kapitel des zweiten Buches beschriebene Art dieser griechischen Gläser zeigt aber nicht blos Verzierungen aus Gold und Silber, sondern auch mit Emailfarben (electrum), eben so wie das 15. Kapitel die Emaillierung von Thongefäßen nach griechischer Art lehrt. Daß auch bei uns solche emaillierte Gläser zur Zeit des Theophilus hergestellt wurden, dafür fehlt bis jetzt jeder Anhaltspunkt. Wohl aber nahmen die Araber jene Kunst von den Griechen an, und das ägyptische Glasgefäß des 13. Jahrhunderts, welches wir im Anzeiger, Jahrg. 1869, Sp. 225 ff., besprochen haben, ist ein Beleg hiefür; ja vielleicht sogar dafür, daß damals Griechen für die Araber thätig waren. In das Abendland mag diese Technik doch nicht durch die Beschreibung des Theophilus eingeführt worden sein, da ja doch nur praktische Arbeiter die Handgriffe genügend kennen, um die Industrie lebendig zu machen, vielmehr durch die Venetianer. Es ist uns ein unzweifelhaft echtes, wol dem 14. Jahrh. angehöriges Glas mit reicher, etwas derber Emailmalerei in gothischem Stile mit Inschriften in gothischen Majuskeln bekannt geworden, das vor einigen Jahren sich im Besitze eines Münchener Sammlers befand, aber leider nicht für unser Museum erworben werden konnte, da sich der Besitzer nicht davon trennen wollte, das aber doch kurze Zeit darauf um eine hohe Summe an die Sammlung Basilewsky in Paris übergieng. Der Stilcharakter war entschieden deutsch. Und dennoch mochte das Glas, das, so viel wir erfahren konnten, durch einen Alterthumshändler in Südtirol entdeckt wurde, venetianischen Ursprunges gewesen sein; denn es findet sich bis jetzt keine Spur ähnlicher Fabrikate in Deutschland bis zum 16. Jahrh. Damals machte Hirschvogel seine Anstrengungen, venetianisches Glas in Nürnberg herzustellen[116]. Es finden sich auch manche Glasgefäße mit emaillierten Verzierungen und Wappen nürnbergischer und anderer Geschlechter da und dort in Museen, insbesondere in dem unsrigen. Sie zeigen venetianischen Charakter, und es mögen auch die Verzierungen (die Wappen nach aus der Heimat eingesendeten Vorlagen) in Venedig selbst aufgeschmolzen sein. Nichts hindert uns jedoch, anzunehmen, daß ein Theil dieser Gläser von Hirschvogel und seinen unbekannten Nachfolgern hergestellte und bemalte Arbeiten sind. A. v. Eye hat im Jahrgang 1876 d. Bl., Sp. 163 u. 164 einen Glasteller und zwei Humpen mit den Haller’schen, Löffelholz-Volckamer’schen und Freiberg-Landschaden’schen Wappen besprochen. Wir bilden hier in Fig. 1 noch ein älteres solches Glas ab, an dessen italienischem Ursprung kaum zu zweifeln ist. Es gehörte demselben Andreas Imhof, aus dessen Besitz die Faïenceschaale stammt, die wir in diesem Blatte, Jahrg. 1873, Sp. 283 ff. beschrieben und abgebildet haben. Der heraldische Schmuck ist in drei Theile getrennt. Auf unserer Zeichnung ist der Imhof’sche Helm sichtbar. Der Imhof’sche Schild und ein gevierteter, welcher zweimal das Wappen der Schlaudersbach und jenes der Reich zeigt, stehen in gleicher Entfernung von einander wie vom Helme. Das Glas ist also nach 1526 entstanden, in welchem Jahre Imhof nach dem Tode seiner ersten Frau, Ursula Schlaudersbach, die Magdalena Reich heirathete. Bei seinen Beziehungen zu Italien dürfte wol das Stück venetianisch sein. Es hat 14 cm. Höhe.

Illustration from Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge

Fig. 3.

Entschieden deutsch ist die Malerei des in Fig. 2 dargestellten Glases, welches leider im Original nicht mehr existiert, vielmehr schon im Jahre 1857 als Opfer der Uebersiedelung der Museumssammlung aus dem Thiergärtnerthorthurm in die Karthause zerschlagen wurde, ohne daß es gelungen wäre, die Trümmer wieder zu kitten. Glücklicherweise erhielt sich aber eine große Zahl anderer entschieden deutscher Gläser mit Emailmalereien aus dem 16. und 17. Jhdt. Nur wenige tragen Jahreszahlen; die älteste vorkommende zeigt erst die Zeit der höchsten Blüthe des Industriezweiges, 1652. Das Wappen der nürnbergischen Patrizierfamilie der Kreß und, daran beiderseits anschließend, friesartig die Ansichten zweier Landsitze der Familie tragen zwei Gläser, die aus dem Besitze derselben stammen. Das in Fig. 3 abgebildete, mit Deckel 22,5 cm. hohe zeigt Kraftshof, das andere, um etwa 1,5 cm. weniger hohe Ketzelsdorf.

Der eigentliche Sitz dieser Industrie wurde indessen nicht Nürnberg selbst. Sie hatte im Fichtelgebirge und später in Thüringen ihre Heimat. Deshalb ist auch auf solchen Gläsern des 17. Jahrh. die Darstellung des Ochsenkopfes im Fichtelgebirge und der von demselben ausgehenden vier Flüsse so häufig. Auch der Reichsadler, dessen Flügel mit den Wappen der Glieder des Reiches belegt sind, der Kaiser und die Kurfürsten zu Pferde, in Brustbildern u. s. w. sind häufig dargestellte Verzierungen dieser Gläser. In Thüringen hatte sich die Industrie, freilich künstlerisch sehr herabgekommen, bis in unser Jahrhundert erhalten und ist zuletzt, auf Schnupftabak- (Bresil-) und Schnapsfläschchen reduciert, an den Bestrebungen zur Hebung des Kunstgewerbes durch die billig gelieferte, den heutigen Geschmack auch auf’s Land tragende Industrie zu Grunde gegangen, um wenige Jahre darauf in böhmischen Fabriken in zweifelhaften, theuern Imitationen alter Gefäße wieder zu erstehen.

Nürnberg.

A. Essenwein.

Fußnoten:

Aus der Hussitenzeit.

Aus italienischen Archiven.

(1434), 30. Mai, zwischen Böhm.-Brod und Kaurschim.

Nobilli et strenuo militi Col... ne de Derscka fratri meo dilecto obsequiis premissis. Frater karissime, notiffico et regraciantes deo (quod) bene valemus et Taboritas hodie omni adiuctorio dei et meritis sancti Wenczeslai prostrauimus et dampnum modicum de parte nostra percepimus, et de Taboritis magna multitudo interfecta est, et illorum numerum quot in loco remanserunt, nescimus quia a loco conflictus statim vlterius recessimus et captiuos plures aduximus, et de equestribus aliqui maiores, sed tamen pauci fugierunt et euasserunt et illa strages facta est inter opidum Buximá, et inter Brodam in illa planicie, et Pilznenses actiem duxerunt et primi agresi sunt eos, et directo tramite recesserunt cum curibus, et cum famillia mea sicut Proba (?) et Boni (?) sine intermissione et retrocessione. Propterea dulce frater, istis auditis istam stragem principibus notifficetis et si aliquem mittere poteritis ad cesaream maiestatem, illa serenitati sue sine mora significetis et etiam si iuuenis ille nuncius Capucor (!) venerit, mitatis eum in Karelstain, et ab inde requirens vbi fuerimus, veniet ad me vbi campum uel castra possuerimus, et vlterius nouiter per nuncium ad vos mississemus, sed ex(s)pe(c)tauimus et nuncium rettinuimus, volentes videre quem finem consequemur. Id circo credimus et confidimus illud quod in primis litteris post cenam scripsimus, quod hoc facietis, et insuper sinceriter rogo, si aliqui de familliaribus meis furtiue ad me decedentes ad domum venerint, quod ipsos castigabitis sicut quod in prima scriptum est vobis, et de gentibus armorum vere copiam habemus et validam multitudinem, et plures de die in diem conueniunt, et nichil alliud intelligimus nec speramus nisi quod in breui omnes ciuitates nobis subicientur et cum istis vos deo comendamus. Orate deum pro nobis et nos pro uobis. Datum inter Brodam et Cuxim iam post conflictum factum in sero Dominica post festum Corporis Christi.

Subscriptio mittentis qui personaliter fuit in conflictu Sdenko de Derscka... Horsoniensis.

1434, 1. Juni, .....

Excellentissimo et (in)victissimo principi (et) domino, domino Sixmundo dei gracia Romanorum imperatori semper augusto[117], Vngarie, Boemie, Cro(a)cie, Dalmacie etc. regi domino pregraciosissimo ego Conico etiam Luxa de Rusemberg (?) castellanus in Karelstain seruicia mea uestre serenitati fidelissima et constantissima omni tempore prediligo (!). Serenitati vestre notiffico quod de omnipotentis dei misericordia magna sine cuius potestate et voluntate nichil fieri potest, sed omnia per ipsum diriguntur, factum est quod inimici heri hora vesperarum intra monasterium Scaluze et opidum Chuxim a vestris fidellibus dominis baronibus et fidelli comunitate feliciter prostracti seu conteriti sunt, ita quod de fidelibus vestris pauci perierunt, et sic nouerit Serenitas[118] vestra pro certo quod in dominis baronibus et terigenis fidelles servitores habeat, et frequenter me aloquuti[119] sunt de serenitate vestra qui[120] ad nos fidellem et bonam intenctionem habent secundum quod hoc effetualiter ostendunt et vlterius ostendere intendunt, nec alliud intendunt facere nisi sicut serenitatis vestre[121] fidelles domini et seruitores, omnia volentes facere que pertinent ad dominum suum naturalem et graciosissimum. Dignetur igitur serenitas vestra manum suam large ad eos extendere et ipsis in subsidium aliquot millia florenorum transmittere et dare, ut opus inceptum ad honorem serenitatis vestre regnique illius et corone Boemie mellius terminare et ad bonum finem deducere (possint), et serenitas vestra in subsidium illius boni personam vestram non dignetur abstinere(?) sine mora quia cum adiutorio dei omnia bene procedunt et procedent cum serenitas vestra venire non tardauerit. Propterea serenitas vestra sciat qualiter illa victoria fuit facta de inimicis. Cum enim barones post victoriam habita de Noua civitate Pragenssi in Praga persisterent gentes congregantes, eodem tempore inimici de disposicione dei a Pilina recesserunt et se versus Pragam recipientes iuxta Nouum castrum aliquibus diebus castrametati essent, vlterius procedentes versus Coloniam(!) opidum, domini barones misserunt pro omnibus nobillibus vt in subsidium eorum contra inimicos venirent. Ibi dominus de Rossinberch gentem multam notabillem et exercitum ad campos expediuit, et domini barones et ciuitas Pilzenensis ectiam validam potentiam transmisit, et cum progrederentur versus Pragam sub castro Karlenstain, ibi ego et gentes meas expediui et fidellibus vestris seruitoribus quingentos equestres et pedestres et curos(!) triginta, et cum omnes suprascripti iuxta Pragam conuenissent, domini barones extra Pragam cum eisdem processerunt et cum valida potencia inimicos insecuti sunt, et sic de gracia dei et suo iuuamine illos prostrauerunt inter monasterium Scaluze et opidum Chuxim sicut predictum est. Propterea serenitatem vestram rogo quatenus velitis me et vestros fidelles seruitores qui mecum sunt in castro Karlistain ocullo pietatis respicere et subsidium transmittere et dare, quia deus nouit quod huius magnam indigenciam habemus, quia aliunde non habeo illos bonos homines stipendiare, nec ab aliquo allio preter a Serenitate vestra subsidia ex(s)pe(c)tamus, tamquam a domino nostro... et domino graciosissimo. Datum feria 2ª post festum Corporis Christi anni etc. XXXiiii. Subscriptio

Coniço etiam Luxa de Bussenz(?) castelanus in Karlenstein.

1434, 3. Juni, Horschowitz.

Serenissimo et invictissimo etc. Seruiciis premissis omni tempore subditus et paratus. Serenissime imperator et domine, domine graciosissime serenitati vestre notiffico regratiantes domino deo omnipotenti (quod) conteriti sunt et prostrati omnes Thaborite qui in campis iacebant contra vestros et nostros fidelles, secundum quod serenitas vestra in allia littera melius percipiet quam ministrabit auunculus meus quam vestre serenitati dirigo et mitto, et rogo serenitatem vestram tamquam dominum meum graciosissimum quatenus vellitis michi equum dirigere per nuncium Canpuchonem quia equi nostri in bello aliqui recesserunt et allii mortui sunt. Itaque ambo charemus equis ad equitandum. Datum... in Horsonienensis feria quarta ante octauam Corporis Christi anno etc. XXXIIII.

Subscriptio mitentis Sdenko Korli ... de Romsperg(?).

1434, 3. Juni. Nürnberg.

Reuerendissimo in Christo patri ac domino, domino Juliano miseracione diuina sancti Angelli cardinali appostolice sedis legato, domino meo singulariter gracioso.

Reuerendissime in Christo pater et graciosissime domine. Exultet sacrosancta sinodus, gaudeat ciuitas, popullus Christianus letetur et precipue animus vester de tam celebri et felici victoria quam dominus deus exercitui suis Christicolis contra hostes benedicti nominis sui missereri (!) concedere dignatus est. Nouerit igitur paternitas vestra reuerendissima quod die Dominica post festum Corporis Christi barones regni Boemie, ciuitatis Antique Pragensis et alliorum fidellium fulciti pressidio cum Taboritis et Orphanis campestribus in virtute altissimi bellum animosse agressi sunt, et per totam Dominicam predictam et noctem sequentem prelia continuando certarunt, et die Lune hora tercia diei bellum pro parte nostra auctore domino feliciter terminatum esse dignosscitur, et ceciderunt de parte Hussitarum vniuersi compestres numero XIIII millia, inter quos interempti sunt ille Zasocko capitaneus et Procopius es Lupus presbiterii subductores nequam, et septimgenti capti sunt et existunt carceribus mancipati, et de parte nostra quam altissimus protegere dignatus est perigerunt (!) dumtaxat ducenti, nec quibus clementia saluatoris missereri dignetur. Ceterum reuerendissime pater dirigo magnifficencie vestre copias duarum litterarum vulgarium materiam belli continencium vt in illis magnifficentia vestra nedum dulciter recreet[122], sed et hec noua verissima intimante domino meo singularissimo, domino auditori... et sinceritati sue integratis gaudeat feliciter in domino cui honor et gloria in secula seculorum amen. Scripta Nurinberg in octaua Corporis Christi anno etc. 1434.

Scripsit Sigismundus Stromer servitor vester humilis.

1434. 4. Juni, Ulm.

Reuerendissimis et venerabillibus in Christo patribus et dominis sacrosancte generali Basiligensis Sinodo in spiritu sancto legiptime congregate, ecclesiam vniuersalem representanti amicis nostris karissimis gr(aciosissimis et sin)cere nobis dilectis. Reuerendissimi in Christo patres et domini, amici karissimi, re.......ati sinceroque pure nobis dilecti. Hodie hora vesperarum confluxerunt ad nos nuncii qui in tribus et diebus cicius de Boemia volantissime applicuerunt, afferentes nobis iocundissima et felicissima noua de victoria nostrorum et conflictu Taboritarum[123] et illorum qui allias in obsidione ciuitatis Pilzensis erant, qui per dei graciam a quo omnis procedit victoria in planicie intra ciuitatem Chuxim et monasterium Scaluze forti bello cum modico dampno nostrorum victoriosse prostrati quarum litterarum aliquas originales vestris reuerendissimis paternitatibus mittimus presentibus intraclussas. Hec reuerendissimi patres volumus vestris paternitatibus pro singularissimo gaudio cun(c)tis Christi fidellibus obtantissime (!) nunciare, rogantes cordintime (!) quatenus altissimo domino nostro Jesu Christo infinitas agentes gratias cum processionibus et aliis solempnitatibus ad bonum et felicem progressum tam felicis principii epno ...... medii omni opera atque cura vigillare velitis, quoniam et nos similiter de agendis nil premittemus, et quecunque in futurum habuerimus vestris paternitatibus die no(c)tuque intimare curabimus. Datum Vlme die IIII. Junii, regnorum nostrorum anno Ungarie etc. quadragessimo octauo Romanorum XXIIII., Boemie XIIII., imperii vero secundo.

Subscripcio mittentis Sixmundus dei gracia Romanorum imperator semper augustus, ac Vngarie et Boemie (rex).

Gleichzeitige Copieen auf einem Doppelblatt im Besitze des Dr. Vinc. Joppi zu Udine.

Graz.

Dr. J. von Zahn.

Fußnoten:

Martin Behaim.

In der Norikasammlung des Unterzeichneten befindet sich eine Federzeichnung, welche eine Insel mit hohem Berge darstellt, an dessen Fuß an einer Bucht eine Stadt liegt. Im Hafen ankert eine Galeere; eine andere eilt, von Rudern getrieben, ebenfalls demselben zu. Diese Zeichnung ist geistreich und keck hingeworfen und nur ganz wenig mit Wasserfarben laviert. In der linken Ecke unten liest man in den Schriftzügen des fünfzehnten Jahrhunderts: Martin Beheim Eqs in insul Faïal 1479. Dieses Blatt stammt aus dem 1841 versteigerten Nachlasse des Gallerie-Conservators Freihrn. Haller von Hallerstein und trägt alle Merkmale der Echtheit. Damit wäre nachgewiesen, daß Martin Behaim bereits im Jahre 1479 in Portugal war. Bekanntlich datiert sein letztes Schreiben an seinen Oheim Leonhard Behaim zu Nürnberg vom 8. Juni dieses Jahres aus Antwerpen, und schon 1481 finden wir den jungen Mann als Mitglied der nautischen Commission, welche König Johann in Lissabon zum Zwecke von Vorschlägen für eine Entdeckungsreise berufen hatte. Zum Ritter soll Martin Behaim im Jahre 1485 geschlagen worden sein, und 1486, nach der Rückkehr von seiner längeren Seereise mit Diego Caõ, verheirathete er sich mit der Tochter des Statthalters von Fayal Joz von Hurter, konnte somit 1485 nicht in Portugal anwesend gewesen sein.

Man wird der Wahrheit ziemlich nahe kommen, wenn man annimmt, daß Martin Behaim mit Joz von Hurter, den er in den Niederlanden kennen gelernt hatte, im Sommer 1479 nach Fayal gereist ist, wo eine niederländische Kolonie war, vielleicht um da den Rest seiner Tuche zu verkaufen; bei dieser Gelegenheit hat er die Insel mit der Hafenstadt in sein Skizzenbuch gezeichnet und dieses Blatt, etwa bei seiner Anwesenheit in Nürnberg 1491, einem Verwandten, vielleicht seinem Vetter Michael, zum Andenken geschenkt, der dann den Namen und das Jahr der Entstehung auf die Zeichnung schrieb. Die Frage: wann Martin Behaim nach Portugal gekommen, welche in Dr. Ghillany’s Werk noch als eine offene behandelt ist, scheint demnach jetzt gelöst.

Nürnberg.

Georg Arnold.

Urkundliche Beiträge zur Künstlergeschichte Schlesiens.

V. Neisse.

Das Hauptdenkmal mittelalterlicher Baukunst in dieser alten Bischofsstadt (darum auch das schlesische Rom geheißen) ist die kath. Pfarrkirche zu St. Jacob mit ihrem abseits stehenden hohen Glockenthurme, wovon „Schlesiens Vorzeit“ im Jahrgang 1872 eine Abbildung und im vorangehenden eine Besprechung bringt. Die älteste Anlage ist nicht bekannt[124]; vielleicht war an einer späteren thätig der magister operis Gerardus, welcher 1307 im Neißer Lagerbuch (I, 36) und im Formelbuche des Arnold von Protzan erwähnt wird. Als Meister des bestehenden, in der Hauptmasse dem 15. Jahrh. angehörigen Gebäudes gilt Peter von Frankenstein, über den mir augenblicklich besondere Notizen nicht zu Gebote stehen. Zwölf Gattungen von Steinmetzzeichen an den verschiedenen Portalen lassen sich constatieren.[125] Ueber dem Eingange zum Glockenthurme steht in Minuskeln die Zahl 1474[126]; auch das oberste Stockwerk ist zweimal datiert: auf der Westseite unter dem Wappen des Bischofs Johannes V. MDXV[127], auf der Südseite 1516, wobei der Buchstabe H zwischen zwei Monogrammen angebracht ist. Ueber die Renaissancedenkmäler der Pfarrkirche in der Stadt überhaupt hat sich Lübke, a. a. O. II, 686 ff. verbreitet[128]. Auf der Nordseite der Kirche liegt das sog. Benedictenhaus, über dessen östlichem Eingange ein Mettertienbild[129] nebst dem bischöflichen Wappen, 1513 datiert, in Stein ausgehauen ist; auf der Westseite erblickt man dasselbe Wappen (mit dem halben Löwen und drei Rosen darunter), von zwei Engeln (Renaissancegestalten) getragen, mit der Dedicationsinschrift: . V . . . DIVE . ANNE . EREXIT . M . D . XIII. Die Baumeister sind vorläufig alle unbekannt. Von älteren Neißer Architekten kennt man noch den Michael Glocz, welchem der Magistrat von Brieg die Anfertigung des Gesperres an der Dominikanerkirche auf dem Sperlingsberge um 55 Mark und 1 „Parchan“ 1410 verdingte. (Stdtb. 1, 122). Um 1570 war in Neiße Meister Benedict Stadtmaurer, dessen Tochter Anna 1578 aus Brieg ausgewiesen wurde. (Urgichtbuch 112 a). Auch ein italienischer Baukünstler Hans Baptista, Italus, Meurer, welcher 1545 in Breslau Bürger wurde, lebte um 1550 in Neiße. Er arbeitete wahrscheinlich mit dem Steinmetzen Hans Bernhard von Verona an dem Schloßbau des Hertwig Seidlitz auf Töppliwoda[130] (Schultz, Wälsche Maurer S. 147). 1671 baute Melchior Werner von Neiße das jetztstehende Gebäude des Klosters Rauden (cf. oben).

IO mit Omega darüber
IO mit Omega darüber
EP mit Omega darüber
EP mit Omega darüber
VRA mit Omega darüber
VRA mit Omega darüber

Ueber ältere Maler in Neiße[131] sind nur spärliche Notizen zu bringen. Nicolaus Spigeler pictor de Nisa und seine Frau Clara kaufen 1413 3 Mark Zins vom Kloster Heinrichau[132], desgleichen 1417 7 m. und außerdem für sich und nach ihrem Tode für „Meister Hannose moler“ zu Neiße 4½ m. Zins. Der vollständige Name des Letzteren lautet 1413 Johannes Slaup pictor, welcher in diesem Jahre mit seiner Frau Barbara 5 m. vom Kloster kaufte. (Staatsarchiv: Heinrichauer Diplomatar D. 185 f. 15 b. 16 a. 20 b.) Von dem „schlesischen Apelles“ Willmann hängen in der Pfarrkirche folgende Bilder: Christus am Kreuz, Sturz der bösen Engel, Martyrium des Bartholomäus. (Knie, a. a. O. 880). — Von Goldschmieden kenne ich Balthasar Guldener, Bürger zu Neiße, welcher 1612 bereits todt war; sein gleichnamiger Sohn, ebenfalls Goldschmied, wurde 1613 in Brieg aufgeboten. (Aufgebotsbuch der Brieger Nicolaikirche.) — Nach derselben Quelle lebte um 1600 in Neiße der Buchdrucker Andreas Reinheckel, dessen Tochter Anna 1613 Stieftochter des kunstreichen Herrn Caspar Siegfried, Buchdruckers zu Brieg, genannt wird[133]. — Glockengießer beschäftigte Neiße ehedem folgende: 1419 gießt Meister Jörge, Kupferschmied, eine Glocke für die Brieger Pfarrkirche und bekommt für den Centner ½ Mark und alle Geräthe außerdem. (Br. Stadtb. I, 122). Für dieselbe Kirche verfertigte 1503 der Gelbgießer Barth. Lindenradt aus Neiße die große Glocke, welche Bischof Johannes Roth von Breslau taufte. (Stdtb. II, 11). Derselbe Meister goß sie fünf Jahre später noch einmal, und sie wurde zwölf Tage nach der Vollendung auf den Thurm gezogen und mit den andern Glocken in ein neues Gestühle durch Meister Leonhard von Romberg aufgehängt. (ebda. 11 b.) Auch einen Seigermeister, Georg Pfuhl, berief man aus Neiße nach Brieg, welcher 1535 die Rathsuhr verfertigte; man hatte ihm dafür 2 alte Uhren und 44 Gulden (à 3 Flor.) gegeben (ebda. 35)[134]. Um 1680 und 1712 gossen für Neiße und nach auswärts Matthias Munse und Heinr. Josef Reichel. (Vorzeit, B. 29, S. 66) — Der sogen. schöne Brunnen auf der Breslauer Straße, eine prächtige Schmiedearbeit, von dem Schlesiens Vorzeit 1870 eine Abbildung bringt, trägt die Inschrift: „Aus Belieben eines löblichen Magistrats machte mich Wilhelm Helleweg, Zeugwarter, anno 1686.“ Doch ist das Wort „machte“ kaum wörtlich zu nehmen, da der Zeugwart nur zu den Unterbeamten des Raths zählte und die Waffen der Stadt zu beaufsichtigen hatte; es dürfte darum jener Name aus Lübke’s Künstlerverzeichniß a. a. O. 983 zu streichen sein.

Es sei zum Schlusse noch gestattet, einige schlesische Künstler, die sich nicht anderweitig hatten unterbringen lassen, aus Angaben der Brieger Kirchenbücher nachzutragen:

1588 stirbt auf dem Pfarrhofe zu Brieg Michael Brisen, Maler, von Pitschen. (Todtenb.) Im Aufgebotsbuche von 1606 werden namhaft gemacht: 1606 weiland Baumeister Thomas Hartsch zu Neustadt o/S.[135]; 1608 der kunstreiche Georg Brückner, Baumeister zu Breslau; 1611 weil. Caspar Springer, Baumeister und Müller (!) zu Prauß bei Strehlen; 1613 weil. Baumeister und Müller Lorenz Orttelbach zu Beuthen a. d. O.; 1619 wird aufgeboten Leonhard Sorge, Maler und Bürger zu Oppeln, Sohn des † Rentmeisters zu Ketzerndorf (Karlsmarkt)[136], mit der Tochter des † fürstl. Hausvogts Sommerfeld zu Brieg; der Künstler siedelte übrigens später nach Brieg über. 1620 starb bei dem Bildhauer Hans Döring zu Brieg der Maurergeselle Elias Marga, von Bunzlau gebürtig. (Todtenb.) — 1594 lebte in Brieg ein Perlhefter (Paramentensticker) Paltzer (Todtb.); seit 1613 wird in den Kirchenregistern mehrfach erwähnt ein Perlhefter Peter Tunckel. 1596 starb Christoph Heinze der Kartenmaler (das.); 1626 wird daselbst aufgeboten der Kartenmacher Zacharias Böhme, dessen † Vater Stenzel B. auch ein solcher gewesen; 1612 arbeiteten in Brieg zwei fremde Steinschneider: Hans Rurock aus Danzig und Tobias Bartsch aus Meißen. (Taufb.) —

Endlich sei bezüglich der italienischen Künstlercolonie in Brieg noch bemerkt, daß sich nachträglich ein wälscher Maurer Gregor Pahr, wol ein Sohn des ausführlich besprochenen Schloßbaumeisters Jacob, gefunden hat als Taufzeuge 1594. In die Leitung der herzoglichen Bauten trat nach dem um 1609 erfolgten Tode des Bernhard Niuron Meister Hans Lucas, „Baumeister zu Hofe“, wahrscheinlich unmittelbar ein; man ist versucht, ihn für einen Nachkommen des Italieners Hans Lugan zu halten.

VI. Sonstige Städte.

Die hier folgenden Zusammenstellungen sind aus zum größten Theil gedruckten Urkunden oder Monographieen geschöpft und behandeln in alphabetischer Reihenfolge diejenigen Städte und Klöster Schlesiens, wo es dem Verfasser nicht möglich gewesen, eingehendere archivalische Studien zu machen. Darum mögen auch Angaben über schlesische Künstler des vorigen Jahrhunderts, in Ermangelung früherer, diesmal nicht ausgeschlossen bleiben.

Falkenberg (Regierungsbez. Oppeln). Das im Renaissancestil aufgeführte und weithin sichtbare Schloß an der Ostseite der Kreisstadt, beschrieben in Schlesiens Vorzeit II, 14, wurde 1589–92 unter Balthasar Pückler von Groditz, Besitzer der Herrschaft seit 1581, von den Maurermeistern Jakob Westphal und Hans Czerr aus Jägerndorf erbaut, resp. um einen Stock erneuert, für welchen Bau ihnen gegeben wurde „an Geld 775 , Korn 2 Malter, Gerste 2 Schffl., Erbsen, Hirse, Haidekorn je 1 Schffl., Butter 4 Tönnchen, Rinderkäse oder Quärge 50 Schock, Kühe 1 Stück, Schafe 12 St., Fleisch 3 Seiten, Karpfen 3 Schock, Salz ½ Schffl., Bier 8 Achtel, Tischbier 30 Achtel.“ — Der betreffende Contract ist abgedruckt in Schlesiens Vorzeit, 31. Bericht, S. 104–105[137]).

Symbol: Reichstaler
Symbol: Reichstaler

Freistadt (Regb. Liegnitz). Jost Köpper von der Freistadt[138], Maler, wurde 1521 in Görlitz Bürger, zog aber heimlich davon. (Bürgercatal. v. G.)

Glatz (Hauptstadt der Grafschaft G.). Innerhalb der Jahre 1464 und 66 malt im dortigen Augustiner-Chorherrenstift Meister Wilhelm Kalteysen von Aachen; pictor sollempnis nennt ihn die Klosterchronik. (Zeitschr. für Gesch. etc. Schlesiens X, 140.) — 1679 lebte der Maler Caspar Paumgarten in Glatz. (ebenda 141.) Der ebendort ansäßige Steinmetz Wenzel Krobener trat 1571 mit dem Magistrate von Brieg in Unterhandlungen wegen Arbeiten am dortigen Rathhause und erhielt am 18. Sept. 70 auf Abschlag. (Brieger Rechnungsb. von 1563.) — Das Schloß in Glatz wurde 1557 von Meister Lorenz Krischke errichtet. (A. Schultz, Schlesiens Kunstleben II, S. 17, nach Aelurius’ Glaciographia.)

Symbol: Reichstaler
Symbol: Reichstaler

Gr. Glogau a. d. Oder. Ein Cunczelinus murator wird genannt als Zeuge in einer Urkunde von 1326. (Liber cum cruce, p. 18.) — Am Rathsthurme arbeiteten 1678, resp. 1720, die Zimmermeister Caspar Mücker aus Bunzlau und M. Freudenberg aus Breslau. (Minsberg, Glogau II, 144 ff.) — Ein Maler aus Breslau — leider ist der Name nicht angegeben — vollendete nach mehrjähriger Arbeit 1493 für das Glogauer Domkapitel einen Schnitzaltar (unam novam tabulam) für den Chor. Man hatte dem Künstler dafür 150 ungar. Floren gegeben. (Annales Glogovienses, S. 64.) — Ein Madonnenbild (1518) von Lucas Cranach in der Collegiatkirche erwähnt Büsching in seiner „Geschäftsreise durch Schlesien“, S. 107. — Melchior Heinrich von Freiberg, Maler zu Glogau, malte 1595 die Kanzel der Dorfkirche zu Diebau (Kr. Steinau) laut Inschrift. — Im städtischen Archiv zu Brieg befindet sich eine Urkunde von 1710, worin die Geschwornen und Aeltesten des löblichen Mittels der Goldschmiede, Maler und Bildhauer zu Großglogau Joh. Ferd. Schamaranski und George Anton Nicke bekennen, daß letzterer, Malerältester, am 14. Nov. mit seinem „Lehrknaben“ Joh. Sebastian Neubert erschienen sei und bekannt habe, dieser habe seine 5 Jahre ausgestanden und sich in Allem aufrichtig und ehrlich verhalten; nunmehr werde er seiner Lehrjahre ledig gesagt und allen Berufsgenossen empfohlen. Unterzeichnet ist dies Document von dem Oberältesten (Goldarbeiter), wobei Wappen (im Schilde und auf dem Helme ein Vogel mit Ring im Schnabel und G. S.), und dem Malerältesten, wobei das allgemeine Malerwappen; auf dem Helme aber zwischen Geweih eine weibliche Figur. — Ein Münzmeister Konrad von Glogau wird 1310 erwähnt. (Minsberg I, 181.)[139]

Hirschberg (Regb. Liegnitz). Im Buche der Petrusfigur eines Schnitzaltars zu Wünschendorf bei Lähn (1865 in Breslau renoviert) hat sich der Maler durch folgende Inschrift verewigt: hec tabula consumata est per me David Grossmann pictorem de Hirsberc aō. partus virginei M.CCCC.LXI. die XVI. Februarij. Deo gratias.[140] — 1479, 15. Oct. richtet der Rath von Hirschberg an den von Danzig einen Brief, worin er den Steinmetzen Martin Frey, der Schlösser, Kirchen und Thürme köstlich gebaut und allenthalben seine Meisterschaft bewährt habe, für den Bau der dortigen Marienkirche empfiehlt. (Schles. Kunstleben, S. 40.) — Die Orgel in der kath. Pfarrkirche zu Hirschberg erbaute Casparini, während Röder, Erbauer der Magdalenenorgel zu Breslau, die in der Gnadenkirche 1725–27 errichtete. (Knie, Uebersicht der Dörfer etc., S. 837.) Adam Horatius Casparini stammte aus Padua, verfertigte 1709, resp. 1715, die Orgeln zu Bernhardin und Christophorus in Breslau. (Schles. Vorz. II, 260. 261.); auch in Görlitz hat er gearbeitet. — In H. arbeitete am Anfange des 18. Jahrh. der Glockengießer Ch. Friedr. Seifert. (Schles. Vorz., 29. Ber., S. 66.)

Hoyerswerda (in d. Wendei). In der sehr alten Pfarrkirche soll sich das Epitaphiumsbild eines Herrn von Maltitz mit der Darstellung „Christus segnet die Kinder“ erhalten haben, woran sich ein Monogramm in der Art des Dürer’schen (nur daß statt D Ↄ steht) nebst der Inschrift fecit 1582 zeige. (Katal. d. Wolf’schen Sammlung in der Bibl. d. Lausitz. Gesellsch. z. Görlitz, S. 151.)

Löwen (bei Brieg). 1663, resp. 1689, arbeiteten dort die Maurermeister Georg Pfalman und Adam Scholtze. (Urkunden der Brieger Bauhandwerker-Lade.) — 1257 wird erwähnt ein Walterus monetarius de Lewin. (Reg. z. schles. Gesch., Nr. 955.) Andere Münzmeister des 13. Jahrh. finden sich: 1261 Arnold in Löwenberg (ebenda Nr. 1091), 1290 Petzmann in Schweidnitz (Reg. d. Bresl. Staatsarchivs).

Münsterberg (Regb. Breslau). Dem Maler Herzog Karls[141] gibt die Stadt Brieg 1536 2 Flor. für Entwürfe zu den neuen Gebäuden an den Brotbänken; wahrscheinlich hieß er Laubener, wie der Name des gleichzeitig in dieser Stadt beschäftigten Künstlers lautet. (Urk. v. Br., S. 200.)

Namslau (Regb. Breslau). Die kath. Pfarrkirche soll 1401 von Meister Peter Steinmetz erbaut worden sein; doch kann ich diese Angabe nicht urkundlich erhärten. — Um 1471 lebte daselbst Meister Niclas der Maler. (Zeitschr. X, 142.) Denkmäler mittelalterlicher Malerei und Holzsculptur finden sich mehrfach in der Umgegend von Namslau in den Dörfern Altstadt, Strehlitz, Proschau, Belmsdorf, Kreuzendorf.

Oels (Regb. Breslau). Ein Maler Nicolaus de Olsina (vgl. A. Schultz, Bresl. Malerinnung) wird zum Jahre 1401 erwähnt im Anzeiger 1875, Sp. 74. An der Pfarrkirche haben um 1456 gebaut die Maurer Nic. Hoferichter und Nic. Fischer. (Zeitschr. X, 134.) — Ueber die bei den fürstlichen Grabdenkmälern betheiligten Künstler gibt Lübke, Gesch. der deutschen Renaissance, Luchs, schles. Fürstenbilder, A. Schultz, Schlesiens Kunstleben, Aufschluß. Von dem herzoglichen Schloßbau aber kennt man bisher die ausführenden Künstler nicht; ich habe im Anzeiger unter Brieg die Vermuthung ausgesprochen, daß der Steinmetzmeister Kaspar Khune einer derselben gewesen.

Ohlau (b. Brieg). Das herzogliche Schloß wurde durch italienische Baumeister 1654 wiederhergestellt; sein Erbauer war Georg II. von Brieg gewesen. (Kunstleben, S. 17.) Das Rathhaus, vielfach (zuletzt 1823) umgebaut, hat von dem ursprünglichen nichts Besonderes übrig behalten. Aus einem undatierten Contract über seinen Bau (im Brieger Archiv) ersieht man, daß es zwei Thürme mit einer, resp. zwei, Durchsichten, den größeren von einem Kranz mit eichenen Säulen umgeben, haben sollte. Der Baumeister — wahrscheinlich war es der 1585 in Brieg gestorbene Hans Seiler — sollte 300 bekommen. (Schles. Vorz., 39. Ber.) — 3 Uhrmacher, Sallat, Kraut und Riebe, verfertigten bis 1718 das Wahrzeichen von Ohlau, die künstliche Uhr am Rathsthurme: man sah auf der Seite im NW. den Mondlauf, im NO. beim Stundenschlage eine Henne, gejagt vom Hahn, im SO. den Tod, der beim Viertelstundenschlage die Sense bewegt, und im SW. den Herrscher der Zeit, der bei jedem Stundenschlage das Zepter neigt und den Mund bewegt.[142] (Knie, a. a. O., S. 889.) Schließlich sei hiebei als Nachtrag zu den Italienern von Brieg bemerkt, daß die Herzoge Joachim Friedrich und Johann Georg, Gebrüder, durch eine Urkunde d. d. Ohlau, 1588, 6. Aug. ihren Baumeister Bernd Niuron frei machten „aller Beschwerung, es sei an Wachen, Geschoß, Ungelden, Steuern etc.“ (Brieg. Mittelspriv., S. 181.) Er mag auch in dieser Stadt thätig gewesen sein.[143]

Symbol: Reichstaler
Symbol: Reichstaler

Reichenbach (Regb. Breslau). Paul Juch, Maler, nennt sich unter Anbringung seines Monogramms 1586 am Schülerchor der alten Pfarrkirche. (Schles. Vorz. 24. Ber. S. 255.)[144] — Der südliche Kapellenanbau rührt her von Balthasar Jentsch, „Meurer und kunstreichem Tischler“ aus Liegnitz (1585) (ebenda S. 253). Dieselbe Kirche besitzt das Grabmal des Maurers Melchior Friedrich († 1589) mit Monogramm (ebenda S. 255).

Sagan. Meister Hans von Sagan malte 1506 die Orgel in der Klosterkirche der Franziskaner zu Bautzen und erhielt dafür 14 Mark. (Wirthschaftsbericht des Klosters, abgedr. im N. Laus. Magaz., Bd. 49, S. 43.) Wahrscheinlich ist dieser Künstler identisch mit dem bei Schultz, Breslauer Malerinnung, S. 88, angeführten Hans Schöneiche pictor in Sagano 1509. — Der 1518 in Görlitz Bürger gewordene Maler Caspar Wittich nahm um 1530 seinen Wohnsitz in Sagan. (Vgl. die Maler von Görlitz im 52. Bande des N. Laus. Magazins.)[145] — Die Decken der Stiftsbibliothek sind al fresco von einem Maler Neunherz 1736 gemalt. (Büsching, a. a. O., S. 122.)

Strehlen (Regb. Breslau). Den Steinmetzmeistern Stephan und Georg von Strehlen wird 1405 die Behauung der Steine „zum obersten Werke“ an der Nicolaikirche zu Brieg verdingt, pro Elle 3 Groschen weniger 2 Heller. (Brieg. Stadtb. I, 121.) — 1383 bekennen die Rathmanne von Strehlen vor denen von Schweidnitz, daß Hensil Friberg, Seigermeister daselbst, ihnen verkauft habe einen Seiger nebst allem Zubehör, wie Glocke etc. Diesen soll er nach Strehlen zu schicken und einzurichten veranlaßt werden, auch „waz die czwee iar deme seiger abegeet, daz sol er fulkomen ferrechin.“ (Schweidn. Stadtb. I, 102.)

VII. Schlesische Klöster.

Leubus (1175 gegründet). Die noch vor 1300 vollendete Klosterkirche mag von dem Bruder Fridericus magister operis monasterii Lubensis, welcher 1307 genannt wird, herrühren. (Abhandl. d. Ges. f. vaterl. Kultur, Arch. Sect. 1870.) Im 17. u. 18. Jahrh. arbeiteten in Leubus die Maler Willmann, „der schlesische Apelles,“[146] Anton Scheffler (auch an der Lorettokirche des Prager Hradschin und dem Breslauer Universitätsgebäude beschäftigt) und Philipp Christian Benton, welcher die Fresken der Kirche in Städtel Leubus malte und auch 1746 für den Abt der Prämonstratenser zu St. Vincenz in Breslau Arbeiten übernahm. (Zeitschr. X, 142.)

Trebnitz (gegründet von Herzog Heinrich I. 1203 auf Anliegen seiner Gemahlin, der h. Hedwig). Muthmaßlicher Baumeister der Klosterkirche ist der in Urkunden von 1208 u. 1218 erwähnte Laie magister Jacobus lapicida (Zeitschr. IX, S. 308.) Der im Kloster befindliche Grabstein des Herzogs Konrad II. von Oels († 1403)[147], ohne jedes Bildwerk, nur mit einer Randinschrift, war 1409 dem Maurermeister Heinrich Frankenstein verdingt worden. (Zeitschr. X, 132.)

Grüssau (1292 erbaut und mit Cisterziensern besetzt; nach Knie, am angeführten Ort, S. 188)[148]. Luchs, bildende Künstler, S. 25, erwähnt aus einem Briefe des Provinzialarchivs (ohne nähere Angabe) d. d. Breslau, 1562 am Pfingstmontage, an den Herzog von Brieg einen Meister Christoph den Walen, Meurer, der nach Grüssau gehen muß.

1692 legte der Abt Rosa den Grundstein zur Josephskirche, welche Michael Willmann mit Fresken ausschmückte. (Büsching, a. a. O., S. 356 ff.) Dieselbe Quelle nennt noch Gemälde der Klosterkirche von Jacob Köbel, Brandel, Scheffler.

Heinrichau (Tochterkloster von Leubus, gegründet 1222, eingeweiht 1227. Stenzel, schles. Gesch., S. 36 ff.). Das Fundationsbuch (ediert von Stenzel 1854) nennt 1304 und 1309 (S. 205. 105) den Bruder Winandus magister operis. Auch wird in einer, allerdings für unecht erklärten, aber doch noch aus dem 13. Jahrh. stammenden Urkunde von 1234 (Schles. Regesten, Nr. 433) gesagt, Herzog Heinrich habe auf Bitten des obigen Steinmetzen Jacob dem Kloster Trebnitz 200 Hufen eines Waldes bei Heinrichau geschenkt, von denen Winand die Hälfte besitzen solle; vielleicht steht dieser zu dem Baumeister W. irgendwie in Beziehungen. — Büsching a. a. O., S. 417 ff. nennt in einer dort abgedruckten Urkunde von 1325 einen Abt Wynandus von Heinrichau und unter den Zeugen einen zweiten magister operis Johannes nebst einem Winand furnarius (Bäcker). — Bei Stenzel a. a. O., S. 166, wird zum Jahre 1263 ein Johannes aurifaber angeführt. — Das zweite Schweidnitzer Schöppenbuch erwähnt 1407, ohne jede Namensbestimmung, einen moler von Heynrichau. Möglicherweise ist es der im Schweidn. Steuerregister vermerkte Jocob moler, Czinkewicz (ein zu Kloster H. gehöriges Dorf) genannt. — Auch in H. hat Willmann nach Büsching, S. 415 ff., gemalt. — Die schlesischen Provinzialblätter von 1865 thun ohne jegliche Begründung eines elfenbeinernen Cruxifixes in einer Seitenkapelle der Klosterkirche Erwähnung, das von Benvenuto Cellini herstammen soll (!).

Rauden. (Die Stiftungsurkunde datiert von 1258, cf. Regesten, 2. Bd., S. 13.) Das ehemalige Gebäude gehörte dem Uebergangsstile an, wovon noch Spuren vorhanden sein sollen; das jetzt stehende wurde 1671 errichtet. Der Architekt Melchior Werner aus Neiße baute es und erhielt außer Beköstigung 3 pro Woche und 3 Achtel Bier, der Parlier außer Kost 2 , jeder Maurer 10, jeder Handlanger 4 Sgr. und Station. (Potthast, Rauden, S. 84.) — 1775 malt Sebastiani den großen Speisesaal (ebd. 119. 137), auch die Pfarrkirche wie anderes in dem Städtchen Ober-Glogau. (ebd. 137.) — 1718, resp. 1767, sind in Rauden zur Herstellung von Gemälden und Porträten engagiert der Maler Sedleczky und der akademische Künstler’ J. H. Deppé (ebd. 262.)

Symbol: Reichstaler
Symbol: Reichstaler
Symbol: Reichstaler
Symbol: Reichstaler

Walstatt (1707–23 gebaut). Das Hochaltarbild stammt von de Baker, Maler des Fürstbischofs Franz Ludwig, Pfalzgrafen bei Rhein, und stellt dar die Auffindung der Leiche Herzog Heinrichs des Frommen auf dem Schlachtfelde. (Büsching, a. a. O., S. 69.) Für dieselbe Klosterkirche arbeiteten der Maler Brandel (cf. Grüssau) und der Bildhauer Hiernle aus Böhmen. (ebd. S. 70.)

Hiemit seien nun diese „Beiträge“ einstweilen abgeschlossen. Sofern sich mir wieder Gelegenheit bieten sollte, ein städtisches Archiv der Provinz nach dieser Richtung hin untersuchen zu können, sollen die Resultate davon an gleicher Stelle ihren Platz finden. Aus Liegnitz und Görlitz hoffe ich demnächst noch Aufschlüsse über die Renaissanceperiode zu gewinnen.

Brieg.

Dr. Ewald Wernicke.

Fußnoten:

Berichtigung.

Im „Wirtembergischen Urkundenbuch“ III, p. 52. beschreibt von Kausler zwei Siegel an der Kloster Kaisheimer Urkunde vom Jahre 1216 im kgl. Reichsarchive zu München, wie folgt:

„2) prepositus de Steine (sic!). Siegel rund, darauf ein Lamm mit Kreuz oder Fahne. Umschrift nicht deutlich... 5) prepositus de Cella. Länglichrundes Siegel, Figur: Phönix mit ausgebreiteten Flügeln. Umschrift: ✠ Memento mei.“

Da diese Beschreibung theilweise unrichtig ist, theile ich hier diplomatisch getreue Abbildungen der beiden Originale mit.

Das Siegel des „prepositus de Steine“ zeigt das Lamm Gottes mit dem Kreuze, und dessen Legende lautet: „✠ Agnus dei.“

Zwei Siegel
Zwei Siegel

Das Siegel des „prepositus de Cella“ ist spitzoval, zeigt den gewöhnlichen heraldischen Adler, und dessen Legende lautet: „✠ Memento mei d(omine).“

Ich besitze einen Bronze- oder Messing-Stempel, dessen Abbildung ich hier gleichfalls folgen lasse, welcher in der Nähe der Oberamtsstadt Geislingen (Württemberg) aufgefunden worden sein soll. Derselbe verräth durch seine rohe Arbeit, durch seinen Stil und durch das Oehr zum Aufhängen ein sehr hohes Alter und könnte wohl auch aus dem 13. Jahrh. stammen, und zwar wegen seines Bildes und seiner Legende aus dem Kloster Steinheim, welches bekanntlich später im Kloster Königsbronn aufgegangen ist.

Bronze- oder Messingstempel
Bronze- oder Messingstempel

Auch auf diesem Stempel, wie auf so manchen mittelalterlichen, fängt die Legende unten an.

Kupferzell.

F.-K.

Ein Mysterium des 12. Jahrhunderts aus dem Stifte St. Blasii in Braunschweig.

Im herzoglichen Landeshauptarchive zu Wolfenbüttel befindet sich ein Agendarium, von einer Hand des zwölften Jahrhunderts schön und sauber geschrieben, welches früher dem Stifte St. Blasii zu Braunschweig zugehörte. Es hat auf dem Vorsetzblatte, von einer wenig jüngeren Hand wol um 1200 geschrieben, die nachfolgende Osterfeier. Oben auf der Seite steht von einer Hand des 14. Jahrhunderts „agenda ecclesie sancti Blasii.“ Das Mysterium ist durchgehends mit Notenzeichen versehen.

Maria Magdalena et alia Maria ferebant diluculo aromata[149] dominum querentes in monumento.

Mulieres.

Quis revolvet nobis ab hostio labidem, quem tegere sanctum cernimus sepulchrum?

Angelus.

Quem queritis, o tremule mulieres, in hoc tumulo gementes?

Mulieres.

Jesum Nazarenum crucifixum querimus.

Angelus.

Non est hic, quem queritis; sed cito euntes nunciate discipulis eius et Petro, quia surrexit Jesus.

Mulieres veniunt et dicunt discipulis.

Ad monumentum venimus gementes; angelum domini sedentem vidimus et dicentem, quia surrexit Jesus.

Tunc veniunt discipuli duo ad sepulchrum, dum chorus c[antat.][150]

Currebant duo simul et ille alius discipulus precucurrit cicius[151] Petro et venit prius ad monumentum.

Illi duo reversi dicant.

Cernitis, o socii, ecce linteamina et sudarium; et corpus non est in sepulchro inventum. Surrexit[152] dominus de sepulchro.

Wolfenbüttel.

Dr. Zimmermann.

Fußnoten:

KANON EUANGELIORUM.

Herr Professor Wattenbach hat in diesem Anzeiger, Jhg. 1869, Sp. 289 flg. über ein altirisches Evangelienbuch gehandelt, das, im 6.-7. Jahrh. geschrieben, gegenwärtig der fürstlich Oettingen-Wallerstein’schen Bibliothek zu Maihingen angehört. Auf der Innenseite des ersten Blattes befinden sich Verse über den Kanon, von denen er a. a. O., Sp. 293 nur den Anfang mittheilte. Sie rühren von der Hand des ursprünglichen Schreibers des Codex Laurentius her und könnten daher auch von diesem verfaßt sein. Da jener Anfang mir bekannt vorkam, so erbat und erhielt ich von der Güte des Hrn. Archivars, Frhrn. Wilhelm v. Löffelholz eine vollständige Abschrift des Gedichtes, die ich hier abdrucken lasse. Sie zeigt, daß dasselbe identisch ist mit einem bisher dem Alkuin zugeschriebenen, welches zuerst Quercetanus (Alchwini opera p. 1686) aus einer seitdem verschollenen Handschrift, dann nach ihm mit manchen neuen Fehlern Frobenius (Alcuini opera II, 204) herausgab. Schon Duméril (Poésies populaires antérieures au XII. siècle, p. 85) bemerkte, daß dasselbe in vierzeilige Strophen zerfalle, deren Zeilen je 11 Silben, meist mit einer Cäsur nach der vierten Silbe, zählen und auf einander reimen. Durch die Entdeckung Wattenbachs hat sich nicht blos ein sehr berichtigter Text ergeben, sondern es ist dadurch auch festgestellt worden, daß wir diese Verse nicht Alkuin beilegen dürfen, sondern sie um etwa hundert Jahre älter halten müssen.

I. Quam in primo speciosa quadriga, homo leo uitulus et aquila, (LXXI) LXX unum per capitula de domino conloquntur paria. II. In secundo subsequente protinus homo eo loquitur et uitulus, quibus inest ordinate positus (CVIIII) centum in se atque VIIII numerus. III. Tum deinde tercio in ordine homo et bos loquitur cum uolucre, numero quo consistunt antiquae (XXII) alfabeti Ebreorum litterae. IIII. Quarto loco fatentur aequalia una leo homo atque aquila uno ore loquentes kapitula (XXVI) uerbi summi sena atque uicena. V. Quinta uice concordant in loquela homo prudens atque mitis hostia (LXXXIII) Iesu Christi emitantes[153] agmina Iuda sine saluatori credula. VI. Ecce sexto pari sonant clamore natus Adam cum clamoso leone conputati traditis pro munere (XLVIII) sacerdotum oppidis in honore. VII. En loquntur septies in septimo (VII) homo auis consona de domino. VIII. In octauo nunc leonis catulus dei uerba profert atque uitulus, (XIII) quorum simul conputatur numerus adiecto Paulo apostolicus. VIIII. Nonus ordo in quo duo pariter conloquntur uitulus et uolucer (XXI) inspirati sensu spiritaliter proloquntur ternum septipliciter. X. Homo nimpe[154] uerbum profert proprium (LXII) sexaginta et per duo numerum. rugientemque leonem audies (XVIIII) solum sane decies et nouies, bouem solum fatentem inuenies (LXXII) uerba dei bis et septuagies subuolantem ad astra repperies (XCVII) nonagies loqui atque septies.

Halle.

E. Dümmler.

Fußnoten:

Ein alter Minnesängerdruck.

Emil Weller in seinen Annalen, I, 262 führt von einem Folioblatt o. O. u. J., zweispaltig gedruckt, mit Holzschnitt, folgende Anfangsverse an:

Klaͤgliche Noth Klag ich von der Minne Das sie mir gebott Daß ich mine sinne Da bewante, da man verderben will. Bey meinem Spiel. Durch leide ich sendes kummers allzuviel.

Weder er, noch sonst jemand hat bemerkt, daß diese Verse einem Liede des Minnesängers Hesse von Rinach angehören. Sie lauten in der Pariser Handschrift folgendermaßen (vgl. Bodmer 1, 90a. Hagen 1, 210 a):

Klageliche not clage ich von der minne Das si mir gebot Das ich mine sinne Da bewante da man mich verderben wil. Hey minnen spil Durch dich lide ich sendes kumbers alze vil.

Die zwei Lieder dieses Dichters finden sich nur in der Pariser Handschrift, und es ist in hohem Grade aus der Uebereinstimmung des Textes wahrscheinlich, daß der Druck aus der Pariser Handschrift stammt.

Das Blatt kam in Joseph Bär’s November-Auktion 1861 unter Nr. 155 zur Versteigerung. Eine Anfrage, wer dasselbe erstanden habe, führte zu keinem Resultate, da die Auktionsregister aus jener Zeit augenblicklich nicht zur Verfügung standen. Ich würde für den Nachweis, wo das Blatt sich jetzt befindet, sehr dankbar sein.

Heidelberg.

K. Bartsch.

Notizen zur Kunstgeschichte.

1. Herzog Maximilian I. von Bayern an Gewold, Geheimsekretär.

Der Hanß Werl, maler, hat khain Arbeitt, sonder wartt auff die historien. Da er nun alßbalde eine hette, khundt er derweil verfaren. Wolte gern, das er nit gehindert wurde.

Maximilian.

Eigenhändiges Original in der k. Hof- und Staatsbibliothek zu München: Cod. Germ. 2210, Fol. 53.

2. Erzherzog Maximilian an Herzog Maximilian.

1604, August 15.

Wir haben einen Knaben, unsers underthanen kind, von Mergentheimb, mit nahmen Martin Mitternacht, der nit ein bose inclination zu der Mahlerkunst hat, sich auch in derselben albereit vor sich selbsten zimlich angelassen, daher wir bewogen, ihnen ferner lernen, auch derentwegen mit E. Ld Mahler Hansen Werle handlung pflegen lassen, daß er ihne auf eine Zeit zu sich nehmen und unterweisen wolle. Wann[155] aber Werle sich mit dem entschuldigt, daß er außer E. Ld bewilligung niemand aufnehmen und lehren dörfe alß gelang an E. Ld hiemit unser ganz freundlich gesinnen,[156] sie uns diese freundschaft erzeigen und ihrem Maler erlauben wollen, daß er obbemelten knaben zu sich nehmen und in der Kunst anbrengen[157] möge. — Geben zu Insprugk den 15 Augusti aº 1604.

Original im k. Staats-Archiv zu München.

3. Albrecht Dürer.

Der churpfälzische Rath Georg Michael Lingelsheim an Jakob Bongars.

Heidelberga 7 novembris 1607.

Cäsar cognovit in superiore Palatinatu esse picturam Dureri artificiosissimam in arce quadam Papebergi, quod exiguum est oppidulum ad Eschebachum; ea deposita jacebat in angulo obscurissimo situ peritura. Caesar cum magnis precibus ab Anhaltino et electore[158] petit, pro magno murere, quod se artificiosis hujusmodi tabulis oblectare soleat. Metus est, ut jam producatur ad superstitionem: nihilominus Caesaris desiderio satisfiet.

Jacobi Bongarsi et Ge. Mich. Lingelsheim epistolae, Argentor. 1660, pag. 235.

Diese 3 urkundlichen Notizen wurden mir von Collega Dr. Stieve dahier zur Publicierung gefälligst überlassen.

München.

Dr. J. A. Meßmer.

Fußnoten:

Contra iactantiam.

Die Wiener Hs. 11857, saec. XV. enthält auf f. 238 folgendes beachtenswerthe Gedicht:

In nobilem gloriosum contra Iactantiam ex diuitiis stemate prole se uenientem. 1 Sis licet ingenuis clarisque parentibus ortus, Esse tamen uel sic bestia magna potes. Adde decus patriae, claros tibi sume[159] propinquos, Esse tamen uel sic bestia magna potes. 5 Sunt tibi diuitiae, sit larga et munda supellex, Esse tamen uel sic bestia magna potes. Suscipe iudicium, fora te causaeque receptent, Esse tamen uel sic bestia magna potes. Transi presbyteros[160], et cum maioribus ito, 10 Esse tamen uel sic bestia magna potes. Denique quicquid eris: nisi sit prudentia tecum, Magna quidem, dico, bestia semper eris. Da mihi decoctum generosum pectus honesto, Sic aliquid titulis nobilitatis erit.

Wien.

Dr. Joh. Huemer.

Findling.

Quae dos matronae pulcherrima? uita pudica. Quae casta est? de qua mentiri fama ueretur. Quid sapientis opus? cum possit, nolle nocere. Quid proprium stulti? non posse et uelle nocere.

(Aus Cod. Einsidl. 77. B V, letztes Blatt.)

Wien.

Dr. Joh. Huemer.

Zu den Lebensregeln.

Herr Studienlehrer Dr. Schepß in Dinkelsbühl schreibt mir: „Die erste Lebensregel, die Sie im Anzeiger, Jahrg. 1878, Sp. 88 mitgetheilt haben, findet sich auch in dem (1286 beendeten) Catholicon des Johannes Januensis, herausg. zu Lyon 1520, s. v. Caseus, wo es etwas abweichend heißt: Caseus, sic dicitur a cado, dis, quia facile cadat et cedat; vel dicitur a careo quia sepe caret, quasi carens, et producitur „ca.“ Unde quidam:

Caseus anguilla mortis cibus ille vel illa Ni bibis et rebibis et rebibendo bibis.“

Halle.

E. Dümmler.

Fußnoten:

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.

Gedruckt bei U. E. Sebald in Nürnberg.

Notes in this chapter

Note 1 · A. Ilg im 7. B. der Quellenschriften für Kunstgesch. von Eitelberger: Theophilus Presbyter schedula diversarum artium.Note 2 · Anzeiger f. K. d. d. V. 1877, Sp. 291 ff.Note 3 · Abschr. „augustus“.Note 4 · Ebd. „serenissimus“.Note 5 · Ebd. „alouiti.“Note 6 · Ebd. „que.“Note 7 · Ebd. „serenitas vestra.“Note 8 · Abschr. „recreat.“Note 9 · Abschr. „Tabolitarum.“Note 10 · Nach Kastner’s Neißer Geschichtsfreund I, 1 wurde am 7. oder 12. Juli 1198 die neue aus Stein erbaute Jacobskirche eingeweiht vom Bischof JaNote 11 · Diese und folgende Angaben beruhen auf Autopsie des Einsenders, welcher von den Oertlichkeiten im Herbst vorigen Jahres Kenntniß nahm.Note 12 · Im untersten Stock, unter dem großen Thurmfenster erblickt man 2 Wappenschilder mit Hausmarken, welche den betreffenden Kirchenvätern angehöNote 13 · von Turzo, regierte 1506–20, verwandt mit den aus Ungarn stammenden schlesischen Grafen Henkel-Donnersmark. Die im 18. Jahrh. angefertigte TNote 14 · Im Umgange derselben auf der Rückseite des Hauptaltares ist senkrecht eingemauert der figurierte Grabstein des Bischofs Wenzel, Herzogs von Note 15 · Die Großmutter Christi, Anna.Note 16 · cieplo, (poln.) warm, woda Wasser, N. W. 7/4 M. von Münsterberg; wahrscheinlich hat es seinen Namen von ehemals dort vorhandenen warmen QuelNote 17 · Ueber Holztafelbilder und Schnitzereien des Mittelalters in der Jacobskirche gibt Luchs in Schlesiens Vorzeit, a. a. O. Notizen.Note 18 · Im Nekrolog des Klosters (abgedruckt in der Zeitschr. f. Gesch. Schles. IV, S. 300) erscheint auch sein Name.Note 19 · Seine Buchdruckerei übernahm um 1630 ein gew. Gründer aus Görlitz; dieselbe lag auf der Milchstrasse in der Gegend des heutigen TheatergebäuNote 20 · Der Contract, nach welchem der kunstreiche Maler B. Scherschmidt 1568 die Zifferblätter der Brieger Stadtuhr mit Wappen und Zierrathen für 9Note 21 · Von dort aus erfolgten Gegenbestrebungen der deutschen Maurer gegen die italienischen Architekten zu Brieg (cf. Luchs, Bildende Künstler, S.Note 22 · Kreis Brieg.Note 23 · Ein Geburtsbrief der Brieger Bauhandwerkerlade hat auf dem Wachssiegel (16. Jahrh.?) im Wappenschilde Winkelmaß, Hammer und Kelle mit der UmNote 24 · Büsching erwähnt in seiner Geschäftsreise, S. 111, am Eingange der Pfarrkirche ein altes Bild, aus Holz geschnitten, 1509, Bonaventura. AuchNote 25 · Ein Goldschmied Georg von Glogau und sein Sohn Vincenz kommen in Görlitzer Urkunden von 1395–1476 vor.Note 26 · Die Hirschberger Umgegend besitzt ansehnliche Ueberreste der mittelalterlichen Malerei in den Kirchen von Schildau, Buchwald, Arnsdorf, KaisNote 27 · Er starb 1536 und wurde in der Frankensteiner Pfarrkirche vor dem Hochaltare beigesetzt; sein Grabmal, abgebildet in Luchs’ Fürstenbilder; TNote 28 · Auch in Görlitz war ehemals eine künstliche Uhr am Rathsthurme angebracht, welche einen Löwen brüllen ließ.Note 29 · Nachträglich hat sich noch ergeben, daß Meister Bernhard bereits 1560 auf der Burggasse in Brieg bei dem alten Marstalle des Herzogs ansäßigNote 30 · Flügelaltäre von 1506 und 1613 haben sich erhalten in Güttmannsdorf und Olbersdorf bei Reichenbach. (Vic. Acten.)Note 31 · Schnitzaltäre finden sich in der Kreuzkirche und im Dorotheenhospital zu Sagan; zwei in Hirschfeldau, je einer in Wittgendorf und EckersdorfNote 32 · Ueber ihn und die folgenden Maler gibt nähere Auskunft Knoblich in seiner Monographie über ihn und Luchs in den „Bildenden Künstlern.“Note 33 · Die richtige Jahrzahl hat Grotefend in den Stammtafeln der schles. Fürsten bis 1740.Note 34 · Als Einsiedelei (heremus) Grissobor bereits 1240 genannt und Benedictinern überwiesen. (Regesten I, 205.)Note 35 · In aromata ist zwischen dem a und r ein Buchstabe ausradiert und von anderer Hand ein n geschrieben.Note 36 · Hinter sepulchrum ist radiert; über dieser Stelle steht von anderer Hand geschrieben du chor9 c..Note 37 · Hdschr. precururrit cirius.Note 38 · Hdschr. surruxit.Note 39 · für imitantes.Note 40 · für nempe.Note 41 · da, weil.Note 42 · fehlt „ob“ oder „daß“.Note 43 · zu etwas bringen, anleiten, anreizen. Grimm, Wbch. I, 301. Dr. Fr.Note 44 · Christian von Anhalt, Statthalter der Oberpfalz, und Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz.Note 45 · summe Cod.Note 46 · presbiteros Cod.
Explore with AITake your curiosity a little further.

Reading settings