Chapter VII
Reading edition
SYNTAX
Cases.
§ 100. Accusative. The accusative has much the same function as in NHG. It is sometimes used, however, where the dat. or a preposition would be required in NHG.:—ër vuor waȥȥer unde wëge, he went by water and land. The acc. is used after wol, well, when used as an interjection, as wol mich. A double accusative is required not only after lēren, to teach, but also after hëln, verhëln, to conceal, verdagen, verswīgen, to keep secret.
§ 101. Dative. ruofen, to call, and schirmen, to protect, take the dative. The dative is often used adverbially: allenthalben, on all sides, wīlen(t), formerly, &c.
§ 102. Genitive. The genitives hande, slahte, leie = manner are used adverbially: maneger hande, slahte, or leie, in many ways, manifoldly.
The gen. is used in combination with the comparative of adjectives, as dicker eines dūmes, thicker by the breadth of a thumb. Indefinite and interrogative pronouns, used substantively, take the genitive: iemen armer liute, any poor people; niht schœneres, nothing more beautiful; dës enmac niht sīn, that cannot be; waȥ mannes ër wære, what kind of man he was. In the same manner the rel. swaȥ may take the genitive: swaȥ man vant dër armen, whatever poor people one found.
The genitive may be used predicatively:—sīt sī dës goteshūses sint, since they belong to the house of God; diu sorge ist mīn eines niht, I am not the only one who has sorrow.
Impersonal verbs often take the genitive: mich genüeget dës, that is enough for me; mich gezimt dës, that pleases me.
The genitives dës and wës may be used adverbially in the sense of therefore, wherefore; and likewise many nouns: tages, by day; dës sëlben tages, the same day; nahtes, by night.
Interjections usually take the genitive: owē mir mīnes leides! alas! for my grief. vil, much, many; mē(re), more; wēnic, lützel, little; minner, minre, less; and genuoc, enough, used as indeclinable substantives, are followed by the genitive. Cardinal numerals, used substantively, are also followed by the genitive: zweinzec starker man, twenty strong men.
Adjectives.
§ 103. The weak and strong forms are used in the same manner as in Mod. HG. dirre, this, is followed by the weak or strong form; aller, all, usually by the strong. The strong or weak form can be used after pronouns, as ich armer or ich arme, I poor ... In the vocative the weak form without the article is used, as guoten liute, (ye) good people. When the same adjective refers to nouns of different gender, it is put in the neuter plural.
ein and the possessive pronouns are followed by the strong form in the Nom. and Acc. singular; by the strong or weak form in the pl. and Gen. and Dative singular.
The possessive pronouns are declined strong.
The uninflected form of the adjective is used side by side with the inflected in the Nom. singular, all genders, and Acc. singular neuter, when the adjective comes before the noun: ein guot man, a good man. When the adjective stands after the noun the uninflected form may be used without reference to number, gender, or case, ein, dehein, and the possessive pronouns have the uninflected form in the Nom. for all genders, and Acc. neuter. The uninflected form of al, all, can be used before all forms of the definite article: in al dër wërlte, in all the world. See § 55.
Pronouns.
§ 104. im, ir, pl. in, are used to express the dative of the reflexive pronoun. dër is sometimes used pleonastically, as dër brunne, dër was küele, the spring was cool. man used as an indefinite pronoun can take the definite article along with it.
Verbs.
§ 105. Number. The verb can be used in the singular after a compound subject, as Volkēr und Hagene sō sēre wüeten began, ... began to rage so furiously.
§ 106. Tenses. The fut. simple is expressed by sol, muoȥ, wil and the infin., or simply by the pres., as in OE.: ich sol gān, I shall go; bin ich gnislīch, sō genise ich, if I am curable, I shall recover. For the fut. pf. the pf. is used: daȥ ist schiere getān, that will soon have been done. The pf. is expressed either by the simple pret. or the p.p. and the verbs hān, sīn; in subordinate sentences the pret. often has the meaning of the pluperfect: dō du von ir schiede, zehant sie starp, she died immediately after thou hadst taken leave of her.
The preterite acquires a pluperfect, and the present a future perfect meaning when the prefix ge is added to them: swenne iuwer sun gewahset, when your son (shall have) has grown up; dō ich in gesach, when I had seen him. The present participle with sīn is sometimes used as in English, see ‘Arme Heinrich,’ l. 24.
§ 107. Voice. The present and preterite passive are expressed by wërden and the p.p., and the corresponding perfect tenses by sīn and the p.p.
Pres. ich wirde gelobet.
Pret. ich wart„
Perf. ich bin„
Plupf. ich was„
Inf. gelobet sīn.
§ 108. Negation. Negation in sentences is expressed by ne (en, n) before the verb, and niht after it: ër enist guot, he is not good. niht is frequently omitted, especially after the preterite presents, the verbs wellen, lān, sentences containing negative pronouns or adverbs, and in subordinate sentences.
en without niht is used with the subjunctive in subordinate sentences in the sense of unless, if not, except that, when that, that not, &c.: dën līp wil ich verliesen, si enwërde mīn wīp, I will die if she will not become my wife; ich wæne nieman in dër wërlte lëbe, ërn habe ein leit, I believe no one lives in the world who has not his trouble.
en is further also used in the sense of Latin ‘quin’: ich mac daȥ niht bevarn, mirn wërde mīn ritterschaft benomen, I cannot prevent my knighthood being taken away from me.
TEXTS
Line numbers have been removed from the prose passages. In the verse passages, some unstressed e’s, and a few i’s, were printed with an under-dot: ẹ ị. This usage is not explained. Some under-dots may be flyspecks, and a few umlauts were uncertain.
I BERTHOLD VON REGENSBURG.
His name was properly Berthold Lech. He was the most celebrated preacher of the thirteenth century. He died in Regensburg in 1272. The following extract is from a sermon on Matt. v. 8.
‘Sælic sint die armen: wan daȥ himelrīch ist ir,’ etc. Mit disen aht tugenden sint alle die ze himelrīche komen, die dā sint, und mit den selben aht tugenden müeȥent noch alle die dar komen, die iemer mēr dar komen süln. Nū wil ich die siben under wegen lān und wil niuwen von ir einer sagen, wan alse vil guoter dinge an ir ieglīcher ist; und von ir ieglīcher wære gar vil und gar lanc sunderlīchen ze sagenne; und wie manigiu untugent uns an disen ahte tugenden irret, daȥ würde eht von ieglīcher gar lanc ze sagenne. Wan man eȥ alleȥ in einer predigen niht verenden mac, noch in vieren, noch in zehenen, sō wil ich iu hiute niuwen sagen von den, die ein reine herze habent, und von den man hiute dā liset in dem heiligen ewangelio ‘sælic sint, die reines herzen sint: die werdent got sehende.’A Die sint wol von rehte sælic, die dā got sehent. Ein übergülde ist eȥ aller der sælikeit, diu ie wart oder iemer mēr eht werden mac, swer got ansehende eht wirt, alsō süeȥe und alsō wünneclich ist diu gesiht, die man an got siht. Sō wart nie deheiner muoter ir kint nie sō liep, ān unser frouwen, und solte si eȥ drīe tage ane sehen ān underlāȥ, daȥ si anders niht enpflæge, wan eht si ir liebeȥ kint solte an sehen: si æȥe an dem vierden tage vil gerner ein stücke brōtes. Und wolte ich vil gerner, daȥ ich alsō ein guot mensche wære, als daȥ wār ist, daȥ ich iezuo reden wil. Ob daȥ alsō wære, daȥ man zuo einem menschen spræche, der iezuo bī gote ist, ‘du hāst zehen kint ūf ertrīche, und du solt in koufen allen samt, daȥ sie ēre und guot haben unz an ir tōt, dā mit, daȥ du einigen ougenblic von gotes angesiht tuost, niuwen als lange als einȥ sīn hant möht umbe kēren, und sich danne wider zuo gote, und du solt dīn ougen niemer mēr von im kēren’: der mensche entæte sīn niht. Alse wār, herre, dīn wārheit ist, alse wār ist disiu rede, daȥ er disiu zehen kint unze an ir tōt ē nāch dem almuosen lieȥe gēn, ē danne er sich die kleine wīle von gote wolte wenden. In habent die engel wol sehzic hundert jār an gesehen, und sehent in hiute als gerne als des ērsten tages. Und sie sint ouch alle samt sam des ērsten tages, dō sie got an sehende wurden. Dō wart ir deheiner sīt nie eltlīcher danne des ērsten tages, und sint doch sider wol sehzic hundert jār alt. Swelher hundert jār alt würde under uns, der wære den liuten alse smæhe an ze sehenne von ungestaltheit und von dem gebresten, den daȥ alter an im hæte gemaht: sō mālet man die engele—dā sehet ir wol, swā man sie mālt, daȥ man sie eht anders niht enmālt wan als ein kint von fünf jāren, als junclich, oder von sehsen. Wan alle, die got sehent, die werdent niemer eltlīcher, die in in himelrīche sehent in sīnen freuden und in sīnen ēren. Ūf ertrīche sehen wir in alle tage in sīnem gewalte. Dehein irdenischer muot noch irdenisch līp möhte daȥ niht erlīden, daȥ in dehein irdenisch ouge iemer an gesehen möhte in sīnen freuden und in sīnen ēren, als er ze himelrīche ist. Wir sagen iu ettewenne ein glīchnisse, wie schœne got sī. Seht, alleȥ daȥ wir iemer gesagen künnen oder mügen, daȥ ist rehte dem glīche, als obe ein kint uns solte sagen, ob eȥ müglich wære, von aller der wirde und von aller der gezierde, die diu werlt hāt, von der liehten sunnen, von den liehten sternen, von edelre gesteine craft und von ir maniger slahte varwe, von der edelen würze craft und von dem edelen gesmacke, und von der rīchen gezierde, die man ūȥer sīden und ūȥer golde machet in dirre werlte, und von maniger hande süeȥen stimme, die diu werlt hāt, von vögelīn sange und von seitenspil, und von maniger hande bluomen varwe, und von aller der gezierde, die disiu werlt hāt. Alse unmügelich unde alse unkuntlīchen eime kinde dā von ze redenne ist, als unkunt ist ouch uns dā von ze redenne, von der unsegelīchen wünne, diu dā ze himel ist, und von dem wünneclīchen antlütze des lebendigen gotes. Wan alliu diu freude, diu dā ze himele ist, der ist niht wan von dem schīne, der von unsers herren antlütze gēt. Und rehte als alle sternen ir lieht von der sunnen nement, alsō habent alle heiligen ir gezierde und ir schōnheit von gote, und engele und alleȥ himelische her. Reht als alle die sternen des himeles, der māne und die planēten, grōȥ und kleine, die habent alle samt ir lieht von der sunnen, diu uns dā liuhtet: und alsō hāt alleȥ himelischeȥ her, engel und heiligen, die hœhsten und die minnesten, die habent alle samt ir freude und ir wünne und ir gezierde und die ēre und die wirde und ouch die schœnde, daȥ habent sie alle samt von der angesihte gotes, daȥ sie got an sehent. Die engele, die dā unser hüetent, die sehent in ze aller zīt an, als ob sie bī im wæren. Wan alliu diu freude, diu in himelrīche ist, diu diuhte sie ze nihte, solten sie got niht an sehen. Und dā von ‘sælic sint, die reines herzen sint; wan sie werdent got sehende.’ Nu sehent, wie sælic die sint, die dā reineȥ herze tragent. Ir, junge werlt, die noch unbewollen sint mit sünden, behaltent iuwer herze vor allen tœtlīchen sünden, sō werdent ir got sehende in solīchen freuden und in sō grōȥen ēren, die ouge nie gesach oder ōre nie gehōrte, alse sant Paulus dā sprichet; und alse sant Johannes sprichet: ‘wær eȥ mügelich, daȥ man eȥ alleȥ samt geschrīben möhte, sō möhte diu werlt diu buoch in ir niht behalten, dā eȥ an gestüende, daȥ ich gesach. Und alleȥ, daȥ ich gesach, daȥ was niht wan got alleine.’ Und dar umbe möhten wir doch gerne ze dem himelrīche komen und drumbe arbeiten. Ob uns niht diu minne und diu liebe dar twünge, der wir gote schuldic sīn, seht, sō möhten wir dar umbe dar komen, durch daȥ wunder, daȥ dā ist. Eȥ ist maniger vor mir: der im von sō getāner freude seite, daȥ si jenhalp meres wære, er füere gar gerinclīchen dar von hinnen über mer, niuwen daȥ erȥ gesæhe. Sō möhtent ir hundertstunt gerner dar umb arbeiten, daȥ irȥ iemer mēre ēwiclīchen nieȥen soltet. Die vil wünneclīchen angesiht des almehtigen gotes und der himelischen küniginne ze der zeswen sīner sīten in guldīner wæte, die möhtet ir gerne an sehen. Wan würde iu einiger anblic, sō wære in alliu diu freude und diu ēre und aller der wollust, den diu werlt ie gewan, daȥ wær iu hinne für als widerzæme und ouch alse unmære, reht als sant Paulus dā sprach. Nu hœret wie er sprach; er sprach: ‘alliu diu ēre und diu freude und daȥ gemach, diu disiu werlt ie gewan von keisern und von künigen, wider der freude, diu in himelrīch ist; als widerzæme einem wære ein diep an einem galgen, als kurz einem diu wīle dā mite wære, daȥ er einen erhangen man triuten solte, wider aller der freude, die diu werlt hāt: alse widerzæme ist mir diu freude aller der werlte wider der ēwigen freude.’ Ei wol iuch wart, daȥ iuch iuwer muoter ie getruoc, die sō getāne freude süln besitzen. Der ist, ob got wil, vil maniger vor mīnen ougen. Ouch ist maniger, der vil kleine freude dar für nimt hie ūf ertrīche, und daȥ dem guoten sante Paulen gar versmāhte, des wirt im der tūsentste teil niht. Und die habent übel kouft, die sō übergrōȥe freude gebent umb ein sō kurzeȥ freudelīn in dirre werlte. Die habent übel gevarn; wan sie habent weder hie noch dort niht. Als ich iezuo sprach, rehte in glīcher wīse, rehte alse alle sternen des himeles ir lieht von der sunnen habent, alsō hāt alleȥ himelisch her ir lieht von dem wāren sunnen, sīt danne unser herre der wāre sunne und daȥ wāre lieht ist, alse der guote sant Johannes dā sprichet. Der hei et in daȥ wāre lieht; als ouch daȥ vil wār ist: wan er ist daȥ wāre lieht, daȥ niemer mēr verlischet. Und alle, die von sīme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch niemer mēre von der schōnheit, die sie von dem wāren sunnen hānt. Und als vil diu sunne liehter und gelpfer ist, danne wir dā sehen, rehte als vil diu liehtes und glastes über alle sterne hāt, die an dem himel stēnt: als vil hāt der wāre sunne in himelrīche schīnes und glastes mēr über alle engele und ist geschœnet und gewirdet an allen ēren, alse billich ist. Und dā von sint sie sælic, die ein reineȥ herze habent; wan si werdent got sehende.
II THE SWABIAN LANTREHTBUOCH.
This work was compiled by David von Augsburg, about 1280 A.D.
Hie hebet sich an daȥ Lantrehtbuoch.
Herre got, himelischer vater, durch dīne milte güete geschüefe du den menschen in drīvaltiger werdikeit. Diu ērste, daȥ er nāch dir gebildet ist. Daȥ ist ouch ein alsō hōhiu werdikeit, der dir alleȥ menschlich künne sunderlīchen immer danken sol. Wan des haben wir gar michel reht, vil lieber herre, himelischer vater, sīt du uns zuo dīner hōhen gotheit alsō werdiclīchen geedelt hāst. Diu ander werdikeit, dā du, herre got, almähtic schepfer, den menschen zuo geschaffen hāst, daȥ ist diu, daȥ du alle dise werelt, die sunnen unde den mānen, die sterne unde diu vier element, viur, waȥȥer, luft unde die erden, die vogel in den lüften, die vische in dem wāge, diu tier in dem walde, die würme in der erden, golt unde edel gesteine, der edeln würze süeȥen smac, der bluomen liehte varwe, der boume fruht unde ēt alle crēatūre: daȥ hāst du, herre, alleȥ dem menschen ze nutze unde ze dienste geschaffen durch die triuwe unde durch die minne, die du ze dem menschen hetest. Diu dritte werdikeit, dā du, herre, den menschen mit gewirdet unde geedelt hāst, daȥ ist diu, daȥ der mensche die wirde unde die ēre, die vreude unde die wünne immer mit dir ēwiclīchen nieȥen sol. Der werelde dienst unde nuz hāst du, herre, dem menschen umbe sust gegeben ze einer manunge unde ze einem vorbilde. Sīt des sō vil ist, des du, herre, dem menschen umbe sust gegeben hāst, dā bī sol der mensche nu trahten, sō mege des wol gar übermæȥiclīchen vil sīn, des du dem menschen umbe sīnen dienst geben wilt. Unde dar umbe sol ein iegelīch mensche got dienen mit ganzen triuwen; wan der lōn ist alsō übermæȥiclīchen grōȥ, daȥ in herzen sin nie betrahten möhte noch menschen zunge nie gesprechen möhte, noch ougen sehen künde in nie beliuhten, noch ōre nie gehœren. Daȥ wir nu got der hōhen werdikeit gedanken unde den grōȥen lōn verdienen, des helfe uns der almähtige got. āmen.
Sīt uns got in sō hōher werdikeit geschaffen hāt, sō wil er ouch, daȥ wir werdeȥ leben haben, unde daȥ wir einander wirde unde ēre erbieten, triuwe unde wārheit, niht haȥ unde nīt einander tragen. Wir sullen mit fride unde mit suone under einander leben. Fridlich leben hāt unser herre got liep. Wan er kom von himelrīche ūf erderīche durch anders niht wan durch den rehten fride, daȥ er uns einen rehten fride schüefe vor der ēwigen marter, ob wir selben wellen. Unde dā von sungen die engel ob der krippen: ‘Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus bonae voluntatis’—‘Gots ēre in dem himel unde guot fride ūf der erden allen den, die guoten willen habent ūf erderīche!’ Dō unser herre got hie ūf erderīche gie, sō was daȥ ie sīn ellich wort: ‘Pax vobis!’ daȥ sprichet: ‘der fride sī mit iu!’ unde alsō sprach er alle zīt zuo sīnen jungern unde zuo andern liuten. Unde dā bī suln wir merken, wie rehte liep der almehtige got den rehten vride hāt. Wan dō er von erderīche wider ūf zuo himel fuor, dō sprach er aber zuo sīnen jungern: ‘der vride sī mit iu!’ unde enphalh dem guoten Sant Pēter, daȥ er phleger wære über den rehten fride, unde gap im den gewalt, daȥ er den himel ūf slüȥȥe allen den, die den fride hielten, unde swer den fride bræche, daȥ er dem den himel vor beslüȥȥe. Daȥ ist alsō gesprochen: ēt alle, die diu gebot unsers herren zebrechent, die habent ouch den rehten fride gebrochen. Daȥ ist ouch von gote reht, swer diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ man dem den himel vor besliuȥet, sīt uns got nu geholfen hāt, daȥ wir mit rehtem leben unde mit fridlīchem leben daȥ himelrīch verdienen mügen. Wan daȥ was niht vor gotes geburt, swie wol der mensche tæt in aller der werelde, sō mohte er doch ze dem himelrīch niht komen. Got geschuof des ērsten himel unde erden, dar nāch den menschen unde sazte in in daȥ paradys. Der zebrach die gehōrsam uns allen ze schaden; dar umbe gienge wir irre sam diu hirtelōsen schāf, daȥ wir in daȥ himelrīch niht mohten, unz an die zīt, daȥ uns got den wec dar wīste mit sīner marter, unde dar umbe solde wir got immer loben unde ēren von allem unserm herzen unde von aller unserre sēle unde von aller unserre maht, daȥ wir nu sō wol ze den ēwigen freuden kæmen, ob wir wolden; daȥ hie vor manigen heiligen patriarken unde prophēten tiure was. Diu genāde unde diu sælikeit ist uns kristen liuten nu widervaren, daȥ wir nu wol daȥ himelrīch mugen verdienen. Unde swer des niht entuot unde diu gebot unsers herren zebrichet, daȥ richet er billīchen an im.
Von vrīen liuten.
Wir zelen drīer hande vrīen. Der heiȥent eine sempervrīen: daȥ sint die vrīen herren, als fürsten unde die ander frīen ze man hānt. Sō heiȥent die andern miter vrīen: daȥ sint die, die der hōhen vrīen man sint. Die driten vrīen daȥ sint die vrīen lantsæȥen, die gebūren, die dā vrī sint. Der hāt ieglīcher sīn sunder reht, als wir her nāch wol bescheiden.
Von tiutscher liute ēren.
Die tiutschen kiesent den künic: daȥ erwarb in der künic Karl. Swenne er gewīhet wirt unt ūf den stuol ze Ache gesetzet wirt mit der willen, die in erwelt hānt, sō hāt er küniclīchen gewalt unde namen.—Den künic kiuset man ze rihter umbe eigen unde umbe lēhen unde über ieglīches menschen līp unde umbe alleȥ, daȥ vür in ze klagen kumet. Der keiser mac in allen landen niht gesīn, unde mac alleȥ ungerihte niht verrihten. Dā von līhet er den fürsten unde andern herren wereltlīch gerihte. An die vierten hant mac dehein gerihte nimmer komen mit rehte, dā man umbe menschenbluot rihten sol ode umbe alle vrevel.
III HARTMAN VON OUWE.
He was born somewhere between 1160-1170, in the neighbourhood of Rottenburg in Swabia, and died about 1220.
The following extract is taken from Paul’s edition: Der Arme Heinrich, Halle, 1882.
Ein ritter sō gelēret was daȥ er an den buochen las swaȥ er dar an geschriben vant. der was Hartman genant, 5 dienstman was er ze Ouwe. er nam im mange schouwe an mislīchen buochen: dar an begunde er suochen ob er iht des funde 10 dā mite er swære stunde möhte senfter machen, und von sō gewanten sachen daȥ gotes ēren töhte und dā mite er sich möhte 15 gelieben den liuten. nu beginnet er in diuten ein rede die er geschriben vant. dar umbe hāt er sich genant, daȥ er sīner arbeit 20 die er dar an hāt geleit iht āne lōn belībe, und swer nāch sīnem lībe sī hœre sagen oder lese, daȥ er im bittende wese 25 der sēle heiles hin ze gote. man seit, er sī sīn selbes bote unde erlœse sich dā mite, swer über des andern schulde bite. Er las ditze mære, 30 wie ein herre wære ze Swāben geseȥȥen: an dem enwas vergeȥȥen deheiner der tugende die ein ritter in sīner jugende 35 ze vollem lobe haben sol. man sprach dō niemen alsō wol in allen den landen. er hete ze sīnen handen geburt und dar zuo rīcheit: 40 ouch was sīn tugent vil breit. swie ganz sīn habe wære, sīn geburt unwandelbære und wol den fürsten gelīch, doch was er unnāch alsō rīch 45 der gebürte und des guotes sō der ēren und des muotes. Sīn name der was erkennelich, und hieȥ der herre Heinrich, und was von Ouwe geborn. 50 sīn herze hāte versworn valsch und alle törperheit, und behielt ouch vaste den eit stæte unz an sīn ende. ān alle missewende 55 stuont sī ēre und sīn leben. im was der rehte wunsch gegeben ze werltlīchen ēren: die kunde er wol gemēren mit aller hande reiner tugent. 60 er was ein bluome der jugent, der werlte fröude ein spiegelglas. stæter triuwe ein adamas, ein ganziu krōne der zuht. er was der nōthaften fluht, 65 ein schilt sīner māge, der milte ein glīchiu wāge: im enwart über noch gebrast. er truoc den arbeitsamen last der ēren über rücke. 70 er was des rātes brücke, und sanc vil wol von minnen. alsus kund er gewinnen der werlte lop unde prīs. er was hübesch und dar zuo wīs. 75 Dō der herre Heinrich alsō geniete sich ēren unde guotes und frœlīches muotes und werltlīcher wünne 80 (er was für al sīn künne geprīset unde geēret), sīn hōher muot wart verkēret in ein leben gar geneiget. an im wart erzeiget, 85 also ouch an Absolōne, daȥ diu üppige krōne werltlīcher süeȥe vellet under füeȥe ab ir besten werdekeit, 90 als uns diu schrift hāt geseit. eȥ spricht an einer stete dā, ‘mēdiā vītā in morte sumus’: daȥ bediutet sich alsus, 95 daȥ wir in dem tōde sweben sō wir aller beste wænen leben. Dirre werlte veste, ir stæte, unde ir beste unde ir grœste magenkraft, 100 diu stāt āne meisterschaft. des muge wir an der kerzen sehen ein wāreȥ bilde geschehen, daȥ sī zeiner aschen wirt enmitten dō sī lieht birt. 105 wir sīn von brœden sachen. nū sehent wie unser lachen mit weinen erlischet. unser süeȥe ist vermischet mit bitterre gallen. 110 unser bluome der muoȥ vallen so er allergrüenest wænet sīn. an hern Heinrīche wart wol schīn, der in dem hœhsten werde lebet ūf dirre erde, 115 derst der versmæhete vor gote. er viel von sīme gebote ab sīner besten werdekeit in ein versmæhelīcheȥ leit: in ergreif diu miselsuht. 120 dō man die swæren gotes zuht gesach an sīnem lībe, manne unde wībe wart er dō widerzæme. nū sehent wie genæme 125 er ē der werlte wære, und wart nū alse unmære daȥ in niemen gerne an sach: alse ouch Jōbe geschach, dem edeln und dem rīchen, 130 der ouch vil jæmerlīchen dem miste wart ze teile mitten in sīme heile. Und dō der arme Heinrich alrēst verstuont sich 135 daȥ er der werlte widerstuont, als alle sīne gelīchen tuont, dō schiet in sīn bitter leit von Jōbes gedultikeit. wan eȥ leit Jōb der guote 140 mit gedultigem muote, do eȥ ime ze līdenne geschach, durch der sēle gemach. den siechtuom und die smācheit die er von der werlte leit, 145 des lobet er got und fröute sich. dō tet der arme Heinrich leider niender alsō: wan er was trūrec unde unfrō. sīn swebendeȥ herze daȥ verswanc, 150 sīn swimmendiu fröude ertranc, sīn hōchvart muoste vallen, sīn honic wart ze gallen, ein swinde vinster donreslac zerbrach im sīnen mitten tac, 155 ein trüebeȥ wolken unde dic bedaht’ im sīner sunnen blic. er sente sich vil sēre daȥ er sō manege ēre hinder im müeste lāȥen. 160 verfluochet und verwāȥen wart vil ofte der tac dā sīn geburt ane lac. Ein wēnic fröuwet er sich doch von eime trōste dannoch: 165 wan im wart dicke geseit daȥ disiu selbe siecheit wære vil mislich und etelīchiu gnislich. des wart vil maneger slahte 170 sīn gedinge und sīn ahte. er gedāhte daȥ er wære vil līhte genisbære, und fuor alsō drāte nāch der arzāte rāte 175 gegen Munpasiliere. dā vant er vil schiere niht wan den untrōst daȥ er niemer würde erlōst. Daȥ hōrte er vil ungerne, 180 und fuor gegen Sālerne und suochte ouch dā durch genist der wīsen arzāte list. den besten meister er dā vant. der seite ime zehant 185 ein seltsæne mære, daȥ er genislich wære und wære doch iemer ungenesen. dō sprach er ‘wie mac daȥ wesen? diu rede ist harte unmügelich. 190 bin ich gnislich, sō genise ich: und swaȥ mir für wirt geleit von guote oder von arbeit, daȥ trūwe ich vollebringen.’ ‘nū lāt daȥ gedingen’ 195 sprach der meister aber dō: ‘iuwẹrre sühte ist alsō (waȥ frumet daȥ ichȥ iu kunt tuo?): dā hœret arzenīe zuo: des wæret ir genislīch. 200 nu enist ab nieman sō rīch noch von sō starken sinnen der sī müge gewinnen. des sint ir iemer ungenesen, got enwellẹ der arzāt wesen.’ 205 Dō sprach der arme Heinrich ‘war umbe untrœstent ir mich? jā hān ich guotes wol die kraft: ir enwellent iuwer meisterschaft und iuwer reht ouch brechen 210 und dar zuo versprechen beidiu mīn silber und mīn golt, ich mache iuch mir alsō holt daȥ ir mich harte gerne ernert.’ ‘mir wærẹ der wille unrewert’ 215 sprach der meister aber dō: ‘und wærẹ der arzenīe alsō daȥ man sī veile funde oder daȥ man sī kunde mit deheinen dingẹn erwerben, 220 ich enlieȥe iuch niht verderben. nu enmac des leider niht sīn: dā von muoȥ iu diu helfe mīn durch alle nōt sīn versaget. ir müesent haben eine maget 225 diu vollen ērbære und ouch des willen wære daȥ sī den tōt durch iuch lite. nu enist eȥ niht der liute site daȥ eȥ iemen gerne tuo. 230 sō hœrt ouch anders niht dar zuo niwan der megede herzen bluot: daȥ wærẹ für iuwer suht guot.’ Nu erkantẹ der arme Heinrich daȥ daȥ wære unmügelich 235 daȥ iemen den erwürbe der gerne für in stürbe. alsus was im der trōst benomen ūf den er dar was komen, und dar nāch für die selben frist 240 hāt er ze sīner genist dehein gedinge mēre. des wart sīn herzesēre alsō kreftic unde grōȥ daȥ in des aller meist verdrōȥ, 245 ob er langer solte leben. nū fuor er heim und begunde geben sīn erbe und ouch sīn varnde guot, als in dō sīn selbes muot und wīser rāt lērte, 250 da erȥ aller bestẹ bekērte. er begundẹ bescheidenlīchen sīn armen friunde rīchen und trōste ouch frömde armen, daȥ sich got erbarmen 255 geruochte über der sēle heil: gotes hiusern viel daȥ ander teil. alsus sō tet er sich abe bescheidenlīchen sīner habe unz an ein geriute: 260 dar flōch er die liute. disiu jæmerlīchẹ geschiht diu was sīn eines klage niht: in klageten elliu diu lant dā er inne was erkant, 265 und ouch von vrömden landen die in nāch sage erkanden. Der ē ditz geriute und der eȥ dannoch biute, daȥ was ein frīer būman 270 der vil selten ie gewan dehein grōȥ ungemach, daȥ andẹrn gebūren doch geschach, die wirs geherret wāren, und sī die niht verbāren 275 beidiu mit stiure und mit bete. swaȥ dirrẹ gebūre gerne tete, des dūhte sīnen herren gnuoc: dar zuo er in übertruoc daȥ er dehein arbeit 280 von frömdem gewalte leit. des was deheiner sīn gelīch in dem lande alsō rīch. zuo deme zōch sich sīn herrẹ, der arme Heinrich. 285 swaȥ er in het ē gespart, wie wol daȥ nū gedienet wart und wie schōne er sīn genōȥ! wan in vil lützel des verdrōȥ swaȥ im geschach durch in. 290 er hete die triuwe und ouch den sin daȥ er vil willeclīche leit den kumber und die arbeit diu ime ze līdenne geschach. er schuof ime rīch gemach. 295 Got hete dem meiger gegeben nāch sīner ahte ein reineȥ leben. er hete ein wol erbeiten līp und ein wol werbendeȥ wīp, dar zuo het er schœniu kint, 300 diu gar des mannes fröude sint, unde hete, sō man saget, undẹr den kinden eine maget, ein kint von ahte jāren: daȥ kunde wol gebāren 305 sō rehte güetlīchen: sī wolte nie entwīchen von ir herren einen fuoȥ: umb sīne hulde und sīnen gruoȥ sō diente si ime alle wege 310 mit ir güetlīchen pflege. sī was ouch sō genæme daȥ sī wol gezæme ze kinde deme rīche an ir wætlīche. 315 Die andern heten den sin daȥ sī ze rehter māȥe in wol gemīden kunden: sō flōch sī zallen stunden zuo ime und niender anders war. 320 sī was sīn kurzewīle gar. sī hete gar ir gemüete mit reiner kindes güete an ir herren gewant, daȥ man sī zallen zīten vant 325 undẹr ir herren fuoȥe. mit süeȥer unmuoȥe wonte sī ir herren bī. dar zuo sō liebte er ouch sī swā mite sō er mohte, 330 und daȥ der meide tohte zuo ir kintlīchen spil, des gab der herre ir vil. ouch half in sēre daȥ diu kint sō līhte ze gewenenne sint. 335 er gewan ir swaȥ er veile vant, spiegel unde hārbant, gürtel unde vingerlīn und swaȥ kinden liep solte sīn. mit dienste brāhte er s’ ūf die vart 340 daȥ sī im alsō heimlich wart daȥ er sī sīn gemahele hieȥ. diu guote maget in lieȥ belīben selten eine: er dūhte sī vil reine. 345 swie starke ir daȥ geriete diu kindische miete, iedoch geliebte irȥ aller meist von gotes gebe ein süeȥer geist. Ir dienst war sō güetlich. 350 dō dō der arme Heinrich driu jār dā getwelte unde im got gequelte mit grōȥem jāmer den līp, nū saȥ der meier und sīn wīp 355 unde ir tohter, diu maget von der ich iu ē hān gesaget, bī im in ir unmüeȥekeit und begunden klagen ir herren leit. diu klage tet in michel nōt: 360 wan sī vorhten daȥ sīn tot sī sēre solte letzen und vil gar entsetzen ēren unde guotes und daȥ herters muotes 365 würde ein ander herre. si gedāhten alsō verre unz dirre selbe būman alsus frāgen began. Er sprach ‘lieber herre mīn, 370 möht eȥ mit iuwern hulden sīn, ich frāgte vil gerne, sō vil ze Sālerne von arzenīen meister ist, wie kumet daȥ ir deheines list 375 ze iuwerme ungesunde niht gerāten kunde? herre, des wundert mich.’ dō holtẹ der arme Heinrich tiefen sūft von herzen 380 mit bitterlīchem smerzen: mit solher riuwe er dō sprach daȥ ime der sūft daȥ wort zerbrach. ‘Ich hān disen schemelīchen spot vil wol gedienet umbe got. 385 wan dū sæhe wol hie vor daȥ hōh offen stuont mīn tor nāch werltlīcher wünne und daȥ niemen in sīnem künne sīnen willen baȥ hete dan ich: 390 und was daȥ doch unmügelich, wan ich enhete niht gar. dō nam ich sīn vil kleine war der mir daȥ selbe wunschleben von sīnen gnāden hete gegeben. 395 daȥ herze mir dō alsō stuont als alle werlttōren tuont, den daȥ saget ir muot daȥ sī ēre unde guot āne got mügen hān. 400 sus troug ouch mich mīn tumber wān, wan ich in lützel ane sach von des genāden mir geschach vil ēren unde guotes. dō dō des hōhen muotes 405 den hōhen portenærẹ bedrōȥ, die sælden porte er mir beslōȥ. dane kum ich leider niemer in: daȥ verworhte mir mīn tumber sin. got hāt durch rāche an mich geleit 410 ein sus gewante siecheit die niemen mag erlœsen, nū versmæhent mich die bœsen, die biderben ruochent mīn niht. swie bœse er ist der mich gesiht, 415 des boeser muoȥ ich dannoch sīn. sīn unwert tuot er mir schīn: er wirfẹt diu ougen abe mir. nū schīnet ērste an dir dīn triuwe die dū hāst, 420 daȥ dū mich siechen bī dir lāst und von mir niht enfliuhest. swie dū mich niht enschiuhest, swie ich niemen liep sī danne dir, swie vil dīns heiles stē an mir, 425 du vertrüegest doch wol mīnen tōt. nū wes unwert und wes nōt wart ie zer werlte merre? hie vor was ich dīn herre und bin dīn dürftige nū. 430 mīn lieber friunt, nu koufest dū und mīn gemahele und dīn wīp an mir den ēwigen līp daȥ dū mich siechen bī dir lāst. des dū mich gefrāget hāst, 435 daȥ sage ich dir vil gerne. ichn kunde ze Sālerne einen meister niender vinden der sich mīn underwinden getörste oder wolte. 440 wan dā mite ich solte mīner sühte genesen, daȥ müeste ein solhiu sache wesen die in der werlte nieman mit nihte gewinnen kan. 445 mir wart niht anders dā gesaget wan ich müeste haben eine maget diu vollen manbære und ouch des willen wære daȥ sī den tōt durch mich lite 450 und man sī zuo dem herzen snite, und mir wærẹ niht anders guot wan von ir herzen daȥ bluot. nū ist genuoc unmügelich daȥ ir deheiniu durch mich 455 gerne līde den tōt. des muoȥ, ich schemelīche nōt tragen unz an mīn ende. daȥ mirȥ got schiere sende!’ Daȥ er dem vater hete gesagt, 460 daȥ erhōrte ouch diu reine magt: wan eȥ hete diu vil süeȥe ir lieben herren füeȥe stānde in ir schōȥen, man möhte wol genōȥen 465 ir kintlīch gemüete hin ze der engel güete. sīner rede nam sī war unde marhte sī ouch gar: sī enkam von ir herzen nie 470 unz man des nahtes slāfen gie. dō sī zir vater füeȥen lac und ouch ir muoter, sō sī pflac, und sī beide entsliefen, manegen sūft tiefen 475 holte sī von herzen. umbe ir herren smerzen wart ir riuwe alsō grōȥ daȥ ir ougen regen begōȥ der slāfenden füeȥe, 480 sus erwahte sī diu süeȥe. Dō sī der trehene enpfunden, si erwachten und begunden sī frāgen waȥ ir wære und welher hande swære 485 sī alsō stille möhte klagen. nu enwolte sī es in niht sagen, wan daȥ ir vater aber tete vil manege drō unde bete daȥ sī eȥ ime wolte sagen. 490 sī sprach ‘ir möhtent mit mir klagen. waȥ möhte uns mē gewerren danne umb unsern herren, daȥ wir den suln verliesen und mit ime verkiesen 495 beide guot und ēre? wir gewinnen niemer mēre deheinen herren alsō guot der uns tuo daȥ er uns tuot.’ Sī sprāchen ‘tohter, dū hāst wār. 500 nū frumet uns leider niht ein hār unser riuwe und dīn klage: liebeȥ kint, dā von gedage. eȥ ist uns alsō leit sō dir. leider nū enmuge wir 505 ime ze keinen staten komen. got der hāt in uns benomen: het eȥ iemen anders getān, der müese unsern fluoch hān.’ Alsus gesweigẹten sī sī dō. 510 die naht beleip sī unfrō und morne allen den tac. swes iemen anders pflac, diz enkam von ir herzen nie unz man des andern nahtes gie 515 slāfen nāch gewonheit. dō sī sich hete geleit an ir alte bettestat, sī bereite aber ein bat mit weinenden ougen: 520 wan sī truoc tougen nāhe in ir gemüete die aller meisten güete die ich von kinde ie vernam. welch kint getete ouch ie alsam? 525 des einen sī sich gar verwac, gelebetẹ sī morne den tac, daȥ sī benamen ir leben umbe ir herren wolte geben. Von dem gedanke wart sī dō 530 vil ringes muotes unde frō, und hete deheine sorge mē, wan ein vorhtẹ diu tete ir wē, sō sīȥ ir herren sagte, daȥ er dar an verzagte, 535 und swenne sīȥ in allen drin getæte kunt, daȥ sī an in der gehenge niht enfunde daȥ mans ir iht gunde. Des wart sō grōȥ ir ungehabe 540 daȥ ir muoter dar abe unde ir vater wart erwaht als ouch an der vordern naht. sī rihten sich ūf zuo ir und sprāchen ‘sich, waȥ wirret dir? 545 dū bist vil alwære daȥ du dich sō manege swære von solher klage hāst an genomen der niemen mac zeim ende komen. war umbẹ lāstu uns niht slāfen?’ 550 sus begunden sī sī strāfen. waȥ ir diu klage töhte, die niemen doch enmöhte verenden noch gebüeȥen? sus wānden sī die süeȥen 555 gesweigen an der selben stunt: dō was ir wille in vil unkunt. Sus antwurte in diu maget. ‘als uns mīn herre hāt gesaget, sō mac man in vil wol ernern. 560 zewāre, ir welt mirȥ danne wern, sō bin ich ze der arzenīe guot. ich bin ein maget und hān den muot, ē ich in sihe verderben, ich wil ē für in sterben.’ 565 Von dirre rede wurden dō trūric unde unfrō beide muoter unde vater. sīne tohter die bat er daȥ sī die rede lieȥe 570 und ir herren gehieȥe daȥ sī geleisten möhte, wand ir diz niht entöhte. Er sprach ‘tohter, du bist ein kint und dīne triuwe die sint 575 ze grōȥ an disen dingen. du enmaht es niht für bringen als dū uns hie hāst verjehen. dū hāst des tōdes niht gesehen. swenn eȥ dir kumet ūf die frist 580 daȥ des dehein rāt ist, dū enmüeȥest sterben, und möhtest dūȥ erwerben, dū lebetest gerner dannoch: wan dun kæme nie in leider loch. 585 dā von tuo zuo dīnen munt: und wirstū für dise stunt der rede iemer mēre lūt, eȥ gāt dir ūf dīne hūt.’ Alsus sō wānde er sī dō 590 bēdiu mit bete und mit drō gesweigen: dō enmohter. sus antwurt ime sīn tohter. ‘Vater mīn, swie tump ich sī, mir wonet iedoch diu witze bī 595 daȥ ich von sage wol die nōt erkenne daȥ des lībes tōt ist starc unde strenge. swer ouch dannẹ die lenge mit arbeiten leben sol, 600 dem ist iedoch niht ze wol. wan swenne er hie geringet und ūf sīn alter bringet den līp mit michelre nōt, sō muoȥ er līden doch den tōt. 605 ist ime diu sēle dannẹ verlorn, sō wære er beȥȥer ungeborn. eȥ ist mir komen ūf daȥ zil, des ich got iemer loben wil, daȥ ich den jungen līp mac geben 610 umbẹ daȥ ēwige leben. nū sult ir mirȥ niht leiden. ich wil mir unde iu beiden vil harte wol mite varn. ich mag iuch eine wol bewarn 615 vor schaden und vor leide, als ich iu nū bescheide. ir hānt ēre unde guot: daȥ meinet mīnes herren muot; wan er iu leit nie gesprach 620 und ouch daȥ guot nie abe gebrach. die wīle daȥ er leben sol sō stēt iuwer sache wol: und lāȥe wir den sterben, sō müeȥen wir verderben. 625 den wil ich uns fristen mit alsō schœnen listen dā mite wir alle sīn genesen. nū gunnet mirs, wan eȥ muoȥ wesen.’ Diu muoter weinende sprach, 630 dō sī der tohter ernst ersach, ‘gedenke, tohter, liebeȥ kint, wie grōȥ die arbeite sint die ich durch dich erliten hān, und lā mich beȥȥern lōn enpfān 635 dan ich dich hœre sprechen. dū wilt mīn herze brechen. senfte mir der rede ein teil. jā wiltū alleȥ dīn heil an uns verwürken wider got. 640 wan gedenkest dū an sīn gebot? jā gebōt er unde bat er daȥ man muoter unde vater minne und ēre biete, und geheiȥet daȥ ze miete 645 daȥ der sēle rāt werde und lanclīp ūf der erde. dū gihst, dū wellest dīn leben umb unser beider fröude geben: dū wilt uns beiden 650 daȥ leben vaste leiden. daȥ dīn vater unde ich gerne leben, daȥ ist durch dich. a waȥ solte uns līp unde guot, b waȥ solte uns werltlich muot, c swenne wir dīn enbæren? d dune. . . . . . jā soltū, liebiu tohter mīn, unser beider fröude sīn, 655 gar unsers lībes wünne, ein bluome in dīme künne, unsers alters ein stap. und lāstū uns über dīn grap gestēn von dīnen schulden, 660 dū muost von gotes hulden iemer sīn gescheiden: daȥ koufest an uns beiden.’ a ‘wiltu uns tohter wesen guot, b sō soltū rede und den muot c durch unsers herren hulde lān, d die ich von dir vernomen hān.’ Si sprach ‘muoter, ich getrūwe dir und mīnem vater her ze mir 665 aller der genāden wol der vater unde muoter sol leisten ir kinde, als ich eȥ wol bevinde an iu allertegelich. 670 von iuwern gnāden hān ich die sēle und einen schœnen līp. mich lobet man unde wīp, und alle die mich sehende sint, ich sī daȥ schœneste kint 675 daȥ sī zir lebene haben gesehen. wem soll ich der genāden jehen niuwan iu zwein nāch gote? des sol ich ze iuwerm gebote iemer vil gerne stān: 680 wie michel reht ich des hān! muoter, sæligeȥ wīp, sīt ich nū sēle unde līp von iuwern genāden hān, sō lāntȥ an iuwern hulden stān 685 daȥ ich ouch die beide von dem tiuvel scheide und mich gote müeȥe geben. jā ist dirre werlte leben niuwan der sēle verlust. 690 ouch hāt mich werltlīch gelust unz her noch niht berüeret, der hin zer helle füeret. nū wil ich gote genāde sagen daȥ er in mīnen jungen tagen 695 mir die sinne hāt gegeben daȥ ich ūf diz brœde leben ahte harte kleine. ich wil mich alsus reine antwürtẹn in gotes gewalt. 700 ich fürhte, solt ich werden alt, daȥ mich der werlte süeȥe zuhte under füeȥe, als sī vil manegen hāt gezogen den ouch ir süeȥe hāt betrogen: 705 sō würde ich līhte gote entsaget. gote müeȥe eȥ sīn geklaget daȥ ich unz morne leben sol: mir behaget diu werlt niht sō wol. ir meiste liep ist herzeleit 710 (daȥ sī iu für wār geseit), ir süeȥer lōn ein bitter nōt, ir lancleben ein gæher tōt. wir hān niht gewisses mē wan hiute wol und morne wē 715 und ie ze jungest der tōt. daȥ ist ein jæmerlīchiu nōt. eȥ enschirmet geburt noch guot, schœne, sterke, hōher muot, eȥ enfrumt tugent noch ēre 720 für den tōt niht mēre dann ungeburt und untugent. unser leben und unser jugent ist ein nebel unde ein stoup, unser stæte bibent als ein loup. 725 er ist ein vil verschaffen gouch der gerne in sich vaȥȥt den rouch, eȥ sī wīp oder man, der diz niht wol bedenken kan und ouch der werlt nāch volgende ist. 730 wan uns ist über den fūlen mist der pfeller hie gespreitet: swen nū der blic verleitet, der ist zuo der hellẹ geborn unde enhāt niht mē verlorn 735 wan beidiu sēle unde līp. nu gedenkent, sæligeȥ wīp, müeterlīcher triuwe und senftent iuwer riuwe die ir dā habent umbe mich: 740 so bedenket ouch der vater sich. ich weiȥ wol daȥ er mir heiles gan. er ist ein alsō biderber man daȥ er erkennet wol daȥ ir unlange doch mit mir 745 iuwer fröude mügent hān, ob ich joch lebende bestān. belībe ich āne man bī iu zwei jār oder driu, sō ist mīn herre līhte tōt, 750 und kument in sō grōȥe nōt vil līhte von armuot daȥ ir mir alsolheȥ guot zeinem man niht mugent geben, ich enmüeȥe alse swache leben 755 daȥ ich iu lieber wære tōt. nu verswīgẹ wir aber der nōt, daȥ uns niht enwerre und uns mīn lieber herre were und alsō lange lebe 760 unz daȥ man mich zeim manne gebe der rīche sī unde wert: sō ist geschehen des ir dā gert und wænent mir sī wol geschehen. anders hāt mir mīn muot verjehen. 765 wirt er mir liep, daȥ ist ein nōt: wirt er mir leit, daȥ ist der tōt. wan sō hān ich iemer leit und bin mit ganzer arbeit gescheiden von gemache 770 mit maneger hande sache diu den wīben wirret und sī ze fröuden irret. nū setzt mich in den vollen rāt der dā niemer zergāt. 775 mīn gert ein frīer būman dem ich wol mīnes lībes gan. zwāre, dem sult ir mich geben, sō ist geschaffet wol mīn leben. im gēt sīn pfluoc harte wol, 780 sīn hof ist alles rātes vol, da enstirbet ros noch daȥ rint, da enmüent diu weinenden kint, da enist ze heiȥ noch ze kalt, dā wirt von jāren niemen alt, 785 der alte wirt junger, da enist frost noch hunger, da enist deheiner slahte leit, da ist ganziu fröude ān arbeit. ze dem wil ich mich ziehen 790 und solhen bū fliehen den daȥ fiur und der hagel sleht und der wāc abe tweht, mit dem man ringet unde ie ranc. swaȥ man daȥ jār alse lanc 795 dar ūf gearbeiten mac, daȥ verliuset schiere ein halber tac. den bū den wil ich lāȥen: er sī von mir verwāȥen. ir minnent mich: deist billich. 800 nū sihe ich gerne daȥ mich iuwer minne iht unminne. ob ir iuch rehter sinne an mir verstān kunnent und ob ir mir gunnent 805 beide guotes unde ēren, sō lāȥet mich kēren ze unserm herren Jēsū Krist, des gnāde alsō stæte ist daȥ sī niemer zergāt, 810 unde ouch zuo mir armen hāt alsō grōȥe minne als zeiner küniginne. ich sol von mīnen schulden ūȥ iuwern hulden 815 niemer komen, wil eȥ got. eȥ ist gewisse sīn gebot daȥ ich iu sī undertān, wan ich den līp von iu hān: daȥ leist ich āne riuwe. 820 ouch sol ich māne triuwe an mir selber niht brechen. ich hōrte ie daȥ sprechen, swer den andern fröuwet sō daȥ er selbe wirt unfrō, 825 und swer den andern krœnet und sich selben hœnet, der triuwen sī ze vil. wie gerne ich iu des volgen wil daȥ ich iu triuwe leiste, 830 mir selber doch die meiste. welt ir mir wenden mīn heil, sō lāȥ ich iuch ein teil ē nāch mir geweinen, ich enwelle mir erscheinen 835 wes ich mir selber schuldic bin. ich wil iemer dā hin da ich volle fröude vinde. ir hānt doch mē kinde: diu lānt iuwer fröude sīn 840 und getrœstent ir iuch mīn. wan mir mac daȥ nieman erwern, zwāre, ich enwelle ernern mīnen herren unde mich. muoter, jā hōrte ich dich 845 klagen unde sprechen ē, eȥ tæte dīme herzen wē, soltest dū ob mīme grabe stān. des wirst du harte wol erlān: dū stāst ob mīme grabe niht. 850 wan dā der tōt geschiht, daȥ enlāt dich niemen sehen: eȥ sol ze Sālerne geschehen. a dā sol uns viere der tōt b lœsẹen von aller slahte nōt. des tōdes des genese wir, und ich doch verre baȥ dan ir.’ 855 Dō sī daȥ kint dō sāhen ze dem tōde sō gāhen, und eȥ sō wīslīchen sprach unde menschlich reht zerbrach, si begunden ahten under in 860 daȥ die wīsheit und den sin niemer erzeigen kunde dehein zunge in kindes munde. sī jāhen daȥ der heiliggeist der rede wære ir volleist, 865 der ouch sante Niklauses pflac dō er in der wagen lac und in die wīsheit lērte daȥ er ze gote kērte sīne kintlīche güete: 870 und bedāhtẹn sich in ir gemüete daȥ sī niht enwolden sī wenden noch ensolden des sī sich hete an genomen: der willẹ sī ir von gote komen. 875 von jāmẹr erkalte in der līp, dō der meiger und sīn wīp an dem bette sāȥen und vil gar vergāȥen durch des kindes minne 880 der zungen und der sinne sā ze der selben stunde. ir enwederȥ enkunde einic wort gesprechen. daȥ gegihtẹ begunde brechen 885 die muoter von leide. sus gesāȥen sī beide riuwic unde unfrō unz sī sich bedāhten dō waȥ in ir trūren töhte: 890 sō man ir doch niht enmöhte benemen ir willen unde ir muot, sō enwære in niht alsō guot sō daȥ sī irs wol gunden, wan sī doch niht enkunden 895 ir niemer werden āne baȥ; enpfiengen sī der rede haȥ, eȥ möhte in umbe ir herren vil harte wol gewerren, und verviengen anders niht dā mite. 900 mit vil willeclīchem site sprāchen sī beide dō daȥ sī der rede wæren frō. Des fröute sich diu reine maget. dō eȥ vil kūme was getaget 905 dō gie sī dā ir herre slief. sīn trūtgemahele ime rief, sī sprach ‘herre, slāfent ir?’ ‘nein ich, gemahele, sage mir, wie bistū hiute alsō fruo?’ 910 ‘herrẹ, dā twinget mich derzuo der jāmer iuwerr siecheit.’ er sprach ‘gemahelẹ, daȥ ist dir leit: daȥ erzeigest du an mir wol, als eȥ dir got vergelten sol. 915 nune mag es dehein rāt sīn.’ ‘entriuwen, lieber herre mīn, iuwer wirt vil guot rāt. sīt eȥ alsus umbe iuch stāt daȥ man iu gehelfen mac, 920 ichn gesūme iuch niemer tac. herre, ir hānt uns doch gesaget, ob ir hetent eine maget diu gernẹ den tōt durch iuch lite, dā soltent ir genesen mite. 925 diu wil ich weiȥgot selbe sīn: iuwer leben ist nützer dan daȥ mīn.’ Dō gnādẹte ir der herre des willen harte verre. und ervollẹten im diu ougen 930 von jāmer alsō tougen. er sprach ‘gemahelẹ, ja ist der tōt iedoch niht ein senftiu nōt, als dū dir līhte hāst gedāht. du hāst mich des wol innen brāht, 935 möhtestū, dū hülfest mir. des genüegẹt mich wol von dir. ich erkenne dīnen süeȥen muot: dīn wille ist reine unde guot. ichn sol ouch niht mē von dir gern. 940 dū maht mich des niht wol gewern daȥ dū dā gesprochen hāst. die triuwe die du an mir begāst, die sol dir vergelten got. ditz wærẹ der lantliute spot, 945 swaȥ ich mich für dise stunde arzenīen underwunde, und mich doch niht vervienge wan als eȥ doch ergienge. gemahele, dū tuost als diu kint 950 diu dā gæhes muotes sint: swaȥ den kumet in den muot, eȥ sī übel oder guot, dar zuo ist in allen gāch, und geriuwẹt sī sēre dar nāch. 955 gemahele, alsō tuost ouch dū. der rede ist dir ze muote nū: der d e von dir nemen wolte, sō manȥ danne enden solte, so geriuweȥ dich vil līhte doch.’ 960 und daȥ sī sich ein teil noch baȥ bedæhte des bat er. er sprach ‘dīn muoter und dīn vater die enmugen dīn niht wol enbern. ich sol ouch niht ir leides gern 965 die mir ie gnāde tāten. swaȥ sī dir beide rāten, liebẹ gemahele, daȥ tuo.’ hie mite lachete er dar zuo, wan er lützel sich versach 970 daȥ doch sider dō geschach. Sus sprach er zuo der guoter. der vater und diu muoter sprāchen ‘lieber herre, ir hānt uns vil verre 975 geliebet und geēret: daȥ enwærẹ niht wol bekēret, wir engültenȥ iu mit guote. unser tohter ist ze muote daȥ sī den tōt durch iuch dol: 980 des gunne wir ir harte wol. eȥ ist hiutẹ der dritte tac daȥ sī uns alleȥ ane lac daȥ wir ir sīn gunden: nū hāt sīȥ an uns funden. 985 nū lāȥe iuch got mit ir genesen: wir wellen ir durch iuch entwesen.’ Do im sīn gemahele dō bōt für sīnen siechtuom ir tōt und man ir ernest ersach, 990 dō wart dō michel ungemach und jæmerlīch gebærde. manc mislīchiu beswærde huop sich dō under in, zwischẹn dem herren unde in drin. 995 ir vater unde ir muoter die erhuoben michel weinen hie: des weinens tet in michel nōt umb ir vil lieben kindes tōt. nū begunde ouch der herre 1000 gedenken alsō verre an des kindes triuwe, und begreif in ein riuwe, daȥ er sēre weinen began, und zwīvelte vaste dran 1005 weder eȥ beȥȥer getān möhte sīn oder verlān. von vorhten weinte ouch diu maget: sī wānde er wære dran verzaget. sus wārens alle unfrō. 1010 sī gerten keines dankes dō. Ze jungest dō bedāhte sich ir herrẹ, der arme Heinrich, und begunde sagen in grōȥe gnāde allen drin 1015 der triuwen und des guotes (diu maget wart rīches muotes daȥ ers gevolgẹte gerne), und bereitẹ sich ze Sālerne sō er schiereste mohte. 1020 swaȥ ouch der megede tohte, daȥ wart vil schiere bereit: schœniu pfert und rīchiu kleit, diu sī getruoc nie vor der zīt: hermin unde samīt, 1025 den besten zobel den man vant, daȥ was der megede gewarit. Nū wer möhte volgesagen die herzeriuwe und daȥ klagen, der muoter grimmigeȥ leit 1030 und ouch des vater arbeit? eȥ wærẹ wol undẹr in beiden ein jæmerliīcheȥ scheiden, dō sī ir liebeȥ kint von in gefrumten sō gesundeȥ hin 1035 niemer mē ze sehenne in den tōt, wan daȥ in senftet ir nōt diu reine gotes güete, von der doch daȥ gemüete ouch dem jungen kinde quam 1040 daȥ eȥ den tōt gerne nam. eȥ was āne ir rāt kōmen: dā von wart von ir herzẹn genomen alliu klage und swære, wan eȥ anders wunder wære 1045 daȥ in ir herze niht zerbrach. ze liebe wart ir ungemach, daȥ sī dar nāch deheine nōt liten umbe ir kindes tōt.
IV WALTHER VON DER VOGELWEIDE.
The exact dates of his birth and death are unknown. His chief poems were written between the years 1187 and 1230.
The best edition of his works is: Walther von der Vogelweide, herausgegeben und erklärt von W. Wilmanns, Halle, 1883 (2nd edit.).
1. Ir sult sprechen: ‘willekomen!’ der iu mære bringet, daȥ bin ich. Alleȥ daȥ ir habt vernomen, daȥ ist gar ein wint: nū frāget mich. 5 Ich wil aber miete: wirt mīn lōn iht guot, sō sage ich iu vil līhte, daȥ in sanfte tuot. seht, waȥ man mir ēren biete. Ich wil tiuschen frouwen sagen 10 solhiu mære, daȥ si deste baȥ Al der werlte suln behagen: āne grōȥe miete tuon ich daȥ. Waȥ wold’ ich ze lōne? si sint mir ze hēr; 15 sō bin ich gefüege und bite si nihtes mēr wan daȥ si mich grüeȥen schōne. Ich hān lande vil gesehen unde nam der besten gerne war: Übel müeȥe mir geschehen, 20 künde ich ie mīn herze bringen dar, Daȥ im wol gevallen wolde fremeder site. nū waȥ hülfe mich, ob ich unrehte strite? tiuschiu zuht gāt vor in allen. 25 Von der Elbe unz an den Rīn und her wider unz an Ungerlant Mügen wol die besten sīn, die ich in der werlte hān erkant. Kan ich rehte schouwen 30 guot gelāȥ und līp, sam mir got, sō swüere ich wol, daȥ hie diu wīp beȥȥer sint danne ander frouwen. Tiusche man sint wol gezogen, rehte als engel sint diu wīp getān. 35 Swer si schiltet, derst betrogen: ich enkan sīn anders niht verstān. Tugent und reine minne, swer die suochen wil, der sol komen in unser lant: da ist wünne vil: 40 lange müeȥe ich leben dar inne!
2. Owē war sint verswunden alliu mīniu jār! ist mir mīn leben getroumet oder ist eȥ wār? daȥ ich ie wānde, daȥ iht wære, was daȥ iht? dar nāch hān ich geslāfen und enweiȥ es niht. 45 Nū bin ich erwachet, und ist mir unbekant, daȥ mir hie vor was kündic als mīn ander hant. liut unde lant, dā ich von kinde bin erzogen, die sint mir fremde worden, reht’ als eȥ sī gelogen: Die mīne gespilen wāren, die sint træge und alt; 50 bereitet ist daȥ velt, verhouwen ist der walt: wan daȥ daȥ waȥȥer fliuȥet, als eȥ wīlent flōȥ, für wār ich wāndẹ mīn ungelücke würde grōȥ. mich grüeȥet maneger trāge, der mich bekande ē wol. diu werlt ist allenthalben ungenāden vol. 55 als ich gedenke an manegen wünneclīchen tac, die sint mir enpfallen gar als in daȥ mer ein slac, iemer mēre owē! Owē wie jæmerlīche junge liute tuont! den vil unriuweclīche ir gemüete stuont, 60 die kunnen niuwan sorgen: owē wie tuont si sō? swar ich zer werlte kēre, dā ist nieman frō: Tanzen unde singen zergāt mit sorgen gar. nie kristenman gesach sō jæmerlīchiu jār. nū merket, wie den frouwen ir gebende stāt; 65 die stolzen ritter tragent dörperlīche wāt. Uns sint unsenfte brieve her von Rōme komen, uns ist erloubet trūren und fröude gar benomen. daȥ müet mich inneclīchen (wir lebten ē vil wol), daȥ ich nū für mīn lachen weinen kiesen sol. 70 diu wilden vogellīn betrüebet unser klage: waȥ wunders ist, ob ich dā von vil gar verzage? waȥ spriche ich tumber man durch mīnen bœsen zorn? swer dirre wünne volget, der hāt jene dort verlorn iemer mēre, owē! 75 Owē wie uns mit süeȥen dingen ist vergeben! ich sihe die gallen mitten in dem honege sweben. diu werlt ist ūȥen schœne, wīȥ, grüen’ unde rōt und innen swarzer varwe, vinster sam der tōt. Swen si nū habe verleitet, der schouwe sīnen trōst: 80 er wirt mit swacher buoȥe grōȥer sünde erlōst. dar an gedenket, ritter! eȥ ist iuwer dinc; ir traget die liehten helme und manegen herten rinc, Dar zuo die vesten schilte und diu gewīhten swert. wolte got, wær ich der sigenünfte wert, 85 sō wolte ich nōtic man verdienen rīchen solt. joch meine ich niht die huoben noch der hērren golt: ich wolte selbe krōne ēweclīchen tragen; die möhte ein soldenære mit sīme sper bejagen. möht ich die lieben reise gevaren über sē, 90 sō wolte ich denne singen ‘wol’ und niemer mēre ‘owē,’ niemer mēre ‘owē!’
3. Dō der sumer komen was und die bluomen durch daȥ gras wünneclīche ensprungen, 95 aldā die vogele sungen, dār kom ich gegangen an einen anger langen, dā ein lūter brunne entspranc; vor dem walde was sīn ganc, 100 dā diu nahtegale sanc. Bī dem brunnen stuont ein boum, dā gesach ich einen troum. ich was zuo dem brunnen gegangen von der sunnen, 105 daȥ diu linde mære den küelen schaten bære. bī dem brunnen ich gesaȥ: mīner swære ich gar vergaȥ, schiere entslief ich umbe daȥ. 110 Dō bedūhte mich zehant, wie mir dienten elliu lant, wie mīn sēle wære ze himel āne swære und der līp hie solte 115 gebāren swie er wolte. dā enwas mir niht ze wē. got der waldes, swie’ȥ ergē: schœner troum enwart nie mē. Gerne sliefe ich iemer dā, 120 wan ein unsæligiu krā, diu begonde schrīen. daȥ alle krā gedīen alse ich in des günne! si nam mir michel wunne. 125 von ir schrīenne ich erschrac: wan daȥ dā niht steines lac, sō wær’ eȥ ir suontac. Wan ein wunderalteȥ wīp diu getrōste mir den līp. 130 die begonde ich eiden. nū hāt si mir bescheiden waȥ der troum bediute. daȥ merken wīse liute; zwēne und einer daȥ sint drī; 135 dannoch seitẹ si mir dā bī, daȥ mīn dūme ein vinger sī.
4. Ich saȥ ūf eime steine und dahte bein mit beine; dar ūf satzt ich den ellenbogen; 140 ich hete in mīne hant gesmogen daȥ kinne und ein mīn wange: dō dāhte ich mir vil ange, wie man zer werlte solte leben. deheinen rāt kond ich gegeben, 145 wie man driu dinc erwürbe, der keineȥ niht verdürbe. diu zwei sint ēre und varnde guot, daȥ dicke einander schaden tuot; daȥ dritte ist gotes hulde, 150 der zweier übergulde. die wolte ich gerne in einen schrīn; jā leider des enmac niht sīn, daȥ guot und werltlīch ēre und gotes hulde mēre 155 zesamene in ein herze komen. stīg’ unde wege sint in benomen: untriuwe is in der sāȥe, gewalt vert ūf der strāȥe, fride unde reht sint sēre wunt. 160 diu driu enhabent geleites niht, diu zwei enwerden ē gesunt.
5. Ich hōrte ein waȥȥer dieȥen und sach die vische flieȥen; ich sach swaȥ in der werlte was, 165 velt unde walt, loup rōr und gras; swaȥ kriuchet unde fliuget und bein zer erden biuget, daȥ sach ich unde sage iu daȥ: der keineȥ lebet āne haȥ. 170 daȥ wilt und daȥ gewürme die strītent starke stürme, sam tuont die vogel under in; wan daȥ sie habent einen sin: sie diuhten sich ze nihte, 175 sie enschüefen starc gerihte: sie kiesent künege unde reht, sie setzent hērren unde kneht. sō wē dir, tiuschiu zunge, wie stēt dīn ordenunge, 180 daȥ nū diu mucke ir künic hāt und daȥ dīn ēre alsō zergāt! bekērā dich, bekēre! die zirken sint ze hēre, die armen künege dringent dich: Philippe setze en weisen ūf und heiȥ sie treten hinder sich!
6. Ich sach mit mīnen ougen man unde wībe tougen, dā ich gehōrte und gesach swaȥ iemen tet, swaȥ iemen sprach. 190 ze Rōme hōrte ich liegen und zwēne künege triegen. dā von huop sich der meiste strīt, der ē was oder iemer sīt, daȥ sich begonden zweien 195 die pfaffen unde leien. daȥ was ein nōt vor aller nōt: līp unde sēle lac dā tōt, die pfaffen striten sēre: doch wart der leien mēre. 200 diu swert sie legeten dernider und griffen zuo der stōle wider: sie bienen die sie wolten und niuwet den sie solten. dō stōrte man diu goteshūs. 205 ich hōrte verre in einer klūs vil michel ungebære: dā weinde ein klōsenære, er klagete gote sīniu leit: ‘ōwē, der bābest ist ze junc: hilf, hērre, dīner Kristenheit!’
7. 210 Diu krōne ist elter dan der künec Philippes sī: dā muget ir alle schouwen wol ein wunder bī, wie s’ ime der smit sō ebene habe gemachet. sīn keiserlicheȥ houbet zimt ir alsō wol, daȥ sie ze rehte nieman guoter scheiden sol. 215 ir dwedereȥ daȥ ander niht enswachet. sie liuhtent beide ein ander an, daȥ edele gesteine wider den jungen man: die ougenweide sehent die fürsten gerne. swer nū des rīches irre gē, 220 der schouwe, wem der weise ob sīme nacke stē: der stein ist aller fürsten leitesterne.
8. Mir ist verspart der sælden tor: dā stēn ich als ein weise vor, mich hilfet niht swaȥ ich dar an geklopfe. 225 wie möhte ein wunder grœȥer sīn? eȥ regent beidenthalben mīn, daȥ mir des alles niht enwirt ein tropfe. des fürsten milte ūȥ Ōsterrīche freut dem süeȥen regen gelīche 230 beidiu liute und ouch daȥ lant. er ist ein schœne wol gezieret heide, dar abe man bluomen brichet wunder: und bræche mir ein blat dar under diu sīn vil milte rīchiu hant, 235 sō möhte ich loben die süeȥen ougenweide. hie bī sī er an mich gemant.
9. Ich hān mīn lēhen, al die werlt! ich hān mīn lēhen! nū enfürhte ich niht den hornunc an die zēhen und wil alle bœse hērren deste minre vlēhen. 240 der edel künec, der milte künec hāt mich berāten, daȥ ich den sumer luft und in dem winter hitze hān. mīn’ nāhgebūren dunke ich verre baȥ getān: sie sehent mich niht mēr an in butzen wīs, alsō sie tāten. ich bin ze lange arm gewesen ān’ mīnen danc. 245 ich was sō volle scheltens, daȥ mīn ātem stanc. daȥ hāt der künec gemachet reine und dar zuo mīnen sanc.
10. Ōwē hovelīcheȥ singen, daȥ dich ungefüege dœne solten ie ze hove verdringen! 250 daȥ sie schiere got gehœne! ōwē, daȥ dīn wirde alsō geliget, des sint alle dīne friunde unfrō. daȥ muoȥ eht sō sīn, nū sī alsō: frō Unfuoge, ir habt gesiget. 255 Der uns freude wider bræhte, diu reht und gefüege wære, hei wie wol man des gedæhte, swā man von im seite mære! eȥ wær’ ein vil hovelīcher muot, 260 des ich iemer gerne wünschen sol. frouwen unde hērren zæme eȥ wol: ōwē daȥ eȥ nieman tuot! Die daȥ rehte singen stœrent, der ist ungelīche mēre 265 danne die eȥ gerne hœrent. des volg’ ich der alten lēre: ich enwil niht werben ze der mül; dā der stein sō riuschend’ umbe gāt und daȥ rat sō manegẹ unwīse hāt, 270 merket wer dā harpfen sül! Die sō frevellīchen schallent, der muoȥ ich vor zorne lachen, daȥ s’ in selben wol gevallent mit als ungefüegen sachen. 275 die tuont sam die frösche in eime sē, den ir schrīen alsō wol behaget, daȥ diu nahtegal dā von verzaget, sō si gerne sunge mē. Der unfuoge swīgen hieȥe, 280 waȥ man noch von freuden sunge, und sie abe den bürgen stieȥe, daȥ si dā die frōn iht twunge! wurden ir die grōȥen höve benomen, daȥ wær’ alleȥ nāch dem willen mīn: 285 bien gebūren lieȥe ich sie wol sīn, dannen ist s’ ouch here komen.
11. Der rīfe tet den kleinen vogelen wē, daȥ sie niht ensungen. nū hōrte ich s’aber wünneclīche als ē: 290 nū ist diu heide entsprungen. dā sach ich bluomen strīten wider den klē, weder ir lenger wære. mīner frouwen seite ich disiu mære. Uns hāt der winter kalt und ander nōt 295 vil getān ze leide. ich wānde, daȥ ich iemer bluomen rōt sæhe an grüener heide. joch schāte eȥ guoten liuten, wære ich tōt, die nāch freuden rungen 300 und ie gerne tanzten unde sprungen. Versūmde ich disen wünneclīchen tac, sō wær’ ich verwāȥen und wære an freude ein angestlīcher slac: dennoch müese ich lāȥen 305 al mīne freude, der ich wīlent pflac. got gesegen’ iuch alle: wünschet noch, daȥ mir ein heil gevalle.
12. Wīp muoȥ ēt iemer sīn der wībe hōhste name und tiuret baȥ dan frouwe, als ich’ȥ erkenne. 310 swā nū deheiniu sī, diu sich ir wīpheit schame, diu merke disen sanc und kiese denne. under frouwen sint unwīp, under wīben sint sie tiure: wībes name und wībes līp 315 die sint beide vil gehiure. swie’ȥ umb’ alle frouwen var, wīp sint alle frouwen gar. zwīvellop daȥ hœnet, als under wīlen frouwe: wīp dēst ein name der s’alle krœnet.
13. 320 Sō die bluomen ūȥ dem grase dringent, same sie lachen gegen der spileden sunnen, in einem meien an dem morgen fruo, und diu kleinen vogellīn wol singent in ir besten wīse die sie kunnen, 325 waȥ wünne mac sich dā genōȥen zuo? eȥ ist wol halb ein himelrīche. suln wir sprechen, waȥ sich deme gelīche, sō sage ich, waȥ mir dicke baȥ in mīnen ougen hāt getān, 330 und tæte ouch noch, gesæhe ich daȥ. Swā ein edeliu schœne frouwe reine wol gekleidet unde wol gebunden durch kurzewīle zuo vil liuten gāt, hovelīchen hōchgemuot, niht eine, 335 umbe sehendẹ ein wēnic under stunden: alsam der sunne gegen den sternen stāt: der meie bringe uns al sīn wunder, waȥ ist dā sō wünneclīches under als ir vil minneclīcher līp? 340 wir lāȥen alle bluomen stān, und kapfen an daȥ werde wīp. Nū wol dan, welt ir die wārheit schouwen, gēn wir zuo des meien hōchgezīte! der ist mit aller sīner krefte komen. 345 seht an in und seht an werde frouwen, wedereȥ daȥ ander überstrīte, daȥ beȥȥer spil ob ich daȥ habe genomen. ōwē der mich dā welen hieȥe, deich daȥ eine durch daȥ ander lieȥe, 350 wie rehte schiere ich danne küre! hēr Meie, ir müeset merze sīn, ē ich mīne frouwen dā verlüre.
14. Swie wol der heide ir manicvaltiu varwe stāt, sō wil ich doch dem walde jehen, 355 daȥ er vil mēre wünneclīcher dinge hāt. noch ist dem velde baȥ geschehen. sō wol dir, sumer, sus getāner emȥekeit! sumer, daȥ ich iemer lobe dīne tage, mīn trōst, sō trœste ouch mīne klage: 360 ich sage dir, waȥ mir wirret: diu mir ist liep, der bin ich leit. Ich mac der guoten niht vergeȥȥen noch ensol, diu mir sō vil gedanke nimet. die wīle ich singe, wil ich vinden iemer wol 365 ein niuwe lop, daȥ ir gezimet. nū habe ir diȥ für guot (sō lobe ich danne mē): eȥ tuot in den ougen wol, daȥ man sie siht, und daȥ man ir vil tugende giht, daȥ tuot wol in den ōren. 370 sō wol ir des! sō wē mir, wē!
15. In einen zwīvellīchen wān was ich geseȥȥen und gedāhte, ich wolte von ir dienste gān, wan daȥ ein trōst mich wider brāhte. 375 trōst mag eȥ rehte niht geheiȥen, ouwē des! eȥ ist vil kūme ein kleineȥ trœstelīn, sō kleine, swenne ich’ȥ iu gesage, ir spottet mīn; doch fröwet sich lützel ieman, er enwiȥȥe wes. Mich hāt ein halm gemachet frō: 380 er giht, ich süle genāde vinden. ich maȥ daȥ selbe kleine strō, als ich hie vore sach von kinden. nū hœret unde merket, ob si’ȥ denne tuo: ‘si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuot.’ 385 swie dicke ich’ȥ tete, sō was ie daȥ ende guot. daȥ trœstet mich: dā hœret ouch geloube zuo.
16. Nieman kan beherten kindes zuht mit gerten: den man z’ēren bringen mac, 390 dem ist ein wort als ein slac. dem ist ein wort als ein slac, den man z’ēren bringen mac: kindes zuht mit gerten nieman kan beherten. 395 Hüetet iuwer zungen, daȥ zimt wol den jungen; stōȥ den rigel für die tür, lā kein bœse wort dar für. lā kein bœse wort dar für, 400 stōȥ den rigel für die tür: daȥ zimt wol den jungen, hüetet iuwer zungen. Hüetet iuwer ougen offenbāre und tougen: 405 lāt sie guote site spehen und die bœsen übersehen; und die bœsen übersehen lāt sie, guote site spehen: offenbāre und tougen 410 hüetet iuwer ougen. Hüetet iuwer ōren, oder ir sīt tōren: lāt ir bœsiu wort dar in, daȥ gunēret iu den sin. 415 daȥ gunēret in den sin, lāt ir bœsiu wort dar in, oder ir sīt tōren: hüetet iuwer ōren. Hüetet wol der drīer 420 leider alze frīer: zungen ougen ōren sint dicke schalchaft, z’ēren blint. dicke schalchaft, z’ēren blint zungen ougen ōren sint: 425 leider alze frīer hüetet wol der drīer.
17. Junc man, in swelher aht dū bist, ich wil dich lēren einen list: dū lā dir niht ze wē sīn nāch dem guote: 430 lā dir’ȥ ouch niht z’unmære sīn. und volges dū der lēre mīn, sō wis gewis, eȥ frumt dir an dem muote. die rede wil ich dir baȥ bescheiden. lāst dū dir’ȥ ze sēre leiden, 435 zergāt eȥ so ist dīn freude tōt: wilt aber dū daȥ guot ze sēre minnen, dū maht verliesen sēle und ēre. dā von sō volge mīner lēre: leg’ ūf die wāge ein rehteȥ lōt 440 und wig ouch dar mit allen dīnen sinnen, als eȥ diu māȥe eht ie gebōt.
18. Die väter hānt ir kint erzogen, dar an sie beide sint betrogen: sie brechent dicke Salomōnes lēre: 445 der sprichet, swer den besmen spar, daȥ der den sun versūme gar: des sint die ungebatten gar ān’ ēre. hie vor dō was diu werlt sō schœne, nū ịst sie worden alsō hœne. 450 des enwas niht wīlent ē: die jungen hānt die alten sō verdrungen. nū spottet alse dar der alten! eȥ wirt iu selben noch behalten. beitet unz iuwer jugent zergē: 455 swaȥ ir nū tuot, daȥ rechent iuwer jungen, daȥ weiȥ ich wol und weiȥ noch mē.
19. Wer zieret nū der ēren sal? der jungen ritter zuht ist smal, sō pflegent die knehte gar unhövescher dinge 460 mit worten und mit werken ouch. swer zühte hāt, der ist ir gouch. nemt war, wie gar unfuoge für sich dringe! hie vor dō berte man die jungen, die dā pflāgen frecher zungen; 465 nū ist eȥ ir werdekeit: sie schallent unde scheltent reine frouwen. wē ir hiuten unde ir hāren, die niht kunnen frō gebāren sunder wībe herzeleit! 470 dā mac man sünde bī der schande schouwen, die maneger ūf sich selben leit.
20. Swer āne vorhte, hērre got, wil sprechen dīniu zehen gebot und brichet diu, daȥ ist niht rehtiu minne. 475 dich heiȥet vater maneger vil: swer mīn ze bruoder niht enwil, der sprichet starkiu wort ūȥ krankem sinne. wir wahsen ūȥ gelīchem dinge: spīse frumet uns, diu wirt ringe, 480 sō si durch den munt gevert. wer kan den hērren von dem knehte scheiden swa ẹr ir gebeine blōȥeȥ fünde, und hæte er ir joch lebender künde, sō gewürme daȥ fleisch verzert? 485 im dienent kristen, juden unde heiden, der elliu lebendiu wunder nert.
21. Ōwē daȥ wīsheit unde tugent, des mannes schœne noch sīn jugent niht erben sol, sō ie der līp erstirbet! 490 daȥ mac wol klagen ein wīser man, der sich des schaden versinnen kan. Reinmār, waȥ guoter kunst an dir verdirbet! dū solt von schulden iemer des genieȥen, daȥ dich des tages wolte nie verdrieȥen, 495 du’n spræches ie den frouwen wol und guoten wībes siten. des suln sie iemer danken dīner zungen. und hætest niht wan eine rede gesungen: ‘sō wol dir, wīp, wie reine ein nam!’, dū hætest an gestriten ir lobe, daȥ elliu wīp dir iemer gnāden solten biten.
22. 500 Dēswār, Reinmār, dū riuwes mich michels harter denne ich dich, obe dū lebtes unde ich wære erstorben ich wil’ȥ bī mīnen triuwen sagen: dich selben wil ich lützel klagen, 505 ich klage dīn edelen kunst, daȥ s’ist verdorben. dū kundest al der werlte freude mēren, sō du’ȥ ze guoten dingen woltest kēren. mich riuwet dīn wol redender munt und dīn vil süeȥer sanc, daȥ der verdorben ist bī mīnen zīten. 510 daȥ dū niht eine wīle mohtest bīten! sō leiste ich dir geselleschaft: mīn singen ist niht lanc. dīn sēle müeȥe wol gevarn und habe dīn zunge danc.
V REINMAR.
Reinmar, often called Reinmar der Alte, was by birth an Alsatian. He spent many years of his active life as Court poet at Vienna, where he was extremely popular. Next to his rival Walther von der Vogelweide he was the most prolific and important lyrical poet of his period, cp. ll. 487-512, pp. 132-3. He died some time during the first decade of the thirteenth century. See Burdach, Reinmar der Alte und Walther von der Vogelweide, Leipzig, 1880, and Bartsch, Deutsche Liederdichter des zwölften his vierzehnten Jahrhunderts, Stuttgart, 1879.
1 ‘Sī koment underwīlen her die baȥ dā heime möhten sīn. Ein ritter des ich lange ger, bedæhte er baȥ den willen mīn, 5 sō wære er z’allen zīten hie, als ich in gerne sæhe. owē des, waȥ suochent die die nīdent daȥ ob iemen guot geschæhe?’ Mir ist geschehen daȥ ich niht bin 10 langer vrō wan unz ich lebe. sī wundert wer mir schœnen sin und daȥ hōhgemüete gebe daȥ ich zer werlte niht getar ze rehte alsō gebāren, 15 nie genam ich vrowen war, ich wære in holt die mir ze māȥe wāren.
2 Ein rede der liute tuot mir wē: da enkan ich niht gedulteclīchen zuo gebāren. nu tuont si’ȥ alle deste mē: 20 sī frāgent mich ze vil von mīner frouwen jāren und sprechent welher tage sī sī, dur daȥ ich ir sō lange bin gewesen mit triuwen bī; sī jehent daȥ es möhte mich verdrieȥen. nu lā daȥ aller beste wīp 25 ir zühtelōser vrāge mich genieȥen.
3 Sī jehent, der sumer der sī hie, diu wunne diu sī komen und daȥ ich mich wol gehabe als ē. nu rātet unde sprechet wie: 30 der tōt hāt mir benomen daȥ ich niemer überwinde mē. waȥ bedarf ich wunneclīcher zīt, sīt aller vröuden hērre Liutpolt in der erde līt, den ich nie tac getrūren sach? 35 eȥ hāt diu werlt an ime verlorn daȥ ir an manne nie sō jæmerlīcher schade geschach. ‘Mir armen wībe was ze wol, dō ich gedāhte an in 40 wie mīn heil an sīnem lībe lac. daȥ ich des nū niht haben sol, des gāt mit sorgen hin swaȥ ich iemer mē geleben mac. mīner wunnen spiegel derst verlorn 45 den ich mir hete ze sumerlīcher ougen weide erkorn, des muoȥ ich leider ænic sīn. dō man mir seite er wære tōt, zehant wiel mir daȥ bluot von herzen ūf die sēle mīn. 50 Die fröide mir verboten hāt mīns lieben hērren tōt alsō deich ir mēr enberen sol. sīt des nu niht mac werden rāt, in ringe mit der nōt, 55 daȥ mīn klagedeȥ herze ist jāmers vol, diu in iemer weinet, daȥ bin ich, wan er vil sælic man, jā trōste er wol ze lebenne mich. der ist nu hin: waȥ töhte ich hie? wis ime genædic, hērre got, 60 wan tugenthafter gast kam in dīn ingesinde nie.’
4 Ich welte ūf guoter liute sage und ouch durch mīnes herzen rāt ein wīp von der ich dicke trage 65 vil manige nōt diu nāhe gāt. die swære ich z’allen zīten klage, wand eȥ mir kumberlīche stāt. ich tet ir schīn den dienst mīn: wie möhte ein grœȥer wunder sīn, 70 daȥ sī mich des engelten lāt? Ze rehter māȥe sol ein man beidiu daȥ herze und al den sin ze stæte wenden, ob er kan: daȥ wirt im līhte ein guot gewin. 75 swem dā von ie kein leit bekan, der weiȥ wol wie’ch gebunden bin. ich gloube im wol, als er mir sol. von schulden ich den kumber dol: ich brāhte selbe mich dar in.
5 80 ‘Er hāt ze lange mich gemiten den ich mit triuwen nie gemeit. von sīner schulde ich hān erliten daȥ ich nie grœȥer nōt erleit. sō lebt mīn līp nāch sīnem lībe. 85 ich bin ein wīp, daȥ im von wībe nie liebes mē geschach, swie mir von im geschæhe. mīn ouge in gerner nie gesach dann ich in hiute sæhe.’ Mir ist vil liebe nu geschehen, daȥ mir sō liebe nie geschach. 90 sō gerne hān ich sī gesehen daȥ ich sī gerner nie gesach. ich scheide ir muot von schwachem muote: sī ist sō guot, ich wil mit guote ir lōnen, ob ich kan, als ich doch gerne kunde. 95 vil mēre fröiden ich ir gan dann ich mir selben gunde.
6 Wol mich lieber mære, diu ich hān vernomen, daȥ der winter swære welle ze ende komen. 100 kūme ich des erbeiten mac, want ich fröide niht enpflac sīt der kalte rīfe lac. Mich enhaȥȥet niemen, ob ich bin gemeit. 105 Weiȥ got, tuot eȥ iemen, deist unsælekeit, wande ich schaden niht enkan. swes ot sī mir wole gan, waȥ wil des ein ander man? 110 Solte ich mīne liebe bergen unde heln, sō müest ich ze diebe werden unde steln. sinneclīch ich daȥ bewar. 115 mīn gewerbe ist anderswar, ich gē dannen oder dar. Sō sī mit dem balle trībet kindes spot, daȥ’s iht sēre valle, 120 daȥ verbiete got. megde, lāt iur dringen sīn: stōȥet ir mīn frouwelīn, so’st der schade halber mīn.
7 Ich sach vil wunneclīche stān 125 die heide mit den bluomen rōt, der vīol der ist wol getān: des hāt diu nahtegal ir nōt wol überwunden diu sī twanc. zergangen ist der winter lanc. 130 ich hōrte ir sanc. Dō ich daȥ grüene loup ersach, dō lieȥ ich vil der swære mīn. von einem wībe mir geschach daȥ ich muoȥ iemer mēre sīn 135 vil wunneclīchen wol gemuot. eȥ sol mich alleȥ dunken guot swaȥ sī mir tuot. Sī schiet von sorgen mīnen līp, daȥ ich dekeine swære hān. 140 wan āne sī vier tūsent wīp dien heten’s alle niht getān. ir güete wendet mīniu leit. ich hān sī mir ze friunt bereit, swaȥ iemen seit. 145 Mir’n mac niht leides widerstān: des wil ich gar ān angest sīn. ergienge eȥ als ich willen hān, sō læge’s an dem arme mīn. daȥ mir der schœnen wurde ein teil, 150 daȥ diuhte mich ein michel heil, und wære ouch geil. Deich ir sō holdeȥ herze trage, daȥ ist in sumelīchen leit. dar umbe ich niemer sō verzage: 155 sī vliesent alle ir arebeit. waȥ hilfet sī ir arger list? si’n wiȥȥen wie’ȥ ergangen ist in kurzer frist.
8 Mīn ougen wurden liebes alsō vol, 160 dō ich die minneclīchen ērst gesach, daȥ eȥ mir hiute und iemer mē tuot wol. ein minneclīcheȥ wunder dō geschach: sī gie mir alse sanfte dur mīn ougen daȥ sī sich in der enge niene stieȥ. 165 in mīnem herzen sī sich nider lieȥ: dā trage ich noch die werden inne tougen. Lā stān, lā stān! waȥ tuost du, sælic wīp, daȥ du mich heimesuochest an der stat, dar sō gewalteclīche wībes līp 170 mit starker heimesuoche nie getrat? genāde, frowe! ich mac dir niht gestrīten. mīn herze ist dir baȥ veile danne mir: eȥ solde sīn bī mir, nu’st eȥ bī dir: des muoȥ ich ūf genāde lōnes bīten.
9 175 Ze fröiden nāhet alle tage der werlte ein wunneclīchiu zīt, ze senfte maniges herzen klage die nu der swære winter gīt. von sorge ich dicke sō verzage, 180 swenn alsō jæmerlīche līt diu heide breit. daȥ ist mir leit. diu nahtegal uns schiere seit daȥ sich gescheiden hāt der strīt.
10 Sō wol dir, wīp, wie reine ein nam! 185 wie sanfte er doch z’erkennen und ze nennen ist! eȥ wart nie niht sō lobesam, swā du’ȥ an rehte güete kērest, sō dū bist. dīn lop mit rede nieman wol volenden kan. swes dū mit triuwen pfligest wol, der ist ein sælic man 190 und mac vil gerne leben. dū gīst al der werlte hohen muot: maht dū ouch mir ein wēnic freude geben?
VI ULRICH VON LICHTENSTEIN.
Ulrich von Lichtenstein came of a better-class Styrian family, and was born about the year 1200 and died in 1275 or 1276. He was one of the best representatives of the later Court lyrical poets. For editions of his works, see Lachmann, Ausgabe der Dichtungen Ulrichs von Lichtenstein, Berlin, 1841; Bechstein, Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst, Leipzig, 1887. The following extracts are taken from Bartsch, Deutsche Liederdichter des zwölften bis vierzehnten Jahrhunderts, Stuttgart, 1889.
1 Ein tanzwīse, und ist diu vierde wīse. In dem walde süeȥe dœne singent kleiniu vogellīn. an der heide bluomen schœne blüejent gegen des meien schīn. 5 alsō blüet mīn hōher muot mit gedanken gegen ir güete, diu mir rīchet mīn gemüete sam der troum den armen tuot. Eȥ ist ein vil hōch gedinge 10 den ich gegen ir tugenden trage, daȥ mir noch an ir gelinge, daȥ ich sælde an ir bejage. des gedingen bin ich vrō. god geb’ daȥ ich’ȥ wol verende, 15 daȥ sie mir den wān iht wende der mich freut sō rehte hō. Sie vil süeȥe, valsches āne, vrī vor allem wandel gar, lāȥe mich in liebem wāne 20 die wīl eȥ niht baȥ envar; daȥ diu vreude lange wer, daȥ ich weinens iht erwache, daȥ ich gegen dem trōste lache des ich von ir hulden ger. 25 Wünschen unde wol gedenken dēst diu meiste vreude mīn. des sol mir ir trōst niht wenken, sie enlāȥe mich ir sīn mit den beiden nāhen bī, 30 sō daȥ sie mit willen gunne mir von ir sō werder wunne daȥ sie sælic immer sī. Sælic meie, du aleine trœstest al die welde gar. 35 du und al diu werlt gemeine vreut mich min dann umb ein hār. wie möht’ ir mir vreude geben āne die vil lieben guoten? von der sol ich trōstes muoten; 40 wan ir trōstes muoȥ ich leben.
2 Ein sincwīse, und ist diu sibende wīse. Wē war umbe sul wir sorgen? vreude ist guot. von den wīben sol man borgen hōhen muot. 45 wol im der in kan gewinnen von in! der’st ein sælic man. freude sol man durch sie minnen, wan dā līt vil ēren an. Wir suln tanzen singen lachen 50 durch diu wīp. dā mit mac ein man gemachen daȥ sīn līp wirdet wert, ob er mit triuwen dienet guoter wībe gruoȥ. 55 swen sīn dienest wil geriuwen, dem wirt selten kumbers buoȥ. Mit dem waȥȥer man daȥ, fiuwer laschet gar: vinster ist der sunnen tiuwer. 60 beidiu wār sint diu mære: ir hœret mēre. habet für wār ūf minen līp: rehten man von herzen sēre scheidet nieman wan diu wīp. 65 Owē owē, frowe Minne, mir ist wē. nu grīf her wie sēre ich brinne. kalder snē müeste von der hitze brinnen 70 diu mir an dem herzen līt. kanstu, Minne, triuwe minnen, sō hilfestu mir enzīt.
3 Daȥ ist ein ūȥreise. Wil iemen nāch ēren die zīt wol vertrīben, ze sælden sich kēren, bī freuden belīben, 75 der diene ze flīȥe mit triuwen vil schōne nāch der minne lōne: der ist süeȥe, reine, vil guot und aleine den guoten gemeine. Swer volget dem schilde, der sol eȥ enblanden dem lībe, dem guote, dem herzen, den handen. 80 des lōnet vil hōhe mit guotem gewinne diu vil werde Minne: diu gīt freud’ und ēre. wol ir süeȥen lēre! sie kan trœsten sēre. Der schilt wil mit zühten vil baltlīcheȥ ellen: er haȥȥet, er schiuhet Schand’ und ir gesellen. 85 got des niht enwelle daȥ man bī im vinde sō swachlīch gesinde, er wil daȥ die sīnen ūf ēre sich pīnen, in tugenden erschīnen. Erg’ unde unfuoge und unfuore diu wilde gezimt niht dem helme und touc niht dem schilde, 90 der schilt ist ein dach daȥ niht schande kan decken. sīn blic tæt’ enblecken an ēren die weichen, von vorhten erbleichen: diu varwe ist ir zeichen. Hōchgemuote frouwen, ir sült wol gedenken: getriuwen gesellen vil stæte āne wenken 95 den minnet, den meinet, mit herzen, mit muote, daȥ in iwer huote behalte, behüete mit liebe, mit güete, vrī vor ungemüete. Sie ist āne schulde mir haȥlīch erbolgen der ich ze dienste dem schilde wil volgen. 100 nu hān ich für zürnen noch für herzen sēre niht ander schilt mēre wan den trōst aleine, daȥ ich sie baȥ meine dann ie wīp deheine. Gein ir langen kriege setz’ ich mīn gedulde: sō stē gein ir haȥȥe ze wer mīn unschulde. 105 mīn wer gein den valschen daȥ sol sīn mīn triuwe vil süeȥe āne riuwe: mīn kampflīch gewæte für ir nīdetæte daȥ sol sīn mīn stæte.
4 Ditz ist der leich. Got füege mir’ȥ ze guote: ich bin noch in dem muote 110 daȥ ich wil guoten wīben mit dienest āne valschen muot immer bī belīben. dā von rāt’ ich einen rāt der allen wol gemuoten mannen tugentlīchen stāt. Ich rāt’ iu, ēre gerende man, 115 mit triuwen, als ich beste kan: ob ir welt werende freude hān, sō sīt den wīben undertān mit triwen āne valschen muot. ir güete ist alsō rehte guot, 120 swer in mit triwen dienest tuot, den kunnen sie wol machen frō. der werlde heil gar an in līt: ir güete ist freuden hōchgezīt, ir schœne sō vil freuden gīt, 125 dā von diu herze stīgent hō. Werdekeit sunder leit kunnen sie wol friunden geben. swem sō sī 130 witze bī, der sol nāch ir hulden streben unde zinsen in sīn leben: daȥ rāte ich ūf die triwe mīn. swer ēren sælic welle sīn 135 und rīche an hōhem muote, der sol mit triwen guotiu wīp reht minnen als sīn selbes līp. vil guot vor allem guote ist der wībe güete, unde ir schœne schœne ob aller schœne. 140 ir schœne ir güete ir werdikeit ich immer gerne krœne. an ir schœne und an ir güete stāt mīn heil und ouch mīn wunne. wær’ guoter wībe schœne niht, wie selten ich gewunne deheinen ēren gernden muot. wol mich daȥ sie sint alsō guot, 145 daȥ man hāt von ir güete sō hōhen trōst für senediu leit. ir schœne, ir güete, ir werdikeit gīt mir vil hōch gemüete. Mīn muot von wīben hōhe stāt. 150 waȥ danne ob mir ir einiu hāt erzeiget hōhe missetāt? dēswār des mac wol werden rāt. Waȥ sie gegen mir hāt getān, daȥ wil ich gerne wiȥȥen lān 155 mit zühten, als ich beste kan, ūf genāde guotiu wīp. ich hān ir driu und zehen jār gedienet sunder wenken gar, bī mīnen triwen, daȥ ist wār, 160 daȥ in der zīt mīn seneder līp nie gewan sölhen wān, des mīn stæte wurde kranc. al mīn gir 165 was gein ir sleht mit triwen āne wanc. nu vert entwer ir habedanc reht als ein rat daȥ umbe gāt und als ein marder den man hāt 170 in eine lin gebunden. kund’ ich als sie unstæte sīn, sō hæt’ ich nāch dem willen mīn ān sie ein frowen funden. Ē daz ich mīn ritterlīche stæte bræch’ an guoten wīben 175 ich wold’ ē immer valscher wībe hulde vrī belīben. ich muoȥ in der stæten wībe dienest sunder lōn verderben oder ich muoȥ ir stæten herzen liebe alsus erwerben daȥ ich gewenke nimmer wanc von in. ir hōhen habedanc, 180 und mag ich den erringen, sō hān ich alleȥ daȥ ich wil, süeȥ’ ougen wunne, herzen spil, vil wunne an allen dingen. Nu waȥ bedarf mīn seneder līp 185 genāden mēr, ob ich ein wīp ze frowen vinde alsō gemuot, diu sich vor wandel hāt behuot und niht wan daȥ beste tuot? der sol mīn dienest sīn bereit 190 immer mē, swie’ȥ ergē, sunder valsch mit stætikeit. dā von gewinne ich werdikeit und alsō freuderīchen sin, 195 des ich getiuret immer bin an aller hande dingen. Vind’ ich sie, ich sol sō ritterlīchen nāch ir hulden ringen. daȥ mir von ir stætikeit muoȥ hō an ir gelingen. sie muoȥ abr ūf die triwe mīn 200 gar vrī vor allem wandel sīn, diech mēr mich lāȥe twingen und ouch in kumber bringen. jā gehœret man mich nimmer mē deheines valschen wībes lop gesprechen noch gesingen.
5 205 In dem lufte süeȥem meien, sō der walt gekleidet stāt, sō siht man sich schōne zweien alleȥ daȥ iht liebes hāt, unde ist mit ein ander vrō. 210 daȥ ist reht: diu zīt wil sō. Swā sich liep ze liebe zweiet, hōhen muot diu liebe gīt. in der beider herzen meiet eȥ mit vreuden alle zīt. 215 trūrens wil diu liebe niht, swā man liep bī liebe siht. Swā zwei liep ein ander meinent herzenlīchen āne wanc und sich beidiu sō vereinent 220 daȥ ir liebe ist āne kranc, die hāt got zesamne geben ūf ein wunneclīcheȥ leben. Stætiu liebe heiȥet minne. liebe, minne, ist al ein: 225 die kan ich in mīnem sinne niht gemachen wol zuo zwein. liebe muoȥ mir minne sīn immer in dem herzen mīn. Swā ein stæteȥ herze vindet 230 stæte liebe, stæten muot, dā von al sīn trūren swindet. stætiu liebe ist alsō guot daȥ sie stæte freude gīt stætem herzen alle zīt. 235 Möhte ich stæte liebe vinden, der wold’ ich sō stæte sīn daȥ ich dā mit überwinden wolde gar die sorge mīn. stæter liebe wil ich gern 240 unde unstæte gar verbern.
6 Disiu liet diu heiȥent vrowen tanz: diu sol niemen singen, er’n sī vrō. swer mit zühten treit der freuden kranz, und dem sīn muot stāt von wīben hō, 245 dem erloube ich sie ze singen wol: blīdeclīchen man sie tanzen sol. Trūren ist ze wāre niemen guot wan dem einen der sīn sünde klaget, hōhen lop erwirbet hōher muot. 250 guoten wīben hōchmuot wol behaget: dā von wil ich immer mēre sīn hōchgemuot durch dich, guot vrowe mīn. Vreude gibt mir dīn wol redender munt, hōhen muot dīn reine senfte sit’: 255 vreuden tou mir ūȥ des herzen grunt kumt von dir in elliu mīniu lit. got hāt sīnen vlīȥ an dich geleit, dā von dī lop ēren krōne treit. Liehtiu ougen, dā bī brūne brā, 260 hāstu und zwei rōtiu wängelīn. schœne bistu hie und schœne dā. brūn rōt wīȥ, der drīer varwe schīn treit dīn hōchgeborner schœner līp. tugende hāstu vil, guot wīplīch wīp. 265 Daȥ du alsō manege tugende hāst, dā von bin ich alles trūrens vrī. sō du alsō schœniu vor mir gāst, sō ist mir als ich in dem himel sī. got sō schœnen engel nie gewan 270 den ich für dich wolde sehen an.
VII DAS NIBELUNGEN-LIED.
B. Text.
ĀVENTIURE XVII.
Wie Kriemhilt ir man klagte und wie er begraben wart.
The following extract is from Bartsch’s edition, Leipzig, 1879.
Dō erbiten si der nahte und fuoren über Rīn. von heleden kunde nimmer wirs gejaget sīn. ein tier daȥ si dā sluogen, daȥ weinden edeliu kint. 4 jā muosen sīn engelten vil guote wīgande sint. Von grōȥer übermüete muget ir hœren sagen, und von eislīcher rāche. dō hieȥ Hagene tragen Sīfriden alsō tōten von Nibelunge lant 8 für eine kemenāten dā man Kriemhilde vant. Er hieȥ in tougenlīchen legen an die türe, daȥ sin dā solde vinden so si gienge derfüre him zer mettīne ē daȥ eȥ wurde tac, 12 der diu vrouwe Kriemhilt vil selten keine verlac. Man lūte dā zem münster nāch gewoneheit. vrou Kriemhilt diu schœne wahte manige meit: ein lieht bat si ir bringen und ouch ir gewant. 16 dō kom ein kamerære dā er Sīfriden vant. Er sah in bluotes rōten: sīn wāt was elliu naȥ. daȥ eȥ sīn herre wære, nine wesse er daȥ. hin zer kemenāten daȥ lieht truog an der hant 20 von dem vil leider mære diu vrouwe Kriemhilt ervant. Dō si mit ir vrouwen zem münster wolde gān, dō sprach der kamerære ‘jā sult ir stille stān: eȥ līt vor dem gademe ein ritter tōt erslagen.’ 24 dō begonde Kriemhilt vil harte unmæȥlīche klagen. Ē daȥ si rehte erfunde daȥ iȥ wære ir man, an die Hagenen vrāge denken si began, wie er in solde vristen: dō wart ir ērste leit. 28 von ir was allen vreuden mit sīme tōde widerseit. Dō seic si zuo der erden, daȥ si niht ensprach: die schœnen vreudelōsen ligen man dō sach. Kriemhilde jāmer wart unmāȥen grōȥ: 32 do ẹrschrē si nāch unkrefte daȥ al diu kemenāte erdōȥ. Dō sprach daȥ gesinde: ‘waȥ ob eȥ ist ein gast?’ daȥ bluot ir ūȥ dem munde von herzen jāmer brast. dō sprach si ‘eȥ ist Sīfrit, der mīn vil lieber man: 36 eȥ hāt gerāten Prünhilt, daȥ eȥ hat Hagene getān.’ Diu vrouwe bat sich wīsen dā si den helt vant. si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant. swie rōt eȥ was von bluote, si het in schiere erkant. 40 dō lac vil jæmerlīche der helt von Nibelunge lant. Dō rief vil trūreclīche diu küneginne milt: ‘owē mir mīnes leides! nu ist dir dīn schilt mit swerten niht verhouwen: du līst ermorderōt. 44 unt wesse ich wer iȥ het getān, ich riete im immer sīnen tōt.’ Alleȥ ir gesinde klagete und scrē mit ir lieben vrouwen, wand’ in was harte wē umb’ ir vil edelen herren, den si dā heten verlorn. 48 dō het gerochen Hagene harte Prünhilde zorn. Dō sprach diu jāmerhafte: ‘ir sult hine gān und wecket harte balde die Sīfrides man. ir sult ouch Sigemunde mīnen jāmer sagen, 52 ob er mir helfen welle den küenen Sīfriden klagen.’ Dō lief ein bote balde da ẹr si ligen vant, die Sīfrides helede von Nibelunge lant. mit den vil leiden mæren ir vreude er in benam. 56 si wolden’ȥ niht gelouben unz man daȥ weinen vernam. Der bote kom ouch schiere dā der künic lac. Sigemunt der herre des slāfes niht enpflac: ich wæn’ sīn herze im sagete daȥ im was geschehen, 60 ern möhte sīnen lieben sun lebenden nimmer gesehen. ‘Wachet, herre Sigemunt. mich bat nāch iu gān Kriemhilt mīn vrouwe. der ist ein leit getān daȥ ir vor allen leiden an ir herze gāt: 64 daȥ sult ir klagen helfen, wand’ eȥ iuch sēre bestāt.’ Ūf rihte sich dō Sigemunt; er sprach: ‘waȥ sint diu leit der schœnen Kriemhilde, diu du mir hāst geseit?’ der bote sprach mit weinen: ‘ine kan iu niht verdagen: 68 jā ist von Niderlanden der küene Sīfrit erslagen.’ Dō sprach der herre Sigemunt: ‘lāt daȥ schimpfen sīn und alsō bœsiu mære durch den willen mīn, daȥ ir daȥ saget iemen daȥ er sī erslagen: 72 wand’ ine kunde in nimmer unz an mīn ende verklagen.’ ‘Welt ir mir niht gelouben daȥ ir mich hœret sagen, sō muget ir selbe hœren Kriemhilde klagen unt alleȥ ir gesinde den Sīfrides tōt.’ 76 vil sēre erscrac dō Sigemunt: des gie im wærlīchen nōt. Mit hundert sīnen mannen er von den betten spranc. si zuhten zuo den handen diu scharpfen wāfen lanc, si liefen zuo dem wuofe vil jāmerliche dan. 80 dō kōmen tūsent recken des küenen Sīfrides man. Dō si sō jæmerlīche die vrouwen hōrten klagen, dō wānden sumelīche, si solden kleider tragen. janẹ mohten si der sinne vor leide niht gehaben: 84 in wart vil michel swære in ir herzen begraben. Dō kom der künec Sigemunt da ẹr Kriemhilde vant. er sprach: ‘owē der reise here in ditze lant. wer hāt mich mīnes kindes und iuch des iuwern man 88 bī alsō guoten friunden sus mortlīch āne getān?’ ‘Hey solde ich den bekennen,’ sprach daȥ vil edele wīp, ‘holt enwurde im nimmer mīn herze unt ouch mīn līp: ich geriete im alsō leide daȥ die friunde sīn 92 von den mīnen schulden müesen weinende sīn.’ Sigemunt der herre den fürsten umbeslōȥ. dō wart von sīnen vriunden der jāmer alsō grōȥ daȥ von dem starken wuofe palas unde sal 96 und ouch diu stat ze Wormeȥ von ir weinen erschal. Donẹ kunde niemen trœsten daȥ Sīfrides wīp. man zōch ūȥ den kleidern den sīnen schœnen līp. man wuosch im sīne wunden unt leit’ in ūf den rē. 100 dō was sīnen liuten von grōȥem jāmere wē. Dō sprāchen* sīne recken von Nibelunge lant: ‘in sol immer rechen mit willen unser hant. er ist in dirre bürge, der iȥ hāt getān.’ 104 dō īlten nāch wāfen alle Sīfrides man. Die ūȥ erwelten degene mit schilden kōmen dar, einlef hundert recken: die hete an sīner schar Sigemunt der herre. sīnes sunes tōt 108 den wolde er gerne rechen: des gie im wærlīchen nōt. Sinẹ wessen wen si solden mit strīte dō bestān, sīne tæten’ȥ Gunther unde sīne man, mit den der herre Sīfrit an daȥ gejegede reit. 112 Kriemhilt sach si gewāfent: daȥ was ir grœȥlīche leit. Swie michel wær’ ir jāmer und swie starc ir nōt, dō vorhte si harte der Nibelunge tōt von ir bruoder mannen, daȥ si eȥ understuont. 116 si warnt’ si güetlīche sō vriunde liebe vriunde tuont. Dō sprach diu jāmers rīche: ‘mīn her Sigemunt, wes welt ir beginnen? iu ist niht rehte kunt. jā hāt der künic Gunther sō manigen küenen man: 120 ir welt iuch alle vliesen, welt ir die recken bestān.’ Mit ūf erbürten schilden in was ze strīte nōt. diu edel küneginne bat und ouch gebōt daȥ siȥ mīden solden, die recken vil gemeit. 124 dō siȥ niht lāȥen wolden, daȥ was ir wærlīchen leit. Si sprach: ‘herre Sigemunt, ir sult iȥ lāȥen stān unz eȥ sich baȥ gefüege: sō wil ich mīnen man immer mit iu rechen. der mir in hāt benomen, 128 wirde ich des bewīset, ich sol im schedelīche komen. Eȥ ist der übermüeten hie bī Rīne vil: dā von ich iu des strītes rāten niht enwil. si habent wider einen ie wol drīȥec man. 132 nu lāȥ’ in got gelingen als si umb uns gedienet hān. Ir sult hie belīben, unt dolt mit mir diu leit; als iȥ tagen beginne, ir helde vil gemeit, sō helfet mir besarken den mīnen lieben man.’ 136 dō sprāchen die degene: ‘daȥ sol werden getān.’ Iu enkunde niemen daȥ wunder volsagen von rittern unt von vrouwen, wie man die hōrte klagen, sō daȥ man des wuofes wart in der stat geware. 140 die edelen burgære die kōmen gāhende dare. Si klageten mit den gesten, want in was harte leit. die Sīfrides schulde in niemen het geseit, durch waȥ der edele recke verlüre den sīnen līp. 144 dō weinden mit den vrouwen der guoten burgære wīp. Smide hieȥ man gāhen, wurken einen sarc, von silber und von golde, vil michel unde starc. man hieȥ in vaste spengen mit stahel, der was guot. 148 dō was al den liuten harte trūrec der muot. Diu naht was zergangen: man sagte eȥ wolde tagen. dō hieȥ diu edele vrouwe zuo den münster tragen Sīfrit den herren, ir vil lieben man. 152 swaȥ er dā vriunde hēte, die sach man weinende gān. Dō sị in zem munster brāhten,// vil der gloken klanc. dō hōrt’ man allenthalben vil maniges pfaffen sanc. dō kom der künic Gunther mit den sīnen man 156 und ouch der grimme Hagene zuo dem wuofe gegān. Er sprach: ‘vil liebiu swester, owē der leide dīn, daȥ wir niht mohten āne des grōȥen schaden sīn. wir müeȥen klagen immer den Sīfrides līp.’ 160 ‘daȥ tuot ir āne schulde’, sprach daȥ jāmerhafte wīp. ‘Wær’ iu dar umbe leide, son wær’ es niht geschehen. ir hetet mīn vergeȥȥen, des mag ich wol jehen, da ịch dā wart gescheiden von mīme lieben man. 164 daȥ wolde got’, sprach Kriemhilt, ‘wær’ iȥ mir selber getān.’ Si buten vaste ir lougen. Kriemhilt begonde jehen ‘swelher sich unschuldige, der lāȥe daȥ gesehen; der sol zuo der bāre vor den liuten gēn. 168 dā bī mac man die wārheit harte schiere verstēn.’ Daȥ ist ein michel wunder: vil dicke eȥ noch geschiht, swā man den mortmeilen bī dem tōten siht, sō bluotent im die wunden: als ouch dā gescach. 172 dā von man die sculde dā ze Hagenen gesach. Die wunden vluȥȥen sēre alsam si tāten ē. die ē dā sēre klageten, des wart nu michel mē. dō sprach der künic Gunther ‘ich wil’ȥ iuch wiȥȥen lān. 176 in sluogen schāchære: Hagene hāt es niht getān.’ ‘Mir sint die schāchære’, sprach si, ‘vil wol bekant. nu lāȥe eȥ got errechen noch sīner vriunde hant. Gunther unde Hagene, jā habet ir iȥ getān.’ 180 die Sīfrides degene heten dō ze strīte wān. Dō sprach aber Kriemhilt: ‘nu habt mit mir die nōt.’ dō kōmen dise beide dā si in funden tōt, Gērnōt ir bruoder und Gīselher daȥ kint. 184 in triuwen si in klageten mit den anderen sint. Si weinden inneclīche den Kriemhilde man. man solde messe singen: zuo dem münster dan giengen allenthalben man wīp unde kint. 188 die sīn doch līhte enbāren, die weinden Sīfriden sint. Gērnōt und Gīselher sprāchen: ‘swester mīn, nu trœste dich nāch tōde, als iȥ doch muoȥ sīn. wir wellen dich’s ergetzen die wīle unt wir geleben.’ 192 donẹ kunde ir trōst deheinen zer werlde niemen gegeben. Sīn sarc der was bereitet wol umbe’n mitten tac. man huop in von der bāre dā er ūfe lac. in wolde noch diu frouwe lāȥen niht begraben. 196 des muosen al die liute michel arebeite haben. In einen rīchen pfellel man den tōten want. ich wæne man dā iemen āne weinen vant. dō klagete herzenlīche Uote, ein edel wīp, 200 und alleȥ ir gesinde den sīnen wætlīchen līp. Dō man daȥ gehōrte, daȥ man zem münster sanc, unt in gesarket hēte, dō huop sich grōȥ gedranc: durch willen sīner sēle waȥ opfers man dō truoc! 204 er hete bī den vīnden doch guoter vriunde genuoc. Kriemhilt diu arme zir kameræren sprach: ‘si suln durch mīne liebe līden ungemach, die im iht guotes günnen und mir wesen holt; 208 durch Sīfrides sēle sol man teilen sīn golt.’ Dehein kint was sō kleine daȥ witze mohte haben, daȥ muose gēn zem opfer. ē ẹr wurde begraben, baȥ danne hundert messe man dā des tages sanc. 212 von Sīfrides vriunden wart dō grōȥer gedranc. Dō man dā hete gesungen, daȥ volc huop sich von dan. dō sprach diu vrouwe Kriemhilt ‘irn sult niht eine lān hīnte mich bewachen den ūȥ erwelten degen. 216 eȥ ist an sīme lībe al mīn vreude gelegen. Drī tage und drī nahte wil ich in lāȥen stān, unz ich mich geniete mīns vil lieben man. waȥ ob daȥ got gebiutet daȥ mich ouch nimet der tōt? 220 sō wære wol verendet mīn armer Kriemhilde nōt.’ Zen herbergen giengen die liute von der stat. pfaffen unde müniche si belīben bat und alleȥ sīn gesinde, daȥ des heldes pflac. 224 si heten naht vil arge unt vil müelīchen tac. Ān eȥȥen und ān trinken beleip dā manic man. die eȥ nemen wolden, den wart daȥ kunt getān, daȥ man’s in den vollen gæbe: daȥ schuof Sigemunt. 228 dō was den Nibelungen vil michel arebeite kunt. Die drīe tagezīte, sō wir hœren sagen, die dā kunden singen, daȥ si muosen tragen vil der arebeite. waȥ man in opfers truoc! 232 die vil arme wāren, die wurden rīche genuoc. Swaȥ man vant der armen die es niht mohten hān, die hieȥ man doch zem opfer mit dem golde gān ūȥ sīn selbes kamere. do ẹr niht solde leben, 236 umbe sīne sēle wart manic tūsent marc gegeben. Urbor ūf der erden teilte s’in diu lant, swā sō man diu klōster und guote liute vant. silber unde wæte gap man den armen gnuoc. 240 si tet dem wol gelīche daȥ sim holden willen truoc. An dem dritten morgen ze rehter messezīt sō was bī dem münster der kirchof alsō wīt von den lantliuten weinens alsō vol: 244 si dienden im nāch tōde als man lieben vriunden sol. In den tagen vieren, man hāt gesaget daȥ, ze drīȥec tūsent marken, oder dannoch baȥ, wart durch sīne sēle den armen dā gegeben. 248 dō was gelegen ringe sīn grōȥiu schœne und ouch sīn leben. Dō gote dā wart gedienet und daȥ man vol gesanc, mit ungefüegem leide vil des volkes ranc. man hieȥ in ūȥ dem münster zuo dem grabe tragen. 252 die sīn ungern enbāren, die sah man weinen unde klagen. Vil lūte scrīende daȥ liut gie mit im dan: vrō enwas dā niemen, weder wīp noch man. ē daȥ man in begrüebe, man sanc unde las: 256 hey waȥ guoter pfaffen ze sīner pīfilde was! Ē daȥ zem grabe kœme daȥ Sīfrides wīp, dō ranc mit solhem jāmer der ir getriuwer līp, daȥ man si mit dem brunnen vil dicke dā vergōȥ. 260 eȥ was ir ungemüete vil harte unmæȥlīchen grōȥ. Eȥ was ein michel wunder daȥ si ie genas. mit klage ir helfende manic vrouwe was. dō sprach diu küneginne: ‘ir Sīfrides man, 264 ir sult durch iuwer triuwe an mir genāde begān. Lāt mir nāch mīme leide daȥ kleine liep geschehen, daȥ ich sīn schœne houbet noch eines müeȥe sehen.’ dō bat si’s alsō lange mit jāmers sinnen starc, 268 daȥ man zebrechen muose den vil hērlīchen sarc. Dō brāhte man die vrouwen dā si in ligen vant. si huop sīn schœne houbet mit ir vil wīȥen hant; dō kuste s’ alsō tōten den edelen ritter guot. 272 ir vil liehten ougen vor leide weineten bluot. Ein jæmerlīcheȥ scheiden wart dō dā getān. dō truoc man si von dannen: sine mohte niht gegān. dō vant man sinnelōse daȥ hērlīche wīp. 276 vor leide möht’ ersterben der ir vil wünneclīcher līp. Dō man den edelen herren hete nu begraben, leit āne māȥe sah man die alle haben die mit im komen wāren von Nibelunge lant. 280 vil selten vrœlīchen man dō Sigemunden vant. Dō was der etelīcher der drīer tage lanc vor dem grōȥem leide niht aȥ noch entranc. doch mohten si dem lībe sō gar geswīchen niht: 284 si nerten sich nāch sorgen, sō noch genuogen geschiht.