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Zaubermärchen

Kimargouel

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Kimargouel, der berühmte, ja komponierte Verfasser des „Erysichthon“ und der steilen „Agaoue“, war in seinen frühroten Tagen ein strebsamer Mensch. Autochthon, Ureinwohner, dem 23. Bezirke Wiens entsprungen, kaufte dieser Hellene als Obergymnasiast energisch ein Lotterielos. Während — Ritualmord und Pogrom — seine arisch-mosaischen Mitschüler erbarmungslos, reihenweise von Hannibal und dem schwitzenden Prosaiker Vergilius Tacitus hingeschlachtet wurden, bat er egoistisch, für einen Augenblick austreten zu dürfen, und begab sich auf die Weltreise. Mitnichten aus seiner nachmaligen, posthumen Produktion — weder aus dem explosionistischen Gedichtband „Graue Spucke“, noch aus der apathischen Skizze „Vieldüstere Barke“ — ließe sich diese Tatsache entnehmen.

Über die Pyramiden stolpernd oder hintanzend, des Aufenthalts im paßverpesteten

Doktor Oranke natürlich, sein mitleiderregender Verleger, durch eine chimborassohohe Monatsrente an Kimargouels schriftstellerisches Schicksal befestigt, entatmend vor Schreck und Scheck über die sterile Produktivität, die von Kimargouel multimillionärisch-luxuriös projektierten Ipunktsammlungen dieses Liebling-Autors seiner früh verwitweten Freundin, verlor seine gütig philanthropische Gesinnung im Hasard an einen Restauflagenkäufer. Festgelegt nun durch den unseligen Alleinbesitz von Menschenhaßaktien, wollte Doktor Oranke der nebenbuhlerischen Liebhaber-Ausgabe, dem ansonst für letale Phthisis sich entscheidenden Kimargouel kein zweites Leben vorschießen. Kimargouel blieb nichts übrig, als sich in einem deutsch-österreichischen Prytaneum ausspeisen zu lassen und daran zu verhungern; er verhustete ratenweise, aber in sparsamen Dosen seine sanft eiternden Lungenflügel. Im Endtraum bat ihn keuchend ein herkulischer Dienstmann aus der Wurlitzergasse, der geile Riese Atlas, für einen Augenblick austreten zu dürfen und setzte ihm das Firmament ins Genick. Unter diesem massiven

Den letztgenannten Tag verbrachte Kimargouel in hellsichtiger Anschauung seines Skeletts, die Knochen zählend.

Sein Ultimo, sein sonderbarer Lebensabend, sein stilgemäßer Eingang ist wohl allen noch in schwermütiger Erinnerung. Wie der Gefeierte, plötzlich wie ein Expressionist, tatsächlich stockend, aber doch rhythmisch aus seiner trauerschwarzen Waldvilla kongenial hinanschritt und antikisierend, ovidische Metamorphose, sich scheinbar wandelnd überging und entschwand in eine von unbedruckt-schlohweißen Plakatüberklebseln bedeckte Litfaßsäule, die allsogleich ein mißfarbig schwarzer Aussatz umzog; enträtselt wurden nur Annoncen seiner Bücher und die in einer merkwürdigen Antiquafraktur abgesetzten mystischen Urworte „Enschedé en Zoonen“.

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