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Reading edition
Ich stellte mich an das Fenster meines Zimmers und sah hinaus. Blitze spalteten Eichen und Kiefern, und über Wälder und weite Ebenen rollten ihre Donner. Aus den Ställen brüllten und wieherten geängstigte Tiere, und Malatesta saß mit glühenden Augen in seiner Hütte vor meinem Fenster und heulte.
Auch dies ging vorbei. Ein stetig und kühl strömender Regen spendete uns, den Fiebernden, Genesung. Gerüche von niegeahnter Kraft erfüllten die Luft, und die Tiere in den Ställen begannen ihren Schlaf. Zwei Uhr schlug die Glocke, aber der trübe Morgen war noch fern.
Ich setzte mich an den Tisch. Ich wollte etwas Unerhörtes schreiben, aber ach, – es wurden nur diese einfachen Zeilen:
Ist es denn möglich, daß wir diese Nacht In einem Wagen über Felder fuhren? Hab’ ich geträumt? Ich sah doch einen Wald! Eilten nicht Steine, Wolken, Bäume, Sterne An uns vorbei, und hast du später nicht – So hab’ ich doch geträumt, – und hast du nicht Mir abgewandten Blicks die Hand gereicht? ... Und küßte ich sie nicht? Ich habe nicht geträumt. Wir fuhren nachts In einem Wagen über weite Felder, Es eilten stille Wolken, Bäume, Sterne An uns vorbei ... Du gabst mir deine Hand ... ... Ich küßte sie ... So hab’ ich doch geträumt?
Ich packte meinen Ranzen, nahm das Blatt, stieg zu Ninas Zimmer hinauf, öffnete die erste ihrer beiden Türen und legte mein Gedicht auf ihre Diele. Dann schlich ich mich hinunter.
Ich trat auf den Hof, streichelte Malatesta und dachte: Frau Seyderhelm und Wolfgang ... ach, Frau Seyderhelm und Wolfgang!
Ich wanderte die Straße hinab, bis sich im Osten der bewölkte Tag ankündete. Auf einem Hügel blieb ich stehen und sah die verlassene bleiche Landschaft unter mir. Eine Starenkette flog durch die gereinigte Luft des Morgenrots.
Da schlug ich mit der Stirn auf einen Baum und stürzte nieder.
Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München
Karl Borromäus Heinrich
Karl Asenkofer
Geschichte einer Jugend
Zweites Tausend
Geheftet 3 Mark 50 Pf., geb. 5 Mark
Süddeutsche Monatshefte, München: Wenn ich aber sagen sollte, welches erzählende Buch des letzten Jahres den stärksten und nachhaltigsten Eindruck auf mich gemacht hat, so müßte ich Karl Asenkofer von Karl Borromäus Heinrich nennen. Das ist mehr als Litteratur: jede Zeile ist erlebt, und was noch wichtiger, jedes Erlebnis ist behutsam aufbewahrt! noch hängt der ganze Flügelstaub an den leichten Schwingen. Ein Buch von packender Ehrlichkeit, die nichts hinzu tut, und so niemals den Eindruck des Beabsichtigten, Arrangierten aufkommen läßt. Die letzten Gymnasial-, die ersten Universitätsjahre sind kaum je so unmittelbar und überzeugend wahrhaftig dargestellt worden. Als Heldin steht von der ersten bis zur letzten Seite eine der ergreifendsten Muttergestalten da. Dies Buch ist so ausgezeichnet, daß man vor der Fortsetzung ganz Angst hat. Man möchte den Verfasser inständig bitten, mit dem zweiten Teile zu warten, bis er sich dem ersten an die Seite stellen kann: ja nicht zu früh, ja nicht zu viel über seine augenblicklichen Erlebnisse zu berichten, sondern in Gelassenheit und Demut geduldig zu warten, bis zum ersten meisterlichen Bande ein zweiter von selber in Stille und Sturm reif geworden ist. An dem Tag aber wollen wir uns mit ihm freuen, denn an dem Tag ist unsere Litteratur um ein bleibendes Werk reicher: um ein solches, das eine Generation weiter gibt an die andere.
Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München
Korfiz Holm
Thomas Kerkhoven
Roman
Vierte Auflage
Flexibel geb. 5 Mark, steif geb. 6 Mark
„The Times“, London: „Thomas Kerkhoven“ belongs almost to the rank of classics like „Tom Jones“ or „David Copperfield“ or „Pendennis“.
Rudolf Herzog in den „Neuesten Nachrichten“, Berlin: Sicher ist, daß dieses Werk den besten Büchern beizuzählen ist, die in den letzten Jahren erschienen sind.
Wilhelm Hegeler im „Litterarischen Echo“, Berlin: Auf jeder Seite ist das Buch voll sprühender Lebendigkeit, von müheloser Anschaulichkeit, amüsant und glänzend von Anfang bis zu Ende.
„Münchener Neueste Nachrichten“: Es wird seinen Weg machen; denn es ist wert, den besten Dichtungen unserer Zeit an die Seite gestellt zu werden.
„Berner Bund“: Ganz „verflixt gut geschrieben“ ist es, mit einer geradezu bewunderungswürdigen Sicherheit in der Technik.
Druck von Hesse & Becker in Leipzig

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