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Wie ich Livingstone fand; Zweiter Band

ANHANG.

Reading edition

Mit der Erlaubniss des Herrn Bates, ständigen Secretärs der Royal Geographical Society, werden die folgenden interessanten Auszüge aus den Verhandlungen dieser Gesellschaft veröffentlicht:

Der Vorsitzende las vor der Verhandlung folgenden officiellen Brief vor, den er vom Staatssecretär für die Auswärtigen Angelegenheiten, Lord Clarendon, als Antwort auf die Petition erhalten, welche die Regierung um Unterstützung für Dr. Livingstone ersucht hatte. Er war überzeugt, die ganze Gesellschaft würde Lord Clarendon und der Regierung Ihrer Majestät für diese Mittheilung einmüthig ihren tiefgefühlten Dank aussprechen.

„Auswärtiges Amt, 19. Mai 1870.

Mein Herr!

Ich habe keine Zeit verloren, meinen Collegen Ihre Bemerkungen über die Lage, in welcher sich Dr. Livingstone infolge von Geldmangel befindet, mitzutheilen und die Regierung Ihrer Majestät hat nicht unterlassen alles das in Betracht zu nehmen, was Sie zu Gunsten einer weitern dem ausgezeichneten Reisenden zu bewilligenden Geldsumme vorgebracht haben: dass er sich nämlich drei Jahre lang ohne Hülfe und Verbindung mit England allein durchgekämpft; nach den letzten Nachrichten einen Punkt erreicht hat, von dem er ohne Vorräthe weder vorwärts noch zurück kann, und das ihm bei seiner Abreise bewilligte Geld erschöpft ist, also weitere Mittel sehr dringend nöthig sind, um ihn neu auszurüsten und ihm seine Bedürfnisse ins Innere des Landes zu transportiren.

Ich habe hiermit das Vergnügen, Sie davon in Kenntniss zu setzen, dass Ihrer Majestät Regierung bereit ist, 1000 Pfd. Sterling für die Expedition des Dr. Livingstone zu bewilligen und sich der ernstlichen Hoffnung hingibt, dass die Summe dazu dienen möge, ihn sicher in sein Vaterland zurückzubringen.

Ich bin, mein Herr,

Ihr gehorsamer Diener CLARENDON.

Sir R. I. Murchison, Bart.“

Am 23. Mai 1870 spricht Sir R. Murchison in folgender Weise über seinen Freund Dr. Livingstone:

Im Verlaufe des letzten Jahres sind wir in einem Zustand ängstlicher Spannung in Bezug auf die Lage unsers grossen Reisenden Livingstone geblieben, und ich bedauere diese Ansprache schliessen zu müssen, ohne im Stande zu sein, irgendetwas Ermuthigendes in der Beziehung zu sagen, dass wir ihn bald zu Hause begrüssen können. Zu gleicher Zeit ist aber keine Ursache vorhanden, an seinem Leben und seiner Sicherheit zu verzweifeln. Wir wissen, dass er sich einige Zeit in Udschidschi am See Tanganika aufgehalten hat, woher er am 30. Mai vorigen Jahres nach Hause geschrieben, von wo er aber aus Mangel an Lastträgern und Vorräthen ausser Stande war sich fortzubegeben. Zwar wurden ihm diese durch Dr. Kirk aus Zanzibar zugeschickt, aber leider hat der Ausbruch der Cholera diese Hülfsexpedition aufgehalten und an der Weiterreise verhindert. Nach neueren Mittheilungen jedoch, die das Auswärtige Amt erhalten, hat die Seuche so sehr nachgelassen, dass wir annehmen können, der Verkehr zwischen der Küste und Udschidschi sei jetzt schon wieder eröffnet.

Die Aufgabe, die Livingstone noch bevorsteht, ist häufig erörtert worden, und hoffentlich wird er am Leben bleiben, um bis an das nördliche Ende des Tanganika zu gelangen und dort festzustellen, ob sein Wasser in den Albert-Nyanza Baker’s fliesst. Wenn diese Verbindung erwiesen würde, so können wir dem Gedanken Raum geben, dass Livingstone, der jetzt weiss, dass das grosse Unternehmen Sir Samuel Baker’s gegenwärtig ausgeführt wird, es versuchen werde, mit seinem grossen Collegen zusammenzukommen. Da die grosse Expedition Baker’s anfänglich aufgehalten worden, so hat er bekanntlich Chartum erst im Februar verlassen, um den Weissen Nil hinaufzugehen. Nachdem er Gondokoro, wie man annimmt, in den ersten Tagen des März erreicht hat, wird einige Zeit nothwendig damit vergehen, eine Faktorei an den oberen Stromschnellen und jenseits des Nebenflusses Asua zu gründen, wo die Dampfboote zusammengesetzt werden sollen, ehe sie auf das Wasser des Nils gebracht werden, auf dem sie in den grossen Albert-Nyanza-See zu fahren gedenken. Sobald sich jedoch ein Dampfer auf dem See befindet, können wir uns versichert halten, dass Baker mit seiner bekannten Energie und Raschheit nicht einen Augenblick verlieren wird, um es zu versuchen, das südliche Ende desselben zu erreichen in der Hoffnung, dort Livingstone hülfreiche Hand bieten zu können. Wollen wir uns daher dieser freudigen Hoffnung hingeben, die in der That die glücklichste Erfüllung unserer Herzenswünsche sein würde.

Das britische Publikum wird sich über diesen Gegenstand am besten informiren, wenn es ein neuerlich erschienenes kleines Werk des Herrn Keith Johnston jun. studirt. In dieser Schrift hat der Verfasser eine kurze Geschichte aller Forschungen in Südafrika gegeben und auch nach den besten Autoritäten (Petermann u. A.) eine Karte gezeichnet, die deutlich nachweist, in welcher Ausdehnung die Flüsse, welche von den südlich und südsüdwestlich vom See Tanganika gelegenen Hochlanden herfliessen, zum grössten Theil von diesem See unabhängig und wol Zuflüsse des Congo sind. Auf der andern Seite sind die Flüsse, welche in den See Tanganika durch den Livingstone’schen See Liemba eintreten, wahrscheinlich die letzten Quellen des Nils selbst, wogegen der Kasai und andere Ströme, welche die Seen Bangweolo und Moero bilden, wol in den Congo fliessen.

Wenn sich diese letzte Hypothese als wahr erweisen sollte, werden sich die Gewässer, die Livingstone zuerst entdeckt hat, sowol als die Quellen des Nils als des Congo herausstellen. Was aber den Nil betrifft, so muss mein scharfsinniger Freund fühlen, dass das Problem in Bezug auf denselben ungelöst bleibt, bis er beweist, dass einige der Gewässer des Tanganika in den Albert-Nyanza fliessen.

Mittlerweile ist die Hypothese von Herrn Findlay u. A. (dass der See Tanganika mit dem Albert-Nyanza in Verbindung steht) nach den jetzigen Abschätzungen der relativen Höhenlage dieser südlichen Gewässer die wahrscheinlichste. Gebe Gott, dass der berühmte Livingstone die Wahrheit derselben erweise und dass wir ihn bald als den Entdecker der letzten Quellen des Nils sowol als des Congo zu Hause begrüssen mögen.

Ueber diesen wichtigen und höchst interessanten Gegenstand ist es angenehm die Mittheilung zu machen, dass unser ausgezeichnetes Ehrenmitglied Dr. Petermann auf einer Generalkarte von Südafrika in der letzten Nummer seiner „Mittheilungen“ eine chronologische Skizze aller der wunderbaren, schwierigen Reisen Livingstone’s vom Jahre 1841–1869 entworfen hat. In Bezug auf die Nebenflüsse des Congo unterscheidet sich die Karte Petermann’s von der Johnston’s in der Annahme, dass die Gewässer der Seen Bangweolo, Moero und Ulenge nach Norden und Osten zeigen. Wenn dies der Fall sein sollte, so werden sie auch in den grossen Albert-Nyanza Baker’s münden.

Indem ich die Betrachtung dieses überaus interessanten Gegenstandes schliesse, freue ich mich im Stande zu sein mitzutheilen, dass Ihrer Majestät Regierung infolge der Darstellungen, die ich Lord Clarendon über die isolirte Stellung Livingstone’s in Udschidschi gemacht habe, wo er sich trotz der Nähe seines letzten Zieles, des nördlichen Endes des Sees Tanganika, ohne Lastträger und Vorräthe befand, freundlichst die Mittel bewilligt hat, wodurch der grosse Reisende wirksame Unterstützung erhält, ehe er in sein ihn bewunderndes Vaterland zurückkehrt.

In der Ansprache des Vorsitzenden der Königl. Geographischen Gesellschaft wird gesagt, dass den Herren Dr. Beke, Arrowsmith und Findlay grosser Ruhm dafür gebühre, dass sie auf theoretische Gründe hin die grosse nach Süden reichende Ausdehnung des Nilbeckens unterstützt hätten, falls nämlich das grosse Problem der südlichen Wasserscheide des Nils gelöst würde.

Wenn ihnen der Ruhm für diese Theorie gebührt, welchen soll jetzt Sir H. Rawlinson, nachdem Sir R. Murchison, der treue Freund Livingstone’s, todt ist und Dr. Beke seine Unterstützung der obigen Theorie zurückgezogen hat, diesem für die theoretische Unterstützung zuschreiben, die der Herr der Ansicht leiht, dass die Wasserscheide nicht die des Nils, sondern die des Congo ist?

Aus der 14. Sitzung der Königl. Geographischen Gesellschaft vom 13. Juni 1870 ersieht man, dass der Vorsitzende derselben es ausspricht, dass man keine Expedition beabsichtigt hat, um Livingstone aufzusuchen. Ich erhielt meine Befehle im October 1869. Die Königl. Geographische Gesellschaft sollte es mir also nicht zum Vorwurf machen, dass ich das gethan, was sie zu thun beabsichtigt habe, und nicht darüber ärgerlich sein, dass ich ihn aufgefunden, da das mit ihren Pflichten durchaus nicht collidirt hat.

Ehe der Vorsitzende auf die zu haltenden Vorträge einging, sprach er sich aus über die Art der Unterstützung, welche zum Ruhme des Earl Clarendon und der englischen Regierung dem Dr. Livingstone zugeschickt worden. Es hätten in Bezug auf die Angelegenheit viele Misverständnisse geherrscht, wenn man nach den zahlreichen Petitionen schliessen dürfe, die er von verschiedenen thatkräftigen jungen Leuten erhalten, die es gewünscht hätten, Dr. Livingstone aufzusuchen. Man habe nämlich angenommen, dass eine Expedition im Begriff sei, zu diesem Zweck aus unserm Vaterlande abzugehen. Eine solche Expedition wäre jedoch nicht beabsichtigt worden. Dr. Livingstone sei mehr als 3½ Jahre ohne einen einzigen europäischen Begleiter im Herzen von Afrika gewesen. Er (der Präsident) wisse nicht bestimmt, ob nicht ein nicht acclimatisirter junger Mann aus England Livingstone ungelegen kommen würde, weil er ausser andern Mühen auch noch die haben würde, für ihn zu sorgen. Deshalb kündige er hiermit an, dass die 1000 Pfd. Sterl., welche die Regierung hergegeben hätte, durch den Consul in Zanzibar, Herrn Churchill, der zufälligerweise hier im Lande sei und bald nach Zanzibar gehe, abgeschickt werden würden. Dieser wird Dr. Kirk instruiren, eine ähnliche Expedition wie die vorjährige, die durch die Cholera verhindert wurde, auszurüsten. Die Epidemie hat sehr nachgelassen und jetzt besteht die einzige Schwierigkeit darin, nach Udschidschi zu kommen, wo Dr. Livingstone sich nach den letzten Berichten befindet und aus Mangel an Lastträgern und Vorräthen nicht im Stande ist sich an einen andern Ort zu begeben. Damit diese Vorräthe von Zanzibar nach Udschidschi kommen, bedarf es zweier Monate; daher soll man sich in den nächsten Monaten keinen Sorgen hingeben. In etwa 7 bis 8 Monaten können gute Nachrichten da sein und bald darauf würden wir hoffentlich wol unsern Freund in seinem Vaterlande wiedersehen.

Brief von Herrn Churchill, Consul in Zanzibar, in Bezug auf Dr. Livingstone.

„Zanzibar, 18. November 1870.

Mylord!

Nach einem sehr grossen Zeitverlust, der denjenigen, die mit diesem Lande unbekannt sind, unnöthig erscheinen wird, ist es mir gelungen, Dr. Livingstone eine Verstärkung von 7 Mann zuzuschicken, welche sich verpflichtet haben, sich als Lastträger, Bootsleute u. s. w. zur Disposition des Doctors zu stellen und eine Menge Perlen, Tuch und Provision zu seinem Gebrauch mitgenommen haben. Er wird durch dieselbe Gelegenheit die Briefe und Schriftstücke, die mir Lord Clarendon und die Geographische Gesellschaft anvertraut haben, nebst einigen Kleidungsstücken erhalten, die seine Verwandten mir übersandt haben. Ich hoffe, dass sie Udschidschi im Monat Februar erreichen werden, jetzt aber lässt sich noch nichts Sicheres darüber sagen. In einer künftigen Depesche werde ich einen Bericht über die durch diese Expedition veranlassten Ausgaben abstatten. Etwa vor einem Monat erhielten wir Nachrichten davon, dass Leute und Vorräthe, die im October 1869 von Dr. Kirk abgesandt worden, am letzten Juni in Unyanyembé angekommen seien. Sieben der Leute waren an der Cholera gestorben und der Rest hatte, nachdem sie die ihnen mitgegebenen Provisionen verzehrt, auf Anrathen des Gouverneurs von Unyanyembé die Vorräthe, die sie Livingstone bringen sollten, zu ihrem eigenen Unterhalt angegriffen. Dies erscheint auf den ersten Blick unglaublich; wenn man aber weiter darüber nachdenkt, so kann man es dadurch erklären, dass die Karavane, wenn sie nicht irgendwelche Lebensmittel gehabt, an der Weiterreise verhindert worden wäre und dass der Gouverneur von Unyanyembé ihr, ohne Autorität des Sultans, die nöthigen Subsistenzmittel verweigerte.

Die letzten Berichte aus dem Innern theilen mit, dass Dr. Livingstone, nachdem er einen Ort Manime (Manyuema) besucht habe, nach Udschidschi zurückgekehrt sei.“

Im weitern Verlaufe sagte der Präsident, dass der Brief von Dr. Kirk, welcher in Sir Roderick Murchison’s Brief an die „Times“ erwähnt werde, drei Wochen später als der von Herrn Churchill geschrieben sei, und da dieser nicht die Behauptung enthielte, dass Dr. Livingstone wirklich in Udschidschi angekommen sei, obwol er seine Nachrichten aus derselben Quelle wie Herr Churchill habe, so scheine es, dass der Letztere dieses Ereigniss gleichsam vorausgenommen habe. Dr. Kirk sage nämlich nur, dass ein arabisch geschriebener Brief vom Juli 1870 vom Gouverneur von Unyanyembé eingetroffen sei, welcher aussage, dass Livingstone in Udschidschi zu gleicher Zeit mit den Leuten und Vorräthen erwartet werde, die auf dem Wege dahin seien. Auch sagte er, dass der Reisende in einem fernen Manime genannten Lande gewesen sei. Um die Wichtigkeit dieser Mittheilung zu begreifen sei es nöthig, auf den letzten Brief Rücksicht zu nehmen, den Livingstone selbst nach Hause geschrieben habe. Es sei ein vom 30. Mai 1869 datirter, aus Udschidschi an Dr. Kirk gerichteter Brief. In demselben sage Livingstone: „Was die mir bevorstehende Aufgabe betrifft, so besteht sie darin, die Quellen, die ich entdeckt und die 5–700 Meilen südlich von Speke’s und Baker’s Nil liegen, mit diesem zu verbinden. Die Wassermasse, welche von 12° südl. Br. nach Norden fliesst, ist so gross, dass ich vermuthlich sowol an den Quellen des Nils als des Congo herumarbeite. Ich muss also das östliche Wassersystem bis an den Punkt verfolgen, wo Baker umgekehrt ist. Tanganyika, Nyige Chowambe (Baker’s?) sind ein Wasser und das Ende desselben liegt 300 Meilen südlich von hier. Den Ausfluss desselben, ob er nun Congo oder Nil sei, muss ich feststellen. Die westlich von hier wohnenden Menschen, welche Manyema heissen, sind, wenn die Araber die Wahrheit reden, Kannibalen. Dort werde ich wol zuerst hinzugehen und dann, wenn ich ungefressen zurückkomme und meine neuen Leute aus Zanzibar vorfinde, den Tanganika hinunterzugehen haben.“

Das folgende ist ein wichtiger Brief Dr. Kirk’s, den er etwa einen Tag nach seiner Rückkehr von der in Kikoka, dem ersten Lager jenseits des Kingani, abgehaltenen Jagdpartie geschrieben hat.

„Zanzibar, 18. Februar 1871.

Mylord!

Ich habe die Ehre Ihnen zu berichten, dass ich, nachdem ich durch einen Eingeborenen erfahren, dass sich die von Herrn Churchill mit Vorräthen für Dr. Livingstone, laut seiner Depesche vom 18. November 1870, abgesandten Leute noch in Bagamoyo, einer uns gegenüberliegenden Seestadt des Festlandes, befänden und noch gar keine Schritte dazu gethan hätten, sich Lastträger zu verschaffen oder ihre Reise anzutreten, beschloss, womöglich selbst hinzugeben und bei ihrer Abreise zugegen zu sein. Kapitän Tucker, der Befehlshaber von Ihrer Majestät Schiff “Columbine„, hat mir auf meine Bitte freundlichst einen Platz in seinem Schiffe zu diesem Zweck zur Disposition gestellt.

Als ich Bagamoyo erreichte, entdeckte ich, dass die betreffenden Leute noch im Dorfe seien, wogegen arabische Karavanen sich auf dieselbe Reise begeben hatten. Freilich sind Lastträger in diesem Jahre schwer zu haben, da nur wenige Leute aus Unyamwezi infolge der daselbst wüthenden Cholera hierher gekommen sind.

Es ist mir jedoch, indem ich meinen Einfluss bei den Arabern benutzte, gelungen, alle Vorräthe, mit Ausnahme von vier Lasten, abzusenden und ich bin ihnen selbst eine Tagereise bis ins Binnenland gefolgt. Die noch übrig bleibenden vier Lasten sollten, wie ich bei meiner Rückkehr anordnete, durch eine arabische Karavane nach Unyanyembé gebracht werden und von dort durch Said bin Salim, den dortigen Gouverneur, nach Udschidschi geschickt werden.

Wenn sie einmal auf der Reise sind, so gibt es wenig Motive für die Leute sich aufzuhalten; wogegen sie in Bagamoyo in guten Hütten unter ihren eigenen Leuten gern verweilen, da sie dort, ohne dass man es erfährt, ihr Leben geniessen und trotzdem ihren Monatslohn erwerben zu können meinen. Wäre ich nicht persönlich hingegangen, so hätten sie sich wol noch mehrere Monate daselbst aufgehalten.

Als ich auf dem kurzen Ausfluge, den ich von Bagamoyo machte, auf der Handelsstrasse reiste, begegneten mir mehrere Karavanen auf dem Wege von Unyamwezi, Urori u. s. w., und aus meinen an die Eingeborenen und ihre Führer gestellten Fragen stellte sich heraus, dass man in Unyanyembé keine Nachrichten aus Udschidschi erhalten und dort nichts über Dr. Livingstone bekannt sei. Alle konnten berichten, dass er auf eine Reise gegangen sei, von der er nach den letzten Nachrichten noch nicht zurückgekehrt war.

Das Land, durch das ich zog, nachdem ich über den Kingani gesetzt, war ein schönes Wald- und Parkland voll der verschiedensten Arten grossen Wildes, wie z. B. Giraffen, Elenn, Zebras, Hartebeests, Wildbeests u. s. w., von denen ich einige in einer Entfernung von noch nicht 12 Meilen von der Küstenstadt Bagamoyo erlegte. Der Kingani ist voll von Flusspferden und an seinen Ufern finden sich wilde Büffel.

Leider wird diese reiche und verhältnissmässig gesunde Gegend, wo die Giraffe vorkommt, stets von der Tsetsefliege heimgesucht, die dem Vieh und den Pferden gefährlich ist.

Auf meiner Heimreise nach Bagamoyo habe ich einen Tag dem Studium der französischen Anstalten und ihrer Behandlung Freigelassener gewidmet. Hierüber werde ich mir die Ehre geben, Eurer Lordschaft einen besondern Bericht abzustatten.

Seitdem ich vor vier Jahren die Stadt Bagamoyo gesehen, hat sie sich um das Dreifache vergrössert. Die Hütten der Eingeborenen werden rasch durch Steinhäuser verdrängt und hier, wie sonst an der Küste, geht der Handel rasch in die Hände der Kutchees über.

JOHN KIRK.“

DR. KIRK UND DR. LIVINGSTONE.

An den Redacteur des „Daily Telegraph“.

„68, Portsdown Road, Maida Vale, 25. Juli 1872.

Mein Herr! Mit grossem Interesse habe ich den Bericht Ihres Correspondenten über die Unterredung gelesen, die er gestern in Marseille mit Herrn Stanley, dem Auffinder des Herrn Dr. Livingstone, gehabt, und fühle mich berufen meinem Freunde, Dr. Kirk, beizustehen. Ich muss damit anfangen zu sagen, dass ich, falls in Zanzibar irgendeine Nachlässigkeit in Bezug auf die Mittheilungen an Dr. Livingstone stattgefunden hat, als der politische Agent und Ihrer Majestät Consul während der letzten fünf Jahre, einen Theil des Dr. Kirk zukommenden Tadels auf mich nehmen muss, da ich während der Zeit, wo ich auf meinem Posten war, d. h. länger als zwei Jahre, für alle an den Tag gelegte Lässigkeit verantwortlich bin.

Während meines ersten Aufenthalts in Zanzibar (vom Juni 1867 bis April 1869) glaubte man, wie Sie sich erinnern werden, dass Dr. Livingstone ermordet worden sei; es wurden daher, wenn überhaupt welche, doch nur sehr wenige Briefe für ihn nach Zanzibar geschickt. Wenigstens kann ich dafür garantiren, dass durch meine Hände während der ganzen Zeit kein einziger Brief an ihn gegangen ist.

In Uebereinstimmung mit Dr. Livingstone’s Bitte sandte ich in der Mitte des Jahres 1868 eine gewisse Anzahl von Vorräthen und Arzneien nach Udschidschi; weiss aber nicht, dass ihm irgendwelche Privatbriefe mit Ausnahme derer, die Dr. Kirk und ich ihm geschrieben, aus dem oben erwähnten Grunde geschickt worden sind. Bei einer frühern Gelegenheit hatte Dr. Seward über Kilwa Chinin und Vorräthe, die den Doctor in Udschidschi erwarten sollten, abgesandt. Bei diesen beiden Expeditionen wurde Dr. Kirk’s sehr werthvolle Unterstützung uns leicht zutheil, und ich muss hier für das grosse Interesse Zeugniss ablegen, das Dr. Kirk immer an allem genommen hat, was seinen Freund Dr. Livingstone betraf. Ich habe bei keiner Gelegenheit auch nur das geringste Zeichen von Eifersüchteleien seitens des Dr. Kirk wahrgenommen.

Nach meiner Abreise von Zanzibar im April 1869 hat Dr. Kirk noch eine aus vierzehn Leuten und einer grossen Karavane von Vorräthen bestehende Expedition organisirt und dem grossen Reisenden nach Udschidschi zugeschickt. Die Cholera kam dazwischen und hat dieselbe aufgehalten, sodass von den vierzehn Leuten nur sieben Unyanyembé erreicht haben. Hier scheinen die Uebriggebliebenen sich der Vorräthe bemächtigt zu haben. Hierfür kann aber doch Dr. Kirk nicht getadelt werden. Auch ist es noch immer besser, dass sie dies gethan, als dass sie die Erklärung abgegeben hätten, sie könnten aus Mangel an Subsistenzmitteln ihre Reise gar nicht weiter fortsetzen.

Bei meiner Rückkehr nach Zanzibar im August 1870 bereitete ich aus den reichen von Ihrer Majestät Regierung mir mitgegebenen Mitteln eine dritte Expedition vor und wählte andere Leute, welche das Land in der Umgegend von Udschidschi kannten, um die angeblich Verstorbenen zu ersetzen. Sie erhielten die Instruction, nach Udschidschi zu gehen und dort auf Dr. Livingstone zu warten. Der Weg war aber unsicher und keine Karavane wagte es, noch eine ganze Zeit lang nachdem die Expedition organisirt war, ins Innere des Landes vorzudringen; daher wurde sie in Bagamoyo aufgehalten; inzwischen reiste auch ich im December ab wegen Krankheit. Dies ist die Karavane, von der Herr Stanley sagt, dass sie Bagamoyo zwei Tage vor Dr. Kirk’s Besuch an der Küste mit dem Schiff “Columbine„ verlassen habe. Mit derselben wurden die Briefe und Packete, die ich für Dr. Livingstone nach Zanzibar gebracht, befördert. Kirk soll bei seinem Besuch in Bagamoyo vorzüglich die Jagd im Auge gehabt und die Karavane vollständig vernachlässigt haben; doch beweist Herrn Stanley’s eigene Behauptung, dass die Karavane schon aufgebrochen war, als Kirk nach Bagamoyo kam, und ein Dorf von 500 Einwohnern ist doch nicht so gross, dass er die Sachlage nicht in zehn Minuten hätte erfahren können. Wenn er also wirklich mit den Officieren der “Columbine„ auf die Jagd ging, so that er es im Bewusstsein, dass der Zweck seiner Reise nach Bagamoyo bereits erfüllt sei. Auch zeigt ja Herrn Stanley’s Behauptung, dass das blosse Gerücht von Dr. Kirk’s bevorstehender Ankunft die gute Wirkung hatte, die Karavane in Bewegung zu setzen.

Denjenigen, welche mit Zanzibar unbekannt sind, wird die Behauptung Stanley’s, dass ihn elf Packete ihm von Hause im Laufe von neun Monaten zugesandter Briefe in Udschidschi erreicht hätten, wogegen Livingstone in drei Jahren nicht einen einzigen Brief erhalten habe, sehr sonderbar erscheinen. Dazu kann ich aber die Erklärung geben, dass diese Packete wahrscheinlich zugleich mit dem Telegramm durch dieselbe Post in Zanzibar angekommen und nach Udschidschi durch einen und denselben Boten gesandt worden sind. Auch kann eine Karavane durch das Land ziehen, während es einer andern unmöglich wird ihren Bestimmungsort zu erreichen, und gerade der Kampf, der in Unyanyembé stattfand, an dem sich Herr Stanley betheiligte, kann den Weg für spätere Karavanen geebnet haben. Ich brauche mich übrigens nur auf Herrn Stanley’s eigene Abenteuer zu beziehen, um auf die Beschwerden hinzuweisen, denen bisweilen Karavanen auf ihrem Wege nach Udschidschi ausgesetzt sind; und wenn Dr. Livingstone andererseits keine Briefe erhalten hat, so kam dies, wie ich gezeigt habe, daher, dass ihm überhaupt keine Briefe geschrieben wurden, weil seine Freunde ihn für todt hielten.

Ich hoffe, Herr Stanley hat Dr. Kirk die Gelegenheit geboten sich zu rechtfertigen. Wie das aber auch sein mag, so habe ich es für meine Pflicht gehalten, hier hervorzutreten und das Publikum durch Ihre Spalten von den sympathischen und freundlichen Gesinnungen, welche Dr. Kirk stets für seinen alten Freund und Mitreisenden empfunden hat, zu unterrichten.

Ich bin, verehrter Herr,

Ihr gehorsamer Diener HENRY A. CHURCHILL.“

Hier folge ein Brief, der Dr. Livingstone ein Lächeln abgewinnen wird ebenso wie dies bei mir der Fall war. Er stammt von dem „moralischen Idioten“ Scherif, dem Halbblutschneider, welcher aus dem Koran prophezeite, dass Dr. Livingstone todt sei, und auf diese Prophezeiung hin des Doctors Waaren gegen Elfenbein verkaufte.

(Mitgetheilt aus dem Auswärtigen Amt durch Lord Enfield.)

„Zanzibar, 10. März 1871.

Mylord!

Ich habe die Ehre, Ihnen in der Uebersetzung Abschriften von Briefen, die ich eben aus Udschidschi erhalten habe, zu übersenden, woraus ersichtlich, dass vor fünf Monaten Dr. Livingstone sich an einem Manakoso benannten Orte befand und Leute und Vorräthe, die ich ihm im letzten Jahre geschickt habe, erwartete, sowie dass diese ihn jetzt erreicht oder wenigstens von Udschidschi an den Ort, wo er sich befindet, abgesandt worden sind.

Da es jetzt Zeit ist die Briefe, die mit der gegenwärtigen Gelegenheit abgehen sollen, zu schliessen, bin ich nicht im Stande, bei den Arabern, die diese Länder kennen, Erkundigungen über die Lage der genannten Ortschaften einzuziehen, von denen ich jedoch vermuthe, dass sie sich im Westen des Sees befinden.

JOHN KIRK.“

(Uebersetzung.)

„An den Consul Kirk von Scherif Bascheik bin Ahmed.

Ich habe Ihnen mitzutheilen, dass am 15. Schaban (10. November) ein Bote von dem Volke von Menama mit Briefen von den dortigen Arabern und einem von dem Doctor angekommen ist und dass diese Briefe vom 20. Rejib (15. October) datirt waren.

Als Antwort auf meine Fragen haben sie mir mitgetheilt, dass der Doctor gesund ist, obwol er leidend gewesen, und dass er sich zur Zeit mit Mohammed bin Gharib in der Stadt Manakoso befindet, wo er auf Karavanen wartet, da er ohne Hülfe und Mittel ist und nur wenig Begleiter, nämlich acht hat, sodass er nicht weiter ziehen oder hierher kommen kann.

Wir haben zwölf von unsern Leuten mit amerikanischen Tuchen, Kaniki, Perlen, Zucker, Kaffee, Salz, zwei paar Schuhen, Kugeln, Pulver, Seife und einer kleinen Flasche Medicin (Chinin) abgeschickt.

Alles was er braucht, haben wir ihm geschickt und ich bleibe in Udschidschi und warte auf seine Befehle.

Datirt den 20. Schaban 1287 (15. November 1870).

[Richtige Uebersetzung.]

JOHN KIRK.“

Aus den Protokollen der Königl. Geographischen Gesellschaft:

Sir Ruderick Murchison theilte mit, er habe einen Brief von Dr. Kirk vom 30. April 1871 erhalten, in welchem dieser die Mittheilung macht, er habe, obgleich kein Eingeborener von Zanzibar je in Manemeh (dem Ort, aus dem man zuletzt vom Dr. Livingstone etwas gehört) gewesen sei, doch festgestellt, dass er ungefähr eine Monatsreise, also etwa 200–300 engl. Meilen westlich vom Tanganika liegt und ein blühender Elfenbeinmarkt ist.

Dr. Kirk ist der Meinung, dass Livingstone dorthin gegangen sei, um einen westlich gelegenen See, in welchen die Gewässer von Cazembe flössen, von dem er gehört, zu untersuchen, und um festzustellen, ob sie nach Westen und in den Congo, oder nach Norden und in das Nilbecken laufen. Ferner hofft er, dass Livingstone, wenn er den Ausfluss des Tanganika festgestellt habe, sich zufrieden geben und die übrige Arbeit spätern Reisenden überlassen werde, da er mehr als fünf Jahre auf Reisen und gewiss sehr der Ruhe bedürftig sei.

Es ist sehr erfreulich zu hören, dass reichliche Vorräthe den Doctor bei seiner Rückkehr in Udschidschi erwarten.

Dr. Kirk fügt hinzu, er könne, da die Regenzeit bald vorüber sein wird, Briefe und Packete in ungefähr einem Monate nach Udschidschi, d. h. etwa zum 1. Juni befördern.

Der Vorsitzende sagte, er fände es etwas schwer zu glauben, dass fast 300 Meilen zwischen Manakoso und dem See Tanganika liegen sollen. Denn der Brief, den die mit den Vorräthen in Udschidschi beauftragten Araber von Livingstone erhalten, hätte nur 25 Tage gebraucht. Nun wäre aber die Durchschnittsschnelligkeit einer Reise in diesen Ländern nur 10 Meilen pro Tag, sodass nach der Zeit, die die Briefe gebraucht hätten, nur ein Zwischenraum von 250 Meilen, mit Einschluss der Fahrt über den See, zwischen Udschidschi und Manakoso liegen könne. Es sei übrigens doch sehr erfreulich zu hören, dass Livingstone sich nicht in einem unbekannten Kannibalenlande, wie früher angenommen, befände, sondern in einem blühenden Elfenbeinmarkt, zwischen welchem und der Seeküste beständige Handelsverbindung sei.

26. Juni 1871. Sir Henry Rawlinson sagte an diesem Tage in seiner Ansprache als Vorsitzender unter andern auf geographische Angelegenheiten bezüglichen Dingen folgendes:

Mit Rücksicht auf unsern andern grossen Afrikaforscher Livingstone befinden wir uns noch immer in einem Zustande der peinlichsten Ungewissheit. Wir erfahren aus den letzten Berichten des Dr. Kirk in Zanzibar, die von Mitte August datiren, dass die arabischen Kaufleute, mit denen Dr. Livingstone vom Süden nach Manyemeh gereist war, von diesem Orte nach Udschidschi gegangen seien und im Anfang des Monats Juni täglich in Unyanyembé erwartet würden. Von Livingstone selbst war jedoch in letzterer Zeit keine directe Kunde nach Zanzibar gelangt, sondern Dr. Kirk hatte nur auf seinen andauernden Aufenthalt in Manyemeh geschlossen. Die zweite für ihn bestimmte Sendung Vorräthe sei mittlerweile durch Unyanyembé nach Udschidschi befördert und Dr. Kirk erwartete ängstlich Nachrichten über die Ankunft des amerikanischen Reisenden Herrn Stanley an diesem Orte. Dieser Herr, der vom richtigen Forscher-Typus sein soll, hat das an der Küste belegene Bagamoyo im letzten Februar verlassen, um nach Udschidschi zu gehen, und wollte mit Livingstone zusammenkommen, ehe er weiter ins Innere ging, sodass wir binnen kurzem aus dieser, wenn nicht aus einer andern Quelle definitive Nachrichten über den jetzigen Zustand unseres grossen Reisenden und seine zukünftigen Plane bekommen müssen. Wer Herrn Stanley persönlich kennt, weiss viel von seinem entschlossenen Charakter und seiner Fähigkeit, in Afrika zu reisen, zu erzählen. Seine Expedition ist gut ausgerüstet worden, er erfreut sich des grossen Vortheils, Bombay, das wohlbekannte Factotum von Speke und Grant in seinen Dienst genommen zu haben. Ich kann noch hinzufügen, dass er nur von seinen eigenen Hülfsmitteln abhängt und, wie es scheint, von einer blossen Liebe zu Abenteuern und Entdeckungen getrieben wird, und brauche wol kaum zu sagen, dass er, wenn es ihm gelingt, uns Livingstone wiederzubringen oder ihm dabei behülflich zu sein, das grosse Problem des obern Wassersystems des Nils und Congos zu lösen, von dieser Gesellschaft ebenso herzlich und warm begrüsst werden wird, als wenn er ein englischer Forscher wäre, der unter unsern unmittelbaren Auspicien handelt.

Aus dem Vorhergehenden ersieht man, dass Sir Henry Rawlison an dem Tage sehr liebenswürdig von mir gesprochen hat.

Die nächsten Briefe, die über Livingstone und mich einliefen, sind vom 25. und 22. September 1871 und lauten folgendermassen:

„Zanzibar, 25. September 1871.

Lieber Sir Roderick!

Sie werden aus dem ans Auswärtige Amt gerichteten Berichte ersehen, dass Schwierigkeiten in Unyamwezi entstanden sind, welche Udschidschi von der Küste abgeschnitten haben, und da wir von Udschidschi schon einige Zeit keine Nachrichten bekommen haben, so können wir noch lange warten, ehe wir Gewissheit über Dr. Livingstone’s Bewegungen erhalten.

Alles was ich sagen kann ist, dass mir Berichte aus jenem Orte fehlen; weder er noch sein arabischer Freund Mohammed bin Gharib war daselbst angekommen; aber es gab ein Gerücht, das ich für werthlos halte, dass sie beide über Wemba um das südliche Ende herumgehen würden.

Ich kann noch keine genauen Nachrichten über Manyema erhalten; ein jeder kennt es, doch ist, wie ich finde, noch keiner dort gewesen. Ich habe Leute gesehen, die von Udschidschi aus über den Tanganika gesetzt sind und Karavanen sich auf die Reise nach Manyema haben begeben sehen, doch scheint es ein ziemlich neuer, ungewöhnlicher Handelsweg zu sein.

Ich freue mich, dass der Gouverneur von Unyanyembé von seinem Posten entfernt werden soll; er ist es, gegen den der Krieg dort geführt worden und wenn er getödtet wäre, würden wir alle zufriedener sein.

Herr Stanley war in Unyanyembé und im Kampf, die Araber aber haben ihn im Stiche gelassen; vier von seinen Leuten wurden getödtet, er selbst entkam aber. Die Aussicht, dass er jetzt weiter gehen kann, ist gering; doch kann ich wirklich nicht sagen, wo er hingehen will; denn er hat seine Plane hier niemandem mitgetheilt. Ich habe Briefe an Dr. Livingstone an Stanley zur Weiterbeförderung geschickt und diesem auch die Sachen für Livingstone (die von der zweiten Sendung nämlich, denn die erste hat Udschidschi schon erreicht) anvertraut.

Ich glaube, er wird es sich angelegen sein lassen, zuerst mit Livingstone zusammenzutreffen; ob er aber, nachdem er selbst gesehen, was sich am besten thun lässt, weiter gehen oder zurückkehren wird, kann ich nicht sagen. Er lag am Fieber krank, als er schrieb, ist aber wieder leidlich wohl geworden.

Die Leute, welche hier angekommen sind, kehren morgen wieder zurück und sollten in 25 Tagen da sein, denn der Weg ist schön und Gras und Nahrungsmittel sind in Fülle vorhanden.

Ihr aufrichtig ergebener

JOHN KIRK.“

„Zanzibar, 22. September 1871.

Mylord!

Soeben durch Spezialboten, die Unyanyembé vor etwa einem Monat verlassen haben, empfangene Briefe bringen uns die Nachricht von einem schweren Unglück, das der dortigen arabischen Colonie zugestossen ist und wahrscheinlich den Weg nach Udschidschi und Karague für die nächste Zukunft versperren wird.

In Bezug auf die Hauptereignisse stimmen alle Berichte überein; aber natürlich sind die Briefe Herrn Stanley’s, eines Amerikaners, der sich an Ort und Stelle befand, die ausführlichsten und zuverlässigsten. Ich verdanke Herrn Webb, dem hiesigen amerikanischen Consul, einige Einzelheiten, die in diesen Briefen erzählt werden, welche ohne Zweifel anderswo in extenso werden veröffentlicht werden. In Kürze ist die Lage folgende: Die arabische Colonie des Innern, deren Mittelpunkt Unyanyembé ist, hat seit einiger Zeit unter der Führung von habgierigen, grundsatzlosen Leuten gestanden, deren sowol an Eingeborenen wie an den ärmeren Arabern verübten Erpressungen seit einiger Zeit Gegenstand von Klagen bei Seyd Barghasch geworden sind, welcher ausser Stande ist, sich bei einer solchen Entfernung in die Dinge zu mischen, solange dieselben für die Araber gut gehen. Ein Häuptling, dessen Dorf eine Tagereise auf der Hauptstrasse von Udschidschi nach Karague entfernt liegt, zog sich die Ungnade der Unyanyembé’schen Ansiedler zu und sein Wohnsitz wurde darauf durch eine Truppenmacht von etwa 1500 mit Flinten bewaffneten Soldaten angegriffen. Da er einsah, dass er das belagerte Dorf nicht halten könne, zog er sich mit seinem Gefolge zurück und legte sich in einen Hinterhalt, um die Angreifer auf ihrem Rückzuge zu überfallen, wo sie mit Elfenbein und anderer Beute beladen waren. Der Erfolg war für die Araber sehr unglücklich; viele derselben wurden getödtet mit Einschluss von 10 oder 20 Vornehmen, die guten hiesigen Familien angehören. Der arabische Rückzug artete bald in eine wilde Flucht aus und es ging dabei viel Vermögen verloren. Glücklicherweise gelang es Herrn Stanley, der am Fieber erkrankt und geschwächt war, nach Unyanyembé zurückzukehren; er wurde aber von den Arabern im Stich gelassen, deren Betragen er als ungemein feig schildert.

Das ist beständig der Zustand der Dinge in Central-Afrika. Der Weg nach Udschidschi wird jetzt auf einige Zeit versperrt sein und es ist sehr ungewiss, wann wir wieder etwas von Dr. Livingstone hören können. Einer der Leute, die jetzt hergekommen sind, berichtet, dass ein Gerücht im Umlauf sei, Mahomed bin Gharib und der Weisse (Dr. Livingstone) würden von Manyema über Marungu und Wemba zurückkommen. Das Gerücht ist jedoch, meines Erachtens, nichts werth, doch kann ich es immerhin erwähnen.

Die letzten von Herrn Churchill abgesandten Gegenstände haben Unyanyembé, wie ich schon früher berichtet, erreicht. Jetzt erfahre ich jedoch, dass der Führer, dem sie anvertraut worden, am Tage nachdem er nach Udschidschi abgezogen, gestorben ist und die Güter nach Unyanyembé zurückgebracht worden sind. Ich habe jetzt wenig Zutrauen zu dem Scheikh Said bin Salim und werde Herrn Stanley schreiben, der bisher wol nicht im Stande gewesen sein wird, den Ort zu verlassen, und ihn bevollmächtigen, Einrichtungen zu treffen, die Güter zu befördern oder, wenn er das nicht kann, für mich nach seinem besten Urtheil zu handeln, um dieselben vor Plünderung zu schützen; bei dem jetzigen Stande der Dinge aber wird es ein sehr grosses Glück sein, wenn sie überhaupt gerettet werden und je ihren Bestimmungsort erreichen.

Die Boten werden sich in ein paar Tagen auf ihren Rückweg machen und sollten im Stande sein, ihre Reise bequem in 70–75 Tagen zu vollenden, denn der Weg ist so weit frei und Nahrungsmittel reichlich vorhanden.

Für den arabischen Elfenbeinhandel ist die jetzige Lage der Dinge sehr ernst; sie haben sich jetzt weit im Innern niedergelassen und sich mit Tausenden von Sklaven, die aus dem Lande selbst sind, umgeben; ohne diese können sie nicht auskommen und doch können sie ihnen nicht Vertrauen schenken, denn sie sind alle bewaffnet und können sich gegen ihre Herren wenden.

Der Häuptling, mit dem sie Krieg führen, ist mit Waffen wohl versehen und eine seiner Karavanen befindet sich jetzt mit mehreren hundert Fässern Pulver auf dem Wege ins Innere. Um diese Leute auf ihrer Reise anzuhalten, haben die Wasagara bereits den Befehl erhalten, sie anzugreifen und zu plündern; das kann jedoch auch nur der Anfang ähnlicher Angriffe auf arabische Karavanen sein, denn die wilden Stämme werden sich wenig darum kümmern, wen sie angreifen, wenn man sie erst zum Plündern ermuthigt hat.

Ich habe die Ehre u. s. w.

JOHN KIRK, politischer Agent und Consul für Zanzibar.

An Earl Granville.“

Kapitän R. F. Burton theilte mit, dies sei nicht das erste mal, dass Unfriede zwischen den arabischen Handelsgemeinschaften und den Eingeborenen von Unyanyembé und Unyamwezi ausgebrochen sei. Der jetzige Stand der Dinge könne noch 2–3 Jahre anhalten; wenn aber Livingstone es zu vermeiden wünsche, durch diesen Bezirk zu ziehen, so würde es keine Schwierigkeiten für ihn haben, seinen Rückweg südlich vom See Tanganika zu nehmen. Zu gleicher Zeit würde ein muthiger Weisser, wie Livingstone, der die Sprache der Eingeborenen spricht, im Stande sein, sicher durch Ortschaften zu ziehen, in welche sich kein Schwarzer hineinwagen darf. Er habe nicht die geringste Furcht in Bezug auf Livingstone, sondern sei davon überzeugt, dass im Augenblicke, wo ihm irgend etwas geschähe, die Nachricht sich sofort an die Küste verbreiten und der Gesellschaft fast so rasch wie durch den Telegraphen zukommen würde.

27. November. Sir Henry Rawlinson zeigt an, dass er der Versammlung eine Mittheilung über einen andern Gegenstand, an dem die Geographische Gesellschaft ein ebenso warmes Interesse nehme, nämlich über Dr. Livingstone zu machen habe. Bei der letzten Versammlung habe er Veranlassung gehabt, Briefe, die von Dr. Kirk an unsern hochgeehrten verstorbenen Vorsitzenden und an die Regierung von Bombay geschickt worden, vorzulesen, in denen er Unruhen beschrieben,

welche zufällig in Afrika ausgebrochen und die Verbindung zwischen der Meeresküste und dem See Tanganika unterbrochen hätten. Ueber denselben Gegenstand hätte das Auswärtige Amt eine Depesche von Dr. Kirk seitdem erhalten, ein Duplicat einer früher gelesenen, an die Regierung von Bombay gerichteten Depesche. Er wünsche jetzt die Massregeln anzukündigen, die der Vorstand am heutigen Tage infolge des Empfangs dieser Briefe beantragt habe. Dem Vorstande und ihm selbst schiene es jetzt, dass die bisher gehegte Hoffnung, durch Herrn Stanley, den amerikanischen Reisenden, mit Dr. Livingstone in Beziehung zu treten, aufzugeben sei und daher sei es Pflicht des Vorstandes, auf andere Mittel zu sinnen, dies zu erreichen. Er beabsichtige jetzt, sich an das Auswärtige Amt zu wenden, damit entweder direct von diesem oder durch Zusammenwirken desselben und unserer Gesellschaft Mittel geschafft würden, mit dem Innern, wo sich Livingstone vermuthlich aufhielte, in Verbindung zu gelangen. Der eine Plan bestände darin, eingeborene Boten abzusenden, denen man eine Belohnung von 100 Guineen für das Ueberbringen eines eigenhändigen Briefes von Dr. Livingstone an die Seeküste aussetze; der andere von einem unserer Afrikareisenden herrührende Vorschlag laute, eine directe, von einem erfahrenen, dazu geeigneten Europäer geleitete Expedition hinzuschicken. Welcher von diesen Plänen am räthlichsten erscheine, werde vom Resultat der Unterhandlung mit dem Auswärtigen Amt abhängen; die Gesellschaft könne aber versichert sein, dass der Vorstand kein Mittel unversucht lassen werde, festzustellen, ob Dr. Livingstone in Manyema zurückgehalten werde, wo er den Berichten zufolge zusammen mit dem arabischen Händler Mohammed bin Gharib so lange gelebt haben soll.

Herr Hormuzd Rassam sprach auf eine an ihn gerichtete Anfrage seine Meinung dahin aus, dass nach seinen Erfahrungen in Abessinien die beste Art, Nachrichten über entfernte Individuen zu bekommen, diejenige sei, Eingeborene als Boten auszuschicken. Bei drei verschiedenen Gelegenheiten habe er sich dieser Methode bedient, von Massowah aus mit den Gefangenen von Magdala in Verbindung zu treten. Er habe drei verschiedene Boten gebraucht, einen christlichen, einen mohammedanischen und einen Eingeborenen von Westabessinien. Diese habe er auf verschiedenen Routen abgesandt und sei vollkommen überzeugt gewesen, dass der eine von den Bewegungen der andern nichts gewusst habe. Zwar habe einer derselben einen selbstfabrizirten Brief zurückgebracht; die beiden andern aber seien etwa zehn Tage vor der verabredeten Zeit mit authentischen Nachrichten zurückgekehrt. Einige in Muscat lebende Araber, die bis an den Tanganika-See gereist seien, hätten versichert, man könne, mit Perlen und andern Tauschartikeln gehörig versehen, ohne Schwierigkeiten hin- und zurückreisen.

General Rigby war der Ueberzeugung, dass der von Herrn Rassam empfohlene Plan vollständig misglücken werde. Zwar könnten in Abessinien einzelne Reisende von einem entfernten Punkte des Landes an einen andern reisen, aber auf der Ostküste Afrikas sei dies unmöglich. Dort müssten alle Reisende von durch Bewaffnete geschützten Karavanen begleitet werden. Nur Handelskaravanen machten die Reisen an die Seen und diesen wäre es ganz gleichgültig, wie viel Zeit sie darauf verwendeten; wenn die Gesellschaft sich darauf verliesse, dass ein einzelner Eingeborener sich einer Karavane anschlösse und darauf warte, bis er mit einer andern zurückkehren könne, so könnte sie wol fünf Jahre oder noch länger warten. Er sei überzeugt, dass der einzige Weg, sich mit Livingstone in Verbindung zu setzen und ihm Hülfe zu bringen, darin bestehe, einen unternehmenden englischen Reisenden von Zanzibar mit einer kleinen bewaffneten Truppe und ausreichenden Vorräthen abzusenden.

Herr Rassam wollte nur noch hinzufügen, dass er durch Boten mit Häuptlingen in den entfernten Galla-Ländern in Verbindung getreten sei, die man nur durch eine Reise von 30–40 Tagen habe erreichen können. Seiner Meinung nach werde es nichts schaden, wenn man beide Pläne versuchte.

Der Vorsitzende theilte mit, der Vorstand habe sich entschlossen, zuerst den Versuch mit den eingeborenen Boten zu machen und wenn dies misglückt sei, könnten sie das ernstere Unternehmen einer Expedition in Angriff nehmen.

Die folgende Correspondenz, welche auf die an Dr. Livingstone gesandten Vorräthe Bezug hat, ist vom Auswärtigen Amt veröffentlicht worden:

DR. LIVINGSTONE AN DR. KIRK.

„Udschidschi, 30. October 1871.

Mein Herr!

Am 25. und 28. habe ich Ihnen zwei eilige Briefe gesandt, welche (der eine für Sie, der andere für Lord Clarendon bestimmt) nach Unyanyembé befördert worden sind. Ich war gerade hier ganz abgemattet an Geist und Körper angekommen, als ich fand, dass Ihr Agent Scherif Bascha alle von Ihnen geschickten Waaren zu eigenen Gunsten für Sklaven und Elfenbein verkauft hatte. Er hatte den Koran um Rath gefragt und herausgefunden, dass ich todt sei. Auch schrieb er an den Gouverneur von Unyanyembé, er habe Sklaven nach Manyema gesandt, die mit dem Berichte zurückgekehrt seien, ich sei todt; er erbat sich deshalb vom Gouverneur die Erlaubniss, die Waaren zu verkaufen. Scherif Bascha wusste jedoch von Leuten, die aus Manyema von mir gekommen waren, dass ich in der Nähe von Udschidschi in Bambarre sei und auf ihn und meine Güter warte. Als aber meine Freunde hier gegen den Verkauf meiner Waaren protestirten, antwortete er ihnen jedesmal: “Ihr wisst nichts über die Angelegenheit; ich allein weiss, dass der Consul mir den Auftrag gegeben hat, einen Monat in Udschidschi zu bleiben und dann die Sachen zu verkaufen und zurückzukehren.„ Als ich ankam, sagte er, Ludha hätte ihm das befohlen. Von den Banyanischen Sklaven, die Sie hergeschickt, erfahre ich, dass sich Ludha an Ali bin Salim bin Raschid, eine notorisch unehrliche Persönlichkeit, gewandt und dieser ihm Scherif Bascha als Führer der Karavane anempfohlen habe. Kaum hatte dieser den Oberbefehl erhalten, so begab er sich zu Muhamad Nassur, der ihn mit 20 Kisten Seife und 8 Kisten Branntwein versah, die er im Einzelverkauf auf der Reise ins Innere losschlagen sollte. In Bagamoyo bekam Scherif eine Menge Opium und Schiesspulver von zwei dortigen Banyanen, deren Namen mir unbekannt sind. In ihrem Hause öffnete Scherif die Seifenkisten und steckte ihren Inhalt in meine Ballen; die Branntweinkisten liess er uneröffnet und brauchte Pagazi, die aus meinen Ballen bezahlt wurden, zum Transport des Opiums und des Schiesspulvers. Die Banyanen und Scherif hatten also ihre eigenen Handelsspeculationen verfolgt, anstatt die Beziehungen zwischen zwei Regierungsbeamten zu vermitteln und von da ab wurden alle Reiseausgaben aus meinen Vorräthen bezahlt und Scherif war im Stande, seinen Mitschuldigen 5 Frasilehs Elfenbein im Werthe von etwa 60 Pfd. Sterl. aus Unyanyembé zu schicken. Wiederum wurden die Pagazi von mir bezahlt. Er beeilte sich keineswegs, mir zu Hülfe zu kommen, sondern brachte 14 Monate auf der Reise zu, auf einer Entfernung, die man in drei Monaten hätte zurücklegen können. Wenn man zwei Monate Aufenthalt durch Krankheit abzieht, so bleiben noch 12 Monate, von denen neun den Privatinteressen der Banyanen und des Scherif gewidmet waren. Er hat meine Güter verprasst, indem er sich das Beste an Speise und Trank, was das Land darbietet, kaufte; er hat in meinem Zelte gewohnt, bis es so verfault und zerrissen war, dass ich es nicht ein einziges mal brauchen konnte; er hat sich zwei Monate an drei verschiedenen Orten aufgehalten, um Branntwein, Opium, Schiesspulver und Seife zu verkaufen und als dies geschehen war wollte er, nachdem er in Udschidschi angekommen, nicht weiter ziehen. Hier wird allgemein berichtet, er sei einen ganzen Monat betrunken gewesen, und alles Durra, Pombé und den Palmwein hat er mit meinen schönen Samsam-Perlen gekauft. Er hat 24 Meter Calicot monatlich für sich, 8 Meter für jeden seiner zwei Sklaven, 8 Meter für seine Frau und 8 Meter für Awathe, den zweiten Führer, verausgabt. Als er mir die sieben Banyanen, von Ludha gemiethete Sklaven, nach Bambarre schickte, bewilligte er mir nur zwei Frasilehs der gröbsten Perlen, die er offenbar für meine schönen Samsam eingetauscht hatte, ein paar Stücke Calicot und aus Gnade und Barmherzigkeit die Hälfte des Kaffees und Zuckers. Die Sklaven kamen ohne Lasten. Schliesslich ging Scherif soweit, wie bereits berichtet, alles mit Ausnahme der andern Hälfte des Kaffees und Zuckers und eines Bündels unverkäuflicher Perlen sowie von vier Stücken Calicot zu verkaufen. Er zog von hier fort, deponirte jedoch, da er von Unruhen hörte, die in Unyanyembé ausgebrochen, sein Elfenbein in einem nahe belegenen Dorfe, kam zurück, nahm sich die vier Stück Calicot, und ich habe von all dem schönen Calicot und den Perlen, die Sie mir zugesandt, nicht einen Meter oder eine einzige Reihe Perlen bekommen. Awathe, der zweite gemiethete Führer, schaute dem von Scherif verübten Raube von der Küste an zu und hat nie dagegen Einspruch erhoben oder einen Bericht darüber an seinen Miethsherrn erstattet. Vor Ihnen hat er sorgfältig ein Leiden verborgen, welches ihn daran verhinderte, mir auch nur einen Dienst zu leisten. Er hatte nämlich einen Bruch lange, ehe er gemiethet worden, und mir hat er gesagt, dass die grosse Fleischgeschwulst plötzlich bei seiner Ankunft in Udschidschi entstanden sei. Es ist kein Wasserbruch, sondern Fleischbruch und seine eigene Erzählung beweist, dass der Schmerz, den er simulirte, ganz aufgehört hatte, als sich einer meiner Freunde, Dugumbe, dazu erbot, ihn in kurzen, bequemen Tagereisen zu mir zu führen. Er schlug dies aus, da er glaubt, die Banyanen hätten so viel Macht über uns, dass er seinen vollen Lohn für die ganze Zeit, in der er meine Waaren verzehrt hat, bezahlt bekommen werde, obwol er ausser Stande war, seinen Dienst zu versehen. Dugumbe erbot sich auch, ein Packet Briefe, das dem Scherif als meinem Agenten übergeben worden, mir zu bringen; als er ihm aber mittheilte, er sei im Begriff, sich auf die Reise zu machen, kam nichts zum Vorschein. Das Packet ist wol zerstört worden, damit ich nicht die Liste von Waaren zu sehen bekäme, die Sie mir durch einen gewissen Hassani nach Unyanyembé geschickt haben. Indem ich mich gebührenderweise Ihrem Urtheil unterwerfe, fordere ich doch alle dadurch entstandenen Ausgaben, wie sie in Ludha’s Büchern enthalten sind, von den Banyanen zurück, die betrügerischerweise aus einer Karavane, die mir Hülfe bringen sollte, ein Mittel gemacht haben, um ihre eigene Geldgier zu befriedigen. Muhamad Nassur kann die Namen der übrigen banyanischen Mitschuldigen Scherif’s angeben, welche es zugelassen haben, dass die mir zugedachte Hülfe in eine Speculation verwandelt worden ist; sie sollten die von Ludha mitgeschickten Sklaven bezahlen und sich ihre Auslagen von Scherif wiedergeben lassen. Ich berichte diesen Fall sowol an die Regierung Ihrer Majestät, als an Sie und glaube, dass Sie dadurch besser im Stande sein werden, dafür zu sorgen, dass mir Gerechtigkeit widerfahre und den Banyanen Scherif und Awathe sowie den banyanischen Sklaven, welche mich, anstatt den in Ihrer Gegenwart eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen, in aller Weise schikanirt und gehindert haben, die gebührende Strafe zutheil werde. Indem Sie die Angelegenheit meiner Vorräthe und Leute dem Banyanen Ludha anvertraut haben, scheinen Sie nicht gewusst zu haben, dass unsere Regierung ihren Beamten verbietet, Sklaven zu benutzen. Der Commissar und Consul in Loanda auf der Westküste hat nach dem fernen St. Helena geschickt, um ziemlich dumme Diener zu bekommen, nur damit er sich nicht die Ungnade des Auswärtigen Amtes dadurch zuziehe, dass er geschickte portugiesische Sklaven, die zur Hand waren, benutze. Unter den sehr schwierigen Verhältnissen, von denen Sie reden, da die Cholera wüthete und Sie weder meine bereits übermittelten Instructionen, freie Leute und nicht Sklaven zu miethen, noch die in dem verlorenen Packete enthaltenen Geldanweisungen erhalten hatten, war es vielleicht am einfachsten, sich an Ludha zu wenden; ich hoffe indess, Sie werden mich nicht für undankbar halten, wenn ich darauf hinweise, dass dies doch ein grosser Irrthum war. Ludha ist zwar höflich, aber der Sklavenhandel und fast jeder andere Handel wird hauptsächlich durch das Geld der Banyanen vermittelt, die britische Unterthanen sind und den grössten Theil des Profits empfangen, es aber verstehen, das Odium der Sklaverei geschickt auf die Araber zu wälzen. Sie hassen uns Engländer und freuen sich mehr, wenn uns etwas misglückt, als wenn es gelingt. Ludha hat seine eigenen und andere banyanischen Sklaven zum Jahreslohne von 60 Dollars hergeschickt, während die gewöhnliche Bezahlung für Freie aus Zanzibar 25–30 Dollars beträgt. Er wird enorme Interessen für das vorgeschossene Geld verlangen, angeblich 20–25 Procent, und selbst wenn Scherif’s Behauptung, dass Ludha ihm befohlen, nicht weiter als nach Udschidschi zu gehen, sondern nach einem Monat alles zu verkaufen und zurückzukehren, vollständig unwahr wäre, so ist es doch sehr merkwürdig, dass jeder der banyanischen Sklaven es aufs bestimmteste behauptete, dass sie mir nicht folgen, sondern mich zur Umkehr zwingen sollten. Ueber Leute, welche wussten, dass sie ihr Gehalt nicht weiter beziehen würden, hatte ich natürlich keinen Einfluss. Es ist auch sehr merkwürdig, dass die Zwecke Ihrer Karavanen so vollständig durch Banyanen, die fast unter dem Schatten des Consulats mit Scherif unter einer Decke stecken, vereitelt werden können und Ihnen weder ein Dragoman, noch andere Ihrer besoldeten Untergebenen das anzeigt. Diesen konnte doch der Charakter des Ali bin Salim bin Raschid und seines Gefährten Scherif kaum unbekannt sein. Wie kann man sie aber ohne glaubwürdige Zeugnisse in Dienst nehmen?

Ihr ergebenster

DAVID LIVINGSTONE.“

„Nachschrift.

16. November 1871.

„Ich bedauere es sehr, dass ich gezwungen bin, Ihnen den vorstehenden sehr unliebsamen Gegenstand vorzutragen; ich habe aber soeben Nachrichten und Briefe erhalten, welche die Sache doppelt ernst erscheinen lassen. Herr Churchill hat mich durch einen Brief vom September 1870 benachrichtigt, dass Ihrer Majestät Regierung mir gütigst eine Unterstützung von 1000 Pfd. Sterl. geschickt hat. Zuerst seien Schwierigkeiten entstanden, Sachen im Werthe von 500 Pfd. Sterl. abzusenden; zu Anfang November jedoch sei dies möglich geworden. Wiederum aber haben Sie Sklaven gemiethet und einer derselben erzählt mir jetzt, dass sie vier Monate oder bis zum Ende des Februar 1871 in Bagamoyo liegen geblieben sind. Niemand hat sich während der ganzen Zeit um sie bekümmert. Als aber ein Gerücht zu ihnen drang, dass der Consul käme, beeilten sie sich abzureisen, zwei Tage vor Ihrer Ankunft, welche gar nicht mit ihren Angelegenheiten zusammenhing, sondern durch eine Reise in Ihrem eigenen Privatinteresse bedingt gewesen sei. Diese Sklaven kamen im vorigen Mai nach Unyanyembé, dort sei, nach ihrem Berichte, der Krieg im Juli ausgebrochen, und dies gab ihnen einen guten Vorwand, dort zu bleiben. Damit ist ein ganzes Jahr verstrichen, in welchem 500 Pfd. Sterl., welche die Regierung mir zugeschickt hat, dazu verwendet worden, Sklaven ein gutes Leben zu bereiten. Wie der Mann, der in Versuchung gerieth, zu verzweifeln, als er die Photographie seiner Frau zerbrochen hatte, möchte ich fast die Hoffnung aufgeben, jemals aus Zanzibar Hülfe zu bekommen, um den noch übrigen kleinen Rest meiner Aufgabe zu lösen. Ich brauche freie Menschen, nicht Sklaven, und solche sind in Zanzibar in Masse zu haben. Wenn aber die Sache dem Ludha, anstatt einem energischen, von Ihrem Dragoman oder andern Beamten überwachten Araber anvertraut wird, so kann ich noch zwanzig Jahre warten und Ihre Sklaven können sich lustig machen ohne ihre Pflicht zu thun.“

DR. LIVINGSTONE AN DR. KIRK.

„Unyanyembé, 20. Februar 1872.

Mein lieber Kirk!

Da ich mir durch Herrn Stanley 50 Freie aus Zanzibar kommen lasse, um im Stande zu sein, meine Aufgabe zu Ende zu führen, so bitte ich Sie, Ihren Einfluss beim Sultan zu meinen Gunsten zu verwerthen, damit dieser mir einen tüchtigen Führer verschaffe, der sie rasch herbringt und bei mir bleibt, bis ich meine Arbeit zu Ende geführt; und zwar muss es ein Mann von gutem Charakter sein, der gern für mich arbeitet und auf keinen Fall meine Expedition mit seinen Privatspeculationen heimsucht. Diesen Punkt muss man ihm deutlich auseinandersetzen. Wenn er aber ein guter energischer Führer ist, so werde ich ihm, sobald wir in das Land kommen, wo es viel Elfenbein gibt, dafür eine reichliche Belohnung zutheil werden lassen, obwol er die Reise auf meine Kosten gemacht hat. Wenn derselbe früher mit einer Karavane gereist ist, so wird er die Pflichten kennen, die er dem Haupte derselben schuldet. Bei seiner Ankunft hier werden wir aus der Weise, in welcher er Herrn Stanley’s Befehlen in Bezug auf die Leute und Esel nachgekommen ist, ersehen, ob er sich dazu eignet, mich weiter zu begleiten. Seine Pflicht ist, wie Sie andern sehr richtig gesagt haben, die ihm ertheilten Befehle auszuführen und darauf zu sehen, dass die andern dasselbe thun, ohne Rücksicht auf die Sitten oder Gewohnheiten anderer Karavanen. Ich wünsche, dass Sie Herrn Henry M. Stanley die Summe von 500 Pfd. Sterl. von dem Gelde geben, das Ihnen zu meinem Nutzen von Ihrer Majestät Regierung übermittelt worden, damit er dasselbe für mich verwende, und Sie werden seine Empfangsbescheinigung als ausreichendes Anerkenntniss meinerseits annehmen. Er weiss, was ich an Leuten und Waaren nöthig habe, und ich bin überzeugt, dass Sie Ihren ganzen consularischen Einfluss darauf verwenden werden, ihm das zu verschaffen, was ich brauche und die Expedition möglichst rasch ins Innere zu befördern. Wenn Sie zwei Briefe, die hastig am 28. October 1871, gleich nachdem ich in Udschidschi angekommen, geschrieben wurden, nämlich einen an Sie, den zweiten an Lord Clarendon gerichteten, nicht erhalten haben, so haben Sie sich vielleicht dazu verleiten lassen, wieder banyanische oder andere Sklaven statt freier Leute zu miethen. Zaudern Sie jetzt aber nicht, sondern seien Sie so gut, sie sofort wieder zu entlassen, mag es kosten, was es wolle. Ich habe Herrn Stanley einen Wechsel auf Bombay mitgegeben für den Fall, dass Sie alles Geld, das Ihnen von der Regierung übersandt worden, verausgabt haben. Sklaven sollen mir durchaus nicht geschickt werden, denn alle, die ich bisher gehabt, kamen hier von der Idee erfüllt an, dass sie mich nicht begleiten, sondern zur Rückkehr zwingen sollten und sie beschworen es (fälschlicherweise natürlich), dass Sie, der Consul, ihnen diese Instruction ertheilt hätten. Ich schliesse eine Quittung für einen Taschenchronometer ein, den mir vielleicht der Kapitän eines Kriegsschiffes leihen kann, ohne dass er ihn für sein eigenes Schiff entbehrt. Ehe ich hiervon und von Geldangelegenheiten zu sprechen aufhöre, möchte ich nur noch hinzufügen, dass Eile von grösster Wichtigkeit ist und dass, wenn Ihnen irgendeine andere Methode, rasch Geld zu bekommen, einfällt, z. B. von Herrn Young oder von meinen Bankiers Coutts und Comp., so bitte ich Sie, dieselbe einzuschlagen. Ich verpflichte mich hierdurch, das Ganze sofort durch einen Wechsel zu berichtigen, wenn Herrn Stanley’s Leute Unyanyembé erreichen. Aus einigen von Herrn Webb an Herrn Stanley gesandten Zeitungen ersehe ich, dass Sie der Meinung sind, dass Waaren und Packete, die Sie Banyanen mitgeben, in etwa einem Monat Udschidschi erreichen können. Der Kasten aber, den Sie verpackt haben, war ungefähr vier Jahre unterwegs. Waaren und wahrscheinlich auch Briefe, die mir durch einen gewissen Hassain hergeschickt worden, sind ganz und gar verschwunden. Durch Scherif mir übersandte Briefe waren vierzehn Monate unterwegs nach Udschidschi und ein Packet davon war vernichtet. Alle Güter sind für Sklaven und Elfenbein verkauft worden. Irrthümlicherweise haben Sie Earl Granville veranlasst, im Hause der Lords zu sagen, dass alle meine Bedürfnisse befriedigt seien. Ich brauche mich nicht weitläufiger darauf einzulassen, sondern es genügt wol, wenn ich Ihnen einen kurzen Ueberblick der Schicksale der durch Ludha und seine Sklaven mir zugekommenen Vorräthe gebe. Die Briefe befanden sich vierzehn Monate unterwegs nach Udschidschi und sind überhaupt nur dadurch hergekommen, dass Herr Stanley sie zufälligerweise zu sehen bekam und mir mitbrachte. Die von Ihnen gesandten Sklaven wollten ihn nicht nach Udschidschi begleiten. Warum hat man sie alle so instruirt, dass sie mir nicht folgen? Sie haben mir erzählt, dass sie sich vier Monate in Bagamoyo aufgehalten haben. Dort verschwanden drei Beutel Perlen und ein Ballen Tuch; dann verprassten die beiden Führer meine Güter hier. Der eine ist an den Pocken gestorben und der noch am Leben befindliche Athman hat am hellen Tage die Riegel und Schlüssel von Herrn Stanley’s Vorrathshaus zerbrochen und ihm Güter gestohlen. Er ist entlassen.

Ich bin u. s. w.

DAVID LIVINGSTONE, Ihrer Majestät Consul in Inner-Afrika.“

DR. KIRK AN EARL GRANVILLE.

„Zanzibar, 9. Mai 1872.

Ich habe die Ehre zu melden, dass gestern Herr Stanley, dessen bevorstehende Ankunft ich bereits angekündigt habe, nach Zanzibar gekommen und mir Briefe von Dr. Livingstone übergeben hat, von denen ich hierbei Copien übersende. Da Dr. Livingstone es geflissentlich vermeidet, auch nur Andeutungen von seinen während der letzten drei Jahre, wo er nichts von sich hat hören lassen, ausgeführten Arbeiten zu geben und ebensowenig etwas von den neuen Forschungen mittheilt, die er vor hat und für welche er durch Herrn Stanley 50 Bewaffnete verlangt und eine Ausgabe von 500 Pfd. Sterl. veranlasst, so muss ich es Herrn Stanley überlassen, dem das Geheimniss anvertraut worden, es in der Weise, wie es den Interessen seines Auftraggebers am besten passt, bekannt zu machen. Herrn Stanley sind Dr. Livingstone’s Tagebuch und seine sämmtlichen Notizen anvertraut worden mit dem speciellen Befehle, nichts über seine Route oder seine Pläne hier kund werden zu lassen; und Briefe, die früher geschrieben wurden und einige Nachrichten enthielten, sind entweder unterdrückt worden oder verloren gegangen. Der Rest von den durch die Regierung bewilligten 1000 Pfd. Sterl., welche Eure Lordschaft Herrn Churchill übergeben hat, ist schon auf Ihren Befehl der Expedition zur Aufsuchung und Unterstützung von Livingstone übergeben worden und befindet sich in den Händen des Herrn W. O. Livingstone, der jetzt diese Expedition repräsentirt, nachdem sich die andern Mitglieder vernünftigerweise zurückgezogen haben, da sie erfahren, dass sich Dr. Livingstone ungefährdet in Unyanyembé befindet, wo er leicht zu erreichen ist und reichliche Vorräthe für die Jahre hat, die er sich noch im Lande aufzuhalten gedenkt. Herr Stanley hat mir die Liste von Sachen gezeigt, die jetzt von ihm bestellt worden, von denen sich fast alle bereits unter den für die Expedition beschafften Gegenständen und in den Händen von Herrn W. 0. Livingstone befinden. Daher werden wol die kostbaren Baumwollenwaaren und Perlen, die schon für die Reise angeschafft worden, verkauft werden, da Dr. Livingstone sie, wie wir wissen, nicht mehr nöthig hat. In den Händen der Expedition befinden sich auch funfzig gezogene Karabiner, sodass es überflüssig sein wird, noch neue Auslagen in dieser Beziehung zur Bewaffnung der funfzig Mann zu machen, die Herr Stanley aussuchen wird. Jetzt erübrigt es fast nur noch, Sklavenketten zu kaufen, die Dr. Livingstone für die Begleitmannschaft bestellt hat, um sie für den Fall zu brauchen, dass die Leute sich weigern, ihre Pflicht zu thun, wie es die vorigen gethan haben. Doch ist die Leitung der ganzen Angelegenheit, soweit sie sich auf diese Expedition bezieht, in den Händen von Dr. Livingstone’s Sohn, und die Auswahl der Leute wird ausschliesslich von Herrn Stanley besorgt. Die Expedition wird, auf die ausdrückliche Bitte Dr. Livingstone’s, sofort in leichter Marschordnung abziehen. Die weitläufige Correspondenz, die ich einschliesse, zeigt deutlich, dass der Agent Scherif Bascha, dem der Transport der Vorräthe nach Udschidschi anvertraut worden, dies in der nachlässigsten und unehrlichsten Weise besorgt hat. Es scheint jedoch, dass die Handelsspeculationen, die auf dem ersten Theile der Reise unternommen wurden, hauptsächlich mit Gütern bewerkstelligt worden sind, die er sich an der Küste geliehen und mit den Regierungsvorräthen zusammengethan hat, um sich die Kosten des Transports zu ersparen. In Udschidschi ist er mit einem grossen Vorrath von Regierungswaaren angekommen, welche, wenn er sie ehrlich abgegeben hätte, noch lange für Dr. Livingstone’s Bedürfnisse ausgereicht haben würden. Hier erst brachte er im Glauben, dass Dr. Livingstone nicht aus Manyema zurückkehren werde, die werthvollsten Sachen bei Seite und schickte nur wenig davon an den Doctor.

Die zum zweiten mal abgesandten Vorräthe, genau dieselben, wie das erste mal, sind in Unyanyembé angekommen. Diese Expedition wurde zuerst von Herrn Churchill organisirt und abgeschickt; die Leute hielten sich aber noch nach der Abreise des Herrn Churchill von Zanzibar an der Küste auf. Da ich Ursache hatte zu argwöhnen, dass dies der Fall sei, schickte ich zuerst einen Consulardiener hin und folgte dann selbst. Als sie von meiner bevorstehenden Ankunft hörten, machten sie sich schleunigst auf den Weg. Es blieben aber noch einige Lasten übrig, die ich persönlich aus Bagamoyo abzuschicken hatte. Diese Güter sind jetzt in Dr. Livingstone’s Händen und in Bezug auf sie habe ich den damals in Unyanyembé anwesenden Herrn Stanley, als ich erfuhr, dass dort der Krieg ausgebrochen sei, gebeten, für mich zu handeln und sie Dr. Livingstone zu übermitteln. Zu der Zeit war es hier noch nicht bekannt, dass Herr Stanley ausgezogen war, um Dr. Livingstone aufzusuchen, denn dies hatte er bei seiner Abreise sorgfältig verheimlicht; da ich aber wusste, dass ein Weisser sich an Ort und Stelle befände, so bat ich ihn, alles Mögliche zu thun, um die für einen Reisecollegen bestimmten Güter weiter zu befördern. Ein grosser Theil der Livingstone’schen Correspondenz mit unserm Consulat bezieht sich auf förmliche Anklagen des Sklavenhaltens, die gegen mehrere der bedeutendsten Mitglieder der britisch-indischen Gemeinde gerichtet sind. Ich stehe dafür ein, dass ein jeder der Leute vollständig jedes Wort des Contractes verstanden hat, und ferner dass sich diese Leute, die angeblich Sklaven von Banyanen sind, für Freie ausgegeben haben. Dass sie sich sehr schlecht bewährt haben, unterliegt keinem Zweifel. Doch erzählt mir Herr Stanley, er sei gezwungen gewesen, obwol er selbst seine Expedition führte, seine Leute in Sklavenketten marschiren zu lassen, um ähnliches Unglück zu vermeiden, und Dr. Livingstone gibt in einer eigenhändigen Zuschrift den Befehl, Ketten für die Leute, die ihm jetzt zugeschickt werden, zu kaufen. In Bezug auf die alte Angelegenheit der Johannesen und Dr. Livingstone’s Geldforderungen an sie, erwarte ich Eurer Lordschaft Befehle; da aber Johanna nicht innerhalb meines Jurisdictionsbezirks liegt, so schliesse ich das darauf bezügliche Schriftstück im Original bei. Ich enthalte mich aller Bemerkungen über den unhöflichen Ton dieser officiellen Briefe, sowie über die schimpflichen persönlichen Insinuationen, die sich auf mein und Herrn Churchill’s Betragen beziehen. Ich bin aber bereit, wenn es nöthig ist, auf jeden Punkt, über den Eure Lordschaft eine Erklärung wünscht, Rede und Antwort zu stehen. Ich bin ganz ausser Stande, es mir zu erklären, warum Dr. Livingstone, der als Consul Ihrer Majestät accreditirt ist, nicht selbst sofort die stärksten Massregeln ergriffen hat, um dem Sklaven- und sonstigem Raube Einhalt zu thun, von dem er sagt, dass er durch junge Nassicks, britische Schutzbefohlene, begangen worden, welche, wenn sie jetzt nicht zu seiner Eskorte gehören, wenigstens durch ihn in das Land gebracht wurden und sich zur Zeit in demselben Lager befanden. Wenn er an Ort und Stelle, mit der ganzen Autorität eines Consuls versehen, nicht Macht genug hat, das zu unterdrücken, was er als Augenzeuge schildert, wie kann er erwarten, dass die Gerechtigkeit die Schuldigen aus einer solchen Entfernung erreiche, zumal sie sich in einer Gegend befinden, die durchaus nicht unter der Gewalt des Sultans von Zanzibar steht.“

[Auszug.]

DR. KIRK AN EARL GRANVILLE.

(Erhalten am 22. Juli.)

„Zanzibar, 18. Mai 1872.

Ich habe die Ehre mitzutheilen, dass, nachdem wir die sichere Kunde erhalten, Dr. Livingstone befinde sich bei guter Gesundheit und im Besitz reichlicher Vorräthe, aber ohne die Absicht, jetzt Afrika zu verlassen, in dem dreissig Tagereisen von der Küste entfernten Unyanyembé, der Führer der zu seiner Aufsuchung und Unterstützung bestimmten Expedition, Lieutenant Dawson, zu der Ueberzeugung gekommen ist, dass seine Dienste als Hydrograph und gewandter Landvermesser unnütz geworden seien. Da Dr. Livingstone’s Sohn noch darauf besteht, sich zu seinem Vater zu begeben, und Lieutenant Henn unter diesen Umständen es kaum für rathsam hielt, ihn allein ziehen zu lassen, übernahm dieser das Commando, nachdem Lieutenant Dawson zurückgetreten war. Der Missionär Herr New, der sich der Expedition als Dolmetscher angeschlossen, erbot sich auch, mitzugehen, und die neue Expedition war zum Aufbruch bereit, als auch Herr New aus dem Grunde ablehnte, er könne bei reiflicherer Ueberlegung die zweite Stelle nicht annehmen. Seine Entlassung wurde sofort angenommen. Darauf begaben sich Lieutenant Henn, Herr W. O. Livingstone und die aus Eingeborenen bestehende Wachmannschaft auf das Festland von Afrika, wo die Güter schon unter Lieutenant Dawson zusammengebracht worden waren. Die Expedition war bereit aufzubrechen und unter Auspicien, wie sie wol nie besser gewesen, als Herr Stanley, der amerikanische Zeitungscorrespondent, der vor einem Jahre abgereist war, in Bagamoyo ankam. Herr Stanley verlor keine Zeit, Herrn Lieutenant Henn davon zu benachrichtigen, dass er Befehle von Dr. Livingstone habe, jede Expedition, die zu ihm stossen wolle, zurückzuschicken, und dass er und seine Expedition durchaus nicht willkommen, sondern Livingstone nur zur Last fallen würde, da er (Herr Stanley) eigenhändige Befehle des Doctors habe, die Leute und Vorräthe, deren er noch bedürfe, zu besorgen. Da es bei Lieutenant Henn’s Rückkehr in Zanzibar aus der ganzen Haltung von Dr. Livingstone’s offizieller Correspondenz ersichtlich war, dass ihm keine Hülfe, die nicht von Herrn Stanley, dem Agenten, dem er Vertrauen schenke, käme, willkommen sei, zog sich Lieutenant Henn natürlich zurück; Herr W. O. Livingstone aber bestand noch darauf, seinen Vater unter allen Umständen in Gesellschaft von Herrn Stanley’s Leuten aufzusuchen und es wurden ihm daher die Vorräthe anvertraut. Herr Stanley beeilte sich auch, die 500 Pfd. Sterl., wegen deren ihn Dr. Livingstone in einem Briefe, dessen Abschrift ich beilege, an mich gewiesen hatte, mir abzuverlangen. Ich theilte ihm darauf mit, dass ich derartige Fonds nicht besässe, da infolge Befehls von Euer Lordschaft alles der letzten Expedition übergeben worden und dass Herr W. O. Livingstone die ganze Verantwortlichkeit für dieselben habe. Herr Stanley vernichtete darauf einen Livingstone’schen Wechsel über die Summe von 500 Pfd. Sterl., der auf Bombay ausgestellt war. Herr W. O. Livingstone hat es nach Durchlesung der Briefe seines Vaters abgelehnt, Herrn Stanley’s Expedition zu seinem Vater zu begleiten, dagegen Herrn Stanley alles, was er an Vorräthen und Geld brauchte, übergeben und die amerikanische Expedition ist gestern nach der Küste abgereist. Ich füge hier noch hinzu, da sonst vielleicht mein Betragen falsch dargestellt werden könnte, dass sich Herr Stanley, um Vorwürfen zu entgehen, die daraus entstehen könnten, dass seine Leute nicht rechtzeitig in Unyanyembé ankämen, an mich mit der Bitte gewandt hat, für ihren Abgang zu sorgen, nachdem er Zanzibar verlassen. Dieses habe ich sofort aufs bestimmteste abgelehnt und ihm gesagt, es sei mir unmöglich, mit Dr. Livingstone nach dem, was er gethan und gesagt habe, noch anders als in meiner officiellen Eigenschaft zu verhandeln. Herr W. O. Livingstone hat hier die überschüssigen Vorräthe der Expedition verkauft und wird seine Rechnung der Königl. Geographischen Gesellschaft einreichen.“

Aus dem Obigen ersieht man, dass Dr. Livingstone eine förmliche Klage bei Herrn Kirk einreicht und natürlich auch genöthigt ist, seinen Freund in der formellen Weise „Mein Herr!“ anzureden. Er fährt dann fort die Erfolge der verschiedenen von Zanzibar an ihn abgesandten Karavanen zu schildern und gesteht es in einer Nachschrift ein, dass er es sehr bedauere gezwungen zu sein, über so unangenehme Dinge zu schreiben.

In den Briefen Dr. Kirk’s, die es offenbar bekunden, dass er diese Klage übel aufnimmt, findet man, dass dieser darauf durch folgende gegen Dr. Livingstone und mich vorgebrachte Beschuldigungen erwidert:

1) Dr. Livingstone hat es „geflissentlich“ vermieden, die geringste Andeutung über seine Arbeiten während der letzten drei Jahre, wo er nichts von sich hat hören lassen, und in Bezug auf seine neuen Forschungen zu machen.

2) Herr Stanley hat besondere Instructionen, ja nichts über seine (zukünftige) Route oder Pläne bekannt werden zu lassen.

3) Früher geschriebene Briefe, in denen sich hierüber einige Nachrichten befanden, sind unterdrückt worden oder verloren gegangen.

4) Herr Stanley ist gezwungen gewesen, seine Leute in Sklavenketten marschiren zu lassen, um ähnliches Unglück zu vermeiden, wie das von Livingstone erduldete.

5) Dr. Livingstone verlangt in einem eigenhändigen Schriftstücke Ketten zu diesem Zweck (um Unglücksfälle zu vermeiden), für die Leute, die jetzt zu ihm ziehen.

6) Der Ton der officiellen Briefe Dr. Livingstone’s ist unhöflich und die persönlichen Insinuationen in Bezug auf mein und Herrn Churchill’s Betragen sind schimpflich.

7) Ich wundere mich, dass Dr. Livingstone ausgerüstet mit der Consularautorität nicht die Macht hat, dem Morden, dem Sklaven- und sonstigem Raube, der öffentlich von jungen Nassicks, britischen Schutzbefohlenen, verübt worden, ein Ziel zu setzen.

8) Herr Stanley hat keine Zeit verloren, Lieutenant Henn zu versichern, dass ein schriftlicher Befehl Dr. Livingstone’s ihn ermächtige, eine jede Expedition, die zu ihm stossen will, wieder zurückzuschicken.

9) Es geht deutlich aus der Haltung von Dr. Livingstone’s officieller Correspondenz hervor, dass er nur Hülfe, welche durch seinen vertrauten Agenten, Herrn Stanley, ihm zukommt, willkommen heissen werde.

10) Herr W. O. Livingstone hat, nachdem er seines Vaters Briefe durchlesen, es abgelehnt, Herrn Stanley’s Expedition zu seinem Vater zu begleiten.

Da Dr. Livingstone nicht hier ist und ich die obigen Beschuldigungen ebenso widerlegen kann, als ob er selbst in England wäre, und da ich an einigen der Beschuldigungen auch betheiligt bin, so ist es meine Pflicht, sie so deutlich wie möglich auseinanderzusetzen. Ich erwidere also in derselben Reihenfolge, wie oben die Behauptungen aufgeführt sind, Folgendes:

1) Dr. Livingstone hat es nicht geflissentlich vermieden, Aufschlüsse über seine zukünftigen Pläne oder frühern Arbeiten zu geben. Vielmehr hat er wiederholt Briefe geschrieben, von welchen ich Abschriften in seinem Tagebuche gesehen, welche Einzelheiten über seine Entdeckungen enthalten.

2) Ich habe nie besondere Instructionen erhalten, nichts über Dr. Livingstone’s zukünftige Route oder Pläne bekannt zu machen und zwar weder von Dr. Livingstone, noch von Herrn Bennett, was dadurch bewiesen wird, dass ich dem Correspondenten des „Daily Telegraph“, als er mich in Marseille besuchte, um Nachrichten zu bekommen, dieselben bereitwillig gegeben habe.

3) Briefe mit Nachrichten von Dr. Livingstone an Dr. Kirk und Lord Clarendon, die bald nach seiner Ankunft in Udschidschi geschrieben, wurden durch Kuriere nach Unyanyembé geschickt und von Sayd bin Salim in Empfang genommen. Sie sind also später „unterdrückt worden oder verloren gegangen“, nämlich auf dem Wege zwischen Sayd bin Salim in Unyanyembé und dem britischen Consulat in Zanzibar in der Zeit, wo ich mit Dr. Livingstone von Udschidschi nach Unyanyembé reiste.

4) Ich war nur dazu gezwungen, die wenigen widerspenstigen Leute und Deserteure in Ketten marschiren zu lassen, Leute, die beständig meine Expedition dadurch gefährdeten, dass sie unser Eigenthum auf dem Wege liegen liessen oder meutern wollten.

5) Dr. Livingstone hat mir, auf meinen Rath hin, versprochen, den moralischen Einfluss einer Kette auf Widerspenstige und Deserteure zu versuchen, wie ich es auch gethan; denn irgendein Strafmittel ist in Central-Afrika für die Unverbesserlichen ebenso nothwendig, wie die Gefängnisse in civilisirten Ländern.

6) Der Ton von Dr. Livingstone’s Briefen ist nicht unhöflich. Unhöflichkeit lag durchaus nicht in seiner Absicht; es sind nur formelle Beschwerden.

7) Wäre Dr. Livingstone selbst mit despotischer und königlicher Autorität versehen gewesen, so wäre er doch ebenso machtlos wie bei Consularautorität, wenn er nicht die Mittel hatte, sie mit Gewalt zur Geltung zu bringen. In den Wildnissen von Central-Afrika hätte er nicht britische Schützlinge mit der Todes- oder Gefängnissstrafe belegen können, wenn er auch die Autorität aller civilisirten Völker, aber nicht die Mittel besässe, dieselbe mit Gewalt zur Geltung zu bringen. Er konnte Uebelthäter eben nur entlassen.

8) Hier rathe ich den Lesern das Schlusskapitel zu lesen.

9) Es geht keineswegs aus der Haltung der officiellen Briefe Dr. Livingstone’s an Dr. Kirk hervor, dass er nur eine von Herrn Stanley ihm gesandte Hülfe willkommen heissen werde. Dr. Livingstone wusste gar nicht, dass das britische Publikum eine Hülfsexpedition für ihn organisirt habe. Da er dies nicht wusste, bat er mich, alles für ihn zu thun, was ich könne; die Leute und Vorräthe aber, deren er bedurfte, wurden ihm von Zanzibar einzig und allein aus englischem Gelde geschickt.

10) Herr W. O. Livingstone hat nicht nach Durchlesung der Briefe seines Vaters „es abgelehnt, Herrn Stanley’s Expedition zu seinem Vater zu begleiten“, sondern Herr Livingstone hat sich nur auf den freundschaftlichen, ärztlichen Rath des Dr. Kirk zurückgezogen, welcher meinte, dass es bei seinem damaligen schwächlichen Gesundheitszustand für ihn sehr unklug, wenn nicht gefährlich sei, den Versuch zu machen, nach Unyanyembé während des schlimmsten Monsuns, der je über Ost-Afrika hingezogen, zu gehen.

Ich schliesse mit der Hoffnung, dass die Empfindungen, welche Dr. Kirk jetzt gegen Dr. Livingstone zu hegen scheint, höflichern und duldsamern Platz machen werden, wenn letzterer heimkehrt, um dann die innige Freundschaft vollständig wiederherzustellen, welche früher den Verkehr zwischen diesen beiden alten Bekannten charakterisirte, als sie zusammen in den Regionen des Zambezi und Nyassa-Sees reisten und lebten. Ich glaube, ich kann seitens des Dr. Livingstone eine herzliche, freundliche Erwiderung auf diese Empfindungen in Aussicht stellen. Was mich betrifft, so würde mich nichts mehr freuen, als wenn wir allesammt wieder recht gute Freunde würden. Dr. Livingstone kennt die Gesinnungen, die ich für ihn hege, sehr wohl, und Dr. Kirk kann überzeugt sein, dass ich für ihn aufrichtige Bewunderung empfinde.

Das Folgende ist die allerletzte Nachricht von Dr. Livingstone (im Auswärtigen Amt am 19. October 1872 angekommen) und beweist genau, was ich gesagt habe, dass dieser gegen Dr. Kirk keine Unhöflichkeit beabsichtigt oder daran gedacht hat, sein Verfahren anzugreifen, und dass ich seine Empfindungen im vorhergehenden Absatz richtig gedeutet habe.

DR. LIVINGSTONE AN LORD GRANVILLE.

„Unyanyembé, 1. Juli 1872.

Mylord!

Ich muss daran erinnern, dass ich sehr grosse Unannehmlichkeiten dadurch erlitten, dass Sklaven statt Freier für mich engagirt worden sind. Dies hat mir volle zwei Jahre gekostet, mir ein unnützes Marschiren von 1800–2000 Meilen auferlegt, mich viermal der Gefahr eines gewaltsamen Todes ausgesetzt und ausserdem eine unbestimmbare Summe Geld gekostet. Gewisse Banyanen, indisch-britische Unterthanen, an deren Spitze ein gewisser Ludha Damdschi steht, scheinen uns ihre Sklaven für mehr als das doppelte Gehalt eines Freien betrüglicherweise aufgedrungen zu haben, und die sämmtlichen Sklaven waren von dem Gedanken erfüllt, dass sie mir nicht folgen, sondern mich zur Rückkehr zwingen sollten. Durch das Geld und die Waaren dieser Banyanen wird fast der ganze Sklavenhandel dieser Gegend vermittelt. Sie haben sich unehrlicher Agenten bedient, um die Karavanen zu führen und dies hat es zu Wege gebracht, dass ich zu vier verschiedenen malen ausgeplündert worden bin. Niemals wird ein Händler in dieser Weise beraubt. Ich habe eine Klage hierüber an Dr. Kirk abgesandt und in meinem Brief vom 14. November eine Copie desselben in der Hoffnung eingeschlossen, dass er, wenn es nöthig wäre, vom Auswärtigen Amte Unterstützung bekäme, damit mir Gerechtigkeit widerfahren und er die Sache rasch in Angriff nehmen könne, denn die Banyanen und ihr ungerechter Agent Scherif haben ihre Privathandelsspeculationen zwischen Dr. Kirk und mich zwischengeschoben und uns, ohne dass wir es wussten, dazu verführt, Sklaven zu brauchen, obwol wir uns dem widersetzt hatten, dass Kapitän Fraser dasselbe auf seiner Zuckerplantage thue. Ich bedauere es sehr, zufälligerweise erfahren zu haben, dass Dr. Kirk meine förmlichen Anklagen gegen die Banyanen als einen versteckten Angriff auf ihn selbst betrachtet hat; wenn ich dies vorhergesehen hätte, so hätte ich bestimmt alle meine Verluste stillschweigend ertragen. Ich habe niemals mit ihm Streit gehabt, obwol wir Jahre lang zusammen waren, und ich hatte keineswegs die Absicht, ihn zu beleidigen. Aber das öffentliche Interesse, das sich an dieser Expedition bethätigt, zwingt mich zur Veröffentlichung aller der Hindernisse, welche sich dem entgegengestellt haben, dass ihre Aufgabe nicht schon vollendet worden ist. Ich habe die Banyanen und ihre Agenten als die Ursache aller meiner Verluste dargestellt und gezeigt, dass der Gouverneur hier ihr hauptsächlichster Agent ist. Dies wird durch die Thatsache bestätigt, dass Scherif und die erste Sklavenbande jetzt bei ihm aufs bequemste in Mfutu leben, einem Dorfe, das etwa 12 Meilen von dem Ort, an dem ich dieses schreibe, entfernt ist.

Da ich, wie ich in meinem obigen Briefe erwähnt habe, ausreichende Vorräthe besitze, die mich in den Stand setzen, in kurzer Zeit meine Arbeit möglichst zu beendigen, und da die erste und zweite Sklavenbande sich als so sehr ungenügend erwiesen hatte, war es mir sehr darum zu thun, dass nicht wieder Sklaven kommen sollten; ich bat daher Herrn Stanley, mir 50 Freie in Zanzibar zu miethen und für den Fall, dass er Sklaven begegne, dieselben wieder zurückzuschicken, ohne Rücksicht darauf, was für Ausgaben an sie gewandt worden seien. Diese wollte ich gern alle bezahlen. Ich hatte keine Idee davon, dass dies dazu führen würde, eine englische Expedition, die in grösster Freundlichkeit mir zu Hülfe geschickt worden, an ihrer Weiterreise zu verhindern. Ich bin vom aufrichtigsten, tiefsten Danke für die edle Anstrengung meiner Landsleute erfüllt und bedauere es sehr, dass meine Vorsichtsmassregeln gegen eine nochmalige Sklavenexpedition den selbstverleugnenden Eifer von Ehrenmännern gedämpft haben, die durchaus keine Spur vom Geiste von Sklaven an sich haben.

Wie ich jetzt auseinandersetzen werde, hätten sie mir jedoch wenig in der Richtung nützen können, die ich einzuschlagen beabsichtige. Besässen wir aber einen Telegraphen oder selbst nur eine Briefpost, so hätte ich ihnen Arbeiten nach einer andern Richtung vorgeschlagen, die dem Vorstande der Geographischen Gesellschaft genehm gewesen wäre.

Seit zwölf Monaten wird hier Krieg geführt. Derselbe ähnelt unsern kleinen Kaffernkriegen, bereichert aber niemanden. Aller Handel wird dadurch gehemmt und im ganzen Lande herrscht allgemeine Gesetzlosigkeit. Ich beabsichtige, diese Verwirrungen dadurch zu vermeiden, dass ich nach Süden nach Fipa gehe, dann um das südliche Ende des Tanganika und darauf über den Chambeze, dem Ufer des Sees Bangweolo entlang nach Westen ziehe. Wenn ich mich dann auf 12° südl. Br. befinde, so gedenke ich in gerader Richtung nach Westen an die alten Quellen zu gehen, von denen es heisst, dass sie an jenem Ende der Wasserscheide liegen, und mich von dort nach Norden zu den Kupferminen von Katanga zu wenden, die nur ungefähr zehn Tage südwestlich von den unterirdischen Höhlen sind. Von dort aus kehre ich nach Katanga zurück, das zwölf Tagereisen nach Südsüdwesten vom Ende des Lincoln-Sees liegt. Daselbst angekommen, werde ich der Vorsehung aufrichtig danken und über den Kamolondo-See nach Udschidschi und in die Heimat zurückkehren. Durch diese Reise hoffe ich den Theil des Landes, an dessen Erforschung mich die Sklaven gehindert haben, kennen zu lernen. Ich bin nämlich aus der Gegend des Zusammenflusses des Lomame mit Webb’s Lualaba zurückzukehren gezwungen worden. Der Lomame ist die Verlängerung des Lincoln-Sees in das centrale Seesystem — in Webb’s Lualaba. Die hier angedeutete Route macht meine Rückreise nutzbar, indem sie mich aussen, oder sagen wir südlich um alle die Quellen zusammen herumführt, wogegen die Route, welche durch Manyuema führt, nicht dazu taugen würde, um den Faden der Forschungen wieder aufzunehmen. Jene bringt mich auch ausserhalb des Bereichs des von Udschidschi oder von der Küste aus betriebenen Sklavenhandels und Blutvergiessens, was die Manyuema jetzt zu rächen anfangen. Wenn ich mich jetzt zurückzöge, wie ich es von ganzem Herzen zu thun wünschte, so würde ich mir bewusst sein, die Entdeckung der Quellen unbeendet gelassen zu haben und alsbald einen Nachfolger zu bekommen, der die Nichtigkeit meiner Ansprüche nachweisen würde. Und was noch schlimmer wäre als das, die Banyanen und ihre Agenten, von denen ich glaube, dass sie sich verschworen haben, alle meine Pläne zu vereiteln, würden wesentlich ihre Absichten durchgesetzt haben. Ich kenne jetzt schon viele von den Völkerschaften, mit denen ich ganz freundschaftlich verkehre, nachdem ich in der Gegend weit gereist bin und den Irrthum verbessert habe, zu dem ich dadurch verführt wurde, dass der Chambeze von den Portugiesen und Andern Zambesi genannt wird. Ich möchte sehr gern die Basañgo besuchen, die nahe an meinem Wege wohnen, werde mich aber doch auf sechs bis acht Monate beschränken, um das Versäumte wieder gut zu machen. Vor ungefähr fünf Generationen ist ein Weisser in die Hochlande von Basañgo gekommen, die gerade im Osten von der Wasserscheide liegen. Derselbe hatte sechs Begleiter, welche jedoch alle starben, und schliesslich wurde dieser Führer, Tscharura genannt, zum Haupt der Basañgo gewählt. In der dritten Generation hatte er 60 kräftige Speerträger zu directen Nachkommen. Dies lässt auf eine ebenso grosse Zahl weiblichen Geschlechts schliessen. Sie sind von sehr heller Farbe und leicht daran zu erkennen, dass es niemandem, ausser der königlichen Familie, gestattet ist, Korallenperlen zu tragen, wie sie Tscharura eingeführt hat. Ein Buch, das er mitgebracht, ist erst vor kurzem verloren gegangen. Das Interesse des Falls liegt in seinem Zusammenhange mit der berühmten Theorie Darwin’s über die Entstehung der Arten, denn er beweist, dass eine verbesserte Varietät, wofür wir Weissen uns doch bescheidentlich halten, nicht dem ausgesetzt ist, durch grosse Zahlen, wie einige gemeint haben, überwuchert und vernichtet zu werden.

Zwei Mazitu-Häuptlinge leben in der Nähe der Route. Ich würde sie sehr gern besuchen und für die Engländer Gerechtsame zu erlangen suchen, wie sie den Arabern von Seyd Madschid gewährt worden sind, bin aber jetzt viel zu reich, um mich unter Diebe zu begeben. Zu einer andern Zeit hätte ich getrost hingehen können, weil nach dem schottischen Sprichwort „niemand die Hosen eines Hochschotten stiehlt“. Wenn es einigermassen gut geht, so hoffe ich in acht Monaten von jetzt ab wieder in Udschidschi zurück zu sein. Sollte jemand die Klugheit meiner Entscheidung in Frage ziehen oder mich im Verdacht haben, wenig Liebe für meine Familie zu empfinden, indem ich diese letzte Reise unternehme, so kann ich mich vertrauensvoll um Billigung an den Vorstand der Königl. Geographischen Gesellschaft wenden, der den Gegenstand vollständig versteht.

Hätte ich vorher wissen können, dass diese letzte Expedition herkommen würde, um mich aufzusuchen, so würde ich sie als Zweigexpedition benutzt haben, um den Victoria-See zu erforschen, zu welchem Zweck die gewählten Seeoffiziere ohne Zweifel vorzüglich geeignet gewesen wären. Das Skelet eines Bootes, das Herr Stanley hier gelassen hat, hätte ihren Zwecken dienen können und sie hätten das ganze Verdienst einer unabhängigen Forschung und ihrer Erfolge gehabt. Ich bin längere Zeit in Gesellschaft von drei intelligenten Sanheli gereist, die je drei, sechs und neun Jahre in dem östlich vom Victoria-See belegenen Lande gelebt haben, der dort Okara, hier aber Mkara genannt wird. Sie haben mir drei oder vier Seen beschrieben, von denen nur der eine seine Gewässer nach Norden entsendet. Okara scheint der eigentliche Victoria-See zu sein. Ungefähr aus seiner Mitte gibt er einen Arm nach Osten ab, welcher Kidette heisst, in den eine Menge Reusen gelegt und wo viele Fische gefangen werden. Er ist drei Tagereisen zu Boot lang und verbindet sich mit dem See Kavirondo, der wol nicht ein See, sondern nur ein Arm des Okara genannt zu werden verdient. An demselben lebt ein sehr schwarzes Volk, das Vieh hält. Weiter nach Osten befinden sich die Masai. Südöstlich von Kavirondo liegt der See Neibasch oder Neybasch; dessen südlichem Ufer entlang sind sie drei Tage gereist und von dort aus haben sie den Berg Kilimandscharo gleichfalls im Südosten gesehen. Der See hatte keinen Ausfluss. Als fern im Norden von Kavirondo liegend beschrieben sie den See Bariñgo (nicht Bahr Ngo). Ein Fluss oder Flüsschen, der Ngare na Rogwa heisst, fliesst in denselben von Süden oder Südosten. Sein Name bezeichnet, dass er etwas salzig ist. Bariñgo entsendet einen Fluss nach Nordosten, welcher Ngardabasch heisst. Das Land im Osten und Norden von Bariñgo heisst Burukineggo und man erzählt sich, dass dort Gallahs mit Kamelen und Pferden leben; meine Berichterstatter haben sie aber nicht gesehen. Ich gebe ihre Nachrichten nur so, ohne ihren Werth zu untersuchen. Ihr Zweck war das Plündern und sie konnten wol kaum in Bezug auf die Zahl der Seen im Irrthum sein, wo nach unserer Annahme sich nur einer befindet. Der Okara oder eigentliche Victoria-See ist der grösste und enthält viele sehr grosse Inseln. Ich habe nicht den geringsten Wunsch, in seine Nähe zu gehen weder jetzt noch in Zukunft, sondern wünsche nur meine eigene Aufgabe gut zu Ende zu führen und glaube, dass ich wol einige Ausdauer für mich in Anspruch nehmen darf. Wenn mir jedoch der Auftrag würde, noch irgendwo sonst hinzugeben, so würde ich mich bestimmt auf grosse Kränklichkeit oder dringende Privatangelegenheiten berufen. Man hat mir nachgesagt, dass ich unter den Arabern wie einer derselben lebe; dies kann nur heissen, dass ich auf gutem Fusse zu denselben stehe. Sie nennen mich oft den „Christen“ und ich habe nie diesen Charakter in irgendeiner Beziehung verleugnet.

Eine eigene Skizze einer Längenaufnahme, welche ich an Sir Thomas MacLear an der Königlichen Sternwarte am Cap geschickt habe, ergibt 27° östl. als die Länge des grossen Flusses Lualaba und die Breite von 4° 9′ südl. Er verläuft ungefähr zwischen 26° und 27° östl. L. und liegt daher nicht so weit westlich, wie es meine Rechnung, die ich ohne Uhr in dichten Wäldern und zwischen gigantischem Gras ausführte, festgestellt hatte. Es ist daher weniger wahrscheinlich, dass es der Congo ist, und ich könnte wol auf demselben mit Baker zusammentreffen. Mit Bezug auf die alten Quellen kenne ich schon die vier Ströme, die ohne Frage in der Nähe von oder an dem westlichen Ende der Wasserscheide entstehen. Herr Oswell und ich hörten etwa im Jahre 1851, dass der Kafue und Liambai (der Obere Zambesi) an einer Stelle entsprängen, obwol wir damals etwa 300 Meilen davon entfernt waren. Die beiden Flüsse Lomame und Lufira kommen aus derselben Gegend; der einzige Punkt, der noch zweifelhaft, ist die Entfernung ihrer Quellen voneinander und diesen möchte ich sehr gern feststellen. Ich schicke astronomische Beobachtungen und eine Kartenskizze durch einen Eingeborenen an Sir Thomas MacLear. Die Karte ist sehr unvollständig, weil mir alle bequemen Mittel für das Zeichnen derselben fehlten und keine Lage sollte als festgestellt oder veröffentlicht betrachtet werden, bis sie auf dem Observatorium von neuem berechnet worden ist.

Es ist ziemlich viel Gefahr dabei, so zu verfahren, doch nicht so viel, wie wenn ich die Sache meinem Freunde, dem Gouverneur, vertraute. Eine frühere kartographische Skizze, eine Menge astronomischer Beobachtungen und fast alle meine Briefe sind hier verschwunden; aber es ist besser, dass sie den Gefahren des Transports durch einen Eingeborenen ausgesetzt sind, als dass sie mich über zahllose Gewässer begleiten. Die Furcht, mein Tagebuch ganz und gar zu verlieren, hat mich dazu geführt, es Herrn Stanley anzuvertrauen, damit meine Tochter es bis zu meiner Rückkehr verwahre, und ich hoffe, dass es sicher angekommen ist. Ich warte hier nur, bis meine 50 Leute eintreffen. Die natürliche Besorgniss, die ich für die Sicherheit meines Sohnes Oswell empfinde, der durch die zwischen diesem kalten Hochland und der Küste liegenden Fieberdistricte reist, wäre um das Dreifache vermehrt worden, wenn die Herren von der Marine mitgekommen wären.

Zum Schluss erlauben Eure Lordschaft, dass ich Ihnen sowie dem Vorstande und den Mitgliedern der Königl. Geographischen Gesellschaft sowie allen denen meinen herzlichsten Dank sage, die freundlichst in irgendwelcher Weise dazu beigetragen haben, für meine Sicherheit zu sorgen. Ich fühle es aufrichtig, dass niemand in der Welt mehr Ursache zu dem tiefsten Danke hat, als

Ihr gehorsamster Diener

DAVID LIVINGSTONE, Ihrer Majestät Consul in Inner-Afrika.“

[Ergänzend sei hier erwähnt, dass die von H. M. Stanley in Zanzibar organisirte neue Expedition am 12. August 1872 in Unyanyembé eintraf, worauf Dr. Livingstone am 25. August eine neue Reise nach dem Bangweolo-See antrat. Er ging dem südöstlichen Ufer des Tanganika-Sees entlang und um dessen Südende in das Land des Cazembe, wo er den Ufern des Bangweolo-Sees an der Nord-, Ost- und Südseite folgte. Am 1. Mai 1873 erlag er im Dorfe Tschitambo’s in Ilala der Dysenterie. Seine treuen Diener, unter der Führung von Susi[10], trugen die Leiche nach der Ostküste, von wo sie nach England übergeführt und am 18. April 1874 in der Westminster-Abtei zu London beigesetzt wurde.]

SCHLUSS.

Die folgende Correspondenz und namentlich das letzte Schreiben, das von einer schönen, werthvollen, mit Brillanten besetzten goldenen Tabatière begleitet war, wird von mir stets als eins der angenehmsten Resultate meines Unternehmens geschätzt werden.

H. M. S.

„Auswärtiges Amt, 1. August.

Mein Herr!

Earl Granville gibt mir den Auftrag, Ihnen den Empfang eines Päckchens anzuzeigen, welches Briefe und Depeschen von Dr. Livingstone enthält, das Sie so gut waren, an Ihrer Majestät Gesandten in Paris zur Ueberlieferung an das hiesige Amt zu übergeben, und ich habe den Auftrag, Ihnen den Dank Seiner Lordschaft dafür auszusprechen, dass Sie sich dieser interessanten Documente angenommen haben.

Ihr ergebenster Diener ENFIELD.“

An Herrn Henry M. Stanley, London.

„London, 2. August.

Herr Henry M. Stanley hat mir heute das Tagebuch meines Vaters, des Dr. Livingstone, überliefert, so wie es von meinem Vater adressirt und gesiegelt ist und mit den darauf befindlichen von meinem Vater unterzeichneten Instructionen. Für seine dafür bewiesene Sorgfalt, sowie für alles, was er zu Gunsten meines Vaters gethan hat, schulden wir ihm den besten Dank. Wir haben durchaus keine Ursache, es zu bezweifeln, dass es wirklich meines Vaters Tagebuch ist, und ich bezeuge hiermit, dass die Briefe, die er uns mitgebracht hat, Briefe meines Vaters sind und von niemand anderm herrühren.

T. S. LIVINGSTONE.“

„2. August 1872.

Mein Herr!

Ich habe gar nicht gewusst, bis Sie dessen Erwähnung thaten, dass irgendein Zweifel über die Authenticität von Livingstone’s Depeschen, die Sie Lord Lyons am 31. Juli übergeben haben, existirte. Aber infolge dessen, was Sie mir gesagt haben, habe ich die Sache untersuchen lassen und finde, dass Herr Hammond, Untersecretär des Auswärtigen Amtes, und Herr Wylde, Chef des Departements für Consularangelegenheiten und Sklavenhandel, nicht den geringsten Zweifel an der Echtheit der Schriftstücke hegen, welche Lord Lyons erhalten hat und die sich jetzt im Druck befinden.

Ich kann nicht umhin, diese Gelegenheit dazu zu benutzen, Ihnen meine Bewunderung der Eigenschaften auszudrücken, die Sie in den Stand gesetzt haben, den Zweck Ihrer Mission zu erreichen und ein Resultat zu erzielen, das sowol in den Vereinigten Staaten wie auch hier zu Lande mit so grossem Enthusiasmus begrüsst worden ist.

Ihr gehorsamer GRANVILLE.“

An Herrn Henry Stanley.

„Auswärtiges Amt, 27. August.

Mein Herr!

Es gereicht mir zu grosser Freude, Ihnen auf Befehl Ihrer Majestät mitzutheilen, dass dieselbe die Klugheit und den Eifer, den Sie an den Tag gelegt haben, um eine Verbindung mit Dr. Livingstone zu eröffnen und dadurch Ihre Majestät von Sorgen zu befreien, die sie gemeinsam mit ihren Unterthanen in Bezug auf das Schicksal dieses ausgezeichneten Reisenden empfunden hat, im höchsten Grade zu schätzen weiss.

Die Königin beauftragt mich, Ihnen ihren Dank für den dadurch geleisteten Dienst auszusprechen zugleich mit ihren Glückwünschen, dass Sie Ihre Mission, die Sie so muthig unternommen, mit so grossem Glück durchgeführt haben. Gleichzeitig wünscht Ihre Majestät, dass ich Sie ersuche, das diesen Brief begleitende Andenken von ihr anzunehmen.

Ihr ergebenster GRANVILLE.“

Schmuckdose mit den königlichen Insignien
Schmuckdose mit den königlichen Insignien

ANDENKEN.

Notes in this chapter

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