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Wegweiser durch das sächsisch-böhmische Erzgebirge

Routen.

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Die nachverzeichneten Routen sind meist an einem Tage zurückzulegen; nimmt eine Route mehr Zeit in Anspruch, so ist dies besonders angegeben.

I. Route: Von Dresden nach dem Mückenthürmchen (2 Tage).

1. Ueber Pirna, Gottleuba, Schönwalde. – Von Dresden mit Eisenbahn nach Pirna (II. Kl. 10 Ngr.; III. Kl. 7 Ngr). Zu Fuss zur Zehistaer Strasse; links ab in den Rottwernsdorfer Grund, wo in anliegenden Steinmetzhütten Cottaer und Naundorfer Sandstein zugerichtet wird. Von Rottwernsdorf verfolgt man einen sandigen Fahrweg und wendet sich dann links zur Cottaer Kirche. Besteigung des Cottaer Spitzberges, welcher eine schöne Aussicht bietet. Man sieht den Sattelberg bei Schönwalde, das Mückenthürmchen, den Geising, den Kahlenberg, die Tellkoppe, den Luchberg, den Wilisch, die goldene Höhe, Dresden, die Berge der sächsischen Schweiz und das ganze Elbsandsteingebirge. Zur Kirche zurückgekehrt, hält man sich links, gelangt zur Fahrstrasse von Pirna und auf dieser nach Berggieshübel, von wo man noch über Giessenstein nach Gottleuba geht, um daselbst Nachtquartier zu nehmen. – Die Tour Pirna-Gottleuba kann auch mit Post zurückgelegt werden. Fahrzeit 2 St. 15 M.; Preis 9 Ngr. – Am nächsten Morgen über Hellendorf zur böhmischen Landesgrenze, welche man kurz vor dem Dorfe Peterswalde überschreitet. Man geht durch den langen Ort hindurch und wendet sich links über Jungferndorf nach der »Nollendorfer Höhe« (bekannt aus dem Jahre 1813), wo sich dem Auge eine prachtvolle Aussicht darbietet. Im Osten erblickt man die Spitzen des Elbsandsteingebirges, des Lausitzer- und Isergebirges; im Süden das Mittelgebirge mit dem kleinen und grossen Milleschauer; während nach anderen Richtungen hin das nahe Gebirge die Aussicht versperrt. – Von Jungferndorf zurück nach Schönwalde, um den Spitz- oder Sattelberg zu besteigen. An der nördlichen Seite ist dieser Basaltkegel am zugänglichsten; sein Gipfel, auf welchem ein Crucifix mit starkem Postamente steht, gewährt die Aussicht auf das Mückenthürmchen, den Geising, den Luchberg, den Wilisch und andere Höhen des anliegenden Erzgebirges. Nun geht es über Streckenwalde und Ebersdorf nach dem Mückenthürmchen, womit das Ziel des Tages erreicht ist. – Nachtquartier in dem gut eingerichteten Gasthause.

Das Mückenthürmchen gehört zu den lohnendsten Aussichtspunkten des Erzgebirges. Am Abhange liegt in enger Schlucht das Bergstädtchen Graupen mit den Trümmern der Rosenburg, tief unten im Thale breiten sich Teplitz und zahlreiche Ortschaften aus und dahinter erheben sich die stattlichen Kegel des Mittelgebirges; auch schweifen die Blicke über das Mittelgebirge hinweg, hin zu dem im Blau des Himmels sich verlierenden Bergen der Lausitz und der Umgegend von Prag.

Pirna, Stadt an der Mündung der Gottleube in die Elbe, 350 Fuss über d. Meeresspiegel, mit 8410 Einwohnern. Treibt Elbhandel und Schiffsbau und liefert Siderolith- und Töpferwaaren. Am bekanntesten ist es durch den »Pirnaer« Sandstein, welcher bei Posta, Copitz und Postelwitz und andern benachbarten Orten gebrochen wird. Aus diesem Sandstein sind beispielsweise der Magdeburger Dom und das Berliner Schauspielhaus gebaut. Hart über der Stadt erhebt sich der Sonnenstein, welcher in früherer Zeit zur Vertheidigung des Elbpasses diente. Während er im 15. Jahrhundert den Hussiten widerstand, wurde er (1639) im 30jähr. Kriege von den Schweden (Baner) erstürmt; die angerichtete Verwüstung war so arg, dass seit jener Zeit »Pirnaisches Elend« sprichwörtlich geworden ist. Seit 1811 befindet sich auf dem Sonnensteine eine Heil- und Verpflegungsanstalt für Geisteskranke. – In Pirna sind die Vorverhandlungen für den 1635 geschlossenen Prager Frieden gewesen. Der Ablasskrämer Tetzel stammte aus Pirna.

Grosscotta und Kleincotta, Dörfer; jenes mit 434 und dieses mit 286 E. Liefern Sandstein, welcher sich trefflich zu Bildhauerarbeiten eignet. – Cottaer Spitzberg.

Berggiesshübel, Stadt an der Gottleube, 953 F. ü. M., mit 1007 Einwohnern. Verdankt seinen Namen uralten Giesshütten und hat noch jetzt zwei grosse Eisenwerke. Das mit schönen Anlagen versehene Bad (Johanngeorgenbad) wird nur wenig besucht; vormals haben die Dichter Gellert und Rabener hier öfters geweilt; der Weg, auf dem sie zu lustwandeln pflegten, heisst noch der Poetengang, und über einer Bank liest man die Worte:

Der Sänger frommen Lied's, der heit're Fabeldichter, Und Deutschlands Juvenal, der feine Sittenrichter, Sie pflegten hier zu ruh'n, nach Zwiesprach ernst und traut.

Lohnende Ausflüge sind: Grosshorn oder die Panoramahöhe; Zwieselgrund und Zwieselmühle; Gersdorf mit Ruine und der Napoleonstein, so genannt, weil Napoleon I. bei den häufigen Gefechten in jener Gegend ihn wiederholt besucht hat.

Gottleuba, Stadt an der Einmündung der Fuhde in die Gottleube, 1414 F. ü. M., mit 812 E. Prächtig gelegen im tiefen Thal, zwischen hohen Felsen. – Unfern Gottleuba bildet der Langhennersdorfer Bach einen ansehnlichen Wasserfall.

Bei dem böhmischen Dorfe Peterswalde fanden die Vorkämpfe zur Schlacht bei Kulm (29. u. 30. August 1813) statt. Der russische General Ostermann hatte einen Sturm auf die Peterswalder Höhen befohlen, um die Franzosen vom Egerthal fern zu halten. Aber Vandamme trieb die Angreifer zurück und folgte ihnen, voll Ungestüms, über Nollendorf hinab in den Thalkessel. Er erobert Kulm; die Russen (8000 Mann) können nur durch mörderischen Kampf (dem General Ostermann riss eine Kanonenkugel die linke Hand weg) ihre Stellung behaupten. Unterdessen hatte sich der preussische General Kleist genähert, um dem Feinde den Rückzug abzuschneiden. Am nächsten Tag erneuert sich die Schlacht: die Russen und ein zu ihnen gestossener österreichischer Heerhaufen leisten den tapfersten Widerstand; Kleist zieht nach Nollendorf, fällt dem französischen Korps in den Rücken und zwingt es, sich zu ergeben.

2. Ueber Mügeln, Glashütte, Lauenstein. (2 Tage). – Von Dresden mit Eisenbahn bis Mügeln (II. Kl. 6 Ngr., III. Kl. 4½ Ngr.) Zu Fuss nach Dohna, durch den Sürsener Grund nach Maxen, herab nach Mühlbach; nun das schöne Müglitzthal hinauf: über Schlottwitz nach Glashütte und weiter durch Bärenhecke und Bärenstein nach Lauenstein, wo man übernachtet. Wer die Strasse nicht liebt, kann eine Stunde oberhalb Schlottwitz links den Fussweg über Dittersdorf und Börnchen nach Lauenstein einschlagen. – Die Post fährt von Mügeln bis Lauenstein 4 St. 25 M.

Am folgenden Tag begiebt man sich über Löwenhain, Fürstenau und Voigtsdorf auf das Mückenthürmchen, wo man wegen des sich darbietenden Naturgenusses Station macht.

Mügeln, Dorf mit 444 E., unfern des Einflusses der Müglitz in die Elbe. – Zwischen Mügeln und Pirna Gross-Sedlitz, königliches Schloss mit schönem Garten.

Dohna, Stadt an der Müglitz, 544 F. ü. M., mit 1683 E. War einst der Sitz mächtiger Burggrafen, die aber wegen ihrer Befehdungen zu Anfang des 15. Jahrhunderts vertrieben wurden. – Im Mittelalter hatte der Ort einen berühmten Schöppenstuhl, Dohnaisches Mal u. Ritterding genannt.

Maxen, Dorf mit 694 E., hat grosse Kalk- und Marmorbrüche. Hier lebte der Stifter der Schillerlotterie, Major von Serre. In der Nähe fand 1759 der Finkenfang d. i. die Gefangennahme des preussischen Generals Fink v. Finkenstein mit 10,000 Mann durch die Oesterreicher statt.

Glashütte, Stadt am Einflusse des Briesnitzbaches in die Müglitz, 1003 F. ü. M., mit 1573 E. Verdankt Entstehung und Namen dem Bergbau auf Glaserz, welches auch verhüttet wurde. Seit dem 30jährigen Kriege ist der Bergbau zum Erliegen gekommen. Jetzt blüht im Orte die Fabrikation von Taschenuhren. Die Kirche enthält einige werthvolle Glas- und Oelgemälde. Vor der Stadt zeigt man eine Felsenhöhle, in welcher im 15. Jahrhundert der Räuber Wittich hauste, bis er vom Ritter Weinhold von Bärenstein erschlagen wurde.

Bärenstein, kleinste Stadt Sachsens, mit 551 E.

Lauenstein, Stadt, 1634 F. ü. M., mit 819 E. Enthält ein altes Schloss mit Rittersaal, Rüstkammer und Burgverliess. In der Kirche werthvolles Denkmal ihres Erbauers, des Günther von Bünau. Zwischen Bärenstein und Lauenstein nimmt die Müglitz das Altenberger Wasser auf und wird dadurch ziegelroth gefärbt. Die rothe Farbe rührt von den Eisentheilen her, welche in den Pochwerken aus den Zinnerzen mit fortgespült werden.

Fürstenau, Dorf, mit 481 E. In der protestantischen Kirche ein Marienbild, zu welchem viele Katholiken aus Böhmen ungestört wallfahrten.

3. Ueber Mügeln, Liebstadt, Schönwalde. (2 Tage) – Wieder mit Dampfwagen von Dresden bis Mügeln (II. Kl. 6 Ngr., III. Kl. 4½ Ngr.). Zu Fuss über Dohna und Weesenstein nach Burkhardtswalde; dann links ab über Nenntmannsdorf nach Liebstadt, von wo man über Börnersdorf nach Breitenau gelangt, was sich zum Nachtquartier eignet. – Nach Liebstadt kann man von Pirna aus auch in 2 St. p. Post gelangen. – Nächsten Morgen begiebt man sich durch den Oelsengrund auf den Sattelberg und schliesst sich bis zum Mückenthürmchen an die S. 64 angegebene Route an.

Mügeln und Dohna s. S. 67.

Weesenstein, Dorf an der Müglitz, mit 311 E. Das Schloss Privateigenthum des Königs von Sachsen. Ein Saal enthält sämmtliche Portraits der königlichen Familie seit August dem Starken.

Liebstadt, Stadt in einem Seitenthale der Gottleube, 1480 F. ü. M., mit 881 E. Hat wie die ganze Umgegend viel Strohflechterei.

Das Strohflechten wird von Altenberg bis über Dohna hinaus und von Gottleuba bis in die Gegend von Dippoldiswalde getrieben und beschäftigt gegen 20,000 Menschen. Man gebraucht dazu Weizenstroh, welches in der gewünschten Art auf dortigem Boden wächst. Das Getreide wird sorgfältig eingeerntet und namentlich vor Nässe geschützt. Dann trennt man die Aehren ab und zerschneidet die Halme so, dass die Knoten herausfallen. Nunmehr wird das Stroh geschwefelt und zum Mürbewerden in's Wasser gelegt. Nachdem man noch die erweichten Halme mittelst eines scharfen Instrumentes in schmale Streifen gespalten hat, beginnt endlich das Flechten. Es ist eine höchst mühsame Arbeit, bei welcher jedoch die geschmeidigen Finger der Kinder oft ebensoviel, als die geübten Hände der Erwachsenen leisten.

II. Route: Von Dresden nach Dippoldiswalde.

1. Von Dresden mit Eisenbahn durch den Plaueschen Grund (II. Kl. 8 Ngr., III. Kl. 6 Ngr.) nach Tharandt. In Tharandt wird ausgestiegen, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung in Augenschein zu nehmen; dann geht man an der wilden Weisseritz herab bis zur Hainsberger Mühle und lässt sich in der Nähe derselben von einem Wegweiser auf den Fusspfad »Nach der Rabenauer Mühle« und damit in das Thal der rothen Weisseritz leiten. Der Fluss tost in steinigem Bette dahin, auf der einen Seite jähe Felsen, auf der anderen schönbewaldete Abhänge bespülend. Der Weg bleibt auf letzterer Seite und führt zur Rabenauer Mühle, welche von prächtigen Felspartien umgeben ist. Da das Thal nur noch eine kurze Strecke begangen werden kann, so verlässt man hier dasselbe und wendet sich links nach Rabenau; und von da über Klein- und Grossölsa nach Wendisch-Carsdorf, um auf der Dresdener Strasse Dippoldiswalde zu erreichen.

Der Plauesche Grund ist berühmt durch seine Naturschönheit[7], durch seinen Kohlenreichthum und seine vielen gewerblichen Etablissements, von denen besonders die Gussstahlfabrik zu Döhlen, die einzige Sachsens, zu nennen ist.

Tharandt, Stadt am Vereinigungspunkte zweier Seitenthäler mit dem Thale der wilden Weisseritz, 752 F. ü. M., mit 2384 E. Liebliche Lage. Der Bergvorsprung zwischen den drei Thälern trägt die Trümmer einer Burg, welche 1568 vom Blitze getroffen und seitdem dem Verfalle überlassen worden ist. Ausser dieser Ruine sind sehenswerth: Der Forstgarten mit Cotta's Grab und die »heiligen Hallen« d. h. grosse von majestätischen Buchen gebildete Laubgewölbe. – Tharandt ist der Sitz der 1816 errichteten Forstakademie; hat auch ein Bad.

Rabenau, Stadt am Oelsenbache, mit 1151 E. Sitz der Stuhlbauerei; man fertigt allda jährlich 5–6000 Dutzend Stuhlgestelle.

Dippoldiswalde, Stadt an der rothen Weisseritz, 1094 F. ü. M., mit 2994 E. Sehenswerth: Pfarr- und Friedhofkirche (Nikolaikirche), Schloss. Spaziergänge: nach der im Walde gelegenen Ruine der Barbarakapelle und dem nicht weit davon entfernten Einsiedlerbrunnen; nach den Sandsteinbrüchen am Rabenauer Wege und nach dem ohnweit der Stadt befindlichen Tartarengrab, d. h. dem Grabmal eines im 7jährigen Kriege gefallenen Uhlanenofficiers.

2. Von Dresden zu Fuss über Räcknitz, (Denkmal des Generals Moreau!) goldene Höhe und Possendorf nach Wendisch-Carsdorf; hier links ab nach Hermsdorf, um den basaltischen Wilisch zu besteigen. Nach genossener Aussicht auf das Elbthal, die Sächsische Schweiz und die Altenberger und Frauensteiner Höhen zurück nach Hermsdorf; dann über Reinberg (Riemrig) und Oberhäslich nach Dippoldiswalde.

III. Route: Von Dippoldiswalde nach dem Mückenthürmchen.

Von Dippoldiswalde bis Schmiedeberg auf der Strasse; bei der Mühle über dem Hohofen den Langengrund hinaus zur prächtig gelegenen Oberförsterei Bärenburg; von hier mit Führer auf die Tellkoppe und dann Wanderung auf der Strasse nach Altenberg. Weil die Aussicht auf dem Geising durch Bäume zu sehr versperrt ist, besteigt man den Kahlenberg und wendet sich über Hinter- und Vorderzinnwald nach dem Mückenthürmchen. – Wer will, kann von Zinnwald mit Führer noch den Lugstein besuchen; Aussicht ähnlich wie vom Mückenthürmchen (s. S. 64–65.)

Von Bärenburg (2252 F. ü. M.) aus soll der König von Sachsen seiner Gemahlin in Pillnitz »Gute Nacht« gewünscht haben. Er liess bei eintretender Dunkelheit auf der Tellkoppe eine Rakete steigen; eine andere von Pillnitz antwortete: es war Gruss und Gegengruss!

Schmiedeberg, Flecken am Einfluss des Pöbelbaches in die rothe Weisseritz, mit 525 E. – Ausser Hohofen auch Eisenhammer. In früherer Zeit waren die Bergknappen gute Sänger und mussten oft bei Hoffesten erscheinen.

Altenberg, Stadt am südwestlichen Abhange des Geisingberges, 2298 F. ü. M., mit 2366 E. – Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem Bergbau. Im Jahre 1458 wurde in dortiger Gegend Zinn fündig, auf welches man heute noch baut; freilich ist die dermalige Ausbeute kaum die Hälfte der früheren (2248 Centner gegen 5000).

Die Erze kommen hier nicht gangförmig, sondern in umfänglichen Massen, d. i. bergmännisch ausgedrückt, in »Stockwerken« vor. Diese werden ausgehauen, und so erhält man grosse Weitungen, welche durch stehenbleibende Gesteinswände (Bergvesten) gestützt werden. Bisweilen erweisen sich aber die Wände für die darauf ruhende Last als zu schwach und es entstehen Einsenkungen, sogenannte Tagesbrüche oder Bingen. Der bedeutendste Einsturz fand im Jahre 1624 statt: ein Stockwerk von 450 Ellen Tiefe und 900 Schritten Umfang – der Schauplatz war die grosse Binge – brach in sich zusammen; die Wucht des herabfallenden Gesteins war so furchtbar, dass die Bodenerschütterung bis Dresden hin verspürt wurde! – Die meisten Zinngruben gehören jetzt der Gewerkschaft Vereinigt Feld im Zwitterstock; dieselbe hat allein 20 Wäschen und Pochwerke, welche theils durch Wasser-, theils durch Dampfkraft getrieben werden.

Ausser Bergbau hat Altenberg Strohflechterei, für welche es sogar Hauptort ist. – Im Galgenteiche bei Altenberg entspringt die rothe Weisseritz; die wilde Weisseritz hat ihre Quelle hinter Zaunhaus auf böhmischer Seite.

Fast östlich von Altenberg liegen Alt- und Neugeising, mit 1336 E. Beide Orte treiben wie Altenberg Bergbau und Strohflechterei.

IV. Route: Von Dippoldiswalde nach Sayda.

1. Von Dippoldiswalde über Ober-Carsdorf, Sadisdorf und Hennersdorf nach Frauenstein; mit Post über Bienmühle und Clausnitz nach Sayda (Passagiergeld: 14 Ngr.)

2. Ein anderer Weg ist: von Dippoldiswalde nach Schmiedeberg und dem reizenden Bärenburg, dann nach Schellerhau, (Besteigung des Pöbelknochens) und über Dorf Sayda, Schönfeld und Reichenau nach Frauenstein; von hier mit Post nach (Stadt) Sayda.

Frauenstein, Stadt zwischen der Gimlitz und Bobritzsch, 2018 F. ü. M., mit 1435 E. – 1869 durch grossen Brand heimgesucht. – Hohe, freie Lage mit umfassender Aussicht. Grossartig ist die Ruine der alten Burg, dicht hinter dem jetzigen Schlosse. Auf dem Thurm des Burgverliesses, der »dicke Märten« genannt, hält man Umschau. Man sieht den ganzen Tharandter Wald, die Stadt Freiberg, die Augustusburg, den Greifenstein, den Fichtelberg, den Kamm des östlichen Erzgebirges, die sächsische Schweiz, das Elbthal, die Pulsnitzer Berge, und zwischen all' diesen Hauptpunkten viele Thäler und Gründe, Abhänge und Höhen, Dörfer und Flecken. – Frauenstein war eine uralte Grenzburg gegen Böhmen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts kam es in Besitz der Burggrafen zu Meissen und 1428 ging es als meissnisches Lehen an Heinrich von Plauen über. Da dieser sich aber ungehorsam gegen Friedrich den Sanftmüthigen erwies, so wurde die Stadt und Burg erobert und das Lehen eingezogen. Im Jahre 1473 verkauften die Brüder Ernst und Albert Frauenstein an die Herren von Schönberg, die es nun besassen, bis 1647 der Rückkauf durch das Kurhaus erfolgte.

Aus dem Dorfe Kleinbobritzsch bei Frauenstein stammt der berühmte Orgelbauer Silbermann. Er war der Sohn eines Zimmermanns und sollte Buchbinder werden; dazu hatte er aber keine Lust und so begab er sich nach Strassburg, um von einem dort wohnenden Vetter die Orgelbaukunst zu erlernen. Später kehrte er nach Sachsen zurück. 47 noch vorhandene Orgelwerke verkündigen seinen Ruhm; seine bedeutendste Schöpfung mag die Orgel im Strassburger Münster sein.

Die Strasse, welche von Frauenstein nach Dresden führt, heisst die Butterstrasse, weil auf ihr die erzgebirgischen Bauern ihre Butter nach der sächs. Hauptstadt zu bringen pflegen. – Die Gegend hat ausser guter Viehzucht trefflichen Flachsbau, weshalb auch zu Oberbobritzsch, Mulda und Lichtenberg Flachsbereitungsanstalten eingerichtet worden sind.

Sayda, Stadt, 2092 F. ü. M., mit 1639 E. – 1842 bis auf wenige Häuser niedergebrannt, doch seitdem sauber wieder aufgebaut. – Im Mittelalter war Sayda ein wichtiger Speditionsort für Waaren, welche von Leipzig nach Böhmen gingen. Zu jener Zeit wurde es von vielen Juden, die ein besonderes Viertel, die sogenannte Judenstadt, inne hatten, bewohnt. Die damaligen Festungswerke sind längst verschwunden. – Auf einer Höhe vor der Stadt gute Aussicht in das Obergebirge.

V. Route: Vom Mückenthürmchen nach Teplitz.

Vom Mückenthürmchen nicht auf der bequemen Chaussee, sondern auf steilem Fusswege, welcher die Halden von Zinnbergwerken berührt, hinab nach Obergraupen, dem Abbilde eines ächten Gebirgsdorfes, und dann nach der Stadt Graupen, welche in einem malerischen Engpass gelegen ist. Die Bergstadt Graupen ist eine der lohnendsten Partien im ganzen Erzgebirge und bietet prächtige Aussichtspunkte dar. Von der Ruine Rosenburg hat man einen überraschend schönen Blick auf Graupen, Mariaschein, Kulm, Teplitz, das Mittelgebirge und die Thalwände des westlichen Erzgebirges. Aehnlich, immerhin aber etwas verändert, wird man die Rundschau auf Wilhelmshöhe (Andenken an die öfteren Besuche Friedrich Wilhelm des III.) und Heinrichsruhe finden. Nur 10 Minuten unterhalb Graupen liegt die stattliche und berühmte Wallfahrtskirche Mariaschein.

Man kann über Mariaschein nach dem gleichnamigen Bahnhof gehen und mit dem Dampfwagen (in ¼ St.) nach Teplitz fahren; genussreicher aber ist es, in Graupen den Tollysteig zu erfragen und sich durch den Probstauer Garten und den Turner Park nach Teplitz zu begeben.

Graupen, Stadt 980 F. ü. M., mit 1600 E. Alterthümliche Bauart; die Bewohner treiben Bergbau und Strumpfwirkerei. – An die Rosenburg knüpft sich eine Erzählung von der Gräfin Dohna und dem Ritter Gotsche (Schaf-Gotsche).

Mariaschein, Dorf mit Jesuitenkloster und Seminar. Die im Renaissancestyle erbaute Kirche enthält ein wunderthätiges Marienbild, zu welchem jährlich Tausende aus Böhmen, Schlesien und der Lausitz wallfahrten.

Teplitz, Stadt an der Saubach, 643 F. ü. M., mit 8000 E. Im breiten fruchtbaren Bielathale, welches das Mittelgebirge vom Erzgebirge scheidet, am Fusse des Wachholderberges reizend gelegen. Die Nähe trefflicher Parkanlagen, die Anwesenheit aussichtsvoller Höhenpunkte und der Anblick mehrerer Gipfel des Erz- und des Mittelgebirges machen die Gegend äusserst angenehm. – Die heissen Quellen[8], (21–38½ °R.), schon um 762 entdeckt, werden fast nur zum Baden benutzt und mit besonderem Erfolg gegen Rheumatismus, Gicht und Lähmung angewandt. Als Bäder sind zu nennen: das Stadtbad, das Fürstenbad, das Sophien- oder Judenbad, das Stephansbad, das Steinbad und das Sand-(Militair-)Bad, wozu in dem angrenzenden Dorfe Schönau noch das Schlagenbad und Neubad kommen. An schönen Gartenanlagen und aussichtsvollen Punkten ist Teplitz, wie schon erwähnt, sehr reich. Man besuche daher den Schlossgarten (Besitzer: Fürst von Clary-Aldringen), wo sich Mittags zum Concert die Badewelt zu versammeln pflegt, das Schiesshaus und die Schlackenburg, mit origineller künstlicher Ruine, ferner die Königshöhe, den Hügel bei der protestantischen Kirche und den Mont de Ligne und endlich den Schlossberg (1221´) mit den umfassenden Trümmern der Burg Daubrawskahora, welche einst dem Grafen Kinsky, dem Schwager Wallensteins, gehörte. – Als weiterer Ausflug ist besonders ein Besuch des Milleschauers (2600´) zu empfehlen. – In Teplitz noch sehenswerth: der Gottesacker mit dem Grabe J. G. Seume's († 1810).

VI. Route: Vom Mückenthürmchen nach Stift Osseg.

Vom Mückenthürmchen über Obergraupen nach Graupen; Besuch der Rosenburg und Wilhelmshöhe (Siehe Route V., S. 76); nach Mariaschein und dann am Fusse des Gebirges hin über Judendorf, Dreihunken, Wistritz, Zuckmantel, Tischau, Doppelburg u. Kosten nach Klostergrab; von hier über Grünsdorf nach Stift Osseg.

Obergraupen, Graupen u. Mariaschein s. R. V., S. 76.

Die Jagdschlösser Doppelburg und Kosten werden wegen ihrer tiefen Waldeinsamkeit häufig von Teplitzer Badegästen besucht. Doppelburg, in der Form eines Sternes gebaut, gewährt in angebrachten Durchhauen angenehme Fernsichten nach dem Borzen (bei Bilin), dem Milleschauer und dem Schlossberge; bei Kosten sehenswerther Thiergarten. – Weiter oben an der Strasse nach Altenberg liegt Eichwald (mit dem Schweissjäger), eine echte Sommerfrische.

Klostergrab, Bergstädtchen, 1087 F. ü. M. mit 1000 E. Hinter dem Rathhause noch Reste jener protestantischen Kirche, deren vom Prager Bischof Lohelius anbefohlene Niederreissung zum Ausbruche des 30jährigen Krieges beitrug.

Stift Osseg, (der Name kommt von osekati d. i. abhauen), grosse Cisterzienserabtei, hatte in den Hussitenkriegen arg zu leiden und zeigt darum neuere Gebäude. Die an Gemälden sehr reiche Kirche ist von italienischen Meistern erbaut. Bildergalerie, Bibliothek. – Gute Aussichtspunkte sind: Riesenburg (s. Route VII.) u. Salesiushöhe.

VII. Route: Von Altenberg nach Oberleitensdorf.

Von Altenberg über Neu- und Altgeorgenfeld nach Zaunhaus und von da über die Jägerhäuser auf den Glöselsberg, welcher eine prächtige, wenn auch nach Norden hin etwas beschränkte, Aussicht darbietet. Nach Niklasberg; über die Grundmühle nach Klostergrab; dann nach Osseg und über Bruch nach Oberleitensdorf.

Altenberg s. R. III., S. 72.

Niklasberg, Städtchen 1819 F. ü. M., mit 745 E. Bergbau auf Silber und mühsame Feldwirthschaft.

Klostergrab und Osseg s. R. VI., S. 78.

Oberleitensdorf, Flecken mit 4580 E. – Tuch- und Casimirfabrikation.

VIII. Route: Von Stift Osseg nach Sayda.

In Osseg wendet man sich den Bergen zu und geht beim Forsthause rechts den schönen Waldgrund hinauf. Man kommt nach Dorf Riesenberg und von da, an der Kapelle vorbei, auf die grossartige Ruine. Einer der vier vorhandenen Thürme ist zur Warte vorgerichtet und bietet eine reizende Aussicht auf das gesegnete Biliner Thal, auf das Mittelgebirge und auf nahe trefflich bewaldete Höhen. Nach genossener Umschau leitet ein steiler aber schattiger Weg hinauf nach Langewiese. Von hier mit Führer auf den Wieselstein (2944´), dessen Spitze geebnet ist und eine Aussicht gewährt, wie kaum ein anderer Punkt des Erzgebirges. Im Südosten erblicken wir das Mittelgebirge mit dem Milleschauer, vor ihm Schwaaz u. Dux; weiter rechts Bilin und den Borzen; noch weiter rechts Brüx und die Holtschitzer Höhen und vor diesen Georgenthal, neben welchem nach Westen hin das Eisenberger Schloss aus dem waldigen Saume des Erzgebirges hervorleuchtet. Ueber Brüx hinaus schweift der Blick ins mittlere Egerthal, d. h. in die Gegend von Postelberg u. Saatz; über Eisenberg her winken die Höhen von Karlsbad und daneben aus blauer Ferne die Spitzen des Fichtelgebirges; etwas mehr rechts, aber nicht so weit, sieht man das Reckenpaar, den Fichtel- und Keilberg; und davor den Hassberg; dann folgen der Pöhlberg, die Gegend von Marienberg, Freiberg und Tharandt, worauf die Tellkoppe, der Kahleberg, der Luchstein und die Nollendorfer Höhe nebst dem in weiter Ferne schimmernden Iserkamm den Kreis vollenden. Beim Heruntersteigen lassen wir uns den Weg nach dem Forsthause Georgenhöhe zeigen, und wenn wir dieses erreicht haben, (hier noch einmal nach dem richtigen Weg zu fragen, ist gut!) schreiten wir auf einem breiten Holzwege (Schneisse) dem in stiller Einsamkeit gelegenen Jagdschlosse Lichtenwaldstein zu. Von hier wenden wir uns nach Böhmisch- und Deutsch-Georgenthal und gehen dann über Kämmerswalde nach Sayda.

Langewiese, Dorf mit 380 Einwohnern. – Hutung und Waldarbeit.

Sayda, s. R. 4. S. 75.

IX. Route: Von Oberleitensdorf nach Olbernhau.

Von Oberleitensdorf über Hammergrund hinauf nach Kreutzweg und von da nach Böhmisch-Einsiedel, wo man sich für das lange Emporsteigen durch eine herrliche Rückschau auf das Böhmerland belohnt sehen wird. Nun geht es über Deutsch-Einsiedel, Heidelberg (mit Bad) und Heidelbach, an dem Abhange des Schwartenberges hin, nach Schloss Purschenstein, bei welchem man das Flöhathal erreicht. Von Neuhausen, welches neben Purschenstein liegt, führt der Weg über Dittersbach und Mörtelgrund nach Niederseifenbach, dann im anmuthigen Flöhathal hin, an der Einmündung der Schweinitz vorbei, in das Brandauer (Kohlen-) Becken, welches einerseits von der Flöha und andrerseits von der Natschung bespült wird. Man wendet sich beim Eintritt in das Becken etwas rechts und gelangt über Oberneuschönberg und Hammerwerk Grünthal nach Olbernhau.

Die Dörfer Heidelbach (136 E.), Heidelberg (1945 E.), Neuhausen (1337 E.) und Niederseifenbach (553 E.) gehören zu dem Bezirke der Holzspielwaarenfabrikation, für welche das benachbarte Seifen (1483 E.) Hauptort ist. Man kann behaupten, dass ⅚ der dortigen Bevölkerung von diesem Industriezweige leben. Alt und Jung, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen sind bei Herstellung von Knöpfen, Puppengeschirr, Feder- und Nadelbüchsen, Pfeifen, Brummkreiseln, Holzsoldaten, Jagden, Schäfereien, Noahkästen, Kinderflinten u. s. w. u. s. w. – in den Handlungsbüchern giebt es 2000 Nummern Spielzeug – beschäftigt. Was wird da gedrechselt, geschnitzt, geleimt und gemalt! Die Arbeitstheilung ist streng durchgeführt: es giebt Drechsler, Schnitzer, Maler und Packer; und jeder macht Jahr aus Jahr ein ein und dieselbe Arbeit. Die schwierigste Aufgabe fällt dem Drechsler zu, weil er auf der Drehbank sogenannte Kränze oder Reifen herzustellen hat, welche durch Zerspalten sofort ein Schock Pferde, Kühe oder andere Thiere liefern.

Schloss Purschenstein gehört den Herren von Schönberg; im Park ein rein gothisches Grabmal.

Im Hammerwerk Grünthal (165 E.) wurde früher »gesaigert« d. h. Schwarzkupfer von dem noch darin befindlichen Silber befreit; jetzt sind daselbst nur Walzwerke. – In Grünthal befindet sich ein Schwefelbad.

Olbernhau, Flecken a. d. Flöha, 1362 F. ü. M., mit 3257 E. – Reizende Lage. Strumpfstuhlbauerei, bedeutender Handel in Spielwaaren.

X. Route: Von Teplitz nach Rothenhaus.

Von Teplitz mit Eisenbahn nach Dux (II. Kl. 41 Xr., III. Kl. 27 Xr.), Besichtigung des Schlosses; mit Bahn weiter über Ratschitz-Oberleitensdorf und Brüx nach Holtschitz-Seestadtl (II. Kl. 84 Xr., III. Kl. 55 Xr.). Wir gehen durch Seestadtl hindurch und steigen zu dem auf halber Bergeshöhe malerisch gelegenen Schlosse Eisenberg empor. Auch hier herrliche Aussicht auf das Mittelgebirge, das Bielathal, die Abhänge des Erzgebirges, die Karlsbader Höhen, sowie die reich mit Weilern, Dörfern und Städten besäete Saatzer Ebene. Nachdem wir den Park, den Thiergarten und das Gewächshaus besucht haben, wenden wir uns unten rechts und wandern am Fusse des Erzgebirges hin nach Schloss Rothenhaus, welches fast gleichen Genuss wie Eisenberg darbietet.

Dux, Flecken mit 1348 E. – Das Schloss gehört dem Grafen Waldstein, welcher von einem Nebenzweige des Herzogs von Friedland abstammt. Es enthält eine Gemäldegalerie, mit dem berühmten Bildnisse Wallensteins von van Dyck, einen Waffensaal, worin man den Halskragen, welchen Wallenstein am Tage seiner Ermordung trug, und die Partisane zeigt, mit welcher Deveroux den Todesstoss vollführte, und eine Bibliothek von 24,000 Bänden, deren einstiger Verwalter der Abenteurer Casanova war. Das Bassin im Schlosshofe hat der Friedländer aus eroberten schwedischen Kanonen giessen lassen. – Die Stadt hat mehrere gewerbliche Anstalten, als eine Zuckerfabrik und Glashütte. – Südlich von Dux liegt die Stadt Bilin mit 3100 E. Das daselbst befindliche Lobkowitz'sche Schloss enthält eine äusserst werthvolle Mineraliensammlung. Bei Bilin ein berühmter Sauerbrunnen, von welchem jährlich über 100,000 Flaschen versandt werden. Der schon mehrfach genannte Biliner Stein (Borzen) ist schwer zugänglich, bietet aber eine Aussicht dar, welche A. v. Humboldt für eine der schönsten der Welt erklärt haben soll.

Brüx, Stadt mit 4000 E. – Viel Fabrikthätigkeit. Schönes Rathhaus. – In der Nähe Püllna mit berühmtem Bitterwasser.

Oberleitensdorf, s. S. 79.

Seestadtl, 800 E.; in der Nähe lag ehemals der grosse, nunmehr aber ausgetrocknete Kummerer See.

Die mit herrlichen Parkanlagen umgebenen Schlösser Eisenberg und Rothenhaus sind beide in neuester Zeit restaurirt worden; jenes gehört dem Fürsten Lobkowitz, dieses der Gräfin Trautmannsdorf.

XI. Route: Von Rothenhaus nach Klösterle.

Von Rothenhaus durch die gewerbreiche Stadt Görkau nach dem Bahnhofe Udwitz, um mit nach Kommotau zu fahren. Wem die Abfahrtszeit nicht passt, der wandere von Görkau, wo man hinter dem Gottesacker weggeht, über die Alaunhütten nach Kommotau. In letzterer Stadt besuche man den Marktplatz, den Felsenkeller und das Schiesshaus. Nun geht es (Eisenbahnbenutzung bis Priesen empfiehlt sich nicht) über Czernowitz und Kralup nach dem unter vielen Obstbäumen gelegenen Brunnersdorf. Hier theilt sich die Strasse. Man kann rechts über Niklasdorf direct nach Klösterle gehen; gerathener aber ist es, links nach dem alterthümlichen Kaaden zu wandern und sich von da durch einen angenehmen Fussweg, dicht an der Eger hin, nach Klösterle führen zu lassen. – Die Route ist angenehm und voller Abwechslung. Allerwärts hat man prächtige Garten- und Obstanlagen und rechts immer zur Seite die wallartig sich abdachenden, aber schön geformten Abhänge des Erzgebirges. Bei Brunnersdorf schaut von der Rückwand eines Waldthales die Ruine Hassenstein hervor und darüber auf dem Gebirgskamme thront die stattliche neue Kirche von Sonnenberg. Und wenn man der Stadt Klösterle sich nähert, sieht man das Egerthal von gut bewaldeten Bergkegeln umsäumt, von denen einige mit Burgen gekrönt sind. Links erscheint die Ruine Leskau und rechts die Ruine Schönburg. – Für die bald zu eröffnende Eisenbahn Kommotau-Karlsbad werden Kaaden und Klösterle Stationsorte.

Görkau, Stadt an der Biela, mit 2000 Einwohnern. – Ackerbau und Gewerbthätigkeit. – Die dasigen Baumwollspinnereien sind von sächsischen Unternehmern gegründet. – Protestantische Kirche.

Kommotau, Stadt mit 7200 E. – Getreidehandel; Obst- und Gartenbau; Maschinenfabrikation, Braunkohlenbergbau. – In der Dechanteikirche das merkwürdige Ziskabild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten darstellt. – Die Stadt als Knotenpunkt der Eisenbahnen Annaberg-Kommotau, Kommotau-Karlsbad, Kommotau-Teplitz und Kommotau-(Priesen)-Prag in entschiedenem Aufschwung begriffen.

Kaaden, Stadt an der Eger mit 5000 E. – Zählt zu den ältesten Städten des Egerthals. Bemerkenswerth: Das altertümliche Stadtthor, das Rathhaus (aus dem 15. Jahrh.), das Franziskanerkloster und das Kloster der Urselinerinnen.

Klösterle, Stadt an der Eger mit 2250 E. – Grosse gräflich Thun'sche Porzellanfabrik. – Am Marktbrunnen neben katholischen Heiligen mehrere mythologische Figuren. Das gräfl. Thun'sche Schloss, 1856 durch Feuer zerstört, ist vollständig wieder aufgebaut.

XII. Route. Von Klösterle nach Hauenstein.

Von Klösterle folgt man westwärts der rechts von der Eger sich hinziehenden Chaussee und gelangt so nach Pirschstein (400 E.) und Mühlengrund. Nach Durchschreitung des letzten Ortes führt ein, an den Telegraphenstangen kenntlicher Weg über eine Anhöhe, welche einen prächtigen Rückblick auf die bewaldeten Berge und die Ruinen bei Klösterle, sowie auf die fruchtbare Ebene bei Saatz gestattet. Auf demselben Wege gelangt man bergab nach Wotsch (250 E.) und dann auf der Strasse nach Wartha, von wo in nicht grosser Ferne rechts ein angenehmes Seitenthal zu einem Besuche von Hauenstein einladet.

Hauenstein, zur Herrschaft Pressnitz gehörig, stellt ein wahres Idyll dar. In der Mitte des Oertchens befindet sich eine hochgelegene Kapelle, rings um dasselbe ziehen sich reizende Anlagen hin, die sich bis zum Eichelberg erstrecken. Auf dem Rücken dieses Berges geniesst man die Aussicht auf die fernen Bergketten des Fichtel- und die nahen des Erzgebirges, dann auf die Burgen Engelhaus, Himmelstein und Schönburg und auf das zwischen bewaldeten Höhen sich hinziehende Egerthal. Wer in Hauenstein übernachten will – die Morgen sind hier besonders schön – muss ziemlich zeitig eintreffen, weil daselbst (beim herrschaftlichen Gärtner) nur wenige Fremde logiren können. Bemerkenswerth ist, dass ein Dachshund sehr geschickt den Führer nach den Hauptpunkten (Parapluie, Koppe, Eichelberg) der Umgebung macht.

XIII. Route. Von Sayda nach Zschopau.

Von Sayda (s. S. 75) folgt man der Chaussee über Pillsdorf (137 E.) nach Dörrnthal (1283 E.) und zwar bis zum Gasthof »Zum Feldschlösschen« an der Sayda-Freiberger Strasse. Bei diesem Gasthause hat man eine herrliche Aussicht über einen Theil des oberen Erzgebirges, indem man in südöstlicher Richtung den Fichtel- und Keilberg, den Pöhlberg, den Hassberg, den Bärenstein, den Scheibenberg und den Auersberg erblickt. Noch schöner ist die Aussicht, wenn man vom Feldschlösschen, 10 Minuten weit in der Richtung nach Voigtsdorf, auf die Dörnthaler Höhe geht. Es öffnet sich dann noch eine Fernsicht nach Nord und Nordost, so dass man in ersterer Richtung Freiberg und in letzterer Frauenstein sammt den im Hintergrunde liegenden Höhen bei Pulsnitz sieht. Bei hellem Wetter kann auch deutlich der Kolmberg bei Oschatz erkannt werden. – Vom Feldschlösschen führt der Dorfweg durch Dörnthal nach dem an letzteres sich anschliessenden Haselbach (701 E.) und von hier ein Fusspfad so nach Forchheim (1448 E.), dass man vom Gasthofe »Stadt Karlsbad«, am Schlosse des Freiherrn v. Biedermann vorüber, auf die Strasse nach Lengefeld gelangt, welche vor Erreichung dieses Ortes noch Görsdorf (515 E.) im anmuthigen Flöhathal und jenseits der Flöha den Gasthof »Zum Marterbüschel« berührt. Von Lengefeld geht die Strasse zunächst nach Wünschendorf (768 E.). Rechts des Weges erhebt sich malerisch über dem linken Ufer der Flöha, auf hoch gelegenem Felsen, die kleine Burg Rauenstein, zu welcher von unten aus ein überwölbter Zugang führt. Weiterhin geht der Weg durch Wald nach Börnchen, von wo man sich entweder über Krummhermersdorf (2280 E.) oder über Waldkirchen nach Zschopenthal (199 E.) und Zschopau wendet.

Lengefeld, Stadt, unfern der Flöha, 1507´ ü. M., mit 3288 E. Viel Weberei (400 Meister).

Waldkirchen, Dorf, 1556´ ü. M., mit 1635 E., Fabrikation von Holzwaaren, besonders von Haus- und Küchengeräthen.

Zschopau, Stadt am gleichnamigen Flusse, 1204´ ü. M., mit 7821 E. Treibt Wollen- und Baumwollenweberei; in der Nähe viele Spinnmühlen. Das Schloss »Wildeck«, dessen runder Thurm noch aus den Zeiten Heinrichs I. herrühren soll, ist jetzt Sitz des Gerichts- und des Forstamtes. Zu der Martinskirche führt von der Vorstadt eine 70 Stufen enthaltende Felsentreppe. Prächtiges Seminargebäude. Am Schiesshause köstliche Aussicht.

XIV. Route: Von Olbernhau nach Rothenhaus und Eisenberg.

1. Von Olbernhau (s. S. 82) folgt man südöstlich der Chaussee bis Grünthal, geht in diesem Orte über die Flöhabrücke und wendet sich auf einem Wiesenpfade, welcher unmittelbar hinter dem Walzwerk hinführt, dem Dorfe Rothenthal (737 E., Holzdrechselei) zu. Am Ende dieses Dorfes überschreitet man die wildschäumende Natschung und gelangt so an den, auf österreichischem Gebiet gelegenen Eingang in das Natschungthal, welches, weil weiter oben der Teltschbach in die Natschung mündet, meist Teltschthal genannt wird. Neben der Einsamkeit und würzigen Waldluft gefällt die Bildung des Thales. Die Thalsohle ist oft so schmal, dass sie kaum Raum hat für den Fluss und die daneben angelegte Strasse; die Thalwände werden häufig von schroffen Felsen unterbrochen, so dass man an hohem bastionsähnlichen Gemäuer vorüberzugehen meint; das Thal selbst macht die vielfachen Windungen der Natschung mit und bietet so von Strecke zu Strecke veränderte Ansichten dar. Naturfreunde behaupten daher mit Recht, dass sich das Teltschthal wohl mit dem berühmten Schwarzathal in Thüringen vergleichen lasse. – Nach einer Wanderung von 1½ Stunden, wobei man an einer im Schweizerstyle erbauten Gartenwirthschaft vorüber gekommen ist, macht man mit dem Teltschbach eine Biegung nach links und erreicht bald darauf ein Eisenwerk, welches nach der früheren Besitzerin, der Gräfin Gabriele v. Boucquoi auf Rothenhaus, Gabrielahütte genannt wird. Von hier führt eine gut gebaute Strasse – nur muss man beim Verlassen des Waldes rechts gehen – nach dem Dorfe Kallich (850 E.), wo sich noch grössere, ebenfalls zur Herrschaft Rothenhaus gehörige Eisenwerke befinden. Während Kallich auf einem Hochplateau ziemlich kahl und reizlos gelegen ist, bietet der nicht weit hinter diesem Dorfe beginnende südliche Abhang des Gebirges um so mehr Abwechslung und Genuss dar. Von hier führt die Strasse fast immer im Tannenwalde bergab nach dem 1½ St. entfernten Göttersdorf (460 E.), senkt sich dann in einem Buchenhaine noch weiter hinunter und mündet zuletzt am Fusse des Gebirges in eine der schönsten und gesegnetsten Gegenden von ganz Böhmen. Dicht vor uns liegt auf einem Bergvorsprunge das Schloss Rothenhaus mit seinen Garten- und Parkanlagen und dahinter breiten sich die fruchtbaren Gefilde des Biela- und Egerthales aus.

Nachdem man in Rothenhaus den Park, das Schloss und den Schlossgarten – hier vergesse man den Gartensalon mit dem interessanten Fremdenbuch nicht! – besucht hat, begiebt man sich über Hohnofen (¾ Std.) und Dorf Eisenberg (¼ Std.) nach Schloss Eisenberg, welches durch seine malerische Lage, seine trefflichen Gemächer und seine reichhaltigen Treibhäuser berühmt ist.

2. Man kann auch zuerst Schloss Eisenberg besuchen. Dann wendet man sich, sobald man von Gabrielenhütte den Wald passirt hat, nicht rechts nach Kallich, sondern links hinauf nach Katharinenberg. Von dieser Bergstadt (1700 E., Feldwirthschaft, Bergbau, Strumpfwirkerei) geht man auf dem Plateau hin nach Nickelsdorf, dann aber steigt man (am besten mit Führer) auf steilem, doch schattigem Waldpfade hinab nach Schloss Eisenberg. – Der Weg von Eisenberg nach Rothenhaus über Hohnofen ist nicht zu verfehlen.

3. Wem ein Ausflug von Olbernhau nach Rothenhaus oder Eisenberg zu weit ist, der besuche wenigstens die Basaltfelsen zwischen dem Schweinitz- und Natschungsthale, welche früher das »Steinerlt« hiessen, neuerdings aber die »Luisensteine« genannt werden. Man geht zu dem Zwecke in dem Dorfe Brandau bis zur Kirche und wendet sich da rechts auf einen Fahrweg, welcher sanft ansteigend in den Wald und dann ziemlich steil, unter stämmigen Fichten hin, auf den Bergrücken führt. Nach Ueberschreitung einer Waldblösse sehen wir die »Luisensteine,« zwei nur einige hundert Schritt von einander entfernte Felsgruppen, vor uns stehen. Wir besteigen die höhere, indem wir uns ihr von rückwärts nähern, und geniessen eine wundervolle Aussicht. Zu unseren Füssen liegt das grüne Schweinitzthal, umsäumt von bewaldeten Abhängen und schön geformten Bergkuppen. Gegenüber bemerken wir den Schwartenberg, mit den an seiner Böschung sich hinziehenden Häusern von Heidelbach und Heidelberg, und mehr zurück zeigen sich Stadt Sayda, Burg Frauenstein und Schloss Lichtenwaldstein. Weiter rechts sehen wir hinab auf die Dächer und Strassen von Katharinenberg und darüber hinaus auf das gesegnete Böhmerland mit dem Milleschauer, dem Borzen und anderen Spitzen des Mittelgebirges. Und auf der entgegengesetzten Seite erscheint das Flöhathal, das Städtchen Lengefeld, die Augustusburg und weit im Hintergrunde der Rochlitzer Berg.

XV. Route: Von Zschopau über den Greifenstein nach Geyer.

Man geht in Zschopau (s. S. 88) über die steinerne Brücke und wendet sich, am Bahnhofe vorbei, dem Wege zu, welcher, den Fluss rechts lassend, thalaufwärts führt. Hinter der Bodemer'schen Fabrik treten die meist bewaldeten Thalwände nahe an den Fluss heran: der Weg steigt empor und leitet fast in der Mitte des Abhanges dahin. Links vom Wege trifft man eine Ruhebank, und dabei eine Tafel mit der Inschrift: »Heinrich Cotta, geboren den 30. Oktober 1763«. Gegenüber, am andern Gelände, sieht man von frischem, wohlbeschnittenen Tannengebüsch die Buchstaben »H. C.« gebildet, welche gleichfalls auf den berühmten Forstmann hindeuten. Die hohe Felsenecke, welche später an unserer Linken erscheint, heisst die Kanzel und gewährt eine prächtige Rückschau auf das Zschopauthal. Nach 1½stündiger Wanderung folgen wir einem steilen Pfade hinab nach dem Dorfe Scharfenstein[9] (748 E.), in welchem sofort das alte Schloss die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dieses liegt auf einem sich weit hervorstreckenden Felsenrücken, der auf 3 Seiten von der Zschopau umflossen und quer von der Eisenbahn durchschnitten wird. Auch ein Stollen führt unter dem Felsen hin, um das Flusswasser mit recht viel Fall zu der Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Auf dem Schlossberg hat man eine gute Aussicht. Von der Burg interessiren am meisten der Wartthurm und die tief in den Felsen eingearbeiteten Keller und Gefängnisse. Das Schloss gehört seit 1427 denen von Einsiedel, und hat in dem Bauern- und in dem 30jährigen Kriege mehrfache Gefahren zu bestehen gehabt.

In Scharfenstein überschreitet man auf der »Kuhbrücke« die Zschopau, geht fast bis zur Griesmühle (Griessbachmühle) und wendet sich dann links lehnan in einen angenehmen Wiesengrund. Bei der Gabelung des Baches geht man geradeaus und kommt so nach Venusberg (1164 E.), von wo ein Weg durch das Rittergut hindurch, bei einem Göpel vorbei, in ¾ Std. nach Herold (850 E.), führt. Man ist hier auf der Weissbach-Annaberger Chaussee und diese verfolgt man, bis sich der Grund etwas erweitert; dann geht man rechts, überschreitet auf schwankem Stege (bei einem Wehre) den Wiltschbach, erreicht Stadt Thum und steigt von da, hinter dem Rathskeller weg, zu dem Greifenstein empor. – Man kann auch auf der Weissbach-Annaberger Strasse bis Ehrenfriedersdorf gehen und von hier aus (am besten mit Führer) den Greifenstein besteigen; doch ist der Weg etwas weiter.

Der Greifenstein, 2234´ ü. M., im Ehrenfriedersdorfer Freiwalde gelegen, ist eine merkwürdig-groteske, auch von der Sage vielfach umwobene Felsbildung. Auf einem Sockel von Gneis sind 7 freistehende, 30–50 Ellen hohe Granitmassen aus lauter über einander gelagerten Platten aufgethürmt, so dass man Cyklopenmauern oder die Reste einer grossen Burg vor sich zu sehen meint. Die eine Gruppe ist besteigbar und gewährt – in der benachbarten Restauration erhält man ein gutes Fernrohr – eine glänzende Umschau. Südwärts liegt der ganze Kamm des Erzgebirges vor uns und lässt die wichtigsten Höhepunkte, als Auersberg, Fichtel- und Keilberg, Scheibenberg, Pöhlberg, Bärenstein, Hassberg pp. deutlich erkennen; im Westen und Osten schliessen sich die wellenförmig gestalteten, von Thälern und Einschnitten reichlich durchsetzten Abhänge des Erzgebirges an und im Norden sieht man den Kolmberg, die Rochlitzer Berge und selbst den Petersberg bei Halle. Dazwischen begegnet das Auge in allen Richtungen den Wohnplätzen der Menschen. Man erblickt die Schlösser Frauenstein, Augustusburg und Sachsenburg, die Städte Thum, Geyer, Schlettau, Scheibenberg, Annaberg, Sayda, Frauenstein, Schellenberg, Mittweida, Hohenstein, Altenburg, Leipzig pp. und eine Menge von Höfen und Dörfern.

Vom Greifenstein gelangt man auf angenehmem Waldweg nach der nur ½ Stunde entfernten Bergstadt Geyer.

Thum, Stadt, 1579´ ü. M., mit 2625 E., treibt Feldwirthschaft, Bergbau, Strumpfwirkerei und Posamentirerei. In der Nähe kommt ein besonderes Mineral, der Thumer Stein, vor. Bei Thum hat am 15. Januar 1648 ein Gefecht, des 30jährigen Krieges letzter Kampf in Sachsen, statt gefunden, weshalb vom Annaberger Zweigverein der Gustav-Adolph-Stiftung 1848 allda ein Denkstein errichtet worden ist.

Ehrenfriedersdorf, Stadt, 1676´ ü. M., mit 3026 E. Gleiche Erwerbsquellen wie Thum. Ringsherum und besonders am Sauberge bedeutende Berghalden von früheren Zinn- und Silbergruben. (An eine der Gruben knüpft sich auch eine merkwürdige Erzählung: »Die lange Schicht«). Für Mineralien ist die Gegend von Ehrenfriedersdorf ein reicher Fundort. – Zwischen Ehrenfriedersdorf und Thum standen früher Arsenikwerke (»Gifthütten«) in deren Nähe von den ausströmenden Dämpfen alle Vegetation erstickt wurde. Die also verödete Gegend hat davon den Namen »Elend« bekommen.

Geyer, Stadt, 1856´ ü. M. mit 4260 E. hatte ehemals blühenden Bergbau, auf welchen die am 11. Mai 1802 entstandene, gegen 70 Ellen tiefe Binge deutlich hinweist; jetzt ist derselbe erloschen; dafür treibt man Posamentiererei und Strumpfwirkerei. – Durch heftiges Sturmläuten beim sächsischen Prinzenraube sprang (1455) in Geyer die grosse Glocke und wurde darnach auf kurfürstliche Kosten umgegossen. – In der Nähe von Geyer liegt Siebenhöfen; bekannt, weil der um die sächsische Baumwollenspinnerei sehr verdiente Eli Evans sich daselbst 1812 eine eigne Spinnmühle errichtete.

XVI. Route: Von Olbernhau über Zöblitz nach Marienberg.

Von Olbernhau nach Grundau (53 E.), dann auf einem Fusswege, welcher die Chaussee links lässt, nach dem mittleren Theil von Ansprung (926 E.) und weiter auf der Strasse nach Zöblitz. Besuch der Serpentinsteinbrüche und einiger Werkstätten für Serpentinsteindrechselei. Am nordwestlichen Ende der Stadt, in der Nähe des Forstamtes, rechts hinab in das Thal der schwarzen Pockau, um die Ruine Niederlauterstein zu besteigen. Von dieser zurückgekehrt, auf angenehmem Wiesenpfade, welcher an der Pockau aufwärts führt, zum Gasthofe »Kniebreche« an der Zöblitz-Marienberger Chaussee. Unterwegs zeigt sich zur Linken bald ein Felsenvorsprung, auf welchem vormals die Burg Oberlauterstein gestanden hat; zur Rechten lugen später von der Höhe einzelne Häuser herab, welche zu dem Dorfe Rittersberg (312 E.) gehören. Von der »Kniebreche«, bei der die rothe und die schwarze Pockau zusammenrinnen, folgen wir (mit Führer!) dem Thal der letzteren und gelangen so zum »schwarzen Grund«, der wildesten Gegend des ganzen Erzgebirges. Nachdem wir die hohen, fast senkrecht aufsteigenden Felsen und die tosende Pockau betrachtet haben, erklimmen wir den Katzenstein und geniessen von einer weit vorspringenden Felsenplatte die Aussicht auf das eben verlassene Thal und dessen Umgebung. Vor uns liegt in jäher Tiefe der »schwarze Grund«; zur Linken gewahren wir eine ungeheure Felsenwand, die Ringmauer genannt, gegenüber eine fast isolirte Bergspitze, auf welcher ehemals ein Raubschloss gestanden haben soll, und dahinter den grossen Kriegwald. – Vom Katzenstein gehen wir durch den Wald nach dem Dorfe Pobershau (1426 E.) und von da über Wildenburg nach Marienberg.

Zöblitz, Stadt 1728´ ü. M., mit 1824 E. Mehrmals, besonders 1854, durch Brandunglück heimgesucht. Die Serpentinsteinbrüche befinden sich auf dem nach Ansprung hin streichenden Höhenzuge, »die Harthe« genannt. Die Schichtung ist also: oben liegt der untaugliche Kammstein, dann folgt der blaue Horn- oder Lawetzstein und zu unterst erst die brauchbare Masse. Seit 1613 hat Zöblitz eine besondere Steindrechslerzunft: 40 Innungsmeister fertigen Apothekerschalen, Wärmsteine, Büchsen, Schreibzeuge, Briefbeschwerer, Grabsteine pp. – Neuerer Zeit sind die Brüche, welche nicht sonderlich gehalten waren, in den Besitz einer Actiengesellschaft übergegangen und werden nun rationell abgebaut.

Die Burg Oberlauterstein ist in dem Hussitenkriege, Burg Niederlauterstein im 30jähr. Kriege zerstört worden.

Marienberg, Stadt 1864´ ü. M., mit 5518 E. Verdankt seine Gründung – sie geschah 1521 durch Herzog Heinrich d. Frommen – dem Bergbau, treibt jetzt aber meist Feldwirthschaft, Grenzhandel und Spitzenklöppelei; auch hat es neuerer Zeit eine Flachsbereitungsanstalt. Die Stadt ist regelmässig angelegt, hat einen schönen, mit Linden bepflanzten Markt und eine sehenswerthe gothische Kirche. In der Kirchenbibliothek befindet sich ein werthvolles Manuscript, »die Coss« betitelt, von Adam Riese (vgl. Programm d. Annaberger Realschule v. J. 1860).

XVII. Route: Von Marienberg über Wolkenstein nach Annaberg und Buchholz.

Auf der Marienberg-Wolkensteiner Chaussee bis an den Wald, dann auf dem in das Holz einmündenden Fahrwege bis an ein Bergwerk und von da auf einem Fusssteig über das bereits sichtbare Dorf Geringswalde nach dem Wolkensteiner Warmbad, welches ausser der Quelle und den verschiedenen Wirthschaftsgebäuden angenehme Anlagen und Spaziergänge darbietet. Nach Besichtigung des Bades kann man sich direkt nach Wolkenstein wenden, gerathener aber ist es, an dem vorhandenen Bache, durch einen wilden Grund hinab ins Thal der Zschopau zu gehen, hier den Flossplatz und den Lauf der Eisenbahn anzusehen und nun erst – der Weg führt einige Zeit an dem Flusse aufwärts – nach Wolkenstein emporzusteigen. Allda besucht man vor Allem das Schloss, welches auf einem 250 Fuss hohen, jäh' nach der Zschopau abstürzenden Felsen erbaut ist. Die südlichen Schlossfenster und mehrere Stellen am Schlossrande gewähren eine prächtige Aussicht auf das Zschopauthal und die in demselben sich hinwindende Eisenbahn, sowie auf die umliegenden Höhen und einen Theil des Obergebirges. Auch ladet der ganze Bergabhang, von seinem reichen Bestande an Bäumen und Sträuchern der »Haag« genannt, zu einem Spaziergange ein, wenn auch die Wege mühsam dem Boden abgewonnen und etwas steil sind.

Von Wolkenstein kann man verschiedene Wege nach Annaberg (Buchholz) einschlagen. Entweder geht man auf der Chaussee, an den untern Häusern von Schönbrunn vorbei, nach Wiesenbad, betrachtet hier die Sehenswürdigkeiten und wendet sich dann auf der Strasse nach Annaberg. Oder man benutzt von Wolkenstein bis Wiesenbad die Eisenbahn, sieht sich in dem Orte um und fährt mit einem späteren Zuge nach Annaberg. Oder endlich man geht von Wolkenstein durch den Haag nach dem sogenannten Prinzessinnenweg, verfolgt diesen und wendet sich kurz vor Einmündung der Pressnitz linkshin nach Finsterau und von da über Streckewalde und Himmelmühle nach Wiesenbad, von wo Annaberg leicht zu erreichen ist. – Der dritte Weg ist der empfehlenswertheste, doch würde er noch angenehmer sein, wenn an der Spitze, welche Zschopau und Pressnitz mit einander bilden, ein Steg über Letztere führte und man so im Zschopauthale aufwärts nach Himmelmühle und Wiesenbad gelangen könnte.

Bad Wolkenstein ist der wärmste (30° C.) Gesundbrunnen Sachsens und mit Vortheil gegen Gicht, Rheuma und ähnliche Krankheiten anzuwenden. Die ziemlich tief liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefasst und dadurch gegen Zufluss von »wilden Wässern« geschützt worden.

Wolkenstein, Stadt, 1446´ ü. M., mit 2075 E. Lebt von Ackerbau, Spitzenklöppeln und Posamentiererei. Sehenswerthe Kirche. Das Schloss besteht aus einem älteren, in Trümmern liegenden, und einem neueren, noch erhaltenen Theil. Auf Schloss Wolkenstein haben im 15. und 16. Jahrhundert wiederholt sächsische Fürsten, besonders Georg d. Bärtige und Heinrich d. Fromme gewohnt; an Letzteren erinnert auch das von Wolkenstein ⁵/₄ Stunde entfernte Lehngut Heinzebank (Heinrichsbank).

Wiesenbad, freundlicher Kurort im Zschopauthale, hat ausser dem nahen Lustwäldchen noch andere interessante Punkte: so den grossen Riss, den Chocoladenfelsen und den Amethystenbruch. Die Quelle, 26° C. warm, hat ähnliche Wirkungen wie das Wolkensteiner Bad, zeigt sich aber von ganz besonderem Nutzen bei scrophulösen Kindern. – In der Nähe des Bades ist eine grosse Flachsspinnerei.

Annaberg, wichtigste Stadt des Obererzgebirges, an dem der Sehma zugekehrten Abhange des Pöhlberges, ziemlich abschüssig, – 1700 bis 1980´ ü. M. – gelegen, mit 11,693 E. Verdankt seine Entstehung dem Silberbergbau, welcher der Sage nach durch Daniel Knapp, den Urkunden nach durch Kaspar Niezelt aus Frohnau in Aufnahme gekommen ist (1492). Die reiche Ausbeute lockte viele Bergleute und Grubenherren, Handwerker, Händler und Glücksritter herbei, so dass die »wilde Ecke« – so hiess damals die in Rede stehende Gegend – zahlreich besiedelt wurde. Dies gab Herzog Georg dem Bärtigen Veranlassung, allda (21. Septbr. 1496) eine Stadt zu gründen, welche anfangs »Neustadt am Schreckenberge«, darnach aber »St. Annaberg« genannt wurde. Am ergiebigsten zeigten sich die Erzgänge im 16. Jahrhundert, und diese Zeit ist es, wo die Annaberger Bergherrn wegen ihrer Ueppigkeit[10] verrufen waren. Annaberg hatte damals seine eigene Münzstätte (an sie erinnert die heutige Münzgasse) und schlug Geldstücke, welche von dem Fundorte »Schreckenberger« und von dem Gepräge »Engelsgroschen« hiessen. Die Ausbeute war bisweilen so gross, dass das Silber in Erzkuchen, also ungemünzt, vertheilt werden musste. Aber wie anderwärts, so hielt auch bei Annaberg der reiche Bergsegen nicht aus. Und als im 30jährigen Kriege noch Noth und Elend an die Bewohner herantrat, da kam der dasige Bergbau fast zum Erliegen und hat sich seitdem trotz mehrfacher, namentlich in neuester Zeit gemachter Versuche nicht wieder in Aufschwung bringen lassen. Das Sinken des Bergbaues war jedoch die Ursache, dass das durch Barbara Uttmann (1561) aufgebrachte Spitzenklöppeln in und um Annaberg rasche Verbreitung fand und die Stadt dadurch, sowie durch die von Georg Einenkel (1589) in Buchholz eingeführte und von da nach dem Nachbarort gekommene Posamentiererei eine ganz neue wirthschaftliche Grundlage erhielt. Was Annaberg damals als Bergstadt verlor, das gewann es bald darauf als Handels- und Industriestadt wieder und eine solche ist es auch bis auf unsere Tage, wo zu den vorhandenen Erwerbszweigen noch die Seidenweberei, die Crinolinfabrikation u. s. w. gekommen sind, geblieben.

Sehenswürdigkeiten: In Annaberg besucht man zunächst die Haupt- oder Annenkirche, welche mit reiner Kreuzesform im gothischen Style erbaut (1499–1519) ist. Der Hauptaltar enthält 10 Sorten Marmor und stellt in herrlicher Skulptur den Stammbaum Christi dar. Ausserdem sind noch drei Altäre: der Bergaltar (mit interessanten Bildern aus dem früheren Bergmannsleben), der Münzeraltar und der Bäckeraltar vorhanden, wie denn überhaupt die Kirche mit grosser Schonung für den protestantischen Kultus umgewandelt worden ist. Beachtenswerth sind ferner: die steinerne mit vieler Bildhauerarbeit gezierte Kanzel, die goldene Pforte, (1577 aus dem hiesigen Kloster entnommen), der becherförmige Taufstein (1560 aus dem Grünhainer Kloster anher versetzt) und neben anderen Gemälden besonders das von Lukas Kranach herrührende Bild (die Ehebrecherin vor Christus). An den Emporen sieht man 100, in gebrannter Erde ausgeführte Darstellungen aus der biblischen Geschichte; doch haben sich unsere Vorfahren auch nicht versagt, an der Brüstung der beiden Seitenchöre die Lebensalter der beiden Geschlechter sinnbildlich in humoristisch-satyrischen Reliefs anzubringen. – Der kegelschiebende Engel, welcher sich über dem Eingang zur »alten« Sakristei befindet, wird von Vielen für ein Wahrzeichen der Stadt gehalten. Die Thüre zu dieser Sakristei trägt interessante Schlösser, wahre Muster der alten Schlosserkunst. In der Sakristei selbst ist ein Tetzel'scher Ablasskasten zu sehen. – Im Jahre 1833–34 sind durch architectonisches Missverständniss aus den schadhaften Fenstern die gothischen Verzierungen und steinernen Zwischenrahmen herausgenommen und durch schlichtes Holzwerk ersetzt worden; neuerer Zeit aber werden die Fenster stylgemäss mit steinernem Maass- und Laubwerk wieder hergestellt. – Die ganze Kirche macht sowohl in Grösse als Bauart einen erhebenden Eindruck. Dies geht auch aus den Worten Johann Friedrich des Grossmüthigen hervor, der zu Herzog Georg, nachdem er mit diesem einem katholischen Gottesdienst in der Hauptkirche beigewohnt, sagte: »Der Gebauer ist wohl schön, nur der Vogel darin singt nicht gut.«

Ausser der Hauptkirche besuche man die Bergkirche, die einzige Sachsens, und die Hospital- oder Trinitatiskirche sammt dem dahinter liegenden Gottesacker. An der Hospitalkirche ist aussen, nach dem Friedhofe zu, eine Kanzel angebracht, von welcher am Trinitatisfest die Predigt gehalten wird. In dem vordern Theile des Kirchhofes steht ein Kruzifix, dessen Umgebung früher in hohem Ansehen stand, weil man annahm, dass bei der Einweihung des Gottesackers (1519) die aus Rom geholte heilige Erde daselbst verstreut worden sei (vergl. jedoch: »Der Gottesacker zu Annaberg« von Dr. Spiess, S. 131). Rechts davon sieht man die weitberühmte Linde, deren flachgewachsene Aeste durch 23 Pfeiler gestützt sind. Der Sage nach soll dieser Baum vormals umgekehrt gepflanzt worden sein, um einen Zweifler zum Glauben an die Auferstehung zu bekehren. Etwas vor dem Kruzifix steht das Denkmal der Barbara Uttmann, der Erfinderin des Spitzenklöppelns. Dasselbe ist der unvergesslichen Wohlthäterin des Erzgebirges im Jahre 1834 durch August Eisenstuck, damaligen Chef der Eisenstuckschen Handlung, errichtet worden und trägt die Inschrift:

Ein thätiger Geist, eine sinnige Hand, Sie ziehen den Segen ins Vaterland.

Von dem ehemaligen Franziskaner-Kloster, welches 1502 gegründet und 1540 aufgehoben worden ist, stehen nur noch geringe Ueberreste zwischen der Oberforstmeisterei und dem neuen Bezirksgericht. – Zu Annaberg hat auch von 1515–59, anfangs als Probirer und dann als Gegenschreiber, der weltbekannte Rechenmeister Adam Riese[11] gelebt, und noch jetzt heisst das Gut in der Nähe der Stadt, das er besessen, die »Riesenburg.« Ebenso ward allda 1726 der Kinderfreund Ch. F. Weisse geboren, zu dessen Ehren man bei seinem hundertjährigen Geburtstage eine milde Stiftung errichtet hat.

Ausflüge: Der Pöhlberg gewährt auf seinem Plateau eine gute Aussicht und zeigt an seinem Nordostabhange mächtige Basaltsäulen, von dem Volke »die Butterfässer« genannt. Ausser Besteigung dieses Bergkegels sind Spaziergänge nach der Wolfshöhle und der Wäsche, nach dem Markus Röhling und dem Schreckenberge, nach der Bäuerin und dem Teufelsfelsen, sowie in die Umgebung von Buchholz (s. weiter unten) anzurathen; als weiterer Ausflug empfiehlt sich ein Besuch des Greifensteins (s. S. 93) oder des unteren Pressnitzthales, von Finsterau bis Schmalzgrube (s. T. XVIII. S. 53).

Buchholz. – Nur zehn Minuten von Annaberg, am linken Ufer der Sehma, den östlichen Abhang des Schottenberges bedeckend, liegt die Stadt Buchholz, eigentlich St. Katharinenberg im Buchholz geheissen, 1793´ ü. M., mit 4854 E. Sehenswerth sind hier: Die gothisch gebaute Hauptkirche und die Begräbnisskapelle, beide mit werthvollen Gemälden aus der Wohlgemuth'schen Schule. Auch verdienen die Waldanlagen und das Waldschlösschen einen Besuch.

Die Nähe der beiden Städte Annaberg und Buchholz erklärt sich daraus, dass bei der Ländertheilung 1485 die Sehma einen Theil der Grenze zwischen dem albertinischen und ernestinischen Sachsen bildete, so dass die Gegend von Annaberg herzoglich und die von Buchholz kurfürstlich war.[12] Der angegebene Umstand ist auch der Grund, warum in Buchholz die Reformation früher (1523) als in Annaberg (1539) eingeführt wurde. Im Allgemeinen aber haben beide Städte, die fast gleichzeitig (A. 1496; B. 1504) und aus gleichem Anlass (wegen Auffindung von Silber) entstanden sind, eine gleichmässige Entwicklung gehabt. Wie Buchholz die Heimath für die Posamentirerei, so ist Annaberg die für das Spitzenklöppeln gewesen, und noch heute gelten beide für einen gemeinsamen Vorort der Spitzen- und Posamentenfabrikation.

Spitzenklöppeln: Ueber das Spitzenklöppeln sagt der Verfasser der Lebensbilder vom sächsischen Erzgebirge ungefähr Folgendes: »Im Obererzgebirge sieht man fast hinter jedem Hüttenfenster eifrige Klöpplerinnen; in der schönen Jahreszeit trifft man ganze Gesellschaften von klöppelnden Frauen, Mädchen und Kindern im Freien; im Winter kommen die Klöppelmädchen Abends zusammen und arbeiten gemeinschaftlich, wie anderwärts die Spinnerinnen. Die Haltung der Klöpplerin ist allerdings nicht sonderlich anmuthig, indem sie beim Arbeiten den Oberkörper, ähnlich wie beim Schreiben, etwas vorbeugt; die reizenden Bewegungen ihrer Hände aber lassen sich eben so schwer darstellen, wie der flüchtige Tanz der Finger des Klavierspielers. Wirklich erinnert das federleichte und blitzschnelle Spiel der klöppelnden Hände ebenso sehr an die Fingerfertigkeit der musikalischen Virtuosen, als an die der Taschenspieler. Die Handhabung der Nadeln beim Stricken ist nichts im Vergleich zum Gebrauch der Klöppel beim Spitzenanfertigen. Und die Verwunderung über die Kunstfertigkeit der Klöppelhände wird noch gesteigert, wenn man das äusserst schlichte Werkzeug sieht, dessen die Klöpplerin sich bedient. Sie sitzt vor einem walzenförmigen, einen Fuss langen, mit Kattun umhüllten Polster, dem sogenannten Klöppelkissen (Klöppelsack), das mit einer grossen Anzahl von Stecknadeln gespickt ist. Der Klöppel selbst ist ein 4–5 Zoll langes, zur Form eines Trommelklöppels gedrechseltes Holzstück, über welches das »Tütle«, eine dünne hölzerne Hülse von 2 Z. Länge, gesteckt ist, damit der um den Klöppel gewickelte Faden nicht beschmutzt wird. Einen solchen Klöppel mit Tütle kauft man um einige Pfennige. Zu schmalen Spitzen gehören 2–4, zu breiten wohl Hundert Paare. Um die Mitte des Kissens ist ein Streifen starken Papiers, auf welchem das Muster durch Nadelstiche vorgezeichnet ist, der sogenannte Klöppelbrief, geschlungen. Zunächst werden so viele Fäden, als das Muster erfordert, auf ebenso viele Klöppel aufgewunden, die freien Enden in einen Knoten geschürzt und auf dem Kissen befestigt. Dann beginnt das Klöppeln, welches im Wesentlichen nichts ist, als eine kunstvolle Art zu flechten. Die Arbeiterin fasst mit den Fingerspitzen bald der rechten, bald der linken Hand mehrere Klöppel, wickelt durch gewandte Drehung derselben etwas Faden ab und kreuzt die Fäden durch einen »Schlag« zu einer Art Knoten. Die so gebildeten Maschen werden zeitweilig durch Stecknadeln an dem Klöppelbriefe festgehalten. Rasch beseitigt nun die Hand diejenigen Klöppelpaare, welche eben gebraucht wurden und bis auf Weiteres entbehrlich sind, dadurch, dass sie dieselben mit einer grossen Aufstecknadel seitlich am Kissen feststeckt. Dann nimmt sie mit bewunderungswürdiger Sicherheit aus der Menge der Klöppel, die alle gleich aussehen und nicht an Nummern oder sonstigen Zeichen kenntlich sind, andere Paare heraus, um damit weiter zu arbeiten. – Es ist begreiflich, dass die Fertigkeit, mit welcher die Klöpplerin für jede Nadel den rechten Klöppel findet und benutzt, nur durch Uebung von frühester Jugend an errungen werden kann, weshalb auch Kinder schon im 4. und 5. Lebensjahre zu klöppeln anfangen. Auch sorgen für Erlernung der erzgebirgischen Kunst ausser den Familien mehrere vom Staate unterstützte Klöppelschulen.«

XVIII. Route: Von Annaberg über Satzungen nach Kommotau.

Bei'm Annaberger Schiesshause, rechts auf dem Fahrwege, zu dem vorliegenden Höhenrücken empor und dann auf einem Fusspfade hinab nach dem grossen, an den Ufern der Pöhla gelegenen Dorfe Königswalde (2454 E.). Nach Ueberschreitung der Brücke geht man links um die Kirche und steigt auf einem Feldwege das anstehende Gelände hinan; oben gelangt man in einen jungen Fichtenwald und, in diesem sich links haltend, auf die Jöhstadt-Grumbacher Chaussee, welche bald nach Grumbach (1291 E.) hineinleitet. Ohne Aufenthalt wird dieses kahle Gebirgsdorf durchwandert, um, mit einer Wendung nach rechts, zu dem malerisch an der Pressnitz gelegenen Dorfe Schmalzgrube (327 E.) hinabzusteigen. Dieser Ort erfüllt den engen, aber reizenden Thalkessel, der durch Einmündung des von Jöhstadt kommenden Schwarzwassers in die Pressnitz gebildet und fast ringsum von trefflich bewaldeten Bergwänden umgeben wird. Nunmehr wendet man sich dem Dorfe Satzungen (1088 E.) zu. Der Weg dahin, eine Halbchaussee, geht von Schmalzgrube links den Abhang hinan und ist wegen Steilheit und Länge der Berglehne anfangs etwas beschwerlich, wird aber nach Erklimmung der Höhe, wo er durch einen schönen Buchenwald führt, wieder bequemer. Von Satzungen, in dessen Nähe man den Hirtstein und Hassberg gut sehen kann, begiebt man sich, das Dorf Ulmbach links lassend, nach der böhmischen Grenzstadt Sebastiansberg (Bassberg) und erreicht hier die Reitzenhainer Strasse, welche über Krima, Domina, Schönlind und Oberdorf nach Kommotau führt und eine prächtige Aussicht auf das böhmische Mittelgebirge und die reiche Gegend zwischen Saatz und Postelberg gewährt. – Wer einen Erlaubnissschein löst, kann von Krima auch der Weipert-Kommotauer Eisenbahn folgen und so die Windungen beobachten, welche der Schienenstrang überhaupt und besonders am Borberge machen muss, um von dem Bassberger Plateau nach dem Kommotauer Flachlande hinabzusteigen.

Sebastiansberg, Stadt, fast am Gebirgskamme gelegen, mit 2000 E., hat Grenzverkehr und viel Holz- und Viehhandel.

Kommotau s. S. 85.

XIX. Route: Von Annaberg über Jöhstadt, Pressnitz, Sonnenberg und den Hassenstein nach Brunnersdorf.

Beim Annaberger Schiesshause hinaus, erst auf einem Fahr- und dann auf einem Fusswege, nach Königswalde (s. v. R.) und von da auf der Chaussee nach Jöhstadt. Von hier kann man zwei verschiedene Wege nach Pressnitz einschlagen. Der nächste Weg führt bei »Stadt Leipzig« in den Grund hinab, geht über Dürrenberg und Hegerhaus und mündet auf die Pressnitz-Satzunger Chaussee, von welcher aus, vor dem Einmarsch in Pressnitz, sich ein Abstecher auf den nahen Hassberg (3051´) empfiehlt, da dieser nicht nur eine gute Aussicht in Nähe und Ferne, namentlich auf das Pressnitzthal, sondern auch eine üppige Flora darbietet. Leider fehlt dem Gipfel ein Aussichtsthurm, welcher zur Umschau doch so nothwendig ist. Der weitere Weg führt auf der Chaussee über Schweizerhäuschen und Pleil, doch lässt sich auch dieser etwas abkürzen, wenn man bei den ersten Häusern von Pleil links den Fussweg nach dem Walde einschlägt und so erst später wieder auf die Strasse gelangt. – Von Pressnitz hat man sich nach Sonnenberg (1000 E.) zu wenden. Man wählt dazu die Strasse über Reischdorf (2000 E.) oder den näheren Fussweg, welcher bei'm Herrnhaus in Pressnitz links abgeht und erst quer durch die Wiesen und dann auf den vorliegenden Höhenrücken dahinführt. Nachdem man in Sonnenberg die grosse, schöne und weithin nach Böhmen hinein leuchtende Kirche besehen hat, steigt man rechts zur Holzmühlenbachmühle hinab und besucht darauf, unterwegs noch das aus den Hussitenkriegen merkwürdige Platz (450 E.,) berührend, die Ruine Hassenstein, welche grossartig in ihren Trümmern und reizend in ihrer Lage ist. Vom Hassenstein geht man weiter bergab und gelangt auf angenehmem Wege nach dem fruchtbar gelegenen Orte Brunnersdorf (s. R. XI. S. 84).

Jöhstadt (Josephsstadt), Stadt am Schwarzwasser, ohnweit der böhmischen Grenze, 2306´ ü. M., mit 2286 E. Fertigt Spitzen, Posamenten, Zündhölzer und Metallwaaren. Der Ort besitzt eine Anzahl »Landrasender«, d. h. Hausirer, welche mit erzgebirgischen Handelsartikeln in ganz Deutschland umherwandern.

Pressnitz, Stadt am gleichnamigen Flusse, mit 3000 E. Hauptort der »fahrenden« Musiker, welche auf Märkten und Messen, bei Vogelschiessen und anderen Volksfesten sich hören lassen und sogar nach fernen Staaten, besonders nach Russland und Schweden ziehen. Seitdem in der Stadt eine gute Musikschule errichtet worden ist, haben sich die Leistungen der Pressnitzer »Kapellen« wesentlich gehoben.

XX. Route. Von Annaberg über Weipert nach Kupferberg und Klösterle.

Vom böhmischen Thore rechts nach dem nahen Dorfe Kleinrückerswalde (707 E.) und dann auf die Annaberg-Weiperter Chaussee, welche auf dem Höhenzuge zwischen der Sehma und Pöhla dahinläuft. Man kommt an dem Kunnersdorfer Chausseehaus und der daneben liegenden Restauration »Zur Morgensonne« vorüber, überschreitet auf interessant construirter Brücke den tiefen Einschnitt der Annaberg-Weiperter Eisenbahn und gelangt von »Becks Gasthof« nach dem Flecken Bärenstein (1612 E.). Auf dem Marsche sieht man links im Grunde die Mildenauer Kirche und einige Häuser von Königswalde und auf der Höhe das Jöhstädter Schiesshaus; rechts im Thale hat man Buchholz, Sehma, Cranzahl und davor an der Berglehne Kunnersdorf und das Gut Königslust. Von genanntem Durchstich führt die Eisenbahn nach dem Annaberger Flossgraben[13], um auf demselben bis an Weipert zu gelangen. In Bärenstein schickt man sich zur Besteigung des gleichnamigen Berges (2762´) an. Man geht zu diesem Behufe in der Nähe der Kirche rechts von der Strasse ab und gewinnt so einen Fusspfad, welcher von südöstlicher Seite zur Höhe emporführt. Beim Steigen liest man an einer Steinplatte: »Den 22. August 1858 geruhte Se. Majestät der König Johann von Sachsen den Bärenstein zu besuchen.« Das Plateau ist gut berast und erlaubt ein bequemes Umherwandern. An der nördlichen Kante ist die Aussicht am lohnendsten: Gerade aus sieht man Buchholz und Annaberg, daneben den Pöhlberg; weiter zurück den Greifenstein, Schönfeld und Augustusburg; rechts im Grunde erscheint die Mildenauer Kirche, darüber die Höhe von Marienberg, davor das Pöhlthal mit Königswalde; weiter folgen der Grumbacher Berg, Jöhstadt, der Hassberg und der Spitzberg; nunmehr gleitet der Blick am Kamme des Gebirges hin nach dem im Süden liegenden Keil- und Fichtelberg; rechts draussen erscheint der Auersberg, westlich davon der Ochsenkopf und die Morgenleite bei Schwarzenberg, weiter herein der Plesselstein und der Scheibenberg, rechts daran liegt Schlettau und hinter ihm Hermannsdorf und Geyer, an welches sich der Greifenstein wieder anschliesst. – Bei'm Herabsteigen schaut man auf das anmuthige, an beiden Seiten vielfach mit Häusern besetzte Thal der Pöhl, welche von hier bis Wiesenthal die Grenze zwischen Sachsen und Böhmen bildet und darum nur der Grenzbach genannt wird. – Man geht nun auf der Chaussee nach Weipert, (industrielle Stadt mit 5000 E.) und wendet sich hier links einem Bergwerke zu, um an demselben vorbei zum Forsthause zu gelangen, hinter welchem ein geradliniger Waldweg nach Schmiedeberg (2800 E.) hinüber leitet. Von Schmiedeberg kann man der Strasse über Oberhals nach Kupferberg folgen; näher aber ist es, wenn man unterhalb der Kirche links den Berg hinauf geht und den Waldweg nach dem Kupferhügel (2790´) einschlägt. Auf Letzterem steht eine Kapelle, bei welcher man eine Aussicht geniesst, die von den Böhmen selbst zu den schönsten ihres Landes gezählt wird. Nach Sachsen zu ist zwar der Blick durch bewaldete Höhenzüge und Bergspitzen etwas beschränkt, nach Böhmen hin aber ist er um so freier. Man überschaut einen grossen Theil des Elbogener, des Saazer und Leitmeritzer Kreises, sammt den darinliegenden Schlössern, Dörfern und Städten, und wird von den Reizen des Egerthales und Mittelgebirges geradezu überrascht.

Von der Kapelle zu dem Städtchen Kupferberg (870 E.) hinabsteigend, bemerkt man viele Halden und Bingen, beredte Zeugen des ehemals lebhaften Bergbaues. Das Städtchen macht einen ärmlichen Eindruck, wird sich aber durch die Annaberg-Kommotauer Eisenbahn, welche in der Nähe eine Haltestelle bekommt, sicherlich heben. – Gleich unterhalb Kupferberg beginnt die südliche, steile Abdachung des Erzgebirges. Man besuche hier noch die links von der Chaussee stehenden Felsen, welche gleichfalls eine gute Ansicht des Böhmerlandes darbieten, und steige dann auf der sich vielfach windenden Strasse bergab, wende sich aber bei der letzten grossen Krümmung links auf einem Fusswege nach dem Dorfe Kunau, von welchem man auf einem reizenden Waldthalwege nach Klösterle (s. R. XI. S. 85) gelangt.

XXI. Route: Von Annaberg nach Carlsbad. (2 Tage.)

1. Ueber Weipert und Hauenstein. – Von Annaberg nach Weipert (s. v. R.) und dann auf der Strasse über Wiesenthaler Schlössel nach Stolzenhain. Bei Beginn des Dorfes wendet man sich links, um an der Kapelle vorbei den näheren Weg nach dem »Reitförster« einzuschlagen. Hier frage man genau nach dem Wege oder nehme – wenigstens durch den Wald hindurch – einen Führer mit. Man kommt an den »Wirbelsteinen« vorbei, die eine prächtige Aussicht darbieten, erreicht ein Forsthaus und tritt bald darauf aus dem Walde heraus, um die jenseitige Abdachung hinabzusteigen. Auf einem ziemlich benutzten Fahrwege, hinter zwei Dörfern (Holzbach und Hanuschgrün?) hinweg, kommt man nach dem idyllisch gelegenen Hauenstein, wo man Nachtquartier nimmt. – Am andern Morgen besucht man die reizende Umgebung des Ortes (s. S. 86) und begiebt sich dann im anmuthigen Egergrund, über Damitz und Permesgrün, nach Schlackenwerth, von wo die Strasse nach Karlsbad führt. – Nach Eröffnung der Egerthal-Eisenbahn kann man auch bis Wickwitz gehen und von hier mit dem Dampfwagen über Neuda (Schlackenwerth) nach Karlsbad fahren.

Schlackenwerth, Stadt, 1170´ ü. M., mit 1800 E., hat ein dem Grossherzog von Toskana gehöriges schönes Schloss mit Park und Gewächshaus.

Karlsbad, Stadt an der Tepl, 1063´ ü. M., mit 7000 E. In sehr engem Thale, doch malerisch zwischen reichbewaldeten Bergwänden und Höhen gelegen, die nach allen Richtungen hin von gut gehaltenen Promenaden durchzogen werden. In der Stadt sehenswerth: Dechanteikirche, Marienkapelle, protestantisches Gotteshaus und Standbild Karls IV., welcher als Begründer des Ortes anzusehen ist. Den grossen, ja europäischen Ruf verdankt Karlsbad seinen Heilquellen (jährlich 15–20,000 Badegäste). Obenan steht der Sprudel, welcher 59° R. heiss, fast mannsstark, in kurzen brausenden Stössen 3´ (früher 5–6´) hoch emporwallt. Sein Wasser ähnelt im Geschmacke einer dünnen Hühnersuppe. Gegenstände, welche längere Zeit im Sprudelwasser liegen, werden »inkrustirt«, d. h. von einer dünnen Steinrinde (Kalksinter) überzogen. Andere Quellen (40–50° R.) sind: der Theresienbrunnen, der Mühl-, Neu- und Bernhardsbrunnen, die Hygiea's-Quelle, der Schloss-, Markt- und Spitalbrunnen. Die Karlsbader Mineralwässer scheinen ein- und demselben Heerd zu entströmen; denn sämmtliche enthalten vorzugsweise Glaubersalz (50%) und daneben kohlensaures und salzsaures Natron und kohlensauren Kalk; auch beruht die Verschiedenheit ihrer Wirkungen weniger in den Mischungs- als in den Temperaturverhältnissen.

Mit grossem Vortheil werden die Karlsbader Quellen gegen Magen-, Leber-, Nieren- und Blasenleiden angewendet. Als Badegast soll man streng die vorgeschriebene Diät beobachten; als Wanderer nur vorsichtig von den Wässern kosten. Morgens von 6–8 Uhr, im Hochsommer schon von 5 Uhr an, ist Kurzeit. Da trinken die Badegäste von den verordneten Quellen und ergehen sich unter Musik in der Kolonade des Sprudels oder des Mühlbrunnens. Nachmittags wird auf der »Alten Wiese,« wo sich elegante Läden befinden, promenirt oder irgend ein Ausflug gemacht. In der Nähe (¼–¾ St.) liegen: Posthof, Freundschaftssaal, Panorama, Waldschloss, Dreikreuzberg, König Otto's Höhe und Hirschensprung; weiter (1–1½ St.) sind: Dorf Dallwitz, der Aberg, Hans Heiling's Felsen, Engelhaus und Pirkenhammer. – Göthe hat sich wiederholt in Karlsbad aufgehalten. – Karlsbader Beschlüsse 1819. –

Wer Karlsbad und Umgebung recht geniessen will, hat zwei Tage darauf zu verwenden.

2. Ueber Oberwiesenthal und Joachimsthal. – Von Annaberg nach Buchholz und dann im Sehmathale aufwärts durch die sauberen und netten Ortschaften: Sehma (1380 E.), Cranzahl (1293 E.) und Neudorf (1995 E.). Bis Cranzahl sieht man sich von der Annaberg-Weiperter Eisenbahn begleitet, welche hier aber mittelst hohen Viadukts von dem linken nach dem rechten Thalhang übersetzt, um in weitem Bogen – unter der Annaberg-Weiperter Strasse hin – den Flossgraben (s. S. 110) zu erreichen. Am Ende von Neudorf, unmittelbar vor der letzten Mühle, wendet man sich rechts über die Brücke und gelangt so auf den Vierensteig, welcher über das »rothe Vorwerk« nach Oberwiesenthal leitet. Nachdem man allda etwas gerastet hat, besucht man den Jungferngrund mit dem Goldborn und verschreitet dann zur Besteigung des Fichtelberges. In ¾ Stunden ist der mit einem Thurm gekrönte Gipfel erreicht. Die Aussicht hat mit der des Bärensteins Aehnlichkeit (s. S. 111), doch ist sie grossartiger und umfassender. Man überschaut das ganze Erzgebirge und einen grossen Theil des sächsischen Niederlandes bis zu den Rochlitzer und Hohburger Bergen (bei Wurzen); auch schweift der Blick nach S. W. in das Egerthal und die Gegend von Waldsassen und nach O. auf das böhmische Mittelgebirge, den Milleschauer und den Biliner Borzen, nach S. hin aber wird er durch den anliegenden Keilberg gehemmt. – Nach genossener Aussicht schlägt man den auf der Höhe des Fichtelberges hinlaufenden Weg ein und gelangt nach dem Gasthofe: »Neuhaus« an der Wiesenthal-Gottesgaber Strasse. Von hier hält man sich links nach dem bereits sichtbaren »Sonnenwirbel«, nimmt aus den dort befindlichen Häusern – sie sind die höchste (3500´) Ansiedelung im ganzen Erzgebirge – einen Führer mit und wendet sich nach der Spitze des Keilberges, welche, zumal wenn der ausgebrannte Thurm wieder hergestellt ist, eine wundervolle Aussicht auf das Böhmerland gewährt. – Vom Keilberg geht man zurück nach Gottesgabe und von da, die vielfachen Krümmungen der Chaussee auf einem betretenen Fusswege abschneidend, hinab nach dem an der Südseite des Gebirges gelegenen Joachimsthal, dem diesmaligen Stationsorte. – Am andern Morgen besucht man die Merkwürdigkeiten der Stadt und begiebt sich dann über Ober-Brand u. Schlackenwerth nach Karlsbad (s. S. 113).

Fichtelberg und Keilberg sind die höchsten Gipfel des Erzgebirges; jener ist 3708´, dieser 3812´ hoch. Am Fichtelberge entspringen vier Flüsse: das Schwarzwasser (Schwarzenberg), die Mittweida, die Zschopau und die Sehma. Dem Keilberge, welcher auf böhmisch Bartum, d. i. Bartholomäusberg, heisst, entquillt die an Weipert vorbeirinnende Pöhl (der Grenzbach). Die Abhänge beider Bergriesen sind meist mit prächtigen Wäldern bedeckt und bieten dem Botaniker eine reiche Ausbeute an Moosen und subalpinen Pflanzen.

Oberwiesenthal, Stadt, 2777´ ü. M., mit 2022 E. Treibt Klöppelei, Posamentenfabrikation und Nadlerei. Ist mehrmals, besonders 1851 und 1862, durch Brandunglück betroffen worden. Neue, schöne Kirche. – An Ober-Wiesenthal stösst Unterwiesenthal mit 870 E., thalabwärts liegt Hammer-Unterwiesenthal mit 687 E., und nur durch die Pöhl von Ober-Wiesenthal getrennt ist Böhmisch-Wiesenthal mit 1000 E.

Gottesgabe, höchstgelegene (3161´) und rauheste Stadt des Erzgebirges mit 1600 E. – Bergbau, Spitzenklöppelei und Tüllnäherei. – Der Ort ist von 1459–1547 sächsisch gewesen.

Joachimsthal, Stadt, 2218´ ü. M., mit 6000 E. Gehört zur sogenannten heiligen Familie der Bergstädte, von denen Marienberg und Jöhstadt nach Christi Eltern, Annaberg und Joachimsthal nach den Grosseltern benannt sind. – Beschäftigt sich mit Bergbau, Spitzenklöppelei u. Handschuhnäherei. – Sehenswerthe, ursprünglich protestantische Dekanatskirche mit Bildern – auf einem Altarblatte auch das Portrait Luthers – von Kranach u. Dürer. Um die Stadt herum noch vier Kapellen; auf dem Schlossberge Trümmer der Burg Freudenstein. – Zur Zeit der Reformation haben Matthesius als Pfarrer und Nik. Hermann als Kantor in Joachimsthal gewirkt. – Von dem Orte soll der Name »Thaler« (Joachimsthaler) herstammen.

XXII. Route. Von Karlsbad nach Eger.

Diese Route wird am vortheilhaftesten mit Dampfwagen zurückgelegt. Die Eisenbahn geht im Egerthale hinauf, hat interessante Dämme und Viadukte zu passiren und bietet, ausser auf den Fluss, angenehme Aussichten auf nahe Wälder und die fernen Höhen des Erzgebirges. Bei Elbogen (2500 E.) unterbricht man die Fahrt, um diese Stadt in Augenschein zu nehmen. Sie hat altersgraue Mauern, Zinnen und Thürme und ist höchst malerisch auf einem steilen Felsenvorsprung gelegen, der von der Eger in elbogenartiger Biegung umflossen wird. Das Schloss steht seit 870. Auf dem Rathhause zeigt man einen bei der Stadt niedergefallenen Meteorstein.[14] Sehenswerthe, von 1833–36 erbaute Kettenbrücke: 100´ hoch, 200´ lang mit einem Eisengewichte von 1200 Centnern.

An der nächsten Stadt, an Falkenau (2500 E.), fährt man am besten vorüber, denn ausser einer schönen Lage, deren schon Göthe gedenkt, indem er sagt: »es ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel hinter der Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer Garten in der Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne,« bietet sie wenig Bemerkenswerthes. Aber die Station Königsberg eignet sich wieder zum Absteigen, da man von hier aus die Probstei Maria-Kulm (vielbesuchter Wallfahrtsort mit guter Aussicht auf das Fichtelgebirge und die Gegend von Karlsbad) leicht erreichen kann. – In ununterbrochener Fahrt braucht man von Karlsbad bis Eger 2 Stunden. (II. Kl. 1 Fl. 79 Kr. III. Kl. 1 Fl. 8 Kr).

Eger, Stadt, am gleichnamigen Flusse, 1305´ ü. M., mit 13,000 E. Ehedem freie Reichsstadt; bis 1809 starke Festung. Im Stadthause (früher Pachhäbel'schen Hause) wurde Wallenstein am 25. Febr. 1634 durch den Irländer Deveroux mit einer Partisane erstochen, die man allda nebst einigen bezüglichen Gemälden noch zeigt. Auf der kaiserlichen Burg, an der nordwestlichen Seite der Stadt gelegen, waren kurz vorher die Freunde Wallensteins: Terzky, Illo, Kinsky und Neumann ermordet worden. Von dem Banketsaale, in welchem die That geschah, stehen nur noch einige Fensterbogen. Sonst enthält die Burg eine herrliche Doppelkapelle, welche im unteren Theil romanisch und im oberen Theile gothisch ausgeführt ist, und den schwarzen Thurm, welcher mit seinen Lavablöcken aus den Römerzeiten herstammen soll. – Von der Burg und von Krämlings Bastei treffliche Aussicht auf das Egerthal und dessen Umgebung.

XXIII. Route: Von Eger über Franzensbad nach Elster.

Von Eger kann man sich mit Eisenbahn nach Franzensbad begeben, viel lohnender aber ist es, den Weg dahin (2½ St.) zu Fuss zurückzulegen. Zu dem Ende geht man vom Ringe (Markte) nach der Kunstmühle, passirt zwei hintereinander liegende Stadtthore und wendet sich, rechts vom Egerflusse, einem Promenadenwege zu, der durch den Wald nach dem Siechenhause (Versorgungsanstalt und Jägerhaus mit Restauration) führt. Dieses bietet eine gute Aussicht auf die Stadt Eger und die dahinter liegenden Höhen und wird wegen seiner trefflichen Lage von den Franzensbader Kurgästen und den Bewohnern Egers viel besucht. Umfassender ist der Blick von der St. Anna-Kapelle, welche ¼ St. ob dem Siechenhause, links von der Chaussee nach Wunsiedel, gelegen ist. Hier sieht man Franzensbad und Mariakulm, sowie den Südabhang des Erzgebirges, ferner (nach Marienbad hin) die Königswarther Höhen und den Dillenberg und weiter rechts endlich das Fichtelgebirge mit dem Ochsenkopf, Schneeberg, Waldstein und der Kösseine. – Von der Kapelle zur Chaussee zurückgekehrt, wendet man sich links auf einem Waldpfade hinab zur Eger und überschreitet dieselbe auf einem Stege. Nun gelangt man nach dem Dorfe Stein und von diesem auf gut gehaltenem Wege nach dem Kammerbühle, einem erloschenen Vulkane, der sowohl wegen des Baues seines Kraters, als wegen der Schichtung und Beschaffenheit seiner Gesteine bei den Geologen (Göthe, Humboldt, Cüvier, Bonpland) in grossem Ansehen steht. – Vom Kammerbühl führt ein angenehmer Promenadenweg nach Franzensbad, dessen Sehenswürdigkeiten in wenig Stunden in Augenschein genommen sind. Endlich fährt man mit dem Dampfwagen bis Station Mühlhausen, von welcher Bad Elster bald erreicht wird.

Franzensbad, auf einer moorigen Hochebene, 1281´ ü. M., mit 90 Häusern, gehört zu den berühmten böhmischen Kurorten, hat aber wenig Naturschönheiten, für die man indess durch künstliche Anlage (Park, Loimannscher Park, Neue Anlagen) zu entschädigen gesucht hat. Seine Heilquellen (Franzensquelle, Salzquelle, Wiesenquelle, Neuquelle, Luisenquelle, kalter Sprudel) sind sämmtlich eisenhaltige Glaubersalzwässer mit starkem Gehalt an Kohlensäure und werden besonders zur Reinigung des Blutes und zur Belebung des Magens und der Schleimhäute verordnet. Ausgezeichnete Moorbäder. – Bei Besuch der Quellen und Wandelbahnen (vor der Franzensquelle und zwischen der Salz- und Luisenquelle) staunt man über die Pracht der Kaiserstrasse und der Morgenzeile, namentlich zeigen in Letzterer die Häuser und Läden eine Eleganz, wie sie wohl kaum in einem anderen Bade wiedergefunden wird. Im Park das von Schwanthaler modellirte Bronzestandbild des Kaisers Franz I., des Wohlthäters von Franzensbad.

Elster, besuchtester Kurort Sachsens, an der weissen Elster, 1464´ ü. M. Anmuthige Lage in einem von bewaldeten Höhen umsäumten Thalkessel. Geschmackvolle Häuser und Parkanlagen. Am Brunnenplatze das königliche Badegebäude und die durch Verkaufsgewölbe geschmückte Wandelbahn, welche in ihrer Mitte eine grosse Trinkhalle mit der Marien-, Königs- und Albertsquelle enthält. Hinter der Kolonade führen gut gehaltene Wege auf den Brunnenberg, während andere Spaziergänge im Thale fortleiten und auch den tempelartigen Ueberbau berühren, unter dem die Salz- und Johannisquelle liegen, welche durch eine zweite Wandelbahn mit der Moritzquelle verbunden sind. Die Quellen des Bades gehören zu den alkalisch-salinischen Eisenwässern und gleichen in ihren Wirkungen denen von Franzensbad. – Zu Ausflügen eignen sich in der Nähe, ausser Mühlhausen und dem Brunnenberg, das Bergschlösschen, die Schwedenschanze, Waidmannsruhe, der Friedrichstein, Carolaruh und Albertshöhe; etwas weiter (½–1 St.) das Dorf Grün mit der Drahtmühle und den Restaurationen: »Zum grünen Thal« und »Zum weissen Schwan« und nach Adorf zu die Wirthschaft: »Zur Ziegelei« und die Arnsgrüner Kuppe.

XIV. Route: Von Annaberg nach Schwarzenberg.

1. Ueber Scheibenberg und Raschau. – Von Annaberg nach Buchholz und hier rechts die alte Schlettauer Strasse hinaus nach Schlettau. Dieser Ort wird auf der Hauptstrasse fast durchschritten, bei der Kirche aber wendet man sich rechts, um auf einem Feldwege einen Bogen der Chaussee abzuschneiden und so etwas rascher nach Scheibenberg zu gelangen. Hier gute Gelegenheit zur Besteigung des gleichnamigen Basaltkegels, der ähnliche Aussicht wie der Bärenstein darbietet. Von der Stadt Scheibenberg immer auf der Strasse hinab in das Mittweidathal, in den sogen. Raschauer Grund, und durch die daselbst liegenden Dörfer und Grünstädtel nach Schwarzenberg. Man wandert hierbei 1½ St. lang zwischen Häusern, da die Ortschaften Oberscheibe, Unterscheibe, Markersbach, Mittweida und Raschau sich dicht an einander schliessen. Bei Bad Raschau nimmt die Mittweida die von Rittersgrün kommende Pöhla auf, während sie selbst bei Schwarzenberg in das Schwarzwasser fällt. – Zwischen Annaberg und Schwarzenberg täglich 3mal Postverbindung; Fahrgeld 15 Ngr.

Buchholz (s. R. XX. S. 103.)

Schlettau, Stadt an der obern Zschopau, 1754´ ü. M., mit 1231 E. Treibt Posamentirerei und Schuhmacherei und hat eine Flachsbereitungsanstalt.

Scheibenberg, Stadt am gleichnamigen Berg, 2094´ ü. M., mit 2231 E. Hatte früher viel Bergbau, dem es auch seine Gründung verdankt; treibt jetzt besonders Posamentenfabrikation u. Klöppelei.

Schwarzenberg[15], alte Bergstadt, auf einer Felsenrippe ob dem Schwarzwasser, 1406´ ü. M., mit 3259 E. Endpunkt der Obererzgebirgischen Eisenbahn. Hat ein altes, doch vielfach umgewandeltes Schloss, dessen Verliessthurm aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stammen mag. Einen guten Eindruck macht das vor der Stadt gelegene Bad Ottenstein (Wasserheilanstalt) mit seinen Felspartien und Promenaden. Nicht weit davon ist das Rettungshaus »Albert-Stift«. Die Stadt hat wiederholt, so noch 1824, von grossem Brandunglück zu leiden gehabt.

Die Gegend von Schwarzenberg ist ein Hauptquartier der sächsischen Eisenindustrie. Bei Bermsgrün, Erla und Crandorf, sowie bei Breitenbrunn, Grosspöhla und Rittersgrün treffliche Eisensteinlager und Verhüttung von Eisenerzen. Die Hohöfen, in denen das Feuer ein halbes Jahr nicht auszugehen pflegt, sind meist mit Giessereien, Hammer-, Walz- oder Drahtwerken verbunden. Die geschmolzene Eisenmasse wird aller 12 Stunden »abgestochen«, d. h. aus dem Hohofen abgelassen, und fliesst dann einem Feuerstrom gleich in trogartige Sandgräben, wo sie zu ungefügen Stücken, sogenannten »Gänzen«, erstarrt. Die Hammerschmiede sind derbe, kräftige Leute – ihr Körper scheint fest zu sein, gleich dem Eisen, das sie bearbeiten – und dabei voller Treuherzigkeit, wie die vielen über sie umgehenden Redensarten und Schwänke beweisen.

Durch die Eisenwerke ist eine besondere Industrie, die Blechlöffel-Fabrikation, hervorgerufen worden. Von den Orten Grünhain, Bernsbach[16], Lauter und namentlich Beierfeld werden jährlich gegen 300,000 Dutzend Löffel in mehr als 70 Sorten geliefert. Zunächst fertigt der »Plattenschmied« die Platten, d. h. ebene, spatelähnliche Eisenstücke, welche kaum im Groben den Umriss eines Löffels darstellen. Dann teuft der Löffelschmied (»Hohlmacher«) diese Platten aus, wozu er einen Ambos mit stählernen Modellen und verschiedene Teufhämmer gebraucht. Endlich werden die so entstandenen Löffel noch beschnitten, befeilt, gebeizt, gescheuert, verzinnt und polirt: in Allem hat ein Löffel, wenn er fein sein soll, 23mal durch die Hand zu gehen. – Zur Zeit des 7jährigen Krieges war dieser Industriezweig in der höchsten Blüthe: da wurden jährlich 18–20 Millionen Löffel fabricirt.

2. Ueber Elterlein und den Fürstenberg. – Von Annaberg nach Frohnau, in dem Dorfe aufwärts und beim Wegweiser rechts hinaus auf die Fahrstrasse nach Dörfel. Nach Ersteigung der vorliegenden Höhe eine prächtige Rückschau auf Annaberg und die dahinter liegenden Berge. In Dörfel über die Zschopau und dann durch das langgestreckte Hermannsdorf nach Elterlein. Von hier auf einem Fusssteige, erst Schwarzbach links und darnach Waschleite rechts lassend, nach dem Fürstenberge, an welchem den 8. Juli 1455 die Befreiung des Prinzen Albert stattfand. Zur Erinnerung an diese Begebenheit hat man 1822 über dem sog. Fürstenbrunnen einen Granitobelisk errichtet. – Im Walde brauchbare Marmorblöcke. – Unten bei dem Dörfchen Haide die Ruinen der von der Sage umrankten Dudels- – d. h. St. Oswaldskirche. Dem Fürstenberge gegenüber der »Graul« mit vielen Berg- und Hüttenwerken. – Zuletzt über Wildenau nach Schwarzenberg.

Elterlein, Stadt, 1919´ ü. M., mit 2307 E. Wahrscheinlich Geburtsort der Barbara Uttmann, der Erfinderin des Spitzenklöppelns.

3. Ueber Grünhain. – Wiederum nach Elterlein, von da aber auf den Ziegenberg und den noch weiter nordwestlich gelegenen Schatzenstein (2361´) und von diesem über Grünhain und Beierfeld (1245 E.), wo viele Löffelschmiede wohnen, nach Schwarzenberg.

Grünhain, Stadt, 1911´ ü. M. mit 1694 E. Von dem früheren, 1238 gestifteten und 1553 säkularisirten Benediktinerkloster stehen noch einige Mauern. Die Klosterbibliothek ist nach Leipzig und Jena, das Archiv nach Kadan gebracht worden. 1429 haben die Hussiten, 1525 die Bauern, 1547 die Kaiserlichen die Stadt geplündert.

XXV. Route: Von Oberwiesenthal nach Schwarzenberg.

1. Ueber Rittersgrün. – Man besteigt von Oberwiesenthal, gleich oberhalb der Stadt auf einem Fusswege, den Fichtelberg, geniesst die Aussicht und wendet sich dem Gasthause »Neuhaus« zu, um rechts von Gottesgabe die Fahrstrasse einzuschlagen, welche über Tellerhäuser und Ehrenzipfel nach Rittersgrün führt. Aechte Gebirgswanderung; oft ringsum Wald und weithin nichts als Wald! Auf der Höhe geht es durch dichten Tann', sobald der Weg sich senkt, unter schattigen Buchen hin; eine ziemliche Strecke vor Rittersgrün schäumt immer zur Seite der Pöhlbach (nicht zu verwechseln mit der Pöhla bei Königswalde), von Absatz zu Absatz sich stürzend. Das grosse, etwas zerstreut gebaute Dorf Rittersgrün (2500 E.) wird durchschritten und im Pöhlthal entlang bis Raschau (2297 E.) gegangen, wo der uns begleitende Bach sich mit der Mittweida vereinigt. Dabei berührt man das reizend gelegene, einem Schweizerdorf ähnliche Klobenstein und das durch seine Eisenindustrie bekannte Grosspöhla (1235 E.). In Raschau trifft man die Annaberg-Schwarzenberger Chaussee, auf welcher man über Grünstädtel die Stadt Schwarzenberg in einer Stunde erreicht.

2. Ueber die Crottendorfer Marmorbrüche und Markersbach. – Man besteigt von Wiesenthal wiederum den Fichtelberg, wendet sich aber dann (am besten mit Führer) dem »Reitsteig« zu, den man von dem Aussichtsthurm, mit der Richtung nach Grünhain hin, in ungefähr 10 Minuten erreicht. Auf dem Reitsteig geht man rechts fort, bis ein (in ¼ St.) breiterer Weg fast senkrecht auf ihn stösst. Dies ist der Hirschfalzer Weg, den man gleichfalls rechts verfolgt, um auf die alte Joachimsthaler Fahrstrasse zu kommen. Nunmehr geht es links auf der gewonnenen Strasse, immer im Holze, gegen 2 Stunden dahin. Prächtige Waldwanderung: viele Nebenwege und Schneissen, welche zu benachbarten Revieren, wie »Katzenstein«, »Erbisleite« und »Thalerhaid« führen, kreuzen die Strasse, beirren aber nicht. Bei der ersten Lichtung kann man links in das schöne Mittweidathal hinabsteigen, wir aber bleiben auf unserer Strasse, bis ein Wegweiser rechts nach den Crottendorfer Marmorbrüchen zeigt. Diese Brüche, zu Christian des I. und August des Starken Zeit so geschätzt, sind jetzt ziemlich vernachlässigt und werden erst wieder in Schwung kommen, wenn die Eisenbahn an sie heranreicht. Von den Marmorbrüchen begeben wir uns nach dem im Mittweidathal gelegenen Nitzschhammer und von diesem nach Markersbach, wo wir die Chaussee gewinnen, welche von Annaberg nach Schwarzenberg führt.

XXVI. Route: Von Schwarzenberg über Johanngeorgenstadt nach Wildenthal.

Der Weg von Schwarzenberg nach Johanngeorgenstadt geht durch das hochromantische Schwarzwasserthal und lässt sich mit Post, genussreicher aber zu Fuss zurücklegen. Zunächst kommt man nach Erla, wo sich grossartige Schmelzhütten mit Giesserei und Walzwerk befinden. Darnach berührt man Antonshütte und Breitenhof. Bald nach letzterem Ort macht das Wasser eine scharfe Wendung und lässt so die Reize des Thales vortheilhaft hervortreten. Später erweitert sich das Thal, worauf man rechts nach Johanngeorgenstadt hinaufsteigt, während die Strasse im Grunde weiter, am Schiesshaus vorüber, nach Wittigsthal führt. Nachdem man Stadt und Umgegend betrachtet hat, begiebt man sich über Steinbach nach der sog. Sauschwemme, um von da, auf angenehmer Waldstrasse, dem majestätischen Auersberg (3134´), dem dritthöchsten Berge Sachsens, einen Besuch zu machen. Auf dem Gipfel ein dem früheren Oberforstmeister v. Lindenau errichtetes Denkmal. Von dem vorhandenen Aussichtsthurm ein prächtiger Blick auf Böhmen, das Voigtland, die Muldengegend und das sächsische Niederland. Man sieht den Fichtel- und Keilberg mit den umliegenden Genossen, den Rochlitzer Berg, den Petersberg bei Halle, den Kuhberg bei Rothenkirchen, die Schnarrtanner Höhe, den Hirschberg bei Karlsfeld und den Spitzberg bei Friebus, sowie dazwischen viele Dörfer und Städte. In der Nähe dichtes Fichtengrün, allseitig Berg und Hang bedeckend. – Vom Auersberg geht man hinab nach Wildenthal (517 E.) und hat damit das Tagesziel erreicht.

Johanngeorgenstadt, Stadt am Fastenberge, ob der Vereinigung des Breitenbaches und Schwarzwassers, 2267´ ü. M., mit 2402 E. Verdankt seine Entstehung evangelischer Glaubenstreue und ist, die jüngste Stadt Sachsens, von böhmischen Exulanten (namentlich aus Platten und Gottesgabe) 1654 erbaut worden. Hatte früher viel Bergbau; treibt aber neuerer Zeit besonders Handschuhmacherei, Bandzäckchenfabrikation und Kunsttischlerei. In der Nähe interessante Felspartien, so die »Teufelskanzel«, der »Schneiderfels« und die »Hefenklöse«. Die Stadt wurde 1867 durch eine grosse Feuersbrunst betroffen, hat sich aber seitdem so ziemlich wieder emporgearbeitet.

XXVII. Route: Von Wildenthal über Graslitz und Markneukirchen nach Bad Elster. (2 Tage.)

Von Wildenthal geht man südlich auf der Strasse nach Weitersglashütte, betrachtet daselbst die wohleingerichtete Glasfabrik und wendet sich dann, die ursprüngliche Richtung beibehaltend, nach dem böhmischen Orte Sauersack, der wegen der öden Lage und Armseligkeit seiner Häuser einen traurigen Eindruck macht. Bald kommt man jedoch wieder in angenehmere Gegend. Von Sauersack steigt man nämlich westlich in ein prächtiges Thal hinab – eine darin gelegene Försterei erinnert so recht an Wald und Waldeseinsamkeit – und geht dann, in erquicklicher Landschaft, einem munteren Bach entlang, über Nancy und Silberbach nach Graslitz, um daselbst Nachtquartier zu nehmen. – Am andern Morgen begiebt man sich über Lauterbach nach Kirchberg, besteigt den in der Nähe liegenden »hohen Stein«, welcher eine gute Aussicht darbietet, und wendet sich, nach Sachsen wieder hineinwandernd, durch Eubabrunn (1111 E.) und Erlbach (202 E.) nach Markneukirchen, dem Hauptort der erzgebirgischen Instrumentenfabrikation. Von hier fährt man mit Post (Fahrgeld 4 Ngr.) nach Adorf, von wo Bad Elster in einem Stündchen erreicht wird.

Graslitz, Stadt, an der Vereinigung des Schwader- und Silberbaches mit der Zwota, 1506´ ü. M. mit 6000 E. Hat viel Industrie: Woll- und Baumwollenweberei, Kattundruckerei, Kammgarnspinnerei und besonders Fabrikation musikalischer Instrumente (Holzblasinstrumente). Schöne Pfarrkirche mit interessantem Hochaltar. Einen Besuch verdient der benachbarte Hausberg, wo sich noch Spuren eines alten Bergschlosses befinden.

Markneukirchen, Stadt an der grossen Elster, 1575´ ü. M. mit 4000 E. Fabrikationsort für einfache und übersponnene Darmsaiten[17], für alle Sorten Streich- und Blasinstrumente und für Mund- und Ziehharmonika's. – Engelhardt sagt: »Nach den Klängen Markneukirchner Instrumente marschiren die Regimenter aller Staaten, tanzen die Balldamen aller Erdtheile, und wie sie vielen Kindern als ohrzerreissendes Spielwerk dienen, so ist andererseits kein Concert ohne sie denkbar.« Von Markneukirchen hat sich die Instrumentenfabrikation auf die umliegenden Ortschaften, wie Adorf, Schöneck, Klingenthal, Zwota und Erlbach verbreitet. – In der Umgebung Markneukirchen's zeichnet sich der Galgenberg durch eine gute Aussicht aus.

Adorf, Stadt an der Vereinigung der kleinen und grossen Elster, 1460´ ü. M. mit 3164 E. Hat zur Hebung der Instrumentenfabrikation eine besondere Musikschule. – In der Nähe die Dörfer Marienei und Würschnitz; in jenen ist 1803 der Dichter J. Mosen geboren worden und in diesem hat Ende des 17. Jahrhunderts ein Zimmergesell (Hans Wolf Löw-Kummer) die ersten Kartoffeln angebaut.

Bad Elster: s. R. XXIII. S. 120.

XXVIII. Route: Von Wildenthal nach Karlsfeld, Klingenthal, Schöneck und Falkenstein. (2 Tage.)

Von Wildenthal geht man, den Brückenberg rechts lassend, nach Karlsfeld und gelangt so in den Mittelpunkt des »sächsischen Sibiriens«, welches aber nicht so rauh und kalt ist, als angenommen wird. Ausser der kuppelartig gebauten Kirche, welche leicht in die Augen fällt, betrachtet man in Karlsfeld die Glas- und Uhrenfabrikation und wendet sich dann über die Wilzschhäuser, an einem netten Forsthause vorbei, nach Rautenkranz (347 E.), wo sich bedeutende Eisenwerke und eine Musterbretmühle befinden. In Rautenkrauz hat man die obere Muldengegend erreicht, welche wegen ihres Quellenreichthums und ihres trefflichen Tannenbestandes gern besucht wird. Von Rautenkranz wandert man über Tannebergsthal (341 E.), an den Lattermann'schen Eisenwerken und den Teichhäusern vorüber, nach Steindöbra (330 E.), wobei man zur Rechten den Schneckenstein (2690´) sieht, der als Fundort für weingelbe Topase bekannt ist. Von Steindöbra führt der Weg, eine gute Ansicht des originell und zerstreut liegenden Sachsenberg (2313 E.) gestattend, über Brundöbra (1739 E.) nach Klingenthal, dem diesmaligen Stationsorte. – Am nächsten Morgen nimmt man in Klingenthal die Instrumentenfabrikation in Augenschein und geht dann über Hammerwerk Zwotenthal nach Kottenheide (46 E.), um von da einen Ausflug nach dem Muldenteich zu machen, der als Ursprungsort der (weissen) Mulde Interesse hat. Darnach begiebt man sich, immer durch trefflichen Forst wandernd, über Tannenhaus nach Schöneck, wo mitten in der Stadt ein Fels (»der Stein«) steht, der eine gute Aussicht auf das Voigtland, sowie nach den reussischen Landen, nach Baiern und Böhmen gewährt. Nachmittags fährt man mit Post, fast ununterbrochen durch Nadelwald, über Hofmeister, Neudörfel und Poppengrün nach Falkenstein, womit das Tagesziel gewonnen ist.

Karlsfeld, Flecken an der Wilzsch, mit 1153 E. Der Ort ist dadurch entstanden, dass der Grubenherr Schnorr aus Schneeberg 1678 in der damaligen Waldwildniss – wahrscheinlich billiger Kohlen wegen – Eisenwerke anlegte und dadurch Ansiedler herbeizog. Die Kirche, für welche die Peterskirche als eine Art Muster gedient haben mag, ist 1688, gleichfalls von Schnorr, erbaut worden. Weil 1823 die Eisenwerke zum Erliegen kamen, so führte man 1830 die Schwarzwälder Uhrenfabrikation ein, die bis heute schwungvoll als Hausindustrie betrieben wird. Ausserdem treibt man Tischlerei, Nähterei und etwas Glasfabrikation. – Von Karlsfeld hat die Familie Schnorr von Carolsfeld ihren Namen.

Klingenthal, Flecken an der Zwota, mit 2318 E. Fertigt besonders Conzertino's, Zieh- und Mundharmonika's und hat zur Vervollkommnung der Instrumentenfabrikation eine Musikschule.

Schöneck, Stadt, 2176´ ü. M. mit 2895 E. War sonst ein Freistädtchen, weil es im Jahre 1370 von Karl IV. allerlei Begnadigungen erhalten hatte, wofür es dem Landesherrn bei jeweiligem Besuch 5 ℔ schwäbischer Heller überreichen musste. 1569 kam Schöneck mit dem Voigtlande an Kursachsen. Nach Einführung der sächsischen Konstitution sind die Vorrechte des Orts beseitigt worden. Schöneck lebt besonders von Instrumentenfabrikation, Fabrikation Plauenscher Waaren (Eingelesenes und Gemodeltes), Waldarbeit und Viehzucht. Im Jahre 1856 brannte der Ort fast völlig ab.

Falkenstein, Stadt an der Göltzsch, 1751´ ü. M., mit 4881 E. – Hauptort für die Fabrikation »brochirter« Gardinen. – In der Nähe der Löcherstein, durch welchen man zweimal den Himmel sieht.

XXIX. Route: Von Schwarzenberg nach Eibenstock.

1. Ueber Jägerhaus und Sosa. – Man steigt von Schwarzenberg auf der Eibenstocker Strasse aus dem Schwarzwasserthale hinaus und gelangt, Bermsgrün links lassend, nach dem sogenannten Jägerhaus, bei welchem sich unsere Strasse mit der Schneeberg-Johanngeorgenstädter Strasse kreuzt. Vom Jägerhaus, das in der Nähe des Ochsenkopfes gelegen ist, geht es anfangs allmälig, dann rascher abwärts nach dem Dorfe Sosa (1780 E.), wo sich Fusssteig und Fahrstrasse nach Eibenstock von einander trennen. Während die Chaussee über Unterblauenthal (286 E.) nach genannter Stadt führt, leitet der Fussweg hinab zum »Zimmersacher«, einem an der Bockau gelegenen Weiler, und von diesem eine sehr steile Anhöhe, »die Kniebreche«, hinaus, um dann fast eben Eibenstock erreichen zu lassen.

Eibenstock, Stadt auf einem wellenförmigen Plateau, 1975´ ü. M., mit 6362 E. Ist Hauptsitz des Tambourirens, d. h. des Stickens mit der Häkelnadel, welches Clara Angermann vor ungefähr hundert Jahren (1775) daselbst eingeführt hat. Bei dieser Art zu sticken wird das zu verzierende Gewebe (Tüll, Mull oder Musselin) auf einfachem, sägebockartigem Gestelle ausgespannt und von geschickter Frauenhand mit Fäden so durchflochten, dass diese Sterne, Blumen, Ranken u. s. w. in Weiss oder Bunt darstellen. Kinder werden sodann gebraucht, den überflüssigen Maschengrund hinwegzuschneiden. – Um Eibenstock herum, sowie in dem westlich sich anschliessenden Voigtlande regiert überhaupt der Stickrahmen, wie in anderen erzgebirgischen Orten der Klöppelsack. – Von dem grossen Brandunglück des Jahres 1856 hat sich die Stadt völlig erholt und fehlt ihr zu weiterem Aufschwung nichts, als dass bis in ihre Nähe endlich die von den Einwohnern schon längst begehrte Eisenbahn geführt werde.[18]

2. Ueber Aue und Bockau. – Von Schwarzenberg fährt man mit dem Dampfwagen an den Dörfern Sachsenfeld (600 E.) und Lauter (2684 E.) und dem Blaufarbenwerke Nieder-Pfannenstiel vorüber nach dem Städtchen Aue, welches an der Vereinigung des Schwarzwasser- und Muldenthales reizend gelegen ist. In der Stadt wollen mehrere wichtige Etablissements in Augenschein genommen sein und in der Umgebung verdienen einen Besuch das Dorf Zelle (979 E.) mit Klösterlein, dessen Namen von dem früheren Augustinerkloster Neuzelle (im Gegensatz zu Altzelle bei Nossen) herstammt, und die Zeche »Andreas«, welche bis vor Kurzem die Masse zu dem Meissner Porzellan geliefert hat, nunmehr aber erschöpft ist. Wenn man diesen Ansprüchen genügt hat, beginnt man die Wanderung nach Bockau. Der Weg führt in dem romantischen Muldenthale aufwärts, berührt die Argentanfabrik und Schmelzhütte, geht an der Hirschteufe und dem Teufelswehr vorüber, mitten durch den Wald, immer am Flusse hinauf und stösst zuletzt auf die bedeckte Muldenbrücke, welche – rechts unten erblickt man das Schindler'sche Blaufarbenwerk – nach dem links gelegenen Bockau hinüber leitet. Von Bockau begiebt man sich über Unterblauenthal nach Eibenstock.

Aue, Stadt an der Mündung des Schwarzwassers in die Mulde, 1062´ ü. M., mit 2040 E. Die berühmte Tausend-Gülden-Stube ist 1859 durch Feuer leider zerstört worden. Im Auerhammer hat Dr. Geitner zur Herstellung des von ihm erfundenen Argentans eine besondere Fabrik errichtet.

Bockau, grösstes Arzneidorf Sachsens, mit 1894 E. Hatte früher viel Laboranten, welche Räucher- und Zahnpulver, Pflaster, Pillen, Tropfen, Liquor, »Stockdumm«, Karmelitergeist, Universalbalsam und namentlich Schneeberger Schnupftabak fabrizirten und durch Hausirer mit sogen. Buckelapotheken im Lande vertreiben liessen. Seit Verschärfung der Medizinalpolizei ist das eigentliche Arzneigeschäft in Verfall gekommen, doch baut der Ort noch allerlei Heilpflanzen, wie Angelikawurzel (jährlich 1000 Centner), Baldrian, Rhabarber und Huflattich, auch bereitet er noch manche von der Polizei nicht beanstandete Mittel, wie allein 20,000 Schachteln Schneeberger Schnupftabak.

3. Ueber Niederschlema und Schneeberg. – Von Schwarzenberg mit der Eisenbahn über Lauter und Aue nach Niederschlema, um die daneben gelegenen Blaufarbenwerke, die bedeutendsten Sachsens, ja Deutschlands, in Augenschein zu nehmen. Genannte Werke fertigen aus dem Kobalt eine prächtige blaue Farbe, welche je nach der Nuancirung Smalte, Zaffer, Safflor oder Eschel genannt wird. Die Bereitung dieses Farbestoffs – anfangs hiess er das blaue Wunder – soll zu Anfang des 16. Jahrhunderts durch den Franken Weydenhammer aufgebracht und einige Jahrzehnte darnach durch den böhmischen Glasmacher Schürer verbessert worden sein. Ehe der Kobalt zur Farbengewinnung gebraucht werden konnte, war er wegen seiner üblen Eigenschaften bei den Hüttenleuten als »Silberräuber« und als Berggeist »Kobel« verrufen und wurde als nutzlos auf die Halden gestürzt. – Von Schlema bringt uns der Dampfwagen in wenig Minuten nach der angesehenen Bergstadt Schneeberg, deren Umgebung, Marktplatz und Kirche Beachtung verdienen. Später fahren wir mit Post über das benachbarte Neustädtel, über Zschorlau, Burkhardtsgrün und Sachsengut nach Eibenstock.

Schneeberg, Stadt, 1456´ ü. M. mit 8000 E. Verdankt seine Gründung – sie geschah 1477 – dem Bergbau, da man 1471 nicht weit von der jetzigen Hauptkirche mächtige Silberadern erschürft hatte. Am ergiebigsten war die Georgenzeche, in welcher Herzog Albrecht der Beherzte (April 1477) an einer über 400 Centner schweren Erzstufe gespeist haben soll. Auch heute wird noch etwas Bergbau getrieben und erhalten die Gruben nach wie vor ihr Aufschlagwasser aus dem bei Neustädtel gelegenen Filzteiche. Dieser sprengte 1783 die Dämme und richtete dadurch in Zschorlau und Auerhammer grosses Unheil an. – Hauptbeschäftigung in Schneeberg ist dermalen Spitzenklöppelei und Weissstickerei, wobei indess letztere das Uebergewicht zu erlangen scheint. – Die Stadtkirche, die grösste protestantische Kirche Sachsens, ist im gothischen Style erbaut und enthält am Altar das umfangreichste Gemälde von Kranach dem Aelteren. Auf dem Thurme befindet sich eine 159 Centner schwere Glocke, die sog. Donnerglocke. – Einen Besuch verdient wegen der schönen Aussicht »Herders Ruhe« am Glössberge.

XXX. Route: Von Eibenstock über Schönhaide und Auerbach nach Lengenfeld.

Von Eibenstock geht man zunächst nach dem an der Mulde gelegenen Schönhaider Hammer und von da nach Schönhaide (4704 E.), dem grössten Dorfe des westlichen Erzgebirges. Der Ort ist über eine Stunde lang und wird, da er sich eine Berglehne hinanzieht, weithin gesehen. Neben der Weissstickerei trifft man hier noch zwei eigenartige Erwerbszweige: nämlich Bürstenbinderei und Blechwaarenfabrikation. – Der Weitermarsch führt über Schnarrtanne (593 E.) und die Schnarrtanner Höhe, welche eine prächtige Aussicht auf das Voigtland gewährt, nach Auerbach. Bei Auerbach befindet man sich im Bezirke des Pech- und Russhandels, für welchen besonders zwei Walddörfer, Beerheide und Brunn, das Material liefern. Von Auerbach geht man über Rodewisch (3386 E.), wo sich Sachsens einziges Messingwerk befindet, nach Lengenfeld und hat damit das Tagesziel erreicht.

Schönhaide, stadtähnliches Dorf mit 4704 E. Sitz der Pleinfabrikation, d. h. der Tambourirstickerei nach fortlaufenden, nicht abgezählten Mustern. Ferner wird die Verfertigung von Bürsten und Pinseln schwunghaft betrieben, so dass manche Geschäfte 100 Sorten Pinsel, Bürsten, Borstwische und Borstbesen führen. Endlich liefern Blecharbeiter allerlei Küchengeräthe, dann Ofenröhren, Giesskannen, Kuchenbleche u. s. w. – Die Schönhaider Bürstenbinder gelten für das lustigste Völkchen des ganzen Erzgebirges.

Auerbach, Stadt an der Göltzsch, 1417´ ü. M. mit 4477 E. Beschäftigt sich mit Weberei und Fertigung genadelter Mulls und gestickter baumwollener Waaren.

Notes in this chapter

Note 1 · Er ist meist das Ziel, »wenn«, wie es scherzhaft heisst, »der Dresdener in die Bombluth geht«, und wird von der Residenz aus überhaupt viel Note 2 · Teplitz kommt von teply = warm und heisst etwa Warmbad.Note 3 · Aus Scharfenstein stammte der vielgenannte Wildschütz Stülpner.Note 4 · Von einer Bauernfrau, Gewerkin bei »Himmlisch Heer«, wird erzählt, dass sie sich täglich in theurem Weine gebadet habe.Note 5 · Ueber Adam Riese und dessen »Coss« vergl. die Programme der Annaberger Realschule von 1855 u. 1860.Note 6 · Ein Grenzstein aus jener Zeit ist noch an dem alten Wege von Königswalde nach Buchholz, zwischen der Weiperter Chaussee und dem HimmlischheeNote 7 · Der Flossgraben ist 1564–66 von dem Annaberger Rathsherrn Georg Oehder, einem Schwager Melanchthons, abgemessen und angelegt worden. Fast inNote 8 · Die aufgefundene Masse wog 276 Pfd.; der grösste Theil davon ist nach Prag und Wien gebracht worden; das elbogner Stück hält 36½ Pfd.Note 9 · Zur Zeit des Prinzenraubes war Schwarzenberg noch böhmisch; erst 1459, bei Vermählung Albrechts mit Sidonie von Böhmen, fiel es an die Mark Note 10 · Bernsbach bereitet auch Feuerschwamm, wozu das Rohmaterial aus den Karpathen bezogen wird.Note 11 · Jährlich werden wohl 100,000 Schock Darmsaiten geliefert, wozu das Material allerorts her, besonders aus Ungarn und Dänemark, bezogen wird.Note 12 · Neueren Nachrichten zufolge wird in nächster Zeit von einer Privatgesellschaft oder dem Staate die Eisenbahn von Aue nach Jägersgrün gebaut
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