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Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des Sächsischen Obererzgebirges (Zweites Heft)

Unterblauenthal

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besuchen, welches ein gewisser D. Plawe aus Leipzig vor Jahrhunderten zu einem Hammerwerk erbaute.

Blauenthal
Blauenthal

N. d. Nat. v. F. König.

Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg.

BLAUENTHAL

Es kann sein, daß damals dieses zwischen schroffe Granitberge eingebettete wunderliebliche Thal grausenhaft wild und wenig einladend für eine Ansiedelung gewesen ist; allein die damalige Zeit hatte auch die Erziehungsweisen nicht, durch welche der Sinn für Naturschönheiten angeregt und dafür empfänglich gemacht wird. Dieses Hammerwerk besitzt gegenwärtig Herr Reichel aus Leipzig, von welchem wir den Reichelschen Garten kennen, und unser Blauenthal ist somit in die rechten Hände gekommen, welche das Nützliche mit dem Schönen zu vereinigen wissen. Um die hübsche Villa – hier das Herrnhaus genannt, wie auf allen Hammerwerken – liegen anmuthige Gärten und Gewächshäuser, fleißig bearbeitete Felder dehnen sich über hohe Berge hinauf, und nützliche Bäume schießen an Wegen, Ecken und Winkeln empor, die Parthien annehmlicher zu machen.

Die große Bockau eilt rauschend aus ihrer Felsenschlucht heraus, dreht hastig an dem Räderwerk des Hohofens und der Mühle und eilt der Mulde zu, an deren Gewand sie sich hängt und mit ihr, anständigen Wandels, kosend und sorgenlos dahin wallet, wie ein Sterblicher, der die Schicksale seiner Zukunft nicht kennt. Kleine Tagewässer und Quellen steigen von hohen Bergen hernieder, wässern den Blumenschmelz der Wiesen und Berggehänge, wachsen unterwegs, bis sie die Ufer der Bockau und Mulde erreicht haben, über welche sie sich überkugelnd werfen, um ihr Fortun frühzeitig in der Welt zu suchen. Noch andere kristallhelle Gewässer, in Verhätschelei herangezogen, weichen nicht leicht von ihrer Heimath, und sollten sie zu Bockbier gekocht werden. Die Nacht verwandelt dieses herrliche Eisenwerk in ein Feenreich: In Finsterniß gehüllte Gegenstände werden durch das pausenartige Aufzucken der Gichtflamme erhellet, wie von fernem Wetterleuchten; den weit aufragenden Schornsteinen auf den Frisch- und Zainhütten entströmt garbenförmig glühende Lösche zum Spiel der Winde, und die riesigen Hämmer tosen durch die Nacht unter Heulen und Pfeifen des Gebläses. Dem Unkundigen ist es zu verzeihen, wenn er in nächtlichen Stunden derartige Erscheinungen aus der Ferne sieht, wenn er solche für die Wehen einer im Anzuge begriffenen Eruption oder eines brennenden Schwefellagers in der Solfatara bei Neapel zu erklären gemeinet ist.

Am östlichen Abhange der Spitzleithe, welcher aus schönen Granit zusammengesetzt ist, dessen fleischrother Feldspath ein herrliches Gemenge bildet, welches für architektonische Zwecke benutzt werden sollte, liegt ein sehr alter Eisensteinbergbau, welcher noch im Umtriebe steht; die Mulde fließt an seinem Fuße hin und hat sich ihr Bette tiefer in die Gebirgsmassen eingegraben, als bei Blauenthal. An beiden Ufern hat sich der Granit in dicken Ballen aufgespeichert, als sollten diese verladen und zu Wasser verfrachtet werden; besonders nimmt sich der Weinstock (eigentlich der Windischknok) wunderschön aus. Alles ist in dunkles Fichtengrün gehüllt, in und auf welchem die Sänger des Waldes ihre Lieder der Einsamkeit flöten. Inmitten dieser Thalung liegt das Schindlersche Blaufarbenwerk, wozu Erasmus Schindler am 7. September 1650 landesherrliche Concession erhielt und das von ihm den Namen trägt. Hier giebt es keine menschliche Nachbarschaft, als die, welche zum Umtriebe des Werkes gehören, und der Rechenwärter an der Mulde da, wo der Schneeberger Flößgraben seinen Anfang nimmt. Hier schwebt auch eine überbaute hölzerne Brücke hoch über dem Fluß, durch dessen Felsen am rechten Ufer ein Weg zur Durchfuhre nach Bockau gesprengt werden mußte , was eben keine leichte Aufgabe gewesen sein mag. Von hier aus, etwa 1½ Stunde Wegs rückwärts über Unterblauenthal erreicht man

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