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Vergißmeinnicht

Zweiter Abschnitt.

Reading edition

Reisen von Schandau nach verschiedenen Gegenden der sächsischen Schweiz und der Gränzgebiete.

Nach dem Plane, dem dieser Wegweiser folgt, vereinigen wir nun die Beschreibungen derjenigen Gegenden des Gebirglandes, welche bei einem längern Aufenthalte in Schandau bequem auf einzelnen Wanderungen von hier besucht werden können. Wenn auch die Mehrzahl der Reisenden diese Gegenden seltner berührt, so können doch diejenigen, welche der, im vorigen Abschnitte vorgezeichneten Hauptrichtung folgen, die meisten der anzugebenden Reisen, mit Ausnahme einiger nach dem Gränzlande gerichteten, an jene Linie knüpfen, wenn ihre Wanderung das ganze Bergland umfassen soll. Wir werden dazu in der Folge, wie in der vorhergehenden Uebersicht geschehen ist, Anleitung geben, so oft sich Gelegenheit findet. Die vorgeschlagenen Wanderungen sind so gewählt, daß die meisten, den Rückweg nach Schandau mit gerechnet, höchstens eine Tagereise fodern.

I. Reise durch den tiefen Grund nach dem Brand, Hohnstein und Stolpen.

Wir gehen abwärts an der Elbe nach Wendischfähre, das seine Entstehung und seinen Nahmen der Fähre verdankt, die hier vor Zeiten angelegt wurde, um die Wallfahrten der oberlausitzischen Wenden zu einem Wunderbilde in der Kirche zu Papstdorf zu erleichtern. Am Lachsbach (s. oben S. 44.) hinauf wandernd, folgen wir eine Zeitlang dem Wege, den wir auf der Reise von Rathewalde nach Schandau berührt haben, bis zur Porschdorfer Mühle, oberhalb welcher ein Lachsfang angelegt ist. Die Lachse, die aus der Elbe in die Bäche hinauf gehen, stoßen hier auf ein hohes, mit spitzigen Hölzern umzäuntes Wehr, von welchem sie, bei dem Versuche es zu überspringen, zurück prallen, worauf sie dann an einer unbewaffneten Stelle in ein am Wehr angebrachtes Behältniß gehen. Die jungen Lachskunzen bleiben drei bis vier Jahre in den Bächen, und gehen dann die Elbe hinab. Von den, in den Bächen zuweilen bis Hohnstein und Sebnitz hinaufsteigenden Lachsen werden im Herbste mehre in den Mühlgraben bei Hohnstein gesetzt, während des Laichens bewacht, und nachher mit Gabeln heraus gestochen. Seit der Anlage des Lachsfangs bei Dessau sind jedoch die Lachse in dem sächsischen Theile des Elbgebietes seltner geworden.

Nicht weit von dem Lachsfange öffnet sich rechts der grüne Ochelgrund, aus welchem die Sebnitz herab kommt, während wir links einen Blick in das heitere Thal werfen, aus welchem die Polenz hervor strömt, um sich mit jenem Bache zu vereinigen. Nach einer kurzen Wanderung stehen wie an dem Eingange eines Felsenthales, welches der

tiefe Grund

genannt wird, eines der schönsten Thäler des Gebirglandes, das seine wilden Reize eben so herrlich entfaltet, wenn wir von Hohnstein hinab, als von Schandau hinauf wandern. Bald erhebt sich links von der Fahrstraße der Frynsberg, auf welchem sich eine große Höhle öffnet. Der Weg läuft längs dem hohen Uferrande eines Baches, der meist unter dunkeln Baumgruppen verborgen, oder zwischen bemoosten Felsenstücken fortrauscht. Das Thal wird enger, und die nackten Felsenmassen zeigen sich, wenn sie bei den Windungen des Thales uns bald auf allen Seiten einschließen, in ihrer ernsten Pracht, bald furchtbar überhangend, bald in seltsamen Gestalten mauerartig empor steigend, oder Trümmern alter Vesten und Warten ähnlich, aus den Wolken herabschauend. Ueberall sind die grauen Sandsteinklippen mit zerstreuten Fichten, Tannen, Buchen und Birken bekleidet, die aus Spalten hervor wachsen, oder von den Zinnen der Felsen herab winken, deren Stirne oft mit gelbem Moos, Waldwinden und den Wedeln der Farrenkräuter mahlerisch geschmückt ist. — Eine Sense, in eine Felsenwand eingehauen, deutet die Ueberlieferung als das Andenken eines Zweikampfes, wozu zwei junge Landleute, die beide um ein Mädchen warben, sich herausfoderten, und auf einer Stelle in der Nähe, die ein Kreuz und die Jahrzahl 1699 bezeichnen, soll der gefallene Nebenbuhler begraben liegen. Nicht weit von hier stürzt der Waizdorfer Bach aus einer, von Felsenblöcken gebildeten finstern Höhle, über eine moosige Wand herab und eilt dem Grundbach entgegen, der hier gleichfalls einen Wasserfall bildet.

Links vom Wege fällt in den tiefen Grund, vom steilen Forstberge eine Straße, die uns auf den

Brand

führt, der 3 Viertelstunden von Hohnstein liegt. Näher aber ist ein neuerlich angelegter Weg, der sich unmittelbar vom Brand zwischen hohen Felsenwänden in den tiefen Grund hinab windet, und für kundige Wanderer, selbst für Frauen bequem ist. Das südlich ausspringende Felsenhorn auf dem steilen Rande des Polenzthales, worauf wir stehen, hat seinen Nahmen von einem ehemahligen Waldbrande. Der Reichthum der Landschaft, die wir hier überschauen, macht diesen Standpunkt zu einem der anziehendsten in dem Berglande. Unser Blick schweift über die benachbarten Felsengestalten, zu dem Königstein und seinen Nachbarn hinüber. Pirna und Wehlen blicken aus dem Kranze einer fröhlichen Landschaft herauf. Der Rosenberg, über den Schrammstein hervor ragend, schließt den Kreis. Die blauen Rücken des Erzgebirges dämmern am Himmelsrande. Den Zschirnstein erblicken wir kaum von irgend einem andern Standpunkte so herrlich als von dieser Höhe. Der Polenzbach zieht sich durch das tiefe Thal, die Elbe aber zeigt uns nur hier und da einen glänzenden Bogen, zumahl auf einem der günstigsten Standpunkte, wo wir die Felsen bei Rathen erblicken, und das freundliche Wehlen hervor schaut. Ueber Königstein und Pirna zieht ein, mit zahllosen Dörfern bedecktes Gelände sich nach dem Hintergrunde, wo die Höhen des Erzgebirges an die böhmischen Gebirge sich anschließen, welche, obgleich weit von einander getrennt, von diesem Standpunkte wie eine zusammenhangende Kette erscheinen.

Mehre Bänke und ein Obdach in einer Rindenhütte machen diesen Ruheplatz seit einigen Jahren noch angenehmer, und man hat sogar die Höhlung eines Felsens in eine Küche umgewandelt, um den Reisenden Gelegenheit zu geben, sich eine Erfrischung zu bereiten.

Wir gehen von hier über die Hochebene des Vorder- und Hinterforstes nach

Hohnstein,

wohin diejenigen Reisenden, die den Brand nicht besucht haben, aus der Fortsetzung des Weges durch den tiefen Grund über die Grundmühle gekommen sind. Das Städtchen liegt mit seinem Felsenschlosse auf einem Bergrücken östlich von der Polenz, und hat gegen 800 Einwohner, die sich von Weberei, Flachsspinnen und Landwirthschaft nähren. Das Schloß, das auf einem abgesonderten Felsen liegt, ist mit der Stadt durch eine steinerne Brücke verbunden. Die Veste, gewiß so alt, als die Burg Rathen, und vielleicht gegen Ende des 11ten Jahrhunderts zuerst angelegt, war wenigstens schon im 14ten Jahrhunderte der Sitz der mächtigen Edlen Birk oder Berk von Duba. Dieses Geschlecht erwarb seit dem 11ten Jahrhunderte ansehnliche Besitzungen in Böhmen, von der Elbe bis zum Riesengebirge. Die mächtigste Linie besaß auch das Schloß Leipa in Böhmen, wovon sie den Beinahmen führte, und dieser gehörte nach urkundlichen Beweisen schon 1353 auch Hohnstein. Um das Jahr 1444 kam Hohnstein unter die Obergewalt des Kurfürsten von Sachsen, Friedrichs des Sanftmüthigen, und noch vor Ende des 15ten Jahrhunderts hörte die Herrschaft des Hauses Birk von Duba auf, ob durch Kauf oder Tausch ist ungewiß. Das meißnische Geschlecht von Schleinitz, dem auch die benachbarten böhmischen Herrschaften Tollenstein, Schluckenau und Hainsbach und viele Güter in den Lausitzen gehörten, besaß Hohnstein, bis es 1523 an die Besitzer der Herrschaft Wehlen, die Herren von Schönburg, kam, die endlich 1543 beide Besitzungen an den Herzog Moritz von Sachsen vertauschten, der ihnen einen Theil der jetzigen Schönburgischen Herrschaften dafür überließ. Hohnstein wurde der Hauptort eines landesherrlichen Amtes, mit welchem Lohmen vereinigt ward.[5]

Das Schloß ist auf allen Seiten von sehr tiefen Abgründen umgeben, auf deren Wänden die Burg sich erhebt, deren veste Mauern im dreißigjährigen Kriege allen Angriffen der Kaiserlichen und der Schweden trotzten. Das erste Gebäude, worein wir treten, ist das mittle Schloß, das im Jahre 1620 durch einen Blitzstrahl größtentheils zerstört wurde, und nur noch einige bewohnte Räume enthält. Im Thurme ist ein altes Staatsgefängniß. Wir verweilen in einem, auf dem nahen Felsen angelegten Gärtchen, wo wir in die Tiefe des Bärgartens und der angränzenden Felsenschluchten hinab sehen. Dem mittlen Schlosse gegenüber liegt das neue, das der Justizamtmann bewohnt. Ein langer und breiter Felsengang führt uns in einen, mit alten Wirthschaftgebäuden, Gefängnissen und Trümmern umgebenen Hof. Durch eine verfallene Burgmauer treten wir auf einen Felsenvorsprung, der ein freundliches Gärtchen trägt, das eine schöne Aussicht auf das Städtchen und über das Thal gewährt, durch welches die 1813 vom Fuße des Liliensteins nach Stolpen geführte Napoleonstraße läuft. Längs verfallner Mauern kommen wir zu einem eisernen Gitterthor, das uns in die noch übrigen Gemächer des, im 17ten Jahrhundert durch den Blitz zerstörten Schlosses führt. In einem alten Gemache zeigt man ein, aus kurzgehacktem Stroh mühsam geflochtenes Seil, an welchem gegen Anfang des 18ten Jahrhunderts ein Gefangener sich aus dem Fenster seines Kerkers herablassen wollte, ein Versuch, der aber verunglückte, weil das sonst veste Strohseil zu kurz war. In der ehemahligen Schloßkapelle ist jetzt das Amtsarchiv; die schön gearbeitete Kanzel von durchbrochener Arbeit aber, die früher hier noch zu sehen war, ist seit mehren Jahren in der Kirche zu Röhrsdorf bei Dresden. In einem engen Hofe, worein wir aus diesem Theile des alten Schlosses treten, sehen wir die Ueberreste eines Kerkergewölbes. Es führt den Nahmen des Freiherrn von Klettenberg, eines betrügerischen Goldmachers, der im Anfange des 18ten Jahrhunderts den Herzog Ernst von Weimar und den König August II. hinterging und einige Zeit hier gefangen saß, ehe er auf dem Königstein enthauptet ward.[6] Dieser scheußliche Kerker ist seit 1770 nicht mehr zur Aufbewahrung von Gefangenen gebraucht worden. Die Gefängnisse auf der Burg waren vor Zeiten so furchtbar, daß das Sprichwort sagte: „Wer da kommt nach dem Hohnstein, der kommt selten wieder heim.“ Von der ältesten Burg, in deren Trümmern wir aus jenem Hof gelangen, ist nichts als altes Gemäuer und ein Theil eines Thurmes übrig, der jedoch nicht mehr ohne Gefahr zu ersteigen ist.

Durch den Ausfall steigen wir in die Tiefe hinab, und kommen über einen von alten Mauern umschlossenen Rasenplatz, der einst die Wirthschaftgebäude enthielt, auf eine Felsenebene, wo wir auf einem günstigen Standpunkte in die furchtbare Tiefe des Bärgartens hinab schauen, und jenseit des Thales den Hockstein empor ragen sehen. Der Bärgarten, wohin sowohl vom Schlosse, als von dem Städtchen ein Weg führt, wurde 1609 angelegt, um hier Bären, deren es damahl noch in den umliegenden Wäldern gab, aufzubewahren. Auf der, nach dem Städtchen gekehrten Seite waren die Fänge angebracht, durch welche die Bären in Kasten gelockt wurden, so oft sie zu den Thierhetzen in Dresden und Sedlitz gebraucht werden sollten. Auf der untern Seite befand sich ein Wasserhaus mit großen Rädern, um die starken Eisengitter aufzuziehen, die den Bären den Ausgang sperrten. Die Thiere pflanzten sich hier über 150 Jahre fort, bis sie endlich, da sie zuweilen die Felsenumgebungen überstiegen und den Umwohnern gefährlich wurden, um das Jahr 1756 erschossen wurden. Hier ward auch der gezähmte Bär aufbewahrt, den August II. aus Polen mitgebracht, und in seinem Zimmer erzogen hatte, bis endlich das erwachsene Thier den König bedrohte, der es einst im gefährlichen Kampfe mit dem Hirschfänger verwundete, und dann in den Bärgarten verbannte.

Die zu dem Schlosse gehörende Landwirthschaft ist schon seit langer Zeit vor das Städtchen verlegt worden, und bildet ein ansehnliches Kammergut, das einer der ersten Sitze der veredelten Schafzucht in Sachsen war.

Dem Schlosse gegenüber erhebt sich, ganz abgesondert von den umliegenden Felsenwänden, der

Hockstein,

ein steiler über 500 Fuß hoher Sandsteinfelsen, im Hintergrund des Polenzthales, worein wir von Hohnstein hinab steigen. Wir kommen hier über die, durch Hohnstein laufende Gränze, wo Granit und Sandstein sich scheiden. Dem Wege folgend, der das Thal durchschneidet, sehen wir, hoch über uns, eine im Jahre 1821 angelegte kühne Brücke, welche über eine tiefe Schlucht gespannt ist, um den Hockstein mit einem andern Felsen zu verbinden. Durch diese Anlage, die man den preiswürdigen Bemühungen des königlichen Forstbeamten in Hohnstein, Herrn von Carlowitz verdankt, ist der Felsen zugänglicher geworden, dessen Erklimmung seither sehr beschwerlich war. Man mußte auf dem Wege von Rathewalde den steilen Wartenberg hinab gehen, um aus einer tiefen und engen Felsenschlucht, dem Kohlicht, den Felsen zu erklettern; eine Oeffnung am Fuße des Felsens bildete den einzigen Zugang zu dem Gipfel, den man in einem, die ganze Höhe des Felsens theilenden engen Spalt, wo nur eingehauene Falze, wahrscheinlich Ueberreste alter Bevestigungen, das Klettern erleichtern, mühsam ersteigt, bis man endlich auf einen freien Platz tritt, der nur auf drei Seiten von Felsen eingeschlossen, auf der vierten in einen Abgrund stürzt; von hier aber mußte man noch eine 40 Fuß hohe steile Wand erklimmen, um auf den freien Gipfel zu gelangen. Die 12 Ellen lange Brücke, welche über die, gegen 75 Ellen tiefe Schlucht zum sogenannten kleinen Hockstein und von diesem auf die Straße nach Rathewalde führt, erleichtert den Besuch des Felsens, wohin man nun am bequemsten von Rathewalde oder Lohmen geht. Von der Brücke führen zwanzig in den Felsen gehauene Stufen auf den höchsten Gipfel. Die 150 Schritt lange und 60 Schritt breite Fläche der Felsenkuppe zeigt uns auffallende Spuren ehemahliger Bewohnung, z. B. ein Wasserbehältniß, breite in ein großes Behältniß führende Stufen, und die Ueberreste eiserner Haken an der äußersten Spitze eines zugänglichen, kühn vorspringenden Felsenhornes, wo man, außer einem Mühlenspiel, wie man es auf Damenbretern findet, auch Nahmen ausgehauen sieht. Wahrscheinlich gehörte der Hockstein als Warte zu dem benachbarten Hohnstein, und jene Haken dienten vielleicht zu einem Hebewerke, das den einsamen Bewohnern des Felsens ihre Bedürfnisse heraufbrachte. Diese Verbindung gab ohne Zweifel Anlaß zu der ungereimten Sage, die beide Felsen durch eine lederne Brücke vereinigt. Die Aussicht vom Gipfel umfaßt eine Landschaft, wo über Felsenschluchten und Waldwipfel der Königstein hervor schaut, während gegen Mitternacht die Polenz aus einem freundlichen Thale in ein wildes Felsenbett hinab fließt.

Zu der eben beschriebenen Wanderung und dem nächsten Rückwege über Hohnstein brauchen wie ungefähr 7 Stunden, und wer vom Hockstein auf dem früher (S. 41.) angedeuteten Wege durch den Amselgrund nach Schandau zurück kehren will, hat einige Stunden mehr nöthig. Ein dritter, sehr anziehender aber längerer Rückweg führt über den Waizdorfer Berg, Gosdorf und den Kikelsberg, den tiefen Grund und den Ochelgrund. Wir werden diesen Weg in der Folge erst beschreiben, und wollen an die vorgeschlagene Wanderung die Reise nach Stolpen knüpfen. Diejenigen, welche den Hockstein früher schon besucht haben, und den geraden Weg von Hohnstein wählen, brauchen zur Ausführung dieses Reiseplans, mit Einschluß des Rückweges, eine Tagereise. Wir kommen von Hohnstein auf einem angenehmen Wege nach Heeselicht und weiter über Langenwolmsdorf, in dritthalb Stunden nach

Stolpen,

das am Abhange eines Basaltberges liegt, auf dessen Kuppe, 1010 Paris. Fuß über dem Meere, das alte Schloß mahlerisch sich erhebt. Die Stadt, die 1000 Einwohner zählt, welche sich meist von Landwirthschaft und Brauerei nähren, verdankt dem König eine 1789 angelegte Wasserleitung, die das Wasser eine Stunde weit führt, und eine Inschrift am Ausgusse der Hauptröhre rühmt diese Wohlthat. Auf dem Markte sehen wir ein, im Jahre 1818 am Tage der Jubelfeier des Königs errichtetes Denkmahl, das aus erlesenen, 7 Ellen hohen Basaltsäulen besteht, die eine obeliskenförmige, von einem metallenen Eichenkranze umschlungene Gruppe bilden, deren oberste Säule durch seltene Größe und Stärke sich auszeichnet. Eine Inschrift auf einem, an die Säulen gelehnten Granitblocke spricht die Widmung des Denkmahls aus, das ein Kreis von kleinen Basaltsäulen, den vier junge Eichen beschatten, umschließt.

Der hiesige, wegen seiner regelmäßigen Säulengestalt berühmte Basalt, zieht die Aufmerksamkeit des Naturfreundes vorzüglich an. Wir dürfen nur einen Blick umher werfen, um uns zu überzeugen, in welcher Reichhaltigkeit diese Massen sich hier finden, da außer dem großen Schlosse, auch die Mauern der Stadt, die Stadtkirche und das Straßenpflaster von Basalt sind. Der Berg, auf dessen Kappe die Säulen hervor ragen, läuft von allen Seiten sanft an, bis er an der Stelle, wo der Basalt zu Tage ausgeht, sich steil erhebt. Der Basalt ist auf einem ziemlich grobkörnigen Granit gelagert, doch lassen sich die Gränzen, wo dieser aufhört, und die hervorragenden Basaltsäulen anfangen, nicht genau bestimmen, und man kann dieselben nur bei dem Anfange des steilern Ansteigens, wo man keinen Granit mehr findet, vermuthen. Der Basalt zieht sich um das Schloß in dicht an einander stehenden Säulen, die im Durchmesser 6, 8, 10 bis 12 Zoll haben, zwar zuweilen über 12 Ellen lang zu sein scheinen, aber in dieser Länge senkrecht, oder auch gebogen auf einander stehen, da man keine über 7 bis 8 Ellen lange Säulen zu Tage ausgehend findet. Die meisten sind sechsseitig. Die schönsten zu Tage ausgehenden Säulen sieht man im Thiergarten und im ersten Schloßhofe. Der Basalt ist schwärzlich, auf dem Bruche uneben, mit Zeolith, kleinen Hornblendekristallen, seltner mit Olivin, Hornstein und Augit vermischt, und zeichnet sich durch starkes Polarisiren aus. Nach des Schottländers Macdonald[7] Bemerkung, hat der Basalt zu Stolpen in seiner Masse viel Aehnlichkeit mit dem Basalte in der Fingalshöhle zu Staffa, und besonders fand er die querliegenden Basalte im Schloßbrunnen den Säulen auf dem südwestlichen Theile von Staffa ungemein ähnlich. Der Basalt wird gebrochen, und besonders auch zu Amboßen, und Schlagsteinen für Buchbinder benutzt.

Das Schloß, das wir nun besuchen, ist älter als die Stadt, sorbischen Ursprungs und kam nebst dem Städtchen, das in frühern Zeiten Jokrim hieß, und in der Gegend des nahen Dorfes Altstadt lag, im Jahre 1222 an die Bischöfe von Meißen, die sich um den Anbau dieser Gegend große Verdienste erworben haben. Stolpen blieb seitdem dem Bisthum eigen und wurde in der Folge der beständige Wohnsitz der Bischöfe. Im 15ten Jahrhunderte verwüsteten die Hussiten das alte Jokrim, und der Ort ward alsdann am Fuße der Burg wieder aufgebaut, und nach dieser benannt. Eine blutige Fehde zwischen dem meißnischen Bischofe und dem Rittergeschlechte Carlowitz, gab im Jahre 1559 dem Kurfürsten August Anlaß, sich der Burg zu bemächtigen, die seitdem landesherrliches Besitzthum blieb. Seit dem Jahre 1716 bewohnte die Gräfinn Cosel, Augusts II. verstoßene Geliebte, das Schloß, und zwar anfänglich den Johannisthurm, späterhin bequemere Zimmer, bis sie im Anfange des siebenjährigen Krieges daselbst starb. Die Preußen nahmen 1756 die unbeschützte Veste ein, die darauf zerstört und endlich 1787 ganz abgetragen wurde. Während des Feldzugs 1813 wurde Stolpen in die Linie gezogen, durch welche Napoleon seine Stellung an der Elbe deckte.

Die vier Höfe des Schlosses, das unmittelbar auf den Säulen des Basalts sich erhebt, sind durch Brücken verbunden. In dem ersten Hofe, oder der sogenannten Klengelsburg, sehen wir ein, in den Basalt gebrochenes Wasserbehältniß, und den ehemahligen bischöflichen Marstall, wo jetzt das Amtsarchiv und einige Ueberreste der Altäre und Verzierungen der abgetragenen alten Schloßkirche aufbewahrt werden. Man zeigt uns in der Nähe das furchtbare Gewölbe, das vor Zeiten die Marterkammer war. In diesem Hofe fiel am 8. September 1756 der erste feindliche Schuß, der den siebenjährigen Krieg eröffnete, als der preußische Generalmajor Warneri, der das Schloß mit seinen Husaren überrumpelte, den sächsischen Befehlhaber der Veste, welcher eben im Begriff war, seinen Degen abzugeben, durch einen Pistolenschuß tödlich verwundete. Aus dem zweiten Hofe führt eine Brücke längs schöner Basaltsäulen zu einem doppelten Thore. Durch das erste Thor kommen wir zu einem schmalen Gange, der zu einem unterirdischen Kerker führt, worein die Gefangenen durch ein Loch hinabgelassen wurden. Das zweite Thor führt uns in den Hof selbst, und wir erblicken links den Johannisthurm, den wir besteigen, um eine, nach Mitternacht und Morgen reiche und anziehende Aussicht zu genießen. In dem vierten Hofe sieht man die Ueberreste der alten Schloßkirche und den Basaltbrunnen. Dieser merkwürdige, in seiner Art einzige Brunnen wurde im Jahre 1608 angefangen, und in den durch Feuer erweichten Basalt 287 Fuß tief gebrochen, bis man nach einer Arbeit von 22 Jahren Wasser fand, das in der Folge 7 bis 8 Ellen stieg und wechselweise wieder fiel. Seit dem Ueberfalle der Burg durch die Preußen im siebenjährigen Kriege, bei welchem diese alte eiserne Kanone, Gewehre und Kugeln in den Brunnen stürzten, ist er bis auf beinahe drei Viertheile seiner ehemahligen Tiefe verschüttet. Der von Naturforschern oft ausgesprochene Wunsch, den Brunnen geräumt zu sehen, um die seltene Gelegenheit zur Untersuchung des Innern eines Basaltberges benutzen zu können, möge hier 45 Jahre nach dem Ersten, der ihn dringend aussprach[8] wiederhohlt werden.

Auf dem Rückwege vom Schlosse gehen wir über den Kirchhof, wo sich das dem Geschichtschreiber Stolpens, dem verstorbenen Pfarrer Gerken errichtete Denkmahl auszeichnet, zu dem Thiergarten. Kurfürst August bestimmte diesen Platz ursprünglich zu einem Obstgarten, welchen er aber, als die Anpflanzung mißlang, in einen Thiergarten verwandelte, wohin er weiße Hirsche und andere seltene Thiere versetzte. Auch von dieser Anlage ist längst keine Spur mehr übrig. Den Weg am Fuße des Schloßberges fortsetzend, verweilen wir einen Augenblick bei dem Basaltbruche, wo wir die regelmäßigsten Säulengestalten erblicken, und gehen dann weiter zu der sehenswerthen königlichen Schäferei, welche mit dem nahen Vorwerke Rennersdorf den Hauptsitz der veredelten Schafzucht in Sachsen bildet. Schon 1765 wurden, um die inländischen Schäfereien zu veredeln, über 200 spanische Stähre und Mutterschafe, von zwei spanischen Schäfern begleitet, nach Sachsen gebracht, und im Thiergarten aufgenommen. Späterhin (1778) wurde dieser Stamm durch einen Zuwachs von erlesenen Merinoschafen aus den beßten Heerden in Leon und Castilien vermehrt und zur Erweiterung der Zuchtanstalt auch in Lohmen, Rennersdorf und Hohnstein Schäfereien angelegt. Die Schäferei in Stolpen hat seitdem durch fortgesetzte Sorgfalt einen vorzüglich feinwolligen Stamm erhalten. Von hier wurde die Schäferei in Lohmen veredelt, die sich in der Folge selbst fortpflanzte, und noch immer wird aus dem Stamm im Thiergarten die Zuchtanstalt in Rennersdorf verbessert. Die Stammschäferei in Stolpen, ist die einzige ursprünglich spanische Schäferei in Sachsen, und Spanien selbst, behauptet man, habe jetzt keine Heerde mehr aufzuweisen, die dem 1765 nach Sachsen gekommenen Stamm vollkommen gleich wäre. Sie hat auf die Veredlung der Schafzucht in Sachsen, und dadurch auf Landwirthschaft und Gewerbfleiß überhaupt, wohlthätig eingewirkt, da von 1779 bis 1811 über 10,000 Stähre und Mutterschafe an andere inländische Schäfereien gegen vestgesetzte sehr billige Preise abgegeben wurden. Das Kriegsjahr 1813 hat zwar auch dieser Anstalt, besonders den Schäfereien zu Stolpen und Rennersdorf, großen Verlust gebracht, den man jedoch seitdem zu ersetzen eifrig und mit Erfolg bemüht gewesen ist.[9]

II. Reise in den Ochelgrund, auf den Waizdorfer Berg und den Kikelsberg.

Wir kommen auf dem nächsten Wege von Schandau über das Kiefericht (s. S. 45.), die Straße nach Altendorf durchschneidend, zur Kohlmühle an der Sebnitz. Ein höherer Genuß aber erwartet uns, wenn wir am Lachsbach hinauf gehen, und dann entweder durch den tiefen Grund nach dem Waizdorfer Berg und dem Kikelsberg wandern und durch den Ochelgrund zurück kehren, oder aber oberhalb der Porschdorfer Mühle (s. S. 69.) an der Sebnitz hinauf gehen, die uns aus dem Thale entgegen kommt. Wir folgen einem schmalen Pfade, welcher, von dichten Baumwipfeln und Gesträuchen beschattet, sich um die vorspringende Felsenecke der Ochelwände windet, und uns in den

Ochelgrund

bringt. Bald umfängt uns ein erweitertes anmuthiges Thal, dessen heitre Wiesenmatten von prächtigen Felsenwänden umschlossen sind, die wie Trümmer empor ragen. Das Thal verengt sich wieder, und in reizender Abwechselung erheben sich die Felsen. Von einer glatten Wand, die wir rechts am Wege bemerken, stürzte vor mehren Jahren ein Felsenblock in den Bach herab, und hemmte dessen Lauf mit solcher Gewalt, daß Wasser und Fische an die jenseitige Wand geschleudert wurden. Zwischen hohen Felsenwänden hinauf wandernd, die aus einem gelblichen, zu Bausteinen untauglichen weichen Sandsteine bestehen, kommen wir zum schwarzen Loch im Mordgrunde, wo wir in eine weite Höhle blicken. Der Bach rauscht zwischen üppigen Wiesen fort, und bald öffnet sich links der, von schönen Felsenwänden eingeschlossene Kohlgraben, durch welchen der Weg nach Gosdorf läuft. Nicht weit von hier erblicken wir die Kohlmühle, wo wir an die, von Waizdorf und Hohnstein herabfallende Gränze zwischen dem Granit und Sandstein kommen, jenseit welcher wir, statt nackter Felsen, meist grüne Höhen finden, an deren Fuße schöne Wiesen sich zum Bache hinab senken.

Wir steigen die Anhöhe links hinan, und erreichen bald den Hankenhübel, der aus einer, in Basalt übergehenden Wacke besteht, die bald säulenförmig und bald tafelförmig in viele kleine Stücke zerfällt, womit auch die umliegenden Felder besäet sind. Große Basalthaufen bezeichnen den Weg zu dem nahen Gosdorf, wo wir im Lehngerichte Bewirthung und einen Führer finden, mit welchem wir das

alte Schloß

besuchen. Der Weg führt über Feldfluren und Waldboden auf eine schmale Erdzunge, welche, auf beiden Seiten dicht bewaldet, in tiefe Schluchten abstürzt. Wir kommen bald an eine Vertiefung, wo nach der Ueberlieferung die erste Zugbrücke gewesen ist, und weiter zeigt man uns die Stellen der zweiten und dritten Brücke, bis endlich der Bergrücken am Ende der schmalen Erdzunge, um deren Fuß der Schwarzbach dem Sebnitzbache zuströmt, zu einer weitern Rundung wird. Hier erblicken wir die Trümmer, die in dickem Gemäuer, Oeffnungen tiefer Gewölbe bestehen, und einen in den Granit gearbeiteten Brunnen. Man hat hier alte Pfeile und Spornen ausgegraben. Am Abhange des steilen Berges findet man wieder Ueberreste von Mauern, so wie auch unten auf der Wiese, die noch den Nahmen der Schloßwiese führt. Alles, was man von dieser Burg erzählt, beruht bloß auf Ueberlieferung, da die beglaubigte Geschichte durchaus keine Nachricht davon aufbewahrt.

Wir kehren über die Wiesen am Schwarzbach nach Gosdorf zurück, und besuchen zuerst den

Waizdorfer Berg,

wohin uns durch das Gebüsche der Weg führt, den eine seltsam verkrüppelte Fichte, der Ziegenstrauch genannt, bezeichnet. Linden krönen den Gipfel des Granitberges, der sich über dem Dörfchen Waizdorf erhebt, wo es keine Sperlinge geben soll. Die Aussicht, die sich hier vor unserm entzückten Blicke öffnet, gehört zu den reizendsten und reichsten, die wir von irgend einem Standpunkte des Berglandes genießen. Alle Felsenthäler von Liebethal bis Hohnstein, selbst der nahe tiefe Grund, der Ochelgrund und das Elbthal sind von dunkeln Waldwipfeln verhüllt, aus welchen hier und da weiße Felsenspitzen hervor schauen. Von dem Weifberge bei Hinterhermsdorf zieht sich über den großen Winterberg, den Schrammstein und Falkenstein bis zu den Bärsteinen ein mächtiger Felsenbogen, über welchen der Zschirnstein und am westlichen Gränzpunkt der Königstein hervor ragt, von welchem nach Dresden hin eine heitre Landschaft sich ausbreitet. Der Kaltenberg mit den Trümmern des Schlosses Chemnitz, der Rosenberg, der Rücken des Schneebergs, der Sattelberg und Geiersberg mit dem benachbarten Schönwalde, der Kahlenberg und Geiersberg bei Altenberg und der von hier nach Dippoldiswalde laufende Bergzug, der Luchberg und Hirschberg bilden den Hintergrund. Wenden wir uns gegen Abend und Mitternacht, so erblicken wir den Augustusberg bei Königsbrück, die Pulsnitzer Gebirge, näher den Unger und gegen Morgen endlich Böhmens Gebirge. Oestlich von hier, unweit Losdorf, erhebt sich der

Kikelsberg,

welcher, wie der mit ihm zusammenhangende Hankenhübel, ein Basaltberg ist. Er steigt ziemlich steil empor, und ist überall mit Basaltstücken bedeckt. Am Abhange auf der Morgenseite ist ein offener Bruch, wo man sehr starke Säulen sieht. Dieser, dem Granit aufgelagerte Basalt ist von schwarzgrauer, ins Blaue spielender Farbe, von dichtem und unebenem Bruche und zuweilen ist Olivin, Augit, Hornblende und Zeolith sparsam eingemengt. Er findet sich theils in unregelmäßigen Stücken, theils in Säulen von 3, 4 und 5 Seiten, oder größern und kleinern Tafeln, oder auch kegelförmig. Die Aussicht von dem Gipfel ist nicht so reich, als wir sie auf dem Waizdorfer Berg gefunden haben, nur ist sie offener und freier nach den Gegenden von Neustadt, Sebnitz und Hohnstein.

Sind wir auf der Hinreise durch den tiefen Grund gegangen, so wandern wir auf dem nächsten Wege durch den Kohlgraben und den Ochelgrund nach Schandau zurück, und wenn wir auf dem Birkicht oder Adamsberg bei Altendorf, einem runden Hügel, über welchen unser Weg geht, einer reizenden Aussicht uns erfreut haben, gehen wir im Angesichte immer wechselnder Landschaftbilder, am Ufer der Kirnitsch hinab. Wollen wir die beschriebene Wanderung zu einer Tagereise ausdehnen, so können wir vom Kikelsberg über Ulbersdorf erst auf den Unger steigen und über Lichtenhain zurückkehren.

III. Reise über Sebnitz und Neustadt nach dem Falkenberge und Unger.

Wir verbinden diese ziemlich langen Reiselinien, weil wir ihnen, den Rückweg über den Unger mitgerechnet, folgen können, ohne mehr als eine Tagereise nöthig zu haben, wiewohl wir den Genuß erhöhen und zu einigen der anziehenden Abschweifungen, auf welche hingedeutet werden soll, Zeit haben würden, wenn wir wenigstens anderthalb Tage dazu bestimmten, und am ersten Tage in Sebnitz, oder besser in Neustadt übernachteten.

Wir reisen von Schandau entweder durch das Kirnitschthal über die Lichtenhainer Mühle, oder auf der Fahrstraße nach Ottendorf. Wählen wir den letzten Weg. Vom Bade gehen wir am rechten Ufer der Kirnitsch den, auf die Anhöhe sich windenden Pfad, und verweilen auf dem Grauen, um uns einer ungemein anziehenden Aussicht zu freuen, die uns das Kirnitschthal mit seinen waldigen Felsenwänden, auf der jenseitigen Höhe das Dorf Ostrau, hinter ihm den Schrammstein, Falkenstein, das Schrammthor und die hohe Liebe zeigt. Wir kommen auf die sogenannte hohe Straße, die von Schandau nach Nixdorf in Böhmen führt, und das südlich hervor ragende Felsenland mit seinen mahlerischen Bergfernen in immer neuen Ansichten zeigt. Bei Altendorf zieht sich links der nächste Weg nach Neustadt über Ulbersdorf und am Fuße des Ungers hinauf. Wir folgen der hohen Straße nach Mittelndorf und besteigen den seitwärts sich erhebenden runden Hügel, den Pfarrberg, wo wir die reizende Landschaft vom Buchberge bei Sebnitz bis Rathen, vom Unger bis zum Winterberge, ein herrliches Rundgemählde, überschauen. Von Morgen nach Mittag bilden die böhmischen Gebirge den Hintergrund und von Mittag gegen Abend erhebt sich der Bergzug vom Schneeberg bis zum Erzgebirge. Der Weg zieht sich ansteigend nach Lichtenhain fort, einem der ältesten Dörfer dieser Gegend, das auf einer anmuthigen Fläche liegt, wo sich uns ein neuer wunderschöner Standpunkt darbietet.

Wer von hier die östlich von Schandau liegenden Felsengegenden besuchen will, geht hinter dem Dorfe den Weg zur Lichtenhainer Mühle hinab, die sehr reizend am Fuße des Hausberges im Kirnitschthale liegt, und verfolgt den Lauf der Kirnitsch, oder bleibt auf der hohen Straße bis oberhalb Ottendorf, wo südlich der Fahrweg in den großen Zschand und östlich der Weg nach Saupsdorf und Hinterhermsdorf abläuft.

Wir verlassen die hohe Straße unweit Ottendorf, und erreichen bald das Dorf Hertigswalde, über welches der

Buchberg

sich erhebt, den wir sogleich besteigen, wenn wir nicht in Sebnitz übernachten, und die erste Morgenstunde auf dem Berge genießen wollen. Es entzückt uns auf dem Gipfel, 1448 Par. Fuß über dem Meere, eine der reichsten Aussichten. Wir übersehen die südlichen Felsenzüge, die böhmischen Gebirge, die sich um den Rosenberg und Schneeberg aufthürmen, und die anstoßenden sächsischen Gebirge, einen großen Theil des jenseitigen Elbufers bis unterhalb Dresden, während unser Blick nördlich bis Stolpen reicht. Am Fuße des Berges, gegen Nordost, breiten sich die böhmischen Dörfer Einsiedel, Lobendau und Hilgersdorf in einem schönen Thale aus, über welche der Kirchthurm von Hainsbach hervor blickt. Die Gebirge von Arnsdorf, Wilthen und Hochkirch in der Lausitz schließen den Hintergrund. Gegen Mitternacht blickt aus einem tiefen Thale, das die Ruhebänke, der Hufenberg und der Buchberg bilden,

Sebnitz

herauf, wohin wir durch eine, an den Buchberg sich lehnende Gasse hinab steigen. Die Stadt, 3 Stunden von Schandau entfernt, ist sorbischen Ursprungs der größte Ort im Amte Hohnstein mit 2500 Einwohnern, und eine der bedeutendsten Fabrikstädte des Landes, wo verschiedene leinene und halbseidene, oder halbbaumwollene, zum Theil auch gedruckte Gewebe, die sogenannten Sebnitzer Zeuge, verfertigt werden. In den günstigsten Handelszeiten, als gegen 900 Stühle im Gange waren, schickte die Stadt ihre Waaren unmittelbar ins Ausland, selbst nach Amerika, in den neusten Zeiten aber hat sich der Gewerbfleiß, besonders durch die Thätigkeit des Fabrikeigenthümers Hesse, der mit glücklichem Erfolge manche neue Gewebe versuchte, wieder sehr gehoben.

Der Fahrweg von Sebnitz nach Neustadt geht über Schönbach und Crumhermsdorf, der weit nähere und angenehmere Fußweg aber läuft zwischen dem Finkenberg und Hasenberg über die hohen Ruhebänke, eine Hochebene, 1524 Par. Fuß über dem Meere, die uns einen sehr günstigen Standpunkt zur Uebersicht des südlichen Elbufers darbietet. Wir lassen den Unger, dessen Rücken wir bei dem Gränzdorfe Rugiswalde nahe sind, seitwärts liegen, und kommen auf einem kurzen Wege, den der Blick in die nahen Thäler Böhmens erheitert, nach

Neustadt,

einem Städtchen mit ungefähr 2000 Einwohnern, das unter dem Hochwalde, in einem anmuthigen Thale am Polenzbache, 4 Meilen von Dresden und vierthalb Stunden von Schandau entfernt, an der Straße nach Schluckenau liegt. Die Stadt ist sehr alt, und wurde wahrscheinlich von dem Rittergeschlecht Berk von Duba, dessen Wappen, zwei kreuzweise gelegte Eichenäste, sie noch führt, vielleicht im 13ten Jahrhundert erbaut. Vor dem dreißigjährigen Kriege, der ihr sehr verderblich wurde, war sie der größte und volkreichste Ort des Amtes Hohnstein. Leinweberei ist der Haupterwerbzweig des Ortes. Man verfertigt hier und in der Umgegend ungefähr dieselben Gewebe, die Sebnitz liefert, und macht davon beträchtlichen Absatz ins Ausland. Der Waarenzug von Pirna über Stolpen nach Rumburg und der Schleichhandel mit Böhmen erhöhen die Gewerbsamkeit. Wir haben von hier bis zum

Falkenberg,

einem der höchsten Berge des meißnischen Kreises, an der Gränze der Lausitz, ungefähr 1 Meile zu wandern. Der Fahrweg geht über Berthelsdorf, Nieder-Ottendorf und das Försterhaus im Klunker; der Fußpfad hingegen läuft seitwärts des erstgenannten Dorfes, längs dem Schönbachsberge. In einem am Wege sich hinab senkenden kleinen Thale wird Granit gebrochen, und in Säulen, Portalen und ähnlichem Gebrauche nach dem Winkel bearbeitet und sehr fein geglättet. Die beßten Arbeiten liefert eine vorzüglich harte, aus bläulich weißem Feldspath, weißem Quarz und braunschwarzem Glimmer bestehende Art. Wir setzen den Weg zum Försterhause im Klunker fort, wo wir Bewirthung und einen Führer finden, und kommen durch einen Theil des Putzkauer Waldes, in 3 Viertelstunden auf den Gipfel des Berges, der 1808 Par. Fuß über dem Meere liegt. Der ganze Wald, durch welchen wir wandern, ist mit Granitblöcken besäet, die zuweilen mit großen Kuppen und Klippen abwechseln, und hier und da Höhlen bilden, worunter die Wolfshöhle die größte ist. Gegen den Gipfel ansteigend, findet man viel Flötzgrünstein, und Grünsteinporphir, der zuweilen die Magnetnadel in Bewegung setzt. Merkwürdig ist, am westlichen Abhange, ein durch den Granit setzender, 9 Zoll breiter Gang von basaltischem Grünstein, der in Basalt übergeht. Die Aussicht vom Gipfel ist unermeßlich. Wir übersehen das weite Gebiet vom Riesengebirge bis zum Kolmberge. Wenden wir uns auf der Abendseite zu einigen Bänken unter Granittrümmern, so fliegt unser Blick über eine schöne Landschaft in die Gegend von Dresden bis zum Kolmberge, während in Nordwesten die Berge unter Königsbrück und Hoyerswerda den Gesichtskreis schließen. Auf der nördlichen Seite sehen wir über eine Waldblöße einen großen Theil der Oberlausitz von Camenz bis gegen die schlesische Gränze; am Fuße des Berges liegt das lange Dorf Neukirch in einem schönen Thale, und Bauzen, von zahllosen Dörfern umgeben, breitet sich in der Ferne aus, welche die Gebirge von Arnsdorf und Wilthen schließen.

Auf der Nordseite des Berges ist altes Gemäuer zu sehen, und auch auf dem nahen Ruprechtsberge sieht man Trümmer. Die Geschichte weiß zwar nichts von Burgen auf diesen Höhen, die Sage aber erzählt, von zwei Brüdern, Valentin und Ruprecht, die einst nach der Theilung ihres Erbes, des Rittersitzes Neukirch, auf jenen beiden Bergen Schlösser gebaut, aber bald sich entzweit hätten, worauf nun in einer blutigen Fehde die Burg auf dem Falkenberg wäre zerstört worden.

Wer von Bauzen in die sächsische Schweiz reiset, wird uns hier begegnen, wenn er über Neukirch auf den Falkenberg und weiter über Neustadt und Hohnstein oder über Sebnitz nach Schandau geht.

Wir wenden uns wieder nach Neustadt, um den Rückweg anzutreten. Nehmen wir den Weg über Hohnstein, das dritthalb Stunden von hier entfernt ist, so besteigen wir den Polenzer- oder Richtersberg, der nicht weit von der Stadt rechts an der Straße nach Hohnstein liegt, und freuen uns einer reichen Aussicht über das reizende Thal von Neustadt und den Felsenzug von Hinterhermsdorf bis zu dem Schrammstein, über welchen die hohen Kuppen des Rosenbergs, und Winterbergs und der Königstein sich erheben, und in der Ferne die böhmischen Gränzgebirge nach dem Erzgebirge sich ziehen. Haben wir Zeit uns in Neustadt aufzuhalten, und unsre Reiselinie zu verlängern, so würde eine Abschweifung in das nahe böhmische Gränzgebiet eine ungemein belohnende Wanderung sein. Wir kommen durch Langburkersdorf, und wenn wir in 1 Stunde die böhmische Gränze überschritten haben, besteigen wir den Raubeberg, auf dessen Gipfel wir das anmuthige Thal, durch welches unser Weg gegangen ist, und die heitre Landschaft, die sich weit ins Gränzland ausbreitet, überschauen. Eine Viertelstunde weiter südöstlich bei Neudörfel, erhebt sich der Spitzberg, auf dessen Kuppe, die ein eisernes Kreuz bezeichnet, der Basalt säulenförmig zu Tage ausgeht. Bei Lobendau, dem ersten Gränzdorfe, liegt eine Kapelle, die an manchen Festtagen von vielen Wallfahrern besucht wird. Der Weg zu dem schönen gewerbsamen Dorfe Hainsbach, mit einem Schlosse des Grafen von Salm, zieht sich durch das freundliche Thal und wir erreichen bald den Porzen, einen mächtigen Basaltberg, an dessen Fuße der Weg zu dem Städtchen Schluckenau läuft. Wollen wir die Wanderung durch den einspringenden Winkel Böhmens nach der Lausitz fortsetzen, so kommen wir über das gewerbfleißige Rumburg und Ruppersdorf nach Herrnhut, oder über das schöne Warnsdorf nach Großschönau und Zittau, oder über Georgenthal zu den Trümmern der Burg Tollenstein. Die nächste bequeme Straße von Schluckenau aber nach Herrnhut geht entweder über Friedersdorf, Kotmanndorf und Strahwalde, oder auf einem noch geradern, und mannigfaltig anziehenden Wege über das freundliche böhmische Gränzdorf Georgswalde, in dessen Nähe bei dem sächsischen Gersdorf wir die Quelle der Spree, den Spreebrunnen, besuchen und über das ansehnliche Weberdorf Eybau, eines der größten Dörfer Sachsens.

Es genügt uns, diese weite Abschweifung, wenn auch nur für wenige Reisende, angedeutet zu haben, und wir kehren nach Schluckenau zurück, um von hier entweder über Nixdorf durch ein anmuthiges Thal nach Sebnitz zu wandern, oder über Einsiedel oder Neudörfel nach Rugiswalde zu gehen, wo der

Unger

vor uns liegt, über dessen hohen Gipfel wir den Rückweg nach Schandau machen wollen. Das Prachtgemählde, das hier vor unsern Blicken aufgerollt liegt, steht an Umfang und Reichthum nur den Aussichten vom großen Winterberg und Zschirnstein nach. Auf dem nächsten Standpunkte gegen Mitternacht und Abend ist die Aussicht in die Gegenden von Dresden, Königsbrück und auf die Lausitzer Gebirge jenseit Stolpen, zum Theil durch Bäume verdeckt. Auf der Morgenseite, am Rande eines Kiefernwäldchens, auf einer mit Granitblöcken bedeckten Erhöhung, überblicken wir eine Landschaft, welche die Gebirge von Zittau bis Altenberg in blauer Ferne begränzen. Ueber Sebnitz und den Buchberg hin, folgt unser Blick dem Bergzuge, den die Lausche bei Zittau, der Nestelberg, der Tanneberg, der Kaltenberg, und die Kemnitzer Berge bilden. Hinter dem mahlerischen Felsenkranze von Hinterhermsdorf bis Schandau, woran das jenseitige Uferland sich knüpft, blicken der Rosenberg, und aus blauerem Hintergrunde der Gräber und der Göltsch hervor, und beginnen einen neuen Gebirgrücken, über welchen wir das Schloß Blankenstein bei Aussig schimmern sehen. Vom Schneeberg zieht sich eine Bergferne, wo wir das böhmische Dorf Schönewalde, den Sattelberg, den Geiersberg, und endlich den Kahlenberg und Geisingberg erblicken. Gehen wir durch das Gebüsch auf die höchste offene Kuppe des Berges, so schließen sich auch die östlichen Fernen an das unermeßliche Landschaftbild, und über dem Porzen sehen wir die Tafelfichte, das Friedländergebirge und einen matten Streif des Riesengebirges dämmern.

Den Berg hinab steigend, kehren wir über Ulbersdorf und Altendorf auf dem bekannten Wege nach Schandau zurück.

IV. Reise in die Felsengegenden, östlich von Schandau, auf die hohe Liebe, zum Schrammstein, Reischenstein und Falkenstein.

Wir gehen über die Ostrauer Scheibe (s. S. 51.) oder auf dem, hinter dem Bade am linken Ufer der Kirnitsch am Bergabhange ansteigenden Wege zu dem Dorfe Ostrau. Auf dem Feldwege, im Angesichte des prächtigen Schrammsteins und des schroff emporragenden Falkensteins, nähern wir uns dem Saume des Waldes, der den, mitten aus wilden Felsenumgebungen sich erhebenden Berg,

die hohe Liebe

vom Fuße bis zum Gipfel deckt. In einer halben Stunde erreichen wir auf einem bequemen, selbst fahrbaren Wege die Höhe, wo die steilere nackte Felsenkuppe, die kaum 30 Schritte lang und äußerst schmal ist, sich erhebt. Anmuth und Wildheit wechseln mannigfaltig in dem Gemählde, das sich hier vor uns ausbreitet. Vom Unger senkt sich ein Bergzug, der sich gegen Abend über Ostrau und Altendorf bis in das Thal verliert, wo bei heiterm Himmel selbst Dresden sichtbar ist. Zwischen den Felsen von Königstein und Rathen blicken anmuthige Landschaftbilder hervor, und ziehen sich im Elbthale hinab bis zu dem Hintergrunde, den die blauen Höhen des Erzgebirges einschließen. Gegen Mittag erblicken wir einen Theil des jenseitigen Elbufers, wo Dörfer und heitere Feldfluren zwischen dunkeln Wäldern lachen, über welchen der Zschirnstein und Schneeberg hervor ragen. Gegen Morgen blickt die hohe Spitze des Rosenberges über den Rücken des Winterberges, an dessen Fuße von den Speichenhörnern an, eine furchtbar wilde Felsenwelt, durch finstere Waldschluchten verbunden, sich ausbreitet. Am Fuße des Berges liegt eine, von hohen Felsen umschlossene Wildniß, der Gemsgarten, wo man in früherer Zeit schweizerische Gemsen einheimisch zu machen versuchte, die aber bald über die Felsen entflohen, bis auf einen Bock, der sich noch lange hier aufhielt.

Wir steigen herab, und wandern, am Fuße des Falkensteins hin, zum Zahngrund, wo der große Backofen, ein überhangender, mit starken Eisenadern durchzogener Sandsteinfelsen, uns anzieht. Der Weg theilt sich bald in vier Arme, wovon der erste links zur Heidemühle im Kirnitschthale, der andere zum Kuhstall und in den großen Zschand, der dritte zum vordern Winkel und der vierte durch das Schrammthor nach Schmilka bringt. Wie folgen dem dritten zum

Schrammstein,

einer schroffen Wand, die mit dem anstoßenden Einsprunge, welcher der vordere Winkel heißt, eine prächtige Felsengruppe bildet. Wie die Trümmer einer zerstörten Burg, zieht sie sich zu einer, auf der östlichen Seite angränzenden Wand, auf welcher ein einzelnes Felsenhorn hervor ragt. Hinter dem vordern Winkel läuft eine Schlucht, durch welche man auf einem beschwerlichen Pfade die Höhe erreicht; den Schrammstein selbst aber kann man nur mittels hoher Leitern ersteigen. Die niedrigern Wände, die von den aus- und einspringenden Felsen den Nahmen der drei Winkel führen, ziehen sich weiter südöstlich. Ein steiler Waldweg führt zu dem mittlern Winkel, den man auf eingehauenen Stufen ersteigt. Längs den Wänden des Gemsgartens, und am Buchhübel hin, kommen wir endlich zu dem hintern Winkel, wo die Felsenwand abgeschnitten ist. Auf der Südseite dieser Wand bringt uns ein schmaler Weg, die Lehne, an den Rand eines tiefen Abgrundes, die breite Kluft genannt. Sehen wir von dem Felsenzuge der Winkel zurück, so kommen wir in die tiefe Kluft des Falkenheger Grundes, in welchen sich ein steiler Pfad senkt, der nach Schmilka hinab führt. Ein Weg über eine sumpfige Waldebene, bringt uns vom Falkenheger Grund zu einer tiefen Schlucht, das Heringsloch genannt, in welcher die heilige Stiege hinab geht, eine Felsentreppe, die gegen Morgen auf einen, zum kleinen Winterberg führenden Pfad stößt.

Aus dem Heringsloch kommen wir in den Reischengrund, der von ungeheuren Felsen eingeschlossen ist, die bald als kühne Mauern empor ragen, bald in steilen Klippen aus den dunkeln Waldwipfeln hervor schauen. Zwei hohe Wände, die sich gegen einander neigen, bilden eine Wölbung, das Reischenthor genannt, und alsbald stehen wir vor dem

Reischenstein,

oder Reischenschloß, einem mächtigen Felsenbau, der sich gegen 300 Fuß hoch erhebt, von Sträuchern begrünt, die aus den Spalten hervor wachsen. In der Mittagseite führt ein Weg aufwärts, und wir stehen bald vor einem Spalt, durch welchen wir auf die Höhe des Felsens klimmen. Auch dieser Felsen war, wie mehre Spuren anzudeuten scheinen, welche die Ueberlieferung bestätigen, vor Zeiten bewohnt, wenn auch die Bevestigung nicht aus Mauerwerk, sondern nur aus einem hölzernen Blockhause bestanden haben mag. Auf der Felsenhöhe öffnet sich uns gegen Mittag eine reiche Aussicht, die von den Dörfern Schönau und Reinhardsdorf auf dem jenseitigen Elbufer, über Königstein bis in die Gegend von Dresden reicht, während gegen Mitternacht und Morgen eine Felsenwildniß aus der Tiefe herauf blickt. Sind wir vom Reischenstein herab gestiegen, so suchen wir an der Morgenseite desselben einen günstigen Standpunkt zur Ansicht der Felsenwände des Reischengrundes, welche, wie wir hier deutlich sehen, in drei verschieden geschichteten Absätzen aufgethürmt sind. Ein starkes fünffaches Echo macht diesen Standpunkt doppelt anziehend.

Vom Reischenstein kommt man durch den Felsengrund, die Gostge, in südlicher Richtung an die Elbe. Wir gehen aus diesem Thale rechts durch den langen Grund zu den Bierwänden, einer Felsenreihe, die mit den Winkeln und der Elbe in gleicher Richtung läuft. Die Postelwitzer Steinbrüche (s. S. 52.) liegen unter diesen hohen, merkwürdig geschichteten Wänden. Ein vorspringender mächtiger Felsenkegel, der Butterweck, dient den Bewohnern des jenseitigen Elbufers als Sonnenweiser, da seine Spalten und Ritzen ihnen die Tageszeit anzeigen.

Wie gehen in dem langen Grunde hinab. Am Wege verweilen wir bei einem großen Sandsteinblocke, der viele Vertiefungen, deren Ränder meist von Eisen braun gefärbt sind, und auf der Nordseite eingesprengte Eisennieren hat. Nach einem kurzen Wege erreichen wir die Schrammthorwände, und steigen auf einem Seitenpfade auf den hohen Rand über den Steinbrüchen, wo eine herrliche Aussicht ins Elbthal uns überrascht. Wir gehen von hier durch das Schrammthor, einen schmalen Durchgang zwischen hohen Wänden, und stehen bald vor dem

Falkenstein,

welcher, aus ungeheuren Schichten aufgethürmt und abgesondert von den benachbarten Felsengestalten, empor steigt, und rings umgangen werden kann. In einem Spalt finden wir Falze und Stufen, welche auf den Gipfel führen, wo wir Jahrzahlen eingehauen finden, die andeuten, das auch hier während des dreißigjährigen Kriegs Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben. Gegen Abend öffnet sich eine schöne Aussicht nach Schandau und Königstein.

Wir gehen von hier über Ostrau an die Kirnitsch hinab, oder durch den Zahngrund nach Schandau zurück, wo wir, wenn wir bei Tagesanbruch abgereiset sind, in den ersten Nachmittagstunden ankommen.

V. Reise nach dem Arnstein, Kleinstein und Heilenberg.

Wir brauchen, den Rückweg mitgerechnet, zu dieser Wanderung ungefähr 10 Stunden. Es öffnen sich uns verschiedene, gleich angenehme Wege. Wir können auf der hohen Straße nach Lichtenhain gehen, und von hier herab zur Lichtenhainer Mühle (s. S. 90.) wo wir mit den Wanderern zusammen treffen, welche vom hohlen Stein (s. oben S. 56.) aufwärts an der Kirnitsch zur Mühle gekommen sind. Der Weg läuft von hier über Wiesen und weiter auf einem, jetzt sehr gangbaren Pfade am Fuße des hohen Kühnbergs durch ein wildes Thal zu Keßlers Mühle. Hier treffen wir diejenigen Reisenden, die vom Kuhstall über Reinertshau und durch einen Theil des kleinen Zschands kommen, der sich nahe bei der Mühle öffnet. Gemeinschaftlich setzen wir nun unsre Wanderung fort, und kommen bald zu einer andern Mühle, wo eine Brücke über die Kirnitsch in den großen Zschand führt. An dem Bach aufwärts wandernd, erreichen wir Neumann’s (sonst Puttrichs) Mühle, deren reizende Umgebungen uns einen Augenblick vest halten, ehe wir zur Buschmühle hinan gehen. Wir finden in einer dieser Mühlen, wenn wir ausruhen wollen, freundliche und dienstfertige Wirthe, die uns immer Milch und wohlschmeckende Butter reichen, und zuweilen gar Forellen auftischen können. Auch werden wir hier gewöhnlich einen Führer finden.

Bei der Buschmühle verlassen wir das Ufer der Kirnitsch, und dem Wege folgend, der am Ottendorfer Bach hinauf führt, kommen wir bald an den Abhang des Berges, der die steile Felsenkuppe, den

Arnstein

trägt, dessen prächtige, in einer Breite von mehren hundert Ellen sich hinziehende Wände an ihrem Fuße von vielen Höhlen durchbrochen sind, welche man, wie es scheint, früher zu Kellern benutzte. In der Mitte der Felsenwand führen kleine Stufen durch einen engen Spalt auf den ersten Absatz des Felsens, von hier bringt uns eine hölzerne Treppe auf den 2ten, dann eine Felsentreppe auf den 3ten und endlich ein enger Felsenweg auf den letzten Absatz, einen ebenen Platz, wo wir manche Spuren früherer Ansiedelung sehen. Die merkwürdigste darunter ist ein vierseitiger, senkrecht in den Felsen gehauener Brunnen, welchen die Sage bis zur Fläche der Kirnitsch hinab gehen läßt. Einige Landleute, die vor mehren Jahren den Brunnen von Streu und Schutt bis auf zwanzig Ellen reinigten, um Schätze zu suchen, sollen mit einer langen Stange, die sie hinab stießen, keinen Grund gefunden haben. Andre Schatzgräber gruben an andern Stellen eiserne Pfeile und Bolzen aus. Die Aussicht von der Kuppe ist auf die nahen Felsenumgebungen beschränkt, da die umliegenden Höhen den Blick in die Ferne hemmen. Wir steigen auf demselben Wege hinab, welcher der einzige Zugang auf die Felsenplatte ist, und westlich an der hohen Wand fortwandernd, erblicken wir wieder viele Höhlen, worin man gleichfalls Spuren früherer Benutzung bemerken kann. An der hintersten Seite, wo die Wände sich spalten und viele eingehauene Falze sichtbar sind, will die Sage den Platz der ehemahligen Burgkapelle finden. Einer der alten Burgherren, erzählt die Ueberlieferung, entführte einst ein Fräulein von einem Schlosse in der Umgegend, und ließ darauf einen Geistlichen mit Gewalt aus seiner Wohnung in der Nachbarschaft hohlen und auf die Felsenburg bringen, der ihn hier mit der geraubten Braut trauen mußte, und eine Zeitlang vest gehalten wurde, um den Gottesdienst zu besorgen. Alles aber, was man von dieser Felsenburg auf dem Arnstein erzählt, gründet sich bloß auf dürftige Ueberlieferung, die von den angegebenen Spuren ehemahliger Ansiedelung nur schwach unterstützt wird, und es möchte wohl nicht jeder in den Umrissen von drei Blättern mit einer dolchartigen Figur, die man unten am Fuße der Felsenwand, wo ein Thor gestanden haben soll, eingehauen sieht, gleich ein altes Wappen erkennen.[10] Bei aller Unfruchtbarkeit der ältern Geschichte, ist es doch auffallend, gar keine urkundlichen Spuren von den Burgen zu finden, womit man so viele Felsen in diesem Gebirglande freigebig bebaut hat. Niemand wird bei mehren derselben die frühere Bewohnung abläugnen wollen; selbst in ältern Zeiten aber haben sie kaum lange zu Wohnsitzen, sondern wohl nur als augenblickliche Zuflucht gedient, und leicht möchten sich in den meisten Fällen alle Spuren ehemahliger Ansiedelung oder Bevestigung auf die Zeit zurück führen lassen, wo während des dreißigjährigen Krieges Flüchtlinge hier Rettung suchten. Aus diesem Umstande, aus dem Mangel einer alten Geschichte, möchte denn auch der Mangel eigenthümlicher, das Gebiet der Vorzeit sinnig schmückenden Ueberlieferungen zu erklären sein. Die Sage wurzelt im Boden der Geschichte. Auch andre Reisende haben, so viel wir wissen, vergebens nach solchen, noch unter dem Volke lebenden Sagen geforscht, womit die Fantasie, sollte man meinen, die wunderbare Felsenwelt hier beleben müßte, wenn diese wirklich einmahl belebt gewesen wäre. Alles der Art, was man eingesammelt hat, ist entweder dürftig und ohne heimisches Leben, ohne örtliche Eigenheit, oder aus neuerer Zeit, z. B. die anziehendste dieser Sagen, die bekannte Erzählung von dem Ursprung des Nahmens hohe Liebe, wie sie im Munde des Volkes lebt. Wer glücklicher im Sammeln sein sollte, möge seinen Fund mittheilen.

Auch auf den gegenüber liegenden Felsen, den Lorenzstein, wo früher ein alter Pfeil gefunden wurde, versetzt man eine Burg, deren Bewohner mit den Rittern auf dem Arnstein in langer Fehde gelebt haben sollen. Die von dem Felsen getrennte Kuppe von gleicher Höhe, die rechts vom Eingange sich erhebt, wird gleichfalls zum Arnstein gerechnet, und das Volk gibt diesen Nahmen der ganzen umliegenden Felsengruppe. Vom Arnstein führt ein, vor einigen Jahren gebahnter Pfad durch den waldigen Wiesengrund, den der Weißbach belebt, zu dem

Kleinstein,

in dessen hohen Wänden wir schon vom Thale aus, wo der Weg an seinem Fuße hinläuft, eine scheinbar unbedeutende Oeffnung erblicken. Hinter Felsenblöcken zieht sich der Weg auf den Gipfel, und wir treten in die Oeffnung einer breiten Höhle, die sich zwischen zusammengeschobenen Sandsteinfelsen spitzig wölbt, und oben einen schmalen Spalt hat. Die Aussicht aus dem Eingange ist beschränkt, aber die Betrachtung des wunderbaren Baues dieser Wölbung belohnt den Wanderer.

Wer nicht sogleich den Rückweg antreten will, kann an diese Wanderung andere Reiselinien knüpfen. Den nächsten Ruheplatz bietet uns Saupsdorf, nur eine halbe Stunde vom Kleinstein entfernt, und von hier würde man nach Hinterhermsdorf gehen, wenn man die obere Schleuse an der Kirnitsch besuchen wollte, die wir in der Folge beschreiben werden. Wollen wir nach Schandau zurückkehren, so lassen wir uns, wenn geognostische Merkwürdigkeiten uns anziehen, vom Kleinstein, am Abhange des Hirschwaldes hin, durch das Kirnitschthal auf den Heilenberg führen, aus dessen Sandsteinkuppen in einem sehr beschränkten Umfange, regelmäßige Basaltsäulen, die drei-, vier- und fünfseitig und oft 8 bis 10 Fuß lang sind, hervor brechen, und zum Theil in großen Haufen umher liegen. Das Gestein ist von grauschwarzer Farbe, und enthält häufig eingesprengte Magneteisensandkörner, die sich darin rundlich und stark glänzend zeigen, als ob sie geschmolzen wären. Auf dem Gipfel öffnen sich durch einige Waldblößen Aussichten in die Nähe und Ferne. Am Fuße des Berges sehen wir das Mundloch eines alten Stollns, deren man in der Umgegend, wo früher auf Magneteisenstein gebaut wurde, noch mehre findet.

Sind wir durch das Kirnitschthal hinaufgereiset, so werden wir den Rückweg über Ottendorf, oder über die Lichtenhainer Mühle (s. S. 90.) und die hohe Straße wählen. Wer früh von Schandau aufgebrochen ist, könnte seine Wanderung verlängern, und sich vom Heilenberg über die drei Stege zum Zeughause im großen Zschand bringen lassen. Von hier würde er entweder auf den nächsten Wegen durch Dietrichs Grund und das Kirnitschthal, oder auch am Fuße des Falkensteins (s. S. 103.) nach Schandau gehen, oder sich über den Roßsteig, oder durch die anziehenden Richters Schlüchte — die wir künftig besuchen werden — auf den großen Winterberg führen lassen und von hier über Schmilka, wo die reizend liegende Mühle einen Ruheplatz darbietet, zurück kehren.

VI. Reise in den großen Zschand, Hiekels Schlüchte, Richters Schlüchte, und zurück über den Raubstein und Wildenstein.

Auch zu dieser Wanderung, wenn wir sie nicht an eine Verlängerung der vorhergehenden Reiselinie knüpfen wollen, brauchen wir ungefähr 10 Stunden. Der Fahrweg in den großen Zschand geht über Ottendorf; den Fußweg über die Lichtenhainer und Keßlers Mühle haben wir auf einer andern Wanderung (S. 104.) kennen gelernt. Wir wandern vom Bade an der Kirnitsch hinauf, bis sich, dem Fall des Beuthenwassers (s. S. 55.) gegenüber, der Dietrichsgrund auf dem linken Ufer öffnet. Wir folgen diesem Seitenthale, das die Felsen und Höhen durchschneidet, und bis zum Fuße des kleinen Winterberges sich fortzieht. Hat man die früher (S. 56.) erwähnte Höhle am Wildenstein, die wir auf dem Rückwege sehen werden, von der Heidemühle aus besucht, so kann man, wenn man nicht gleich durch den Habichtsgrund (s. S. 59.) weiter gehen will, auch in den Dietrichsgrund kommen. Aus diesem Thale führt durch die nasse Schlüchte ein Weg zu den beiden Speichenhörnern. Die höchste dieser Felsengestalten, die wie Burgen empor ragen, heißt das vordere Raubschloß, wo eine Burg gewesen sein soll. Man findet auch auf dem Gipfel des schwer ersteiglichen Felsens manche Spuren ehemahliger Bevestigungen und unter andern eine, wie es scheint, durch Menschenhände erweiterte Höhle, die eine der größten in dieser Felsengegend ist. Das Bauerloch, eine tiefe enge Felsenschlucht, läuft zwischen dem Speichenhorn und dem langen Horn, dessen Wände in verschiedenen Absätzen sich aufthürmen, von welchen der obere, mit dem untern nicht verbunden, auf Felsenstücken ruht, und von vielen Höhlen durchbrochen ist. Von diesem merkwürdigen Felsenbau ist der nahe Affenstein durch eine Schlucht abgesondert.

Wir können durch das Bauerloch auf einem steilen Pfade in den Dietrichsgrund zurück kehren, und gehen dann längs dem Fuße des kleinen Winterberges und unter dem Raubstein weg durch die Wieselschlüchte in den

großen Zschand,

wo wir im Zeughause, einem königlichen Jagdgebäude, Obdach finden. Das Felsengebiet östlich von Schandau wird in seiner ganzen Breite von diesem Thale durchschnitten, durch welches die Hauptstraße aus dem, östlich von Sebnitz liegenden Theil Böhmens über Ottendorf nach Hirniskretschen führt. Auf beiden Seiten des Thales laufen bis gegen das Zeughaus hohe, in mannigfaltigen Gestalten empor ragende Felsenwände, die bald mit jungem Gehölz bekleidet, bald mit Moos, Farrenwedeln, oder wildem Efeu mahlerisch geschmückt, oft auch von wildem Rosmarin umschlungen sind, dessen würziger Duft den Wanderer an warmen Sommertagen erquickt. In der Nähe des Zeughauses findet man Magneteisensand, womit der Boden in frühern Zeiten so reichlich bedeckt war, daß man ihn im Anfange des vorigen Jahrhunderts bergmännisch gewann. Die Gesellschaft, welche diesen Bau, zugleich mit dem oben erwähnten Versuchbau am Heilenberg, betrieb, hieß die Granatengewerkschaft, weil man den Eisensand Granaten nannte, und 1723 ward eine Münze von dem gewonnenen Metalle geprägt.

Auf beiden Seiten senken sich von den Höhen Felsenthäler in den großen Zschand hinab. Wir gehen zuerst längs der östlichen Wand hin, und kommen in 3 Viertelstunden in

Hiekels Schlüchte,

die sich am Ende der Thorwalder Wände öffnet. Wir steigen hinan und stehen vor dem Eingange der merkwürdigen großen Höhle. Im Hintergrunde dieser ungeheuren Wölbung quillt aus dem Felsen eine klare Quelle, die sich erst in einem natürlichen Becken sammelt und dann in einem verborgenen Abflusse sich verliert.

Wir gehen durch die Schlucht in den Zschand zurück, und erreichen nach einer Viertelstunde die, an der westlichen Wand des Zschands sich öffnende Webers Schlüchte, die sich, von üppigem Pflanzenwuchse begrünt, an den Polischhörnern zwischen prächtig empor steigenden Felsenwänden breit hinan zieht. Wer dem Zuge dieses Thales folgen will, kann über den Jordan (s. S. 64–65) bald zum Prebischthor kommen, oder über den Schlüssel gerade nach Hirniskretschen hinab gehen. Wir kehren in den Zschand zurück, und stehen bald vor dem Eingange eines andern Felsenthales,

Richters Schlüchte

genannt, das gleichfalls aus der westlichen Wand hinab fällt. Dieses mahlerische Thal verdient vor allen einen Besuch. In wunderbaren Gestalten erheben sich die Sandsteinfelsen auf beiden Seiten, bald wie die Mauern alter Burgen, bald wie Basteien und Thürme aus den Waldwipfeln hervor ragend, bis wir endlich, am Ausgange der Schlucht, unter dunkeln Schatten vor einem Felsenbau stehen, dessen Wände, prächtigen Tempeltrümmern ähnlich, über 100 Fuß hoch aufsteigen, und in einer kühnen Wölbung sich schließen. Von diesem Dom fällt immer Wasser in großen Tropfen an der hintern Wand in eine, von Felsenblöcken verdeckte Tiefe hinab, das im Frühlinge, oder nach langer Regenzeit zu einem rauschenden Fall anschwillt. Nicht weit von diesem Felsen, welchen man den Tempel in Richters Schlüchte nennt, führt ein, zum Theil steiler Pfad in 3 Viertelstunden auf den großen Winterberg, und links ein südwestlich laufender Weg in ungefähr gleicher Zeit zum Prebischthor.

Wir kehren wieder in den großen Zschand zurück und wandern längs der westlichen Wand zum Zeughause hinauf. In der Nähe des Hauses, an einer vom Heilenberg abfallenden Schlucht, erhebt sich der schroffe Teichstein, der seinen Nahmen von einem nahen Teiche hat, wo in frühern Zeiten große Wasserschlangen lebten. An der jenseitigen Thalwand hinter dem Jagdhause läuft durch eine, sich hier öffnende Schlucht der Roßsteig hinan, ein enger steiler Felsenweg, der uns zu dem, an der Pechschlüchte emporragenden Goldstein führt, dessen schroffe Wände gelbes Moos bekleidet. Von der Höhe blicken wir über die vorliegenden Felsenthäler in die Gegend von Hinterhermsdorf, über welche die sächsischen und böhmischen Gränzgebirge und der Bergzug des fernen Hintergrundes hervor ragen. Der Roßsteig führt weiter in südwestlicher Richtung über den Lehmhübel zum großen Winterberge, und über den Schlüssel zum Prebischthor. Wir aber folgen einem rechts ablaufenden Pfade, der uns zu den Bärfangwänden führt, wo wir in eine, dem Kuhstall ähnliche Höhle treten. Ein steiler Pfad läuft hier in die nasse Schlüchte hinab, und wo diese in den kleinen Zschand fällt, sehen wie eine Pechhütte dampfen.

Unweit der Bärfangwände, nahe an der Queene, erhebt sich auf einem hohen Berge der

Raubstein,

ein mächtiger Sandsteinfelsen, durch dessen Wölbungen und gespaltene Wände der beschwerliche Weg auf den Gipfel führt, wo sich manche Spuren ehemahliger Bewohnung, ein Wasserbehältniß, Keller und altes Gemäuer finden und eine belohnende Aussicht über die umliegende Felsenwildniß sich öffnet.

Wir gehen in den Habichtsgrund (s. S. 59 und 109.) hinab und folgen dem Pfad, der uns zum

Wildenstein

hinan führt, wo wir am Fuße des Felsens den Eingang einer tief einlaufenden finstern Höhle erblicken. Auf der Kuppe öffnet sich eine reiche Aussicht auf den prächtigen Felsenkranz, der sich über dem, das Thal bedeckenden dunkeln Wildensteiner Walde vom kleinen Winterberge bis zu dem langen Horn, dem Affenstein und den Speichenhörnern ausdehnt. Der Schrammstein, der Falkenstein und die hohe Liebe blicken hinter dem Affenstein hervor, und in der Ferne sieht man den Papststein und die Bärsteine, während sich auf der nördlichen Höhe die Dörfer an der hohen Straße bis Lichtenhain zeigen. Zwischen dem Winterberge und dem Kuhstallfelsen entdecken wir gegen Morgen den Lorenzstein, den Raubstein und den Arnstein und im Hintergrunde die Thorwalder Wände. Man hat auch auf diese Felsenkuppe eine Burg versetzen und darin das gleichnahmige Schloß finden wollen, dessen eine Urkunde aus dem 15ten Jahrhundert gedenkt, obgleich sich auf dem Gipfel nicht die mindeste Spur ehemahliger Bewohnung findet.

In einer Viertelstunde kommen wir vom Wildenstein zur Heidemühle (s. S. 55.) und wandern an der Kirnitsch nach Schandau hinab.

VII. Reise über Hinterhermsdorf zur obern Schleuse, und zu den Thorwalder Wänden.

Diese Wanderung wird, den Rückweg nach Schandau mitgerechnet, zwar nicht mehr als eine Tagereise fodern, da sich aber auch hier manche Versuchungen zu anziehenden Abschweifungen darbieten, so werden wir uns freilich einen erhöhten Genuß und mehr Bequemlichkeit bereiten, wenn wir längere Zeit dazu bestimmen, und wenigstens am ersten Tage den vierstündigen Weg von Schandau nach Hinterhermsdorf zurück legen. Wir gehen am bequemsten auf der hohen Straße bis Lichtenhain, und von hier über Ottendorf nach Saupsdorf, wo es ansehnliche Garnbleichen gibt. Auf dem nahen Wachberge ladet ein freundliches Obdach zum Verweilen ein, und wir genießen die reiche Aussicht über das ganze Felsengebiet von den Thorwalder Wänden bis zum Schrammstein. Der Winterberg und die nahen und fernen Gebirge Böhmens steigen im Hintergrunde empor, während unser Auge gegen Abend dem Zuge der Berge und Thäler bis in die blaue Ferne folgt, wo wir bei hellem Himmel selbst Dresden sehen. Auf einem anmuthigen Wege, den die Aussicht in eine schöne Bergferne erheitert, kommen wir in 1 Stunde nach

Hinterhermsdorf,

einem ansehnlichen und gewerbsamen Dorfe, wo wir im Lehngerichte gute Bewirthung finden. Gegen Mitternacht, eine halbe Stunde vom Dorfe, erhebt sich der Weifberg, und eine Viertelstunde weiter, jenseit der böhmischen Gränze, der höhere Hantschberg, an dessen Fuße das schöne und gewerbsame Dorf Nixdorf sich ausbreitet. Wie besteigen beide Berge, oder wenigstens den Hantschberg, wo ein herrliches Landschaftbild vor uns liegt, das an die Aussicht vom Winterberge erinnert. Wollen wir die Wanderung zur obern Schleuse auf einem angenehmen Umwege machen, so gehen wir von Hinterhermsdorf in östlicher Richtung an den Steinbergen bis zur Heidelbachmühle. Unterhalb dieser Mühle fließt der Heidelbach in die Kirnitsch, die nun, ungefähr 1 Meile weit, die Gränze zwischen Sachsen und Böhmen bildet. Wir werden den Weg durch das ungemein reizende Thal, in welchem die Kirnitsch von dem böhmischen Städtchen Schönlinde hinab fließt, künftig kennen lernen, und gehen vom Ausfluße des Heidelbachs, wo die Mittelmühle unter einer Berghöhe, Toffel im Fleckel genannt, jenseit der Kirnitsch im böhmischen Gebiete liegt, auf einem anmuthigen Wege zur Niedermühle. Längs dem rauschenden Bache kommen wir bald zu Reißers Höhle, die uns unter einem hohen, weit überhangenden Felsen einen kühlen Ruheplatz darbietet. Wir verlassen hier das Ufer des Baches, steigen in Reißers Grund zu den Steinbrüchen hinan, die einen harten und feinen Sandstein liefern, und kommen über den Hauberg zum Schleusenberg. Wer den beschriebenen Umweg nicht machen will, geht von Hinterhermsdorf auf einem weit nähern und bequemen, im Jahre 1820 geebneten Wege über die Grünstelle, einen hohen Felsen, wo wir das gebirgige Gränzgebiet Böhmens überschauen, zum Schleusenberg, unter welchem die

obere Schleuse

liegt. Ein steiler Pfad führt von dem hohen Bergrande in diesen Felsenspalt, dessen schroffe Wände mit Farrenwedeln, Moosen und vielfarbigen Flechten bekleidet, über 300 Fuß hinab stürzen. Die Kirnitsch rauscht ungestüm durch ihr enges Felsenbett über die, im Jahre 1816 von dem Floßmeister Hering in Schandau neu gebaute Schleuse, und läßt hier, wo die schroffen Wände, der Krümmung des Baches folgend, den finstern Schlund ganz zu verschließen scheinen, nur einen schmalen Uferrand, auf welchem ein Hüttchen für die Floßarbeiter an den Felsen sich lehnt. Die Wände rücken oben so nahe zusammen, daß nur ein schmaler Streif des Himmelslichts den furchtbaren Abgrund erhellet. Diese Schleuse ward, nebst einer andern unter dem hohen Holzig, östlich von den Thorwalder Wänden, zuerst im Anfange des 17ten Jahrhunderts für die, im 16ten Jahrhunderte angelegte, wichtige Kirnitschflöße erbaut. Die Arbeiten des Flößens fangen im Herbst an. Das Scheitholz wird während des Winters an den Bach, oder auf hohe Uferränder gefahren, wo es hinab gestürzt werden kann. Solche Stellen, die aus einem Kanal von Stangenholz bestehen, nennt man Bloßen, oder Huschen. Können die Schlitten der Landleute, wie es gewöhnlich der Fall ist, das gefällte Holz nicht weiter als auf Höhen bringen, die von den Uferwänden der Kirnitsch durch Felsenschluchten getrennt sind, so werfen die Floßknechte über die Klüfte große Baumstämme, die mit kleinern Stämmen und vielen Zweigen belegt werden, und über diese kühnen Brücken schaffen sie das Holz auf Schlitten an die Bloßen. Die herabgestürzten Scheite bilden am Bache einen hohen Haufen, der im Winter vest friert, und im nächsten Frühlinge von den Floßknechten in den angeschwollenen Bach hinab gestürzt wird, der das Holz nach Schandau trägt.

Wir steigen wieder auf den Schleusenberg, und kommen vom nahen Seufzengründel — wo wir im Sandboden viele Mineralien, z. B. braunen kristallisirten Hyacinth, Augit, selten nur edlen Granat, aber Magneteisensand in großer Menge finden — in einer halben Stunde zum großen Darnstein, an dessen Fuße, jenseit der Kirnitsch, ein böhmisches Wirthshaus liegt. Hier zieht sich durch einen langen und engen Grund, Kühzahl am Hühnerkropf genannt, und durch den Höllengrund eine Felsenstraße von Hinterhermsdorf, auf welcher Möllendorf im Julius 1778 einen Heerhaufen mit Geschütz nach Böhmen führte. Wir verlassen nun bald das Ufer der Kirnitsch, die bei der vorspringenden Höhe, das Kirnitschhorn genannt, ihren Lauf nördlich richtet, und gehen abwärts in den Ziegengrund, welcher die Landesgränze bildet, und auf der böhmischen Seite von wunderbaren Felsenbildungen eingeschlossen ist. In einem großen Steine ist das Bild eines Luchses ausgehauen, zum Andenken, daß hier im Jahre 1743 das letzte der Raubthiere, die einst in diesen Felsenwildnissen wohnten, durch einen Selbstschuß erlegt wurde. Nach einer halben Stunde kommen wir zu dem Altarstein, wo die eingehauenen Jahrzahlen 1639 und 1640 die Ueberlieferung bestätigen, daß die, den Kriegsgräueln entflohenen Landleute sich hier zu Andachtübungen versammelt haben. Wir nähern uns nun der mächtigen Felsengruppe der

Thorwalder Wände,

auf deren Höhen uns ein beschwerlicher und für furchtsame, oder unvorsichtige Wanderer zuweilen gefahrvoller Weg über den Hänelsberg bringt. Die Aussicht über die Wildniß, die uns hier in prächtigen, einen weiten Halbkreis einschließenden Felsengestalten umgibt, ist überraschend, und zeigt uns eines der großartigsten Naturbilder, welche das Hochland darbietet.

Wir können auch von hier, aber gleichfalls nur auf sehr beschwerlichen Pfaden, über die Daunenstellge zur Höhle in Hiekels Schlüchte (s. S. 111.) kommen.

Den größten Theil des beschriebenen Felsengebiets kann man auch zu Wagen bereisen, wenn man von Schandau nach Hinterhermsdorf fährt, und während man über die Grünstelle zur obern Schleuse wandert, den Wagen durch den Höllengrund in den Ziegengrund fahren und dann im Zeughause (s. S. 110.) warten läßt, wofern man etwa Hiekels Schlüchte, oder Richters Schlüchte besuchen will. Mit dieser Reise würde sich dann von hier aus (s. S. 112.) der Besuch des Prebischthores, dem man auf keinem andern Fahrwege so nahe kommen kann, verbinden lassen. Vom Zeughause wird man auf dem bekannten Fahrwege (s. S. 109.) nach Schandau zurück kehren. Wir aber endigen unsere Tagereise auf einem nähern und angenehmern Wege, wenn wir durch den Prebischgrund (s. S. 66.) nach Hirniskretschen wandern, wo eine Gondel uns aufnimmt, wenn wir nicht etwa von hier nach Tetschen reisen, oder unsre Wanderung auf das jenseitige Elbufer antreten wollen.

VIII. Reise nach dem Zschirnstein.

Die Wanderung durch die reizenden Gegenden auf dem südwestlichen Ufer der Elbe wird am beßten auch von Schandau aus gemacht. Wir fahren nach Krippen über, und wenn wir zunächst den Zschirnstein besuchen wollen, wenden wir uns hinter dem Lehngerichte auf den Kirchweg nach Reinhardsdorf, wo wir uns der schönsten Ansicht des Elbthales bei Schandau und der anmuthigen umliegenden Landschaft erfreuen.

Wir aber folgen zuerst dem Wiesenpfade, der uns von Krippen längs der Elbe in einer Stunde zur Hirschmühle führt, die am Ausflusse des Zschiepbaches unter einem überhangenden Felsen den Schrammsteinwänden gegenüber liegt. Ein Fußweg hinter der Mühle bringt uns zur Hundskirche und am Mühlbach hinauf, der in vielen Fällen im Thale hinab stürzt, nach Schönau. Unter diesem Dorfe liegen an der Elbe die Teichsteinbrüche, und nicht weit davon kommen wir zu der Zschiepmühle, der letzten Wohnung auf sächsischem Boden. Bei Schönau erhebt sich der Kahlstein (gewöhnlich Gallstein), oder Kronenberg, ein Sandsteinfelsen, auf dessen Gipfel wir ein reiches Landschaftbild überschauen, worin besonders der Winterberg in seinen großartigen Umrissen hervortritt. Südwestlich liegt der Zirkelstein, der aus unzähligen, in zwei Absätzen aufgethürmten Schichten besteht, wovon die unterste so weit vorspringt, daß man den ganzen Felsen umgehen kann. Durch eine enge Schlucht ersteigen wir den Gipfel, wo wir fast dieselbe Landschaft überschauen, die wir vom Kahlstein erblickten, aber die Gegend um den Rosenberg näher sehen. Am Fuße des Felsens sieht man viele Fuchs- und Dachshöhlen, die in weiten Irrgängen durch den Felsen zu laufen scheinen. Vor mehren Jahren folgte ein Hund einem Dachse in eine dieser Oeffnungen, und kam zur Verwunderung seines Herrn, des Bezirkförsters, erst am neunten Tage heraus.

Wer auf der oben angedeuteten Abschweifung, die über 3 Stunden Zeit fodern würde, uns nicht begleiten kann, weil er wenigstens in den Morgenstunden auf den

Zschirnstein

steigen will, wird gleich von Reinhardsdorf die Wanderung antreten, sei es, daß er von Schandau mit Tagesanbruche abgereiset ist, oder die Nacht im Dorfe zugebracht hat, um das herrliche Schauspiel der aufgehenden Sonne auf dem Berge zu genießen. Man kann von hier fast bis auf den Gipfel des Berges fahren, während von andern Seiten der Weg steil und beschwerlich ist. In einer Stunde ist die Höhe erstiegen, die nach neuen barometrischen Messungen 1761 Par. Fuß über dem Meere liegt. Aus dem Schatten des Waldes tretend, der uns bis zum Gipfel begleitet, überschauen wir das reiche Gemählde, das zu den herrlichsten gehört, welche das Bergland uns darbietet, und selbst die Aussicht vom Winterberge an Umfang übertrifft, da hier unserm Blicke weit weniger verdeckt wird. Vom fernen Schneeberge breitet sich eine Waldlandschaft bis zum Thal der Elbe aus, deren Lauf eine Sandsteinwand bezeichnet, während der Spiegel des Stromes, dessen Windungen wir vom Gipfel des Winterberges verfolgen können, hier nur zuweilen aus dem Dunkel des Waldes hervor blickt. Der Schneeberg deckt uns nur einen Theil Böhmens, aber eine unermeßliche Landschaft liegt vor uns, die von Lowositz bis zum Riesengebirge sich ausbreitet, wovon wir in blauer Ferne das große Rad, oder wie Andre glauben, die Schneekoppe dämmern sehen. Aus dem böhmischen Mittelgebirge heben sich deutlich der Kletscher und die Paszokopole. Seitwärts vom Rosenberge blickt der Schloßberg bei dem böhmischen Kemnitz mit den Trümmern seiner Burg hervor, und der Jeschkenberg aus dem Nebel der Ferne. Ueber dem Buchenkranz des Winterbergs ragen die Zittauer Gebirge, der Hochwald, der Oderwitzer Spitzberg, die Landeskrone bei Görlitz und die Tafelfichte hervor. Steigen wir auf das Rabenbad, einen von der Bergkuppe sich erhebenden Felsen, so erweitert sich die Aussicht, und von dem, in Norden aufsteigenden Falkenberge zieht sich eine Bergferne über die Höhen um Königsbrück, Meißen, Kesselsdorf, Kreischa und über den Kahlenberg und Geiersberg bis zum Schneeberge, während die nähern Berge und Thäler von Stolpen, Hohnstein, Lohmen, Königstein und Pirna sich zu dem breiten, heitern Thale senken, worin unser Auge, hier und da von einem glänzenden Bogen der Elbe geleitet, Pillnitz, Dresden und die nach Meißen sich ziehenden Rebengebirge erblickt, und bei heiterm Himmel selbst den Colmberg bei Oschatz dämmern sieht.

Der Zschirnstein ist aus Sandsteinblöcken zusammengesetzt. Am Fuße des Berges, und noch häufiger auf der mitternächtlichen Seite desselben, nach dem kleinen Zschirnstein hinab, findet man häufig säulenförmige Basaltgeschiebe. Ein Lager von Brauneisenstein, der früher bergmännisch gewonnen wurde, unterbricht den Basaltzug. Auch der letztgenannte Berg, den vom großen Zschirnstein ein Thal trennt, ist mit Basalttrümmern bedeckt.

Wer vom Zschirnstein aus, die Wanderung zum Schneeberge machen will, läßt sich über Kleingießhübel, das am Fuße des Berges mitten im Walde liegt, nach Cunnersdorf bringen, wer aber nach Schandau zurück kehren will, geht wieder nach Reinhardsdorf und Krippen. Haben wir den Morgen auf dem Berge genossen, so werden uns einige Vormittagstunden übrig bleiben, unsre Wanderung zu verlängern. Es winken uns in der Nähe drei mächtige, schroff ansteigende Felsen, der Hennersdorfer Stein, der Papststein und der Gorischstein. Wir gehen von Krippen über den Hofeberg nach Kleinhennersdorf und von hier nach Papstdorf, dessen freundliche Kirche abgesondert vom Dorfe und weithin sichtbar auf der Berghöhe liegt. Wir besteigen von hier den Papststein auf einem ziemlich steilen Pfade, um uns einer belohnenden Aussicht zu erfreuen. Wir sehen über Pillnitz nach Dresden. Die Felsen von Rathen erheben sich am jenseitigen Ufer, Hohnstein blickt aus der Ferne hervor und im höhern Hintergrunde Stolpen auf seiner Basaltkuppe. Auf dem Wege vom Papststein zum Gorischstein verweilen wir unweit der Weinberge, wo sich uns eine herrliche Aussicht auf die Felsenwelt von Schandau öffnet, über welche die Gebirge der Oberlausitz in dämmernder Ferne sich erheben. Der Gorischstein ist schwer zu ersteigen. Am Abhange der östlichen Felsenwand stehen mehre Felsen so gegen einander, daß sie eine hohe Pforte bilden, wovon eine Wand auf einem natürlichen Pfeiler ruht. Man nennt sie den Brömmerstall, weil die Hirsche zur Brunftzeit hier wechseln, und sich einen Pfad rings um den Pfeiler gebahnt haben. Spuren von Steinkohlen im Sandstein gaben um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zu einem Versuchbau Anlaß. Es ist noch das Mundloch eines Stollns am Fuße des Berges davon übrig. Durch den Sandstein streicht eine thonige Masse, die der Walkererde nicht unähnlich gewesen sein soll, so wie man auch eine der lemnischen Erde ähnliche Thonart gefunden haben will.

Wie gehen vom Fuße des Berges durch den Rietschgrund an das Elbufer zurück und folgen dem anmuthigen Pfade, der uns in kurzer Zeit zu der Schandauer Fähre bringt.

IX. Reise nach dem Schneeberg und in den Bieler Grund.

Wir brauchen mit dem Rückwege nach Schandau 10 Stunden zu dieser Wanderung, und gehen auf dem nächsten Wege über Klein-Hennersdorf nach Cunnersdorf, das in einem angenehmen Thale liegt. Die Straße von Dresden und Königstein nach Schneeberg und Tetschen geht durch das Dorf. Wir folgen dem Waldwege am Rande eines tiefen Grundes, in welchem der Fuchsbach hinab fließt, der durch Cunnersdorf läuft und am Fuße des Quirls mit der Biela sich vereinigt. Der Katzstein und der Rothstein, beide leicht ersteiglich, ragen rechts am Wege aus dem Walde hervor. Nach einer Stunde sind wir in Rosenthal, wenn wir nicht, ehe wir in’s Dorf kommen, vom Waldwege links abweichend, eine offene, von zwei Linden beschattete Höhe besteigen wollen, wo uns eine weite und reizende Aussicht überrascht. In den umher liegenden Sandsteinblöcken findet man viele schöne Versteinerungen.

Nach einem kurzen Wege über Felder und Wiesen, umfängt uns bald wieder ein dunkler Wald, und nach einer Stunde erreichen wir das böhmische Gränzdorf

Schneeberg,

das am Fuße des gleichnahmigen Berges liegt. Bei dem östreichischen Zolleinnehmer hohlen wir die Erlaubniß, den Berg zu besteigen, und in einer halben Stunde sind wir auf der Kuppe, die nach neuern barometrischen Messungen 2240 Par. Fuß über das Meer sich erhebt. Auf dem Standpunkte gegen Abend liegt das Gelände vor uns, das der Gebirgkranz umfaßt, der sich vom Falkenberg bis zum Sattelberg ausdehnt, und unser Auge fliegt von diesem Gränzpunkte bis zum Kolmberge und zu den Gebirgen bei Großenhain, und von den Anhöhen um Meißen bis zu den Annaberger Gebirgen und zum Fichtelberg. Noch weiter ist die Aussicht in der Nähe des Telegraphen. Wir sehen vom Erzgebirge bis zum Riesengebirge und über Tetschen bis zum weißen Berge bei Prag, während im Mittelgrund das reizende Uferland der Elbe sich ausbreitet.

Von dem Schneeberge, der den Mittelpunkt des Berglandes auf dem linken oder südöstlichen Elbufer bildet, ziehen sich fast nach allen Richtungen Gebirgstrahlen, von welchen der westwärts längs der Gränze hinab laufende durch einen breiten Gebirgsattel bei Höllendorf mit dem Sattelberge, dem Endpunkte des Erzgebirges, verbunden wird. Es kommt hier die seltene Erscheinung vor, daß sich von derselben Höhe die Bäche nach Mitternacht, Morgen und Mittag in denselben Fluß ergießen.

Wir gehen über die Gränze zurück, und in den

Bielergrund

hinab, der unter dem Schneeberge, bei dem böhmischen Dorfe Eiland anfängt und von dem, am Abhange jenes Berges entspringenden Bielbach durchflossen wird. Das mahlerische Thal zieht sich unter den mannigfaltigsten Abwechselungen bis gegen Königstein hinab, wo der Bach in die Elbe fällt. Bald nach dem Eintritte in das Thal, stehen wir vor der Oeffnung einer finstern Höhle, die über 60 Fuß tief in das Innere des Felsens sich zieht, wo sie zu einem breiten Gewölbe sich erweitert, das im dreißigjährigen Kriege den Geflüchteten Schutz gewährte, und daher das Schwedenloch genannt wird. Bei der ersten Mühle, Ehrlichsmühle, erweitert sich das Thal; der Wald weicht von den heitern Wiesenufern des Baches zurück, der auf beiden Seiten von den seltsamsten Felsengestalten eingeschlossen ist, welche diesem Thale ganz eigne Reize geben. Auf der Mittagseite erhebt sich eine ersteigliche Felsenkuppe, der Kanzelstein, wo zu der Zeit, als die Hammerwerke in diesem Thale betrieben wurden, ein Prediger zuweilen zu seinen unten versammelten Zuhörern gesprochen haben soll. Nicht weit von hier sehen wir die Trümmer eines Hammerwerkes, deren es vor der Mitte des 18ten Jahrhunderts hier mehre gab, die das Eisen aus Gießhübel erhielten. Die nahe Oberhüttenmühle in einer ungemein reizenden Lage, gewährt uns einen Ruheplatz und Bewirthung.

Wollen wir nach Schandau zurück kehren, so folgen wir dem Laufe des Baches bis zu dem Dörfchen, die Hütten, das am Fuße des Königsteins in einem anmuthigen Thale, dem Hüttengrunde liegt, der von den zahlreichen Eisenhämmern, die hier vor Zeiten im Gange waren, den Nahmen erhielt. Wir wenden uns hier zu dem Quirl, einem Felsenberge, an dessen Fuß auf der Abendseite eine sehr tiefe und breite Höhle, der Diebskeller, sich öffnet und uns einen kühlen Ruheplatz bietet, wo wir an heiteren Tagen eine schöne Ansicht des nahen Königsteins und des Liliensteins haben. Auch die Aussicht vom Gipfel des Berges ist anziehend. Oestlich vom Quirl erhebt sich nahe bei Pfaffendorf der Pfaffenstein, ein waldiger Felsenberg, an dessen Morgenseite der Jungfernstein empor ragt, dem die Sage eine abenteuerliche Entstehung gibt. Eine Mutter, erzählt sie, schickte am Sonntage ihre Tochter in die Kirche, das Mädchen aber ging auf den Pfaffenstein, um Heidelbeeren zu suchen, wo die Mutter sie endlich fand und in der Aufwallung des Zornes wünschte, die Ungehorsame möchte zu Stein werden, worauf denn alsbald die Jungfrau in einen schlanken Felsenkegel verwandelt wurde. Von hier führt der Weg am Fuße des Gorischsteins (s. S. 124.) an das Ufer der Elbe.

Auch hier aber werden wir uns leicht zu einer Abschweifung verleiten lassen, wozu die westlich nach der Gottleube sich hinziehende Gegend uns einladet. Wir verlassen alsdann den Bielergrund und ersteigen unweit des Kanzelsteins den westlichen Thalrand. Auf einem Waldwege und durch den hohlen Stein, einen ausgehauenen Felsenweg, kommen wir bald nach Markersbach, das am Schwarzbach in einem tiefen Thale liegt, und einst einen, vor beinahe zwanzig Jahren eingegangenen Eisenhammer hatte. Ungefähr eine halbe Stunde von dem Dorfe erhebt sich der Hartstein, auf dessen Gipfel wir das schon von manchen andern Standpunkten gesehene Landschaftbild gern noch einmahl betrachten. In dem großen Halbkreise, der sich von Hohnstein und Stolpen über die Gebirge bei Königsbrück und die Anhöhen um Meißen bis zum Geisingberg und Sattelberg zieht, hebt sich besonders der Zug des Rebengebirges von Pillnitz bis Meißen hervor. Gegen Südwest sehen wir die nahen Gränzdörfer Höllendorf und Peterswalde, durch welche die Straße von Dresden nach Teplitz, Karlsbad und Prag läuft.

Wir sind hier an der früher (s. S. 7.) angedeuteten Gränze, wo das vorherrschende Sandsteingebirge mit einer andern Gebirgart wechselt. Der südliche Abhang des Erzgebirges zwischen der Freiberger Mulde und der Elbe, den wir hier berühren, besteht größtentheils aus Gneis, der auf Granit liegt. Die Umgegend war im August und September 1813 der Schauplatz vieler blutiger Gefechte. Wer nicht durch den anmuthigen Oelsengrund zu dem Städtchen Gottleube wandern will, folgt vielleicht der Landstraße, die nach Gießhübel führt. Die kräftige, schon in frühern Zeiten viel besuchte Heilquelle dieses Städtchens, das in einem sehr anmuthigen Thale liegt, ist seit 1822 neu gefaßt worden, und überhaupt hat der jetzige Besitzer bei der neuen Einrichtung des Bades und der Verschönerung der Umgebungen so viel Sorgfalt und Geschmack gezeigt, daß der Aufenthalt für die Kranken, die hier Heilung suchen, und für Naturfreunde neue Annehmlichkeiten erhalten hat. Es gibt in der Nähe mehre ausgezeichnet schöne Gegenden, die eines Besuches werth sind, i. B. der Felsberg, der Hohenstein, der Jagdstein, die theils durch reizende Aussichten, theils durch mahlerische Felsenbildungen anziehen. Wir begnügen uns mit diesen Andeutungen[11], und treten den Rückweg an. Folgen wir dem Laufe der Gottleube, so kommen wir in die Zwiesel, wo eine Mühle und einige Häuser an heitern Bergwiesen liegen. Bald aber umfängt uns ein wildes Felsenthal, das der Bach durchrauscht; der Pfad schlingt sich durch dunkle Waldschatten bis zur einsamen Buschmühle, und kaum sind wir eine Viertelstunde weiter gegangen, so sehen wir den Langhennersdorfer Bach zwischen Sandsteinfelsen, die von Baumgruppen umgeben und mit dunklem Wintergrün bekleidet sind, 80 Fuß hoch auf wild zerstreute Blöcke herab stürzen, wo der gebrochene Wasserfall zur Gottleube strömt. Eine Felsentreppe führt am Wasserfall auf die Höhe. Seitwärts öffnet sich eine Höhle, das Zwergloch, die tief in den Felsen läuft.

Wir wenden uns von hier zu dem Hammerwerke Brausenstein am Bieler Grund, und gehen durch dieses Thal über Königstein, oder über Rosenthal nach Schandau zurück.

X. Reisen nach Böhmen.

Wir haben die Wanderungen, die wir von Schandau aus, als dem Mittelpunkte eines großen Kreises, machen wollten, nun vollendet, und bis auf die Gegend, welche wir auf dem Rückwege nach Dresden besuchen werden, das ganze meißnische Hochland bereiset. Bei längerm Aufenthalte in Schandau aber werden wir uns auch in Böhmens reizende Thäler hinüber locken lassen. Eine Reiselinie in die nordöstlichen Gegenden haben wir bereits (S. 96.) angedeutet. Weit anziehender aber sind zwei Reisen, wozu wir, von Schandau aus, nicht mehr als eine, bis anderthalb Tagereisen brauchen.

1. Reise durch den obern Kirnitschgrund zum Tollenstein.

Wir gehen in 4 Stunden nach Hinterhermsdorf (S. 115.), wo wir übernachten, und am folgenden Morgen kommen wir auf dem früher (S. 116.) angedeuteten, sehr anmuthigen Wege an das Ufer der Kirnitsch. Der Wald wird dichter; hohe Felsenwände steigen empor, unter welchen einige, zu Hinterhermsdorf gehörende Häuser unter Obstbäumen liegen. Unser Weg geht aufwärts am Bache, und führt uns zu einem einsamen, zur böhmischen Herrschaft Kemnitz gehörenden Jägerhause, der Jäger genannt. Bald sehen wir uns wieder von mahlerischen Felsen umgeben, an deren Fuße der Bach hinab rauscht, und unter reizenden Abwechselungen führt uns das bald offene, bald wieder von hohen bewaldeten Wänden eingeschlossene Thal über die Dörfchen Khaa und Langengrund zu dem freundlichen Städtchen Schönlinde, wo das Thal der, hier entspringenden Kirnitsch sich in eine anmuthige Gegend öffnet. Das freundliche Städtchen, das Zwirnmanufacturen und ansehnliche Bleichen hat, und viele Wechselgeschäfte für den innern Verkehr treibt, liegt dritthalb Stunden von Hinterhermsdorf, in einem heitern Thale, welches ein Gebirgkranz einfaßt, der von Rumburg längs der Lausitzer Gränze läuft. Ueberall sehen wir in diesem einspringenden Theile des Leitmeritzer Kreises die Spuren reger Betriebsamkeit. In dem großen Dorfe Niedergrund, das sich in einem langen Bogen durch das Thal zieht, ist eine bedeutende Manschestermanufactur und eine ansehnliche Kattunfabrik, deren Erzeugnisse neuerlich durch Walzendruck zu höherer Vollkommenheit gebracht worden sind, jedoch nur im Inlande abgesetzt werden. Wir kommen bald auf die von Rumburg nach Prag führende Straße, und immer reizender wird die Landschaft, über welche die hohen Rücken der Lausitzer Gebirge hervor ragen. Das Städtchen Georgenthal, anderthalb Stunden von Schönlinde liegt freundlich am Abhange des Kreuzberges, und hat seinen Nahmen von Georg von Schleinitz, der es im 16ten Jahrhundert erbaute. Auf der Spitze des Berges steht die Georgskapelle, ein viel besuchter Wallfahrtort. Eine Viertelstunde südlich von der Stadt, nahe an der sogenannten Kaiserstraße, erheben sich auf einem steilen, meist nackten Porphyrfelsen die Trümmer der Burg Tollenstein, die im Mittelalter dem mächtigen Geschlecht Schleinitz gehörte, das in diesem Theile Böhmens und im angränzenden Meißen ansehnliche Güter (s. S. 73.) besaß. Im Jahre 1337 und vollends 1475 wurde das Schloß, auf Befehl des Kaisers, von Zittau’s Bürgern mit Hilfe der Schlesier zerstört. Man sieht noch einige verfallene Ringmauern, mehre Keller und Thürme. Gegen Mittag ist das Hauptthor. Westlich ruhen die Burgmauern auf Felsen. Südwestlich hinter der Burg ragt der hohe Dammberg empor. Das Volk erzählt sich allerlei Sagen von wunderbaren Schätzen, die besonders im nahen Meisengrunde verborgen sein sollen.

Wir haben von hier noch anderthalb Stunden bis zu dem sächsischen Waltersdorf, einem ansehnlichen Weberdorfe, am Fuße der Lausche, und auf dem, durch herrliche Aussichten anziehenden Wege über Johnsdorf und den Johnsberg kommt man von Waltersdorf in 2 Stunden auf den Oybin. Wir aber kehren von Georgenthal entweder auf dem angegebenen Wege über Schönlinde und Hinterhermsdorf, oder auch über Lichtenberg, Carlstein und Hirnischkretschen nach Schandau zurück, oder machen den anziehenden Umweg über Rumburg, Ehrenberg, Zeidler, und die Thomschenke nach Lichtenhain, oder von Ehrenberg durch das Kirnitschthal nach Hinterhermsdorf.

Wollen wir die Reise nach Tetschen, das 3 Meilen vom Tollenstein entfernt ist, mit dieser Wanderung verbinden, so gehen wir von Georgenthal zu dem freundlichen Marktflecken Kreybitz. Wir sind hier am Fuße des nach Ost und Südost laufenden Zuges der sächsisch-böhmischen Sandsteingebirge, der vom Hochwalde bis an die Elbe gegen 7 Meilen lang ist und das Elbgebirge mit dem Sandsteingebirge um Zittau verbindet. Der Sandstein wird in diesem Landstriche zuweilen von andern Gebirgarten, bald von Hornstein und bald von Granit, am häufigsten von Basalt unterbrochen, bei Kreybitz aber sehen wir wieder die, dem Sandsteine eigenen nackten, zerrissenen Felsenbildungen aufsteigen, die sich hier durch mehre schroffe Seitenthäler fortsetzen. Der Tannenberg, wo wir einen großen Theil der Oberlausitz und Schlesiens überschauen, und der Kaltenberg, auf dessen Gipfel wir bis Königstein sehen, ragen unter den umliegenden Bergen hervor. Wir gehen weiter über Wendisch-Kemnitz am Fuße des Rosenbergs, dessen schöne Kuppe wir auf unsern frühern Wanderungen von so vielen Standpunkten erblickt haben. Der kegelförmige Berg steigt ziemlich steil hinan, aber reich ist die Aussicht, die zwischen den Buchen, die seinen Gipfel krönen, sich uns öffnet. Die Abhänge sind mit schwarzgrauem Basalt bedeckt, der auf der Sandsteinkuppe in vesten, fünf- und sechsseitigen Säulen zu Tage ausgeht. Der Lauf des Kemnitzbaches, der den Fuß des Berges bespült, zeigt uns den Weg nach Hirniskretschen, setzen wir aber unsre Wanderung in südwestlicher Richtung fort, so kommen wir bald auf eine Höhe, wo wir Tetschen und das reizende Elbthal erblicken.

2. Reise von Schandau nach Tetschen.

Wir brauchen zu dieser Wanderung nur eine Tagereise, und kommen auf der Elbe, oder auf einem der oft angegebenen Wege nach Hirniskretschen. Längs dem Strome hinan gehend, bleiben wir, ehe wir das Belvedere (s. S. 66.) erreichen, vor der Oeffnung stehen, wo der dürre Grund sich hinabsenkt, und finden uns reichlich belohnt, wenn wir dem Thale bis zu der Mühle folgen, die wir zwischen ungemein mahlerischen, frisch begrünten Felsen eingeklemmt sehen. Wir setzen den Weg an der Elbe fort. Oberhalb Elbleiten liegt jenseit des Flusses zwischen schroffen und dürren Felsen das Dorf Niedergrund, wo das östreichische Gränzzollamt, oder die zweite Elbzollstätte stromabwärts ist, und die Prager Handels- und Schiffahrt-Assecuranz-Gesellschaft seit 1822 ihren Sitz hat, wiewohl gegen die Wahl dieses Ortes als Zollstätte und Umladeplatz, besonders wegen der, aus der Lage desselben hervorgehenden Schwierigkeiten einer Verbindung mit dem Innern Böhmens, gegründete Einwendungen gemacht worden sind. Von hier kommen wir in 2 Stunden nach

Tetschen,

das ungemein anmuthig auf dem rechten Elbufer am kleinen Flusse Polzen im Leitmeritzer Kreise liegt. Das Städtchen, schon im 12ten Jahrhundert als Veste bekannt, gehörte mit der gleichnahmigen Herrschaft um die Mitte des 11ten Jahrhunderts den mächtigen Berka von Duba und Leipa, fiel aber nach der Schlacht am weißen Berge bei Prag, wo der damahlige Besitzer, Rudolf von Bünau, nach Sachsen flüchtete, an das gräfliche Haus von Thun, das es noch besitzt. Ein hoher Sandsteinfelsen über der Stadt trägt das schöne Schloß, das theils gegen Ende des 17ten Jahrhunderts, theils erst im vorigen Jahrhunderte neu erbaut wurde, eine aus dem Felsen gehauene, 936 Fuß lange und 32 Fuß breite Einfahrt und einen, über 70 Klafter tiefen Felsenbrunnen hat. Die Büchersammlung ist ziemlich ansehnlich und die Rüstkammer reich an alten Waffen. Ein Lustgarten umgibt das Schloß, und das Ganze wird von dem geschmackvollen Besitzer immer mehr verschönert. In dem Städtchen, das 1600 Einwohner, eine Kattundruckerei, Baumwollenspinnerei, und viel Handel und Schiffahrt hat, besuchen wir die, im 17ten Jahrhundert erbaute, Lorettokapelle auf dem schönen Marktplatze, die Sakristei in der Stadtpfarrkirche mit guter Bildhauerarbeit, und den Wasserthurm, wo ein vom Mühlbache getriebenes Rad über 40 Eimer füllt und eine in den Schloßgarten geführte Röhre sich ausgießt. Der Fluß Polzen, der hier in die Elbe fällt, hebt gewöhnlich im Frühlinge zuerst die Eisdecke des Stromes und veranlaßt dadurch die Ueberschwemmung in Sachsen, während die Moldau bei Prag noch zugefroren ist. Die seit 50 Jahren bekannte Heilquelle, das sehr gut eingerichtete Josefsbad, liegt nahe bei dem Dorfe Weyer.

Wir sind hier in einer Gegend, die man mit Recht Böhmens Paradies nennt, und gewiß ist kein Theil des Elbthales schöner, als das Uferland von Tetschen bis Aussig, wo zwischen mahlerischen Felsengestalten ein reizendes, fröhlich geschmücktes Gelände sich durchschlingt, und hier Felsenstirnen mit Burgtrümmern, dort Weinberge mit Winzerhütten, dort freundliche Dörfer mit ihren Kirchthürmen sich in dem still bewegten Strome spiegeln, den Schiffe und leichte Kähne beleben. Alles ladet uns ein, in dem Städtchen länger zu verweilen, wo ein guter Gasthof uns alle Bequemlichkeiten darbietet. In der Nähe und Ferne locken uns reizende Gegenden. Wir besuchen die anmuthige Meierei Liewerda, 3 Viertelstunden von Tetschen. Der 2 Stunden entfernte Schneeberg (s. S. 126.) ist von hier am bequemsten zu besteigen. Wir gehen durch Tichlowitz, eine Meile aufwärts am rechten Elbufer, zum Zinkenstein, auf dessen Gipfel wir von sieben verschiedenen Standpunkten die bezauberndsten Aussichten genießen. Auf dem halben Wege nach Aussig, eine Viertelstunde ostwärts von der Elbe, erhebt sich unweit des Dorfes Nieder-Welhottin der schroffe Spaltenstein, eine auf grauem Sandstein aufsitzende, dreimahl gespaltene Basaltkuppe, die aus Laubholz- und Tannenwipfeln, gegen 700 Fuß hoch über der Elbe, mahlerisch hervor ragt. Nicht weit von hier ziehen sich am Elbufer die Podskalsky-Weinberge nach Aussig hinan, die einen, im ersten Jahre wie Champagner schäumenden weißen und rothen Wein liefern. Oberhalb Aussig, das auf dem linken Elbufer liegt, erhebt sich der Schreckenstein, ein nackter Porphyrfelsen, dessen von den Hussiten zerstörte Burg auf das blutige Schlachtfeld hinabschaut, wo im Brachmonat 1426 gegen 12000 Meißner und Thüringer, die Friedrichs des Streitbaren großherzige Gemahlinn, Katharina, zum Schutze des Vaterlandes gesammelt hatte, im Heldenkampfe erlagen.

Haben wir uns verleiten lassen, so weit unsere Wanderung fortzusetzen, so miethen wir in Aussig einen Kahn, der uns nach Schandau zurück bringt.

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