III.
Reading edition
Die weltberühmte Fahrt des Fernando de Magallanes und die Lösung des so lang ersehnten geographischen Problems durch ihn ist so bekannt, daß wir hier von einer wenn auch nur kurzen Schilderung absehen können. Interessant für die Zwecke dieser Zeilen sind gewisse Einzelheiten seiner Reise; am Abend des 13. Januar 1520 fuhren die Seefahrer ein in den Rio de Solís, segelten zwei Tage und sichteten »einen Berg ähnlich einem Hute« (»una montaña hecha como un sombrero«), den sie »Monte Vidi« nannten. Magellanes ließ durch seine Schiffe darauf die gesamten Küsten und Zuflüsse jenes mächtigen Beckens erforschen, um eine Durchfahrt zu finden, und segelte Anfang Februar nach Süden weiter. Seiner Tatkraft gelang es, bis zu den Philippinen zu dringen, wo er am 27. April 1521 durch die Eingeborenen den Tod finden sollte; 18 erschöpfte Seefahrer unter dem Kommando des Sebastian del Cano langten schließlich als erste Weltumsegler auf einem Schiffe, der Victoria, am 6. September 1522 in Spanien wieder an.
Sturm auf Buenos Aires durch die vier verbündeten Indianerstämme (23 000 Mann) 1536.

Während Loaisa (1525–1526) die Fahrt durch die heute nach ihrem Entdecker benannte Magellanstraße wiederholte, wurde im Frühling des Jahres 1526 der Venezianer Sebastian Cabot, spanisch Gaboto, von Sevilla ausgesandt, um durch die Magellanstraße zur Südsee, zu den Molukken und »nach Ophir, China und Japan« zu gehen. Aber bei seiner Ankunft in Pernambuco (6. Juni 1526) erfuhr er durch den Geschäftsführer der Faktorei, Manuel de Braga, von den vermeintlichen Reichtümern des von Juan Díaz de Solís entdeckten Landes und diese Angaben wurden ihm von einem andern Portugiesen Gomez Arbolancha bestätigt, der dort in der Verbannung lebte. Auf seiner Weiterfahrt stieß dann Cabot bei der Insel Santa Catalina auf einen Trupp portugiesischer Seeleute und Soldaten, die von einem zur Flotte des Loaisa gehörenden Schiffe desertiert waren, welches unter dem Kommando des Rodrigo de Acuña nach Spanien zurückkehrte und, wie wir schon sahen, die Nachrichten von einem Silberlande mit nach drüben nahm. Cabot sprach auch jene zwei an der Küste gebliebenen Gefährten des Alejo García, welche ehemals zur Expedition des Solís gehört hatten, und diese erzählten ihm natürlich auch von den Schätzen, die sie aus dem Innern von ihren Kameraden erhalten hatten, und die Acuña hatte mitnehmen sollen. Cabot gab daher auf Grund dieser Nachrichten und gewiß auch wegen Zwistigkeiten mit seinen Kapitänen den ursprünglichen Reiseplan auf und segelte nach dem Río de Solís, wo er am 17. April 1527 an der östlichen Küste gegenüber der Insel Martín García ankerte. Hier fand er jenen Francisco del Puerto wieder, der nicht wie Solís und seine Gefährten dem Kannibalismus zum Opfer gefallen war und die Guaraní-Sprache erlernt hatte. Dieser erklärte, um zum Goldlande zu kommen, müsse man den Paraná herauffahren bis zum Carcarañá, der von den Bergen des Innern herabkomme. Cabot folgte diesem Rate und an besagter Stelle gründete er am 27. Mai 1527 das Fort »Sancti Spiritus«, die erste spanische Niederlassung auf heute argentinischem Boden, ein guter Stützpunkt für weitere Stromfahrten nach dem Innern, heute nur durch einen Rancho gekennzeichnet (s. den Aufsatz von Outes). Von hier machte Cabot eine große Stromfahrt Paraná aufwärts bis zum heutigen Itatí, von den Guaranís gastlich mit Proviant versorgt, die Nachrichten von der Herkunft einiger Silber- und Goldsachen veranlaßten ihn aber, am 28. März 1528 wieder zurück und in den Paraguay einzufahren. Durch Vermittlung der Indianer erfuhr er von der Ankunft des Diego García am Río de Solís, welcher kurz nach Cabot von Spanien abgereist war, nun auch nach »Sancti Spiritus« gelangte und von hier am 10. April auch den Paraná aufwärts fuhr. Cabot hatte inzwischen einen Bergantinführer den Río Bermejo vorausgesandt, um mit den Agaes (Payaguas) friedlich zu verhandeln, da diese viel Geld und Silber haben sollten, die Indianer schickten aber die Abenteurer übel zurück und Cabot kehrte wieder um, begleitet von Diego García, mit dem er sich auf dem Paraná getroffen hatte. In Sancti Spiritus, wo sie Ende April 1828 anlangten, kam es bald zwischen beiden Führern zu Differenzen; Cabot sandte Nachricht nach Spanien und hielt den Diego García fest, beide machten aber schließlich doch gemeinsam eine neue Reise den Paraná und Paraguay aufwärts, wahrscheinlich bis zur Mündung des Pilcomayo. Nach Sancti Spiritus zurückgekehrt, fuhren sie bald weiter flußabwärts bis zu einer San Salvador genannten Stelle, während ihrer Abwesenheit wurde aber das Fort von den Indianern gestürmt (Ende August oder Anfang September 1529) und die Hälfte der Besatzung umgebracht; die andere floh flußabwärts bis San Salvador. Cabot und García kehrten zwar noch einmal zum zerstörten Fort zurück, warteten dann aber in San Salvador auf Hilfe aus Spanien, und da diese ausblieb, fuhren sie Ende Dezember 1529 heim, Silbersachen und Indianersklaven mitbringend. In dem gegen Cabot eingeleiteten Verfahren wurden dann die oben skizzierten Vorgänge klar gestellt.
Das Fort Buena Esperanza (1536).

Die Expedition des Portugiesen Martim Affonso de Sousa hatte den Zweck, Gold und Silber zu holen aus dem Lande, von dem nun nach Cabots Rückkehr die ganze iberische Halbinsel sprach. Er fuhr die ganze brasilianische Küste herab und hielt sich Ende 1531 auch im La Plata-Becken auf, hatte aber mit Unfällen zu kämpfen und kehrte wieder nach Portugal zurück. Sein unberechtigtes Eingreifen in spanisches Gebiet hatte diplomatische Reklamationen zur Folge.