Note 33 — „Peer Gynt“ und Ibsen. (Enthaltend einiges über Erotik, über Haß und Liebe, das Verbrechen, die Ideen des Vaters und des Sohnes.)
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Die Interpretation dieser Schlußszene des dritten Aktes, die ich hier versuche, ist, ich fühle es, sehr gewagt und ich kann sie nur noch durch den Hinweis auf den fünften Akt stützen, wo die Mutter dem endlich zum Bewußtsein seiner Schuld gelangten Sohne ebenfalls als Anklägerin eben im Hinblick auf diesen Ritt erscheint. Aber diese Szene des dritten Aktes — für die naive Auffassung die leichteste der Dichtung — muß in einer so durchaus symbolischen Tragödie doch auch einen tieferen Sinn besitzen. Sollte dieser sein, daß in Peer jetzt der Egoismus des Patienten, des von eigenen Leiden Geplagten und darum für die der anderen Achtlosen zum Vorschein komme? Daß er an allen anderen Wesen rächen wolle, daß ihm kein Glück mit Solveig beschieden ist? Ich kann es nicht ganz glauben. Auch schiene mir nur noch folgendes möglich. Ibsen, der in den Zeiten seiner eigentlichen hervorragenden Produktion durchaus Masochist ist (Beweis vor allem die „Nordische Heerfahrt“ und „Baumeister Solness“), war in seiner Jugend nicht frei von sadistischen Zügen (in vielen der von ihm lange zurückgehaltenen Gedichten und in „Olafs Liljekrans“; auch im „Fest auf Solhang“ ist noch eine Spur von Sadismus). Es sind nun wirklich in den Peer Gynt des zweiten („Raub der Ingride“) und des ersten Aktes (Drohung an Solveig) sadistische Züge geraten; möglich, daß Ibsen auch diese Züchtigung an sich vornehmen wollte. Für den Charakter des Peer Gynt wäre das aber durchaus unwesentlich und also ein Fehler der Dichtung.