Note 38 — 25. DER LÖWE UND DAS SCHAF
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Nun wohnte in dem Walde jener Insel ein großer Löwe. Alles Wild jener Gegend gehorchte ihm. Eines Tages machte er eine große Jagd, und nachdem er und alle, die unter seinem Schutz lebten, sich gesättigt hatten, fiel der Blick des Löwen, als er am Ufer spazierenging, auf das Schiff. Er betrat sofort das Schiff, das ihm sehr gefiel, und während er alles betrachtete, sah er das Schaf. Da er satt war, hatte er Mitleid mit dem Schaf, schenkte ihm das Leben, lud es zu sich ein, behandelte es sehr freundlich, zog es in seine nächste Umgebung, ließ ihm von niemandem Unrecht tun, da es fremd in dieser Gegend war, versorgte es mit allem Nötigen und gewährte ihm Sicherheit. Das Schiff machte er zu seinem Palast, lud sein ganzes Gefolge nach dem Nachmittagsgebet dorthin ein und ließ dort Diwan38 abhalten. Das Schaf verkehrte auch ohne weitere Förmlichkeiten bei dem Löwen. Eines Tages hatte der Löwe mit seinem Gefolge bis zum Abend gejagt, aber kein Wild gefunden. Am folgenden Tage fanden sie gleichfalls nichts. Als sie am dritten Tage auch keine Beute fanden, war sowohl der Löwe wie auch sein Gefolge vor Hunger am Ende ihrer Kräfte. Seine Vezire beschlossen einstimmig den Tod des Schafes und gingen zum Löwen. Dieser sagte: „Ich will lieber vor Hunger sterben, als mein Wort brechen und einem schuldlosen Wesen, dem ich Sicherheit versprochen habe, einen Schaden zufügen.“ Seine Vezire sagten: „Jawohl, das Wort des Königs der Tiere ist Wahrheit, und seine Rede ist die absolute Weisheit, aber heute ist Euer erlauchter Körper vor Hunger nahe am Tode. Nun, was macht es, wenn ein Sklave sich für das Wohl der Untertanen des Königs opfert? Schon die Weisen sagen: ‚Der Schaden des einzelnen ist besser als der Schaden der Gesamtheit.‘ Statt daß alle deine Diener umkommen, ist es besser, daß einer deiner Sklaven sich opfere. Es ist billig, daß du für das Wohl so vieler Seelen dieses Schaf uns als Mahlzeit gibst.“