Note 106 — Fünftes Buch.
Eugen Rolfes translation
Dieses Beispiel bereitet Schwierigkeiten. Zwei Absätze vorher 138a 7 hieß es: dem ζῷον ist die Wahrnehmung nicht eigen, hier heißt es: sie ist ihm eigen, auch ist es schwer zu sagen, warum man weniger geneigt sein soll, dem ζῷον die Wahrnehmung als Proprium beizulegen denn das Leben; eher scheint das Gegenteil der Fall. Auch vorhin schon war eine unmögliche Annahme gemacht worden mit dem mehr Mensch sein, vgl. Anm. 101. So legt sich denn der Gedanke nahe, ja, drängt sich auf, daß die Sätze, die uns hier begegnen, nur hypothetisch stehen. Für ihren hypothetischen Charakter spricht auch ihre Konstruktion im Urtext. Es heißt 138a 27–29 wörtlich so: „da oder wenn, ἐπεὶ, dem ζῷον das Wahrnehmen weniger eigentümlich ist als das Leben, das Wahrnehmen ihm aber eigentümlich ist, so möchte es ihm eigentümlich sein, daß es lebt.“ Hiernach würde sich auch die Erklärung früherer loca vereinfachen. Die Anm. 103 z. B. würde sich in folgender Weise modifizieren. ζῷον wäre als Sinnenwesen zu denken, wie es ja auch an unserer Stelle diesen engeren Sinn hat, und die Zeilen 10–12 im griechischen Text wären in dieser Umschreibung wiederzugeben: nehmen wir an, es liege nicht so nahe, dem Menschen als Proprium zuzuschreiben, daß er von Natur zahm ist, wie daß er lebt, da wäre es, wenn er gleichwohl von Natur zahm ist, gewiß eine Eigentümlichkeit von ihm, daß er lebt.