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Sonnenländer

23. Heimreise.

Reading edition

Eoch manche Sonnenländer sah ich auf dieser Reise. Ich verbrachte einen Monat in dem prächtigen Hongkong, ich lud mich in dem volksreichen, lärmenden Kanton, in dem stillen, verschlafenen Macao, in dem schwülen Singapore und Johore zu Gast, ich bestaunte Ceylons Herrlichkeiten. Aber so vielerlei Länder und Städte lassen sich in einem Bande kaum zusammendrängen.

Auf der „Scandia“ der Hamburg-Amerika-Linie, mit der ich die Heimreise antrat, verlebte ich zwei Monate unter immer lachendem, sonnigem Himmel. Eines Tages aber regengraues Firmament. Wir sind in der Nordsee.

Ich möchte nun auch dieses Buch genau mit denselben Worten schließen, die ich damals, eine Reihe von Jahren vor dem Kriege, niedergeschrieben habe. Denn ich glaube, sie haben in so manchem Punkte noch heute ihre volle Berechtigung. Ich schrieb damals, im Sommer 1908:

„All das viele Geschaute gleitet noch einmal, als wollte es von mir Abschied nehmen, in raschbuntem Wechsel an meinem Auge vorbei. Nicht nur Schönheit und Freiheit fand ich da draußen in der weiten Welt. Ich bekam auch wirkliche Einsicht in so manche Dinge, die ich bisher nur mit den Augen der andern geschaut, nur aus Büchern und Reiseberichten gekannt hatte. —

„Länder und Völker sind an mir vorbeigezogen. Ihre Stärken und Schwächen, ihre Bedürfnisse versuchte ich zu erkunden. In Osten und Westen hatte ich Gelegenheit, die Rassenfrage in den mannigfachsten Abstufungen und Erscheinungsformen zu studieren.

„Und wenn ich jetzt am Ende der Reise noch einmal zurückblicke, so muß ich wohl sagen, daß gar manches Land, gar manches Volk seine Sache viel, viel schlechter macht als wir, daß andere aber wieder in so manchen Dingen über uns stehen, und daß wir Deutschen noch in dem und jenem von ihnen lernen könnten. —

„Ich sah auch das eigene Vaterland einmal aus der Höhen- und Fernperspektive und hörte, wie es die andern — Fremde, Feinde vielleicht — beurteilten. Einer allzu großen Beliebtheit im Rate der Völker erfreut sich Deutschland sicherlich nicht. Oft mag das in Neid und Mißgunst seinen tiefinnersten Grund haben. Denn deutscher Tatkraft hat sich da und dort ein Ackerfeld erschlossen, das früher von andern bebaut wurde. Aber manche Gegner und Spötter setzen doch oft an Stellen ein, wo wirkliche Schwächen zweifellos vorhanden sind. Wir haben in den letzten Jahrzehnten uns manchmal zu höflich gezeigt und unnütze Verbeugungen gemacht, wir haben geschwankt und gezaudert, nicht recht gewußt, was wir wollten, trugen Vorliebe für unnützen und hohlen Prunk zur Schau, Parvenümanieren wirft man uns manchmal vor.

„Möchte das Deutschland der Zukunft stark und stolz, einfach und schlicht, niemand zuliebe und niemand zuleide festen Schrittes einen zielsicheren Weg gehen! ...

„Und Deutschland könnte das so gut, wenn es nur wollte. Hätte die Kraft dazu in sich. Denn es geht ja aufwärts mit uns in vielfacher Hinsicht. Unser Außenhandel wächst von Jahr zu Jahr — im Lande mehrt sich bei vielen der Wohlstand.

„Aber in diesem materiellen Aufstieg liegt auch eine Gefahr — und es ist meines Erachtens gewiß keine geringe. Schon haben wir so manche unter uns, die nur mehr für ein einziges Ding auf dieser Welt Sinn und Blick, Tatkraft und Willen haben — für das „Geld“. Der Tanz vor dem goldenen Kalbe hat begonnen, Hoch und Nieder beugt sich verehrend vor dem schillernden Götzenbild. Alles, alles, glauben sie, müsse es verschenken können.

„›Wach auf!‹ möchte man so manchem zuraunen, ein lautes ›Wach auf!‹ ins deutsche Land hineinrufen. Denn es ist an der Zeit, achtzuhaben, daß wir über all dem eifrigen Haschen des rieselnden, rinnenden Goldes nicht der viel höheren Güter vergessen, daß wir nicht plötzlich, reich an Besitz geworden, doch unser Allerbestes für immer und unwiederbringlich verloren haben.

„Deutschland! ... Wie zieht es mich jetzt wieder mächtig nach Hause. Unsere Wurzeln, die ruhen ja doch in der Heimaterde, nur in ihr wird unser Lebensbaum so richtig in Saft und Kraft bleiben können, hier werden an ihm auch vielleicht Früchte reifen können. Willkommen denn, Heimat! —“

Nicht freundlich empfängt uns das deutsche Fahrwasser!

Feuchter Nebeldunst und Nässe schlagen uns aus der gelbgrauen Nordsee kalt entgegen.

Fröhlich vorwärts denn durch den grauen Dunst, vorwärts über die gelbweiß aufschäumende Flut. Bald liegt die Nordsee hinter uns, elbeinwärts geht die Fahrt. Grüne Wiesen grüßen herüber, wie lange hab ich das nicht gesehen! Wetterfest und jugendschlank streben dahinter dunkle Fichten zur Höhe, Ulmen- und Lindenkronen schwanken im Winde. Schöner dünkt mich das Bild als die reichste Südlandfülle. Es ist ein Stück Heimat wieder, Heimat wie der graue, ganz winterlich anmutende Regenhimmel über mir, der breite, trübe Strom zu meinen Füßen.

Menschen rufen und winken vom Ufer herüber. Man sieht es der braven „Scandia“ an, daß sie von weither kommt und nicht immer gute Fahrt gehabt hat. Die Farben ihres Rumpfes sind von fressender Salzwoge bis hoch hinauf weggewaschen; schwerer, rotbrauner Rost hat sich dick auf die massigen Eisenplatten gelegt. See- und wettererprobt, wird sie darum von den Menschen am Ufer, von den Menschen auf all den uns begegnenden Dampfern und Booten doppelt herzlich in der Heimat willkommen geheißen.

Und schließlich liegen wir im Hafen fest. Händeschütteln und flüchtiges Abschiednehmen. Jeder eilt so rasch wie möglich an Land. Zwei Monate lang hat man Tag für Tag, Stunde um Stunde beisammengestanden und -gesessen. Wie eine große Familie hat sich die Schiffsgesellschaft gut zusammengelebt. Am Morgen dachte man noch kaum an Trennung, am Abend ist alles schon in alle vier Winde zerstreut. Die meisten werden sich nie im Leben wieder treffen.

Aber kaum einer denkt beim Auseinandergehen, daß dies auch einen Abschied bedeute, alle feiern heute ein Fest des Wiedersehens, manche nach langer, langer Zeit, alle Herzen sind auf diesen Grundton gestimmt, auf das Wiedersehen mit der Heimat! ...

Alte Reisen und Abenteuer

Bd. 1 Fernão de Magalhães, Die erste Weltumseglung. Bearbeitet von Dr. H. Plischke

Bd. 2 Ulrich Schmidel, Abenteuer in Südamerika. Bearb. von Curt Cramer

Bd. 3 J. Cook, Die Suche nach dem Südland. Bearbeitet von Dr. H. Damm

Bd. 4 Peter Kolb, Z. Vorgeb. d. Guten Hoffnung. Bearb. v. Dr. H. Damm

Bd. 5 Christoph Kolumbus, Die Entdeckg. Amerikas. Bearb. v. Dr. H. Plischke

Bd. 6 Kapitän Phillip, Gründung der Strafkolonie Sydney. Bearbeitet von Dr. R. Plischke

Bd. 7 Carl Friedrich Behrens, Der wohlversuchte Südländer. Reise um d. Welt 1721/22. Bearb. v. Dr. H. Plischke

Bd. 8 Hans Egede, Die Erforschung von Grönld. Bearb. v. Dr. M. Heydrich

Bd. 9 Hernando Cortes, Die Eroberung v Mexiko. Bearb. v. Dr. H. G. Bonte

Bd. 10 Francis Drake, Als Freib. i. Spanisch-Amerika. Bearb. v. Dr. H. Damm

Bd. 11 Marco Polo, Am Hofe des Großkhans. Reisen in Hochasien u. China. Bearbeitet von Dr. A. Herrmann

Bd. 12 Mungo Park, Vom Gambia zum Niger. Bearb. von Dr. P. Germann

Bd. 13 Vasco da Gama, Der Weg nach Ostindien. Bearb. v. Dr. H. Plischke

Bd. 14 Francisco Pizarro, Der Sturz des Inkareichs. Bearb. von Dr. H. G. Bonte

Bd. 15 John Smith, Unter den Indianern Virginiens. Bearb. v. Dr. H. G. Bonte

Bd. 16 Georg Wilhelm Steller, Von Kamtschatka nach Amerika. Bearbeitet von Dr. M. Heydrich

Bd. 17 Herodot, Reisen und Forschungen in Afrika. Bearb. von Dr. H. Treidler

Bd. 18 Tacitus, Germania. Bearbeitet von Dr. H. Philipp

Bd. 19 John R. Jewitt, Makwinnas Gefangener. Bearb. v. Prof. Dr. A. Jacobi

Bd. 20 Adam Olearius, Die erste deutsche Expedition nach Persien. Bearbeitet von Dr. H. von Staden

Reisen und Abenteuer

Bd. 1 Sven Hedin, Abenteuer in Tibet

Bd. 2 Sven Hedin, Transhimalaja

Bd. 3 Kapitän Scott, Letzte Fahrt (Scotts Tagebuch)

Bd. 4 Georg Schweinfurth, Im Herzen von Afrika

Bd. 5 H. M. Stanley, Wie ich Livingstone fand

Bd. 6 Kapitän Scott, Letzte Fahrt (Abenteuer der Gefährten)

Bd. 7 Sven Hedin, Durch Asiens Wüsten

Bd. 8 Sven Hedin, Zu Land nach Indien

Bd. 9 A. E. Nordenskiöld, Umseglung Asiens und Europas

Bd. 10 H. M. Stanley, Im dunkelsten Afrika

Bd. 11 Georg Wegener, Erinnerungen eines Weltreisenden

Bd. 12 Gustav Nachtigal, Sahara u. Sudan

Bd. 13 Ernest Shackleton, Im sechsten Erdteil

Bd. 14 Walter v. Rummel, Sonnenländer

Bd. 15 W. H. Gilder, Untergang der Jeannette-Expedition

Bd. 16 Slatin Pascha, Feuer und Schwert im Sudan

Bd. 17 Einar Mikkelsen, Ein arkt. Robinson

Bd. 18 H. M. Stanley, Mein erster Weg zum Kongo

Bd. 19 Sven Hedin, General Prschewalskij in Innerasien

Bd. 20 Sven Hedin, Meine erste Reise

Bd. 21 H. M. Stanley, Auf dem Kongo bis zur Mündung

Bd. 22 Henry S. Landor, Auf verbot. Wegen

Bd. 23 Sven Hedin, A. d. Schwelle Inneras.

Bd. 24 Otto Sverdrup, Neues Land

Bd. 25 Hans Meyer, Hochtouren im tropischen Afrika

Bd. 26 Douglas Mawson, Leben und Tod am Südpol

Bd. 27 Arthur Berger, Auf den Inseln des ewigen Frühlings

Bd. 28 Vilhjalmur Stefansson, Jäger des hohen Nordens

Bd. 29 Prinz Max zu Wied, Unter den Rothäuten

Bd. 30 Emil Holub, Elf Jahre unter den Schwarzen Südafrikas

Bd. 31 L. V. Mausilla, Die letzten wilden Indianer der Pampa

Bd. 32 Hans Meyer, Hochtouren im trop. Amerika

Bd. 33 Rickmer W. Rickmers, Die Wallfahrt zum Wahren Jakob

Bd. 34 Wilhelm Junker, Bei meinen Freunden den Menschenfressern

Bd. 35 H. v. Foller, Unter Javas Sonne

Bd. 36 Philipp Berges, Wunder der Erde

Bd. 37 Alex. v. Humboldt, In Südamerika

Bd. 38 Andreas Reischek, Sterbende Welt

Bd. 39 Henry Hoek, Aus Bolivias Bergen

Bd. 40 Martin Johnson, Mit dem Kurbelkasten bei den Menschenfressern

Bd. 41 Ch. A. Lindbergh, Wir zwei. Im Flugzeug über den Atlantik

Bd. 42 Therkel Mathiassen, Mit Knud Rasmussen bei den amerikan. Eskimos

Bd. 43 Gerhard Rohlfs, Kreuz und quer durch die Sahara

Jeder Band enthält 160 Seiten Text, etwa 30 Abbildungen und 2 Karten, ist in sich abgeschlossen und einzeln käuflich / Beide Sammlungen werden fortgesetzt

Ausführliche Prospekte auf Verlangen kostenlos

Verlag F. A. Brockhaus / Leipzig

Druck von F. A. Brockhaus, Leipzig

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