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Slavische Volkforschungen

Note 17 — Menschenfleischessen.

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V. Mooneys Buch über den indianischen Geistertanz17 ist für die Erforschung der Entwicklung und des Verlaufes geistiger Epidemien ausserordentlich wertvoll, aber bei allen Anerkennungen seiner Leistung haben wir es nicht notwendig, ihn um sein Material zu beneiden; denn, wenn wir unseren anerzogenen Rassen- und Bildungdünkel ablegen wollen und unbefangen unsere europäische Umgebung, wie Mooney die Indianer, beobachten, können wir mitten in unserem Kulturleben den indianischen gleichwertige Erscheinungen feststellen. Ein Blick auf den Chrowotismus, der jetzt mit Schrecken und Entsetzen zu verkrachen beginnt, beweist es uns. Der Chrowotismus ist ursprünglich eine politisch organisierte und zur Herrschaft gelangte Maffia, durch die nun das chrowotische Bauernvolk, wie die Rothäute durch die weissen Einwanderer, zur äussersten Verzweiflung getrieben wird. Durch die bäuerliche Bevölkerung geht ein Schrei: ‘Los vom Chrowotismus!’ Vor allem trachten sich die Arbeiter durch Vereingründungen zu helfen. Das missfiel, und man veranstaltete ein Kesseltreiben der Verdächtigen. Im August 1897 fand zu Essegg eine langwierige Gerichtverhandlung gegen eine grosse Anzahl Bauern wegen »sozialistischer Umtriebe« statt, gegen Leute, die das ominöse Wort nicht einmal verstanden. Die meisten erhielten ungeheuerliche Kerkerstrafen zuerkannt. Die einzige, nachweisbare Schuld bestand, nach der Meinung der Kenner chrowotischer Verhältnisse, darin, dass sich die Angeklagten wider den Chrowotismus aufgelehnt hatten18. Anfangs Septembers 1897 sammelten sich zu Agram weitere 1200 »Sozialisten« an, die unter Ausstossung des Rufes: ‘Pereat Hrvacka!’ die Strassen durchzogen, jedoch mit Waffengewalt besänftigt worden sind. Am 20. September scharten sich zu Sjeničak in Chrowotien bei 4000 Bauern zusammen, um gegen den Chrowotismus zu demonstrieren. Zur Beschwichtigung der Bauern wurden drei Beamte ausgesandt: Der Bezirkvorsteher Brozović (ich kannte ihn vom Gymnasium her) und die Adjunkten Djaković und Cvijanović. »Die Bauern fielen mit Mistgabeln über sie her und stachen sie zu Tod. Die Leichen fand man verstümmelt vor; einzelne Körperteile waren ihnen mit den Zähnen abgebissen worden.« Die mir vorliegenden Berichte sind leider nicht ausführlicher gehalten, so dass ich nicht angeben kann, was denn den Leichen abgebissen wurde. Vor allem darf man annehmen, dass sich die Mörder in ihrer viehischen Wut an dem Blute der drei Unglücklichen gütlich taten, wie dies nach dem Zeugnis von Guslarenliedern und ganz junger Ereignisse bei solchen Gelegenheiten zu geschehen pflegt. Die grässliche Leichenverstümmlung findet ihren Erklärunggrund in dem allgemeinen Volkglauben an die Zauberkraft der Körperteile von Verbrechern. Nach der, selbstverständlich vollkommen unbegründeten, Auffassung der Bauern, ist jeder Beamte ein privilegierter Verbrecher. Darum also die Begier, sich in den Besitz von Teilen durch das »Volkurteil« (narodni sud) hingerichteter »Verbrecher« zu setzen19.

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