Note 19 — Menschenfleischessen.
Reading edition
Eine chrowotische Korrespondenz berichtet noch folgendes Detail: ‘Als Djaković auf der Strasse im Blut und Staube in den letzten Zügen lag, sprang aus dem Wirtshaus eine Bäuerin auf ihn zu und verrichtete ihre Notdurft über sein Gesicht. Er fragte sie stöhnend: ‘Was habe ich dir getan?’ und sie antwortete: ‘Na ti, pravi Hrvat!’ (Da hast du, du echter Chrowot!) Marta Lončar heisst dies Weibsen. Sie sass bald in Agram. Falls ihre Natur die vertraulichen Unterhaltungen im Kerker siegreich übertaucht, wird sie auch die Strafe von rechtswegen nach dem Urteil überdauern und eine alte Chrowotin werden. Ein Bauer wollte drei Pfund Fleisch aus dem toten Cvijanović herausschneiden, braten und aufessen. Es galt eine Wette. Alle Reisebeschreiber und Ethnographen schildern den chrowotischen Landmann für treuherzig, gutmütig und gastfreundschaftlich bis zur Verschwendung (vrgl. mein Buch: Sitte und Brauch der Südslaven, Wien 1885, Kap. XXX, S. 644–658), als unterwürfig und ergeben. Allah rachman! Welche ungeheuerliche Verbrechen hat man an dem liederfrohen Mann begangen, dass er alle Bande gesitteter Scheu zerriss und hasserfüllt und rachegierig zum Kannibalen ward! Die Bauern kamen vor das Gericht, die Maffioten, die Urheber all des Unheils, lachten sich aber ins Fäustchen. Wer riss die Bauerngehöfte an sich? Der chrowotische Bauer wandert nun gleich dem russischen Juden aus, denn für ihn gibt es in der väterererbten Heimat kaum eine Rettung mehr. Bis Ende 1907 ist statistischen Ausweisen zufolge der vierte Teil der chrowotischen Landbevölkerung ausgewandert.