Note 6 — Die unheimlichsten Waldfrauen.
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Es geht die Sage, dass in der Kapelle des heiligen Rochus in Warasdin ein Pfarrer namens Vojskec begraben sei, der bei Nacht umgeht und die Leute in Schrecken versetzt, die an der Kapelle vorbeigehen. Vojskec war bei Lebzeiten ein hartherziger Mann, der mit ganzer Seele am Mammon hing. Die Pest war zur Zeit nur schwach. Er betete aber fortwährend um die Pest, ohne zu bedenken, sie könnte ihn gleichfalls dahinraffen. Während er einmal wieder darüber nachsann, kam zu ihm ein Weib, das erst aus dem Wochenbett aufgestanden, und bat ihn um seinen Segen, damit sie wiederum die Kirche besuchen dürfe. Der Pfarrer, der sich in seinen Gedanken nur mit der Pest beschäftigte, ersuchte sie, sie möge ihm von ihrer Milch geben. Das Weib wollte es nicht tun, denn sie schämte sich und befürchtete, der Pfarrer könnte Gott weiss was für Ungebührlichkeit damit anfangen, sagte ihm aber zu, sobald sie nach Hause käme, ihm die Milch zu schicken. Sobald sie nach Hause kam, schickte sie ihm statt Milch aus ihren Brüsten, Kuhmilch. Vojskec war höchst vergnügt, dass er im Besitze der Milch war, und befahl seinem Knechte, der sich von der Art seines Herrn, für ein Gläschen Wein oder auch um einige Gröschlein jedem Dienste unterzog, er solle sich um Mitternacht auf den Gottesacker begeben, ein Kreuz von einem Grabe herausnehmen, in die kleine Öffnung die Milch hineingiessen, das Kreuz wieder an seinen Ort stecken und eine kleine Weile zuhorchen.6 Der Knecht befolgte pünktlichst die Weisung des Pfarrers und horchte zu, doch statt Gewimmers und Klagen drang ein furchtbares Rindergebrüll an sein Ohr. Darüber ergriff ihn Entsetzen, und ganz ausser sich geraten stürzte er nach Hause und erzählte dem Pfarrer, was er gehört. Der Pfarrer wusste sogleich, das Weib habe ihn hinters Licht geführt und es werde ein grosses Unheil daraus entstehen. So traf es auch wirklich ein. In kurzer Zeit brach in der ganzen Stadt eine so verheerende Seuche aus, dass nicht ein einziges Stück Hornvieh übrig blieb. — Hingegen gibt es Leute, die da behaupten, auf der Trift draussen seien dennoch einige Stücke übriggeblieben; sie wollen nämlich ein schneeweisses Tier, in der Grösse eines kleines Kalbes, zur Nachtzeit herumlaufen gesehen haben, das war die Pest. Wer nun so vorsichtig war, auf eine Schaufel Salz zu geben und sie unter die Stallschwelle zu legen, dem verendete nicht ein einziges Stück Rind. Doch man erfuhr viel zu spät von diesem Gegenmittel. — Nicht lange darauf starb der Pfarrer und man bestattete ihn in der Rochus-Kapelle. Wanderer, die zur Nachtzeit dort vorübergingen, sahen den Pfarrer um die Kirche herumlaufen und mit einer Peitsche knallen. — Es traf sich, dass ein Mann aus Warasdin zur Nachtzeit in das nahe Dorf Biškupec ging. Vor der Kapelle des heiligen Rochus sah er eine Kutsche, vor der vier Pferde vorgespannt waren. Der Kutscher rief dem Manne zu, er möge einsteigen, er wolle ihn ein Stück Weges fahren. Der Mann nahm diesen schönen Antrag von Herzen gern an und stieg ein. Auf dem Wege sprachen sie kein Wort miteinander; auf dem Kreuzweg aber, wo der Weg nach Biškupec führt, hielt der Kutscher an, hiess den Mann aussteigen und fragte ihn, ob er die Pferde kenne. Der Mann entgegnete ihm, er kenne sie nicht und der Kutscher gab ihm die Namen der Pferde an und nannte unter ihnen auch den Pfarrer Vojskec. Darüber entsetzte sich der Mann, blickte dem forteilenden Wagen nach und sah Kutsche und Pferde im Feuer. Jetzt erst erkannte er, er sei auf einem Teufelgespann gefahren. Als er nach Hause kam, war er vor Schreck ganz gelähmt und mehr tot als lebendig.