Note 1 — Die unheimlichsten Waldfrauen.
Reading edition
Vrgl. Vuk Karadžićs Srpski rječnik, Wien 1852, S. 311 a. Vrgl. auch dessen »Život i običaji naroda srpskoga«, S. 220.
In Chrowotien nennt man häufig die Pest Kratelj. Wenn der Kratelj die Menschen heimsucht, so empfiehlt man als Schutzmittel Bähungen aus jenen feinen und durchsichtigen Blättchen, die zwischen den einzelnen Lagen eines Zwiebelhauptes vorkommen. Solche Umschläge vertreiben den Kratelj. Vuk bemerkt im Wörterbuche zu dem Worte Kratelj: »Nach der Tradition eine Krankheit ärger als die Pest, eine Krankheit, die in einer Nacht tötet. Der Tote hat einen Fuss kürzer als den anderen. Daher der Name von kratak, kurz. In neuerer Zeit wird die Pest auch in Serbien, seitdem sie häufiger auftritt, Krátelj genannt.« Der Ausdruck hat nun in der Sprache Bürgerrecht erhalten. Im Herzogtum nennt man die Menschenpest einfach kratelj. So heisst es z. B. im Bosiljak Hercegovački, 1883. N. 2. S. 22: »Kratelj. Po najnovijih vjestih dolazećih sa istoka, kratelj u Egyptu sada je manji.« (Die Pest. Nach den neuesten aus dem Oriente kommenden Nachrichten nimmt jetzt in Egypten die Pest ab.) Dass Vuks Ableitung des Namens Krátelj von kratak auf einer verfehlten Volketymologie fusst, leuchtet gleich ein. Wäre wirklich kratak = kurz, das Etymon, das zur Bezeichnung der Krankheiterscheinung verwandt werden sollte, so müsste das Wort Kratáč, bezw. Kratéč lauten. Über die pathologische Erscheinung dieser Art handelt scharfsinnig und lehrreich, wie immer, Dr. P. Näcke in seiner mediko-historischen und folkloristischen Studie: Das Vorkommen von Wadenkrämpfen im orientalischen Gebiete in alter und neuer Zeit (Neurologisches Centralblatt. Leipzig 1907. Nr. 17). Auf Grund seiner Ermittlungen folgert er: ‘Krämpfe, Krampfformen aller Art lassen sich wohl überall in alten und neuen Zeiten, in schriftlichen oder mündlichen Aufzeichnungen nachweisen und mussten fast selbstverständlicherweise auf die Einwirkung von Dämonen irgendwelcher Art zurückgeführt werden, und zwar böser Geister, die plötzlich einbrachen, und so Schrecken, Schmerz, Bewegunglosigkeit usw. erzeugten. Wo dies nicht deutlich mehr nachzuweisen ist, lässt es sich aus der Therapie direkt oder indirekt erschliessen.’ Da Kratelj nicht der ursprüngliche Name der Pest ist, vielmehr sich der Name erst in neuerer Zeit eingebürgert hat, so liegt es auf der Hand, dass er aus der Fremde eingeführt worden. Aus Slovenisch Görz in Steiermark rührt folgende Nachricht her. »Škratec oder Škratel ist ein Kobold (duh, eigentlich Geist), der einem Geld bringt. Es fällt gar nicht schwer, ihn mittels gewisser Beschwörungformeln herbeizurufen. Man muss ihm nur etwas zusichern, sei es den ganzen Körper, oder auch nur einen Teil, sei es die Hand oder den Fuss, verschreiben, und zwar muss man den Vertrag, den man mit ihm abmacht, mit eigenem Blute unterschreiben. (Christliche Vorstellung vom Pakt mit dem Teufel.) Der Škratel nimmt alle möglichen Gestalten an, einmal zeigt er sich als kleiner Knabe, ein andermal verwandelt er sich in ein altes Weib, in das letztere am gewöhnlichsten. Bringt er einem Geld, so saust er als glühender Besen (übertragen aus dem deutschen Hexenglauben) durch die Lüfte. Hat einmal einer mit ihm einen Vertrag abgeschlossen, so kann er alles, was sein Herz nur begehrt, von ihm bekommen, nur muss er abends vor dem Schlafengehen dem Škratel ein Merkmal aufs Fenster hinlegen (wie dem hl. Nikolaus am 6. Dezember nach südslavischem Volkbrauch), damit der Škratel weiss, was man von ihm haben will. Zugleich muss man ihm aber auf das Fensterbrett Hirsebrei (ein Opfer dem Waldgeiste) hinlegen, denn dies ist seine Lieblingspeise.« Die Schrate oder Schretel oder Schretlein, der Schrat, ist ein bei den germanischen Völkerstämmen weithin bekannter Hausgeist. In Niederbayern bezeichnet Schratl den Wirbelwind. (Panzer in den Beiträgen zur dtsch. Myth. II. S. 209.) Über das Schrätlein vrgl. Adolf Wuttke, Der deutsche Volkaberglaube d. Gegenwart. 3. Bearbeitung von Elard Hugo Meyer, Berlin 1900, S. 43 f., 159 u. 273. Bei den Inselschweden ist der Skrat und ebenso durch Entlehnung in der Form Krat bei den Esthen ein Hausgeist oder Kobold, der auch mit dem fliegenden Drachen identifiziert wird, welcher seinem Besitzer Getreide und andere Dinge durch die Luft zuträgt. (Russwurm, Eibofolke § 373 ff. bei Mannhardt, Baumkultus, § 115, im Auszuge. Bei den Südslaven nahm der Škratelj, oder wie er in der verkürzten Form Krátelj heisst, mit der Zeit ganz die Bedeutung eines verderbenbringenden Geistes an. Der Übergang erklärt sich von selbst, wenn man die Schilderung seines Wesens sorgfältig prüft. Darnach unterliegt es keinem Zweifel mehr, dass sowohl der Name als die Vorstellung vom Škratelj den Südslaven durch die Deutschen bekannt geworden. Wir besitzen aber auch ein unmittelbares Zeugnis dafür. In der Danica zagrebačka za prestupno lěto 1850. S. 117 findet sich folgendes Geschichtchen: