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Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen

Der dritte Abschnitt.

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Von den

Krankheiten, welche von der Auszierung des Halses ihren Ursprung herleiten.

Zierleiste 1
Zierleiste 1

Das erste Kapitel.

Von den Verdrießlichkeiten, die zu entstehen pflegen, weil das schöne Geschlecht den Hals entblößt zu tragen gewohnt ist.

§. 86.

Illustration from Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen

Unsere Schönen haben in Gewohnheit, ihren Hals entblößt zu tragen, um theils mein Geschlechte dadurch zu reizen, theils aber auch ihm aus Hochmuth zu zeigen, daß die Natur ihnen hiermit eine vorzügliche Schönheit vor den Männern zum voraus geschenket habe. Sie machen sich groß mit ihrem Halse, und schätzen die Schönheit desselbigen darum so hoch, weil ihr Hals eine zartere Haut, eine weißere Farbe, und keinen so hervorragenden Knorpel der Luftröhre hätte als der Hals der Mannsbilder, denn sie solchen als etwas häßliches vorwerfen, und nur zum Spotte den Adamsapfel nennen. Aber sie haben gar nicht Ursache, des Adamsapfels wegen, welchen wir nicht aus unserm Verschulden, sondern aus weisen Absichten der Natur tragen müssen, uns spöttlich zu verhöhnen. Es ist überhaupt ein Merkmaal eines blöden Verstandes, wenn man seinem Nebenmenschen Leibesgebrechen vorzuwerfen, unbesonnen genug ist, wofür er doch selbst nicht kann, und die er nicht zu ändern in seiner Macht hat, wenn er es auch gleich gerne thun wollte. Die Mannspersonen könnten den Frauenzimmern wohl, wenn sie sonst Lust hätten, größere Dinge vorhalten, dafür sie sich gewiß recht würden schämen müssen, wenn sie anders so tugendhaft, wie sie sich immer rühmen, seyn wollten.

§. 87.

Damit nun aber auch der nackende Hals nicht so gar kahl da stehen möchte; so ist der Witz der Schönen hier sinnreich genug gewesen, Mittel ausfündig zu machen, den Hals mit Verzierungen ausrüsten zu mögen, um ihm mehrern Reiz und Annehmlichkeit beyzubringen. Sie haben also zu dem Ende den Hals mit sammetnen, seidenen mit Schmelz und Glasflusse besetzten Halsbändern, mit Schnuren, daran Wachsperlen oder ächte Perlen gereihet sind, und mit goldenen Ketten ausgezieret, ja sie haben ihn so gar mit einer Last von Dukaten, so wie ein Rennschlittenpferd mit Schellen, behangen und recht niedlich ausgeputzet, so, daß manchem darnach gelüstet haben muß, die Hände darnach ausstrecken zu mögen, um sie von dieser Gelbsucht zu befreyen, sich aber damit gütlich zu thun, und das Herz zu erfreuen. Viele verherrlichen ihren Hals mit edlen Steinen, die in Gold gefaßt sind, und bald die Gestalt eines Herzens oder eines Kreuzes, bald aber einer Rose vorzustellen pflegen. Andere tragen gar kleine Judenkragen, die aus Bändern oder Spitzen, welche in Falten gelegt werden müssen, zusammen geneht worden sind, um den Hals rings herum. Dieser Halsputz ist sehr bequem, die Kröpfe zu verbergen, und ich habe solche meistentheils bey solchen jungen Schönen angetroffen, von denen ich überzeugt gewesen bin, daß sie Kröpfe gehabt haben. Unzählige Weibspersonen hängen fast ihre ganze Habseligkeiten an den Hals, und die sie daran zu hängen nicht fähig sind, die jagen sie, aus Furcht, sie möchten ihnen von den Dieben entrissen werden, in den Hals hinein, um solche in Sicherheit bringen zu mögen. Ich weis wohl, daß die Weiber mehrmals durch den Halsschmuck ihre Männer an den Bettelstab gebracht haben. Welches gar leichte geschehen kann, wenn ihnen die Weiber, ohne Leibeserben zu hinterlassen, sterben; so, daß sie hernach andern die Gerade, von Rechtswegen, zu überlassen genöthiget werden. O, ungerechtes Recht!

§. 88.

Ich will mich nun auch um die Krankheiten bekümmern, welche sich von einem entblößten Halse zu erzeugen pflegen, damit ich nicht vor saumselig in Ansehung meiner Pflicht gescholten werden möchte. Da nun der bloße Hals der freyen Luft, um andern dessen Schönheit zu zeigen, ausgesetzt wird; so wird es kein Wunder seyn, wenn sich derselbe, zumal bey rauher, feuchter und kalter Witterung, vielen Verdrießlichkeiten darbieten muß. Der unmerklichen Ausdünstung wird also nothwendig bey einer solchen Beschaffenheit der Luft in der Haut des Halses gehemmt werden, folglich wird es nichts fremdes seyn, wenn lauter solche Krankheiten, ihren Ursprung davon nehmen, welche allemal sich zu ereignen gewohnt sind, so ofte bey vorfallender Gelegenheit die unmerkliche Ausdünstung gestört oder gar unterdrückt wird. Heiserkeit, Brustflüsse, Husten, Entzündungen des innern Halses, Beulen, Geschwüre, und mehrere dergleichen Ungelegenheiten, deren ich schon zum öftern im 63, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze Meldung gethan habe, sind die Kinder dieser fruchtbaren Mutter, und von eben dieser stammen Kröpfe, (Strumæ) und geschwollene Halsdrüsen (Scrofulæ) natürlicher Weise ab. Denn, da die Säfte des Körpers von der verhinderten Ausdünstung darum verderbet werden, weil deren Ueberfluß kein Ausgang verstattet ist; so müssen die Säfte dicke und zu Stockungen geschickt, folglich faul und bösartig gemacht werden. Nun aber haben die Kröpfe und geschwollene Halsdrüsen gemeiniglich eine üble Beschaffenheit der Säfte zum Grunde: Was kann also wohl natürlicher seyn? als daß solche daher entspringen müssen, weil die gehemmte Ausdünstung vornehmlich der Haut des Halses, welche die Drüsen, hauptsächlich aber diejenige Drüse, welche die thyroideische heißt, umgiebet, vermöge des versagten Abflusses und beständigen neuen Zuflusses ausgedehnet wird, und also in den von dieser Haut umkleideten Drüsen eine Verstopfung zuwege bringen muß. Da nun ein Kropf nichts anders, als eine widernatürliche Ausdehnung dieser Haut ist; so muß daher diejenige weiche und nachgebende Geschwulst des Halses ihren Ursprung nehmen, die man einen Krampf zu nennen gewohnt ist. Und eben daher entspinnen sich auch die Scrofulæ welche geschwollene Drüsen am Halse sind, so sich bewegen lassen, sehr harte werden, zuweilen aber gar aufbrechen, und unheilbare Geschwüre verursachen. Wie besorgt sind also nicht unsere Schönen bey diesen entstandenen Umständen, um solche unsichtbar zu machen und verhöhlen zu mögen. Aber es ist nunmehro zu späte, die Fehler itzo verbergen zu wollen, welche man sich selbst, bloß aus einem verdammten Hochmuthe, zugezogen hat.

Abschnitt 3, Kapitel 2, Kopfstück
Abschnitt 3, Kapitel 2, Kopfstück

Das zweyte Kapitel.

Von den Gefährlichkeiten, welche von der Zartmachung der Halshaut entstehen.

§. 89.

Illustration from Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen

Allerdings gehört auch eine zarte Haut des Halses zur Schönheit, daher die Frauenspersonen, um ihren Liebhabern desto reizender seyn zu mögen, allen Fleiß anwenden, sich selbige eigen zu machen. Doch was ich im 52sten Absatze von der Zärtlichkeit der Haut des Angesichts gesagt habe, das kann auch von der zarten Halshaut gelten.

§. 90.

Die Schönen bedienen sich eben derjenigen Mittel, sich eine angenehme Zärtlichkeit der Haut zuwege zu bringen, welche im 46, 53 und 54sten Absatze angeführt worden sind. Ich halte es billig vor überflüßig, solche nochmals zu wiederholen.

§. 91.

Wenn aber die Frauenzimmer wider alle Vernunft dennoch so verwegen seyn, und mit Bedacht solche Dinge zum Gebrauche nehmen wollen, die man doch als höchst schädlich anzusehen hat, und die im 46 und 55sten Absatze nachgesehen zu werden verdienen; so werden sie sich es auch nicht entgegen seyn lassen dürfen, wenn ihnen alle diejenigen Verdrießlichkeiten über den Hals kommen werden, welche im 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 18, 12, und 5ten Absatze erzählt worden sind.

Abschnitt 3, Kapitel 3, Kopfstück
Abschnitt 3, Kapitel 3, Kopfstück

Das dritte Kapitel.

Von dem Schaden, welcher sich äußert, wenn die Sommersprossen und Leberflecke des Halses mit äußerlichen und schädlichen Sachen vertrieben werden.

§. 92.

Illustration from Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen

Was ich von den Sommersprossen des Angesichts im 56, 57, 58 und 59sten Absatze behauptet habe, das läßt sich auch auf die Sommersprossen, welche die Haut des Halses unscheinbar machen, anwenden. Ich habe im 60sten und 61sten Absatze eine vernünftige Heilungsart wider dieselbigen angeführt, und diese findet auch hier statt. Im Gegentheil aber habe ich auch im 62sten Absatze ein abergläubiges Mittel, und im 46 und 54sten Absatze noch andere schädliche Dinge verworfen, welche sonst die Frauenzimmer, sich die Sommersprossen damit zu vertreiben, in Gewohnheit haben. Und endlich habe ich mir Mühe gegeben, im 91, 88, 63, 55, 49, 48, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze diejenigen Krankheiten darzuthun, welche von dem unzeitigen Gebrauche schädlicher Mittel zu entspringen pflegen.

§. 93.

Leberflecke nennt man diejenigen gelben, braunen, oder schwarzbraunen Flecke der Haut, so zuweilen eines Handtellers groß, zuweilen aber auch kleiner sind. Sie haben gemeiniglich eine Rauigkeit der Haut bey sich, welche wie Kleyen oder Schuppen abzufallen pflegt, ordentlicher Weise aber haben diese Flecke ihren Sitz am Halse, auf der Brust, und an den Händen, ja auch wohl andern Theilen des Körpers; endlich verursachen sie auch ein beschwerliches Grimmen und Jucken. Diese Leberflecke nun haben ebenfalls, wie Sommersprossen, ein verderbtes Geblüte zum Grunde, welches seine Unreinigkeit unter der Haut abzusetzen, durch die Haut schimmern zu lassen, und solche Flecke sichtbar zu machen pflegt. Doch haben diese Flecke die Art an sich, daß sie zuweilen von selbst vergehen, aber auch wiederkommen. Man hat wahrgenommen, daß sie bey denen gemeiniglich zum Vorschein zu kommen geneigt sind, die, wenn sie ihren Körper erhitzt haben, entweder sehr kalt zu trinken, oder sich der kalten Luft, um sich abzukühlen, auszusetzen gewohnt sind.

§. 94.

Diejenigen Schönheiten, welche solche Leberflecke ohne Nachtheil ihrer schätzbaren Gesundheit loß zu werden Verlangen tragen, werden sich mit gutem Erfolge, der im 60 und 61sten Absatze vorgeschlagenen Heilungsart bedienen können. Wenn sie aber lieber ihrem Eigensinne Folge leisten, und die im 46 und 54sten Absatze getadelten Hülfsmittel brauchen wollen, die werden freylich zur Strafe ihres Eigensinnes sich alle diejenigen Krankheiten, als ein Joch über ihren schwachen Hals werfen, die ich im 92, 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze angezogen habe.

Abschnitt 3, Kapitel 4, Kopfstück
Abschnitt 3, Kapitel 4, Kopfstück

Das vierte Kapitel.

Von dem Unheil, welches daher zu kommen pflegt, wenn sich das Frauenzimmer durch unrechte Mittel die Kröpfe vertreiben läßt.

§. 95.

Illustration from Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen

Die angenehmste Schönheit des Angesichts so wohl, als des Halses, ja der vollkommenste Körperbau wird einen großen Abgang seiner Anmuth leiden, wenn der schöne weiße und runde Hals von einem Kropfe unscheinbar gemacht worden ist. Sollte man es wohl den Schönen mit Rechte verdenken, wenn sie sich angelegen seyn lassen, sich von diesem Uebel, welches sie so sehr verstellt, frey zu machen? Ihre Absicht würde keines Tadels würdig seyn, wenn sie sich nur nicht ungeschickten Händen überließen, die ihnen allemal mehr Schaden, als Vortheil zu verschaffen pflegen. Denn ein vernünftiger Wundarzt wird sich wohl schwerlich unterstehen, seine Hand an einen Kropf zu legen, welcher schon zu einer ziemlichen Größe gelanget ist, weil er von den Kröpfen mit mir einerley Meynung und Glauben hat, daß nämlich ein gar zu groß gewachsener Kropf eine unheilbare Geschwulst sey. Es ist aber ein Kropf, nach meinem Begriffe, eine unschmerzhafte Geschwulst des auswendigen Halses, die ihren Ursprung von einer gewaltsamen Ausdehnung derjenigen Haut des Halses nimmt, welche die tyroideische Drüse umkleidet. Zuweilen sind diese Kröpfe klein, zuweilen aber zeigen sie eine ganz besondere Größe. Einige sind harte, andre weich. Ich habe Kröpfe gesehen, die sehr groß waren, so, daß sie denen, welche damit belästiget wurden, eine unangenehme und schwere Sprache, einen kurzen Athem, ja gar Ersteckflüsse verursachten, welches gar leichtlich geschehen kann, wenn die tyroideische Drüse, die bey nahe an den obern Knorpeln der Luftröhre liegt, so aufschwället und groß wird, daß sie die Luftröhre zusammendrückt, und auf diese Weise den Ausgang der Luft so wohl verhindert, als auch den Einfall derselben hemmet.

§. 96.

Ich habe schon im 88sten Absatze erweislich gemacht, daß die Kröpfe von der verhinderten Ausdünstung entstünden. Denn da diese die Säfte verderbet und dicke macht; so werden die Drüsen des Halses davon in eine Verstopfung gerathen, folglich werden sie wachsen, sich verhärten, und endlich die Haut ausdehnen, und diese Geschwulst sichtbar machen müssen. Ueberhaupt aber sind die Kröpfe gutartigen Verhärtungen nicht ungleich, wenn sie aber mehr zunehmen, so können sie auch nach und nach eine böse Art überkommen, daher sie denn auch öfters schmerzhaft werden, Entzündungen bekommen, und zum Krebse Anlaß geben. Leute, welche mit der Lustseuche behaftet sind, können gar leichte bösartige Kröpfe bekommen. Alles nun, was fähig genug ist, die Haut des Halses, welche die tyroideische Drüse umgiebet, auszudehnen, das muß auch vermögend seyn, Kröpfe zu erzeugen. Die Halshaut aber wird ausgedehnt, wenn man die Luft an sich hält, und den Kopf gewaltsam zurücke wirft, oder wenn man schwere Lasten öfters auf dem Kopfe zu tragen gewohnt ist. Alles was die Drüsen verstopfen kann, muß auch Gelegenheit zu Kröpfen geben. Dieses aber wird ein dickes, faules und schlammiges Wasser, wie ohngefähr das Schneewasser ist, welches darum faul und stinkend wird, weil es sehr lange, zumal auf hohen Bergen, ohne Bewegung gelegen hat, und eine sehr grobe Kost von Mehl und riechenden Fleische ganz gewiß zu bewerkstelligen im Stande seyn. Ich kann auch eine dicke, neblichte, und mit wäßrichten Dünsten stark angefüllte Luft mit gutem Gewissen nicht davon ausschließen. Es giebt Gegenden, wo diese Kröpfe ordentlicher Weise zu Hause sind, als wie in Spanien, Steyermark, Tyrol, Bayern, Franken, und Schwaben, und wie ich mir habe sagen lassen, so sollen die Frauenzimmer daselbst die Kröpfe vor eine ganz besondere Schönheit halten, ich will es glauben, denn vielmals macht die Mode einen Fehler schön. Ich habe an keinem Orte mehr kröpfichte Leute angetroffen, als in Sagan, und ich bin der völligen Meynung, daß diese vom Boberwasser herkommen, welches ich darum darzu geschickt halte, weil solches von dem Schneewasser, welches von den hohen Gebirgen herabfließt, und in den Bober fällt, schädlich gemacht wird. Die Aerzte daselbst mögen das Boberwasser noch für so gesund ausschreyen; so glaube ich es doch nicht, sondern ich halte es darum für schädlich und ungesund, weil die Einwohner daselbst sehr kropfreich sind. Ich lasse es mir auch nicht ausreden, daß diejenigen, welche das Boberwasser unüberlegt als gesund anpreisen, nicht Mangel an ihrer Wissenschaft und gar keine rechte Erkenntniß desjenigen Orts haben sollten, in dem sie wohnen, um welche sich doch die Aerzte, nach des Hipokrats Vorschrift vor allen Dingen zu bekümmern verbunden seyn sollten. Der Beweis, wodurch sie das Boberwasser von aller Schädlichkeit loszusprechen suchen, ist dieser: Sie sagen, der Bober entspringt an der böhmischen Gränze bey Schatzlar, auf einem hohen Berge, und hat auch darum einen sehr schnellen Lauf: das Wasser selbst sieht sehr helle und klar aus, und rollet auf einem schweren kiesichten und sandigten, nicht aber auf einem schlammigten und leimigten Boden daher: Da nun aber nicht nur das Bergwasser, sondern auch dasjenige Wasser der Gesundheit zuträglich ist, welches auf einem kiesigten Sande fließt, und noch darzu einen geschwinden Lauf hat, und eben darum nicht zur Fäulniß geneigt ist; das Boberwasser aber eine solche, und keine andere Beschaffenheit besitzt, folglich muß es ein gesundes Wasser seyn. Es ist wahr, ich muß es selber zugestehen, daß ein Bergwasser und ein solches, welches sehr schnelle läuft, einen kiesigten und sandigten Grund hat, und schöne krystallenklar ist, gesund seyn könne, wenn ihm nur anders keine fremde und schädliche Theile zugesellet werden. Allein da der Bober, von dem, auf den höchsten Bergen liegenden, und zur Sommerszeit geschmolzenen Schnee verderbet worden ist, so hilft alles nichts, wenn er auch gleich den Ursprung seines Wassers dem allerhöchsten Berge schuldig, das Wasser aber noch so krystallenartig wäre, und noch einen zehnmal schnellern Lauf hätte, als es gegenwärtig zu haben pflegt, ja wenn auch gleich das Boberwasser wirklich von dem, auf den Bergen geschmolzenem Schnee, schädlich und ungesund gemacht werde, beweist sein Aufschwällen im Sommer augenscheinlich, da es am trockensten, und heißesten ist. Denn zu der Zeit fängt der Schnee auf dem Gebirge an zu zerschmelzen, und den Bober am Wasser reicher, zugleich aber auch schädlicher zu machen. Aber wenn wird auch mehr, als im Sommer, da die Hitze sehr groß und schmachtend ist, getrunken? Wird man also nicht die Körper zu eben der Zeit mit weit mehrern Unreinigkeiten anfüllen? Ich läugne es nicht.

§. 97.

Man will mir die Versicherung geben, daß die Könige von Frankreich und England die besondere Kraft hätten, durch Auflegung ihrer hohen Hände, oder durch die Berührung mit ihren Händen die Kröpfe heilen zu können. Wer aber dieses glaubt, der glaubt mehr als ich. Ich habe nicht gehört, daß diese gekrönten Häupter die Gabe gesund zu machen mittelbar von den heiligen Ausgesanndten erhalten hätten. Denn meines Wissens wußte man dazumal nichts weder von einem Könige der Franzosen, noch von einem Könige der Britten. Wenn diese Könige wirklich die Kröpfe heilen könnten, so würden sich ganz gewiß die Tyroler, Steyermärker, Salzburger und andere mehr in ihre Kur begeben, um sich von dieser Beschwerde loß machen zu mögen. Einige wollen gar anrathen, daß man den Kropf mit einer Hand eines an der Abzehrung verstorbenen Menschens berühren lassen solle, und wiederum andere befinden vor gut, den Kropf mit einem Knochen eines solchen an der Auszehrung verstorbenen Menschens zu bestreichen. Doch alle beyde Mittel gründen sich auf einen bloßen Aberglauben. Ja man will noch mehr erzählen, und sogar sagen, daß einige, welche sich den Kropf, mit der Hand eines an der Abzehrung verstorbenen Menschens wirklich hätten berühren lassen, davon selbst in eine abzehrende Krankheit verfallen seyn sollten. Aber wenn dieses ja einmal geschehen ist, so muß gewiß derjenige schon selbst einen Fehler im Eingeweide gehabt haben, davon vielleicht diese Krankheit entstanden seyn mag. Denn da die Kröpfe von verdorbenen Säften ihren Ursprung nehmen, so wird es auch gar wohl möglich seyn können, daß davon andre Theile ebenfalls eine böse Beschaffenheit bekommen können. Doch wenn dieses in der Wahrheit seinen Grund hätte; so würden auch sonst diese Fälle öfterer vorfallen müssen, und so würden auch alle diejenigen, welche sich mit einem solchen Menschen beschäftigen, und ihn angreifen, wie nämlich die todten Weiber und Aerzte, welche vielmals solche Körper zergliedern, in eine Abzehrung verfallen müssen. So viel aber muß ich versichern, daß durch alle diese Mittel in Ewigkeit kein Kropf vertrieben werden könne, auch nach meinem Glauben niemals einer geheilt worden sey.

§. 98.

Viele haben das Herz, und wagen es, sich den Kropf mit einer Salbe bestreichen zu lassen, welche aus Quecksilber, venetianischen Terebinth und Schweinsfette verfertiget worden ist. Andere aber lassen ein bleyernes Halsband, welches mit lebendigem Quecksilber bestrichen werden muß, um den Hals tragen, und bilden sich ein, den Kropf damit weg bringen zu können: Aber sie betrügen sich in ihrer Meynung, und erlangen ihre Absicht dennoch nicht, ja sie richten damit vieles Unheil an, indem sie dadurch einen Speichelfluß erregen, welcher sie in nicht geringe Gefahr zu versetzen fähig ist. Diejenigen aber, welche den Kropf gar durch ätzende und beizende Sachen, zu vertreiben, sich in Sinn kommen lassen, machen es noch ärger, und verrathen offenbar ihren Unverstand. Denn es ist natürlich, daß durch diese Heilungsart große Adern und Nerven angefressen, der Kropf aber in einen Krebs verwandelt werden müsse, worauf allemal gewiß der Tod erfolgen wird. Man rühmt gemeiniglich den Schwammstein als ein untrügliches Hülfsmittel wider den Kropf. Allein man hat befunden, daß die Leute nach dessen Gebrauche sehr elende geworden sind, so, daß man alle Noth gehabt hat, solchen wieder zu ihrer verlohrnen Gesundheit zu verhelfen. Zurücktreibende Mittel verhärten nicht nur die Kröpfe noch mehr, und machen solche bösartig, sondern sie erzeugen auch alle diejenigen Mühseligkeiten, deren im 94sten Absatze gedacht worden ist. Diejenigen aber werden ihre Absicht weit glüklicher erreichen, welche sich bey anfangenden Kröpfen solcher Mittel bedienen, die ihre Wirkung durch Vertheilen zu beweisen geschickt sind, und die Fähigkeit besitzen, das Blut von aller Unsauberkeit zu reinigen, und die Dickheit desselbigen zu verdünnen. Einem alten Kropfe aber ist keine andere Hülfe, als der Schnitt, nur muß man sorgfältig darauf Achtung geben, daß der Kropf, welcher geschnitten werden soll, von guter Art sey, nicht aber eine üble Beschaffenheit habe, weil sonst nur die Gefahr vergrößert werden würde.

Abschnitt 3, Kapitel 4, Ende
Abschnitt 3, Kapitel 4, Ende
Abschnitt 3, Kapitel 5, Kopfstück
Abschnitt 3, Kapitel 5, Kopfstück

Das fünfte Kapitel.

Von den Ueblen Umständen, welche von der Weißmachung des Halses abstammen.

§. 99.

Illustration from Satyrische Abhandlung von den Krankheiten der Frauenspersonen, welche sie sich durch ihren Putz und Anzug zuziehen

Niemand wird einen gelben oder braunen und schwarzen Hals vor eine Schönheit halten, auch so gar pflegen dieses die Frauenzimmer selbst nicht zu thun, ohnerachtet sie doch sonst gewohnt sind, ihre eigenen Fehler vor schön auszugeben. Sie sind, wie mein Geschlechte, einem mißfärbigen Halse gram, und eben aus dieser Ursache bemühen sie sich, an sich diesen Fehler zu verbessern, um sich keines Vorwurfs würdig machen zu wollen. Sie sind in ihrer Erfindung, ihren Gedanken nach nicht die unglücklichsten gewesen, zumal, da sie die Kunst, ihren gelben Hals mit einem weißen Anstriche so meisterlich zu verdecken gelernt haben, daß man sich selbst beynahe überreden lassen sollte, diese angenehmen Schönheiten wären allesamt in Cypern gebohren worden. Doch wenn es mir erlaubt ist, die rechte Wahrheit sagen zu dürfen, so kommen mir solche weißgefärbte Frauenspersonen eben so, wie die Pferde vor, welchen die Roßhändler eine andere Farbe zu geben pflegen, damit sie solche ihres Vortheils wegen desto theurer verkaufen möchten: Und aus einer gleichmäßigen Absicht färben die Weibsbilder ihre gelben Hälse weiß, damit sie sich an einem oder auch nach mancher Neigung auch an mehrere Liebhaber glücklich verkaufen könnten.

§. 100.

Die gelben Hälse aber pflegen die Frauenzimmer mit Puder, sehr zart zu Pulver gemachten Bleyweiße, oder mit Magisterio Talci weiß anzustreichen, um ihren Hälsen besondre Annehmlichkeit zuwege zu bringen. Einige nehmen auch diejenigen Mittel zur Hand, die ich schon im 45sten und 46sten Absatze angeführt habe. Aber es ist auch eine überaus schlechte Belohnung, welche sie vor ihre Bemühung, sich nämlich einen weißen Hals zu verschaffen, bekommen. Denn sie ziehen sich dadurch alle diejenigen Krankheiten über den Hals, die von mir im 98, 94, 92, 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 17, 12, und 5ten Absatze erwehnt worden sind. Und so hätte ich denn, mit andern Gelehrten, den Kopf sowohl als den Hals schöne genug bemahlt, und abgeputzt, ohne daß ich bey den Stücken die geringste Krankheit aufgebürdet habe. Die Schönen würden mir das größte Unrecht von der Welt anthun, wenn sie sich gegen mich so unbarmherzig aufführen, und mich als einen Mörder ausschreyen wollten. Ob es aber auch nicht einige, nach ihrem schlechten angebohrnen Verstande thun dürften, dafür mag ich eben nicht Bürge seyn. Ich habe es mehr als einmal erlebt, daß man Personen aus einer bloßen gehäßigen Leidenschaft Gewalt angethan und ihnen mit einer erdachten und harten Beschuldigung, die ihnen nicht einmal in den Sinn gekommen war, zur Last gefallen ist. In Wahrheit, zu diesem Unglücke kann man eben so unvermuthet, wie jene Jungfer zu einem Kinde kommen. Gebt nur eingebildeten Gelehrten, und sich selbst weisedünkenden Herren, ob sie schon mehr Wahnwitz als Weisheit besitzen, nicht diejenige Ehre, der sie sich in ihren Köpfen, würdig zu seyn, glauben, so gleich werden sie an euch Gelegenheit suchen, euch mit einer Beschuldigung, davon ihr selbst nicht einmal wisset, zu beschweren, und es euch eben so nahe zubringen suchen, daß es euch, wenn ihr anders Empfindung habt, wehe thun muß. Und eben so machte es jenes Ordensglied, welches gegen seine Freunde mehr Schalkhaftigkeit als Freundschaft besaß, ob es schon immer sein rechtschafnes Gemüthe und seine Aufrichtigkeit in allen Gesellschaften, zumal wenn es von Weine beredter als Bäv gemacht wurde, recht meisterlich zu rühmen wußte, an dem aber gleichwohl, wie an einem stinkenden und faulen Fische, kein guter Bissen war, und eben darum seine vorige Gesellschaft zu verlassen genöthiget ward, weil man gar zu deutlich aus seinen Gesichtszügen sowohl, als aus seiner Aufführung schließen konnte, daß er sich besser zu einem Theaternarren, als zu einem Geistlichen schicken würde, ohnerachtet es das tolle Glück endlich noch zu allem Unglück zu einem mitlautenden Buchstaben, um die Zahl im ABC vollmachen zu helfen, gemacht hatte. Hier wußte es sich erst rechte Ehre zu geben, so, daß es endlich für Hochmuth und Einbildung in eine Krankheit, die von den Aerzten die Milzsucht genannt wurde, zu verfallen so unglüklich wurde. In diesem Zustande wuchs des Mannes Eigenliebe dergestalt, daß er in eine wirkliche Raserey verfiel, in der er vorgab, daß alle Gelehrsamkeit mit ihm ihre Endschaft erlangen würde, so bald er nur mit Tode abgehen würde. Der Himmel lasse doch diese Prophezeyhung immer mehr erfüllt werden! Doch ich will itzo sogleich, ohne daß ich mehr Worte verschwende, für die ich vielleicht wohl gar noch einigen Uebelgesinneten Rechenschaft zu geben, angehalten werden möchte, den Beschluß meines ersten Buches, von den Krankheiten des schönen Geschlechts, welche überhaupt dem Putze der Haare, des Angesichts und des Halses, ihr Daseyn schuldig sind, hiermit bestimmen; und kurz, hier ist das

ENDE.

Ende
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