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Sämtliche Werke 5-6

Note 71 — Fußnoten

E. K. Rahsin translation

Anspielung auf Tschernyschewskis berühmten Roman „Was tun?“ (1863), in dem von der Heldin vier im Traume geschaute Zukunftsvisionen erzählt werden (Aluminiumpaläste des Volkes, Arbeit bei Gesang, Wanderung nach dem Süden, freie Liebe usw.). Den ungeheuren Erfolg jedoch errang der phantastische Roman – nach den künstlerisch hochwertigen, doch als Spiegelbilder der Gegenwart auf die Jugend „trostlos“ wirkenden Werken Gogols, Herzens, Turgenjeffs – durch die mit größtem Temperament und Optimismus gezeigte Rettungsmöglichkeit aus diesem „korrumpierten“ Leben: „ins Volk“ zu gehen, selbst wieder Volk zu werden. Die Ausführung dieser Idee durch die Helden des Romans wirkte dazu wie eine Offenbarung und bewog unzählige Menschen der gebildeten Schicht, ihr Leben hinfort buchstäblich unter dem Volk wie unter Gleichstehenden zu verbringen oder sich ihm ganz zu widmen. Die Möglichkeit zu gläubiger Hingabe war für sie natürlich wichtiger als die Frage nach dem künstlerischen Wert des Romans oder manchem selbstgeübten Dilettantismus. Zudem lag in dieser Idee etwas sehr Russisches, das einem noch unbewußten Triebe in den Menschen jener Zeit entgegenkam. Auch Tolstoi und viele andere sind ja später diesen Weg gegangen. Überdies waren die im Roman geschilderten Menschen in ihrer sich als Selbstverständlichkeit gebenden Menschlichkeit trotz aller Utopien so entwaffnend, wie es etwa hier in den „Dämonen“ nicht die lauten Revolutionäre, sondern die fast stummen, doch im Innersten neuen Menschen sind. (Auch die vier starken, stolzen Frauengestalten in den „Dämonen“ haben in der russischen Literatur viele Vorgängerinnen). Daher Dostojewskis Geständnis im 9. Kapitel: „Oh, wie quälte ihn dieses Buch!“ usw. und seine wiederholten leidenschaftlichen Angriffe gegen die übernaiven Zukunftsträume in diesem Roman, die bei der Jugend die radikalsten politischen Forderungen zur Folge hatten, jeden lebenserfahrenen Menschen aber beängstigen mußten. E. K. R.

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