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Sämtliche Werke 5-6

Note 79 — Fußnoten

E. K. Rahsin translation

Dostojewski hat die Gestalt des Stepan Trophimowitsch zum Teil nach dem schönen, doch sehr unbedeutenden Dichter Kukolnik gezeichnet, dessen Romane Ende der dreißiger, Anfang der vierziger Jahre noch Beifall gefunden hatten, ein Jahrzehnt später jedoch schon vergessen waren, – zum Teil nach dem bekannten Moskauer Geschichtsprofessor T. N. Granowski, dem Freunde von Herzen, Belinski, Bakunin, Stankewitsch u. a., die um 1840 im geistigen Leben Moskaus eine Rolle spielten. Auch Granowski war eine schöne Erscheinung, von gepflegtem Äußeren, das (nach Herzens Ausspruch) ein wenig an einen feinen protestantischen Pastor erinnerte. Seine Frau war eine Deutsche, kinderlos, in ihrer Erscheinung ihm so ähnlich, daß sie wie seine Schwester wirkte. Seit 1839 hielt Granowski, der bei den Studenten und freien Zuhörern sehr beliebt war, und auch sonst allgemein verehrt wurde, an der Moskauer philosophischen Fakultät seine Vorlesungen, doch war es ihm u. a. verboten, über die Reformation oder eine Revolution zu lesen, da die Aufgabe der seit dem Dekabristenaufstand vom Zaren gehaßten Universitäten nichts weiter sein sollte, als die Erziehung der Studenten „zu treuen Söhnen der orthodoxen Kirche, zu treuen Untertanen für den Kaiser und zu guten Bürgern für das Vaterland“. Während der Regierung Nikolais I. (1825–1855) hatte jeder Schriftsteller von einigem Wert unter dem geistigen Druck und den persönlichen Verfolgungen der Reaktion zu leiden. So war das „Verfolgtwerden“ unbedingt eine Ehre. Stepan Trophimowitschs Ehrgeiz und zugleich Furchtsamkeit in der Beziehung ist durchaus lebenswahr geschildert, obschon sich für diesen Zug keine Porträtähnlichkeit nachweisen läßt: Kukolnik war in seinen patriotischen Dramen Überpatriot, Granowski als Westler zwar liberal gesinnt, doch ein Charakter, dem ähnliche kleine Eitelkeiten und Schwächen fern lagen. 1876 schreibt Dostojewski selbst über Granowski: „Das war einer unserer ehrlichsten Stepan Trophimowitsche (in meinem Roman ‚Die Dämonen‘ der Typ des Idealisten der vierziger Jahre, den unsere Kritiker richtig gezeichnet fanden ...) und vielleicht sogar einer ohne den geringsten komischen Zug, der diesem Typ sonst leicht anhaftet ...“ Während Granowskis Freunde, die Hegelverehrer Bakunin, Belinski, Herzen u. a. später Atheisten und Sozialisten wurden, blieb Granowski bei seinem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele und hielt es mit den deutschen Romantikern.

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