Note 21 — ZEHNTES KAPITEL
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Derselbe Mangel an Fröhlichkeit wird von vielen Reisenden in noch höherem Grade bei den Indianern Amerika’s bemerkt und von einigen aus einer geringeren Entwicklung des Nervensystems erklärt, daher auch der wunderbare Gleichmuth jener beim Ertragen von Schmerz. Das Gesicht des Indianers ist nach Tylor21 so verschieden von dem unsrigen, dass der Europäer erst nach Jahre langer Uebung seinen Ausdruck deuten lernt. Beide Ursachen mögen zusammenwirken. Wenn aber auch lebhafte Aeusserungen der Freude nicht wahrzunehmen waren, so findet doch der Indier grosses Vergnügen schon an den wochenlang dauernden Vorbereitungen zur Ausschmückung des Dorfes, noch grösseres bei dem Feste selbst an den Prozessionen, bei denen jeder in seinem besten Putz oder den Abzeichen seiner Würde erscheint. Der Kampf um den Vortritt, um die Ehre eine Fahne zu tragen, erfüllt den also Begünstigten mit dem höchsten Stolz und erregt den Neid der Uebrigen. Aus allen nahegelegenen Ortschaften kommt Besuch, ganze Triumphbogen von Bambus und Laubwerk werden von benachbarten Gemeinden, mit der Inschrift Obsequio del puéblo de ... mitgebracht und aufgerichtet. Zuweilen wird auch stark gezecht. Die Filipinos haben Vorliebe für geistige Getränke; selbst junge Mädchen berauschen sich gelegentlich gern. Für die Nacht finden die fremden Gäste die entgegenkommendste Aufnahme in den Häusern des Pueblo. Ueberhaupt strahlt die Gastfreundschaft bei solchen Gelegenheiten in hellem Licht. Jedes Haus steht Jedem offen. In den grösseren Ortschaften fehlt es auch nicht an Bällen, es tanzen aber gewöhnlich nur Spanier und Mestizen mit Mestizinnen; blos ausnahmsweise wird eine begünstigte Indierin aufgefordert. Unter sich pflegen die Eingeborenen selten zu tanzen; in Samar sah ich aber einmal einen nicht ungraziösen, angeblich einheimischen Tanz aufführen, zu dem »improvisirte« Strophen gesungen wurden: der Tänzer verglich seine Dame mit einer Rose, und sie erwiderte, er möge sich hüten sie zu berühren, da sie auch Dornen habe; was im Munde einer Andalusierin reizend geklungen hätte, bei der Indierin aber nur den Ursprung der Improvisation verrieth.