Note 94 — Viertes Kapitel Die lehninsche Weissagung
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Friedrich Wilhelm II., der Neffe Friedrichs des Großen – daß hier der Prophet die Bezeichnung als Sohn, was doch sonst bei ihm die Regel ist, fortließ, ist auf alle Fälle merkwürdig, zumal Friedrich Wilhelms Nachfolger in den späteren Versen wieder richtig als Sohn bezeichnet wird – war tatsächlich ein nach jeder Richtung schlechter Herrscher, der auch insofern die Sitten der Väter nachahmte, als er an seinem Hofe eine schamlose Maitressenwirtschaft einführte. Daß die Religiosität damals wie überall, so auch in Preußen danieder lag – wenigstens wenn wir unter Religiosität Kirchengläubigkeit verstehen – ist hinreichend bekannt. Auch die öffentliche Sittlichkeit stand sehr tief. Vgl. Ed. Vehse, Geschichte des preußischen Volks und Adels. I. Abt., 5. Bd. und Paulig, Friedrich Wilhelm II., sein Privatleben und seine Regierung.
Vers 87 mag sich auf Kaiser Franz II. beziehen, der sich 1792 am Kriege gegen Frankreich beteiligte, und im Frieden von Basel, am 5. April 1795, von ihm im Stich gelassen wurde. Friedrich Wilhelm erleichterte dadurch zweifellos die späteren Erfolge der Franzosen gegen Deutschland. Massenbach schreibt »Der Staat war seiner Auflösung nahe«.
Der König starb (1797) tatsächlich im Wasser, nämlich in seinem von Seen umgebenen Schlosse zu Potsdam an der Wassersucht.
Interessant ist, daß der König sich nicht lange vor seinem Tode die Lehninsche Prophezeiung kommen ließ, und zwar das älteste Exemplar der in der Berliner Bibliothek vorhandenen Handschriften. Er gab es nicht zurück. Es soll das Original der Weissagungen gewesen sein. (Vgl. Otto Glagau »Kulturkämpfer«, Heft 93, S. 32.) (Vers 85–88.)