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Prophezeiungen

Note 93 — Viertes Kapitel Die lehninsche Weissagung

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Die Verse 83–84 beziehen sich auf Friedrich den Großen, der als achtundzwanzigjähriger Jüngling den Krieg mit Maria Theresia, der »großen Gebärerin«, die damals mit Joseph II. in der Hoffnung war und im ganzen 15 Kinder hatte, begann. Die schweren Leiden des Staates im Siebenjährigen Kriege sind hinlänglich bekannt. Was das Beklagen des »grausen Schicksals« betrifft, so schrieb der große König am 28. Oktober 1760 an den Marquis d’Argens (Hinterlassene Werke, Bd. 10, S. 292): »Ich habe alle meine Freunde, meine geliebtesten Verwandten verloren, mich trifft jede nur mögliche Art von Unglück; mir bleibt gar keine Hoffnung übrig; ich sehe mich von meinen Feinden verspottet, und ihr Stolz trifft Anstalten, mich unter die Füße zu treten. Ach! Marquis,

Wenn alles uns verläßt, die Hoffnung selber flieht, Dann wird das Leben Schmach, und eine Pflicht der Tod!«

Daß auch das »Seufzen« der Königin, zumal sie ja geschlagen wurde, historisch ist, bedarf keiner näheren Ausführung. Was den Südwind (auster) betrifft, so liegt die Anspielung auf Österreich nahe genug. Sogar das Kloster spielte eine vorübergehende Rolle in Friedrichs Leben. Denn im Zweiten Schlesischen Kriege (1745) mußte er, vor einer Schwadron ungarischer Husaren fliehend, sich im Kloster Kamenz verbergen. Hier wurde er als Zisterziensermönch verkleidet und unter die übrigen Mönche im Chor versteckt. König Friedrich Wilhelm IV. ließ sich im Jahre 1846 noch die Stelle in der Klosterkirche von Kamenz zeigen, wo Friedrich im Chor als Mönch verkleidet gesessen und mitgesungen hatte. Flautibus austris mit »vor den heranstürmenden Österreichern« mit Ponk (Knop) zu übersetzen, will mir doch zu kühn scheinen, wenn es auch dem Sinne nach sicher richtig ist. Aber wenn wir sogar »vor den wehenden Südwinden will er sein Leben den Klöstern anvertrauen« übersetzen, womit wir keinerlei Gewalt antun, ist der Sinn klar und die Erfüllung buchstäblich eingetroffen.

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