Anhang Das Singen des Tages
Reading edition

An Tirol.
Zum Eröffungstag der Arlbergbahn.
(1884.)
Tirol, du schönes, stolzes Land, Du hüllest dich in Festgewand Und jauchzest laut. Durch Berg und Tal der Posthornschall, Er tönet heut das letztemal So weh und traut. Das Posthorn klingt, wie Vogelsang Dereinst auch an das Herz dir klang In Sommernacht, Als es — ein sehnend Walter-Lied — Vom Liebsten, der in Treuen schied, Den Gruß gebracht. Es blies in schwer bedrängter Zeit Das Notsignal zum Freiheitsstreit Von Tal zu Tal; Und auf dem blutigen Felde klang's Erschütternd, wie des Grabgesangs Posaunenschall. Dem Spielmanns-, Senn- und Jägerhorn Entstammt, ward es zum heiligen Born Für Lust und Schmerz. War's Willkomm', war es Scheidens Muß, Das Horn, es hatte wilden Gruß Für unser Herz. Das Lerchenlied — es ist vorbei. Doch hörst du nicht des Geiers Schrei Und schrillen Pfiff? Ein schwarzer Drache schnaubt heran, Und Feuer speit auf eherner Bahn Das Lokomotiv. Der Täler Frieden ist dahin, Und bald der Welt Parol': Gewinn! Wird herrschend sein. Doch nimmer klagt und nimmer bangt; Was eine große Zeit verlangt, Wird sie auch weihn. Solang noch Schwert und Kugel droht, Der Völkerhaß gen Himmel loht, Solang, solang Die weite Welt nicht ist befreit, Gibt's keine Rast in Einsamkeit, Trotz Lerchensang. Die neue Bahn, der weder Sprung Noch hoher Berge Überschwung Jemals gefiel: Durch Nacht und Graus, auf kühnem Steg, Geradeaus den Mittelweg, Kommt sie ans Ziel. Ans große Ziel, dem ich und du Mit heißer Sehnsucht streben zu, Und weher Not: Dem Bruderbund von Hand zu Hand, Von Herz zu Herz, von Land zu Land, Das walte Gott!

Das Erdbeben in Steiermark
in der Nacht zum 1. Mai 1885.
Der sanfte Mai! So herb an unsere Mauern Hat er noch nie gepocht, als diese Nacht. Aus tiefem Winterschlafe jäh erwacht, Erbebt die Erde in Empfängnisschauern? Wir fuhren auf in mitternächtigem Schrecken, An mondbestrahltem Fenster stand der Mai Und lächelte herein: Ich war so frei, Ein wenig eure Herzen aufzuwecken, Daß hören sie, was schallt in allen Lüften, Daß sehen sie, was ich mit Blumen schrieb: Wie kurz die Lebenszeit! O habt euch lieb, Die Toten pochen laut in ihren Grüften.

An den Lehrer.
(Zum Lehrertag in Graz 1888.)
Als Sparta einst ein großes Fest beging, Da kam ein Bote aus Athen gezogen, Man hieß ihn treten in der Krieger Ring Und fragte grüßend ihn mit Pfeil und Bogen: »Was ist dein Zeichen, Freund, wir wollen's sehn!« »Gesittung, Friede!« sprach der von Athen. Und so wie damals der Athener trat, Der edle Geist, ins Land der rohen Sitten, So bist auch du, mein Freund, nun in den Rat Der rauhen, kampfeslustigen Zeit geschritten. Es kocht der Haß der Völker und Partein Und lädt zum blutigen Mahl der Rache ein. Doch du erziehst mit Mut ein neu Geschlecht, Und daß aus Wissen sein Gewissen tage, Zu messen mit Gewissen, Pflicht und Recht, Gibst du ihm in die Hand die heilige Wage. Gesittung, Friede seh' ich neu erstehn. O sei willkommen, Bürger von Athen!

Ahasver an seinen verklärten Dichter.
(Zum Tode Robert Hammerlings 1889.)
Bist es du, der mich entsühnet als den Brudermörder Kain, Welcher, weil des Todes Vater, nimmer dessen Kind kann sein? Weh, das war ein banges Wandern durch die wilde, finstre Zeit, Wähnend, hastend, niemals rastend, um den Ring der Ewigkeit. Seit jedoch der göttergleichen Schönheit leuchtend Gloriol Aufgestellt zum Straßenzeiger, wo ich rasten darf und soll, Seitdem will ich leben, leben, maienfroh zur Lust erwacht. Liebe hat die Welt erlöset, Schönheit selig sie gemacht. Du, mein Wanderbruder, standest einsam auf des Lebens Firn, Als der Schönheit Hochpropheten einer, mit der Jovisstirn; Nun sind beide wir unsterblich, wandern durch das bunte Nichts, Ich im Schattenreich der Erde, du im Äther ew'gen Lichts.

Festgruß
zur zwanzigjährigen Gründungsfeier des Lesevereines in Krieglach am 23. Juli 1893.
Es pflegen die Menschen im irdischen Tal, Die Streitenden, Hoffenden, Edlen zumal Sich leuchtende Tempel zu bauen, Auf daß im alltäglichen Drang ein Asyl Uns winke und weise das höhere Ziel Zum inneren Leben und Schauen. Denn nicht in des Körpers gebrechlichen Schrein Sind uns hinterlegt die Schätze allein, Und auch nicht in eisernen Truhen; Die größten, beständigsten Güter der Welt, Sie sind wohl auf Geist und Gemüt gestellt, Wo selig die Götter ruhen. Zu stärken die Kräfte, die schaffenden, Zu wecken die Götter, die schlafenden, Das war unser heiliges Streben, Als einstens, vor zweien Dezennien, Beseelt und geleitet von Genien, Dies Bündnis wir riefen ins Leben. Wir gründeten mutig den frohen Verein Und luden die Geister des Erdkreises ein Ins bescheidene Dorf an der Fresen. In Büchern und Blättern sie kamen heran, Und mancher verdienst- und ruhmreiche Mann Ist wohl unser Gast gewesen. Wir hielten zusammen in treuer Pflicht, Wir zankten nicht viel und wankten auch nicht In guten und schlimmen Jahren. Und hier in diesem gastlichen Haus Hat unser Verein jahrein und jahraus All Schutz und Schirm erfahren. Wie mancher Gesang der Weihestund', Wie manches Lustjauchzen der Tafelrund' Hat hier gebraust und geklungen. Wie mancher Funke und Bildungskeim Ist siegreich aus diesem Geistesheim Ins weite Tal gedrungen. So wird man dem immer noch frischen Verein Das Fest der Erinnerung gerne verzeihn, Der treuen Verharrung zum Lohne. Die Einigkeit war unser Grund und Fach, Die Einigkeit war unser Turm und Dach, Die Einigkeit sei unsre Krone.

Wiens Genius.
Am Grabe Anzengrubers.
(Zur Enthüllungsfeier seines Denkmals 1895.)
Ich singe hell an seiner Gruft Und spiele froh die Leier; Am Grabe des Unsterblichen Gibt's keine Todenfeier. Ihr in der Ferne seht des Meisters Herrliches Vollbringen; Ich weiß von seinem Menschentum Ein rührend Lied zu singen. Sein Haupt ist schön, auch wenn ich es Des Lorbeerzweigs entblöße, Wohl, Dichterkönnen preis' ich hoch, Noch höher Menschengröße. Wir Freunde sein, wir denken still Zu dieser Stund' aufs neue An seines Wesens schlichte Art, An seine Mannestreue. Die Wahrheit, die im Worte er Gefeiert und gespiegelt, Im Leben durch Wahrhaftigkeit Hat er sie, traun, besiegelt. Sein Leben war ein harter Kampf, Sein plötzliches Erliegen Erst hat die Welt ihm aufgeschreckt; Sein Fallen war sein Siegen. Sein Erdentag war wolkentrüb, Das lichte Ziel zu ferne, Nun leuchten, seit die Sonne sank, Die Werke hell wie Sterne, Sie leuchten über die weite Welt, Doch jetzt will ich erinnern: Sein Wiegenhaus, sein Schaffensheim, Sein Grab gehört den Wienern. An solchen Stätten blicket auf Sein Volk in Stolz und Schauern; Ein Jauchzen hat es, daß er kam, Und daß er ging, ein Trauern. — O späte Liebe, die wir anders Nimmer stillen können, Als daß wir dankend, sühnend Seine Lebensstätten krönen. Wir graben ein in Marmelstein Den Namen, den wir lieben. Er selbst hat sich mit Loderbrand Dem Volk ins Herz geschrieben.

Heimgartens silberne Hochzeit.
1900.
Seit sich der Gärtner müht Und dieser Garten blüht, Nie Gold und Silber das Leitmotiv war. Doch als die Zeit verstrich, Sachte das Haupthaar blich, Nahet dem Werke das silberne Jahr. Silberne Hochzeit hält Mit seiner Lesewelt Heimgarten jetzt, zum Jahrhundertbeginn. Altern nicht wehe tut; War nur die Ehe gut, Wird selbst dem Silberhaar goldner Gewinn. Seit einst im Steirerland Schlicht dieses Blatt entstand, Liegen, wie immer, die Geister in Streit. Und dieser Garten hier War teils ein Kampfrevier, Teils ein Idyll auch in stürmischer Zeit. Oft fiel das Samenkorn Freilich auf Sand und Dorn, Oft hat gesäter Wind Sturm auch gebracht. Ist es auf Bergeshöhn Nicht der befreite Föhn, Der aus dem Eise den Frühling entfacht? Doch nicht der Lenz allein Soll ewig Herrscher sein; Fruchtbarer Herbst, wie erwart' ich dich gern! Was wir im Lenz gesät, Ahnend schon aufersteht: Freude den Menschen und Ehre dem Herrn! Dann — wird im Abendfried' Einst auch der Gärtner müd, Reichend den Spaten dem andern zur Hand, Wird das Vermächtnis sein: Treuet den Garten mein, Heimgarten ewig dem steirischen Land!

Sonnengruß.
Den Deutschen in Amerika.
1904.
Aus deutschem Morgenlande Der Sonnenball Flicht täglich Bruderbande, Und grüßt euch all! Was uns die dunkle Welle Des Westens nahm, Das euch in Lichteshelle Von Osten kam. Des Ostens heiliges Feuer, Des Westens Mut Führt euch mit Kraft das Steuer Durch hohe Flut. Die Sonne ist's, die gleiche, Die uns bescheint; Die Liebe ist's, die reiche, Die uns vereint. Die Sterne fliegen munter Von uns zu euch; Die Sonne geht nicht unter Im Deutschen Reich.

Es zieht ein Segen von Haus zu Haus.
Zum Schillertag 1905.
Es zieht ein Segen von Haus zu Haus; Es klingt in den Lüften und klingt nie aus, Es rauscht in den tiefen Gewässern. Es ruht in der Erde und keimt empor, Es blüht aus den holden Maien hervor Und glüht in den Herzen der Bessern. Es leuchtet und tost ein gewaltiger Strom Dahin durch des Himmels ewigen Dom, Daß der Erde Urgrund erbebet. Es tönet ein zarter, süßer Gesang Wie Saitenzittern, wie Nachtigallklang, Der alles weckt und belebet. Wir fühlen im Herzen der Liebe Hauch, Das Sehnen nach Großem, die Hoffnung auch Zu schauen einst glückliche Zonen. Ein heiliger, glühender Geist durchzieht Wie Sonnenleuchten das dunkle Gemüt, Die höchste der Religionen. — Sein Sterben doch mach' uns nicht zag, Hie Todestag — hie Ostertag, Der Geist wird freigegeben. Wenn große Menschen schlafen gehn, So ist es ein neues Auferstehn Zu wahrem, wirkendem Leben. Und wie die Glocke auf dem Turm Durch dieses Lebens Fried' und Sturm In Freud' und Leid uns läutet, So Friedrich Schillers hehrer Sang Dem Menschensohn auf lebelang Viel Trost und Heil bedeutet. Sein Lied ist es, sein Dichterwort — Schon tönt's ins zweite Jahrhundert fort Und hallet im dritten wieder. Der Hirt in der Alpen Himmelsnäh', Der Schiffer auf ferner, wildwogender See Empfindet und singt seine Lieder. Sein Lied ist es, der schmetternde Ruf, Der Sklaven den Drang zur Freiheit schuf Und sie zu Menschen erkoren. O kennt ihr des Sängers wildweckenden Schrei: Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, Und wär' er in Ketten geboren! Sein Lied ist es, das weist uns die Bahn: Ans Vaterland, Bürger, schließ dich an, Bleib treu deinem Lande und Blute! Dann deutet er mahnend himmelwärts: Nicht an die Güter hänge dein Herz! Häng es allein an das Gute! Sein Lied ist es, der wonnige Hall: Die Tugend, sie ist kein leerer Schall, Der Mensch kann sie üben im Leben! — Und was die innere Stimme spricht, Das täuscht die hoffende Seele nicht In ihrem heiligen Streben. — O Dichterkönig! Du ließest zurück Ein Gut, der Deutschen Stolz und Glück, Ein flammendes Gotteszeichen; Das Erbe der Nibelungen und Die Schätze all in Kyffhäusers Grund Sind nicht damit zu vergleichen. So schließen wir heute zur Weihestund' Des Dichtererbes den treuen Bund Auf allen unseren Wegen: In Güte treu, in Frieden frei, Ein einzig Volk von Brüdern sei Des deutschen Dichters Segen!

Ruf zur Hilfe
bei einer Elementarkatastrophe in Steiermark.
Hört ihr den Ruf erschallen? Der Charitas Gesang. Seht ihr die Menschen wallen Die Straßen froh entlang? Sie ziehen, traun, dem Rufe nach, Durch Täler, über Berg und Bach, Dem Weihesang zu lauschen. Die Tannenwälder rauschen — Es wogt der blaue See, Und Minnelaute tauschen Das Böcklein und das Reh. Es schwillt und knospet Trieb um Trieb, Es blüht die heilige Bruderlieb' Im schönen Lande Steier. Wie ernst ist unsere Feier! — Des Schicksals dunkle Hand Senkt nieder grause Schleier Mit Sturm und Blitzesbrand. Des Landmanns Haus und Feldeshab' Verwandelt sich zum Wüstengrab. — Gehört das auch zum Feste? Ihr hochgeschätzten Gäste, Ein wohlerwogner Rat: Der Heimatsehren beste Ist eine gute Tat. Hißt auf die Fahnen weiß und grün, Und laßt das Alphorn schallen hin, Die Brüder all zu rufen. Und zu des Altars Stufen, Die wir der Styria In heißer Liebe schufen, Kommt her aus Fern und Nah. Der Mund für Sang und Bechersrand, Das Aug' dem Licht, die offne Hand Den armen Landsgenossen. Aus Zeiten, längst verflossen, Ist uns der Väter Art Ins warme Herz gegossen, Daß sie die Scholle wart'. So danken wir in Tat und Spiel, Daß dieses Land vom Himmel fiel Und unser Heim geworden. Und daß nicht durch die Pforten Zieh' fremder Geist herein, Der Ahnen Kraft zu morden, Die Brüder zu entzwein — Des laßt in Einigkeit uns stark Der heißgeliebten Steiermark, Der heiligen Heimat walten. Und damit nicht erkalten Die Heimatliebe mag, Soll nunmehr sich gestalten Ein froher Steirertag, Zu zeigen, daß in Glück und Not, Und wenn den Brüdern Unheil droht, Wir treu zusammenhalten.

Festgruß.
Geweiht dem Wiener Sängerbunde zu seinem fünfzigjährigen Jubiläum.
Ein Herold im freien Alpenland Naht brüderlich deutschen Söhnen, Zu grüßen als Sänger mit schlichtem Wort Die Sänger mit klingenden Tönen. Grüß Gott! Grüß Gott! erschall aufs neu Des Vaterlandes Ehr' und Treu! Es grüßt euch, Sänger, die blühende Stadt Mit frohem Festesrauschen, Bereit, der Menschheit hohem Lied Von eurem Mund zu lauschen. In ernster Zeit aus Mannesbrust Ein froher Sang ist Trost und Lust. Das Jauchzen des Glücks, das Drohen des Zorns, Das Gelöbnis zum Bruderbunde, Es klinge hinaus im dreifachen Lied Der hehren Weihestunde; Es wecke Freude, Mut und Kraft Und dämpfe rohe Leidenschaft. Den ersten Sang, o singet ihn froh Im seligen Ahnen und Sehnen, Er gilt dem Geiste der Ewigkeit, Er gilt dem Guten und Schönen. Die Guten und Schönen auch unserer Wahl, Begrüßet sie minnig im Liedesschall! Den zweiten Sang, o singet ihn laut, Er braus' von Geschlecht zu Geschlechte, Das Schwert in der Hand, so weihet ihn, traun, Für heilige Menschheitsrechte. Der Unschuld Schutz, der Freiheit Wehr, Der Falschheit Trutz, der Wahrheit Ehr'! Den dritten Sang, Walkürenruf, Die Schilder kühn geschwungen! Des Vaterlandes Hochgesang Erschall von allen Zungen. Dem deutschen Volk in Fried' und Streit Mit Herz und Hand in Ewigkeit. Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Erschuf auch klingende Kehlen, Und manches, was das Schwert zerriß, Das Lied kann's wieder vermählen. Der Schönheit Band, der Freude Gruß Die Menschen brüderlich einen muß.

Zum Kongreß der Schwachsinnigenfürsorge in Graz.
1908.
Auf dem Wege zum Licht lasset keinen zurück. Führet jeden mit euch, der vergessen vom Glück. Dem die Ampel verlosch, dem die Glut nie gebrannt, Das Kind, das den leitenden Stern nie gekannt, Sie taumeln in Nacht und Verlassenheit. — Ihr begnadeten Pilger der Ewigkeit, Führt alle mit euch in Liebe und Pflicht. Lasset keinen zurück auf dem Wege zum Licht!

Gruß den Touristen.
Den schönsten Blick in das Weltenrund Hat man — ich ward es inne — Vom tiefen, kühlen Kellersgrund Und von der Alpenzinne. Das Leben kann vertieft, erhöht Den Erdenpilger beseelen, Gott schütz uns gnädig vor flacher Öd' Und flachen Alltagsgesellen! Des Menschen Geist gleich der Blume sprießt Aus dunkler Tiefe nach oben, Und unsere Jakobsleiter ist Aus Fels und Gletschern gewoben. Die Bergesspitze, sie sei jedoch Als Endziel nicht unser Eigen, Wohl ungeahnte Höhen noch Die Menschheit hat zu ersteigen. Ihr wandert gehobenen Herzens zu Fuß Auf himmelansteigenden Wegen. Ich reite auf hinkendem Pegasus Dem leuchtenden Ziele entgegen. Und dort auf der Höhe, wo herrschen zumal Der Menschlichkeit Taten und Lieder Im reinen göttlichen Sonnenstrahl, Dort oben sehn wir uns wieder.

Dichter der Heimat.
Gottfried Ritter von Leitner.
(Zum 90. Geburtstag.)
Der teueren Steiermark hast du dein reiches Leben In Rat und Tat, in Sag' und Sang gegeben, Darum der Landesfarbenschmuck in hohen Jahren, Der grüne Lorbeer auf den weißen Haaren.
Robert Hamerling.
Das höchste Ideal, die glühend heiße Phantasie, Die größte Lust, den tiefsten, unbegrenzten Schmerz, Schon eins zu schwer für schwache Erdenpilger, Gott' legt sie alle in dies Dichterherz.
Ludwig Anzengruber.
(Redakteur des »Figaro«.)
Der größte Tragiker unserer Zeit, Der muß ein Witzblatt machen, Ein tragischer Witz, bei meiner Seel', Man möchte Tränen lachen!
Karl Morre.
Ungezählt und ungewogen Gab dir Gott mit voller Hand, Ungezählt und ungewogen Streust du Schätze in den Sand, Doch gezählt und wohlgewogen Wird dein Name sein im Land.

Dichtergassen.
Bauet ihr den Dichtern Gassen, Baut sie nicht an Häusermassen, Nicht in staubdurchqualmter Enge, Wo nach Mammon hetzt die Menge. Bauet sie durch grüne Auen, Wo die kühlen Wälder tauen, Bauet sie nach Bergesspitzen, Wo beim Mahl die Götter sitzen. Und wenn euch in Niederungen Fast ersticken Herz und Lungen, Laßt den Plunder liegen, stehen, Folgt den Dichtern zu den Höhen! — Wer dies Märchen nicht kann fassen, Der soll alles Dichtergassen-, Dichterstraßentaufen lassen.

Musiksegen.
(An meinen Sohn.)
Die Musik, sie ist dein Heiland, Sie ist ein Heiland auch mir, Wenn sie als treuer Engel Dich führend bleibt bei dir. Wenn sie, mein Kind, dich behütet Vor Lastern, den gemeinen, Wenn sie dich hebt und leitet Zu Freuden, zu den reinen. Zieh unterm Lorbeerzweige Auf klingendem, seligem Eiland, Voll Dornen zwar sind die Steige, Und ein Kreuz trägt jeder Heiland.

Dem Tiere zu Schutz und dem Menschen zu Nutz.
*
Ich hör eine alte Satzung lehren: O Mensch, du sollst deine Eltern ehren! Und ein neues Gesetz die Weisung gab: O Mensch, du stammst vom Tiere ab! Die Moral davon, die liegt nicht weit, Du sollst achten die Tiere zu aller Zeit. Und erkennst du sie schon als Stammeltern nicht, So ist es als Mensch deine heilige Pflicht, Den Tieren, die dir ihr Dasein weihn, Ein gütiger, milder Schutzherr zu sein. Das Tier hat ein fühlendes Herz wie du, Das Tier hat Freude und Schmerz wie du. Das Tier hat einen Hang zum Streben wie du, Das Tier hat ein Recht zum Leben wie du. Nicht viel sind dir, Mensch, der Tage gegeben, Doch kürzer noch ist des Tieres Leben. Und muß es dein armer Sklave schon sein, In dunkler Nacht wie im Sonnenschein, Und opfert es dir seine Kraft und Ruh' Und wendet dir all seine Neigung zu, Oder flieht es dich angstvoll, weil es ihm scheint Du seiest sein allergrößter Feind: O sei sein Schutzherr! Es kann nicht klagen Den Schmerz, kann dir seinen Dank nicht sagen. O sieh sein flehendes Auge an, Es blickt dich eine verwunschene Seele an. Schon vor vieltausend Jahren die Alten Haben deutsam an dem Glauben gehalten: Die Menschenseele müsse wandern, Von Tier zu Tier, von einem zum andern. 's ist Wahres dran; der Mensch ist geschaffen Aus ähnlichem Stoff wie Vögel und Affen. Die Tierexistenz und das Menschenleben Ist einem und demselben Geschick untergeben; Wir haben mit jedem Wurm gemein Das Kämpfen und Ringen ums irdische Sein, Und wenn wir auch manches Hohe erwerben, Wir haben mit jedem Tiere gemein: Das Leiden und Sterben! Das Leiden und Sterben! O glaubt mir doch, es nimmt besseren Lauf, Der Mensch hebt das Tier zu sich hinauf, Als, er stiege durch Roheit und unreine Taten Zum niedrigsten Tiere hinab in den Schatten.

Zwei Millionen!
(Gelegentlich der Nationalsammlung[C]).
2000 Kronen = zwei Millionen! Die Rechnung ergrimmt sie? Wenn in deutschen Landen auch Deutsche wohnen, Dann stimmt sie. 2000 Kronen = zwei Millionen! Darf man das sagen? Die Deutschen haben das Spiel gewonnen, Wenn sie es wagen. 2000 Kronen = zwei Millionen! Die Rechnung ist richtig. Ich kann auch die Reichen nicht ganz verschonen, Die Sache ist wichtig. Zwei Millionen! Öffnet die Börsen Mutig und heiter! Sonst dichte ich in diesen erhabenen Versen Erschrecklich weiter.

Gruß-Sprüche und Allotrias [D].
Auf den Wunsch, Neujahrsgratulationen zu dichten.
Die Dichter sollen, traun, mit ihren Lichtern Dem Volk zum neuen Jahre gratulieren? O lausche, deutsches Volk, den deutschen Lyren, Dann gratulier dir selbst zu deinen Dichtern.
Der Meisterschütz.
1889.
Einen Schuß in Ehren Kann mir niemand verwehren, Etwas treff' ich immer. Treff' ich schon die Scheibe nimmer, Schieß' ich halt der Luft ein Loch, Etwas treff' ich doch. — Böcke schieß' ich mir zum Preis, Fällt der Bock nicht, fällt die Geiß, Oder gar ein junges Kitz, Treffen, treffen tu ich immer, Denn ich bin der Meisterschütz'.
An Alexander Girardi.
1899.
Ich gratulier' zum kleinen Bubn, Ist Glück nicht süßer noch als Ruhm?
Buchwidmung an die Schwiegermutter.
1899.
In diesem Buch man finden kann, Wie der Schwiegersohn schön dichten kann. Er dichtet früh, er dichtet spat, Und wenn er just Courage hat, So dichtet er, der tapfre Mann, Sogar — die Schwiegermutter an. Die Schwieger —? Wie? Gemach, gemach, Sie ist danach.
Nachhall.
1899.
In deiner schönen Heimatstadt Da blieb ich über Nacht, Und als das Mühlrad rauschend ging, Und als mich milder Traum umfing, Da hab' ich deiner gedacht. In deiner schönen Heimatstadt Da gab es einst fröhliche Zeit, Die Jugend hat uns angelacht, Die erste Liebe war erwacht, O selige Tage — wie weit! In deiner schönen Heimatstadt Es ewigen Frühling gibt, Und was, o Freund, einst unser war, Genießt heut eine junge Schar Und lebt und lacht und liebt.
Zum 28. August 1900.
Du dünkst dich alt, so klagst du mir, Und ist doch so viele Jugend in dir. Das Klagen, das magst du sparen! Eine vierzigjährige junge Frau, Die gibt — ich rechne ganz genau — Zwei Mädchen von zwanzig Jahren.
Auf die Einladung
zu einer Kirchenbaufeier auf dem »Ölberg« in M. (1900.)
Am Ölberg sein, um Blut zu schwitzen, Da blieb' ich allwegs lieber fern, Doch in Bethanien Festwein blitzen Am Ostertag, das tät ich gern. Indessen, wollen wir nicht warten, Eh' aus dem Hals der Stoppel springt, Bis auf des Ölbergs hehrem Garten Vom Turm die erste Glocke klingt? Zwar tät es not, daß wir uns laben Zu dieser kampfesheißen Frist. Doch Feste wollen wir erst haben, Wenn unser Werk vollendet ist.
An T. Sch.
1900.
Zu dir bin ihs gonga, Zu dir hots mih gfreit, Zu dir geh ihs öfter, Koa Weg is ma z weit. Koa Weg is ma z weit Und koa Steg is ma z krum, Koa Glos is ma z tiaf Und koa Gspoaß is ma z dum. Koa Gspoaß is ma z dum Und koa Red is ma z gscheit, Mei Toni, ba dir Hots mih ollemol noh gfreut.
Schlaraffia.
1901.
Schlaraffenbrüder, lu lu! Ich bring' euch den Humpen, ehe! Ihr merkt es schon, Sassen, aha! Ich möchte ins Reich Uhu Und kann nicht zu euch, oho!
Willst du, Freund, der Weisheit viel erfahren, Geh' zu Seiner Majestät, dem Narren. Was dich lehrt bombastisch der Lektor, Das lebt der Narr dir lachend vor.
Dem Verein der Künstler in Wiesbaden auf eine Sendung.
O heiliger Becher goldenen Weins! Bist du nicht zwei, so bist du mir Eins. Nun sei auch mein flinker Pegasus, Der froh überbringt den Dankesgruß Bis nah den Gestaden von Mainz. Dort lasse dich nieder auf Wiesbadens Flur, Und biet einen Bruderkuß dar von der Mur Den Männern des Künstlervereins — O Tropfen, der mich erquickt und beglückt, O Flamme, die mich berückt und entzückt, Im seligen Taumel des Seins. Kein Trunk hat mich jemals so lodernd entfacht, Als du, mich den Göttern so nahe gebracht, Voll wonnig olympischen Scheins. — Ich trinke euch zu, ich jauchze euch zu! Ich preise dich, feurige Labe du, Allheitere Seele des Rheins!
Der Tischgesellschaft.
1901.
Ach wie wär's im Kruge lustig, Doch zu Hause bleiben mußt' ich, Hab's ein bißchen auf der Brust ich. Traun, die halben Nächte pfauch' ich Und die andern halben hust' ich.
Abschied vom Krug.
Es war einmal 'ne schöne Zeit, Da saßen wir zu zehnt, zu zweit In Kleinoscheggers Weinlokal. Es war einmal. Nun bin ich traun ein Patient Und fürcht', der Krug, der hat ein End', Er ging zum Brunnen sonder Zahl. Er war einmal. »Es war einmal« wird immer neu, Was wir erlebt, das bleibt uns treu In dichtender Erinnerung Damit genung.
Einem mit dem Verdienstkreuz Ausgezeichneten.
1901.
Wer oft und treu das schwere Kreuz Mit andern hat getragen, Den muß man an der Ehre Kreuz Mit goldnen Nägeln schlagen.
An einer Wiege.
1902.
Die alten Zeiten Kehren wieder, Wo mir erklungen Die süßen Lieder. Ein kleines Kindlein Tat ich liegen, Nun schläft ein anderes In dieser Wiegen. Ich seh's im Traume Lieblich lachen, O möcht' es nimmer Daraus erwachen!
Wegen einer Vorlesung.
1902.
Wenn ich schon lesen soll, Les' ich am Sonntag. Wann wär' ich gänzlich wohl? Wann hätt ich Schontag? Husten und schnaufen ist Jetzt mein Beruf, Hoff', daß es besser wird, Freund Toni Schruf. Sollt sich's verschlimmern, so Schreibt dir der Peter, Dann geh zum Tischl du Als sein Vertreter[E].
Sehnsucht nach Bayreuth.
1902.
Die sitzen jetzt beim Göttermahle Und atmen Liebe hehr und rein, Wie möcht' ich dort im Speisesaale Beim großen Tor — der größte sein. Der größte Tor, der größte Weise, Der heilige Weltbesieger Christ, Deß' Herzenskraft und Seelenspeise Die Einfalt und die Liebe ist.
Zur Urkunde im Schlußstein des Veitscher Schulhauses.
1903.
Wir bauen dies Haus in stürmischer Zeit, Die Geister gären und liegen im Streit. Die Seelen sinken und suchen nach Licht, Durchwühlen den Erdball und finden es nicht. Wir weihen dies Haus dem göttlichen Geist, Der wieder die Menschheit gen Himmel weist.
Widmung in ein Buch.
1903.
Ein neues Buch. Doch brauchst du's nicht zu lesen. Man kann auch so zur Weltweisheit genesen. Man sagt dem edeln Spender besten Dank! Und stellt's, statt in den Kopf, bloß in den Schrank.
An Ferdinand v. Saar.
1903.
Im irdischen Tal Sind wir uns begegnet Ein einziges Mal, Doch das war gesegnet. Seither entschwunden Bist du mir nimmer, Und jene Stunden Währen noch immer. Einzig nur trennen uns (Läßt sich's ereilen?) Zehen der Jahre, Zwanzig der Meilen.
Der Königin Elisabeth.
1906.
Gütige Frau und Fürstin, Wie müßte die Krone dich drücken, Läg' drunter der Lorbeerkranz nicht Auf der glühenden Stirn.
Der Urania in Wien.
Das Nützliche weihet mit Schönheit, Die Schönheit mit Würde, So gründet auf Erden ihr kühn Der Urania Reich.
Auf Einladung zu einer Scheffelfeier.
1903.
Ich ehre den Dichter nach meiner Art, Und das ist die schönste Scheffelfeier. Weißt du, worin sie besteht, mein Treuer? Ich lese zu Hause den »Ekkehardt«.
Einem Sprachvereinsfeste.
Nun schärfet den Spaten Und furchet sein wacker Den siechenden Acker Der kahlköpfig glatten Vertrockneten Sprache. Und streut in die Brache Papierner Mache Die kräftigen Saaten Lebendiger Mundart. So wie sie uns kund ward Von ackernden Alten, So sollen sie erndende Enkel erhalten!
Widmung ins »Sünderglöckel«.
1903.
Wenn das Sünderglöcklein läutet, Brauchst du, Freund, nicht zu erschrecken, Zwar, die Schelme soll es necken; Arme Sünder soll es wecken; Aber keinen soll's verletzen, Und die Guten soll's ergötzen.
Einem Künstler.
Die Natur ist des Stoffes gefesselte Sklavin, Sie muß wahr sein, auf Kosten der Schönheit. Die Kunst ist des Himmels freiwaltende Tochter, Sie darf schön sein auf Kosten der Wahrheit.
An Martinelli zum 70. Geburtstag.
1904.
Du grüßtest mich zu Sechzig, Denn was sich liebt, das neckt sich. Ich grüße dich zu Siebzig, Denn was sich neckt, das liebt sich.
An Fräulein E. B.
1905.
Dein Hans ist ernannt nun zum Doktor der Rechte. Und ist er für dich auch der Doktor, der rechte, So reicht euch, wie's recht ist, fürs Leben die Rechte.
An die »Kritik der Kritik«.
1905.
Die Kritik kritisieren? Den Löwen beißen? Dummes Schaf, er wird dich zerreißen. Nichts ist so wütig, so impertinent, Als ein kritisierter Rezensent.
Richard und Luise.
Zum »hölzernen« 10. Hochzeitstag 1905.
Die diamantne Hochzeit ist die beschwerlichste, Weil sie so hoch in den Jahren hängt, Die goldne Hochzeit ist die herrlichste, Weil in dem Gold noch die Myrte prängt. Die silberne Hochzeit ist die entbehrlichste, Weil noch die Liebe zusammenzwängt, Die eiserne Hochzeit ist die begehrlichste, Weil noch das Blut in den Adern drängt. Die hölzerne Hochzeit ist die gefährlichste, Weil sie am leichtesten Feuer fängt.
Hochzeitsgruß.
Ich seh' die lieben jungen Leut' Mit seligsüßem Blick lachen, Man kann aus kurzer Seligkeit Ein lebenlanges Glück machen. Die Lieb' allein ist nicht genug, Man muß es mit Geschick machen. Und seid ihr liebevoll und klug, So wird euch Gott die Brück' machen. Habt Nachsicht mit Roseggers Gruß, Er kann kein schöneres Stück machen.
Tafelgruß zu einer Vermählung.
So steht's geschrieben denn: Heil sei den Liebenden, Die heut im siebenten Himmel frohlocken. Lasset nun diese Zwei Im Paradiese frei Wundersam süße Mai- Blümlein brocken. Doch ist's leicht selig sein, Wenn uns den Himmel ein Andrer gebaut. Denk' ich dein, lobesams Stammhaus des Bräutigams, Denk' ich dein, Stammhaus Der lieblichen Braut. Segle nun frohgemut, Schifflein, auf hoher Flut, Unter den Sternen der Liebe und Treu. Ich will zu dieser Stund' Preisen der Eltern Bund, Leuchtendes Vorbild der glücklichen Zwei Preise, mein Weihgesang, Waldsängers Treugesang, Preise den Schöpfer Der künftigen Welt. Was einst in Fleiß und Recht Erntet ein neu Geschlecht, Haben weitschauende Ahnen bestellt. — Grenzstein der neuen Zeit Und der Vergangenheit Ist der zur Trauung Geschmückte Altar. Wenn ich des Rheines Reb' Urdeutschen Wein erheb', Grüß ich dich, junges, Dich, älterlich Paar. Heil sei den Preislichen, Die hier am häuslichen Herde warm hocken! Heil sei den Liebenden, Die heut im siebenten Himmel frohlocken! Euch eint, ihr Ziehenden, Der mit dem glühenden Hammer des Herzschlags Geschmiedete Ring. Haltet den Talisman, Der euch das Glück gewann, Nimmer den goldnen Hüter gering. Segle nun, frohgemut, Schifflein, auf hoher Flut, Segle ins wogende Leben hinaus. Unsere Liebe zieht, Paar, als dein Engel mit Ein in dein alpen- Umfriedetes Haus.

Einem dramatischen Volksführer.
1905.
Das Volk bringst leicht du Zum Lachen und Weinen, Zum Jubeln und Greinen; Zum launigen Spiele, Es hüpft und es kriecht. Froh dorthin, o Dichter, Wo du es haben willst, Wo du es retten kannst, Bringst du es nicht.

Flüchtiges.
Eine kurze Zeit wohl möcht' ich leben Auf der Erde und dann selig sein. Ohne Leid zu kennen, dürfte eben Wahre Lust mir nicht recht stellig sein. Auch der Himmel braucht vom Gegensatze, Will er uns so ganz gefällig sein. Das Heute war gestern: morgen, Und morgen ist es schon: gestern. Es lohnt sich nicht, um zu sorgen, Nicht, um zu loben, zu lästern. Die Freude an gestern, die Sorge um morgen, Sind zwei müßige Schwestern.

Sylvester.
Wie? Zur mitternächtigen Stunde Hör' ich laute Kreise tagen? Sylvestergläser klingen, Sylvesteruhren schlagen. Essen, trinken, spielen, scherzen! Ohne Sorge, ohne Reue Taumeln sie von Jahr zu Jahre, Und vom alten in das neue. Ob auch ich dabei bin? — Nein. Lasset mich mit mir allein. Einsam in der Scheidestunde Will ich Glücks und Leids gedenken, Muß ich doch ein Stück von meinem Leben in die Grube senken, Muß ich doch mein wundes Herze In die fremde Zukunft tragen. Ist's denn möglich, daß man scherze, Wenn verhüllte Zeiten tagen? — Diese Weihestund' ist mein. Lasset mich mit mir allein.

Nagelprobe.
Die irdene Schale ist nun leer. Ich hab' mich restlos euch gegeben. Ich legte mich in euer Leben, Dem Tode bleibt nichts übrig mehr.