Die Magd (continued 2)
Reading edition
Von Monat zu Monat wurde das Leben inniger zwischen den beiden, und als der fünfte Frühling herankam und die künftige Schulzeit schon drohte, da nahm der Jozup ihn morgens sogar auf das Feld mit. Er ließ ihn die Lenkstange der Pflugschar anfassen, er gab ihm einen Zipfel des Säelakens zu tragen und meinte: „Das muß das Erste sein, was ein Wirtssohn erlernt, sonst nützt ihm kein Schreiben und Rechnen.“
Ein Glück war’s — ein unaussprechliches und nie besprochenes —, daß noch immer kein Zeichen sich meldete, der kleine Jurris werde ein Brüderchen oder ein Schwesterchen kriegen. Es war gerade so, als ob der Himmel selbst darüber wachte, daß in dieses ängstliche Wohlsein Bestand und Ruhe allmählich einkehrte.
Im Enskysschen Hause aber lagen allabendlich zwei alte Leute auf ihren Knieen und flehten zum lieben Gott, er möge sie davor behüten, einsam in die Grube zu fahren, und ihnen den Großsohn und Erben zurückgeben.
Und endlich, endlich wurde ihr Gebet erhört. Die Marinke mochte sich noch so sorgsam verstecken, die Dienstleute trugen es doch hinaus, und bald wußte das ganze Dorf, daß sie gesegneten Leibes war.
Der Jozup ging umher wie ein Wüterich und erklärte, wer ihm den Knaben nehmen wolle, den schieße er nieder.
Aber als die beiden Enskys von seinen Reden hörten, da lachten sie nur, denn sie hatten es schriftlich.
Und eines Tages waren sie dreist genug und erschienen beide im Hoftor.
Die Marinke, die im achten Monat war und nur noch leichte Gartenarbeit verrichten konnte, saß hinten in den Zuckerschoten und ließ die Alten unbemerkt an den Staketen vorbeiziehen. Die aber hatten sie wohl gesehen und wollten gerade in den Garten einbiegen, da stießen sie auf den Jozup, der eben aus dem Hause trat.
„Ihr wollt wohl, daß ich den Hund losmache?“ sagte er ihnen zum Gruße.
Die Großelternliebe war stärker in ihnen als jegliche Angst, und obwohl der Alte sich ein wenig hinter der Mutter verkroch, soviel Klugheit hatte er doch, um zu sagen: „Ich würde an deiner Stelle versuchen, dich mit uns zu verständigen, denn vor den Behörden bist du ja machtlos.“
Da dachte er nicht anders, als sie würden wohl mit sich handeln lassen, und lud sie ein, in die Stube zu treten.
Aber bald sah er ein, daß sie auf ihrem Scheine bestanden und nur Gewißheit haben wollten, wann sie das Kind heimholen könnten.
Vor seinem Sinn stand nur der eine Gedanke: wie sich den Sohn erhalten, an dem seine Seele hing. Für einen Augenblick stieg wohl der Wunsch in ihm hoch, das Heimliche zu offenbaren, das ihn mit dessen Leben verband, aber er warf ihn sogleich wieder von sich, denn er hatte inzwischen wohl erkannt, daß, wenn die Marinke, mochte sie sonst noch so weich sein, zu einer Sache entschlossen war, nichts auf der Welt sie davon abbringen konnte.
Und ihren Leichnam aus dem Haffe fischen — das wollte er doch nicht.
In seiner wilden Ratlosigkeit suchte er hin und her, ob nicht ein einziger Grund sich finden ließe, mit dem er sein Fleisch und Blut sich für immer erobern könnte. Aber es fiel ihm kein anderer ein als der, mit dem er sein Weib nun schändete.
„Jurris habt ihr ihn ja genannt,“ sagte er, „aber was wißt ihr, ob er wirklich dem Jurris sein Kind ist?“
Die Mutter Enskys hob die gefalteten Hände zu ihm auf, als wollte sie ihn anflehen, den Schlag nicht zu tun, der ihnen die Hoffnung raubte. Der Alte aber tanzte um den Jozup herum und schrie immerzu: „Wer ist es? Wer ist es? Wer ist es?“
Und er — mehr aufs Geratewohl, als weil er sich eines bestimmten Verdachtes bewußt war — entgegnete dieses: „Nun — es kann ja zum Beispiel — der — Wieszpatis gewesen sein. Nicht umsonst hat er Kinder sitzen weit und breit — und sie ist drei Jahre lang bei ihm auf dem Hofe gewesen.“
Die Mutter sank auf den Stuhl wie vom Blitze getroffen, der Alte aber rannte spornstreichs hinaus und in den Garten — dorthin, wo die Marinke vorhin gearbeitet hatte.
Erschrocken erhob sie sich von der Erde, denn sie dachte, der Jozup wolle dem Alten zu Leibe, da schrie er auch schon: „Nun ist es heraus, du Weibsbild! Dem Wieszpatis Seine bist du gewesen. Und das Kind ist von ihm. Gesteh, daß das Kind von ihm ist!“
In ihrer großen Überraschung dachte sie nicht anders, als es sei durch ein Unglück alles ruchbar geworden, was sie sich selber kaum eingestand, und den Kopf auf die Brust herabneigend entgegnete sie: „Wenn du es weißt, warum fragst du mich erst?“
Da rannte er spornstreichs zurück und schrie es durch Garten und Hof: „Sie hat gestanden, daß der Wieszpatis der Vater ist. Sie hat es eben gestanden.“
Der Jozup, der aus dem Hause trat, wurde so gelb wie die Asche im Eimer. Er nahm den Alten beim Wickel und schleppte ihn vor das Hoftor. Dort gab er ihm noch einen Stoß mit dem Absatz und überließ ihn seinem weinenden Weibe. Dann ging er der Marinke entgegen, die mit vorgeschobenem Leibe mühsam aus dem Garten kam.
Sie dachte: Er sieht gerade so aus, als sei er der Henker. Aber da sie wußte, daß nichts auf der Welt sie aus seinen Händen erretten konnte, so gab sie sich drein.
„Geh ins Haus,“ sagte er und blieb ihr dicht auf den Hacken.
Dann peitschte er die Mägde hinaus, die ängstlich um die Feuerstätte standen, und folgte ihr in die Stube.
Sie mußte sich niedersetzen, so beinschwach war sie geworden, und seine Augen stachen nach ihr wie grüne Lichter zur Nachtzeit.
„Also wie war das mit dem Wieszpatis?“ fragte er ganz freundlich.
„Wie wird’s gewesen sein?“ sagte sie. „Er war doch der Herr, und ich war die Magd. Und wenn ich Sonnabends zur Abrechnung kam, dann hat er gesagt, ich gefall’ ihm.“
„Und das ging so die ganzen Jahre lang?“
„Solang’ ich die Meierei unter mir hatte, wird’s wohl gegangen sein.“
„Und als du merktest, daß du ein Kind von ihm trugst, da suchtest du dir den Jurris als Vater dazu?“ fragte er immer noch freundlicher.
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, das war anders.“ Und nun berichtete sie ihm der Wahrheit nach, wie der Wieszpatis sie noch einmal nach Augustenhof hatte hinkommen lassen — der Jozup selber war ja Vermittler gewesen — und wie sie allein hatte fahren müssen, weil der Jurris nicht war zu finden gewesen. Da hatte der Herr gesagt: „Wir wollen nun Abschied feiern, Marinke.“ Und sie hatte gebeten und gefleht: „Ach lassen Sie mich doch gehn, Ponusze.“ Aber er war ja der Herr, und sie hatte ihm schon so oft den Willen getan, daß sie meinte, sich ihm auch diesmal nicht weigern zu dürfen. Und von daher war alles Unglück gekommen.
Er sagte: „Ich habe das Gelöbnis getan, dich nicht zu schlagen. Und das ist dein Glück, sonst würdest du wohl nicht lebendig aus dieser Stube kommen. Auch sollst du mir zuerst einen Sohn zur Welt bringen, denn das bist du mir jetzt schuldig. Was ich dann aus dir machen werde, das weiß ich noch nicht. Aber ich rate dir, den Bengel, den du mir hergeschleppt hast, den schaffe mir aus den Augen. Denn Herrensohn ist Hurensohn. Und kommt er mir in den Weg, so schmeiß’ ich nach ihm mit allem, was ich grad finde. Und wenn es der Schleifstein ist.“
Die Marinke hob die Arme nach ihrem Manne auf und weinte und bat: „Wo soll ich hin mit ihm in meinem Zustand?“
„Das geht bloß dich an,“ entgegnete er und schritt aus der Türe.
Sie rannte, so rasch sie konnte, hinter ihm drein, um den Kleinen vor ihm zu sichern, der wohl irgendwo bei den Pferden im Gras saß. Und sie fand ihn auch glücklich und wartete ab, bis der Weg frei war, dann zog sie ihn rasch in die Klete.
„Hole mir Betten für mich und das Kind,“ sagte sie zu der Hausmagd, „denn hier werd’ ich wohnen, bis meine Stunde gekommen ist.“
Und der Kleine schrie nach dem Vater, er wolle hinaus und mit ihm spielen, wie er’s gewohnt war. Und sie hielt ihm den Mund zu aus Furcht, der Jozup möchte eindringen und mit ihm tun, was er gedroht hatte.
In der Klete hielt sie sich mit dem kleinen Jurris wohl vierzehn Tage auf und traute sich nicht, sie zu verlassen. Und die Mägde sorgten gut für sie, denn sie war ihnen immer eine freundliche Herrin gewesen.
Der Jozup aber gab keine Ruhe. Wenn er an der Klete vorbeiging, schüttelte er die Faust nach dem Fenster und stieß Schimpfwörter aus, wie man sie sonst nur an schlechten Orten hört.
Er nannte sein Weib eine „Klorke“. Und „Szunjôda“ und „Pajudêle“ nannte er sie. Das sind Namen, die man am besten ins Deutsche nicht überträgt.
Und drohen tat er ihr auch und immer aufs neue. Sie konnte das Fenster noch so fest schließen, sie hörte und verstand ihn in allem. „Denke nur nicht, daß du straflos ausgehen wirst, mein Täubchen, weil ich das Gelöbnis getan habe, dich niemals zu schlagen. Ich werde mir jemand kommen lassen, der wird das alles statt meiner besorgen. Der wird dir mit der Bratpfanne den Rücken salben und wird dir die Beine mit Ruten streichen, so daß du das ganze Jahr über glauben wirst, heute feiern wir Ostern.“
Und die Marinke lag zitternd allnächtlich und dachte: „Wer mag es nur sein, den er meint?“ Aber niemand fiel ihr ein, der den Willen haben konnte, an ihr zum Quälgeist zu werden.
Am allermeisten hatte sie Angst um den Knaben, dem der Jozup Tag für Tag ans Leben gehen wollte. Und in dem Maße, als ihre Zeit sich verkürzte, wurde die Unruhe größer in ihr, daß er, wenn sie nicht mehr auf ihn aufpassen konnte, dem Zorne des Vaters verfallen war.
12
Eines Nachmittags — es war zu Ende August, und die Leute arbeiteten draußen im Grummet —, da sah die Marinke durch das Fenster der Klete, daß der Jozup den Spazierwagen anspannte, sich einen Korb mit Essen und Trinken aufladen ließ und davon fuhr.
Da wartete sie nicht länger, zog dem Kleinen die Sonntagskleider an und schmückte sich selber, so gut es ihr Zustand erlaubte. Dann wagte sie sich hinaus in das Freie. Die Hausmagd war die einzige, die auf dem Hofe geblieben war. Sie fragte sie nicht, wohin der Jozup sich begeben habe, sondern sagte nur im Vorbeigehn: „Ich will jetzt den Kleinen wegbringen. Erzähle dem Herrn nichts davon, auch wenn ich zur Nacht nicht zu Haus bin.“
Und das tat sie aus Vorsicht, denn ob sie auch fortgehen wollte, so wußte sie doch nicht, wohin. Und die Magd sah ihr kopfschüttelnd nach.
Sehr schwer war es, auf dem Wege zu bleiben, wenn Leute ihr entgegenkamen, denn das Geschehene war ja längst allen bekannt; aber jeder grüßte sie freundlich, wenn er auch nicht mit ihr sprach.
Als sie an dem Enskysschen Hofe vorbeigehen wollte, in dem sie so glückliche Tage verlebt hatte, da überfiel sie der Jammer, so daß sie sich weinend auf den Grabenrand setzte. Und eine Stimme sprach in ihr: „Kehre an! Vielleicht daß die Mutter dich nicht fortweist und einen Rat für dich hat!“
Und siehe da! Es traf sich so günstig, daß der Alte auch auf dem Felde war und die gute Mutter sich keinen Zwang anzutun brauchte.
Sie hob den Knaben gleich auf den Schoß und sagte: „Da ist er nun, um den wir Jahre und Jahre gebetet haben, und ist ein Jungchen, so hübsch wie ein Bild. Nun müßte er bloß noch zu uns gehören.“
Und sie küßte ihn und sagte weiter: „Wenn der Jurris noch lebte, der würde es nie erfahren haben und hätte ihn liebgehabt wie sein eigenes. Weiß Gott, mir wär’ es gleich! Ich würd’ ihn auch weiter liebhaben, schon weil er von dem Jurris ein Erbstück ist. Aber der Enskys, der will nicht. Der spuckt aus.“
Die Marinke streichelte ihr den Ärmel und bat: „Sag, Mutter, was soll ich tun?“
Und die Enskene erwiderte: „Es ist doch ein Vater da. Der muß sich jetzt kümmern.“
Marinke erschrak in tiefster Seele, denn nie hatte sie daran gedacht, daß sie dem Wieszpatis mit ihren Angelegenheiten lästig fallen dürfe.
Und die Mutter Enskys fuhr fort: „Wenn er erfährt, daß sein Fleisch und Blut ganz und gar verkommen muß und ohne Heimat ist, so wird er es zu sich nehmen. Denn nicht umsonst sagen alle, daß er ein guter Mann ist und ein gerechter Mann.“
Die Marinke bebte, und eine große Mattigkeit kam über sie. Beinahe wäre sie von der Bank herab auf die Erde gesunken. Aber die Mutter Enskys hielt sie fest und sagte: „Daß es dir schwer fällt, kann man sich denken. Es trifft sich aber gut, daß wir die Woche haben, darum kannst du gleich mit dem Milchfuhrwerk mitfahren, das der Hütejunge kutschiert.“
„Aber bei den andern anhalten, wenn er die Kannen einsammelt, das bring’ ich nicht übers Herz,“ sagte die Marinke.
Und die Mutter fand, daß das gar nicht nötig sein würde, der Junge könne ja erst die Runde machen und sie dann abholen kommen.
Und so geschah es.
Es war schon dunkel, als sie mit dem Kleinen auf Augustenhof eintraf. Der Schweizer in der Meierei sah sie mißtrauisch an, aber sie kümmerte sich nicht um ihn, sondern nahm den kleinen Jurris bei der Hand und schlug den Weg zum Herrenhause ein.
Als sie an den Bach kam, der vom Hofteich in den Garten läuft, schlug ihr das Herz so sehr, daß sie meinte, über das Brückengeländer fallen zu müssen, und als sie gar lachende Stimmen auf der Veranda hörte und milchfarbene Windlichter sah, da war es vollends mit ihren Kräften zu Ende.
„Wer ist da?“ hörte sie die Stimme des Herrn.
Und da sie nicht zu antworten vermochte, sagte er weiter: „Sieh doch einmal nach, Agnes, wer da ist.“
Ein junges Mädchen kam die Treppenstufen herab — sollte das wirklich die Agnes sein? — und fragte: „Was wünschen Sie?“ Und da sie noch immer nicht antwortete, rief das Mädchen hinauf: „Eine Frau ist da mit einem Kinde, aber sie spricht nichts.“
Da kam er, der Herr, selber die Treppe herab. Und sie neigte sich vor ihm und küßte ihm den Ärmel.
„Ich kann nicht recht sehen,“ sagte er. „Bist du etwa die Marinke?“
Da bekam sie die Sprache wieder und sagte: „Die bin ich.“
„Komm herein,“ befahl er und schritt ihr und dem Kinde voran die Stufen empor, an lauter Herrenleuten vorbei — jungen und alten —, es waren deren mindestens sechs oder sieben. Sie erkannte die gnädige Frau, der küßte sie rasch noch die Hand, und dann ging sie durch die Sommerstube und den Saal und den mittleren Korridor immer hinter ihm her, und der Kleine war tapfer und quarrte nicht im geringsten.
Und so kamen sie in sein Arbeitszimmer, das am Giebelende gelegen war und drei Polstertüren hatte, eine rechts, eine links und eine zum Korridor hin, durch die sie nun eintraten.
Er drehte das elektrische Licht an, das sie noch nie gesehen hatte, denn damals war es Petroleum gewesen. Da stand noch der Schreibtisch, an dem sie Sonnabends immer Rechnung gelegt hatte, und das Ruhebett in der linken Fensterecke stand auch noch da. Und alles war überhaupt, als sei sie nie weg gewesen.
Er hatte sich unter den Kronleuchter gestellt und betrachtete sie lange, aber von dem Kinde, das sie erwartete, und auch von dem, das sie an der Hand hielt, sagte er nichts, sondern begann so: „Es hat mir leid getan, Marinke, daß dein Mann mir vor ein paar Jahren die Milch gekündigt hat. So sind wir ganz außer Verkehr gekommen, und ich weiß nichts mehr von dir. Du hast dich in der ganzen Zeit nicht einmal an mich gewandt, und das passiert mir in ähnlichen Fällen eigentlich niemals. Ich will nicht sagen, daß ich dir das besonders hoch anrechne, denn wenn ich kann, helf’ ich gerne. Aber nun setz dich hin, denn du wirst müde sein, und sage, was führt dich her?“
Sie dachte bloß immer: „Und sein Kind sieht er nicht an.“
Aber nun, wie sie sich auf die äußerste Kante des Ruhebetts setzte und das Kind zwischen die Kniee nahm, da sah er es doch.
„Ei ei, das ist ein strammer Kerl geworden,“ sagte er und streckte von seinem Schreibstuhl her lockend die Hand aus, wie man ein Hündchen lockt.
Aber der Kleine wollte nicht und drückte sich nur um so enger an sie.
„Wie werd’ ich’s ihm bloß sagen?“ dachte sie. „Das Beste wird sein, ich geh’ wieder weg, wie ich gekommen bin.“
„Nun also, Marinke, erzähle.“
„Ich hab’ nichts zu erzählen, Ponusze.“
„Na, na. Umsonst macht eine Frau, der es schwer fällt, nicht einen so weiten Weg. Also sag, braucht dein Mann eine Hypothek oder möcht’ er bauen oder sonst was? Ich geb’, was er will, denn ihr seid mir sicher.“
„Mein Mann braucht keine Hypothek,“ sagte sie, „und bauen möcht’ er auch nicht, aber es ist ’rausgekommen, was zwischen Ihnen gewesen ist, Herrchen, und mir.“
Er wandte sich auf dem drehbaren Sitz kurz nach ihr um, so daß es knarrte, und machte sich ganz krumm, um ihr mit finsteren Augen scharf ins Gesicht zu sehen. Der Lampenschein fiel hart auf ihn herab.
„Er ist ganz grau geworden,“ dachte sie. Und nun sah er vollkommen so aus, als wär’ er der Herrgott. Aber wie ein strenger und zorniger Herrgott sah er aus.
„Nur du und ich haben’s gewußt,“ herrschte er sie an, „und von mir hat’s keiner erfahren.“
Sie hätte nun sagen müssen: „Von mir auch nicht,“ aber ihre Angst vor ihm war so groß, daß sie sich keine Antwort getraute.
„Ich werd’ denn man gehen,“ sagte sie und versuchte aufzustehen. Aber sie war so schwach, daß sie wieder zurückfiel.
Da sah er wohl, daß er zu schroff zu ihr gewesen war. Die geschliffene Karaffe stand immer noch auf dem Tische. Aus der schenkte er ihr ein Glas Wein. Und das Büchschen mit Schokolade, aus dem sie manches liebe Mal hatte naschen dürfen, hielt er dem Kleinen hin. Der wollte erst nicht, aber was ihm in die hohlen Händchen geschüttet wurde, das nahm er.
„Nun laß uns vernünftig reden,“ sagte der Herr, „und erzähl alles.“ Aber sie konnte nicht. Sie saß bloß so da und sah vor sich hin.
„Marinke,“ sagte der Herr, „du bist einmal die Freude meiner Feierabende gewesen, und ich habe dir nie dafür gedankt. Du hast einen großen Stein bei mir im Brett. Denk daran und faß dir ein Herz.“
Da faßte sie sich ein Herz und sagte frischweg: „Das Kind hier ist Ihr Kind, Ponusze.“
„Ei der Deiwel,“ sagte er und lachte hellauf, „das ist ja ganz was Neues.“ Dann nahm er den Kleinen bei der Hand, führte ihn unter die Lampe und betrachtete ihn von oben bis unten. „Wie gesagt, stramm ist er. Wenn er sich auswächst, kann er mir schon ähneln. Denn das weißt du ja, sie ähneln mir alle.“
Ja, das wußte sie wohl. Manchmal arbeiteten fünf oder sechs auf dem Hof. Wenn man die in eine Reihe stellte, sah einer aus wie der andere.
Und er fuhr fort: „An sich wär’s also schon möglich. Aber ich denk’, es ist deinem ertrunkenen Bräutigam seiner. Von dem, soviel ich weiß, hat er ja auch den Namen.“
„Das ist richtig,“ entgegnete sie, „aber von dem ist er nicht. Und von meinem jetzigen Mann ist er auch nicht.“
„War der denn auch dabei?“ fragte er, und sie konnte nicht anders als Ja sagen.
„Du — das ist aber ein bißchen reichlich,“ rief da der Herr und wußte vor Lachen sich nicht zu halten. Ach, dies Lachen tat ihr sehr weh!
Bis jetzt hatten sie Deutsch miteinander gesprochen. Aber die Marinke sah ein, daß sie in der fremden Sprache nicht vorwärts kommen würde, wenn sie ihm alles sagen wollte. Und das mußte sie jetzt tun, denn er allein konnte sie verstehen, und es drückte ihr längst schon das Herz ab.
Darum begann sie auf Litauisch zu erzählen, wie alles gekommen war. Er hörte ihr aufmerksam zu und wurde ernster und immer noch ernster.
Mitten darin griff er mit der Hand nach dem Kleinen und hob ihn sich auf das Knie. Und der hatte jetzt gar keine Furcht mehr vor ihm und lutschte still weiter.
Als sie fertig war, fuhr er ihm durch den Wuschelkopf und setzte ihn sacht auf die Erde. Sie kannte die Gewohnheit des Herrn. Er mußte die Beine freikriegen zum Rumgehen, denn das tat er immer, wenn ihm das Herz von irgend was voll war.
Er ging und ging, und dann klingelte er und sagte dem eintretenden Mädchen: „Man soll nicht auf mich warten — ich habe zu tun.“ Einst war sie selbst dieses Mädchen gewesen, und oft hatte er dasselbe zu ihr gesagt. Und dann ging er immer noch länger.
Schließlich blieb er vor ihr stehen und fragte: „Wie wirst du nach Hause kommen?“
„Der Enskyssche Milchwagen wartet auf mich,“ entgegnete sie.
Der große Augenblick war nun da. In ihm mußte das Schicksal des Kindes sich entscheiden.
„Die Enskene hat gemeint,“ stotterte sie, „weil es doch dein Fleisch und Blut ist, Herrchen, und ich nicht weiß, wohin mit ihm, so würdest du es vielleicht in Pflegschaft nehmen und es großziehen lassen auf deinem Hofe. Von Instleuten wohnen ja bei dir so viele.“
Ursprünglich hatte sie weit Größeres von ihm erbitten wollen, aber jetzt, da sie das vornehme Herrschaftshaus wiedergesehen hatte, fühlte sie, daß auch dieses Wenige schwer zu erfüllen war.
„Du vergißt, Marinke,“ sagte er, „daß da draußen die gnädige Frau sitzt, der ich Rechenschaft schuldig bin. Das Gerede würde sehr bald auch ihr zu Ohren kommen, und dann gäbe es Gram ohne Ende. Daß ich damals ihrem Wunsche nachgab, mit zu deiner Hochzeit zu kommen, war schon zu viel, aber ich mochte es ihr nicht abschlagen — auch um deinetwillen nicht, Kind, weil du so außer jedem Verdacht bliebst. Kommt’s nun aber heraus, dann ist jenes eine Verfehlung gewesen, die ich nie wieder gutmachen kann.“
Die Marinke verstand nicht recht, was er meinte, aber daß ihr Verlangen eine Vermessenheit war, das wußte sie nun.
„Ich werd’ denn man gehn,“ sagte sie zum zweiten Male. Diesmal fiel sie nicht von selbst zurück, sondern wurde von ihm an der Schulter gefaßt und festgehalten, so daß sie das Aufstehen vergaß.
„In den sechsundzwanzig Jahren, die ich hier bin,“ sagte er, „ist kein Fremder ohne Trost aus dieser Stube gegangen, und dich, die ich mal sehr gern gehabt habe, die sollte ich einfach in die Nacht hinausschicken? Das geht nicht, Marinke, wenn ich dir auch leider was Anderes als Geld nicht zu bieten hab’.“
„Ich will kein Geld!“ stieß sie hervor.
„Verachte das Geld nicht,“ ermahnte er sie. „Denn es macht die Bösen gut und die Harten gefügig. Ich gebe sonst jeder, die ein Kind von mir hat oder wenigstens sagt, daß es von mir ist, tausend Taler mit auf den Weg. Und noch keine hat sich beklagt. Diesem Jungchen will ich eine Mitgift geben, dreimal so groß, so daß er als ein wohlhabender Erbe gelten kann, und du wirst sehen, er findet seine Heimat noch heute abend.“
Damit setzte er sich an den Schreibtisch und schrieb einen Schenkungsbrief über zehntausend Mark, und noch vieles andere schrieb er dazu, wie die Zinsen zu erheben seien und wie das Kapital einst ausgezahlt werden sollte. Das unterstempelte er mit dem Stempel des Amtsvorstehers, dessen Dienst er selber versah, und reichte es der Marinke.
Die dachte bloß immer das eine: „Aus mir kann nun werden, was will. Das Kind ist fürs Leben geborgen.“
13
Als die Marinke mit ihrem schlafenden Jungchen auf dem Enskysschen Hofe einfuhr, saß die Mutter gerade so wartend im Mondschein wie an jenem Abend vor sechs Jahren, von dem alles Unglück seinen Ursprung hatte.
„Der Vater ist schon lange zur Ruhe,“ sagte sie, „drum komm herein und stärke dich.“
Und nun saß die Marinke an der Feuerstelle genau so wie damals und aß und wußte nicht, was sie aß. Der Kleine aber schlief immer weiter.
Und die Mutter verlangte, sie solle erzählen.
Da zog sie den Schenkungsbrief aus der Tasche und reichte ihn ihr.
Die Mutter traute ihren Augen erst gar nicht und ließ sich die Summe immer wieder von neuem sagen, bevor sie sie glaubte.
„Aber dann ist ja alles gut,“ sagte sie, „und dann will ich erst mal den Vater wecken.“
Die Marinke hatte Angst, der Alte würde sie und das Kind sofort zur Tür hinausweisen, aber die Mutter lachte nur, nahm den Brief und ging damit nach der Stube.
Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie wieder da war, und hinter ihr in Hosen und Hemd, die Schlorren auf nackten Füßen, kam der Alte gesprungen — wie ein Wiesel kam er gesprungen — und bot der Marinke den Willkomm und klatschte den Kleinen aufs nackte Knie und wollte ihn selber ins Bettchen tragen, denn Kinder müßten mit den Hühnern zur Ruhe.
Die Marinke wußte nicht, wie ihr geschah. „In was für ein Bettchen?“ fragte sie.
„Nun, das für ihn bereit steht schon seit Jahren.“ Und er habe immer gesagt, das mit dem Wieszpatis sei nichts wie ein Schwindel. Das habe der Jozup sich ausgedacht, um ihn und die Mutter zu täuschen. Und nun sei es offenbar, denn für eigene Kinder gebe der Herr Westphal so viel bares Geld nicht aus, sonst wäre er längst schon ein Bettler.
Und als die Marinke ihm verwundert dreinreden wollte, stieß die Mutter sie an und sagte ihr leise: „Laß ihn nur immer. Er redet sich’s ein und wird’s auch den andern einreden — und so ist’s am besten.“
Da gedachte die Marinke der Worte, die der Herr zu ihr gesprochen hatte, ehe er die Schenkung niederschrieb, und dankte Gott, daß der Kleine nun wirklich die Heimat gefunden hatte noch am heutigen Abend.
Sie ließ es sich nicht nehmen, ihn selber auszuziehn, denn sie wußte wohl, daß es zum letzten Male geschah. Dann tat sie noch ein Gebet über ihm, siegelte ihm den Mund mit dem Zeichen des Kreuzes und ging vor die Haustür.
Dort standen die beiden und warteten ihrer.
„Ach, möchten sie mich doch einladen, bei ihnen zu bleiben!“ dachte die Marinke. Aber sie taten es nicht. Wie konnten sie auch!
„Das Schriftstück bleibt in meiner Hand,“ sagte der Alte, „denn ich bin der Vormund.“
Und die Mutter geleitete sie noch eine Strecke ins Dunkel hinein und sagte zum Abschied: „Ich bin gesund und erst vierundfunfzig. Zwanzig Jahr’ hab’ ich gewiß noch. Und so lange wird es ihm gut gehn, das weißt du.“
Ja, das wußte die Marinke, und sie dankte ihr mit Tränen.
„Was wird aber mit dir werden?“ fragte die Mutter.
„Bet für mich, daß ich im Kindbett sterbe,“ sagte die Marinke und ging von ihr fort ...
Der Mond stand hoch — es war schon ein Herbstmond —, aber die Luft wehte warm wie im Juni.
Als die Marinke sich dem Wolfsnest näherte, überkam sie ein Schaudern. Der Hofhund würde bellen, bevor er sie noch erkannte, und darauf würde der Jozup, der einen leisen Schlaf hatte, hinausrufen: „Wer ist da?“ Und wenn sie dann sagte: „Ich bin es — ich, die Marinke,“ dann würde das Schimpfen losgehen — Klorke und Szunjôda und Pajudêle und alles, womit er sie sonst noch traktierte.
Sie hielt an und tat einen tiefen Atemzug. Niemand paßte ihr auf. Sie konnte die Nachtstunden nützen, wie es ihr einfiel. Aber wo sollte sie sie hinbringen? Denn sonst eine Heimat hatte sie nicht. Da fiel der Kirchhof ihr ein, auf dem sie so lange Zeit nicht gewesen war. Wie eine Erleuchtung kam es da über sie.
Auf dem Grabe des Jurris zu sitzen bis an den Morgen, das war es, was ihr jetzt fehlte. Da sah sie keiner, da hörte sie keiner, da konnte sie keiner anschreien und schimpfen.
So schlug sie also den Weg zum Kirchhof ein, den sie beinahe vergessen hatte.
Das Grab des Jurris war gar nicht so leicht zu finden, denn ringsherum hatte manch neuer Pilger sich angesiedelt, und die Gesträuche waren auch höher geworden. Aber schließlich unterschied sie es doch und setzte sich auf den Hügel, dessen sandiges Erdreich die Judenmyrte spärlich begrünte.
Einen neuen hölzernen Pfosten hatten die Eltern errichtet. Der war inzwischen schon wieder alt geworden, denn die Inschrift auf der Tafel schien blaß und von Regen verwaschen, soviel man im Mondschein erkannte.
„Bald werden sie ihn alle vergessen haben,“ dachte sie, und ihr schien’s, als sei sie ihm doppelt und dreifach untreu gewesen. Oft hätte sie Zeit gehabt, das Grab zu besuchen, und keiner hätte danach gefragt. Trotzdem fand sie erst heute den Weg hierher, wie man verlassene Freunde nicht früher aufsucht, als wenn man nicht aus und nicht ein weiß.
„Ach wenn ich doch ein bißchen weinen könnte!“ dachte sie, aber sie hatte heute schon zuviel Tränen vergossen, und ihr war auch gar nicht so schmerzhaft zumute. Nur müde war sie. Darum lehnte sie das abgerackerte Kreuz gegen den Pfosten und dachte: „Hier möcht’ ich einschlafen.“
Und das tat sie auch wirklich. Aber bald weckte der Nachtwind sie wieder. Sie lag nun mit geschlossenen Augen und wollte gar nicht mehr aufstehen.
Es war eine große Stille ringsum, nur die harten Baumblätter rieben sich ab und zu aneinander, und in dem Grase raschelte es, wenn irgend ein Getier sich bewegte.
Sie dachte an alle die Geister, die auf so einem Kirchhof zur Nachtzeit ihr Wesen treiben, aber sie fürchtete sich nicht im mindesten, denn unter ihnen wäre auch der des Jurris gewesen, und der hätte sie schon beschützt.
Über diesem Gedanken schlief sie von neuem ein, und ihr war im Traume fortwährend, als stünde er neben ihr und streichelte ihr die Backe. Aber wie sie wieder einmal erwachte, merkte sie, daß es nur der Wind gewesen war, und da tat es ihr leid, daß sie nicht weiter schlief.
„Jetzt muß ich wohl bald heimgehen,“ dachte sie. Da kam das Schaudern wieder, das sie auf dem Wege zum Wolfsnest schon einmal zurückgejagt hatte.
„Was soll ich eigentlich dort?“ dachte sie weiter. „Sobald er mich sieht, wird er mich quälen, und die Dienstleute werden nicht wissen, ob ich ihnen noch was zu befehlen hab’. Hier gehör’ ich her. Zu meinem Jurrischen. Hierher auf den Kirchhof.“
Und sie beugte sich zur Seite und küßte das Grab, aber ihr kam davon nur Sand zwischen die Zähne. Und mutlos gedachte sie kommender Zeiten.
„Das Kind wird er mir wohl bald wegnehmen,“ dachte sie. „Denn ich bin für ihn gar nicht mehr eine richtige Mutter. Bloß die Gimdywe — die Gebärerin — bin ich ihm noch. Ein Kind habe ich ihm zu beschaffen anstatt des anderen, das er verstoßen hat, und dann kann ich abgehen. Er wird schon dafür sorgen, daß sie mich bald hierher auf den Kirchhof fahren.“
Und ihr war zumut, als bliebe sie am liebsten gleich hier.
Und dann dachte sie an alle die Erniedrigungen, die er ihr zugefügt hatte seit jenem Sturmtage, an dem der Jurris ertrank, und an alle die, die er ihr noch zufügen würde — er und der Helfer, mit dem er drohte.
Und sie sagte zu sich: „Nun hab’ ich ihm umsonst prophezeit, daß ich ins Haff gehen werde, wenn er der Alten meine Schande verrät. Denn was er jetzt selber in die Welt hinausschreit, ist ebenso schlimm wie das, was sie damals zu erzählen gehabt hätte.“
Und wie das Bild der Alten vor ihr lebendig wurde, überfiel sie plötzlich ein Erschrecken, so furchtbar, daß sie vom Grabe in die Höhe sprang und wie eine Unvernünftige drum herumlief.
Wenn der Helfer, der Peiniger, den er sich kommen lassen wollte, niemand sonst als die Wilkene, die Wölfin war? Was dann? Wohin dann?
Sie rannte nach rechts und rannte nach links, als wollte sie ihr entrinnen, und wußte doch nicht wie. Sie anzuzeigen, dazu war es gewiß zu spät, und sie hatte auch nicht den Mut mehr. Wenn das noch zu fürchten gewesen wäre, hätte der Jozup die Mutter niemals zurückgeholt.
Da war es ihr, als sagte eine Stimme: „Er hat sie ja gar nicht zurückgeholt.“
Das war natürlich dem Jurris seine Stimme. Entweder er schwebte um sie herum, oder sie hatte ihn mit ihren Klagen erweckt, so daß er von seinem Sarge aus zu ihr redete.
Und so warf sie sich vor dem Grabhügel auf die Knie, wühlte die Stirn in den Sand, um ihm näher zu sein, und bat und flehte: „Ach hilf mir doch, Jurrischen, hilf mir doch!“
Und die Stimme sprach weiter: „Gewiß hat er dir nur Angst machen wollen, wie man kleine Kinder mit dem Baboczius ängstigt. Und er ist sonst gar nicht so schlimm. Er hat dich lieb gehabt schon über fünf Jahr, und du bist so zufrieden mit ihm gewesen, daß du mich ganz vergessen hattest. Glaube nicht, daß ich dir deswegen böse bin. Nein, ich bin dir nicht im mindesten böse. Und weiß ich, daß du da oben froh bist, so hab’ ich hier stets meine Ruhe. Nur wenn du weinen kommst, das tut mir weh. Nun aber gehe getrost wieder heim und ertrage geduldig die Prüfungszeit, die Gott der Herr dir gesetzt hat. Der Jozup wird die Wölfin nicht kommen lassen, und auch sonst keinen Peiniger wird er kommen lassen. Und wenn er sieht, wie treu du ihm dienst, dann wird sein Sinn sich wieder zum Guten wandeln, und alles wird werden, wie es noch jüngstens war.“
So sprach der Jurris aus seinem Grabe, und sie hörte begierig darauf.
Dann erhob sie sich voll Zuversicht und machte sich bereit, nach Hause zu gehen. Diesmal wandelte kein Schauder sie an, im Gegenteil, sie war wohlgemut, ihr Haupt neuen Leiden beugen zu können. Wenn nur das eine nicht kam, wenn nur die Schwiegermutter, die Wölfin, nicht kam, dann war alles gut! Von ihm selber wollte sie gerne erdulden, womit er sie kränkte.
Sie scharrte den Sand zurecht, den ihr liegender Körper zur Seite gedrückt hatte, zog die Ranken sorgsam darüber her und betete dankbar ein Vaterunser.
Dann machte sie sich auf den Heimweg.
Über dem schwarzen Forst, der den Osten begrenzte, erhob sich bereits ein gelblicher Streif. Der Wind wehte schärfer, und die Vögelchen zwitscherten schon.
Als sie vor dem Hoftor stand, war es halbhell. Darum bellte der Hund auch nicht, der sie von weitem erkannte, und klopfte nur mit dem Schweife gegen die Hüttenwand.
Da, wie sie gerade an dem Wohnhaus vorübergehen wollte, gewahrte sie, daß in der Kleinen Stube noch Licht war. Rasch trat sie zurück und drückte sich gegen den Gartenzaun, in jene Ecke, wo er mit dem Giebel zusammenstößt.
Und wie sie dort stand, wartend und lauschend, da hörte sie aus dem Innern zwei Stimmen.
Die eine gehörte dem Jozup, die andere aber — vier Jahre hatte sie sie nicht mehr gehört, und nie mehr im Leben glaubte sie sie hören zu müssen.
Sie war also doch gekommen, die Wölfin! Für sie hatte er heute den Spazierwagen angespannt, sie von der Bahn abzuholen, und die Magd hatte geschwiegen — aus Mitleid.
Wohin nun? Die Enskysschen wollten sie nicht, das Elternhaus wollte sie nicht, der Wieszpatis wollte sie nicht, selbst der Jurris im Grabe wollte sie nicht. Der hatte sie heimgeschickt mit List und mit Täuschung.
Sie kehrte sich um auf ihren Hacken und rannte und rannte — ohne Sinn und Verstand — so rasch ihr Körper es zuließ.
Bloß weg! — Weg aus dem Hause! Weg aus dem Leben! Weg — weg — weg!
Und mit einmal sah sie vor sich das graublaue Wasser und die schaukelnden Kähne. Und der Schuppen des Jurris war auch da.
Noch ehe die Sonne aufging, fuhr sie aufs Haff hinaus — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — —
14
Am Morgen desselben Tages segelte in drei Mittelbooten eine Trauergesellschaft aus der Richtung von Karkeln her nordwestlich nach der Nehrung hinüber.
Es waren Männer und Frauen aus dem Kirchdorfe Nidden. Die hatten einer Niddnerin, die drüben verheiratet war und im ersten Kindbett hatte dran glauben müssen, das Geleite gegeben.
Da der junge Witwer, um die Heimgegangene zu ehren, ein großes Begräbnis ausgerichtet hatte, so war die Nacht hindurch getanzt und getrunken worden, und alle befanden sich noch in der heitersten Stimmung.
In dem ersten der Boote saßen die Eltern der Toten. Die freilich verhielten sich ruhig, aber sie freuten sich doch, daß die anderen so lustig waren, denn nun konnten sie sicher sein, daß man ihres Kindes lange und gern gedenken würde.
Ihre Aufmerksamkeit galt vor allem einem länglichen Bündel, das die Alte vorsichtig in den Armen wog, während ihr Mann achtgab, daß die untere Kante des schlagenden Segels in guter Entfernung darüber hinstrich.
In diesem Bündel barg sich die Hinterlassenschaft ihres Kindes, der Säugling, den sie mit sich genommen hatten, um ihn dem Schwiegersohn aufzuziehen. Drüben bei ihm war Muttermilch nirgends zu finden gewesen, aber ob sie sie eher in Nidden verschaffen konnten, war sehr zu bezweifeln.
Vorläufig sog das Kleine mit Inbrunst an dem Lutschpfropfen, in dem gekaute Semmelkrume mit geriebenem Zucker gemischt war, und wenn es zu schreien begann, bekam es Fenchelwasser zu trinken, wovon man auch nicht sehr satt wird. Und da es die Kuhmilch noch nicht vertrug, so lag die Gefahr nicht sehr fern, daß es kurzerhand in die Ewigkeit zurückreisen würde, aus der es eben gekommen war.
Aber die andern scherten sich wenig um solche Großmuttersorgen. Sie lachten und sangen, und wenn es still wurde, kreiste zur Wiederbelebung die Flasche.
Da bemerkte einer, daß von Nordosten her mit der Richtung des Windes ein leerer Kahn auf sie zutrieb.
Leere Kähne zu treffen bringt Glück, und darum wollte der Steuerer im vordersten Boote halbkehrt machen, um sich die Beute zu sichern. Aber die anderen, die hinter ihm fuhren, riefen ihm zu, er möge das lassen; der Kahn würde in einer halben Stunde von selber am Ufer der Nehrung erscheinen und wäre dann leichter zu bergen als jetzt.
So blieb er also auf seinem Wege, und die anderen folgten ihm nach.
Da — als sie gerade die Windlinie durchstrichen, die von dem leeren Kahn auf sie zulief, vernahmen sie etwas, das wie das Schreien eines kleinen Kindes klang.
Die in den hinteren Booten glaubten natürlich, es käme von dem Bündelchen her, das die Alte hielt, aber die neben ihr saßen, merkten sofort, daß es damit eine andere Bewandtnis hatte.
Nun ließ der Steuerer sich nicht mehr halten und fuhr in kurzem Bogen dem leeren Kahne entgegen.
Der war aber nicht leer, sondern wie sie alle zu ihrer Verwunderung erkannten, lag auf dem Boden ausgestreckt eine bewußtlose Frau und zu ihren Füßen ein Neugeborenes.
Die Weiber drängten die Männer zurück, damit deren Augen die Scham der Geburt nicht entweihten, und die beiden erfahrensten stiegen sacht in den Kahn, der Ohnmächtigen die ersten Dienste zu leisten.
Dort aber, wo das Bündelchen unter dem Segelrand lag, sagte der alte Mann leise zu seiner Frau: „Laß uns dem Herrn ein Dankgebet sprechen, denn mir scheint, er hat uns vom Himmel Nahrung geschickt für das Kleine.“
Und die Großmutter sprach: „Frohlocke nicht zu früh. Das dort ist kein Jungfernkind. Sie sieht aus wie eine vermögende Bauernfrau und wird uns bald wieder verlassen.“
Für alle Fälle aber erboten sie sich, die fremde Wöchnerin in Pflege zu nehmen, und die andern waren zufrieden, daß sie es nicht brauchten.
So geschah es, daß die Marinke, die hinausgefahren war, sich in den Wellen die ewige Ruhstatt zu suchen, in einem weichen, warmen Federbett wieder erwachte und statt des einen Kindes, dem sie das Leben gegeben hatte, deren zwei in der Wiege neben sich vorfand.
Und ob sie auch zum Verwundern und zum Fragen zu schwach war, so nahm sie sie doch gleich an die Brust, und die gab willig Nahrung für beide.
Dann, als man zu wissen begehrte, woher sie sei und wie sie sich nenne, da weinte sie nur und wollte nicht reden.
Es mußte aber die Meldung an das Standesamt gehen, und da sie auch am zweiten und dritten Tage nichts tat als weinen und schweigen, so wußten die beiden sich kaum einen Rat mehr.
Nun traf es sich aber, daß damals in Nidden der Pfarrer Hoffheinz Seelsorger war, der jüngere Bruder des Superintendenten, den die Tilsiter heute noch preisen. Das war gleich diesem ein lebensfroher und gottgefälliger Mann, der die Litauer liebte, als wäre er einer von ihnen, und allen, die seines Schutzes bedurften, Ratschlag und Zuflucht bot, soweit sein Arm sich erstreckte.
Der sagte: „Sie scheint großes Leid erfahren zu haben. Darum laßt sie in Ruhe bis an den neunten Tag. Die Behörden werd’ ich solange auf mich nehmen. Und ist sie erst wieder bei Kräften, dann will ich sie selber befragen.“
Das war das Richtige. Am neunten Tage trat er zu ihr an das Bett, schloß die Stubentür ab und verweilte bei ihr wohl an die zwei Stunden.
Und als er wieder herauskam, hatte der fröhliche Mann die Augen voll Wasser und sagte: „Hier hat Gott ein Wunder getan.“
„An uns auch,“ sagte die Alte, „denn ohne sie wäre das Kind der Anikke schon unter der Erde.“
Von nun an dauerte es keine zweite Nacht mehr, da erfuhr der Jozup Wilkat, wo sein Weib geblieben war — und mit ihr das Kind, das sie nach seinem Glauben ihm schuldete. Und weil er sich schämte, sie in den Tod getrieben zu haben, war er sehr froh und machte sich auf, sie heimzuholen — sie und das Kleine.
Das aber war es gerade, wovor die Marinke zitterte bei Tag und bei Nacht und das zu verhüten der Pfarrer ihr hilfreich sein wollte.
Und er, der klug war wie einer, hatte Befehl gegeben, daß, wenn ein Mann im Dorfe herumfragte, wo die Kiekutis wohnten, bei denen die Fremde sich aufhielt, kein einziger es wissen dürfe — nicht einmal der Schulze — und daß man ihn, wenn er durchaus keine Ruhe gab, ins Pfarrhaus weise; da könne er’s wahrscheinlich erfahren.
So kam es, daß der Jozup, der wütend von einem zum andern lief und alsbald erkannte, daß man ihn narre, schließlich einem Manne ins Angesicht sah, mit dem sich nicht so leicht umspringen ließ wie mit einem schutzlosen Weibe.
Ja, das Weib — das sei ihm egal, das könne seinetwegen gehen, Filzschuhe wichsen, aber das Kind — das Kind, das müsse er haben, tot oder lebendig.
Nun war der Pfarrer Hoffheinz aber ein guter Freund vom alten Settegast — er hat ja später in zweiter Ehe auch dessen Tochter geheiratet —, das sagte er dem Jozup so nebenbei. Und daß, wenn auf diese Weise die Kürbisgeschichte ruchbar würde, von einem Verschulden der Frau nicht mehr die Rede sein könne, das sagte er auch.
Da wurde der Jozup alsbald ganz windelweich, ließ seine Ansprüche fahren und setzte für die Zeit nach der Scheidung auch noch ein Jahrgeld aus, so hoch, wie es einer Besitzersfrau zukommt.
Ohne die Marinke mit einem Auge gesehen zu haben, fuhr er zurück übers Haff — zurück zu seiner Mutter, der Wölfin. Und nie mehr hat er einen solchen Angriff gewagt.
Die Marinke blieb bei den guten Leuten, die ihr fast so zugetan waren wie einst die Mutter Enskys, und nährte zugleich mit dem eigenen Kinde das fremde rosig und blank.
Und als ein Jahr darauf dessen Vater herbeigesegelt kam, nach ihm zu sehen, da fand er es nicht anders, als ob die tote Mutter noch lebte.
So geschah es fast von selber, daß die beiden sich miteinander versprachen.
Er hatte in manchem Ähnlichkeit mit dem Jurris, und das gefiel der Marinke am meisten.
Die Hochzeit wurde in Frieden und Stille begangen. Und still und friedlich leben die beiden noch heute.
Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart
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Cotta’sche Gelbe Bibliothek Romane und Novellen

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Althof, Paul (Alice Gurschner), Die wunderbare Brücke und andere Geschichten M. 4.50
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Muellenbach, E. (E. Lenbach), Abseits. Erzählungen „ 4.50
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Pietsch, Otto, Das Gewissen der Welt. Roman. 9. u. 10. Aufl. „ 6.50
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Prel, Karl du, Das Kreuz am Ferner. Roman. 4. Aufl. „ 6.50
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—„— Vorstadtgeschichten. Gesamt-Ausgabe. 2. Reihe. (4. Tsd.) „ 5.50
—„— Heimatgeschichten. Gesamt-Ausg. 1. Reihe. 2. Aufl. (3. Tsd.) „ 5.50
—„— Heimatgeschichten. Gesamt-Ausg. 2. Reihe. 2. Aufl. (3. Tsd.) „ 5.50
—„— Von Perlin nach Berlin. Aus meinem Leben. Gesamt-Ausg. „ 5.50
—„— Phantasiestücke. Gesamt-Ausgabe „ 5.50
Seidel, H. Wolfgang, Erinnerungen an Heinrich Seidel. 2. Aufl. „ 5.50
Skowronnek, R., Der Bruchhof. Roman. 5. Aufl. „ 4.50
Speidel, Felix, Hindurch mit Freuden. Novellen „ 4.50
Stegemann, Hermann, Der Gebieter. Roman „ 4.—
—„— Stille Wasser. Roman „ 4.50
Steinhart, Armin (F. A. Loofs), Der Hauptmann. Eine Erzählung aus dem Weltkriege. 11.-15. Aufl. „ 4.—
Stratz, Rudolph, Alt-Heidelberg, du Feine ... Roman einer Studentin. 18.-20. Aufl. „ 5.50
—„— Buch der Liebe. Sechs Novellen. 5. Aufl. „ 4.—
—„— Die ewige Burg. Roman. 9. Aufl. „ 5.—
—„— Der du von dem Himmel bist. Roman. 8. u. 9. Aufl. „ 5.—
—„— Du bist die Ruh’. Roman. 11. u. 12. Aufl. „ 5.—
—„— Es war ein Traum. Berliner Novellen. 7 Aufl. „ 5.—
—„— Seine englische Frau. Roman. 41.-45. Aufl. „ 6.—
—„— Für Dich. Roman. 29.-33. Aufl. „ 5.50
—„— Gib mir die Hand. Roman. 15. u. 16. Aufl. „ 5.50
—„— Herzblut. Roman. 24.-26. Aufl. „ 5.50
—„— Ich harr’ des Glücks. Novellen. 7. Aufl. „ 5.—
—„— Der arme Konrad. Roman. 5. u. 6. Aufl. „ 5.—
—„— Liebestrank. Roman. 16.-20. Aufl. „ 5.50
—„— Montblanc. Roman. 10. Aufl. „ 4.50
—„— Du Schwert an meiner Linken. Ein Roman aus der deutschen Armee. 46.-50. Aufl. „ 6.—
—„— Stark wie die Mark. Roman. 28.-30. Aufl. „ 6.50
—„— Die zwölfte Stunde. Novellen. 1.-5. Tsd. „ 3.50
—„— Der weiße Tod. Roman. 24. u. 25. Aufl. „ 4.50
—„— Die letzte Wahl. Roman. 9. u. 10. Aufl. „ 5.50
Sudermann, Hermann, Es war. Roman. 59.-63. Aufl. „ 6.50
—„— Geschwister. Zwei Novellen. 35.-37. Aufl. „ 5.—
—„— Jolanthes Hochzeit. Erzählung. 31.-33. Aufl. „ 3.50
—„— Der Katzensteg. Roman. 106.-115. Aufl. „ 5.—
—„— Das Hohe Lied. Roman. 61.-65. Aufl. „ 6.50
—„— Die indische Lilie. Sieben Novellen. 21.-25. Aufl. „ 4.50
—„— Litauische Geschichten. 1.-25. Aufl. „ 5.—
—„— Frau Sorge. Roman. 156.-160. Aufl. Mit Jugendbildnis „ 5.—
—„— Im Zwielicht. Zwanglose Geschichten. 37. u. 38. Aufl. „ 3.50
Telmann, Konrad, Trinacria. Sizilische Geschichten „ 5.50
Trojan, Johannes, Das Wustrower Königsschießen und andere Humoresken. 4. u. 5. Aufl. „ 3.50
Uxkull, Gräfin Lucy, Rote Nelken. Ein sozialer Roman „ 5.50
Vockeradt, Emma, Wanderer im Dunkeln. Roman „ 4.50
Vogt, Martha, An schwarzen Wassern. Zwei Novellen „ 4.—
Vollert, Konrad, Sonja. Roman „ 6.—
Voß, Richard, Alpentragödie. Roman. 5. u. 6. Aufl. „ 6.—
—„— Römische Dorfgeschichten. 5. vermehrte Aufl. „ 5.—
—„— Erdenschönheit. Ein Reisebuch. 2. Aufl. „ 4.—
—„— Du mein Italien. Aus meinem römischen Leben. 2. u. 3. Aufl. „ 6.—
—„— Der Polyp und andere römische Erzählungen. 2. Aufl. „ 5.50
—„— Richards Junge (Der Schönheitssucher). Roman. 3. Aufl. „ 6.50
Watzdorf-Bachoff, E. v., Maria und Yvonne. Geschichte einer Freundschaft. 2. Aufl. „ 5.—
Wilbrandt, Adolf, Adams Söhne. Roman. 3. Aufl. „ 6.—
—„— Adonis und andere Geschichten. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Meister Amor. Roman. 3. Aufl. „ 5.—
—„— Das lebende Bild und andere Geschichten. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Dämonen und andere Geschichten. 3. u. 4. Aufl. „ 4.50
—„— Der Dornenweg. Roman. 5. Aufl. „ 5.50
—„— Erika — Das Kind. Erzählungen. 3. Aufl. „ 5.—
—„— Fesseln. Roman. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Franz. Roman. 3. Aufl. „ 5.—
—„— Die glückliche Frau. Roman. 4. Aufl. „ 4.50
—„— Fridolins heimliche Ehe. 4. Aufl. „ 4.—
—„— Schleichendes Gift. Roman. 3. Aufl. „ 4.50
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—„— Ein Mecklenburger. Roman. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Opus 23 und andere Geschichten. 2. Aufl. „ 4.50
—„— Die Osterinsel. Roman. 6. Aufl. „ 5.50
—„— Vater Robinson. Roman. 3. Aufl. „ 4.50
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—„— Die Schwestern. Roman. 2. u. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Sommerfäden. Roman. 2. u. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Am Strom der Zeit. Roman. 2. u. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Die Tochter. Roman. 2. u. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Vater und Sohn und andere Geschichten. 2. Aufl. „ 4.50
—„— Villa Maria. Roman. 3. Aufl. „ 4.50
—„— Große Zeiten und andere Geschichten. 3. Aufl. „ 4.50
Wildenbruch, E. v., Schwester-Seele. Roman. 22. u. 23. Aufl. „ 5.50
Wohlbrück, Olga, Die neue Rasse. Roman. 2.-5. Aufl. „ 6.50
Worms, C., Aus roter Dämmerung. Baltische Skizzen. 2. Aufl. „ 4.—
—„— Du bist mein. Zeitroman. 2. Aufl. „ 5.50
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—„— Schloß Mitau. Bilder aus Kurlands Vergangenheit. 1. u. 2. Aufl. „ 4.—
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—„— Thoms friert. Roman. 3. u. 4. Aufl. „ 5.50
—„— Überschwemmung. Eine baltische Geschichte. 2. Aufl. „ 4.—
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Auerbach, Berthold, Barfüßele. 47. u. 48. Aufl. M. 2.50
—„— Auf der Höhe. Roman. 2 Bände „ 4.20
—„— Das Landhaus am Rhein. Roman. 2 Bände „ 4.20
—„— Spinoza. Ein Denkerleben „ 1.70
—„— Waldfried. Eine vaterländische Familiengeschichte „ 2.10
Baumbach, Rudolf, Erzählungen und Märchen. 17. Tsd. „ 3.—
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Boy-Ed, Ida, Das Martyrium der Charlotte v. Stein. 3.-5. Aufl. „ 3.—
Ebner-Eschenbach, Marie v., Die erste Beichte. Miniatur-Ausgabe. Mit Bildnis. 2. Aufl. „ 2.—
Grisebach. Ed., Kin-ku-ki-kuan. Chinesisches Novellenbuch „ 4.—
Harbou, Thea v., Der Krieg und die Frauen. Novellen. Neue wohlfeile Ausgabe. 86.-95. Tsd. Leicht gebunden „ 1.80
In Geschenkband „ 3.—
Herzog, Rudolf, Die Welt in Gold. Novelle. 16.-20. Aufl. „ 2.50
Heyse, Paul, L’Arrabbiata. Novelle. 14. Aufl. „ 2.40
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Hoffmann, Hans, Bozener Märchen und Mären. 3. Aufl. „ 3.50
—„— Ostseemärchen. 3. Aufl. „ 4.—
Keller, Gottfried, Der grüne Heinrich. Roman. 3 Bände. 86.-90. Aufl. „ 13.50
—„— Die Leute von Seldwyla. 2 Bände. 101.-107. Aufl. „ 9.—
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Kügelgen, Wilhelm v., Jugenderinnerungen eines alten Mannes. Original-Ausgabe. 26. u. 27. Aufl. „ 3.—
Kurz, Isolde, Unsere Carlotta. Erzählung „ 3.—
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Müller, Hans, Die Kunst sich zu freuen. Gestalten, Bilder und Ergebnisse. 4.-8. Aufl. „ 6.—
Olfers, Marie v., Neue Novellen „ 4.50
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Riehl, W. H., Ein ganzer Mann. Roman. 4. Aufl. „ 7.—
Seidel, Heinrich, Reinhard Flemmings Abenteuer zu Wasser und zu Lande. 3 Bände. 10. Tsd. je „ 4.—
—„— Wintermärchen. 2 Bände. 4. Tsd. je „ 4.—
—„— Ludolf Marcipanis und Anderes. Aus dem Nachlasse herausgegeben von H. W. Seidel. 2. Tsd. „ 4.—
Wilbrandt, Adolf, Novellen „ 4.50
Der Zensurstempel „A. g. XIII.“ wurde von der Titelseite entfernt.
Systematische Schreibungen ohne Umlaut wurden belassen wie im Original: futtern, Hauschen, Blumchen, Katzchen, Tochterchen, Jahrchen u. a.
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Änderungen, teilweise unter Zuhilfenahme anderer Auflagen, sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
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