Note 258 — Zweites Buch.
Eugen Rolfes translation
In den bejahenden Schlüssen kann die petitio principii wie in der 1. so in der 3. Figur vorkommen, nicht in der 2., die keine bejahenden Schlüsse hat. Beispiel: Manches Animalische weint; jedes Animalische nimmt wahr; manches Wahrnehmende weint. Man kann ebensogut sagen: Manches Wahrnehmende weint; jedes Wahrnehmende ist ein animalisches Wesen; manches Animalische weint. In den verneinenden Schlüssen kann die verneinende Konklusion und die bejahende Prämisse nicht identisch sein, und darum kommen für die 1. und für die 3. Figur nur die Fälle in Betracht, wo dieselben Bestimmungen einem tatsächlich identischen Subjekt abgesprochen werden. Beispiel: Keine dreiseitige Figur hat eine Winkelsumme, die nicht 2 Rechten gleich ist; jede dreiseitige Figur ist ein Dreieck; kein Dreieck hat eine Winkelsumme, die nicht 2 Rechten gleich ist. Man kann ebensogut sagen: kein Dreieck hat eine Winkelsumme, die nicht 2 Rechten gleich ist; jedes Dreieck ist eine dreiseitige Figur; keine dreiseitige Figur hat usw. In der 2. Figur kommen umgekehrt nur die Fälle in Betracht, wo demselben Subjekt tatsächlich identische Bestimmungen abgesprochen werden. Beispiel: Jede Tugend ist ein löblicher Habitus; die Feigheit ist kein löblicher Habitus; die Feigheit ist keine Tugend. Man könnte ebensogut sagen: jeder löbliche Habitus ist eine Tugend; die Feigheit ist keine Tugend; die Feigheit ist kein löblicher Habitus; vgl. Maier 356 f.