Note 254 — Zweites Buch.
Eugen Rolfes translation
Hier beginnt der 2. Teil des 2. Buches, der bis Kap. 21 einschließlich geht. Er handelt von den Schwächen und Mängeln des Syllogismus, nachdem der 1. Teil von seiner Tragweite und Kraft gehandelt hat. Fehler beim Schließen sind freilich bereits im 3. Teil des 1. Buches erörtert worden. Aber das waren, wie Maier 353 f. mit Recht bemerkt, formale Verstöße gegen die syllogistischen Regeln. Noch ist aber auf allgemein methodische Fehler hinzuweisen, die den Beweis gefährden. Es sind das Verstöße, die vorliegen können, auch wenn der Syllogismus selbst formell völlig korrekt ist. Ein erster Fehler dieser Art ist die sog. petitio principii, τὸ ἐν ἀρχᾖ oder ἐξ ἀρχῆς αἰτεῖσθαι, vgl. Soph. Widerll. 5, 167 a 36 ff.; 6, 168 b 22 ff.; 7, 169 b 13; 27, 181 a 15 ff. Er besteht darin, daß man voraussetzt, was zu beweisen ist. Die lat. technische Bezeichnung ist, wie Trendelenburg Elem. log. Arist. § 42 betont, nicht ganz zutreffend. Ein Prinzip kommt hier nicht in Frage, sondern eine von Anfang ins Auge gefaßte Folgerung, die man, statt sie zu beweisen, vorausgesetzt; vgl. in unserer Übersetzung der Soph. Widerll. Anm. 262.