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Lehre vom Schluss

Note 300 — Zweites Buch. (continued 2)

Eugen Rolfes translation

Der physiognomische Schluß gehört als Teil in die Semiotik, er ist eine besondere Art desjenigen Schlusses, der auf Zeichen fußt. Gegenwärtig bezieht man die Physiognomik ausschließlich auf den Menschen, man schließt aus dem Äußeren auf das Innere. Die ar. Physiognomik ist teils weiteren, teils engeren Umfangs als die moderne, weiteren Umfangs, sofern sie auch die Tiere einbegreift, engeren, sofern sie beim Menschen nur auf diejenigen seelischen Erscheinungen und Eigenschaften schließt, die der Seele, um mit Aristoteles zu reden, mit dem Leibe gemeinsam sind, sofern ihr Subjekt oder Träger der beseelte Leib ist. Von der Art sind z. B. der Zorn und die Begierde. Die moderne Physiognomik zieht dagegen aus dem Körperlichen, wie Gesichts- und Kopfbildung, Folgerungen auf den Geist, z. B. auf spekulative Anlage oder auf Geistesschärfe. Die arist. Physiognomik scheint insofern wissenschaftlicher zu sein, als der beseelte Leib und seine Organe der Träger der sinnlichen Erscheinungen sind, während das Denken und wollen nur der Seele angehört, vgl. de anima 1, 1 und 3, 4.

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